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Research Paper (Pre-University), 2001, 17 Pages
Author: Anna Isabella Soisch
Subject: Mathematics - Miscellaneous
Details
Tags: Beweisverfahren, Induktion, Anwendung, Leistungskurs
Year: 2001
Pages: 17
Grade: 14 Punkte
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-02032-4
File size: 135 KB
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Fulltext (computer-generated)
Facharbeit
im Leistungskurs Mathematik
Thema:
Das Beweisverfahren der vollständigen Induktion
und seine Anwendung
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Begriffsklärung: Was versteht man unter Induktion?
Herleitung des Verfahrens der vollständigen Induktion
an Hand eines Beispiels
Das Prinzip der vollständigen Induktion
Vorgehensweise bei der praktischen Anwendung
Schematische Darstellung des Beweisprinzips der vollständigen Induktion
Der strenge Beweischarakter der vollständigen Induktion
-
demonstriert an Hand von Gegenbeispielen
Beweis der BERNOULLIschen Ungleichung
mit Hilfe vollständiger Induktion
Schlußwort
Quellennachweis
Einleitung
Die daliegende Facharbeit befaßt sich mit dem Beweisverfahren der vollständigen
Induktion und deren Anwendungsgebieten. Hierbei wird auf die Herleitung des
Beweisprinzips eingegangen, sowie auf seinen strengen Beweischarakter. Der
praktische Gebrauch dieser Methode wird anschließend ausführlich an einem Beispiel,
dem Beweis der BERNOULLIschen Ungleichung, demonstriert und das Auftreten eines
Widerspruchs an Hand von Gegenbeispielen gesondert behandelt.
In folgendem Verlauf der Facharbeit soll mit "A" eine mathematische Aussage, sprich
eine Zahlenfolge oder ein mathematischer Satz, bezeichnet werden. Die getroffenen
Schlüsse über "A" beziehen sich immer auf eine beliebige Zahl n, wobei n Element der
Menge der natürlichen Zahlen, ausgenommen der 0, ist (nN).
Das Peanosche Axiomensystem der natürlichen Zahlen wird hierbei als bekannt
vorausgesetzt und bei den Berechnungen wird nicht direkt darauf eingegangen.
Ferner gelten die Axiome der elementaren Rechenoperationen.
Begriffsklärung: Was versteht man unter Induktion?
Bei der Definition der Induktion muß man zwischen
1. der empirischen Induktion
in
den Naturwissenschaften und
2. der vollständigen Induktion
in der Mathematik
unterscheiden.
1. Die Erkenntnisse vieler Naturgesetze, wie z.B. die Mendelschen Vererbungsgesetze
in der Biologie, das Ohmsche Gesetz der Elektrizitätslehre, das Gesetz der multiplen
Proportionen in der Chemie, u.v.a. basiert auf
empirischer Induktion
.
Genauer formuliert: Durch experimentelle Beobachtung von Einzelfällen wird auf
die allgemeine Gültigkeit der auftretenden Sachverhalte geschlossen. Der Grad der
Richtigkeit der getroffenen Aussage richtet sich nach der Anzahl der einzelnen
Betrachtungen und Bestätigungen. Dennoch ist die allgemeine Gültigkeit des
aufgestellten Gesetzes dadurch
nicht bewiesen. Dazu müßten alle Einzelfälle
berücksichtigt werden, was in der Praxis jedoch nicht möglich ist.
Folglich handelt es sich bei der naturwissenschaftlichen Induktion um eine
Hypothese, die den Aufstieg von Einzelfällen zu einem allgemeinen Gesetz
dokumentiert. Eine solche Art von induktiver Schlußweise ist in den
Naturwissenschaften oft in vielen Fällen ausreichend, um korrekte Schlüsse aus
unterschiedlichen Sachverhalten zu ziehen.
2.
Die vollständige Induktion
der Mathematik hingegen hat einen festen
Beweischarakter (siehe S.6).
Dabei wird (ähnlich der empirischen Induktion) von einem Einzelfall auf die
allgemeingültige Aussage geschlossen, wobei jedoch Einzelfälle vollständig erfaßt
werden.
