of Language" bzw. durch Hjelmslevs erweiterte Fassung 1961 internationalen Kreisen bekannt wurde.
3 Die Vertreter der Dänischen Glossematik
3.1 Louis Hjelmslev (1899-1965)
1899 Geburt als Sohn eines Mathematikprofessors in Kopenhagen 1921 Studienaufenthalt in Litauen 1923 Abschluß des Studiums der vergleichenden Sprachwissenschaft bei Holger Pedersen in Kopenhagen mit dem Magisterexamen Stipendium für Prag, wo allerdings ,,nur" traditionelle Linguistik gelehrt wurde' 1926/27 Studienaufenthalt in Paris, Kontakt mit den ,,Cours de linguistique générale" von F. de Saussure, auf dem seine spätere Theorie basiert 1928 ,,Principes de grammaire générale" (Prinzipien der allgemeinen Grammatik) 1931 Gründung des Kopenhagener Linguistenkreises, den er mit kurzer Unterbrechung bis zu seinem Tod leitete 1935 ,,La catégorie des cas" (Die Kategorie Kasus) 1935-43 Ausarbeitung der Theorie der Dänischen Glossematik, zusammen mit Uldall ab 1939 gaben Hjelmslev und Brøndal die Zeitschrift ,,Acta Linguistica. Revue internationale de linguistique structurale" (ab Band IX: ,,Acta Hafniensia") heraus, die gleichzeitig den im Exil befindlichen Mitgliedern der Prager Schule als Sprachrohr diente 1941 kurze, komprimierte Zusammenfassung aller Definitionen und Regeln seiner Theorie, die allerdings erst 1975 publiziert wurde 1943 ,,Omkring Sprogteoriens Grundlæggelse" (Prolegomena einer Sprachtheorie), was die einzige zusammenhängende Darstellung der Glossematik blieb ab 1943 Propagierung seiner Theorie; Beschäftigung u.a. mit struktureller Semantik; verstärktes Engagement als Hochschullehrer und Herausgeber; schließlich Verschlechterung seiner Gesundheit 1965 starb Louis Hjelmslev.
3.2 Hans Jørgen Uldall (1907-1957)
Studium der Anglistik bei Otto Jespersen in Kopenhagen
1927 Fortsetzung seiner phonetischen Studien bei Daniel Jones in London 1930-33 Feldforschung bei den indianischen Maidu in Kalifornien 1933-39 Fortsetzung seiner Arbeiten in Dänemark; Beginn der Zusammenarbeit mit Hjemslev; Entwicklung der ,,Phonematik", die auf Uldalls Vorschlag hin in ,,Glossematik" mbenannt wurde; geplant war ein großes gemeinsames Werk, ,,Outline of Glossematics"; Uldall sollte die Einleitung und ,,die Algebra der Sprache" verfassen; Hjelmslev die anderen Aspekte der Theorie 1939 Beorderung durch den British Council nach Griechenland, später nach Ägypten und schließlich in arabisches Gebiet ab 1945 Arbeit in England und Südamerika ab 1954 Arbeit an der Universität von Ibadan in Nigeria; inzwischen hatte er eine vom ursprünglichen Plan abweichende Algebra erarbeitet, die Hjelmslev zu kompliziert für die Darstellung natürlicher Sprache erschien und an die sich sein eigenes System von Definitionen nur schwer anpassen ließ; deshalb beschlossen beide 1957 in Oslo, wo sie sich auf dem Linguistenkongreß in Oslo trafen, zunächst nur den ersten, von Uldall verfaßten Teil zu veröffentlichen; allerdings starb Uldall kurz nach seiner Rückkehr nach Nigeria unerwartet an einem Herzanfall.
Veröffentlichung des ersten Bandes der geplanten gemeinsamen großen Darstellung der Glossematik ,,Outline of Glossematics. A Study in the Methodology of the Humanities with Special Reference to Linguistics, Part I: General Theory".
