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Selbstmord - eine Form von Gewalt?

Titel: Selbstmord - eine Form von Gewalt?

Studienarbeit , 2002 , 27 Seiten , Note: 1

Autor:in: Iris Gorke (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Seit den Terroranschlägen vom 11. September ist das Thema der Gewalt global von besonderer Brisanz. Es vergeht kein Tag, an dem nicht in den Medien über Ursachen, Formen und Auswirkungen von Gewalt diskutiert wird. Dachte man bis dahin beim Begriff Gewalt zuerst an physische und psychische Verletzungen durch Prügeleien, Raubüberfälle, gewalttätige Familienväter oder dergleichen, so wird einem spätestens hier –übrigens mit ebenso brachialer Gewalt- vor Augen geführt, wie eng Gewalt an Macht gebunden ist. Die islamischen Extremisten demonstrierten, dass sie fähig sind, auch einen übermächtigen Gegner zu verletzen; dass sie mächtig genug sind, die Weltmacht USA in Angst und Schrecken zu versetzen. So steht im Lexikon: „Gewalt ist eine Form der Ausübung von Macht durch Anwendung von Zwangsmitteln; Gewalt kann sowohl physisch als auch psychisch ausgeübt werden. Gewalt-Verhältnisse tragen zunächst stets einseitigen Charakter, können jedoch Gegengewalt provozieren.“ 1

Gewalttätigkeit kann also als Möglichkeit zu Machtdemonstration, Machterringung oder Erhaltung der Macht betrachtet werden. Erweitert man seinen Blickwinkel, ist Gewalt aber um vieles facettenreicher. Johann Galtung definiert das Vorliegen von Gewalt, „wenn Menschen so beeinflusst werden, dass ihre aktuelle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist, als ihre potentielle Verwirklichung.“2

Hier wird nun auch die sogenannte „strukturelle Gewalt“ mit einbezogen. Wenn Gewalt dort beginnt, wo der Mensch in seinen Handlungs- und Entwicklungsspielräumen bzw. Chancen eingeschränkt ist, dann bilden Gesetze und Regeln, Moral, aber auch Religion die Mittelvarianten der strukturellen Gewalt. Staat, Gesellschaft, Kultur und Religion üben strukturelle Gewalt über das Individuum aus, wenn sie, völlig legal, den Einzelnen durch Vorschriften in seinen Möglichkeiten einschränken. Die Gewalt wird gesetzlich. Politische Entscheidungen, die den Einzelnen empfindlich verletzen können, entstehen in einer Demokratie aus Mehrheitsentscheidungen. Die Mehrheit besitzt gestalterische Macht, was aber ist mit der Minderheit? Sie kann Opfer struktureller Gewalt werden. Obdachlose beispielsweise sind oft eine Zielscheibe struktureller Gewalt. Mit dem Instrument von Sondernutzungssatzungen werden sie von öffentlichen Plätzen, aus Einkaufspassagen oder Bahnhöfen vertrieben. Die Gewalt ist auch in diesem Fall durch Satzungen legitimiert [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Klärung des Gewaltbegriffs

2. Der Selbstmord

2.1 Begriffliche Definition des Selbstmords

2.2 Der Suizid in der historischen Betrachtung

2.3 Statistiken

2.4 Der Zusammenhang vom Depression und Suizid

2.5 Suizidale Verhaltensweisen

2.6 Die suizidale Krise

2.6.1 Erwägungsstadium

2.6.2 Ambivalenzstadium

2.6.3 Entschlussstadium

2.7 Präsuizidales Syndrom

2.7.1 Einengung

2.7.2 Aggressionsstau und Umkehr

2.7.3 Todesphantasien

2.8 Resümee: Das „Opfer- ein Täter“?

3. Überprüfung der Erkenntnisse an einem Beispiel und einem Interview

Zielsetzung und Forschungsfragen

Die Arbeit untersucht die theoretische und praktische Fragestellung, inwiefern ein Selbstmord als eine Form psychischer Gewalt gegenüber dem sozialen Umfeld des Suizidenten betrachtet werden kann. Dabei wird das Ziel verfolgt, den Selbstmordprozess nicht nur aus der Perspektive des Suizidenten als Opfer seiner Umstände zu beleuchten, sondern die Auswirkungen der Tat als psychische Belastung und Gewaltakt gegenüber den Hinterbliebenen aufzuzeigen.

  • Kritische Analyse des Gewaltbegriffs unter Berücksichtigung struktureller und psychischer Dimensionen.
  • Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Depression, Frustration und suizidalem Verhalten.
  • Anwendung des präsuizidalen Syndroms nach Erwin Ringel zur Diagnostik der Gefährdung.
  • Empirische Einzelfallbetrachtung und Interview zur Veranschaulichung der psychischen Gewalt gegenüber Dritten.

