FU Berlin FB Pol.Wissenschaft
HS 15244 Amerikanische Ostasienpolitik in den 90er Jahren
Verbündeter oder Verräter ?
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1. Einleitung 3
2. Historische Einführung 5
2.1 Der innerchinesische Konflikt zwischen Kommunisten und Nationalisten 5
2.2 US-Amerikanische Einflüsse auf China bis zur Teilung 1949 6
2.3 Die Beziehungen zwischen den USA und Taiwan in der Zeit des Kalten Krieges 7
2.4 Die Wende der amerikanischen Chinapolitik 11
3. Die Beziehungen zwischen Taiwan und den Vereinigten Staaten seit 1972 13
3.1 Die Auswirkungen der Pekingreise Richard Nixons 13
3.2 Der Taiwan Relations Act 16
3.3 Die Entwicklungen im Verhältnis Washington-Taipeh-Peking der letzten zehn Jahre 19
4. Schlußbetrachtung 24
Literaturverzeichnis 28
Internetquellen 28
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Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges begann die Ära des sogenannten Kalten Krieges, welche von der Auseinandersetzung der gegensätzlichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systemvorstellungen sowie machtpolitischen Interessenlagen der beiden Supermächte geprägt war. Die Welt sah sich von nun an in einen kommunistischen und einen kapitalistischen Block sowie eine Reihe von mehr oder weniger neutralen Drittländern aufgeteilt. Um ihren Einfluß im jeweiligen Lager zu gewährleisten und das Gleichgewicht der Kräfte zu erhalten, waren die UdSSR, vor allem unter Stalin, aber auch die USA nicht immer wählerisch in Bezug auf die Art und Weise ihrer Einflussnahme. So ließ die Sowjetunion in Ungarn und der Tschechoslowakei die demokratischen Volksaufstände von der Armee niederschlagen und schickte Systemkritiker in die sibirische Verbannung. Die Vereinigten Staaten ließen sich ihrerseits mit Senator Mc Carthy zu einer Art "Inquisition" gegen Kommunisten verleiten und neigten in außenpolitischer Hinsicht dazu, unter dem Deckmantel des Antikommunismus pro-westliche Diktaturen, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern, zu unterstützen. Ein weiteres Mittel der beidseitigen Machterhaltung war die Teilung von Territorien in die Einflußgebiete der Großmächte, was für Europa schon durch die Siegermachtskonferenzen von Jalta und Potsdam vorbereitet wurde. Im anderen Schauplatz des Zweiten Weltkrieges, dem pazifischen Raum, fand die Aufteilung von Staaten in eine kommunistische und eine westlich geprägte Zone dagegen unter etwas anderen Vorzeichen statt. Vergleichbar mit der europäischen Entwicklung ist hier nur die Teilung Koreas, welches nach Ende der japanischen Besetzung in den pro-sowjetischen Norden und in den pro-amerikanischen Süden gespalten wurde. In den folgenden Jahren jedoch fand der Systemkonflikt in Ost- beziehungsweise Südostasien im Gegensatz zu Europa in Form von kriegerischen Auseinandersetzungen statt, wie beispielsweise im die Teilung Koreas festigenden Koreakrieg von 1950 bis 1953 oder im aus den Indochinakriegen resultierenden Vietnamkrieg, der die seit 1945 bestehende Spaltung Vietnams durch die Niederlage der westlichen Kräfte beendete. Beide Konflikte stehen in engem Zusammenhang mit der Politik der Volksrepublik China, welche spätestens mit der Annektierung Tibets die Hegemonialansprüche Maos im asiatischen Raum erkennen ließ.
