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Autor: Lars Eufinger
Fach: Technik
Details
Tags: Handlungsorientierte, Entwicklung, Prototypen, Fertigung, Industriemechanikerklasse, Fachstufe, Lehramt
Jahr: 2001
Seiten: 55
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 456 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-01247-3
Volltext (computergeneriert)
Einleitung
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung von sogenannten
Brake-Boostern, die als Verstärkungselemente an Fahrradbremsen dienen.
Die Idee hierzu entstand im Rahmen der vorhergehenden Unterrichtseinheit
im Fach Technische Mathematik zum Thema Getriebe. In dieser
Unterrichtseinheit beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse
IM 98a mit Übersetzungsverhältnissen von Kettenschaltgetrieben am Beispiel
Fahrradschaltungen, wozu Fahrräder als Realgegenstände im Unterricht
verwendet worden waren. Im Rahmen der Reflexion sprachen wir über die
verschiedenen Varianten der Bremsen an Fahrrädern, auch der Sinn und
Zweck eines Brake-Boosters wurde diskutiert. Als ich zur Vorbereitung der
Unterrichtsreihe zur CNC-Technik die Schüler aufforderte, nach möglichen
Werkstücken zu suchen, die wir entwickeln könnten, wurde auch der Brake-
Booster vorgeschlagen und in der sich anschließenden Diskussion und
Abstimmung ausgewählt.
Um eine Unterrichtsreihe in der CNC-Technik handlungsorientiert umsetzen
zu können, war es nach meiner Einschätzung erforderlich, den Schülern die
Möglichkeit zu geben, ihr eigenes Handlungsprodukt zu entwickeln. Dabei
beschreibt der Begriff ,,entwickeln" die Handlungen: Planen, konzipieren,
entwerfen, ausarbeiten und vorbereiten für eine Serienfertigung.
Da ein solches Vorhaben, das sich an den Realbedingungen der betrieblichen
Wirklichkeit orientiert, davon lebt, über den Schritt der reinen Simulation
hinaus zu kommen, bat ich mehrere Ausbildungsbetriebe der Schüler sich an
der Herstellung und Prüfung der Prototypen zu beteiligen.
Dies erschien mir besonders sinnvoll, da sich die Möglichkeiten von Betrieben
und Schule im Rahmen dieser Unterrichtsreihe zur CNC-Technik ideal
ergänzen. So konnte im Rahmen des Unterrichts an der Schule die
Entwicklung der Prototypen bis zur Simulation der NC-Sätze erfolgen, um
Seite 1
diese dann in den Ausbildungsbetrieben anfertigen und prüfen zu lassen.
Dabei hatten die Schüler die Möglichkeit an CNC-Fräsen, wie sie auch in der
Produktion eingesetzt werden, die Prototypen selbst zu fertigen.
Die Ergebnisse dieser Arbeiten wurden dann in den Betrieben selbst
präsentiert. Hier gilt mein besonderer Dank an die Firma CORUS in Koblenz,
insbesondere Herrn Escher und Herrn Furch, der Firma TRW in Koblenz,
besonders Frau Haupt und Herrn Knauer und der Firma STABILUS, speziell
Herrn Kaballo, die durch ihr besonderes Engagement und ihre große
Kooperationsbereitschaft den Erfolg dieser Lernortkooperation ermöglicht
haben.
Aus der Zusammenarbeit entstand im Verlauf dieser Hausarbeit ein
Gesprächskreis mit allen an der Ausbildung beteiligten Institutionen
(Ausbildungsbetriebe, Industrielehrwerkstatt und Schule), der sich damit
beschäftigt, die Arbeitspläne der Ausbildungspartner gegenseitig
transparenter zu machen und besser aufeinander abzustimmen.
Die sich anschließende technische Bewertung der Prototypen und die
fachliche und methodische Reflexion der Unterrichtsreihe konnten dann im
Rahmen des folgenden Unterrichts in der Schule durchgeführt werden.
In dieser Hausarbeit betrachte ich im Besonderen die zielgerichtete
Projektplanung an der Schule, sowie die Erarbeitung und Präsentation der
Ergebnissen in den Betrieben CORUS und TRW.
Der fachtheoretische Teil der Arbeit beschäftigt sich mit den verschiedenen
Aspekten der Handlungsorientierung und den Konsequenzen, die sich hieraus
für die Planung und Durchführung dieser Unterrichtsreihe ergeben haben. Da
die Veröffentlichungen zur Thematik Handlungsorientierung ein breites
Spektrum für die verschiedenen Bereiche der schulischen Praxis behandeln,
möchte ich im fachtheoretischen Teil dieser Hausarbeit meine spezifische
Sichtweise von Handlungsorientierung herleiten und wissenschaftlich
begründen.
Seite 2
In dem sich anschließenden praktischen Teil der Hausarbeit möchte ich die
Unterrichtsplanung und ihre Durchführung darstellen. Hier soll auch der
gesamte Verlauf der Unterrichtsreihe kurz dargestellt und die Auswahl der
Bestandteile der Hausarbeit erörtert werden.
Abschließend soll die Unterrichtsreihe ausgewertet und reflektiert werden,
dabei möchte ich mich mit den Reflexionsschwerpunkten Praxisrelevanz,
Teilnehmerzufriedenheit, ermöglichte Kompetenzentwicklung,
Unterrichtsverlauf und Möglichkeiten der Lernortkooperation beschäftigen,
um dann meine Schlussfolgerungen aus den Reflexionen zu erläutern.
Seite 3
I
Fachtheoretischer Teil
I.1 Aspekte der Handlungsorientierung
I.1.1 Annäherung und Definition
Das didaktische Konzept der Handlungsorientierung lässt sich unter den
neueren Berufsbildungstheorien der evolutionären Theorie beruflicher
Bildung nach R. Arnold, W. Dürr, B. Ott u.a. zuordnen. ,,Für die neueren
evolutionären Theorien beruflicher Bildung ist die Orientierung an den
Konzepten von
Ganzheitlichkeit
und
Selbstorganisation
charakteristisch.
Berufliche Bildung soll die Selbstorganisationspotenziale von Individuen und
Betrieben fördern und umfassende Handlungskompetenzen zur Mitgestaltung
der betrieblichen und gesellschaftlichen Evolution anbahnen. Dabei kommt
dem didaktischen Konzept der Handlungsorientierung eine grundlegende
Bedeutung zu."1
Dieses didaktische Konzept bietet sich nach meiner Ansicht gerade in der
beruflichen Ausbildung im Bereich der Fachstufen an, um hier die möglichst
eigenständige Entwicklung von Fach-, Sozial- und Methodenkompetenzen zu
ermöglichen.
Der zugrunde liegende Lehrplan für den Ausbildungsberuf des
Industriemechanikers sagt dazu: ,,Insbesondere in den Fachstufen soll der
Schüler im fachtheoretischen Unterricht Denken in Zusammenhängen durch
Verknüpfung der technologischen Inhalte mit mathematischen und
zeichnerischen Problemstellungen im projektorientierten Unterricht
erfahren."2
Diese Forderungen basieren nach meiner Ansicht auf den Konsequenzen aus
dem Wandel der Arbeitsorganisationskonzepte und der Entstehung neuer
Anforderungsprofile, die sich als logische Konsequenz aus dem Wandel von
1 Arnold R.: Berufspädagogik kompakt, Berlin 1998, S.13
2 Lehrplanentwurf für die Fachstufe II an Berufsschulen des Landes Rheinland-Pfalz -Berufsfeld
Metalltechnik, Ausbildungsberuf Industriemechaniker/in- des Kultusministeriums Rheinland-Pfalz
vom Mai 1991
Seite 4
der traditionellen zur neuen Industrietechnik entwickelt haben. Gerade die
hier behandelte CNC-Technik fordert ein Team von Facharbeitern,
Technikern und Ingenieuren, die gleichzeitig zuständig und verantwortlich für
Entwicklung, Produktion, Instandsetzung und Qualitätssicherung der
Produkte sind, damit diese in flexibler Fertigung effektiv produziert werden
können.3
Diese Einschätzung bildet die Grundlage für die Auswahl und die
methodische Vorgehensweise
im Rahmen der beschriebenen
Unterrichtseinheit. Auf die Konsequenzen und Folgen, die sich im Verlaufe
des Unterrichtsgeschehens ergeben haben, möchte ich im praktischen Teil
dieser Arbeit eingehen.
I.1.2 Der Handlungsbegriff
Da solch eine Sicht von Unterricht spezielle Anforderungen an die
Handlungen von Lernern und Lehrern stellt, will ich nun den für mich
grundlegenden Handlungsbegriff definieren.
Neuere Handlungstheorien beinhalten häufig drei grundlegende Aspekte
einer Handlung: ,,Menschliches Tun im Sinne einer Handlung wird durch die
Trias
Planen, Durchführen
und
Kontrollieren
reguliert. Diese drei Begriffe
werden auch als Antizipationskomponente, Realisationskomponente und
Kontroll-, Reflexions- oder Bewertungskomponente bezeichnet."4
Wobei die Handlungskontrolle nicht am Ende einer jeden Handlung steht, sie
ist vielmehr ständiger Bestandteil und ist bereits in den Phasen des Planens
und Ausführens immanenter Bestandteil einer jeden Handlung. Dieses
Verständnis des Begriffes der Handlung führt schließlich zu einer Definition
der vollständigen Handlung:
3 Vgl. Schmidt, H.: Zur Zukunft von Qualifikation und Bildung, in: Hesse, J. J. u.a. (Hrsg.):
Zukunftswissen und Bildungsperspektiven. Baden-Baden 1998, S. 167-183
4 Gudjons, H.: Handlungsorientiert lehren und lernen: Schüleraktivierung Selbsttätigkeit
Projektarbeit, Regensburg 2001, S.48
Seite 5
1. Handlungsziel: Klärung, Begründung und Aushandlung mit dem Ziel
einer gemeinsamen Identifikation
2. Handlungsplan: Beurteilung der Ausgangslage, Bestimmung der
einzelnen Lösungsschritte, Festlegung einer Reihenfolge
3. Handlungsdurchführung: konkrete Umsetzung in einer hierarchisch-
zyklischen Struktur
4. Handlungsbewertung: Ergebnisprüfung, Konsequenzen
5. Verinnerlichung: Integration und Stabilisierung im
Handlungsrepertoire5
Diese Sichtweisen eines handlungsorientierten Unterrichts bildeten die
Grundlagen für die Planung und die Umsetzung dieser Unterrichtsreihe. Diese
Sichtweise harmoniert mit der Arbeitsweise in der beruflichen Praxis der
Schüler. Dies zeigt der Vergleich mit den Vorgehensweisen zur Entwicklung
von neuen Produkten in der Metalltechnik. (Abb. Seite 7)
Parallelen stellen sich nach meiner Ansicht besonders im Ablauf einer
vollständigen Handlung und des Entwickelns neuer Produkte dar. Beides sind
offene nicht determinierte Prozesse, die der Evolution von Neuem dienen.
Dabei geht es im metalltechnischen Sinne um die Produktentwicklung und im
didaktischen Sinne um die Kompetenzentwicklung im Rahmen eines
handlungsorientierten Unterrichts. Beide Bereiche zeichnen sich dadurch aus,
dass in jeder Phase Kontroll-, Reflexions- oder Bewertungskomponenten
stattfinden. Dies drückt sich im Vorgehensplan zur Schaffung neuer Produkte
dadurch aus, dass die Handlungsphasen
Planen, Konzipieren, Entwerfen
und
Ausarbeiten
jeweils mit einem Entscheidungsprozess verknüpft sind.
5 vgl. Gudjons, H.: Handlungsorientiert lehren und lernen: Schüleraktivierung Selbsttätigkeit
Projektarbeit, Regensburg 2001, S. 51 und vgl. Pütz, C.:Entwicklungs- und kognitionspsychologische
Voraussetzungen des didaktischen Konzeptes >>Handlungsorientierter Unterricht<<. In: Schaube, W.
(Hrsg.): Handlungsorientierung für Praktiker. Darmstadt 1995, S. 20-22
Seite 6
Abb.1: Vorgehensplan zur Schaffung neuer Produkte6
Parallelen zeigen sich hier auch, wenn man die technische Bewertung und
den kontinuierlichen Verbesserungsprozess aus der beruflichen Welt der
Schüler und die fachliche und methodische Reflexion als wichtigen
6 Vorgehensplan zur Schaffung neuer Produkte nach VDI-Richtlinie 2222, Blatt 1
Seite 7
Bestandteil eines handlungsorientierten Unterricht, miteinander vergleicht.
Beide verfolgen das Ziel, Elemente zu analysieren, um sie zu optimieren.
