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Der Neandertaler

Referat / Schulaufsatz, 2001, 9 Seiten
Autor: Alexandra Heindl
Fach: Biologie - Evolution

Details

Institution/Hochschule: Fachoberschule
Tags: Neandertaler
Kategorie: Referat / Schulaufsatz
Jahr: 2001
Seiten: 9
Note: 1
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V101956
ISBN (E-Book): 978-3-640-00358-7

Dateigröße: 105 KB
Anmerkungen :
Eine Ausarbeitung über den Fund, die Zusammenhänge in der Evolutionsgeschichte des Menschen und sein Leben



Volltext (computergeneriert)

1

Der Neandertaler

1. Die Entdeckung 2

1.1. Zeitdiagramm 2

1.2. Einstufung 3

2. Der menschliche Stammbaum

Verlauf der menschlichen Evolution

2.1. Homo erectus 3

2.2. Neandertaler 3

2.3. Cro-Magnon-Mensch 4

2.4. Homo sapiens sapiens 4

3. Merkmale der Entwicklung

3.1. Das Gehirn 4

3.2. Die Sprache 5

4. Das Leben der Neandertaler

4.1. Zusammenleben 5

4.2. Nahrungsbeschaffung 5

4.3. Werkzeuge 5

4.4. Begräbnisriten 6

5. Das Verschwinden der Neandertaler

Wissenschaftliche Theorien 7

6. Heutige Forschungsergebnisse 8


2

1. Die Entdeckung

Homo sapiens neandertalensis

Der Neandertaler hätte kaum in einem ungeeigneteren Zeitpunkt entdeckt werden

können als im Jahre 1856, als die Gesellschaft des neunzehnten Jahrhunderts

jeder Andeutung, der Mensch könnte dem Tierreich entstammen, aufs heftigste

entgegentrat. Seine Knochenreste wurden in einem kleinen Steinbruch in einer

Höhle unweit von Düsseldorf ausgegraben. Der Fundort war nach dem Dichter

und Rektor der Düsseldorfer Lateinschule Joachim Neander benannt, das kleine

Neandertal, dieses gab dem Neandertaler seinen Namen. Leider waren Knochen

nichts, was diese Steinbrucharbeiter hätte beeindrucken können, so dass alles

mögliche, vielleicht sogar ein komplettes Skelett, verlorenging. Glücklicherweise

wurden das Schädeldach, einige Rippen, ein Teil des Beckens und einige Glied-

maßenknochen gerettet, und der Steinbruchbesitzer brachte sie zu dem dortigen

Naturforscher Johann Carl Fuhlrott, um zu sehen, ob dieser etwas dazu sagen

könne.

Fuhlrott erkannte, dass es sich um menschliche Knochen handelte, und gelangte

zu der Auffassung, dass das dicke niedrige Schädeldach, die vorspringende Au-

genbrauenwülste und die kurzen, gekrümmten Gliedmaßen auf ein vorzeitliches

Individuum hindeuteten. Er vertrat die Ansicht, dass der Neandertaler zu den ,,äl-

testen Menschenrassen" gehörte. Bei ,,alt" dachte er an einen Zeitraum von ein

paar tausend Jahren.

Nach der Entdeckung der umstrittenen Knochen aus dem Neandertal tauchten in

weiten Teilen Europas Jahrzehnt um Jahrzehnt mehr und mehr ähnlich ,,miß-

gestaltete" Individuen auf: In Deutschland, Frankreich, Belgien und Jugoslawien.

