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Autor: Ricarda Rüth
Fach: Latein
Details
Jahr: 2001
Seiten: 12
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 73 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-01833-8
Facharbeit über dir Liebesdichtungen von Ovid
Volltext (computergeneriert)
Autor: Ricarda Rüth
Die "Ars amatoria" des Ovid
Lebenslauf
Ovid, dessen vollständiger Name Ovidius Publius Naso lautete, wurde am 20. März 43 vor Christus in Sulmo, einer Provinz in Mittelitalien in der Nähe von Rom, als Sohn einer wohlhabenden Rittersfamilie geboren.
Da er in Sulmo und nicht in Rom zur Welt kam, galt er als, sogenannter "homo novus" ein Emporkömmling. Dieses war ein Makel und er musste sich in der Hauptstadt erst renomieren.
Der Vater, dem römischen Ritterstand angehörig, brachte seine beiden Söhne zur Erziehung und Ausbildung nach Rom, wo sie sich dem Rhetorikstudium widmeten.
Dieses deutet darauf hin, dass Ovid als Beamter in die Ämterlaufbahn eintreten oder Jurist werden sollte. Bestätigt wird dies von der poetischen Autobiographie, den "Tristia", die er in Tomi, dem Ort seiner Verbannung schreib.
Dem Studium der Rhetorik schlossen sich, wie es in Rom üblich war, Bildungsreisen nach Athen, Kleinasien und Sizilien an.
Ovid beendete sein Studium, widmete sich aber schon sehr bald der Dichtkunst, ungefähr 20 vor Christus, mit 23 Jahren.
Er enttäuschte die Hoffnungen seines Vaters, da er nach dem Bekleiden einiger öffentlicher Ämter nicht in die Laufbahn eines Senators eintrat, sondern Dichter wurde. Sein Bruder, ein geborener Jurist, konnte dem Willen seines Vaters auch nicht nachkommen, weil dieser schon sehr früh gestorben ist.
Aufgrund seines Talentes wird Ovid in den Kreis des Mesallas aufgenommen und verschaffte sich dadurch in Rom eine größere Akzeptanz.
Messalla war ein angesehener Redner Roms, in dessen Umgebung Ovid die bekanntesten elegischen Schriftsteller Roms kennenlernte.
Unter anderem lernte er die Schriftsteller Albius Tibullus und Sextus Propertius kennen.
Die ersten Werke, die "Amores" ( Liebesdichtungen) ungefähr 26 vor Christus verfasst, enstanden in Anlegung an die, ihm bekannten und schon erwähnten elegischen Dichter.
Die ,,Amores" wurden erst zwei nach Christus veröffentlicht.
Das darauffolgende Werk, sind die "Heroides", in denen er fiktive Liebesbriefe von Helden und Heldinnen griechischer und römischer Mythologie behandelt. Es gibt zum Beispiel Briefe von Penelope an Odysseus und von Dido an Aeneas.
Hier wird schon deutlich inwieweit er mythologische Erzählungen in seine Werke mit einbezieht.
Die "de medicamine facei" behandelt die Kosmetik und erschien kurz nach den ,,Heroides".
Das nächste Werk ist das bekannteste, die "Ars amatoria" (Liebesdichtungen), wo er sich als "magister amores" (Liebeslehrer) bezeichnet und welches im folgenden näher behandelt wird.
Das Werk "Remedia amoris" (Heilmittel gegen die Liebe) wird entweder als eine Art Widerruf oder als eine Ergänzung der "Ars amatoria" angesehen, aber auch dieses wird noch näher erläutert.
Im Jahr acht nach Christus wird Ovid in die oströmische Provinz Tomi, am schwarzen Meer verbannt.
Die Gründe für die Verbannung durch Augustus sind unterschiedlich, zum einen die sittlich anstößigen "Ars amatoria", zum anderen eine Verwicklung in einen Sittenskandal Julias, einer Enkelin Augustus. Es wird auch die Möglichkeit angesprochen, dass die Versuche Agrippa Postumus zum Nachfolger Augustus zu machen eine Rolle spielten.
