Psychische Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen - eine Analyse

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Details
Autor: Ingo Jaeger
Fach: Maschinenbau
Institution/Hochschule: Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Jahr: 2001
Seiten: 101
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 762 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-03437-6
ISBN (Buch): 978-3-640-11676-8
Grosse Studienarbeit zur Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplaetzen. Vorstellung und Bewertung von Untersuchungsinstrumenten und Weiterentwicklung.Grosse Studienarbeit zur Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplaetzen. Vorstellung und Bewertung von Untersuchungsinstrumenten und Weiterentwicklung.
Zusammenfassung / Abstract
Seit dem 20. Dezember 1996 ist die Bildschirmarbeitsverordnung in Kraft. Hiernach wurden Unternehmen verpflichtet, vorbeugende Arbeitschutzmaßnahmen auch für die Bildschirmarbeit zu ergreifen. Mit dieser Studienarbeit soll versucht werden, einen Leitfaden zur Beurteilung psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen für den Praktiker zu erstellen, der zudem auf weiterführende Literatur verweist. In Kapitel 2 wird der Frage nachgegangen, was unter psychischer Belastungen verstanden wird, warum diesen Belastungen am Bildschirmarbeitsplatz heute eine besondere Bedeutung zukommt und wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen aussehen. Dazu wird die Handlungsregulationstheorie und das Tätigkeitsbewertungssystem sowie neuere Untersuchungen vorgestellt. Im folgenden Kapitel 3 werden gängige Verfahren zur Erhebung psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen vorgestellt und vergleichend bewertet. Es findet sich auch eine kleine Vorstellung von Kurzverfahren zur Bildschirmarbeitsplatzanalyse unter besonderer Berücksichtigung ihrer Analysefähigkeit von psychischen Belastungen. Daraufhin wird am Ende dieses Kapitels auch ein Instrument ausgewählt, welches in abgewandelter Form bei einem Projekt des Institut für Arbeitswissenschaften und Fachdidaktik des Maschinenbaus - IADM Anwendung fand. Die Durchführung der Analyse und Auswertung der psychischen Belastung an Bildschirmarbeitsplätzen wird im 4. Kapitel dokumentiert. Die Ergebnisse aus der Untersuchung sollen in ein Modul einer IADM-Verfahrensentwicklung zur Analyse von Bildschirmarbeitsplätzen einfließen. Dieses Verfahren hat vier Schritte. Der in Kapitel 3 ausgewählte Fragebogen bildet für den zweiten Schritt die Grundlage einer detaillierten Analyse von Bildschirmarbeitsplätzen. Bei der Detailanalyse geht es, verkürzt gesagt, um ein stichprobenartiges Experteninterview, bei dem das Projektteam anhand des Leitfadens eines Fragebogens zusammen mit einigen Mitarbeitern die ersten Schwachstellen herausfinden soll. Für den vierten Schritt des IADM Verfahrensmodells soll hier als quantitatives Instrument einen Kurzfragebogen entwickelt werden, der schließlich von allen Mitarbeitern des untersuchten Unternehmens selbstständig beantwortet werden soll. Dieser Fragebogen wird im fünften Kapitel dieser Arbeit auf der Grundlage einer ausführlichen, nachvollziehbaren Diskussion der Befunde der Detailanalyse entwickelt und vorgestellt.
Volltext (computergeneriert)
Universität Hannover
Institut für Arbeitswissenschaft und
Didaktik des Maschinenbaus
Univ.-Prof. Prof. Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtsch. Ing. M. Schweres
Analyse psychischer Belastungen an
Bildschirmarbeitsplätzen
Grosse Studienarbeit
cand. mach. Ingo Jaeger
November 2001
Prüfer: Prof. Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtsch. Ing. M. Schweres
Betreuer: Dipl.-Ing. H. Strating
Verzeichnis
Inhalt
Abbildungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis V
1.
Einleitung 1
2.
Grundlagen 3
2.1.
Psychische Belastung allgemein 3
2.2.
Handlungsregulationstheorie 4
2.3.
Tätigkeitsbewertungssystem TBS 5
2.4.
Psychische Belastung am Bildschirmarbeitsplatz 7
2.5.
Gesetzliche Anforderungen 8
3.
Verfahren zur Ermittlung psychischer Belastungen am Bildschirmarbeitsplatz 9
3.1.
BEBA 10
3.1.1. Kurzbeschreibung 10
3.1.2. Vollständigkeit
Arbeitsaufgabe 12
3.1.3. Bewertung 13
3.1.4. Differenzierungskriterien 14
3.2.
SynBa-GA 15
3.2.1. Kurzbeschreibung 15
3.2.2.
Beispielfrage aus SynBA Fragebogen zur Belastungsanalyse 16
3.2.3. Bewertung 18
3.2.4. Differenzierungskriterien 19
3.3.
RHIA/VERA-Büro 21
3.3.1. Kurzbeschreibung 21
3.3.2. Bewertung 24
3.3.3. Differenzierungskriterien 25
3.4.
Kurzverfahren zur Bildschirmarbeitsplatzanalyse 26
3.4.1. BiFra
-
Bildschirmfragebogen 26
3.4.2.
LASI - Kurzfragebogen des Länderausschusses für Arbeitsschutz und
Sicherheitstechnik 26
3.4.3.
EasyChecker - Version 1.2 rev2 27
3.5.
Vergleich und Auswahl 29
I
Verzeichnis
4.
Durchführung der Analyse von psychischen Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
31
4.1.
Projektrahmen 31
4.2.
Begehung 33
4.3.
Die Auswertung 35
4.3.1.
Zusammentragen und Übertragen der Erhebungsdaten 35
4.3.2.
Gewichtung der Fragen und Oberpunkte 35
4.3.3.
Erstellung der Ergebnisse im Bereich psychische Belastung 42
4.4.
Beispielhafte Darstellung 47
4.5.
Vergleichende Darstellung 51
4.6.
Erfahrungen / Kritik 56
4.6.1. Gewichtungen 57
4.6.2. Kritischer
Bereich 58
5.
Konzept zur weiteren Durchführung 60
5.1.
Detailanalyse 61
5.2.
Screening aller BAP 81
5.2.1.
Reduzierung der Anzahl der Fragen 81
5.2.2. Diskussion 88
6.
Zusammenfassung 89
7.
Literatur 91
8.
Anhang 93
II
Verzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1. :
Die vier Grundthesen der Handlungsregulationstheorie 5
Abb. 2. :
Sequentielle Vollständigkeit 5
Abb. 3. :
Ursachen und Folgen arbeitsbedingter Fehlbeanspruchungen 6
Abb. 4. :
,,Nicht ohne meinen PC" 7
Abb. 5. :
Charakteristika des Wandels zum Bildschirmarbeitsplatz 8
Abb. 6. :
Beispielfrage aus BEBA-A 11
Abb. 7. :
Beispiel aus BEBA-B 12
Abb. 8. :
Beispiel aus BEBA-C 13
Abb. 9. :
Ergebnisse der SynBA GA Anwendung 18
Abb. 10. : Ablauf der RHIA/VERA-Analyse 22
Abb. 11. : Auswertung mit EasyChecker 1.2 28
Abb. 12. : Das vier Phasenmodell des IADM 31
Abb. 13. : Abb. : Kreissektordiagramm - KSD 32
Abb. 14. : Ablaufplan der Begehung 33
Abb. 15. : Die drei Schritte der Auswerung 35
Abb. 16. : Struktur der traditionellen Analysebereiche 36
Abb. 17. : Neue Säule der IADM Analyse 36
Abb. 18. : Beanspruchungsreaktionen 37
Abb. 19. : Ausschnitt aus dem Kriterienbaum 38
Abb. 20. : Unterpunkte der psychologischen Tätigkeitsanalyse 39
Abb. 21. : Ausschnitt des Unterpunktes ,,Arbeitsaufgabe" aus der BEBA-A-Schablone zum
Arbeitsblatt 1 39
Abb. 22. : Kriterienbaum mit Gewichtungen 41
Abb. 23. : Tabelle: Ergebnis der psychologischen Tätigkeitsanalyse basierend auf BEBA
(ohne Gewichtung der Fragen) 43
Abb. 24. : Mittelwerte der psychologischen Tätigkeitsanalyse 44
Abb. 25. : Tabelle: Gewichtungen für den gesamten Bereich der psychologischen
Tätigkeitsanalyse nach BEBA 45
Abb. 26. : Kreissektordiagramm (KSD) des Call-Center Teamleiters 47
III
Verzeichnis
Abb. 27. : Kreissektordiagramm (KSD) der Call-Center Mitarbeiterinnen 48
Abb. 28. : Kreissektordiagramm (KSD) des Call-Center Gesamt 48
Abb. 29. : Tabelle: Typenvergleich psychologische Tätigkeitsanalyse 51
Abb. 30. : Folie des Typenvergleichs psychologische Tätigkeitsanalyse 51
Abb. 31. : KSD - Operativer Verkauf 52
Abb. 32. : KSD - Verkehrszentrale 52
Abb. 33. : Psychologische Tätigkeitsanalyse Bereich Arbeitstätigkeit 53
Abb. 34. : oben: Psychologische Tätigkeitsanalyse Bereich Arbeitsorganisation 54
Abb. 35. : unten: Psychologische Tätigkeitsanalyse Bereich Techniknutzung 54
Abb. 36. : Die vier verschiedenen Ansätze zur Ermittlung der Gewichtungsfaktoren 57
Abb. 37. : Bewertungen und Farben 58
Abb. 38. : KSD Schablone für BEBA 59
Abb. 39. : Arbeitsgestaltungsmerkmale von SynBA-GA 81
Abb. 40. : Anzahl der Felder des kritischen Bereichs bei BEBA 82
Abb. 41. : Gegenüberstellung der Arbeitsmerkmale von SynBA-KF und von BEBA 82
Abb. 42. : Zusammenbringen von SynBA und BEBA 83
IV
Verzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
ABETO
Arbeitsplatzbeurteilung nach Bildschirmarbeitsverordnung und EU-
Richtlinie der TBS Oberhausen
ASER
Institut für Arbeitsmedizin, Sicherheitstechnik und Ergonomie e.V.
ASW
Arbeitssystemwert
BAP
Bildschirmarbeitsplatz
BEBA
Analyse psychischer Belastungen bei Büroarbeit
BiFra
Bildschirmfragebogen
BildscharbV
Bildschirmarbeitsverordnung
DIN
Deutsches Institut für Normung e.V.
EDV
Elektronische
Datenverarbeitung
EG
Europäische
Gemeinschaft
EN ISO
Europäische
Norm
EU
Europäische
Union
EWG
Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft
GHS
Gesamthochschule
HRT
Handlungsregulationstheorie
IADM
Institut für Arbeitswissenschaft und Didaktik des Maschinenbaus
ILO
International Labour Organisation
KABA
Kontrastive Aufgabenanalyse im Büro
KSD
Kreissektordiagramm
LASI
Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik, hier ist der
Kurzfragebogen gemeint
MenBIT
Mentale Beanspruchung bei Informationsverarbeitenden Tätigkeiten
V
Verzeichnis
MMS
Mensch-Maschine-Schnittstelle
OSS
Organisations-System-Schnittstelle
RHIA
Verfahren zur Ermittlung von Regulationshindernissen in der
Arbeitstätigkeit;
RHIA/VERA
Regulationshindernisse
in
der Arbeitstätigkeit / Verfahren zur
Ermittlung von Regulationserfordernissen in der Arbeitstätigkeit
SAA
Subjektive
Arbeitsanalyse
SANUS
Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit an Bildschirmen auf
der Basis internationaler Normen und Standards
SAS
System-Aufgaben-Schnittstelle
SynBA
Synthetische Beanspruchungs- und Arbeitsanalyse
TBS
bedeutet hauptsächlich
Tätigkeitsbewertungssystem
TBS Oberhausen
bedeutet in diesem Zusammenhang
Technologie Beratungsstelle
TU
Technische
Universität
TUI
Touristik Union International
VERA
Verfahren zur Ermittlung von Regulationserfordernissen in der
Arbeitstätigkeit
VI
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
1. Einleitung
,,Bildschirmarbeit bedeutet vielfach eine erhebliche Arbeitserleichterung. Eine einseitige,
bewegungsarme Tätigkeit am Bildschirm kann aber auch besondere Gefährdungen und
Belastungen hervorrufen. Viele der typischen gesundheitlichen Beschwerden der am
Bildschirm tätigen Menschen lassen sich oft schon durch einfache Maßnahmen
vermeiden."
1
Seit dem 20. Dezember 1996 ist die Bildschirmarbeitsverordnung in Kraft. Sie ist im
wesentlichen die inhaltliche Umsetzung der Bildschirmrichtlinie 90/270/EWG der
Europäischen Union. Hiernach wurden Unternehmen verpflichtet, vorbeugende
Arbeitschutzmaßnahmen auch für die Bildschirmarbeit zu ergreifen.
In der Literatur finden sich häufig Schwerpunkte zur Beurteilung der unmittelbaren
Arbeitsumgebung sowie der Arbeitsmittel. Hierfür gibt es klare Maßstäbe.
Weniger häufig finden sich Methoden und Instrumente zur Beurteilung der psychischen
Belastung am Arbeitsplatz und der Arbeitsorganisation.
Mit dieser Studienarbeit soll deshalb versucht werden, einen Leitfaden zur Beurteilung
psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen für den Praktiker zu erstellen, der
zudem auf weiterführende Literatur verweist.
In Kapitel 2 wird der Frage nachgegangen, was unter psychischer Belastungen verstanden
wird, warum diesen Belastungen am Bildschirmarbeitsplatz heute eine besondere Bedeutung
zukommt und wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen aussehen. Dazu wird die
Handlungsregulationstheorie und das Tätigkeitsbewertungssystem sowie neuere
Untersuchungen vorgestellt.
Im folgenden Kapitel 3 werden gängige Verfahren zur Erhebung psychischer Belastungen an
Bildschirmarbeitsplätzen vorgestellt und vergleichend bewertet. Es findet sich auch eine
kleine Vorstellung von Kurzverfahren zur Bildschirmarbeitsplatzanalyse unter besonderer
Berücksichtigung ihrer Analysefähigkeit von psychischen Belastungen.
Daraufhin wird am Ende dieses Kapitels auch ein Instrument ausgewählt, welches in
abgewandelter Form bei einem Projekt des Institut für Arbeitswissenschaften und
Fachdidaktik des Maschinenbaus - IADM Anwendung fand.
