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Tibet. Der tibetische Kreidekreis - ein Konflikt um Selbstbestimmung?

Research Paper (Pre-University), 2000, 11 Pages
Author: Sabine Klein
Subject: Politics - International Politics - Region: Other States

Details

Category: Research Paper (Pre-University)
Year: 2000
Pages: 11
Grade: 14 Punkte
Language: German
Archive No.: V102611
ISBN (E-book): 978-3-640-00991-6

File size: 72 KB
Notes :
Diese Facharbeit bezieht die Geschichte des Kreidekreises auf den Konflikt in/ um Tibet. Daher wird zunächst der tibetische Konflikt erläutert und später auf die Kreidekreisgeschichte bezogen.



Fulltext (computer-generated)

Titel: Tibet-der tibetanische Kreidekreis-ein Konflikt um Selbstbestimmung?

Datum:14.02.1997

URL: \\tanja\desktop\Einzelne Arbeiten\starwriter\pol-tibet.sdw

Uhrzeit: 14:31:37

Tibet. Der tibetanische Kreidekreis- ein Konflikt um Selbstbestimmung?

1. Einleitung

Wäre Tibet nicht das ′Dach der Welt′ mit einer durchschnittlichen Höhe von etwa 4500m ü.NN, würde

das tibetische Volk aller Wahrscheinlichkeit nach schon sehr lange unter einer seine einmalige Kultur

verändernden Fremdherrschaft stehen. Aber gerade die Höhe des größten und höchsten bewohnten

Plateaus der Welt hat dieses Volk in den letzten Jahr-hunderten geschützt, da die dort herrschenden

klimatischen Bedingungen für potentielle Eroberer, die diese Bedingungen nicht gewohnt waren, einen

Eroberungszug stark behin-derten. Jedoch seit 1950 hat auch dieser Schutz des eigenwilligen Klimas

versagt und Chi-na übernahm die Macht über Tibet.

Die Aufgabenstellung ,,Tibet. Der tibetanische Kreidekreis- ein Konflikt um Selbstbestimmug?" bezieht

sich auf das Oberthema ,,Internationale Konflikte". Somit wird nicht nur das Land Tibet, sondern auch

China in dieser Facharbeit eine Rolle spielen. Dabei soll Tibet in den Vordergrund gestellt werden, also

wird bei z.B. historischen Betrachtungen der sinotibetischen Beziehungen die Sichtweise Tibets gewählt.

Die Position Chinas wird dafür meist getrennt dargestellt.

Zur Erfüllung der Aufgabenstellung wird die Geschichte des Kreidekreises auf Tibet bezogen, wofür es

als nötig erscheint, die Historie der sinotibetischen Beziehungen näher zu beleuchten. Daran anschließend

sollen die Begrifflichkeiten ′Konflikt′ und ′Selbstbestimmung′ differenziert betrachtet werden, um dann

Überlegungen darüber anstellen zu kön-nen, ob und inwieweit es sich um einen tibetanischen Kreidekreis

als Konflikt um Selbst-bestimmung handelt.

2. Die Antagonisten Tibet und China

2.1 Tibet

Geographisch gesehen liegt Tibet im zentralen Asien. Das Staatsgebiet Tibets vor der Einwanderung und

Annektierung durch China war etwa 2.5 Millionen km² groß. Es bestand aus den drei Provinzen Amdo,

Kham und U-Tsang. Der westliche Teil von Kham und die Provinz U-Tsang bilden heute die Autonome

Region Tibet, der restliche Teil von Kham ist von China in die Provinzen Sichuan, Yunnan und Qinghai

eingeteilt worden. Zu Qinghai und Sichuan gehören noch Teile des ehemaligen Amdo, außerdem entstand

daraus weiterhin die Provinz Gansu.

Tibet hat eine eigenständige Sprache, Schrift, Geschichte, Religion und damit auch eine eigene Kultur,

basierend auf der Philosophie des Buddhismus. Vor der chinesischen Über-nahme hatte Tibet eine

theokratische Staatsform, d.h. es regierte jeweils der ranghöchste Religionsrepräsentant, der Dalai Lama.

Das Leben war stark geprägt von dem buddhistischen Glauben, auch wenn es nur einem kleinen Teil der

Bevölkerung gestattet war, an Klöstern zu studieren. Der buddhistische Glauben beinhaltet das Bestreben

eines jeden, durch Reinkarnationen bis zur Selbsterlö-sung nach dem Erlangen der Erleuchtung, in das

Nirwana zu kommen. Dabei spielen die Lamas eine große Rolle, wie z.B. der Dalai Lama, die

Wiedergeburt Buddhas, der diese Erleuchtung schon erlangte, sich jedoch dafür entschied, trotzdem

wiedergeboren zu wer-den, bis er allen anderen Menschen dabei geholfen hat, ins Nirwana zu kommen.

Gleichzeitig ist der Buddhismus auch eine Religion der Gewaltlosigkeit, was sich auch in der heutigen

Haltung der Tibeter gegenüber den Chinesen zeigt.

Seit 1950 ist Tibet von China besetzt und wird in dessen Gebiet eingegliedert. Die tibetische Kultur soll

einem sozialistischen Bewußtsein für die Volksrepublik China weichen.

Die ursprüngliche tibetische Nationalflagge ist aufgrund der chinesischen Besetzung in Tibet strengstens

verboten, ebenso wie öffentliche Darstellungen des Dalai Lamas.

Das Wort Tibet hat heute für Befürworter verschiedener Ansichten über die Tibet-Frage unterschiedliche

Bedeutungen. Chinesen bezeichnen lediglich die Autonome Region Tibet als ′Tibet′, die mittlerweile in

das Chinesische Staatsgebiet einverleibten restlichen ursprünglichen Teile werden nicht mehr

automatisch mit Tibet erwähnt. Die Exilregierung des Dalai Lama spricht von dem gesamten Gebiet vor

der chinesischen Übernahme. Da es keine genauen Statistiken gibt, wurde die Einwohnerzahl auf etwa

sechs Millionen Tibeter berechnet, 2,1 Mio. in der Autonomen Region Tibet und ca. 4 Mio. in Kahm und

Amdo.

