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Research Paper (Pre-University), 2002, 16 Pages
Author: Jan Schulze
Subject: Physics
Details
Year: 2002
Pages: 16
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-04407-8
File size: 401 KB
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Fulltext (computer-generated)
3
Das Doppelspaltexperiment in der Quantenmechanik
Einleitung
Jahrhunderte lang waren Naturwissenschaftler der Auffassung, ein
System von Teilchen sei rein deterministisch, d.h. bei Wissen um seinen
Ausgangszustand vollständig berechenbar. Diese klassische Mechanik,
welche durch Newton begründet wurde, dominierte das physikalische
Denken von Beginn des 18. Jahrhunderts bis Ende des 19. Jahrhun-
derts. Was aber geschah zu dieser Zeit, dass diese Vorstellung ins
Wanken geriet? Durch Newtons Autorität als Präsident der Royal
Society wurde die Vorstellung von einer deterministischen Welt gefestigt
und nur von wenigen angezweifelt. Newton war unter anderem der
Ansicht, das Licht besitze eine korpuskulare Natur, es sei also ein
Teilchen. Einige Experimente, so der Young′sche Doppelspaltversuch,
welchen ich im weiteren näher untersuchen möchte, zeigten jedoch zur
Überraschung der Naturwissenschaftler, dass Licht eine Wellennatur
besitzt, da Licht in der Lage ist, mit anderem Licht auf die Art und Weise
zu interferieren, wie es Wasserwellen für gewöhnlich tun. Wenig später
wurden Experimente durchgeführt, die wiederum die Teilchennatur von
Licht zeigten. Bei diesen Experimenten wird eine Kathode mit
hochfrequentem Licht bestrahlt, so dass Elektronen aus der Kathode
herausgestoßen werden und so auf eine Anode treffen: die Folge war
messbarer Stromfluss (vgl. photoelektrischer Effekt)
1)
. Da dies keine
Welleneigenschaft ist, muss das Licht auch Teilchencharakter besitzen.
Durch all diese neuen Erkenntnisse, und unter anderem auch mit Hilfe
von Max Plancks Forschungsergebnissen bezüglich der Energie-
quantisierung, wurden die Grundlagen der Quantenmechanik
geschaffen. Die Quantenmechanik ist noch immer eines der modernsten
Gebiete der Physik, ohne welches die heutige Technologiestufe unserer
Zivilisation kaum erreicht worden wäre. Für uns ganz alltägliche Dinge,
beispielsweise Computer oder CD-Player, wären nie erfunden worden.
In dieser Facharbeit will ich mich aber speziell auf das Young′sche
1 Tipler, Paul: Physik. 3. korrigierte Auflage. Übersetzt aus dem Englischen. Heidelberg
1994
4
Doppelspaltexperiment und die daraus resultierenden Erkenntnisse über
Photonen und Elektronen beziehen.
Das Doppelspaltexperiment mit Teilchen
2
)
Das Doppelspaltexperiment mit Teilchen ist
schnell beschrieben: als Beispiel greife ich
auf die Idee Richard Feynmans zurück,
welche er in seinen ,,Lectures on Physics"
zum Illustrieren verwendet hat: ein
Maschinengewehr schießt kontinuierlich
Geschosse mit einer groben, rein zufälligen
Streuung auf den Doppelspalt.
