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Skilled Out? Über die Bedeutung von ökonomischem Kapital, Humankapital und Sozialkapital

Autor: Stephan Pflaum
Fach: Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

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Details

Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 119
Note: 1,5
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 377 KB
Archivnummer: V10599
ISBN (E-Book): 978-3-638-16976-9

Textauszug (computergeneriert)

Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Soziologie

Skilled Out?
Über die Bedeutung von ökonomischem Kapital,
Humankapital und Sozialkapital

Freie wissenschaftliche Arbeit
zur Erlangung des Grades eines Diplom-Soziologen
an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät
der Ludwig-Maximilians-Universität zu München

Eingereicht von

Stephan Pflaum

Vorgelegt am: 25.11.2002

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung ... 2

2 Kapitalrente und Klassenanalyse ... 6
2.1 Der total wealth von Akteuren ... 6
2.2 Über Kapitalrenten, antagonistische Interessen und Ausbeutung ... 10
2.3 Stärken und Schwächen der Theorie ... 14

3 Die Erweiterung des total wealth-Konzepts ... 23
3.1 Die Bedeutung von ökonomischem Kapital ... 23
3.1.1 Die Eigenschaften von ökonomischem Kapital ... 23
3.1.2 Die Investition in ökonomisches Kapital ... 24
3.1.3 Die Renten aus ökonomischem Kapital ... 25
3.1.4 Zusammenfassung ... 38
3.2 Die Bedeutung von Humankapital ... 39
3.2.1 Die Eigenschaften von Humankapital ... 40
3.2.2 Die Investition in Humankapital aus individueller Sicht ... 42
3.2.3 Die Investition in Humankapital aus relationaler Sicht ... 45
3.2.4 Die Renten aus Humankapital ... 49
3.2.5 Zusammenfassung ... 59
3.3 Die Bedeutung von Sozialkapital ... 62
3.3.1 Die Eigenschaften von Sozialkapital ... 63
3.3.2 Die Investition in Sozialkapital aus individueller Sicht ... 66
3.3.3 Die Investition in Sozialkapital aus struktureller Sicht ... 70
3.3.4 Die Renten aus Sozialkapital ... 76
3.3.5 Zusammenfassung ... 85

4 Die Wechselwirkungen von ökonomischem, Human- und Sozialkapital ... 88
4.1 Humankapital als Funktion von Sozialkapital ... 89
4.2 Exkurs: Kulturkapital statt Humankapital? ... 92
4.3 Ökonomisches, Humankapital, Sozialkapital und status attainment ... 95
4.4 Zusammenfassung: Das 3K-Modell vom total wealth ... 98

5 Zusammenfassung und Ausblick: Was bleibt von den Klassen? ... 104

6 Literatur ... 110

Verzeichnis der Abbildungen ... 117


1 Einleitung


„Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und es sich einfallen ließ, zu sagen: dies ist mein und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der wahre Gründer der bürgerlichen Gesellschaft.(…) wie viel Not und Elend (…) hätte derjenige dem Menschengeschlecht erspart, der die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: ‚Hütet euch, auf diesen Betrüger zu hören; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass die Früchte allen gehören und die Erde niemandem.“1

Mit diesen Worten beginnt Jean Jacques Rousseau eines der Kapitel in seinem Diskurs über die Ungleichheit unter den Menschen. Sie machen ihn zum Wegbereiter der soziologischen Klassenanalyse. Bei Rousseau ist das Eigentum an Ressourcen – hier an Boden – der Grundstein für die Entstehung sozialer Klassen. Mit dem Eigentum eines Akteurs an einer Sache – das macht das Bild von den Pfählen und dem Graben deutlich – ist der Ausschluss anderer Akteure von dieser Sache und damit von deren Nutzen verbunden. Über das Eigentum entsteht dem Eigentümer so ein Vorteil, der zugleich ein Nachteil für den oder die Eigentumslosen ist.

Die Idee vom Eigentum und der damit verbundenen Entstehung von sozialen Klassen wird ein gutes Jahrhundert später von Karl Marx fortgeführt. Ähnlich Rousseau gibt es auch in seinem Gesellschaftsbild eine Klasse von Eigentümern, die Kapitalisten und eine Klasse von Eigentumslosen, die Arbeiter. Der Grundtenor der urmarxistischen Theorie ist bekannt: Da Angehörige der Arbeiterklasse über kein oder zumindest über kein ausreichendes Maß an Kapital zur Sicherung ihrer Existenz verfügen, sind sie gezwungen, ihre Arbeitskraft an die Kapitalisten gegen die Zahlung eines Lohns zu verkaufen. In diesem System, wie Karl Marx es beschreibt, kommt es zur Ausbeutung der Arbeiter, da sich die Kapitalisten des Mehrwerts der Arbeit bedienen. Der Mehrwert entsteht, da die Arbeiter länger für den Kapitalisten arbeiten, als zur Existenzsicherung erforderlich wäre. Er ist mit anderen Worten eine Rente, die durch den Faktor Arbeit entsteht, aber auf Seiten des Kapitals zu Buche schlägt. Diesen Tatbestand bezeichnet Karl Marx als Ausbeutung, die zwangsläufig zu antagonistischen Interessen zwischen der Klasse der Arbeiter und der Klasse der Kapitalisten führt.2 Wie bei Jean Jacques Rousseau ist auch bei Karl Marx das Eigentum an Ressourcen der Ausgangspunkt allen Übels.