Während seiner Verbannung, die bis zu seinem Tod im Jahr 17 nach Christus andauerte, schrieb er die "Metamorphoses"(Verwandlungen), die aus zusammenhängenden Einzelgedichten bestehen,
sowie die "Fasti", die er in Rom begonnen hat und welche den römischen Kalender erläutern und begründen. Von diesem Werk bestehen nur sechs der zwölf vorgesehen, da er in Tomi nicht genügend Hintergrundlektüre zur Verfügung hatte.
Seinen Schmerz über die Verbannung beschreibt in den "Tristia" und in den "Epistulae ex Ponto"(den Briefen vom schwarzen Meer), in den "Tristia" ist im Gegensatz zu den "Epistulae ex Ponto" kein Adressat genannt. Da er diese Vorsichtsmaßnahme für unnötig hielt. Es wird allgemein angenommen, dass er als Adressaten die Bevölkerung Roms sieht um nicht in Vergessenheit zu geraten.
Er verfaßt auch ein langes Schmähgedicht ,,Ibis" dessen Adressat nicht genannt wird, eines seiner letzten Werke ist nur noch zum Teil erhalten und die Echtheit wird angezweifelt, es handelt sich um ein Lehrgedicht über die Fische ,,Halieutica".
Ovid hat sich in Tomi anscheinend heimisch gefühlt, trotz der Verfassung der ,,Tristia". Nach dem erlernen der Landessprache Getisch, verfasste er, in dieser ein Schmähgedicht auf Augustus, welches ein Affront ist, da dies eine ,,Barbarensprache" ist.
Ovid war auch dreimal verheiratet, die ersten beiden Ehen waren politische Ehen und gingen in die Brüche, die letzte Ehe schien eine Liebesheirat gewesen zu sein und passte zu Ovids Einstellung, dass Ehen aus Liebe geschlossen werden sollten.
Formaler Aufbau der ,,Ars amatoria"
Die ,,Ars amatoria" ist ein Werk das aus drei, vielleicht auch aus vier Büchern besteht.
Die ersten beiden Bücher sind an Männer gerichtet. Das erste beschreibt wie man ein Mädchen finden und erobern kann, das zweite, für Ovid bedeutsamere erklärt wie man ein Mädchen halten kann.
Dass das halten eines eroberten Mädchens für ihn bedeutsamer ist, wird in der Einleitung des zweiten Buches deutlich, ,,das Erworbene zu bewahren ist keine geringere Leistung als die Eroberung. Dort spielt der Zufall mit, dies aber wird Aufgabe der Kunst sein"(2, 13 f).
Das dritte Buch, bei welchem häufig angenommen wird, dass es nachträglich dazugeschrieben wurde, richtet sich an die Mädchen und Ovid erklärt ihnen, wie sie sich so attraktiv darstellen, dass die Männer sie erobern wollen.
Das letzte, vierte Buch die ,,remedia amoris" sind umstritten. Einige meinen, dass es eine Ergänzung sein soll, andere hingegen sind der Ansicht, dass es eine Art ,,ironischer Widerruf" zu den ,,Ars amatoria" darstellen soll.
Die Annahme, dass es eine Ergänzung ist beruht darauf, dass Ovid sehr stark von Vergil beeinflußt ist. Diese Form, die ersten drei Bücher in gleicher Tendenz zu Verfassen und dann beim vierten auf die Gegenseite zu wechseln, würde Vergils Stil in den ,,Georgica" entsprechen.
Auch zum dritten Buch gibt es verschiedene Auffassungen, zum einen, dass es als ein Zusatz ist, da die ersten beiden Bücher in sich eine klar abgeschlossene Einheit bilden, was besonders stark durch das Proömium dargestellt wird, weil die Gliederung der Bücher nach dem zweiten erschöpfend behandelt worden ist.
