Allgemeine Psychologie/SETZ K47/DR/Psychologische Richtungen
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Psychologische Richtungen
Es gibt bis heute keine geschlossene Wissenschaft der Psychologie. Seit
der Jahrhundertwende entwickelte sich eine Vielfalt verschiedener Schulen
mit unterschiedlichen philosophischen Prämissen, Theorien,
Forschungsansätzen und Methoden. Keine der Richtungen kann mehr
Anspruch auf Wahrheit erheben, vielmehr ergänzen sich die
unterschiedlichen Perspektiven zu einem komplexen Bild. So
widersprüchlich die Paradigmen auch sein mögen, bewähren sich alle
Ansätze in irgendeinem Teilgebiet der Psychologie.
Der Begriff Paradigma bezeichnet Grundannahmen, die das jeweilige
Gebiet wissenschaftlicher Forschung eingrenzen. Sie definieren, welche
praktischen Methoden legitim sind, um Beobachtungen zu machen, und
welcher theoretische Begriffsrahmen angemessen ist, um das Beobachtete
zu erklären. Ein Paradigma formt, konzentriert und beschränkt unser
Wahrnehmungsfeld, unser Wirklichkeits-verständnis, sowie unseren
Umgang mit den Phänomenen. Die verschiedenen Schulen oder
Paradigmen der Psychologie bedingen somit unterschiedliche Wert-
haltungen und Menschenbilder.
Im folgenden werden die Grundlagen der bedeutendsten Schulen der
Psychologie in ihrer historischen Abfolge kurz umrissen:
1. Die Tiefenpsychologie
Die Tiefenpsychologie nimmt ihren Anfang mit dem
Wiener Neurologen und Psychiater Sigmund Freud,
der 1894 mit der Psychoanalyse als erster eine
systematische, umfassende Theorie psychischer
Phänomene entwickelte. Seine Theorie war
revolutionär: in der prüden Zeit der
Jahrhundertwende spricht Freud der Sexualität eine
zentrale Rolle bei der psychischen Entwicklung zu;
zudem postulierte er, dass die
verhaltenssteuernden Motivationen grösstenteils
unbewusst sind. Jegliches Verhalten ist seiner
Ansicht nach determiniert von seelischen Kräften,
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Freud nannte sein Theoriegebäude Metapsychologie, womit er die von ihm
begründete Psychologie in ihrer ausschliesslich theoretischen Dimension
bezeichnet. Die Metapsychologie befasst sich der Funktionsweise des
`seelischen Apparates` und lässt sich in folgende Dimensionen gliedern:
1. Dynamischer Aspekt - alles Verhalten ist letzten Endes triebbestimmt:
Trieb als Energiequelle aller psychischen Vorgänge. Die Triebquelle
ist ein körperlicher Spannungszustand, der den Organismus auf ein
bestimmtes Ziel oder Objekt hinstreben lässt; sie gehören zum
Unbewussten. Triebe haben psychische Repräsentanten, z.B.
Wünsche oder Triebobjekte, die mit bestimmten Energiequantitäten
besetzt sind; sie gehören dem Vorbewussten, das heisst sie sind
nicht immer, aber grundsätzlich dem Bewusstsein zugänglich.
Freud postuliert zwei grundlegende Triebgruppen: die Ichtriebe, deren
Ziel die egoistische Selbstbehauptung ist, und die Objekttriebe, die nach
aussen streben und Beziehungen zum Inhalt haben. Die Triebe können
einander fördern, hemmen, sich miteinander verbinden, zu
Kompromissen zusammentreten, usw. Sie sind weiter unterteilt in
sogenannte Partialtriebe (z.B. oraler Partialtrieb, Schau-,
Bemächtigungstrieb), die zunächst unabhängig voneinander
funktionieren und sich im Verlaufe der psychosexuellen Entwicklung zu
einer Organisation formen.
??
Ökonomischer Aspekt alles Verhalten führt seelische Energie ab: Nach
dem Prinzip der Homöostase wird jede überschwellige Erregung wieder
abgeführt, da sie als Unlust empfunden. Die Abfuhr erfolgt durch
äusseres Verhalten und führt, falls erfolgreich zu einer Lustempfindung.
Die ursprüngliche Arbeitsweise des psychischen Apparates ist also vom
Lust-Prinzip (oder dem Primärvorgang) bestimmt und lässt sich dem
Unbewussten zuordnen.
Diese primäre Funktionsweise erfährt im Laufe der Entwicklung eine
Modifikation durch die Rücksicht auf die Aussenwelt: das Realitätsprinzip
ermöglicht einen Triebaufschub und das zeitweilige Ertragen von
Unlustempfindungen; die Energie bleibt gebunden, bevor sie in
kontrollierter Form abgeführt wird. Dieses Prinzip, auch
Sekundärvorgang genannt erlaubt psychische Erfahrung,
Strukturbildung, etc .
??
Topischer Aspekt der seelische Apparat ist zusammengesetzt: Der
psychische Apparat ist in Systeme gegliedert, die verschiedene
Funktionen haben. Das Es beinhaltet den psychischen Ausdruck der
Triebe, es ist die ursprünglichste Instanz, die anderen gehen aus ihm
hervor. Diese Entwicklung geschieht in der Auseinandersetzung mit den
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primären Objekten (meist Mutter, Vater) des Kindes und beruht auf einer
Verinnerlichung von erlebten Beziehungsstrukturen (Dyade, Triade).
Das Über-Ich bildet sich durch den Ödipuskomplex; elterliche
Forderungen und Verbote (Aggressionen) werden verinnerlicht, es
äussert sich im Gewissen, in Idealen, in der Selbstbeobachtung und in
der Zensur von Trieben.
