1.3 Der Gezeitenstrand
Die Gezeitenstrände liefern besonders im Bereich von Flussmündungen ungeheuer viel tierische Nahrung für Vögel und zwar das ganze Jahr. Da auf der einen Seite das Meer und auf der anderen Seite die Flüsse viele Mineralien und andere Nährstoffe ins Watt befördern,vermehren sich Krebse und andere Weichtiere, die sich an die Salzkonzentrationsunterschiede,angepasst haben sehr schnell. Dieses große Angebot machen sich die Vögel zunutze und zwar das ganze Jahr. Das Wattenmeer wird von vielen Vögeln als Überwinterungsgebiet genutzt. Die haupsächlich Enten-, Wat- und Möwenvögel ,die in Nordasien und Nordosteuropa brüten, kommen ins Nahrungsparadies Wattenmeer aufgrund Kälte und Nahrungsmangel und um sich für ihren Flug nach Afrika zu stärken. Die Dichte des Vogelvorkommens wird durch das Nahrungsangebot bestimmt, doch ist nicht nur das Nahrungsangebot ein Problem. Ein der größten Probleme für die Watvögel ist, dass sie nur fressen können wenn das Watt leergelaufen ist, und da das nur wenige Stunden am Tag so ist und sie auch noch von Wattwanderern gestört werden stehen die Watvögel vor einem ökologischen Problem.
2.1 Das Gefieder
Von anderen Tiergruppen unterscheiden sich die Vögel am Stärksten durch ihr Flugvermögen und ihre Befiederung. Zwar können auch andere Lebewesen fliegen, doch ist das Federkleid der Vögel einzigartig.
Das Federkleid besteht aus zwei Untereinheiten: Die Konturfedern und den Dunen. Die Konturfedern gliedern sich in Schwung und Steuerfedern sowie Deckfedern auf. Die Deckfedern bilden zusammen mit den Dunen eine isolierende Schutzhülle. Die Schwungfedern spielen zusammen mit den Steuerfedern des Schwanzes eine wichtige Rolle beim fliegen. Die Schwungfedern gliedern sich in Handschwingen und Armschwingen, entsprechend ihrem Sitz an "Armen" und "Händen" auf. Der Nebenflügel besteht aus drei Federn, die an dem Glied befestigt sind, welches bei uns dem Daumen entspricht. Die Nebenflügel dienen dazu nachteiligen aerodynamischen Verhältnissen entgegenzuwirken. Die Steuerfedern dienen zum Halten des Gleichgewichtes und zum Steuern. Die Deckfedern bilden die äußeren Merkmale zur Bestimmung eines Vogels.
2.2 Die Mauser
Das Federkleid ist gleichzeitig das Leben eines Vogels, da es in Ordnung gehalten werden muss um die Flugeigenschaften nicht einzuschränken. Ist das Federkleid nicht in Ordnung hat der Vogel Probleme bei der Nahrungssuche genau wie bei der Flucht vor Feinden. Um ein möglichst funktionales Federkleid zu besitzen wechseln Vögel bis zu vier mal ihr Gefieder ð Mauser. Ein ebenso wichtiger Grund ist der Unterschied zwischen Sommer- und Wintertemperaturen, welcher die Vögel dazu veranlasst ein Winter- und ein Sommerkleid zu tragen. Viele Vögel sind schwer bestimmbar, da sie ihr Federkleid so oft wechseln. Ein Beispiel dafür ist die Eisente, die ihr Gefieder pro Jahr 3-4mal wechselt. Die Watvögel besitzen zwei adulte Kleider (ein Sommer- und ein Winterkleid). Das Sommerkleid wird im Spätwinter angelegt und zwar nur teilweise. Die Watvögel wechseln lediglich das Kopfgefieder und selten noch die Schwanzfedern ind die Oberarmschwingen. Das Winterkleid wird zwischen Juni und Dezember angelegt und zwar durch Vollmauser, bei der auch die Schwungfedern ausgewechselt werden.
3. Die Vogelwelt auf Sylt
Für das Vorkommen der Vögel auf der Insel Sylt spielen drei Faktoren eine Rolle. -Die Insel ist äußerst vielseitig (Dünen, Kliffs, Heide, Felder, Wiesen, Schilfflächen, Siele, Seen, Sandstrand, Sandinseln, Ortschaften und Wäldchen )
-Direkt an der Westseite liegt die offene Nordsee deren Wellen bei Orkan eine Höhe von 8m , 1km vor der Insel und 4m am Strand erreichen.