3)
Die
Geschosse, die durch die Barriere hindurchgelangen, werden von
Detektorbüchsen aufgefangen und nach einer hinreichenden Anzahl an
insgesamt abgeschossenen Projektilen (denn nur das gibt
aussagekräftige Werte für Statistiken) ausgezählt. So ergibt sich eine
Wahrscheinlichkeitsverteilung für das Auftreffen der Projektile in den
einzelnen Detektorbüchsen. An den äußeren Rändern der Detektorreihe
kommen statistisch gesehen weniger Geschosse an als in der Mitte, da
die Mitte durch beide Spalte am günstigsten getroffen werden kann, die
Ränder im Regelfall jedoch nur durch den ihnen am nächsten gelegenen
Spalt getroffen werden. Zu vergleichen ist dieses Teilchenverhalten auch
mit Billardkugeln, die von der Bande (hier der Spalt) abprallen und dabei
ständig gerade Bahnen zurücklegen. Die Projektile des imaginären
Maschinengewehrs können ebenso wie die Billardkugeln von den
Innenkante der Spalte abprallen und so abgelenkt werden. Wegen des
Winkels ist es nun wahrscheinlicher, dass das Projektil in Richtung der
Mitte der Reihe mit Detektorbüchsen abgelenkt wird. Das
Doppelspaltexperiment mit Teilchen ist also mit der klassischen
Mechanik lückenlos zu erklären. Deshalb ist dieses Beispiel sehr
geeignet, um die Eigenschaften eines deterministischen Systems zu
beschreiben. Bei Wissen um den Abschusswinkel kann man den
2 Hey, Tony: Das Quantenuniversum, 2. Auflage, Spektrum Akademischer Verlag,
Heidelberg 1998
3 Feynman, Richard: Lectures on Physics, Vol. 3. Englische Originalausgabe, Addison-
Wesley Publishing Company, Menlo Park, California, USA 1965
5
weiteren Verlauf des Teilchens voraussagen. Newtons Theorie gerät
also hier noch nicht ins Wanken.
Das Doppelspaltexperiment mit Wellen
4)
Im Gegensatz zu dem Versuch mit Teilchen
ist das Doppelspaltexperiment mit Wellen
ungleich interessanter, da zum ersten Mal
eine Interferenzerscheinung auftritt. Der
Wellenerreger vor dem Damm erzeugt eine
Kreiswelle im Wasser, die an den beiden
Lücken in der Barriere wiederum
Kreiswellen erzeugt (vgl. Huygenssches Prinzip). Hinter der
Doppelspaltbarriere sind dieses Mal keine Auffangbüchsen installiert,
sondern Bojen, die auf der Wasseroberfläche schwimmen und so immer
die jeweilige Wasserhöhe an einer Stelle angeben. Auf dem Weg von
der Doppelspaltbarriere zu den Bojen haben die beiden Kreiswellen
Gelegenheit miteinander zu interferieren. Dabei gilt aus der klassischen
Mechanik: die Amplituden der Wellen addieren sich in jedem Punkt. So
wird aus zwei Wellenbergen ein doppelt so hoher Wellenberg, bei zwei
Wellentälern ein doppelt so tiefes Wellental. Ebenso gilt auch, dass sich
Wellental und Wellenberg ausgleichen. Die Überlagerung der Wellen
bildet also ein aus der klassischen Mechanik wohlbekanntes Interferenz-
muster (siehe Abb. 5).
Dieses erhält man, indem man die
5)
Bewegung der Bojen in einem Moment
maximaler Amplitude ,,einfriert" und frontal
betrachtet. Wellental und Wellenberg
wechseln einander ab, das Interferenz-
muster ist typisch für Wasserwellen. Der Unterschied zwischen dem
Versuch mit Teilchen und dem mit Wasserwellen ist also, dass es bei
Teilchen zu keiner Interferenz kommen kann, da sie immer einzeln
4 / 5 Hey, Tony: Das Quantenuniversum, 2. Auflage, Spektrum Akademischer Verlag,
Heidelberg 1998
6
abgeschossen werden. Wellen jedoch können durchaus miteinander
interferieren.
Das Doppelspaltexperiment im Schulexperiment
Da kein Doppelspalt zur Verfügung steht, um die Beugung von
Elektronen experimentell nachzuweisen, geschieht selbiges mit einer
polykristallinen Graphitfolie als Beugungsgitter, also praktisch mit einem
,,Vielspalt".
Versuchsaufbau
6)
In einem luftleeren Glaskolben befinden sich die Hauptbestandteile der
Elektronenbeugungsröhre: die Glühkathode als Elektronenquelle, die
Anode mit Beugungsgitter als ,,Vielspalt" und die auf die Innenseite des
Glaskolbens aufgebrachte Fluoreszenzschicht. Als Heizspannung
werden 6 Volt Gleichstrom verwendet, während man für die Anode
Spannungen im Bereich von 5 kV und mehr benutzt, um den
Elektronenstrahl verschieden stark beschleunigen zu können.
