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Das Konzept des Case-Management in der Begleitung von Menschen mit geistiger Behinderung

Diploma Thesis, 2002, 89 Pages
Author: Christian König
Subject: Social Pedagogy / Social Work

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2002
Pages: 89
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V10350
ISBN (E-book): 978-3-638-16799-4

File size: 520 KB


Excerpt (computer-generated)

Das Konzept des Casemanagement in der Begleitung
von geistig behinderten Menschen

Diplomarbeit zur Diplomprüfung
an der Fachhochschule Münster,
Fachbereich Sozialwesen

vorgelegt am 16.10.2002
von Christian König
Studiengang Sozialpädagogik

 

Vorwort

Case Management ist eine relativ neue Methode sozialen Handelns. Erst seit kurzem wird diese Methode in Deutschland durch Modellprojekte praktisch umgesetzt und den verschiedenen Zielgruppen in der pädagogischen Arbeit angepasst. Bei Menschen mit geistiger Behinderung gibt es noch keine praktischen Erfahrungen, die mir zum Zeitpunkt dieser Diplomarbeit bekannt sind. Durch den Mangel an entsprechender Literatur und den Mangel an Erfahrung speziell zu dieser Problemstellung stellt diese Diplomarbeit das Bemühen dar, die Erkenntnisse aus anderen Case Management- Modellen auf die Gruppe der Menschen mit geistiger Behinderung zu übertragen. Das in dieser Arbeit erwähnte Modellprojekt Unterstützter Ruhestand für Menschen mit Behinderung des Landesverbandes NRW für Körper- und Mehrfachbehinderte e.V., das wissenschaftlich durch die Universität Münster begleitet wird, befindet sich derzeitig noch in der Anfangsphase. Daher können und sollen hier noch keine konkreten Ergebnisse veröffentlicht werden.

Neben der fachlichen Ausbildung im Studium sind in diese Arbeit noch meine praktischen Erfahrungen in der Schwimmausbildung von Kindern und jungen Erwachsenen mit geistiger Behinderung eingeflossen.

 

Inhalt

1 EINLEITUNG 6

2 MENSCHEN MIT GEISTIGER BEHINDERUNG 9
2.1 Der Terminus „Behinderung“ 9
2.2 Geistige Störung 13
2.3 Das Phänomen Geistige Behinderung 14
2.3.1 Der medizinische Aspekt 14
2.3.2 Der psychologische Aspekt 15
2.3.3 Der pädagogische Aspekt 16

3 BEDÜRFNISSE ALS ANTRIEB ZUR SELBSTAKTUALISIERUNG 19
3.1 Grundlagen einer Motivationstheorie 19
3.2 Befriedigung der physiologischen Bedürfnisse 22
3.3 Befriedigung der sozialen Bedürfnisse 24
3.4 Erschwernisse/Barrieren, die in der Behinderung liegen 24
3.5 Erschwernisse/Barrieren, die im sozialen Umfeld liegen 26
3.6 Fazit 28

4 CASE MANAGEMENT IN DER SOZIALEN ARBEIT 30
4.1 Der Terminus „Case Management“ 30
4.2 Historische Entwicklung des Case Managements 30
4.3 Das „deutsche Modell“ 32
4.4 Das Konzept des Case Managements 33
4.4.1 Case Management als Organisations- oder Systemkonzept 34
4.4.2 Case Management als Handlungsprozess 34
4.5 Rolle des Case Managers 38
4.6 Zusammenfassung 38

5 HANDLUNGSMAXIMEN FÜR SOZIALE ARBEIT 40
5.1 Das humanistische Menschenbild 40
5.2 Lebensweltorientierung 41
5.3 Das Normalisierungsprinzip 41
5.4 Der systemtheoretische Ansatz 44
5.5 Fazit 45

6 CASE MANAGEMENT UND GEISTIGE BEHINDERUNG 46
6.1 Einleitung 46
6.2 Organisatorische und Kontaktaufnahme 47
6.3 Assessment und geistige Behinderung 49
6.4 Planung und geistige Behinderung 58
6.5 Intervention und geistige Behinderung 64
6.6 Anwaltliches Handeln des Coaches 66
6.7 Monitoring und geistige Behinderung 67
6.7.1 Praktische Möglichkeiten der Kontrolle 69
6.7.2 Entscheidungsschwierigkeiten als Folge sozialer Abhängigkeit 72
6.8 Evaluation und geistige Behinderung 73
6.9 Der Ablösungsprozess 76
6.10 Re-Assessment 77

7 RESÜMEE UND AUSBLICK 79
7.1 Resümee 79
7.2 Ausblick 80

LITERATURVERZEICHNIS

 