Die Möglichkeit, dass das dritte Buch von vornherein geplant gewesen ist, lässt sich folgendermaßen begründen.
Zum ersten: das dritte Buch behandelt die Thematik der ersten beiden sozusagen komplementär. Wenn dem Mann erklärt worden ist, wie er eine Frau zu umwerben hat, so wird in diesem Buch erklärt, wie eine Frau das Interesse des Mannes auf sich lenken kann, zum Beispiel durch Kosmetik.
Zweitens wird auch am Ende des zweiten Buches der Kampf gegen eine Amazone, ,,Doch ein jeder, der mit meinem Schwert eine Amazone besiegt hat..."(2,743), als Metapher verwendet und am Anfang des dritten Buches in ähnlicher Form wieder aufgegriffen: ,,Waffen habe ich den Danaern [Griechen] gegen die Amazonen gegeben; nun muss ich auch noch dir, Penthesilea [Königin der Amazonen], und deiner Schar Waffen geben,"(3, 1 ff ). Nochmals wird diese Metapher am Ende des dritten Buches wieder aufgegriffen (vgl. 3, 672).
Diese Stilfigur gebraucht er auch in den ersten beiden Büchern, wo er sich als Automedeon darstellt, einmal zu Beginn des ersten Buches und einmal am Ende des zweiten. Dadurch bilden die Bücher in sich eine Einheit.
Zudem würde dieser Wendepunkt zu der Metapher des Wagenrennens passen, der er sich bedient.
Dass das dritte Buch in den ersten beiden nicht angekündigt wird, kann die Anwendung einer Empfehlung Ovids sein: die ,,studierte Nachlässigkeit", so dass der Mann als Leser der ersten Bücher nicht durch das Wissen, das Ovid auch Lehrer für die Frauen ist, abgeschreckt wird. Es könnte also ein gewünschter Effekt sein, dass das dritte Buch als Nachtrag erscheint.
Auch die direkte Ansprache an den Leser ist die, im Lehrgedicht übliche Form zu schreiben. Er schreibt zum Beispiel: ,,...tot habet tua Roma puellas..." (1, 59), ... so viel Mädchen hat dein Rom...; an dieser Stelle ist sehr deutlich zu sehen, dass er den Leser direkt anspreche möchte, denn der Zusatz ,,tua" ist nicht unvermeidbar.
Doch erscheint es im dritten Buch so, als ob er seine eigene Erfahrung als Mann zum Ausdruck bringen will (vgl. 3, 98 ; 3, 666).
Zudem ruft er zu Beginn die für sein Sachgebiet zuständige Gottheit um Beistand an, bei Ovid ist es in diesem Fall die Venus, er bezeichnet sie auch, im Zusammenhang mit seiner eigenen Erfahrung als Quelle seines Dichtens.
Der inhaltliche Aufbau des Werkes
Ovid schrieb sein Werk in drei Teilen, wobei die ersten beiden an Männer gerichtet sind und das dritte an Frauen.
Es ist gut zu erkennen, dass bei Ovid die Männer als den aktiveren Part bei der Eroberung übernehmen sollen. Der Anfang des ersten Buches beschäftigt ausführlichst mit der Frage: wo man ein Mädchen finden kann. Die Treffpunkte innerhalb Roms beschreibt Ovid sehr viel ausführlicher als die außerhalb Roms, dieses kann daran liegen, dass Ovid sich innerhalb Roms wesentlich besser auskannte und zudem auch die Möglichkeit ein Mädchen, so unverfänglich kennenzulernen außerhalb Roms nicht so vielfältig gegeben waren.
Es gibt für im dritten Buch nur ein Kapitel, im Gegensatz zu den sechs im ersten, indem den Mädchen gesagt wird, wo sie die Aufmerksamkeit eines jungen Mannes auf sich lenken können.