1 Walter Riester, Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, Der Bildschirmarbeitsplatz, Druckschrift des
Bundesministeriums für Arbeit und Sozialforschung, Januar 1999, Vorwort
1
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Die Durchführung der Analyse und Auswertung der psychischen Belastung an
Bildschirmarbeitsplätzen wird im 4. Kapitel dokumentiert.
Die Ergebnisse aus der Untersuchung sollen in ein Modul einer IADM-
Verfahrensentwicklung zur Analyse von Bildschirmarbeitsplätzen einfließen.
Dieses Verfahren hat vier Schritte. Der in Kapitel 3 ausgewählte Fragebogen bildet für den
zweiten Schritt die Grundlage einer detaillierten Analyse von Bildschirmarbeitsplätzen im
IADM Verfahren. Dazu muss Abschnitt der psychologischen Tätigkeitsanalyse in
traditionelle Untersuchungsbereiche integriert werden.
Bei der Detailanalyse geht es, verkürzt gesagt, um ein stichprobenartiges Experteninterview,
bei dem das Projektteam anhand des Leitfadens eines Fragebogens zusammen mit einigen
Mitarbeitern die ersten Schwachstellen herausfinden soll.
Für den vierten Schritt des IADM Verfahrensmodells soll hier als quantitatives Instrument
einen Kurzfragebogen zu entwickeln werden, der schließlich von allen Mitarbeitern des
untersuchten Unternehmens selbstständig beantwortet werden soll.
Dieser Fragebogen wird im fünften Kapitel dieser Arbeit auf der Grundlage einer
ausführlichen, nachvollziehbaren Diskussion der Befunde der Detailanalyse entwickelt und
vorgestellt.
2
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
2. Grundlagen
2.1. Psychische Belastung allgemein
,,Für kaum einen anderen Komplex gesundheitlicher Gefährdungen hat man sich stärkere
Impulse im Arbeits- und Gesundheitsschutz versprochen, als für den Bereich der psychischen
Belastungen. Bisher bestand für diesen Bereich weitgehend eine Regelungslücke. Dies steht
im Kontrast zum vollzogenen technisch-organisatorischen Wandel in der Arbeitswelt zu mehr
Technisierung und einem hohen Grad an Automation, sowie des wirtschaftlichen
Strukturwandels hin zu einer Dienstleitungsgesellschaft." (Oppolzer, 12/99)
So ergab sich aus der Zunahme der psychischen Belastungen in den vergangenen Jahrzehnten
eine Verschiebung im Belastungsprofil, wobei die klassischen Belastungsfaktoren weiterhin
bestehen bzw. sogar zugenommen haben. (ebd.)
Oppolzer zeigt dies am Beispiel der 1996 in den EU Ländern von der Europäischen Stiftung
zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen (Dublin) durchgeführten
Repräsentationsbefragung. Weiterhin kommt der Koordinator dieser Studie durch den
Vergleich der Ergebnisse von 1991 und 96 zu dem Schluss, dass trotz geringer werdender
Arbeitszeit das Arbeitstempo steigt.
Das höhere Arbeitstempo sowie der Verlust von Kontrolle über die eigenen Arbeitsergebnisse
macht er für den zunehmenden Stress verantwortlich.
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) sieht den Stress am Arbeitsplatz als das zentrale
gesundheitsbezogene Thema des 20. Jahrhunderts. So haben psychische Fehlanforderungen
und Belastungen, die sich hauptsächlich aus der Arbeitsaufgabe ergeben, stetig zugenommen.
(Hacker/Raum 1993)
Was sind also psychische Belastungen?
,,Unter psychischer Beanspruchung ist das Inanspruchnehmen von psychischen
Leistungsvoraussetzungen beim Ausführen von Arbeitstätigkeiten zum Erfüllen von
übernommenen Arbeitsaufträgen unter gegebenen individuellen antriebs- und
ausführungsregulatorischen sowie körperlichen Leistungsvoraussetzungen durch individuelle
Arbeitsweisen zu verstehen" (Richter/Hacker S. 32, 1998)
Die Unterscheidung zwischen Belastung und Beanspruchung wird heute in der
ergonomischen Literatur folgendermaßen vorgenommen:
3
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Psychische Belastung (engl. stress)
Die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen
zukommen und psychisch auf ihn einwirken.
Psychische Beanspruchung (engl. strain)
Die zeitlich unmittelbare und nicht langfristige Auswirkung der psychischen
Belastung auf die Einzelperson in Abhängigkeit von ihren eigenen habituellen und
augenblicklichen Voraussetzungen einschließlich der individuellen
Auseinandersetzungsstrategien.
(ebd.)
Auch in der DIN 33 405 bzw. der neu überarbeiteten DIN EN ISO 10075-1 und DIN EN ISO
10075-2 werden psychische Belastungen und Beanspruchung beschrieben.
Psychische Belastungen sind demnach alle Einflüsse, die von außen auf den Menschen
psychisch einwirken.
Eine Unter- oder Überforderung der psychischen Leistungsfähigkeit durch hohen Zeitdruck
oder monotone abwechslungsarme Tätigkeiten kann psychische Ermüdung, Sättigung, Stress,
Monotoniezustände oder ermüdungsähnliche Zustände hervorrufen. Dabei können sich
psychosomatische Krankheitsbilder ergeben.
2.2. Handlungsregulationstheorie
Um die Integration der Psychologie des Handelns und seiner Regulation mit den
Forschungsrichtungen der Sensomotorik und des Denkens in ein einheitliches Konzept wird
sich seit Ende der 60er Jahre bemüht.
Diese Forschungsrichtung hat sich mit dem Begriff der Handlungsregulationstheorie (zuerst
in Oesterreich, 1981) HRT durch die Berliner Forschungsgruppe um Walter Volpert
etabliert (Oesterreich, 1997). Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen durch ihr
konkretes Tun Ziele anstreben und erreichen.
Die Handlungsregulationstheorie geht von vier Grundthesen aus, wie in Abbildung 1
dargestellt. Sie geht in der ersten These davon aus, dass Menschen zielgerichtet handeln.
Daraus ergibt sich die Intention des Handelns. Weiterhin findet Handeln immer in
gesellschaftlichen Zusammenhängen statt. Deshalb auch die These, dass für das Handeln
immer eine gesellschaftliche Einbettung besteht.
Außerdem ist das Handeln auf äußere Gegenstände bezogen, welches die dritte These, die des
konkreten Tun beinhaltet.
Schließlich ist Handeln auch als Prozess zu verstehen. Somit geht die letzte These von
Prozessen in Handlungsgefügen aus.
4
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Die vier Grundthesen der HRT
Gesellschaftliche
Prozesse in
Intention
Einbettung
Konkretes Tun
Handlungsgefügen
Zielgerichtetheit des
Das Handeln ist in
Das Handeln ist auf
Handeln ist als Prozess zu
Handeln
gesellschaftliche
äußere Gegenstände
verstehen
Zusammenhänge
bezogen
eingebunden
Abb. 1. :
Die vier Grundthesen der Handlungsregulationstheorie
Aus diesen Thesen folgt, dass die gesellschaftlichen und organisatorischen Bedingungen als
Handlungsforderungen zu verstehen sind, denen es durch geeignete Handlungen zu
entsprechen gilt. Handlungsforderungen im Arbeitsprozess werden als Arbeitsaufgaben
bezeichnet (Volpert 1993). Ungeklärt ist jedoch immer noch, wie Ziele psychisch entstehen
und zwischen Alternativen entschieden wird.
Aus der Frage, warum außerhalb der Erwerbsarbeit die äußeren Bedingungen weniger
Einfluss auf das Handeln und Arbeiten haben als während der Erwerbsarbeit, kommt
Oesterreich zum Konzept des vollständigen Handeln. (Oesterreich, 1997)
2.3. Tätigkeitsbewertungssystem TBS
Das recht umfangreiche Konzept, das Tätigkeitsbewertungssystem TBS, geht davon aus,
dass die Vollständigkeit der Tätigkeit durch ihre zyklische bzw. sequentielle sowie ihre
hierarchische Struktur bedingt ist.
Die sequentielle Struktur wird bestimmt durch:
Vorbereiten, Planen der eigenen Tätigkeit,
Ausführbarkeit
Kontrollieren der eigenen Tätigkeit,
Organisieren als Kooperation und Koordination
Abb. 2. :
Sequentielle Vollständigkeit
5
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Die hierarchische Vollständigkeit wird an dem Niveau und der Vielfalt kognitiver
Anforderungen gemessen.(Hacker 1995)
Es gilt als Hilfsmittel für die Analyse, Bewertung und Gestaltung von Arbeitstätigkeiten.
Ausgehend von entsprechenden ISO-Standards und Gesetzgebung versucht das TBS sowohl
deren Einhaltung in der Arbeitsanalyse zu überprüfen, als auch Verbesserungsmöglichkeiten
der Arbeitsgestaltung vorzuschlagen.
Ursachen und Folgen arbeitsbedingter Fehlbeanspruchungen
psychische Ermüdung
durch längere Tätigkeitsdauer und erhöhte Schwierigkeit
Monotonie
durch eintönige und unterfordernde Tätigkeit
psychische Sättigung
unlustbetonte Gereiztheit bei erlebter Sinnlosigkeit
Stress
erregt-geängstigte Gespanntheit, innere Unruhe und Sorge um
Erfüllbarkeit der Aufgabe, z.B. bei Zeitdruck
(SANUS 1997)
Abb. 3. :
Ursachen und Folgen arbeitsbedingter Fehlbeanspruchungen
Das TBS hat zwei Untersuchungsmethoden, zum Einen das objektive
Tätigkeitsbewertungssystem, TBS-O, welches die objektiven Möglichkeiten für die
Förderung psychischer Gesundheit durch die Tätigkeit analysiert und das TBS-S (subjektives
Tätigkeitsbewertungssystem), welches die subjektive Definition des Arbeitsauftrages
untersucht (Redefinition nach Hackmann 1970)
6
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
2.4. Psychische Belastung am Bildschirmarbeitsplatz
,,Jeder zweite Erwerbstätige in Deutschland benötig heute PC-Kenntnisse. Im Mai 2000 gaben
52 Prozent aller Erwerbstätigen an, bei ihrer beruflichen Haupttätigkeit einen Computer zu
nutzen. Je qualifizierter die Arbeit beziehungsweise je mehr es sich um eine Bürotätigkeit
handelt, desto häufiger wird der
PC eingesetzt. So gehört für etwa
90 Prozent der im Büro, in der
EDV oder in der Forschung, im
Marketing oder in der Werbung
Tätigen die Arbeit am PC zum
Berufsalltag. Wenig verbreitet ist
der Computer im Baugewerbe, in
der Landwirtschaft und im
Bergbau (Anbauen, Gewinnen,
Herstellen). Auch bei
Transporttätigkeiten, Reinigung
oder Überwachungs- und
Sicherungsaufgaben (sonstige
Dienstleistungen) spielt er eine
geringe Rolle."
Quelle: Statistisches Bundesamt
(zitiert nach
SOZIALPOLITISCHE
UMSCHAU, Ausgabe 19, 2001)
Abb. 4. :
,,Nicht ohne meinen PC"
Da die Mehrheit der Erwerbstätigen also mit Tastatur und Bildschirm arbeiten, verändern sich
auch die Herausforderungen an die Gesunderhaltung der Mitarbeiter. Gesundheit im positiven
Sinne, als Fähigkeit der aktiven Lebensgestaltung verstanden..
Negative Auswirkungen der Bildschirmarbeit sind u.a. als Beeinträchtigung des
Sehvermögens, Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates durch einseitige Haltungen
und bewegungsarme Tätigkeit, psychischer Stress und nervöse Anspannung zu beobachten
und dominieren die wissenschaftliche und öffentliche Diskussion. (Wieland-Eckelmann et al,
1996)
7
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Charakteristika des Wandels zum Bildschirmarbeitsplatz
¾
die Verlagerung von physischen zu psychischen Belastungen,
bei geringer Bewegungsaktivität nehmen Muskelverspannungen im
Nacken- und Rückenbereich zu (Brandenburg et al., 1990).
Zunahme der geistig-mentalen und emotionalen Beanspruchung
sowie Veränderung in der Arbeitsmotivation
¾
Veränderung der Arbeitsanforderungen und -belastungen
¾
stärkere Bedeutung koordinierender, kooperierender und
kommunikativer Aufgaben im Bereich der Arbeitsorganisation
Abb. 5. :
Charakteristika des Wandels zum Bildschirmarbeitsplatz
So rückt der Bildschirmarbeitsplatz (BAP) immer mehr in den Mittelpunkt
arbeitsgestalterischer und medizinischer Forschung, sowie den Gesetzgebern, um bestimmte
Standards durchzusetzen.
2.5. Gesetzliche Anforderungen
Im Rahmen der Gefährdungsanalysen gemäß dem Arbeitsschutzgesetz vom August 1996 sind
auch psychische Belastungen durch Arbeitstätigkeiten hinsichtlich möglicher
Beeinträchtigungen des allgemeinen Wohlbefindens bzw. der Gesundheit einzuschätzen.
Wenn potentielle Gefährdungen vorliegen, hat der Arbeitgeber geeignete Maßnahmen zur
Veränderung des Ist-Zustandes einzuleiten.(Arbeitsschutzgesetz)
Durch den Erlass der Bildschirmrichtlinie 90/270/EWG durch den Rat der Europäischen
Gemeinschaft 1990 wurde der wachsenden Zahl von Bildschirmarbeitsplätzen Rechnung
getragen.
Sechs Jahre später wurde die Entscheidung der EU in der Bundesrepublik durch ,,Gesetz zur
Umsetzung der EG-Rahmenrichtlinie Arbeitsschutz und weiterer Arbeitsschutz-Richtlinien"
in nationales Recht umgesetzt. Es beinhaltet grundlegende Regelungen zum betrieblichen
Arbeitsschutz. In diesem Gesetzgebungsrahmen wurde unter anderem die
Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) erlassen, die am 20.12.1996 in Kraft trat.
8
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
3. Verfahren zur Ermittlung psychischer Belastungen am
Bildschirmarbeitsplatz
Die theoretischen und gesetzlichen Grundlagen für die psychische Belastung am
Bildschirmarbeitsplatz wurden im letzten Kapitel beleuchtet.
