Dreidimensionale Kunst/ Plastik close

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Details

Kategorie: Referat / Schulaufsatz
Jahr: 2000
Seiten: 6
Note: 15
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 67 KB
Archivnummer: V103543
ISBN (E-Book): 978-3-640-01921-2
Anmerkungen :
Formalästhetische Gesichtspunkte zur Plastik und einige Vertreter kurz angerissen bzw. einige Werke "interpretiert"

Volltext (computergeneriert)

Autor: Maria Friebel

Dreidimensionale Kunst

2 Bildbeispiele vorgesetzt und nach bestimmten Aspekten vergleichen

- formal ästhetische Gesichtspunkte
- Aussageabsichten
- Wirkung auf den Betrachter

Grundbegriffe der Plastik

Definition:
- Plastik im weiteren Sinne: Oberbegriff für dreidimensionale Kunst
Überbegriff für Skulptur, Objekt, Plastik im engeren Sinne

- Skulptur: subtraktive, wegnehmende oder abtragende Herstellung
häufigste Materialien: Holz, Stein
Korrekturen nur schwer möglich

- Plastik im engeren Sinne: additive, aufbauende, modellierende Herstellung

verformbare Materialien, z.B. Ton, Wachs
zum Halt: an Gerüst (Armierung) angetragen
Korrektur durch subtraktive Manipulationen

- Kombination verschiedener Verfahren: Akkumulation: Anhäufung
(Gips) Assemblage: Zusammenfügen von Gegenständen

Konstruktion
Montage

"object trouvé" : Fundstück mit Gebrauchsspuren
· Objektkunstwerk/ Objekt

Materialgerechtheit/ Materialgerechtigkeit:

- Wahl des geeigneten Werkstoffes im Hinblick auf das anzugehende Thema

· Material = emotionale Grundlage
Gips: Tod; Ton: Leben; Marmor: Wiederauferstehung
- richtiger Umgang mit dem gewählten Material
· Nachahmung von Stofflichkeit, Darstellung von Textilien, Haar, Inkarnat (Haut)
· Charakter des Werstoffes durch Faktur (Machart), z.B. in Werkspuren

Körper-Raum-Beziehung:
- Plastik nimmt realen Raum ein; in Vorstellung wirkt sie virtuell auf den sie umgebenden Raum
- Material: positive Formen
- Raum: negative Formen
- Grundformen des Körpers:

Block/ Kernplastik: wirkt blockhaft; oft geschlossene Umrisse

raumabweisend, durchgängige konvexe Wölbung · keinerlei "Angriffsfläche"
z.B. bei stereometrischen ldealformen (Kugel, Ei)
sammeln Energie im Innern

Körper mit konkaven & konvexen Partien: ausgeglichen; raumoffen
eingezogene oder Hohlformen/ Durchbrüche
tw. raumgreifend/ raumweisend
Bsp: verschiedene Stellungen des menschlichen Körpers

Gegensätze zu Kernplastiken: + Komposition mit dominanten Hohl- oder Mantelformen:

z.B. an einer Seite offener Zylinder

+ Durchbruchsformen

+ Komposition mit ausgedünnten Formen

z.B. in Gestalt eines geraden oder gebogenen Stabes wirken vom Raum erdrückt, linear, Verkürzung der Stäbe · vorne-hinten-Wirkung

Volumen, Masse, Gewicht:
- Unterscheidung des plastischen Volumens in
Massevolumen: Menge des verwendeten Materials
Raumvolumen: geformte Raumanteile


- Betrachter vervollständigt die reduziert gegebene Form nach dem "Gesetz der guten Gestalt" in seiner Vorstellung

- optisches Gewicht: durch besondere Masseverteilung, Komposition und Anordnung: massive oder leichte 

Wirkung (Würfel leichter, wenn auf Spitze gestellt oder aufgehängt)

Größe, Präsentation:


- Großplastik: lebensgroß, überlebensgroß
- Kleinplastik: unterlebensgroß
- Monumentalplastik: beeindrucken durch ihre Größe
- Sockel/ Postamente: vor allem bei Denkmälern erhöhende Funktion · Betrachter Untersicht aufzwingen; Überlegenheit suggerieren
- Plinthe: meistens aus dem selben Material wie die Figuren; Standfestigkeit; erhöhende Funktion

