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Autor: Lutz Hundertmark
Fach: Informatik - Wirtschaftsinformatik
Details
Institution/Hochschule: Universität Duisburg-Essen
Tags: UMTS-Geschäftsplanungsrechnungen, Informationsbedarf, Methoden, Anwendungspotentiale, Instrument, Planung, Semiar, Mobilfunkgeneration, Mobiles, Internet
Jahr: 2001
Seiten: 34
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 174 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-99937-3
Volltext (computergeneriert)
Inhaltsverzeichnis
Seite
Abbildungsverzeichnis
III
Abkürzungsverzeichnis
IV
1. Einleitung
1
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
1
1.2. Gang der Untersuchung
1
2. Konzept der strategischen Planung
2
2.1. Ziel der strategischen Planung
2
2.2. Prozeß der strategischen Planung
3
3. Geschäftsplanungsrechnung als Instrument der strategischen Planung
5
3.1. Inhalte und Funktionen von Geschäftsplänen
5
3.2. Methoden der Geschäftsplanungsrechnung
7
3.2.1. Break-Even-Analyse
7
3.2.2. Discounted Cash Flow-Methode (DCF)
8
3.3. Instrumente zur Berücksichtigung von Prognoseunsicherheiten
10
3.3.1. Sensitivitätsanalyse
10
3.3.2. Szenario-Analyse
11
4. DCF als zentrale Methode der Geschäftsplanungsrechnung
12
4.1. Operationalisierungsprobleme der DCF-Methode
12
4.1.1. Ermittlung des Cash Flows
12
4.1.2. Bestimmung des Restwertes
14
4.1.3. Ableitung des Diskontierungsfaktors
15
4.2. Kritik an der DCF-Methode
16
1
5. Geschäftsplanungsrechnungen im UMTS-Markt
17
5.1. Technische Grundlagen von UMTS-Mobilfunknetzen.
17
5.2. Der UMTS-Markt in Deutschland
18
5.3. Einflußfaktoren auf UMTS-Geschäftsplanungsrechnungen
20
5.3.1. Ertragspotentiale von UMTS-Netzbetreibern
21
5.3.2. Kosten von UMTS-Netzbetreibern
22
6. Anwendungsbeispiele für UMTS-Geschäftsplanungsrechnungen
23
6.1. Studie von MSM Consulting
23
6.2. Studie der DG Bank
24
6.3 Studie der West LB Panmure
25
7. Fazit
26
Literaturverzeichnis
27
2
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abbildung 1: Prozeß der strategischen Planung
3
Abbildung 2: Break-Even-Analyse als Amortisationsrechnung
8
Abbildung 3: Szenario-Analyse
12
Abbildung 4: Ermittlung des Free Cash Flows
13
Abbildung 5: Strategische Gruppen der UMTS-Bewerber in Deutschland
19
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6
Abkürzungsverzeichnis
ARPU
Average Revenue per User
CAPM
Capital Asset Pricing Model
DCF
Discounted Cash Flow
EK
Eigenkapital
EBITDA
Earnings before interests, taxes and depreciation
et al.
et alii
FCF
Free Cash Flow
F&E
Forschung und Entwicklung
FK
Fremdkapital
GK
Gesamtkapital
GPRS
General Packet Radio Service
GSM
Global System for Mobile Communications
Kbit
Kilobit
kek
Eigenkapitalkostensatz
kfk
Fremdkapitalkostensatz
Mbit
Megabit
M-Commerce Mobile Commerce
n
Anzahl der Planungsperioden
RegTP
Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post
rf
Rendite risikoloser Anlagen
rm
Marktrendite risikobehafteter Anlagen
RW
Restwert
SMS
Short Message Service
UMTS
Universal Mobile Telecommunication System
WACC
Weighted-Average Cost of Capital
WAP
Wireless Application Protocol
WC
Working
Capital
Sensitivitätsmaß Beta
1.Einleitung
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
Die Mobilfunktechnologie hat in den letzten Jahren einen weltweiten Siegeszug hinter sich.
Allein in Deutschland werden Ende diesen Jahres 50 Millionen Menschen mit Mobilfunk-
geräten telefonieren.1 Während traditionelle Mobilfunknetze primär auf die Vermittlung von
Sprache ausgerichtet sind, ist es in der 3. Mobilfunkgeneration durch eine sehr viel höhere
Datenübertragungsrate möglich, neben Sprache auch völlig neuartige Mobilfunk-
anwendungen anzubieten. Dieser technologische Sprung bietet für die Anbieter von
1 Berke 2000a: 58-59.
7
Mobilfunknetzen große Chancen, neue Ertragsquellen zu erschließen, aber diesen Chancen
stehen auch hohe Risiken gegenüber. Insbesondere die Kosten für die UMTS-Lizenzen
machen das UMTS-Geschäft zu einem
,,...riskante[n] Milliardenspiel ...,
dessen Ausgang
mehr als ungewiß ist"2
Diese Problematik versucht die vorliegende Arbeit aufzugreifen,
indem Instrumente der strategischen Planung vorgestellt werden, die es den Unternehmen
ermöglichen, die Chancen und Risiken zukünftiger Märkte in quantitativer Form abzubilden,
um so wichtige Hinweise auf die Strategiewahl zu erhalten. Diese Methoden der Geschäfts-
planungsrechnung werden im folgenden zunächst allgemein dargestellt. Daran anschließend
wird ein Überblick gegeben, wie die Methoden der Geschäftsplanungsrechnung im
Mobilfunkmarkt angewendet werden, um die speziellen Chancen und Risiken des UMTS-
Marktes quantitativ abzubilden.
1.2. Gang der Untersuchung
In
Kapitel 2
dieser Arbeit wird zunächst ein kurzer Überblick über das Konzept der
strategischen Planung gegeben. Daran anschließend werden in
Kapitel 3
ausführlich Me-
thoden diskutiert, die es ermöglichen, im Rahmen von Geschäftsplanungen Strategien-
optionen zu quantifizieren und so einen wichtigen Beitrag zur Strategiewahl von
Unternehmen leisten können. Wegen der unklaren Darstellungen in der
betriebswirtschaftlichen Literatur darüber, welche Methoden der Geschäftsplanungsrechnung
zuzurechnen sind, beschränkt sich die vorliegende Arbeit auf die Methoden, die in der Praxis
die höchste Verbreitung haben. Einen Schwerpunkt innerhalb dieses Kapitels bilden dabei
Instrumente, mit denen Unternehmen versuchen, das Problem der Prognoseunsicherheit im
Rahmen von Geschäftsplanungen zu berücksichtigen. In dem sich anschließenden
Kapitel 4
wird ausführlich auf die DCF-Methode sowie auf die damit verbundenen Operatio-
nalisierungsprobleme eingegangen, da diese Methode in der Praxis eine überragende
Bedeutung hat. In
Kapitel 5
wird schließlich speziell auf das Thema UMTS eingegangen:
Zunächst werden die technischen Grundlagen von UMTS erläutert sowie die
Rahmenbedingungen des UMTS-Marktes in Deutschland untersucht. Daran anschließend
wird spezifisch für den UMTS-Markt analysiert, welche Informationsprobleme bewältigt
werden müssen, um die Methoden der Geschäftsplanungsrechnung anzuwenden.
Das nachfolgende
Kapitel 6
soll exemplarisch einige Studien erläutern, in denen Methoden
der Geschäftsplanungsrechung angewendet werden. Dabei liegt das Augenmerk der Unter-
suchung sowohl auf den angewandten Methoden wie auch auf den Ergebnissen, die diese
Studien hervorgebracht haben. In
Kapitel 7
schließlich wird ein Fazit zu den Ergebnissen
dieser Arbeit gezogen.
2 Berke et. alt. 2000:75.
8
2. Konzept der strategischen Planung
2.1. Ziel der strategischen Planung
Ein Unternehmen operiert in einem komplexen Kontext von
politischen, ökonomischen
,
technologischen
und
sozialen Rahmenbedingungen
.3 In den letzten Jahrzehnten war die
Umwelt von Unternehmen dadurch gekennzeichnet, daß die Rahmenbedingungen sich
einerseits immer dynamischer verändert haben, und daß andererseits die Umweltfaktoren, die
auf ein Unternehmen einwirken, immer komplexer geworden sind.4 Diese Veränderungen
haben in den 70er und 80er Jahren des letzen Jahrhunderts zu einem Wandel in der
betriebswirtschaftlichen Forschung und in der Managementpraxis geführt. Bis zu dieser Zeit
war das Management von Unternehmen primär vergangenheits- und gegenwartsbezogen
ausgerichtet. Dem hingegen betont das Konzept der
strategischen
Planung
, das erstmals Mitte
der 70er Jahre diskutiert worden ist, die Wichtigkeit einer systematischen Auseinandersetzung
mit der Zukunft. Das zentrale Ziel der strategischen Planung ist dabei die Formulierung von
unternehmensspezifischen
Strategien
, mit denen ein Unternehmen auf Umweltveränderungen
flexibel reagieren und somit
langfristige
Erfolgspotentiale
aufbauen kann.5 Nach BEA/HAAS
läßt sich somit der Begriff ,,strategische Planung" definieren als ein
,,...informations-
verarbeitender Prozeß zur Abstimmung von Anforderungen der Umwelt mit den Potentialen
des Unternehmens in der Absicht, mit Hilfe von Strategien den langfristigen Erfolg des
Unternehmens zu sichern."
6 Bei der strategischen Planung eines Unternehmens handelt es
sich um einen rationalen Entscheidungsprozeß, der aus einer Abfolge von sachlogisch
zusammenhängenden Einzelschritten besteht.7 Dieser
Prozeß der strategischen Planung
wird
in dem folgenden Abschnitt näher beschrieben.
2.2. Prozeß der strategischen Planung
Der Prozeß der strategischen Planung läßt sich in verschiedene Teilprozesse untergliedern.