Neandertartige Züge treten in der Fossildokumentation erst vor etwa 100.000 Jah-

ren auf, also zu einer Zeit, als die Erde ein warmes Interglazial erlebte, das unge-

fähr von vor 130.000 bis vor 70.000 Jahren dauerte. Die für die Neandertaler typi-

sche Merkmalspalette kam jedoch erst während der letzten Eiszeit, die vor etwa

70.000 Jahren begann, voll zur Entwicklung, und man stellt sich die Neandertaler

oft als die europäischen Eiszeitmenschen vor. Dies ist eine zu weit gehende Ver-

einfachung, denn erstens reichen die Wurzeln seiner Entwicklung in die letzte

Warmzeit zurück, und zweitens lebten viele Neandertaler in Gegenden der Erde,

die von der Eiszeit nicht erfaßt waren. Überreste des Neandertalers finden sich in

einer Region, die von Westeuropa über einen Teil des Nahen Ostens bis ins west-

liche Asien reicht.

Die Kultur der Neandertaler in der mittleren Altsteinzeit wird Mousterien genannt.

1.1. Das Zeitdiagramm

Alter in Millionen Jahren, wobei jedes Kästchen 100.000 Jahre repräsentiert.

4,5 3,0 2,0 1,0 0,1

Homo sapiens sapiens

Homo sapiens neandertalensis

Homo erectus archaischer Homo sapiens sapiens


3

1.2. Die Einstufung

Nach über 100 Jahren Forschung wissen wir, dass der Neandertaler in der Evolu-

tionsgeschichte in der heute bekanntesten Form spätestens um ca. 150.000 bis

200.000 vor unserer Zeit auftritt.

Vor dem Neandertaler lebte der Frühmensch, der Homo erectus (der aufgerichtete

Mensch). Er lebte in der Zeit von vor ca. 1,5 Millionen bis vor ungefähr 300.000

Jahren.

Nach dem Neandertaler lebte der Cro-Magnon-Mensch, der vor rund 30.000 Jahre

lebte und als der direkte Vorgänger des Homo sapiens gilt.

Forscher schätzen die Entstehungszeit des Jetztmenschen, Homo sapiens sa-

piens, auf 250.000 bis 100.00 Jahre.

Anhand dieser Zwischenstufen und ihrer Merkmale kann die Entwicklung des heu-

tigen Menschen erklärt werden.

Bei der weiteren Ausarbeitung werden diese zum Vergleich herangezogen.

2. Der menschliche Stammbaum

Verlauf der menschlichen Evolution

2.1. Homo erectus

Erster Fund: 1891 von Eugéne Dubois bei Trinil auf Java

Name: Dubois glaubte, das Bindiglied zwischen Mensch und Affen gefunden zu

haben und nannte seinen Fund Pithecanthropus erectus ­ ,,aufrecht gehender

Affenmensch".

Alter der Spezies: 1,8 Millionen bis 400.000 Jahre

Das Homo bedeutet er ist eine ,,Unterart" des Homo sapiens sapiens, des Jetzt-

menschen, dies bedeutet aber keinesfalls, das er ein ,,Untermensch" war, sondern

dies ist eine biologische Feineinteilung. Vielmehr ist inzwischen durch umfangrei-

chen Formenvergleich gezeigt worden, dass die Körpermerkmale der einzelnen

Unterarten vereinzelt auch bei heutigen Menschenrassen vorkommen. Anhand

dieser Merkmale kann die menschliche Evolution erklärt werden.

Körpermerkmale: Der Homo erectus hatte ein vorstehendes Kiefer mit großen

Molaren, kein Kinn, dicke Augenbrauenwülste und einen langen, flachen Schädel.

Er war ca. 1,50 ­1,80 Meter groß. Einige asiatische erectus Schädel besitzen ei-

nen sagittalen Kamm. Das Skelett ist robuster als das moderner Menschen, was

eine grössere Körperkraft andeutet. Die Körperproportionen variieren je nach

Fundorten, von gross und schlank, bis zu einem kleinen kräftigeren Bau des Ske-

lettes. Studien weisen darauf hin, dass erectus eventuell effizienter gehen konnte

als der moderne Mensch, dessen Skelett sich an die Geburt von Säuglingen mit

grösseren Köpfen anpassen musste.

Der Homo erectus war weit verbreitet, und ist in Afrika, Asien und Europa gefun-

den worden. Der älteste europäische Fund wird auf 1,75 Millionen Jahre datiert.

