I Lebenslauf von Christo
Christo wurde am 13. Juni 1935 in Gabrovo, Bulgarien als Christo Javacheff geboren. Sein Vater war Chemiefabrikant. Seine Mutter arbeitete zunächst als Generalsekretärin an der Akademie der Schönen Künste in Sofia. Nach der Heirat beendete sie ihr Arbeitsverhältnis und ging mit ihrem Mann nach Gabrovo. Christo hat noch zwei Brüder. Der ältere ist ein bekannter Schauspieler in Bulgarien, der jüngere Bruder ist Chemiker.
Die Geburtsstadt von Christo galt zu der Zeit als ,,Manchester" Bulgariens. Der Großteil der Bevölkerung Gabrovos ist in der Textil- und Schuhindustrie beschäftigt. Neben dieser Industrie spielt die Fertigung von Maschinenbauteilen und die chemische Industrie eine wichtige Rolle.
Den Krieg lernte Christo in jungen Jahren, allerdings ohne nennenswerten Entbehrungen kennen. Als die Fabrik des Vaters geschlossen 1943 wurde, zog die Familie aufs Land. Durch den vorhandenen Wohlstand verkehrten weiterhin Künstler und Architekten regelmäßig in dem Haus der Javacheffs.
Bedingt durch sein familiäres Umfeld festigte sich bei Christo schon in der frühen Kindheit der Wunsch Künstler zu werden. Seine Mutter führte ihn in die Kunstgeschichte ein und machte ihn mit den wichtigsten Kunstwerken vertraut. Im Alter mit sechs Jahren entstanden die ersten Zeichnungen und Malereien von Christo. Neben der praktischen Tätigkeit befaßte sich Christo ebenfalls schon früh mit den Techniken und Theorien der Kunst.
Seine erste Ausbildung genoß Christo von 1952 bis 1956 an der Akademie der Schönen Künste in Sofia. Dort lernte er unter anderem sich mit verschiedenen Meinungen über Kunst auseinanderzusetzen und sich wissenschaftlich zu streiten.
Dies ist einer der Gründe, weshalb er auch heute noch die permanente Auseinandersetzung mit Kunstobjekten sucht. Seine wichtigste Arbeit ist die Überzeugung der Gegner, welche die Basis für seine heutigen Objekte bildet. In Sofia lernte Christo die ,,sanfte Gewalt" des Überredens, das Überzeugen mit Argumenten um so Menschen für seine Ideen zu motivieren.
Im Herbst 1956 besuchte Christo Prag. Dort machte er die Bekanntschaft mit Emil Burian, einem bekannten Theatermann. Burian verschaffte Christo Kontakte zu
Kunstsammlern, in deren Privatsammlungen er unter anderem verschiedenen Werken von Klees, Kandinski, Matisses und Miros kennenlernte.
Mit Hilfe eines Freundes gelang Christo 1957 die Fahrt nach Wien. Durch die Belegung eines Kurses an der dortigen Kunstakademie vermied er den Einwanderungsprozeß. Noch im gleichen Jahr siedelte er zu Verwandten nach Genf über.
Ein Jahr später zog Christo nach Paris. Dort malte er Porträts. Er begann 1958 kleinere Gegenstände wie Flaschen und Dosen zu verpacken. In Paris begegnet Christo verschiedenen Künstlern, unter anderem Restany, einem Begleiter der neuen Kunstgeschichte. Seine ersten verpackten Objekte werden in einem Keller in der Nähe des Trocadero ausgestellt. Er miet jedoch diese Gegend, da er schon zu jener Zeit größere Objekte im Visier hatte. So sammelte er bereits Ölfäser, welche er säuberte um sie dann im Keller aufzubewahren. Durch einen Porträtauftrag kommt Christo in das Haus der Familie de Guillebon. Dort lernt er seine spätere Frau Jeanne-Claude kennen. Während er Porträts weiterhin mit dem Namen Javacheff signiert, werden seine verpackten Objekte bereits mit Christo signiert.
Chrstio und Jeanne-Claude bekommen am 11. Mai 1960 einen Sohn. Ein weiteres Jahr später stellt er im Kölner Rheinauhafen sein Werk ,,Dockside
Packages - Temporary Monuments" aus. Restany verfaßt den Katalogtext ,,Christo et ses Alignements". Parallel hierzu fand in der Gallerie Haro Lauhus eine weitere Ausstellung statt. Zu sehen waren verschiedene verpackte Objekte in den Schaufenstern, sowie ein verpackter Renault, ein verpackter Torso und eine Wand aus Ölfäsern.