Nach einer gängigen Systematisierung dieser Teilprozesse kann man die strategische Planung
in vier Phasen unterteilen:
1)
Strategische Zielplanung
2)
Strategische Analyse
3)
Strategiewahl
4)
Strategieimplementierung
3 Schmitt 1996: 21.
4 Bea/Haas 1997: 10.
5 Welge/Al-Laham 1999: 10.
6 Bea/Haas 1997: 45.
7 Welge/Al-Laham 1999: 23.
9
Bei der Betrachtung des Prozesses der strategischen Planung ist zu beachten, daß es sich um
eine idealtypische Darstellung handelt.8 In der betrieblichen Wirklichkeit ist eine klare
Trennung der einzelnen Prozeßphasen kaum anzutreffen. Vielmehr ist die strategische
Planung in der Realität durch vielfältige
Vorkopplungs
-
und
Rückkopplungsbeziehungen
gekennzeichnet. Dies ist in der folgenden
Abbildung 1
dargestellt:
Strategische Zielplanung
R
ü
gen
c
k
k
o
Strategische Analyse
ppe
z
i
e
hun
e
lu
b
ng
gs
s
b
l
un
e
z
Strategiewahl
i
e
opp
h
ung
Vork
e
n
Strategieimplementierung
Abbildung 1
:
Prozeß der strategischen Planung
(Quelle: In Anlehnung an: Bea/Haas 1997: 49.)
Im folgenden werden die einzelnen Prozeßphasen der strategischen Planung erläutert:
Am Anfang der strategischen Planung steht die
strategische Zielplanung
. Unter einem
Ziel
versteht man eine
,,...normative Vorstellung über einen zukünftigen Zustand der
Unter-
nehmung."9
Als Beispiele für strategische Ziele von Unternehmen lassen sich die
Gewinnmaximierung
, die
Marktanteilsmaximierung
oder die
Optimierung des Shareholder
Value
nennen. Welche Ziele von einem Unternehmen im Rahmen der strategischen Planung
berücksichtigt werden, hängt unter anderem von den Ergebnissen der strategischen Analyse
ab.
Bei der Phase der
strategischen Analyse
unterscheidet man grundsätzlich zwischen der
Umweltanalyse und der Unternehmensanalyse. Im Rahmen der
Umweltanalyse
wird versucht,
Chancen und Risiken in der Umwelt eines Unternehmens zu identifizieren und deren
zukünftige Entwicklung abzuschätzen.10 Grundsätzlich kann man die Umwelt eines
Unternehmens unterteilen in die globale Umwelt einerseits und die Wettbewerbsumwelt
andererseits.11 Bei der Analyse der
globalen Umwelt
geht es um die Identifizierung und
8
Abbildung 1:
Prozeß der strategischen Planung
Bea/Haas 1997: 49.
9 Welge/Al-Laham 1999: 109.
(Quelle: In Anlehnung an: Bea/Haas 1997:49.)
10 Welge/Al-Laham 1999: 183.
11 Bea/Haas 1997: 78.
10
Bewertung ökonomischer, technischer, politisch-rechtlicher sowie soziokultureller Entwick-
lungen, die für das Unternehmen gegenwärtig und in der Zukunft relevant sein könnten. Dem
hingegen handelt es sich bei der
Wettbewerbsumwelt
eines Unternehmens um die
Beziehungen zu Wettbewerbern, Nachfragern und Lieferanten.12 Während die Umweltanalyse
demnach die externen Chancen und Risiken untersucht, stehen bei der
Unternehmensanalyse
die internen Stärken und Schwächen des Unternehmens im Focus der Betrachtung. Dabei sind
Stärken solche Merkmale, die einen längerfristigen Wettbewerbsvorteil versprechen, während
Schwächen den Unternehmenserfolg gefährden können.13
In der prozessualen Sichtweise der strategischen Planung folgt nach der strategischen Analyse
die Phase der
Strategiewahl
. Strategien sind dabei definiert als
,,... Maßnahmen zur Sicherung
des langfristigen Erfolges eines Unternehmens."14
Sind den Entscheidungsträgern im
Unternehmen alle wählbaren Strategienoptionen bekannt, so muß im Rahmen der
Strategieauswahl eine
Bewertung der Strategiealternativen
stattfinden. Die Strategie-
bewertung ist dabei eine komplexe entscheidungstheoretische Aufgabe, da es sich um ein
schlecht strukturiertes Problem handelt. Schlecht strukturierte Probleme sind dadurch
gekennzeichnet, daß nicht sämtliche Rahmenbedingungen der Entscheidung bekannt sind, daß
es eine unendliche Anzahl von Entscheidungsalternativen gibt, und daß mit Hilfe von
mathematischen Lösungsalgorithmen keine eindeutige Präferenzrangfolge der Entscheidungs-
alternativen ermittelt werden kann.15 In bezug auf die Bewertung von Strategiealternativen
unterscheidet man grundsätzlich zwischen qualitativen und quantitativen Bewertungs-
methoden. Bei
qualitativen Bewertungsmethoden
wird anhand bestimmter Kriterien geprüft,
ob die Strategiealternativen einen Beitrag zur Zielerreichung des Unternehmens leisten.
WELGE/AL-LAHAM schlagen in diesem Zusammenhang die interne Durchführbarkeit und
die Konsistenz als zentrale Bewertungskriterien vor.16 Das Kriterium der
internen
Durchführbarkeit
greift dabei die Frage auf, ob ein Unternehmen über die notwendigen
Ressourcen verfügt, um eine Strategiealternative durchzuführen. Mit dem Kriterium der
Konsistenz
wird geprüft, ob eine Strategiealternative in bezug auf die Unternehmensziele und
andere Strategien des Unternehmens als widerspruchsfrei anzusehen ist. Im Gegensatz zu den
qualitativen Methoden sind
quantitative Bewertungsmethoden
darauf ausgerichtet, als
Ergebnis der Strategienbewertung jede Strategiealternative mit einem ökonomischen Wert zu
beziffern. Von besonderer Relevanz sind in diesem Zusammenhang die
Methoden der
Geschäftsplanungsrechnung
, die
in Kapitel 3 ausführlich dargestellt werden.
12 Bea/Haas 1997: 79.
13 Hierzu und zum folgenden: Bodenstein/Spiller 1998: 40-41.
14 Bea/Haas 1997: 45.
15 Bodenstein/Spiller 1998: 30.
16 Welge/Al-Laham 1999: 486.
11
Den letzten Schritt im Phasenschema der strategischen Planung stellt schließlich die
Strategieimplementierung
dar. Die Strategieimplementierung umfaßt alle unternehmerischen
Aktivitäten, die zur Verwirklichung einer Strategie nötig sind.17 Der Begriff der Strategie-
implementierung läßt sich in eine sachliche, in eine organisatorische und in eine personale
Teilaufgabe gliedern.18 Der
sachliche Teil der Strategieimplementierung
umfaßt die Zer-
legung einer Strategie in Einzelmaßnahmen. Da Strategien typischerweise wenig konkret
formuliert sind, ist es notwendig, ein konsistentes Aktionsprogramm zu entwickeln, das
Maßnahmen enthält, die die sachliche Umsetzung der Strategie gewährleistet. Sind die
notwendigen Maßnahmen für eine Strategieumsetzung spezifiziert, so muß dann der
organisatorische Teil der
Strategieimplementierung geregelt werden. Dabei spielt
insbesondere die Gestaltung der Ablauforganisation19 eine entscheidende Rolle für eine
erfolgreiche Strategieimplementierung. Direkt verbunden mit dem organisatorischen Teil ist
der
personale Teil der Strategieimplementierung
, bei dem es darum geht, die Maßnahmen der
Strategieimplementierung unter Beachtung von Qualifikationsniveaus den jeweiligen
Mitarbeitern im Unternehmen zuzuordnen.
3. Geschäftsplanungsrechnung als Instrument der strategischen Planung
3.1. Inhalte und Funktionen von Geschäftsplänen
Wie in den bisherigen Ausführungen dargestellt wurde, ist die Entwicklung von strategischen
Optionen für Unternehmen ein komplexer Planungs- und Entscheidungsprozeß. In der
betrieblichen Praxis haben sich dabei Methoden herausgebildet, die die Entscheidungsträger
bei der strategischen Planung unterstützen. Ein zentrales Instrument ist dabei der sogenannte
Geschäftsplan
.20 Unter einem Geschäftsplan versteht man einen Plan, bei dem für ver-
schiedene Funktionsbereiche eines Unternehmens Ziele definiert sowie Strategien zu deren
Erreichung festgelegt werden.21
In der Praxis werden Geschäftspläne entweder zu unternehmensexternen oder zu
unternehmensinternen Zwecken verwendet:
Unternehmensextern
werden Geschäftspläne
insbesondere von Unternehmen genutzt, die sich noch in einer frühen Entwicklungsphase
befinden. Für Unternehmen dieser Art dient ein Geschäftsplan häufig als
Kommunikations-
instrument
gegenüber potentiellen Kapitalgebern.22 Ein solcher Geschäftsplan enthält in der
17 Bea/Haas 1997: 178.
18 Bea/Haas 1997: 178.
19 Unter dem Begriff der Ablauforganisation versteht man die zielgerichtete, räumlich-zeitliche Organisation von
Arbeitsprozessen. Laux/Liermann 1993: 19.
20 Ein häufig verwendetes Synonym des Begriffs ,,Geschäftsplan" ist der Ausdruck ,,Business Plan". Mit
Rücksicht auf den Titel der Arbeit wird aber weiterhin der Bezeichnung ,,Geschäftsplan" verwendet.
21 Struck 1990: 1.
22 Bedingt durch das ,,Start-up-Fieber" im Technologie- und Internetsektor ist der Begriff ,,Business Plan" in
diesem Zusammenhang auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden.
12
Regel Informationen zu den Produkten, zur Rechtsform, zum Management sowie zur
Marketing- und Vertriebsstrategie eines Unternehmens.23 Das Herzstück eines jeden
Geschäftsplans bildet jedoch die Finanzplanung, die detaillierte Angaben zu Planbilanzen
sowie Liquiditäts- und Finanzierungsplanungen enthält.24
Unternehmensintern
verwendete Geschäftspläne unterscheiden sich sowohl inhaltlich als auch
in bezug auf ihre Funktion von den unternehmensextern genutzten Geschäftsplänen.25 Der
Inhalt unternehmensinterner Geschäftspläne besteht nicht aus Informationen zu Produkten,
Management, Rechtsform usw., sondern es werden Teilpläne verschiedener Funktions-
bereiche des Unternehmens zusammengefaßt und in quantitativer Form auf Gesamt-
unternehmensebene aggregiert. Die Funktion solcher Geschäftspläne besteht nicht in der
Unterstützung einer kapitalgeberorientierten Kommunikation, sondern sie dienen vielmehr als
Kontroll- und Planungsinstrument zur Unterstützung der Unternehmensführung.
