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Autor: Dominik Sommer
Fach: Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Details
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Institut für Sozialwissenschaften)
Tags: Max Weber, Hugo Preuss, Michel Foucault, Diskursanalyse, Die Ordnung der Dinge, Archäologie des Wissens, Weimar, Nationalversammlung, Faust, Hermeneutik, diskursive Beziehungen, Zeittafel
Jahr: 2002
Seiten: 44
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 284 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-16820-5
Textauszug (computergeneriert)
Humboldt-Universität zu Berlin
Sommersemester 2002
Philosophische Fakultät III
Institut für Sozialwissenschaften
Seminar: Der politische Diskurs der Weimarer Republik
Max Weber und der Verfassungsdiskurs 1918/19
Eine diskurstheoretische Analyse in Anlehnung
an Michel Foucaults Diskursanalyse
Dominik Sommer
7. Fachsemester
Sozialwissenschaften
Referat: 13.06.02
Abgabe: 24.10.02
Inhaltsverzeichnis........ 02
Einleitung
Wagner, Faust und der Geist der Zeiten..... 03
Hauptteil
I. Analyseinstrument I: Foucaults Diskurstheorie... 04
1. Foucault und der methodologische Paradigmenwechsel der Ideengeschichte...... 05
2. Die Ordnung der Dinge..... 06
3. Die Archäologie des Wissens.... 08
i. Grundzüge der Diskurstheorie
ii. Das diskursanalytische Verfahren
4. Zusammenfassung...... 18
II. Analyseinstrument II: Zuschnitt auf den Weimarer Verfassungs-Diskurs........ 20
III. Analyse........ 21
1. des Gegenstandes...... 21
2. der Äußerungsformen..... 29
3. der Begriffe....... 32
4. der thematische Schwerpunkte.... 33
IV. Synthese: Ergebnisse und wesentliche diskursive Beziehungen 37
Schluss
Foucault, Weber und ich....... 40
Literaturliste......... 42
Anhang: Zeittafel........ 44
Einleitung: Wagner, Faust und der Geist der Zeiten
Der selbstzufriedene - ,,Und wie wirs dann zuletzt so herrlich weit gebracht" (220)1 - gelehrige - ,,Ihr last gewiß ein griechisch Trauerspiel/ In dieser Kunst mögt ich was profitieren/ Denn heutzutage würkt das viel." (170-172) - und ,trockene Schwärmer′2 Wagner stört Faust mitten in der Nacht bei dessen erstem übersinnlichen Kontakt. Faust kaschiert seine Unlust auf den ,Famulus′ mit sanfter, teils ironischer und desillusionierender Gelehrsamkeit. Über die Wirkung der Rhetorik weist er Wagners pragmatischen Ansatz - ,,Allein der Vortrag nützt dem Redner viel" (193) - zurecht:
Wenn ihrs nicht fühlt ihr werdets nicht erjagen.
Wenns euch nicht aus der Seele dringt
Und mit urkräftigem Behagen
Die Herzen aller Hörer zwingt (...) (181-184)
Und Faust weiter:
Das Pergament ist daß der heilige Bronnen,
Woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt.
Erquickung hast du nicht gewonnen
Wenn sie dir nicht aus eigener Seele quillt.
Wagner kleinlaut aber hartnäckig:
Verzeiht es ist ein gros Ergözzen
Sich in den Geist der Zeiten zu versezzen.
Zu schauen wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wirs dann zuletzt so herrlich weit gebracht.
Faust:
O ia bis an die Sterne weit.
Mein Freund die Zeiten der Vergangenheit,
Sind uns ein Buch mit sieben Siegeln.
Was ihr den Geist der Zeiten heisst
Das ist im Grund der Herren eigener Geist,
In dem die Zeiten sich bespiegeln.3 (213-226)
Schon in der ersten Hälfte der Siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts war sich Goethe der Grenzen der Hermeneutik bewußt. Die Problematik liegt in der Überbrückung der Zeit zwischen dem Sagendem und dem Gesagten; dem Wissenschaftler einer bestimmten Zeit und seinen Aussagen über eine andere Zeit, die wiederum Produkt seiner eigenen Gegenwart sind, da er ja zeitabhängig Rekurs nimmt auf vorvergangene Zeit. Hand in Hand mit der hermeneutischen Methode geht die genealogische Rekonstruktion von Ideen und Begriffen.