Fähigkeiten: Die meisten Wissenschaftler halten Homo erectus für den ersten

Menschen, der aus Afrika ausgewandert ist. Er nutzte bereits das Feuer und stell-

te Faustkeile her, die typischen Werkzeuge der Kulturepoche des Acheuléen. Mit

ihnen zerlegte er Tiere und zerschlug vielleicht auch Knochen.

2.2. Homo neandertalensis

Erster Fund: 1856 von Johann Carl Fuhlrott im Neandertal bei Düsseldorf. Frühere

Funde aus Belgien und Gibraltar wurden erst nachträglich dem Neandertaler zu-

geordnet.

Name: ,,Verständiger Mensch aus dem Neandertal"

Alter der Spezies: 220.000 bis 27.000 Jahre


4

Körpermerkmale: Der Hirnschädel ist verhältnismäßig, aber nicht außergewöhnlich

niedrig, die Augenbrauenwülste sind vorspringend. Beide Merkmale erinnern an

den Homo erectus. Die Beinknochen sind etwas gekrümmt, und die Ansatzstellen

für die Muskeln sind besonders kräftig ausgebildet, beides Anzeichen eines sehr

muskulösen Körperbaus. Die Neandertaler, ober männlich oder weiblich, waren

wahrscheinlich viel kräftiger als die meisten Menschen heute. Das Gesicht ist cha-

rakteristisch mit seiner deutlich vorspringenden Nasen- und Mundpartie. Die Wan-

genknochen weichen nach hinten zurück, die Stirn ist niedrig. Die durchschnittli-

che Größe der Neandertaler beträgt nur ungefähr 1,67 Meter. Der Gesamtein-

druck ist also der eines recht klobigen, kräftig gebauten Wesens.

Fähigkeiten: Er war ein erfolgreicher Jäger und bestattete seine Toten.

2.3. Cro-Magnon-Mensch

Erster Fund: 1868 in Südfrankreich, in der Nähe des Ortes Cro-Magnon

Name: Aufgrund des Fundortes, aber er erhielt auch die Bezeichnung Homo sa-

piens

Alter der Spezies: Sie lebten vor rund 30.000 Jahren

Körpermerkmale: Er gilt als direkter Vorgänger des Jetztmenschen, da er sich in

der äußeren Erscheinung kaum noch von der unseren unterschied. Der Cro-

Magnon-Mensch hat eine steil empor steigende Stirn, die Augenbrauenwülste sind

klein oder nicht mehr vorhanden, das Kinn ist vorstehend, und das Skelett ist sehr

grazil. Sie haben kleinste Zähne.

Gesicht, Kiefer und Zähne sind um 10% robuster als unsere.

Fähigkeiten: Typisch für sie war ihre Intelligenz, sie haben eine ganze Reihe von

Erfindungen gemacht: Musikinstrumente, Öllampen und später Pfeil und Bogen.

Sie erreichten auch durch ihre Höhlenmalereien eine hohe Kulturstufe.

2.4. Der Homo sapiens sapiens

Name: Homo sapiens, das bisher intelligenteste Lebewesen auf der Erde

Alter: Er ist vor 40.000 bis 35.000 Jahren aus Afrika in Europa eingewandert.

Körpermerkmale: Der lang anhaltende Trend hin zu kleineren Molaren und ab-

nehmender Robustheit ist seit den letzen 100.000 Jahren erkennbar.

Fähigkeiten: Seine Denkfähigkeit wir meist maßlos überschätzt und er hat mit gro-

ßer Wahrscheinlichkeit beim Aussterben des Homo neandertalensis nachgehol-

fen.

3. Merkmale der Entwicklung

3.1. Das Gehirn

Die Entwicklung des Homo sapiens neandertalensis führte offensichtlich auch zu

einer beträchtlichen Vergrößerung des Gehirns. Das Gehirn eines Neandertalers

besaß ein Gehirnvolumen von ca. 925 ­ 1800 cm 3.