Geschäftspläne können ein wichtiges
Kontrollinstrument
sein, wenn durch den Vergleich von
Ist-Werten der aktuellen Periode mit den Soll-Werten aus Geschäftsplänen vergangener
Perioden Abweichungen festgestellt werden. Entwickeln sich die Ist-Werte schlechter als
geplant, so kann dies der Unternehmensführung wichtige Hinweise auf operativen oder
strategischen Handlungsbedarf geben.
Eine besondere Bedeutung als
Planungsinstrument
haben Geschäftspläne bei der Bewertung
von Strategien.26 Werden für verschiedene Strategiealternativen Geschäftspläne auf quan-
titativer Basis entwickelt, so kann der ökonomische Wert der Entscheidungsalternativen der
Unternehmensführung als ein objektives Entscheidungskriterium der Strategiewahl dienen.
Diese
Geschäftsplanungsrechnungen
bilden den Schwerpunkt der folgenden Ausführungen
dieser Arbeit.
3.2. Methoden der Geschäftsplanungsrechnung
In der betriebswirtschaftlichen Literatur gibt es keine klaren Darstellungen, welche Verfahren
den Methoden der Geschäftsplanungsrechnung zuzurechnen sind. Da die vorliegende Arbeit
einen praxisbezogenen Überblick über die im UMTS-Markt verwendeten Geschäftsplanungs-
rechnungen geben soll, wird im weiteren auf eine tiefergehende Systematisierungsdiskussion
verzichtet. Statt dessen folgt eine Beschränkung auf die beiden Methoden, die in Studien, die
den UMTS-Markt analysieren, am häufigsten Verwendung finden.27 Dies sind die Break-
Even-Analyse und, in einem noch viel stärkerem Maße, die Discounted Cash Flow
23 O.V. 2000a: 786-787.
24 Hofmeister 1999: 166-167.
25 Hier und zum folgenden: Struck 1990: 1-3.
26 Vgl. Kapitel 2.2.3..
27 So wird beispielsweise auf eine Erläuterung des Ertragswertverfahrens wegen mangelnder praktischer
Relevanz im Rahmen von Geschäftsplanungsrechnungen verzichtet.
13
Methode.28 Im Anschluß an die Darstellung dieser beiden Methoden folgt eine Erläuterung
der Sensitivitätsanalyse sowie der Szenario-Technik. Dies sind Instrumente, die in der Praxis
sehr oft in Kombination mit den Methoden der Geschäftsplanungsrechnung verwendet
werden, um das Problem der Prognoseunsicherheit im Rahmen der strategischen Planung zu
berücksichtigen.
3.2.1. Break-Even-Analyse
Die klassische Break-Even-Analyse ist ein Verfahren der Kostenrechnung, und ist dadurch
gekennzeichnet, daß die Ausbringungsmenge bestimmt wird, bei der die Summe der fixen
und variablen Kosten gleich den Gesamterlösen des Unternehmens ist. Diese Ausbringungs-
menge wird
Break-Even-Punkt
oder
Gewinnschwelle
genannt. Statt als Kostenbetrachtung
kann eine Break-Even-Analyse auch auf
Cash-Flow-Basis29
durchgeführt werden. Als
Ergebnis ergibt sich dann eine Ausbringungsmenge, bei der die Auszahlungen gerade durch
die Einzahlungen gedeckt sind. Dieser Punkt wird häufig als
Liquiditätsschwelle
oder
Out-of-
Pocket-Point
bezeichnet.30
Überträgt man das Konzept der Break-Even-Analyse auf die Investitionsrechnung, so kann
man durch das Einbeziehen des Faktors Zeit als unabhängige Variable des Modells eine Cash
Flow-Analyse durchführen. Dieses Verfahren der Investitionsrechnung wird als
Amor-
tisationsrechnung
bezeichnet. Im Rahmen von Geschäftsplanungsrechnungen wird die
Amortisationsrechnung eingesetzt, um den Zeitpunkt abzuschätzen, ab dem eine
Strategieoption sich armortisiert. In
Abbildung 2
ist beispielhaft die Break-Even-Entwicklung
von zwei unterschiedlichen Strategieoptionen dargestellt:
28 Wegen der besonderen Bedeutung der DCF-Methode in der Praxis wird diese Methode in Kapitel 4
ausführlich dargestellt.
29 Zur Definition des Begriffs ,,Cash Flow" siehe Abschnitt 4.1.1.
30 Schweitzer/Troßmann 1986: 49.
14
DM
Kumulierter
Überschuß
Strategie A
t
Strategie B
Kumuliertes
Defizit
Amortisations-
Amortisations-
zeitpunkt t
zeitpunkt t
1
2
Abbildung 2
: Break-Even-Analyse als Amortisationsrechnung
(Quelle: In Anlehnung an: Kruschwitz 2000: 38.)
Steht nur eine Strategieoption zur Verfügung, so sollte die Strategie nur dann gewählt werden,
wenn die Amorisationsdauer geringer ist als die vom Entscheidungsträger als maximal
zulässig angesehene Soll-Armortisationsdauer.31 Stehen alternative Strategieoptionen zur
Verfügung, so wird ceteris paribus die Strategiealternative gewählt, bei der die berechnete
Amortisationsdauer am kürzesten ist.
3.2.2. Discounted Cash Flow-Methode
Die
Discounted Cash Flow (DCF)-Methode
ist eigentlich ein Instrument zur Ermittlung des
Gesamtwertes eines Unternehmens.32 Im Gegensatz zu traditionellen Methoden der
Unternehmensbewertung wie der Substanzwertmethode oder der Liquiditätswertmethode33
greift die DCF-Methode auf Erkenntnisse der dynamischen Investitionsrechnung zurück.
Kennzeichnend für die DCF-Methode ist dabei, daß die
zukünftigen Zahlungsüberschüsse
eines Unternehmens auf einen Bewertungsstichtag abgezinst werden.34 Als Ergebnis erhält
man einen barwertigen kumulierten Discounted Cash Flow, der den Unternehmenswert zum
Bewertungsstichtag ausdrückt. Vergleicht man die Veränderung des Unternehmenswertes bei
Durchführung alternativer Strategien, so läßt sich die DCF-Methode auch als Bewertungs-
31 Kruschwitz 2000: 35.
32 Kirsch/Krause 1996: 794.
33 Zur Erläuterung der Begriffe ,,Substanzwertmethode" und ,,Liquiditätswertmethode": Serfling/Pape 1995a:
815-817.
34 Serfling/Pape 1996: 58.
15
instrument im Rahmen der strategischen Planung verwenden.35 Als
Entscheidungsregeln
für
eine solche Nutzung der DCF-Methode lassen sich formulieren:36
1) Jede Strategieoption mit einem positiven DCF wird durchgeführt, jede Strategieoption
mit einem negativen DCF wird abgelehnt.
2) Bei alternativer Durchführung von mehreren Strategieoptionen wird die mit dem
höchsten DCF gewählt.
Die Discounted Cash Flow-Methode unterscheidet sich in zwei wesentlichen
Kernmerkmalen
von traditionellen Verfahren der Unternehmensbewertung: Zum einen werden bei der DCF-
Methode lediglich
zahlungsorientierte Größen
betrachtet. Andere Verfahren der Unter-
nehmensbewertung wie beispielsweise das Ertragswertverfahren gehen dem hingegen von
bilanziellen Größen aus. Eine Verwendung bilanzieller Größen ist jedoch mit entscheidenden
Nachteilen verbunden:37 So besteht bei der Verwendung von Gewinnen als Erfolgsmaßstab
einer Unternehmung das Problem, daß diese Größen durch bilanzpolitische Maßnahmen in
vielfacher Weise manipuliert werden können. Ein weiterer zentraler Nachteil liegt darin, daß
bilanziell ermittelte Gewinne keinen Hinweis auf die Innenfinanzierungskraft eines
Unternehmens geben. Diese Nachteile bestehen nicht, wenn man zahlungsorientierte Größen
verwendet. Deswegen wird bei der DCF-Methode von der bilanziellen Ebene abstrahiert, und
es werden statt dessen Einzahlungs- und Auszahlungsgrößen als Bewertungsmaßstäbe heran-
gezogen.
Das zweite Kernmerkmal der DCF-Methode besteht darin, daß eine
unternehmensspezifische
Ermittlung des
Diskontierungsfaktors
erfolgt. Das Ertragswertverfahren als traditionelles
Verfahren der Unternehmensbewertung dadurch gekennzeichnet, daß ein Diskontierungs-
faktor verwendet wird, der sich aus einem risikofreien Basiszinssatz plus einem pauschalen
Risikozuschlag berechnet.38 Problematisch bei dieser Vorgehensweise ist jedoch, daß nur ein
allgemeines unternehmerisches Risiko berücksichtigt wird und keine theoretische fundierte
Herleitung des Diskontierungsfaktors erfolgt.39 Im Gegensatz dazu basiert die Herleitung des
Diskontierungsfaktors bei der DCF-Methode auf Erkenntnissen der Kapitalmarkttheorie und
berücksichtigt explizit die Kapitalstruktur des jeweiligen Unternehmens sowie das unter-
nehmensspezifische Risiko.40 Dabei wird der Diskontierungsfaktor nach dem sogenannten
Weighted-Average Cost of CapitalAnsatz (WACC) ermittelt. Eine Erläuterung des WACC
sowie eine weitergehende Betrachtung der DCF-Methode insgesamt erfolgt in Kapitel 4.
35 Hahn 1996: 312.
36 Superina 2000: 9-10.
37 Copeland et.al. 1993: 96-97 sowie Serfling/Pape 1996: 57-58.
38 Ballwieser 1993: 159 und Serfling/Pape 1995b: 944.
39 Serfling/Pape 1995b: 944-945 sowie Serfling/Pape 1996: 58.
40 Serfling/Pape 1996: 61.
16
3.3. Instrumente zur Berücksichtigung von Prognoseunsicherheiten
Sowohl bei der Break-Even-Analyse als auch bei der DCF-Methode liegen den
Geschäftsplanungsrechnungen Prognosen zugrunde. Unter
Prognosen
versteht man
,,...Wahrscheinlichkeitsaussagen über zukünftige
Ereignisse.
"41 Ein zentrales Kennzeichen
solcher Aussagen ist dabei, daß Prognosen immer durch Unsicherheit gekennzeichnet sind.