Im Sinne der Pädagogik bedeutet dies, den Lernenden die Möglichkeit zu
geben, den Lernprozess mit zu gestalten. Regelmäßige Reflexionssequenzen
im Unterricht erlauben es, den Verlauf des Unterrichts zu verändern, um den
aktuellen Bedürfnissen der Lernenden gerecht zu werden. Diese Art von
Unterricht verlangt von allen Beteiligten eine prozessorientierte Sichtweise,
die sich weniger mit Problembeschreibungen und Schuldfragen
auseinandersetzt, sondern vielmehr eine kontinuierliche Verbesserung des
Lernprozesses anstrebt.
I.1.3 Beweggründe für einen handlungsorientierten Unterricht
Handlungsorientierung bedeutet einen Wandel der Lernkultur, in dem nicht
nur das explizite Lernen (
Was wird gelernt?
), sondern auch das implizite
Lernen (
Wie wird gelernt?
) betrachtet wird. Dies führt zu einem
systemischen Bild vom Lernen, in dem Lernen als selbstreferentieller
Aneignungsprozess individueller und sozialer Systeme gesehen wird. Die
Legitimation bezieht das handlungsorientierte Unterrichtskonzept aus der
gesellschaftlichen und beruflichen Entwicklung und den daraus
resultierenden unübersehbaren Qualifikationsentwicklungen, die sich auf den
Arbeitsmärkten unserer Gesellschaft vollziehen.7
Gerade die neue Industrietechnik, mit der sich diese Arbeit beschäftigt, führt
zu einer Arbeitsorganisation, in der Facharbeiter, Techniker und Ingenieure
gleichzeitig zuständig sind für Produktion, Instandhaltung und
Qualitätssicherung. Die computergestützten Fertigungsverfahren
entwickelten sich aus den Anforderungen der ,,schlanken" und flexiblen
Fertigung heraus und führten dazu, dass der Anteil an manueller
Werkstoffbearbeitung immer weiter schwindet und somit die Polarisierung
der Qualifikationsstruktur reduziert werden muss. ,,Gearbeitet wird verstärkt
7 vgl. Arnold R./ Schüßler I.: Wandel der Lernkulturen, Darmstadt 1998, S. 68ff
Seite 8
in Teamstrukturen, waren früher die Funktionen Produktion, Instandhaltung
und Qualitätssicherung hierarchisch getrennt, so ist in der Gruppenarbeit
häufig ein Team gleichzeitig für diese Funktionen zuständig."8
Diese Veränderung in der Arbeitswelt der Schüler/innen fordert eine stärkere
Selbstorganisation der Beteiligten. Dem wird im Konzept der
Handlungsorientierung Rechnung getragen, in dem nicht mehr das
Abarbeiten von Lernzielen durch den Lehrer geplant wird, sondern die
Kompetenzentwicklung der Lernenden ermöglicht wird. Aus diesem Grunde
möchte ich im praktischen Teil die Entwicklung der Fach-, Sozial- und
Methodenkompetenz betrachten.
Ein besonderes Ziel der beruflichen Bildung ist die Entwicklung einer
beruflichen Kompetenz für alle Beteiligten. ,,Berufliche Kompetenz besitzt
derjenige, der über die erforderlichen Kenntnisse, Fertigkeiten und
Fähigkeiten eines Berufs verfügt, Arbeitsaufgaben selbstständig und flexibel
lösen kann, sowie fähig und bereit ist, dispositiv in seinem Berufsumfeld und
innerhalb der Arbeitsorganisation mitzuwirken."9
Weitere Argumente für einen Wandel der Lernkulturen liefern die drei
Tendenzen, die sich nach Arnold/Schüßler feststellen lassen: ,,Die Krise der
Fachbildung, d.h. die Krise einer Bildungskonzeption, für die das ,
WAS?′
von
Bildung zentral ist und fast allein im Vordergrund der Überlegungen steht,
die unbefriedigende, um nicht zu sagen skandalöse Nachhaltigkeit des
vorwiegend frontalunterrichtlichen Lernens und die ungewollten
qualifikatorischen Nebenwirkungen des toten Lernens."10
Dabei darf nicht übersehen werden, dass ein ausgewogenes Verhältnis der
Bereiche Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz anzustreben ist. Auch hier
erscheint mir die konstruktive Kritik aller am Prozess Beteiligten wichtig, um
diese Ausgewogenheit zu garantieren.
8 Arnold R.: Berufspädagogik kompakt, Berlin 1998, S.12
9 Bunk G. P.: Kompetenzvermittlung in der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Deutschland. In:
Europäische Zeitschrift für Berufsbildung, 1/1994, S. 9ff
10 Arnold R./ Schüßler I.: Wandel der Lernkulturen, Darmstadt 1998, S. 70
Seite 9
I.1.4 Wandel der Lehrerrolle im handlungsorientierten Unterricht
Im handlungsorientierten Unterricht übernimmt der Lehrer die Rolle eines
Lernberaters. Damit gibt er die Position des zentralen Wissensvermittlers im
Unterricht auf. Lediglich die Leistungsbeurteilung und die Aufsicht werden
aus seiner bisherigen Rolle übernommen.
Da sich der Einfluss während des Unterrichtsprozesses deutlich reduziert,
muss die Planung von handlungsorientiertem Unterricht sehr sorgfältig
betrieben werden. Die möglichen Verläufe des Lernprozess in den
verschiedenen Gruppen müssen antizipiert und durch Alternativplanungen
abgesichert werden. Zusätzlich ist eine gute Fachkenntnis des Lehrers
wichtig, um auf die im Rahmen der Alternativplanung unvorsehbaren oder
vorhergesehenen Probleme adäquat reagieren zu können.
Ein besonders wichtiger Punkt bei der Planung und Durchführung von
handlungsorientiertem Unterricht im Bereich Metalltechnik ist die Einhaltung
der Richtlinien für den Arbeitsschutz, so dass mögliche Gefahren, die von
Maschinen und Werkzeugen ausgehen, beachtet werden, um eine
Gefährdung für Mensch und Material zu vermeiden.
I.1.5 Die Projektmethode als didaktisches Konzept der
Handlungsorientierung
Eine besondere methodische Großform im didaktischen Konzept der
Handlungsorientierung ist das Projekt11. Der projektorientierte Unterricht
erweitert die Betrachtungsweisen von versuchsorientiertem und dem
problemorientiertem Unterricht, da sich diese Unterrichtsverfahren bei der
Auswahl der Gestaltungsaufgabe stark an der Realität, wie zum Beispiel hier
der beruflichen Praxis der Schüler/innen, orientiert.
Die Kritik im Rahmen der Schlüsselqualifikations- und
Handlungsfähigkeitsdiskussion besteht vor allem darin, dass die
11 In den Bezeichnungen Projekt und projektorientierter Unterricht beziehe ich mich auf H. Gudjons
und K.Frey.
Seite 10
Kompetenzen zu unspezifisch und allgemein entwickelt werden. Dies muss
der Lehrer oder die Lehrerin bei Projekten im Rahmen der beruflichen
Ausbildung beachten. Es müssen Themenbereiche bearbeitet werden, die
sich dadurch auszeichnen, dass die Lernenden in den Bereichen Fach-,
Methoden- und Sozialkompetenz vielfältig und im Hinblick auf ihre berufliche
Praxis gefördert werden.
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, wählte ich in der hier beschriebenen
Unterrichtsreihe mit den Schülern ein Vorhaben aus dem Bereich CNC-
Technik aus. Daraus gestalteten wir eine Unterrichtsreihe, die sich nach der
Projektmethodik als ein projektorientierter Unterricht bezeichnen lässt.
Da viele Komponenten der Projektmethode nach K. Frey im Rahmen dieser
Unterrichtsreihe berücksichtigt wurden, erlaube ich mir im Weiteren auch die
Bezeichnung Projekt zu benutzen. Ich bin mir jedoch bewusst, dass nicht alle
Komponenten der Projektmethode in ausgeprägter Weise vorkommen, so
dass ein Projektmethodiker nicht von einem Projekt als der Hochform des
projektorientierten Unterricht sprechen würde. Die Bezeichnungsweise
erscheint mir jedoch deshalb sinnvoll, da sowohl Schüler als auch die
Kooperationspartner in den Ausbildungsbetrieben im Verlauf des Vorhabens
von ,unserem / dem Projekt′ sprachen.
I.1.6 Charakterisierung der Projektmethode
In der fachtheoretischen Analyse möchte ich nun auf die Charakterisierung
der Projektmethode kommen.
Die für mich stärkste Motivation zur Durchführung verschiedener Projekt im
Unterricht, gerade im Rahmen des Unterrichts in einer Berufsschulklasse,
ordnet Frey wie folgt der Projektmethode als besonderes Ziel zu :
,,Ziel der Projektmethode ist es, die Distanz zwischen Schule und Leben,
Wissenschaft und Beruf, Theorie und Praxis zu verringern. Die Studierenden
und Schüler/innen sollen die Möglichkeit haben, die Prinzipien und
Seite 11
Kenntnisse, die sie im Lehrgang erworben haben, im Projekt eigenständig
und schöpferisch auf den konkreten Fall anzuwenden."12
Dabei habe ich mich immer bemüht, das jeweilige Projekt in den Mittelpunkt
des Unterrichts zu stellen, um dann mit den Schüler/innen anhand der
Anforderungen, die sich im Projektverlauf ergeben, grundlegende Kenntnisse
zu wiederholen und anzuwenden, um darauf aufbauend weitere vertiefende
Kenntnisse zu erarbeiten.
,,Entscheidend bei der Projektmethode ist, dass sich die Lernenden ein
Betätigungsgebiet vornehmen, sich darin über die geplanten Betätigungen
verständigen, das Betätigungsgebiet entwickeln und die dann folgenden
verstärkten Aktivitäten im Betätigungsgebiet zu einem sinnvollen Ende
führen. Oft entsteht ein vorzeigbares Produkt."13
Gerade das Handlungsprodukt kann als eines der Elemente des
projektorientierten Unterrichts bei den Beteiligten für eine besondere
Motivation sorgen. Dieser Effekt stellte sich auch im Verlauf dieses
Vorhabens ein, sowohl bei den beteiligten Schülern und Lehrern, als auch bei
den beteiligten Personen in den verschiedenen Betrieben, ohne die die
Durchführung so nicht möglich gewesen wäre. Dieser Effekt sollte auch bei
der Auswahl und bei der Zieldefinition des Vorhabens beachtet werden, da
das Handlungsprodukt über den Erfolg eines projektorientierten Unterrichts
mit entscheidet. ,,Das Entscheidende an der Projektmethode ist nämlich
nicht, dass am Schluss ein hergestelltes Produkt vorliegt, sondern dass diese
Herstellung in einer bildenden Weise geschieht."14
Dies ist auch der Hauptgrund, weshalb sich die Unterrichtsreihe auf die
Entwicklung von Prototypen für die NC-gesteuerte Fertigung beschränkt,
damit das zu erstellende Handlungsprodukt nicht zum Selbstzweck wird.
12 Frey, K.: Die Projektmethode- Der Weg zum bildenden Tun; Weinheim und Basel 1998; S. 39
13 ebd. S. 14
14 ebd. S. 87
Seite 12
I.1.7 Aspekte der Lernortkooperation
Die berufliche Handlungskompetenz ist das gemeinsame Qualifizierungsziel
von Ausbildungsbetrieb und Berufsschule. Während die Ausbildung im
Betrieb eher arbeitsplatz- oder funktionsbezogen ist, hat die Berufsschule die
Aufgabe, arbeitsplatz- und betriebsübergreifende Elemente in die Ausbildung
einzubringen. Kombiniert mit den sogenannten Schlüsselqualifikationen,
sichern diese Mobilität und Flexibilität für das weitere Berufsleben der
Auszubildenden.15
Eine Lernortkooperation zwischen Ausbildungsbetrieben und Berufsschule
kann als belebendes Element zur Verzahnung von Theorie und Praxis dienen.
Von einer Kooperation profitieren die Auszubildenden vor allem, wenn sich
die Möglichkeiten von Betrieb und Schule sinnvoll ergänzen.
Die Frage, ob dieser Punkt erfüllt ist, sollte bereits in die Phase der
Auseinandersetzung mit der Projektinitiative einbezogen werden. Mögliche
Synergieeffekte für alle Beteiligten sollten, nach meiner Einschätzung, schon
während der Planung transparent werden, damit die Lernortkooperation
nicht zum Selbstzweck wird. Zusätzlich muss die Bereitschaft der beteiligten
Ausbildungspartner zu einer Kooperation vorhanden sein.
15 vgl. Bödeker J. , u.a.: vlw Heft 42 ,,Lernort Berufsschule: Partner im dual-kooperativen System",
Wolfenbüttel 1999, S.8 ff
Seite 13
I.2 Fachwissenschaftliche Aspekte der CNC-Technik
An dieser Stelle möchte ich einen kurzen Einblick in die Bereiche der CNC-
Technik geben, die Schwerpunkt der beiden in dieser Hausarbeit
beschriebenen Unterrichtseinheiten waren.