Die vollständige Induktion ist oftmals das einzig mögliche Hilfsmittel, um die
allgemeine Gültigkeit einer Gleichung A(n) bzw. eines mathematischen Satzes für
alle Zahlen n der Menge der natürlichen Zahlen (n ) zu beweisen.
Herleitung des Verfahrens der vollständigen Induktion an Hand eines Beispiels
Das Prinzip des Beweisverfahrens der vollständigen Induktion soll am folgendem
Beispiel erläutert werden.
Es sollen die Summen aufeinanderfolgender, ungerader, natürlicher Zahlen ermittelt
werden:
A(1): s1 = 1
= 1
= 12
A(2): s2 = 1 + 3
= 4
= 22
A(3): s3 = 1 + 3 + 5
= 9
= 32
A(4): s4 = 1 + 3 + 5 + 7
= 16
= 42
...
...
...
Folgende geometrische Darstellung soll den Zusammenhang nochmals verdeutlichen:
(a.a.O. Nr.6/ S.44)
1 = 12
1 + 3 = 22
1 + 3 + 5 = 32
1 + 3 + 5+ + 7 = 42
Auf Grund der erzielten Ergebnisse kann man vermuten, daß sich diese Aufstellung
beliebig weit, also für ein unendlich großes n, fortführen läßt, so daß gilt:
A(n): sn = 1 + 3 + 5 + 7 + ... + (2n - 1) =
(2n - 1) = n2
( wobei n
)
n = 1
Die Summe von n aufeinander folgenden, ungeraden Zahlen, wobei n
, beträgt n2 .
Dieser Schluß auf die allgemeine Gültigkeit ist jedoch nur induktiv, d.h. die Richtigkeit
dieser Vermutung wurde bis jetzt nur für die ersten vier Glieder der Zahlenfolge
bewiesen und es ist nicht auszuschließen, daß ein beliebiges n -tes Glied (wobei n > 4)
die aufgestellte Vermutung widerlegt. ( siehe S.8)
Daher bleibt die Gültigkeit der Aussage ungewiß und muß erst bewiesen werden.
Hierbei liegt es nahe, die Richtigkeit der aufgestellten Aussage "Die Summe sn = 1 + 3
+ 5 + 7 + ... + (2n - 1) der ersten n ungeraden natürlichen Zahlen beträgt n2" zu
vervollständigen.
Dazu wird die allgemeine Nachfolgeeigenschaft der natürlichen Zahlen hinzugezogen:
Wenn eine Aussage A für eine bestimmte Zahl n0 [...] gilt und es
außerdem zu zeigen gelingt, daß aus der angenommenen Gültigkeit für
eine beliebige Zahl k stets die Gültigkeit für die folgende Zahl (k + 1)
folgt, so erreicht man jede natürliche Zahl.
(a.a.O. Nr.6/ S.44)
Für den Nachweis der Richtigkeit dieser Implikation wird verlangt:
Wenn für eine beliebige, natürliche Zahl k die Aussage A(k) gilt, dann gilt diese
Aussage auch für den Nachfolger (k + 1), kurz:
A(k)
A(k + 1)
(2.) 1. Induktionsvoraussetzung:
Es wird angenommen, daß A(k) gilt:
A(k): sk = 1 + 3 + 5 + ... + (2k-1) =
(2n-1) = k2
(k
)
n = k
(2.) 2. Induktionsbehauptung:
Es wird behauptet, daß die Aussage auch für den Nachfolger von k, also für
n = (k + 1) gilt.
Daraus folgt:
A(k + 1): sk + 1 = 1 + 3 + 5 + ...+ (2k - 1) + (2k + 1) =
(2n - 1) = (k + 1)2
n = k+1
(2.) 3. Induktionsbeweis:
Man erhält die Summe der (k + 1)-ten ungeraden Zahlen durch Addition der
nächsten ungeraden Zahl (2k - 1 + 2), also von (2k + 1). Auf diesem Weg gelangt
man von sk zu sk + 1.
sk + 1
=
sk
+ (2k + 1)
= 1 + 3 + 5 + ...+ (2k - 1) + (2k + 1)
Nach der binomischen Formel folgt:
sk + 1
= (k + 1)2
Es folgt:
Bezüglich der Voraussetzung, daß A(k)
sk + 1
= sk
+ (2k + 1)
= sk = k2 , läßt sich die Gleichung
= k2
+ (2k + 1)
folgendermaßen umschreiben.