Experimente mit mehr als 5 kV sind praktisch möglich, vom Hersteller
der Beugungsröhre aber ausdrücklich untersagt. Zur Überprüfung der
Ausgangsspannung des Hochspannungsnetzgerätes schließt man noch
ein Voltmeter an, das für diesen Spannungsbereich ausgelegt ist, um bei
der Spannungsmessung einen wirklich exakten Wert zu bekommen.
6 der Anleitung zur Elektronenbeugungsröhre entnommen; Hersteller: Leybold-
Heraeus, Köln 1971
7
Des Weiteren ist zu empfehlen, die Stelle an der Fluoreszenzschicht, an
der der ungebeugte Elektronenstrahl (Primärstrahl) auftrifft, mit
Klebeband abzukleben. Durch seine Helligkeit könnte er die Sichtbarkeit
der Beugungsringe beeinträchtigen. Das Innere der Elektronen-
beugungsröhre möchte ich anhand einer weiteren Grafik erläutern:
7)
Der in der Grafik gekennzeichnete Punkt S ist der Punkt, an dem der
ungebeugte Elektronenstrahl auftrifft. UA ist die Hochspannung zum
Beschleunigen der Elektronen. UA liegt an den beiden Anoden A1 und A2
an. Zusammen mit den Kathoden K1 und K2 wird der Elektronenstrahl
gebündelt und passiert fokussiert das polykristalline Graphitgitter. Die
Elektronen gelangen von der mit Uf beheizten Kathode K1 kommend in
die Beugungsröhre. Hier liegen, wie oben schon erklärt, 6 V Gleichstrom
an.
Beobachtung
Interessant wird es natürlich erst, wenn man die beiden Spannungen
tatsächlich anlegt. Legt man zuerst die Heizspannung (Uf) an, so
erscheint ein grün leuchtender Punkt auf der Fluoreszenzschicht.
Schaltet man nun die Hochspannung dazu und regelt sie in einen
Bereich von mehreren Kilovolt, so erscheinen auf der
Fluoreszenzschicht konzentrische Ringe, die sich mit steigender
Spannung zusammenziehen. Bei 5 kV Beschleunigungsspannung
7 der Anleitung zur Elektronenbeugungsröhre entnommen; Hersteller: Leybold-
Heraeus, Köln 1971
8
beispielsweise erhält man für die beiden dem Mittelpunkt am nächsten
stehenden Ringe die Radien R1 = 1,1 cm und R2 = 1,9 cm.
Probleme bei den Messungen traten jedoch auch auf. Darauf will ich im
Folgenden eingehen.
Zum einen war die Leuchterscheinung nur hell genug, wenn ein großer
Strom floss. Dieser Strom jedoch überblendete jegliche Beugungs-
erscheinungen. Regelte man den Strom nun auf ein Minimum herunter,
dann erschienen klare Beugungsringe um den Mittelpunkt herum, aber
der Strom war zu gering, um eine ausreichende Anzahl von Elektronen
durch die Glühkathode zu verschießen. Wenige Sekunden nach
Herunterregeln des Stroms verschwanden die Beugungsringe, was eine
Messung äußerst schwierig machte. Ebenso erschwerte die fehlende
Präzision des Hochspannungstransformators das Einstellen einer
konkreten Beschleunigungsspannung. Oft schwankte die Spannung um
mehrere hundert Volt, und da die Spannung durch das Herunterregeln
des Stroms ohnehin anstieg, waren genaue Messungen schwer möglich.
Dennoch ergaben die Messungen einige Werte, die man unter
Umständen noch auswerten kann. Damit gelange ich zur Deutung.