Um die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zu überprüfen, aber auch einfach die
Situation im eigenen Betrieb zu analysieren, bedarf es entsprechender Instrumente und
Methoden.
Das bundesweite Forschungsprojekt SANUS hat zu diesem Zweck ein Handbuch
zusammengestellt (SANUS: Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit an Bildschirmen
auf der Basis internationaler Normen und Standards). Dabei werden hauptsächlich
Instrumente vorgestellt, die eine Überprüfung von Bildschirmarbeitsplätzen nach EU-
konforme Gestaltung zulassen.
Es werden einige Verfahren zur Analyse der Arbeitsorganisation empfohlen, die in diesem
Kapitel genauer beschrieben werden.
Für die Grobanalyse empfiehlt die SANUS-Gruppe die Verfahren BEBA, SynBA-GA bzw.
SynBA-KF, das ABETO-Verfahren und die subjektive Arbeitsanalyse, kurz SAA.
Zur Feinanalyse werden die drei Verfahren RHIA/VERA-Büro (Regulationshindernisse in der
Arbeitstätigkeit / Verfahren zur Ermittlung von Regulationserfordernissen in der
Arbeitstätigkeit) (Volpert), KABA (Kontrastive Aufgabenanalyse im Büro) (Volpert) und
TBS (Tätigkeitsbewertungssystem)(Hacker) nahegelegt.
9
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
3.1. BEBA
Abkürzung: BEBA
Name:
Analyse psychischer Belastungen bei Büroarbeit
Autoren:
A. Pohlandt, P. Jordan, C. Maßloch, K. Ott - Projektleitung: W. Hacker
c/o TU Dresden
Institut für allgemeine Psychologie und Methoden der Psychologioe
01062 Dresden
3.1.1. Kurzbeschreibung
3.1.1.1 Ziel
Mit BEBA sollen psychische Belastungen ermittelt werden, die durch eine ungenügende
Gestaltung der Arbeitsaufgabe- und/oder Arbeitsorganisation bedingt sind.
Dabei werden wissenschaftliche Empfehlungen und Richtwerte zur optimalen Arbeits- und
Organisationsgestaltung angegeben.
Dies soll zum Erhalt der Gesundheit, sowie zur Weiterentwicklung der Leistungsfähigkeit und
-bereitschaft der Mitarbeiter beitragen.
3.1.1.2 Vorgehensweise
(Methodik)
BEBA beinhaltet vier Module:
Information
Selbstanalyse (BEBA A)
Gestaltungsorientierte Analyse (BEBA B)
Auswertung und Organisationsdiagnose (BEBA C)
Zusätzlich enthält BEBA ein Kapitel mit Empfehlungen zur Aufgaben- und
Organisationsgestaltung.
10
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
3.1.1.3 Fragenstruktur und -umfang
Die Analyse besteht aus insgesamt 19 Fragen, die in drei Bereiche unterteilt werden
Arbeitsaufgabe
Arbeitsorganisation und
Techniknutzung
Merkmale der Arbeitsaufgabe
1.1.1. Vollständigkeit
Arbeitsaufgabe
Die Vollständigkeit der Arbeitsaufgabe ist der grundlegende
Gestaltungsleitsatz jeder Arbeit. Jeder Mitarbeiter sollte möglichst
vollständige Aufgaben bearbeiten.
Zu vollständigen Aufgaben gehören neben der reinen
Aufgabenausführung auch das eigene Vor- und Nachbereiten der Arbeit
mit der Möglichkeit zu selbstständigem Planen und Zielsetzen, das
Organisieren (Koordinieren) als Abstimmen mit anderen Kollegen und
das selbständige Kontrollieren der Güte der Arbeitsergebnisse.
Abzulehnen ist eine Aufgabengestaltung, bei der der Mitarbeiter nur
Aufgaben ausführt, die ausschließlich andere Mitarbeiter vorgedacht,
geplant, vorbereitet und angewiesen haben und die die Kontrolle der
Arbeitsergebnisse stets von anderen Mitarbeitern erledigen lässt.
EINSCHÄTZUNG:
Meine Arbeit führe ich nicht nur aus, sondern plane, koordiniere und
überprüfe ich auch selbst.
Antwortmöglichkeiten:
trifft niemals zu
trifft überwiegend nicht zu
trifft manchmal zu
trifft überwiegend zu
trifft völlig zu
Abb. 6. :
Beispielfrage aus BEBA-A
3.1.1.4 Ablaufplan und eingesetzte Instrumente
In BEBA-A sollen die Mitarbeiter die Fragen selbst beantworten, sowie einen Bogen über
körperliche Beschwerden ausfüllen.
11
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
In der gestaltungsorientierten Analyse, BEBA-B, wird ein vom Unternehmen Beauftragter die
Bildschirmarbeitsplätze bewerten. Dabei soll der Arbeitsplatzinhaber beobachtet und befragt
werden.
Zu Beginn werden die Zeitanteile der Teilaufgaben; Vor- und Nachbereitung der eigenen
Arbeit, Ausführen (Be- und Verarbeiten von Informationen), Kontrollieren der eigenen Arbeit
und Organisieren (Koordinieren der Arbeit mit anderen Personen); ermittelt und später die
Aufgaben in einer Tabelle klassifiziert.
Im zweiten Schritt werden die Merkmale der Analysebereiche eingeschätzt, also die Fragen
beantwortet.
Merkmale der Arbeitsaufgabe
3.1.2. Vollständigkeit
Arbeitsaufgabe
Die Vollständigkeit der Arbeitsaufgabe ist der grundlegende
Gestaltungsleitsatz jeder Arbeit. Jeder Mitarbeiter sollte möglichst vollständige
Aufgaben bearbeiten.
Zu vollständigen Aufgaben gehören neben der reinen Aufgabenausführung
auch das eigene Vor- und Nachbereiten der Arbeit mit der Möglichkeit zu
selbstständigem Planen und Zielsetzen, das Organisieren (Koordinieren als
Abstimmen mit anderen Kollegen und das selbständige Kontrollieren der Güte
der Arbeitsergebnisse.
Abzulehnen ist eine Aufgabengestaltung, bei der der Mitarbeiter nur Aufgaben
ausführt, die ausschließlich andere Mitarbeiter vorgedacht, geplant, vorbereitet
und angewiesen haben und die die Kontrolle der Arbeitsergebnisse stets von
anderen Mitarbeitern erledigen lässt.
BEWERTUNG:
Für die Bewertung nutzen Sie bitte die Klassifikation der Teilaufgaben in Vor-
und Nachbereiten, Ausführen, Kontrollieren, Organisieren.
Bewertungsstufen:
0
Die Arbeit enthält ausschließlich ausführende Teilaufgaben
1
Die Arbeit enthält neben dem Ausführen eine weitere Klasse von
Teilaufgaben (entweder Vor- und Nachbereiten, Kontrollieren oder
Organisieren)
2
Die Arbeit enthält neben dem Ausführen zwei weitere Klassen von
Teilaufgaben
3
Die Arbeit enthält vollständige Aufgaben, d.h. Vor- und Nachbereiten,
Ausführen, Kontrollieren und Organisieren der eignen Arbeit
Abb. 7. :
Beispiel aus BEBA-B
12
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
3.1.2.1 Generelle
Auswertungsform
Die Auswertung und Organisationsdiagnose wird durchgeführt falls, die vorhergehenden
Phasen kritische Belastungen aufzeigen. Die Mitarbeiter führen ihre Ergebnisse zusammen,
indem sie gemeinsam den Auswertungsbogen BEBA-C ausfüllen.
Anhand von Schablonen für die Bereiche BEBA-A und -B werden die kritischen Bereiche
identifiziert und in den Auswertungsbogen von BEBA-C eingetragen.
Anschließend soll das Ergebnis als Diskussionsgrundlage einer Arbeitsgruppe bzw. eines
Projektteam dienen, welches Vorschläge zur Umgestaltung erarbeiten soll.
Auswertung mit BEBA...C
Rechner
Kunden-
Software-
Merkmal (in Stichworten):
Sekretariat
steuerung
betreuung entwicklung
Vollständigkeit X
Entscheidungen
Widersprüchlichkeit X
X
X
Qualifikationsnutzung X
Anforderungswechsel X
X
Körperliche Abwechselung
X
X
X
X
Informationen X
Rückmeldungen X
Kommunikationsinhalte
Unterstützung
Pausen X
X
X
Störungen X
X
Zeitlicher Spielraum
X
X
X
Technikangemessenheit
Beeinflussbarkeit der Hardware
zeitliche Techniknutzung
X
X
Lernfreundlichkeit X
X
Gedächtnisbelastung
X
X
Informationsdarstellung X X
X
X
Abb. 8. :
Beispiel aus BEBA-C
3.1.3. Bewertung
3.1.3.1 Praktikabilität
Insgesamt erscheint BEBA als ein kompaktes Instrument, welches dem Praktiker eine
konkrete Hilfe für die Durchführung von Analysen der psychischen Belastung am
Bildschirmarbeitsplatz sein kann.
13
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Der Aufbau ist übersichtlich, durch knappen Text und unterstützende Grafiken.
Die Fragebögen sind ebenso kopierfähig wie die Auswertungsblätter und Schablonen. Das
Auswertungssystem ist schnell zu überschauen und durchzuführen.
Leider fehlt eine EDV Unterstützung.
Auch eine ungefähre Zeitangabe für die Durchführung wäre für die Planung schön gewesen.
Immerhin umfasst BEBA-A 15 Seiten, inklusive der Arbeitsblätter, was eine detaillierte
Analyse psychologischer Belastungen zulässt.
Die Sprache ist teilweise etwas komplex. Dies ist gerade im Fragebogenbereich von Nachteil,
da es dort zu Verständnisschwierigkeiten bei den Mitarbeitern und folglich zu einer
Verfälschung des Ergebnisses kommen kann.
3.1.3.2 Präventionsorientierung
Positiv hervorzuheben ist der Anhang mit Gestaltungsvorschlägen, der für alle 19 befragten
Bereiche mehrere Problemvarianten bereitstellt mit entsprechenden Gestaltungshinweisen.
Dies kann gar als Präventionsorientierung bei der Neueinrichtung von BAPs von Vorteil sein.
3.1.4. Differenzierungskriterien
Branche:
Büro-/Verwaltungsbereich
Einsatzbereich:
Bildschirmarbeitsplatz
Untersuchungsgegenstand:
bedingungsbezogen
Untersuchungstiefe:
modular anwendbar
Untersuchungsschwerpunkte:
psychologisch, organisatorisch
Anwendung:
in vier Phasen
Anwender:
Mitarbeiter und Sicherheitsfachkräfte
Bearbeitungszeit:
Einarbeitung:
1 Tag
Durchführung:
pro Bogen 30 45 min
Auswertung:
pro Bogen 15 min
14
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
3.2. SynBa-GA
Abkürzung: SynBA-GA
Name:
Synthetische Beanspruchungs- und Arbeitsanalyse - Gesamtanalyse
Autoren:
Rainer Wieland-Eckelmann, Andreas Saßmannshausen, Marc Rose
Projektgruppe
MenBIT
Bergische Universität GHS Wuppertal
Gaußstr. 20, Gebäude S. 12
42097
Wuppertal
3.2.1. Kurzbeschreibung
3.2.1.1 Ziel
SynBA ist ein Messverfahren für psychische Belastung und Beanspruchung an
Bildschirmarbeitsplätzen. Insbesondere die Konformität mit der EU Bildschirmrichtlinie soll
überprüft werden.
Dies geschieht anhand der Analyse von Arbeitsmerkmalen, die für die psychische Belastung
relevant sind.
Die Ergebnisse sollen dem Praktiker gezielt Hinweise auf Merkmale liefern, die den
Beschäftigten negativ psychisch beanspruchen und somit die Arbeitsproduktivität mindern.
3.2.1.2 Vorgehensweise
(Methodik)
Zentrales Bewertungskriterium des Verfahrens ist die Beanspruchungsoptimalität der Arbeit.
SynBA-GA geht von positiven/funktionalen sowie negativen/dysfunktionalen
Arbeitsbeanspruchungen aus.
16 Arbeitsgestaltungsmerkmale werden so in eine positiv-negativ Skala eingeordnet.
Das Verfahren gliedert sich in zwei Bereiche, den Analyseteil, der von den Beschäftigten zu
beantworten ist und den Bewertungsteil, der anhand eines besonderen Auswertungsvorgehens
vom verfahrenskundigen Anwender zu bearbeiten ist.
3.2.1.3 Fragestruktur und -umfang
Der Analyseteil beinhaltet den
· Erhebungsbogen zur Tätigkeitsbeschreibung und den
· Fragebogen zur Belastungsanalyse
Der
Erhebungsbogen zur Tätigkeitsbeschreibung
umfasst 4 Teilbereiche ET1 bis ET4.
ET1 stellt zwei Felder zur Verfügung und dient zur Identifikation innerhalb des Betriebes.
15
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
In ET2 soll der eigene Arbeitsbereich eingeordnet werden, wobei 9 Auswahlmöglichkeiten
bestehen und ein optionales Feld. Maximal drei Bereiche dürfen angekreuzt werden, wobei
diese jeweils mit Noten von 1 bis 3 bewertet werden sollen.
ET3 fragt nach den prozentualen Anteilen der Arbeit ohne Nutzung des Computers, mit
direkter Nutzung des Computers bzw. Bildschirms sowie nach dem Anteil organisatorischer
Aufgaben.
Schließlich sollen in ET4 die Tätigkeiten am Bildschirm genauer spezifiziert werden. Es
werden 9 Tätigkeiten angeboten, sowie zwei Optionsfelder auf die prozentuale Anteile verteilt
werden sollen.
Im
Fragebogen zur Belastungsanalyse
werden insgesamt 16 Fragen gestellt. Diese
unterteilen sich in fünf Untergruppen:
- Aufgabenanforderungen (4 Fragen)
- Tätigkeitsspielraum (3 Fragen)
- Regulationsbehinderungen (5 Fragen)
- Leistungskontrolle (2 Fragen)
- Kooperation/Kommunikation (2 Fragen)
Die Fragen bestehen aus einer Aussage, die vom Befragten anhand einer Skala von 0 ,,trifft
überhaupt nicht zu" bis 4 ,,trifft vollständig zu" in den drei SynBA-Schnittstellen jeweils zu
bewerten sind.
