Till Westermayer Straße und Verkehr auf der Datenautobahn Seite 2
Inhaltsübersicht
Inhaltsübersicht 2
Straße und Verkehr auf der Datenautobahn Eine Umfrage in verschiedenen Netz-
Diskussionsforen 3
1. Theoretische Grundlage 3
2. Aufbau der Untersuchung 4
2.1 Wer wurde befragt 4
2.2 Aufteilung in kontrastierende Gruppen 5
2.3 Die Erfassung der Straßenwahrnehmung 7
2.4 Weitere Faktoren 8
3. Kopplungen: Verkehrsinklusion und Straßenwahrnehmung 9
3.1 Assoziationen zum Begriff Straße nach Inklusion ins Verkehrssystem 9
3.3 Automobile Inklusion und die Typikalität von Straßen 13
4. Weitere Einflußfaktoren 17
4.1 Einfluß des Wohnortes auf die Straßenwahrnehmung 17
4.2 Einstellungen zu Verkehrspolitik und die Wahrnehmung von Straßen 19
4.3 Weitere Zusammenhänge 21
5. Zusammenfassung und Schlußfolgerungen 21
Anhang 1: Kurzauswertung der Umfrage 23
1. Allgemeines zur Umfrage 23
2. Sozialstruktur der UmfrageteilnehmerInnen 23
3. Die Frage nach der Repräsentativität 24
4. Auf das Thema Verkehr und Straße bezogene Fragen 25
5. Was hat die Frage nach dem Religionsunterricht hier zu suchen 27
6. Fazit der Kurzauswertung 29
Anhang 2: Fragebogen 30
Anhang 3: Variablenbildung 34
Literaturverzeichnis 38
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 3
»Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn.
Eine Umfrage in verschiedenen Netz-Diskussionsforen
Minuten später blenden in dem Fluß der roten
1. Theoretische Grundlage
Straße kann unter ganz verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden, als Ort
sozialen Handelns genauso wie als Transportmedium für Waren und Personen.
Nicht nur SoziologInnen, sondern auch ‘ganz normale Menschen’ meinen nicht
immer dasselbe, wenn sie von Straßen sprechen. Ziel dieser Arbeit war es, einen
Einblick darin zu erhalten, wovon es abhängt, ob eine Straße eher als umwelt-
zerstörendes Ärgernis, als urbaner Lebensraum oder schlicht und einfach als
Bauwerk (vgl. etwa Lay 1994) wahrgenommen wird. Dieser allgemeine, weitge-
faßte Ansatz wird in der Arbeit darauf beschränkt, zu untersuchen, welche Be-
ziehungen zwischen der Inklusion ins Verkehrssystem und der Wahrnehmung von
Straße bestehen.
Der Begriff der Inklusion ins Verkehrssystem lehnt sich dabei an (Hohm 1997a)
an, wobei hier nicht die Straßenwahrnehmung von über Leistungsrollen ins
Verkehrssystem eingebundenen Personen 1 interessiert, sondern die Straßenwahr-
nehmung der über Laienrollen ins Verkehrssystem inkludierten. Meine These
dabei ist, daß die Art der primären Inklusion – also etwa als Autofahrerin, oder als
Fußgänger – nicht ohne Folgen für die Wahrnehmung von Straße bleibt. An jede
spezifische Laienrolle, die jeweils mit der Inklusion verbunden ist, werden spezi-
fische Anforderungen gestellt. Ein Autofahrer als Lenker eines Autokörpers muß in
der Lage sein, schnell elektronische Lichtzeichen und sich am Straßenrand
befindliche Verkehrsschilder zu entziffern. Eine Inhaberin der Laienrolle „Fahr-
gast des öffentlichen Nahverkehrs“ muß hingegen nicht auf die Lichtzeichen an
anderen Autokörpern achten, und auch nicht auf die Piktogramme der Verkehrs-
zeichen, sondern muß einen Fahrplan lesen können und wissen, wie die Fahrkarte
zu lösen ist. Handelt es sich um Busfahrten oder Fahrten mit einer nicht auf
eigener Spur fahrenden Straßenbahn, so nimmt auch diese Person während der
Fahrt „die Straße“ wahr – aber mit ganz anderen Augen als der Autofahrer. Zu
vermuten wäre etwa, daß das Geschehen in den Randzonen der Straße bei vor-
1
Das wären z.B. BusfahrerInnen, oder auch PilotInnen.
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 4
wiegender Inklusion über den ÖPNV einen größeren Raum für die Bewertung und
damit auch für die Wahrnehmung von Straßen einnimmt, als das bei Inklusion in
das Verkehrssystem über das selbstgesteuerte Automobil geschieht. Ausgehend
von den ganz unterschiedlichen Geschwindigkeiten, die über die unterschiedlichen
Inklusionen erreicht werden können, ist die Länge der in der gleichen Zeit zurück-
legbaren Strecke unterschiedlich – auch das müßte Auswirkungen darauf haben,
ob jemand bei „Straße“ zuerst an eine belebte, kurze Stadtstraße oder an eine
lange, menschenleere 2 Landstraße oder Autobahn denkt.
Natürlich hängt die alltägliche Wahrnehmung von Straße nicht allein von der Art
der Inklusion ins Verkehrssystem ab, sondern ebenso von vielen anderen Faktoren.
Dazu gehört sicher die Frage des Wohnorts, also Dorf vs. Großstadt. Dazu gehört
aber auch die Mobilität, also die Frage, wie häufig lange Strecken zurückgelegt
werden. Mobilität und Inklusion ins Verkehrssystem sind dabei natürlich nicht
unabhängig voneinander. Ein weiterer Faktor, der etwas über die Wahrnehmung
von Straßen aussagen kann, ist das persönliche Wertesystem und Milieu: Höchst-
wahrscheinlich hat der alternativ lebende, die Grünen wählende Student, der in
einer Bürgerinitiative gegen Straßenneubau tätig ist, eine ganz andere Vorstellung
von Straßen als die konservative und lebenslustige Bankkauffrau, die übers
Wochenende gerne mal quer durch die Republik fährt, um Freunde zu besuchen.
Ziel der Arbeit war es, einige dieser Ideen empirisch zu untersuchen.
2. Aufbau der Untersuchung
2.1 Wer wurde befragt?
Da ich mir von vorneherein darüber bewußt war, daß es schwierig sein würde, mit
den Mitteln einer Hausarbeit eine Repräsentativumfrage zu dieser Frage auf die
Beine zu stellen, habe ich mich dafür entschieden, eher eine Art Kontrastdesign
anzuwenden. Dazu war es notwendig, Menschen mit unterschiedlicher primärer
Inklusion in das Verkehrssystem zu befragen. Am einfachsten erschien es mir,
dazu einen Fragebogen 3 zu entwerfen und diesen dann in newsgroups, also thema-
tisch orientierte Diskussionsforen verschiedener Datennetzen 4 zu übertragen.
Derartige newsgroups sollten durch die thematische Ausrichtung und durch die
relative Homogenität ihrer jeweiligen NutzerInnen eine Gewähr dafür bieten,
2
Menschenleer, da ja diese Straßen in der Regeln nicht direkt von Menschen bevölkert werden, sondern von in Autokörpern eingebetteten Menschen, und diese werden bei entsprechender Geschwindigkeit und Entfernung auch genau so wahrgenommen: Als autonome Automobile.
3
Vgl. Anhang 2, dort ist der verwendete Fragebogen abgedruckt.
4
Aufgrund der Struktur des Informationsaustausches in Datennetzen ist es nicht möglich, auf diese Art und Weise zu repräsentativen Daten zu gelangen. Da das in diesem Fall keine Rolle spielte, konnte das Internet problemlos genutzt werden.
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 5
Menschen mit unterschiedlicher Inklusion in das Verkehrssystem zu erreichen. Die
an einer newsgroup Teilnehmenden konnten sich der Kenntnisnahme des Frage-
bogens durch die verwendete Technik nicht entziehen; die tatsächliche Beteiligung
an der Umfrage lag jedoch in der Entscheidung jeder einzelnen Person.
Da es mir hier besonders darauf ankam, den Einfluß von motorisierter Eigen-
mobilität bzw. körpergebundener oder nicht-motorisierter Mobilität – also jeweils
unterschiedlichen Inklusionsvarianten – auf die Straßenwahrnehmung zu unter-
suchen, habe ich für die Umfrage newsgroups ausgesucht, die sich von vorneherein
mit diesen Arten der Mobilität auseinandersetzen, bzw. in denen eine Auseinan-
dersetzung der TeilnehmerInnen mit den verschiedenen Arten von Mobilität zu
erwarten war. Geantwortet haben auf den Fragebogen letztlich 110 Menschen, die
sich wie folgt auf die verschiedenen newsgroups aufteilen 5 .
+----------------------------------------+-----------------------+ | | Vereinfachte Quellen |
| | +----------------------------------------+-----------+-----------+ |Fahrradorientierte Gruppe |Verkehrsorientierte Gruppe
6
| |Umweltorientierte Gruppe |Motorradorientierte Gruppe | 14 | 12,7% | +----------------------------------------+-----------+-----------+ Tabelle 1. Verteilung der Befragten auf die verschiedenen Gruppen
2.2 Aufteilung in kontrastierende Gruppen
Die Aufteilung der TeilnehmerInnen der Umfrage sollte – wie erwähnt – aufgrund
der jeweiligen Inklusion in das Verkehrssystem erfolgen, oder anders ausgedrückt,
aufgrund des jeweils meistgenutzten Verkehrsmittels. Dieses wurde im Fragebo-
gen abgefragt, wobei die erste, zweite und dritte Wahl anzugeben waren. Als Ver-
kehrsmittel vorgegeben waren dabei die Varianten ‘zu Fuß gehen’, ‘Fahrrad fah-
ren’, ‘motorisiertes Zweirad’, ‘Auto als FahrerIn’, ‘Auto als MitfahrerIn’, ‘ÖPNV’,
‘Zug’ sowie ‘Sonstiges’. Die Ergebnisse können Tabelle 2 entnommen werden.
Es zeigte sich allerdings, daß die auf diese Art und Weise zustandekommenden zu
vergleichenden Kollektive jeweils nicht sehr umfangreich waren. Deswegen habe
ich in einem zweiten Schritt die Komplexität dieser Fragestellung in der Auswer-
tung radikal vereinfacht. Dieses geschah über die Bildung einer zweiwertig codier-
ten Variable, die eine Aussage über den Grad automobiler Inklusion erlaubt.
5
Details und weitere Ergebnisse der Befragung können dem Anhang 1 entnommen werden. Die Untersuchung wurde mit SPSS durchgeführt.
6
Das Diskussionsthema der Verkehrsorientierten Gruppen ist Mobilität und Verkehr ganz allgemein, daß Diskussionsthema der Umweltorientierten Gruppen ist Umweltschutz im weitesten Sinne.
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 6
+--------------------+---------------+---------------+---------------+
| |meistgenutztes | zweitmeist. | drittmeist. |
| |Verkehrsmittel |Verkehrsmittel | Verkehsmittel |
| +-------+-------+-------+-------+-------+-------+
| |Anzahl | % |Anzahl | % |Anzahl | % |
+--------------------+-------+-------+-------+-------+-------+-------+
|zu Fuß | 9 | 8,2% |
|Fahrrad | 60 | 54,5% |
|mot. Zweirad | 11 | 10,0% |
|Auto (FahrerIn) | 17 | 15,5% |
|Auto (MitfahrerIn) | 1 |
|ÖPNV | 7 | 6,4% |
|Zug | 5 | 4,5% | 12 | 11,5% | 21 | 21,0% |
+--------------------+-------+-------+-------+-------+-------+-------+
Tabelle 2. Anteile der Verkehrsmittel
Diese zweiwertige Variable ‘Inklusion’ kann die Werte ‘automobile Inklusion’ und
‘keine automobile Inklusion annehmen’. Sie nimmt immer dann den Wert ‘auto-
mobile Inklusion’ an, wenn das meistgenutzte oder an zweiter Stelle genannte
Verkehrsmittel ein Auto (als FahrerIn oder als MitfahrerIn) oder ein motorisiertes
Zweirad ist. 7 In allen anderen Fällen wird die primäre Inklusion als nicht-motori-
siert angenommen. Aus den vorliegenden Daten ergibt sich daraus dann die in
Tabelle 3 wiedergegebene Verteilung, wobei der große Anteil der Antworten von
FahrradfahrerInnen sich auch hier bemerkbar macht.
