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Autor: Clemens Grün
Fach: Theaterwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin (Institut für Theaterwissenschaft)
Tags: Afrika, Cuba, Santería, Tanz, Musik, Religion, Mythologie, Afrocubaner, Synkretismus, Magie, Symbol, Ritual, Sozialismus, Identität
Jahr: 1996
Seiten: 24
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 200 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-16822-9
ISBN (Buch): 978-3-638-68160-5
Zusammenfassung / Abstract
Die vorliegende Arbeit ist eine Darstellung von historischer Entwicklung, spirituellem Universum und rituellen Ausdrucksformen der cubanischen Santería mit dem Ziel, dort praktizierte tänzerische Ausdrucksformen als soziales Ereignis in einem historischen Kontext begreifbar zu machen. Hinweise auf die politischen Rahmenbedingungen der Santería im sozialistischen Cuba sollen das gegenwärtige Konfliktpotential anzeigen und Ausblicke auf die zukünftige Entwicklung ermöglichen. Folgende Fragestellungen werden dabei berührt: 1. Inwieweit hat sich die Santería heute von ihren afrikanischen Wurzeln gelöst, und darf sie als Bestandteil einer über die Gruppe der in Cuba lebenden Yorubas hinauswirkenden nationalen Identität angesehen werden? 2. Erfüllen die Kulte heute noch ihren ursprünglichen Sinngehalt, oder haben sie ihre traditionelle Bedeutung weitgehend eingebüßt, ist die in Cuba praktizierte Form der Santería also noch als religiöser Glaube zu bezeichnen oder nur mehr der Folklore zuzuordnen? Für den historischen Teil meiner Untersuchung hat Niess die wichtigste Vorarbeit geleistet. Rädecke bietet, wenn auch in der Deutung häufig wenig sorgfältig, in komprimierter Form eine Fülle von Fakten und Daten. Für den analytischen Teil habe ich vorwiegend auf die Darstellungen von Duany und Murphy zurückgegriffen, mit Ausnahme der Tanzanalyse. Bei letzterer standen die Untersuchungen Pintos im brasilianischen Bahia Pate. Die rituellen Ausdrucksformen des dortigen Candomblé stimmen mit denen der cubanischen Santería weigehend überein. Zusätzlich habe ich hier auf eigene Beobachtungen zurückgegriffen. Gleiches gilt für die meisten Beschreibungen der Situation im sozialistischen Cuba der Gegenwart.
Textauszug (computergeneriert)
Institut für Theaterwissenschaft
SS 1996
PS II 28922
Mauk: Analyse tänzerischer Ausdrucksformen
unter dem Aspekt der Interkulturalität
Theateranthropologie:
Afrikanische Elemente ritueller Praktiken
der cubanischen Santería
im soziohistorischen Kontext
Clemens Grün
0.Vorwort
1.Die Religion der Santería
1.1.Geschichte und Soziologie
1.2.Das spirituelle Universum der Yorubas
1.3.Die Yoruba-Orishas
2.Das Santería-Ritual
2.1.Beschreibung und Deutung
2.2.Elemente des Tanzes
3.Perspektiven der Gegenwart
3.1.Santería im Sozialismus
4.Literatur
0.Vorwort
Mein Interesse für die Santería wurde während einer Exkursion nach Cuba im März/April 1996 geweckt. Über meine damalige Tanzlehrerin, eine Anhängerin der Santería, gewann ich Einblick in die rituellen Ausdrucksformen dieser Religion, wie sie in Havanna praktiziert wird. So hatte ich Gelegenheit, selbst einige der wichtigsten Tanzschritte zu erlernen und am 17.3.96 einem Ritual in einem Hochhaus im Stadtteil Centro Habana als beobachtender Teilnehmer beizuwohnen. In einem Theaterprojekt mit cubanischen und deutschen Schauspielschülern und Lehrern der Nationalen Schauspielschule Havannas lernte ich Charakter und Möglichkeiten der dramatischen Umsetzung der Santería-orishas kennen. Darüber hinaus konnte ich mich durch vielerlei Gespräche, aber auch den Besuch von Konzerten, Theateraufführungen und Kinofilmen von der Präsenz der Kulte im Alltagsleben der Cubaner überzeugen.
In ,,Fresa y Chocolate"1 etwa, einem Film, der auf eine Novelle von Senel Paz zurückgeht, und der weit über die Grenzen Cubas hinaus bekannt und populär wurde, wird die historisch bedingte Vermischung von Ausdrucksformen afrikanischer und christlicher Religion als Sinnbild für die politische Orientierungslosigkeit vieler Menschen im gegenwärtigen Cuba inszeniert. Die in eine Dreiecksbeziehung mit ihrem schwulen, systemkritischen Nachbarn und einem linientreuen Studenten verwickelte (weiße) Protagonistin betet hier Yoruba-Heilige, Jesus Christus und ,,Fidel" mit gleicher Inbrunst und, wenn nötig, alle zugleich an und bleibt am Ende doch auf sich selbst zurückgeworfen. Ihr religiöser Glaube wird in Beziehung gesetzt zu ihrer ideologischen Überzeugung, und beides als zweifelhaftes, weil sinnentleertes Spiel mit Symbolen entlarvt.
Auch wenn die Kritik an der sozialistischen Propaganda hier offenbar im Zentrum steht, werden doch zwei wesentliche Fragen bei der Beschäftigung mit der Santería problematisiert:
- Inwieweit hat sich die Santería heute von ihren afrikanischen Wurzeln gelöst, und darf sie als Bestandteil einer über die Gruppe der in Cuba lebenden Yorubas hinauswirkenden nationalen Identität angesehen werden?
- Erfüllen die Kulte heute noch ihren ursprünglichen Sinngehalt, oder haben sie ihre traditionelle Bedeutung weitgehend eingebüßt, ist die in Cuba praktizierte Form der Santería also noch als religiöser Glaube zu bezeichnen oder nur mehr der Folklore zuzuordnen?
In meiner Untersuchung werde ich diese Punkte freilich nicht zentral behandeln und lediglich Indizien liefern, die für eine entsprechende Arbeit von Nutzen sein könnten, soweit sie mein Thema betreffen. Im Zusammenhang mit dem Seminar liegt mein Erkenntnisinteresse stattdessen in einer Darstellung von historischer Entwicklung, spirituellem Universum und rituellen Ausdrucksformen der cubanischen Santería zum Verständnis der späteren Tanzanalyse. Hinweise auf die Situation der Santería im sozialistischen Cuba sollen das gegenwärtige Konfliktpotential anzeigen und Ausblicke auf die zukünftige Entwicklung ermöglichen.
Für den historischen Teil meiner Untersuchung hat Niess die wichtigste Vorarbeit geleistet. Rädecke bietet, wenn auch in der Deutung häufig wenig sorgfältig, in komprimierter Form eine Fülle von Fakten und Daten. Für den analytischen Teil habe ich vorwiegend auf die Darstellungen von Duany und Murphy zurückgegriffen, mit Ausnahme der Tanzanalyse. Bei letzterer standen die Untersuchungen Pintos im brasilianischen Bahia Pate. Die rituellen Ausdrucksformen der dortigen Santería stimmen, wie er selbst Ortiz zitiert2, mit denen der cubanischen weigehend überein. Zusätzlich habe ich hier auf eigene Beobachtungen zurückgegriffen. Gleiches gilt für die meisten Beschreibungen der Situation im sozialistischen Cuba der Gegenwart.
[...]
1 von Tomós Gutiérrez Alea (Cuba 1992)
2 Pinto: S.161
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