Autor: Ralf Thür
Fach: Medien / Kommunikation - Printmedien, Presse
Details
Jahr: 2006
Seiten: 173
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 982 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-63424-3
ISBN (Buch): 978-3-638-69488-9
Zu dieser Veröffentlichung gibt es auf der Webseite http://www.bildredakteur.net/2007/04/12/bild-ausland/ einen Bericht.
Zusammenfassung / Abstract
Die Medien verbreiten Bilder, sie wählen die Bilder aus, die die Welt betrachtet und bestimmen damit, was wahrgenommen wird. Wie stark sich das Zeitungslayout bis heute gewandelt hat und ohne das Wissen einer bevorstehenden Kommerzialisierung des Internet, bestätigt eine bereits 1992 gemachte Äusserung des amerikanischen Zeitungsdesigners Mario Garcia in der Zeitschrift Klartext: „Die Zeitung des Jahres 2000 muss meiner Meinung nach auch ein wenig Fernsehen, ein wenig Radio, ein wenig Magazin sein“ (Fuchs 1992: o.S.). Dem Element „Pressebild“ kommt im täglichen Kampf um die Aufmerksamkeit der Leser sowie in Zeiten der Visualisierung der Rezeptionsgewohnheiten eine entscheidende Rolle zu. In Anlehnung an das „Gründungsmotto“ der Medienwissenschaft „the medium is the message“ von Marshall McLuhan (1994: 23), ist für Marion Müller das Bild „die eigentliche Botschaft“ (Müller 1997: 289). Verschiedene Studien, die in dieser Arbeit vorgestellt werden, belegen die überragende Bedeutung der Bildberichterstattung in den Zeitungen. Zeitungsleserinnen und Zeitungsleser steigen in den Text oft über ein Bild ein. Mit der verkürzenden Formel „am Anfang war das Bild“ bringt Thomas Hartmann diesen Umstand auf den Punkt (Hartmann 1995: 32). Die vorliegende Arbeit will in diesem Spannungsfeld ihren Beitrag leisten und analysiert, ausgehend vom konkreten materiellen Pressebild, den Visualisie-rungstrend der Zeitungsinhalte quantitativ sowie qualitativ in der Deutschschweizer Tagespresse von 1969 bis heute anhand des Ressorts Ausland. Die Untersuchung umfasst verschiedene Elemente und Mittel, die beim Einsatz der Bilder angewandt werden, formal und inhaltlich. Mit Hilfe eines quantifizierenden, inhaltsanalytischen Verfahrens werden verschiedene Ebenen, die die Visualisierung umfasst, und die die Bildinformation bietet, untersucht.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Zürich
Philosophische Fakultät
Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung
Lizentiatsarbeit
Das Bild ist die Botschaft
Fotos in der Auslandberichterstattung der Deutschschweizer Tagespresse
vorgelegt von: Ralf Thür
Publizistikwissenschaft, Filmwissenschaft und Philosophie
vorgelegt im: April 07
I. Inhaltsverzeichnis
I. Inhaltsverzeichnis ... 1
II. Abbildungsverzeichnis ... 4
III. Tabellenverzeichnis ... 5
1. Einleitung ... 6
2. Hintergrund und Kontext ... 8
2.1 Mediengeschichte ... 8
2.2 Bildjournalismus im technisch-strukturellen Wandel ... 9
2.3 Zeitungsdesign und Layout im Wandel ... 11
2.4 Dynamisierung des Umbruchs ... 13
2.5 Nachrichtenagenturen und Bildagenturen ... 16
2.6 Fokus auf Pressebildagenturen ... 20
2.7 Bildbegriff und Bildtypen ... 24
2.7.1 Merkmale des Pressefotos ... 27
2.7.2 Funktionen des Bildes ... 29
2.8 Berufsbild Bildjournalist, Aufgaben und Aufträge ... 30
2.9 Berufsethik und Presserat ... 32
3. Modelle und Systematisierungen ... 34
3.1 Ressort Ausland ... 34
3.2 Regionalismus ... 36
3.3 Emotionalisierung ... 37
3.4 Personalisierung ... 38
3.5 Negativismus ... 39
3.6 Routineprogrammierung ... 43
4. Theoretischer Teil ... 45
4.1 Eingrenzung des Themas ... 45
4.2 Gesellschaftliche Relevanz ... 46
4.3 Probleme und kritische Merkmale ... 48
4.4 Zentrale Begriffe ... 49
4.4.1 Zeitung ... 49
4.4.2 Ereignis ... 50
4.4.3 Konflikte und Krisensituationen ... 51