+--------------------+---------------+
| | Automobile |
| | Inklusion 1 |
| +-------+-------+
| |Anzahl | % |
+--------------------+-------+-------+
|nein | 61 | 57,0% |
|ja 8
| 46 | 43,0% |
+--------------------+-------+-------+
Tabelle 3. Primäre Inklusion ins Verkehrssystem
Die Verteilung der Daten steht offensichtlich ganz klar im Widerspruch zur tat-
sächlichen Verteilung der verschiedenen Inklusionsformen in das Verkehrssystem
in der Gesamtbevölkerung. So waren nach (Datenreport 1997: 357) in der Bundes-
republik 1995 82% der Fahrten motorisierter Individualverkehr, 18% ÖPNV und
Eisenbahnverkehr und 0,1% Luftverkehr. „Fahrten“ zu Fuß oder mit dem Fahrrad
wurden allerdings allem Anschein nach im Datenreport übersehen 9 … In der aktu-
ellen Untersuchung City:Mobil, die den Stadtverkehr in Freiburg und Schwerin
untersuchte, ergaben sich für Freiburg allerdings Werte von 28% zu Fuß zurück-
7 Ich bin mir bewußt, daß diese Handhabung etwas inkonsistent und inkonsequent ist. Als
Kompromiß zwischen den Erfordernissen einer möglichst hohen Fallzahl für beide
Variablenausprägungen und dem Untersuchungsinteresse halte ich diese Entscheidung jedoch
für vertretbar. Möglicherweise wäre auch eine feinere Unterscheidung zwischen
körpergebundener Eigenmobilität, motorisierter Fremdmobilität und motorisierter
Eigenmobilität sinnvoll gewesen.
8 Im Text unter anderem auch als „AutofahrerInnen“ bezeichnet, obwohl sich hinter dieser Gruppe
nicht nur Autofahrer und -fahrerinnen, sondern auch im Auto Mitfahrende und die NutzerInnen
motorisierter Zweiräder befinden. Vgl. auch vorherige Fußnote.
9 Vgl. zur ausführlichen Kritik an den Methoden derzeitigen Mobilitätsanalysen auch
(Monheim/Monheim-Dandorfer 1990: 89ff).
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 7
gelegter Wege und 17% Fahrrad-Fahrten, für Schwerin 32% Fußwege und 4%
Radfahrten (BZ 1997). Heiner Monheim und Rita Monheim-Dandorfer (1990: 91)
kommen zu Quoten von 30% Fußwegen, 10% Fahrrad, 11% Öffentlicher Verkehr
und nur noch 49% Autoverkehr; in der ebenfalls von ihnen zitierten KONTIV-
Untersuchung (Monheim/Monheim-Dandorfer 1990: 93) werden sogar insgesamt
56% der Wege mit Fuß, Rad, Mofa und ÖPNV zurückgelegt und nur noch 44% mit
dem Auto als FahrerIn oder als BeifahrerIn. Leider geben Monheim und Monheim-
Dandorfer nicht an, auf welche Jahre sich ihre Daten beziehen – aber die ur-
sprünglich als evident betrachtete Widersprüchlichkeit zwischen tatsächlicher Ver-
teilung der Verkehrsmittelnutzung und den in meiner Umfrage gefundenen Daten
wird so doch etwas relativiert.
Der Datenreport macht auch keine Aussagen darüber, wie sich diese Fahrten auf
Nah- und Fernverkehr verteilen. Nach (Holzapfel/Traube/Ullrich 1992: 36ff) ist das
Auto in der Praxis „überwiegend ein Nahverkehrsmittel“. Wieweit das auf die im
Datenreport erfaßten „Fahrten“ zutrifft, ist diesem leider nicht zu entnehmen.
Aber nicht nur das Auto dient überwiegend dem Nahverkehr – die meisten Fahr-
ten, egal mit welchem Verkehrsmittel, werden erfahrungsgemäß innerstädtisch
oder kleinräumig zurückgelegt.
Unter Berücksichtigung dieser ungeklärten Fragen ist zwar nicht zu erwarten, daß
die Verteilung der gesamtgesellschaftlichen primären Inklusion ins Verkehrs-
system der in meiner Umfrage gefundenen entspricht. Dies liegt zum einen an der
Anlage der Umfrage als Kontrastumfrage und zum anderen an der befragten Per-
sonengruppe. Aus den in der Umfrage gefundenen Verteilungen und Beziehungen
kann also nicht direkt auf entsprechende Verteilungen und Beziehungen in der
Gesamtgesellschaft zurückgeschlossen werden. Für vertretbar halte ich es aller-
dings, aus den herausgefundenen Unterschieden zwischen den beiden von mir ge-
bildeten Inklusionsgruppen tendentiell auf allgemeine Differenzen zwischen den in
verschiedenen Laienrollen in das Verkehrssystem eingebundenen zu schließen und
diese Unterschieder entsprechend zu verallgemeinern.
2.3 Die Erfassung der Straßenwahrnehmung
Die Art der Straßenwahrnehmung wurde im Fragebogen mit zwei unterschied-
lichen Fragen erfaßt. Zum einen wurde in der ersten Frage des Fragebogens darum
gebeten, freie Assoziationen zum Begriff „Straße“ zu nennen. Die hier genannten
Begriffe wurden im Lauf der Untersuchung in verschiedene Kategorien unterteilt
und aus diesen jeweils Variablen gebildet, die das Vorkommen oder Nicht-
Vorkommen von Begriffen aus diesen Kategorien erfassen.
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 8
Zum anderen wurden fünf verschiedene Straßentypen aufgeführt, und es wurde
gebeten, sie in eine Ordnung von der typischten bis zur untypischten Straße zu
bringen. Die semantische Ungenauigkeit des Begriffs ‘typisch’ wurde dabei von
einigen der Befragten bemängelt. Trotzdem beantworteten die meisten (84%) der
Befragten diese Frage. Die verwendten Straßentypen (vgl. Hohm 1997a: 47-74)
waren Autobahn sowie Landstraße als nicht-urbane Straßentypen einerseits und
städtische Hauptstraße, Spielstraße im Wohngebiet sowie Fußgängerzone als
typische Stadtstraßen andererseits. Für die Auswertung wurde zusätzlich zu dieser
Rangfolge noch erfaßt, ob die mit Rang 1 versehene Straße eine Stadtstraße war
oder nicht.
Leider erst nach der Durchführung der Umfrage fiel mir auf, daß die hier vor-
genommene Erfassung oder Messung von Straßenwahrnehmungen im Prinzip
einer Einstellungsmessung entspricht: Was für eine Einstellung haben Menschen,
abhängig von verschiedenen anderen Faktoren, zu Straßen? Insofern wären die
erzielten Ergebnisse vielleicht noch aussagekräftiger und eindeutiger gewesen,
wenn ich ergänzend zu oder an Stelle von diesen beiden Fragen einige besser zu
Messung von Einstellungen geeignete Fragetypen verwendet hätte. Ein wahr-
scheinlich brauchbares Instrument hierfür wäre das semantische Differential, wie
es in der Psychologie zur Einstellungsmessung verwendet wird. (Osgood/Suci/Tan-
nenbaum 1957; Stahlberg/Frey 1996).
2.4 Weitere Faktoren
Neben den schon genannten Variablen wurden im Fragebogen weitere Daten er-
hoben. Es wurde nach dem Besitz von Führerschein, Auto, BahnCard und ÖPNV-
Netzkarte und nach dem tatsächlichen Autozugriff gefragt. Die Häufigkeit von
Fahrten mit einer Länge über 100 km wurde erfaßt, sowie jeweils die Anlässe für
Fahrten unter und über 100 km Entfernung. Gefragt wurde weiter nach der Be-
wertung verschiedener auf den Themenkomplex Straße und Verkehr und allge-
mein auf den Lebensstil bezogener Aussagen.
Weiterhin wurde die Mitarbeit in Vereinen, Parteien/Gewerkschaften und Bürger-
initiativen abgefragt, ebenso wie verschiedene Freizeitbeschäftigungen und die
aktuell präferierte Partei. An persönlichen Daten wurden Alter, Geschlecht,
Bildungsstand, Art und Größe der Wohnorts sowie die Entfernung zwischen Wohn-
und Arbeits- oder Studienort erfaßt. Hier zeigten sich sehr deutlich die Auswir-
kungen einer auf Computernetze gestützten Befragung: So betrug der Frauen-
anteil unter den Befragten nur etwa 10%, und auch Alter und Bildungsniveau
zeigten netztypische Anomalien. Ähnliche Strukturen haben sich auch in Um-
fragen über die WWW-Nutzung ergeben. (Vgl. etwa W3B 1997).
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 9
Die meisten der so erfaßten Deskriptivdaten sind im Anhang 1 wiedergegeben, der
sich auch anhand eines Vergleichs mit der üblichen „Netz-Einwohnerschaft“ mit
der Frage der Übertragbarkeit der Ergebnisse befaßt. In Bezug auf den Themen-
komplex „Verkehrsinklusion und Straßenwahrnehmung“ sind einige der so erfaß-
ten Daten von Interesse, weil sie als Einflußfaktoren einerseits auf die Art der In-
klusion ins Verkehrssystem wirken und andererseits auch direkt die Bewertung
und Wahrnehmung von Straßen beeinflußen. So gibt es etwa Beziehungen
zwischen aus den verkehrsbezogenen Statements gewonnenen Präferenzen für
‘Schnelligkeit’ bzw. für ‘Ordnung’ und verschiedenen Kategorien der Assoziations-
frage. Im einzelnen wird auf diese Beziehungen im Abschnitt 4 eingegangen.
3. Kopplungen: Verkehrsinklusion und Straßenwahrnehmung
In diesem Abschnitt geht es darum, wieweit sich in der Umfrage Zusammenhänge
zwischen der automobilen bzw. nicht-automobilen Inklusion einerseits und der
Straßenwahrnehmung andererseits ergeben haben. Im ersten Teil werden die Zu-
sammenhänge zwischen der Inklusion in das Verkehrssystem und den bei der
Assoziativfrage angegebenen Begriffen dargestellt. Der zweite Teil des Abschnitts
untersucht die Beziehung zwischen der Inklusion und der Wertung der „typischten
Straße“.
3.1 Assoziationen zum Begriff „Straße“ nach Inklusion ins Verkehrssystem
Wie erwähnt, wurden die unterschiedlichen Assoziationen zum Begriff „Straße“
nach verschiedenen Kategorien unterteilt. Zur Kategoriebildung wurden sämtliche
genannte Assoziationen ausgewertet und bestimmte Stichworte jeweils zu Gruppen
zusammengefaßt, deren Vorkommen oder Nicht-Vorkommen wiederum in
Variablen erfaßt wurde. Von Interesse sind hierbei die Kategorien „Mobilität“, „Be-
lästigung, Ärger“, „Straße: Material“, „Sicherheit“ sowie „street life“. 10
Darüber hinaus wurde untersucht, ob die die zu Straße assozierten Begriffe ins-
gesamt Straße eher als etwas positives, als etwas negatives oder neutral darstel-
len. 11
10 Die jeweils zur Kategoriebildung verwendeten Stichwörter sind im Anhang 3 aufgeführt. 11 Hierzu wurde keine Wortlisten verwendet, sondern ganz subjektiv gewertet. Die dabei als negativ bzw. als positiv zu Straße gewerteten Aussagen sind ebenfalls in Anhang 3 aufgeführt.
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 10
A01B A: "Mobilität" by A03X Automobile Inklusion 1 A03X Page 1 of 1
Count |
Row Pct |nein ja
Col Pct |
| ,00|
A01B --------+--------+--------+
,00 | 44 | 25 | 69
kommt nicht vor | 63,8 | 36,2 | 71,1
| 80,0 | 59,5 |
+--------+--------+
1,00 | 11 | 17 | 28
kommt vor | 39,3 | 60,7 | 28,9
| 20,0 | 40,5 |
+--------+--------+
Column 55 42 97
Total 56,7 43,3 100,0
Tabelle 4. Assoziation „Mobilität“ und Automobile Inklusion
In Tabelle 4 wird der Zusammenhang zwischen automobiler Inklusion und der
Assoziation Straße-Mobilität dargestellt. Dabei zeigt sich, daß Mobilität signifikant
häufiger von automobil inkludierten Befragten als von nicht automobil inkludier-
ten Befragten genannt wurde (p=0.22, signifikant auf dem 5%-Niveau). Autofahrer-
Innen fallen deutlich häufiger als primären NutzerInnen des Umweltverbundes
auf Mobilität und Bewegung bezogene Begriffe zum Stichwort Straße ein. Dieser
Befund läßt sich gut mit der erhöhten „selbstbestimmten Mobilität sowohl in bezug
auf den Nah- als auch den Fernraum“ (Hohm 1997a: 42) der AutofahrerInnen in
Verbindung setzen. Wer auto-mobil ist, hat tendentiell größere Mobilitätschancen.
Die Vermutung, daß Mobilität – und damit auch die Zuordnung der Mobilität an
das Verkehrssystem Straße – für automobil inkludierte VerkehrsteilnehmerInnen
eine größere Rolle spielt als für primär anders in das Verkehrssystem
eingebundene, wird hier eindrucksvoll bestätigt. Der statistische Zusammenhang
sagt allerdings per se nichts darüber aus, ob das Autofahren Menschen dazu
bringt, Mobilität für wichtiger zu halten, und deswegen bei Straße insbesondere
auch an deren Mobilitätsfunktion zu denken, oder ob umgekehrt Menschen mit
einer Präferenz für Mobilität, die sich auch in ihrer Assoziationen zum Begriff
Straße zeigt, eher als andere das Auto als Verkehrsmittel wählen.
