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Woyzeck - Exemplarische Ausschnitte und ihre Interpretation

Termpaper, 2002, 19 Pages
Author: Matthias Altmannsberger
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 19
Grade: 2
Language: German
Archive No.: V10553
ISBN (E-book): 978-3-638-16943-1

File size: 168 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Regensburg
Philosophische Fakultät IV
Sprach- und Literaturwissenschaften
WS 02/03
Matthias Altmannsberger

Woyzeck
Exemplarische Ausschnitte und ihre Interpretation

 

Inhaltsverzeichnis

I Vorwort S. ... 1
II Interpretation
... 2

1. Das Verhältnis zwischen Marie und Woyzeck in der 4. Szene S. ... 3-5
2. Das Entstehen der Gewalt in der 4. Szene S.  ... 5-6
3. Die vergebliche Kommunikation in der 1. Szene S.  ... 6-8
4. Die Gewalt in der 14. Szene S.  ... 8-11
5. Das Verhältnis Woyzecks zum Doktor und ihre Parallelen in der 8. Szene S.  ... 11-12
6. Die Gewalt des Doktors in der 8.Szene S.  ... 12-14

III Nachwort S.  ... 15
IV Literaturverzeichnis S.  ... 16
V Fußnoten S.  ... 17-18

 

Vorwort

Brief Büchners an die Eltern:

Straßburg, den 1.Januar 1836 
Ich komme vom Christkindelsmarkt, überall Haufen zerlumpter, frierender Kinder, die mit aufgerissenen Augen und traurigen Gesichtern vor den Herrlichkeiten aus Wasser und Mehl, Dreck und Goldpapier standen. Der Gedanke, daß für die meisten Menschen auch die armseligsten Genüsse und Freuden unerreichbare Kostbarkeiten sind, machte mich sehr bitter.

Wer war Georg Büchner? Wer äußert sich als Bürger und angesehener Mediziner in derartiger Weise über das Schicksal von Menschen, welche in der gesellschaftlichen Hierarchie weit unter ihm stehen? Georg Büchner zählt zu den Menschen, die im bürgerlichen Hause - sein Vater war Arzt- aufwuchsen und die Spaltung einer Gesellschaft registrierte, die der unteren Schicht eine miserable soziale Situation im Verlauf des Vormärz verschaffte. Er war es auch, der die „Gesellschaft für Menschenrechte“ 1834 gründete und vergeblich versuchte die Bauern in demselben Jahr mit der Flugschrift „Der Hessische Landbote“ aufzurütteln, um die sozialen Missstände im Land aufzuheben. Doch er war seiner Zeit voraus. Die Menschen waren noch nicht bereit für einen Umschwung - erst 1848 findet die deutsche Revolution statt. Wegen seiner „umstürzlerischen Absichten“ musste Büchner vor der Justiz nach Frankreich fliehen. In Straßburg bringt er seinen „Woyzeck“ zu Papier - einer Aufarbeitung eines real geschehenden Mordfalls - , welcher uns als nicht vollendetes Fragment zurückbleibt.

Mit diesem Drama gelingt es Büchner ein kritisches Bild der damaligen Lebensumstände aufzuzeigen. Der Leser wird mit einer Welt konfrontiert, in welcher jeder einzelne vom universellen Gewaltsystem betroffen ist, in der keine Kommunikation mehr stattfinden kann, ein jeder am anderen vorbei lebt. Büchners Drama kann also als sozialpsychologische Tragödie aller Menschen bezeichnet werden, da selbst in der Oberschicht eine Kommunikationskatastrophe herrscht.

Interpretation

II 1.
Marie sitz, ihr Kind auf dem Schooß, ein Stückchen Spiegel in der Hand. 

Woyzeck trifft in dieser Szene mit Marie zusammen, die kurz zuvor ihre neuen Ohrringe bewundert hat. Seltsamerweise zuckt jene allerdings zusammen, wie sich aus den Regieanweisungen entnehmen lässt, als Woyzeck in das Zimmer eintritt.1 Marie kann ihrem Lebensgefährten nicht die Wahrheit sagen, als dieser wissen möchte, was sie in der Hand habe. Die Tatsache, dass Marie Woyzeck nur mit einer Lüge eine Antwort bieten kann („Nix“2), und ihm stattdessen nicht von der Herkunft ihrer neu erhaltenen Ohrringe berichtet, deutet auf ein Kommunikationsproblem in der Beziehung Marie-Woyzeck hin. Woyzeck allerdings will sich nicht mit der Antwort begnügen, und sucht erneut den Kommunikationsanschluss. Dieser wiederholte Versuch macht zugleich deutlich, dass Woyzeck ein Bedürfnis nach Kommunikation hat und den entsprechenden Anschluss bei seiner ihm intimsten Vertrauten sucht. Die wiederholte Lüge Maries, die das Ohrringlein gefunden haben will, ist ein weiterer Indiz für das Kommunikationsproblem zwischen Protagonist und Antagonist. Marie, die in ihrer sozialen Situation als materiell unbefriedigte Frau und Mutter der unteren Gesellschaftsschicht im Vergleich mit anderen „großen Madamen“3 ihre Identifikation sucht, scheint derart durch ihre Probleme betroffen zu sein, dass sie selbst mit dem Vater ihres Sohnes keinen Dialog führen kann, der zur eventuellen Lösung beitragen könnte. Sie geht einer Klärung der undurchsichtigen Verhältnisse aus dem Weg. Woyzeck hingegen sucht weiterhin den Kommunikationsanschluss, indem er darauf aufmerksam macht, dass er „so noch nichts gefunden4“ habe. Erst jetzt nimmt Marie indirekt Stellung zu den Andeutungen Woyzecks, die eine Herkunftserklärung der Ringe, die für Maries Lebensverhältnisse wahrscheinlich sowieso nicht zu gebrauchen wären5, fordern: Marie stellt die aggressive Frage, ob sie ein Hure sei („Bin ich ein Mensch?)6, und gesteht Woyzeck dadurch ihr Verhältnis mit dem Tambourmajor. Man möchte nun erwarten, dass Woyzeck eine Erklärung dieser für ihn mit Sicherheit sehr verletzenden Vorkommnisse erwartet, stattdessen jener aber einem eventuellen Konflikt und der möglichen Klärung der bestehenden Verhältnisse in einem Gespräch aus dem Wege geht. Seine Aussage, „(s)’ist gut, Marie“7, gibt zu verstehen, dass er es gar nicht wissen will. Sein Verzicht auf die Erklärung für Maries Verhältnis zeigt zum einen eine Selbstschutzfunktion vor einem Konflikt, den Woyzeck nicht austragen kann und möchte, da er gehetzt, keine Zeit hat und wieder „fort“8 muss. 

 

[...]


1) Büchner, Woyzeck. Studienausgabe (BWst) : S.15
2) Ebd.
3) Ebd.
4) BWst: S. 16
5) Meier, Georg Büchner (M): S.36
6) BWst: S. 16
7) Ebd.
8) Ebd.


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