Mehrere Kapitel wären auch nicht vonnöten gewesen, da die Mädchen, im Gegensatz zu den Männern nicht auch noch angewiesen werden, wie sie die Männer erobern können, sie müssen ,,nur" die Aufmerksamkeit auf sich lenken.
Auch der Teil, der sich mit der Frage beschäftigt: wie erobert man ein Mädchen bzw., wie lässt man sich erobern, ist hauptsächlich an Männer gerichtet.
In diesem Zusammenhang erläutert Ovid den zu erobernden, wie sie sich möglichst positiv darstellen. Er beschreibt den Adressatinnen, wie sie sich möglichst passend kleiden, schminken und Verhalten sollten. Auch das sie ihre positiven Seiten betonen sollten, stellt er in den Vordergrund.
Den Männern hingegen erklärt er, wie sie sich mit Hilfe der Dienerinnen, kleinen Geschenken und Liebesbriefen den Weg ebnen können. Bei dem Thema: die Wahl des Zeitpunktes betont Ovid nochmals, dass es nicht auf Geschenke ankomme und man Tage meiden sollte, an denen die Freundin Geschenke erwarten könnte. Er schlägt als Tage zum Beispiel den Sabbat vor, da an diesem Tag die Geschäfte geschlossen sind. Dieses passt auch gut zu Ovids, sich wiederholender Aussage, das er nicht der Liebeslehrer der Reichen, sondern der Armen ist.
Das es wichtig ist auf den richtigen Zeitpunkt zu warten unterstreicht er auch mit der Metapher des Arztes (vgl. 1, 357).
Für beide Geschlechter gleich, sieht er die Möglichkeit des Fremdgehens. Ovid ist ein Anhänger der Liebesheirat, er ist aus eigener Erfahrung gegen politische Ehen und seine eigenen Ehen scheinen dies zu unterstützen. Er räumt sowohl den Frauen, keinen verheirateten, als auch den Männern das Recht des Fremdgehens ein. ,,Die Lust, die aus Pflicht abgeleistet wird, ist mir nicht willkommen, [...]" (2, 686 ), unterstützt die Annahme, dass er für die Liebesheirat ist.
Dieses ist ein Punkt der nachher von Augustus angeprangert wird und als einer der Gründe für seine Ausweisung angeführt wurde.
Auch schreibt Ovid, dass Eifersucht, in geringen Maßen, die Liebe anregt und nicht zu verachten ist.
Für beide Geschlechter gilt auch, dass Bildung höher zu bewerten ist als jegliche Schönheit, denn Schönheit ist nach Aussage des Autors ein vergängliches Gut, im Gegensatz zur Bildung die bestehen bleibt. ,,[...] füge zu den körperlichen Vorzügen Geistesgaben hinzu! Schönheit ist ein vergängliches Gut, und je mehr Jahre hinzukommen, desto geringer wird sie [...]"(2,113 ff). Bei den Frauen teilt er die Bildung in unterschiedliche Aspekte ein, er geht vor allem geht er auf die Kunst des Unterhaltens ein, die seiner Meinung nach jede Frau beherrschen sollte. Auch in den Themen Musik, Literatur und Tanz sollte jede Frau bewandert sein
In den Büchern, die er an Männer gerichtet hat spricht er auch die Liebe als etwas Elementares an, er versucht den Männern darzulegen, was die Liebe genau ist, bei den Frauen dreht es sich allein um das Erlernen dieser Kunst.
Auch ist zu erkennen, dass die Mädchen darauf achten sollten, welchen Mann sie wählen, denn er erklärt ihnen, dass jeder Mann verschiedene Eigenarten hat und sie sich nicht von Äußerlichkeiten beeinflussen lassen sollten, denn Männer die zu sehr auf ihr äußeres Bedacht sind, werden sich nicht auf einen längere Beziehung einlassen (vgl.3, 433ff).