Noch deutlicher als bei der Mobilität zeigt sich bei der Assoziation „Belästigung
und Ärger“ ein statistischer Zusammenhang zwischen der primären Inklusion in
das Verkehrssystem. (p=-.33, hoch signifikant). Während fast zwei Drittel aller
nicht primär mit dem Auto Fahrenden Straße auch mit Begriffen der Belästigung
und des Ärgernisses in Verbindung bringen, ist dies nur bei etwa einem Drittel der
automobil Inkludierten der Fall. Hier spielt sicherlich auch ein ökologischer Faktor
im doppelten Sinne mit hinein: Wer sich an Diskussionsforen zu Themen wie „Um-
welt“ oder „Verkehr“ beteiligt, ist sich generell auch der negativen Seiten von
Straßenverkehr eher bewußt und wird dies auch bei Assoziationsfragen äußern.
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 11
Unabhängig davon scheint es aber auf jeden Fall hier eine starke Differenz zwi-
schen AutofahrerInnen und Nicht-AutofahrerInnen zu geben. Wer mit dem Auto
fährt, denkt bei Straße meistens nicht an etwas ärgerliches. Wer sich der Autover-
kehrsproblematik (vgl etwa Holzapfel/Traube/Ullrich 1992: 9-31) bewußt ist, ärgert
sich darüber und fährt seltener Auto.
A01C A: Belästigung, Ärger by A03X Automobile Inklusion 1
A03X Page 1 of 1
Count |
Row Pct |nein ja
Col Pct |
| ,00|
A01C --------+--------+--------+
,00 | 21 | 30 | 51
kommt nicht vor | 41,2 | 58,8 | 52,6
| 38,2 | 71,4 |
+--------+--------+
1,00 | 34 | 12 | 46
kommt vor | 73,9 | 26,1 | 47,4
| 61,8 | 28,6 |
+--------+--------+
Column 55 42 97
Total 56,7
Tabelle 5. Assoziation „Belästigung, Ärger“ und Automobile Inklusion
A01F A: "street life" by A03X Automobile Inklusion 1
A03X Page 1 of 1
Count |
Row Pct |nein ja
Col Pct |
| ,00|
A01F --------+--------+--------+
,00 | 42 | 36 | 78
kommt nicht vor | 53,8 | 46,2 | 80,4
| 76,4 | 85,7 |
+--------+--------+
1,00 | 13 | 6 | 19
kommt vor | 68,4 | 31,6 | 19,6
| 23,6 | 14,3 |
+--------+--------+
Column 55 42 97
Total 56,7 43,3 100,0
Tabelle 6. „street life“ und Automobile Inklusion
Vielleicht ist es aber gar nicht so sehr die Tatsache, daß nicht-automobil Inkludier-
te sich über Straßen und Straßenverkehr ärgern, die hieraus gelesen werden kann,
sondern eher eine Beziehung, bei der Straße für AutofahrerInnen primär als etwas
Monofunktionales gedacht ist, daß vor allem für die Bewältigung von Mobilität
zuständig ist. In diese Richtung deutet auch die (nicht signifikante) Tabelle 6, die
zeigt, daß Aspekte der Straßenkultur insgesamt sehr selten genannt werden, daß
diese aber, wenn sie denn als Assoziation zu Straße vorkommen, häufiger von
Nicht-AutofahrerInnen genannt werden. Die in (Hohm 1997b) beschriebene Multi-
funktionalität der Straße, die eben nicht nur als Raum von Mobilität beschrieben
werden kann, sondern auch viele andere Funktionen zugewiesen bekommt, scheint
in ihrer positiven wie auch negativen Ausprägung AutofahrerInnen weniger prä-
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 12
sent zu sein als Nicht-AutofahrerInnen. Ob das als empirische Bestätigung der in
(Grüne 1989) genannten Thesen zur AutoMobilen Gesellschaft ausreicht, sei da-
hingestellt. Es zeichnen sich jedenfalls deutliche Unterschiede in der Bedeutungs-
zuschreibung für Straße je nach Art der primären Inklusion in das Verkehrssystem
ab.
Auch bei den materiale Assoziationen (wie etwa „Asphalt“, „grau“), die sich auf den
dinglichen Charakter der Straße beziehen (vgl. Tabelle 7), zeigt sich eine leichte,
nicht signifikante Tendenz, nach der automobil Inkludierte etwas häufiger Asso-
ziationen zum dinglichen Charakter der Straße aufbauen als nicht automobil In-
kludierte. Dies mag mit der spezifischen Art des jeweiligen Erlebnischarakters von
Straße zusammenhängen – aus der Perspektive der die (Auto-)Straße Nutzenden,
der so der dingliche Charakter jederzeit vergegenwärtigt wird, oder aus der – ver-
muteten – Perspektive eines Nutzers der Straße als Sozialraum, der den dinglichen
Charakter in den Hintergrund treten läßt. Eine entsprechende leichte Verschie-
bung ergibt sich beim Kreuztabellieren von „street life“ und „materialen Assozia-
tionen“.
A01E A: "Straße material gedacht" by A03X Automobile Inklusion 1 A03X Page 1 of 1
Count |
Row Pct |nein ja
Col Pct |
| ,00|
A01E --------+--------+--------+
,00 | 37 | 25 | 62
kommt nicht vor | 59,7 | 40,3 | 63,9
| 67,3 | 59,5 |
+--------+--------+
1,00 | 18 | 17 | 35
kommt vor | 51,4 | 48,6 | 36,1
| 32,7 | 40,5 |
+--------+--------+
Column 55 42 97
Total 56,7
Tabelle 7: Assoziation „Straße: Material“ und Automobile Inklusion
Sehr deutliche Gemeinsamkeiten ergeben sich bei anderen Fragen. So wurden
Begriffe, die sich auf „Sicherheit“ beziehen, sowohl von AutofahrerInnen als auch
von NutzerInnen des Umweltverbandes nahezu gleich oft genannt, und zwar
fanden sich entsprechende Begriffe jeweils bei etwa 30% der Befragten.
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 13
A01G AllgemeineEinschätzung by A03X Automobile Inklusion 1
A03X Page 1 of 1
Count |
Row Pct |nein ja
Col Pct |
| ,00|
A01G --------+--------+--------+
-1,00 | 26 | 11 | 37
negativ | 70,3 | 29,7 | 38,1
| 47,3 | 26,2 |
+--------+--------+
,00 | 25 | 23 | 48
neutral | 52,1 | 47,9 | 49,5
| 45,5 | 54,8 |
+--------+--------+
1,00 | 4 | 8 | 12
positiv | 33,3 | 66,7 | 12,4
| 7,3 | 19,0 |
+--------+--------+
Column 55 42 97
Total 56,7
Tabelle 8: Zusammenhang zwischen Gesamtbewertung und automobiler Inklusion
Wenn die Assoziationen jeweils als Gesamtes betrachtet werden, ergibt sich eine
schon erwartete Differenz (p=.24, signifikant auf dem 10%-Niveau). Wer nicht
automobil inkludiert ist, bewertet Straße tendenziell negativer. Wer dagegen pri-
mär selbst Auto fährt, hat eher neutrale oder auch positive Assoziationen zum
Begriff Straße. Auch dies scheint Thesen zu unterstützen, nach denen das Straßen-
system heute stärker an den Interessen der autofahrenden Mehrheit als an den
Interessen der NutzerInnen der anderen Straßenfunktionen ausgerichtet ist.
3.3 Automobile Inklusion und die Typikalität von Straßen
A08X Rang 1: Stadtstrasse by A03X Automobile Inklusion 1
A03X Page 1 of 1
Count |
Row Pct |nein ja
Col Pct |
| ,00| 1,00| Total
A08X --------+--------+--------+
,00 | 25 | 28 | 53
nein | 47,2 | 52,8 | 58,9
| 50,0 | 70,0 |
+--------+--------+
1,00 | 25 | 12 | 37
ja | 67,6 | 32,4 | 41,1
| 50,0 | 30,0 |
+--------+--------+
Column 50 40 90
Total 55,6
Tabelle 9: Typikalität von Stadtstraßen je nach Inklusion
Im Fragebogen wurde auch danach gefragt, welche Straße am typischsten ist.
Vorgegeben waren dazu Autobahn, Landstraße, städtische Hauptstraße, Spiel-
straße im Wohngebiet sowie Fußgängerzone. Die TeilnehmerInnen an der Unter-
suchung mußten diese Straßentypen in eine Rangfolge von 1 bis 5 bringen (vgl.
Tabelle 10).
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 14
+--------------------+--------+--------+--------+--------+--------+
| | Rang | Rang | Rang | Rang | Rang |
| |Autobahn|städtisc|Spielstr|Landstra|Fußgänge|
| | |he |aße im |ße |rzone |
| | |Hauptstr|Wohnvier|
| | |aße |tel | | |
| +--------+--------+--------+--------+--------+
| | Anzahl | Anzahl | Anzahl | Anzahl | Anzahl |
+--------------------+--------+--------+--------+--------+--------+
|1,00 | 34 | 41 | 6 | 37 | 3 |
|2,00 |
|3,00 |
|4,00 |
|5,00 | 12 | 1 | 20 | 3 | 74 |
+--------------------+--------+--------+--------+--------+--------+
Tabelle 10: Rangordnungen insgesamt
Für den Vergleich der auf verschiedene Arten in das Verkehrssystem Eingebun-
denen wurden diese Straßentypen nun in Anlehnung an (Hohm 1997a) in Stadt-
straßen einerseits und Autobahn/Landstraße andererseits eingeteilt. In einer
neuen Variable wurde nun erfaßt, welcher Straße die jeweilige Person den Rang 1
zugebilligt hatte, einer Stadtstraße oder einer Nicht-Stadtstraße. Die Idee dabei
war, daß Nicht-Stadtstraßen von AutofahrerInnen wahrscheinlich wesentlich
häufiger als von NutzerInnen des Umweltverbundes verwendet werden.
Wie Tabelle 9 zeigt, ergeben sich dementsprechen deutliche Unterschiede darin,
welche Straße als typischte gewertet wurde (p=-0.20, signifikant auf dem 10%-
Niveau). Während AutofahrerInnen zu über zwei Dritteln Autobahnen und Land-
straßen als typische Straßen betrachteten, verteilte sich dies bei NutzerInnen des
Umweltverbundes jeweils auf etwa die Hälfte.
In seiner Beschreibung der Straße als Ort automobiler Inklusion macht Hans-
Jürgen Hohm die fundamentalen Unterschiede zwischen den beiden Straßentypen
deutlich. 12 Zur Autobahn sagt er unter anderem
„Resümiert man den Aufbau der Infrastruktur des Fahrbahnnetzes der Autobahn und
der sich an sie anschließenden Raumzonen, so wird deutlich, daß sie denjenigen
Straßentyp verkörpert, der sozialräumlich am stärksten gegenüber der Umwelt aus-
differenziert ist und am spezifischsten auf die Mobilitätserfordernisse und damit auf
die ungehinderte Fortbewegung auf weite Distanzen hin zugeschnitten ist.“ (Hohm
1997a: 49)
und
„Was schließlich die funktionale Differenzierung der Autobahn anbelangt, so stellt sie
denjenigen Straßentyp dar, der im Unterschied zu allen anderen Subsystemen des
Verkehrssystems Straße den Typus des motorisierten Individualverkehrs am
deutlichsten verkörpert.“ (Hohm 1997a: 51)
Die Stadtstraße hingegen beschreibt Hohm wie folgt:
12 Dabei gehe ich davon aus, daß Landstraßen eher „autobahnlich“ sind.
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 15
„Typisch für die städtischen Straßen ist ferner, daß sie im Gegensatz zur Autobahn
oder Landstraße in gleichsam paradigmatischer Form die Differenzierung der Raum-
zonen in Fahrbahn, Randzone, Zwischenzone, Gebäudezone und Freifläche
aufweisen.“ (Hohm 1997a: 61)
Er erwähnt die Vielfalt an in den Zwischenzonen und Gebäudezonen angesiedelten
vom Verkehrsgeschehen ablenkenden Faktoren und die viel größere Differenzie-
rung der StraßennutzerInnen, die in unterschiedlichen Graden Motorisierung und
Geschwindigkeit aufweisen, vom Auto über die Fahrzeuge des ÖPNV bis hin zum
Fahrrad oder den die Fahrbahn querenden oder plötzlich dorthin wechselnden
FußgängerInnen, die teilweise, etwa als spielende Kinder auf Spielstraßen sogar
explizit diesen Ort zugewiesen bekommen. Die AutofahrerIn muß sehr viel stärker
als auf Autostraßen die Verhaltensweisen der anderen VerkehrsteilnehmerInnen
und sogar (flüchtige) Interaktionen miteinbeziehen.
Unter dem Paradigma der Mobilität und unter der Leitdifferenz der Geschwindig-
keit erscheinen Stadtstraßen damit wesentlich schlechter für Autofahrten geeignet
als Autobahnen und Landstraßen. Ich nehme an, daß die vehemenete Einschät-
zung von Stadtstraßen als eher nicht typischte Straße durch automobil inkludierte
VerkehrsteilnehmerInnen mit diesen Faktoren zusammenhängt. Wer mit dem
Auto fährt, verbindet mit Straßen vor allem (vgl. vorheriger Abschnitt) auch das
Ziel schneller Mobilität. Typisch erscheint eine Straße dann vor allem, wenn sie
genau diese ungehinderte Mobilität zuläßt.