In Paris entwickelte Christo 1961 erste Pläne zu Verhüllung eines öffentlichen Gebäudes. Er verfaßt seine Pläne sehr allgemein, so das sie für jedes beliebiges Gebäude gelten konnten.
Der Berliner Mauerbau von 1961 beschäftigte Christo stark. Er entwickelte hieraus sein Projekt ,,Iron Curtain - Wall of Oil Drums", welches am 27. Juni 1962 in der Pariser rue Visconti dargestellt wurde. Diese Mauer ähnelte stark jener am Kölner Hafen. Im Jahre 1962 fand eine weitere Ausstellung in Paris statt.
Charles Wilp verfilmte 1963 Christos Londoner Werk ,,Verpackte Frau". Im gleichen Jahr kommt es zu zwei weiteren Ausstellungen, in Düsseldorf und Mailand. Beide fanden große Resonanz.
Christo fährt im Februar 1964 nach New York. Es entstehen im Chelsea-Hotel die ersten ,,Storefronts". Im selben Jahr kommt es in der damals bedeutesten Galerie New Yorks zu einer Ausstellung. Christo beschließt in New York zu bleiben.
Die folgenden Jahre sind geprägt durch die Entwicklung diverser Pläne. Es entstehen weitere Wände aus Ölfäsern, er verwirklicht das Projekt ,,Verhüllter Baum" in Eindhoven und möchte verschieden Gebäude wie die Galleria Nazionale d´Arte in Rom, das Museum of Modern Art, das Whitney Museum und mehrere Wolkenkratzer in New York verhüllen. Im Juni 1968 erhält er eine Ausstellung im Museum of Modern Art. Im gleichen Jahr verpackte Christo auf der Kas-
seler Documenta 4 5.600 m³ Luft. Hierdurch wurde Christo in deutschen Kunstkreisen zum Begriff. Sein erstes Gebäude, die Berner Kunsthalle, verhüllte Christo ebenfalls 1968. Dieses Objekt war eine Woche lang verhüllt. Zeitgleich wurde in Italien ein Turm und ein Brunnen verhüllt. Der Vorschlag die Ponte San Angelo (Rom) zu drapieren konzipierte sich im gleichen Jahr.
Das Kunstmuseum in Chicago verhüllte Christo 1969 auf Wunsch des Direktor. Auch hier waren die Auflagen extrem hoch, innerhalb von 48 Stunden mußte das Projekt jedoch abgebrochen werden, da die örtliche Baupolizei Sicherheitsbedenken hatte. Dem Direktor gelang es allerdings die Dauer auf 45 Tage auszudehnen. Im gleichen Museum entstand im gleichen Jahr das Projekt ,,Verhüllter Fußboden und Treppe". Weitere Projekte waren in diesem Jahr ,,Verhüllte Küste, Littel Bay, 92.900 m² Syndey, Australien", ,,Houston Mastaba, Texas" und das Projekt ,,Gesperrte Autobahn".
In den Jahren 1970 und 1971 folgten weitere Projekte. Unter anderem entstand im Haus Lange in Krefeld das Projekt ,,Verhüllte Fußböden, verhängte Fenster und verhüllte Parkwege".
