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Die Konzeption des Ausstellungsraumes im Louvre des 19. Jahrhunderts und seine mediale Entwicklung - die visuelle Erkenntnis eines kulturellen Erbes

Autor: Karoline Kmetetz-Becker
Fach: Kunst - Kunsttheorie, Allgemeines

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Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 100
Note: gut
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 3747 KB
Archivnummer: V10104
ISBN (E-Book): 978-3-638-16637-9

Zusammenfassung / Abstract

Die Entwicklung des Louvre zu einem Nationalmuseum ist eng mit der Architekturgeschichte verbunden. Das Louvre-Schloß war stark verfallen. Es wäre durchaus denkbar gewesen, ein neues Gebäude für ein neues Museum zu errichten. Doch gerade im Hinblick auf die Revolution zeigt die Umstrukturierung des Louvre dessen Rang im kulturellen Gedächtnis. Das Phänomen alle großen Kunstwerke an einem Ort versammelt zu sehen, zeigt uns unseren Kulturboden, der durch christliche Impulse grundbestimmend ist und unsere kulturellen Wurzeln wieder in der Erinnerung wach ruft.

Textauszug (computergeneriert)

Hochschule für Gestaltung Karlsruhe
Institut für Kunstwissenschaft und Medientheorie

Thema:
Die Konzeption des Ausstellungsraumes im Louvre des
19. Jahrhunderts und seine mediale Entwicklung′
Die visuelle Erkenntnis eines kulturellen Erbes

Magisterarbeit

vorgelegt von

Karoline Kmetetz-Becker

9. Januar 2003

Inhaltsverzeichnis

Einführung ... 7

Der Louvre: eine kurze Baugeschichte bis zum Ende des 19. Jh. ... 9

Begriffsbestimmung: Museum ... 12

Das Ausstellungsbild im 18. Jahrhundert ... 13

1. Bereiche des Louvre ... 17
   
1.1. Die Luxemburg Galerie als Vorläufer für die Entwicklung 
    eines Kunstraumes ... 17
    1.2. Das Louvre-Schloss während der Revolutionsjahre ... 20
    1.3. Die Akademie ... 24
    1.4. Der Salon ... 27
    1.5. Die Galerie an der Uferseite der Seine ... 32
    1.6. Sammlungsstücke aus der alten Welt ... 33
    1.7. Die ästhetische Raumaneignung des Publikums ... 34

2. Das Museum Napoleon ... 37
   
2.1. Der Moralkodex innerhalb des Museumsraumes: David und 
    Goya ... 41
    2.2. Der philosophische Kontext ... 43
    2.3. Der Sakralisierungsprozess des profanen Raumes ... 44
    2.4. Die Namensgebung: Musée Napoleon ... 47
    2.5. Das Image Napoleons ... 49
    2.6. Das Museum als Kenotaph ... 55
    2.7. Das Museum als metaphysischer Raum ... 61

3. Die mediale Entwicklung des Kunstraumes ... 63
   
3.1. Die Umstrukturierung nach 1814 ... 63
    3.2. Der Louvre 1819 und seine mediale Ausformung ... 63
    3.3. Kunst und Industrie als mediale Kräfte ... 65
    3.4. Das zweite Kaiserreich (1848 - 1870) ... 67
    3.5. Der Orientalismus ... 70

4. Kulturelle Identität ... 71
   
4.1. Der Kanon innerhalb des Museumsraumes ... 72
    4.2. Die Künstler und ihre Studien im Louvre ... 74
    4.3. Der Kunstkritiker - Vermittler zwischen Künstler und 
    Publikum - ... 74
    Kunstkritik 1824 ... 76
    Kunstkritik 1839 ... 77
    Pierre Joseph Proudhon ... 78
    Charles Baudelaire ... 79
    Die Brüder Goncourt ... 80
    4.4. Der Bürgerliche Realismus ... 81
    4.5. Le Salon des Cent ... 83

5. Resümée ... 84

6. Anmerkungen ... 88

7. Bibliographie ... 96


Einführung

In der Entwicklungsgeschichte der Malerei bilden Innenraumansichten, speziell von Kunsträumen, ein untergeordnetes Thema. Mein Interesse widmet sich der Ausstellungssituation innerhalb der Innenraumansichten und ihrer Präsentationsformen. Ziel ist es herauszufinden, welche Entwicklungen sich für den Künstler und das Publikum daraus ergeben haben.
Das Genre des Ausstellungsbildes entwickelte sich im 19. Jahrhundert und zeigt die Strategien der Präsentation, die auf die allgemeine Kunstauffassung und deren Veränderung einen entscheidenden Einfluss ausgeübt haben.
Der Louvre im 19. Jahrhundert bildet die Ausgangsbasis meiner Forschung, weil dort die Bewegung "Museum" in Europa seinen Ursprung nahm.
Das Thema meiner Arbeit lautet "Die Konzeption des Ausstellungsraumes im Louvre des 19. Jahrhunderts und seine mediale Entwicklung."