Deutung
Die ringförmigen Leuchterscheinungen müssen durch Beugung am
polykristallinen Gitter durch Reflexion entstehen, da bei einem einfachen
Elektronenstrahl keine Interferenz und damit keine Beugung auftreten
kann. Eine Grafik veranschaulicht den Sachverhalt:
8)
Das polykristalline
Graphitgitter wird von
einem Elektronen-
strahlbündel getroffen. Um
die Vorstellung zu
8 Bergmann, Martin: Duden Physik. 4., völlig neu bearbeitete Auflage, Dudenverlag,
Mannheim 2001
9
vereinfachen, betrachte ich nur zwei Strahlen des Bündels, die unter
dem Winkel eintreffen. Die beiden Strahlen werden an zwei parallelen
Gitterebenen reflektiert und verlaufen nach der Reflexion parallel weiter,
jedoch mit einer Phasenverschiebung von
s
= 2 .
d
. sin , wie man auf
obiger Grafik erkennen kann. Die Strecke, um die die beiden reflektier-
ten Strahlen nun phasenverschoben sind, ist also abhängig von dem
Reflexionswinkel und von dem Abstand der beiden Ebenen in dem Gitter
d
. Das Elektronenstrahlbündel teilt sich folglich in mindestens zwei
parallele Strahlen auf, die jedoch phasenverschoben sind.
Die beiden Elektronenstrahlen sind ganz offensichtlich in der Lage,
miteinander zu interferieren, was auf eine Wellennatur schließen lässt.
Gerade diese Beugungsbilder, die man nun auf dem Fluoreszenzschirm
beobachten kann, sind typisch für Wellen (wie in dem Versuch mit
Wasserwellen zu sehen war). Das Bild auf dem Fluoreszenzschirm ist
der Schnitt des Beugungskegels, der durch die Reflexion und Interferenz
am Gitter entsteht.
Zu einer Interferenz kommt es, wenn die Braggsche Reflexions-
bedingung erfüllt ist. Sie lautet:
2 .
d
. sin = n .
,
wobei d der Gitterabstand (Netzebenenabstand), der Reflexionswinkel
und die Wellenlänge des Elektronenstrahls ist. n steht für eine
beliebige natürliche Zahl, bei der aufgrund der Wiederholung bei der
Phasenverschiebung ebenso Interferenz auftritt.
Auf eine weitere Gleichung kommt man mit Näherung.
9)
Die nebenstehende Grafik lässt darauf
schließen, dass die Formel
tan 2 = R / L
gilt. Für kleine Winkel, wie sie bei diesem Experiment auftreten, gilt
näherungsweise 2 . sin = R / L . Wenn man diese Gleichung in die
Braggsche Bedingung einsetzt, dann erhält man:
.
9 der Anleitung zur Elektronenbeugungsröhre entnommen; Hersteller: Leybold-
Heraeus, Köln 1971
10
Ich will nun durch diese Gleichungen und meine Messergebnisse auf die
Struktur des verwendeten Gitters schließen. Um auf die Werte für die
Abmaße des Gitters zu kommen, muss ich obige Gleichung nach d
umformen. Sie sieht dann so aus:
.
Die Entfernung L von dem Gitter bis zur Fluoreszenzschicht ist vom
Hersteller der Elektronenbeugungsröhre mit 13,5 cm ( = 0,135 m )
angegeben. Die Radien der Beugungslinien R1 = 1,1 cm und R2 = 1,9 cm
wurden bei dem Experiment gemessen. Da mir die generelle
Beschaffenheit einer Graphitschicht bekannt ist, definiere ich zwei
Abstände d1 und d2 anhand einer Grafik. d1 ist
die Strecke von einem beliebigen Punkt bis zu
einer strukturellen Wiederholung in horizontaler
Richtung, d2 ist diese Strecke mit ebensolchen
Eigenschaften in vertikaler Richtung. Diese
Entfernungen nennt man auch Symmetrie-
ebenenabstände.