Nach ADAM ist es deswegen von entscheidender Bedeutung für jeden Planungsprozeß, nicht
von
,,einwertigen Erwartungen"42
auszugehen, sondern durch die Bestimmung von Inter-
vallen für mögliche Zukunftsausprägungen dieses Unsicherheitsproblem zu berücksichtigen.
In der Praxis haben sich dabei zwei Instrumente herausgebildet, die das Problem der
Prognoseunsicherheit im Rahmen von Geschäftsplanungen berücksichtigen, die Sensitivitäts-
analyse und die Szenario-Analyse.
3.3.1. Sensitivitätsanalyse
Die
Sensitivitätsanalyse
greift das Problem der Prognoseunsicherheit auf, indem wichtige, als
gegeben angenommene Eingangsgrößen43 systematisch variiert und dabei die Auswirkungen
auf die Ergebnisgrößen analysiert werden.44 Man unterscheidet grundsätzlich zwei Typen von
Sensitivitätsanalysen, das Verfahren der kritischen Werte und die Bandbreitenanalyse.45 Das
Verfahren der kritischen Werte
untersucht, bis zu welcher Änderung einer Eingangsgröße (bei
Konstanz aller anderen Eingangsgrößen) ein berechnetes optimales Ergebnis stabil bleibt.
Dadurch läßt sich abschätzen, wie empfindlich die Ergebnisgröße auf bestimmte
Eingangsgrößen reagiert, um so die Wichtigkeit verschiedener Faktoren für das Gesamt-
ergebnis beurteilen zu können.
Dem hingegen untersucht die
Bandbreitenanalyse
, wie stark sich die Ergebnisgröße bei einer
unterstellten Veränderung einer Eingangsgröße ändert. Dadurch können sich für das
Unternehmen wichtige Hinweise ergeben, in welcher Bandbreite sich die möglichen Ergeb-
nisse bewegen können.
Der Einsatz von Sensitivitätsanalysen in Planungsprozessen ist jedoch nicht unkritisch zu
sehen: Erstens besteht die Problematik, daß die betrachteten Eingangsgrößen miteinander in
Beziehung stehen können.46 So ist es denkbar, daß die Verdoppelung einer Eingangsgröße zu
einer automatischen Verdopplung einer anderen Eingangsgröße führen kann. Dies ist
deswegen problematisch, weil bei beiden Varianten der Sensitivitätsanalyse alle Größen bis
auf die betrachtete Eingangsgröße implizit als konstant angesehen werden. Des weiteren ist zu
41 Bea/Haas 1997: 256.
42 Adam 1996: 195.
43 So wird in DCF-Modellen beispielsweise die erwartete UMTS-Penetrationsrate als Eingangsgröße variiert, um
die Auswirkungen auf die Ergebnisgröße DCF zu betrachten.
44 Bodenstein/Spiller 1998: 149.
45 Franke/Hax 1999: 243-252.
46 Brealey/Myers 1996: 242.
17
kritisieren, daß nicht alle Unsicherheiten in der Zukunft quantitativ zu bestimmen sind.47 Im
Rahmen der Sensitivitätsanalyse sind jedoch nur quantitative Einflüsse erfaßbar, während
qualitative Faktoren vernachlässigt werden. Diesen beiden Kritikpunkten an der Sensitivitäts-
analyse trägt die Szenario-Analyse Rechnung, die im folgenden Abschnitt erläutert wird.
3.3.2. Szenario-Analyse
Den Begriff ,,Szenario" läßt sich definieren als eine
,,...Beschreibung der zukünftigen
Entwicklung (...) bei alternativen Rahmenbedingungen".48
Aus dieser Definition läßt sich
bereits eine grundlegende Eigenschaft der Szenario-Analyse ableiten: Traditionelle Prognose-
verfahren versuchen, ein einziges exaktes Bild von der Zukunft zu entwerfen. Die Szenario-
Analyse hingegen geht davon aus, daß eine exakte Prognose der Zukunft nicht möglich ist.
Statt dessen wird mit Hilfe der Szenario-Analyse bewußt versucht, mehrere
alternative
Zukunftsbilder
zu entwerfen, um somit Prognoseunsicherheiten angemessen zu berück-
sichtigen. Neben dieser zentralen Eigenschaft hat die Szenario-Analyse nach BEA/HAAS
noch folgende Merkmale:49
1) Die Szenario-Analyse hat einen
langfristigen Planungshorizont
.
2) Es wird davon ausgegangen, daß die Zukunft durch nicht vorhersehbare
Störereignisse
beeinflußt werden kann.
3) Der Entwicklung verschiedener Szenarien werden
alternative
,
aber
konsistente
Annahmebündel
zugrunde gelegt.
4) Nicht nur alternative Szenarien werden entworfen, sondern es werden auch die
Entwicklungspfade
gezeigt, die zu diesen Szenarien führen können.
5) Neben quantitativen Größen werden auch
qualitative Sachverhalte
in die Analyse
miteinbezogen.
Wie aus der
Abbildung 3
ersichtlich ist, werden der Szenario-Analyse in der Gegenwart
alternative Annahmebündel zugrundegelegt. Aus diesen alternativen Annahmebündeln lassen
sich unter Berücksichtigung möglicher Störereignisse dann in der Zukunft verschiedene
Szenarien ableiten. Dabei ist es üblich, mit Hilfe eines
Best Case Szenarios
und eines
Worst
Case
Szenarios
die Bandbreite der möglichen Ausprägungen in der Zukunft zu skizzieren.
Dem hingegen beschreibt ein
Trendszenario
einen Zukunftszustand unter stabilen Umfeld-
bedingungen, wie es zum Beispiel auch als Ergebnis einer quantitativen Exploration zu
erwarten ist.50
47 Bodenstein/Spiller 1998: 149.
48 Bea/Haas 1997: 264.
49 Bea/Haas 1997: 265.
50 Bodenstein/Spiller 1998: 86.
18
Best Case
Szenario
Trend-
szenario
Alternative
Annahmebündel
Worst Case
Szenario
t
Gegenwart
Störereignisse
Zukunft
Abbildung 3: Szenario-Analyse
(Quelle: Bea/Haas 1997: 266.)
4. DCF als zentrale Methode der Geschäftsplanungsrechnung
In dem Abschnitt 3.2.2. sind die Grundzüge der DCF bereits erläutert worden. Dabei scheint
die Berechnung eines DCF für ein Unternehmen eine methodisch einfache Aufgabe zu sein.
In der praktischen Anwendung zeigt sich jedoch, daß es bei der Ermittlung des DCF eine
Vielzahl von Operationalisierungsproblemen gibt.
Der Discounted Cash Flow eines Unternehmens ergibt sich dabei aus folgender Formel:
n
FCF
=
+
(1)
DCF
RW
t
=1
(1
+
WACC)n
Diese Berechnungsmethodik sowie die damit verbundenen Problemfelder werden in den
folgenden Ausführungen näher erläutert. Anschließend wird die DCF-Methode einer
kritischen Würdigung unterzogen.
4.1. Operationalisierungsprobleme der DCF-Methode
4.1.1. Ermittlung des Cash Flows
Die Prognose des Cash Flows ist eine der wichtigsten Aufgaben im Rahmen des DCF-
Analyse, da der Cash Flow die abzudiskontierenden Zahlungsströme darstellt, die einen
entscheidenden Einfluß auf die Höhe des DCF haben. Ein
Cash Flow
ist eine finanzielle
19
Stromgröße, die
angibt
, ,,welche finanziellen Mittel aus dem laufenden Umsatzprozeß zur
Bestreitung von Investitionsausgaben, Tilgungszahlungen und möglichen Gewinnaus-
schüttungen zur Verfügung gestanden haben"
.51
Wie in
Abbildung 4
dargestellt, kann die Ermittlung des Cash Flow grundsätzlich auf zwei
Wegen erfolgen:52 Nach der
direkten
Ermittlungsmethode
kann man den Cash Flow aus der
Differenz zwischen betrieblichen Einzahlungen und betrieblichen Auszahlungen bestimmen.
Diese Ermittlungsmethodik hat den Nachteil, daß man für die Berechnung des Cash Flows
interne Rechnungslegungsdaten des Unternehmens benötigt. Dies ist oft dann nicht der Fall,
wenn die DCF-Analyse unternehmensextern durchgeführt wird (z.B. durch Investmentbanken
oder Unternehmensberatungen). In diesem Fall bietet sich die
indirekte
Ermittlungsmethodik
an: Hierbei wird der ausgewiesene Bilanzüberschuß um die nicht zahlungswirksamen Bilanz-
positionen korrigiert. Dazu zählen insbesondere Abschreibungen sowie Nettoveränderungen
der Rückstellungen eines Unternehmens. Beide Methoden zur Ermittlung des Cash Flows
führen zu dem gleichen Ergebnis, das man als
Brutto Cash Flow
bezeichnet.53
Direkte Ermittlung des FCF
Indirekte Ermittlung des FCF
Betriebseinnahmen
Betriebsergebnis
./. Betriebsausgaben
+ Abschreibungen
+ Erhöhungen der Rückstellungen
= Brutto Cash Flow
./. Steuerzahlungen
./. Investitionen in das Anlagevermögen
./. Erhöhungen des Working Capital
= Free Cash Flow
Abbildung 4: Ermittlung des Free Cash Flow
(Quelle: In Anlehnung an Serfling/Pape 1996 :59.)
Vom Brutto Cash Flow werden im darauf folgenden Schritt Größen subtrahiert, die zur
Aufrechterhaltung der zukünftigen Unternehmenstätigkeit notwendig sind und deswegen
nicht zur Ausschüttung zur Verfügung stehen.54 Zu diesen Größen zählt man
51 Wöhe 1992: 879.
52 Hierzu und zum folgenden: Serfling/Pape 1996: 59-60.
53 Kirsch/Krause 1996:796 sowie Serfling/Pape 1996: 60.
54 Serfling/Pape 1996: 60.
20
Steuerzahlungen, Erhöhungen des Working Capitals55 sowie Investitionen in das Anlage-
vermögen.
