Technikverständnis Jungen - Mädchen Anne Zeller
Folgen für den Unterricht
Inhalt
0. Einleitung 3
1. Mädchen und Frauen in Naturwissenschaften und Technik 3
2. Empirische Befunde zu geschlechtsspezifischen Unterschieden
2.1 Interessenschwerpunkte 5
2.2 Kognitive Fähigkeiten 6
2.3 Erfahrungshintergrund 6
2.4 Selbstbild 7
3. Beispiele von Modellversuchen 8
4. Fazit für den Unterricht
4.1 Lehrererwartungen und -einstellungen 10
4.2 Lehrer - Schüler Interaktionen 10
4.3 Mädchen fördern 11
4.3 Einzelmaßnahmen 12
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Technikverständnis Jungen - Mädchen Anne Zeller Folgen für den Unterricht
0. Einleitung
Mich interessiert der Aspekt Mädchen und Technik deshalb, weil ich technisch und handwerklich versiert bin, und nach Gründen oder Erklärungen suchte, warum mir z. B. der Physik Unterricht trotzdem nicht viel Spaß gemacht hat. Was mich zusätzlich noch beschäftigte, war zu klären, was ist wirklich dran an: „Ach Frauen und Technik, das kann nichts werden!“
Die Einstellungen der Mädchen zu Naturwissenschaften und Technik werden sowohl durch außerschulische Erziehungsprozesse, als auch durch den Einführungsunterricht in die einzelnen fachlichen Disziplinen (Biologie, Chemie, Physik, Technik) festgelegt. 1
1. Mädchen und Frauen in Naturwissenschaften und Technik
Die Schulbildung von Mädchen hat sich in der Vergangenheit stetig verbessert, diese Entwicklung hat aber bisher noch nicht zu einer spürbar veränderten Berufswahl der Frauen geführt. Bei den höheren schulischen Bildungsabschlüssen haben Mädchen in den vergangenen vierzig Jahren kräftig aufgeholt und dabei die Jungen inzwischen überholt. So liegt der Anteil der Mädchen, die mit dem Abitur die Schule verlassen, 1999 bei 53,4 %, im Vergleich dazu betrug er 1960 nur 35,6 %. Allerdings hat diese deutliche Zunahme höherer Bildungsabschlüsse bei den Frauen zu keiner Änderung bei der Berufsausbildung geführt, sie bevorzugen nach wie vor Dienstleistungsberufe, allerdings weniger in
naturwissenschaftlichen Bereichen, eher in kaufmännischen Bereichen. In den zukunftsträchtigen IT- Ausbildungs- Berufen sitzen nur zu 14,4 % Frauen. 2 Unter den Studierenden der Bereiche Mathematik/ Naturwissenschaften sind Studentinnen geringer vertreten, als Studenten. Den Gegensatz dazu stellen die Studienfächer Biologie und Pharmazie dar, bei denen der Anteil beider Geschlechter in etwa ausgeglichen ist. Ein ähnliches Bild ist bei der Leistungskurswahl der gymnasialen Oberstufe zu beobachten: Mädchen wählen deutlich seltener als Jungen Leistungskurse in Mathematik, Physik und Chemie. 3 Und Jungen dafür deutlich seltener Biologie oder Deutsch. 4 Dazu kommt noch, dass
1 Vgl.: Gramm, A., 1992, S. 9
2 Vgl.: Satistisches Bundesamt, 03/ 2001
3 In unserem Abijahrgang (Abi ´98): Insgesamt waren wir 49 Personen, davon 24 Mädchen und 25 Jungen. Im Physik LK war ein Mädchen (insges. 8 Personen), im Chemie LK vier (insges. 12 Personen) und im Mathe LK zwei (insges. 8 Personen) . Dafür aber im Biologie LK von 15 Personen nur drei Jungen und im Deutsch LK von 16 Personen nur vier Jungen.
4 Vgl.: Hoffmann, L., S. 114
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Technikverständnis Jungen - Mädchen Anne Zeller Folgen für den Unterricht
Mädchen sowohl im außerschulischen Bereich als auch in der Schule kaum weibliche Vorbilder finden. Ihre Lehrerinnen unterrichten sie hauptsächlich in geistes- und kulturwissenschaftlichen Fächern und im Fach Biologie. Diese Fächer scheinen zusätzlich kein so hochwertiges Ansehen zu haben, wie die Fächer Physik, Mathematik oder Chemie, die häufiger von Lehrern unterrichtet werden. 5
Der Rückzug der Mädchen aus Mathematik und Naturwissenschaften bedeutet damit häufig eine frühe Entscheidung gegen eine Berufswahl im mathematisch - naturwissenschaftlichtechnischen Bereich.
Es gibt kaum eine Änderung in den naturwissenschaftlich-technischen Berufen: Frauen stellen eine verschwindende Minderheit dar.