A05S Häufig Strecken>100km? by A03X Automobile Inklusion 1 A03X Page 1 of 1
Count |
Row Pct |nein ja
Col Pct |
| ,00|
A05S --------+--------+--------+
,00 | 36 | 16 | 52
nein | 69,2 | 30,8 | 49,5
| 60,0 | 35,6 |
+--------+--------+
1,00 | 24 | 29 | 53
ja | 45,3 | 54,7 | 50,5
| 40,0 | 64,4 |
+--------+--------+
Column 60 45 105
Total 57,1 42,9 100,0
Tabelle 11: Zusammenhang zwischen Automobiler Inklusion und Art der Fahrten
Im Fragebogen wurde gefragt, wie oft Strecken über 100 km zurückgelegt werden
(vgl. Tabelle 11). Auch hier besteht ein signifikanter Zusammenhang zur auto-
mobilen Inklusion (p=.24, signifikant auf dem 5%-Niveau). Etwa zwei Drittel der
AutofahrerInnen legen derartige Strecken häufig zurück, während dies nur bei
weniger als der Hälfte der NutzerInnen des Umweltverbandes der Fall ist. Auch
hier kann darüber spekuliert werden, was Ursache und was Folge ist, aber jeden-
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 16
falls legen AutofahrerInnen signifikant häufiger längere Strecken zurück – und
nutzen dazu natürlich in den meisten Fällen Landstraßen und Autobahnen, mit
denen primäre NutzerInnen des Umweltverbandes seltener in Berührung kom-
men. Auch dies mag dazu beitragen, daß die Straße, die am besten bekannt ist, als
typischte Straße erscheint; eben entweder die Stadtstraße oder die autoorientierte
Landstraße oder Autobahn.
Erklärt werden kann dieses Ergebnis vielleicht auch dadurch, daß signifikant
mehr AutofahrerInnen in Dörfern und Gemeinden wohnen, als dies bei nicht-auto-
mobil Inkludierten der Fall ist (p=-0.19, signifikant auf dem 5%-Niveau). Dieses ist
in Tabelle 12 wiedergegeben. Möglicherweise ergibt sich hier eine Wirkungskette
der Art: Wohnort in der Stadt – weniger Notwendigkeit für lange Fahrten, mehr
Gelegenheit zur ÖPNV-Nutzung – weniger häufiger Autonutzung – weniger Er-
fahrung mit Autobahnen – Einschätzung von Stadtstraßen als typischte Straßen.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch (Monheim/Monheim-Dandorfer 1990:
107). Sollte eine derartige Wirkungskette empirische Realität haben, so ist zu ver-
muten, daß die entsprechenden Einschätzungen sich über die Zeit einschleifen, daß
also beispielsweise altgewohnte AutofahrerInnen Straßen immer stärker in ihrer
Funktion als Medium automobiler Mobilität sehen und ihnen andere Funktionen
von Straße unwirklicher vorkommen. Problematisch werden diese Regelkreise
dann, wenn Stadt- und Raumplanung zum Arbeitsgebiet frequenter AutonutzerIn-
nen wird – und der Bedarf nach nicht-automobiler Erschließung und Nutzung von
Stadt und Raum einfach nicht gesehen wird. 13
13 Das kann dann dazu führen, daß „aus der Sicht der Automobilindustrie“ das Hauptproblem städtischen Verkehrs darin liegt, daß Städte zu dicht und zu eng besiedelt sind, und daß die Politik nichts gegen diese Verdichtung tut, sondern sie über „den Einsatz hochleistungsfähiger Massenverkehrsmittel“ noch zusätzlich begünstige? (Diekmann 1994: 100). Statt das die Stadt als hochverdichter Raum akzeptiert wird, der dann eben nicht mehr in klassischen autogerechten Straßenarten erschlossen werden kann und erschlossen ist, und der nach dem Einsatz von „hochleistungsfähigen Massenverkehrsmitteln“ geradezu schreit, fordert die Automobilindustrie erwartungsgemäß den Abbau aller Subventionen für den ÖPNV und beruhigt die Gemüter damit, daß sie kleinere und leisere Stadt-Autos bauen will. Aber auch Stadtautos werden in Städten weiterhin mit Staus, die Fahrbahn überquerenden Fußgängern und kreuzenden Straßenbahnen rechnen müssen. Städte sind für den Präferenzwert automobiler Geschwindigkeit zur Zeit nicht geeignet – und dafür geeignete Städte wie Los Angeles haben den größten Teil ihrer Straßenkultur und ihrer Urbanität inzwischen verloren.
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 17 C15Z Wohnort Stadt/Land by A03X Automobile Inklusion 1 A03X Page 1 of 1
Count |
Row Pct |nein ja
Col Pct |
| ,00|
C15Z --------+--------+--------+
,00 | 12 | 17 | 29
"Land" | 41,4 | 58,6 | 27,1
| 19,7 | 37,0 |
+--------+--------+
1,00 | 49 | 29 | 78
"Stadt" | 62,8 | 37,2 | 72,9
| 80,3 | 63,0 |
+--------+--------+
Column 61 46 107
Total 57,0
Tabelle 12. Wohnort und Automobile Inklusion
4. Weitere Einflußfaktoren
Die Straßenwahrnehmung wird natürlich nicht nur von der automobilen Inklusion
beeinflußt, sondern auch von vielen anderen Faktoren. Einige davon wurden in der
Untersuchung ebenfalls erfaßt. Nicht alle diese Faktoren können hier dargestellt
werden, aber zumindest die Effekte des Wohnorts und Effekte verkehrspolitischer
Grundeinstellungen sollen gezeigt werden.
4.1 Einfluß des Wohnortes auf die Straßenwahrnehmung
Wie erwähnt, wurde in der Untersuchung auch der Wohnort erfaßt. Wird der Ein-
fluß des Wohnortes auf die Wahrnehmung von Straße untersucht, so zeigen sich
drei Effekte:
Zum einen ergeben sich Zusammenhänge zwischen Wohnort und Assoziationen in
Richtung „Sicherheit/Risiko“, wenn Assoziationen zum Begriff Straße gesucht wer-
den sollen. Hierbei ergibt es sich, daß Assoziationen aus dem Sicherheitsbereich
(z.B. Unfall) nur von etwa einem Viertel der BewohnerInnen städtischer Orte
(Mittlere Stadt bis Großstadt) genannt werden. Etwa die Hälfte der BewohnerIn-
nen kleinerer Orte (Dorf, Gemeinde) nennt dagegen derartige Assoziationen (p=-
.22, signifikant auf dem 5%-Niveau).
Zum zweiten gibt es – erwartungsgemäß – Zusammenhänge zwischen „street life“-
Assoziationen und dem Wohnort (Tabelle 13). Wer in der Stadt wohnt, denkt bei
Straße signifikant häufiger an Aspekte der Straßenkultur, auch wenn es insgesamt
nur ein Viertel der StadtbewohnerInnen und nur etwa 7% der BewohnerInnen
kleinerer Orte tun (p=.20, signifikant auf dem 5%-Niveau). Dieses Ergebnis deutet
darauf hin, daß städtische Straßen tatsächlich multifunktionaler genutzt werden
als ländliche Straßen und geht damit in Richtung der von Hohm (1997a) gemach-
ten Aussagen zur Strukturierung der Stadtstraßen.
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 18
C15Z Wohnort Stadt/Land by A01F A: "street life"
A01F Page 1 of 1
Count |
Row Pct |kommt ni kommt vo
Col Pct |cht vor r Row
| ,00|
C15Z --------+--------+--------+
,00 | 27 |
"Land" | 93,1 | 6,9 | 29,0
| 33,8 | 10,0 |
+--------+--------+
1,00 | 53 | 18 | 71
"Stadt" | 74,6 | 25,4 | 71,0
| 66,3 | 90,0 |
+--------+--------+
Column 80 20 100
Total 80,0
Tabelle 13. Wohnort und Assoziationen zu „street life“
A08X Rang 1: Stadtstrasse by C15Z Wohnort Stadt/Land
C15Z Page 1 of 1
Count |
Row Pct |"Land" "Stadt"
Col Pct |
| ,00|
A08X --------+--------+--------+
,00 | 20 | 33 | 53
nein | 37,7 | 62,3 | 57,6
| 80,0 | 49,3 |
+--------+--------+
1,00 | 5 | 34 | 39
ja | 12,8 | 87,2 | 42,4
| 20,0 | 50,7 |
+--------+--------+
Column 25 67 92
Total 27,2 72,8 100,0
Tabelle 14. Typikalität von Straßen in Beziehung zum Wohnort
Drittens schließlich gibt es einen signifikanten Zusammenhang (p=.28, signifikant
auf dem 5%-Niveau) zwischen dem Wohnort und der Typikalitätsbewertung der
einzelnen Straßen. Während etwa die Hälfte aller StadtbewohnerInnen Stadt-
straßen für die typischten Straßen hält, ist dies nur bei einem Fünftel der Bewoh-
nerInnen kleinerer Orte der Fall (Tabelle 14). Hier spielen sicherlich die eignen
Erfahrungen eine große Rolle, und natürlich auch der hohe Anteil städtischer
Bevölkerung, der primär den Umweltverbund nutzt. Wird dieser Zusammenhang
nach der automobilen Inklusion kontrolliert, bleiben die Unterschiede zwischen
städtischer und kleinräumiger Bevölkerung zwar erhalten, werden aber im Fall
der UmweltverbundsnutzerInnen abgeschwächt und im Fall der AutofahrerInnen
verstärkt. Das spricht dafür, daß sowohl das Wohnen in der Stadt als auch die
nicht-automobile Einbindung in das Verkehrssystem hier wirkende Faktoren sind.
4.2 Einstellungen zu Verkehrspolitik und die Wahrnehmung von Straßen
Im Fragebogen 14 wurde mit mehreren Fragestellungen die verkehrspolitische
Grundhaltung erfaßt. Aus diesen Fragestellungen wurden zwei Indizes gebildet 15 ,
14 Vgl. Anhang 2, Frage 7-
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 19
die jeweils das Grad der Präferenz für Ordnung bzw. für Schnelligkeit der Befrag-
ten wiedergeben. Damit wurde versucht, einerseits die in (Hohm 1997a: 26) be-
schriebene sekundäre Leitdifferenz Schnelligkeit+/Langsamkeit- als auch die in
(Hohm 1997a: 33ff) diskutierte Orientierung der Straßenverkehrskommunikation
am Recht abzudecken. Aus den dafür gebildeten Indizes aus entsprechenden Ein-
stellungsfragen wurden dann wiederum binär codierte Variablen gebildet, die in
Beziehung zu verschiedenen, auf die Straßenwahrnehmung bezogenen Variablen
gesetzt wurden.
Werden die so ermittelten Einstellungen in Bezug auf Ordnung mit der Typikali-
tätseinschätzung der verschiedenen Straßentypen in Verbindung gesetzt, so ergibt
sich eine nicht sehr starke, aber signifikante (p=-.17) Beziehung zwischen der Prä-
ferenz für Ordnung und der Präferenz für autogerechte Straßen. Wer verkehrs-
politisch auf Ordnung setzt, hält häufiger als verkehrspolitische „Chaotiker“ Auto-
bahnen oder Landstraßen für die typischte Straße. (Tabelle 15)
A08X Rang 1: Stadtstrasse by A07R2B Präferenz Ordnung binär
A07R2B Page 1 of 1
Count |
Row Pct |-4..-1: 0..4: eh
Col Pct |eher nic er ja Row
| ,00|
A08X --------+--------+--------+
,00 | 29 | 24 | 53
nein | 54,7 | 45,3 | 59,6
| 52,7 | 70,6 |
+--------+--------+
1,00 | 26 | 10 | 36
ja | 72,2 | 27,8 | 40,4
| 47,3 | 29,4 |
+--------+--------+
Column 55 34 89
Total 61,8
Tabelle 15. Beziehung zwischen der Typikalität von Straßen und der Präferenz Ordnung
Die Ergebnisse für die Präferenz Schnelligkeit gehen in eine ähnliche Richtung,
sind allerdings statistisch nicht signifikant. Wer verkehrspolitisch
Geschwindigkeit bevorzugt, bevorzugt häufiger als eher für Langsamkeit
optierende Menschen Autobahnen oder Landstraßen als typischte Ausprägung der
Straße (62,2% zu 55,8%).