I.2.1 NC-Steuerungen
NC-Steuerungen steuern die Koordinatenbewegungen von
Produktionsmaschinen anhand von numerische Informationen. Dabei steht
NC
für Numerical Control. Die auch verwendete Abkürzung
CNC
steht für
Computer Numerical Control. Beide Abkürzungen werden heute in der
Fachliteratur gleichwertig gebraucht, eine zuvor übliche Unterscheidung ist
nicht mehr sinnvoll, da alle modernen Steuerungen mit Rechnern arbeiten
und nicht mehr fest verdrahtet werden.16 Im folgenden Text unterscheide ich
daher nicht zwischen den beiden Begriffen.
Die nötigen Verfahrwege von Produktionsmaschinen werden durch
Interpolation in einzelne Schritte zerlegt, um diese dann z.B. an einem
Computer mit Simulationssoftware in Form von sogenannten Sätzen zu
editieren. Das Satzformat ist nach DIN ISO 66025 festgelegt und kann
Informationen zu den Wegbedingungen, Koordinatenpunkten, Vorschub,
Spindeldrehzahl, Werkzeug und weiteren Zusatzfunktionen enthalten.17
Die Schüler hatten im Rahmen der Hausarbeit die Aufgabe, mit Hilfe der
Simulationssoftware
GEWA
das Fertigungsprogramm für ein Werkstück zu
erstellen. Im Anschluss sollten sie anhand der dynamischen Simulation des
Fertigungsablaufes die Fehlerfreiheit der selbsterstellten NC-Sätze
überprüfen.
Die verschiedenen Hersteller von CNC-Produktionsmaschinen haben eigene
Satzformate und Befehle für ihre verschiedenen Steuerungen entwickelt.
Diese sind oft nicht untereinander kompatibel. In der beruflichen Praxis ist
es, z.B. auf Grund von Produktionsumstellung auf eine Maschine eines
16 vgl. Weck M.: Werkzeugmaschinen, Düsseldorf 1998, S.26 f
17 vgl. Dubbel, Taschenbuch für den Maschinenbau, Berlin 1999, T43 ff
Seite 14
anderen Herstellers, gelegentlich für den Facharbeiter nötig, existierende
Programme auf die Spezifikationen einer anderen Steuerung zu übersetzen.
Aus diesem Grund wählte ich eine solche Aufgabe als Bestandteil des
Lernarrangements des Projektes der Hausarbeit aus.
I.2.1 Referenzpunkte einer CNC-Fräsmaschine
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit bestand darin, allen Schülern einen
Einblick zu ermöglichen, wie die verschiedenen Referenzpunkte einer NC-
Fräsmaschine in der Produktion genutzt werden, auch in der Realsituation im
Betrieb.
Man unterscheidet vier verschiedene Punkte.
Abb. Bezugspunkte an einer CNC-Fräsmaschine18
Der Maschinen-Nullpunkt ist ein vom Hersteller der Maschine vorgegebener
Referenzpunkt. Er dient zur Definition des Nullpunktes beim Einsschalten der
Maschine. Er liegt meist im Randbereich der Maschine und dient auch als
Bezugspunkt zur Festlegung des Werkstück-Nullpunktes. Der Werkstück-
Nullpunkt kann vom Programmierer festgelegt werden. Er ist identisch mit
18 Böge, A.: Technologie / Technik, Braunschweig 1999, S. 387
Seite 15
dem Nullpunkt des Werkstück-Koordinatensystems. Da alle Fertigungsmaße
von diesem Punkt ausgehen, sollte bereits beim Erstellen einer NC-gerechten
Fertigungszeichnung auf die Positionierung des Werkstück-Nullpunktes
geachtet werden. Zum Einrichten der Maschine wird die Lage des Werkstück-
Nullpunktes mit Hilfe eines Messtasters ermittelt.
Der Referenzpunkt wird genutzt, wenn der Maschinen-Nullpunkt, z.B. wegen
einer auf der Maschine montierten Spannvorrichtung, nicht angefahren
werden kann. Die absoluten Koordinaten dieses Punktes werden vom
Maschinen-Nullpunkt aus ermittelt. Der Programm-Nullpunkt gibt den
Werkzeugstandort vor Beginn der Bearbeitung an. Hier beginnt das CNC-
Programm.
Die Schüler hatten die Möglichkeit im Verlaufe der Unterrichtsreihe diese
zunächst eher abstrakt wirkenden Punkte kennen und nutzen zu lernen.
Dabei entstand eine zusätzliche Motivation dadurch, dass der Schüler durch
die eigene Anwendung erkennt, worin der Vorteil der verschiedenen
Optionen besteht.
So soll eine Entwicklung beruflicher Handlungskompetenzen im
Berufsschulunterricht arrangiert werden, die nicht nur den reinen Erwerb von
Kenntnissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten bezweckt, sondern auch deren
selbstständige und flexible Anwendung durch das Lernarrangement
einbezieht und damit eine ganzheitliche Kompetenzentwicklung erst
ermöglicht.
I.3 Grafische Darstellung der Phasen des Projektes
Zum Abschluss des fachtheoretischen Teils möchte ich die einzelnen Phasen
des Projektes grafisch darstellen. Dies geschieht in Anlehnung an das
Grundmuster der Projektmethode nach Frey19, das ich zur Planung des
Projektverlaufs genutzt habe.
19 Frey, K.: Die Projektmethode - Der Weg zum bildenden Tun; Weinheim und Basel 1998; S. 77
Seite 16
Grafische Darstellung der Phasen des Projektes:
Projektinitiative:
,,Warum konstruieren
Auseinandersetzung mit der
wir nicht selbst ein
Projektinitiative:
solches Teil in der
CNC-Technik?"
Prüfung der Möglichkeiten einer
Realisierung in Betrieben und
Schule; Gemeinsame Festlegung
der Rahmenbedingungen und
Schnittstellendefinition
Gemeinsame Entwicklung des
=> Ergebnis: Projektskizze
Betätigungsgebietes:
Produktentwicklung in Gruppen in den
Themenbereichen
o Konstruktive Maße
o Spannkonzept
o Kosten und andere
Projektdurchführung:
Einflussfaktoren
o Marketing und
o Konstruktion der
Produkteigenschaften
verschiedenen Prototypen
Ideenfindung mittels moderner
o Erstellen der NC-Sätze
Kreativitätstechniken
o Konstruktion und Bau der
Spannvorrichtung
Beendigung durch bewussten
o Fertigung der Prototypen
Abschluss und Rückkopplung zur
o Prüfung der Prototypen
Projektinitiative:
o Vorbereitung der technischen
Bewertung
o Präsentation der
Ergebnisse des Projektes
o Technische Bewertung der
Prototypen
o Fachliche und methodische
Reflexion des
Projektverlaufs
Seite 17
II Fachpraktischer Teil
II.1 Didaktische Betrachtungen
II.1.1 Beschreibung der Klasse und Lernvoraussetzungen
der Schüler
Die IM98a ist eine Teilzeit-Berufsschulklasse mit einer Schülerin und 23
Schülern20. Die Altersverteilung liegt zwischen 18 und 26 Jahren. Der
Bildungsstand setzt sich wie folgt zusammen:
Hauptschulabschluss
3 Schüler
Sekundar I
20 Schüler
Fachhochschulreife
1 Schüler.
In der Klasse erlernen 23 Schüler den Beruf Industriemechaniker und ein
Schüler den Beruf Feinmechaniker.
Alle technischen Fächer werden in einem Kollegenteam von insgesamt fünf
Lehrern unterrichtet. Dabei hat sich die gemeinsame Erarbeitung eines
Arbeitsplanes zu Beginn des Schuljahres als vorteilhaft erwiesen, da
Überschneidungen vermieden werden und einzelne Themen exemplarisch
oder projektorientiert behandelt werden können. Den jeweiligen Stand der
Absprachen unter den Kollegen möchte ich durch meine verstärkten
Bemühungen um Kommunikation und Austausch unter den Kollegen und mit
den Schülern immer aktuell halten. Dabei habe ich die Aufgabe des
Klassenleiters, die ich seit Beginn des Schuljahres übernommen habe, als
eine Unterstützung und besondere Verantwortung empfunden.
Seit Mitte August 2000 unterrichte ich die Klasse eigenverantwortlich drei
Stunden pro Woche in den Fächern Technologie (1h), Technische
20 Im weiteren Verlauf möchte ich die Gesamtheit der Schülerinnen und Schüler als die Schüler
bezeichnen.
Seite 18
Kommunikation (1h) und Technische Mathematik (1h). Dies erleichtert es
mir, möglichst viele Inhalte und Themen projektorientiert und ganzheitlich zu
bearbeiten. Mein eigenverantwortlicher Unterricht in dieser Klasse ist jeweils
Dienstags in der 5. und 6. Stunde und 14-tägig auch in der 7. und 8. Stunde.
Dabei steht uns in der 7. und 8. Stunde ein Rechnerraum mit 13
Rechnerarbeitsplätzen zur Verfügung, so dass jeweils zwei Schüler an einem
Rechner arbeiten können. Die Rechner sind mit einem DOS-basierten CNC-
Simulationsprogramm ausgerüstet und können zur Programmierung von
CNC-Fräsprogrammen und CNC-Drehprogrammen genutzt werden.
In den vergangenen Unterrichtseinheiten zeigten sich die Schüler stets
engagiert. Immer dann, wenn kreative Elemente zu Themen aus der Berufs-
und Lebenswelt der Schüler eingesetzt werden konnten, zeigte sich dies an
zum Teil sehr guten Arbeitsergebnissen.
So haben die Schüler das Themenfeld
,Gesamtzeichnungen′
im Rahmen des
Projektes
,Entwurf einer Vorrichtung zum Spannen von Bremssätteln′
mit
Begeisterung erarbeitet, obwohl sie mir zuvor mitgeteilt hatten, dass sich
ihre Begeisterung für das Fach Technische Kommunikation stark in Grenzen
hält. Dies führe ich auf die ausgesprochene Praxisorientierung des Projektes
zurück.
Deshalb nutze ich auch für diese Unterrichtsreihe den Ansatz, die Berufs- und
Lebenswelt der Schüler in das Unterrichtsgeschehen zu integrieren, um die
Motivation durch die Identifikationsmöglichkeiten der Schüler im Rahmen des
Lernarrangements zu erhöhen.
Die CNC-Technik wird in den verschiedenen Ausbildungsbetrieben verstärkt
in der Produktion eingesetzt. Sowohl Auszubildende als auch die
Ausbildungsbetriebe haben ein Interesse daran, dass die Schüler in diesem
Bereich fundierte Kenntnisse erwerben. Der zukünftige Arbeitsplatz vieler
Schüler wird durch den Einsatz der neuen Industrietechnik geprägt sein.
Vielen Schülern ist der Umgang mit dem Computer aus dem privaten Bereich
bereits vertraut. Die im Rechnerraum zur Verfügung stehende CNC-
Seite 19
Simulationssoftware ermöglicht den Schülern Fehler in den eigenen
Programmen selbstständig zu erkennen und zu korrigieren. Dies erleichtert
dem Nutzer die selbstständige Bearbeitung, besonders zu Beginn eines CNC-
Kurses.
II.1.2 Arbeitslage
Das Klassenklima ist nach meiner bisherigen Beobachtungen geprägt von
einem recht rücksichtsvollen und toleranten Umgang der Schüler
untereinander, trotz zum Teil erheblicher Unterschiede im Bereich
persönlicher und politischer Einstellungen und Perspektiven. Das Verhältnis
der Klasse zu mir lässt sich als ehrlich und offen bezeichnen. Neue
selbstwirksame Methoden nutzen die Schüler gerne.
Die in diesem Jahr bevorstehende Abschlussprüfung bereitet einigen
Schülern zur Zeit jedoch größere Sorgen, deshalb haben wir vereinbart, alle
Themen in diesem Halbjahr im Sinne einer Prüfungsvorbereitung
abzuschließen. Für den Bereich CNC-Fräsen ließ sich, wohl auch aus diesem
Grund, eine hohe Motivation beobachten.
Kritischer entwickelt sich derzeit der Bereich Leistungsbereitschaft und
Kenntnisstand der Klasse. Nach Auffassung aller Kollegen im Lehrerteam
weisen beide Bereiche Defizite auf. Dies trifft für meinen Unterricht auch
besonders auf das Fach Technische Mathematik zu, hier traten Fehler in der
letzten Arbeit vor allem im Bereich Einheiten und Umrechnungen auf, auch
haben einige Schüler Schwierigkeiten mit der Darstellung von Rechenwegen.
Um diese Defizite aufzuarbeiten, möchte ich auch im Rahmen der Hausarbeit
auf diese beiden Bereiche eingehen.