Von entscheidender Bedeutung für die Nachkriegsentwicklung Ostasiens war daher der bereits seit den dreißiger Jahren schwelende und nach Ende des Zweiten Weltkrieges offen ausgebrochene chinesische Bürgerkrieg zwischen Maos Kommunisten und den unter Chiang
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Kai-Shek vereinigten Nationalchinesen. Während der kommunistische Machtbereich 1949 fast ganz China umfasste, mussten sich die Nationalchinesen auf die Inselprovinz Taiwan zurückziehen. Trotzdem wurde die kleine Republik China von den USA weiterhin als einziger rechtmäßiger Vertreter des chinesischen Volkes angesehen, obwohl über 90% der Bevölkerung auf dem Festland lebte. Auch in der UNO behielt Nationalchina den chinesischen Sicherheitsratsitz zunächst, was beispielsweise während des Koreakrieges von Bedeutung war, als bei Abwesenheit der sowjetischen Gesandten eine Resolution für den Einsatz einer internationalen Friedenstruppe in Korea verabschiedet wurde, was ein möglicher Vetreter der Volkrepublik sicherlich verhindert hätte. Nachdem die Anträge verschiedener Ostblockländer, die Volksrepublik anstelle Taiwans in die UNO aufzunehmen, regelmäßig am Veto der Vereinigten Staaten scheiterten, kam es erst zu einer wesentlichen Veränderung der Situation, als die USA nach der Pekingreise Präsident Nixons in den siebziger Jahren Rotchina anerkannten und daraufhin die diplomatischen Beziehungen zu Taipeh unterbrachen. Da Taiwan bis heute seinen Alleinvertretungsanspruch für China nicht ganz aufgegeben hat, bedeutete diese Politik trotz wirtschaftlicher Erfolge eine zunehmende politische Isolierung Nationalchinas. Inhalt dieser Arbeit soll eine Untersuchung des Verhältnisses zwischen Taiwan und den Vereinigten Staaten nach der Chinareise Präsident Nixons sein. Dabei werde ich sowohl die reduzierten zwischenstaatlichen Kontakte, als auch die innenpolitischen Entwicklungen auf beiden Seiten berücksichtigen, um die Qualität der Beziehungen besser einschätzen zu können und festzustellen, wodurch sich die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik gegenüber Taiwan und der Volksrepublik China auszeichnet. Als Einführung beginne ich mit einem kurzen Überblick auf die jüngere chinesische Geschichte, wobei ich die Entwicklung zur Spaltung Chinas und die anschließenden wechselseitigen Beziehungen zwischen Volksrepublik, Taiwan und den USA im Kontext des Kalten Krieges erläutere. Zum Abschluß dieses historischen Exkurses werde ich auch auf die Inhalte und mögliche Beweggründe von Nixons Chinapolitik eingehen. Darauf folgt dann der eben beschriebene Hauptteil dieser Seminararbeit, die ich mit einer abschließenden Bewertung der Fragestellung und möglichen Entwicklungsrichtungen der amerikanischen Ostasienpolitik bezüglich Taiwans beenden möchte.
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Als Chiang Kai-Shek im Jahre 1925 die Nachfolge des ersten chinesischen Präsidenten Sun Yat-Sen antrat, welcher seit dem 1. Januar 1912 in Nanking die Republik China regiert hatte, existierte bereits seit vier Jahren die Kommunistische Partei Chinas unter der Führung von Mao Tse-Tung. 1 Trotzdem gab es auch Kommunisten in der regierenden Kuomintang-Partei (KMT) Sun Yat-Sens, die in den ersten Jahren gute Kontakte zur Sowjetunion unterhielt, obwohl der Republikbegründer Sun Vorbehalte gegen das sozialistische System hatte. Insbesondere die Bekämpfung der den Norden Chinas in Anarchie stürzenden "Warlords" war ein Grund für die nationalchinesische Regierung, sowjetische Hilfe und die Ratschläge des Moskauer Gesandten Borodin zu akzeptieren. Als Chiang jedoch 1927 eine von Borodin angezettelte Verschwörung entdeckte, die ihn zugunsten Maos entmachten sollte, säuberte er die KMT von allen Kommunisten, die sich nun endgültig der KP Chinas anschlossen und somit verschlechterte sich das chinesische Verhältnis zum Kreml. Trotz der japanischen Aggression und ihrem mandschukischem "Marionettenkaisertum" unter Pu Yi sah die KMT ihr Hauptziel in der Ausschaltung Maos, der immer mehr Anhänger gewann und in den dreißiger Jahren in Südostchina eine Räterepublik errichtete. Diese wurde 1934 von den Truppen Chiangs zerschlagen, während Mao und seine Anhänger in stark dezimierter Zahl in die Flucht getrieben wurden und sich auf ihren berühmten "Langen Marsch" begaben. Obwohl die Kommunisten Ende 1936 mit Hilfe korrupter Regierungsgeneräle einen weiteren Putschversuch unternahmen und den Präsidenten Chiang Kai-Shek über zwei Wochen gefangenhalten konnten, 2 sah sich dieser wegen des japanischen Einmarsches in Nordchina gezwungen, mit den Kommunisten zu kooperieren. Die Japaner brachten weite Teile Chinas unter ihre Kontrolle, ohne jedoch die chinesischen Truppenverbände besiegen zu können, die von Chiang Kai-Shek von seinem provisorischen Regierungssitz Chungking aus befehligt wurden. Währenddessen verstärkte Mao seine Einheiten, die er aber nur zögernd im Kampf gegen die eindringenden Japaner einsetzte. Als Chiang die Kommunisten drängte, gegen die japanischen Truppen vorzugehen, setzten sich die Verbände Maos ab und beendeten so
1 Vgl. Bertin & Naquet (1991), S.268
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den nur etwa vier Jahre währenden "Burgfrieden" zwischen Kommunisten und KMT. Nach Abzug der Japaner begann 1945 der chinesische Bürgerkrieg wieder in vollem Ausmaß, der 1949 mit dem Sieg Maos und dem Rückzug Chiangs nach Taiwan sein militärisches Ende fand. 3
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Die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber China war seit Anfang des 20.Jahrhunderts vom sogenannten "Prinzip der Offenen Tür" geprägt, das die Chancengleichheit aller Nationen auf einen freien Handel mit den Chinesen, sowie die territoriale Unversehrtheit Chinas proklamierte. Obwohl diese Position weniger idealistisch, sondern vielmehr gegen die Bestrebungen europäischer Großmächte und Japans gerichtet war, Chinas Wirtschaftspotential unter sich aufzuteilen, brachte sie den Amerikanern zunächst chinesische Symphatien ein und ließ die USA aus Sicht der chinesischen Regierung zu einem Verbündeten aufsteigen. 4 Das militärische Vorgehen der Japaner gegen China ließ die Spannungen zwischen Washington und Tokio dann zwar auch anwachsen, Präsident Roosevelt ging aber nur mit politischen und wirtschaftlichen Sanktionen gegen den Angreifer vor.
