Illusionäres Erinnern aus psychologischer Sicht
Der englische Psychologe Sir Frederic Bartlett hat zu Beginn der 30iger Jahre Experimente zum Thema „Erinnern“ („Remembering“) durchgeführt. Bei der Rekonstruktion einer Erinnerung kann man erwarten, daß diese in einigen Fällen vom tatsächlichen Ursprung abweicht, d.h. daß Verzerrungen vorliegen. Bartlett wollte herausfinden, wie das Vorwissen die Erinnerung an neue, nachfolgende Informationen beeinflußt. Zu diesem Zweck wurde Studenten eine Geschichte erzählt (ein Indianermärchen), mit verbaler Gestaltung aus einer anderen Kultur. Bei diesem Nacherzählen der Studenten wurde Bartlett bewußt, daß es bei der Nacherzählung im Vergleich zum Original oft deutliche Veränderungen gab. Zu den Verzerrungen gehörten drei Arten von rekonstruktiven Prozessen, nämlich
• das Nivellieren, d.h. die Geschichte wurde vereinfacht
• das Akzentuieren, d.h. bestimmte Details wurden hervorgehoben oder überbetont
• das Assimilieren, d.h. Einzelheiten wurden so verändert, das sie besser zum
Erfahrungshintergrund oder Wissenstand der Person paßten.
Die Studenten erzählten die Geschichte mit ihnen vertrauten, aus der Kultur bekannten Wörtern, welche mit Wörtern, die ihnen nicht vertraut waren „garniert“ wurden. Im Alltag sind Verzerrungen von Gedächtnisinhalten sekundär. Es ist völlig ausreichend, wenn die wichtigsten Ereignisse rekonstruiert werden. Nicht so in der forensischen Psychologie, bei der die Glaubwürdigkeit und die Verzerrungen der Erinnerung von Augenzeugen im Vordergrund standen und stehen. Dabei spielt u.a. das Alter eine entscheidende Rolle:
• der Einfluß der Eltern auf die Aussage des Kindes, dabei spielt das Alter eine nicht
unerhebliche Rolle
• eine ungeschickte erste Befragung kann durch Suggestion leichter als bei älteren Personen
Unrichtiges in die Aussage hineinbringen
• Wichtigtuerei kann zu übertriebenen Aussagen führen, deren Berichtigung später nicht
mehr gewagt wird
• ein Beschuldigter kann überdimensional belastet werden, weil sich der Befragte selbst
entlasten möchte
• Die Beobachtungen können u.U. bei Kindern oberflächlicher sein als bei Erwachsenen
• Sprachliche Unbeholfenheit führt zu einer mißverständlichen Darstellung.
• Wichtig dabei erscheint auch die Phantasiebereitschaft und Phantasiefähigkeit des
Einzelnen bezüglich der Erinnerungsfähigkeit.
Auch Elisabeth Loftus und Mitarbeiter führten zahlreiche Untersuchungen zum Thema Augenzeugenberichte durch. Interessant dabei scheint, daß Aussagen von Augenzeugen bezüglich der Erinnerungsverzerrung durch Informationen aus der Zeit nach dem Vorfall recht anfällig waren. Es wurde den Probanden in einer Studie ein Film gezeigt. Darin sah man einen Autounfall und die Probanden wurden anschließend über die jeweilige Geschwindigkeit des Autos befragt, wobei die erste Gruppe die Frage erhielt „Wie schnell waren die Autos, als sie ineinander rasten? Die zweite Gruppe wurde gefragt „Wie schnell waren die Autos, als sie sich berührten? Die „Rasergruppe“ schätzte die Geschwindigkeit durchschnittlich um 15km/h schneller ein als die „Berührergruppe“. Eine Woche später wurde erneut befragt,
wobei ein Drittel der „Rasergruppe“ angab, Glassplitter im Unfallfilm gesehen zu haben, obwohl gar keine vorhanden waren. Von der „Berührergruppe“ waren es nur 14%. Hier wird augenscheinlich, dass bereits die Art der Befragung maßgeblich ist f ür das „Gesehene“ der Augenzeugen.