Das Ich vermittelt zwischen den Forderungen des Es und Über-Ichs
einerseits, und zwischen dem Organismus und der Umwelt andererseits
(die Wahrnehmung und damit das Bewusstsein sind in diesem Sinne
dem Ich zugeordnete Funktionen). Wenn sich im Ich gegensätzliche
innere Forderungen gegen-überstehen, treten Konflikte auf. Sie können
aus Diskrepanzen zwischen Triebbedürfnissen (Es) und Normen (Ü-I),
zwischen Es und Realität oder auch zwischen verschiedenen Es-
Antrieben bestehen. Ist das Ich nicht stark genug Kompromisse mit der
Realität zu bilden, oder die Bedürfnisbefriedigung zeitlich adäquat
abzustimmen greift es zu den Abwehrmechanismen. Diese verun-
möglichen eine bewusste Konfliktbearbeitung, die Sypmtombildung setzt
ein.
2. Genetischer Aspekt alles Verhalten ist historisch bedingt: Die
Verankerungen des Verhaltens werden in der frühen Kindheit
gesehen, insbesondere darin, wie das Kind seine biologischen
Spannungen reduzieren lernte (psychosexuelle Entwicklung). Jede
spezifische Triebabfuhr bewirkt durch die Überwindung von
Widerständen eine entsprechende Bahnung, und erhöht somit die
Wahrscheinlichkeit dieses Verhaltens in der Zukunft hier geschieht
der Übergang von Erregungsquantität in Verhaltensqualität. Später
wird die Energie mit höherer Wahrscheinlichkeit über einen
gebahnten Weg abgeführt, und wird dadurch die Widerstände dieser
Bahnung gleich nochmals herabsetzen. Freud sprach in diesem
Zusammenhang vom Wiederholungszwang bezüglich eines
eingespielten Verhaltens.
Die Psychoanalyse als Behandlungsmethode versucht die Funktionsweise
der Instanzen des psychischen Apparates anhand gemachter Äusserungen
(Sprache, Träume, Übertragung, etc.) zu erfassen, und ihrer historischen
Entwicklung zu verstehen (Kindheit). Als Methoden dazu dienen die freie
Assoziation und die Deutung. Die freie Assoziation ist die dem Patienten
auferlegte analytische Grundregel, alles zu sagen, was ihm in den Sinn
kommt, ohne Zensur sozusagen. Die Deutung des psychischen Ausdrucks
soll eine Bewusstwerdung der ablaufenden Mechanismen, unbewussten
Motive und Abwehrvorgänge ermöglichen.
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Während Freud das individuelle Unbewusste betonte, sprach Carl Gustav
Jung vor allem dem kollektiven Ubw grosse Bedeutung zu er verstand
darunter Verhaltens- und Erlebnisstrukturen, die sich in der Evolution
ausgebildet habe, und die für alle Menschen dieselben sind: Archetypen.
Leopold Szondi wies auf ein familiäres Ubw hin, also auf
familienspezifische Verhaltens- und Erlebnismuster. In den 60er Jahren
entstand die Ich-Psychologie unter Hartmann, der das Ich autonomer
konzipierte und von der Determinierung von Trieben und psychosozialen
Einflüssen abgrenzte.
Die Psychoanalyse berücksichtigt in ihrem Modell der menschlichen
Psyche sowohl biologische, wie auch soziale Komponenten; die Theorie ist
zudem in ihrem Erklärungsanspruch umfassend. Die Kritik beläuft sich vor
allem auf die Wissenschaftlichkeit der Psychoanalyse: zentrale Annahmen
der Metapsychologie (z.B. über die Struktur oder Topographie des
Psychischen) sind einer empirischen Überprüfung nicht zugänglich und
bleiben somit hypothetisch. Aber auch die klinische Theorie (der
individuellen Krankheitsbilder) mit ihren subjektiven Deutungen von
Sinnzusammenhängen kann noch nicht wissenschaftlich erklärt werden.
Neuere sprachwissenschaftliche Ansätze versuchen diesen Mangel zu
beheben.
Kurzer Abriss Freuds Entwicklungstheorie:
1. Psychosexuelle Entwicklung:
Freud konzeptualisiert Sexualität
als zentralen Bereich menschlichen Erlebens und menschl.
Entwicklung. Er bezeichnet damit sämtliches Streben nach Lust. Das
unendlich weite Spektrum libidinöser Empfindungen gruppiert er in die
oralen, analen und die genitalen Strebungen. Können die Aufgaben
einer Phase nicht gemeistert werden, blockieren sie Energie, die der
Meisterung der nächsten Aufgaben abgeht.
3. Orale Phase:
Über Mund, Haut und Sinnesorgane stellte der
Säugling die ersten Beziehungen zur Umwelt her. Werden die
Bedürfnisse nach Nahrung, Ruhe, Wärme, Hautkontakt und
Zärtlichkeit konstant erfüllt, gewinnt das Kind Vertrauen zu sich und
der Welt. Negative Erfahrungen bewirken eine negative, ängstliche
Grundeinstellung.
4. Anale Phase:
Das Ich des Kindes beginnt sich zu entwickeln, die
Kontrolle über die Muskulatur wird erlangt. Das Kind entwickelt ein
Streben nach Autonomie. Diese zentralen Themen kommen in der
Reinlichkeitserziehung zusammen, wo es um Eigenproduktion,
bewusste Kontrolle, Regeln von aussen, usw. geht. Hier wird
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bestenfalls Selbstvertrauen, Kreativität, Initiative und Autonomie
erworben.
5. Genitale Phase:
Das Kind erkundet den eigenen Körper, entdeckt
den Geschlechtsunterschied und die lustbringenden Genitalien. Mit
dem Betrachten und Zeigen der Genitalien geht ein reges Interesse
für die ganze Welt einher, das Fragealter stellt sich ein. Hier
entwickelt sich Neugier, Entdeckungslust und die Übernahme der
Geschlechterrolle.
6. Latenz:
Die Triebregungen werden mit dem Ödipuskomplex
verdrängt, die Interessen wenden sich dem Funktionieren der Welt
zu. Das Kind lernt die Triebbefriedigung aufzuschieben. Schulzeit.