Als anschauliche Einführung in die Materie bietet Christiane Aulanier (1950) in zwölf Bänden den geschichtlichen Hintergrund der einzelnen Louvreräume mit einer reichen Bildauswahl. Daher wird im ersten Abschnitt eine komprimierte Zusammenfassung dargelegt. Darin öffnet sich der Gegenstand der Betrachtung der Innenräume, nachdem dieses Thema lange Zeit, wie Georg Friedrich Koch 1967 in seinem grundlegenden Werk < Die Kunstausstellung > bemerkte, "in der Kunstgeschichte nur am Rande in Erscheinung getreten ist". Seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts greifen immer mehr Publikationen dieses Phänomen auf. Mit seinen Werken < Art in an Age of Revolution, 1750 - 1800 > (1987) und < Art in an Age of Bonapartism > (1990) beginnt Albert Boime eine Sozialgeschichte des Abendlandes der modernen Epoche innerhalb eines weiten kulturellen Spektrums. Alle entscheidenden Kulturelemente die zu der Hegemonie der Belle Epoque geführt haben, sind aus dem Sinn der kulturellen Größe, die Napoleon geschaffen hatte, entstanden.
In < Inventing the Louvre > von Andrew McClellan, wird der Ausstellungsraum im 18. Jahrhundert untersucht. Patricia Mainardi baut die strukturellen Zusammenhänge des Museumsraumes in ihren Publikationen aus: < Art and Politics of the Second Empire > (1987) und < The End of the Salon > (1993).

Die Bewahrung des äußeren Bildes in der Skulptur und in der Malerei ist das wichtigste Merkmal des musealen Raumes des Louvre. Der Raum ist nicht starr, sondern formbar und ebenso geschichtlichen Ereignissen unterworfen, wie das (?)uvre eines Künstlers. Die Bilder, die ein Künstler als abbildungswürdig empfindet, um sie bildhaft in einer Form zu manifestieren, sagen viel über den Transformationsprozess aus. Daher kann man die Bilder, die verschiedene Künstler zum Thema Kunstraum erstellen, unter dem Aspekt des (?)uvres eines Museumsraumes betrachten, um zu vergleichen, wie sich dieser Ort im Laufe der Zeit gewandelt hat. Innerhalb dieser Bildaufstellung geht es nicht darum, wie sich das Ausstellungsbild innerhalb des (?)uvres eines Künstlers entwickelt, denn nicht die einzelnen Künstler stehen zur Diskussion, sondern das Raumphänomen an sich.

Der museale Raum ist ein sehr vielschichtiges Gebilde, und die Frage nach den Bildern, die in diesem Kontext gezeigt werden, liegt auf der Hand. Wie kommen die Bilder ins Museum, welche Bilder befinden sich im Museum und was geschieht mit den Bildern innerhalb dieses Raumphänomens, welches durch Wände und Lücken in der Hängung definiert ist und unter dem steten Wechsel von verschiedenen Motiven immer neue Lesarten hervorruft? In diesem Raum verbirgt sich eine zeitliche Bildfolge, die häufig Anlass von Konflikten gewesen ist, sei es im Hinblick auf die Macht des Urteils in der Kunst oder gar auf kultureller und politischer Ebene. Dabei bildet immer die imaginäre Grenze von Hochkultur und Massenkultur die Grundlage der Betrachtung. Trotz vieler Versuche sie abzubauen blieb sie immer noch unsichtbar vorhanden.
Substantielle Grundlagenforschung zur Geschichte des Museums wird immer häufiger zum Thema. Gerade darin zeigt sich, dass der wirkungsvollste und einflussreichste Ort der Vermittlung von Kunst in seiner historischen Entwicklung noch weitgehend unbekannt ist. Die Debatte um die Museumsarchitektur, also um den Außenraum, begann historisch gesehen in vielen Europäischen Ländern nach der Rückführung der beschlagnahmten Kunstschätze unter Napoleon. Man kann durchaus sagen, dass das Bewusstsein für ein kulturelles Erbe erst klar formuliert worden ist, als man dessen Verlust zu beklagen hatte. Daher erschien es angemessen einen Raum für all diese kostbaren Gegenstände zu errichten, der nun auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Innerhalb der Inszenierungspraxis nahm das Musée Napoleon eine Vorbildfunktion ein.