Auch Lindsay konnte zeigen, daß Informationen nach dem Ereignis sogar dann beeinträchtigen können, wenn den Augenzeugen ausdrücklich bewußt gemacht wird, dass sie in die Irre geführt werden sollen.
Dazu zeigte er einer Reihe von Versuchsteilnehmern eine Diaserie, in der ein Einbruch in ein Büro zu sehen war, wobei die zu sehenden Bilder von der Stimme einer Frau kommentiert wurden. Unmittelbar nach dem Ansehen der Bilder hörten die Probanden noch einmal die Darstellung der Ereignisse durch die bereits gehörte Stimme, jedoch mit einigen Fehlinformationen versehen. Zwei Tage später sollte die Erinnerung an die Dias von den Versuchsteilnehmern dargestellt werden, wobei der Versuchsleiter ausdrücklich auf sog. Verzerrungen a ufmerksam machte. Lindsay stellte in seiner Studie fest, daß sich trotz Warnung die Personen eher an die nachdrücklich Fälschung erinnerten als an den tatsächlichen Tatbestand.
Beim methodischen Vorgehen der Glaubwürdigkeitskriteriologie leitet die Glaubwürdige einer Zeugenbekundung vorwiegend aus Eigenarten ab, die eine Aussage aufweist. Solche Eigenarten sind jene, die sich aus dem Verlauf der
• Aussagenentwicklung ergeben (z.B. Konstanz)
• aus dem Aussageninhalt herleiten (z.B. Detaillierung) oder die
• Aussageweise (z.B. variierende Gefühlsbeteiligung) und
• die erschließbare Motivation (z.B. Objektivität der Darstellung) ergeben.
Dabei stand früher die Persönlichkeit und der Leumund des Zeugen im Vordergrund, wobei heute die einzelnen Persönlichkeitszüge der Zeugen etwa im Rahmen einer Glaubwürdigkeitsbegutachtung erkundet auf besondere Anforderungen zugeschnitten werden: direkte, transparente, gedanklich (auch für Laien) nachvollziehbare Verfahren wie Verhaltensbeobachtungen, Explorationsgespräche etc. bevorzugt werden.
In jeder zuverlässigen Zeugenaussage fügen sich dabei mehrere Glaubwürdigkeitskriterien zu einem Merkmalskomplex zusammen (es wird als Merkmalsgefüge bezeichnet). Erst wenn ein solcher Komplex, in dem sich die Merkmale gegenseitig absichern, zu erkennen ist, wird eine Aussage als eindeutig glaubwürdig angesehen. Ein solches Prinzip ist äußerst entscheidend für die richtige Anwendung der forensischen Aussagepsychologie. Durch die Bildung sog. „Untermerkmale“, wie Präzisierenden einer Aussage, die mehrfache Wertigkeit als Glaubwürdigkeitsmerkmal aus dem originellen Inhalt der Präzisierungen und der organischen Einpassung, das Tempo des Vorbringens (Überlegungspausen?, Phantasie des Zeugen?), der erkennbaren Motivation etc., ergibt sich die unterschiedliche Gewichtigkeit der Aussage.
Entsprechend weist auch die Falschaussage eines Zeugen Eigenarten auf, die Unglaubwürdigkeitsmerkmale darstellen. Im wesentlichen sind es allerdings defiziente, negative Eigenarten, die in jeweils verschiedenen Zusammenstellungen auf unglaubwürdige Aussagen hinweisen. Die Bekundung der Zeugen stimmt in solchen Fällen z.B. in wichtigen Teilen mit früheren Aussagen nicht überein, es treten mehr Erinnerungslücken auf, als nach Gedächtnisgesetzmäßigkeiten zu erwarten sind, die Aussage enthält wenig Details, es fehlt die sachliche Stimmigkeit, vielmehr wird sachlich Unwahrscheinliches Vorgebracht, die Aussage ist nicht präzise, sondern unklar, verschwommen, sei wird stockend mit längeren
Überlegungspausen und nicht flüssig vorgebracht. Es treten aber nicht alle diese Defekte in einer Falschaussage gleichzeitig auf. Auch kann als Eigenart einer falschen Zeugenaussage sein, dass sie von Zeugen „graduell“ dem Inhalt skeptischer Vorhalte angepaßt wird, die ihnen gemacht werden.