7. Dyade:
Erste Beziehungserfahrung des Neugeborenen. Nachdem
im Uterus und während der ersten paar Monate ein Einssein mit der
warmen, nährenden Welt empfunden wurde, tritt plötzlich ein erstes
Objekt auf. Im Idealfall liebevoll, pflegend, usw. legt es eine gute
Grundlage zur Ich-Entwicklung. Durch Verinnerlichung werden die
lebenswichtigen Funktionen nun langsam übernommen. Mit 18
Monaten bilden sich abstrakte Repräsentationen des Selbst und der
Anderen ab.
8. Triangulierung:
Die Erweiterung der Welt bringt einerseits Lust im
Entdecken, andererseits Frustration in der Erkenntnis, dass die Mutter
nicht mehr ausschliesslich für einen da ist (Urszene). Ein eigener
Raum beginnt sich zu entwickeln.
9. Ödipuskomplex:
Normalerweise kommen der positive (für Jungen:
Liebe und Besitzanspruch gegenüber Mutter, Rivalität zum Vater) und
der negative (Liebe und Bewunderung zum Vater, Enttäuschung und
Rivalität zur Mutter) Ödipuskomplex zusammen. Die Konfrontation mit
der Unmöglichkeit dieser Wünsche gipfelt in der Verinnerlichung der
Ver- und Gebote der primären Objekte, das Über-Ich fängt an sich zu
bilden. -> Latenz.
Kurzer Abriss Freuds Behandlungsmethode:
??
Konflikt:
Scheitert die Konfliktverarbeitung zwischen einem Triebwunsch
und Auflagen der Bezugspersonen in der äusseren Realität, wird der
Konflikt verinnerlicht und verdrängt. Damit ist eine Struktur geschaffen,
die in ähnlichen Situationen wieder aktiviert wird.
??
Abwehrmechanismen:
Das Ich hat nun die Aufgabe, im Falle einer
Aktivierung des verdrängten Wunsches Massnahmen zu treffen, welche
die eigentlich angestrebte Befriedigung verunmöglicht, die Triebenergien
müssen umgeleitet werden, einige Beispiele: Projektion: unerwünschte
Eigenschaften werden in der Aussenwelt wahrgenommen. Verdrängung:
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Unbewusstmachung von Gefühlen, Ereignissen, Strebungen die mit dem
Konflikt verbunden sind. Verschiebung: Wünsche werden nicht am
Triebobjekt, sondern an einem Ersatzobjekt befriedigt. Sublimierung:
Umsetzung der Triebenergie in sozial erwünschte Tätigkeiten, z.B. durch
Lernen, Produktivität, etc. Kultur ist ein Ergebnis von Sublimierung. Eine
flexible Handhabung der Abwehr ist gesund, tritt jedoch eine Fixierung
auf bestimmtes Verhalten und Abwehr ein, entsteht psychisches Leiden
und Symptombildung.
??
Psychoanalytisches Setting:
Die Grundregel besteht in der dem
Patienten (P) auferlegten Forderung frei zu assoziieren, alles zu
erzählen, was ihm in den Sinn kommt. Für den Analytiker (T) sind
jegliche Assoziationen bedeutungsvoll, da sie auf Verdrängtes
hinweisen. Das Gegenstück entspricht der gleichschwebenden
Ausmerksamkeit des T der, um das Material nicht subjektiv zu verzerren,
allen Äusserungen dieselbe Aufmerksamkeit entgegenbringen soll.
??
Übertragung:
Konflikte äussern sich insbesondere auch in der
Beziehung zum T (allgemeiner zur Aussenwelt). Das konflikthafte,
verdrängte Beziehungsmuster wird in der Beziehung zum T wiederholt,
inszeniert; dies geschieht aufgrund einer Fixierung und anstelle einer
Erinnerung. Freud bezeichnet diese Tendenz auch als
Wiederholungszwang. Negative Übertragung meint die Inszenierung
negativer Gefühle, positive Übertragung ermöglicht durch positive
Gefühle das Arbeitsbündnis, d.h. die Bereitschaft des P sich auf die
therapeutische Arbeit einzulassen.
??
Durcharbeiten:
Bezeichnet das therapeutische Vorgehen. Zuerst
wird der P mit Verdrängtem konfrontiert, er wird aufgefordert eine
Unstimmigkeit zur Kenntnis zu nehmen. In einer Klärung wird dann der
Konflikt kristallisiert. In der anschliessenden Deutung wird die Genese
und Dynamik der Konflikts vom T aufgezeigt, was dem P Einsicht und
flexibleres Verhalten ermöglicht.
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2. Der Behaviorismus
Der Behaviorismus geht davon aus, dass alles Verhalten erlernt, d.h. durch
Erfahrung entstanden ist. Die wichtigste Methode des Behaviorismus ist
das Tierexperiment. Die daraus gewonnnenen Erkenntnisse stellen die
grundlegenden Gesetze des Verhaltens dar, die auch für den Menschen
gelten sollen. Die Anschauung, dass jegliches Verhalten durch
Umwelteinflüsse bedingt ist, kommt auch in der Terminologie zum
Ausdruck, man spricht anstatt von Lernen von Konditionierung (engl.
`condition`=Bedingung).
2. Klassische Konditionierung: Das Prinzip der klassischen
Konditionierung wurde vom russischen Physiologen Pawlow in einem
Tierexperiment entdeckt. Sobald ein Hund Futter riecht, fängt er an
Speichel abzusondern, ein angeborener Reflex, der die
Nahrungsaufnahme vorbereitet. Wenn nun jedesmal kurz vor der
Fütterung eine Glocke erklingt, beginnt der Hund mit der Zeit bereits
schon beim Klang der Glocke Speichel abzusondern, auch wenn
darauf gar keine Fütterung folgt. Dieses Phänomen wird als
klassische Konditionierung bezeichnet: durch Assoziation, d.h. durch
eine raum-zeitliche Koppelung (Kontiguität) wird ein zuvor neutraler
Reiz (Glockenton) zum Stimulus (Auslöser) für ein bestimmtes
Verhalten (Speichelfluss).