Das Gehirn der Neandertaler entwickelte sich also auf ein gewaltiges Volumen.

Doch die Erkenntnisse, die in diesem zum Teil 1600 Kubigzentimeter großen Den-

kapperat gespeichert waren, gingen größtenteils wieder verloren.

Aus der evolutionären Sackgasse kam der klassische Neandertaler nicht mehr

heraus, doch beim Cro-Magnon-Menschen fand die Evolution einen Ausweg.

Dieser beruht auf dem Informationsaustausch von Gehirn zu Gehirn durch die

menschliche Sprache. Dieses Teilen von Erkenntnissen erwies sich als so vorteil-

haft, dass im Laufe der Zeit der moderne Mund- und Rachenraum durch biolo-

gisch- kulturelle Auslese geformt wurde.


5

Erst von da an konnte die gesamte, geistige Kapazität des Gehirns und die Ge-

schicklichkeit der menschlichen Hand ausgenützt werden.

Mehr Köpfe konnten mehr Kenntnisse zusammentragen. D.h. größere Gruppen

waren im Vorteil.

3.2. Die Sprache

Auch verfügte weder der Neandertaler noch der Homo erectus über eine entwi-

ckelte Sprache wie wir sie heute kennen. Der Homo sapiens sapiens ist dem Ne-

andertaler also ein weites Stück voraus, auch wenn sie sich biologisch nicht groß-

artig voneinander unterscheiden. Amerikanische Wissenschaftler haben herausge-

funden, dass zwar weder der Neandertaler, noch der Homo erectus stumm waren,

doch ihr Sprachapperat glich eher den Lauten eines heutigen Kleinkindes. Be-

gründet ist dies durch die Position des Kehlkopfes.

Der Kehlkopf des Neandertalers saß höher als beim modernen Menschen. Daraus

ergab sich ein verkleinerter Rachenraum zum hervorbringen von bestimmten Lau-

ten.

Die Sprechgeschwindigkeit des Neandertalers war um zehnfaches langsamer als

die eines Jetztmenschens bedingt durch die übergroße Zunge.

4. Das Leben der Neandertaler

Vor rund 25.000 Jahren kamen dann auf Grund der vergrößerten Denkapperate

des Menschen die ersten Rituale und Kulturen auf. (kulturelle Evolution)

Die menschliche Entwicklung war auf einem kulturellen Höhenflug.

Es hat also eine Art kulturellen Austausch gegeben. Das lässt sich auch Dank der

Werkzeugfunde und den Schmuckgegenständen nachweisen.

4.1. Zusammenleben

Ihnen wird der Ruf von Höhlenbewohnern angehängt, aber sie waren alles andere

als das. Sie lagerten vielmehr in offener Landschaft, bevorzugt an höher gelege-

nen Punkten oder in der Nähe von Höhlen. Diese Plätze wurden nur Tage oder

Wochen genutzt, im Verlauf zyklischer Wanderungen aber immer wieder aufge-

sucht. Sie beherrschten auch schon die Kunst des Feuer entfachen.

Sie lebten in mobilen, kleineren Gruppen zusammen (20-30 Personen), die wie-

derum untereinander in Verbindung standen. Die Aufgabe der Frauen war das

Sammeln von Pflanzen und Früchten und das Vorsorgen der Kinder. Die Neander-

taler kümmerten sich sehr intensiv um ihre Kranken.