Kinder als Augenzeugen
Entwicklungspsychologische Untersuchungen zum Gedächtnis von Augenzeugen haben eine lange Tradition. Um die Jahrhundertwende war die Frage nach der Zuverlässigkeit der Aussagen von Kindern vor Gericht gerade in Europa sehr aktuell, was rege Forschungsaktivität von Wissenschaftlern wie Henri Binet und William Stern zur Frage der Beeinflußbarkeit bzw. der Suggestibilität von Kindern stimulierte. Vor allem die USA waren in der letzten Zeit äußerst an diesem Thema interessiert. Der Grund: lange Zeit war die amerikanische Gesetzgebung so verankert, daß erst Kinder ab dem 10 Lebensjahr aussagen durften. Nach der neuen Festlegung, können Kinder unabhängig vom Alter in den Zeugenstand treten, wobei natürlich zuerst die Glaubwürdigkeit geprüft wird, bevor man sie als Zeugen zuläßt.
Arbeiten zur Suggestibilität kindlicher Augenzeugenberichte haben in den meisten Fällen Alterseffekte nachgewiesen. Obwohl auch Erwachsene schlechtere Leistungen bringen, wenn irreführende Fragen gestellt werden, sinkt die Genauigkeit der Berichte jüngerer Kinder nach solchen Interventionen besonders stark ab. Dies gilt besonders dann, wenn die irreführenden Fragen wiederholt wurden.
Einige Forscher gehen davon aus, dass auch jüngere Kinder dann weniger suggestibel sind, wenn es um persönlich erlebte, wichtige und auch intensive, beispielsweise schmerzhafte, Erlebnisse geht. Fünf bis Siebenjährige Kinder berichteten auch nach längeren Zeiträumen noch akkurat über medizinische Untersuchungen und widerstanden dabei ach in den meisten Fällen irreführenden Fragen, die etwa auf sexuelle Belästigungen durch den Arzt abzielten. Uns wird hier suggeriert, dass auch schon sehr junge Kinder kompetente Aussagen abliefern können, sofern sie selber in die Geschehnisse involviert waren und es sich um persönlich äußerst bedeutsame Ereignisse handelte.
Obgleich dieses Befundmuster sehr plausibel erscheint, ist es insofern nicht unumstritten, als in den genannten Studien die irreführenden Fragen nur ein einziges Mal vorgegeben wurden. Ceci, Leichtman und Bruck berichten über eigene Untersuchungen, in denen die praktische Erfahrungen von Augenzeugen bei amerikanischen Gerichtsverfahren möglichst realitätsgetreu nachgestellt wurden. Dies implizierte u.a., dass die Kinder wiederholt von unterschiedlichen Interviewern befragt wurden, dass stereotype Informationen über den Hauptakteur des Videofilms weitergegeben und zu unterschiedlichen Zeitpunkten Suggestivfragen gestellt wurden. Unter diesen Bedingungen stellte es sich insbesondere für die jüngsten Probanden, also Vorschul- und Kindergartenkinder, heraus, dass sie irreführende Informationen in ihre späteren Berichte einbauten und diese auch durchaus glaubwürdig vertraten. Selbst die Experten, wie Juristen, Psychologen und Psychiater waren nicht in der Lage zwischen wahrhaft Erlebten und Erfindungen zu separieren (Obwohl jede dieser Berufsgruppe davon überzeugt war, wahre und unwahre Aussagen korrekt zu identifizieren)
Insgesamt kommt man mit den Befunden zu dem Schluß, daß Schulkinder ab ca. sieben Jahren in der Regel zuverlässige Berichte abgeben und durch irreführende Informationen nicht so leicht beeinflusst werden können. Obwohl auch schon Vorschul-und Kindergartenkinder persönlich erlebt und bedeutungsvoll Ereignisse erstaunlich gut und langfristig speichern konnten und können, scheinen Kinder dieser Altersgruppe für Suggestivfragen wesentlich empfänglicher zu sein (glaubt man Elisabeth Loftus, so sind es die Erwachsenen auch noch)
Auf jeden Fall sollten Kinderaugenzeugenberichte mit einiger Vorsicht behandelt werden.
