Autor: Anuschka Stojanowitsch
Fach: Biologie - Krankheiten, Gesundheit, Ernährung
Details
Jahr: 1998
Seiten: 5
Note: 2
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 51 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-01344-9
Volltext (computergeneriert)
02.01.1998
Alzheimer
Anuschka Stojanowitsch
Verwendete Information aus: Focus 5/97; Alzheimer Info 1+2/97; Alzheimer
Gesellschaft München 1/95; Ärztliche Allgemeine Mai 97; Geriatrie Praxis 11/91;
Alzheimer-Krankheit; Mit neuem Mut Demenzkranke betreuen (Broschüren)
HLSA- Hirnleistungsstörungen im Alter
Die Symptome von Alzheimer sind nicht in ein Schema zu ordnen. Sie hängen von
der Ausbreitung dieser Krankheit im Gehirn ab, werden aber auch durch das
Umfeld beeinflußt. Dennoch gibt es einige typische Merkmale bei Alzheimer.
- Vergessen von kurz zurückliegenden Ereignissen
- Schwierigkeit, sich in unvertrauter Umgebung zurechtzufinden
- Probleme bei der Ausführung gewohnter Tätigkeiten
- Nachlassendes Interesse an Arbeit oder Hobbys
- Schwierigkeiten beim Treffen von Entscheidungen.
Diese Veränderungen können erste Hinweise auf Alzheimer sein, doch sie können
auch andere Ursachen haben.
Alzheimer beginnt schleichend und zunächst unbemerkt mit leichter
Vergesslichkeit. Doch dies ist meistens nicht mehr aufzuhalten. Der Mensch
verliert im Laufe der Zeit die Fähigkeit sein eigenes Leben zu steuern.
Er kann nichts neues mehr lernen, nicht mehr richtig denken, sein Zeit und
Orientierungssinn geht immer mehr verloren.
Dieser Verlust kann sich über Jahrzehnte erstrecken oder innerhalb von wenigen
Jahren verlaufen, was von vielen - größten Teils noch unerforschten - Ursachen
abhängt.
Manchmal kann der Bezug zur Gegenwart völlig verloren gehen. Die längst toten
Eltern oder Spielsachen aus der Kindheit werden vermißt. Selbst die vertraute
Wohnung kann bedrohlich oder beängstigend fremd empfunden werden. Sogar
die Familie wird nicht mehr erkannt und in den Augen des Kranken zu Fremden.
Gleichzeitig kann zielloses Umherirren einsetzen. Der Kranke sucht etwas oder
kann in einem unbeaufsichtigten Moment das Haus verlassen und hilflos durch die
für ihn unbekannte Gegend irren. Erklärungsversuche, dass z.B. die Eltern schon
lange gestorben sind, erreichen ihn nicht mehr. Doch Gefühlssignale, wie Lächeln,
ein Streicheln, Blickkontakte, warmherzige Zuwendung und Gespräche werden oft
noch länger gut aufgenommen.
Später verlieren sich selbst diese Fähigkeiten. Niemand weiß, wie sich die
Erkrankung entwickeln wird. Je länger die Krankheit dauert, um so
eingeschränkter wird der Kranke. Er kann die Kontrolle über Blase und Darm
verlieren. Es kann sogar sein, dass er nur noch im Bett liegt und gefüttert werden
muß. Dann ist keine selbst durchgeführte Handlung mehr möglich.
Eine Heilung bei Personen mit Alzheimer ist "noch" nicht möglich, denn
Nervenzellen und Nervenzellverbindungen die einmal kaputt sind bleiben kaputt.
Dennoch forschen die Mediziner und Chemiker weiter nach dem heilenden Mittel.
Mittlerweile ist der Stand der Medizin schon soweit fortgeschritten, dass man für
den Patienten viel erreichen kann:
- Psychische Leistungen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und
Konzentrationsvermögen lassen sich steigern. Dadurch werden
die Folgen der Hirnschädigung zumindest für einen gewissen
Zeitraum ausgeglichen.
- Das Eintreten einer hochgradigen Pflegebedürftigkeit kann
erheblich hinausgezögert werden.
- Begleitsymptome wie niedergedrückte Stimmung, Aggressivität
oder Unruhe sind teilweise oder ganz behebbar.
Doch neben ganz neu entwickelten Präparaten helfen auch alltägliche
Medikamente bei Alzheimer. Neben dem alround Mittel "Aspirin" wurde kürzlich
bewiesen, dass selbst das weibliche Sexualhormon Östrogen, was nicht nur
Hauptbestandteil der meisten Antibabypillen ist, sondern auch gegen
Beschwerden in den Wechseljahren gereicht wird, vor Alzheimer schützen kann.
Aber auch Neuentwicklungen im Bereich der Alzheimer-Medizin wie z.B. Aricept,
Exelon oder Cognex weisen zuverlässige Ergebnisse auf. Doch auch sie können
Alzheimer nicht heilen.
Sie bewirken lediglich eine Herauszögerung der schlimmsten Phase der
Krankheit. Doch Patienten, die 2 Jahre lang mit mehr als 80 mg Cognex pro Tag
behandelt wurden, mußten viel seltener in ein Pflegeheim als Patienten, die eine
niedrigere Dosis oder kein Cognex erhalten hatten.
