Leitwährungssystem Seite 2 von 2
Fragestellung: Diskutieren Sie das Pro und Contra eines
Leitwährungssystems!
In dem folgenden Aufsatz werden die Stärken und Schwächen eines Leitwährungssystems diskutiert.
Grundsätzlich wird zwischen einem Regime der flexiblen und der festen Wechselkurse unterschieden, die ihrerseits unterschiedliche Auswirkungen der Fiskal- und Geldpolitik aufweisen. Ein Regime fixer Wechselkurse zeichnet sich dadurch aus, dass die Tauschparitäten zwischen den Währungen stetig konstant sind und auch gehalten werden. Gerät eine Austauschbeziehung zweier Währungen in ein Ungleichgewicht, so greifen die jeweiligen Zentralbanken mittels Kauf oder Verkauf von Devisen stabilisierend ein. So besteht die hauptsächliche Aufgabe der Zentralbanken die Wahrung der Stabilität der Wechselkursparität zwischen den Währungen. Ein Regime der flexiblen Wechselkurse lässt eine Schwankung der Austauschverhältnisse mindestens zweier Währungen zu. Die Zentralbanken intervenieren nicht sofort, wenn ein Ungleichgewicht auftritt, sondern verfolgen eher das Ziel der Preisstabilität bzw. der internen Stabilität des Landes. Ein Leitwährungssystem ist durch ein Regime der festen Wechselkurse gekennzeichnet und wird angeführt durch ein Leitwährungsland, an dem sich die Nicht-Leitwährungsländer wirtschaftspolitisch orientieren. Die wichtigste Voraussetzung für ein Leitwährungsland ist die Liquiditätsprämie der Leitwährung. Sie beinhaltet die weltweite Verfügbarkeit und die damit implizite Anerkennung als Zahlungsmittel auf wichtigen Handelsplätzen der Welt.
Innerhalb eines Leitwährungssystems existiert eine Währungshierarchie zwischen den Ländern mit einer hohen und niedrigen Liquiditätsprämie. Aufgrund des Zuflusses liquiditätsorientierter Mittel findet sich das Land mit der höchsten Liquiditätsprämie – unabhängig von den geldpolitischen Aktivitäten – in der Position eines Leitwährungslandes. Damit ergibt sich eine Währungskonkurrenz zwischen Ländern mit international unterschiedlicher Liquiditätsgrade, die die polare Struktur des Leitwährungssystem erklärt. Die Asymmetrie des Zwangs zur Aufrechterhaltung der externen Zahlungsfähigkeit führt zu einer polaren Struktur innerhalb von Leitwährungssystemen, weil die Währungskonkurrenz eine Einseitigkeit
Leitwährungssystem Seite 3 von 3
liquiditätsorientierter Kapitalströme begründet. Wie die Stellung eines Leitwährungslandes den Zufluss von liquiditätsorientierten Kapital impliziert, so die Stellung eines Landes mit abhängiger Währung den Abfluss desselben. In einer einfach konstruierten Währungshierarchie ist das Spiegelbild der Überbewertung des Leitwährungslandes die Unterbewertung der Nicht – Leitwährungsländer. Daraus ergibt sich, dass das Leitwährungsland überwiegend Leistungsbilanzdefizite durch Kapitalbilanzüberschüsse finanziert, umgekehrt die Nicht – Leitwährungsländer vorwiegend ihre Zahlungsfähigkeit und Konvertibilität der Währung durch Leistungsbilanzüberschüsse stabilisieren.
Eine Einflussmöglichkeit der externen Stabilisierung – die im Grunde auf die Aufrechterhaltung der Konvertibilität zielt – ist die Nominallohnsteigerung bzw. Preisniveauveränderung eines Landes. Bei steigendem Nominallohn folgt eine Aufwertung der Währung bei gleichzeitiger Senkung der Konkurrenzfähigkeit durch den impliziten Preisniveauanstieg. Im Gegensatz zu den abhängigen Währungen ist das Leitwährungsland nicht in dem Zwang eine externe Stabilisierung zu sichern. Aufgrund der Tatsache, dass das Leitwährungsland nicht illiquide werden kann, weil es die Leitwährung stellt, hat es nur die Aufgabe der Wahrung des Vertrauens in die eigene Währung. Es stellt sich hier eine Stärke eines Leitwährungssystems heraus, welches darin besteht, dass die externe Stabilisierung d urch die abhängigen Länder mit dem Ziel der Wahrung der Konvertibilität gesichert wird, gleichermaßen das Leitwährungsland durch seine Zinspolitik als wirkungsvollstes Instrument die Preisstabilität aller Länder sichert und die Währungskonkurrenz zwischen den Ländern reduziert. Daraus ergibt sich, dass das Vertrauen in die abhängigen Währungen vorhanden bleibt, weil die Wechselkursparitäten konstant bleiben. So besteht nur eine geringe Gefahr der Überschuldung der abhängigen Länder durch abrupte Abwertungstendenzen, wie es beispielsweise in einem System flexibler Wechselkurse möglich wäre.