Illusorische Erinnerung oder False Memory Syndrome (FMS)
Dabei glaubt die jeweilige Person, sich an Ereignisse, Dinge etc. zu erinnern, obwohl sie gar nicht vorhanden waren bzw. geschehen sind.
Elisabeth Loftus war die erste, welche sich Gedanken machte über verdrängte bzw. illusorische Erinnerungen. Die amerikanische Psychologin zweifelte an der Authentizität der Erinnerung, wie am bereits oben beschriebenen Beispiel unschwer zu erkennen ist. In ihrem Buch „Die therapierte Erinnerung. vom Mythos der Verdrängung bei Anklagen wegen sexuellen Mißbrauchs“, beschreibt Loftus traumatische Erlebnisse, wie etwa Mißbrauch in jeglicher Variante, der von den Opfern verdrängt wurde, weil sie die Gedanken daran nicht ertragen konnten. Die Autorin hält wenig vom „Bild des Gedächtnisses als eine Art Videorecorder, der die Wirklichkeit objektiv festhält und bei Knopfdruck wiedergibt“. In einer ihrer aufschlußreichen Untersuchungen in „Lost in the Shopping Mall“, verweist die Psychologin, wie sich falsche Erinnerungen in ein Kindergedächtnis „einpflanzen“ lassen. Bei diesem Experiment hatten Erwachsene ihren Kindern suggeriert, sie seien einst im Kaufhaus verlorengegangen; die Kinder machten sich anschließend diese Geschichte zu eigen und „erinnerten“ sich daran. Elisabeth Loftus machte sich in der amerikanischen Gesellschaft auch durch diverse Bücher bezüglich sexuellen Mißbrauches einen Namen.
Dabei schien interessant, ob sich traumatische Erinnerungen genauer replizieren lassen als nicht traumatische. Viele wissenschaftliche Studien zeigten, dass gerade solche Ereignisse von enorm starken Emotionen begleitet werden (seihe Noopsyche/Thymopsyche) und wahrscheinlich erinnerlich sind, es sich hierbei jedoch um keine gedankliche Demonstration handelt, die genauer ist als jede andere Erinnerung. Die Forschung zeigte, dass jeder Gegenstand von normalen Prozessen der Fehlwahrnehmung, Verzerrung und „Zerfall“ zugrunde liegt.
Das wissenschaftliche Ergebnis war somit klar: Erinnerungen von Ereignissen, ob traumatisch oder nicht werden eben besser oder schlechter rekonstruiert, wobei die Zeit eine nicht unerhebliche Rolle spielt.
FMS Gesellschaft
In Philadelphia, Pennsylvania existiert eine FMS Gesellschaft (False Memory Syndrome Foundation), welche sich an ihrer Spitze aus Psychologen, Psychiatern, Sozialarbeitern, Rechtsanwälten etc. zusammensetzt. Die nicht gewinnorientierte Vereinigung setzt daran, Mißbrauchten, speziell sexuell Mißbrauchten mit einer „Erinnerungstherapie“ zu helfen. Außerdem wird den Opfern angeraten, ihre Täter auch noch nach Jahren (Jahrzehnten) anzuzeigen.
Mögliche Ursachen
In dieser Sparte der Psychologie spricht man auch von der „Interferenz Theorie“ Greenes (1992) Grundidee war, dass Gedanken nicht isoliert bestehen, sondern in Zusammenhang mit anderen, welche sich überlappen können. Interferenz tritt dann auf, wenn die Abrufhilfen nicht klar genug auf eine bestimmte Erinnerung hindeuten. Je größer dabei die Unsicherheit über die angemessene Reaktion auf eine Abrufhilfe ist, desto stärker wird die Erinnerungsleitung beeinträchtigt (Bower et al, 1994), d.h. positiv formuliert: Informationen die nicht durch neues Material gestört werden, sind am besten erinnerlich.