Voraus-
unkonditionierter Stimulus
unkonditionierte
Reaktion
setzung: (Futter)
(reflexhafter
Speichelfluss )
Der Behaviorismus, die `Lehre vom Verhalten`
wurde 1913 von dem amerikanischen Psychologen
John Watson entwickelt. Er entstand als Reaktion
auf die Tiefenpsychologie, die sich mit ihren nicht
verifizierbaren Annahmen auf spekulativem Boden
bewegte. Im Behaviorismus sollte allein das
beobachtbare Verhalten Gegenstand der Forschung
sein. Aussagen über innere Zustände sind nicht
unmittelbar und objektiv beobachtbar und wurden
dadurch als unwissenschaftlich erachtet. Dadurch
versteht der Behaviorismus den Menschen als ein
Wesen, das ausschliesslich durch Umweltreizen
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anfängliche Kontiguität als Lernbedingung
Resultat: konditionierter Stimulus
konditionierte Reaktion
(ursprünglich neutral:
(Speichelfluss)
Glockenton)
Watson formulierte das law of frequency (die ReizReaktions
Verbindung ist umso stärker, je häufiger sie dargeboten wird: Übung).
10.
Operante Konditionierung: Die operante Konditionierung
wird auf spontan geäussertes Verhalten angewandt (im Gegensatz zu
den Reflexen beim kl. Kond.), und bedeutet soviel, wie Lernen am
Erfolg/Misserfolg. Das Hauptaugenmerk liegt also auf den Folgen
eines Verhaltens. Die Grundannahme geht davon aus, dass
Verhalten (R) durch gewisse Konsequenzen (C) verstärkt, bzw.
gelöscht wird. Schlägt ein Neugeborenes z.B. zufällig ein Glöckchen
an, so entdeckt es allmählich den Zusammenhang zwischen seinem
Tun und dem Gebimmel des Glöckchens. Sofern es die erzielte
Wirkung als angenehm empfindet (C+), wird es angespornt sein, das
Verhalten zu wiederholen (R+), eine Verstärkung des Verhaltens
findet statt.
Es werden folgende Verknüpfungen zwischen Reaktionen und den
darauffolgenden Konsequenzen unterschieden:
Darbietung
Entfernung
Positiver
Stimulus
C+
C+: positive Verstärkung:
R+
(Belohnung)
C+ : indirekte Bestrafung:
R-
(Entfernen der
Belohnung)
Negativer
Stimulus
C-
C-: direkte Bestrafung: R-
(Bestrafung)
C- : negative Verstärkung:
R+
(Entfernen der
Bestrafung)
Unter allen Verstärkungsmöglichkeiten kommt den sozialen Verstärkern
wahrscheinlich die grösste Bedeutung zu. Sie können in vielfältiger Form
auftreten, z.B. verbal durch Lob, oder visuell durch Lächeln. Wird Lob als
Verstärker eingesetzt, soll dies verhaltensbezogen (`das hast du gut
gemacht`) und nicht personenbezogen (`du bist gut`) ausgesprochen
werden. Ausbleibendes verhaltensbezogenes Lob wirkt sich nämlich im
Gegensatz zu ausbleibendem personenbezogenen Lob nicht
selbstwertmindernd aus.
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Diese Theorien lösten bald eine heftige Kritik aus, da sie das Verhalten
mechanisch kausal erklären und sämtliche Erlebnisphänomene (Denken,
Urteilen, Begreifen, Fühlen) ignorieren. Sie werden deswegen als black-box
Theorien bezeichnet:
Umweltreiz
Verhalten
Zudem können diese Theorien keine komplexen Verhaltensmuster
erklären. Das führte einerseits zu ergänzenden, weiterführenden
Konzepten, andererseits zum Einbezug von kognitiven Konstrukten, wie
Erwartungen, Absichten etc.
3. Ergänzende, weiterführende Konzepte: Unter Reizgeneralisation
versteht man die Tatsache, dass bedingte Reaktionen nicht nur durch
den während der Erwerbsphase verwendeten Stimulus ausgelöst
werden, sondern auch durch Stimuli, die diesem ähnlich sind. Je
ähnlicher ein Stimulus dem ursprünglich gelernten Auslöser ist, desto
stärker fällt die konditionierte Reaktion aus. Ist der Originalglockenton
z.B. 1800 Hz, kann in einem Frequenzspektrum von 1600 2000 Hz
ein Speichelfluss ausgelöst werden.
Das Prinzip der Reizdiskrimination beschreibt den gegenteiligen Effekt,
nämlich die Einengung der bedingten Reaktionen auf einen eng
begrenzten Stimulusbereich. Bietet man z.B. Glockentöne von 1600,
1800, 2000, ... Hz an, lässt den unkonditionierten Stimulus aber nur auf
den ton von 1800 Hz folgen, so reagiert das Tier bald nur noch auf den
ton von 1800 Hz mit Speichelfluss. Eine Differenzierung gelingt umso
leichter, je unterschiedlicher die verwendeten Reize sind. Ist das
Versuchstier jedoch nicht mehr in der Lage die Stimuli
auseinanderzuhalten, ist es also durch die Diskriminationsaufgabe
überfordert, kann es zur sogenannten erlernten Hilflosigkeit kommen.
Wurde eine bedingte Reaktion ausgebildet, bedarf es zu ihrer
Beibehaltung gelegentlicher weiterer Koppelungen. Bleiben diese aus,
kommt es zu einer sukzessiven Rückbildung der bedingten Reaktion,
eine Löschung findet statt. Auch bei der Löschung gelten die Prinzipien
der Diskrimination und Generalisierung.
??