Zu den ersten großen Kritikern der marxistischen Theorie darf Max Weber gezählt werden. Er kritisiert die Einteilung der Gesellschaft in nur zwei Klassen, wie Karl Marx sie vornimmt, und das mit dieser Einteilung verbundene Verständnis von Klasse als Schicksalsgemeinschaft. Max Weber setzt dem seine Sichtweise von Klasse als Lebenschance entgegen. Diese Chance wird definiert als das Kapitalvolumen, das einem Akteur zur Verfügung steht. Das Kapital ist auch bei Max Weber in der Gesellschaft ungleich verteilt. Aber wie das Wort Chance zum Ausdruck bringen soll, ist mit dieser Ungleichverteilung kein unausweichliches Klassenschicksal verbunden. Das ungleich verteilte Kapital schafft und begrenzt ökonomische und soziale Handlungsspielräume gesellschaftlicher Akteure unterschiedlich und hat bis zu einem gewissen Grad auch Einfluss auf deren Interessenlage, doch von einem kollektiven Klasseninteresse ist bei Max Weber keine Rede. Im Vordergrund stehen Akteure mit möglicherweise ähnlichen sozioökonomischen Ausgangslagen, aber daher nicht notwendigerweise gleichen Interessenlagen. Aus diesem Grund sieht Max Weber auch keine Grundlage für strukturell bedingte Ausbeutung und ihr entsprechende antagonistische Interessen.3

Die gegensätzlichen Positionen von Karl Marx und Max Weber teilen noch heute die soziologische Klassenanalyse in zwei Lager. In „Toward a Sounder Basis for Class Analysis“4 und einer Reihe weiterer Aufsätze5 unternimmt Aage B. Sørensen den Versuch, beide Ansätze der Klassenanalyse auf eine gemeinsame theoretische Grundlage zu stellen. Mit seinem Konzept vom total wealth übernimmt er von Max Weber dessen Definition von Lebenschance und stellt ausgehend davon über das Prinzip der ökonomischen Rente eine Verbindung zu den Elementen der Ausbeutung und den antagonistischen Interessen der marxistischen Klassenanalyse her.

Dieser viel versprechende Ansatz ist auch Ausgangspunkt dieser Arbeit. Im ersten Abschnitt soll daher zunächst die rentenbasierte Klassenanalyse nach Sørensen unter Berücksichtigung ihrer Stärken und Schwächen nachgezeichnet werden. Das von Aage B. Sørensen eingeführte allgemeine Modell des total wealth von Akteuren wird im zweiten Abschnitt in die Faktoren ökonomisches, Human- und Sozialkapital aufgeteilt. Von Interesse sind dabei die spezifischen Eigenschaften der genannten Kapitalformen, die Investition von Akteuren in und die Entstehung von Renten aus diesen Ressourcen. Vor diesem Hintergrund wird diskutiert, ob mit diesen Renten Momente der Ausbeutung und antagonistische Interessen verbunden sind, so wie Aage B. Sørensen sie sieht.

Darauf aufbauend werden die Wechselwirkungen zwischen ökonomischem-, Human- und Sozialkapital zu untersuchen sein. Dies geschieht vor dem Hintergrund der Ansätze von James S. Coleman, der Humankapital als eine Funktion von Sozialkapital sieht6, und von Pierre Bourdieu mit seinem Versuch, Humankapital durch Kulturkapital zu ersetzen.7 Der Abschnitt endet mit dem Entwurf eines status attainment-Modells in Anlehnung an das ursprüngliche Modell nach Blau und Duncan8 und einer Zusammenfassung der Faktoren ökonomisches, Human- und Sozialkapital zu einem erweiterten Konzept des total wealth.

Die Arbeit schließt mit einer Diskussion der Frage, was letzten Endes von den Klassen bleibt. Lassen sich anhand des total wealth und den für Akteure damit verbundenen Opportunitäten und Restriktionen Klassen ableiten oder führt er nicht vielmehr zur Erkenntnis, dass der Begriff der Klasse in der heutigen Gesellschaft ausgedient hat?

[...]


1 Rousseau (1993), S. 165

2 Vgl. Marx (1998), (20012), a.a.O.

3 Vgl. Weber (1976), a.a.O.

4 Vgl. Sørensen (2000), a.a.O.

5 Vgl. Sørensen (1996), (1998), (i.E.), a.a.O.

6 Vgl. Coleman (1988), (1990), a.a.O.

7 Vgl. Bourdieu (1983), (199911), (2000), a.a.O.

8 Vgl. Blau / Duncan (1967), a.a.O.

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