Die SynBA-Schnittstellen sind:
Organisations-System-Schnittstelle (OSS) organisatorische,
System-Aufgaben-Schnittstelle (SAS) individuelle/persönliche und
Mensch-Maschine-Schnittstelle (MMS) interaktive Aufgaben.
3.2.2. Beispielfrage aus SynBA Fragebogen zur Belastungsanalyse
R3) Die Arbeitsbedingungen sind schlecht, der Arbeitsablauf ist häufig
gestört.
trifft
überhaupt
trifft
trifft
trifft
trifft
nicht
zu
selten
manchmal
oft
zu
vollständig
zu
zu
zu
Dies hat mit
Ihrem Arbeitsauftrag
zu tun.
0 1 2
3
4
Dies hat mit
der Zusammenarbeit und
0 1 2
3
4
Kommunikation mit anderen
zu tun.
Dies hat etwas mit
den verwendeten
Arbeitsmitteln (insbes. Computer und
0 1 2
3
4
Software)
zu tun.
16
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
3.2.2.1 Ablaufplan und eingesetzte Instrumente:
SynBA-GA basiert auf Fragebögen die von den Mitarbeitern ausgefüllt werden. Anschließend
werden diese vom verfahrenskundigen Anwender ausgewertet.
Das Verfahren untergliedert sich in zwei grobe Bereiche,
· den Analyse- sowie
· den Bewertungsteil.
Der Analyseteil enthält den
Erhebungsbogen zur Tätigkeitsanalyse
und den
Fragebogen zur Belastungsanalyse.
Der Bewertungsteil enthält die
Auswertungshandbuch
mit entsprechenden Vorschriften und Kriterien wie den
Auswertungsbogen.
3.2.2.2 Generelle
Auswertungsform
Die ermittelten Kennwerte des SynBA-GA Verfahrens werden auf mehrere Ebenen bezogen.
Die Tätigkeitsbeschreibung dient zur Klassifizierung durch eine vom SynBA-Team
gewonnene ,,Typologie von Bildschirmarbeitsplätzen". Diese basiert auf Untersuchungsdaten
von 400 Bildschirmarbeitsplätzen.
Die Ergebnisse des
Fragebogens zur Belastungsanalyse
werden in den
Auswertungsbogen
in
eine Bewertungsskala von 0 bis 2 übertragen. Hier werden insgesamt 9 Kennwerte errechnet;
5 für die Gestaltungsbereiche, 3 für die Schnittstellen und ein Gesamtkennwert.
Der Gesamtkennwert ist der erste Maßstab für einzuleitende Gestaltungsmaßnahmen. Die
Orientierung erfolgt über eine angegebene Tabelle.
Weiterhin soll er einen Vergleich mit anderen Untersuchungen ermöglichen -> Benchmarking
Im zweiten Schritt werden die drei Kennwerte für die Schnittstellen genauer betrachtet.
Hierüber lässt sich feststellen in welchen Aufgabenbereichen dringlichen Gestaltungsbedarf
besteht.
Die Kennwerte für die Gestaltungsbereiche werden im dritten Schritt analysiert. Sie geben
Hinweise auf die zu verbessernden inhaltlichen Bereiche.
Schließlich werden im vierten Schritt die Einzelmerkmale betrachtet, wenn in den vorherigen
Schritten mindestens eine Schnittstelle, wie auch mindestens ein Gestaltungsbereich als
gestaltungsbedürftig identifiziert wurde.
Es wird noch darauf verwiesen, dass bei einer Umsetzung von Verbesserungen, die
angrenzenden Bereiche auch zu berücksichtigen sind. Die durch den Organisationsablauf oder
-aufbau eng miteinander verknüpften Arbeitsplätze sollen dabei im Zusammenhang betrachtet
werden.
17
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Das weitere Vorgehen orientiert sich am SANUS-Vorgehensmodell. Zusammen mit den
Beschäftigten soll entschieden werden, ob eine Feinanalyse nötig ist oder konkrete
Gestaltungsmaßnahmen erarbeitet werden.
Abb. 9. :
Ergebnisse der SynBA GA Anwendung
3.2.3. Bewertung
3.2.3.1 Praktikabilität
SynBA-GA ist für den fachkundigen Praktiker gedacht.
Der
Erhebungsbogen zur Tätigkeitsbeschreibung
ist ausführlich und gibt Optionen für eigene
Antworten.
Die Fragebögen sind ebenso kopierfähig wie das Auswertungsmanual.
Der Fragebogen zur Belastungsanalyse ist mit 16 Fragen nicht gerade umfangreich, erhält
seine Komplexität aber durch die jeweils drei Antwortebenen.
Dem Befragten werden im Fragebogen keine zusätzlichen Erläuterungen zum Thema zur
Verfügung gestellt.
Unpersönlich wirken die Antwortmöglichkeiten, da sie in der dritten Person gehalten sind.
Durch einfaches Ankreuzen ist ein schnelles beantworten möglich.
18
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Der Auswertungsbogen hingegen besteht aus relativ kleinen Feldern, in den die 48 Antworten
zu übertragen sind. Dennoch ist ein Vorteil, dass auf nur einer Seite das gesamte Ergebnis
Platz findet.
Die Bewertungsskala für Teil 1 ist übersichtlich in einer Tabelle untergebracht, dies fehlt
leider für die Schritte 2 und 3, die im Text etwas untergehen.
In Punkto Gestaltungsvorschläge ist das Verfahren recht dürftig. Hier wird auf das SANUS
Vorgehensmodell verwiesen. Die konkreten Gestaltungsmaßnahmen sollen zusammen mit
den Mitarbeitern entwickelt werden, was auf der einen Seite sehr offen wirkt, aber eine
Orientierungshilfe vermissen lässt.
Hier wäre eine kurze Zusammenfassung der unternommenen Gestaltungsmaßnahmen der
schon durchgeführten Analysen hilfreich.
Die Suche nach entsprechender Hilfe im angegebenen
Anwendungsbeispiel:
Referenzarbeitsplatz
war leider erfolglos.
Folglich kann die Bewertung des SynBA-GA Ergebnisses nur erfolgreich in Begleitung eines
Experten durchgeführt werden, der mit den ,,bewährten arbeitspsychologischen Kriterien zur
beanspruchungsoptimalen und produktivitätsförderlichen Gestaltung von Bildschirmarbeit"
ausgestattet ist.
Eine EDV Unterstützung ist leider nicht vorhanden
3.2.3.2 Präventionsorientierung
Ein spezielles Kapitel ist der Präventionsorientierung nicht gewidmet.
Dennoch können die Erfahrungswerte der 400 analysierten Arbeitsplätze auf besondere
Bereiche aufmerksam machen, wo wahrscheinlicher Gestaltungsbedarf auftreten wird.
Die Typologie von Bildschirmarbeitsplätzen sowie die Tabelle mit der Übersicht der
Gesamtkennwerte bezogen auf Arbeitsbereiche helfen hierbei.
3.2.4. Differenzierungskriterien
Branche:
Büro-/Verwaltungsbereich
Einsatzbereich:
Bildschirmarbeitsplatz
Untersuchungsgegenstand:
bedingungsbezogen
Untersuchungstiefe:
modular anwendbar
Untersuchungsschwerpunkte:
psychologisch, organisatorisch, ergonomisch
Anwendung:
Bildschirmarbeitsplätze im Büro-/Verwaltungsbereich.
Durchführung mit Fragebögen und anschließenden
Teamsitzungen zur Auswertung und erstellen von
19
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Gestaltungsmöglichen.
Anwender:
Mitarbeiter und Sicherheitsfachkräfte
Bearbeitungszeit:
[alles Schätzungen, keine Erfahrungswerte]
Einarbeitung:
1 Tag
Durchführung:
pro Bogen 20 30 min
Auswertung:
pro Bogen ca. 15 min
20
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
3.3. RHIA/VERA-Büro
Abkürzung: RHIA/VERA-Büro
Name:
RHIA: Verfahren zur Ermittlung von Regulationshindernissen in der
Arbeitstätigkeit;
VERA: Verfahren zur Ermittlung von Regulationserfordernissen in der
Arbeitstätigkeit
Autoren:
Konrad Leitner, Elke Lüders, Birgit Greiner, Antje Ducki, Renate Niedermeier,
Walter Volpert
3.3.1. Kurzbeschreibung
3.3.1.1 Ziel
Das RHIA/VERA-Büro ist ein psychologisches Arbeitsanalyseverfahren, mit dem Tätigkeiten
im Bereich von Büro und Verwaltung untersucht werden können. Es zielt sowohl auf die
Analyse der durch die Arbeitsaufgaben geforderten Denk- und Planungsprozesse, als auch auf
die Ermittlung psychisch belastender Arbeitsbedingungen ab.
3.3.1.2 Vorgehensweise
(Methodik)
Die Erhebungsmethodik des RHIA/VERA-Büro bezeichnet sich als Beobachtungsinterview
bzw. theoriegestützte Erhebung. Das Verfahren ist für den fachkundigen Anwender gedacht.
Dieser muss sich vor der Anwendung mit den theoretischen Grundlagen und den im Manual
gegebenen Definitionen und Beschreibungen vertraut machen.
Die Fragestellungen des Manuals wenden sich ausschließlich an den Untersuchenden.
Dieser beschafft sich die relevanten Informationen über Beobachtungen der Arbeitstätigkeit
und Gespräche mit den Arbeitenden und hält diese entsprechend dem Verfahren fest.
RHIA/VERA versucht zuerst die Erfordernisse zu ermitteln, die zur Erfüllung der
Arbeitsaufgabe relevant sind (Bereich VERA), um anschließend die Bedingungen zu
ermitteln, die der Erfüllung der Tätigkeit im Wege stehen, also die Analyse der
aufgabenbezogenen psychischen Belastungen (Bereich RHIA).
3.3.1.3 Fragenstruktur und -umfang
RHIA/VERA-Büro gliedert sich in fünf Teile, A bis E, die logisch aufeinander aufbauen.
Insgesamt müssen 46 Fragebereiche bearbeitet werden.
21
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Teil A
dient zur allgemeinen Orientierung und Überprüfung, ob die Voraussetzungen für ein
bedingungsbezogenes Arbeitsanalyseverfahren erfüllt sind. Es enthält 15 Fragebereiche.
In
Teil B
werden die Arbeitsergebnisse, -mittel und Informationen beschrieben. Die Folge der
einzelnen Arbeitseinheiten sollen zeitlich-logisch dargestellt werden, sowie im letzten Schritt,
die erste Hinweise auf Behinderungen formuliert werden.
Dieser Teil enthält 23 Bereiche.
Die Regulationserfordernisse sollen in
Teil C
anhand eines 10-Stufen Modells ermittelt und
beschrieben werden. Schließlich sollen die Veränderungen angegeben werden, die zu einer
Erhöhung der Regulationserfordernisse führen kann. Teil C enthält 3 Bereiche.
Regulationshindernisse und überforderungen sollen im
Teil D
ermittelt und bewertet
werden. Dieser Teil enthält 5 Bereiche.
Schließlich werden die Ergebnisse in
Teil E
zusammengefasst.
Zu jedem Fragenbereich beschreibt das Manual die jeweilige Funktion, entsprechende
Erläuterungen werden gegeben und Beispiele aufgeführt.
3.3.1.4 Ablaufplan und eingesetzte Instrumente
Der Ablauf der RHIA/VERA-Analyse lässt sich in folgende Schritte unterteilen:
Vorbereitung
Dient zur inhaltlichen Orientierung und schafft einen
ersten Gesamtüberblick
Erste Beobachtung
Soll eine Atmosphäre der Übereinkunft herstellen, die eine
und Befragung
wesentliche Voraussetzung für das gelingen der
Arbeitsanalyse darstellt.
Die gesamte Arbeitstätigkeit sowie die groben
Aufgabenzusammenhänge sollen hier erfasst werden
können.
Systematisierung
Sind die Arbeitsaufgaben vollständig erfasst und verstanden,
soll sich zurückgezogen werden, um die entsprechenden
Antwortblätter sorgfältig durchzuarbeiten.
Zweite Beobachtung
Hier sollen noch offene Fragen mit dem Arbeitenden geklärt
und Befragung
werden
Ausarbeitung
Die Antwortblätter sollen hier nochmals durchgearbeitet
werden und vorhandene Lücken bearbeitet werden
Abb. 10. :
Ablauf der RHIA/VERA-Analyse
22
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Instrumente sind das 156 Seiten umfassende Manual mit den 24 Antwortblättern.
3.3.1.5 Generelle
Auswertungsform
Hinweise und Regeln zum Vorgehen und zur Auswertung befinden sich im Teil E des
Verfahrens, obwohl in diesem Zusammenhang Auswertung vielleicht ein zu weit gefasster
Begriff sein könnte.
Bei RHIA/VERA werden die häufig qualitativen Angaben nicht in quantitative Schemata
übertragen.
Einzig das Deckblatt jeder Analyse erfordert das Zusammenbringen von Ergebnissen.
Im Einzelnen finden sich hier die Stufe der Regulationserfordernisse, die Dauer des
Zusatzaufwandes für informatorische, manuelle/motorische Erschwerungen, Unterbrechungen
durch Blockierungen und Funktionsstörungen, sowie die Gesamtdauer des Zusatzaufwandes
jeweils in Minuten pro Woche.
Weiterhin werden hier die ,,Dauer monotoner Arbeitsbedingungen" in Stunden pro Monat, der
,,Zeitdruck in Prozentanteil des Ruhenlassens" und Empfehlungen/Erfordernisse der
,,medizinisch/ergonomische Analyse" aus den Teilen A bis D zusammengefasst.
Die Auswertung der einzelnen Analysepunkte finden schon während des Vorgehens, beim
Ausfüllen der Antwortblätter durch den Experten statt.
So ist auch die Vorgehensstruktur durch den Ablaufplan klar vorgegeben.
23
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
3.3.2. Bewertung
RHIA/VERA kommt eher aus der soziologischen Arbeitswissenschaft. Kurzgefasste
Interviewergebnisse wechseln sich ab mit Zahlenangaben und Ankreuz-Antworten.
Es handelt sich um ein umfangreiches Verfahren. Handbuch und Manual geben einen guten
Einblick in die Theorie des Verfahrens, wie auch in die testtheoretischen Gütekriterien, wo
RHIA/VERA auch reflektiert wird.
