Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis Seite 2
Einleitung Seite 3
1. Historische Einführung : Die Kirchen unter
dem Hakenkreuz Seite 4
2. Die Haltung der Katholischen Kirche Seite 6
3. Die Haltung der Evangelischen Kirche Seite 9
Schlußbetrachtung Seite 15
Literaturverzeichnis Seite 18
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Einleitung
Nur wenige Jahre nach ihrer Gründung stand die Bundesrepublik Deutschland vor einer ihrer heftigsten innenpolitischen Auseinandersetzungen. Die Diskussion um die Aufstellung einer westdeutschen Streitmacht kurze Zeit nach dem verlorenen Krieg, der mit einer bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht des Dritten Reichs geendet hatte, riß tiefe Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern auf. Die Wiederbewaffnungsdebatte begann vereinzelt bereits in den späten vierziger Jahren und reichte nach dem Scheitern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft bis zum Entschluß der Adenauer-Regierung im Jahre 1955, die Bundeswehr aufzubauen. Bis dahin fand sie in allen Schichten der westdeutschen Gesellschaft statt und letztenendes handelte es sich nicht nur um ein simples Abwägen zwischen dem Für und Wider bezüglich der Einrichtung bundesdeutscher Verteidigungstruppen, denn die Auseinandersetzung berührte weitaus mehr Aspekte der deutschen Nachkriegswirklichkeit. Die Frage nach einer möglichen Gefährdung der deutschen Einheit spielte dabei genauso eine Rolle wie Überlegungen zur zukünftigen Integration der Bundesrepublik ins westliche Staatenbündnis oder zur weltpolitischen Gesamtlage, die damals unter dem Eindruck des Ost-West-Konfliktes und des Koreakrieges stand. Der Streit um die Wiederbewaffnung hatte neben den eben beispielhaft erwähnten politischstrategischen Argumentationen aber auch eine emotional-moralische Seite. War es richtig, daß nach den schrecklichen Ereignissen des von Deutschen angefachten Zweiten Weltkrieges nun wieder eine deutsche Armee aufgestellt werden sollte? Hatten nicht die Alliierten, insbesondere die Amerikaner, die nun für eine neue Truppe eintraten, in den letzten Jahren immer wieder von Demilitarisierung gesprochen? Hatten die Beteuerungen der Politiker, daß nie wieder Krieg von deutschem Boden ausgehen werde, nun auf einmal keine Bedeutung mehr?
Bezüglich der ethischen Aspekte der Wiederbewaffnungsdebatte erscheinen mir besonders die Positionen der beiden großen christlichen Kirchen Deutschlands untersuchungswürdig. Denn abgesehen vom Einfluß, die die Evangelische und die Katholische Kirche auf die Politiker und ihre jeweiligen Mitglieder hatten und haben, war damals bemerkenswert, daß trotz der anfänglich bei beiden Kirchen gleichermaßen vorhandenen Spaltung der Gläubigen in Befürworter und Gegner der Wiederbewaffnung sich die offiziellen Haltungen der
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Kirchenführungen stark voneinander unterschieden.Wie für die gesamte westdeutsche Gesellschaft, so war die Wiederbewaffnungsdebatte auch für die beiden großen Kirchen eine Bewährungsprobe als Teilnehmer einer unter pluralistischen Bedingungen zu führenden Auseinandersetzung in der noch jungen Demokratie der Bundesrepublik. Eine Sonderrolle nehmen sie meiner Meinung nach dennoch ein, da aus kirchlicher Sicht eine Wiedereinführung von Streitkräften besonders unter ethischen Gesichtspunkten abgewägt wurde und sie somit zumindest ansatzweise das "Gewissen der Nation" wiederspiegelten. Insbesondere zu Beginn der Wiederbewaffnungsdebatte stand man in Deutschland vor allem unter dem Eindruck der Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg und aus dem Dritten Reich. Daher erscheint es mir sinnvoll, vor der Gegenüberstellung der unterschiedlichen Standpunkte von Katholischer und Evangelischer Kirche bezüglich der Leistung eines Wehrbeitrages zunächst einen Blick auf die Zeit von 1933 bis 1945 zu werfen, um die Folgen der Hitlerdiktatur auf das Kirchenleben zu erläutern und eventuell Schlüsse auf das Verhalten der Kirchen im Nachkriegsdeutschland zu ziehen. Anschließend folgt eine chronologische Darstellung des Diskussionsverlaufes zunächst für die Katholische und danach für die Evangelische Kirche. Dabei werde ich auch die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung Meinungsumfragen bezüglich der Wiederbewaffnung berücksichtigen. In diesem Rahmen möchte ich der Frage nachgehen, inwieweit die Haltungen der beiden Amtskirchen sich voneinander unterschieden und welche Ursachen es hierfür geben könnte. Nach Auswertung der möglichen Hintergründe für die verschiedenartige Teilnahme der Katholischen und der Evangelischen Kirche an der Wiederbewaffnungsdebatte werde ich abschließend Schlußfolgerungen bezüglich der Auswirkungen des kirchlichen Diskussionsbeitrages auf die Entscheidung für die Einrichtung der Bundeswehr ziehen können.