Im Fach Technische Kommunikation sind, neben Mängeln im strukturierten
Arbeiten, auch Defizite im Bereich Konzentrationsfähigkeit zu beobachten.
Diese Elemente sollen ebenfalls innerhalb dieser Unterrichtsreihe gezielt
Seite 20
gefördert werden. Dies bietet sich während der Übungsstunden am Rechner
besonders an.
Wichtig hierbei war für mich, den Unterrichtsverlauf so zu planen, dass gute
Möglichkeiten zu einer Differenzierung bestehen. Dies war auch deswegen
erforderlich, da der Leistungsstand der Schüler im Bereich CNC-Technik zu
Beginn dieser Unterrichtsreihe sehr heterogen war. So hatten 13 Schüler der
Klasse bereits zwei Kurse in der Industrielehrwerkstatt absolviert, ein Schüler
hatte einen Kurs in der Handwerkskammer absolviert. Die anderen Schüler
hatten keine oder nur geringe Vorkenntnisse in dem Bereich CNC-Technik.
II.1.3 Thematische Einordnung der Unterrichtseinheit
Das Thema der Unterrichtseinheit findet sich im Lehrplanentwurf für die
Fachstufe II an Berufsschulen des Landes Rheinland-Pfalz -Berufsfeld
Metalltechnik, Ausbildungsberuf Industriemechaniker/in, Fachrichtung
Produktionstechnik- des Kultusministeriums Rheinland-Pfalz vom Mai 1991.
Im Fach Technologie unter dem Punkt:
,,1.1 CNC-Technik
1.1.1 Kenntnis über das Einrichten von CNC-gesteuerten
Produktionsanlagen: Werkzeugkorrekturen
1.1.2 Fähigkeit
zur Anwendung von Programmvereinfachungen:
Zyklen, Manipulationstechnik, Konturzüge
1.1.3 Fähigkeit zum Umgang mit Programmüberprüfung,
Programmerprobung und Programmoptimierung: Grafik, Simulation".
Im Fach Technische Mathematik unter dem Punkt:
,,1. Fähigkeit zur Berechnung NC-gerechter Geometriedaten an komplexen
Werkstücken".
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Im Fach Technische Kommunikation unter dem Punkt:
,,1. Fähigkeit zum Lesen und Darstellen CNC-gerecht bemaßter Werkstücke".
Zusätzlich ist das Thema CNC-Technik Bestandteil des Arbeitsplanes der BBS
Technik Koblenz für den Ausbildungsberuf Industriemechaniker, Fachstufe II
aller Fachrichtungen. Aus diesem Grund ist es möglich, dass alle
Fachrichtungen in diesem Themengebiet geschult werden. Dies wird auch
von den Ausbildungsbetrieben ausdrücklich gewünscht. Um dies zu
ermöglichen, enthält der Stundenplan eine Technologiestunde pro Woche
mehr, als vorgeschrieben. So ist gewährleistet, dass die Themen
Schweißtechnik und CNC-Technik für alle Fachrichtungen behandelt werden
können.
Die thematische Aufteilung der CNC-Technik haben wir im Lehreteam so
gestaltet, dass Herr Zietz die Grundlagen der CNC-Technik und das CNC-
Drehen mit der Klasse bearbeitet. Ich übernehme den Bereich CNC-Fräsen.
Die Leistungsüberprüfungen zum Thema CNC-Technik werden wir
gemeinsam gestalten und durchführen. So ist gewährleistet, dass wir einen
guten Informationsaustausch über die Lernfortschritte der Klasse haben. Dies
wurde unterstützt durch gelegentliches Teamteaching im Rechnerraum zur
Betreuung von Übungsaufgaben.
Die verschiedenen Aspekte, die im Lehrplan angesprochen werden, möchte
ich im Rahmen des projektorientierten Vorgehens aufgreifen. Hierdurch
erhält die Auswahl der Problemstellung und des Betätigungsbereiches eines
projektorientierten Unterrichts eine besondere Bedeutung, da hier viele der
didaktischen Möglichkeiten einer Unterrichtseinheit oder Unterrichtsreihe
festgelegt werden. Auch dem Handlungsprodukt kommt als motivierender
Bestandteil zentrale Bedeutung zu.
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II.1.4 Auswahl der Projektziele, der Aufgabenstellung und des
Handlungsproduktes
Dem Punkt Auswahl der Projektziele, der Aufgabenstellung und des
Handlungsproduktes kommt nach meiner Einschätzung deshalb eine
besonders große Bedeutung zu, da hier eine entscheidende Weichenstellung,
besonders auch für die pädagogischen Möglichkeiten eines
projektorientierten Unterrichts, erfolgt. Da das eigentliche Ziel, Produkte in
einer bildenden Weise herzustellen, schon hier explizit berücksichtigt werden
muss.
Dabei orientierte ich mich an den Anforderungen, die H. Gudjons und J.
Bastian an eine solche problemhaltige Sachlage stellen:21
o Situationsbezug
o Orientierung an den Interessen der Beteiligten
o Gesellschaftliche Praxisrelevanz.
Im Verlaufe eines CNC-Fräskurses sollte also ein Produkt erstellt werden,
dass es ermöglicht, eine Unterrichtsreihe zu gestalten, die diese
Anforderungen erfüllt.
Während der Vorbereitungen erschien es mir immer weniger pädagogisch
sinnvoll, eine bereits gezeichnete Fräsübung auszuwählen, um diese dann zu
programmieren und herzustellen. Deshalb begannen die Schüler und ich mit
der Suche nach einem geeigneten Werkstück. Zusätzlich besuchte ich die
einzelnen Ausbildungsbetriebe, die im Bereich CNC-Technik an der
Zusammenarbeit mit der Ausbildungsschule interessiert sind, um mit den
Ausbildern über die Möglichkeiten der Umsetzung eines solchen Vorhabens
zu sprechen.
21 Vgl. Gudjons / H. Bastian,J. : Das Projektbuch 2, 2. Auflage, Hamburg 1993, S.33
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Nachdem hier die Möglichkeiten erörtert und die Schnittstellen der
Kooperation ,Ausbildungsbetriebe und Schule′ klar definiert waren, sammelte
ich die Produktvorschläge der Schüler im Unterricht. Dabei stellte sich bei der
Abstimmung heraus, dass zwei Produkte von den Schülern favorisiert
wurden:
o Fußrastenanlage mit Schalt- und Bremshebeln für Motorräder
o Bremsverstärker für Fahrradbremsen.
Nach einer gemeinsamen Abwägung der Realisierbarkeit der beiden
Produkte, fiel die Entscheidung auf den Bremsverstärker für Fahrradbremsen,
im Weiteren als Brake-Booster bezeichnet.
Eine Beteiligung des Lehrers in diesem Entscheidungsprozess ist, nach
meiner Ansicht, sinnvoll, wenn, wie hier, die besondere Komplexität und
schlecht beherrschbaren Sicherheitsaspekte die eigentliche pädagogische
Zielsetzung zu stark in den Hintergrund rücken würden. Dabei ist für den
Lehrer wichtig, auf eigene Erfahrungen, aber auch auf die Erfahrungen von
Kollegen, zurückgreifen zu können, um die Auswahl der Projektziele fachlich
und pädagogisch zu begleiten und den Schülern als kompetenter
Ansprechpartner zur Verfügung stehen zu können.22
Damit war das Handlungsprodukt ausgewählt und die Aufgabenstellung
wurde als Thema der Hausarbeit wie folgt beschrieben:
Handlungsorientierte Entwicklung von Prototypen für die numerisch
gesteuerte Fertigung in einer Industriemechanikerklasse Fachstufe II.
Hierbei meint Entwickeln, dass den Schülern ermöglicht wird, eigene
Prototypen zu entwerfen, CNC-gerecht zu zeichnen, die NC-Sätze für die
Herstellung zu programmieren, den Prototyp herstellen zu lassen und diesen
im Rahmen einer Materialprüfung auf seine Leistungsfähigkeit zu prüfen, um
dann in der Reflexion eine technische Bewertung durchzuführen.
22 Eine besondere Hilfe war hier die von H. Phillips im Februar 1997, im Rahmen einer Seminararbeit,
erstellte Fräsübung zu diesem Thema.
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II.1.5 Abgeleitete Kompetenzentwicklung für die gesamte
Unterrichtsreihe
Im Rahmen der gesamten projektorientierten Unterrichtsreihe beabsichtigte
ich, die Schüler in unterschiedlichen Bereichen der Kompetenzentwicklung zu
fördern.
Ich wollte mit meinem Lernarrangement ermöglichen, dass die Lernenden
ihre
Fachkompetenz
trainieren und erweitern durch:
o Die Bearbeitung eines Entwicklungsauftrages für CNC-Werkstücke mit
Anforderungsliste
o Das Erarbeiten von Kriterien zur Auswertung der verschiedenen
Prototypen
o Das Erstellen eigener Entwürfe und eigener NC-gerechter
Zeichnungen eines Prototypen
o Die Programmierung und Simulation der NC-Sätze des eigenen
Prototypen
o Die Übergabe der Fertigungsaufträge an das bearbeitende
Schülerteam
o Die Fertigung der Prototypen durch ein Schülerteam im
Ausbildungsbetrieb
o Das Reflektieren der Auftragsübergabe und des Fertigungsprozesses
o Die mathematische Auswertung der Ergebnisse der Materialprüfung.
Die Lernenden üben ihre
Methodenkompetenz
durch:
o Das Vorstellen der eigenen Vorgehensweise zur Lösung der
Problemstellung
o Das Präsentieren des durch ihrer Abteilung erstellten Arbeitsplans
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o Das Gestalten eines Mindmaps zur zielgerichteten Projektplanung und
Strukturierung der Teilaspekte der Entwicklungsaufgabe
o Das Ermitteln der verschiedenen Auswertungskriterien
o Das Reflektieren der Ergebnisse der Auswertung.
Die Lernenden erweitern ihre
Sozialkompetenz
durch:
o Das gemeinsames Handeln zur Bewältigung einer komplexeren
Aufgabe in einem gegebenen Zeitrahmen
o Das selbstständige Planen und Durchführen einzelner Elemente
innerhalb einer Unterrichtsreihe
o Das Gestalten der Arbeitsteilung, um das gemeinsame Ziel zu
erreichen.
II.2 Darstellung des Ablaufs der Unterrichtsreihe
Der fachpraktische Teil dieser Hausarbeit behandelt sechs ausgewählte
Stunden der gesamten Unterrichtsreihe. Um eine Einordnung der Stunden in
die gesamte Unterrichtsreihe zu ermöglichen, möchte ich zunächst den
gesamten Ablauf darstellen. Dabei sind die ausgewählten Stunden grau
hinterlegt.23
Vor Beginn der Unterrichtsreihe
Auseinandersetzung mit der Projektinitiative:
o Vorüberlegungen im Kollegenteam
o Vorbereitende Gespräche mit den Ausbildungsbetrieben
Austausch von Schulungsunterlagen und Fachliteratur zum Thema
CNC-Technik zwischen Ausbildern und Lehrern
o Ideensuche mit den Schülern
o Auswahl des Werkstücks
23 Die Einordnung der Phasen des Projektes erfolgt nach K. Frey.
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Montag, 19.03. (1h)
Gemeinsame Entwicklung des Betätigungsgebietes
Bearbeitung des Entwicklungsauftrages in Gruppen unter den Teilaspekten:
o konstruktive Maße
o Spannkonzept
o Kosten und anderen Einflussfaktoren
o Marketing und Produkteigenschaften
Ideenfindung mit modernen Kreativitätstechniken.
Dienstag, 20.03. (2h)
Projektdurchführung:
o Festlegung und Definition der Bewertungskriterien und deren
Gewichtung
o Grundlagen der Festigkeitslehre.
Montag, 02.04. (2h)
Projektdurchführung:
o Erstellen, Editieren und Simulieren der NC-Programme für die
Prototypen am PC.
Dienstag, 20.03. (2h)
Projektdurchführung:
o Fortsetzung: Erstellen, Editieren und Simulieren der NC-Programme
für die Prototypen am PC
o Konstruktion der Spannvorrichtung für die Steifigkeitsbestimmung mit
der Zugprüfmaschine.
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Dienstag, 24.04. (2h)
Projektdurchführung:
o Zugprüfung und Bestimmung der Steifigkeit
o Bedeutung der Steifigkeit eines Werkstückes für die Funktion von
Baueinheiten.