4.5 Theoretische Perspektiven ... 52
4.5.1 Der formal-deskriptive Ansatz ... 52
4.5.2 Nachrichtenwert-Theorie ... 53
4.5.3 Die ikonografisch-ikonologische Methode ... 55
4.5.4 Kritische Bemerkungen zur ikonografischen Bildanalyse ... 59
4.6 Abgrenzung von anderen Konzepten ... 60
4.7 Desiderata beim heutigen Wissensstand ... 60
4.8 Überblick Forschungsstand ... 61
5. Fragestellung ... 64
5.1 Strukturierung der Fragestellung ... 64
5.1.1 Kontext Form ... 64
5.1.2 Kontext Quelle ... 64
5.1.3 Kontext Inhalt ... 65
5.2 Hypothesenbildung ... 65
5.2.1 Kontext Form ... 66
5.2.2 Kontext Quelle ... 66
5.2.3 Kontext Inhalt ... 66
6. Empirie und methodisches Vorgehen ... 67
6.1 Forschungsmethode ... 67
6.2 Untersuchungsanlage ... 68
6.2.1 Untersuchungseinheit ... 68
6.2.2 Untersuchungsobjekt ... 68
6.2.3 Entwicklung des Codebuches ... 68
6.2.3.1 Einzelne Dimensionen ... 69
6.2.4 Reliabilität und Validität ... 71
6.2.5 Definition des Samples ... 71
6.2.6 Details zum Messverfahren ... 74
6.2.7 Pretest ... 75
6.2.8 Datenerhebung und Feldzugang ... 76
6.2.9 Datenaufbereitung ... 76
6.2.10 Datenauswertung ... 77
6.3 Untersuchungsgegenstand ... 77
6.3.1 Zeitungstitel im Kurzporträt ... 77
6.3.1.1 Blick ... 78
6.3.1.2 Der Bund ... 79
6.3.1.3 Neue Zürcher Zeitung NZZ ... 80
6.3.1.4 St. Galler Tagblatt ... 80
6.3.1.5 Südostschweiz (ehemals Bündner Zeitung) ... 80
6.3.1.6 Tages-Anzeiger ... 80
6.3.1.7 Zürcher Oberländer ... 81
7. Ergebnisse und Befunde ... 82
7.1 Kontext Form ... 82
7.1.1 Fragestellung H1 ... 82
7.1.2 Fragestellung H2 ... 83
7.1.3 Fragestellung H3 ... 88
7.1.4 Fragestellung H4 ... 90
7.1.5 Fragestellung H5 ... 90
7.1.6 Fragestellung H6 ... 92
7.1.7 Fragestellung H7 ... 94
7.2 Kontext Quelle ... 95
7.2.1 Fragestellung H8 ... 95
7.2.2 Fragestellung H9 ... 95
7.2.3 Fragestellung H10 ... 98
7.2.4 Fragestellung H11 ... 100
7.3 Kontext Inhalt ... 104
7.3.1 Fragestellung H12 ... 104
7.3.2 Fragestellung H13 ... 105
7.3.3 Fragestellung H15 ... 109
7.3.4 Fragestellung H16 ... 112
7.4 Zusammenfassung eigener Befunde ... 113
7.4.1 Zusammenfassung Kontext Form (H1 bis H7) ... 113
7.4.2 Zusammenfassung Kontext Quelle (H8 bis H11) ... 114
7.4.3 Zusammenfassung Kontext Inhalt (H12 bis H16) ... 115
8. Resümee ... 116
8.1 Untersuchungsanlage und Fragestellung ... 116
8.2 Auswertung der Hypothesen und Ergebnisse ... 116
8.3 Kritische Reflexion und Dank ... 120
9. Quellenverzeichnis ... 122
9.1 Literaturverzeichnis ... 122
9.2 Ergänzende Quellen ... 135
9.2.1 Agenturen ... 136
9.2.2 Politische und geografische Informationen, Studien ... 137
9.2.3 Journalismus, Zeitungsdesign ... 138
10. Anhang ... 1
10.1 Methodische Instrumente (Fragebogen, Codebuch) ... 1
10.2 Sondergenehmigung der Schweizerischen Landesbibliothek Bern ... 22
10.3 Interview mit den Bildverantwortlichen ... 23
10.3.1 Quellen der Bilder / Selektion der Bilder ... 23
10.3.2 Quantität und Qualität der Bilder ... 27
10.3.3 Platzierung der Bilder auf der Seite ... 28
10.3.4 Inhalt des Bildes ... 28
10.3.5 Herkunft der Bilder (geografisch) ... 29
10.3.6 Negativismus und Emotionalisierung ... 30
1. Einleitung
„Das Bild, die ‚optische Aussage‘, die im Film, im Fernsehen, in der Werbung, in der Presse, also in fast allen Formen der Publizistik das geschriebene oder gesprochene Wort ersetzt oder ergänzt, ergreift mit unübersehbaren Anzeichen immer mehr die Tagespresse“ (Martin 1961: 26). Mit dieser Bemerkung leitet Ludwig A. C. Martin seinen Aufsatz „die Illustration der Tageszeitungen in der Bundesrepublik“ ein und bezieht sich auf Leopold Ullsteins Experiment der „reich illustrierten“ Berliner Morgenpost, die am 20. September 1898 startete und sämtliche Auflagen der Konkurrenz überflügelte.