Die Anforderungen an das eigene Verfahren stellen sich auch bei der Einarbeitung an die
Untersuchenden. Scheinbar unattraktiv sind die vorgeschlagenen mehrtägigen Schulungen
und Informationsnotwendigkeiten der zu Untersuchenden. Bevor es also ,,richtig los" geht,
musste sich schon mehrere Tage mit dem Verfahren beschäftigt werden.
RHIA/VERA ist also kein Kurzverfahren im eigentlichen Sinne.
Es bietet einen eher theorielastigen Ansatz, was auch als starkes Fundament verstanden
werden kann.
1993 lagen Erfahrungenswerte aus 500 Arbeitsanalysen vor.
3.3.2.1 Praktikabilität
RHIA/VERA ist ein Instrument ganz für den Experten oder geschulten fachkundigen
Anwender. Es erfordert eine relative lange Einarbeitung, nicht nur auf Grund des Umfangs
sondern auch bezüglich des theoretischen Hintergrundes.
RHIA/VERA stellt auch keine Ankreuzbögen bereit, sondern bietet genug Platz für den
nötigen Text des Experten.
Alle Unterlagen des Verfahrens sind kopierfähig, aber aufgrund des Umfangs sollte sich auf
die auszufüllenden Bögen beschränkt werden.
Letztendlich sollte für eine Analyse mit RHIA/VERA Zeit mitgebracht werden.
3.3.2.2 Präventionsorientierung
Der Einsatz bei der Gestaltung von zukünftigen Arbeitsaufgaben ist ein Schwerpunkt der
Analyse. Zumindest ist dies in Kapitel 7 des Handbuches zu lesen.
Es finden sich auch Hinweise für die Gestaltung neuer Arbeitsplätze, doch sind diese wenig
konkret.
24
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
3.3.3. Differenzierungskriterien
Branche:
Büro-/Verwaltungsbereich
Einsatzbereich:
Büroarbeitsplatz
Untersuchungsgegenstand:
Aufgabenbeschreibung, Denk- und Planungsanforderungen
Untersuchungstiefe:
modular anwendbar
Untersuchungsschwerpunkte:
Aufgabenbezogenen psychische Belastungen, Denk- und
Planungsanforderungen
Anwendung:
Tätigkeiten im Büro-/Verwaltungsbereich von
Industrieunternehmen, einschließlich qualifizierter
Sachbearbeitung
Anwender:
Sozialwissenschaftler, Betriebpsychologen,
Arbeitspädagogen, Betriebsärzte, arbeitswissenschaftlich
vorgebildete Betriebsräte, Arbeitsplaner und
Betriebswirtschaftler
Bearbeitungszeit:
Einarbeitung:
Mehrtägige Schulung für die Untersuchenden
Durchführung:
zwei bis fünf Stunden
Auswertung:
ca. drei Stunden
25
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
3.4. Kurzverfahren zur Bildschirmarbeitsplatzanalyse
3.4.1. BiFra - Bildschirmfragebogen
Der Bildschirmfragebogen - BiFra des ASER-Instituts an der GH Wuppertal ist ein
Instrument zur Analyse der Umsetzung der Bildschirmarbeitsverordnung von B.H. Müller et
al..
Es gibt ihn in drei verschiedenen Ausführungen: für private Anwender, für Telearbeiter,
sowie für Mitarbeiter.
Diese und eine englischsprachige Version des Fragebogens sind unter
http://www.aser.uni-
wuppertal.de/bifra/index.htm
zu finden. Dort findet sich auch eine Auswertung von bisher
7973 Bildschirmarbeitsplatzuntersuchungen mit BiFra, die aus mehr als 20 Unternehmen
sowie aus einigen über das Internet gewonnenen Datensätzen stammen.
Neben der Onlineversion werden diese auch als Papierversionen angeboten, plus eines
Fragebogens in französischer Sprache.
Die Basis des Fragebogens besteht aus 10 Bereichen, welche auch gleichzeitig den Bogen für
den privaten Anwender ausmacht. Für die Telearbeiterin und den betrieblich Beschäftigten
kommt ein Kapitel mit 18 Fragen zur Gestaltung der Arbeitsaufgabe hinzu, sowie eine
Schlussbetrachtung. Die 18 Fragen bezüglich der Arbeitsaufgabe sind Ja-Nein Fragen zur
psychischen Belastung, die inhaltlich dem BEBA Fragebogen sehr ähnlich sind. Die
Oberpunkte vom Bereich der Arbeitsaufgabe lauten: Aufgabenvollständigkeit,
Bewegungsvielfalt, Aufgabenwechsel, Qualifikationsnutzung, Rückmeldung,
Arbeitsunterbrechung, Eindeutigkeit der Arbeitsaufgabe, Unterstützung, Aufgabenverteilung,
Entscheidungserfordernis, Anforderungsvielfalt, Informationserfordernisse, Störungsfreiheit,
zeitliche Freiheitsgrade, Informationsbereitstellung, Technikbeeinflussbarkeit,
Lernförderlichkeit und Daueraufmerksamkeit.
3.4.2. LASI - Kurzfragebogen des Länderausschusses für Arbeitsschutz und
Sicherheitstechnik
Das vom Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik - LASI, unter Mitarbeit
der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit, 1997 veröffentlichte Arbeitsblatt
,,Bildschirmarbeit" soll zur Grobanalyse der Arbeitsbedingungen gemäß der
Bildschirmarbeitsverordnung dienen.
Es soll ,,eine effektive und kostengünstige orientierende Beurteilung von Gefährdungen
ermöglichen". Aufsichtskräften staatlicher Arbeitsschutzverwaltungen soll so eine Methodik
zur Beratung der Arbeitgeber und zur Vereinheitlichung des Verwaltungshandelns zur
Verfügung gestellt werden. (LASI 1997)
Anhand von Ja/Nein Entscheidungen sind die insgesamt 60 Fragen zu beantworten. Sie sind
unterteilt in 15 Bereiche zu Hard- und Software, Möbel, Arbeitsumgebung, sowie zur
26
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
medizinischen Vorsorgeuntersuchung und Arbeitsorganisation. Neben den zwei Bereichen
,,Schnittstelle Mensch-Maschine" und ,,organisatorische Maßnahmen", die im weiteren Sinne
zu einer Analyse von psychischer Belastung gerechnet werden können, findet sich ein
Verweis auf eine weitergehende Beurteilung für psychische Beanspruchung.
Einigen Fragen verweisen auf zusätzliche Hinweise zur Beantwortung, bei anderen sind
schematische Zeichnungen zur Unterstützung des Verständnisses eingestreut. Die
dazugehörigen ,,Erläuterungen und Zusatzinformationen zum Arbeitsblatt" enthält
Erläuterungen zum Ausfüllen des Fragebogens, sowie zu den Fragen in bezug auf den
Arbeitsschutz und die Bildschirmarbeitsverordnung.
Zu finden ist LASI u.a. unter
http://www.sozialnetz-hessen.de/ergo-online/AP-Analyse/Lasi-
Beurteilung.htm
3.4.3. EasyChecker - Version 1.2 rev2
Der auch als 100-Fragen-Test bekannte EasyChecker wurde von Dr. Gottfried Richenhagen,
Assessment Management Kolleg GmbH, 1996 erstellt. EasyChecker ist eine
Weiterentwicklung der Kurzfragebögen von Döbele-Martin und Martin, sowie von Prümper
und Anft, die um die Kriterien der DIN EN ISO 9241 Teil 2 und 10 erweitert wurden.
Dementsprechend versucht EasyChecker durch 100 Ja-Nein-Weiß-nicht Fragen dem
Arbeitnehmer eine Grobeinschätzung seines Arbeitsplatzes nach der
Bildschirmarbeitsverordnung zu erlauben.
Die 100 Fragen, in 7 Themenbereiche gegliedert, werden als ,,Software zur Grobanalyse eines
Bildschirmarbeitsplatzes" auf zwei 3½" Disketten als Beigabe zum Handbuch der
Bildschirmarbeit zur Verfügung gestellt.
Zu mehren Fragen gibt eine Erläuterung per Text oder Bild, weiterhin können eigene Notizen
eingefügt werden.
Der Bereich ,,Tätigkeit" kann als eine Analyse von psychischer Belastungen an
Bildschirmarbeitsplätzen verstanden werden. Dort finden sich die beiden Unterpunkte
,,Arbeitsaufgaben" und ,,Bildschirmpausen" mit den Fragen zu Beteiligung, Vielfältige
Tätigkeit, Ganzheitlichkeit, Beitrag zum Ganzen, Handlungsspielraum, Rückmeldung, Neues,
Überforderung, Unterforderung, Monotonie, Zeitdruck, Kontakte und Mischarbeit und Freie
Wahl.
Die Auswertung erfolgt über Balkendiagramme wie auch über Tabellen der einzelnen Fragen,
die in grün, rot und gelb, die Ja-Nein-Weiß-nicht Antworten umsetzen.
27
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Abb. 11. :
Auswertung mit EasyChecker 1.2
28
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
3.5. Vergleich und Auswahl
Die drei hier vorliegenden Verfahren zur Bewertung der psychologischen Belastung am
Bildschirmarbeitsplatz können grob in zwei Kategorien unterteilt werden.
Zum Einen die ,,Bogen basierenden" BEBA und SynBA-GA und zum Anderen das
,,Interview basierende" RHIA/VERA.
Die bogenbasierenden Verfahren können auch ohne Beisein eines Experten oder
fachkundigen Anwenders von den Arbeitsplatzinhabern angekreuzt, also beantwortet werden.
Auch wenn in Teil B von BEBA der Experte gefordert wird, ist die selbständige Bearbeitung
hier der Schwerpunkt.
RHIA/VERA macht es dringend erforderlich, dass Experten das Verfahren durchführen.
In diesem Sinne sind so auch die auszufüllenden Bögen der verschiedenen Verfahren
gestaltet.
Kategorien
Bogen basierend Interview basierend
Verfahren
SynBA-GA
RHIA/VERA
BEBA
Bogengestaltung
Ankreuzfelder
Platz für Text und Zeichnung
Aufwand bei der Durchführung
Gering
Langwierig
Die Durchführung der Befragung mit Experten birgt die Möglichkeit auch atmosphärische
Eindrücke festzuhalten. Zudem ergeben sich oft Gespräche, die sich schwer in einen
standardisierten Fragebogen festhalten lassen.
Diese Gespräche enthalten zusätzliches Potential, was für eine Analyse und Bewertung des
Bildschirmarbeitsplatzes nützlich sein kann.
Somit würde sich RHIA/VERA anbieten für Bereiche außerhalb des standardisierten
Fragebogens Eindrücke festzuhalten und zu interpretieren. Leider ist RHIA/VERA in der
Vorbereitung und Durchführung sehr aufwendig.
Andererseits können auch SynBA-GA und BEBA in dem Sinne abgewandelt werden, dass
beim Beantworten der Fragen ein Experte dabei ist. Den zu befragenden Mitarbeiter wird so
auch die Möglichkeit gegeben Rückfragen, z.B. zum Verständnis zu stellen.
Hier bietet sich BEBA an, da den Fragen erläuternde Passagen vorausgestellt wurden, die sich
m.E. zum Einlesen in das Thema eignen.
Der Kurzfragebogen BiFra und der EasyChecker wurden hier vernachlässigt, auch wenn er
einen recht umfangreichen Fragebereich zur Analyse von psychischer Belastung an
Bildschirmarbeitsplätzen bietet. Doch fehlen bei den Kurzfragebögen die theoretische
29
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Erläuterung, die bei den anderen hier diskutierten Fragebögen vorhanden ist. Auch die Ja-
Nein-Weiss-nicht Antwortmöglichkeiten sind wenig differenzierend.
Im BiFra sind die Antwortqualitäten von der Bedeutung her unterschiedlich. So heißt, z.B.
eine Ja Antwort auf die eine Frage etwas Positives, bei der nächsten aber etwas Negatives.
Zudem werden die inhaltlichen Bereiche von BiFra von SynBA und BEBA abgedeckt, wie
schon in Kapitel 3.4.1. beschrieben.
30
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
4. Durchführung der Analyse von psychischen Belastungen an
Bildschirmarbeitsplätzen
4.1. Projektrahmen
Die TUI Deutschland hatte das Institut für Arbeitswissenschaft und Didaktik des
Maschinenbaus (IADM) beauftragt, bei ihnen die gesetzlich geforderte Analyse ihrer
Bildschirmarbeitsplätze (BAP) durchzuführen.
Die Vorgehensweise des IADM gliedert sich nach dem institutseigenen Phasenmodell. Dies
ist in vier Hauptphasen unterteilt:
Das vier Phasenmodell des IADM
1. Ist Analyse, Typenbestimmung
2. Detailanalyse
3. Informationserstellung und auswertung
4. Screening aller BAP, Ermittlung des Gestaltungsbedarfs
und Verbesserungsvorschläge
Abb. 12. :
Das vier Phasenmodell des IADM
Phase 1: Als erste Phase kategorisiert die Ist-Analyse bestimmte Arbeitsplatztypen anhand
ihrer Arbeitsaufgabe und Kostenstelle.
Die Arbeitsplätze werden nach ersten Begehungen, Gesprächen und Informationen aus der
Personalabteilung anhand ihrer spezifischen Merkmale durch das IADM kategorisiert.
Schwerpunkt der Untersuchungen bildeten die 1500 Arbeitsplätze der TUI in der Karl-
Wiechert-Allee/Hannover. Hier wurden 19 repräsentative Typen identifiziert, davon 6 Typen
von Nicht-Bildschirmarbeitsplätzen.
Eine genaue Beschreibung der Vorgehensweise des IADM bei der TUI, sowie der
Kategorisierung der Arbeitsplätze durch das IADM findet sich in Requadt 1999.
Phase 2: In der Detailanalyse werden die erkannten repräsentativen Typen aus der ersten
Phase mit angemessenen Instrument untersucht. Den beiden eher traditionellen
Analysebereichen, Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung, soll hierbei die
Arbeitsorganisation/psychologische Tätigkeitsanalyse als dritter Schwerpunkt hinzugefügt
werden.
31
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Für die Analyse der psychischen Belastung am BAP wurde nach passenden Instrumenten
gesucht. Die Verfahren BEBA und SynBA-GA kamen in die engere Auswahl.