4.2. Nahrungsbeschaffung

Sie zogen als Nomaden durch die Welt und lebten von dem, was ihnen die Natur

bot. Sie sammelten Früchte, Beeren, Nüsse, Wurzeln, Eier, Muscheln und Insek-

ten. Kleine und große Säugetiere wurden von ihnen gejagt. Außerdem fingen sie

Fische und Vögel. Ihre Lebensstrategie war deshalb so erfolgreich, weil sie als

Jäger und Sammler sehr beweglich waren. Dadurch, dass das Nahrungsangebot

nicht immer gleich war, sondern von der Jahreszeit und vom Ort abhängig war,

waren Jäger und Sammler gezwungen umherzuziehen, um nach Nahrung zu su-

chen. Wurde Nahrung knapp, spaltete sich eine Gruppe auf, um getrennt nach

Nahrung zu suchen. Gab es einen Überschuß an Nahrung, schlossen sich mehre-

re Gruppen zusammen.

4.3. Werkzeuge

Sie verstanden sich auf Holzbearbeitung, sogar wussten sie Steinwerkzeuge auf

Speeren oder in Griffen zu befestigen. Systematische Produktion von Klingen und


6

Klingengeräten, die man bisher dem Homo sapiens vorbehalten hat, scheinen sie

ebenfalls schon betrieben zu haben.

Rohmaterial, wie hochwertiger Feuerstein wurde über größere Entfernungen

transportiert und aus den Reproduktionsprozessen, in denen Werkzeuge herge-

stellt, nachgearbeitet und schließlich weggeworfen wurden, lassen sich vielseitiges

Verhalten und hoch entwickeltes Planen ableiten.

Das Werkzeug ist um einiges genauer und vielfältiger gestaltet, als die Werkzeuge

der Vorläufer.

Den Neandertalern kann man über 60 verschiedene Werkzeugarten zuordnen.

Dazu zählen beispielsweise Messer, Schaber und Pfeilspitzen. Das Material mit

dem die Neandertaler ihr Werkzeug anfertigten bestand aus Feurstein, Mammut-

knochen und Rehntiergeweih.

Abschlagspitzen, perfekte Faustkeile, aber auch feinere Geräte wie Nadeln und

Bohrer wurden hergestellt. Zur Produktion der Artefakte wandte der Neandertaler

die Leballois-Methode an. Mit dieser Technik konnte er Rohmaterialien besonders

gut ausschöpfen und so besonders lange Schneidflächen erstellen.

Weiter gab es unterschiedliche Stiele von Werkzeugen. Doch deren Bedeutung

konnte bis heute nicht überliefert werden.

Die jeweiligen Gegenstände haben andersartige Formen, Größen und auch Ver-

zierungen.

Allein in Europa, kann man auf Grund der unterschiedlichen Werkzeugarten den

Neandertaler in Vier Kulturen einteilen.

4.4. Begräbnisriten

Mit dem Auftreten der Neandertaler lassen sich erstmalig in der menschlichen

Geschichte archäologische Anzeichen von rituellen Begräbnissen finden.

Überall in den von Neandertalern bewohnten Gebieten können Grabstätte nach-

gewiesen werden. Jedoch nicht in der Form, wie wir heute unsere Toten begra-

ben.

Doch es sind deutliche Anzeichen von wohlüberlegten, geplanten Grabstätten zu

erkennen.

Die Toten der Neandertaler wurden also in einer bestimmten, ehrführchtigen Form

zur Ruhe gelegt.

Ein Beispiel aus einer Höhle in Frankreich ­ Dordogne :

Das Skelett eines jungen Mannes wurde von Archäologen in einer Grube ent-

deckt.

Er lag auf seine rechte Seite gebettet, mit dem Kopf auf den Unterarm gelegt, als

ob er schliefe.

Eine Lage Feuersteine dienten als Kissen und ein prächtig gearbeitetes Steinbeil

lag neben seiner Hand.

Um ihn herum lagen Überreste von Wildrindern. Daraus schließt man, dass ihm

Fleisch als Proviant mit auf den Weg in ein neues Leben gegeben wurde.

An einem weiteren Fundort fand man einen Schädel abgetrennt von einem Kin-

derkörper.

Auch hier kann man erkennen, dass verschiedene Neandertalerkulturen auch un-

terschiedliche Begräbnisriten pflegten.

Bis heute sind Begräbnisriten nicht verloren gegangen. Sie haben sich lediglich

weiter entwickelt.