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Titel: Tibet-der tibetanische Kreidekreis-ein Konflikt um Selbstbestimmung?

Datum:14.02.1997

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2.1 China

Das in Ost-Asien gelegene China ist heute das drittgrößte und meistbevölkertste Land der Erde: es leben

1,16 Milliarden Menschen auf etwa 9,5 Mio. km².

Die Bevölkerung Chinas besteht zu über 90% aus Chinesen. Daneben leben noch 55 andere nationale

Minderheiten wie z.B. Uiguren, Kasachen, Tibeter, Mandschu und Mongolen in China.

Schätzungen zufolge sind über 70% der chinesischen Bevölkerung konfessionslos, die gläubige

Bevölkerung setzt sich zusammen aus einem vom Konfuzianismus und Daoismus beeinflußten

Buddhismus, in Tibet und in der inneren Mongolei werden noch der lamoistische Buddhismus praktiziert.

Außerdem sind auch der Islam und das Christentum in China verbreitet.

China hat eine reiche kulturelle Tradition, die geprägt ist durch eine jahrtausendalte Geschichte. Über das

verschieden große und einflußreiche China herrschten bis Anfang des 20.Jh. verschiedene Dynastien, die

nachweisbar erste war die Shang-Dynastie seit dem 18.Jh. v.Chr.Geb. Ab 1949 wird China nicht mehr von

einer Dynastie beherrscht, sondern ist zu einer kommunistischen Volksrepublik geworden, die im

eigentlichen Sinne aber von der Kommunistischen Partei regiert wird.

Die Volksrepublik China sah in Tibet einen konservativen Mönchstaat, der eine überkommene feudale

Wirtschaftsordnung hatte. Offiziell galt es, diese Gesellschaftsordnung, die zur Unterdrückung und

Verarmung des Volkes führen sollte, zu befreien. Der Gedanke liegt allerdings nahe, dass China diese

Begründung der Übernahme Tibets nur als Vorwand für die Erfüllung territorialer

Expansionsbestrebungen nutzte.

3. Politische Beziehungen zwischen Tibet und China

Tibet und China, beides Länder mit einer weit zurückgreifenden Geschichte, haben schon seit der

Vereinigung der tibetischen Stämme zu einem großtibetischen Reich politisch gesehen immer wieder

wechselnde Verhältnisse zueinander gehabt.

3.1 Die Historie der sino-tibetischen Beziehungen

Tibet existierte als Staat erstmals ab dem 7.Jh., als sich nomadische Hochlandstämme unter der Herrschaft

Songtsän Gampos zusammenschlossen und eine eigenständige Kultur, Religion und Schrift entwickelten.

Songtsän Gampo heiratete im Jahre 641 eine chinesische Prinzessin, um die Beziehungen zu China zu

verbessern. Im Jahre 758 griffen die Tibeter China an. Nachdem China mehrmals zurückgeschlagen hatte,

wurde 821 ein Friedensabkommen zwischen den beiden Staaten geschlossen.

In der folgenden Zeit ist vor allem die Geschichte des Buddhismus interessant: die von Lhasa aus

regierenden Könige förderten diesen, während der Adel die ältere Bon-Religion praktizierte. Tibet zerfiel

in Fürstentümer, als der Adel Oberhand gewann, nachdem der letzte tibetische König ermordet wurde. Es

entwickelten sich mehrere Bürgerkriege, die durch ein Eingreifen der Mongolen im 13.Jh. eingedämmt

wurden.

Während der Herrschaft der Mongolen wurde der Buddhismus restauriert und die Institution der

Priesterherrschaft des Dalai Lamas geschaffen, die die Verknüpfung geistiger und weltlicher Macht

beinhaltet.

1368-1644 herrschte in China die Ming-Dynastie, die Anspruch auf die Obherrschaft Ti-bets stellte, sich

aber nicht gegen die Mongolen durchsetzen konnte. 1717 wurde Tibet von den Dsungaren erobert, die

jedoch von den Chinesen im Jahre 1720 wieder vertrieben wurden. Das hatte zur Konsequenz, dass China

ab diesem Zeitpunkt Tibet als ihr Protektorat behandelte, die Regierung des Dalai Lama blieb aber

weiterhin bestehen. Diese nominale Herrschaft Chinas über Tibets erhielt sich bis 1904, Tibet wurde

jedoch beinahe unabhängig behandelt. Das sino-tibetische Verhältnis von damals wird heute als eine

`Patron-Priester-Beziehung′ bezeichnet, die eher auf eine spirituelle Verbindung als auf eine politische

Abhängigkeit zurückzuführen war.

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1904 wurde Tibet von britischen Truppen besetzt. In einen biliterales Abkommen zwi-schen China und

Britannien - ohne Mitspracherecht Tibets - erkannte England die Ober-herrschaft Chinas über Tibet an.

Die Briten zogen nun nach und nach ihre Truppen aus Ti-bet ab. 1910 marschierten chinesische Truppen

unter der Herrschaft der Quing-Dynastie in Tibet ein, wurden jedoch aus Tibet vertrieben, nachdem diese

Dynastie 1912 durch eine Revolution gestürzt wurde.

1914 fand eine Konferenz in Simila statt, an der Vertreter von Britannien, Tibet und China

teilnahmen, nachdem der damalige 13. Dalai Lama Thubten Gyatso versucht hatte, eine Unabhängigkeit

Tibets zu erreichen. Britannien wollte nun eine Autonomie Tibets durchsetzen, unter der Oberhoheit

Chinas. China lehnte dieses Abkommen jedoch ab. Durch seine in der Folgezeit innenpolitisch bedingte

Schwäche wurde der größte westliche Teil Ti-bets nun faktisch unabhängig, der östliche Teil des Landes

blieb unter chinesischer Herrschaft.