Auszug aus dem Buch

2.8 Resümee: Das „Opfer- ein Täter“?

Bei Berücksichtigung unterschiedlichster Positionen aus der Psychologie, Soziologie, etc. komme ich zu dem Schluss, dass erlebte Frustrationen der verschiedensten Art sich unter bestimmten Umständen zu Aggressionen entwickeln (Frustrations-Aggressions-Hypothese). Im Laufe eines bestimmten Prozesses werden die Aggressionen gegen sich selbst gerichtet, wenn es demjenigen nicht möglich ist, diese Aggressionen gegenüber seiner Umwelt zu äußern (Aggressionshemmung/präsuizidales Syndrom). Er richtet die Gewalt gegen sich selbst. Mit der Tat werden die Aggressionen in Form von psychischer Gewalt (Vermittlung von Schuldgefühlen; Zufügen von seelischer Trauer) indirekt an die Umwelt weitergegeben.

Schließlich sind die Hinterbliebenen ebenso Opfer. Sie leiden unter dem Tod des Betreffenden, je näher sie ihm standen, desto mehr. Meist trifft dies die Familie. Mit dem Selbstmord fügt der Suizidant auch den anderen Leid zu. Die Hinterbliebenen sind aber auch ebenso schockiert von der Tat und sie werden von Gedanken gequält, ob sie den Tod nicht vielleicht hätten verhindern können. Der Suizid hinterlässt immer einen indirekten Vorwurf an die Hinterbliebene, beispielsweise ein schlechter Ehemann gewesen zu sein, oder als Eltern versagt zu haben.

Die Trauer kann sich in wütende Verzweiflung wandeln. Schließlich hat der Selbstmörder ihnen jegliche Chance genommen ihm Hilfe anzubieten. Die Schuldgefühle können ein Leben lang andauern und in den noch Lebenden ebenso Gedanken an einen Selbstmord hervorrufen, um diese Qualen zu beenden. Zudem ist ein Suizid auch ein Tabu. Vielleicht aus Scham versagt zu haben, legt sich Schweigen über die Tat und es kann ein Familiengeheimnis daraus werden. Dies ist eine zusätzliche Belastung in der Familie, die sogar weitervererbt werden kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Klärung des Gewaltbegriffs: Dieses Kapitel definiert Gewalt facettenreich, von physischer über psychische bis hin zu struktureller Gewalt, um den Rahmen für die spätere Untersuchung zu spannen.

2. Der Selbstmord: Es werden die begrifflichen, historischen und statistischen Grundlagen dargelegt, gefolgt von der Analyse suizidaler Krisen und psychologischer Syndrom-Modelle.

3. Überprüfung der Erkenntnisse an einem Beispiel und einem Interview: Anhand eines realen Interviews und eines Fallbeispiels wird untersucht, wie sich die theoretischen Erkenntnisse zur psychischen Gewalt im Selbstmord konkret auswirken.

Schlüsselwörter

Selbstmord, Suizid, psychische Gewalt, strukturelle Gewalt, Frustrations-Aggressions-Hypothese, Depression, präsuizidales Syndrom, Erwin Ringel, Hinterbliebene, Schuldgefühle, Suizidprävention, Krisenintervention, Autoaggression, soziale Isolation, Traumatisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophische und psychologische Perspektive, ob ein Selbstmord nicht nur ein Akt der Selbsttötung, sondern auch eine Form von psychischer Gewalt gegenüber anderen Menschen darstellt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der Gewaltbegriff, die Psychologie des Suizids, die Dynamik von Depressionen und Frustrationen sowie die langfristigen Auswirkungen des Suizids auf Hinterbliebene.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, das Tabuthema "Selbstmord als Gewalt" wissenschaftlich zu fundieren und aufzuzeigen, wie suizidales Verhalten als indirekter Angriff auf das Umfeld wirken kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine Literaturanalyse zu psychologischen und soziologischen Theorien durchgeführt, die mit einem qualitativen Interview und einer Einzelfallanalyse verknüpft wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Gewalt, der suizidalen Krise (nach Ringel), dem Zusammenhang zwischen Depression und Suizid sowie der kritischen Reflexion über die Rolle des Hinterbliebenen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Suizidale Krise, Psychische Gewalt, Schuldgefühle, Frustrations-Aggressions-Hypothese und Angehörigenleid charakterisiert.

Wie geht die Autorin mit dem sensiblen Thema des Interviews um?

Die Autorin führt einen behutsamen und vertrauensvollen E-Mail-Kontakt, um Einblicke in die Gedankenwelt eines suizidgefährdeten jungen Mannes zu erhalten, ohne ihn zu gefährden.

Welche Rolle spielt die Familie im untersuchten Fallbeispiel?

Das Fallbeispiel verdeutlicht, wie der Suizid eines Sohnes die Familie massiv erschüttert und bei der Mutter nachhaltige Schuldgefühle sowie eine existenzielle Sinnkrise auslöst.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Selbstmord - eine Form von Gewalt?
Hochschule
Hochschule München  (FB Sozialpädagogik)
Veranstaltung
SKU
Note
1
Autor
Iris Gorke (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2002
Seiten
27
Katalognummer
V11580
ISBN (eBook)
9783638177023
Sprache
Deutsch
Schlagworte
selbstmord form gewalt
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Iris Gorke (Autor:in), 2002, Selbstmord - eine Form von Gewalt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11580
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Leseprobe aus  27  Seiten
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