Man unterscheidet zwei Formen von Interferenzen:
• proaktive und
• retroaktive
Erstere verweisen auf Umstände, unter denen Informationen, die man in der Vergangenheit erlernt hat, das Lernen neuer Informationen erschweren. Beispiel: Eine Person zieht um und muß dabei ihre Telefonnummer ändern. Anfänglich erweist es sich sicherlich als schwierig die neue Nummer im Kopf zu behalten, da die alte Nummer immer noch present ist Retroaktive Interferenzen treten dann auf, wenn das Erlernen neuer Informationen es schwerer macht, alte Informationen zu erinnern. Beispiel: Die neue Telefonnummer ist nun gespeichert, die Person hatte jetzt wahrscheinlich einige Schwierigkeiten, sich an die alte zu erinnern.
Jenkins und Dallenbach (1924) stellten fest, dass Personen, die sofort, nachdem sie neues Material gelernt hatten, ins Bett gingen und schliefen, sich am nächsten Morgen besser an das Gelernte erinnerten, als die Vergleichsgruppe, welche ebenso viel Zeit mit Lernen verbracht hatte, jedoch anschließend ihrer gewohnten Tätigkeit nachgingen.
Die mnestischen Funktionen, d.h. Gedächtnis und Erinnerung, ermöglichen uns, Erfahrenes zu behalten und wieder zu vergegenwärtigen. Störungen von Gedächtnis und Erinnerung werden folgendermaßen differenziert:
1. allgemeine Erinnerungsstörungen, medizinisch als Hypomnesien, Amnesien, Dysmnesien
bekannt.
2. Umschriebene Amnesien und Hypomnesien
Inhaltlich oder zeitlich begrenzte Erinnerungslücken, total oder partiell. Man unterscheidet nach einfacher (z.B. das Unfallgeschehen ist nicht erinnerlich), retrograder (es ist nicht erinnerlich, was vor dem Unfall geschah) und anterograder (es ist nicht erinnerlich, was nach dem Unfall geschah) Amnesie
3. Hypermnesie
Steigerung der Erinnerungsfähigkeit, d.h. Erinnerungsinhalte sind besser verfügbar als sonst.
(auftretend z.B. bei Fieber, Drogen, bestimmten Formen der Epilepsie)
4. Erinnerungsfälschung oder Paramnesie
Verfälschung des Erinnerungsgutes, welches sich unterteilt in:
a. Fälschung in Derealisation und Wahn. Hierbei handelt es sich um sogenannte Wahnerinnerungen (Umänderung des Gedächtnisgutes im Sinne des Wahns oder wenn im Wahn scheinbare Erinnerungen auftauchen, denen kein reales Erleben entspricht) b. Pseudologie: phantastisches Lügen, „Geschichten erzählen“ c. Konfabulation: Pseudoerinnerungen, z.B. Lückenfüller bei Erinnerungsausfällen d. Vermeintliche Vertrautheit oder Fremdheit: falsches Wiedererkennen, irrige oder vermeintliche Vertrautheit (gelegentlich auch Fremdheit). Das sicher Gefühl etwas schon einmal gesehen zu haben (deja vu). Ähnliches gilt auch für etwas schon einmal erfahren, unternommen oder erlebt zu habe, schon einmal gedacht und schon einmal erzählt zu haben. Natürlich gibt es auch das Gegenteil von allem: etwas noch nie erlebt haben.....
