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Subtitle: Evaluationsergebnisse zum Training mit aggressiven Kindern von Franz & Ulrike Petermann
Termpaper, 1998, 54 Pages
Author: Benjamin Zeller
Subject: Psychology - Consulting, Therapy
Details
Tags: Evaluation, Petermann-Trainings, Aggressivität
Year: 1998
Pages: 54
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 40 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-00973-2
ISBN (Book): 978-3-640-21406-8
File size: 296 KB
Eine kritische Sichtung der Evalutionsansätze zu den Petermann-Trainings bzgl. Aggression.Eine kritische Sichtung der Evalutionsansätze zu den Petermann-Trainings bzgl. Aggression.Eine kritische Sichtung der Evalutionsansätze zu den Petermann-Trainings bzgl. Aggression.Eine kritische Sichtung der Evalutionsansätze zu den Petermann-Trainings bzgl. Aggression.
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Abstract
Die vorliegende Hausarbeit hat das Ziel, das "Training mit aggressiven Kindern" von Petermann & Petermann (1997) in seinem Aufbau darzulegen sowie Evaluationsergebnisse zu diesem Interventionsprogramm zusammenzustellen und zu bewerten. Da das Training für eine ambulante Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten entwickelt wurde (Petermann & Petermann, 1997), soll auch nur auf diese Anwendungsmöglichkeit eingegangen werden. Auf eine primärpräventive oder stationäre Anwendung wird folglich nicht Bezug genommen. Weiterhin werden alternative ambulante, im weitesten Sinne kognitiv-behaviorale Techniken und Trainingsverfahren zur Behandlung von aggressivem Verhalten im Kindes- und Jugendalter überblicksartig dargestellt. Dabei wird schwerpunktmäßig auf interventive Verfahren Bezug genommen. Ebenfalls sollen Evaluationsergebnisse präsentiert und bewertet werden. Einleitend wird das Störungsbild aggressiven Verhaltens erläutert. Zusammenfassend sind positive Effekte des Trainings von Petermann und Petermann festzustellen. Methodische Mängel der Studien relativieren die Aussagekraft der gefundenen Ergebnisse jedoch ebenso wie die mangelnde Untersuchung der spezifischen Wirkung einzelner Trainingsbausteine und moderierender Faktoren. Auch erfolgte weder eine Überprüfung langfristiger Effekte noch der Generalisierung des Gelernten außerhalb des Therapiezimmers. Stand der vorliegenden Hausarbeit ist Dezember 1998.
Excerpt (computer-generated)
Aggressives Verhalten im
Kindes- und Jugendalter
Sind kognitiv-behaviorale Interventionsansätze effektiv?
Evaluationsergebnisse zum Training mit aggressiven Kindern
von Franz & Ulrike Petermann
Eine Hausarbeit von Benjamin Zeller, 12/98
Inhaltsverzeichnis
0. Zielsetzung dieser Arbeit 3
1. Das Störungsbild 3
1.1 Symptomatik 3
1.2 Klassifikation 4
1.3 Epidemiologie 5
1.4 Verlauf & Nosologie 5
1.5 Ätiologie 7
2. Behavioral-kognitive Interventionsmodelle 9
2.1 Elterntrainings 11
2.2 Kinder- und Jugendlichen-Trainings 14
2.3 Multimodale Trainings 15
3. Das Training mit aggressiven Kindern 17
3.1 Gesamtaufbau 17
3.2 Indikation 18
3.3 Einzeltraining 18
3.4 Gruppentraining 20
3.5 Elternberatung 23
3.6 Lehrerkontakt 24
4. Evaluationsergebnisse zu kognitiv-behavioralen Trainings 25
4.1 Elterntrainings 28
4.2 Kinder- und Jugendlichen-Trainings 29
4.3 Multimodale Trainings 31
4.4 Zusammenfassung, Bewertung und Ausblick 32
5. Evaluationsergebnisse zum Training mit aggressiven Kindern 36
5.1 Darstellung der Studien 36
5.2 Ergebnisse der im Training mit aggressiven Kindern angegebenen
Einzelfallbehandlungen 37
5.3 Ergebnisse der nicht in der Metaanalyse berücksichtigten veröffentlichten
Einzelfallstudien 40
5.4 Ergebnisse der Metaanalyse 41
5.5 Schlüsse aus klinischer Erfahrung 43
5.6 Zusammenfassung, Bewertung & Ausblick 43
6. Literaturverzeichnis 50
2
0. Zielsetzung dieser Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit hat das Ziel, das "Training mit aggressiven Kindern" von
Petermann & Petermann (1997) in seinem Aufbau darzulegen sowie
Evaluationsergebnisse zu diesem Interventionsprogramm zusammenzustellen und
zu bewerten. Da das Training für eine ambulante Durchführung in einem
interventivem Sinne entwickelt wurde (Petermann & Petermann, 1997), soll auch nur
auf diese Anwendungsmöglichkeit eingegangen werden.