Als Residualgröße drückt der
Free Cash Flow
aus, wieviel Finanzmittel einem Unternehmen
zur Bedienung von Eigenkapitalgebern und Fremdkapitalgebern zur Verfügung stehen. Damit
repräsentiert diese Größe den Wert des Unternehmens aus Sicht sämtlicher Kapitalgeber. Der
FCF ist diejenige Größe, die im Rahmen von DCF-Berechnungen in den meisten Fällen zur
Abbildung der zukünftigen Zahlungsströme eines Unternehmens benutzt wird.
4.1.2. Bestimmung des Restwertes
Im Rahmen der Prognose des Cash Flows geht man davon aus, daß die Prognoseunsicherheit
mit zunehmender Zeitdauer steigt.56 Deswegen wird bei der Cash Flow-Prognose zunächst
eine Planungsperiode festgelegt, für die man glaubt, eine valide Prognose der zukünftigen
Zahlungsströme durchzuführen zu können. Für diese Planungsperiode werden dann die Free
Cash Flows in der oben dargestellten Weise berechnet. Allerdings besitzt ein Unternehmen
auch nach Ende der Planungsperiode noch einen Wert, der durch den sogenannten
Restwert
(RW)57
ausgedrückt wird. Für die Ermittlung dieses Restwertes gibt es alternative
Berechnungsmöglichkeiten, die im folgenden erläutert werden:
Eine Möglichkeit zur Bestimmung des Restwerts ist die
Methode der ewigen Rente
.58 Diese
Berechnungsmethode geht implizit davon aus, daß nach Ende des Planungszeitraums ein
konstanter Cash Flow pro Periode erwirtschaftet wird. Unterstellt man diese Annahme, dann
läßt sich der barwertige Restwert einfach über die Formel einer ewigen Rente59 bestimmen.
Eine Variante dieser Vorgehensweise besteht darin, daß man nach der Planungsperiode keine
konstanten Cash Flows annimmt, sondern daß man statt dessen eine konstante Wachstumsrate
des Cash Flows pro Periode unterstellt.60
Alternativ zur Ermittlung der ewigen Rente wird häufig die
Methode des
long explicit forecast
zur Berechnung des Restwertes verwendet.61
Dabei wird
die betrachtete Planungsperiode, für
die die Cash Flows prognostiziert werden, so lange ausgedehnt, bis eine Veränderung des
Cash Flows in der zuletzt betrachteten Periode keine signifikanten Auswirkungen mehr auf
den Barwert des DCF in der Gegenwart hat.
Neben diesen beiden wichtigsten Methoden zur Ermittlung des Restwerts gibt es noch eine
Vielzahl anderer Möglichkeiten zur Bestimmung von Restwerten, die im Rahmen dieser
55 Das Working Capital (WC) gibt an, inwieweit das Umlaufvermögen die kurzfristigen Verbindlichkeiten
übersteigt. Eine Erhöhung des WC kann somit als Investition in das Umlaufvermögen eines Unternehmens
interpretiert werden. Brealey/Myers 1996:115.
56 Hinz/Behringer 2000: 25.
57 In der Literatur werden synonym auch die Begriffe ,,Residualwert" oder ,,Endwert" verwendet.
58 Bühner 1993: 227-228.
59 Nach der Formel der ewigen Rente ergibt sich der Restwert aus der Division des konstanten CF nach der
Planungsperiode durch den Diskontierungsfaktor k.
60 Herter 1994: 70-71.
61 Bühner 1993: 226-227.
21
Arbeit nicht erschöpfend erläutert werden können. Erwähnt sei an dieser Stelle lediglich die
Verwendung des
Liquiditätswertes
62 eines Unternehmens als Restwert am Ende der Planungs-
periode sowie die
Ermittlung eines zukünftigen Marktwertes
des Unternehmens
beispielsweise auf Basis von Kurs-Gewinn-Verhältnissen.63
4.1.3. Ableitung des Diskontierungsfaktors
Neben dem Cash Flow und dem Restwert kommt dem Zinssatz, der zur Diskontierung der
zukünftigen Zahlungsströme verwendet wird, eine entscheidende Bedeutung im Rahmen der
Bestimmung des DCF zu. Als Kalkulationszins werden dabei die unternehmensspezifischen
Kapitalkosten verwendet.64 Diese Kapitalkosten beziehen sich sowohl auf das Eigenkapital als
auch auf das Fremdkapital, da der bereits erläuterte Free Cash Flow die Ansprüche aller
Kapitalgeber umfaßt. Der Kalkulationszins wird berechnet nach dem
Weighted-Average Cost
of Capital-Ansatz (WACC). 65
Die Berechnung des WACC ergibt sich aus folgender Formel:66
FK
FK
(2)
WACC
=
k fk
×
+
kek
×
GK
GK
Analysiert man die obige Formel, so ist zu erkennen, daß der Fremdkapitalanteil des Unter-
nehmens mit einem unternehmensspezifischen Fremdkapitalkostensatz (kfk) multipliziert
wird, um die gewichteten Fremdkapitalkosten zu errechnen. In gleicher Weise ergeben sich
die gewichteten Eigenkapitalkosten, indem man den Anteil des Eigenkapitals am Gesamt-
kapital mit den unternehmensspezifischen Eigenkapitalkostensatz (kek) multipliziert. Diese
Vorgehensweise ermöglicht, daß man einen Diskontierungsfaktor erhält, der sowohl die
Kapitalstruktur als auch die spezifischen Kapitalkostensätze der Unternehmen differenziert
berücksichtigt.
Der
Fremdkapitalkostensatz kfk
kann durch einen gewichteten, durchschnittlichen Kostensatz
der verschiedenen Fremdkapitalarten berechnet werden.67 Dabei bietet es sich an, die
verschiedenen Fremdkapitalarten in Abhängigkeit von ihrer Fristigkeit mit unterschiedlichen
Zinssätzen zu bewerten.
Weit schwieriger als die Bestimmung des Fremdkapitalkostensatzes ist die Bestimmung des
Eigenkapitalkostensatzes
kek
. Für die Lösung dieses Problems greift man auf Erkenntnisse der
Kapitalmarkttheorie zurück, nämlich auf das sogenannte Capital Asset Pricing Model
(CAPM).68 Der Grundgedanke des
CAPM-Modells
besteht darin, daß die geforderte
62 Bischoff 1994: 115.
63 Serfling/Pape 1996: 60.
64 Serfling/Pape 1996: 60.
65 Vgl. Kapitel 3.2.2.
66 Brealey/Myers 1996: 458.
67 Herter 1994: 90-95.
68 Herter 1994: 95-111.
22
Verzinsung eines Wertpapiers (und damit auch anderer Formen von Eigenkapital) abhängig
ist vom Risiko des jeweiligen Wertpapiers. Das Risiko eines Wertpapiers wiederum wird
durch seine Volatilität bestimmt, die durch das Sensitivitätsmaß beschrieben wird. Diese
Größe wird dabei mit Hilfe vergangenheitsorientierter Kapitalmarktdaten69 ermittelt.
Die von einem Wertpapier erwartete Rendite läßt sich dabei im Rahmen einer Opportunitäts-
betrachtung als Eigenkapitalkosten interpretieren. Die Berechnung der Eigenkapitalkosten
ergibt sich dabei aus folgender Formel:70
(3)
k
=
r
+ ×
r
-
r
ek
f
(
m f
)
Der Ausdruck rf stellt einen risikolosen Zinssatz dar, mit dem beispielsweise Staatsanleihen
verzinst werden. Zusätzlich zu dieser risikolosen Verzinsung erhält der Besitzer eines
risikobehafteten Wertpapiers einen Risikozuschlag, der sich aus dem Sensitivitätsmaß sowie
der Differenz zwischen der Marktrendite risikobehafteter Anlage rm und dem risikolosen Zins
rf ergibt.71
4.2. Kritik an der DCF-Methode
Zu der Discounted Cash Flow-Methode sind in der betriebswirtschaftlichen Literatur einige
Kritikpunkte geäußert worden. Diese kritischen Betrachtungen lassen sich in drei Punkten
zusammenfassen:
Erstens wird kritisiert, daß die DCF-Methode eine Form der Unternehmensbewertung ist, die
auf zukünftigen Größen basiert und daher unvermeidlich mit
Prognoseunsicherheiten
verbunden ist.72 Dieses Problem ist bereits in Abschnitt 3.3. angesprochen worden. Die
Instrumente zur Berücksichtigung von Prognoseunsicherheiten (Sensitivitätsanalyse und
Szenario-Analyse), die in der Praxis oft in Verbindung mit der DCF-Methode verwendet
werden, können die Planungsträger zwar für diese Problematik sensibilisieren, jedoch ist
damit das Problem der Prognoseunsicherheit nicht gelöst.
Des weiteren wird kritisiert, daß
unterschiedliche
Kapitalstrukturen
von Unternehmen die
Höhe des FCF und somit auch den DCF entscheidend beeinflussen können.73 Diese Tatsache
ist damit zu begründen, daß Zinszahlungen für Kredite steuerlich abgesetzt werden können.
So kann also ein stark fremdfinanziertes Unternehmen seine Steuerzahlungen vermindern und
damit den FCF erhöhen, während ein primär eigenkapitalfinanziertes Untenehmen ceteris
paribus einen niedrigeren FCF ausweist.
69 Zur Berechnung des -Faktors wird verwiesen auf: Copeland/Weston 1992:198-203.
70 Serfling/Pape 1996: 61.
71 Für eine ausführliche Darstellung des CAPM-Modells im Zusammenhang mit der Bestimmung der
Eigenkapitalkosten sei verwiesen auf Serfling/Marx 1990a: 364-369 und Serfling/Marx 1990b:425-429.
72 Serfling/Pape 1996: 63.
73 Kirsch/Krause 1996: 795-798.
23
Der letzte Kritikpunkt bezieht sich auf die
Ermittlung des Eigenkapitalkostensatzes:
74 So wird
kritisiert, daß eine Ermittlung des -Faktors auf Basis von vergangenheitsorientierten Kapital-
marktdaten börsennotierter Kapitalgesellschaften voraussetzt. Für Personengesellschaften,
Kapitalgesellschaften in privater Hand sowie geschäftsfeldbezogene -Faktoren ist eine
Ermittlung zwar möglich, aber dies ist mit erheblichen methodischen Schwierigkeiten
verbunden.