Als Endergebnis erhält man den Ausdruck für sk + 1, so als hätte man die Variable durch
(k + 1) ersetzt.
Damit ist die Implikation bewiesen.
Greift man auf die ersten Gedankenschritte dieses Beweises zurück, daß die Aussage
A(n) für ein kleines n0, hier n0 = 1, erfüllt ist und fügt sie der Implikation an, so erhält
man das
Prinzip der vollständigen Induktion
, in der Mathematikliteratur auch als
"Schluß von n auf n +1"
bezeichnet.
Kurz gesagt hängt die Möglichkeit der beschriebenen Schlußweise von zwei Faktoren
ab:
1. Die Richtigkeit über die Aussage A(n0) muß bekannt sein
2. Ein allgemeiner Beweis muß geführt werden, daß falls die Aussage A(k)
wahr ist, dann auch die darauffolgende Aussage A(k + 1) richtig ist
Das Prinzip der vollständigen Induktion
Der Beweis der Gültigkeit einer Aussage A(n) für alle natürlichen Zahlen n beruht auf
dem Satz der vollständigen Induktion:
Wenn 1. A(n) für eine (möglichst kleine) natürliche Zahl n = n0 wahr ist und
2. für eine beliebige natürliche Zahl n = k (k n0) aus der (angenommenen)
Gültigkeit von A(k) stets die Gültigkeit von A(k + 1) folgt,
dann ist A(n) für alle natürlichen Zahlen n n0 wahr.
(a.a.O. Nr.6/ S.45)
(Anmerkung: Dieses Verfahren läßt sich nur dann anwenden, wenn die zu beweisende Behauptung
vermutet wird bzw. schon vorher bekannt ist.)
Wenn der
erste
Dominostein umfällt, und wenn mit
dem
n-ten
Dominostein auch der
(n+1)-te
umfällt,
dann fallen
alle
Dominosteine um.
(a.a.O.Nr.4/ S.15)
Vorgehensweisen bei der praktischen Anwendung:
1. Der erste Schritt der vollständigen Induktion wird als
Induktionsanfang
oder
Induktionsverankerung
bezeichnet.
Man beweist, daß eine Aussage A(n) für eine bestimmte, möglichst kleine natürliche
Zahl n (meistens 0 oder 1) gültig ist. Damit hat man die Existenz einer natürlichen
Zahl bewiesen, für die A(n) wahr ist.
2. Den zweiten Schritt nennt man
Induktionsschluß
oder
Nachfolgevererbung
.
Dieser gliedert sich in die
Induktionsvoraussetzung
,
Induktionsbehauptung
und
den
Induktionsbeweis
.
Als Induktionsvoraussetzung wird die Gültigkeit von A(n) für ein beliebiges n = k
festgesetzt.
Die Induktionsbehauptung folgert aus der Voraussetzung die Annahme, daß die
Aussage A(n) auch für den Nachfolger von k, also für n = k + 1, gültig ist.
Der Induktionsbeweis liefert letztendlich eine Aussage über die Gültigkeit des
Schlusses von A(k) auf A(k + 1).
Damit ist bewiesen, daß man durch die Fortsetzung der vollständigen Schlußreihe
A(n0) A(k) A(k + 1) A(n) jede natürliche Zahl erreicht und somit die Aussage
A(n) allgemeingültig ist.
Schematische Darstellung des Beweisprinzips der vollständigen Induktion
"Verankerung"
"Vererbung"
[
Es gilt A(n0)
und
Für ein beliebiges k
n0 gilt (A(k)
A(k + 1))
]
A(n) gilt für alle n
n0
Induktionsanfang
Induktionsschluß
(Existenzbeweis)
(Beweis der vollständigen Implikation)
Beweis durch vollständige Induktion
(a.a.O. Nr.6/ S.46)
Das Beweisverfahren der vollständigen Induktion ist ein Sonderfall des "direkten
Beweises".