Die Stabilität eines solchen Systems kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass unter der Führung eines Leitwährungslandes stabile internationale Kapitalströme und ein weltweit funktionierender Saldenausgleich der Zahlungsbilanzen gesichert wird. Somit sind explodierende Leistungsbilanzungleichgewichte und damit verbunden ein hoher Druck auf die Wechselkurse sehr unwahrscheinlich. Das das Leitwährungsland eine stabilisierende Funktion insbesondere im Finanzmarkt hat lässt sich aus der dem Leitwährungsland zugeschriebenen Rolle des sog. „ internationalen Lender of Last
Leitwährungssystem Seite 4 von 4
Resort“ beschreiben. Zentralbanken können innerhalb eines Währungssystems wie Geschäftsbanken in einem nationalen Bankensystem illiquide werden. In einem stabilen Leitwährungssystem gibt es nur die eine Zentralbank, die international nie zahlungsunfähig werden kann, nämlich die Zentralbank des Leitwährungslandes. Es funktioniert so, das im Falle der Zahlungsunfähigkeit aufgrund eines Leistungsbilanzdefizits Kredite an das Schuldnerland gewährt werden können, um die Anpassung an veränderte außenwirtschaftliche Restriktionen für abhängige Länder realisieren zu können. Mit diesem Instrument wird die Stabilität des Währungssystems unterstützt und insbesondere das Vertrauen in das Leitwährungsland gewahrt. Im diesem Zusammenhang soll darauf hingewiesen werden, dass das Leitwährungsland oben beschriebene Finanzkrisen vorbeugen soll und kann. Durch die Offenhaltung der Märkte für Exportgüter aus Ländern mit Zahlungsbilanzproblemen wird das Liquiditätsproblem gelindert oder gar gelöst.
Die hohe Verflechtung der Länder innerhalb eines Leitwährungssystem scheint wie im vorangegangenen Abschnitt beschrieben eine Garantie für ein stabiles Wirtschaftssystem. Man könnte meinen, dass das Leitwährungsland das einzige Land ist, welches eine autonome Wirtschaftspolitik betreiben könnte. Dem ist aber nicht so, denn jede fiskalpolitische und /oder monetäre Entscheidung wird sich wie eine Kettenreaktion in die hierarchisch der nachlagerten, abhängigen Länder durchleiten. So ist das Leitwährungsland ungeachtet nationaler Gegebenheiten dazu angehalten seine Währungs- und Wirtschaftspolitik im Interesse der Beteiligten des Währungssystems zu g estalten. Und damit hätten wir den ersten Schwachpunkt. Im Falle der USA gegen Ende der 60er Jahre wird deutlich, dass eine national begründbare Wirtschaftspolitik sehr negative Auswirkungen auf die abhängigen Staaten hatte.
Es soll aber auch betont werden, dass zu dieser Zeit die D -Mark eine „stärker“ werdende Währung wurde, die viele Vermögensbesitzer lockte und zusätzlich den Kapitalabfluss aus dem Dollar unterstützte. Gleichwohl wird in diesem Zusammenhang aber auch deutlich, dass vertraglich institutionalisierte Wechselparität wie beispielsweise jene des Dollars zum Gold aufgrund der Marktfunktionalität seitens der USA aufgehoben werden musste, um eben geldpolitische Ziele im Land selbst erreichen zu können.
Quote paper:
Florian Schoetzke, 2001, Vor- und Nachteile eines Leitwährungssystems, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Corporate Governance Kodizes: Arten und Ausprägungen
Business economics - Business Ethics, Corporate Ethics
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 31 Pages
Erfolgsvoraussetzungen für Währungsunionen
Economics - Monetary theory and policy
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Eine Abhandlung über den Mythos "Banken schöpfen Geld aus dem Nic...
Economics - Monetary theory and policy
Termpaper, 13 Pages
Natürliche, gesellschaftliche, spontane und künstliche Elemente der Ge...
Economics - Monetary theory and policy
Termpaper, 21 Pages
Der Goldstandard (1880-1914) – ein stabilitätsgerechtes Festkurssystem...
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
Funktionsweise des Goldstandards
Economics - Monetary theory and policy
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
Geschichte, Struktur, Strategien und Instrumente der US-Notenbank
Economics - Monetary theory and policy
Bachelor Thesis, 37 Pages
Ungleiche Lohnverteilung durch den Handel mit Entwicklungsländern?
Sociology - Social System, Social Structure, Class, Social Stratification
Scholary Paper (Seminar), 27 Pages
Entstehung, Stabilisierung und Verfall von Leitwährungssystemen
Business economics - Economic and Social History
Termpaper, 22 Pages
Die historische Entwicklung der Geldpolitik
Economics - Monetary theory and policy
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 19 Pages
Business economics - Business Ethics, Corporate Ethics
Scholary Paper (Seminar), 19 Pages
Welche Bedeutung hatte die Einführung des Goldstandards für das Deutsc...
Business economics - Economic and Social History
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Diskussion einer Reform des Weltwährungssystems
Business economics - Investment and Finance
Scholary Paper (Seminar), 36 Pages
Florian Schoetzke has published the text Vor- und Nachteile eines Leitwährungssystems
Florian Schoetzke has uploaded a new text
Der Erkenntniswert politischer Argumente in der Anwendung und wissensc...
Eine Untersuchung zur Bedeutun...
Horst Zinke
Grundlagen der Politischen Ökonomie II. Ökonomische Theorie der Politi...
Peter Bernholz, Friedrich Breyer
Reflexionen auf politikwissens...
Jörg Klawitter, Matthias Gsänger, Christian Zimmermann
0 comments