5. Geschäftsplanungsrechnung im UMTS-Markt
5.1. Technische Grundlagen von UMTS-Mobilfunknetzen
Traditionelle GSM-Mobilfunknetze75 sind dadurch gekennzeichnet, daß aufgrund der
geringen Datenübertragungsrate von maximal 9,6 Kbits pro Sekunde in erster Linie eine
Übertragung von Sprache ermöglicht wird.76 Mit Hilfe der
WAP-Technologie
ist bereits heute
ein mobiler Zugang ins Internet möglich, aber aufgrund der langsamen Datenübertragung ist
diese Technologie noch wenig ausgereift und hat sich bisher in Deutschland noch nicht als
Massenapplikation durchgesetzt.77
UMTS-Mobilfunknetze dagegen zeichnen sich dadurch aus, daß sie im Vergleich zu
traditionellen Mobilfunktechniken sehr viel höhere Datenübertragungsraten erlauben. Der
Begriff
UMTS
steht dabei als Abkürzung für die Bezeichnung
Universal Mobile
Telecommunications System.78
Theoretisch sind bei UMTS-Netzen Zugangsgeschwin-
digkeiten von bis zu 2 Mbit pro Sekunde möglich, praktisch werden jedoch lediglich
Übertragungsraten von 384 Kbits pro Sekunde erreicht.79 Dies entspricht im Vergleich zu
GSM-Mobilfunknetzen aber immer noch einer 40fachen Steigerung der Übertragungsraten.
Dieser Technologiesprung ermöglicht für die Netzbetreiber von UMTS-Mobilfunknetzen eine
Vielzahl von neuen Anwendungen. Im Gegensatz zu den traditionellen Mobilfunktechniken
wird es neben der Vermittlung von Sprache auch möglich sein, Bilder, Videos, Musikdateien,
Grafiken und andere Breitbandinformationen über UMTS-Endgeräte zu übertragen.80 Alle
diese Anwendungsmöglichkeiten bieten einerseits für die Betreiber von UMTS-Netzen
große
Umsatz- und Ertragspotentiale
, aber andererseits ist der zukünftige UMTS-Markt durch eine
hohe Unsicherheit gekennzeichnet, welche Anwendungen sich bei den Mobilfunkkunden
wirklich durchsetzen werden.
74 Ballwieser 1993: 167.
75 Der Ausdruck GSM steht für ,,Global System for Mobile Communications"
76 West LB Panmure 2000a: 164.
77 Peitsmeier 2000: 22.
78 Oftmals wird synonym auch die Bezeichnung ,,Mobilfunk der 3. Generation" verwendet.
79 DG Bank 2000: 12.
80 UMTS-Forum 2000a: 2.
24
Noch befindet sich die UMTS-Technologie in der
Entwicklungsphase
. Mit der Einführung
von UMTS-basierten Mobilfunknetzen in Europa rechnet man frühestens im Jahr 2001.81
Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung C-QUENTIAL glaubt die Mehrheit der
Fachleute in der Telekommunikationsbranche allerdings, daß UMTS als Standardtechnologie
im Mobilfunk erst im Jahre 2005 den Durchbruch erzielen wird.82 Eine Schlüsselrolle im
Zusammenhang mit der Diffusion der UMTS-Technologie spielt dabei die Frage, ob die
Anbieter von Mobilfunkinfrastruktur sowie die Endgerätehersteller in der Lage sein werden,
in ausreichendem Maße die notwendigen Produktionsvolumina zu realisieren.83
Eine Zwischenstufe auf dem Weg zu einem umfassenden UMTS-Netz wird die
GPRS-
Technologie
bilden. GPRS steht für
General Packet Radio Service
und ist eine
packetvermittelte Übertragungstechnologie, die bis zu 115 Kbits pro Sekunde Datenüber-
tragungsrate ermöglicht.84 Man geht davon aus, daß es ab Frühjahr 2001 möglich sein wird,
mit GPRS-Mobilfunkgeräten zu telefonieren.85
5.2. Der UMTS-Markt in Deutschland
Deutschland stellt innerhalb Europas einen der attraktivsten Märkte für UMTS-Netzbetreiber
dar. Marktforscher haben berechnet, daß bis Ende des Jahres 2000 50 Millionen Teilnehmer
mit GSM-Mobilfunkgeräten telefonieren werden.86 Es ist zu vermuten, daß langfristig die
Mehrzahl aller heutigen GSM-Kunden zu UMTS-Diensten wechseln werden, wenn nutzer-
gerechte und kostengünstige Dienstleistungen in den UMTS-Service integriert werden.
ERICSSON CONSULTING prognostiziert in diesem Zusammenhang, daß spätestens im Jahr
2017 alle GSM-Kunden auf UMTS-Mobilfunk wechseln werden.87 Geht man davon aus, daß
der durchschnittliche Umsatz pro Kunde im Vergleich zu GSM-Netzen wegen der Vielzahl
von zusätzlich angebotenen Dienstleistungen steigen wird, so läßt sich erahnen, was für ein
großes Marktpotential
der UMTS-Markt in Deutschland besitzt.
Für den Betrieb von UMTS-Mobilfunknetzen benötigen die Netzbetreiber in den einzelnen
Ländern Lizenzen, die von den jeweiligen staatlichen Institutionen vergeben werden. Bei der
UMTS-Lizenzsierung haben sich dabei drei unterschiedliche
Typen von Vergabeverfahren
herauskristallisiert, die in den verschiedenen europäischen Ländern angewandt werden:88 Eine
Form der Lizenzvergabe stellt der sogenannte
Beauty Contest
dar. Im Rahmen eines solchen
Verfahrens wählen die staatlichen Institutionen die Bewerber für eine Lizenz aus, die aus
Sicht der Lizenzierungsbehörde anhand bestimmter vordefinierter Kriterien in der Lage sind,
81 UMTS-Forum 2000b:1.
82 C-Quential 2000:5.
83 O.V. 2000b: 30.
84 DG Bank 2000: 21.
85 DG Bank 2000: 6.
86 Berke 2000a: 58-59.
87 Ericsson Consulting 2000: 66.
88 Ericsson Consulting 2000: 21.
25
einen optimalen Service anzubieten. Im Gegensatz dazu werden im Rahmen eines
Auktionsverfahrens
die Lizenzen an diejenigen Bewerber vergeben, die die höchsten Gebote
abgeben. Eine dritte Form der Lizenzvergabe stellen die
hybriden Verfahren
dar, bei denen
die Bewerber sich erst in einem Beauty Contest für eine Teilnahme an der nachfolgenden
Auktion qualifizieren müssen.
In Deutschland sind von der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation im
Juli/August diesen Jahres die UMTS-Lizenzen in einem Auktionsverfahren vergeben worden.
Bei den Konsortien, die in Deutschland für eine UMTS-Lizenz im Rahmen der Auktion
gesteigert haben, lassen sich grundsätzlich drei
strategische Gruppen
89 unterscheiden:
Die erste Gruppe bilden die bisherigen GSM-Netzbetreiber. Für diese Untenehmen war die
Ersteigerung einer UMTS-Lizenz ein Muß, da ansonsten deren vorhandene Kundenbasis
deutlich an Wert verloren hätte.90 Eine zweite strategische Gruppe sind die Konsortien, die
schon auf dem deutschen Markt als Serviceprovider tätig waren, ohne dabei ein eigenes
GSM-Netz zu unterhalten. Als dritte Gruppe sind schließlich diejenigen Unternehmen zu
nennen, die zuvor in Deutschland noch gar nicht vertreten waren. Diese Systematisierung der
Bewerber für UMTS-Lizenzen in Deutschland ist in
Abbildung 5
zu sehen:
Deutsche Telekom
Ja
Mannesmann /Vodafone
Viag Interkom/British
Telecom
E-Plus/Hutchinson
GSM
Quelle: Eigene Darstellung
Netzbetreiber
Mobilcom/France
3G Group
Telecom
Nein
(Telefonica/Sonera)
Debitel/Swisscom
Nein
Kundenstamm in Deutschland
Ja
Abbildung 5: Strategische Gruppen der UMTS-Bewerber in Deutschland
Quelle: Eigene Darstellung
89 Eine strategische Gruppe in einem Markt ist eine Mehrzahl von Unternehmen, die sich in bezug auf bestimmte
strategische Dimensionen gleichen. Welge/Al Laham 1999: 222-223.
90 West LB Panmure 2000a: 40.
26
Als Ergebnis der Auktion in Deutschland sind
sechs Lizenzen
an die folgenden Konsortien
vergeben worden:91
1) Deutsche Telekom
2) Mannesmann / Vodafone
3) E-Plus / KPN
4) Viag Interkom / British Telekom
5) Mobilcom /France Telekom
6) 3G Group (Telefonica/Sonera)
Insgesamt mußten die Teilnehmer an dieser Auktion für die Lizenzen eine Gesamtsumme
vom 50,411 Mrd. Euro zahlen.92 Pro Unternehmen ergeben sich Lizenzkosten zwischen 8,408
Mrd. Euro und 8,427 Mrd. Euro. Angesichts dieser Summen ergibt sich die Frage, ob das
hohe UMTS-Marktpotential aus betriebswirtschaftlicher Sicht solche Beträge für die Lizenzen
rechtfertigt. Auf diese Fragestellungen versuchen die in Kapitel 6 vorgestellten Studien
Antwort zu geben.
5.3. Einflußfaktoren auf UMTS-Geschäftsplanungsrechnungen
Im nun folgenden Abschnitt wird untersucht, welche Informationen nötig sind, um für den
UMTS-Markt Geschäftsplanungsrechnungen durchzuführen. Dies sind einerseits Erträge, die
sich aus den verschiedenen UMTS-Diensten ergeben, und im Rahmen einer DCF-Analyse
beziehungsweise einer Cash-Flow-basierten Break-Even-Analyse zu Einzahlungen transfor-
miert werden. Auf der anderen Seite ergeben sich für UMTS-Netzbetreiber Kosten, die man
durch Addition der nicht zahlungswirksamen Aufwandsgrößen zu Auszahlungen umrechnen
kann, um die Informationen im Rahmen von Geschäftsplanungsrechnungen verwerten zu
können.
Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Vorgehensweisen für die Prognose von
Einzahlungsgrößen und Auszahlungsgrößen bei Geschäftsplanungen. Im Rahmen eines
Top-
Down-Ansatzes
geht man von einer übergeordneten Größe aus, die dann in Teilgrößen zerlegt
wird, um so zu Einzahlungs-/Auszahlungsgrößen eines Unternehmens zu gelangen. So könnte
man beispielsweise für den UMTS-Markt zunächst ein zukünftiges Marktvolumen schätzen,
um dann über eine prognostizierte Marktanteilsverteilung die zukünftigen Einzahlungen eines
Unternehmens abzuschätzen.