Weiterhin werden alternative ambulante, im weitesten Sinne kognitiv-behaviorale
Techniken und Trainingsverfahren zur Behandlung von aggressivem Verhalten im
Kindes- und Jugendalter überblicksartig dargestellt. Dabei wird schwerpunktmäßig
auf interventive Verfahren Bezug genommen. Ebenfalls sollen Evaluationsergebnisse
präsentiert und bewertet werden.
Einleitend wird das Störungsbild aggressiven Verhaltens erläutert.
1. Das Störungsbild
In den nachfolgenden Ausführungen wollen wir uns auf die wesentlichsten Thesen
und Fakten beschränken. Im Rahmen der Fragestellung sollen Aspekte des
Störungsbildes deshalb nur kurz angerissen werden.
1.1 Symptomatik
Aggressives Verhalten im Kindesalter ist in den letzten Jahren immer häufiger zu
beobachten (Borg-Laufs, 1993; Petermann & Warschburger, 1993). Nicht nur im
Bereich der Medien ist das Thema "Gewalt" (z.B. an Schulen) ein Dauerbrenner,
auch in psychotherapeutischen Praxen, Erziehungsberatungsstellen und Kliniken ist
aggressives Verhalten mittlerweile einer der Hauptgründe für eine Vorstellung des
Kindes (Petermann & Warschburger, 1993; Selg, Mees & Berg, 1997). Der
Vandalismus von Kindern und Jugendlichen steigt massiv und die Zahl von jährlichen
aggressionsbedingten Unfällen an deutschen Schulen verdoppelte sich in den
Jahren 1983-1993 auf mehr als 100.000 Fälle (nach Bundesverband der
Unfallversicherungsträger, vgl. Petermann, 1994).
3
Nach Buss (1961 in Fröhlich, 1993) und Selg (1968 in Selg et al., 1997) liegt der
wesentliche Gesichtspunkt aggressiven Verhaltens im "Zufügen schädlicher" Reize
bzw. im "Austeilen schädigender Reize". Andere Autoren betonen bei menschlicher
Aggression hingegen eher die Schädigungsabsicht (Ross & Petermann, 1987 in
Petermann & Wiedebusch 1993).
Das Spektrum aggressiver Verhaltensweisen kann von gelegentlichen leichten
Wutäußerungen bis hin zu delinquentem Verhalten und schwerer Körperverletzung
reichen. Nicht in jedem Fall ist deshalb aggressives Verhalten als pathogen zu
betrachten. Einzubeziehen in eine Abschätzung eines Verhaltens auf "Normalität"
(zum Begriff der Norm siehe Davison & Neale, 1998) ist bei Kindern neben der
Schädigungsabsicht des Täters auch sein Entwicklungsstand (Petermann &
Warschburger, 1998).
1.2 Klassifikation
Klassifikationen der verschiedenen Arten der Aggression gibt es zuhauf. Die
bekanntesten stammen von Buss, Berkowitz sowie Feshbach (Selg et al., 1997).