Dieser Zustand blieb bis 1950 bestehen. In dieser Zeit herrschte in China eine Auseinandersetzung

zwischen Nationalisten und Kommunisten, die die Kommunisten 1949 zu ihren Gunsten beendeten. Die

Volksrepublik China unter Führung Mao Zedongs wurde am 1.Okt1949 gegründet. Die neue Regierung

nannte es als eines der wichtigsten Ziele, das Mutterland zu einigen und in diesem Zuge Tibet zu China zu

holen.

3.2 Die Übernahme 1950/1951

Die Volksbefreiungsarmee aus China drang von Osten her in die tibetischen Gebiete ein, woraufhin im

November 1949 der 14. Dalai Lama frühzeitig im Alter von 15 Jahren inthronisiert wurde, um das Volk

gegen die vorrückenden chinesischen Truppen zu rüsten. Gegen diese leistete Tibet nur geringen

Widerstand, zum einen aus ideologischen Gründen, zum anderen, weil nur eine sehr kleine, schlecht

ausgerüstete Anzahl von Soldaten vorhanden war. Tibet war also schlichtweg hilflos, vor allem nachdem

ein Aufruf an die UNO, einzuschreiten, nicht erhört wurde.

Es wurde eine Delegation nach Peking geschickt, die ohne Rücksprache mit dem Dalai Lama ein von den

Chinesen kompromißlos ausformuliertes 17-Punkte-Abkommen unterschreiben mußte. Dieses

Abkommen bedeutete für Tibet endgültig den Verlust der Unabhängigkeit an China. Allerdings wurden

den Tibetern in dem Abkommen auch Zugeständ-nisse gemacht wie z.B. Ausübung nationaler

Autonomie, die Beibehaltung der Funktion des Dalai Lamas, die Respektierung der Religion und vor

allem die Zusicherung, Reformen nach eigenem Ermessen durchführen zu können. Seit diesem

Abkommen unterstanden die Tibeter den Chinesen das erst Mal in einer direkten zentralen Form.

3.3 Der Aufstand 1956 und seine Folgen

Nach der Übernahme verfolgte China unter der Führung Mao Zedongs eine Politik der

,,demokratischen Reformierung". China sollte ein einheitlicher, nach Maos kommunistischen Ideen

strukturierter Staat werden. Tibet wurde in die visionäre Polik Maos des ′Gro-ßen Sprung nach vorne′

(schnelle Wirtschaftsentwicklung) miteinbezogen. Beinahe alle Großgrundbesitzer wurden enteignet und

deren Land zunächst den Bauern zugeteilt, dann jedoch Volkskommunen gegeben. Hier sollten die

Bauern harte Aufbauarbeiten für den Staat leisten. Diese Maßnahmen schürten Widerstand und Unwillen

beim Volk, der am offensten in Tibet gezeigt wurde.

1956 begannen in Tibet antikommunistische Aufstände und Guerillakämpfe. Mao gab daraufhin bekannt,

dass das Volk noch nicht reif sei für die Errichtung eines kommunistischen Regimes. Die Aktivitäten der

Tibeter weiteten sich langsam weiter aus und erreichten im März 1959 Lhasa, wo sie sich zu einer

Rebellion entwickelten.

Der Dalai Lama floh nach Indien, da sein Volk sich um seine Sicherheit in Tibet sorgte, und gründete dort

eine demokratische Exilregierung. Nachdem die Chinesen den Aufstand gewaltsam niedergeschlagen

hatten, wurde der Pantschen Lama, der zweitwichtigste religiöse Führer des tibetischen Volkes, an Stelle

des Dalai Lamas bis zu dessen damals noch erwarteten Rückkehr als Staatsoberhaupt eingesetzt. Die UN-

Vollversammlung verabschiedete daraufhin im Herbst 1959 eine unverbindliche Resolution,in der China

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aufgefordert wurde, die Menschenrechtssituation in Tibet zu verbessern. Aber weder diese noch eine

ähnliche folgende Resolution aus dem Mai 1961 verbesserte die Lage für die Tibeter.

3.4 Politische Entwicklungen bis heute

Nachdem der Dalai Lama nach Indien geflüchtet war, folgten ihm bis heute ca. 130 Tausend Tibeter ins

Exil. Der größte Teil lebt in Indien, aber auch in Nepal, Buthan, Schweiz, Kanada und der USA sind

Flüchtlinge angesiedelt. Noch heute ist der Dalai Lama das Staatsoberhaupt der in Dharamsala

gegründeten Exilregierung.

In Tibet jedoch wurde die Politik Chinas fortgesetzt. Nach Publikationen der chinesischen Botschaft etc.

beschreibt China das Eingreifen in die tibetischen Angelegenheiten als eine ,,friedliche Befreiung", und

zwar von der bis 1950 herrschenden ,,überkommenen feudalen Gesellschaftsordnung". In diesem Sinne

wurde die Gesellschaft und Wirtschaft nach dem Muster der sozialistischen Volksrepublik Chinas

neugeordnet.

1965 wurde Tibet von der Volksrepublik China zur Minderheitenregion Chinas namens ,,Autonome

Region Tibet" erklärt. Die Bezeichnung der Autonomie erfüllte jedoch nie den wahren Sinn, denn die VR

China nahm zu großen, die Tibeter in ihrem Leben stark einschränkenden Teilen, Einfluß an der

politischen und auch kulturellen Entwicklung des tibetischen Volkes.

Zunächst einmal gilt Religion für die chinesische kommunistische Ideologie als ,,Gift", da die Religion das

Volk an der Auslebung des Kommunismus hindert. Daher verfolgte die Volksrepublik China in Bezug auf

diesen Punkt eine Politik der Unterdrückung der Religion. Dies äußerte sich in Tibet besonders stark, da

die ursprüngliche Kultur des tibetischen Volkes durch Religion grundlegend geprägt war und ist.