Dem gegenüber setzt ein
Bottom-Up-Ansatz
zunächst an Teilgrößen an, durch deren
Aggregation schließlich die Einzahlungen/Auszahlungen ermittelt werden. Bezogen auf
UMTS könnte man zum Beispiel den durchschnittlichen Umatz pro Kunde (Average Revenue
91 West LB Panmure 2000c:9.
92 RegTP 2000:1.
27
per UserARPU) ermitteln und durch eine prognostizierte Kundenzahl des betrachteten
Unternehmens die Einzahlungen berechnen.
5.3.1. Ertragspotentiale von UMTS-Netzbetreibern
Momentan besteht in der Telekommunikationsbranche große Unsicherheit darüber, welche
Umsatzquellen sich in Zukunft im UMTS-Markt für die Netzbetreiber ergeben werden.93
Einigkeit herrscht unter Fachleuten momentan lediglich darüber, daß der Erlösanteil für die
Übertragung von Sprache zurückgehen wird zugunsten von Erlösen aus neuartigen UMTS-
Anwendungen.94 Ein entscheidendes Merkmal von UMTS-Anwendungen in der Zukunft wird
dabei sein, daß die Applikationen auf die persönlichen Bedürfnisse der Konsumenten
abgestimmt sind.95 Nach einer Darstellung der WEST LB PANMURE kann man mögliche
UMTS-Umsatzquellen systematisieren in Daten-Umsätze, Lifestyle-Umsätze und M-
Commerce-Umsätze.96 Dieser Systematisierungsansatz wird im folgenden näher erläutert:
Daten-Umsätze
beziehen sich neben der Übertragung von Sprache auch auf schon heute
mögliche Applikationen wie SMS oder E-Mail. Darüber hinaus wird es in einer sehr viel
benutzerfreundlicheren Weise möglich, mit dem UMTS-Endgerät das Internet zu nutzen.
Dadurch können Umsätze generiert werden, die beispielsweise aus der Abfrage von
Nachrichten, Aktienkursen oder Wetterinformationen stammen. Es wird allgemein davon
ausgegangen, daß die veränderten Anwendungsmöglichkeiten von UMTS sich auch auf den
Abrechnungsmodus im Mobilfunkmarkt auswirken werden: So erwartet die Mehrzahl der
Fachleute in der Telekommunikationsbranche, daß eine UMTS-Kundenrechnung in der
Zukunft eine Flat Fee für Sprachübertragung sowie einen vom Datenübertragungsvolumen
abhängigen variablen Teil enthalten wird.97
Lifestyle-Umsätze
sind Ertragsquellen, die UMTS-Netzbetreiber aus Mobilfunkapplika-
tionen erzielen, die sich auf den Freizeitbereich von UMTS-Kunden beziehen.98 Zu solchen
Anwendungen gehören beispielweise mobile Spiele, mobiles Glücksspiel oder die Nutzung
eines UMTS-Mobilfunkgerätes als Gerät zum Abspielen von digitalen Musikdateien.
Die letzte Kategorie von möglichen Umsatzquellen sind nach dem Systematisierungsansatz
der WEST LB PANMURE
M-Commerce-Umsätze
. Dabei sind unter dem Begriff M-
Commerce alle Transaktionen zu verstehen, die von einem mobilen Endgerät initiiert
werden.99 Dies umfaßt einerseits Produkte und Dienstleistungen, die UMTS-User über ihr
Mobilfunkgerät kaufen, und für die die Netzbetreiber Umsatzprovisionen von den Online-
93 KPMG 2000: 1.
94 West LB Panmure 2000a: 54.
95 KPMG UK 2000a: 1.
96 West LB Panmure 2000a: 50.
97 C-Quential 2000: 21-22.
98 West LB Panmure 2000a: 64.
99 West LB Panmure 2000a: 56.
28
Shops verlangen können, aber auch Erlöse aus finanzdienstleistungsbezogenen Transaktionen,
Werbung oder mobilfunkbasierten Auktionen. Die Bedeutung des M-Commerce ist
momentan noch als sehr gering einzuschätzen, aber für diesen Bereich werden sehr große
Steigerungsraten erwartet, so daß für die Zukunft ein M-Commerce-Marktvolumen von 23
Milliarden Euro prognostiziert wird.100
Die prognostizierten Umsätze pro Kunde insgesamt
(ARPU)
schwanken in den verschiedenen
Studien wegen der bereits angesprochenen Unsicherheit in bezug auf mögliche UMTS-
Anwendungen sehr stark. So gibt es Studien, die bei den Geschäftsplanungsrechnungen von
einem monatlichen ARPU von 28,5 bis 47 Euro ausgehen,101 während andere Unter-
suchungen einen ARPU von bis zu 84 Euro für möglich halten.102
5.3.2. Kosten von UMTS-Netzbetreibern
Den zahlreichen Ertragspotentialen von UMTS-Anwendungen stehen Kosten gegenüber, die
entscheidend bestimmen, ob Aufbau und Betrieb eines UMTS-Netzes für Netzbetreiber eine
rentable Investition darstellen.
Den größten Kostenblock im Rahmen der Gesamtkosten eines UMTS-Netzes machen
zweifelsohne die
Lizenzkosten
aus, die bereits in Abschnitt 5.2. erwähnt worden sind.
Besondere Bedeutung kommt diesen Kosten auch zu, weil sie bereits vor Inbetriebnahme der
Netze anfallen, während Erträge frühestens ab dem Jahr 2001 erwirtschaftet werden. Das
UMTS-Forum, eine Institution, die stark von den Interessen der Netzbetreiber dominiert ist,
warnt in diesem Zusammenhang davor, daß hohe, durch Auktionen verursachte Lizenzkosten
eine schnelle Diffusion der UMTS-Technologie verhindern könnten.103
Eine weitere wichtige Kostenposition im Rahmen der Geschäftsplanungsrechnung von
UMTS-Netzbetreibern sind die
Kosten für den Netzaufbau
. Entscheidend für die Kosten des
Netzaufbaus sind die Anzahl der Basisstationen, die für den Aufbau des Netzes benötigt
werden.104 Die Anzahl der Basisstationen wiederum werden einerseits bestimmt durch die
Auflagen der Regulierungsbehörden bezüglich der Netzabdeckung sowie anderseits durch die
gewünschte Leistungsfähigkeit des Netzes. In bezug auf die Kosten des Netzaufbaus haben
die GSM-Netzbetreiber einen strategischen Vorteil, weil diese die vorhandenen Basis-
stationen lediglich technisch aufrüsten müssen, während Neueinsteiger in den deutschen
Mobilfunkmarkt das gesamte Netz neu aufzubauen haben.
Neben diesen
Anfangsinvestitionen
müssen im Rahmen von Geschäftsplanungsrechnungen
auch noch die
Kosten des laufenden Betriebs
berücksichtigt werden. Dies umfaßt beispiels-
100 KPMG 2000b: 1.
101 MSM Consulting 2000: 1.
102 West LB Panmure 2000a: 165.
103 UMTS-Forum 2000c: 5.
104 KPMG UK 2000c: 5.
29
weise die Kosten für die
Teilnehmerakquisition
oder
Steuerzahlungen
.105 Eine weitere
Kostenart, die ebenfalls dem laufenden Betrieb zuzurechnen ist, sind die
Hardware-
subventionen
.106 Schon bei den heutigen GSM-Netzen ist eine verdeckte Subvention von
Mobilfunkendgeräten die Regel, um die Konsumenten zum Abschluß eines Nutzungs-
vertrages zu bringen. Die neuen UMTS-Mobilfunkgeräte dürften wegen der Vielzahl
zusätzlicher Funktionen deutlich teurer sein als traditionelle GSM-Geräte, weswegen vermut-
lich auch die Hardwaresubventionen durch die Netzbetreiber weiter ansteigen werden, die
somit eine schnelle Diffusion der UMTS-Technologie fördern.
Der letzte Kostenblock, der im Rahmen von Geschäftsplanungen berücksichtig werden muß,
sind
Kosten für die Bereitstellung von Inhalten
. Anders als in GSM-Netzen, in denen die
Vermittlung von Sprache dominiert, sind bei UMTS Inhalte von entscheidender Bedeutung.107
Während einige UMTS-Netzbetreiber bedingt durch ihre bisherige Geschäftstätigkeit bereits
über viele Inhalte verfügen,108 müssen andere Netzbetreiber diese Inhalte extern zukaufen.
Deutlich wird die veränderte Wichtigkeit von Inhalten durch den Satz
,,Content is king"
,der
in der Brache in diesem Zusammenhang zum geflügelten Wort geworden ist. Andere
Experten sind allerdings der Meinung, daß im Mobilfunk der 3. Generation nicht der Inhalt
selber, sondern die Vermittlung des Inhalts an den Kunden entscheidend sei. Deutlich wird
dies in dem Satz
,,Content is king, but distribution of content is king kong".109
6. Anwendungsbeispiele für UMTS-Geschäftsplanungsrechnungen
6.1. Studie von MSM Consulting
Eine Untersuchung, die hier exemplarisch für Geschäftsplanungsrechnungen angeführt wird,
ist eine Studie der Unternehmensberatung MSM Consulting.110 Es handelt sich bei dieser
Untersuchung um eine Break-Even-Analyse, jedoch nicht mit Bezug auf Cash Flows wie bei
einer klassischen Amortisationsrechnung, sondern auf Basis von Deckungsbeiträgen. Im
Rahmen dieser Untersuchung wird nicht unterschieden zwischen den verschiedenen
strategischen Gruppen im UMTS-Markt, die in Kapitel 5.2. dargestellt worden sind. Statt
dessen werden in verschie- denen Formen die Szenario-Technik angewandt. Zunächst werden
in bezug auf die zu erwartenden Nutzungsentgelte aus den UMTS-Diensten unterschiedliche
Szenarien ver- wendet: In einem Worst Case Szenario wird ein monatlicher Erlös pro Kunde
von 28,5 Euro angenommen, während bei einem Best Case Szenario von einem ARPU von 47
Euro ausgegangen wird. Weiterhin wird mit Anfangsinvestitionen (Lizenzkosten und
105 DG Bank 2000: 46.
106 Zöttl 2000: 80.
107 Psotta 2000: 22.
108 So ist beispielsweise das spanische Telekommunikationsunternehmen Telefonica durch die Übernahme des
niederländischen Unternehmens Endemol auch zu einem Inhalteanbieter geworden.