Christo hatte schon zu früher Zeit die Idee Gebäude zu verhüllen. 1971 begann die Vorbereitung auf eines seiner größten Projekte, er wollte den deutschen Reichstag verhüllen. Neben der Vorbereitung auf größere Projekt realisierte Christo kleiner Projekte und Ausstellungen, diese im einzelnen zu beschreiben würde den Umfang
meiner Arbeit sprengen und die Problematik dieser verfehlen. Hier nun eine kurze Auflistung der Projekte:
1972 ,,Valley Curtain, Grand Hogback, Rifel, Colorado" 1974 ,,Die Mauer, Verhüllte römische Mauer, Via V. Veneto und Villa Borghese, Rom" ,,Ocean Front, Newport, Rhode Island" 1975 Beginn der Vorbereitung für das Projekt ,,Verhüllung Pont Neuf" 1976 ,,Verhüllter Zaun, Sonoma and Marin Counties, Kalifornien" 1978 ,,Verhüllte Parkwege, Loose Park, Kansas Cits, Missouri" 1979 Beginn der Vorbereitung für ,,Die Mastaba von Abu Dhabi, Projekt für die Vereinigten Arabischen Emirate" 1980 Beginn der Vorbereitung für ,,Die Tore, Projekt für Central Park Ney York City" und für ,,Umsäumte Inseln" 1983 ,,Umsäumte Inseln, Biscayne Bay; Greater Miami, Florida" 1984 Beginn der Vorbereitung für ,,Die Schirme" ,,Verhüllte Fußböden und Treppen", Basel 1985 ,,Verhüllter Pont Neuf, Paris" 1991 ,,Die Schirm, Japan - USA" 1992 Beginn der Vorbereitung für ,,Über den Fluß, Projekt für den Westen der USA" 1995 ,,Verhüllte Böden und Treppen; verhängte Fenster", Künzelsau ,,Der Reichstag, Projekt für Berlin"
II Das Projekt ,,Verhüllter Reichstag"
Die Verhüllung des Reichstages in Berlin ist das bis jetzt letzte Projekt von Christo und für die deutsche Bevölkerung wohl auch das bekannteste. Die Entstehung und die damit verbundene Arbeit ist jedoch wohl kaum bekannt. Christo ist der Auffassung, daß ,,nicht das fertige Objekt - in diesem Fall der verhüllte Reichstag - allein relevant, sondern der (öffentlich diskutierte) Prozeß, der zu diesem Resultat führt." (s. Cullen, S. 65). Aus diesem Grunde ist für Christo die Entstehung schon Kunst. Die ersten konkreten Planungen zu diesem Kunstereignis datieren aus dem Jahre 1971. Die Idee Gebäude zu verhüllen ist jedoch schon im Jahre 1960 entstanden.
Im August 1971 bekam Christo eine Ansichtskarte von Michael S. Cullen, auf welcher der Berliner Reichstag abgebildet war. Cullen machte Christo den Vorschlag dieses Gebäude zu verhüllen. Im November teilte Jeanne-Claude Cullen mit, daß Christo an der Idee interessiert sei zur Zeit jedoch noch mit dem ,,Valley Curtain"-Projekt beschäftigt sei. Bereits im Dezember trafen sich Cullen und Christo in Zürich. Christo entschied, daß vor der konkreten Planung erst die Genehmigungen eingeholt werden müßten. Die Realisierung des Projektes ,,Verhüllter Reichstag" wurde für den Frühling/Sommer 1973 geplant.
Die ersten Zeichnungen zu dem Projekt entstanden im Frühjahr 1972. Im
August diesem Jahres wurde der ,,Valley Curtain" realisiert. Als weiteres Projekt wurde ,,Runing Fence" in Angriff genommen. Durch diese Projekte verschiebt sich die Realisierung der Projektes ,,Verhüllter Reichstag" zum ersten Mal.
Im Herbst 1973 wurde in Berlin-Kreuzberg im Künstlerhaus Bethanien ein Büro eingerichtet, welches für das Projekt verantwortlich ist. Im nächsten Jahr realisierte Christo die Projekte ,,Die Mauer" und ,,Ocean Front". Mit einer konkreten Planung des nächsten Projekt ,,Verhüllung des Pont Neuf" wurde 1975 begonnen.
Anfang Februar 1976 besuchte Christo zum ersten Mal Berlin. Er besichtigte den Reichstag zusammen mit Wolfgang Volz (Freund und Projektphotograph) und Michael S. Cullen. Die erste Pressekonferenz zum Thema ,,Verhüllter Reichstag" wurde von Christo in Berlin gehalten. Desweiteren traf sich Christo mit Repräsentanten der Berliner CDU und SPD. Während seines zweiten Besuches traf Christo sich mit kulturpolitischen Sprechern der großes Parteien. Christo wollte erst
eine politische Zustimmung zu seinem Projekt, bevor der in die konkrete Planung einsteigt. Diese wurde ihm zu dieser Zeit nicht erteilt. Jedoch konnte Christo sich während dieses Besuches alle Teile des Reichstages genau anschauen.
Im Januar 1977 besucht Christo abermals Berlin. Eine erste Abstimmung über sein Projekt endet negativ. Obwohl Christo bereits wichtige und einflußreiche Fürsprecher hat, kann er das Ergebnis nicht ändern. Im Februar besucht Hans Klein Michael S. Cullen, er möchte sich für das Projekt einsetzten und bringt es auf die Tagesordnung der nächsten Ausschußsitzung. Im März präsentiert Christo sein Projekt im deutschen Bundestag. Umfragen in der deutschen Bevölkerung sind überwiegend positiv. Der Bundestag kommt zu keiner Entscheidung. Im Mai besucht Christo den Berliner Kulturausschuß des Abgeordnetenhauses. Dieser Ausschuß ist dem Projekt positiv zu geneigt, setzt sich jedoch in Bonn nicht dafür ein.