In beiden Teilen geht am Ende seiner Ausführungen auch noch kurz auf die körperliche Liebe ein, aber sie nimmt nur einen kleinen Teilaspekt seiner Lehre ein und scheint deshalb auch nur einen relativ unwichtigen Stellenwert zu besitzen.
Die Worte ,,Naso war mein Lehrer" beenden einmal das zweite Buch (2, 744) und dann das dritte Buch(3, 812), somit wirkt es in sich abgeschlossen und betont die Zusammengehörigkeit der drei Bücher.
Bedeutung der Mythen in der ,,Ars amatoria"
Ovid mischt an vielen Stellen in seinen Werken Mythos mit Realität um dem Leser die Relevanz dieses Themas, der Liebe zu verdeutlichen.
Er bedient sich vieler Beispiele aus griechischen und römischen (zum Teil auch ägyptischen) Mythen.
Diese mythologischen Erzählungen werden von dem Verfasser als bekannt vorausgesetzt.
An einigen Stellen schreibt er wiederum, dass Mythen einer Wunschvorstellung gleichen und nicht auf die Realität übertragen werden können, sehr deutlich wird das im ersten Buch, wo er dem Werbenden darlegt, wem er vertrauen darf und wem nicht (Vgl. 1,739ff).
Die Sage des Aeneas, welcher als Begründer Roms galt, die Ovid immer wieder aufgreift, hat eine sehr große Bedeutung, da sie zum einen in Rom sehr verbreitet war, zum anderen, da die Mutter des Aeneas Venus ist.
In der Einleitung des ersten Buches zieht er schon die ersten Verbindungen zwischen Rom, Aeneas und dessen Mutter Venus.
Er sagt zum Thema, wo man ein Mädchen finden kann ,,in der Stadt ihres Aeneas hat seine Mutter ihr Standquartier aufgeschlagen"(1, 60f). Im mittleren Teil des Buches greift er den Mythos von Troja wieder auf, als er schreibt: ,,Damals, als es traurig war, wurde Troja mit Waffen verteidigt; als es fröhlich war, nahm es das Pferd auf, das Soldaten gebären sollte."(1,363f).
Es wir hier sehr deutlich, dass er sich auf eine allgemein bekannte mythische Erzählung stützt, denn er schreibt nicht, wie üblich nochmals den Mythos in Grundzügen auf.
Außerdem übernimmt er nur kleinere Stellen, auf die er sich jeweils bezieht. In diesem Fall soll verdeutlicht werden, wie wichtig es ist, auf den richtigen Zeitpunkt zu warten, damit er nicht von dem Mädchen abgewiesen werde.
Dieses unterstützt seine vorhergegangene Aussage, dass man sich mit der Dienerin bekannt machen und sich auch von dieser beraten lassen sollte.
Ovids Kommentar, ,,auch Ärzte achten auf die rechte Zeit"(1,357) zeigt nochmals, dass es sich bei der Liebe um eine Kunst handelt, denn Arzt sein ist eine Kunst und ein erlerntes Handwerk.
So erkennt der Leser, dass es sich, bei der Liebe um ein lernbares Handwerk handelt und nicht rein zufällig geschieht, oder vom Schicksal vorherbestimmt ist.
Auch im zweiten Buch kann man einige Stellen als Verweise zu Aeneas sehen. Bei der Thematik, die die Verschwiegenheit der körperlichen Liebe behandelt, schreibt er, dass schon in der Zeit wo die Menschen noch nicht so ,,zivilisiert" wie zu Ovids Lebzeiten, dass sie Zuflucht in Höhlen gesucht haben ( vgl. 2, 623 f ) und nicht schamlos, wie die Tiere unter freiem Himmel miteinander geschlafen hätten.
Aus der mythologischen Überlieferung wissen wir, dass Aeneas und Dido sich in einer Höhle getroffen haben. Der Dichter könnte also an dieser Stelle darauf verweisen wollen.