109 Ericsson Consulting 2000: 4.
110 Hierzu und zum folgenden: MSM Consulting 2000: 1-4.
30
Netzaufbau) von 12,7 Mrd. Euro sowie von nicht näher erläuterten111 sonstigen Kosten
ausgegangen. Für den Best Case wiederum werden unterschiedliche Marktanteile unterstellt,
mit deren Hilfe dann die Zeitpunkte errechnet wurden, bei denen der kumulierte
Deckungsbeitrag positiv wird.
Als Ergebnis läßt sich festhalten, daß nach der Analyse der MSM Consulting im Best Case
lediglich Marktteilnehmer mit mindestens 25% Marktanteil überhaupt den Break-Even-Punkt
erreichen. Für den Worst Case wurde errechnet, daß selbst ein UMTS-Anbieter mit 20%
Marktanteil niemals mehr einen positiven kumulierten Deckungsbeitrag erreichen kann.112
Angesichts der Dominanz von Mannesmann D2 und T-Mobil auf dem deutschen GSM-Markt
steht nach Ansicht von MSM Consulting hinter der Rentabilität der UMTS-Investitionen für
die anderen vier Lizenzinhaber ein großes Fragezeichen.
6.2. Studie der DG Bank
Bei der UMTS-Studie der DG Bank handelt es sich um eine klassische DCF-Analyse. Im
Gegensatz zu der Untersuchung von MSM Consulting werden die strategischen
Ausgangspositionen der UMTS-Anbieter berücksichtigt, wobei lediglich der DCF für einen
GSM-Netzbetreiber berechnet wird.113 Auffällig ist, daß im Rahmen dieser Untersuchung
weder die Szenario-Technik noch eine Sensitivitätsanalyse angewendet werden, so daß die
prognostizierten Cash Flows in dieser Studie vereinfachend als sichere Erwartungen
angesehen werden.
Die DG Bank prognostiziert einen ARPU pro Monat und Kunde von 41,2 Euro für das Jahr
2002, der sich bis zum Ende des Planungszeitraumes 2011 bis auf 56,7 Euro erhöht. Als
Anfangsinvestitionen werden lediglich die Kosten des Netzaufbaus berücksichtigt, um so den
resultierenden DCF als maximalen Lizenzpreis interpretieren zu können. Als laufende Kosten
sind Teilnehmerakquisitionskosten, Steuerzahlungen sowie sonstige Kosten berücksichtigt
worden. Die Free Cash Flows in dieser Studie werden explizit prognostiziert für die Jahre
2000 bis 2011, wobei als Restwert ein Betrag von 11,205 Mrd. Euro miteinbezogen wird,
dessen Berechnung jedoch nicht näher erläutert wird.114 Zur Abdiskontierung der zukünftigen
Zahlungsströme wird ein WACC von 11% verwendet, wobei eine analytische Herleitung
dieses Zinssatzes nicht erfolgt.
Als Ergebnis dieser Studie läßt sich festhalten, daß sich aus den oben genannten Daten ein
DCF von 3,0 Mrd. Euro errechnet. Nach Ansicht der DG Bank ist also das UMTS-Geschäft
für die GSM-Netzbetetreiber eine nachteilige Investition, da die Lizenzkosten bei allen
UMTS-Anbietern über diesen 3,0 Mrd Euro liegen.115
111 Die Studie liegt nur auszugsweise vor. Deswegen können einige Daten nicht näher beziffert werden.
112 Berke 2000b:78.
113 DG Bank 2000:41.
114 Hierzu und zum folgenden: DG Bank 2000: 46-47.
115 Vgl. Kapitel 5.2.
31
6.3. Studie der West LB Panmure
Ähnlich wie die bei der Untersuchung der DG Bank ist im Rahmen der Studie der West LB
Panmure die in Kapitel 4 ausführlich erläuterte DCF-Methode angewandt worden. Allerdings
ist diese Studie erheblich aufwendiger als die DG Bank-Studie. So werden für alle drei
verschiedenen strategischen Gruppen getrennte DCF-Analysen durchgeführt. Außerdem wird
danach differenziert, wie viele Anbieter eine Lizenz erhalten.116 Darüber hinaus wird mit drei
verschiedenen Szenarien (Banking Case, Base Case, Upside Case) gearbeitet, um unterschied-
liche Zukunftsausprägungen in bezug auf ARPU oder Penetrationsrate zu berücksichtigen.
Was diese Studie von vielen anderen unterscheidet, ist, daß darüber hinaus innerhalb der
einzelnen Szenarios für verschiedene strategische Gruppen detaillierte Sensitivitätsanalysen
durchgeführt werden. Dabei werden systematisch einzelne Größen wie ARPU oder Markt-
anteil variiert, um deren Auswirkungen auf den DCF zu zeigen. 117
Im bezug auf die Erlöse der UMTS-Netzbetreiber werden im Rahmen der West LB
Panumure-Untersuchung abhängig von dem angenommenen Szenario ein ARPU von
monatlich zwischen 56 Euro und 84 Euro für das Jahr 2011 zugrundegelegt, während man im
Jahr 2003 einen ARPU von 49 Euro erwartet.118 Auf die Kostenseite wird bei der Studie der
West LB weit weniger intensiv eingegangen als auf die Erlösseite. Aus der Studie sind
lediglich Differenzierungen bezüglich der Netzaufbaukosten erkennbar, die sich darauf
beziehen, ob ein Anbieter bereits über ein GSM-Netz verfügt oder nicht. Die laufenden
Kosten werden einbezogen über die Verwendung einer EBITDA-Marge,119 die hergeleitet
wurde aus der historischen Entwicklung der EBITDA-Margen von GSM-Netzbetreibern in
Europa.120 Die Free Cash Flows in dieser Studie werden explizit prognostiziert für die Jahre
2001 bis 2012. Dabei wird bei der Berechnung des Restwerts unterstellt, daß der FCF nach
der Planungsperiode mit einer konstanten Rate von 5% wächst. Bezüglich des WACC sind
die Angaben in der Studie eher unklar. Es wird explizit ein von 1,5 erwähnt,121 allerdings
unterbleibt eine analytische Herleitung von Fremdkapitalkostensatz und Eigenkapitalkosten-
satz. Insgesamt wird für die Studie ein WACC von 8,01 % verwendet.
Als Ergebnis der Studie läßt sich festhalten, daß ein sehr viel höherer DCF errechnet worden
sind als in der DG Bank-Studie. So ergibt sich als Kapitalwert für einen GSM-Netzbetreiber
im Base Case einen DCF zwischen 13,2 Mrd. Euro und 22,7 Mrd. Euro.122 Für die Konsortien
116 West LB Panmure 2000a: 82-84.
117 West LB Panmure 2000a: 86-88.
118 West LB Panmure 2000a: 89.
119 EBITDA steht für Earnings before Interests, Taxes and Depreciation
120 West LB Panmure 2000a: 92.
121 Die West LB Panmure geht folglich für den UMTS-Markt von einer höheren Volatilität als für den
Gesamtmarkt aus, da der -Faktor größer als 1 ist.
122 Hierbei wird differenziert zwischen den GSM-Marktführern T-Mobil und Mannesmann/Vodafone einerseits
sowie den kleineren Marktteilnehmern E-Plus/KPN und Viag Interkom/British Telekom andererseits. West
LB Panmure 2000a: 83.
32
3G und Mobilcom/France Telecom sieht die Studie die Gefahr eines negativen DCF aus dem
UMTS-Geschäft.
7. Fazit
Die Ausführungen in dieser Arbeit haben gezeigt, daß die Methoden der Geschäftsplanungs-
rechnung ein
wichtiges Instrument
sein können, um zukünftige Chancen und Risiken eines
Unternehmens quantitativ abzubilden. Insbesondere in Märkten, die wie der UMTS-Mobil-
funkmarkt durch eine hohe Unsicherheit gekennzeichnet sind, können die Methoden der
Geschäftsplanungsrechnung den Entscheidungsträgern im Unternehmen wichtige Hinweise in
bezug auf den ökonomischen Wert strategischer Optionen geben. Allerdings sind die in dieser
Arbeit diskutierten Methoden auch kritisch zu sehen: Die Beispiele in Kapitel 6 haben
gezeigt, zu was für unterschiedlichen Ergebnissen verschiedene Studien in bezug auf die
Bewertung eines Marktes kommen können. So beziffert die DG Bank den DCF einer UMTS-
Lizenz für GSM-Netzbetreiber mit 3 Mrd. Euro, während die West LB Panmure in ihrer
Studie für den selben Untersuchungsgegenstand einen DCF zwischen 13,7 Mrd. Euro und
22,7 Mrd Euro errechnet. Man sieht also, daß die Geschäftsplanungsrechnung kein
unfehlbares Entscheidungskriterium in bezug auf die Bewertung strategischer Optionen ist,
sondern daß die Ermittlung eines quantitativen Wertes von Strategien lediglich eine
Scheinobjektivität
vortäuscht. Die Gründe für die unterschiedlichen Ergebnisse lassen sich
erkennen, wenn man die den Untersuchungen zugrundegelegten Annahmen genauer
analysiert: Beim Vergleich der oben genannten Studien erkennt man, daß sich bei der
Verwendung vieler Parametern der DCF-Analyse wie zum Beispiel dem Restwert, dem
Prognosezeitraum, dem WACC sowie dem ARPU deutliche Unterschiede in den verschied-
enen Studien zeigen, die eine direkte Auswirkung auf die Höhe des DCF haben. Vor diesem
Hintergrund muß darauf hingewiesen werden, daß Geschäftsplanungsrechnungen auch in
manipulativer
Weise
benutzt werden können. So ist es beispielsweise denkbar, daß unter-
nehmensintern die Größen in den Geschäftsplanungsrechnungen so lange variiert werden, bis
eine bestimmte strategische Option durch ein entsprechendes Ergebnis argumentativ unter-
stützt wird. Diese Manipulationsmöglichkeiten müssen stets berücksichtigt werden, wenn
man die Ergebnisse von Geschäftsplanungsrechnungen analysiert.
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