Der Physiker De Broglie bekam im Jahre 1929 den Nobelpreis für seinen
Beweis der Wellennatur von Elektronen. Er hatte folgende Gleichung
aufgestellt:
.
h ist hier das Plancksche Wirkungsquantum, eine Konstante. m ist die
Masse des Teilchens, also hier des Elektrons, und v ist dessen
Geschwindigkeit. Da die Geschwindigkeit v von der Spannung abhängt,
brauchen wir die Energiegleichung für Elektronen, in der sowohl die
Spannung als auch die Geschwindigkeit Variablen sind. Die
Energiegleichung lautet:
.
Wenn man diese Gleichung nach m . v auflöst und in die Gleichung von
.
11
De Broglie einsetzt, so erhält man eine Gleichung für die Wellenlänge
der Elektronenstrahlung:
Setzt man nun die Werte der einzelnen Konstanten in die Gleichung ein,
so erhält man eine Formel zum Berechnen der Wellenlänge bei einer
beliebigen Beschleunigungsspannung genau das, was zur
Berechnung der Gitterabmessungen fehlte. Da die Spannung natürlich
nicht ausreichend genau bestimmt werden kann, ist die Formel nur ein
Näherungsversuch, welcher die Werte jedoch hinreichend beschreibt.
.
Bei der Beschleunigungsspannung von 5 kV, für welche mir auch die
Messwerte der Radien vorliegen, ergibt sich durch Einsetzen der
Spannung in die obige Gleichung eine Wellenlänge von
.
Da nur allein dieser Wert fehlte, um die Symmetrieebenenabstände zu
bestimmen, ist man jetzt in der Lage, konkrete Werte für d1 und d2
auszurechnen. Für die Abstände d1 und d2 ergeben sich durch
Einsetzen der Werte für , L und R folgende Werte:
und
Die Bestimmung der Symmetrieebenenabstände hat einen wichtigen
Nutzen in der Physik wie auch in der Chemie. Mit ihrer Hilfe können die
Strukturen von Kristallen näher erforscht werden.
Die wichtigste Erkenntnis dieses Versuches ist schließlich und endlich,
dass Elektronen eine Wellennatur besitzen, was mit ihrer Fähigkeit zur
Interferenz und ihrem Gehorchen der De-Broglie-Gleichung bewiesen
12
wurde. Doch wie reagieren Elektronen im Doppelspaltexperiment?
Weisen sie dort ähnliche Eigenschaften auf?
Das Doppelspaltexperiment mit Photonen / Elektronen
Anders als bei den vorausgehenden Doppelspaltexperimenten mit
Teilchen und Wasserwellen ist der Versuch mit Photonen bzw.
Elektronen nicht mehr mit dem Verstand nachzuvollziehen. Alles, was
man hier leisten kann, ist, eine möglichst exakte Beschreibung des
Versuchs zu geben und die Beobachtungen zu notieren erklären kann
man sie hingegen nicht. Ob der Versuch mit Photonen (Lichtteilchen)
oder Elektronen gemacht wird, spielt für das Ergebnis keine Rolle.
Young beobachtete, wie beim Einsatz von Licht an einem Doppelspalt
Interferenz auftrat. Das Experiment vollziehe ich in Gedanken nun mit
Elektronen. Die Versuchsanordnung sieht wie folgt aus:
10)
Eine Elektronenkanone
verschießt Elektronen auf eine
dünne Metallplatte mit zwei
Spalten. Sobald ein Elektron
auf dem Detektorschirm auftrifft,
hinterlässt es dort einen Punkt,
so dass man danach den Ort
des Auftreffens feststellen kann.
Verschließt man zuerst Spalt 2,
so können die Elektronen nur
durch Spalt 1 kommen. Die
Wahrscheinlichkeit für den Ort
des Auftreffens ist dieselbe wie bei dem Versuch mit dem Maschinen-
gewehr aus dem Doppelspaltversuch mit Teilchen, wenn auch hier nur
ein Spalt geöffnet ist. Wird Spalt 2 geöffnet und Spalt 1 geschlossen, so
10 / 11 Hey, Tony: Das Quantenuniversum, 2. Auflage, Spektrum Akademischer Verlag,
11)
Heidelberg 1998
13
ergibt sich die analoge Wahrscheinlichkeitskurve, selbstverständlich um
die Horizontale gespiegelt.