Doch auch mit Aricept wurden erfolgreiche Studien durchgeführt. Nach 24
Behandlungswochen zeigten Patienten die täglich
5-10 mg Aricept eingenommen hatten eine deutlich höhere geistige
Leistungsfähigkeit, als Patienten die mit einem Scheinpräparat behandelt wurden.
Diese beiden Präparate haben eine Langzeitwirkung. Die Patienten bleiben unter
einer Dauerbehandlung mit Aricept oder Cognex länger in einem leichten bis
mittelschweren Stadium der Krankheit.
Als Nebenwirkung können Aricept und Cognex die für Cholinesterase-Hemmer
typischen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich hervorrufen. Jedoch führt
Aricept zu einer Erhöhung der Leberenzyme.
Das Wirkprinzip dieser beiden Präparate ist der Cholinesterase-Hemmer, der
das Azetylcholin, was für das Lernen und das Gedächtnis wichtig ist an die
Nervenenden gelangen läßt, da es die Cholinesterase, die das Azetylcholin
normalerweise zerstören würde, an seiner Wirkung hemmt.
Die Ursachen von Alzheimer sind noch nicht genau erforscht. Es gibt aber einige
Theorien und Vermutungen.
Das limbische System, welches die emotionalen Verhaltensweisen, aber auch
Trieb- und Instinkverhalten, Aggressivität, Wut, Furcht, Gedächtnis- und
Lernfunktion steuert, kann durch sein Versagen Alzheimer hervorrufen.
Es wertet Streßsignale aus und reguliert die Ausschüttung der entsprechenden
Hormone durch Befehle an Hormondrüsen, wie Hypothalamus und Hypophyse. Es
entsteht eine Reaktionskette, an deren Ende die Nebenniere steht, die auf Streß
mit einem Anstieg des Streßhormons Kortison antwortet. Kortison wirkt dann auf
das Nervensystem. Dieses antwortet dann mit einem Ausstoß des Streßhormons
Adrenalin. Einige der Symptome für Alzheimer, wie Aggressivität, Lustlosigkeit,
Unsicherheit und Vergeßlichkeit, sind vermutlich auch Folge des Ausfalls der
limbischen "Komandostation".
Andere Ursache ist z.B. die Stoffwechselerkrankung, bei der sich die
Neurofibrillen ( feinste Fäserchen, die sich durch die Zellen in die Nervenfortsätze
hineinziehen ) verändern. Im inneren einer sonst noch normalen Zelle treten eine
oder einige Fibrillen durch ihre besondere Dicke und Darstellbarkeit stark hervor.
Im weiteren Verlauf der Krankheit zeigen sich dann viele nebeneinander
verlaufenden Fibrillen die sich in der gleichen Weise verändert haben. Schließlich
legen sie sich in dichten Bündeln zusammen und treten an die Oberfläche der
Zelle. Der Kern und die Zelle sterben ab und nur ein aufgeknäultes Bündel von
Fibrillen zeigt den Ort, an dem früher eine Nervenzelle ( Ganglienzelle ) gelegen
hat. Da sich diese Fibrillen mit anderen Farbstoffen färben lassen als normale
Neurofibrillen, muß eine Chemische Umwandlung mit ihnen statt gefunden haben.
Aus Alzheimer Info 2/97
Auguste D.
Doktor Alzheimers Patientin
Eine Menge Glück war im Spiel, als ein paar Doktoren der Psychatrischen Klinik
in Frankfurt das Krankenblatt von Auguste D. fanden. Sie war die Patientin, die
1901 wegen rasch zunehmender Vergeßlichkeit von Alois Alzheimer selbst
untersucht wurde. Seine handschriftlichen Einträge im Krankenblatt lassen
erkennen, dass er seine Patienten damals genauso befragte und untersuchte, wie
wir es heute tun. "Auguste" gab die Patientin als ihren Namen an, "Auguste"
nannte sie aber auch ihren Mann. Schriftproben zeigen, dass sie nicht mehr richtig
schreiben konnte und sofort wieder vergaß, was sie zu Papier bringen sollte.
Man fotografierte damals in der Frankfurter Anstalt offensichtlich sehr gern.
Dieser Leidenschaft ist es zu verdanken, dass wir das Foto auf unserer Titelseite
besitzen. Auguste D. starb 5 Jahre nach der Untersuchung.
Alzheimer, der auch Neuropathologe war, untersuchte ihr Gehirn und beschrieb
eine Krankheit, die damals noch niemand kannte. Sie war durch eigenartiger
Knäuel innerhalb von Nervenzellen gekennzeichnet. Alzheimer beschrieb auch die
nach ihm Benannten Plaques. Beides konnte er entdecken, weil er neue
Färbemethoden verwandte. Emil Kraepelin verlieh dieser Krankheit 1910 den
Namen ihres Entdeckers. Später bemerkte Alzheimer die eigentümlichen
Veränderungen, die ihm bei Auguste D. aufgefallen waren, auch im Gehirn von
Patienten mit Altersdemenz. Damit war klar, dass die Krankheit von Auguste D.
und die häufigere senile Geistesschwäche Ausdruck einer einzigen Krankheit
sind.
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