Es wurde sich für BEBA entschieden. Wie schon in Kapitel 3.5 dieser Arbeit beschrieben
bietet BEBA mehrere Vorteile, u.a. eine bessere Anpassungsfähigkeit für die geforderte
rechnergestützte Auswertungsform, einen größeren Datenhintergrund und vielfältige
Verbesserungsvorschläge.
Zusätzlich stellt BEBA den Fragen spezifische Informationen voran, die dem Leser helfen
sollen, die Fragen im Kontext psychischer Belastung besser zu verstehen und einzuordnen.
Außerdem lies sich BEBA mit der vom IADM vorgegebenen Form gut vereinbaren, wo ein
Teammitglied den Fragebogen zusammen mit dem Mitarbeiter durchgehen soll, soweit dies
vom Mitarbeiter gewünscht wird.
Die vom Projekt SANUS für die Detailanalyse empfohlenen Verfahren RHIA/Vera-Büro,
TBS oder KABA, wurden verworfen, da die Anwendung bei der TUI mit einem weniger
umfangreichen und aufwendigen Verfahren durchgeführt werden sollte.
Mit der Detailanalyse sollte auch versucht werden die These zu bestätigen, dass die
Orientierung an der Arbeitstätigkeit eine sinnvolle Kategorisierung der Arbeitsplätze zulässt.
Phase 3: Weiterer Orientierungspunkt war die notwendige Auswertung und deren
Präsentation. Hier wurde ein vom IADM entwickeltes Softwaretool abgewandelt eingesetzt,
welches die erhobenen Daten übersichtlich gestalten, sowie entsprechende
Kreissektordiagramme (KSD) erstellen soll.
KSDs haben den Vorteil, anhand einer Graphik
gleichzeitig zwei Variablen für mehrere normierte
Werte in einem Bild durch Radius und Winkelgröße
des Sektorelements darstellen zu können.
Kritische Bereiche können so schnell identifiziert
werden. (s. Abb.)
Zudem wurde in einer rechnergestützten Auswertung
eine Vereinfachung durch Bündelung der
Ergebnisse, sowie der höheren Flexibilität in der
Darstellungsform gesehen.
Abb. 13. :
Abb. : Kreissektordiagramm - KSD
32
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Phase 4: Die vierte Phase, das Screening aller Bildschirmarbeitsplätze, soll auf den
Ergebnissen der zweiten Phase, der Detailanalyse, aufbauen.
Dabei sollen alle Mitarbeiter des Unternehmens einen Kurzfragebogen beantworten, der noch
offene Punkte aus der zweiten Phase klärt und identifizierte kritische Bereiche genauer
beleuchtet. Daraufhin wird der Gestaltungsbedarf ermittelt und Verbesserungsvorschläge
gemacht.
Mehr dazu in Kapitel 5 Konzept zur weiteren Durchführung.
4.2. Begehung
Die Begehung der TUI und Durchführung der zweiten Phase des IADM Modells fand in den
Monaten Februar und März 1999 statt. Insgesamt wurden 11 Arbeitsplatztypen auf psychische
Belastung am Bildschirmarbeitsplatz untersucht.
Ablaufplan für die Begehung
i. Vorbereitung
Terminabsprache und Materialien bereitstellen
ii. Vorstellung des Arbeitsbereiches
Gespräch mit Abteilungsleitung
iii. Vorstellung des Teams und Projektes
iv. Zuweisung und Dokumentation des
Arbeitsbereiches
v. Arbeitsplatzinhaber
identifizieren
vi. Einführungsgespräch und Fragebogen
beantworten
Abb. 14. :
Ablaufplan der Begehung
Im Vorfeld wurden mit den einzelnen zu untersuchenden Abteilungen Termine für die
Begehung abgesprochen. Dazu wurden die notwendigen Materialien vorbereitet, wie z.B. die
auszufüllenden Fragebögen in ausreichender Anzahl kopiert. Vor der eigentlichen Begehung
wurden auch die geforderten Aufgaben in einer Teamsitzung aufgeteilt.
33
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Zu Beginn jeder Untersuchung gab es zuerst ein Treffen und Gespräch mit der jeweiligen
Abteilungsleitung. Dabei wurden die Arbeitsaufgaben und deren Einordnung innerhalb des
Konzerns besprochen. Es wurden bereichsspezifische Informationen mitgeteilt, wie
Krankenstand, Fluktuation der Mitarbeiter oder Anzahl der Überstunden.
Das IADM-Team wurde daraufhin den Mitarbeitern kurz vorgestellt und fehlende
Informationen bezüglich Sinn und Zweck der Begehung geliefert. Nach Zuweisung eines
Arbeitsbereiches für das Team wurde die Umgebung der Abteilung, also Laufwege und
Anordnung der Büros, aufgezeichnet.
Die Arbeitsplatzinhaber wurden daraufhin gefragt, ob sie bereit wären, den Fragebogen zur
psychischen Belastung gemeinsam mit einem Mitarbeiter des IADM-Teams durchzugehen.
In einem kleinen Einführungsgespräch ließ sich der IADM Mitarbeiter zuerst die Tätigkeiten
durch den Arbeitsplatzinhaber erläutern. Anschließend wurde der Sinn und Zweck der BAP-
Analyse erklärt und das Gespräch zum Fragebogen übergeleitet.
Die Fragen wurden entweder vorgelesen und deren Bedeutung erläutert oder selbst zum Lesen
und Ausfüllen überlassen, je nach Wunsch des Arbeitsplatzinhabers.
Wurden die Fragen vorgelesen, ergab sich daraus oft ein weiteres Gespräch über die
Arbeitstätigkeit und deren Umfeld. Damit entstand die Konstellation eines Interviews, die
mehr Einblick in die Situation der Arbeitsplatzinhaber ermöglichte. Dies konnte nur schwer
mit dem standardisierten Fragebogen dokumentiert werden und musste per Notiz in
Stichworten festgehalten werden.
34
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
4.3. Die Auswertung
Die Auswertung erfolgt in drei Schritten:
i.
Zusammentragen und Übertragen der
Erhebungsdaten
ii.
Gewichtung der Fragen und Oberpunkte
iii.
Erstellen der Ergebnisse
Abb. 15. :
Die drei Schritte der Auswerung
4.3.1. Zusammentragen und Übertragen der Erhebungsdaten
Im Anschluss an die Begehung wurden die Ergebnisse der Befragung zusammengetragen.
Überwiegend lagen mehrere Bögen für einen Arbeitsplatztypen vor.
Ziel war es, pro untersuchter Abteilung jeweils zwei beantwortete Fragebögen zu erhalten,
teilweise wurden auch mehr als zwei Mitarbeiter interviewt. Nur in zwei Fällen war die
Abteilung zu klein, um diese Vorgabe zu erreichen.
Zur Festlegung der endgültigen Bewertungen wurde nach Art von BEBA-B vorgegangen,
wobei das Expertenteam auf Basis der Mitarbeiterantworten entscheidet.
Diese Werte wurden daraufhin in das vom IADM entwickelte Softwaretool übertragen, womit
die rechnergestützte Auswertung erfolgen sollte. Die Antworten aus den Fragebögen wurden
pro Arbeitsplatztyp ebenfalls in das Softwaretool übertragen.
4.3.2. Gewichtung der Fragen und Oberpunkte
Die Fragen der Untersuchung wurden vor der Begehung vom IADM entwickelt. Sie sind in
eine entsprechende Fragenstruktur aufgeteilt.
Die traditionellen Analysebereiche sind:
1. Arbeitsmittel
1.1. Anordnung der Arbeitsmittel
1.2. Hardware
1.3. Software
1.4. Möbel
35
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
1.5.
Vorlagen
2. Arbeitsumgebung
2.1. Arbeitsraum
2.2. Beleuchtung
2.3. Geräuschsituation
2.4. Raumklima
Abb. 16. :
Struktur der traditionellen Analysebereiche
Neben diesen eher traditionellen Analysebereichen, soll heißen in der Produktion bewährten,
hat sich das IADM zum Ziel gesetzt eine dritte Säule einzubinden.
Hierbei handelt es sich um den Bereich der Arbeitsorganisation/psychische Belastung.
Bei der gestiegenen Anzahl von Computern an Arbeitsplätzen und die damit einhergehende
Schwerpunktverlagerung von rein physisch motivierten Beschwerden hin zu eher psychisch
begründeten Problemen scheint dieser Schritt vernünftig. Daraus entsteht die Aufgabe, eine
Erweiterung der traditionellen arbeitsmedizinischen Fragen zu erreichen, um die Analyse der
psychologischen Tätigkeitsmerkmale.
Neue Säule der IADM Analyse
3. Arbeitsorganisation/psychische Belastung
3.1. Psychologische Tätigkeitsanalyse
3.2. Information/Qualifikation
3.3. Arbeitszeiten
Abb. 17. :
Neue Säule der IADM Analyse
Die dargestellte Struktur unterteilt sich nochmals in Unterpunkte, wonach sich die
eigentlichen Fragen anschließen.
Zur Auswertung im institutseigenen Softwaretool mussten die gewonnenen Daten in Relation
zueinander gesetzt werden. Die notwendigen Gewichtungen wurden zuerst auf der
Frageebene verteilt.
4.3.2.1 Ansatz zur Gewichtung der traditionellen Analysebereiche
Bei der Ermittlung der Gewichtung diente die Arbeit von Alps/Ewert 1997 als Orientierung
für die Bereiche Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung, sowie für die Arbeitszeit und
Informationsgestaltung/Qualifikation im Bereich Arbeitsorganisation.
36
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Alps/Ewert gehen von verschiedenen Belastungsfaktoren aus, deren Beanspruchungs-
reaktionen sie in 3 Bereiche unterteilen:
Die zentralnervösen, visuellen und muskuloskeletalen Beanspruchungsreaktionen.
Beanspruchungsreaktionen
· Zentralnervös
· Visuell
· Muskuloskeletal
Abb. 18. :
Beanspruchungsreaktionen
Die Gewichtung ihres Fragenkataloges ergibt sich danach, wie viele dieser drei
Beanspruchungsreaktionen von dem jeweiligen Fragebereich berührt werden.
Im Bemühen, um die Zuordnung von Wertigkeiten für die Beanspruchungsreaktionen stellen
Alps/Ewert fest, dass zentralnervöse Beanspruchungsreaktionen insbesondere durch
psychische Überforderungen entstehen und letztendlich alle Faktoren zu dieser beitragen
können. Dies spiegelt sich nicht in der Gewichtung wieder, da es u.a. nach Schwaninger an
einheitlichen Erfassungskriterien bei zentralnervösen Beanspruchungsreaktionen mangelt, die
eine Klassifikation ermöglichen würden.
Daraufhin erhalten die visuellen Beanspruchungsreaktionen die größte Bedeutung.
Weiterhin arbeiten sie mit drei Kategorien, um ihre Fragen gewichten zu können:
,,Kategorie I (1 Punkt): Fragen von untergeordneter Wichtigkeit, die z.B. Komfort und
Ausstattung betreffen.
Kategorie II (2 Punkte): Fragen von mittlerem Gewicht, die z.B. die Handhabung und
Funktionsfähigkeit betreffen.
Kategorie III (3 Punkte): Fragen von hoher Bedeutung, die z.B. das Wohlbefinden oder die
Schädigungslosigkeit betreffen und somit ein Beschwerderisiko darstellen können." (ebd.)
Diese Kategorien nutzen Alps/Ewert, um ihren Fragebogen mit einem Punktesystem
auszustatten. Der Fragebogen behandelt ausschließlich die traditionellen Bereiche
Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung. Der Bereich der psychologischen Tätigkeitsanalyse
bleibt dabei außen vor.
Für den Fragebogen des IADM wurden auf Grundlage der Arbeit von Alps/Ewert die
Gewichtungen an die einzelnen Fragen des traditionellen Analysebereichs verteilt.
37
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Für die Übertragung der Ergebnisse in das institutseigene Softwaretool war es notwenig
verschiedene zusätzliche Ebenen zu entwickeln, um entsprechende Kreissektordiagramme zu
erstellen. Die von Alps/Ewert gewonnenen Werte dienten auch dabei als Orientierung.
So wurden für Fragen, die gleiche Bereiche abdecken wie bei Alps/Ewert, die Gewichtung
übernommen bzw. dem IADM-Fragebogen angepasst.
Entstand eine Ebene mit neuen Unterpunkten aufgrund der Beschränkungen des
Softwaretools, wurden diese gegeneinander nach Alps/Ewert gewichtet, die darunter
befindlichen Fragen gleichwertig.
Abb. 19. :
Ausschnitt aus dem Kriterienbaum
In Abbildung 19 ist zu sehen, dass die Punkte 1.4.1.1.5. DIN 4549 und 1.4.1.1.6. Farbe
Tischplatte eine unterschiedliche Gewichtung auf Grundlage der Arbeit von Alps/Ewert
erhalten haben. Die Fragen 1.4.1.1.5.1. bis 1.4.1.1.5.5. hingegen haben die gleiche relative
Gewichtung erhalten.
4.3.2.2 Gewichtung des Bereiches psychologische Tätigkeitsanalyse
Der Bereich der psychologischen Tätigkeitsanalyse besteht ausschließlich aus BEBA-A -
Fragen. Somit kann sich die relative Gewichtung der Fragen dieses Bereiches an internen
Auswertungsanweisungen orientieren.
Auch hier galt, wie auch bei der Übertragung der Ergebnisse der traditionellen Bereiche, dass
wir die 19 Fragen des BEBA Instruments gruppieren mussten, um über das institutseigene
Softwaretool Kreissektordiagramme zu erhalten.
Die ausgewählten Unterpunkte gibt uns BEBA erfreulicherweise schon vor.
38
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Unterpunkte der psychologischen Tätigkeitsanalyse
o
Arbeitsaufgabe
o
Arbeitsorganisation
o
Techniknutzung
Abb. 20. :
Unterpunkte der psychologischen Tätigkeitsanalyse
Die Gewichtung der Fragen des Bereiches psychologische Tätigkeitsanalyse musste so neu
erarbeitet werden, bzw. für die einzelnen Unterpunkte überarbeitet werden.
Anhalt ist Schablone zum Arbeitsblatt 1 von BEBA-A.