In den folgenden Jahren fanden permanent weitere Auseinandersetzungen statt. Christo ließ sich dadurch nicht entmutigen und schöpfte hieraus Kraft sein Projekt zu realisieren. Er gab nicht auf und gründete im Dezember 1985 schließlich die Initiative ,,Berliner für den Reichstag". Im Februar 1994 endet die Bundestagsdebatte zur Realisierung nun endlich mit einer endgültigen Entscheidung, in der namentlichen Abstimmungen waren 292 für das Projekt, 223 dagegen, es gab 9 Enthaltungen und 1 ungültige Stimme.
Christo datierte die Aktionen auf die letzten zwei Wochen im Juni 1996. Neben Christos genauer Planung zum Ablauf des Projektes, mußte jetzt auch die Mannschaft koordiniert und die Stoffe in Auftrag gegeben werden. Die Mannschaft sollte aus 90 Gewerbekletterern, einen in der damaligen DDR existierenden Berufszweig, und 120 Montagearbeitern bestehen. Ein großes Problem war bei der konkreten Planung die Wetterlage, welche in diesem frühen Stadium keine konkreten Daten für die Realisierung zu ließ.
Die Realisierung des Projektes verlief in drei Phase. Die erste Phase umfaßte Arbeiten, welche nicht direkt am Reichstag vorgenommen werden mußten. So begannen bereits im September 1994 zehn deutsche Firmen mit der Herstel-
lung der verschiedenen Materialien. Die Entwürfe wurden von Christos Ingenieuren hergestellt, sie überwachten den gesamten Herstellungsprozeß. Weitere Arbeiten dieser Phase waren das Zuschneiden und Zusammennähen des Stoffes nach den Plänen Christos, die
Fertigung des Schutzgehäuses für das Mauerwerk des Reichstages und die Anfertigung der Teleskopstäbe.
Der Stoff ist in der Farbe blau-grau aus strapazierfähigem synthehischen Gewebe hergestellt worden. Er entspricht den gängigen Brandvorschriften. Dacron-Seile wurden verwendet um den Stoff in die gewünschte Form zu bringen und alles zu verschnüren. Alle verwendeten Materialien wurden nach der Beendigung des Projektes recycled. Die empfindlichen Statuen und Architekturornamente waren alle durch käfigartige Gehäuse geschützt. Um die Stoffbahnen und die Seile befestigen zu können wurden diese an den Teleskopstäben befestigt Die zweite Phase begann als die erste abgeschlossen war. In dieser Zeit wurden die Teleskopstäbe und die Schutzgehäuse installiert. Die nach System zusammengefalteten Stoffbahnen wurden zum Reichstag transportiert und dort auf der Dachterrasse plaziert.
Die dritte Phase war nun die, welche für die Öffentlichkeit sichtbar war. Hier wurden die Stoffbahnen von dem Dach des Reichstagesgebäude abgerollt und an den Teleskopstäben befestigt. Das Einpacken hat vier Tage in Anspruch genommen. Die gesamte Zeit der Verhüllung dauerte zwei Wochen, anschließend wurde alles wieder abgebaut. Die gesamten Materialien wurden recycled und für andere Zwecke wiederverwendet. Denn ,,auch Normaden bauen ihre Zelte wieder ab" 1 , so Christo.
III Falten - Eine gewollte Erscheinung
,,Nicht die Verpackung, sondern die Falten sind das Kunstwerk." 2 Dieses sagt Christo zu seinen Kritikern, welche seine Arbeit als populistisch abtunen. Seine Vorbilder finden sich in der griechischen und römischen Kunst. Christos klassische Falten erinnern an die klaren Linien dieser alten Kulturen.
Es ist unmöglich ein Gebäude von diesem Ausmaß einzupacken ohne Falten zu legen. Christos Falten sind jedoch nicht aus der Notwendigkeit heraus entstanden, sondern schon immer mit geplant gewesen. Bei der Berechnung des benötigten Stoffes wurden die Falten mit berücksichtigt. Unter den vielen Berufsgruppen, welche an der Entstehung des Projektes beteiligt waren, waren auch Feuerwehrleute. Diese hatten die Aufgabe, die Stoffbahnen nach den Anweisungen zu falten. Hierfür wurde der Stoff in
eine Halle gefahren, welche groß genug war um die Stoffbahnen ganz auszurollen. Mit ihren Kenntnissen und Maschinen legten die Feuerwehrleute die Falten, anschließend wurden sie ,,gebügelt" in dem mit den schweren Fahrzeugen über die Stoffbahnen gefahren wurde.