Untersuchungen der ′Internationalen Juristenkommission′ ergaben schon 1959 und 1960, dass die

Volksrepublik China die ,,systematische Absicht" verfolge, ,,die Tibeter als besondere Nation ganz oder

teilweise sowie die buddhistische Religion in Tibet zu zerstören".

Diese Absicht äußerte sich durch Verfolgung der Religion in Form von Zwang zum Abschwören der

Religion, teilweise Tötungen von Repräsentanten des Buddhismus etc..

1966 spitzte sich dieser Teil der chinesischen Politikführung zu, als die Phase der ′Kulturrevolution′

begann. Diese Kulturrevolution verfolgte ein von Lenin entworfenes Konzept, das von Mao aufgegriffen

wurde, um nach dem Scheitern des ′Großen Sprungs nach vorne′ - das ihm viel politische Macht gekostest

hatte- wieder an die Macht zu kommen. Die Idee der Kulturrevolution liegt in der Bekämpfung der ,,Vier

Alten", nämlich der alten Bräuche, der alten Gewohnheiten, der alten Kultur und Denkmuster, wodurch

die Menschen des Staates neu, d.h. sozialistisch geformt werden sollen. Die Kulturrevolution hatte in

Tibet zur Folge, dass die Religionsausübung gewaltsam unterdrückt wurde: alle bis auf 13 der Tausenden

von Klöstern, die es in Tibet gab, wurden zerstört. Es gab Programme zur Umerziehung der Menschen, in

denen sie dem Buddhismus abschwören sollten, um die sozialistische Ideologie aufzunehmen. Sehr viele

Tibeter kamen während dieser Zeit um, man spricht von etwa einem Fünftel der vorherigen tibetischen

Bevölkerung. Diese Opfer starben entweder durch Gewaltakte der Chinesen oder schlichtweg durch

Hunger, der sich durch die Wirtschaftspolitik der Chinesen begründete, die die Umwälzung der

Landwirtschaft beinhaltete.

1979 endete die Kulturrevolution, und die chinesische Regierung sah im Nachhinein ein, dass die

Ausmaße zu große Formen angenommen hatten. Offiziell schob man die Schuld allerdings der

′Viererbande′ zu, die aus vier chinesischen Spitzenpolitikern bestand. Diese Politiker wurden für ihre

rigorose Politik später verurteilt.

Die Kulturrevolution zerstörte zwar den Großteil des buddhisischen kulturellen Erbes und kostete einer

unheimlich großen Zahl Tibetern das Leben, dennoch schaffte sie es nicht, den buddhistischen Glauben

an sich zu zerstören, denn in den Köpfen und Herzen der Tibeter existierte und exestiert er weiterhin.

Anfang der 80er Jahre kehrte zeitweilig eine gemäßigtere Politik ein, in Tibet wurden mehrere Klöster

restauriert. Da das Tempo dieser Aufbauarbeiten den Chinesen allerdings zu schnell ging, wurde 1994 die

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Zahl der Mönche festgelegt, und man kann seitdem nur noch Mönch werden, wenn man strenge

Bedingungen der Chinesen erfüllt wie z.B. die Anerkennung der kommunisischen Ideologie oder die

nachweisbare für China sprechende politische Vergangenheit der Mönchsanwärter.

1989 entwickelten sich aus zunächst friedlichen Demonstrationen in Lhasa andauernde Unruhen,

woraufhin die chinesische Regierung das Kriegsrecht über die Autonome Region Tibet verhängt.

Trotzdem fanden in der Folgezeit Demonstrationen statt, die durch Verhaftungen hart gestraft wurden.

Nachdem ab dem 1.März1990 wieder Touristen in das Land einreisen durften und in Bezug darauf keine

Zwischenfälle stattfanden, hob die chinesische Regierung das Kriegsrecht am 1.Mai1990 wieder auf.

Heute nimmt die chinesische Regierung immer noch Einfluß auf die religiöse Freiheit der Tibeter und

schränkt diese stark ein. Eine besondere Form dieser Einflußnahme ist auch die Kontrolle und Mitwirkung

der Chinesen bei der Auffindung der verschiedenen Rein-karnationen der Lamas. Ein Beispiel dafür ist

der Pantschen Lama, der 1989 verstarb. Der 14.Dalai Lama ernannte daraufhin seine Reinkarnation,

jedoch ein von der chinesischen Regierung ernanntes Kommitee revidierte dieses Ernennung, entführte

den von dem Dalai Lama ernannten neuen Pantschen Lama und setzte einen anderen Jungen dafür ein.

Der Pantschen Lama zählt heute als der jüngste politische Gefangene auf der Welt.

Auch die Ernennung der Reinkarnation des 1997 verstorbenen Reting Rinponche wurde von der

chinesischen Regierung bestimmt. Das Ziel dieser Politik bezieht sich aller Wahrscheinlichkeit nach auf

die in den nächsten Jahrzehnten bevorstehende Auffindung der Reinkarnation des jetzigen Dalai Lamas,

der immerhin auch schon 65 Jahre alt ist. Sollte es der chinesischen Regierung gelingen, diese

Reinkarnation zu bestimmen, würde eine wichtige Position des Widerstandes gegen die Politik in Bezug

auf Tibet verlorengehen, die heute durch Aufklärungsarbeit der Exilregierung unter der Führung des Dalai

Lamas geleistet wird.

Ab 1983 begann eine Bevölkerungspolitik der Chinesen, in der das Ziel verfolgt wird, die Tibeter in ihrem

eigenen Land zur Minderheit zu machen. Das ist mittlerweile geschehen, denn es leben heute ca. 7,5 Mio.

Chinesen und 6 Mio. Tibeter in Tibet, wobei die chinesische Bevölkerung auf dem neuen Arbeitsmarkt

bevorzugt wird, unter den Tibetern herrscht eine große Arbeitslosigkeit.