Nachzuweisen ist, dass dieser Kult um die Toten schon für die Neandertaler eine

große Bedeutung hatten. Doch es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir den Sinn,

der für die Neandertaler dahinter stand , jemals verstehen werden.


7

5. Das Verschwinden der Neandertaler

Nach 30.000 v. Chr. Verschwanden die Neandertaler aus der Ahnenreihe der

menschlichen Entwicklung. Es gibt zwei Theorien bezüglich des Aussterbens der

Neandertaler:

A )

Die einen Wissenschaftler sehen den Neandertaler auf Grund seiner mor-

phologischen Strukturen als eine Sackgasse der Menschwerdung an, die in

einer ökologischen Nische Ausstarben, bzw. von weiterentwickelten Gat-

tungsgenossen ausgerottet worden sind.

Dies wurde als eine Verdrängungstheorie angesehen, der Homo sapiens

soll die Neandertaler auf die ilerische Halbinsel verdrängt haben, denn die

ältesten Überreste, 32.000 Jahre alt, stammen aus dieser Gegend (Zafar-

raya)

B )

Die Hybridisierungstheorie besagt ,,Der Neandertaler hat sich zum Homo

sapiens weiterentwickelt. Eine neue Datierung zeigt, dass beide Men-

schentypen über mehrere Jahrtausende hinweg in Europa nebeneinander

existierten. Somit hätten sie genügend Zeit und Gelegenheit gehabt, um

sich ,,biologisch" zu vermischen.

Nach Neusten Erkenntnissen kommt man jedoch zu dem Rückschluss, dass keine

der beiden extrem- Theorien bewiesen ist und der Homo sapiens sapiens haupt-

sächlich vom Homo sapiens präsapiens abstammt, bzw. sich herausentwickelt

hat.

Während des Übergangs von den Altmenschen zu den Jetztmenschen, kam es zu

grossen Wanderungen. Die Eiszeit ermöglichte durch Teilvereisung der Weltmee-

re die Besiedlung neuer geographischen Zonen der Erde (Amerika und Austra-

lien).

So kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Neandertaler parallel zu den Gat-

tungen des früheren Jetztmenschen gelebt haben konnten.

Wissenschaftlich ist auch anzunehmen, dass es eine Art Endspurt gegeben hat,

der zum Homo sapiens sapiens führte.

Es ist beispielsweise nicht überliefert, dass die Neandertaler durch fremde Erobe-

rung von Eindringlingen ausgerottet wurde. Es fand also eher eine Assimilierung

auf dem Wege der Vermischung als eine Veränderung der ursprünglichen Aussät-

zigen statt. Die Zahl der sich nach Europa, Nahen Osten und Westasien hinein

ausbreitenden ,, Neuankömmlinge ,, kann im Vergleich mit der einheimischen Ne-

andertalerpopulation sehr wohl so gross gewesen sein, der Einfluss der Neander-

talergene ganz beträchtlich verdünnt wurde.

Der Hamburger Antropologe Günter Bräuer wagt eine weitere vorsichte These, die

jedoch archäologischer Beweise entbehrt: ,,Die Neandertaler waren kränker, hat-

ten eine geringere Lebenserwartung, waren in ihrer Technologie etwas unterlegen:

ein Bündel vieler kleiner Unterlegenheiten gegenüber dem Homo sapiens. Des-

wegen war die Fortpflanzungsrater der Neandertaler niedriger". Über den langen

Zeitraum von 12.000 Jahren könnte dieser kleine biologische Nachteil gravierende

Folgen gehabt haben: Der Neandertaler verschwand aus der Geschichte.

Damit wäre das plötzliche Verschwinden aller charakteristischen Merkmale des

Neandertalers aus dem Fossilbefund zu erklären.


8

6. Heutige Forschungsergebnisse

Erstmals wurden 1997 Untersuchungsergebnisse einer vierjährigen Studie über

mitochondriale DNA publiziert.