15 Näheres zum Index-Bildungsprozeß in Anhang 3.
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 20
A01C A: Belästigung, Ärger by A07R1B Präferenz Schnelligkeit binär
A07R1B Page 1 of 1
Count |
Row Pct |-6 .. -3 -2 .. 6:
Col Pct | : eher eher ja Row
| ,00|
A01C --------+--------+--------+
,00 | 23 | 29 | 52
kommt nicht vor | 44,2 | 55,8 | 53,6
| 39,7 | 74,4 |
+--------+--------+
1,00 | 35 | 10 | 45
kommt vor | 77,8 | 22,2 | 46,4
| 60,3 | 25,6 |
+--------+--------+
Column 58 39 97
Total 59,8
Tabelle 16. Präferenz Schnelligkeit vs. Assoziationen „Belästigung, Ärger“
Tabelle 16 zeigt die Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Einstellungen zu
Geschwindigkeit und der Assoziation „Belästigung und Ärger“. Wer Schnelligkeit
präferiert, neigt weniger dazu, mit Straßen Belästigung oder Ärger zu assozieren.
Wer dagegen eher Langsamkeit bevorzugt, verbindet auch signifikant häufiger
Belästigung und Ärger mit dem Begriff „Straße“ (p=-.34, hoch signifikant). Ten-
dentiell gilt dieses Ergebnis auch für die Beziehung zwischen der Präferenz Ord-
nung und den „ärgerlichen“ Assoziationen, ist allerdings dann nicht signifikant.
A01F A: "street life" by A07R2B Präferenz Ordnung binär
A07R2B Page 1 of 1
Count |
Row Pct |-4..-1: 0..4: eh
Col Pct |eher nic er ja Row
| ,00|
A01F --------+--------+--------+
,00 | 46 | 32 | 78
kommt nicht vor | 59,0 | 41,0 | 79,6
| 73,0 | 91,4 |
+--------+--------+
1,00 | 17 | 3 | 20
kommt vor | 85,0 | 15,0 | 20,4
| 27,0 | 8,6 |
+--------+--------+
Column 63
Total 64,3
Tabelle 17. Präferenz für Ordnung und Assoziationen zu „street life“
Genau umgekehrt gestaltet sich die Beziehung zu den „street life“-Assoziationen.
Dort gibt es (vgl. Tabelle 17) einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwi-
schen dem Fehlen einer Präferenz für Ordnung und dem Vorkommen von auf
Straßenkultur bezogenen Assoziationen. (p=-.21, signifikant auf dem 5%-Niveau).
Es gibt eine ähnliche Tendenz zwischen der Präferenz für Schnelligkeit und „street
life“, die Unterschiede sind hier aber schwächer ausgeprägt als in der Ordnungs-
dimension und wiederum nicht signifikant.
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 21
4.3 Weitere Zusammenhänge
Weitere Zusammenhänge ergeben sich etwa für die Frage nach dem Autobesitz
und der Einschätzung von typischen Straßen, für politische Einstellungen und
gesellschaftliche Werthaltungen und die Art der Inklusion ins Verkehrssystem
oder auch zwischen der komplett indizierten verkehrspolitischen Einstellung und
der Inklusion ins Verkehrssystem. Beispielhaft ist in Tabelle 18 noch der Zusam-
menhang zwischen der Typikalitätsfrage und der Mitarbeit in Bürgerinitiativen
dargestellt. Im Rahmen dieser Arbeit war es leider nicht möglich, all diese durch-
aus begründet annehmbaren Zusammenhänge darzustellen oder ihnen nachzu-
forschen.
A08X Rang 1: Stadtstrasse by B10B Mitarbeit in BI, politischer Gruppe B10B Page 1 of 1
Count |
Row Pct |nein ja
Col Pct |
| ,00|
A08X --------+--------+--------+
,00 | 39 | 14 | 53
nein | 73,6 | 26,4 | 58,2
| 66,1 | 43,8 |
+--------+--------+
1,00 | 20 | 18 | 38
ja | 52,6 | 47,4 | 41,8
| 33,9 | 56,3 |
+--------+--------+
Column 59 32 91
Total 64,8
Tabelle 18. Zusammenhang Mitarbeit BIs und Straßenwahrnehmung (p=.21, sign.)
5. Zusammenfassung und Schlußfolgerungen
Ausgangspunkt der Arbeit war die Frage, inwieweit die Inklusion in das Verkehrs-
system die Wahrnehmung und Bedeutungszuschreibung für „Straße“ beeinflußt.
Obwohl die Umfrage nicht per se repräsentativ ausgerichtet war, ergaben sich
plausible Ergebnisse: starke Differenzen in Bezug auf die Wahrnehmung der
Straße zwischen primär automobil in das Verkehrssystem eingebundenen und pri-
mär via Umweltverbund in das Verkehrssystem eingebundenen Menschen, bezo-
gen auf bestimmte Aspekte der Wahrnehmung von Straße.
Das Ergebnis der Arbeit ist letztendlich wiederum eine Frage, die sich allerdings
komplexer darstellt als die Frage, die Ausgangspunkt der Arbeit gewesen ist – und
die somit auch vielfältigere Formen der Anschlußkommunikation nach sich ziehen
kann. Genau genommen sind es sogar mindestens zwei Fragen, die sich aus den
hier dargestellten und diskutierten Ergebnissen der Umfrage ableiten lassen.
Zum einen stellt sich auf der Ebene der soziologischen Untersuchung die Frage
nach einem genauer spezfizierten Variablenmodell. Die Ergebnisse erwecken den
Anschein, als ob ein komplexes Netz von Faktoren letztendlich die Straßenwahr-
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 22
nehmung bestimmt, die dann quasi auch als Indikator für das Verhalten und
Erleben der jeweiligen Person in sozialen Interaktionen im Straßenraum heran-
gezogen werden kann. Neben der automobilen Inklusion – bzw. auf diese ein –
wirken so etwa der Wohnort oder die verkehrspolitische Einstellung. Zugleich
kommen an dieser Stelle aber auch Faktoren wie Alter, Geschlecht, Ausbildung,
Beruf, Familienstand, Freizeitverhalten, politische Einstellung, Lebensstil, etc.
hinzu, die wiederum Auswirkungen auf Wohnort, verkehrspolitische Einstellung
oder auch Autobesitz haben. Diese Faktoren wurden zwar teilweise im Rahmen
meiner Umfrage erfaßt; eine Auswertung war aber nicht möglich, da für derartige
wirkungspfadorientierte Untersuchungen eine repräsentativere Datengrundlage
unabdingbar ist, zumindest dann, wenn das auf diesem Weg entwirrte Wirkungs-
geflecht als allgemeines Modell gelten soll. Letztendlich bleibt die sehr allgemein
gefaßte Vermutung übrig, daß das soziale Milieu, die spezifische Eingebundenheit
in soziale Funktionsnetzwerke und der individuelle biographische Prozeß der In-
klusion in die verschiedenen Funktionssysteme der Gesellschaft mit all seinen
Kontingenzen zusammen festlegen, wie eine Person das Straßensystem wahr-
nimmt und wie eine Person dementsprechend auch das Straßensystem nutzt – als
bloßen Kanal zum Transport des eigenen Körpers von A nach B, oder als Schnitt-
kante der verschiedensten sozialen Systeme mit ihren jeweils eigenen Funktionali-
täten.
Die zweite Frage, die sich stellt, ist zugleich einfacher und komplizierter. Es er-
scheint einerseits durchaus so, als ob zwischen der Art und dem Grad automobiler
Inklusion und der jeweiligen Wahrnehmung der Straße als Ausschnitt der Wirk-
lichkeit enge Beziehungen bestünden. Angesichts der ökologisch und sozial über-
aus negativen Auswirkungen des automobilen Verkehrs (vgl. z.B. Holzapfel/Trau-
be/Ullrich 1992 oder auch Monheim/Monheim-Dandorfer 1990) und der in diese
Richtung orientierten Wahrnehmung von Straße, auch etwa in der Stadtplanung,
im politischen System etc., ist es andererseits wünschenswert, die Multifunktiona-
lität des Straßensystems zu erhalten. Dazu muß sich anscheinend aber die Wahr-
nehmung der Straße bei vielen automobil Inkludierten verändern. Den Schluß des
Absatzes und damit auch der Arbeit bildet damit die Frage, wie die allgemeine
Wahrnehmung von Straße verändert werden kann – gerade und insbesondere bei
denjenigen InhaberInnen der Laienrolle im motorisiert-mobilen Verkehrssystem,
die in Systemen wie Politik oder Verwaltung ExpertInnen-Rollen ausfüllen.
Anhang 1: Kurzauswertung der Umfrage
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 23 Da die meisten der im Fragebogen 16 gestellten Fragen in der eigentlichen Hausarbeit nicht be- rücksichtigt werden konnten, die Ergebnisse aber trotzdem von Interesse sind, folgt hier eine Kurzdarstellung der Ergebnisse sämtlicher Fragen, ohne allerdings multivariate Abhängigkeiten o.ä. zu berücksichtigen. Diese Kurzauswertung wurde zusammen mit einem Hinweis auf die im WWW einsehbare komplette Hausarbeit an die befragten Diskussionsforen und an diejenigen Teil- nehmerInnen der Umfrage geschickt, die Interesse an den Ergebnissen bekundet hatten.
1. Allgemeines zur Umfrage
Der Fragebogen wurde am 20./21.6.1997 in folgenden Diskussionsforen in verschiedenen Computer- netzwerken veröffentlicht (in Klammern jeweils die Anzahl der Antworten): cl.verkehr.allgemein, cl.verkehr.diskussion (zusammen 14), maus. mobil (15), maus.umwelt (13), de.soc.verkehr (7), de.soc.umwelt (7), de.rec.motorrad (14) sowie de.rec.fahrrad (15). Ein Teilnehmer des Diskussions- forums de.rec. fahrrad schickte den Fragebogen darüber hinaus weiter an die ADFC-Mailingliste, so daß auch von dort Ergebnisse (nämlich 25) eingingen. Insgesamt wurden bis zum 23.7.1997 über hundert ausgefüllt Fragebögen an mich zurückgeschickt, die zum allergrößten Teil auch verwertbar waren. Einige TeilnehmerInnen hatten allerdings auf jegliche Angabe von demographischen Daten verzichtet oder nur die ersten paar Fragen beantwortet. Diese – wenigen Fragebögen – konnten nicht berücksichtigt werden.
In einigen Antworten wurde außerdem der Verdacht geäußert, daß diese Umfrage der Marktfor- schung diene oder prinzipiell das Internet als Übertragungsweg als zu unsicher für vertraulich zu haltende Daten erscheine. Letztendlich konnten 110 Fragebögen verwertet werden. Alle Antworten wurden halb-automatisch (das verwendete Programm hatte noch einige Macken …) in Fragenteil einerseits und Absenderkopf und Anmerkungen andererseits getrennt, extrahiert und aus der Nachrichtendatenbank gelöscht, um so ein möglichst hohes Maß an Datenschutz zu garantieren und eine Zuordnung zwischen Fragebögen und NutzerInnen unmöglich zu machen. Der Frage- bogenteil wurde in das Programm SPSS für Windows übertragen und dort ausgewertet.
2. Sozialstruktur der UmfrageteilnehmerInnen
Die TeilnehmerInnen der Umfrage wurden nach den Merkmalen Alter, Geschlecht, Wohnort und nach dem höchsten bisher erreichten Bildungsabschluß befragt. Die Auswertung dieser Merkmale erbrachte folgende Ergebnisse: Das Durchschnittsalter der Befragten beträgt 32,2 Jahre und variiert zwischen 19 und 57 Jahren. Die überwiegende Mehrheit der zurückgesandten Fragebögen kam von Männern (89,1%), Frauen stellten nur einen Anteil von 10,9%.
Das Merkmal Wohnort wurde sowohl über eine Nominalskala (Dorf – Gemeinde/kleinere Stadt – mittlere bis große Stadt – Vorort einer Großstadt – Großstadt) als auch über die geschätzte Einwohnerzahl des Wohnorts erfaßt. 10,0% gaben an, in einem Dorf zu wohnen, 16,4% bezeichneten den Wohnort als 16 vgl. Anhang 2: Fragebogen.
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 24
Gemeinde oder kleinere Stadt, 27,3% gaben an, in einer mittleren bis großen Stadt zu wohnen und 30,0% gaben ‘Großstadt’ als Antwort an. Die verbleibenden 16,4% wählten die Kategorie ‘Vorort einer Großstadt’. Wurde dagegen die angegebene Bevölkerungszahl des Wohnorts in Kategorien zusammen- gefaßt, ergab sich ein etwas anderes Bild: 19,4% wohnten demnach in Orten mit unter 10.000 Einwoh- nerInnen, 31,5% in Orten mit unter 100.000 EinwohnerInnen, 34,5% in Orten mit unter einer Million EinwohnerInnen und 14,8% in Städten ab einer Million. Subjektive Einschätzung des Wohnorttyps und objektive Wohnortgröße liegen also teilweise deutlich auseinander. Insbesondere wurden Städte mit über 100.000 EinwohnerInnen, die damit offiziell als Großstädte gelten, von den Befragten häufig nicht als solche eingeordnet.
Für 56,2% der Befragten stellte der Wohnort zugleich den Arbeitsort dar, 43,8% pendelten. 60% der Befragten (74% davon PendlerInnen, die restlichen Entfernungen beziehen sich auf innerstädtische Wege) machten Angaben zur Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz (bzw. Ausbildungsstätte). Der Mittelwert betrug dabei 20,3 km, die Angaben schwankten zwischen 1,5 und 150 km bei einer Standardabweichung von 21,2 km.