Ansichtigkeit, Kontur, Blickführung:
- Frage des Betrachterstandpunktes
- mehransichtige Plastiken: voll-/rundplastisch
- Bodenplastiken (umschreitbar)
- Standplastiken und freistehende Werke
- oft eine Hauptansicht · oft am aufschlussreichsten
- allansichtige Plastiken: häufig eine oder zwei Schauseiten => v.a. abstrakte Kunst
- einansichtige Plastiken:

+ Relief: - Skulptur, bei der das Bild aus einer Stein- oder Metalloberfläche erhaben

herausgearbeitet wird
- Unterscheidung zwischen versenktem und erhabenem Relief
· erhabenes Relief: nach Grad der Erhebung: Flach-, Halb-, Hochrelief

Hinterschneidungen <+
+ Nischen- und Wandfiguren: - für Nische oder Wand konzipiert

· am Rücken nicht näher ausgearbeitet
- frontalansichtig/ en face (von vorn)
- z.B. Bauplastiken an mittelalterlichen Kathedralen
- Kontur : Umrißlinie der betrachteten Plastik
- Silhouette: Schattenriss


- Blickführung = Ansichtigkeit und Kontur · Reihenfolge der Betrachtung der einzelnen Teile einer Plastik

Licht und Schatten:
- Wirkung: abhängig von Material (Gips = stumpf, Marmor = transluzid/ leuchtend) abhängig von der Farbe des Materials
abhängig von der Bearbeitung der Oberfläche (unruhiges Licht-Schatten-Spiel einer zerklüfteten Oberfläche)
abhängig von der Plastizität und der Lichtquelle (stark seitliche Lichtquelle: dramatischer als diffuses Licht)
- Spitzlichter: hell reflektierende Stellen + Spiegelung der Umgebung = bei stark polierten Werken
- Schatten:
- Eigenschatten (auf Oberfläche der Plastik)
- Schlagschatten (wirft Plastik auf Umgebung)
- Halb- oder Nebenschatten: nicht direkt ausgeleuchtete Stellen
- Kernschatten: unbeleuchtete Stellen

Oberfläche, Plastizität:
+ Oberflächenstruktur (Textur): "begreifbare" Qualitäten
- glatt, stumpf, warm, kalt, poliert, rau, feucht, rissig, spröde, rostig o.ä.
- Bosse : Werkspuren des Meißels · (absichtsvolles) Non-finito => Kontrast polierte Formen - Bosse
+ Fassung : Überarbeitung der Oberfläche einer Plastik mit anderen Materialien (Glasur/ Patina/ Vergoldung)
+ Plastizität: (Formbarkeit, Wechsel von konkaven und konvexen Formen) · Faltenwurf
Stärke der Oberflächenstrukturierung

Gerichtetheit, Bewegung, Zeit:
- Gerichtetheit : Dominanz der Ausdehnung in eine bestimmte oder mehrere Richtungen
- Richtungsbeziehungen: oft in bestimmten Rhythmus oder Kontrast angeordnet
"stehend", "liegend", "sitzend", "sich aufrichtend"
beliebteste Anordnung: Kontrapost ("Gegensatz")
Ponderation: Ausgleich, Harmonie Körperteile - Gewicht
- Verhältnis des Körpers zum Raum:
- von einem Zentrum nach außen gerichtet · raumweisender Körper; flüchtig, vergänglich, lebendig, weltzugewandt, extrovertiert
- nach innen, auf eine gedachte oder tatsächliche Mitte gerichtet
· raumabweisender Körper; ewige Gültigkeit, ruhig, geschlossen, introvertiert, innerlich bewegt
- Gleichgewicht, Statik, Dynamik:
- vertikale/ horizontale Richtungsdominanz: statisch/ standfest
- diagonale Richtungsdominanz: labil, dynamisch-bewegte Wirkung