Modernere klassifikatorische Ansätze finden sich z.B. bei Petermann & Petermann
(1998), die bei aggressivem Verhalten des Menschen fünf Dimensionen
unterscheiden :
1. offen-gezeigt vs. verdeckt-hinterhältig
2. körperlich vs. verbal
3. aktiv-ausübend vs. passiv-erfahrend
4. direkt vs. indirekt
5. nach außen-gewandt vs. nach innen-gewandt
Eine interessante Einteilung findet sich auch bei Quay (1987 in Petermann &
Wiedebusch, 1993), der vier Subtypen aggressiver Kinder und Jugendlicher
voneinander unterscheidet:
1. Undersocialized Aggression Group (offen provokativ aggressives Verhalten,
schlechteste Prognose)
4
2. Socialized Aggression Group (aggressive Delikte wie Normen- und Regelver-
stöße vor allem im Gruppenverband delinquenter Gleichaltriger)
3. Attention Deficit Group (hier liegen Aufmerksamkeits- / Hyperaktivitätsstörungen
zugrunde)
4. Anxiety Withdrawal Dysphoria Group (Verhalten als Konfliktlösungsmittel in
ängstigenden, bedrohlichen Situationen, Meiden sozialer Kontakte)
In den beiden Klassifikationssystemen ICD 10 (Dilling, Mombour & Schmidt, 1993)
und DSM IV (Sass, Wittchen & Zandig, 1996) werden meist eine oder mehrere der
Diagnosen im Bereich der Störungen des Sozialverhaltens vergeben oder auch (bei
DSM-IV) die Kodierung Oppositionelles Trotzverhalten. Bei letzterer werden
grundlegende Rechte anderer Personen noch akzeptiert. Hier z.B. muss ein
Verhalten mit mindestens 4 der folgenden Symptome über mindestens 6 Monate
bestehen: Wird schnell ärgerlich; streitet sich häufig mit Erwachsenen; widersetzt
sich häufig aktiv den Anweisungen oder Regeln von Erwachsenen oder weigert sich,
diese zu befolgen; verärgert andere häufig absichtlich; schiebt häufig die Schuld für
eigene Fehler oder eigenes Fehlverhalten auf andere; ist häufig empfindlich oder
lässt sich von anderen leicht verärgern.
1.3 Epidemiologie
Aggressives Verhalten lässt sich bei ca. 2 bis 10 % (manche Autoren geben sogar
25% an) der Kinder und Jugendlichen beobachten, mit einer deutlichen höheren
Anzahl männlicher Betroffener. Möglicherweise ist das aggressive Verhalten von
Jungen allerdings lediglich salienter, direkter, bei Mädchen hingegen indirekter
(Fröhlich, 1993; Herpertz-Dahlmann, 1997; Petermann & Warschburger, 1998;
Petermann & Wiedebusch, 1993; Selg et al., 1997).
1.4 Verlauf & Nosologie
Nach Petermann & Warschburger (1995) sei mit steigendem Alter auch ein Anstieg
der aggressiven Handlungen zu beobachten, nach Selg et al. (1997) kann dies nicht
behauptet werden, die Empirie dazu sei zu widersprüchlich.
5
Festzuhalten ist jedoch eine deutliche Stabilität und tendenziell ungünstige Prognose
bei häufigem Auftreten von aggressivem Verhalten, nach Selg et al. (1997)
zumindest bis zu einem Alter von 25 Jahren (Döpfner, 1993; Kusch & Petermann,
1993; Petermann & Kusch, 1993; Petermann & Warschburger, 1993; Petermann &
Warschburger, 1998; Selg et al. 1997; Verhulst & Koot, 1992; Zumkley, 1992).
Loeber (1990 in Petermann & Warschburger, 1993) hat dies in einem
Entwicklungsmodell veranschaulicht. Danach kann eine Entwicklung vom eventuell
neurologisch geschädigten Kind im Mutterleib bis hin zum delinquenten
Erwachsenen stattfinden. Ein Kind ist zunächst irritabel (Säuglingsalter), dies kann zu
Hyperaktivität führen (frühes Kindesalter); aggressives Verhalten (Kindesalter) und
möglicherweise Delinquenz (Jugendalter) folgen. Jedoch gilt nicht der
Umkehrschluss : Es darf also nicht behauptet werden, dass jedes aggressive Kind
oder jeder delinquente Jugendliche vorher hyperaktiv und irritabel war. Der teilweise
beobachtete Anstieg des aggressiven Verhaltens kann unter anderem auf der
Zunahme von Entwicklungsaufgaben beruhen (Loeber, 1990 in Petermann, 1997).