Schließlich wurde nach dem höchsten erreichten Bildungsabschluß gefragt. Die überwiegende Mehrheit gab hierbei an, mindestens das Abitur oder die Fachhochschulreife zu besitzen. Mehr als die Hälfte der Befragten (52,3%) konnten einen Hochschulabschluß vorweisen. Hierzu kommen 35,5% der Befragten, die als höchsten Abschluß Abitur oder Fachhochschulreife angaben. Auf die mittlere Reife entfielen 9,3%. Auf die Rubrik Volksschul- oder Hauptschulabschluß entfielen schließlich noch 2,8%.
Werden die Variablen Bildungsabschluß und Alter gemeinsam betrachtet, so fallen etwa drei Viertel der UmfrageteilnehmerInnen in das Feld bis 40 Jahre, hohes Bildungsniveau. Nach Gerhard Schulze (1992) entspricht dies (bei einem entsprechendem Lebensstil – hier nicht direkt untersucht) der Kategorie des Selbstverwirklichungsmilieu. Der Rest verteilt sich in dieser Reihenfolge auf die weiteren Milieus aus Schulzes Modell: Niveaumilieu (14%), Spannungsmilieu (etwa 10%) und Integrationsmilieu (2%).
3. Die Frage nach der Repräsentativität
Viele der UmfrageteilnehmerInnen äußerten Bedenken, daß die Umfrage nicht repräsentativ sei. Im Verhältnis zu Gesamtbevölkerung ist diesen Bedenken klar zuzustimmen. Die sozialstrukturellen Ergebnisse zeigen deutlich, daß die befragte Stichprobe auf keinen Fall repräsentativ für die Gesamtbevölkerung ist (vgl. Datenreport 1997): Der Frauenanteil ist – typisch Internet – sehr gering. Das Bildungsniveau dagegen liegt im Vergleich zur Gesamtbevölkerung extrem hoch (mehr als die Hälfte der Befragten hat einen Uni- oder Fachhochschulabschluß, in der Gesamtbevölkerung ist es etwa ein Achtel!).
Allerdings bin ich auch nicht davon ausgegangen, mit einer Befragung in Datennetzen ein repräsen- tatives Bild für die Gesamtbevölkerung zu erreichen. Einerseits wollte ich über den Umweg News- groups Menschen mit deutlich unterschiedlicher Einbindung in das Verkehrssystem erreichen, um im Rahmen einer Kontraststudie grundlegende Unterschiede zwischen der Mobilität und Verkehrswahr-
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 25
nehmung von Menschen herauszuarbeiten, die den Umweltverbund aus Rad, Bus und Bahn nutzen bzw. die im motorisierten Individualverkehr in das Verkehrssystem eingebunden sind, um so Wirkungsweisen und Mechanismen der unterschiedlichen Verkehrseinbindungen zu untersuchen. Weitere Ergebnisse hierzu erhält die eigentliche Hausarbeit.
Andererseits vermute ich, daß die erzielten Ergebnisse tendenziell gültig für die privaten Nutzer- Innen elektronischer Datennetze sind und vielleicht teilweise auch auf (den männlichen Teil) des Selbstverwirklichungsmilieus übertragen werden können. Dieses gilt natürlich nicht für den ganz speziell untersuchten Bereich ‘Straße und Verkehr’, da hier absichtlich Diskussionsforen gewählt wurden, durch die Menschen mit Interesse an diesen Themen erreicht werden. Die auch gestellten, allgemeinen Fragen zum Lebensstil und zur Freizeitgestaltung sollten allerdings übertragbar sein. Anhaltspunkte hierfür liefern die von anderen Quellen ermittelten demographischen Daten der Netznutzung. So weist die vierte WWW-Umfrage W3B (W3B 1997), an der über 16.000 WWW- NutzerInnen teilgenommen haben, ganz ähnliche Ergebnisse auf, wie ich sie erhalten habe: Einen Frauenanteil von etwa 10%, ein Durchschnittsalter von 32 Jahren, und über 70% mit Abitur als Schulabschluß. Auch Thomas Wetzstein und Hermann Dahm (1996) kommen in einer empirischen Untersuchung von etwa fünfhundert NetznutzerInnen zum Schluß, daß die Merkmale Alter mit Modalwert zwischen zwanzig und dreißig (hier: 29 Jahre), Geschlecht überwiegend männlich und durchgängig hoher Bildungsstand sowie die Dominanz des Selbstverwirklichungsmilieus typisch sind. Die von mir Befragten entsprechend also recht genau dem in anderen Umfragen gefundenen Bild des Netznutzers.
4. Auf das Thema Verkehr und Straße bezogene Fragen
Ein großer Teil des Fragebogens untersuchte den Komplex ‘Verkehr und Straße’. Bei den im folgen- den wiedergegebenen Ergebnissen muß jedoch berücksichtigt werden, daß der Fragebogen über Dis- kussionsforen verbreitet wurde, die speziell mit dem Thema Verkehr in verschiedenen Facetten (Rad- fahren, Motorradfahren, Vekehr generell, Umweltfragen) zu tun hatten und nicht zum Ziel hatte, das Verkehrsverhalten der Internet-NutzerInnen bzw. der Gesamtbevölkerung zu untersuchen. Als Assoziationen zum Begriff ‘Straße’ wurden in dieser Reihenfolge am häufigsten die Begriffe Auto(s), Verkehr, Stau, Asphalt und Lärm genannt. Eine weitere Auswertung dieser Frage konnte zum jetzigen Zeitpunkt (5.8.97) noch nicht erfolgen.
87,3% der Antwortenden – also etwa neun von zehn Personen – besitzt einen Führerschein. Etwa jede dritte Person gab ab, ein eigenes Auto zu besitzen. Insgesamt können jedoch drei Viertel der Befragten bei Bedarf auf ein Auto zugreifen (über die Familie, Car-Sharing, Bekannte und ähnliche Gegebenheiten). Etwa die Hälfte der Befragten besitzt eine BahnCard oder ein vergleichbares Angebot der Deutschen Bahn AG (47,3%). Netzkarten für den öffentlichen Nahverkehr sind dagegen wenig verbreitet (32,7%).
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 26
Das meistgenutzte Verkehrsmittel war mit 54,5% das Fahrrad, gefolgt vom Auto (15,5%) und vom motorisierten Zweirad (10,0%). Beim am zweithäufigsten genutzen Verkehrsmittel ergab sich die Reihenfolge ‘zu Fuß’ (31,7%) – Fahrrad (17,3%) – Auto (14,4%), und als dritthäufigstes Verkehrs- mittel wurde schließlich zuerst Fußgehen (23,0%), dann die Eisenbahn (21,0%) und an dritter Stelle der öffentliche Nahverkehr (17,9%) genannt. (Vgl. Tabelle 1)
Zweirad (Fahrer (Mitfah % % % % % % % häufigstes
Verkehrsmittel 8,2% 54,5% 10,0% 15,5% ,9% 6,4% 4,5%
Verkehrsmittel 31,7% 17,3% 5,8% 14,4% 6,7% 12,5% 11,5% dritthäufigstes
Verkehsmittel 23,0% 11,0% 2,0% 14,0% 12,0% 17,0% 21,0% Tabelle 1. Welches Verkehrsmittel wird am meisten genutzt? (1./2./3. Rang) Ich habe es als automobile Inklusion in das Verkehrssystem bezeichnet, wenn das häufigste oder zweithäufigste Verkehrsmittel das Auto oder das Motorrad waren. Dies trifft für 43% der Befragten zu. Für die meisten der Befragten (71%) war das am häufigsten genannte Verkehrsmittel auch das Lieblingsverkehrsmittel. Die hier genannten Alternativen wurden ebenso wie die Beweggründe für die Nutzung der Verkehrsmittel noch nicht näher ausgewertet. Häufig genannte Gründe für die jeweilige Wahl waren jedenfalls Spaß, Bequemheit, Schnelligkeit sowie Sport. Genau die Hälfte der Befragten legte mehrmals im Monat oder häufiger Strecken über 100 km zurück (dabei wurde ‘mehrmals im Monat’ am häufigsten genannt); die andere Hälfte gab über- wiegend die Antwort ‘alle paar Monate’ auf die Frage, wie oft Strecken über 100 km zurückgelegt werden. Als Anlaß für Fahrten bis 100 km wurde am häufigsten Arbeit, Einkaufen (den Vorgaben entsprechend) und Freizeit genannt. Bei Strecken über 100 km waren die häufigsten Anlässe Urlaub sowie Verwandten- und Bekanntenbesuche.
Weiterhin wurde nach der Bewertung von verschiedenen Aussagen aus dem Verkehrsbereich gefragt. Die TeilnehmerInnen konnten dabei in fünf Stufen zwischen ‘stimme zu’ und ‘stimme nicht zu’ entscheiden. Bei der Auswertung wurden diese Angaben mit Werten von 2 (starke Zustimmung) bis -
2 (starke Ablehnung) kodiert. Die folgende Tabelle gibt jeweils den arithmetischen Mittelwert und
den Modalwert (welche Kategorie wurde am häufigsten genannt?) für die sechs abgefragten Aussagen an.
Mittel 7a Freie Fahrt für freie Bürger -1,02
7b Radfahrer sind Verkehrsrowdys -0,99
7c Wir brauchen eine neue Kultur
der Langsamkeit +0,17 Zustimmung (25,9%)
7d Straßenmusik und Verkaufs-
stände beleben das Stadtbild +1,29 starke Zustimmung (50,5%)
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 27
7f Fußgänger gehören auf die
Bürgersteige, Radfahrer auf die
Radwege und Autos auf die
Straße -0,38 starke Ablehnung (37%) Tabelle 2. Bewertung einiger Aussagen zum Themenbereich Verkehr Schließlich wurden die TeilnehmerInnen noch gebeten, fünf verschiedene vorgegebene Straßentypen in eine Rangordnung nach der für sie typischten Straße zu bringen. Dabei landete die Landstraße knapp vor der städtischen Hauptstraße, gefolgt von der Autobahn, der Spielstraße im Wohngebiet und fast einhellig auf dem letzten Platz der Fußgängerzone.
Werden die Befragten nach dem Kriterium der Einbindung in das Verkehrssystem in zwei Gruppen geteilt, so nehmen Autobesitz und Autozugriff erwartungsgemäß bei den automobil Inkludierten stark zu, während der Besitz an BahnCards und Netzkarten abnimmt. Bei denjenigen, die sich vorrangig per Fahrrad, zu Fuß, mit dem Zug oder dem ÖPNV bewegen, ist es ebenfalls erwartungs- gemäß genau andersrum. Ähnliches zeigt sich bei der Häufigkeit von Strecken über 100 km (zwei Drittel der automobil Inkludierten legen mehrmals im Monat derartige Strecken zurück, während dies nur bei einem Drittel der NutzerInnen des Umweltverbundes der Fall ist) und bei den Aussagen zum Verkehr (7a, 7e und 7f werden von automobil in das Verkehrssystem Eingebundenen deutlich positiver bewertet, während 7c deutlich negativer bewertet wird).
5. „Was hat die Frage nach dem Religionsunterricht hier zu suchen?“
Weitere Fragen im Fragebogen befaßten sich mit Lebensstil und Milieu der NetznutzerInnen. Diese Fragen stießen häufig auf Verwunderung, Unverständnis und Kritik und wurden relativ oft weggelassen (N schwankt hier zwischen 103 und 107). In dieser bloßen deskriptiven Wiedergabe wirken diese Fragen tatsächlich eher wie Fremdkörper – ihren Sinn liegt darin, in der eigentlichen Hausarbeit zu testen, ob Unterschiede in der Wahrnehmung des Verkehrssystem und in der Mobilität vielleicht eher in bestimmten Lebensstilen und Gesamthaltungen (die wiederum aus diesen Fragen konstruiert werden können) begründet sind als in der Art der Einbindung in das Verkehrssystem. Trotzdem hier einige Ergebnisse:
Die Sonntagsfrage („Welche Partei würdest Du wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre?“) wurde von fast einem Drittel der TeilnehmerInnen nicht beantwortet. Bei den gegebenen Antworten enfallen 51% auf die Grünen [!], 18% auf die SPD, 10% auf offensichtlich unsinnige Angaben an, ‘keine’ oder „rechte Protestwahl“, 9% auf die PDS, und je 5% auf sonstige eher im linken Spektrum einzuordnene Parteien und auf die CDU/CSU. Werden diese in ein „linkes“ (Grüne, PDS, linke Kleinparteien, etwa zwei Drittel der vorliegenden Antworten) und ein „rechtes“ (SPD, CDU/CSU, Nichtwahl, Protestwahl, etwa ein Drittel der Antworten) Lager eingeordnet, und wird dieses mit der automobilen Inklusion in Beziehung, so ergibt sich ein signifikanter Zusammenhang. (Wobei natürlich die Benennungen „rechts“ und „links“ hier nur eine sehr geringe Aussagekraft haben)
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 28
Weiter wurde nach 19 verschiedenen Freizeitbeschäftigungen gefragt (zurecht wurde von einigen angemerkt, daß Hausarbeit ja wohl eigentlich keine Freizeitbeschäftigung sei). Am häufigsten ge- nannt wurden die Nutzung von Datennetzen (80% Zustimmung), das Zusammensein mit Freund- Innen (71%), Faulenzen (48%), der Besuch von Kneipen (45%), Kino und Sport (je 44%), Fernsehen (44%), die Weiterbildung (41%), das Zusammensein mit der Familie (35%), Reisen (34%) und (er- staunlicherweise) die Haus- und Gartenarbeit (32%). Am seltensten genutzt werden Theater und Angebote der Alternativen Kulturszene (je 11%), Kunstaustellungen (10%) und Diskotheken (6%). Nur relativ wenige der Befragten sind fest organisiert. 38% arbeiten in Bürgerinitiativen und politischen Gruppen mit, 37% in Vereinen, die aber keine Musik- und Sportvereine sind, 18% in Parteien oder Gewerkschaften und 26% in Musik- und Sportvereinen. Werden diese Ergebnisse allerdings im Vergleich zur Gesamtgesellschaft gesehen, so handelt es sich hier um überdurch- schnittlich hohe Teilnahme an Parteien, Bürgerinitiativen und Gewerkschaften und eher unter- durchschnittliche Teilnahmezahlen für Musik- und Sportvereine. Auch dieses paßt gut zur Ver- mutung, daß in der Umfrage vor allem Mitglieder der Selbstverwirklichungsmilieus erreicht wurden. (vgl. Abschnitt 2./3.).