Die Medien verbreiten Bilder, sie wählen die Bilder aus, die die Welt betrachtet und bestimmen damit, was wahrgenommen wird. Wie stark sich das Zeitungslayout bis heute gewandelt hat und ohne das Wissen einer bevorstehenden Kommerzialisierung des Internet, bestätigt eine bereits 1992 gemachte Äusserung des amerikanischen Zeitungsdesigners Mario Garcia in der Zeitschrift Klartext: „Die Zeitung des Jahres 2000 muss meiner Meinung nach auch ein wenig Fernsehen, ein wenig Radio, ein wenig Magazin sein“ (Fuchs 1992: o.S.).
Dem Element „Pressebild“ kommt im täglichen Kampf um die Aufmerksamkeit der Leser sowie in Zeiten der Visualisierung der Rezeptionsgewohnheiten eine entscheidende Rolle zu. Täglich werden Bilder inszeniert und als zentraler Bestandteil der Informationsvermittlung eingesetzt. Die Beachtungschance von Fotos ist fast doppelt so gross, wie von Artikeln in Textform, daher haben bildliche Darstellungen einen deutlich höheren Aufmerksamkeitswert als Artikel (vgl. Donsbach 1991: 135). In Anlehnung an das „Gründungsmotto“ der Medienwissenschaft „the medium is the message“ von Marshall McLuhan (1994: 23), ist für Marion Müller das Bild „die eigentliche Botschaft“ (Müller 1997: 289). Verschiedene Studien, die in dieser Arbeit vorgestellt werden, belegen die überragende Bedeutung der Bildberichterstattung in den Zeitungen. Zeitungsleserinnen und Zeitungsleser steigen in den Text oft über ein Bild ein. Mit der verkürzenden Formel „am Anfang war das Bild“ bringt Thomas Hartmann diesen Umstand auf den Punkt (Hartmann 1995: 32). „Der normale Lesevorgang beginnt mit den Pressefotos und den dazugehörigen Bildunterschriften, erst dann folgen die Artikelüberschriften“ (a.a.O.).
Visuelle Elemente und vor allem Fotografien bilden einen zentralen Bestandteil in der Medienberichterstattung. Diese „Eintrittstore in die Zeitungsseite“ (a.a.O.), die die Aufmerksamkeit lenken, Informationen vermitteln, das Erscheinungsbild des Presseproduktes auflockern, dadurch mehrere Sinne ansprechen und so Authentizität vermitteln, wecken die Neugier der Leserschaft und sprechen die Betrachterinnen und Betrachter unmittelbar an. Die Aussage, dass ein Bild mehr als tausend Worte sagt, wird dadurch hervorhoben. „Bilder bieten pro Zeiteinheit viel mehr Information, als Sprache das je könnte“ (Strassner 2002: 16). Dieser Dominanz des Pressebildes in den Printmedien steht ein Manko an wissenschaftlicher Literatur gegenüber. Obschon in den letzten Jahren breit abgestützte Studien verfasst worden sind, ist die Bildanalyse vernachlässigt worden. Visuelle Kommunikationsforschung ist für Marion Müller noch keine Expertenwissenschaft (Müller 2003: 9). Anfangs der 1990er Jahre bezeichnete Jungmeister die Pressebildforschung als „Neuland“ (Jungmeister 1991: 54). Zumal Bilder nicht gelesen, sondern gesehen oder geschaut werden und sowohl aus geistes- als auch aus naturwissenschaftlicher Perspektive mannigfaltig sind, bezeichnet Müller visuelle Kommunikation als ein Querschnittfach par excellence. (vgl. Müller 2003: 9). Dadurch stellt sich die Frage der wissenschaftlichen Erschliessung als besondere Herausforderung dar.
