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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 55
Note: 2,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 701 KB
Archivnummer: V10645
ISBN (E-Book): 978-3-638-17013-0

Textauszug (computergeneriert)

Ludwig-Maximilians-Universität München
Wintersemester 2001/2002

Stabilität von Kultivierungsurteilen

 Livia Krentel

 

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung  4

2 Theoretischer Teil  5
2.1 Stand der Forschung  5
2.2 Hypothesen der Untersuchung  8

3 Empirischer Teil  12
3.1 Methode  12
3.2 Deskription der Stichprobe  15
3.3 Unabhängige Variablen  16
3.4 Abhängige Variable  18
3.5 Ergebnisse  19
3.5.1 Hypothesen zur Kultivierung  19
3.5.1.1 H1: Je mehr jemand fiktionales Fernsehen sieht, desto höher ist der Kultivierungseffekt  19
3.5.1.2 H2: Je niedriger das Involvement, je geringer die persönliche Gewalterfahrung und je höher der durchschnittliche TV-Konsum, desto höher der Kultivierungseffekt  20
3.5.2 Hypothesen zur Stabilität von Kultivierungsurteilen  24
3.5.2.1 H3: Unterschiede im TV Konsum zu zwei verschiedenen Messzeitpunkten verursachen instabile Kultivierungsurteile  24
3.5.2.2 H4: Eine zuvor noch nicht gemachte Gewalterfahrung zwischen zwei Messzeitpunkten führt zu sinkenden Kultivierungsurteilen  26
3.5.2.3 H5: Unterschiede in der realen Gewalterfahrung über Medien zu zwei verschiedenen Messzeitpunkten führen zu instabilen Kultivierungsurteilen  28
3.5.2.4 H6: Unterschiede im Involvement zu zwei verschiedenen Messzeitpunkten verursachen instabile Kultivierungsurteile  32
3.5.2.5 H7: Bei Vielsehern und Wenigsehern sind Kultivierungsurteile jeweils über zwei verschiedene Messzeitpunkte stabil  34
3.5.3 Zusammenfassung  36

4 Fazit  39

5 Literaturverzeichnis  41

6 Abbildungsverzeichnis  42

7 Anhang  43

 

1 Einleitung

Seit über 30 Jahren beschäftigen sich Sozialwissenschaftler nun schon mit dem Thema „Kultivierung“. Beeinflusst das Fernsehen das Weltbild seiner Zuschauer? Übernehmen Menschen die sozialen Verhältnisse im Fernsehen für ihre Sicht der realen Welt? Die Kultivierungsforschung geht davon aus, dass gerade das Thema Gewalt und auch die Anzahl der Personen, die zur Verbrechensbekämpfung oder in Krankenhäusern eingesetzt werden, von Fernsehzuschauern für die Realität stark überschätzt werden. Der Grund liegt darin, dass Gewalt und die oben genannten Berufsbilder im Fernsehen im Vergleich zum wirklichen Leben überproportional stark vertreten sind. Die Kultivierungsforschung hat sich bereits intensiv mit Einflussvariablen auseinander gesetzt, die zusätzlich zum Fernsehkonsum die Kultivierung beeinflussen. Darunter fällt zum Beispiel das Involvement während des Fernsehens, die persönliche reale Erfahrung einer Person mit Gewalt oder auch das genrespezifische Nutzungsverhalten des Fernsehzuschauers.

Aber wie stabil sind eigentlich solche Kultivierungsurteile? Sie werden allgemein als Kurzzeiteffekte angesehen, die mit der Zeit nachlassen, wenn der TVKonsum stark zurückgeht. Nur durch Kumulation vieler Einzeleffekte entsteht angeblich ein langfristiger Kultivierungseffekt. Welchen Einfluss nun tatsächlich Unterschiede im TV-Konsum, Involvement oder der persönlichen realen Gewalterfahrung zu zwei verschiedenen Messzeitpunkten auf die Kultivierung haben, soll diese Untersuchung zeigen. Wir wollen feststellen, wie stabil Kultivierungsurteile sind und wodurch die Stabilität oder Instabilität bedingt ist. Zu diesem Zweck wurden im Winter 2001/2002 im Abstand von vier Wochen zweimal Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen der Universität München befragt. Dabei war es wichtig, in beiden Befragungswellen die gleichen Studenten zu erreichen. Anhand des Paneldesigns konnten sowohl Unterschiede in der Kultivierung exakt verglichen sowie auch überprüft werden, ob diese auf Unterschiede unabhängiger Variablen zu den zwei Messzeitpunkten zurückzuführen sind.