Auch in Frage 9 wurden wie in Frage 7 verschiedene Aussagen zur Beurteilung vorgelegt und auch hier mit -2 (starke Ablehnung) bis +2 (starke Zustimmung) kodiert. Eine Übersicht über die einzelnen Aussagen zeigt Tabelle 3. Auch hier wieder kann bei einigen Fragen ein Zusammenhang mit der automobilen Inklusion gesehen werden: 9d und 9g werden im Falle automobiler Einbindung in das Verkehrssystem positiver bewertet, 9c, 9e und 9f negativer als bei den NutzerInnen des Umweltverbundes. Zugleich fällt die Bewertung von 9d sehr viel positiver aus, wenn bei der Sonn- tagsfrage eine „rechte“ Partei angegeben wurde.
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 29
Mittel Modalwert 9a Manchmal denke ich, früher
war alles besser -0,71 Ablehnung (36,2%) 9b Im Beruf will ich auch etwas
zu sagen haben +1,01 starke Zustimmung (43,4%) 9c Ich würde eigentlich gerne
ganz anders leben -0,30 Ablehnung (33,0%) 9d Die Jugend braucht verbindliche
Werte +0,30 Zustimmung (32,0%) 9e Mein Leben will ich lieber in der
Gegenwart geniessen als
langfristig zu planen. -0,02 9f Der Religionsunterricht ist wich-
tiger Bestandteil der Erziehung -0,98 9g Alles im Leben hat seinen Sinn -0,40 9h Ich lerne gerne neue Leute
kennen +1,08 Zustimmung (43,4%) Tabelle 3. Einige Fragen des Lebensstils
6. Fazit der Kurzauswertung
Ein erster Blick auf die Daten läßt erkennen, daß die in der Umfrage erreichten NutzerInnen von Datennetzen einem von außen gesehen recht einheitlichem Bild „jung, männlich, und in diesem Fall: grün-alternativ“ entsprechen. Trotz dieser Ausgangsbedingungen deuten sich auch hier deutliche interne Unterschiede zwischen automobil (über den PKW oder ein Motorrad) ins Verkehrssystem eingebundenen und per Umweltverbund eingebundenen Personen an. Ziel der spätestens ab Oktober 1997 im WWW abrufbaren eigentlichen Hausarbeit soll es sein, diese Unterschiede quantifizierbar zu machen und ihre Wirkungen und mögliche ursächliche Faktoren herauszuarbeiten.
„Nebenbei“ gibt die Untersuchung Auskunft über harte und weiche demographische Daten der NutzerInnen der befragten Diskussionsforen. So erscheinen z.B. Internet und Mailboxnetze noch immer als männlich domiert (einzig die beiden befragten /CL-Gruppen cl/verkehr/allgemein bzw. cl/verkehr/diskussion fallen hier mit einem Verhältnis von zusammen 6 Frauen zu 8 Männern positiv heraus). Diskussionen über den gesellschaftlichen Nutzen der Netze steht nicht nur die männliche Dominanz, sondern auch die Dominanz des Selbstverwirklichungsmilieus entgegen. Auch breiter angelegte Untersuchungen scheinen diese Nebenergebnisse zu bestätigen. Ob von der Netzkultur als gegenwärtiger tendenzieller Elitenkultur geredet werden kann (Wetzstein und Dahm 1996), mag angesichts der dort diskutierten Inhalte häufig bezweifelt werden. Die sozialstrukturellen Daten deuten jedenfalls in diese Richtung.
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 30
Anhang 2: Fragebogen
Fragebogen zur Verkehrsteilnahme 20.6.97 ================================
Hi,
eine Hausarbeit am Institut für Soziologie der Universität Freiburg i. Br. zum Thema 'Verkehr' würde ich gerne auf einigen empirischen Daten aufbauen. Deswegen würde ich mich freuen, wenn möglichst viele Menschen den unten angehängten Fragebogen ausgefüllt an mich (till_westermayer@fr.maus.de oder t.westermayer@link-cr.bawue.cl.sub.de oder westermt@sun2.ruf.uni-freiburg.de) zurückschicken würden. Vielen Dank dafür!
Alle erhobenen Daten werden anonymisiert. Die Ergebnisse der Umfrage können bei Interesse bei mir angefordert werden.
Schöne Grüsse,
Till Westermayer
=== *FRAGEBOGEN* V 1.0 === Quelle
>A. Strasse und Strassenkultur
1. Welche Begriffe fallen Dir spontan zum Wort 'Strasse' ein
: : : :
2.a Besitzt Du einen Führerschein? ( ) ja ( ) nein
2.b Besitzt Du selbst ein Auto? ( ) ja ( ) nein
2.c Verfügst Du bei Bedarf über ein Auto (eigenes, von Bekannten, Familie, Car-Sharing, etc.)?
( ) ja ( ) nein
2.d Besitzt Du eine BahnCard (oder eine vergleichbare Vergünstigung)? ( ) ja ( ) nein
2.e Besitzt Du eine Netzkarte für Deinen örtlichen Verkehrsverbund? (Also Monatskarte, Semesterticket, Umweltkarte, ...) ( ) ja ( ) nein
3. Mit welchen Verkehrsmittel legst Du die meisten Wege zurück:
(Bitte das am meisten genutzte Verkehrsmittel mit '1' kennzeichnen, das am zweit-meisten genutze mit '2' und das drittplazierte mit '3')
( ) zu Fuß
( ) mit dem Fahrrad ( ) mit einem motorisierten Zweirad ( ) mit dem Auto (als FahrerIn) ( ) mit dem Auto (als MitfahrerIn) ( ) mit Bussen, Straßenbahnen, U-Bahnen, ... ( ) mit dem Zug ( ) sonstiges:
4.a Ist das von Dir meistgenutzte Verkehrsmittel auch Dein 'Lieblings -Verkehrsmittel'?
( ) ja
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 31
( ) nein
4.b Wenn 'ja': Warum ist es das 'Lieblings-Verkehrsmittel'? : :
4.c Wenn 'nein': Welches ist es dann, und warum? : :
5. Wie oft legst Du Strecken >100km zurück?
( ) täglich ( ) wöchentlich ( ) mehrmals im Monat ( ) alle paar Monate ( ) jährlich oder seltener
6.a Welches ist der häufigste Anlaß für Fahrten bis 100km für Dich? (z.B. Arbeitsplatz, Einkaufen, ...) : :
6.b Welches ist der häufigste Anlaß für Fahrten >100km für Dich? (z.B. Urlaub, Berufliche Gründe, ...) : :
7. Wie stehst Du zu folgenden Aussagen?
stimme zu stimme nicht zu
a. Freie Fahrt für freie Bürger b. Radfahrer sind Verkehrsrowdys c. Wir brauchen eine neue Kultur der Langsamkeit d. Straßenmusik und Verkaufsstände beleben das Stadtbild e. Das Auto ist heute unverzichtbar [ ] f. Fußgänger gehören auf die Bürgersteige, Radfahrer auf die Radwege und Autos auf die Fahrbahnen [ ] [ ] [ ] [ ] [ ]
8. Welche der folgenden Orte sind für Dich 'typische' Strassen?
(Verteile Rangplätze von 1 bis 5, 1 steht für die typischste Straße) [ ] Autobahn [ ] städtische Hauptstraße [ ] Spielstraße im Wohnviertel [ ] Landstraße [ ] Fußgängerzone
>B. Allgemeine Fragen
9. Wie stehst Du zu folgenden Aussagen?
stimme zu stimme nicht zu
a. Manchmal denke ich, früher war alles besser
b. Im Beruf will ich auch etwas zu sagen haben [ ] [ ] [ ] [ ] [ ]
c. Ich würde eigentlich gerne ganz anders leben [ ] d. Die Jugend braucht verbindliche Werte zur Orientierung [ ] [ ] [ ] [ ] [ ] e. Mein Leben will ich lieber in der Gegenwart geniessen als langfristig zu planen [ ] [ ] [ ] [ ] [ ] f. Der Religionsunterricht ist wichtiger Bestandteil der Erziehung [ ] [ ] [ ] [ ] [ ]
g. Alles im Leben hat seinen Sinn [ ] h. Ich lerne gerne neue Leute kennen[ ]
10. Ich arbeite in folgenden Gruppen mit ...
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 32
a. [ ] Musikverein, Sportverein, b. [ ] Bürgerinitiative, politische Gruppe c. [ ] Partei, Gewerkschaft d. [ ] anderer Verein
11. Welchen der folgenden Freizeitaktivitäten gehst Du häufig nach?
(alle entsprechenden ankreuzen) a. [ ] Kino b. [ ] Kneipen c. [ ] Sport d. [ ] Musik e. [ ] künstlerische Tätigkeiten f. [ ] Fernsehen g. [ ] Zusammensein mit der Familie h. [ ] Diskotheken i. [ ] Kunstaustellungen j. [ ] Surfen im Netz, Mails lesen und ähnliches k. [ ] Zusammensein mit FreundInnen l. [ ] Theater m. [ ] Alternative Kulturszene n. [ ] Basteln o. [ ] Haus- und Gartenarbeit p. [ ] Weiterbildung q. [ ] Konzerte r. [ ] Faulenzen s. [ ] Reisen
12. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, würde ich folgende
Partei wählen:
: :
>C. Daten zur Person
13. Alter
___ Jahre
14. Geschlecht
( ) weiblich ( ) männlich
15.a Wohnort
( ) Dorf ( ) Gemeinde, kleinere Stadt ( ) mittlere bis große Stadt ( ) Vorort einer Großstadt ( ) Großstadt
15.b Einwohnerzahl des Wohnorts (geschätzt, ca) ___ EinwohnerInnen
16.a Ist Dein Wohnort gleichzeitig Dein Arbeitsort (Schulort/Studienort)? ( ) ja ( ) nein
16.b Wenn nein: Wieviele km liegen etwa zwischen Wohn- und Arbeitsort? ___ km
17. Bildung (höchster bisher erreichter Abschluß)
( ) kein Schulabschluß ( ) Volksschule/Hauptschule ( ) Mittlere Reife ( ) Abitur, Fachhochschulreife ( ) Universitätsabschluß, Fachhochschulabschluß
> D. Anmerkungen zum Fragebogen
18.
: : : :
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 33
Das war's - vielen Dank nochmal!
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 34
Anhang 3: Variablenbildung
Die Bildung der meisten Variablen ist direkt im Text erläutert. Nicht aufgeführt sind dort die für die Kategorienbildung verwendeten Stichworte, die aus den bei Frage 1 im Fragebogen genannten herausgesucht wurden und zu Gruppen zusammengefaßt wurden. Das soll hier nachgeholt werden; die im folgenden genannten Begriffe oder Stichworte wurden als Vorkommen der entsprechenden positiven Variablenausprägung gewertet. Einige dieser Begriffe kommen sehr häufig vor, andere nur ein einziges Mal.
Variable A01B „Mobilität“: Reise, fahren, einkaufen gehen, Berufsverkehr, Urlaub, Radtour, Verbindung, Freie Fahrt für freie Bürger, Vorwärtskommen, Mobilität, Überbrückung großer Entfernungen, Lied der Straße, Verkehrskanal, raus, Mobil ohne Auto, Ziel, fahren, Analogie zu Leitung, Entfernungen, Motorradfahren, Autofahren, Freiheit, Verkehrswege, Transport.
Variable A01C „Belästigung, Ärger“: Lärm, Gestank, schlechte Wege, Abgas(e), laut, zugeparkt, Luftverschmutzung, Tabu für Fußgänger, Krach, Risiko, Gefahr, Zerschneidungswirkung, störend, Enge, Tote, Dreck, Tod, Meist häßlich, muß jedoch nicht sein, Umweltzerstörung, Bodenversiegelung, Mief, zuviele KFZ, Zerschneiden von Natur, Versiegelung, Klimakatastrophe.