Die Folgen dieser Sinisierungspolitik stellt wieder eine große Bedrohung für die tibetische Kultur dar, da

die Überzahl der Chinesen eine Unterdrückung der Kultur zur Folge hat.

Ergänzend zu der Bevölkerungspolitik in Bezug auf das Ziel, die Tibeter zu einer Minderheit im eigenen

Land zu machen, müssen sich auch die Tibeter der strengen Geburtenkontrolle unterwerfen. Hierzu gibt

es viele Berichte über Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen, die grobe Verstöße gegen die

Menschenrechte darstellen.

Verhandlungsversuche des Dalai Lamas, in denen er die Suzeränität gegenüber China anerkennen würde,

wenn die chinesische Regierung im Gegenzug die Innenpolitik der Autonomen Region Tibets durch die

Tibeter selbst bestimmen lassen würde, scheiterten wiederholt an der Kompromißlosigkeit und an der

mangelnden Gesprächsbereitschaft der chinesischen Regierung. Dies könnte allerdings auch daran liegen,

dass die chinesische Regierung auf das Ableben des Dalai Lamas hofft, da sie davon ausgeht, dadurch

Tibet endgültig an sich binden zu können. Dazu ein Zitat eines vertraulichen Dokumentes, dass von einem

chin. Kader verfasst und dann in einer tibetischen Tageszeitung Ende `99 in In-dien veröffentlicht wurde:

,,...Der Dalai Lama ist nun ziemlich alt. Spätestens in 10 Jahren wird er sterben. Wenn er tot ist, ist die

Tibet-Frage für immer geklärt..."

Der Dalai Lama setzt sich heute durch Öffentlichkeitsarbeit und Publikmachung seiner gewaltlosen

Vorstellungen dafür ein, dass die Menschenrechtssituation in Tibet zur Kenntnis genommen wird.

1987 stellte er einen ′5-Punkte-Plan′ vor, in dem er seine Vorstellung für die Lösung der Tibet-Frage

erläutert. Dazu gehört die Umwandlung Tibets in eine Zone der Gewaltlosigkeit, das Beenden der

chinesischen Sinisierungspolitik, Menschenrechte und demokratische Freiheiten für das tibetische Volk,

Umweltschutz und die Aufnahme von Verhandlungen zwischen Tibet und China.

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Für seinen Einsatz für die gewaltlose Lösung der Tibet-Frage erhielt der Dalai Lama 1989 den

Friedensnobelpreis.

4. Der tibetanische Kreidekreis

Der Begriff des ′tibetanischen Kreidekreises′ ist kein allgemein gebräuchlicher, sondern es handelt sich hier

um die symbolische Anwendung der Kreidekreisgeschichte auf die Situa-tion in Tibet.

4.1 Der Kreidekreis

Die Kreidekreishandlung ist eine in mehren literarischen Werken behandelte Konfliktbe-trachtung, die

eine Entscheidungsmöglichkeit im Antagonismus Macht-Liebe besetzt. Chronologisch geordnet trat der

Sinn der Kreidekreishandlung das erste Mal in einer Bibelgeschichte namens ′Salomons Urteil′ auf. In

dieser Geschichte urteilt Salomon, der neue Herrscher des jüdischen Volkes über den Streit zweier Frauen

um ein Kind. Die Art seines Urteils bewies dem Volk seine Weisheit, wodurch er eine besondere Achtung

erhielt. Eine weitere Kreidekreishandlung findet man in dem chinesischen Drama ′Hui-Lan Chi′ von Li

Ch`ien-Fu aus dem 13.Jahrhundert. 1925 schrieb Klabund das Spiel ′Der Kreidekreis′, dessen Handlung er

von dem chinesischen Drama aufnahm, dabei aber die Charaktere feiner zeichnete, während sie in dem

Drama von Li Ch`ien-Fu eher typenhaft beschrieben sind. 1954 brachte Bertold Brecht sein Werk ′Der

kaukasische Kreidekreis′ heraus, in dem er ebenfalls die Rahmenhandlung erhielt, diese jedoch verfeinerte

und weiter ausbaute.

Die Kernhandlung der Kreidekreisprobe läßt sich folgendermaßen beschreiben: Es geht um zwei Frauen,

die im Streit um ein Kind stehen. Dazu ist es gekommen, weil eine der Frauen, die nicht die leibliche

Mutter ist, Anspruch auf das Kind erhebt, da sie es sozusagen aufgezogen hat und sich als wahre Mutter

für das Kind sieht. Als die beiden Frauen diese Frage gerichtlich klären wollen, macht der Richter eine

Kreidekreisprobe: Er läßt einen Kreidekreis auf den Boden malen und stellt das Kind in die Mitte des

Kreises. Beide Frauen sollen es nun jeweils an einer Hand nehmen und dann versuchen, es auf ihre Seite

aus dem Kreis herauszuziehen. Die wahre Mutter des Kindes erkennt der Richter nun daran, dass sie das

Kind losgelassen hat, um es nicht zu verletzen, da sie es liebt. Die andere Frau jedoch zog das Kind zu

sich, bekam es aber vom Richter dennoch nicht zugesprochen, da er erkannte, dass ihr ihre Bedürfnisse,

nämlich das Kind zu bekommen, wichtiger waren als das Wohlergehen des Kindes.

4.2 Bezug Tibets auf die Kreidekreisprobe

Ausgangspunkt der sino-tibetischen Auseinandersetzung ist der Souveränitätsanspruch Chinas auf das

tibetische Staatsgebiet. Dabei sind also das tibetische Volk einerseits und die chinesische Militärmacht

andererseits die Parteien im Widerstreit um Tibet.

Das tibetische Volk hat eine eigene, von China unabhängige Religion, Sprache, Schrift etc. und damit

Kultur. Sein Wunsch ist es, diese Kultur ungestört und ungehindert ausüben zu können. Da das Volk

schon seit beinahe 2000 Jahren in dem Hochland des Himalajas, dem Staatsgebiet lebt, befinden sich dort

auch wichtige traditionelle und kulturelle, vor allem religiöse Stätten wie Klöster, Tempel etc..