- Bewegung: + dargestellte Bewegung (z.B. einer Handlung)
· Darstellen eines Bewegungsflusses/ Moment des Stillstandes eines Ablaufes
+ fruchtbarer Moment : Zeitpunkt in einem Handlungsablauf
+ tatsächliche Bewegung: in beweglichen, kinetischen Plastik (Körper-Raum- Bewegung in ständigem Wechsel)

Komposition, Proportion:
Komposition: Anordnung nach Harmoniegesetzen
- Aufbau: organisch, tektonisch
- Gliederung:


- zielt auf: + Formkontraste, Verhältnis der Teile zum Ganzen, Rhythmus, Abfolge der


Teilvolumina und -massen
+ Ausgleiche schaffen

Proportion :Verhältnis von einzelnen Maßen/ Körperteilen zueinander

- Goldener Schnitt: teilt Strecken, Flächen, Körper in ein konstruierbares, harmonisches


Verhältnis · Spannung

Beispiele:
- Bernini, Gian Lorenzo (1598-1680):
italienischer Bildhauer, Hauptvertreter des Barock · von Pathos geprägte Stilrichtung des 17. Jh.
·Kardinalsbüste: Veränderung des mimischen Ausdrucks: behält was Lebendiges im polierten Stein
"Vanitas"-Denken der Zeit; Überwältigung aller Sinne (schwülstig)

- Cellini, Benvenuto (1500-1571):


italienischer Bildhauer des Manierismus · "persönliche Handschrift"; "figura serpentinata"= geschlängelte Figur

Mehransichtigkeit


- Michelangelo, Buonarroti (1475-1564)

italienischer Maler, Bildhauer und Architekt der Renaissance und des Manierismus

· Wiedergeburt der Antike: Darstellung der Menschen und der Welt, nicht mehr der Heiligen; neues Menschenbild; Welt der wissenschaftlichen Entdeckungen; verfeinerte Proportionen

· Beispiele: + "David" => Aushängeschild für Freiheit der Florentiner
- Siegerpose, Souveränität, Individualität, neues Selbstbewusstsein, Symbol junger städtischer Macht, Jugend, Ruhe, Kraft, athletisch gebaut, Mut, konzentriert
- weißer Marmor, perfekte Lockenpracht, allansichtig

- Kontrapost: Ausgleich zwischen Bewegung und Ruhe, Stehen und Schreiten, ansteigenden und fallenden Linien (Standbein-Spielbein-Haltung)

+ "Pietá" - Darstellung Mariens mit dem Leichnam Christi auf dem Schoß = "Vesperbild"

- überlebensgross, betonte Senkrechte, Leid: nach unten gezogen (Blickführung), Überschneidung, proportional, Bewegung friert ein, Mutter und Sohn = eng zusammen · Block, Strukturierung => Licht-Schatten, glänzendes Material (Marmor), Marias rechte Hand umfasst ihn kraftvoll, linke präsentiert ihn · fordert Betrachter zur Verehrung auf, Blick gesenkt; Christuskörper fast gänzlich von Umrisslinie des Marienkörpers aufgenommen; schwere Falten Mariens · Erdverbundenheit, Christi berührt Erde nur mit der Fußspitze; Hauptansicht

- Leochares · Apollon von Belvedere
Apoll (Rom, vatikanische Museen, Marmor, Höhe 2.24m)

- fast schon schwebend, leichtfüßig; präsentiert seine Nacktheit nicht so, sanfter Blick mit pathetischem Ernst, jedoch luftig, leicht, wie gerade gelandet; präsentiert sich
- runde Plinthe · Drehbewegung verstärkt
- überlebensgroß; raumgreifend; Halbprofil
- antik: scharfe Falten des Umhangs; römische Kopie einer antiken Bronze
- Verstärkung an den Beinen (Baumstamm) · Schlange
- fehlende Arme
- These: von den Christen in einen Adam umgearbeitet (bedeckte Scham, Schlange)
- Apoll = heidnischer, mit seinem Körper prahlenden Gott
- Umhang: windet sich mit der Leichtigkeit eines feinen Seidenschleiers um den ausgestreckten linken Arm; die kurze und kräftige Haarpracht kräuselt sich sanft
- Kontrast: Schwere und Massivität der Figur - Leichtigkeit und Sanftheit der Bewegungen
- leicht angehobenes Kinn · bereit jemand zu tadeln; schaut über Betrachter hinweg; herablassend
- Gewicht: auf dem rechten Bein, der körperliche Schwerpunkt im Becken
- vertikale Achse schwingt in einer flachen S-Kurve, die in horizontaler Richtung von einer durch Arme und Schultern gebildeten S-Kurve gekreuzt wird
- Betrachter mit linker Schulter zugewandt; nimmt rechte leicht zurück
- Hüfte kippt nach rechts unten; rechtes Bein = Standbein; linkes: Spielbein