Wie man erkennt, liegt der Vorteil dieses Beweisverfahrens darin, daß die
Induktionsvoraussetzung, die Gültigkeit von A(k), nicht direkt rechnerisch bewiesen
werden muß. Einen rechnerischen Nachweis erfordert lediglich der Existenzbeweis und
die Implikation von A(k) auf A(k + 1).
Ist die zu beweisende Aussage falsch, so tritt ein Widerspruch bei einem der
Beweisschritte auf, d.h. es existiert kein n0 oder die Implikation ist nicht erfüllbar.
(siehe S.8)
Dennoch kann man umgekehrt aus dem Mißlingen des Beweisverfahrens nicht immer
auf die Falschheit der Aussage schließen. Bei komplizierten Fällen kann z.B. eine
falsche Grundidee für die notwendigen Umformungen zum Fehlschluß verleiten.
Daher gibt es in der Mathematik viele ungelöste Probleme, da man kein
Beweisverfahren für die betreffenden Sätze hat finden können.
Der strenge Beweischarakter der vollständigen Induktion
- demonstriert an Hand von Gegenbeispielen
Die folgenden Gegenbeispiele sollen zeigen, daß weder die Verankerung (A(n0) ist
wahr) alleine, noch die Vererbung (A(k)
A(k + 1)) alleine zum Beweis der
allgemeinen Gültigkeit einer Gleichung bzw. eines mathematischen Satzes für alle
Zahlen n
ausreicht.
Beispiel 1.:
Voraussetzung:
n
Behauptung:
Die Zahl 2520 ist durch alle natürlichen Zahlen n (n 1) teilbar,
wobei der Quotient wieder eine natürliche Zahl ist.
Es gilt:
2520 : n = a
,wobei a
Wählt man n = 1 so ist die Behauptung wahr und damit die Existenz einer kleinen
Zahl n0 bewiesen. Der Induktionsanfang (Verankerung) ist erfüllt. Auch für die
folgenden Zahlen n = 1, 2, 3, ..., 8, 9, 10 ist die Behauptung wahr.
Dies verleitet zu dem Trugschluß, das die aufgestellte Behauptung allgemeingültig sei.
Doch schon n = 11 widerlegt diese Annahme, denn
2520 : 11 = 228, 1
a
obwohl der Induktionsanfang für die ersten zehn Glieder der Folge gelingt.
Damit genügt es nicht die Gültigkeit für ein endliches, wenn auch noch so großes,
Anfangsstück einer Folge natürlicher Zahlen zu zeigen. Der Induktionsanfang allein
reicht nicht aus, um die allgemeine Gültigkeit der Folge zu beweisen. Es fehlt der
Beweis der Implikation, daß aus A(k) A(k + 1) folgt, sprich der Induktionsschluß.
Beispiel 2.:
Voraussetzung:
n
Behauptung:
Die Zahl 2 ist Teiler von 3n + 4, d.h.
3n + 4
A(n):
= a
,wobei a
2
Induktionsvoraussetzung:
Es wird angenommen, daß A(k) gilt:
3k + 4
A(k):
= a
,wobei a
2
Induktionsbehauptung:
Es wird behauptet, daß die Aussage auch für den Nachfolger von k, also für
n = (k + 1) gilt. Es folgt:
3k+1 + 4
A(k + 1):
= a
,wobei a
2
Induktionsbeweis:
Es folgt der Beweis der Implikation, daß aus A(k) A(k + 1) folgt.
Durch Anwendung der Potenzregel läßt sich der Zähler folgendermaßen
umschreiben:
3k+1 + 4
=
31 3k + 4
= 2 3k + 1 3k + 4
Da
2
3k
durch 2 dividierbar ist und laut der Induktionsvoraussetzung auch
1
3k + 4
durch 2 dividierbar ist, folgt auf Grund des Satzes
"Ist jeder Summand einer Summe
durch eine Zahl x teilbar, so teilt x auch die Summe"
(a.a.O. Nr.6/ S. 48) die Gültigkeit von
2 3k + 1 3k + 4
3k+1 + 4
=
= a
,wobei a
2
2
Damit wurde die Richtigkeit der Implikation A(k) A(k + 1) bewiesen.