Michel Foucault jedoch versucht sich mit seiner Diskursanalyse über die traditionelle Hermeneutik hinwegzusetzen und leitet eine Art Paradigmenwechsel im Betreiben der Ideengeschichte ein. Ich habe mich entschlossen, mich auf Foucaults Konzept einzulassen und werde versuchen, diesen alternativen Ansatz zur Analyse der Rolle Max Webers und seiner Vorschläge in der Weimarer Verfassungsdiskussion zu verwenden.
Ich beginne mit der Konstruktion des Analyseinstruments, d.h. ich werde mit Bezug auf Foucaults ,,Ordnung der Dinge" und besonders auf die ,,Archäologie des Wissens" den wesentlichen paradigmatischen Wechsel dieser Diskurstheorie in Abgrenzung zur Hermeneutik zu erfassen suchen und die konkreten Analysekriterien herausarbeiten. Danach werde ich das so entstandene Analysekonzept auf die Weimarer Verfassungsdiskussion abstimmen, um in einem dritten Schritt konkret an den (nicht nur) Weimarer Diskurs hinzutreten und ihn auf seine Gegenstände, seine Äußerungsformen, seine Begriffe und seine thematischen Schwerpunkte zu untersuchen. Ziel der Arbeit ist es dabei, eine methodologische Möglichkeit aufzuzeigen, die es erlaubt, über Max Weber und den Verfassungsdiskurs seiner Zeit zu sprechen ohne dabei selbst Max Weber und der Geist dieser Zeit zu sein.
I. Analyseinstrument I: Foucaults Diskurstheorie
Ziel ist es, mit Michel Foucaults Diskurstheorie Ordnung in den Weimarer Diskurs, im speziellen in die Rolle Max Webers und seinen verfassungstheoretischen Vorstellungen innerhalb der Verfassungsdiskussion zu bringen. Hierfür möchte ich mich zuerst auf abstrakter Ebene dem durch Foucault betriebenen methodologischen Paradigmenwechsel zuwenden.
1. Foucault und ein methodologischer Paradigmenwechsel des Betreibens der Ideengeschichte
Michel Foucault (1926 - 1984) versucht mit seiner Diskurstheorie ein Gegenmodell zu herkömmlichen hermeneutischen Analysen der Ideengeschichte zu schaffen. Er orientiert sich dabei an der Ethnologie, versucht also die kulturellen Voraussetzungen für (auch politische) Ideengeschichte zu beleuchten. Seine Kritik bezieht sich auf den Identitätszwang der herkömmlichen Geschichtsschreibung, er unterstellt ihr eine Andichtung von Teleologie. Er möchte mit seiner Theorie (Ideen-) Geschichte von ihren subjektspezifischen Elementen befreien, eine Analyse frei von Antropologismus und jenseits von Epochen schaffen. An Stelle von Epochen sollen in Szenen von Serien Tableaus treten. Eine positivistische Analyse tatsächlicher Äußerungen, eine reine Beschreibung diskursiver Ereignisse steht also einer hermeneutischen Interpretation als Methode der Deutung historischer Momente entgegen. Foucault bestreitet die Existenz von historischer Wahrheit und epochen-spezifischen Sinn. Konkret geht es ihm um eine bedingt strukturale Analyse, d.h. durch die Analyse von Zeicheneinheiten, sprich durch die Bezugnahme auf Regeln im Aussagesystem, soll auf die historischen Existenzbedingungen einer Aussage gestoßen werden. Eine Diskursformation wird durch Symbolordnungen konstituiert und diese Symbolordnungen stehen untereinander im Kontext.
[...]
1 Die Klammerangaben enthalten die Verszahlen aus: Goethe, Johann Wolfgang 1987: Urfaust. Frankfurt/M.
2 So Faust selbst über Wagner, in: ebd., 8
3 Hervorhebung: D.S.
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