Im Laufe der folgenden Wochen, während der Osterferien:
Projektdurchführung:
o Übergabe der Unterlagen an den Ausbildungsbetrieb TRW zur
Fertigung der Spannvorrichtung durch die Auszubildenden
o Übergabe der Unterlagen an den Ausbildungsbetrieb CORUS zur
Fertigung der Prototypen durch die Auszubildenden
o Beginn der Fertigung der 5 verschiedenen Prototypen durch ein
Schülerteam in der Ausbildungswerkstatt der Firma CORUS
o Fertigung der Spannvorrichtung für die Steifigkeitsbestimmung mit der
Zugprüfmaschine durch ein Schülerteam in der Ausbildungswerkstatt
der Firma TRW
o Gemeinsame Planung des
weiteren Vorgehens mit den
Ausbildungsleitern
o Bestimmung der Steifigkeit der Prototypen auf der Zugprüfmaschine
des Werkstofflabors der Firma TRW.
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Dienstag, 08.05. (5h)
Projektdurchführung:
Verlegung des Unterrichtsortes in die Ausbildungsbetriebe CORUS und TRW,
Bearbeitung der Programmpunkte:
o ,,CNC-Fräsen in der Praxis"
o Beginn: ,,Technische Bewertung der erstellten Prototypen".
Dienstag, 15.05. (2h)
Beendigung durch bewussten Abschluss und Rückkopplung zur
Projektinitiative:
o Abschluss der Unterrichtsreihe mit der technischen Bewertung der
erstellten Prototypen
o Präsentation der Bearbeitung des Entwicklungsauftrages.
Dienstag, 22.05. (2h)
Erste Unterrichtseinheit zur Prüfungsvorbereitung im Bereich CNC-Technik.
Dienstag, 29.05. (2h)
Zweite Unterrichtseinheit zur Prüfungsvorbereitung im Bereich CNC-Technik.
Dienstag, 05.06. (2h)
Klassenarbeit im Bereich CNC-Technik.
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II.3 Gestaltung der Unterrichtseinheiten und Stundenverläufe
In diesem Kapitel möchte ich die Durchführung der beiden ausgewählten
Unterrichtseinheiten darstellen. Dabei habe ich die beschriebenen
Unterrichtseinheiten so ausgewählt, dass ein guter Einblick in die Tätigkeiten
im Rahmen des Projektes möglich ist. Bei der Beschreibung der
Stundenverläufe habe ich im Studienseminar Neuwied gebräuchliche Begriffe
verwendet, die dem Konstruktivismus zuzuordnen sind. Sie dienen einer
eindeutigeren Zuordnung und Beschreibung der Stundenverläufe.
II.3.1 Methodische Schritte und Reflexion der Unterrichtseinheit
,Gemeinsame Entwicklung des Betätigungsfeldes′
vom Montag, dem 19.03.2001
Die im Folgenden beschriebene Unterrichtseinheit befasste sich mit der
Initiierung der Produktentwicklung. Dies lässt sich nach H. Gudjons auch als
den zweiten Projektschritt einordnen. Nachdem, wie hier bereits zuvor
geschehen, im ersten Projektschritt eine für den Erwerb von Erfahrungen
geeignete, problemhaltige Sachlage mit den Schüler zusammen ausgewählt
wurde, ging es nun darum, einen gemeinsamen Plan zur Problemlösung zu
entwickeln.24
Dazu bildeten die Schüler vier Arbeitsgruppen. Da die Klasse gewohnt ist, in
dieser Sozialform zu arbeiten und die Schüler wissen, worauf sie bei einer
sinnvollen Gruppenbildung achten müssen, überließ ich die Gruppenbildung
der Verantwortung der Schüler.
24 Vgl. Gudjons / H. Bastian,J. : Das Projektbuch 2, 2. Auflage, Hamburg 1993, S.32ff
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Kategorie Perturbation25 und Viabilität26
Nun sollte das Szenario eines Consultingbüros für CNC-Technik entstehen.
Da alle Schüler im Rahmen der Abstimmung im ersten Projektschritt schon
über unser Betätigungsfeld informiert waren, war es mir nun wichtig durch
einen Impuls von außen eine Situation zu arrangieren, wie sie in der
beruflichen Praxis der Schüler vorkommt oder in Zukunft vorkommen könnte.
Dazu bat ich den Kollegen C. Walter als Akteur in einem Rollenspiel zur
Auftragsübergabe aufzutreten. Herr Walter ist den Schülern der Klasse nicht
bekannt, da er in einem anderen Fachbereich unterrichtet. Dies war wichtig,
da Herr Walter als Vertreter ,,F. Schwarz" einer Firma für Fahrradzubehör mit
dem Namen ,,Litech bikeparts" zu Beginn der Stunde in die Klasse kam, um
hier einen Entwicklungsauftrag an die Klasse bzw. an das, für die
Unterrichtsreihe gegründete,
Consultingbüro IM98a
zu übergeben.
Die Auftragsübergabe mit dem Rollenspiel durch eine externe, bislang nicht
beteiligte Person, erscheint mir gerade in dieser Situation sinnvoll, damit die
Schüler die Gelegenheit bekommen, sich noch einmal die vielfältigen
Anforderungen des Unterrichtsvorhabens zu vergegenwärtigen. Dabei habe
ich den Entwicklungsauftrag so formuliert, dass möglichst viele Elemente aus
der Berufswelt der Schüler integriert wurden, um das Szenario möglichst
praxisnah zu gestalten.
Zu diesen Elementen zählen:
o Anforderungsliste mit Wünschen und Forderungen
o Entwicklung mehrer unterschiedlicher Varianten
o Erstellen von Bewertungskriterien zum Vergleich der unterschiedlichen
Varianten
o Fester Präsentationstermin.
25 Perturbation bedeutet konstruktivistisch übersetzt die ,,Anregung zur thematischen
Auseinandersetzung".
26 Viabilität meint hier die Gangbarkeit und Verständigung als thematische-methodische
Vereinbarung zwischen Lehrer und Schüler.
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Der Entwicklungsauftrag wurde den Schülern im Rahmen des Rollenspiels
von dem Kollegen vorgestellt und übergeben. Hier bestand auch die
Möglichkeit für die Schüler, Rückfragen zum Entwicklungsauftrag zu stellen.
Der Termin der Präsentation der Ergebnisse am Dienstag, dem 08.05.2001
wurde hier bereits fixiert, um eine klare Zeitplanung zu gestalten. An diesem
Tag fand auch die zweite Unterrichtseinheit statt, die im Rahmen dieser
Hausarbeit beschrieben wird. Hier sollten die Schüler ihre Ergebnisse in zwei
Ausbildungsbetrieben fertig stellen und den Beteiligten präsentieren.
Auf der folgenden Seite ist der an die Klasse ausgehändigte
Entwicklungsauftrag abgebildet.
Seite 32
Litech bikeparts
Fahrradzubehör
Stuttgart
Consultingbüro
IM98a
Beatusstr. 143-147
56073 Koblenz
Vergabe eines Entwicklungsauftrages
Hier: Entwicklung eines Bügels zur Bremsverstärkung für Fahrradbremsen
(Brake-Booster)
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit erteilen wir Ihnen den Auftrag zur Entwicklung eines Brake-Boosters.
Entwerfen Sie bitte vier unterschiedliche Varianten unter Berücksichtigung
der unten aufgeführten Anforderungsliste.
Wir bitten Sie um eine Präsentation ihrer Ergebnisse am 08.05.2001.
Mit freundlichen Grüßen
F. Schwarz
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Dazugehörige Anforderungsliste für alle Varianten:
Forderungen:
· Herstellung auf CNC-Fräsmaschinen (Fräsen mit Senkrecht-Fräsmaschine)
· Tauglich für die Serienfertigung
· Für vorliegende Standart-Fahrradgabel mit V-Brake geeignet
· Befestigung mit den beiden Montageschrauben (Mounting Bolts)27
· Kombination von Leichtbauweise und hoher Steifigkeit
· Messung der Steifigkeit der Prototypen im Labor
Wünsche:
· Flexibler Aufbau => Eignung auch für unterschiedliche Vorderradgabeln
· Berücksichtung der Bewertungskriterien, die wir gemeinsam ermitteln.
Kategorie Assimilation28 und Dekonstruktion
Nachdem der Auftrag im Rahmen des Rollenspiels an die Klasse übergeben
worden war, erhielten die vier Gruppen bzw. Abteilungen des
Consultingbüros Arbeitsblätter29, die ihre Tätigkeitsbereiche innerhalb der
Firma näher definierten. Alle Arbeitsaufträge befassten sich mit der
Produktentwicklung unter einem bestimmten Teilaspekt.
Die Teilaspekte lauteten:
· Marketing und Produkteigenschaften
· Kosten und andere Einflussfaktoren
· Konstruktive Maße und Einbauraum
· Spannkonzepte.
Da es sich nach meiner Einschätzung bei der Produktentwicklung um einen
kreativen Schöpfungsprozess handelt, war es mir wichtig, den Schüler zu
ermöglichen, mit modernen Kreativitätstechniken zu arbeiten. So erhielten
27 Siehe Abbildung einer Federgabel im Anhang Teil3.
28 Neues wird biografisch synthetisierend in vorhandene Strukturen eingefügt
29 Die einzelnen Arbeitsblätter der verschiedenen Gruppen habe ich dem Anhang Teil 1 beigefügt.
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die Abteilungen ,,Marketing" und ,,Spannkonzept" den Auftrag, die
Ideenfindung mit der Methode des Brainstorming zu gestalten. Dazu
enthielten die Arbeitsblätter eine kurze Definition des Brainstormings und
eine Beschreibung der Vorgehensweise dieser Methode.
Die Abteilung ,,Kosten" erhielt Informationen in Form von zwei Texten zum
Thema ,,Berechnung zur Wirtschaftlichkeit" und ,,Kostenrechnung".
Der Teilaspekt ,,Konstruktive Maße und Einbauraum" wurde von der
Arbeitsgruppe auf Grund der gegebenen Anforderungsliste und einem als
Realobjekt gegebenen Fahrrades ermittelt.
Insgesamt sollten die Teilaspekte des Entwicklungsauftrages in jeder Gruppe
so bearbeitet werden, dass in der abschließenden Präsentation im Plenum
deutlich wird, wie die jeweilige Abteilung denkt, dass der bearbeitete Aspekt
zu lösen oder zu bewältigen ist.
Kategorie Rekonstruktion
Durch das Zusammenfügen der vier erarbeiteten Plakate entstand in der
folgenden Unterrichtsstunde ein umfassender Plan zur Problemlösung, der im
Laufe der verschiedenen Unterrichtseinheiten immer wieder Impulse für die
Bearbeitung lieferte. Um dies auch in der Visualisierung deutlich zu machen,
stellten die Plakate der Gruppen jeweils einen Ast eines großen Mindmaps30
zum Thema ,,Produktentwicklung Brake-Booster" dar.
Kategorie Reflexion und Abschluss der ersten Unterrichtseinheit
Zum Abschluss der Unterrichtsstunde hatten die Schüler die Aufgabe,
Bewertungskriterien zu sammeln. Mit diesen Bewertungskriterien wurden am
Ende der Unterrichtsreihe die verschiedenen Prototypvarianten miteinander
verglichen und ihre spezifische Eignung bewertet.
30 Eine Abbildung des Mindmaps habe ich dem Anhang Teil 2 beigefügt.
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Nachdem wir diese in der folgenden Stunde noch weiter präzisiert und
gegeneinander abgegrenzt hatten, entschieden die Schüler durch Punktung
mit Klebepunkten, wie stark die einzelnen Kriterien in die Bewertung
einfließen sollten.31
Während der Präsentation der Arbeitsergebnisse der einzelnen Gruppen
stellte sich heraus, dass eine Arbeitsgruppe keine Entscheidung für ein
bevorzugtes Spannkonzept getroffen hatte, sondern nach der Präsentation
eine Entscheidung mit der ganze Klasse bevorzugten. Um dies zu
ermöglichen, nutzten wir den Beginn der Stunde am folgenden Schultag, um
noch einmal Fragen aus dem Plenum an die einzelnen Arbeitsgruppen zu
erörtern.
Hierbei wurden folgende Punkte festgehalten, die nach Meinung der Schüler
noch im Laufe der Unterrichtsreihe präziser auszuarbeiten sind, um
Verständnisschwierigkeiten zu vermeiden:
Thema
Kommentar
1. Entscheidungsfindung
Abstimmung mit allen Schülern der Klasse,
für ein spezielles
nach Rücksprache des Fertigungsteams mit
Spannkonzept
dem Ausbildungsleiter des kooperierenden
Betriebes
2. Grundlagen der
Unterrichtseinheit gestaltet durch Lehrer, zum
Festigkeitsberechnung
Erwerb der theoretischen Kenntnisse
3. Bestimmung des
Weitere Präzisierung vor Beginn der
Bewertungskriteriums
Prototypenfertigung, Beurteilung durch das
,,Kosten"
Expertenteam
Innerhalb der weiteren Reflexion der Ergebnisse des Brainstormings
äußerten die Schüler eine gewisse Befangenheit, auf Grund der vielen
Randbedingungen, Einflussfaktoren und Schnittstellen einer solchen
Problemstellung. Zusätzlich beobachteten sie, dass es gar nicht so einfach
31 Vgl. Anhang Teil 2.
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sei, der Fantasie freien Lauf zu lassen, um unbekannte, neue Ideen zu
entwickeln.