Die vorliegende Arbeit will in diesem Spannungsfeld ihren Beitrag leisten und analysiert, ausgehend vom konkreten materiellen Pressebild, den Visualisierungstrend der Zeitungsinhalte quantitativ sowie qualitativ in der Deutschschweizer Tagespresse von 1969 bis heute anhand des Ressorts Ausland. Die Untersuchung umfasst verschiedene Elemente und Mittel, die beim Einsatz der Bilder angewandt werden, formal und inhaltlich. Mit Hilfe eines quantifizierenden, inhaltsanalytischen Verfahrens werden verschiedene Ebenen, die die Visualisierung umfasst, und die die Bildinformation bietet, untersucht.
Die Arbeit gliedert sich in einen theoretischen und einen empirischen Hauptteil. Der theoretische Teil beinhaltet Begriffserläuterungen zu den visuellen Elementen sowie zentralen Definitionen. Anschliessend stellt die Untersuchung Systematisierungsansätze als auch Modelle vor und mündet schliesslich in der Vorstellung der von der Wissenschaft angebotenen Theorien zu Bildinhalt und Bildrezeption.
Im empirischen Teil setzt sich die Arbeit mit den zu Grunde liegenden Forschungsfragen, der Beschreibung des methodischen Vorgehens sowie dem Ablauf und dem Aufbau des Messinstruments auseinander. Die Darstellung sowie eine kritische Diskussion der neu gewonnenen Ergebnisse bilden den letzten Abschnitt dieser Arbeit.
Die benutzten Personenbezeichnungen und geschlechtsspezifischen Begriffe umfassen immer beide Geschlechter.
2. Hintergrund und Kontext
2.1 Mediengeschichte
Mediengeschichte steht in direktem Zusammenhang mit Kulturgeschichte1, Wirtschaftsgeschichte2 sowie Technikgeschichte3. Ebenfalls eng verbunden ist Mediengeschichte mit Produkte-, Institutionen- und Journalismusgeschichte4 sowie Sozialgeschichte (vgl. Blum 1995b: 2). Obwohl Mediengeschichte möglichst „die Bedingungen des individuellen und gesellschaftlichen Seins und Bewusstseins“ (Schanne 2001: 51) umfassen soll, konzentriert sich diese Arbeit primär auf die Technikgeschichte.
Das Verhältnis von Text und Bild ist auf einer übergeordneten Ebene vom Medium abhängig. Dabei fasst Erich Strassner (2002: 21) diese Beziehung so zusammen: „Je jünger das Medium, desto höher ist im allgemeinen der Bildanteil. Je jünger das Medium, desto stärker tritt der Text in den Hintergrund. Je jünger das Medium, desto emotionaler ist die Bild- und meist auch die Textgestaltung. Je jünger das Medium, desto eher kann das Bild den Text ersetzen”.
[ ... ]
1 Kulturgeschichte definiert sich aus: Sprache, Schrift und Alphabetisierung als Voraussetzung der Mediennutzung und Medien als Instanzen der Kulturvermittlung.
2 Wirtschaftsgeschichte definiert sich aus: Medientechnik und -organisationen als Antwort auf die Bedürfnisse der Wirtschaft.
3 Technikgeschichte definiert sich aus: Innovationen wie Post, Buchdruck, Eisenbahnen, Telegrafie, Radio, Kino, Fernsehen, Video, Internet, Datenautobahnen als Beschleuniger der Medienentwicklung und Vereinfacher der Kommunikation.
4 Produkte-, Institutionen- und Journalismusgeschichte definieren sich aus: Pionierleistungen einzelner Medien, Verleger oder „Opinion Leaders“.
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: