· Pronomenredundanz, z.B. a me mi piace
· Konjunktiv Präsens fehlt (Ausnahme: puté)
· Die Suffixe -illo und -iello stehen auch bei Adjektiven, bei Adverbien und besonders häufig bei Eigennamen, z.B. Franceschiello 1.2. Syntax
· Wiederholung bzw. Teilwiederholung des Verbs beim Imperativ, z.B. guarda guá `guarda'
· Bei Konditionalsätzen steht der Konditional im Nebensatz, der Konjunktiv Imperfekt im Hauptsatz 1.3. Lexikon
Das Neapolitanische weist eine reiche Wörterbuchproduktion auf, wobei hingegen eine Lexikologie der kampanischen Dialekte aussteht- häufige Dialektismen wie Salernitano sind nicht dokumentiert.
Nach dem zweiten Weltkrieg sind auch amerikanische Anleihen in das Neapolitanische eingedrungen, wie z.B. mammà e papà. Bedeutend ist auch der Einfluss des Wortschatzes des gergo della Camorra. Einige seine Elemente sind auch von Neapel aus in die Umgangssprache eingedrungen, wie z.B. `pederasta'. Einen Überblick über neapolitanische Elemente, die in die Umgangssprache eingegangen sind, verzeichnet Altamura 1961. 1.4. Soziolinguistische Einschätzung
Die kampanischen Mundarten stehen dem mittelitalienischen Standart sehr nahe. Obwohl oft der Verfall der Mundarten beklagt wird, ist dies sicher nicht der Fall, wie Schulmeister an Hand des Italienischunterrichtes aufzeigen können.
Das Neapolitanische ist eine Prestigevarietät und wird in allen sozialen Schichten gesprochen. Gleichzeitig mit dem Dialekt verbindet sich auch eine tiefe Loyalität zu der Region, in der man lebt. Andere Varietäten werden oft von den Sprechern selbst als vulgär abgewertet.
1. Externe Sprachgeschichte
Die Entwicklung der Sprache hängt natürlich ganz eng mit der Geschichte zusammen. Um die Mitte des 8. Jahrhunderts v.Chr. wird die Stadt Rom gegründet, welche bis zum 6. Jahrhundert unter etruskischer Herrschaft stand und die Stadt auch sprachlich beeinflusst. Mit der Vertreibung des letzten Königs beginnt die Ausbreitung Roms. Im 2. Jahrhundert n.Chr. sind die Römer bereits an allen Küsten des Mittelmeeres, an den atlantischen Küsten von Mauretanien bis Britannien und an den Ufern des Rheins, der Donau und des Tigris präsent. Mit ihnen geht die ,,Lateinisierung" einher. In dieser orbis romanus war Latein die allein gültige Amtssprache und das allgemeine Verständigungsmittel. Ab dem 3. Jahrhundert n.Chr. fallen immer wieder ,,barbarische" Völker, also Völker, deren Sprache nicht Latein ist, in das
römische Reich ein und verbreiten dadurch ihre Kultur und verändern das Sprechlatein, das als vulgär-latein bekannt ist, sie pidginisieren es. Besonderheiten dieses Lateins, die in den heutigen romanischen Sprachen weiterleben, sind z.B. die Sprachökonomie (Tilgung von Lauten nach dem Gesetz des geringsten Widerstandes), der Analytismus oder der Qualitätenkollaps
Nach dem Zerfall des römischen Reiches kommt es aufgrund mehrerer Faktoren zu einer Aufsplittung der romanischen Sprachen. Zum einen gab es keine sprachvereinheitlichende Kraft mehr, zum anderen sind sehr viele Menschen auf das Land gezogen, auf sogenannte villae, wo dann die Sprache stark rurisiert wurde. Fast jede villa hatte einen eigenen Sprachgebrauch. In der Stadt zentrierten sich die Eroberer, die anderssprachig waren. Seit der Völkerwanderung gab es mehrere Versuche der sprachlichen Vereinigung. Im 8. Jahrhundert will man das römische Reich wieder erneuern. Karl, der Große spricht von renovatio imperium, und möchte damit nicht nur das klassische Latein beleben, er möchte den Wiederaufbau des römischen Reiches. Diese Rückkehr führte aber zu einem Bruch der Verständlichkeit zwischen dem Leitmodell und den regionalen Sprechvarietäten. Man merkt zum ersten Mal, dass neue Sprachen sntstanden sind. 842 entstehen die ersten schriftlich tradierten Texte, die Straßburger Eide), die stärker romanischen als lateinischen Charakter haben. Dieser Text gilt als die Vorstufe des Französischen. 960 ist der erste italienische Text überliefert: ,,placito di Capua": Dies ist ein Gerichtsurteil, in dem ein Satz, nämlich der, den die Zeugen aussagen mussten, in Volkssprache ist. Die Zeugen waren scheinbar bereits nicht mehr der lateinischen Sprache mächtig. Im 11. und 12. Jahrhundert gibt es immer mehr Belege für Gebrauchsschriften in Vulgärsprache, dem volgare.
Literarisch wird volgare erst im 13. Jahrhundert von der ,,sizilianischen Schule" am Hofe des Friedrichs II. verwendet, in Anlehnung an die Troubadourdichtung der Franzosen. Mit Dante, der im ,,dolce stil nuovo" schreibt, wird das volgare im 14. Jahrhundert belebt., zuerst nur in der Literatur, allmählich aber auch in wissenschaftlichen Bereichen. Dies ist aber ein langer Prozess, und es kommt erst mit dem Buchdruck (1540) zu einer Entscheidung, für welches der mitllerweilen drei verschiedenen volgare man sich entscheidet, da nun eine Kodifizierung unumgänglich ist. Das volgare der Tre corone wird als Standard genommen, mitunter auch deswegen, weil es bereits einen hohen Anteil an Grammatikern und Lexikographen gibt., z.B. von Fortunio. Dennoch hat das volgare noch nicht den Status einer hochrangigen Wissenschaftssprache. Astronomie, Physik, Mathematik, und Medizin bleiben bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts noch im starken Maß dem Latein verhaftet. Erst in der zweiten Hälfte tritt das Latein allmählich als Wissenschaftssprache zurück, wenn auch
nicht ohne Widerstände.
Der starke, von der französischen Revolution ausgehende Nationalismus, verursacht den Anspruch auf Anerkennung der sprachlichen und kulturellen Identität. Unter Napoleon erhalten alle unter französischem Einfluss stehenden Staaten der Halbinsel ähnliche Verfassungen nach französischem Vorbild. 1806 wurde im Regno d'Italia der zweisprachige Code civil erlasse. Dieses Regno d'Italia wird zum Vorläufer des vereinten Italiens und die Idee des Risorgimento ist nicht mehr auszulöschen. Die Einigung Italiens wird in vielen Schriften verlangt und durchdacht. Das Problem der Einigung des Landes wird von den Intellektuellen sofort mit dem Problem der Landessprache verknüpft. In der Romantik herrscht die Meinung, dass Landeseinheit und Spracheinheit Hand in Hand gehen müssten.
Arbeit zitieren:
Alexandra Huck, 1999, Neapolitanisch, München, GRIN Verlag GmbH
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