-Auf der Ostseite liegt das Wattenmeer mit einem Tidenhub von 1,7m bis 2m. Dort werden täglich 2mal große Flächen von Schlick-, Sand- und Mischwatt überspült und wieder freigegeben.
Auf der Insel kommen bis 244 Vogelarten pro Jahr vor. In 10 Jahren wurden 293 Arten nachgewiesen, und insgesamt wurden bisher 320 Vogelarten auf Sylt nachgewiesen. v In der Hörnumer Nehrung kann man vor allem Enten Watvögel und Seeschwalben beobachten.
In dem Hörnum-Odde/Amrumtief sind Seetaucher, Lappentaucher,Eisente, Eiderente und Hochseevögel häufig anzutreffen.
Im Watt allgemein sind Ringelgänse, Eiderenten, Watvögel, Möwen und Seeschwalben häufig anzutreffen.
3.1 Besonderheiten der Vogelwelt auf Sylt
Das Vogelvorkommen der Insel Sylt unterscheidet sich nicht nut in seinem Artenreichtum von anderen Gebieten. Gegenüber dem Festland kann man erstaunliche Unterschiede feststellen. So sind manche Arten, die im Binnenland kaum zu beobachten sind, häufiger oder individuenreicher.
Mittelsäger - individuenreicher als Türkentaube
Säbelschnäbler - individuenreicher als Löffelente
3.2 Jahresablauf des Vogelvorkommens auf der Insel Sylt
Im Januar un Februar bestimmen Trauer- und Eiderenten, sowie Silbermöwen das Vogelleben auf und vor der Insel. Je nach Vereisung sind Rantum-Becken und Watt von Enten und Watvögeln belebt oder völlig frei. Im Herbst treffen Haubentaucher, Uferschnepfe und Säbelschnäbler ein, und die Rohrweihe tritt die Ablösung der Kornweihe an. Mäuse- und Rauhfußbussard beginnen abzuziehen. Überall singt die Feldlerche. Im April wimmelt es von Watvögeln, hauptsächlich Pfuhlschnepfen, Alpenstrandläufer und Knutts. Austernfischer, Kiebitz und Rotschenkel verteilen sich auf den Wiesen und nehmen ihre Brutplätze ein. Täglich beginnen neue Singvögel mit ihrem Gesang. Die Seeschwalben treffen ein. Im Mai erreicht der Gesang seinen Höhepunkt. Neben Amsel, Drossel und Buchfink sind es vor allem Fitis, Klappergrasmücken und Gelbspötter, die in allen Wäldchen zu vernehmen sind. Im Schilf hört man Teich- und Schilfrohrsänger. Der Kuckuck ruft und ist über die Wiesen fliegend zu sehen. Die Seeschwalben balzen und die Watvogelschwärme ziehen ab. Im Juni verebbt der Gesang. Das Brutgeschäft ist auf dem Höhepunkt und überall sieht man Dunenjunge nach Futter betteln.
Bereits ab Juni kommen die ersten dunklen Wasserläufer aus ihrem Brutgebiet zurück und tragen noch ihr schwarzes Brutkleid. Im Juli nimmt die Zahl der Watvögel langsam zu. Noch herrscht Ruhe vor dem Herbstzug. Im August läuft der Herbstzug der Vögel voll an. Der Sichelstrandläufer kommt auf seinem Schleifenzug auf die Insel, zum Teil noch im rostroten
Brutkleid, ebenso wie die Pfuhlschnepfe und der Knutt. Bei Hochwasser versammeln sich viele hundert Seeschwalben im Rantum-Becken und auf Sandinseln. Im September nehmen die Westwinde an Stärke zu. Es beginnt die Zeit für die Beobachtung von Hochseevögeln. Baßtöpel in allen Altersstufen ziehen vor dem Weststrand entlang, oft stoßtauchend nach Nahrung jagend. Raubmöwen sorgen bei Möwen und Seeschwalben für Aufregung. Mit etwas Glück und viel Geduld kann man Sturmtaucher, Sturmvögel, seltene Möwenarten und Alken am Weststrand beobachten. Im Oktober setzt sich bei Weststurmwetter das Auftreten der Hochseevögel fort. Im Rantum-Becken und im Watt bestimmen Pfeifenten das Bild, das von Krick-, Löffel und Spießenten abgerundet wird. Im Watt bilden Ringelgänse große Trupps. Die Rohrweihe wird durch die Kornweihe abgelöst. Mäuse- und Rauhfussbussard treffen wieder ein. Drosselschwärme und Trupps von Staren bevölkern die Wiesen Und Felder. Im November und Dezember ziehen die letzten Sommervögel ab. Möwen beginnen das Bild zu prägen.