Variable A01D „Sicherheit“: Unfall, Risiko, Gefahr, Tote, Verletzte, Raserei/Unfälle, schlechter Belag, Unfähigkeit, gefährlich, Radtour mit wenigbefahrenen Landstraßen, kein Wahlaufenthaltsort für mich, geregelter Verkehr, Rollsplit, Baustelle, Sonntagsfahrer, trocken soll's sein.
Variable A01E „Straße: Material“: Asphalt, Belag, grau, Fahrstreifen, Fahrbahn, Seitenstreifen, Kopfsteinpflaster, Zebrastreifen, Ampel, Straßenschluchten, Fahrbahn, Zweckbau, Allee, Laternen, Schilder, Römerstraße, Schichtaufbau, hart, Teer, Rollsplit, besch... Straßenzustand, Graben, Leitplanke.
Variable A01F „street life“: Kinder, Leben, Häuser, Miteinander, öffentlich, Öffentlicher Raum, Spielstraße, Spielplatz, Kommunikation, Straßenmädchen, Straßencafe, wohnen, "direkte Heimat", Lebensraum, Strassenfest, Strassenkinder, Stadt/Städte, Gaukler, Aufenthaltsraum, Menschen, Geschäfte.
Für die Variable A01G „Gesamtbewertung“ wurden die in Tabelle A3.1 aufgeführten Assoziationen als negativ (-1) oder als positiv (+1) gewertet. Neutrale, sowohl positiv als auch negativ bewertbare oder leere Felder wurden hier weggelassen.
A01G: -1,00
A01: Lärm, Gestank, dauendes anhalten stoppen beim gehen über den Fußgänger A01G: -1,00
A01: Verkehrskollaps, Asphalt, raumgreifend, störend A01G: -1,00
A01: Verkehr, Stau, Autobahn, Unfälle, Tote A01G: -1,00
A01: Verbindung, Lärm, Abgase A01G: -1,00
A01: Umweltzerstörung/Bodenversiegelung, Streß/Stau, Raserei/Unfälle, Mobil
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 35
A01G: -1,00
A01: Verkehr, Lärm, Gestank, Hektik
A01G: -1,00
A01: Asphalt, Autos, Lärm, Gestank
A01G: 1,00
A01: Leben, Miteinander, Verkehr
A01G: -1,00
A01: Vor der Haustür, vor dem Fenster. laut. einkaufen gehen, alles zugepar
A01G: -1,00
A01: Autos, Lärm, Luftverschmutzung
A01G: -1,00
A01: Wetter, Lärm, Gefahr, motorisierter Verkehr
A01G: -1,00
A01: Asphalt, Krach, Abgas
A01G: -1,00
A01: Auto, Verkehr, Lärm, Asphalt
A01G: -1,00
A01: Autos, Risiko, muß ich auch benutzen
A01G: -1,00
A01: Verkehr, Autos, Unfälle, Rasen, Zerschneidungswirkung, Straßenschlucht
A01G: -1,00
A01: Stau
A01G: 1,00
A01: Nachbarn, Unterhalten, Kinder, Spielen, Autofahren, Radfahren
A01G: 1,00
A01: Automobil, ADAC, Freie Fahrt für freie Bürger, Allee, Kommunikation
A01G: -1,00
A01: Autos, Lärm, Gefahr, Asphalt
A01G: -1,00
A01: Verkehrsraum, Lebensraum, Lärm, Gestank, Gefahr insb. für Kinder, verb
A01G: -1,00
A01: Stau, Lärm, Mief, Parkplatznot
A01G: -1,00
A01: Auto, verstopft, falsch dimensioniert, Lärm
A01G: -1,00
A01: Voll, Verkehr, Auto, Unfähigkeit
A01G: -1,00
A01: Autos, Gefahr/Unfall, Abgase, Transport
A01G: -1,00
A01: Stau, Auto, Asphalt, Unfall
A01G: -1,00
A01: Strassenkinder; Strassentod; 10.000 Tote und zigtausend Schwerverletzt
A01G: -1,00
A01: Asphalt, Kopfsteinpflaster, breit, laut, gefährlich, schlechter Zustan
A01G: -1,00
A01: Verkehr, Asphalt, Autos, Strassenverkehrsordnung, Lärm, Stress, Gefahr
A01G: -1,00
A01: Verkehr, Autos, Lärm
A01G: 1,00
A01: Reisen, Verkehr, Allee, Stadt
A01G: -1,00
A01: Verkehr, Lärm, Abgase, Autos
A01G: 1,00
A01: Ein Königreich für eine Römerstraße! Schichtaufbau einer zweispurigen
A01G: 1,00
A01: Autos (Leider zuerst ...), Menschen, Landschaft, Geschäfte
A01G: -1,00
A01: laut, schlechter Belag, Löcher, Ölspuren, Stau
A01G: -1,00
A01: Auto, Verkehr, Krach
A01G: -1,00
A01: Auto, Verkehr, Stau
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 36
A01G: 1,00
A01: Kurven, Land, Rollsplit, Freiheit A01G: -1,00
A01: meist zum Motorradfahren schlecht geeignet, Baustellen, Stau A01G: -1,00
A01: Belag, Streckensperrung, Sonntagsfahrer A01G: -1,00
A01: Lärm, Auto, Dreck, Tod A01G: 1,00
A01: Stau, Straßenmädchen, Lied der Straße, Straßencafe A01G: -1,00
A01: Vekehr, Gefahr, notwendig, zu viele A01G: 1,00
A01: hoffentlich "frei", trocken solls sein :-))) viele Kurven es gibt zuwe A01G: -1,00
A01: Versiegelung, Verkehrstote, Klimakatastrophe, Rumschüren A01G: -1,00
A01: Autos, Verkehr, Stau, Abgase A01G: 1,00
A01: Verkehr, Kinder, Häuser A01G: -1,00
A01: Lärm, Gestank, Enge A01G: 1,00
A01: Freiheit, Bäume (Allee), Leben, Verkehr A01G: -1,00
A01: Gefahr, aufpassen A01G: -1,00
A01: Lärm, Schmutz, Abgase, Tote, Verletzte, Unfälle A01G: 1,00
A01: fahren, weg, strecke, verbindung, haus, wohnen, direkte 'heimat' Tabelle A3.1: Als eher positiv (+1) bzw als eher negativ (-1) gewertete Assoziationen. Einige weiteren Variablen wurden aus anderen zusammengefaßt. So vereinfacht die Variable A05S „Häufig Strecken über 100 km“ die fünf Ausprägungen der Variable A05 „Wie oft Fahrten über 100 km?“ zu einer binären Codierung. Wer nur alle paar Monate oder jährlich oder seltener Wege über 100 km zurücklegt, erhält hier die Kennung „nein“ zugewiesen, alle anderen die Kennung „ja“.
Die Variable C15Z „Wohnort Stadt/Land“ wurde auf ähnliche Weise aus den verschiedenen Aus- prägungen von C15A zusammengefaßt. Dabei zählen Dorf und Gemeinde als ländliche Wohnorte und alle anderen Angaben als eher städtische Wohnorte.
Die beiden binär codierten Präferenz-Variablen für Schnelligkeit A07R1B bzw. für Ordnung A07R2B beruhen jeweils auf Index-Variablen, die verschiedene verkehrspolitische Einstellungen (jeweils mit -
2 bis +2 bewertet) zusammenfassen und dann in zwei Hälften geteilt wurden.
A07R1B „Schnelligkeit“ ist positiv, wenn A07R1S im Bereich -2 … 6 liegt. A07R1S wurde berechnet nach der Formel A07A - A07C - A07D, liegt also besonders hoch, wenn die Frage „Freie Fahrt für freie Bürger“ stark bejaht wurde und die Fragen „Kultur der Langsamkeit“ und „Straßenkultur“ stark verneint wurden.
A07R2B „Ordnung“ ist positiv, wenn A07R2S im Bereich 0 … 4 liegt. A07R2S wurde dabei nach der Formel A07B + A07F berechnet. Der Maximalwert +4 wird angenommen, wenn sowohl die Frage
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 37
„Radfahrer sind Verkehrsrowdys“ als auch die Frage „Fußgänger gehören auf die Bürgersteige, …“
stark bejaht wurden.
A07R1B und A07R2B korrelieren nicht miteinander.
Till Westermayer »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn Seite 38
Literaturverzeichnis
BZ 1997
„Das Auto steht noch an der ersten Stelle. Vergleich zwischen Freiburg und Schwerin“; in: Badische Zeitung, 22.10.97; S. STM1; Freiburg.
Datenreport 1997
Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Datenreport 1997. Zahlen und Fakten über die Bundesrepublik Deutschland. Schriftenreihe Band 340; Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 1997.
Diekmann 1994
Achim Diekmann: „Umweltgerechte Bewältigung des Individualverkehrs in Städten aus der Sicht der Automobilindustrie“; in: Christian Lukner (Hrsg.): Umweltverträgliche Verkehrskonzepte in Kommunen. Bonn: Economica, 1994; S. 98-106.
Freyermuth 1996
Gundolf S. Freyermuth: Cyberland. Eine Führung durch den High-Tech-Underground. Rowohlt: Berlin, 1996.
Grüne 1989
Die Grünen im Bundestag (Hrsg.): Welche Freiheit brauchen wir? Zur Psychologie der AutoMobilen Gesellschaft. Berlin: VAS/Elefanten Press, 1989.
Hohm 1997a
Hans-Jürgen Hohm: „Die Straße als Ort automobiler Inklusion“; in: Hohm 1997b; S. 23-81.
Hohm 1997b
Hans-Jürgen Hohm (Hrsg.): Straße und Straßenkultur. Interdisziplinäre Beobachtungen eines öffentlichen Sozialraums in der fortgeschrittenen Moderne. Konstanz: Universitätsverlag, 1997.
Holzapfel/Traube/Ullrich 1992
Helmut Holzapfel / Klaus Traube / Otto Ullrich: Autoverkehr 2000. Wege zu einem ökologisch und sozial verträglichen Straßenverkehr. 3. Aufl.; Karlsruhe: C.F.Müller, 1992 [1985].
Lay 1994
Maxwell G. Lay: Die Geschichte der Straße. Vom Trampelpfad zur Autobahn. Frankfurt am Main, 1994.
Monheim/Monheim-Dandorfer 1990
Heiner Monheim und Rita Monheim-Dandorfer: Straßen für alle. Analysen und Konzepte zum Stadtverkehr der Zukunft. Hamburg: Rasch und Röhring, 1990.
Osgood/Suci/Tannenbaum 1957
C. E. Osgood / G.J. Suci / P. H. Tannenbaum: The measurement of meaning. Urbana, 1957.
Schulze 1992
Gerhard Schulze: Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart. 5. Aufl.; Frankfurt am Main, 1995 [1992].
Stahlberg/Frey 1996
Dagmar Stahlberg und Dieter Frey: „Attitudes: Structure, Measurement and Functions“; in: Miles Hewstone / Wolfgang Stroebe / Geoffrey M. Stephenson (Hrsg.): Introduction to Social Psychology.
A European Perspective. 2nd Edition; Oxford, 1996; S. 205-239.
W3B 1997
Susanne Fittkau und Holger Maaß: Ergebniszusammenfassung der W3B-Umfrage April/Mai 1997. http://www.w3b.de/.
Wetzstein/Hermann 1996
Thomas Wetzstein und Hermann Dahm: „Die Nutzer von Computernetzen – eine Typologie“; in: Martin Rost (Hrsg.): Die Netzrevolution. Auf dem Weg in die Weltgesellschaft. Frankfurt am Main: Eichborn, 1996; S. 37-50.
Quote paper:
Till Westermayer, 1997, »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn. Eine Umfrage in verschiedenen Netz-Diskussionsforen, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 35 Pages
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 15 Pages
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 20 Pages
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Termpaper, 14 Pages
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Script, 46 Pages
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 39 Pages
Till Westermayer has published the text »Straße und Verkehr« auf der Datenautobahn. Eine Umfrage in verschiedenen Netz-Diskussionsforen
Till Westermayer has uploaded a new text
Die Netz AG als zentraler Netzbetreiber in Deutschland
Zur Verbesserung des Wettbewer...
Jan Dinand, Egon Reuter
Auf die Schiene mit der Großregion - La Grande Région mise sur rail
Für eine Renaissance der Bahn ...
Werner Matthias Ried, Reinhard Klimmt
Asia's New Institutional Architecture
Evolving Structures for Managi...
Vinod K. Aggarwal, Min Gyo Koo
Institutional Economics in France and Germany
German Ordoliberalism versus t...
Agnes Labrousse, Jean-Daniel Weisz
Coping with Institutional Order Flow
Robert A. Schwartz, John Aidan Byrne, Antoinette Colaninno
Fritz Barth, Cannstatter Straße 84, Fellbach
Cannstatter Strasse 84, Fellba...
Thomas Hettche, Amber Sayah, Gerhart Schröder
0 comments