Vollständigkeit der Arbeitsaufgabe
Möglichkeit zum Treffen von Entscheidungen
Widerspruchsfreiheit der Arbeitsanforderungen
Nutzung der vorhandenen Qualifikation
Wechsel anforderungsverschiedener Aufgaben
Körperliche Abwechslung
Abb. 21. :
Ausschnitt des Unterpunktes ,,Arbeitsaufgabe" aus der BEBA-A-Schablone zum Arbeitsblatt 1
In dieser Schablone markieren graue Flächen den jeweils kritischen Bereich. Zu jeder Frage
gibt es fünf Antwortmöglichkeiten, somit fünf Flächen, wovon einige grau gekennzeichnet
sind.(s. Abb.: Ausschnitt des Unterpunktes ,,Arbeitsaufgabe" aus der BEBA-A-Schablone
zum Arbeitsblatt 1)
Die einzelnen Fragen werden anhand der Größe des kritischen Bereiches gegeneinander ins
Verhältnis gesetzt und so ergeben sich entsprechende Gewichtungen, die für die Auswertung
mit dem Softwaretool notwendig sind. Die Gewichtung der Frage am kritischen Bereich zu
orientieren macht Sinn, soweit dieser als Handlungsaufforderung zur Verbesserung der
Arbeitsorganisation bzw. Verringerung der psychischen Belastung verstanden wird. Bei dem
Verfahren BEBA ist dies der Fall. (s. Beispiel 4.3.2.1.)
Die Unterpunkte Arbeitsaufgabe, Arbeitsorganisation und Techniknutzung erhielten gleiche
relative Gewichtungen. Also jeweils 33%, wobei die Arbeitsaufgabe hier 34% erhielt. Dies
auch, weil das Softwaretool nur mit ganzen Zahlen arbeiten kann, die auf einer Ebene als
Summe 100% ergeben.
Begründbar wäre auch eine Aufwertung der Arbeitsaufgabe, da sie zur Orientierung bzw. als
Unterscheidungskriterium für die Typisierung der Arbeitsplätze dient.
39
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
4.3.2.2.1 Beispiel: Ermittlung der relativen Gewichtungen der Fragen im
Teilbereich Arbeitsaufgabe
a1 = 3/5 beträgt die Antwortmöglichkeit für den kritischen Bereich bei
Vollständigkeit der Arbeitsaufgabe
a2 = 2/5
bei
Möglichkeit zum Treffen von Entscheidungen
a3 = 3/5
bei
Widerspruchsfreiheit der Arbeitsanforderungen
a4 = 3/5
bei
Nutzung der vorhandenen Qualifikation
a5 = 3/5
bei
Wechsel anforderungsverschiedener Aufgaben
a6 = 3/5
bei
Körperliche Abwechslung
Diese Antwortmöglichkeiten für den kritischen Bereich an müssen nun normiert werden,
damit folgende Voraussetzung gilt:
(a1 + a2 + a3 + a4 + a5 + a6) * f = 1
[ 1 ]
mit an: Antwortmöglichkeit für den kritischen Bereich und
f: Normierungsfaktor für einen Bereich
Hier ergibt sich f = 5/17
Die einzelnen Möglichkeitswerte müssen nun mit dem Normierungsfaktor multipliziert
werden, um die normierten Möglichkeitswerte ann , also die Gewichtungen für die einzelnen
Fragen zu erhalten:
an * f = ann
[ 2 ]
=>
a1n = 3/17 ~ 18 %
a2n = 2/17 ~ 10 %
a3n = 3/17 ~ 18 %
a4n = 3/17 ~ 18 %
a5n = 3/17 ~ 18 %
a6n = 3/17 ~ 18 %
Diese Werte ergeben sich auch einfach aus der Schablone, indem die grauen Flächen der
einzelnen Frage durch die Summe der grauen Felder des Teilbereichs ,,Arbeitsaufgabe"
dividiert werden.
Das Softwaretool hat leider keine Möglichkeit mit gebrochen rationalen Zahlen zu arbeiten,
deshalb müssen gerundete Prozentwerte genügen.
40
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Zur Erwähnen ist noch, dass alle Bereiche aufgerundet wurden, bis auf ,,
Möglichkeit zum
Treffen von Entscheidungen
", dieser wurde auf 10 gesetzt.
4.3.2.3 Integration des traditionellen Analysebereiches und der psychologischen
Tätigkeitsanalyse
Die Integration des Bereiches psychologische Tätigkeitsanalyse und des traditionellen
Analysebereiches lief zuerst innerhalb der Oberpunktes Arbeitsorganisation/psychische
Belastung.
Hier sollte die psychologische Tätigkeitsanalyse den gleichen Stellenwert bekommen, wie die
Punkte Arbeitszeiten und Informationsgestaltung zusammen.
Die psychologische Tätigkeitsanalyse bekam somit ein 50%iges Gewicht, die Bereiche
Arbeitszeit und Informationsgestaltung/Qualifikation erhielten jeweils 25%.
Gewichtung
absolute relative
1. Arbeitsmittel
60%
1.1. Anordnung der Arbeitsmittel
17,4%
29%
1.2.
Hardware
18,6%
31%
1.3.
Software
3,6%
6%
1.4.
Möbel
15%
25%
1.5.
Vorlagen
5,4%
9%
2. Arbeitsumgebung
19%
2.1.
Arbeitsraum
5,13%
27%
2.2.
Beleuchtung
8,74%
46%
2.3.
Geräuschsituation
3,42%
18%
2.4.
Raumklima
1,71%
9%
3. Arbeitsorganisation
21%
3.1. Psychologische Tätigkeitsanalyse
10,5%
50%
3.2.
Information/Qualifikation
5,25%
25%
3.3.
Arbeitszeiten
5,25%
25%
Abb. 22. :
Kriterienbaum mit Gewichtungen
Schließlich musste der Oberpunkt Arbeitsorganisation auf der obersten Ebene mit den
Untersuchungsbereichen Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung ins Verhältnis gesetzt werden.
Der Bereich Arbeitsmittel erhielt hier mit 60% die stärkste Gewichtung.
41
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Dieses Gebiet umfasst die physischen Voraussetzung, die zur ordentlichen Verrichtung der
Arbeitsaufgabe notwendig sind, wie die Hard- und Software, die Möbel, also den Arbeitstisch
und -stuhl. Dieser Bereich beeinflusst somit direkt die Tätigkeit der Arbeitenden bzw. die zur
Verrichtung der Aufgabe notwendigen Elemente.
Die damit verbleibenden 40% mussten nun zwischen den Bereichen Arbeitsumgebung und
der Arbeitsorganisation aufgeteilt werden. Hierbei wurde dem Komplex
Arbeitsorganisation/psychische Belastung mit 21% Gewichtung eine leicht größere
Bedeutung zugeordnet als der Arbeitsumgebung mit 19%.
Die Orientierung an potentiellen Gefährdungen für die Gesundheit der Arbeitenden und
möglicher Hinderungen zur Erfüllung der Arbeitsaufgabe entschied das etwas höhere Gewicht
für die Arbeitsorganisation.
Es gab auch die Überlegung die Bedeutung der Arbeitsorganisation im mittleren Bereich von
Arbeitsumgebung und Arbeitsmitteln anzusiedeln, da psychische Belastungen auch zu
chronischen psychosomatischen Krankheiten führen können und somit den Beschäftigten
permanent beeinträchtigen.
Dies konnte jedoch nicht genauer qualifiziert werden, da es hier an aussagekräftiger Literatur
mangelte und somit verworfen. Beeinflusst war die Entscheidung auch durch die Arbeit von
Alps/Ewert, die aufgrund der Aussage von Schwaninger, dass es an einheitlichen
Erfassungskriterien bei zentralnervösen Beanspruchungsreaktionen mangelt, die eine
Klassifikation ermöglichen würden (s. 4.3.2.1.), die psychische Belastung bzw. zentralnervöse
Beanspruchungsreaktion außen vor lassen.
So ergab sich der Kriterienbaum, wie in Abbildung 22 dargestellt.
(Der komplette Kriterienbaum mit absoluten und relativen Gewichtungen ist in Anhang 1
dokumentiert.)
4.3.3. Erstellung der Ergebnisse im Bereich psychische Belastung
Zu den Fragen aus den traditionellen Bereichen Arbeitsmittel und -umgebung gab es
überwiegend eindeutige Antworten, die sich nach erfüllter Norm bzw. nicht erfüllter Norm
orientierten. War eine Norm erfüllt, wurde die Frage mit ,,1" bewertet, war sie nicht erfüllt,
mit ,,5". Die Auswertung und Beschreibung der Ergebnisse folgte nach schon erprobten und
bewährten Vorgehensweisen.
Erwähnt werden muss an dieser Stelle, dass die Auswertung des Unterpunktes Software im
Bereich Arbeitsmittel nach Requadt erfolgte, der auch Mitglied des IADM-Teams war.
Im Bereich der psychologischen Tätigkeitsanalyse gab es zu einem Arbeitsplatztypen meist
mehrere Antworten, was auch der Zielvorstellung von mindestens zwei beantworteten
Fragebögen pro Arbeitsplatztyp entsprach.
42
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Lagen unterschiedliche Antworten für die gleiche Frage vor, so musste sich für einen Wert
entschieden werden. Eng beieinander liegende Werte wurden von uns gemittelt, lagen die
Werte weit auseinander oder erschienen diese widersprüchlich wurde per Expertenentscheid
ein Wert festgelegt.
Die neun Abteilungen mit den jeweiligen Antworten aus der Begehung sind in der folgenden
Tabelle dargestellt. Die Wertungen 1 bis 5 in der Tabelle stammen aus BEBA und basieren
auf den folgenden Aussagen:
1: trifft völlig zu
2: trifft überwiegend zu
3: trifft manchmal zu
4: trifft überwiegend nicht zu
5: trifft niemals zu
Agentur-
Call-
Operativer Produkt-
Qualitäts-
Verkehrs-
Verkaufs-
Werbemittel-
Infotec
buchhaltung Center
Verkauf management management zentrale unterstützung produktion
Vollständigkeit
2
3,5
2
1,5
2
2
1
3
1
Entscheidungen
2
2,5
2,5
1,5
2
3
1
3
1,5
Widersprüchlichkeit
3
2,5
4
3
3
2
5
4
3,5
Qualifikationsnutzung
2
1
1
3
2
3
2
2
1,5
Anforderungswechsel
1
3
3,5
1,5
3
3
1
2
2,5
Körperliche
3
4
4,5
2,5
3
2
1
5
4
Abwechselung
Informationen 2
2
1,5
1
1
1
1
1
1
Rückmeldungen 3
2
3
1,5
3 3
1
3 2
Kommunikations-
2 1
1,5
1 2
2 1 2 1,5
inhalte
Unterstützung 1
1
1,5
1,5
2
1
1
1
1,5
Pausen 2
2
1,5
2
3
3
4
2
2,5
Störungen 2
3
2,5
4
4
4
4
4
4
Zeitlicher Spielraum
2
4
1,5
1,5
2
3
3
2
2
Technik-
2
2
1,5
1,5
2
1
1
1
1,5
angemessenheit
Beeinflussbarkeit der
3
3,5
1,5
2
4
4
2
5
2,5
Hardware
Zeitliche
4
5
1,5
2
2
4
2
5
3,5
Techniknutzung
Lernfreundlichkeit
2
2
1
1,5
2
2
2
2
2,5
Gedächtnisbelastung
2
2
1,5
2
2
3
2
2
3
Informationsdarstellung
2
2,5
1,5
2,5
2
2
2
1
2,5
Abb. 23. :
Tabelle: Ergebnis der psychologischen Tätigkeitsanalyse basierend auf BEBA (ohne Gewichtung der Fragen)
Die drei Unterpunkte Arbeitsaufgabe und Techniknutzung sind durch Schattierungen
hervorgehoben.
43
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Wie schon bei den anderen Bereichen Arbeitsmitteln und Arbeitsumgebung wurden auch
diese Werte in das institutseigene Softwaretool eingegeben. Anschließend wurden die
erwünschten Kreissektordiagramme erstellt. So kann sich recht schnell ein Überblick über die
Bewertung bestimmter Punkte verschafft werden.
Als kleines Beispiel soll hier das Kreissektordiagramm der Mittelwerte, gewonnen aus den 9
untersuchten Arbeitplatztypen dienen:
Errechnet wurden diese Mittelwerte (M) über den Quotienten der Summe der Bewertungen
(B) und der Anzahl der untersuchten Arbeitsplatztypen (n):
M= B / n
[ 3 ]
Zusätzlich mussten die Mittelwerte auf- bzw. abgerundet werden, da das Softwaretool
Bewertungen nur in Schritten von 0,5 zulässt.
Mittelwerte
1.1 Vollständigkeit
2
1.2
2
Entscheidungen
1.3
3,5
Widersprüchlichkeit
1.4 Qualifikations-
2
nutzung
1.5 Anforderungs-
2
wechsel
1.6 Körperliche
3
Abwechselung
2.1 Informationen
1
2.2
2,5
Rückmeldungen
2.3
Kommunikations-
1,5
inhalte
2.4 Unterstützung
1,5
2.5 Pausen
2,5
2.6 Störungen
3,5
2.7 Zeitlicher
2,5
Spielraum
3.1 Technik-
1,5
angemessenheit
3.2
Beeinflussbarkeit
3
der Hardware
3.3 zeitliche
3
Techniknutzung
3.4 Lern-
2
freundlichkeit
3.5 Gedächtnis-
2
belastung
3.6 Informations-
2
darstellung
Abb. 24. :
Mittelwerte der psychologischen Tätigkeitsanalyse
44
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Der Arbeitssystemwert (ASW) errechnet sich aus:
ASW = ( g*E) * 20 [%]
[ 4 ]
mit
g: absolute Gewichtung und
E:
Erfüllungsgrad
Das Bewertungsschema von 1 bis 5 kann so in Prozentwerte umgewandelt werden, also in wie
weit die Anforderungen aus der Fragestellung erfüllt sind.
Der Erfüllungsgrad E wurde innerhalb des Softwaretools berechnet für das Intervall von 0 bis
5 aus:
E = 6 B
[ 5 ]
mit B: Bewertung
Die Gewichtung der einzelnen Fragen aus dem Teilbereich ,,psychologische
Tätigkeitsanalyse" kann über die schon erwähnte ,,Schablone zum Arbeitsblatt 1" aus BEBA
hergeleitet werden.
Analog zum Beispiel 4.3.2.1. können für alle Fragen des gesamten Bereichs ,,psychologische
Tätigkeitsanalyse" auch absolute Gewichtungsfaktoren ermittelt werden. Diese ergeben sich
aus der Anzahl der grauen Flächen der Fragen im Verhältnis zur Anzahl der grauen Flächen
innerhalb des gesamten betrachteten Bereiches.