In meiner Rückmeldung an die Schüler versuchte ich deutlich zu machen, wie
wichtig es ist, z.B. im Rahmen einer Produktentwicklung, über neue Wege
nachzudenken und diese auch auf ihre Eignung hin zu untersuchen.
Zusätzlich sprachen wir über die Bedeutung des einzelnen Mitarbeiters
innerhalb eines kontinuierlichen Verbesserungssystems einer Firma. Hier
stellte ich den Bezug zu den einzelnen Betrieben der Auszubildenden her,
indem ich die Schüler die unterschiedlichen Regelungen für
Verbesserungsvorschläge in den Firmen erläutern ließ. Vor allem an den
möglichen Prämien für einen guten Verbesserungsvorschlag zeigten sich die
Schüler interessiert.
II.3.2 Projektdurchführung
In den folgenden vier Doppelstunden waren die Schüler nun damit
beschäftigt, die verschiedenen Prototypen zu entwerfen. Dazu wurden
zunächst in Gruppen verschiedene Entwürfe gezeichnet, um dann eine
Variante pro Gruppe auszuwählen. Dabei ergab sich eine Anzahl von fünf
unterschiedlichen Varianten, die die Schüler weiter ausarbeiten wollten.
Diese wurden dann in den folgenden Stunden NC-gerecht gezeichnet und in
NC-Programme umgesetzt.
Im Rechnerraum hatten die Schüler dann die Möglichkeit, in Partnerarbeit
jeweils eine Variante zu programmieren und das Programm mit Hilfe der
Simulation auf seine Fehlerfreiheit hin zu überprüfen.
Im Rahmen der Projektdurchführung nutzte ich die Möglichkeit einer
Differenzierung, indem die kenntnisreicheren Schüler die Aufgabe bekamen,
mit Hilfe von verschiedenen Zyklen, weitere Ausfräsungen an den Bauteilen
zur Gewichtsreduzierung vorzunehmen. Währenddessen hatte ich die
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Möglichkeit, mit den restlichen Schülern Defizite abzuarbeiten und offene
Fragen zu klären.
Probleme traten hier weniger im Bereich der CNC-Technik auf, da sich diese
mit Hilfe der zur Verfügung gestellten Informations- und Arbeitsblätter meist
selbstständig lösen ließen, sondern der konzentrierte Umgang mit dem
Computer bereitete einigen Schülern Schwierigkeiten. Hierbei erwies sich das
zur Verfügung stehende Programm nicht als besonders vorteilhaft, da es
viele Möglichkeiten für eine falsche Bedienung aufweist. Modernere
Programme sind hier deutlich komfortabler, da sie auch unter didaktischen
Aspekten erarbeitet werden und den Lernenden durch die Bedienung
interaktiv einbeziehen. Die Fachkonferenz Metalltechnik hat in diesem
Schuljahr, auch aus diesem Grund, beschlossen, ein modernes Programm auf
Windows-Oberfläche anzuschaffen.
Weiterhin wurde im Unterrichtsverlauf mit einer Gruppe von Schülern eine
Spannvorrichtung konstruiert und im Ausbildungsbetrieb von den Schülern
selbst gefertigt.
In der folgende Doppelstunde behandelten wir das Thema Steifigkeit unter
dem Aspekt ,,Berechnung der Steifigkeit eines Werkstückes". Hierzu leiteten
wir aus den Ergebnissen einer genormten Zugprüfung, die wir als
Demonstrationsversuch im Unterricht durchführten, und der Auswertung
mittels Spannungs-Dehnungs-Diagramm, her, wie die Steifigkeit der
hergestellten Prototypen mit einem Kraft-Dehnungs-Diagramm bestimmt
werden kann.
Den Zeitraum der Osterferien und die Zeit bis zum Abschluss der
Projektdurchführung in den beiden kooperierenden Ausbildungsbetrieben
hatte ich in der Projektplanung zur Durchführung verschiedener Arbeiten
vorgesehen. So konnte ich die unterrichtsfreie Zeit zur besseren Betreuung
der Arbeiten in den beiden Betrieben sehr gut nutzen.
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Dem Ausbildungsbetrieb TRW wurden die Unterlagen zur Fertigung der
Spannvorrichtung für die Zugprüfung übergeben. Diese wurden, wie bereits
erwähnt, durch die Auszubildenden selbst gefertigt.
Mit Herrn Lindner aus dem Materialprüfungslabor der Firma TRW besprach
ich die Ablaufplanung für die Veranstaltung ,,Technische Bewertung der
erstellten Prototypen" am Dienstag, 08.05.2001. Dabei stellte sich heraus,
dass es aus Platzgründen günstig wäre, die Klasse in drei Gruppen zu teilen,
um mit jeder Gruppe ein Bauteil auf der Zugprüfmaschine zu testen. Für die
anderen beiden Gruppen stellte die Firma TRW einen Schulungsraum zur
Verfügung, um hier den Schülern die Möglichkeit zur Auswertung der
Ergebnisse zu geben.
Der Ausbildungsmeister Herr Escher der Firma CORUS übernahm mit seinen
Auszubildenden die Fertigung der Prototypen und der Spannvorrichtung zum
Spannen der Halbzeuge in der Fräse. Dies war für den Verlauf des Projekts
von maßgeblicher Bedeutung, da hier viele didaktisch wichtige Aspekte
gewährleistet werden konnten. So konnten die Schüler an einer CNC-Fräse
des Herstellers MAHO arbeiten, die so auch in der Produktion eingesetzt
wird. Zusätzlich wurde dem Schülerteam ermöglicht, die Projektarbeit
selbstständig und eigenverantwortlich durchzuführen. Hierbei war die sehr
gute Ausstattung der Ausbildungswerkstatt im Bereich CNC-Technik den
Schülern, nach deren eigener Aussage, hilfreich, da die notwendige
Konvertierung der CNC-Programme von ,,PAL-" auf ,,MAHO"-Steuerung durch
die zur Verfügung stehenden Simulationsmöglichkeiten auf einem Rechner
und an der Fräsmaschine erleichtert wurde.
Der Aspekt der Fehlerfreiheit ist hier besonders zu berücksichtigen, da
Schäden an Werkzeugen oder Maschine extrem hohe Reparaturkosten zur
Folge gehabt hätten.
Um diese Simulationsmöglichkeiten allen Schülern der Klasse zugänglich zu
machen, vereinbarten Herr Escher, seine Auszubildenden und ich, dass die
Fertigung der Prototypen der ganzen Klasse präsentiert werden sollte.
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Im Laufe der weiteren Planungen gestalten wir hieraus die Veranstaltung
,,CNC-Fräsen in der Praxis" mit den Schwerpunkten:
o Darstellung der Unterschiede der Steuerungen nach PAL und nach
MAHO
o Lage der charakteristischen Punkte (Maschinen-Nullpunkt, Maschinen-
Referenzpunkt, Werkstück-Nullpunkt, Programm-Nullpunkt).
II.3.3 Methodische Schritte und Reflexion der beiden
Unterrichtseinheiten zur Projektdurchführung in den
Ausbildungsbetrieben vom Dienstag, dem 08.05.2001
Die beiden hier beschriebenen Unterrichtseinheiten hatten die Aufgabe, die
Projektdurchführung abzuschließen und die technische Bewertung der
Prototypen vorzubereiten. Dazu erschien es mir sinnvoll, den Unterrichtsort
für einen Schultag zu den beiden Ausbildungsbetrieben zu verlegen. Deshalb
trafen wir uns an diesem Schultag morgens auf dem Werksgelände der Firma
CORUS. Da die Firmen CORUS und TRW direkt nebeneinander im Koblenzer
Industriegebiet liegen, konnte ich mit der Klasse zu Fuß vom einen
Werksgelände zum nächsten gehen, ohne ein weiteres Verkehrsmittel
benutzen zu müssen.
Zur Vorbereitung der Veranstaltung erhielten die Schüler eine Woche zuvor
ein Informationsblatt mit einer Wegbeschreibung und dem geplanten
Tagesablauf32. Diesem Informationsblatt konnten die Schüler entnehmen,
welche Programmpunkte im Einzelnen behandeltet werden sollten.
Kategorie Perturbation
Nachdem sich alle Schüler im Schulungsraum der Ausbildungswerkstatt der
Firma CORUS eingefunden hatten, forderte ich diese zu einer Punktabfrage
zu dem Aspekt ,,Wie sind deine Erwartungen an die heutigen
32 Vgl. Anhang Teil 3.
Seite 40
Veranstaltungen?" auf. In ihrem Entscheidungsfindungsprozess wollte ich die
Schüler anregen, darüber nachzudenken, mit welcher Motivation sie heute zu
dieser Schulveranstaltung kommen.
Kategorie Viabilität und Schüleraktivität
Nun folgte die Begrüßung durch den Ausbildungsleiter Herrn Furch. Er stellte
kurz die Firmengeschichte von CORUS vor und erläuterte das Betätigungsfeld
der Firma.
Den nun folgenden Theorieteil zum Thema ,,CNC-Fräsen in der Praxis" hatten
die Auszubildenden W. Billig, J. Becker und A. Engelmann, basierend auf den
vorherigen Absprachen und den Arbeitsblättern, die der Klasse während des
Theorieteils ausgehändigt wurden, selbstständig erarbeitet.33
Die Präsentation der Schüler befasste sich mit den Punkten:
o Allgemeine Erläuterungen zur verwendeten CNC-Fräse der Firma
MAHO (technische Daten, Werkzeuge, Ausstattung)
o Steuerung der Maschine
o Lage der charakteristischen Punkte und ihre Bedeutung für die
Fertigung
o Unterschiede der Steuerungen nach PAL und MAHO,
hier
MAHO CNC 432
Kategorie Assimilation und Orientierung an der betrieblichen Praxis
Der in der obigen Aufzählung zuletzt genannte Punkt wurde, unseren
vorherigen Absprachen entsprechend, schwerpunktmäßig behandelt, da
es sich um einen elementaren Punkt in der betrieblichen Praxis handelt.
Hier kommt es bei Umstellungen der Fertigung von einer Maschine auf
eine andere häufig vor, dass die bestehenden Programme umgeschrieben
werden müssen, da sich die Steuerungen der Maschinen, abhängig vom
jeweiligen Hersteller, unterscheiden. Deshalb ist es nach meiner
33 Die Schüler haben die Veranstaltung in Form einer Projektmappe dokumentiert, diese ist im
Anhang Teil 4 abgebildet.
Seite 41
Einschätzung im Sinne einer beruflichen Handlungskompetenz für den
Auszubildenden wichtig, nicht nur die Programmierung für eine Art von
Steuerung zu beherrschen, sondern auch das Übersetzen auf andere
Steuerungsarten sollte trainiert werden.
Die notwendigen Veränderungen in den NC-Sätzen wurden von den
Auszubildenden während der Fertigung auf einem Arbeitsblatt
protokolliert und im Rahmen des Theorieteils der Klasse präsentiert.
Anhand von Schulungsfolien des Herstellers MAHO erläuterten die
Auszubildenden dann detailliert, welche Veränderungen sich beim
Wechsel von einer PAL-Steuerung auf eine MAHO-Steuerung ergeben.
Die im einzelnen behandelten Punkte waren:
o Lage des Koordinatensystems
o Programmstart senkrechtes Fräsen (G 18)
o Rohteildefinition (G 99) und Darstellungsfenster (G 98)
o Kreisinterpolation und Kreisbögen (G 2, G 3)
o Bohrzyklus (G 81)
o Programmierung zweier Geraden (G 11)
o Eckenrundung und Phasenübergang (G 11)
o Reduzierung der Nutzung Unterprogrammtechnik.
Nach einer kurzen Pause präsentierten die Auszubildenden dann die
Fertigung an der Fräse in der Werkstatt, indem sie zwei der Prototypen
herstellten.
Diese Präsentation beinhaltete:
1. Die Demonstration der Bedienung der Maschine
2. Die Lage von Maschinen-Nullpunkt, Maschinen-Referenzpunkt,
Werkstück-Nullpunkt, Programm-Nullpunkt an der Maschine, Anfahren
der verschiedenen Punkte
3. Die Simulation eines Programms am Simulationsrechner und auf der
Maschine
4. Die Fertigung der Prototypen
5. Die Werkzeugvermessung mit dem ,,Toolmaster".
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Kategorie Reflexion und Abschluss des Programmpunktes:
,CNC-Fräsen in der Praxis′
Nun konnten die Schüler noch die Gelegenheit nutzen, um Fragen zu stellen,
die eher den praktischen Umgang mit der CNC-Fräse während der Fertigung
betrafen. Hier brachten die Schüler, die bereits Erfahrungen auf anderen
Steuerungen gesammelt hatten, ihre Erkenntnisse in das Gespräch mit ein.
