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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 57 Pages
Author: Antje Leupold
Subject: German Studies - Semiotics, Pragmatics, Semantics
Details
Institution/College: Dresden Technical University (Institut für Germansitik)
Tags: Sprachkritik, Jahrhundert, Hauptseminar, Sprachgeschichte, Jahrhunderts
Year: 2002
Pages: 57
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-16749-9
File size: 292 KB
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Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Dresden
Institut für Germanistik
Lehrstuhl für Germanistische Linguistik
und Sprachgeschichte
Hauptseminar: Sprachgeschichte des 19. Jahrhunderts
Sprachkritik im 19. Jahrhundert
- Ein Überblick -
Hausarbeit
SS 2002
Antje Leupold
10. Semester Germanistik/Sprachwissenschaft (HF)
11. Semester Soziologie (NF)
6. Semester Angewandte Linguistik (NF)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gegenstandsbestimmung - Formen der Sprachkritik
2.1 . Formen der Sprachkritik nach Heringer
2.2. Formen der Sprachkritik nach von Polenz
2.3. Allgemeine Bemerkungen zur vorliegenden Arbeit
3. Der sprachkritische Weg ins 19. Jahrhundert
3.1. Joachim Heinrich Campe - Der französische Traum in Deutschland
3.2. Campes Sprachprogramm
4. Sprachkritik des 19. Jahrhunderts
4.1. Die erste Jahrhunderthälfte - Sprachkritik im Spiegel der Aufklärung
4.2. Die Situation des Bürgertums zu Beginn des 19. Jahrhunderts
4.2.1. Klassengesellschaft als Ursache für Sprachkritik
4.2.2. Die politische Öffentlichkeit in Deutschland
4.3. Carl Gustav Jochmann - Sprache und Öffentlichkeit
4.4. Die zweite Jahrhunderthälfte - Sprachkritik im Dienst sozialer Abgrenzung
4.5. Jacob Grimm und der Sprachverfallsmythos
4.6. Grundlegende Veränderungen im Gesellschaftssystem
4.6.1 Kommunikative Folgen des gesellschaftlichen Wandels
4.6.2. Die Verteidigung bildungsbürgerlichen Sprachkapitals
4.6.3. Entkonturierung des Bildungsbürgertums und Verbürgerlichung
von Adel und Arbeiterschaft
4.7. Arthur Schopenhauer - Sprachskepsis und Sprachpessimismus
4.8. Friedrich Nietzsche - Sprachkritik als Begriffskritik
4.9. Friedrich ´Fritz` Mauthner - Erkenntniskritik und Ideologiekritik
4.10. Hugo von Hofmannsthal - (Ver-) Zweifeln an der Sprache
4.11. Pressekritik - Zeitungsdeutsch im und unter Druck
4.11.1 Ferdinand Kürnberger - Zeitungskritik im Zeitalter der Massenmedien
4.11.2. Karl Kraus - Der Nörgler
5. Anstelle eines Schlusswortes
6. Literatur
1. Einleitung
Eine grundlegende Feststellung gleich an aller erster Stelle: Die Sprachkritik existiert nicht. Wichtig aber auch problematisch ist, dass man unter dem Begriff ´Sprachkritik` verschiedene Vorstellungen einer wie auch immer gearteten Kritik an Sprache subsumieren kann. Es existieren also nur verschiedene Formen der Sprachkritik. Bei Schwinn findet sich eine minimale Definition von ´Sprachkritik`, die die Gemeinsamkeit aller Arten von Sprachkritik vereint; diese kann nur lauten:
Sprachkritik ist Kritik an Sprache mit Sprache.1
Gemeinsam ist jeder Kritik an Sprache also, dass sie sich der Sprache bedient, um eben dieselbe zu kritisieren. Trotz dieses offensichtlichen Zirkelschlusses kann man nicht umhin, festzustellen, dass es keine andere Möglichkeit gibt, als von einer Metaebene herab mit Sprache auf Sprache zu schauen. Eine sprachkritische Äußerung macht folglich von der metasprachlichen Funktion dadurch Gebrauch, dass etwas mit Sprache über Sprache ausgesagt wird, und sie gibt zusätzlich noch eine Bewertung desjenigen sprachlichen Gegenstands ab, über den die Aussage gemacht wird. Schiewe formuliert es in etwas anderen Worten: "Sprachkritik hat es mit dem Sollen von Sprache zu tun. Sie macht Aussagen darüber, wie Sprache ´aussehen` oder wie sie benutzt werden soll."2 Im Vergleich zur Sprachwissenschaft allgemein besteht der Unterschied darin, dass die Sprachkritik Bestehendes wertet, während die Sprachwissenschaft dies lediglich beschreibt.
Wie bereits erwähnt, ist Sprachkritik nicht gleich Sprachkritik. An dieser Stelle wird es notwendig, einen Überblick zu geben über all das was man unter Sprachkritik verstehen kann. Hierzu sollen zwei Autoren herangezogen werden, die sich bereits ausführlich mit dem Bereich ´Sprachkritik` befasst haben und dementsprechend die verschiedenen Arten differenziert und dargelegt haben. Heringers Versuch einer Systematisierung der Facetten der Sprachkritik soll den Anfang dieses einführenden, theoretischen Teils der Ausführungen zum Thema ´Sprachkritik` bilden, gefolgt vom Gliederungsvorschlag von Peter von Polenz.
2. Gegenstandsbestimmung - Formen der Sprachkritik
2.1. Formen der Sprachkritik nach Heringer
Wie Heringer mit Recht feststellt, wurde noch keine Universal-Geschichte der Sprachkritik geschrieben: "Die Geschichte der Sprachkritik ist nicht geschrieben. Sie scheint zu umfassend und zu disparat, um als Geschichte einer Disziplin geschrieben zu werden."3 Heringer unternimmt nun den Versuch, die verschiedenen Formen der Sprachkritik zu systematisieren. Sein Ziel bzw. seine Vorgehensweise ist es, die Geschichte der Kritik an politischer Sprache anhand unterschiedlicher Stränge innerhalb der Sprachkritik nachzuzeichnen.
Heringer unterscheidet zwischen philosophischer Sprachkritik, Kritik an einer Einzelsprache und der Kritik an individuellen Äußerungen einzelner Sprecher. Die Darstellungsweise Heringers wirkt zunächst verwirrend, da er die einzelnen Stränge der Sprachkritik zusätzlich noch aus Perspektive zweier unterschiedlicher Bedeutungstheorien heraus betrachtet. Die sprachkritische Vorgehensweise trennt er in die Kritik am Sprachsystem und die Kritik der Sprachverwendung; und zusätzlich bemerkt er noch, dass bei einer sprachkritischen Betrachtung der Sprachverwendung neben der abbildungstheoretischen auch noch die gebrauchstheoretische Vorstellung eine wesentliche Rolle spielt. Damit nicht genug: den einzelnen dargestellten Strängen der Sprachkritik ordnet Heringer noch die jeweils eigene Sprachbeschreibungsebene zu: der philosophischen Sprachkritik die Metaebene der erkenntnistheoretischen Sprachbetrachtung, der Kritik an einer Einzelsprache die Ebene der Sprachsystembeschreibung und der Kritik an individuellen Äußerungen einzelner Sprecher die Ebene der Sprachverwendung.
[...]
1 Schwinn (1997), S. 1.
2 Schiewe (1989), S. 15.
3 Heringer (1988), S. 4f.
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