Wenn aber beide Spalte geöffnet sind, wie sieht dann die Wahrschein-
lichkeitskurve aus? Nach den Erfahrungen aus dem Versuch mit
Teilchen könnte man annehmen, dass sich die Auftreffwahr-
scheinlichkeiten der einzelnen Teilchen wieder einmal zu einer
Gesamtkurve addieren, zumal die Elektronen sich bei geschlossenen
Spalten durchaus wie Teilchen verhalten. Das ist jedoch ein
Trugschluss. Die beiden Wahrscheinlichkeitskurven addieren sich nicht
etwa, sondern es bildet sich dieselbe Interferenzerscheinung wie bei
Wasserwellen, wie in der Abbildung deutlich wird:
Daraus kann man folgern, dass
12)
sich Elektronen manchmal wie
Teilchen verhalten (hier
beispielsweise, wenn einer der
Spalte verschlossen ist), manchmal aber auch wie Wellen (wenn beide
Spalte geöffnet sind). Die Elektronen in der Grafik sind deshalb halb
weiß, halb schwarz gezeichnet, da man nicht genau feststellen kann,
durch welchen Spalt ein Elektron nun gekommen ist. Theoretisch
müsste es ja durch beide gekommen sein, denn es tritt Interferenz auf.
Aber dass sich ein Elektron in zwei Teile teilt, die dann separat durch
zwei Spalte fliegen, ist ausgeschlossen, da ein Elektron immer als
Ganzes betrachtet wird. Es hat den Anschein, dass ein Elektron als
Teilchen aus der Elektronenkanone abgeschossen wird und als Teilchen
im Detektor ankommt. Die Verteilung, also die Wahrscheinlichkeitskurve,
deutet jedoch darauf hin, dass es sich als Welle fortpflanzt. Man kann
mit Fug und Recht behaupten, dass dieses Dilemma für die
Quantenmechanik typisch ist. Man kann das Verhalten sehr wohl
beschreiben, aber erklären kann man es nicht. Jedoch spricht das
Ergebnis des Doppelspaltexperiments mit Elektronen ganz klar dafür,
12 Hey, Tony: Das Quantenuniversum, 2. Auflage, Spektrum Akademischer Verlag,
14
dass sich Elektronen manchmal wie Teilchen, manchmal aber wie
Wellen verhalten. Das liefert den Grundstein für das Fazit dieser
Facharbeit, auf welches ich im letzten Teil der Facharbeit eingehen
werde: der Welle-Teilchen-Dualismus von Photonen und Elektronen.
Der Welle-Teilchen-Dualismus
Als also Anfang des 20. Jahrhunderts die Meinung vorherrschte, Licht
sei eine Wellenbewegung, zeigten Albert Einstein und Max Planck, dass
man Beobachtungen in der Physik weniger aufwändig erklären konnte,
wenn man vom Teilchencharakter des Lichts ausging. Bragg, welcher
schon im Vorfeld angesprochen wurde, beschrieb die missliche Lage der
Physiker treffend, als er sagte, er lehre an einigen Tagen der Woche die
Teilchennatur von Licht, an anderen Tagen jedoch die Wellennatur.
De Broglie vermutete auch, dass jegliche Materie Welleneigenschaften
besitze, also selbst die Projektile des Maschinengewehrs aus dem
Doppelspaltexperiment mit Teilchen, das man intuitiv gerne der
klassischen Mechanik zuordnet. Nachdem seine Theorie von Einstein
gegengelesen und als interessant empfunden worden war, bekam De
Broglie für diese Vermutung 1929, wie oben schon berichtet, den
Nobelpreis für Physik. Wenige Jahre später wurde tatsächlich bewiesen,
dass Elektronen, die bis dahin als Teilchen verstanden worden waren,
eine Wellennatur besitzen. Warum aber lassen sich die
Welleneigenschaften dann nicht bei klassischen Teilchen wie
beispielsweise Gewehrkugeln beobachten?
Nach De Broglie ist die Gleichung für die Wellenlänge folgende:
.