China dagegen erhebt Anspruch auf Tibet aus angeblichen traditionellen Gründen der schon

langandauernden festen Bindung Tibets an China, die jedoch durch viele Darstellungen und

Untersuchungen dementiert ist, da feststeht, dass Tibet bis zur Besetzung durch China faktisch

unabhängig gewesen ist und einen souveränen Staat darstellte. Dies zeigt sich auch schon allein durch die

Errichtung eines tibet. Amtes für auswärtige Angelegenheiten in Lhasa, als sich 1943 die diplomatischen

Tätigkeiten zu einer Dimension entwik-kelten, die ein solches Amt benötigte. Außerdem wurden zu dieser

Zeit auch tibetische Pässe als allgemein gültige Ein- und Ausreisepapiere auf der ganzen Welt behandelt,

was man als globale Anerkennung der Souveränität Tibets sehen kann (Denn wäre es nicht aus-

gesprochen inkonsequent, einen Staat als nicht souverän zu bezeichnen, dessen Pässe man

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allgemeingültig akzeptiert?).

Das Kind, um das es bei der Auseinandersetzung der Frauen in den Kreidekreisgeschichten geht, ist

symbolisch auf die Tibet-Frage bezogen die Souveränität über Tibet in politischer und ideologischer

Hinsicht.

Die ′wahre′ Mutter des Kindes in der Kreidekreisgeschichte ließ bei der Kreidekreisprobe das Kind los, um

den größten Schaden, nämlich eine Verletzung körperlicher Art zu vermeiden. Dadurch zeigte sie Größe,

da sie ihre eigenen Bedürfnisse, nämlich das Kind bei sich zu behalten, zurückstellte und dafür das

kleinere Übel für das Kind (die Mutterschaft der anderen Frau) zugelassen hätte. So war für sie das

primäre Wohlergehen des Kindes sichergestellt.

Bei der symbolischen Übertragung ist nun das tibetische Volk unter der Führung des Dalai Lamas mit der

′wahren′ Mutter gleichsetzen. Denn als es zu der Situation des Zerrens um das Kind, also Tibet kam,

erfolgte vor allem ab 1959 kaum nennenswerter gewaltsamer Widerstand. Das tibetische Volk fügte sich

der ihnen gegenüberstehenden chinesischen Macht, und stellte das Bedürfnis, die Souveränität über Tibet

zu behalten, hintenan, um den Fortbestand der tibetischen Kultur, insbesondere der Religion des

Buddhismus, zu-mindest in den Herzen und Köpfen der Tibeter, sicherzustellen.

China hingegen riss die Souveränität über Tibet gewaltsam an sich und ist so mit dem symbolischen

Charakter der das Kind nicht verdienenden Frau gleichzusetzen.

Gerade durch sein gesamtes Handeln gegenüber der tibetischen Kultur beweist China, dass es die

Souveränität und Herrschaft über Tibet nicht verdient. China setzt seine Vorstellungen in Bezug auf die

Anerkennung seiner Ideologie und des Erreichens eines perfekt funktionierenden sozialistischen Staates

auf eine brutal machtpolitische Weise durch Gewaltakte durch, ohne Rücksicht auf die tibetische Kultur.

Diese Kultur stellt für China sogar eine Bedrohung dar, da sie durch ihre Philosophie der

kommunistischen Ideologie im Wege steht. Die Zerstörung dieser Kultur und Ideologie des Lebens hat

nichts mit Liebe oder Anerkennung für das tibetische Volk zu tun.

Es bleibt noch die symbolische Position des Richters zu klären: bisher gab es keine dem Kreidekreis

entsprechende Richterfigur oder - institution, die ein vergleichsweise weises, die Tibet-Frage beendendes

Urteil gesprochen hat.

Allerdings gibt es Institutionen, die die Aufgabe hätten, gemäß den Maximen des Kreidekreisrichters zu

handeln:

Zunächst einmal regelt das Völkerrecht zwischenstaatliche Beziehungen. Das Völkerrecht ist verfasst

worden durch die UNO. Und hier stellt sich ein Problem: China hat Verstöße gegen Gesetze und

Bestimmungen wie das Völker- und auch das Menschenrecht begangen, obwohl sie beide anerkannt und

unterzeichnet hat. Somit fällt die Behandlung dieser Angelegenheit unter das Aufgabengebiet der UNO.

Jedoch diese ist hier handlungsunfähig, da China eines der fünf Mitglieder des ständigen Sicherheitsrates

der UNO ist und dadurch einen großen Machtfaktor in Bezug auf die Handlungen der UNO darstellt

(Vetorecht).

Auch außerhalb der UNO hat China faktisch gesehen ein großes Machtpotential, schon alleine durch seine

hohe Bevölkerungsanzahl und militärische Größe. Daher wagen es die Staaten dieser Welt nicht, sich

gegen China aufzubäumen und dadurch ein großes Risiko der internationalen Sicherheit einzugehen. Der

wirtschaftliche Faktor spielt ebenfalls eine große Rolle, da es einige Staaten gibt, die von China abhängig

sind (auch für Deutschland ist China wirtschaftlich gesehen relativ wichtig). Auch der Versuch der

wirtschaftlichen Isolation z.B. durch die USA, die für die chinesische Wirtschaft eine große Rolle spielt,

zur Durchsetzung der Achtung der Menschenrechte wäre risikohaft, da dies erhebliche negative

Konsequenzen für unschuldige und nicht am Konflikt beteiligte Personen haben würde.

5. Konflikt um Selbstbestimmung

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5.1 Definition Selbstbestimmung

Selbstbestimmung ist die Möglichkeit zu individuellen gesellschaftlichen oder politischen Handlungen.