Daraus ergeben sich folgende Gewichtungen für die Fragen des Bereiches der
psychologischen Tätigkeitsanalyse:
Gewichtungen aus
Gewichtungen im
BEBA
Softwaretool
Vollständigkeit 3/53
18/34
Ar
Entscheidungen 2/53
10/34
beits
Widersprüchlichkeit 3/53
18/34
auf
Qualifikationsnutzung 3/53
18/34
gabe
Anforderungswechsel 3/53
18/34
Körperliche Abwechselung
3/53
18/34
Informationen 3/53
15/33
Ar
beits
Rückmeldungen 3/53
15/33
Kommunikationsinhalte 2/53 10/33
or
ganis
Unterstützung 3/53
15/33
Pausen 4/53
20/33
atio
Störungen 2/53
10/33
Zeitlicher Spielraum
3/53
19/33
T
Technikangemessenheit 3/53 19/33
e
c
Beeinflussbarkeit der Hardware
2/53
12/33
hnik
zeitliche Techniknutzung
2/53
12/33
nutz
Lernfreundlichkeit 3/53
19/33
ung
Gedächtnisbelastung 3/53
19/33
Informationsdarstellung 3/53 19/33
Abb. 25. :
Tabelle: Gewichtungen für den gesamten Bereich der psychologischen Tätigkeitsanalyse nach BEBA
45
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Das Ergebnis aus den jeweiligen Fragen kann so entsprechend gewichtet und die vergebenen
Noten bzw. Erfüllungsgrade gegeneinander nach Wichtigkeit verglichen werden. Zumindest
soweit es darum geht den kritischen Bereich zu identifizieren.
Die gewonnen Gewichtungen aus der BEBA Schablone konnten so nicht auf einer Ebene in
das Softwaretool übertragen werden.
Wie schon erwähnt, führten die Einschränkungen des Programms zu einer notwendigen
Unterteilung des gesamten Bereiches der psychologischen Tätigkeitsanalyse in die
Unterpunkte Arbeitsaufgabe, Arbeitsorganisation und Techniknutzung. Die für die
Unterpunkte errechneten Gewichtungen wurden schließlich auch durch das Softwaretool
normiert. Diese Werte finden sich dementsprechend in der rechten Spalte ,,Gewichtungen im
Softwaretool" der Tabelle in Abbildung 25.
Aufgrund dieser Daten werden danach die Kreissektordiagramme (KSD) für die Auswertung
der jeweiligen Arbeitsplatztypen erstellt. Die Gewichtung floss hier über die Größe des
Winkels ein. Der Erfüllungsfaktor über den Radius.
Über die KSDs konnten die meisten kritische Bereiche schnell identifiziert werden.
Danach sollten Handlungsvorschläge formuliert werden, welche Änderungen im Bereich der
Arbeits(platz)organisation vorzunehmen sind, um die Mängel zu beheben.
Weiterhin wurde die Auswertung durch einen Interpretationstext ergänzt. Basierend auf den
Erfahrungen der Interviews während der Untersuchung wurde versucht die geführten
Gespräche und gewonnen Eindrücke während der Begehung zu dokumentieren. Zudem
wurde eine hermeneutische Interpretation für den jeweiligen Arbeitsplatztypen in einem
knappen Fließtext wiederzugeben.
Angehängt wurden schließlich noch die Tätigkeitsmerkmale der entsprechenden Abteilungen.
In Kapitel 4.4 wird dies am Beispiel der Untersuchung des Call-Centers verdeutlicht.
Darüber hinaus wurden die verschiedenen Arbeitsplatztypen in Säulendiagrammen einander
gegenübergestellt. Hierfür wurden Mittelwerte für den Bereich der psychologischen
Belastung errechnet bzw. konnten diese aus dem Softwaretool ausgelesen werden.
Die Mittelwerte aus dem Softwaretool sind aufgrund der schon erwähnten Einschränkungen
bezüglich der Zahlenwerte recht ungenau, verschaffen aber einen guten Überblick über die
Qualität der psychischen Belastung der jeweiligen Arbeitsplatztypen.
Aus der Gegenüberstellung kann so auch ein betriebsinterner Trend erkannt und unter- bzw.
überdurchschnittlich bewertete Bereiche erkannt werden.
Notwendiger Handlungsbedarf kann so auf betriebsinternen Maßnahmen bestehen, die in
anderen Abteilungen erfolgreich waren.
46
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
4.4. Beispielhafte Darstellung
Die beispielhafte Darstellung der Untersuchung der psychischen Belastung soll anhand des
Call-Centers dargestellt werden.
[Der gesamte Kriterienkatalog mit den detaillierten Ergebnissen liegt in Anhang 1 bei.]
Das Gesamtergebnis basiert aus den Befragungen von 2 Call-Center Mitarbeiterinnen und
einem Teamleiter, welches vom IADM-Team in Anlehnung an den Vorschlag von BEBA-B
zusammengeführt wurde.
Hier nun die Kreissektordiagramme (KSD), einmal das der Call-Center Mitarbeiterinnen,
sowie das des Teamleiters und das Gesamtergebnis für den Bereich der psychologischen
Tätigkeitsanalyse.
Die Bewertungen sehen im Kreissektordiagramm (KSD) folgender Maßen aus:
Abb. 26. :
Kreissektordiagramm (KSD) des Call-Center Teamleiters
47
Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Abb. 27. :
Kreissektordiagramm (KSD) der Call-Center Mitarbeiterinnen
Abb. 28. :
Kreissektordiagramm (KSD) des Call-Center Gesamt
Die Bewertungsskala von 1 bis 6 stellen die umgerechneten jeweiligen Erfüllungsgrad dar,
wie in Kapitel 4.3.3. schon beschrieben.
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Auffällig in den KSDs sind die Unterschiede im ersten Bereich, der Arbeitsaufgabe. Dies
bestätigt die Unterscheidung zwischen Teamleitung und Mitarbeiterinnen. Dennoch sollte hier
von einem Bereich Call-Center gesprochen werden können.
Zahlenmäßig sind im Call-Center mehr Mitarbeiterinnen beschäftigt als Teamleiter.
Folglich hat das Ergebnis der Befragung der Call-Center Mitarbeiterinnen ein höheres
Gewicht eingenommen.
Bei der Behebung von Schwachstellen kann teilweise das Ergebnis des Teamleiters für die
Umsetzung von Gestaltungsmaßnahmen Beispiele liefern, wie z.B. bei den Punkten
Vollständigkeit, Anforderungswechsel oder körperliche Abwechslung.
Anschließend nun der entsprechende Bericht zur psychologischen Tätigkeitsanalyse mit
zusätzlichen Bewertungen, die auch auf den Beobachtungen während der Begehung basieren,
die nicht durch den standardisierten Fragebogen festgehalten werden konnten. Auch wenn
hier schon zum Teil Verbesserungsvorschläge gemacht werden, liegt der Schwerpunkt des
Kurztexts auf der Analyse des Call-Centers:
,,Im Call-Center findet sich ein stark arbeitsteiliger Arbeitsprozess, der sich durch eine
monotone und weitestgehend vorstrukturierte Tätigkeit auszeichnet. 60 bis 75% der
Zeit führen die Mitarbeiter/innen Aufgaben (Telefondienst) aus. Ein Wechsel zwischen
anforderungsverschiedenen Aufgaben, sowie eine körperliche Abwechslung kommen
kaum vor, da fast 100% der Arbeitszeit am Computer verbracht wird.
Das Arbeitstempo ist für die Tätigkeit im Call-Center größtenteils fremdbestimmt, d.h.
von außen durch die Häufigkeit und Dauer der Anrufe bzw. Telefonate vorgegeben.
Ein variabler bzw. selbstgewählter Zeitanteil der Arbeit mit der Technik ist so nicht
gegeben. Die Entgegennahme der Anrufe erfordert ein permanentes Einstellen auf die
Bedürfnisse und Probleme der Anrufer/innen mit der für den Servicebereich
geforderten ständigen Freundlichkeit.
Die Einschätzungen zeigen deutlich eine nicht ganzheitlich ausgelegte Arbeitsaufgabe.
Zusätzliche Befragung wurden zur Tätigkeit eines Teamleiters durchgeführt, der neben
des normalen Telefondienstes noch organisatorische und projektorientierte Aufgaben
zu erfüllen hatte. Dabei ergaben sich gerade bei den Schwerpunkten der psychisch
belastenden Faktoren (Merkmale: Vollständigkeit der Arbeitsaufgabe, Wechsel
zwischen unterschiedlichen Arbeitsanforderungen, zeitlicher Spielraum bei der
Erledigung von Arbeitsaufgaben) deutlich positivere Aussagen.
Insgesamt stellt sich ein für Call-Center typisches Bild einer hochbelastenden Tätigkeit
dar. Dieser Zustand ist der Call-Center-Leitung durchaus bewußt und es werden
umfangreiche qualifizierende Schulungen, aber auch motivationsfördernde
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Gemeinschaftsveranstaltungen angeboten. Bei allen befragten Beschäftigten wurde
immer wieder eine gute Ausbildung bestätigt. Auffrischungsseminare und
Weiterbildungen werden ausreichend angeboten und auch genutzt. Der Ausdruck
,,Team" wird von den Befragten akzeptiert, da die Unterstützung, z.B. bei Auftreten
eines Problems, durch das Team auch gegeben ist. Häufig werden gemeinschaftliche
Aktivitäten, wie Spiele- und Wochenendfreizeiten angeboten. Die Angaben zu den
Merkmalen Unterstützung, Feedback und arbeitsbedingte Kommunikation deuten
darauf hin, daß diese Maßnahmen in der Tat das Gemeinschafts- und
Identifikationsgefühl verbessern.
Im Hinblick auf die Verbesserung des Telefonservices kritisierten die Mitarbeiter ihre
ungenauen Zielgebietskenntnisse, Dienstreisen in die Zielgebiete würden Motivation
und Qualität verbessern.
Tätigkeitsmerkmale:
Vor-/Nacharbeit der eigenen Aufgabe
Zeitanteil =
5 - 10 %
Ausführende Tätigkeiten
Zeitanteil =
60 - 75 %
Kontrollierende Tätigkeiten
Zeitanteil =
5 - 20 %
Organisatorische Tätigkeiten
Zeitanteil =
10 - 15 %"
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4.5. Vergleichende Darstellung
Die Analyse der psychischen Belastung am BAP bei der TUI wurde in 11 Abteilungen
durchgeführt. Zwei Bereiche entfielen bei der weiteren Auswertung, da nur eine Person
befragt wurde und so eine Anonymisierung der Daten nicht gut möglich ist.
Die aus dem Softwaretool abgelesenen Ergebnisse für den Arbeitssystemwert geben einen
Überblick über die Qualität der psychischen Belastungen in den untersuchten
Arbeitsbereichen.
Verkaufs-
Qualitäts-
Produkt-
Agentur-
Werbemittel- Operativer Call-
Verkehrs-
unterstützung management management buchhaltung produktion
Verkauf
Center zentrale Infotec
71 72 72 77 74
81
66
80
77
Abb. 29. :
Tabelle: Typenvergleich psychologische Tätigkeitsanalyse
Abb. 30. :
Folie des Typenvergleichs psychologische Tätigkeitsanalyse
Hierüber kann grob eine Rangfolge der Qualität der Arbeitsorganisation begründet werden je
nach Höhe des Arbeitssystemwert. Mitentscheidend für das Ergebnis ist natürlich auch die aus
den Beobachtungen während der Begehung gewonnenen Erkenntnisse.
Das Call-Center schneidet hier am schlechtesten ab und ist so eine psychisch hochbelastende
Tätigkeit. Wie in Kapitel 4.4. Beispielhafte Darstellung gezeigt, wird dies nicht nur über reine
Zahlenwerte begründet.
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Vorbildlich erscheint nach der oberen Grafik der ,,Operativer Verkauf" sowie die
,,Verkehrszentrale" mit einem Arbeitssystemwert um 80%.
Abb. 31. :
KSD - Operativer Verkauf
Abb. 32. :
KSD - Verkehrszentrale
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Die entsprechenden Kreissektordiagramme weisen in der Tat große Unterschiede zum schon
dargestellten Call-Center auf.
Die Tätigkeiten im Operativen Verkauf und auch in der Verkehrszentrale können flexibeler
durchgeführt werden, da auch der eigene Entscheidungsspielraum größer ist, als im Call-
Center.
In den Bereichen ,,Wechsel der Anforderungen" und ,,Körperliche Abwechslung" wird
deutlich, daß die Arbeitstätigkeit im Operativen Verkauf/Verkehrszentrale vielfältiger ist als
im Call-Center.
Generell kann gesehen werden, daß sich die grossen Unterschiede im ersten Bereich, dem der
Arbeitstätigkeit befinden, siehe Abbildung 23 ,,Tabelle: Ergebnis der psychologischen
Tätigkeitsanalyse basierend auf BEBA (ohne Gewichtung der Fragen)".
Zur Verdeutlichung noch mal die Säulendiagramme für den einzelnen Bereiche
Arbeitstätigkeit, Arbeitsorganisation und Techniknutzung:
Bereich Arbeitstätigkeit
100
Agenturbuchhaltung
Call-Center
Infotec
90
Operativer Verkauf
Produktmanagement
Qualitätsmanagement
80
Verkehrszentrale
Verkaufsunterstützung
70
Werbemittelproduktion
60
50
40
30
20
10
0
Vollständigkeit
Entscheidungen
Widersprüchlichkeit
Qualifikationsnutzung
Anforderungswechsel
Körperliche
Abwechselung
Abb. 33. :
Psychologische Tätigkeitsanalyse Bereich Arbeitstätigkeit
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Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Bereich Arbeitsorganisation
100
Agenturbuchhaltung
Call-Center
Infotec
Operativer Verkauf
Produktmanagement
Qualitätsmanagement
90
Verkehrszentrale
Verkaufsunterstützung
Werbemittelproduktion
80
70
60
50
40
30
20
10
0
Informationen
Rückmeldungen
Kommunikationsinhalte
Unterstützung
Pausen
Störungen
Zeitlicher Spielraum
Abb. 34. :
oben: Psychologische Tätigkeitsanalyse Bereich Arbeitsorganisation
Abb. 35. :