4 Hjelmslevs ,,Prolegomena zu einer Sprachtheorie"
Der Entwurf Hjelmslevs besteht aus einem Gefüge von aufeinander bezogenen Definitionen. Folgende Bedingungen werden an die Theorie gestellt:
1. Widerspruchsfreiheit
2. Vollständigkeit
3. Einfachheit.
Die Theorie ist nach Hjelmslev keine Sprachtheorie im üblichen Sinne, sondern eine Theorie, die universell anwendbar ist. Schwierig wird die Anwendung auf nicht logische Systeme, z.B.
auf die natürliche Sprache. Die Glossematik ist kein System von Hypothesen, sondern ein arbiträres System von Prämissen und Definitionen, das als Modell geeignet ist, empirische Texte (im Sinne empirischer Deduktion) zu beschreiben.
Das Hauptanliegen der Theorie bestand darin, die Inhalts- und die Ausdrucksebene der Sprache zu untersuchen und sie einer exakten Beschreibung zuzuführen, die auf formal definierten Konzepten basiert. Hjelmslev faßte die Sprache als algebraische Struktur auf. Er unterscheidet zwischen vier Ebenen, den ,,vier Strata" der Sprache:
Sprache
Ausdrucksebene Inhaltsebene
Ausdruckssubstanz Ausdrucksform Inhaltsform
Inhaltssubstanz
Gegenstand der Linguistik
Nach Hjelmslev gehören nur Ausdrucksform und Inhaltsform zum Untersuchungsgegenstand der Linguistik. Während Ausdrucks- und Inhaltssubstanz für alle natürlichen Sprachen gleich sind, sind Ausdrucks- und Inhaltsform sprachspezifisch bedingt und somit von Sprache zu Sprache verschieden; jede Sprache stellt nämlich ein eigenes phonologisches und semantisches System.
Die invarianten Minimaleinheiten der Ausdrucks- und der Inhaltsebene, die Glosseme, stehen durch Funktionen miteinander in Verbindung.
5 Uldalls ,,Algebra der Sprache"
Uldalls Algebra geht von positiven und negativen Einheiten aus, die syntagmatisch verknüpft sind.
Beim Vergleich zweier Einheiten ab und a kann man folgende Aussagen treffen:
· b ist positiv in ab
· b ist negativ in a, das nun ab geschrieben wird
Uldall legt drei glossematischen Hauptrelationen fest:
1. Kombination (= freie Verknüpfbarkeit): +ab+ab
2. Selektion (= einseitige Abhängigkeit): +ab-ab oder -ab+ab
3. Solidarität (=gegenseitige Abhängigkeit): -ab-ab
Und zum Üben eine algebraische Analyse aus der Phonologie:
Betrachtet werden die Konsonantenverbindungen einer Sprache mit s, p, t, k, r, l. Folgende Verbindungen existieren in dieser Sprache: spr, skl, sp, st, sk, pr, tr, kr, pl, kl
Schreibe glossematisch:
spr skl spl str skr
6 Kritik
Nicht nur von Gegnern, sondern auch von manchen Anhängern Hjelmslevs und Uldalls wurde die glossematische Theorie als eine hochspekulative Angelegenheit ohne praktische Relevanz angesehen. Sie mußte den Vorwurf der ,,Unfruchtbarkeit" über sich ergehen lassen.
7 Literatur
Jörn Albrecht: Europäischer Strukturalismus. Tübingen 1988. S.61ff, 121ff. Brigitte Bartschat: Methoden der Sprachwissenschaft. Berlin 1996. S.110-128. Gerhard Helbig: Geschichte der neueren Sprachwissenschaft. Reinbek 1974. S.60-72. Louis Hjelmslev: Prolegomena zu einer Sprachtheorie. Linguistische Reihe, Band 9. München 1974.
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Katja Thrum, 1999, Dänische Glossematik, Munich, GRIN Publishing GmbH
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