Dennoch ist die Behauptung, 2 ist ein Teiler von 3n + 4,
falsch !!!
, da es kein n = n0
gibt, für welches die Behauptung gültig wäre. Wählt man z.B. n0 = 1, so folgt:
31 + 4 = 7 und 7 : 2 = 3,5 , wobei der Quotient a nicht Element der natürlichen Zahlen
(a ) ist.
Es fehlt also der Induktionsanfang, sprich der Beweis der Existenz eines kleinen n0 für
welches die Behauptung erfüllt ist.
Schon am Anfang war sichtbar, daß die Behauptung falsch ist, da 3n ein Produkt aus
ungeraden Zahlen darstellt und die Addition einer geraden Zahl diese Eigenschaft nicht
verändert. Eine ungerade Zahl ist nie durch 2 teilbar, ohne einen Rest zu hinterlassen.
An Hand dieser Gegenbeispiele ist gezeigt worden, daß das Prinzip der vollständigen
Induktion einem strengem Beweischarakter unterliegt. Nur der Induktionsanfang
(Verankerung) in Verbindung mit dem Implikationsbeweis (Vererbung) führt zu einem
korrekten Befund über die allgemeine Gültigkeit einer Aussage A(n).
Beweis der BERNOULLIschen Ungleichung mit Hilfe vollständiger Induktion
Jakob BERNOULLI
Geb. 27.02.1667 Basel
Gest. 01.01.1748 Basel
J. Bernoulli promovierte in Medizin, entschied sich später jedoch
Mathematiker zu werden. 1695 wurde er Professor in Groningen,
ab 1705 in Basel. Erstmals befaßte er sich mit der systematischen
Darlegung der Differential- und Integralrechnung, fand Methoden zur Integration von
Differentialgleichungen und untersuchte Extremalprobleme der Geometrie.
BERNOULLIsche Ungleichung:
Ist x eine reelle Zahl mit x -1 und x 0. Dann gilt für alle n die BERNOULLIsche
Ungleichung:
A(n): 1 + nx
(1 + x)n
(der Term ist auf Grund der Voraussetzung positiv)
Beweis:
Voraussetzung:
n ;
x -1 und x 0
Behauptung:
für alle n > 0 gilt:
1 + nx (1 + x)n
1. Induktionsanfang:
Man prüft, ob die BERNOULLIsche Ungleichung für ein kleines n0 erfüllt ist.
Dazu wählt man n0 = 1 und setzt es in die Ungleichung ein.
A(1):
1 + 1x (1 + x)
1
1 + x 1 + x
[
Als Ergebnis erhält man eine wahre Aussage, da auf beiden Seiten der Ungleichung der
gleiche Term steht.
2. Induktionsschluß:
2.1. Induktionsvoraussetzung:
Es wird angenommen, daß die Behauptung für ein beliebiges n wahr ist,
d.h. n = k .
Es gelte also:
A(k): 1 + kx
(1 + x)k
2.2. Induktionsbehauptung:
Es wird behauptet, daß die Ungleichung auch für den Nachfolger von k, d.h.
n = k + 1 gilt.
Daraus folgt:
A(k + 1): 1 + (k + 1)x
(1 + x)k + 1
2.3. Induktionsbeweis:
A(k) A(k + 1)
Es ist zu zeigen, daß aus der Gültigkeit von A(k) stets die Gültigkeit von
A(k + 1) folgt, d.h. daß die BERNOULLIsche Ungleichung für n = k auch für
n = k + 1 gilt.
Daraus folgt:
Man multipliziert die Ungleichung auf
1 + kx (1 + x)k / (1 + x)1
beiden Seiten mit (1 + x)1, wobei laut
Voraussetzung (1 + x)1 0 ist.
Man erhält:
(1 + kx) (1 + x)1 (1 + x)k (1 + x)1
Durch Anwendung der Potenzre-
chengesetze lassen sich die Terme
1 + x + kx + kx2 (1 + x)k + 1
folgendermaßen vereinfachen.
