Strategie des Eurosystems Seite 2 von 2
Fragestellung: Beschreiben Sie die geldpolitische Strategie des
Eurosystems und kommentieren Sie kurz die Stärken und
Schwächen dieses Systems!
In dem folgenden Aufsatz wird die Rolle der geldpolitischen Strategie des Eurosystems beschrieben. Außerdem werden die Stärken und Schwächen des Systems erörtert.
Das Eurosystem besteht aus den nationalen Zentralbanken der Mitgliedstaaten und der europäischen Zentralbank, die den Euro in der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion eingeführt haben. Desweiteren existiert das europäische System der Zentralbanken, welches neben den Mitgliedern des Eurosystems jene nationale Zentralbanken beinhaltet, welche noch nicht mit Beginn der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion die Währung Euro eingeführt haben. Die Aufgabe des Eurosystems besteht darin, die einheitliche Geldpolitik für das Euro-Währungsgebiet zu steuern.
Das vorrangige Ziel des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) ist die Wahrung der Preisstabilität und damit auch der Erhalt der Wertstabilität der Währung Euro. Ergänzend zu dieser Zielsetzung verfolgt das ESZB- wenn dessen primäres Ziel nicht beeinträchtigt wird- gemeinschaftliche Ziele der EG. So wird eine ausgewogene Entwicklung, sowie umweltverträgliches, nichtinflationäres und beständiges Wirtschaftswachstum mit einem hohem Beschäftigungsniveau angestrebt.
Die Begründung für die formulierte Zielsetzung der Preisstabilität liegt in der Ansicht der effizienten Allokation von Ressourcen, dem effizienten Einsatz von Arbeit und Kapital. Weiterhin sichern stabile Preise ein langfristiges, niedriges Zinsniveau mit dem Effekt der Förderung von Investitionen und Wachstum. Verzerrungseffekte durch das Steuer- und Sozialsystem auf die realen Kosten sowie im inflatorischen bzw. deflatorischen Umfeld entstehende Umverteilung des Vermögens und Einkommens werden vermieden.
Die Strategie des ESZB zur Erreichung der Zielsetzung besteht aus drei Elementen. Das erste Element ist die quantitative Festlegung der Preisstabilität. Gestützt wird die
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Strategie der Preisstabilität durch zwei Säulen, der Festsetzung des Wachstums der Geldmenge M3 und der Beurteilung der zukünftigen Aussichten der Preisentwicklung anhand monetärer und konjunktureller Indikatoren. Die quantitative Festlegung der Preisstabilität geschieht ü ber den sogenannten harmonisierten Verbraucherpreisindex. (HVPI). So wird die Preisstabilität definiert als den Anstieg des HVPI von unter 2% gegenüber dem Vorjahr. Dabei liegt der Fokus auf der mittelfristigen Einhaltung der Preisstabilität als Instrument der Immunisierung des ESZB gegenüber Vorwürfen der kurzfristigen
Preisschwankungen aus unvorhersehbaren wirtschaftlichen Schocks. Änderungen aufgrund starker und kurzfristig schwankender Rohstoffpreise und Auswirkungen indirekter Steuern, die eine Volatilität der Verbraucherpreise erzwingen, die aber durch das ESZB nicht beeinflußt werden kann sind ein Beispiel dafür. Dennoch garantiert die mittelfristige Ausrichtung eine gewisse Handlung-und
Reaktionsfähigkeit des ESZB hinsichtlich wirklicher monetärer V eränderungen im mittel- bis langfristigen Zeitablauf.
Die erste Säule zur Stützung der Strategie der Preisstabilität ist die Festlegung des Referenzwertes der Steigerung der Geldmenge M3. Dabei soll der Referenzwert der Geldmenge im Einklang mit dem mittelfristigen Preisniveau stehen und als Vorlaufindikator für die zukünftige Preisentwicklung stehen. Es wird also unterstellt, daß die Geldmenge im Zusammenhang mit der Entwicklung des Preisniveaus steht und in der Geldnachfragefunktion als stabiles Verhältnis zwischen Geldnachfrage und Preisniveau bei einem bestimmten Zinssatz und Realeinkommen existiert. Dabei wird das Instrument der Geldmengensteuerung durch die Zinspolitik nicht als mechanistisches Instrument zur Reaktion auf kurzfristige Änderungen des Geldmengenwachstums eingesetzt, sondern ist mittelfristig angelegt und soll sich am Referenzwert orientieren. Der Referenzwert umfaßt Bargeldumlauf, Einlagenkomponenten,
Geldmarktfondsanteile und Schuldverschreibungen. Der Referenzwert wird nicht als Referenzkorridor angegeben, sondern als fester Referenzsatz. Damit bezweckt man die Verhinderung der Erwartung von Zinsänderungen bei Entwicklungen des Referenzwertes außerhalb des Korridors und erlaubt aber e ine Schwankung um diesen Referenzsatz. Die Strategie der Mittelfristigkeit wird dadurch untermauert.
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Florian Schoetzke, 2000, Die Rolle der Geldpolitik, Munich, GRIN Publishing GmbH
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