Lernen als kognitiver Prozess: Nachahmung (Walters): Wir lernen
vieles dadurch, dass wir andere bei komplexen Tätigkeiten beobachten,
oder uns etwas vorgezeigt wird, das wir dann nachzuahmen versuchen.
Lernen am Modell (Bandura): Was bei der Nachahmung bewusst
eingesetzt wird, vollzieht sich beim Modelllernen unbemerkt (latent), wir
übernehmen gewisse Verhaltensaspekte einer Person, die wir als
Organismu
s
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wichtig bewerten. Diese Art des Lernens spielt in der
Persönlichkeitsentwicklung, sowie in der sozialen Entwicklung eine
grosse Rolle.
Lernen durch Einsicht (Köhler): Je komplexer das zu lernende Verhalten
ist, desto weniger kann das Verhalten in einzelne Bestandteile gegliedert
werden, desto weiter entfernt sich der Lernprozess von der linearen
Reiz-Reaktions Verknüpfung. Lernen durch Einsicht beruht auf
gedanklicher Abstraktion, Vorstellung und Antizipation.
Die aus der Lerntheorie hervorgegangene Behandlungsmethode wird
Verhaltenstherapie genannt. In einer Verhaltenssanalyse werden die
Variablen eruiert, die zum Problemverhalten führen. Durch verschiedene
Techniken (Aversionstherapie, systematische Desensibilisierung, Shaping,
usw.) kann das problematische Verhalten verändert werden.
Verhaltenstherapeutische Techniken und weiterführende Konzepte:
4.
Modelllernen: Nach Bandura liegt Modelllernen dann vor, wenn ein
Individuum sich aufgrund der Beobachtung des Verhaltens anderer
und der darauffolgenden Konsequenzen neue Verhaltensweisen
aneignet, oder wenn schon bestehende Verhaltensweisen in Richtung
des Modells verändert werden. Diese Art des Lernens durch
stellvertretende Erfahrung ist für die menschliche Entwicklung von
zentraler Bedeutung.
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Modelllernen kann als eine Art Schnittstelle von sog. traditionellen
Ansätzen zu rein kognitiven Theorien betrachtet werden. Bandura
unterscheidet zwischen der Aneignung und der Ausführung neuen
Verhaltens, wobei bloss letzteres auf Verstärkung angewiesen ist.
Aufmerksamkeitsprozesse: Prozesse der Selektion: motivationale
Faktoren, Merkmale des Modells und des Beobachters, usw.
Behaltensprozesse: Vorgang der kognitiven Repräsentation von
Verhalten. Reproduktionsprozesse: Fähigkeit zur motorischen
Reproduktion. Motivationsprozesse: z.B. erwartete Verstärkungen.
11.
Erlernte Hilflosigkeit: Ausgehend von Tierexperimenten
beschrieb Seligman 3 Phasen des Erwerbs der erlernten Hilflosigkeit:
1. Ein Organismus erhält die Information, dass die Wahrscheinlichkeit
einem aversiven Reiz zu entkommen, bzw. positive Verstärkung zu
erhalten unabhängig von seinen Reaktionen ist. Dies wird in
Situationen, in denen keine Kontrolle ausgeübt werden kann gelernt.
2. Der Organismus bildet kognitive Schemen, in denen Reaktion und
Ergebnis als unabhängig voneinander gespeichert sind.
3. Der Organismus überträgt diese Erfahrungen auf neue Situationen
(Generalisierung).
Die Effekte sind motivationaler (Apathie, Antriebslosigkeit), kognitiver
(die Annahme der Unabhängigkeit von Reaktion und Verstärkung
erschwert Lernfortschritte) und emotionaler (Angst, Depression,
psychosomatische Störungen) Natur. "In dem Masse, in dem
kontrollierbare Konsequenzen erfahren werden, wird das Individuum ein
Gefühl von Bewältigung entwickeln und Widerständ gegen Depression
aufbauen" (Seligman, 1979, S.95).
In der Folge wurde die Theorie mit einer attributionstheoretischen,
kognitiven Komponente ergänzt. Depressiv veranlagte Personen
attribuieren Misserfolge intern, global und stabil, während Erfolge aus
externe, spezifische und instabile Ursachen zurückgeführt werden.
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??
Traditionelle Verhaltenstherapeutische Techniken: die systematische
Desensibilisierung ist ein klassisches Verfähren zur Behandlung von
Angststörungen. Die angstauslösenden Stimuli werden hierarchisch
geordnet. Beginnend mit der am wenigsten angstauslösenden Situation
werden diese sukzessiv präsentiert, nachdem beim Patienten durch
vorhergehende Übungen Entspannung induziert wurde. Dadurch sollen
alte Assoziationen überlagert und schliesslich gelöscht werden.
Bei Überflutungsverfahren werden die angstauslösenden Stimuli in voller
Intensität solange präsentiert, bis die Angstreaktion von selbst abnimmt.
Diese durch theoretisch-technnische Überlegungen entstandene
Verfahren ist sehr umstritten und gefährlich.
Das Münzsystem arbeitet mit gezielter positiver Verstärkung von
erwünschtem Verhalten durch `Münzen`, die bei einer gewissen Anzahl
gegen eine materielle Belohnung eingetauscht werden können
(funktioniert auch bei sozialen Verstärkern, z.B. Lächeln, Nicken, etc. ).
Diese Methode wird heute vor allem zum Aufbau neuen Verhaltens
(shaping) bei geistig Behinderten eingesetzt.
??
Kognitive Umstrukturierung: Die kognitiven Verfahren setzen bei
unangemessenen Überzeugungen an. Hier wird durch rationale
Betrachtungen und durch Objektivierung des Alltages (z.B. Tagebuch)
versucht, behindernde Denkmuster durch funktionale zu ersetzen. Nicht
der Zustand wird geändert, sondern die Einstellung, Interpretation und
Wahrnehmung der Umwelt. Das Ziel ist eine funktionale
Wirklichkeitsanpassung.