Aussehen: Die Silbermöwe ähnelt in der Färbung der deutlich kleineren Sturmmöwe. Von der Größe gleicht die Silbermöwe der Heringsmöwe.Die Oberflügel und der Rücken sind hellgrau und der Flügelhinterrand ist weiß. Die Flügelspitzen sind schwarz und haben weiße Flecken. Das sonstige Gefieder der Silbermöwe ist weiß. Der Kräftige leichtgebogene Schnabel ist gelb und besitzt einen orangefarbenen Fleck nahe der Spitze. Die Beine der an den Küsten lebenden Silbermöwen sin häufig fleischfarben. Im Süden Mitteleuropas haben die im Binnenland autauchenden Silbermöwen häufig gelbe Beine und sind oberseits etwas dunkler. In der Kindheit bzw. im 1.Lebensjahr sind die Silbermöwen braun und haben auch einen braunen Schnabel. Die dunkle Möwe wird dann immer heller, bis sie im ca.3.Lebensjahr den
Altvögeln gleichen.Ab dem 4.Lebensjahr legen die Silbermöwen das Alterskleid an und werden geschlechtsreif.
Lebensraum: Die Silbermöwe lebt an Steil- und Flachküsten und auch im küstennahen Binnenland, an Gewässern oder auf Wiesen. Im Winter halten sich die Silbermöwen viel in Küstenstädten auf. Die Silbermöwe kommt in Nordamerika und in ganz Europa vor, wobei sie jedoch hautsächlich in Küstennähe zu sehen ist und seltener im Binnenland.
Bruteigenschaften: Die Silbermöwe brütet in Kolonien von Hunderten bis Tausende von Paaren auf felsigen spärlich bewachsenen Inseln, in Dünen und auf Strandwiesen, sogar auf Gebäuden und auch an Binnengewässern. Das Nest ist eine einfache Mulde im Boden, welche mit Nistmaterial ausgekleidet ist. Die Brutzeit ist von Ende April-Juli bei einer Brutdauer von 25-27 Tagen. Der orangerote Fleck des Unterschnabels des Altvogels signalisiert den instinktiv danach pickenden Jungvögeln die Nahrungsqelle. Die Jungvögel sind nach ca.6 Wochen flügge.
Nahrung: Die Silbermöwe beraubt die Nester von Artgenossen und nutzt Fischerei-und andere Abfallarten z.B. von Kläranlagen und Müllkippen aber auch von toten und lebendigen angespülten Tieren.
Aussehen: Die meißten Seeschwalben haben am Bauch weßes und an der Oberseite graues Gefieder, mit einer schwarzen Kopfkappe. Die auffällig gefärbten orangeroten Schnäbel und Beine stechen ebenfalls ins Auge. Weiterhin sind die Seeschwalben durch kurze Beine, schmale Flügel und einen spitzen, gegabelten Schwanz gekennzeichnet. Mit einer Spannwite
von bis zu 135cm ist die Raubseeschwalbe die größte, und die Zwergseeschwalbe mit ihren 51cm Spannweite ist die kleinste Seeschwalbe.
Lebensraum: Die Seeschwalbe kommt in ganz Europa vor jedoch verstärkt an den Küsten.
Bruteigenschaften: Die meißten Seeschwalben brüten am Boden in dichten Kolonien, an
Stränden und in der Tundra. Die Nester variieren zwischen einfachen Mulden und aufwendigen Gebilden aus Zweigen und Gras.Die 1-3 Eier sind nach ca. 21-30 Tagen ausgebrütet, und die Jungvögel sind nach ca. 3-5 Wochen flügge. Die Jungvögel werden teilweise noch monatelang von den Eltern gefüttert.
Nahrung: Die Nahrungsqellen der unterschiedlichen Seeschwalbenarten unterscheiden sich
stark. So ist die Hauptnahrung der Trauerseeschwalbe Insekten, Frösche und auch kleine Fische, da sie nie ganz unter Wasser taucht. Anders dagegen sind Flußseeschwalbe und Küstenseeschwalbe deren Hauptnahrung Fische und Krebstiere sind die sie beim Stoßtauchen fängt.
Arbeit zitieren:
Chris Belz, 1999, Die Vögel des Wattenmeeres, München, GRIN Verlag GmbH
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