Der Faltenwurf ist es, was das Gebäude menschlich und klein erscheinen läßt. Durch die Regelmäßigkeit der Falten hat der Betrachter das Gefühl, daß das Gebäude atmet, es bekommt etwas leichtes und weiches, etwas Bewegtes. Christo stellt durch die Falten einen Verbindung zwischen den physischen Möglichkeiten als auch der Symbolik dar. Denn einer seiner Leitsprüche ist: ,,Dynamik auf den Weg zu einer neuen Zukunft" 3
Das Gebäude sieht durch die Falten nicht nur kleiner aus, es wirkt lebendig, da der Wind unter den Stoff greifen kann und so alles in Bewegung setzt. Die Sonne wie auch das Scheinwerferlicht wird durch die Falten gebrochen und läßt so den Reichstag immer anders erscheinen.
V Eigene Stellungnahme
Christos Kunst ist Kunst mit textilen Mittel. Alle Arten von Stoffen und Gewebe haben den Künstler in seinem Leben fasziniert, hierzu gehören die Strukturen der Stoffe, Plisseess, Draperien und auch die Faltenwürfe. Die Verhüllung des Reichstages folgt dieser klassischen Tradition. Stoffbahnen werden in synonym mit den Begriffen Kleidung und Haut verwendet, sie verdeutlichen die Vergänglichkeit, aber auch das Zarte und Vergängliche. Christos Kunst ist eindeutig, aber auch interpretationsfähig. Sein Hauptwerk besteht in der Planung, die Realisierung ist für die Öffentlichkeit.
Christos Projekte sind erst in der Abschlußphase für die Allgemeinheit, dieses ist es, was den Reiz ausmacht. Auch die Vergänglichkeit seiner Kunstwerke und die Tatsache, daß er alles selbst finanziert machen für mich aus seinen Werken etwas besonders. Die Größe des Reichstages, eines seine größten Projekte überhaupt, ist erst zu begreifen, wenn man es gesehen hat. Durch den Stoff, den Faltenwurf und nicht zuletzt durch die Seile wirkt das Objekt auf den Betrachter, wie man es nicht in Worte fassen kann. Es ist gigantisch, eindrucksvoll für die Befürworter, für die Gegner hingegen eine Verschwendung nicht nur von Geld auch von Zeit.
Auf mich wirkte der verhüllte Reichstag wie ein außerirdisches Objekt, welches Mitten in Berlin abgestellt worden ist. Die Farbe des Stoffes harmonisierte außerordentlich gut mit der Farbe des Himmels über Berlin. In Licht der Sonne wirkte alles vollkommen, im Licht der Scheinwerfer wirkte das Gebäude sehr klassisch, mit einem Hauch an etwas unnäturlichem. Besonders zu gelten kamen die Falten, wenn der Stoff feucht war, dann spiegelte sich das Licht und wurde mehrmals gebrochen. Es wirkt wie ein überdimensionaler Theatervorhang, welcher ein Geheimnis verbirgt.
IV Literatur
- Cullen, Michael S. (Hrsg.) Christo: Der Reichstag 1984, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main
- Baal-Teshuva, Jacob (Hrsg.) Christo, Der Reichstag und urbane Projekte 1993, Prestel-Verlag, München
- Neue Westfälische, Bielefeld Ausgaben vom 04.03.1995, 17.06.1995 und 04.07.1995
- Die Tageszeitung, Berlin Ausgabe vom 10./11.06.1995
- Süddeutsche Zeitung, Stuttgart Ausgabe vom 17./18.06.1995
- Dokumentationsfilm auf arte, Kulturkanal ,,Christo - 17.Juni Reichstagsverhüllung" Themenabend am 13.06.1995
1 Neue Westfälische, Bielefeld, 04.07.1995
,,Vergängliche Kunst"
2 Neue Westfälische, Bielefeld, 04.07.1995
,,Vergängliche Kunst"
3 Süddeutsche Zeitung, Stuttgart, 17.06.1995
,,Einmal in Glanz gehüllt"
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Kerstin Holtz, 2000, Verhüllter Reichstag - Christo, München, GRIN Verlag GmbH
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