Abb. 1 : Entwicklungsverlauf antisozialen Verhaltens (nach Loeber, 1990 modifiziert aus Petermann &
Warschburger, 1993)
6
Zu dieser ungünstigen Prognose kommen weiterhin oft Sekundärproblematiken wie
z.B. soziale Isolation, Leistungsdefizite in der Schule, Drogenmissbrauch und höhere
Suizidgefährdung.
Eine besonders hohe Komorbidität gibt es mit Hyperaktivitätsstörungen, weiterhin
lässt sich auch teilweise eine Angst-, Zwangs-, oder Depressionssymptomatik finden
(Petermann, 1997; Petermann & Petermann, 1993; Petermann & Warschburger,
1998; Steinhausen, 1993).
1.5 Ätiologie
Kausalerklärungen der Aggression finden sich etliche. Aggression wird gesehen...
· als Trieb, eine Katharsis sei möglich (unter anderem nach Freud), ähnlich als
phylogenetisches Relikt (nach Lorenz)
· als Folge von Frustration (nach Auffassung der Yale-Gruppe)
· als imitiertes Verhalten und als Folge operanter und / oder klassischer
Konditionierung, also Folge sozialen Lernens inkl. Milieu- und Familien- /
Erziehungsstileinflüssen
(z.B. Bandura; Skinner; Patterson)
Weiterhin wurden unterschiedlichste prädisponierende oder moderierende Faktoren
vermutet:
· Bindungsvariablen (Ainsworth; Bandura; Bowlby; Fraczek; Huesmann & Eron)
· Organismusvariablen im Sinne von körperlichen Risikofaktoren (z.B. Dumas)
· genetische
Einflüsse,
konstitutionelle
Faktoren wie Temperament, Geschlecht
(z.B. Eysenck; Huesmann & Eron)
· kognitive Prozesse sowie neuropsychologische Defizite (z.B. Dodge;
Meichenbaum)
· Niedrige Selbstachtung (z.B. Kazdin; Lochman)
· Mangel an Social Skills, Empathie (z.B. Dogde; Feshbach; Sanders; Willner)
Dies sind allerdings nur einige der möglichen Sichtweisen. (Vgl. zur Ätiologie :
Eysenck & Eysenck, 1987; Fröhlich, 1993; Herperth-Dahlmann, 1997; Petermann &
Wiedebusch, 1993; Selg et al., 1997; Warschburger & Petermann, 1997; Zumkley,
1992.)
7
Die empirisch orientierte Psychologie vertritt heute ein multikausales Modell, in
welchem lerntheoretische Modelle eine große Rolle spielen (Selg et al., 1997). Die
älteren, biologisch orientierten Triebmodelle haben sich für die interventionsorien-
tierte Forschung als nicht sehr fruchtbar erwiesen: abgesehen von ihrem
mangelhaften empirischen Rückhalt tragen sie auch nicht zur Abgrenzung von
pathogenem zu normalem Verhalten bei (vgl. Steinhausen, 1993; Davison & Neale,
1998).
Wir wollen uns hier im Rahmen der Fragestellung auf die von kognitiver und
behavioraler Seite vertretenen Positionen konzentrieren (nicht ohne den vor allem
von familientherapeutischer Seite betonten Faktor der Multimodalität zu
vernachlässigen), da die empirische Forschung ihnen am meisten Rückhalt bietet
(Petermann & Warschburger, 1998; Remschmidt & Mattejat, 1997; Steinhausen,
1993). Zu auf diesen Paradigmen beruhenden Programmen liegen auch mit Abstand
die meisten Evaluationsergebnisse vor (Petermann & Warschburger, 1993).
Interventionsansätze, die dem im weitesten Sinne humanistischen, psycho-
dynamischen oder klassisch familientherapeutischen Spektrum zuzuordnen sind,
können angesichts des knappen Umfangs dieser Arbeit nicht erörtert werden,
ebensowenig Psychopharmako-Therapien.
8
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