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3. Die Gestaltpsychologie
Die Gestaltpsychologie ist eine psychologische Richtung, die auf Max
Wertheimer (1880-1943) zurückgeht. Sie entwickelte sich 1912 aus der
ursprünglichen, von Wundt 1879 ins Leben gerufenen psychologischen
Wahrnehmungs- und Intelligenz-forschung. Die gewonnenen Erkenntnisse
wurden später auf weite Gebiete der Psychologie (Denken, Lernen,
Entwicklung) übertragen. Als wichtigste Vertreter dieser Richtung gelten
Wolfgang Köhler(1887-1967), Kurt Lewin (1890-1947) und Kurt Koffka
(1886-1941).
Gestalt bezeichnet die Tendenz, Objekte als geordnete und sinnvolle
Ganzheiten zu erfassen das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.
Die Qualität der Ganzheit bleibt auch dann erhalten, wenn die Einzelteile
ausgetauscht weden, solange die Struktur, die Beziehung zwischen den
Teilen erhalten bleibt. Ist das Wahrnehumgsfeld geordnet und
überschaubar, spricht man von einer guten Gestalt. Eine schlechte Gestalt
liegt dann vor, wenn die Wahrnehmungen derart komplex strukturiert sind,
dass sie für uns nicht mehr erfassbar sind und damit sinnlos erscheinen.
Der Mensch neigt nun dazu, die Elemente der Wahrnehmung so zu
verändern und zu vereinfachen, dass eine gute Gestalt daraus resultiert.
Derart strukturierte Reizkonfigurationen werden dann als sinnvoll erlebt und
sind stabil. Die Gesetze nach denen diese Strukturierung geschieht sind
sogenannten Gestaltgesetze (siehe Skript Wahrnehmen & Beobachten).
Aus der Gestaltpsychologie entwickelte sich die kognitivie Psychologie.
Die Feldtheorie (K. Lewin). geht von der Annahme aus, daß das Verhalten
eines Menschens durch die Bedingung des Lebensraums (Feld), in dem
das Verhalten erfolgt, bestimmt wird. Umwelt und Individuum sind
interdependent, eine Idee die von der Systemtheorie später weiter
ausgearbeitet wurde.
4. Die kognitive Psychologie
Diese Richtung der Psychologie entstand in den 60er Jahren aus der Kritik
des Behaviorismus, dem Wissen der Gestaltpsychologie und aus den
Fortschritten der neurophysiologischen Forschung. Kognition umfasst alle
psychischen Funktionen, die der Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung
von Informationen dienen.
Die grundlegende Annahme der kognitiven Psychologie ist, dass Menschen
nicht auf eine objektive Realität reagieren, wie dies im Behaviorismus
postuliert wird. Vielmehr entwickelt das Individuum eine eigene
Interpretation der Welt, die nicht mit einer objektiven Realität
übereinstimmen muss, und aufgrund derer es wahrnimmt, fühlt, denkt und
handelt.
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Wichtige Konstrukte aus diesem Forschungszweig sind Einstellungen
(verhaltenssteuernde Bewertung eines Objektes) und Schematas
(organisiertes Wissen, das aktiv auf kognitive Prozesse einwirkt).
Heute erhält die kognitive Psychologie vor allem Impulse aus der
Erforschung der künstlichen Intelligenz und durchdringt alle Gebiete der
Psychologie. Die kognitive Psychologie erfasst den Menschen als
informationsverarbeitendes Wesen.
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5. Die humanistische Psychologie
Der Humanismus geht von folgenden Prämissen (Grundannahmen) aus:
Streben nach Autonomie und Selbstverwirklichung - Selbstaktualisierung:
jeder Mensch strebt nach Selbstbestimmung, Freiheit und Unabhängigkeit.
Zudem hat der Mensch das Bedürfnis seine eigenes Potential
auszuschöpfen und zu verwirklichen. Menschliches Erleben und Verhalten
sind ziel- und sinnorientiert: alles Erlebens und Verhalten ist auf das Ziel
der Selbstaktualisierung ausgerichtet.
Der Einfluss der Umwelt auf das menschliche Verhalten wird in der
humanistischen Tradition nicht geleugnet. Es sind jedoch nicht die
`objektiven` Gegebenheiten der Umwelt, die für das menschliche Erleben
und Verhalten massgebend sind. Die Grundannahme der humanistischen
Psychologie ist, dass die subjektive Wahrnehmung und die subjektive
Interpretation der gemachten Erfahrungen das Erleben und Verhalten des
Einzelnen bestimmen. Jegliche Form von Wahrnehmung, Erleben und
Verhalten erhebt Anspruch auf Wahrheit (Authentizität), es gibt keine
objektive Realität, sie muss in ihrer subjektiven Logik erfasst werden.
Diese individuellen Wahrnehmungs- und Deutungsmuster sind im
Selbstkonzept geordnet und zusammengefasst; es kann nochmals in ein
Real-Selbst und ein Ideal-Selbst (übernommene, nicht authentische Werte)
unterteilt werden. Spannungen zwischen diesen beiden Instanzen lösen
psychische Probleme aus. Das Selbstkonzept ist durch neue Erfahrungen
in ständigem Wandel begriffen. Gleichzeitig lässt es aber nur Erfahrungen
zu, die weitgehend mit dem Selbstkonzept kongruent sind (mit ihm
übereinstimmen)! Dadurch bestätigen und verstärken sich grundlegende
Muster fortwährend selbst.
In den 60er Jahren wandte sich die neu
entstandene humanistische Psychologie gegen den
Determinismus der Triebe und Geschichte in der
Psychoanalyse, bzw. der Umwelteinflüsse des
Behaviorismus. Der Mensch ist nach
humanistischer Ansicht bestrebt, sein eigenes
Potential zu entfalten: er selbst gestaltet seine
Umwelt und Lebensbedingungen aktiv und
entscheidet bewusst über die Möglichkeiten seines
Handelns.