1 + (k + 1)x + kx2
(1 + x)k + 1
Der Term
1 + (k + 1)x + kx2
ist um
kx2 0
den positiven Summanden kx2 größer
als der Ausgangsterm 1 + (k +1)x.
Da die Ungleichung auch für den um kx2 größeren Term erfüllt ist, gilt sie erst recht für
1 + (k + 1)x.
1 + (k + 1)x
1 + (k + 1)x + kx2
(1 + x)k + 1
Damit ist die Gültigkeit der BERNOULLIschen Ungleichung für n = k + 1 bewiesen und
somit ist sie für alle n gültig.
Graphische Darstellung:
Beispiel:
n = 3
1 + 3x (1 + x)3
f1(x) = (1 + x)3
f2(x) = 1 + 3x
Betrachtet man die Schaubilder beider Funktionen ab x -1, so kann man kann
erkennen, daß abgesehen vom Schnittpunkt S(0/1), den Funktionen bei gleichen
x-Werten unterschiedliche Funktionswerte zugeordnet werden, wobei f1(x) f2(x) ist.
Somit kann man unter Verwendung der
BERNOULLIschen Ungleichung die
Entwicklung der Funktionswerte einer Funktion der Form (1 + x)n für x gegen
Unendlich im Vergleich zu (1 + nx) schätzen.
Schlußwort
Wie die Facharbeit aufzeigt, ist das Prinzip der vollständigen Induktion ein wichtiges
Mittel, um die Gültigkeit einer Aussage für alle natürlichen Zahlen n zu beweisen. Auf
Grund seiner Struktur bietet es eine logische Schlußfolgerung von einem Einzelfall auf
die allgemeine Gültigkeit einer Feststellung an. Ferner sind seine Anwendungsgebiete
vielfältig und dienen zum Beweis mathematischer Sätze der Algebra, Differential-
rechung (z.B. den Ableitungsregeln), sowie der Geometrie.
In der Elementarmathematik wird das Beweisverfahren der vollständigen Induktion
meistens angewandt, ohne dies besonders hervorzuheben. Ein fortlaufender, gültiger
Zusammenhang wird oftmals mit "usw." angedeutet.
Bei komplizierten Beweisen ist jedoch ein ausdrücklich aufgeführter Gebrauch des
Induktionsschlusses vorauszusetzen.
Abschließend wäre noch anzumerken, daß das Beweisverfahren der "vollständigen
Induktion", trotz seines Namens, ein deduktives Beweisverfahren ist, wo man von
Axiomen zu beweisbaren Sätzen gelangt. Im Allgemeinen bildet die Deduktion die
Grundlage der exakten Beweisführung, insbesondere in der Mathematik.
Quellenverzeichnis
1. Courant, Richard:
Vorlesungen über Differential- und Integralrechnung Bd. 1
Springer Verlag, 1971
2. Haarmann, Kusch:
Mathematik für Fachoberschulen und Fachgymnasien
Girardet Verlag, 1980
3. Hilbert, Alfred:
Mathematik Grundlagenwissen
Bechtermünz Verlag, 1997
4. Scheid, Harald:
Abiturwissen Analysis
Ernst Klett Verlag, 1989
5. Schmieder, Gerald:
Analysis: Eine Einführung für Mathematiker und Informatiker
Vieweg Verlag, 1994
6. Weber, Karlheinz / Zillmer, Wolfgang:
Mathematik Leistungskurs
Paetec Verlag, 1996
7. Bertelsmann Universallexikon Bd.2
Bertelsmann Verlag, 1994
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02.09.2001 14:50:38
Hallo! Ich würde mir ganz gerne die Facharbeit von Anna Isabella Soisch anschauen, habe jedoch kein Programm in dem ich sie öffnen kann. Das Winword-Programm nimmt sie nämlich nicht. Zu welchem Programm gehört die Endung pdf? Danke, Ilona Erbitte baldige Nachricht.
18.10.2002 01:44:13
um eine bewertung abgeben zu können müsste man es erstmal lesen können!