Auch im dritten Buch schreibt er in der Einleitung: ,,Aeneas steht im Rufe, fromm und treu zu sein, und doch hat er Gastfreund dir, Elissa [Dido], den Anlaß zum Tode gegeben- und das Schwert dazu." (3, 39 ff). Er greift die Sage des Aeneas hier wiederum auf, um den Mädchen darzulegen wie sie sich Verhalten sollen und warum sie die Kunst der Liebe lernen sollten.
Er betont auch nochmals, dass er Venus persönlich inspiriert wurde.
Im Zusammenhang mit der Wichtigkeit der Bildung des Mädchens, schreibt er auch, dass das Werk ,,Aeneis" von Vergil das bekannteste in Rom ist.
An diesem Beispiel, welches von Ovid öfter als die anderen aufgegriffen und beispielhaft erwähnt wird ist deutlich die Relevanz von Mythen in der ,,Ars amatoria" zu erkennen.
Adressat der ,,Ars amatoria"
Der Dichter selbst schreibt, dass er sich an das ärmere Volk wenden will, da er der Auffassung ist, dass die Reichen sich die Liebe eher mit Geschenken erkaufen können.
Viele der aufgeführten Aspekte, kennt der Verfasser aus seinen eigenen Erfahrungen, auch er selbst war ,,arm und verliebt" (2, 165).
Auch seine Beispiele, die häufig aus dem einfachen Leben kommen machen deutlich, das er sich an eine Bevölkerungsschicht wendet, die mit diesen etwas anfangen können. Im zweiten Buch benutzt er als Metapher, um die Nutzen und Gefahren einer Trennung näher zu erläutern, einen Acker und wie man den meisten nutzen aus ihm ziehen kann (vgl. 2, 351 ff). Die Metapher des Ackerbaus greift er auch im dritten Buch wieder auf, indem er den Mädchen anschaulich darstellen will, warum die Körperpflege ein so wichtiger Bestandteil der Liebe ist, ,,Aus gepflegten Traube kommt guter Wein, und auf gepflegtem Boden steht die Saat hoch" (3, 101 ff).
Auch erklärt er dem Mann, an welchen Tagen er seine Freundin besuchen kann, so das sie keine Geschenke erwarten kann.
Und wenn er von Geschenken spricht, dann immer so das sie nicht teuer sind, wichtig ist für ihn die Aufmerksamkeit die man dem anderen schenkt. Er nimmt bei dieser Thematik auch die Dienerinnen nicht aus, da diese ihm freundlicher gesonnen sein werden, wenn er sie mit Namen anspricht (vgl. 2,253) .
Auch des Dichters Aufforderung, statt Geschenken Versprechungen zu machen, die man zwar nicht halten kann, aber dadurch einen besseren Eindruck hinterlässt. Er führt als Begründung an, ,,denn was kosten schon Versprechungen?" (1, 443).
Die Kleidung der Frauen soll, seiner Meinung nach auch nicht zu teuer sein, es ist wichtiger, dass diese die Vorzüge der jeweiligen Frau unterstreicht. Auch die Farben müssen nicht zu ausgefallen sein, sie können auch schlicht sein, sollten nur ordentlich sein und passend. ,,Was ist für ein Wahnsinn, sein Vermögen am Körper zu tragen?" (3, 172).
Quellennachweis:
· Michael von Albrecht (Hrsg.); Ovid Ars amatoria/ Liebeskunst; Stuttgart 1992
· Wolfgang Flurl und Wilfried Olbrich (Hrsg.); Ovid Metamorphosen; Bamberg 1999
(2. Auflage), S. 6-9
· Alfred Heuss; Römische Geschichte; Paderborn 2000 (7. Auflage), S. 282 ff; 395
Internet:
· www.Info-antike.de/ovid
· www.Klassphil.uni-muenchen.de
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