Dies ist nur möglich, wenn eine eventuell herrschende Fremdbestimmung aufgehoben worden ist, und

bedeutet dann, dass ein autonomes Objekt (Gesellschaft oder Staat) die Möglichkeit hat, frei gemäß der

eigenen Vernunft zu handeln und in diesem Zuge Gesetze, Normen und Regeln dieses Handelns selber zu

entwerfen.

Im Völkerrecht ist das Selbstbestimmungsrecht ein zu den Grundrechten eines jeden Staates oder einer

jeden Nation gehörendes Recht, dass beinhaltet, dass diese Staaten und Nationen das Recht haben, sich

selber politisch, wirtschaftlich, sozial und kulturell frei zu bestimmen.

Die UN-Charta hat das Recht der Selbstbestimmung zu einem ihrer grundlegenden Ziele erklärt.

Außerdem hat die KSZE dieses Recht 1975 in seiner Schlußakte bekräftigt.

Die tibetische Exilregierung beschreibt Selbstbestimmung als das Recht der Menschen, ,,to determine

their own political status and to determine their econemic, social and cultural development", wobei sie

sich auf die ′International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights′ und auf die ′Intenational

Covenant on Civil and Political Rights′ bezieht.

5.2 Selbstbestimmung?

Das Recht des auf Selbstbestimmung ist dem tibetischen Volk seit der Übernahme durch China entsagt

worden. China nahm die Entscheidungsgewalt in nahezu sämtlichen Gebieten der Gesellschaft an sich

und bestimmte nach seinen Vorstellungen das politische System und die ökonomische, kulturelle und

soziale Entwicklung Tibets. Somit entsagte die chinesische Regierung dem tibetischen Volk sein

völkerrechtlich festgelegte Recht auf Selbstbestimmung.

Die tibetische Exilregierung schildert in einem Dokument namens ′The Status of Tibet′ ih-re Position

gegenüber dem Begriff ′Selbstbestimmung′, vor allem im Bezug auf die ihr selbst wiederfahrene Situation.

Es wird beschrieben, dass dem tibetischen Volk die Wahl über seine Lebensweise genommen worden ist.

Diese Wahl hätte dem Volk aber zugestan-den, was auch UN-Resolutionen, in denen China aufgefordert

wurde, in seiner Tibet-Poli-tik die Rechte auf Menschenrechte, Freiheit und das Recht auf

Selbstbestimmung mitein-zubeziehen, zeigen.

Auch die Internationale Juristenkommision beschäftigte sich 1992 mit dem Recht der Selbstbestimmung

des tibetischen Volkes, und kam zu dem Schluß, dass ihm das Recht der Selbstbestimmung entsagt

worden wäre, das ihm jedoch zustände. Stattdessen wird Tibet durch die Fremdherrschaft der Chinesen

verwaltet.

Die gewaltlose Haltung und auch die Öffentlichkeitsarbeit des Dalai Lamas drücken den Wunsch nach

Selbstbestimmung in Form von der Möglichkeit, die autonome Region Tibet eigenmächtig verwalten

zu

können, aus. Diese Position Tibets wird auch durch verschiedene Zitate des Dalai Lamas deutlich, z.B.:

"Wie ich schon viele Male gesagt habe, will ich lediglich, dass das tibetische Volk die Gelegenheit zu

echter Selbstbestimmung erhält, um seine Zivilisation zu bewahren und die einmalige tibetische Kultur,

Religion, Sprache und Lebensart zu pflegen und zu entwickeln"

Aufgrund dieser Informationen läßt sich sagen, dass die Selbstbestimmung ein wichtiges Kriterium für

das tibetische Volk ist. Denn es geht den Tibetern schon länger gar nicht mehr darum, ihre volle

Souveränität über Tibet wiederzuerlangen, sondern viel größer ist der Wunsch, sich selber bestimmen zu

können.

Dieses Anliegen wird von den Chinesen allerdings nahezu komplett ignoriert. In einem von der

chinesischen Regierung herausgebrachten sogenannten Weißbuch, in dem die angeblichen

Verbesserungen in den menschenrechtlichen Verhältnissen in Tibet und China beschrieben sind, wird die

Selbstbestimmung gar nicht angesprochen. Auch ansonsten war es nicht möglich, Zitate oder

Stellungnahmen über die Selbstbestimmung der Tibeter von den Chinesen zu bekommen. Dies

verdeutlicht, dass die chinesische Politik eine große Ignoranz gegenüber den tibetischen Bedürfnissen

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Titel: Tibet-der tibetanische Kreidekreis-ein Konflikt um Selbstbestimmung?

Datum:14.02.1997

URL: \\tanja\desktop\Einzelne Arbeiten\starwriter\pol-tibet.sdw

Uhrzeit: 14:31:37

beinhaltet, denn ohne Rücksicht auf den Willen des Volkes wurde und wird eine Politik nach sozialistisch-

diktatorischen Grundla-gen geführt, deren Ergebnisse als Fortschritte in der tibetischen Gesellschaft

propagiert werden. Die Tatsache, dass die Mittel dieser Politik die Selbstbestimmung der Tibeter un-

tergraben und dass es sich um Mittel handelt, die der Natur der tibetischen Kultur wider-sprechen,

verdeutlicht die Gegensätzlichkeit der verschiedenen Positionen in Bezug auf die Einstellung gegenüber

der Notwendigkeit der Selbstbestimmung des tibetischen Volkes. Es ist auch nicht auszuschließen, dass

die chinesische Regierung den Tibetern die Selbst-bestimmung entsagt, da sie befürchtet, durch die

Zulassung derselben die Kontrolle über Tibet zu verlieren, da dies sicherlich eine andere Gesellschaftsform

als erwünscht zur Kon-sequenz hätte.

5.1 Definition ′Konflikt′

Das Wort ′Konflikt′ kommt aus dem lateinischen (confligere) und bedeutet dort ,,zusammenschlagen,

zusammenstoßen, aneinandergeraten".

