2. Fakten zur Beschreibung der militärisch-politischen Wirklichkeit 1918
Angesichts der ausweglosen militärischen Lage des Deutschen Reiches im 1. Weltkrieg und sozusagen als Vorleistung für einen annehmbaren Friedensvertrag auf der Grundlage der Vierzehn Punkte des US-Präsidenten Thomas Woodrow Wilson erfolgte Ende September 1918 erstmals die Bildung einer parlamentarischen Regierung mit dem Prinzen Max von Baden als Reichskanzler an ihrer Spitze. Im Zuge der Novemberrevolution kam es zum völligen Zusammenbruch des monarchischen Systems in Deutschland: Am 9. November verkündete Max von Baden die Abdankung Kaiser Wilhelms II. und übertrug die Regierungsgeschäfte an den SPD-Vorsitzenden Friedrich Ebert; der Kaiser ging noch am selben Tag ins Exil.
· Im Spätsommer 1918 beurteilt die Oberste Heeresleitung die militärische Lage als hoffnungslos.
· Forderung der obersten Heeresleitung an die Reichregierung: das sofortige Absenden eines Waffenstillstandangebotes.
· Grundlage der Waffenstillstandsverhandlungen sollten die 14 Punkte des US-Präsidenten T. W. Wilson sein.
· Am 26.10 wurde Ludendorff auf eigenen Wunsch entlassen; er überließ somit die Verantwortung dafür, wie aus der militärisch aussichtslosen Lage die Konsequenzen gezogen wurden, den Zivilisten.
· Am 28.10.1918 änderte die Reichsregierung die Verfassung zugunsten einer parlamentarischen Regierungsform.
· Vom 08.11 bis 11.11.1918 fanden die Waffenstillstandsverhandlung im Wald von Compiègne statt. Das Waffenstillstandsabkommen entsprach einer bedingungslosen Kapitulation.
Deutschland musste neben den besetzten Gebieten im Westen das gesamte linke Rheinufer (einschließlich Elsass-Lothringens) räumen, das von den Alliierten besetzt wurde. Rechts des Rheins wurde eine 35 Kilometer breite entmilitarisierte Zone geschaffen. Außerdem verlangten die Alliierten, dass die deutschen Truppen ihre Stellungen in Österreich-Ungarn, Rumänien und der Türkei verlassen sowie umfangreiches Waffen- und Munitionsmaterial, Fahrzeuge und Lokomotiven abliefern mussten, um eine Wiederaufnahme des Krieges durch die Mittelmächte unmöglich zu machen. Dies bedeutete nahezu die Entwaffnung der deutschen Armee.
· 09.10.1918 wurde Deutschland eine Republik. Die Politiker dieser Republik
unterzeichneten das Waffenstilstandsabkommen, beunruhigend aber war, dass die Generäle des kaiserlichen Militärs diesen Vertrag nicht unterzeichneten.
· Am 10.11.1918 dankte Kaiser Wilhelm II ab und floh nach Holland.
Aus diesen Fakten ist klar ersichtlich, dass die Dolchstoßlegende nur eine Verdrehung der Wirklichkeit ist. Nicht die Regierung, sondern die Oberste Heeresleitung hatte die Kapitulation gefordert. Sie versuchte sogar jede Schuld von sich zu weisen und überlies der neuen Regierung die Konsequenzen. Ebenfalls akzeptierte Generalfeldmarschall von Hindenburg das Waffenstillstandsabkommen ohne jegliche Einwände. Doch gerade er der nichts für eine Verbesserung der Bedingungen getan hatte, sprach später von dem Meuchlungsmord.