Nachdem Chiang die USA beim Kampf gegen die Japaner jahrelang vergeblich um aktive Mithilfe gebeten hatte, sahen sich die Nationalchinesen nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour schon Seite an Seite mit den Amerikanern gegen die Aggressoren kämpfen. Doch Washington wollte keine eigenen Soldaten auf das asiatische Festland verlegen und sandte nur einen militärischen Beraterstab nach Chungking, wo dieser die bereits bestehenden wirtschaftlichen und militärischen Hilfslieferungen und die seit einiger Zeit stationierten freiwilligen US-Piloten ergänzen sollte. Dies hatte zur Folge, daß Chiang und seine vom bereits jahrelangem Krieg geschwächte Armee keine eindeutigen Siege über die Japaner erringen konnte. Der amerikanische Gesandte Stillwell verlangte von Chiang immer wieder engere Zusammenarbeit mit Mao, um mit vereinten Kräften gegen Japan vorgehen zu können. Chiang widersetzte sich jedoch, da er den Kommunisten nicht mehr vertraute und außerdem durch diese seine Machtposition in China gefährdet sah. 5 Während die KMT zunächst bei
2 Vgl. Seeberg & Steenberg (1976), S.40 ff.
3 Vgl. Seeberg & Steenberg (1976), S.53 ff.
4 Vgl. Kindermann (1980), S.41ff.
5 Vgl. Seeberg & Steenberg (1976), S.57 ff.
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Präsident Roosevelt die Entlassung Stillwells durchsetzen konnte, mussten die Nationalchinesen einige Zeit später bei den Siegermachtskonferenzen von Jalta und Potsdam die Nichteinbeziehung Chinas hinnehmen. So konnten sie keinen Einfluss auf die Entscheidung der Aliierten nehmen, die Sowjetunion trotz des Nichtangriffspaktes zwischen Stalin und Japan in die Neuordnung Ostasiens einzubinden. Da die Sowjets wenige Tage vor der Kapitulation den Japanern den Krieg erklärten, konnten sie nun als Siegermacht die Mandschurei besetzen, wo sie die beschlagnahmten japanischen Waffen sogleich an Maos Truppen weiterleiteten. Diese konnten jetzt erheblich gestärkt in den Bürgerkrieg gegen Chiang ziehen. Schließlich bewegte General Marshall Chiang Kai-Shek dazu, einen Waffenstillstand mit Mao auszuhandeln, um Koaltionsgespräche über die zukünftige Regierung Chinas aufzunehmen. 6 Die Verhandlungen scheiterten jedoch und Chiang entschloß sich zu einer Offensive gegen Maos Volksbefreiungsarmee, welche er nicht mehr aufhalten konnte und immer weiter in den Süden Chinas zurückgetrieben wurde. 7 Aufgrund der starken ideologischen Differenzen zwischen den Kommunisten und der von der Kuomintang-Partei geführten Regierung konnten die Amerikaner keinerlei Erfolge bei ihren Vermittlungsversuchen erzielen und stellten diese Ende 1946 ein. Präsident Truman bewilligte Chiang zwar noch weitere Kredite, doch die Niederlage der Nationalisten war nicht mehr zu verhindern. Schließlich blieb der KMT nur noch der Rückzug nach Taiwan, wohin ihr weitere zwei bis drei Millionen Festlandchinesen, darunter meist Angehörige der Administration, folgten. 8
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Während in einem vom damaligen US-Außenminister Dean Acheson im August 1949 veröffentlichtem Weißbuch der amerikanischen Chinapolitik die Machtübernahme Maos bedauert und als Beweis für die sowjetische Expansionspolitik gedeutet wurde, verdichteten sich bald darauf die Anzeichen, daß die Truman-Administration an einer Annäherung zur Volksrepublik interessiert war. So wurden bereits im Oktober 1949 nationalchinesische Stellen auf Taiwan davon unterrichtet, daß die USA nicht die Absicht hätten, die Insel zu
6 Vgl. Seeberg & Steenberg (1976), S.65
7 Vgl. Bertin & Vidal-Naquet (1991), S.269
8 Vgl. Seeberg & Steenberg (1976), S.67
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Alexander Pilic, 1999, Verbündeter oder Verräter? Das schwierige Verhältnis der Vereinigten Staaten zur Republik China, Munich, GRIN Publishing GmbH
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