Diese DNA stammt aus dem Oberarmknochen des Neandertaler Skeletts von

1856.

Die Analyse war nur möglich, weil das Material in der Grotte unter besonders gün-

stigen Bedingungen gelagert war.

Ein Vergleich mit der DNA heute lebender Menschen ergab:

Unter der Voraussetzung, dass Mutationen mit einer konstanten Rate stattfinden,

lassen die Unterschiede zwischen der DNA des Neandertalers und der des heuti-

gen Menschen den Schluss zu, dass beide im Zeitraum vor etwa 550.000 bis

69.000 Jahren einen gemeinsamen Vorgänger hatten.

Etwa zu dieser Zeit ­ so nimmt man an ­ dürfte der Homo erectus heidelbergen-

sis, der Vorfahre des Homo sapiens, sich in Linien aufgespaltet haben, die einer-

seits zum Neandertaler und andererseits zum modernen Menschen führten. Die

DNA ­ Analyse gibt keine Hinweise darauf, dass sich diese beiden Linien gene-

tisch vermischten, obwohl sie im Nahen Osten etwa 50.000 Jahre und in Europa

rund 10.000 Jahre lang gemeinsam existiert haben.

Im Jahr 2000 wurden von William Goodwin von der University of Glasgow weitere

Untersuchungsergebnisse veröffentlicht. Er hatte DNA-Untersuchungen an den

Knochen eines etwa 29.000 Jahre alten, im Kaukasus gefundenen Neandertaler-

Babys gemacht. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Neandertaler nicht

unsere direkten Vorfahren, sondern eher eine Art Cousins waren. Die DANN des

Neandertalers unterscheide sich deutlich von der heutiger Menschen, so Goodwin.

Der Wissenschaftler fand heraus, dass die Mitochondrien-DANN des jetzt unter-

suchten Fossels sich nur um 3,5 Prozent von anderen Neandertaler-Proben unter-

scheidet; vom genetischen Material des modernen Menschen jedoch um 7 Pro-

zent. Der letzte gemeinsame Vorfahre, so Goodwin, reiche etwa 500.000 Jahre

zurück.

Abschließend kann folgendes Resümee gezogen werden:

Ø Erst wurde die Idee der Artvermischung gekippt. Genetiker von der Universität

München extrahierten Erbgut aus einem Neandertaler Knochen. Die DNS sieht

aus, als stamme sie von einem biologischen Alien. Ergebnis: ,,Es gibt keinerlei

Hinweise, dass die Neandertaler einen wesentlichen Beitrag zum Genpool des

heutigen Menschen geleistet hat."

Ø Dann kam der Tiefschlag für die Gegenfraktion; Neanderfossil aus der Rie-

sengrotte von Vindija (Kroatien) ergab das verblüffende Alter von 28.000 bis

29.000 Jahren. Kommentar des Tübinger Prähistorikers Conard: ,,Die These

von der schnellen Eroberung ist damit passé."

Eines konnte mit Sicherheit festgestellt werden: Im Europa der Eiszeit standen

sich über 10.000 Jahre lang zwei nahezu gleichwertige Menschenarten gegen-

über. Dem Neandertaler, dem Vetter und Rivalen, verdankt der Homo sapiens die

Geburt der Kultur. Ein konkreter Hinweis wurde auf dem Friedhof von Sungir, 150

Kilometer östlich von Moskau, gefunden. Der Triumphzug des Menschen zielte

direkt auf die Vernichtung der Neandertaler. In dem Grabkomplex fand der Chef-

ausgräber Otto Bader auch einen ,,großen Oberschenkelknochen mit abgeschla-

genen Gelenken". Die Markhöhle des wuchtigen Gebeins war mit Ockerpulver voll

gestopft. Doch welches Tier wurde hier geschlachtet? Auch auf diese Frage haben

die russischen Archäologen eine Antwort gefunden:

- Es war der Neandertaler -



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