Dabei wurde auch von mehreren Schülern die gute Ausstattung der
Ausbildungswerkstatt für den Bereich CNC-Technik hervorgehoben.
Zum Abschluss der Veranstaltung bedankten wir uns bei den Vertretern der
Firma CORUS für die besondere Unterstützung des Projektes. Herr Escher,
der die Auszubildenden bei der Fertigung der Prototypen betreut hatte,
unterstrich noch einmal, dass die weitgehend selbstständige Durchführung
der CNC-Fertigung durch die Auszubildenden zielorientiert und erfolgreich
verlaufen sei. Den Lernerfolg für seine Auszubildenden stufte Herr Escher als
außerordentlich hoch ein. Zusätzlich vereinbarten wir, die Ergebnisse des
Projektes ,,Brake-Booster" so zu dokumentieren, dass sowohl Betriebe, als
auch die Schule, die Möglichkeit haben, mit anderen Auszubildenden hieran
weiterzuarbeiten.
Die weitere Reflexion der Veranstaltung unter den Aspekten Qualität und
Praxisrelevanz erfolgte mittels eines Fragebogens am Ende des Tages. Mit
der Auswertung des Fragebogens beschäftige ich mich in der abschließenden
Reflexion des Projektes.
Nach einer kurzen Pause gingen wir zur Firma TRW, um die
Unterrichtseinheit zur ,,Technischen Bewertung der erstellten Prototypen"
durchzuführen. Dazu hatte ich mit Herrn Lindner vereinbart, dass die Schüler
in drei Gruppen jeweils ein Werkstück auf der Zugprüfmaschine testen
können. Unter anderem sollte auch ein gekauftes ,,Konkurrenzprodukt"
getestet werden.
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Kategorie Realsituation und Alternativplanung
Da die Zugprüfmaschine Bestandteil des Materialprüfungslabors ist, besteht
eine direkte Beteiligung am betrieblichen Produktionsprozess im Rahmen der
Qualitätssicherung. Um in diesem, für einen Bremsenhersteller wie TRW
besonders wichtigen Bereich, mögliche Beeinträchtigungen durch unsere
Veranstaltung gering zu halten, vereinbarte ich in der Vorbesprechung mit
Herrn Lindner, alle Prototypen bereits vor Beginn der Veranstaltung zu
prüfen. Die drei Gruppen sollten dann das gekaufte ,,Konkurrenzprodukt" und
zwei Prototypen mit leicht veränderten Maßen zum Vergleich testen.
Da am Vortag eine Überprüfung der Zugprüfmaschine einen Fehler an der
Kraftmessung ergeben hatte, musste diese leider zunächst durch eine
externe Firma neu kalibriert werden. In der Alternativplanung hatte ich für
diesen Fall vorgesehen, dass die Schüler in fünf Gruppen die Steifigkeit von
jeweils einem Prototypen ermitteln sollten. Bei der Verteilung der
Arbeitsaufträge achtete ich darauf, dass die Schüler möglichst ihre eigenen
Prototypen auswerten konnten.
Zur Auswertung hatte ich alle Kraft-Dehnungs-Diagramme auf Folien kopiert.
Mit Hilfe eines Arbeitsblattes konnten die Gruppen nun anhand der
sogenannten ,,Hookeschen" Gerade, also im Bereich elastischer Verformung
des Bauteils, die Steifigkeit ermitteln. Zusätzlich erhielten die Schüler je einen
Prototyp in der getesteten und somit verformten und gerissenen Version.
Kategorie Präsentation und Reflexion der Ergebnisse der Auswertungen
Für die Präsentation ihrer Ergebnisse im Plenum sollte jede Gruppe auch auf
die Ausprägung von Verformung und Riss ihres Prototypen eingehen. Alle
Berechnungen wurden vor der Präsentation durch eine Kontrollgruppe auf
ihre Richtigkeit hin überprüft. Als Reflexionsschwerpunkt der einzelnen
Präsentationen stand hierbei im Vordergrund, durch welche geometrischen
Merkmale der Kontur die Steifigkeit positiv oder negativ beeinflusst wurde.
Dies ist nach meiner Ansicht der entscheidende Punkt, um weitere
Verbesserungen in eine solche Konstruktionsaufgabe einfließen zu lassen.
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Nach der Präsentation wurden die Steifigkeiten der Prototypen auf dem
Plakat mit den verschiedenen Bewertungskriterien festgehalten34. Da der
Punkt ,,Steifigkeit" der Prototypen einen Wertungsanteil von fast fünfzig
Prozent zu gesprochen bekommen hatte, war für die Schüler von
besonderem Interesse, welches Bauteil am Besten abschneidet.
Während der Bearbeitungszeit hatten die Schüler die Möglichkeit, die Masse
der Prototypen mit einer mitgebrachten Waage zu bestimmen. Auch die
Ergebnisse dieses Bewertungskriteriums wurde auf dem Plakat durch die
Schüler visualisiert.
Kategorie Evaluation der beiden Veranstaltungen dieses Tages
Nun erhielten die Schüler Fragebögen zur Evaluation der beiden
Veranstaltungen dieses Tages. Hier konnten die Schüler unter anderem die
Qualität der Veranstaltungen und deren Bedeutsamkeit für die berufliche
Praxis beurteilen. Mit der Auswertung des Fragebogens beschäftige ich mich
in der abschließenden Reflexion des Projektes.
Bevor die Schüler den Schulungsraum verließen, hatten sie noch die
Möglichkeit, mit der Beantwortung der Frage ,,Wurden deine Erwartungen an
die heutigen Veranstaltungen erfüllt?" den Verlauf der heutigen
Veranstaltungen zu reflektieren. Diese Frage wurde auf der unteren Hälfte
des bereits zu Beginn des Tages verwendeten Plakates durch Punktung
beantwortet. Die Ergebnisse der Befragung habe ich in der die Arbeit
abschließenden Reflexion ausgewertet.
Durch das besondere Engagement von Herrn Lindner war es zum Abschluss
der Veranstaltungen dann doch noch möglich, dass alle Schüler die Prüfung
des ,Konkurrenzproduktes′ im Materialprüfungslabor miterleben konnten, so
dass sich ein ,runder′ Abschluss der Veranstaltung ergab. Die Messergebnisse
wurden dann in der folgenden Unterrichtsstunde ausgewertet. Hier konnte
34 Die Ergebnisse wurden auf einem Plakat tabellarischer Form festgehalten. Eine Abschrift des
Plakates befindet sich im Anhang Teil 2.
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ermittelt werden, dass vier von fünf Prototypen eine höhere Steifigkeit
aufweisen, als das ,Konkurrenzprodukt′, allerdings bei einer höheren Masse.
Dieses Ergebnis wurde von den Schülern mit besonderer Genugtuung
registriert. Besonders die Aussparungen des gekauften Bauteils zur
Gewichtsreduzierung standen im Mittelpunkt der sich an die Auswertung
anschließenden Reflexion.
II.4 Reflexion der Unterrichtsreihe
Im folgenden Reflexionsteil der Hausarbeit möchte ich einzelne Elemente der
Unterrichtsreihe dieses projektorientierten Unterrichts aufgreifen, um diese in
Form von einzelnen Kategorien zu besprechen. Bei der Auswahl der
Reflexionsschwerpunkte habe ich versucht, die Elemente auszuwählen, die
für den didaktischen Erfolg dieser Unterrichtsreihe maßgeblich waren.
Möglichkeiten der
Auswertung der
Lernortkooperation
Evaluation mittels
Schülerfragebögen
Reflexions-
schwerpunkte
Kompetenz-
Resümee und
entwicklung
Ausblick
Unterrichtsverlauf
II.4.1 Kategorie Kompetenzentwicklung
Der Schwerpunkt dieser projektorientierten Unterrichtsreihe lag auf der
praxisnahen Entwicklung von Fachkompetenz im Bereich CNC-Technik, wobei
moderne Arbeitsorganisationsformen, wie Gruppen- und Teamarbeit
innerhalb des Projektes integriert wurden.
Durch ein Lernarrangement mit starkem Bezug zur Arbeitswelt der
Auszubildenden war es möglich, Elemente, wie neue Kreativitätstechniken,
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zwanglos in den Verlauf der Unterrichtsreihe einzubinden. Auch die
Realisation eines fächerübergreifenden Unterrichts in den technologischen
Fächern Technische Kommunikation, Technische Mathematik und
Technologie erscheint mir gelungen. Grundlagen zur Einbeziehung anderer,
allgemeinbildender Fächer sind gelegt worden. So erfolgte die Betrachtung
der Fertigungskosten in Absprache mit dem Kollegen, der das Fach
Wirtschaftslehre in der Klasse unterrichtet. Im Bereich des
fächerübergreifenden Unterrichts bieten sich weitere Möglichkeiten an. Vor
allem sprachliche Aspekte könnten in den Fächern Deutsch und Englisch, z.B.
zur Vorbereitung von Präsentationen, erarbeitet werden. Leider wird die
Fachstufe II Industriemechaniker in diesem Schuljahr nicht in Deutsch
unterrichtet und nur ein kleiner Teil der Klasse besucht das Wahlpflichtfach
Englisch.
Eine weitere Erleichterung für eine solche Vorgehensweise wäre die
Ausrichtung des Lehrplans an Lernfeldern. Das mögliche Lernfeld CNC-Fräsen
erscheint mir mit dieser Unterrichtsreihe sinnvoll und sehr vollständig
umgesetzt. Was noch folgen wird, ist eine Unterrichtseinheit zur
Prüfungsvorbereitung für dieses Themengebiet. Da, wie bereits
angesprochen, die Ausrichtung der Schülerinteressen stark in diese Richtung
tendiert, möchte ich diese in den folgenden Doppelstunden durchführen.
Dies beinhaltet auch eine Leistungsfeststellung in Form einer Klassenarbeit
zu diesem Thema.
Auffällig hierbei ist, dass Prüfungsaufgaben zum Teil nicht die Art von
Praxisrelevanz aufweisen, wie es wünschenswert wäre. Auch die
entsprechenden Schulbücher betonen Elemente, die für die Anwendung der
CNC-Technik durch die Weiterentwicklung der verschiedenen Programme
keine Rolle mehr spielen.
Insgesamt führt dies, gerade für die Schüler zu einem in sich nicht stimmigen
Bild des Lernprozesses. Hier sollten weitere Bemühungen unternommen
werden, um die Diskrepanz zwischen Schulung und Praxis zu reduzieren.
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Dies erfordert zum Beispiel auch für die Schulen eine entsprechende
Ausstattung, die regelmäßig an die Erfordernisse der Zeit angepasst wird.
Die Zusammenarbeit mit einem Herstellern in dem Bereich CNC-Technik
könnte einen Weg für die Zukunft darstellen. Speziell an der BBS Technik
Koblenz gibt es eine
solche Partnerschaft im Bereich
speicherprogrammierbare Steuerungen zwischen einem Hersteller und der
Schule.
II.4.2 Kategorie Unterrichtsverlauf
Einen detaillierten Vergleich zwischen Unterrichtsplanung und
Unterrichtsverlauf möchte ich an dieser Stelle nicht mehr durchführen und
verweise dazu auf die entsprechenden Reflexionen der einzelnen
Unterrichtseinheiten in Kapitel II.3. Vielmehr möchte ich meine persönlichen
Beobachtungen und Schlussfolgerungen, auch für weitere Projekte,
darstellen.
Besonders beachtenswert empfand ich, dass die Phase der
Auseinandersetzung mit der Projektinitiative und die Phase der gemeinsamen
Entwicklung des Betätigungsfeldes einen eben so großen Zeitaufwand
erforderten, wie die Durchführung des Projektes selbst. Dies sollten
Lehrerinnen und Lehrer bei der zeitlichen Strukturierung beachten. Eine
Reduzierung der Vorbereitungszeit halte ich für wenig sinnvoll, da hier
wichtige pädagogische Weichenstellungen erfolgen. Diese sind vor allem
dafür verantwortlich, ob der Erfolg eines solchen Unterrichtvorhabens auch
erzielt werden kann.
Zusätzlich spielte in den Bereichen Konstruktion und Produktion die
Beachtung des Gefährdungspotentials für die Schüler eine besondere Rolle.
Allgemein sollte die Einhaltung der Unfallverhütungsvorschriften auch im
Rahmen der Durchführung der einzelnen Arbeitsschritte eines Projektes stets
gewährleistet sein.