3. Urteile, Meinungen zur Dolchstoßlegende
Eduard Bernstein, Sozialdemokrat, geboren 1850 in Berlin:
Statt des gesellschaftlichen forderte er den moralischen Bruch mit dem Kaiserreich. Es stand für ihn außer Frage, dass Deutschland Schuld am Krieg hatte. Die neue Regierung sollte ihr Volk darüber rückhaltlos aufklären. "Machen wir uns doch frei von den Ehrbegriffen der Bourgeoisie, nur die Wahrheit, die volle Wahrheit kann uns nützen", forderte er seine Parteifreunde immer wieder auf. Doch sein Drang nach Wahrheit ging den Genossen auf die Nerven, eine Aufklärung der Kriegsschuld wollten sie dem geschlagenen Volk nicht zumuten. (aus: http://www.welt.de/daten/1999/01/16/0116lw59219.htx)
Martin Niemöller, Sohn eines Pfarrers bewertet die Situation 1918 wie folgt: ,,Es ist der Begriff der Kameradschaft im Kriege so viel gepriesen worden. Was Kameradschaft wirklich bedeutet, haben wir erst gelernt, als sie nicht mehr existierte. Die Jungen, in entbehrungsreichen Jahren ohne väterliche Autorität aufgewachsen, liefen bis auf Ausnahmen davon oder ließen sich fangen. Sie waren nicht bereit, um des tapferen Nachbarn willen auszuhalten, sie wollten nur ihren Kopf retten, gleichgültig, was den Kameraden nebenan geschah. Woher sollten sie auch von dem Zusammenhalten der alten Frontsoldaten wissen, da sie nicht die Zeit hatten, sich in die Frontgemeinschaft hineinzuleben. Sie wussten nicht, wofür sollten sie kämpfen. Wir wussten es ja auch nicht mehr, wir hielten aus, weil ein anständiger Kerl eine Sache, für die so viele Opfer gebracht worden waren, irgendwie anständig zu Ende bringen muss." (aus: http://www.aleph99.org/etusci/ks/t1a1.htm)
Heinrich August Winkler: ,,Deutschland war zu industrialisiert für einen völligen Umsturz der gesellschaftlichen Verhältnisse. Für hoch industrialisierte Gesellschaften ist ein starker Bedarf an der Aufrechterhaltung der Dienstleistungen von Staat und Kommunen, das heißt: an administrativer Kontinuität, kennzeichnend. Beide Faktoren, der Grad der Demokratisierung und der Grad der Industrialisierung, wirkten objektiv revolutionshemmend. Sie erklären, warum die deutsche Revolution von 1918/19 nicht zu den großen Revolutionen der Geschichte gerechnet werden kann." (aus: Ein deutscher Menetekel. In: Ders./Alexander Cammann (Hg.), Weimar. Ein Lesebuch zur deutschen Geschichte 1918-1933. München 1997, S. 15 ff)
Ebert und Scheidemann sicherten sich die Unterstützung der unter dem Befehl der Obersten Heeresleitung stehenden Freikorps. Die allerdings vertraten ganz andere Ziele, nämlich solche der Rückeroberung der Macht für die reaktionäre Rechte.
Hier liegt in der Tat der große Fehler, dass es nicht gelungen ist, wie etwa in Österreich, für diese Regierung der Volksbeauftragten eine Truppe von mehreren tausend Mann zusammenzubringen, die in der Lage gewesen wären, Putschgelüste von rechts und Aufstandsversuche von links so niederzuhalten oder zumindest so abschreckend zu wirken, dass solche nicht zum Tragen gekommen wären oder es bei kleineren Scharmützeln geblieben wäre. (von: Hartmut Soell, Von der Machterschleichung zur Machtergreifung: Überlegungen zum Ende der ersten deutschen Republik. In: Christoph Gradmann/Oliver Mengersen (Hg.), Das Ende der Weimarer Republik und die nationalsozialistische Machtergreifung. Heidelberg 1994, S. 9 ff.)
Arbeit zitieren:
René Hensel, 2000, Die Dolchstoßlegende, München, GRIN Verlag GmbH
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Die Dolchstoßlegende und ihre Auswirkungen
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Seminararbeit, 15 Seiten
Zu: Karl Marx, Das Kapital, Buch I. Kapitel 1. Die Ware
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hauptseminararbeit, 25 Seiten
Recht und Gerechtigkeit bei Friedrich Schiller
Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte
Seminararbeit, 26 Seiten
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Karsten Lehmann
Kommentar.
Der Kaiser begab sich am 10., nicht am 9. November ins Exil(was Du ja später auch korrekt schreibst).
am Wednesday, December 20, 2000-
Antje
Danke.
Ohne dich hätte ich mich eingraben können ich habe nämlich mein Geschichtsbuch vergessen und na ja dann ne 6 bekommen weil ich keine Hausarbeit gehabt hätte also danke !
am Thursday, May 02, 2002-
Prissi
Supi!.
Zum Glück gab es deine Arbeit im Net!
Jetzt verstehe ich erst wirklich worum es geht!
am Tuesday, November 05, 2002-
J. D.
:-) Vielen Dank.
Ich bin dir echt ganz schön dankbar, denn igendwie blick ich durch die Dolchstoßlegende nicht wirklich durch. Am Montag muss ich meine Hausarbeit abgeben und ich hätte, wenn du nicht wärst, jetzt gar nichts. Also Vielen Dank. Ach ja, was blöd ist, ist das du keine Angaben gemacht hast, wo du deine Informationen her hast. Ich muss die nämlich angeben. Nagut jetzt reichts aber. Bye, bye...
am Saturday, December 07, 2002-
natalie
WArum war die Dolchstoßlegende erfolgreich?.
Ich muss zum 15.06.06 eine Hausaufgabe erfüllen....Die Frage im Buch lautet: WArum hatte die Dolchstoßlegende ERfolg? Könnt ihr mir da helfen? Und diese Frage soll ich mit Hilfe des Plakates der Deutschnationalen von 1924 beantworten (auf diesem ist Verleumdung zu sehen) Ich brauche dringend HILFE!
am Wednesday, June 14, 2006-