- Archipenko, Alexander (1887-1964)
russischer Bildhauer des Konstruktivismus · auf geometrischen Formen beruhend
Vereinfachung und Stilisierung der menschlichen Figur; Formabstraktion und Materialexperimente
· Beispiel: "Flacher Torso"
- nach oben hin Aufhellung der blau-grünen Patina
- Frauentorso; schwungvolle Kurven
- unproportional (lange überschlanke Oberschenkel, tief sitzende Kniescheiben)
- untere Teil des Beins in Sockel eingeschlossen · keine Bewegung möglich
- starr, ruhig, zeitlos, ewige Gültigkeit; raumabweisend (in sich gerichtet) · Block
- Sockel + schmale runde Plinthe unterstreichen die senkrechte Ausrichtung
- mehransichtig (von der Seite flach; von vorne runde weibliche Formen)

· Hauptansicht = Vorderansicht
- Eleganz, Grazie, Zerbrechlichkeit
- Kontrast zwischen senkrechter rechter Seite und geschwungener linker Seite

- Alexander Calder (1898 - 1976): amerikanischer Plastiker
· kinetische Plastik: + Werk, das Bewegung als Gestaltungsmittel enthält und damit unendlich viele
= Mobilé Konstellationen von Körper und Raum ermöglicht
+ tritt vorrangig in Verbindung mit abstrakten Formen auf
+ bei Calder: windbetrieben
+ unflexible, unberechenbare (Windeinflüsse) Bewegung · Eingebungen des Augenblicks


+ Farbe: Kälte genommen, Gesichtsform unterstrichen

+ keine Nachbildung; fängt die Bewegung ein
+ vergängliches, wertloses Material; durch Bewegung existent (virtuelles Volumen)

- Niki de St. Phalle (*1930)
französische Plastikerin des Nouveaus réalisme · parallel zur Pop-Art (grell-plakativ, poppig-bunt)
Autodidaktin; in der Jugend von Vater vergewaltigt · Kunst als Selbstbefreiung
· Beispiel: Nanas (aus Polyester)

- Bewegung, unproportional => typisch weibliche Merkmale überproportional; Rest vereinfacht
- Fruchtbarkeitsgöttinnen
- leuchtende, klare Farben (Grundfarben) · fröhlich, warm, bewegt, lebendig
- "ich liebe das Runde, die Kurve, die Welle" -> keine Symmetrie, kein rechter Winkel
- raumweisend; viele konkave und konvexe Wölbungen; Durchbrüche
- Postament; eine Hauptansicht
- Blickführung in alle Richtungen

- Rodin, Auguste (1840-1917)

französischer Plastiker zwischen Impressionismus, Realismus und Symbolismus · Geheimnis, Athmosphäre des Irrealen, Verinnerlichung

modelé: Kunst der Buckel und Höhlen; Torso, Non Finito

- Kollwitz, Käthe (1867-1945)
deutsche Grafikerin und Plastikerin im Umkreis des Expressionismus
· Selbstbildnisse

- Moore, Henry (1898-1986) 
englischer Plastiker
· Torso = verletztes Menschenbild (Symbol und Ausdruck für den gefährdeten Menschen)
Angst, Wehrlosigkeit; Anklage gegen Krieg und Gewalt
Kopf = dumpfe Hinnahme von Schmerz (Kraft); Schild = Schutz
knochige, eckige, gedrungene Formen
· Naturformen = Gegensatz zum technikorientierten Konstruktivismus; organisch; Durchbrüche; fließend asymmetrisch; verschlossene Energie

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