Es beschreibt einen Zwiespalt, eine Auseinandersetzung oder einen Streit zwischen Personen, Staaten,

Gruppen o.ä.. Ein Konflikt kann aber auch die Bezeichnung für einen inneren Widerstreit von Motiven,

Wünschen und/oder Bestrebungen sein.

Ein Konflikt entsteht aus einem Interessengegensatz, woraus Auseinandersetzungen unterschiedlicher

Intensität und Gewaltsamkeit zwischen Personen, Gruppen, Organisationen, Gesellschaften, Staaten oder

Staatengruppen folgen. Die Interessengegensätze können aus unterschiedlichen Ansichten über Werte,

Lebensziele, Status-, Macht-, oder Verteilungs-verhältnisse entstehen, aber auch aus gegensätzlichen

Motivationen und psychischen An-trieben oder durch verschiedene Meinungen über Ansprüche an

gesellschaftliche Ord-nungen.

5.3 Konflikt?

In der sino-tibetische Beziehung stehen sich Antagonisten gegenüber, die Interessen in verschiedenen

Ebenen der Geisteshaltung vertreten. Tibet geht es, wie oben schon beschrieben, um Selbstbestimmung

zur Auslebung seiner Kultur. Dieses Ziel soll durch eine Haltung der Gewaltlosigkeit und durch Dialoge

erreicht werden. China hingegen hat das Ziel, Tibet völlig in seinen Staat einzubeziehen, was bedeutet,

dass die tibetische Kultur der Chinesischen weichen soll. Um dies zu erreichen, wird vor militärischer

Gewalt nicht ge-scheut.

Daher läßt sich sagen, dass es sich hier um einen Interessengegensatz in Bezug auf unterschiedliche

Ansichten über die ′richtige′ Staats- und Gesellschaftsform Tibets geht. Diese unterschiedlichen Ansichten

und Geisteshaltung führten zu einer Auseinandersetzung, die durchaus als Konflikt bezeichnet werden

kann.

Allerdings gibt es an diesem Konflikt eine Besonderheit: da die Antagonisten verschiedene

Geisteshaltungen in Bezug auf Anwendung von Gewalt vertreten, handelt es sich nicht um einen Konflikt,

bei dem mit gleichen Mitteln bzw. Waffen gekämpft wird.

Chinesische militärische Gewalt steht einer Gewalt verabscheuenden Ideologie gegenüber. Somit findet

der Konflikt auf zwei verschiedenen Ebenen statt: zum einen wird das tibetische Volk gewaltsam

unterdrückt und dem äußeren Anschein nach in die chinesische Staatsform gepresst, da die Tibeter gegen

diese Form der Gewalt machtlos sind. Andererseits kann China nichts gegen die gewaltlose

Geisteshaltung des tibetischen Volkes unternehmen, da diese Haltung eine ′leise Macht′ darstellt, die die

Chinesen nicht beherrschen. Somit wird die Ideologie der tibetischen Kultur von den Chinesen in den

Herzen der Tibeter nicht zerstört werden können.

5.5 Konflikt um Selbstbestimmung?

Für Tibet geht es um das Bedürfnis nach Selbstbestimmung. China hat vor allem ein Interesse an

Machtexpansion, infolgedessen auch daran, daß Tibet sich nicht selbst bestimmt. Denn eigentliches Ziel

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Titel: Tibet-der tibetanische Kreidekreis-ein Konflikt um Selbstbestimmung?

Datum:14.02.1997

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Uhrzeit: 14:31:37

Chinas ist es, Tibet völlig unterzuordnen.

Da es sich also um unterschiedliche Ansichten über den Gegenstandsbereich der Selbstbestimmung

Tibets handelt, muß man von einem ′Konflikt um Selbstbestimmung′ reden.

Allerdings wird dieser Konflikt nicht mit gleichen Mitteln ausgetragen, denn die chinesische Militärgewalt

steht einer leisen Macht der unzerstörbaren tibetischen Ideologie gegenüber.

6. Fazit

Zusammenfassend läßt sich feststellen, dass man es bei den sino-tibetischen Beziehungen sowohl mit

einem kreidekreisähnlichen Konfliktumgang als auch mit einem Konflikt um Selbstbestimmung zu tun

hat:

Die wahre Mutter der Kreidekreishandlung wird von dem tibetischen Volk unter der Führung des Dalai

Lamas dargestellt, die das Kind, nämlich die Bestimmung über Tibet, nicht verdienende Frau ist China.

Eine mögliche Richterinstanz für die Kreidekreishandlung konnte in der Institution der UNO dargestellt

werden, die jedoch in der Abwägung einer singulären gegenüber einer globalen Interessenvertretung sich

bisher zugunsten der letzteren entschieden hatte.

Mit dem Andauern des Konfliktes ließ Tibet zunehmend mehr vom Gegenstand des zu Bestimmenden los

- es blieb vor allem der ideologische Anteil - , hier vor allem die Religion des Buddhismus, während auf

der anderen Seite China seine Machtexpansion weiter ausdehnt, wobei es Gefahr läuft und wohl auch

bewußt riskiert, Volk und Kultur von Tibet zu zerstören.

Eine Sicht in die Zukunft läßt den Fortgang dieser tibetischen Kultur und Menschen ungewiß erscheinen -

der machtpolitische Versuch eines Zugriffes Chinas auch auf die tibetische Religion durch Einflußnahme

auf die Ernennung der Reinkarnationen von hochgestellten Lamas ist sicher nur ein ohnmächtiger

Versuch der Kontrolle auch über diesen Bereich.

Möglicherweise müßte man sehr weit in die Zukunft sehen können, um eine Prognose über den

Fortbestand der buddhistischen Idee anstellen zu können. In dem ungleichen Kampf von Liebe (zum

Buddhismus) gegen Macht (über das Territorium) mag sich durchaus ersteres langfristig durchsetzen.

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