1. Historische Einführung : Die Kirchen unter dem Hakenkreuz
Auch wenn die faktischen Auswirkungen des Nationalsozialismus auf die einzelnen Anhänger der zwei großen christlichen Konfessionen sich nicht grundsätzlich voneinander oder von denen, die die deutsche Bevölkerung insgesamt betrafen, unterschieden, so ist dennoch festzuhalten, daß der Umgang der Machthaber in Berlin, je nachdem ob es sich um die katholische oder die evangelische Kirche handelte, einige Differenzen auswies. Grundsätzlich waren den Nationalsozialisten die Kirchen beider Konfessionen ein Dorn im Auge, weil sie mit ihrer Lehre, aber auch mit ihren mitgliederstarken Verbänden und diversen anderen kirchlichen Organisationen im Widerspruch zum
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angestrebten hierarchischen Aufbau der Gesellschaft des Dritten Reichs standen. Die Auseinandersetzung der Staatsführung mit der Katholischen Kirche war von den bereits seit 1919 angestrebten Verhandlungen Deutschlands mit dem Vatikan, ein Konkordat abzuschliessen, geprägt. 1 Obwohl das als Reichskonkordat bekannte Vertragswerk von 1933 als innen- wie auch außenpolitischer Erfolg die neugewählte Regierung von Hitler aufwertete, schien es zunächst eine Art Bestandsgarantie für die Katholische Kirche und ihre Verbände im bereits unter dem NSDAP-Einfluß stehenden Deutschland zu sein. Nach und nach begann Hitler jedoch zu zeigen, wieviel ihm das Konkordat bedeutete, indem er Stück für Stück von den Inhalten des Vertrages Abstand nahm. Beispielsweise durften sich, anders als im Reichskonkordat festgelegt, katholische Verbände nicht mehr nach Berufsgruppen organisieren oder sich nur noch mit Glaubensfragen auseinandersetzen. Als schließlich die Doppelmitgliedschaft in einem katholischen Verband und einer ofiziellen Staatsorganisation verboten wurde, verlor die katholische Kirche immer deutlicher an Einfluß in der deutschen Gesellschaft, welche sich noch im Jahr der Machtergreifung Hitlers mit einem Bevölkerungsanteil von über 30 Prozent zum Römisch-Katholischen Glauben bekannt hatte. Trotzdem verhinderte das Reichskonkordat und die eben kurz beschriebene nachfolgende Entwicklung, daß Nationalsozialisten in größerer Anzahl die Kirche unterwandern und sie zu einem ihrer Machtinstrumente machen konnten. 2
In der Evangelischen Kirche traf die nationalsozialistische Führung allerdings auf andere Vorraussetzungen. Aufgrund der im Vergleich zu den Katholiken eher uneinheitlicheren Kirchenorganisation und nicht zuletzt mangels eines im Ausland befindlichen Kirchenoberhaupts, gelang es Hitler, zumindest einen Teil der Evangelischen Kirche für seine Zwecke zu mißbrauchen. Bereits einige Zeit vor der Regierungsübernahme begann die NSDAP, auf die evangelischen Christen Einfluß zu nehmen, als sie ihre Anhänger in der Bewegung der "Deutschen Christen" zu sammeln begann. 3 Mit dem Leitspruch "Deutschland ist unsere Aufgabe, Christus ist unsere Kraft!" vertraten die Deutschen Christen die Auffassung, Adolf Hitler und der nationalsozialistische Staat seien die Offenbarung Gottes für das deutsche Volk. Die Pläne Hitlers, eine "Volkskirche" zu erschaffen, wurden vom insbesondere bei konservativen Protestanten weit verbreiteten Obrigkeitsstaat- und Untertanendenken begünstigt, was bald zu einer Spaltung der Evangelischen
1Vgl. Läpple, A. (1980), S.108
2Vgl. Hürten, H. (1986), S.209ff.
3Vgl. Läpple, A. (1980), S.147: Am 13.11.1932 gewinnen die Deutschen Christen unter Führung von Gauleiter Kube und Pfarrer Hossenfelder ein Drittel der Sitze bei Kirchenwahlen in der Altpreußischen Union
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Alexander Pilic, 2000, Die Positionen der Evangelischen und der Katholischen Kirche in der Wiederbewaffnungsdebatte, Munich, GRIN Publishing GmbH
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