Statt der Forderung nach Gleichstellungen von Frauen und Männern hat sich die feministische Sichtweise in den achtziger Jahren geändert: Nun werden die Unterschiede zwischen den Geschlechtern herausgehoben, wobei Rationalität, Objektivität und Konkurrenzorientierung als negativ bewertete Eigenschaften dem männlichen Geschlecht zugeschrieben werden. Genau aber diese Eigenschaften sind in den Naturwissenschaften gefordert und so müssen Frauen also, nehmen sie sich dieser Berufsbereiche an, männliche Denk- und Verhaltensweisen annehmen. Frauen würden allerdings nicht wie Männer, einen Statusgewinn durch die Beschäftigung in Naturwissenschaften und Technik erlangen. 6 Kann auf der anderen Seite Frauen überhaupt zugemutet werden, in herkömmlichen männlichen Berufen tätig zu werden? Sie sind häufiger Diskriminierungen ausgesetzt, verrichten weniger anspruchsvolle Tätigkeiten, werden schlechter bezahlt, als ihre männlichen Kollegen, oder müssen die Erfahrung machen, dass bei der Einstellung Männer bevorzugt werden. 7
2. Empirische Befunde zu geschlechtsspezifischen Unterschieden
Es kann davon ausgegangen werde, dass weder in der allgemeinen Intelligenz noch in spezifischen Fähigkeiten, mit Ausnahme der räumlichen und verbalen Fähigkeiten, bedeutsame Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen bestehen. 8
5 In Biologie, Geschichte, Gemeinschaftskunde und Erdkunde hatte ich eine Lehrerin, in Deutsch, Englisch, Kunst, Religion, Mathematik, Physik und Sport einen Lehrer.
6 Vgl.: Hannover, B., Bettge, S., 1993, S. 2 f.
7 a. a. O. S. 4 f.
8 a. a. O., S. 10
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Technikverständnis Jungen - Mädchen Anne Zeller
Folgen für den Unterricht 2.1 Interessensschwerpunkte
Jungen und Mädchen weisen in der Grundschule keine signifikant unterschiedlichen Interessen, Neigungen und Begabungen, keine Unterschiede im Leistungsvermögen, auch nicht in Mathematik und Sachunterricht, auf. 9 Aber bereits Ende des 5. Schuljahres, noch bevor in vielen Schulen überhaupt Physik unterrichtet wird, zeigen Mädchen ein deutlich geringeres Interesse an den meisten Bereichen der Physik. Im 7. Schuljahr gilt Physik bei den Mädchen als das am wenigsten interessante Fach, bei den Jungen hingegen zählt es zu den interessantesten Fächern. Während Mädchen im Durchschnitt am Ende des 5. und 6. Schuljahres also noch nahezu gleich großes Interesse an Technik und Werken zeigen, wie Jungen, nimmt dieses Interesse vom 7. Schuljahr an stark ab, das Interesse der Jungen bleibt allerdings weiterhin konstant.
Allgemein scheint es zu Beginn der 7. Klasse bei den Mädchen zu einem deutlichen Interessensverlust vieler Fächer zu kommen, der in dem Maße bei Jungen nicht beobachtete wird. Mädchen und Jungen bringen bereits unterschiedliche Interessensstrukturen in den Unterricht ein.
In Bezug auf Physik zeigen Schülerinnen allerdings ein großes Interesse auf der praktischkonstruktiven Ebene, ein geringeres Interesse hingegen auf der theoretisch - konstruktiven Ebene. D. h. sie führen lieber einen Versuch durch, als sich zu überlegen, wie man eine bestimmte Vermutung durch einen Versuch belegen kann. Sie zeigen also weniger Interesse an bloß auf formal - abstraktes Denken ausgerichtete Vorgänge. 10 Wird allerdings das Interesse der Mädchen für Technik und die Naturwissenschaften geweckt und verfügen sie über problemrelevante Vorstellungen, bzw. erwerben sie diese während der Auseinandersetzung mit einer Aufgabe, so verhalten sie sich beim gedanklichen Entwurf von Lösungen nicht anders, als Jungen. Es scheint also bei ähnlichem Erfahrungs- und Handlungsvolumen das Denken über Natur und Technik keine Frage des Geschlechts, sondern des Interesses und der kognitiven Fähigkeiten zu sein. 11
Scheint sich der Physikunterricht also an einer Stufe kognitiver Entwicklung zu orientieren, die viele Schülerinnen und Schüler noch gar nicht erreicht haben?
9 Vgl.: PZ - Information Rheinland Pfalz 4/ 89, 1989, s. Vorwort
10 Vgl.: Hoffmann, L., S. 114 f.
11 Vgl.: Biester, W. 1992, S. 164
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Anne Zeller, 2001, Haben Jungen und Mädchen ein anderes Technikverständnis? Was für Folgen ergeben sich daraus für die Unterrichtsplanung?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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