Die humanistische Psychologie ist gleichfalls keine
einheitliche Richtung. Carl Rogers entwickelte mit
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Die vielfältigen Methoden der Gesprächspsychotherapie (auch der
Gestalttherapie und der Transaktionsanalyse) sollen die Selbstexploration
des Klienten fördern und so auf die Übereinstimmung von Ideal- und
Selbstbild, bzw. auf ein authentisches Idealbild hinarbeiten. Dies geschieht
vor allem durch ein warmes, empathisches Klima bedingungsloser
Wertschätzung.
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6. Der systemtheoretische Ansatz
Systemisches Denken meint also eine Betrachtungsweise, die den Fokus
auf Muster, Zusammenhänge und Dynamiken legt. Anstelle punktueller
Phänomene und Eigenschaften werden strukturelle Geflechte in den
Mittelpunkt der Betrachtung gerückt. Systemische Modelle eignen sich
deshalb zur Beschreibung komplexer und prozesshafter Situationen und
Interaktionsfelder.
Ein System (z.B. der menschliche Organismus) besitzt eine gewisse
Struktur, das heisst es besteht aus interagierenden Komponenten /
Subsystemen(Organe, Nerven, etc.). Zudem ist ein System in eine
Hierarchie eingebettet. Es wird von grösseren Supersystemen umfasst
(Familie, Gemeinde) und beinhaltet gleichzeitig kleinere Subsysteme.
(soziale, psychische, biologische, chemische).
In den 70er Jahren gelang Gregory Bateson die
Transformation der allgemeinen Systemtheorie in
den psychologischen und sozialen Kontext:. In der
systemischen Sichtweise steht nicht das isolierte
Erleben und Verhalten eines Menschen im
Vordergrund, sondern die wechselseitigen
Beziehungen einer Person mit ihrer gesamten
Umwelt sind entscheidend. Der Mensch lebt in
einem bestimmten Lebensbereich, der ihn
beeinflusst und auf den er einwirkt.
Ein System wird definiert als ein organisiertes
Ganzes, das aus interagierenden Teilprozessen
besteht.
Die Systemtheorie entstand aus dem Wunsch die
zahlreichen einzelnen Teiltheorien zu einer
FAMILIE
ELTERN
VATER
MUTTER
HAUSTIERE
HUND
KATZE
KINDER
SCHWESTER
BRUDER
ICH
ORGANE
NERVEN
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KLASSE
Eine systemtheoretische Konzeption bringt folgende Implikationen mit sich:
1. Ein System ist immer mehr, als die Summe seiner Teile. Wenn zwei
zuvor `unabhängig` funktionierende Systeme zusammengeschlossen
werden, entstehen qualitativ neue Eigenschaften (Emergenzen). Die
Beurteilung eines einzelnen Teiles durch das Ganze führt deshalb zu
anderen Erklärungen als die isolierte Betrachtung eines
Einzelphänomens.
2. Jede Aktion eines Systemelementes hat nicht nur Auswirkungen auf die
anderen Komponenten, sondern auch Rückwirkungen auf sich selber!
3. Systeme haben einen gewissen Grad von Autonomie bezüglich ihrer
Struktur, Organisation und Funktion (Prinzip der Selbstorganisation). Es
besitzt zudem die Fähigkeit der Selberneuerung, sowie der
Selbsttranszendenz.
4. Ein System hat einen Gleichgewichtszustand (Homöostase), der dank
Rückkoppelungsschleifen beibehalten werden kann.
5. In komplexen Systemprozessen können unterschiedliche
Anfangszustände zum gleichen Endzustand führen (Äquifinalität);
ebenso können gleiche Anfangs-zustände zu unterschiedlichen
Endzuständen führen (Äquipotentialität).
6. Eine Trennung zwischen System und Umwelt ist letztlich willkürlich, der
Beobachter ist immer auch ein Teil des Systems. Künstlich geschaffene
Trennungen werden Sinngrenzen genannt.
Die Systemtheorie ist insofern hermeneutisch (deutend), als dass er
Zusammenhänge auf einem hohen Abstraktionsniveau erfassen und so
einen enormen Überblick gewähren kann. Die Interaktionen der
verschiedenen Systemebenen lassen sich jedoch nur sehr ungenau
erfassen. In der Psychotherapie wird der systemische Ansatz deshalb vor
allem zu diagnostischen Zwecken angewandt. Auf einer pragmatischen
Ebene kommen dann jeweils wieder die einzelnen Teilperspektiven der
spezialisierten Theorien zum Einsatz.
Durch das Prinzip der Selbstorganisation lässt sich im Bezug auf den
therapeutischen Prozess jedoch ableiten, dass Änderungen immer aus
dem inneren eines Systems erwachsen, und niemals vom Therapeuten
`bewirkt` werden. Therapeutische Einflüsse wirken dann derart, dass sie
das Systemgleichgewicht beträchtlich stören und damit zu einer
Neuorganisation herausfordern.
In der systemischen Psychologie geht man von der Annahme aus, dass
Änderungen des Bezugssystems (z.B. Familie, oder Eltern - Lehrer
Schüler) zu Veränderungen im Verhalten und Erleben der einzelnen
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Systemmitglieder führen. Die systemische Therapie versucht durch das
Training von Kommunikations-fertigkeiten (zuhören und verstehen,
Gefühlsausdruck, Metakommunikation, nonverbale Kommunikation) die
gegenseitieg Problemdarstellung zu erleichtern und Eskalationen zu
verhindern. Zudem werden die gegenseitig attraktiven Seiten und
Verhaltensweisen wieder herausgearbeitet.
So werden eingeschliffene Systemregeln, die im Sinn der Homöostase
funktional sind, bewusst gemacht und abgelöst. Solche Regeln werden von
den Betroffenen häufig nicht verstanden, können aber vom Therapeuten
erkannt und durch geeignete Gegenmassnahmen zum Zusammenbrechen
gebracht werden.