2 Theoretischer Teil

2.1 Stand der Forschung

Vielseherforschung Gerbners
Im Rahmen seiner Studien zur Gewaltdarstellung im Fernsehen entwickelte George Gerbner einen Ansatz, der als Kultivierungsanalyse bekannt wurde. Gerbner ging davon aus, dass der Fernsehkonsum beim Zuschauer ein bestimmtes Weltbild kultiviert, der Rezipient also bestimmte Werte, Ideen oder Meinungen aus der fiktionalen TV-Welt unbewusst zur Konstruktion sozialer Realität verwendet. Um seinen Ansatz zu überprüfen, unterschied Gerbner sogenannte Vielseher (mehr als vier Stunden pro Tag) von sogenannten Wenigsehern (weniger als zwei Stunden pro Tag). Die Ergebnisse zeigten, dass Vielseher tatsächlich dazu neigen, den prozentualen Anteil der Berufe in der Verbrechensbekämpfung im Hinblick auf die reale Berufsverteilung deutlich zu überschätzen. Da im fiktionalen TV diese Berufsgruppe deutlich überrepräsentiert ist, wertete Gerbner dieses Ergebnis als Hinweis für Kultivierungseffekte durch das Fernsehen (Gerbner, 1976). Eine lebhafte Diskussion um methodische Mängel der Studien führte rasch zur Entwicklung differenzierter Modelle und zur Konzentration auf psychologische Prozesse der Informationsverarbeitung und des Informationsabrufs.

Lernprozesse nach Hawkins und Pingree
Hawkins und Pingree wiesen darauf hin, dass Kultivierungseffekte nicht unbedingt von der Dauer des Fernsehkonsums abhängen. Da die Rezipienten eher selektiv als habitualisiert vorgehen, müssten vor allem die rezipierten Inhalte betrachtet werden. Um den Prozess der Kultivierung besser verstehen zu können, nahmen sie einen Lernprozess an. Der Rezipient nimmt beim Fernsehkonsum zunächst eine Fülle von Informationen auf. Erst in einem zweiten Schritt konstruiert er daraus eine soziale Realität. Die einzelnen Schritte unterliegen dabei jeweils dem Einfluss mehrerer Variablen. Besonders der Lernprozess, also die Aufnahme von neuen Informationen, ist determiniert durch den Grad an Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistung und Involvement, den der Rezipient aufweist. Der Prozess der Realitätskonstruktion wird unter anderem von den kognitiven Fähigkeiten, dem sozialen Umfeld und den Nutzungsgewohnheiten des Rezipienten beeinflusst. (Hawkins & Pingree, 1981).

Subprozesse durch Potter
W. James Potter differenzierte diesen Lernprozess und unterschied dabei zwei Ebenen von Kultivierungseffekten: Die Konstruktion sozialer Realität kann sich einerseits in der Einschätzung von Fakten zeigen, wie etwa die geschätzte Häufigkeit von Berufen (first order beliefs). Andererseits können sich Kultivierungseffekte auch auf Meinungen, beispielsweise über die Moral der Menschen, auswirken (second order beliefs). Darauf aufbauend geht Potter von drei Subprozessen aus, die in ihrem Zusammenwirken ein Realitätskonstrukt bilden: Zunächst erhält der Rezipient aus dem Fernsehen Informationen (first order beliefs) und Meinungen (second order beliefs) über die TV-Welt (learning). Diese können sich im Rahmen der Realitätskonstruktion jeweils in Einschätzungen und Meinungen über die Wirklichkeit übertragen (construction). Zusätzlich können die first order beliefs, sowohl in der TV-Welt als auch in der konstruierten Realwelt, auf die Meinungen Einfluss nehmen (generalization) (Potter, 1991).

Prozess der Urteilsbildung

 

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