nicht, wie andere Radikale, die Revolution, bereiteten jedoch den Weg für den zunehmend radikalen "Vormärz“ vor
• Hambacher Fest (1832): revolutionäre Reden
• Versuch radikaler Studenten, den Frankfurter Bundestag zu stürmen (1833); verschärfte Verfolgungen, Ausweisung protestierender Göttinger Professoren, u.a. der Brüder Grimm
• Autoren, deren Kontakt zueinander zwar relativ lose war, die aber durch das Verbot ihrer Schriften (1834 in Österreich, 1835 in Preußen) eine faktische Zusammengehörigkeit erfuhren:
"Nachdem sich in Deutschland in neuerer Zeit, und zuletzt unter der Benennung "Das junge Deutschland" oder "Die junge Literatur" eine literarische Schule gebildet hat, deren Bemühungen unverhohlen dahin gehen, in belletristischen, für alle Klassen von Lesern zugänglichen Schriften die christliche Religion auf die frechste Weise anzugreifen, die bestehenden sozialen Verhältnisse herabzuwürdigen und alle Zucht und Sittlichkeit zu zerstören: so hat die Deutsche Bundesversammlung - in Erwägung, dass es dringend notwendig sei, diesen verderblichen, die Grundpfeiler aller gesetzlichen Ordnung untergraben den Bestrebungen durch Zusammenwirken aller Bundesregierungen sofort Einhalt zu tun."
• als Vordenker gelten Marx (Sozialismus), Hegel (Idealismus) und Feuerbach (Materialismus), die mitunter für Sentenzen der Art „erst materielle Gleichheit macht persönliche Freiheit möglich“ und „Natur als Grund des Geistes, Wissen statt Glauben, Sein bestimmt das Bewusstsein“ verantwortlich sind
• als 'Mitglieder' des Jungen Deutschland im engeren Sinne werden in den gängigen Literaturgeschichten - mit geringen Abweichungen - sechs Autoren aufgeführt, denen außer der politischen Haltung noch eines gemeinsam ist:
die nur sehr eingeschränkte Bedeutung ihres literarischen Schaffens; keines ihrer dichterischen Erzeugnisse hat den Weg in den Kanon der klassischen Werke der deutschen Literatur gefunden.
~ Theodor Mundt (Kritische Wälder, 1833)
~ Ludolf Wienbarg (Ästhetische Feldzüge, 1834)
~ Karl Gutzkow (Wally, die Zweiflerin,1835; freimütige Thematisierung von Sexualität) ~ Ernst Adolf Willkomm (Die Europamüden, 1838) ~ Heinrich Laube
~ Georg Herwegh (Gedichten eines Lebendigen, 1841-1843; am radikalsten und politischsten); Bundeslied des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins:
“Mann der Arbeit, aufgewacht
Und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still, Wenn dein starker Arm es will.“
Später und ferner außerdem die eher nationalistisch ausgerichteten (phrasenhaftpathetischen) Werke Ferdinand Freiligraths (besingt Tapferkeit der Deutschen im Krieg gegen Frankreich) und August Heinrich Hoffmann von Fallerslebens (Deutschlandlied).
• bedingt hinzuzuzählen sind außerdem die zwei wohl bekanntesten Vertreter ihrer Zeit:
~ Heinrich Heine: setzte sich mit der Romantik in dem Buch „Die romantische Schule" (1836) auseinander; wurde eines der wichtigsten Werke des Jungen Deutschland, da es nicht nur um Literaturgeschichte ging, sondern auch mit den reaktionären Romantikern abrechnet; wird jedoch selbst als einer der letzten Romantiker betrachtet (volksliedhafte Lyrik, Ironie, Pessimismus, der das Kleinbürgertum , das lediglich auf materielle Werte fixiert ist, ablehnt, sind im ursprünglichen Sinne romantisch);
Prosa dagegen moderner. Dies wird vor allem in seinen Reisebildern (1826-1831) deutlich: entlarvte die Mißstände Deutschlands, wurde zu einem gefürchtetem Kritiker des politischen status quo.
In seinem Epos „Deutschland. Ein Wintermärchen" kritisiert er den preußischen Militarismus und das kleinbürgerliche Obrigkeitsdenken mit scharfer Satire. In „Atta Troll. Ein Sommernachtstraum" kritisiert er auch seine Zeitgenossen, denen er „Tendenzlyrik" und „politischen Dilettantismus" vorwirft.
~ Georg Büchner: distanziert sich ausdrücklich vom Jungen Deutschland; radikalsozialistische Flugschrift Der Hessische Landbote (1834) mit der Parole „Friede den Hütten, Krieg den Palästen!“; „Woyzeck“ (1835), „Dantons Tod“ (1835) uvm.
Radikalität sowohl in politischer Sicht wie auch in Wahl der Ausdrucksmittel; konsequente Durchdringung der Lebenswirklichkeit, präzise, poetische Darstellung der Zerstörung einer Seele durch die Mechanismen einer unnatürlichen (perversen) Gesellschaft; naturalistisch und symbolistisch, psychoanalytisch und sozialkritisch, daher ausgesprochen schwer zu erfassende Bedeutung.
~ Ludwig Börne: seine Briefe aus Paris (1832-1834) zählen zu den entscheidenden theoretischen Schriften des Jungen Deutschland
• den weit gespannten Zielen der Bewegung diente eine auf ein breites Publikum gerichtete Wirkungsstrategie:
Bevorzugung kleinerer literarischer und journalistischer Formen (Brief, Novelle, Reisebild), Entstehung eines deutschen Journalismus; Schriftsteller publizieren in den Feuilletons (z.B. Börne, Heine) u.a. satirische Reisebilder.
Sprache eher salopp, provozierend, satirisch.
Politik und Sozialkritik Anlass einer "Tendenzliteratur" um Stagnation der Romantik und Klassik entgegenzuwirken; zeitnah.
Erzählende Literatur: Zeit- und Gesellschaftsromane, philosophisch-religiös fundierte Emanzipationsgeschichten
• massiver staatlicher Druck sorgt für raschen Zerfall der organisatorisch nicht gefestigten Bewegung
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Florian Schaurer, 2000, Das Junge Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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