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7. Zusammenfassung
Tiefen-
psychologie
Behaviorismus Kognitive
Psychologie
Humanistische
Psychologie
System-
theorie
Fokus
Unbewusste
Konflikte,
frühe
Beziehungen
Beobachtbares
Verhalten,
konditionierte
Reiz-
Reaktionsfolgen
Schemen,
Interpretation
en,
Denkprozess
e
(Kognitionen)
Selbsterfahrung,
Offenheit,
Echtheit
Muster,
Wechselwi
rkungen,
Konstrukti
onsregeln
des
Systems
Zentrale
Frage
Wie lassen
sich Konflikte
und
Abwehrmecha
nismen
aufdecken
und beheben
Wie kann man
Lernprozesse
steuern und
Verhalten
modifizieren
Wie können
verhaltensrel
evante
Kognitionen
modifiziert
werden
Wie finden wir
durch
Persönlichkeitsv
eränderungen zu
unserem wahren
Selbst
Wie sind
Individuum
und
Umwelt
miteinande
r
verbunden
Zeit-
fokus
Vergangenheit Gegenwart
Gegenwart
Vergangenheit
und Gegenwart
Gegenwart
und
Zukunft
Therapi
e /
Method
e
Durcharbeiten
von
Widerstand
und
Übertragung:
Konfrontation,
Deuten,
Einsicht
Analyse und
Umkonditionieru
ng von
Verhalten durch
versch.
Konditionierung
smodelle
Erkennen
und
Modifizieren
von automat.
Gedanken
und
zugrundelieg
enden
dysfunktional
en
Annahmen
Selbsterfahrung
durch Empathie,
Aktives Zuhören,
Spiegeln
Veränderu
ng von
Teil-
Ganzem-
Beziehung
en durch
Systeman
alyse,
Bewusstm
achung
Ziel
Realitätsange
passtheit,
Arbeits- und
Liebesfähigkei
t
Angepasstheit
des offen
gezeigten
Verhaltens
Funktionale,
objektivierte,
realistische
Sichtweise
Echtheit,
Empathie,
Selbstvertrauen,
Kongruenz,
Glück
Beziehung
en und
Muster
verändern,
Funktionsf
ehler des
Systems
beheben
Mensch
en-bild
Determination
durch
Triebkräfte
und Biografie
Verhalten ist
eine Funktion
von und
determiniert
Determinieru
ng durch
subjektive
Realitäten
Das Potential
des
existentiellen
Glücks und
Determinie
rung von
Systemein
flüssen
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durch die
Umwelt
Freiheit kann
genutzt werden
steht der
Freiheit
der
Selbstorga
nisation
gegenüber
Modell /
Metaphe
r
Hydraulisches
Modell
Black Box
Computer
Software
Samen Pflanze Kybernetis
cher
Regelkreis
8. Metatheoretische Betrachtungen nach Käser 1993
Die modernen Sozialwissenschaften distanzieren sich von der Auffassung
des Positivismus, wonach ein Forscher gleichsam als neutraler Beobachter
Gesetzmässigkeiten in der physikalischen oder sozialen Umwelt entdecken
und diese Einzelaussagen mittels logischer Folgerungen zu Theorien
zusammenfügen kann. Nach dem heutigen Verständnis ist es nicht
möglich, dass ein Beobachter unvoreingenommen Naturvorgägnge `an sich`
beobachtet, da er nie alle potentiellen Beobachtungen registrieren oder
eine soziale Realität in ihrer Komplexität gleichsam fotografisch abbilden
kann. Er muss zwangsläufig aus einer Vielzahl möglicher Beobachtungen
selektionieren. Dieser Auswahlprozess ergibt sich nicht aus der Realität
selbst, sonder ist eine subjektive Entscheidung, die vor allem durch
folgende Faktoren beeinflusst wird:
1.Sprache: Wir selektionieren und klassifizieren unsere
Wahrnehmungsinhalte entsprechend der Struktur unserer
Muttersprache.
2.Theorien: Unsere Grundannahmen steuern die Wahrnehmung und
Ideenproduktion.
3.persönliche und gesellschaftliche Interessen und Zielsetzungen:
Wirken als bewusste oder unbewusste Selektionsprinzipien. Es ist eine
Illusion zu glauben, dass Forscher unbeeinflusst von persönlichen
Interessen oder von herrschenden Verhältnissen gesellschaftlicher und
wissenschaftlicher Art handeln können.
Theoretische Konstruktionen ergeben sich demanch nicht zwangsläufig aus
den Beobachtungen selbst, sondern sind das Ergebnis subjektiv geprägter
kreativer Prozesse eines Forschers. Theorien sind Gedankengebilde,
welche Wissenschaftler an die beobachtbare Wirklichkeit herantragen, um
diese zu erklären. Der Gegenstand der Forschung ist nicht mehr die Natur
an sich, sondern die der menschlichen Fragestellung ausgesetzte Natur.
Der Mensch ist daher in ein Netz von erkenntnistheoretischen und
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ontologischen Prämissen eingebunden, die egal ob sie letzten Endes
wahr oder falsch sind sich für ihn teilweise selbst bestätigen.
Es gibt daher nicht a priori gute / wahre oder schlechte / falsche Theorien.
Ausschlaggebend ist die Funktion und der Zweck einer Theorie in dem
modernen Wissenschaftsverständnis steht bei der Bewertung von Theorien
die Beurteilung der Nützlichkeit (Interpretation, Prognosen, etc.) und
Brauchbarkeit (ableitbare Massnahmen, etc.) für eine bestimmte
Problemstellung im Zentrum.
Die Grösse des psychologischen Feldes und die Unterschiedlichkeit ihrer
Phänomene legen die Notwendigkeit einer Vielzahl sich ergänzender
Landkarten nahe. Nur eine Sammlung unterschiedlicher Standpunkte und
unterschiedlicher Perspektiven auf denselben Gegenstand erlauben eine
der komplexen Realität angemessene Rekonstruktion.
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