Setzt man nun Werte für makroskopische Objekte wie Gewehrkugeln in
die Gleichung ein, so ergibt sich ein verschwindend kleiner Wert für die
Wellenlänge der Gewehrkugel. Wie man an dem Doppelspaltexperiment
mit Wellen gesehen hat, muss der Abstand der beiden Spalte ungefähr
in der gleichen Größenordnung sein wie die Wellenlänge der zu
untersuchenden Objekte. Da aber die Wellenlänge der Gewehrkugeln
noch unterhalb atomarer Größenordnung anzusiedeln ist, ist es schier
Heidelberg 1998
15
unmöglich, sich ein Experiment auszudenken, bei dem man eine
Interferenz von Gewehrkugeln beobachten könnte. Man kann also
behaupten, dass die Plancksche Konstante unsere Alltagswelt von der
Welt der Quanten trennt, indem sie die Wellenlängen makroskopischer
Objekte unmessbar klein werden lässt.
Literaturverzeichnis
BERGMANN, MARTIN: Duden Physik. 4., völlig neu bearbeitete Auflage,
Dudenverlag, Mannheim 2001
CRAWFORD, FRANK S. : Berkeley Physics Course Vol. 3 Waves. 3.
Auflage im Original, McGraw & Hill, Berkeley, 1968
FEYNMAN, RICHARD: Lectures on Physics. Vol. 3. Englische
Originalausgabe, Addison-Wesley Publishing Company, Menlo Park,
California, USA 1965
HÄNSEL, HORST; NEUMANN, WERNER: Physik - Atome Atomkerne -
Elementarteilchen. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1995
HÄNSEL, HORST; NEUMANN, WERNER: Physik - Elektrizität Optik
Raum und Zeit. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1993
HÄNSEL, HORST; NEUMANN, WERNER: Physik Mechanik und
Wärmelehre. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1993
HEY, TONY: Das Quantenuniversum. 2. Auflage, Spektrum Akademischer
Verlag, Heidelberg 1998
MESCHEDE, D. : Gerthsen Physik, 17., völlig neu bearbeitete Auflage,
Heidelberg 1995
TIPLER, PAUL: Physik. 3. korrigierte Auflage. Übersetzt aus dem
Englischen. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1994
WICHMANN, EYVIND H. : Berkeley Physics Course Vol. 4 Quantum
Physics.
2. Auflage im Original, McGraw & Hill, Berkeley, 1971
16
Zur Erstellung der Facharbeit habe ich keine Internetseiten
hinzugezogen. Ich habe die Schriftart Arial, Schriftgröße 12 (Schriftgröße
14 für Überschriften) verwendet.
Anhang
Anbei befindet sich eine CD-ROM mit folgenden Inhalten zur
weiterführenden Beschäftigung mit dem Thema ,,Das
Doppelspaltexperiment in der Quantenmechanik":
- Links zu interessanten Seiten rund um das Thema der
Quantenmechanik
- Ein Programm zur Simulation des Doppelspaltexperiments
- Mehrere PDF-Dateien mit Aufsätzen zur Quantenmechanik,
darunter Richard Feynmans ,,QED".
- HTML-Seiten mit Informationen zur Quantenmechanik
- Bilder meines Schulversuchs mit der Elektronenbeugungsröhre
- Meine Facharbeit als HTML-Seite
Anleitung:
Zum HTML-Inhaltsverzeichnis kommen Sie, indem Sie sich den Inhalt
Ihres CD-ROM-Laufwerkes zeigen lassen und die ,,index.html" mit einem
Doppelklick starten. Viel Vergnügen.
17
Selbstständigkeitserklärung
Hiermit erkläre ich, dass ich die vorliegende Facharbeit selbstständig
und ohne fremde Hilfe verfasst und keine anderen als die angegebenen
Hilfsmittel verwendet habe. Insbesondere versichere ich, dass ich alle
wörtlichen und sinngemäßen Übernahmen aus anderen Werken als
solche kenntlich gemacht habe.
Dortmund, den _____________
____________________
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