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Während dieser Unterrichtsreihe war vor allem wichtig in der Reflexion die
Sicherheitsaspekte für die Bauteile einer Bremse anzusprechen. Zusätzlich
musste während der Fertigung der Prototypen durch Verwendung der
Simulationsmöglichkeiten eine Kollisionsfreiheit sichergestellt werden. Auch
die Sicherheit der Bolzen der Aufnahmen für die Zugprüfmaschine musste
durch Rechnung überprüft werden, hier bot sich im Verlauf der
Unterrichtsreihe für die Schüler ein Einblick in die Festigkeitslehre.35
In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf die Entscheidung verweisen,
das Lernarrangement so zu gestalten, dass keine fertigen Endprodukte mit
den Schülern entwickelt wurden, sondern eine Beschränkung auf
verschiedene Außenkonturen im Entwicklungsauftrag festgelegt wurde. Die
Herstellung von fertigen Endprodukten wäre auch möglich gewesen. Dies
wäre jedoch an dem, bereits im theoretischen Teil dieser Arbeit
dargestellten, pädagogischen Anspruch
Dinge in einer bildenden Weise zu
tun
vorbeigegangen, da hier zu viel Kapazität in die reine Fertigung
gebunden gewesen wäre.
Hieraus ergibt sich speziell für diese Arbeit, dass das Handlungsprodukt als
die ,Bearbeitung eines Entwicklungsauftrages′ mit abschließender
Präsentation der Ergebnisse zu verstehen ist, was die generelle
Prozessorientierung der Unterrichtsreihe deutlich macht.
Diesen Gedanken weiterführend, ist es damit gerade bedeutsam, die
Beendigung des Projektes durch einen bewussten Abschluss und eine
Rückkopplung zur Projektinitiative zu gestalten. Dies geschah hier durch die
Präsentation der Arbeitsergebnisse in dem Ausbildungsbetrieb, in dem auch
die Fertigung stattgefunden hatte. Adressaten waren hier, neben Schülern
und Lehrern, auch die Ausbilder des Betriebes. Da mir eine Veröffentlichung
der Ergebnisse über Ausbildungsbetriebe und Schule hinaus sinnvoll
erschien, habe ich die Arbeit unter www.hausarbeiten.de im Internet
veröffentlicht. Damit sind die Ergebnisse ihres Projektes für die Schüler stets
erreichbar.
35 Die Berechnungen habe ich dem Anhang Teil 3 beigefügt.
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Das Element Veröffentlichung der Arbeitsergebnisse und die Rückkopplung
mit der Projektinitiative sind wichtige Bestandteile für einen bewussten
Abschluss eines Projekts. Dieser bewusste Abschluss hat eine besondere
Bedeutung, da hier Grundlagen für die Motivation der Schüler für weitere
Projekte gelegt werden.
Der Vergleich der Prototypen mit einem realen Konkurrenzprodukt, das von
jedem Schüler im Fachhandel erworben werden könnte und die Umsetzung
in eine praxisnahe technische Bewertung hatte zum einen
motivationserhöhenden Einfluss auf die erforderliche, mathematische
Auswertung der Ergebnisse der Zugprüfung und war zum anderen für einen
sinnvollen Abschluss des Projektes maßgeblich.
II.4.3 Kategorie Möglichkeiten der Lernortkooperation
Die Möglichkeiten einer Lernortkooperation konnten im Rahmen der
Unterrichtsreihe sinnvoll integriert werden. Dabei stand der Fokus der
Veranstaltungen auf einer praxisnahen Gestaltung der Projektdurchführung
und Bewertung. Die Aktivitäten in den Ausbildungsbetrieben TRW und
CORUS waren wichtige Bestandteile im Rahmen der Unterrichtsreihe. Beide
Betriebe standen der Kooperation sehr aufgeschlossen gegenüber und
unterstützten diese mit großem Engagement.
Die Konzentration auf diese beiden Betriebe hat sich, aus meiner Sicht, als
sinnvoll für das Projekt herausgestellt. Vor allem, da sonst die Koordination
der Arbeiten zu sehr im Mittelpunkt gestanden hätte. Im Sinne einer
kontinuierlichen Lernortkooperation können die weiteren interessierten
Betriebe in folgende Aktivitäten und Projekte sinnvoll eingebunden werden.
Der Schwerpunkt der weiteren Zusammenarbeit zwischen
Ausbildungsbetrieben und Schule sollte in der Folgezeit auf der Etablierung
einer kontinuierlicher Lernortkooperation liegen. Speziell für die CNC-Technik
werden Herr Escher, der Ausbilder der Firma CORUS, und ich eine Mappe zu
diesem Projekt erstellen, die es anderen Auszubildenden ermöglichen soll,
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einzelne Übungseinheiten selbstständig zu planen und herzustellen. Die
erstellte Mappe soll sowohl für die Ausbildung in den Betrieben, als auch für
die Schule geeignet sein. So erscheint mir auch der hohe Zeitbedarf für die
Projektplanung gerechtfertigt, da die erstellten Unterlagen bereits für das
folgende Ausbildungsjahr genutzt werden können.
Die Aufteilung der Themenbereiche der CNC-Technik zwischen Schule, hier
fand die Programmierschulung und die Simulation am Rechner statt, und
Ausbildungsbetrieb, hier fand die Fertigung und die Demonstration der
praktischen Handhabung statt, wurde durch die beteiligten Betriebe
besonders begrüßt und nutzte die vorhandenen Möglichkeiten der
Kooperationspartner optimal. Weitere Verbesserungen in der Ausstattung der
Schule werden im Moment in Form aktueller Simulationssoftware umgesetzt.
Zusätzlich hat sich ein Kollegenteam für den Bereich CNC-Technik gebildet,
um die neuen Programme im Verlaufe der Sommerferien für den Einsatz in
der Ausbildung didaktisch aufzubereiten. Auch in einigen Betrieben ist das
Bestreben nach einer ständigen Verbesserung der Ausstattung der
Ausbildungswerkstätten deutlich erkennbar.
Weitere Bemühungen richten sich auf die zeitliche Koordination der
Arbeitspläne in Betrieb, Schule und überbetrieblicher Ausbildung. Dies ist vor
allem für die Betriebe wichtig, die ihre Auszubildenden extern im Bereich
CNC-Technik schulen lassen. Als erste Maßnahme zur Verbesserung der
zeitlichen Koordination haben die Ausbildungsbetriebe die Möglichkeit, die
Lehr- und Arbeitspläne der verschiedenen Klassen zu bekommen. Weitere
Maßnahmen sollen in einem Gesprächskreis erarbeitet werden. Hier soll auch
die überbetriebliche Ausbildung einbezogen werden.
II.4.4 Auswertung der Evaluation mittels Schülerfragebögen
Die ganztägige Veranstaltung in den beiden Ausbildungsbetrieben wurde zur
Evaluation zum einen durch eine Punktabfrage zu Beginn und am Ende des
Schultages gestaltet. Dabei wurden die Erwartungen der Schüler an die
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Veranstaltungen und die Erfüllung der Erwartungen abgefragt.36 Zum
anderen bot ein Evaluationsbogen jedem Schüler die Möglichkeit seine
Einschätzung zu verschiedenen Aspekten der beiden Veranstaltungen zu
machen.
Die Bepunktung der Frage
,Wie sind deine Erwartungen an die heutigen
Veranstaltungen?′
zeigt, dass die Schüler im Durchschnitt recht hohe
Erwartungen an den Tag hatten. Auffällig ist, dass zwei Schüler sehr geringe
Erwartungen hatten. Diese Bewertung stellt die vorhandene
Schulverdrossenheit eines kleinen Teils der Schülerschaft recht authentisch
dar. Bezogen auf diese Veranstaltung bedeutet dies für mich, dass z.B. durch
noch verstärkteres Werben für solche Veranstaltungen auch diesen Schülern
das Bemühen um ihre Ausbildung deutlich gemacht werden muss.
Die Bepunktung der abschließenden Frage
,Wurden deine Erwartungen
erfüllt?′
zeigt, dass für die meisten Schüler die Erwartungen erfüllt werden
konnten. Das Ergebnis dieser spontanen und eher stimmungsorientierten
Abfrage macht die überwiegende Schülerzufriedenheit am Ende der
Veranstaltungen deutlich.
Der Evaluationsbogen37 mit 11 Fragen gab den Schülern die Möglichkeit, die
Veranstaltungen von ihrer Qualität, ihrer Bedeutsamkeit für die berufliche
Praxis und der weiteren Behandlung im Unterricht her zu beurteilen.
Beiden Veranstaltungen wurde von den Schülern eine gute Qualität
bescheinigt. Besonders die Veranstaltung zur CNC-Technik fand bei den
Schülern besonderen Anklang. Eine weitere Bearbeitung der Themen des
Projektes halten die Schüler, nach Abschluss des Projektes, nicht für
notwendig, fordern aber unter der Frage
,Welche Themen sollten im
Unterricht noch genauer betrachtet werden?′
Prüfungsvorbereitungen zu
beiden Themen ein. Diese werde ich im restlichen Schuljahr zusammen mit
den Schüler gestalten.
36 Ein Foto des verwendeten Plakates ist dem Anhang Teil 2 beigefügt.
37 Die Auswertung der Fragebögen in Balkendiagrammen ist dem Anhang Teil 2 ebenfalls beigefügt.
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Kritisch hierbei sehe ich, dass nur ein Teil der Klasse, abhängig von der
jeweiligen Fachrichtung, im Bereich CNC-Technik geprüft wird, so dass die
Prüfungsvorbereitung möglichst differenziert ablaufen sollte. Auswirkungen
im Bereich der Motivation waren auch im Rahmen des Projektes zu
erkennen, obwohl der Arbeitsplan durch die zusätzliche Technologiestunde in
den anderen Themenbereichen des Lehrplans nicht reduziert wurde. So
äußerten zwei Schüler im Verlaufe der Unterrichtsreihe, dass sie das Gefühl
hätten, etwas ,umsonst′ zu lernen.
Da meine persönliche Einschätzung eher in die Richtung einer stärkeren
Gewichtung der CNC-Technik im Bereich der Industriemechanik geht, wäre
eine Aufnahme dieses Lernfeldes in einen neuen, lernfeldorientierten
Lehrplan für alle Fachrichtungen sinnvoll. Diese Einschätzung wird gestützt
durch die Stellungnahmen der kooperierenden Ausbildungsbetriebe. Den
Eindruck der besonderen Gewichtung dieses Themas in den
Ausbildungsbetrieben dürfte im Rahmen der Veranstaltung
,CNC-Fräsen in
der Praxis′
, besonders durch die Äußerungen der Ausbilder, für die Schüler
transparent geworden sein.
In den folgenden Fragen (8. bis 11. Frage) konstatierten die Schüler zum
einen eine gute Arbeitsatmosphäre. Zum anderen wurde die Vorbereitung
der Veranstaltungen durch die beste Bewertung des Fragebogens
ausgezeichnet. Dies wurde auch mehrfach bei den persönlichen
Einschätzungen und Beobachtungen geäußert. Das zeigt für mich, dass die
Koordination zwischen Ausbildungsbetrieben und Schule erkennbar gut
funktionierte. Weiterhin wurde der Tagesverlauf als abwechslungsreich
eingeschätzt, was, bei der recht anspruchsvollen Lerngruppe, für mich einen
weiteren Motivationsaspekt für handlungsorientierte Formen von Unterricht
darstellt.
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III Resümee
Die Gestaltung eines CNC-Kurses in Form einer projektorientierten
Unterrichtsreihe erscheint mir gelungen. Durch das Lernarrangement in Form
des Szenarios eines Entwicklungsauftrages wurde den Schülern ermöglicht
ihre eigenen Prototypen zu entwerfen. Im Sinne einer vollständigen
Handlung übernahmen sie selbst Planung und Fertigung der Prototypen, um
diese dann in Bezug auf die erarbeiteten Bewertungskriterien zu
untersuchen. Die Integration von Gruppen- und Teamarbeitsphasen in die
Bearbeitung des Entwicklungsauftrages gab den Schülern die Möglichkeit ihre
Sozialkompetenz weiterzuentwickeln.
Durch die Verwendung moderner Kreativitätstechniken und durch die
Gestaltung von Präsentationen innerhalb der Unterrichtsreihe trainierten die
Schüler ihre Methodenkompetenz.
Die enge Zusammenarbeit mit zwei Ausbildungsbetrieben im Rahmen der
Projektdurchführung ermöglichte eine praxisnahe Gestaltung der
Unterrichtsreihe. So konnten die Schüler alle Fertigungsaufgaben in der
Realsituation im Betrieb selbstständig durchführen.
Das besondere Engagement der Schüler und der beteiligten
Kooperationspartner im Rahmen dieser projektorientierten Unterrichtsreihe
stellt für mich eine sehr positive Erfahrung dar und ist Motivation für die
weitere Etablierung einer kontinuierlichen Lernortkooperation von
Ausbildungsbetrieben und Schule.
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