1 EINLEITUNG

In Deutschland waren 1995 insgesamt 9,1 Millionen Menschen im Gesundheitsbericht des Robert-Koch-Instituts als behindert genannt, davon fielen 8,9 % unter die Kategorie „geistig behindert“. Umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung macht dies einen kleinen Teil der Gesellschaft aus. Minderheiten werden im Alltag häufig übersehen und treten nur bei besonderer Betroffenheit in unser Blickfeld. Der Lebensraum von Menschen mit geistiger Behinderung ist die Familie, aber auch ein Heim oder eine Wohngruppe. Zuweilen wird unterstellt, dass sie sich in der Obhut von Familie und/oder Fachpersonal gemäß ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln können. Ist dies wirklich so? Vielfach fehlt diesem Personenkreis die Möglichkeit, ihr Leben nach eigenen Wünschen selbstständig zu gestalten, ihre Bedürfnisse zu erkennen und umzusetzen, kurz: ein Leben wie jeder andere auch zu führen.

Durch eine gezielte Unterstützung können diese Menschen ermutigt werden, das Gefühl von Selbstverwirklichung und Gestaltung ihres eigenen Lebens zu erfahren. Dies ist besonders in Situationen, in denen sich ihr Lebenslauf verändert, von großer Bedeutung. Ausgehend von der lexikalischen Definition und semantischen  Bedeutung von Behinderung in Kapitel 2 wird in dieser Arbeit eine Annäherung an das Thema über den Begriff der Behinderung geschaffen: Je nach wissenschaftlicher Disziplin wird das Phänomen der Behinderung unterschiedlich aufgefasst. Im Zusammenhang mit der genannten Themenstellung in dieser Arbeit ist besonders der pädagogische Aspekt relevant. Es soll untersucht werden, ob Menschen mit geistiger Behinderung andere Bedürfnisse haben als Menschen ohne Behinderung. Unter pädagogischem Aspekt (Feuser) ist entscheidend, dass Menschen mit geistiger Behinderung durch spezielle Förderung die Chance bekommen, ihre eigenen Bedürfnisse so zu befriedigen, wie es Menschen ohne Behinderung möglich ist.

So wird im dritten Kapitel auf die Voraussetzungen und die Schwierigkeiten der Bedürfnisbefriedigung bei dem genannten Personenkreis eingegangen. Es soll gezeigt werden, dass zwar die Bedürfnisse universal sind, jedoch Barrieren und Erschwernisse bei Menschen mit geistiger Behinderung in der Befriedigung derselben bestehen.

Das vierte Kapitel dieser Arbeit setzt sich mit der Methode des Case Management in der sozialen Arbeit auseinander. Die Methode wird definiert und beschrieben. Das im angloamerikanischen Raum universell anwendbare Modell des Case Managements muss auf deutsche Bedingungen und Strukturen übertragen werden. Ein Merkmal ist die Steuerung sowohl auf der Handlungs- wie auch auf der Systemebene. Um diese Methode als Konzept sozialer Arbeit in Deutschland anzuwenden, sind bei der Zielgruppe von Menschen mit geistiger Behinderung wichtige Handlungsmaximen obligat, um eine zielgruppengerechte Unterstützung zu garantieren. Diese Handlungsmaximen werden im fünften Kapitel erarbeitet. Hierbei wird auf eine besondere Hervorhebung des Begriffes der Selbstbestimmung verzichtet, diese Handlungsmaxime wird als verpflichtend vorausgesetzt.

Die Modifikation der Methode des Case Managements als Konzept sozialer Arbeit bei Menschen mit geistiger Behinderung ist Inhalt des sechsten Kapitels. Auf der Grundlage der vorausgegangenen Kapitel soll untersucht werden, wie diese Modifikation gelingen kann, um ein optimales Ziel der Unterstützung zu erreichen. Besonders hervorgehoben werden soll die Erkenntnis, dass die praktische Arbeit Entwicklungsprozessen unterliegt, die sowohl vom Nutzer wie auch vom Coach ein hohes Maß an ständiger Neuorientierung fordert.

Neben einem Resümee werden im letzten Kapitel spezielle Fragestellungen aufgeworfen, die sich erst aus dieser Arbeit entwickelt haben, die gleichzeitig den Erfolg der praktischen Arbeit entscheidend beeinflussen. Als Stichwort sollen hier die Qualifikation der Mitarbeiter, die Bedeutung eines sozialen Netzwerkes sowie die Nachhaltigkeit genannt werden. Ohne eine Auseinandersetzung mit diesen Fragestellungen kann ein Ausblick sicherlich nicht gelingen. Durchgehend wird abweichend vom Titel dieser Arbeit von Menschen mit Behinderung gesprochen, um einer Ontologisierung entgegenzuwirken. Außerdem wird zur Bezeichnung einer Personengruppe die männliche Form verwendet (Nutzer, Coach).

Damit sind jeweils beide Geschlechter gemeint. Begriffe aus dem angloamerikanischen Raum sind im Original übernommen. Die Begriffe Coach und Case Manager sowie Klient und Nutzer werden synonym verwendet.

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