Formale Denkstörungen:
Es dreht sich hierbei um Störungen des Gedankenablaufes, wie gehemmtes Denken: Denken und Sprechen wirkt dabei „gebremst“. Perseveration des Denkens: „Sinnieren; ständig der gleiche Inhalt o der die gleichen Gedanken; Gedankensperrung: akuter Abbruch des Gedankenganges; Gedankenabreißen: plötzliche Unterbrechung des Gedankenganges; verlangsamtes Denken: kontinuierliche Verzögerung des Denkablaufes; beschleunigtes und ideenflüchtiges Denken :dabei ist sowohl das Denken, als auch die Sprechweise beschleunigt; eingeengtes Denken: Einschränkung g des Denkinhaltes; umständliches bzw. weitschweifiges Denken: man verliert sich in unwichtigen Nebensächlichkeiten, „langatmig“; unklares Denken: es liegt kein exaktes Denkziel vor; paralogisches Denken: von gängigen, logischen, semantischen, inhaltlichen Verknüpfungen abweichendes Denken; inkohärentes bzw. zerfahrenes Denken: Denken und somit auch das Sprechen haben keinen logischen Zusammenhang;
Zur Klärung Noopsyche und Thymopsyche
Die „Gesamtleistung“ des Individuums läßt sich in die Funktion der Noopsyche (Elementar-, Werkzeug-, Gedächtnis- und Intelligenzleistungen) und in die Thymopsyche (Arousal, Triebe, Vegetativum, Biorhythmus, Befindlichkeit und Antrieb) einteilen
NOOPSYCHE THYMOPSYCHE
Persönlichkeitsleistungen (höchste Leistungen) Stimmung, „höhere“ Triebe und Gefühle, Motivation, Werterleben und-verwirklichung, Geltungs-und Machttrieb
Intelligenzleistungen
Abstrahieren, kausales Denken, Kritik Vorausdenken, planendes handeln Phantasie....
Gedächtnisleistungen Befindlichkeitssystem
stehen auch unter dem Einfluß der limbischen Lust-Unlusttönungen
Werkzeugleistungen
integrieren die Elementarleistungen zu Gnosie, Praxis, Sprache
Elementarleistungen
sind die am wenigsten differenzierten Blutdruck noopsychischen Leistungen. Motorischer und sensibler Homunculus; optischer und akustischer Cortex etc.
Arousal System
In Verbindung mit Erinnerungen stehen das/die:
Gedächtnis
Verarbeitung von Informationen, die Fähigkeit, selbige aufzunehmen, zu speichern und bei bedarf wieder abzurufen. Die Unterteilung erfolgt in
Kurzzeitgedächtnis
Es wird auch unmittelbares Gedächtnis oder Arbeitsgedächtnis genannt und hat die Fähigkeit, einen Sachverhalt für kurze Zeit zu behalten. Die Aufnahmekapazität ist begrenzt.
Langzeitgedächtnis
Es besteht aus dem gesamten Weltwissen eines Individuums und dem Wissen über das eigene Selbst. Seine Kapazität ist theoretisch unbegrenzt. je Vertrauter das Material und je besser die Organisation, um so effektiver ist das Behalten
Sensorisches Gedächtnis
Bei ihn wird durch Enkodierung, Reizenergie in neutrale Codes umgewandelt. Es verfügt über eine enorme Aufnahmekapazität, welche jedoch nur von kurzer Dauer ist. Aufmerksamkeit und Mustererkennung helfen, sensorische Informationen in das Kurzzeitgedächtnis (s.o.) zu übermitteln.
LITERATURVERZEICHNIS
Faust V.: Psychiatrie. Ein Lehrbuch für Klinik, Praxis und Beratung. 1995, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, Jena, New York
Friedmann A., K.Thau: Leitfaden der Psychiatrie. 4. Auflage, 1992, Verlag Wilhelm Maudrich, Wien, München, Bern
Häcker H., K.H. Stapf: Dorsch. Psychologisches Wörterbuch. 13. Auflage, 1998, Verlag Hans Huber, Bern, Göttingen, Toronto, Seattle.
Lösel F. (Hrsg.): Kriminalpsychologie. Grundlagen und Anwendungsbereiche. 1983, Beltz Verlag, Weinheim und Basel
Oerter R., L. Montada (Hrsg.): Entwicklungspsychologie. Ein Lehrbuch. 3. Auflage, 1995, Psychologie Verlags Union, Weinheim
Zimbardo G. Ph., R.J. Gerrig: Psychologie. 7. Auflage, 1999, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York
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Gisela Walter, 1999, Illusorische Erinnerung, München, GRIN Verlag GmbH
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