Den Kunstraum zu betrachten beinhaltet nicht nur die Anordnung und Hängung der Bilder, sondern schließt auch den Menschen in Bezug zur Kunst mit ein, sowie die Entwicklung einer Kunstauffassung, die Entstehung der Kunstkritik und die Rolle des Künstlers in diesem Zusammenhang.

Die Arbeit gliedert sich aufgrund ihrer Komplexität in verschiedene Betrachtungsebenen. Nicht jedem Gesichtspunkt kann daher die gleiche Aufmerksamkeit zuteil werden.
Die historischen Rahmendaten für die Frage nach dem Kunstraum und dem Zugang zum Kunstwerk im 19. Jahrhundert, ergeben sich aus der Geschichte des Louvre, dessen Errichtung als Nationalmuseum mit der französischen Revolution erfolgte.
Zuerst wird in der Einführung kurz die Baugeschichte des Louvre erläutert, der Begriff des Museums und der Kunstausstellung geklärt und die Position des Ausstellungsbildes im 18. Jahrhundert angesprochen. Im ersten Teil werden dann die einzelnen Räume und ihre Funktion seit der Öffnung für die Allgemeinheit behandelt.
Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit dem Museum, wie es unter Napoleon etabliert worden ist, weil es innerhalb der Museumsgründungen eine Vorbildfunktion einnahm.
Ebenso soll geklärt werden, inwiefern er in seiner Politik die Kunst zu Propagandazwecken nutzte und aus welchen Gründen sich eine sakrale Aura in diesen Räumen bilden konnte, die auf dem Fundament der ägyptischen Kultur aufbaute. Die Funktion der Pyramide ging dabei auf den musealen Raum über.
Aus diesen vielfältigen Prozessen ergibt sich die Medialisierung des Kunstraumes, die im dritten Kapitel erläutert wird. Die fortschreitende Industrialisierung feierte innerhalb der Weltausstellungen ihre neuesten Errungenschaften. Dort kam es schließlich zur immer stärker werdenden Konfrontation zwischen Kunst und Industrie. Der Weltausstellungsgedanke förderte das kulturelle Bewusstsein, welches sich auch im Kunstraum spiegelte.
Die Frage nach der kulturellen Identität wurde immer wichtiger und soll im vierten Kapitel unter dem Aspekt der Kanonisierung untersucht werden. Den Kunstkritikern kam in diesem Prozess eine tragende vermittelnde Rolle zwischen Künstler und Publikum zu.
Den Endpunkt markiert das Jahr 1900. Das Bürgertum hatte sich entgültig als staats- und kulturtragende Gesellschaftsschicht öffentlich im Louvre manifestiert und die Belle Epoque neigte sich dem Ende zu. Die Anzeichen eines bevorstehenden kulturellen Wechsels kündigten sich an.
Im Schlusswort wird gezeigt, wie vieles was damals initiiert worden ist, heute eine Realität besitzt und ausformuliert werden kann. Die documenta 11 zeigte, wie anregend dieser Entwicklungsprozess für die zeitgenössischen Künstler ist.

Der Louvre: eine kurze Baugeschichte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

Etymologisch betrachtet ist der Begriff "Ort" ein altgermanisches Wort, das ursprünglich Spitze, scharfe Ecke, dann Anfangs- oder Endpunkt oder auch Grenze (daher "von Ort zu End") bedeutete. Orte, auf denen Gebäude errichtet werden sollten, wurden immer sehr gewissenhaft ausgewählt.

Im 19. Jahrhundert entstand mit dem Museumsbau eine neue Baugattung. In allen Hauptstätten sowie größeren Städten wurden Museen errichtet. In Paris bildet die Transformation eines Schlosses zu einem Museum einen der wenigen Sonderfälle. Dennoch übte die Bildpräsentation in den Räumen einen entscheidenden Einfluss auf die anderen Museen aus. Auf welchem Fundament stehen die Säulen des Museums?

Das Herz von Paris bildet die Île de la Cité. Die ersten Siedler der Stadt, die Parisii - eine Seitenlinie der Senoren - ließen sich bereits im 1. Jahrhundert v. Chr. am Seineufer nieder. Der Begriff Louvre scheint sich von Louverie abzuleiten und bezeichnete den Sammelplatz der Wolfsjäger. Im 12. Jahrhundert ließ König Philippe Auguste (1180 - 1223) einen mächtigen Wall um die Burg errichten und Paris wurde zur Hauptstadt. Er erweiterte den Markt und baute die ersten Gebäude dafür, die "halles". Die militärische Bedeutung verlor der Louvre unter König Ludwig IX. (Saint Louis), als er sein Königtum stärkte. Charles V. ließ den Schutzwall weiter ausbauen.

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