Analyse von Arbeitsunfällen unter Berücksichtigung psychosozialer Faktoren mittels eines neuen Erhebungsinstrumentes

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Details
Autor: Christoph Schröer
Fach: Sicherheitstechnik
Institution/Hochschule: Bergische Universität Wuppertal (Arbeitsmedizinischer Bereich des Fachbereichs Sicherheitstechnik)
Jahr: 2001
Seiten: 77
Note: 2,7
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 549 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-17030-7
Textauszug (computergeneriert)
Analyse von Arbeitsunfällen unter Berücksichtigung
psychosozialer Faktoren mittels eines neuen Erhebungsinstrumentes
von Christoph Schroeer
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung 7
1 Einleitung 9
1.1 Gegenstand und Ziel der Arbeit 10
1.2 Grundlagen der Untersuchung 11
1.3 Datenschutzrechtliche Aspekte 11
2 Arbeitswissenschaftliche Grundlagen,
Kurzdarstellung 12
2.1 Belastung und Beanspruchung 12
2.1.1 Definitionen 12
2.2 Belastungsgrößen und -faktoren 12
2.2.1 Psychische Belastung 13
2.3 Beanspruchung, Psychische
Beanspruchung und Stressentstehung 13
2.3.1 Definitionen 13
2.3.2 Stressoren und ihre
Mitwirkung bei Arbeitsunfällen 14
3 Der Erhebungsbogen 15
3.1 Übersicht 15
3.1.1 Allgemeiner Teil 15
3.1.2 Unfallanalyse 15
3.1.3 Die Beurteilung 15
3.2 Vorstellung des Erhebungsbogens 16
3.3 Bemerkungen zu den Fragestellungen
des Interviewer-Leitfadens 19
3.3.1 Teil 1 - Allgemeines 20
3.3.2 Teil 2 - Unfallanalyse 20
3.3.3 Teil 3 - Die Beurteilung 25
3.4 Größen des Erhebungsbogens
zur quantitativen Auswertung 25
3.4.1 Definition der Kategorien
der statistischen Bewertung 25
3.5 Definition der standardisierten Faktoren 27
3.5.1 Technische Ursachen 27
3.5.2 Störfall 28
3.5.3 Ungewohnte Arbeitssituation 29
3.5.4 Wissensmangel 30
3.5.5 Zeitdruck 31
3.5.6 Risiko eingegangen 31
3.5.7 Unaufmerksamkeit 32
3.5.8 Physische Belastung 32
3.5.9 Schlechte Stimmung 33
3.5.10 Stress 34
3.5.11 Fehlende Motivation 35
3.5.12 Fehlendes Sicherheitsbewusstsein 36
3.5.13 Alkohol 36
4 Aspekte im Verlauf der Untersuchung 38
4.1 Fragestellung bei der Patientenbefragung 38
4.2 Analyse 38
4.2.1 Voreingenommenheit 38
4.2.2 Fehlerhafte Selbsteinschätzung 39
4.2.3 Zeitfaktor zwischen Unfall und Befragung 39
4.2.4 Unfallfolgen 39
4.3 Die "Schuldfragen" 40
5 Ergebnisse der Untersuchung 41
5.1 Definition Risikomaßzahl (RMZ) 42
5.2 Struktur der Befragtengruppe 43
5.2.1 Altersstruktur 43
5.2.2 Struktur der Tätigkeiten 44
5.2.3 Struktur der Betriebsgrößen 45
5.2.4 Struktur der Arbeitsgruppen 45
5.2.5 Unfallzeitpunkt 46
5.2.6 Arbeitserfahrung im Tätigkeitsbereich 47
5.2.7 Arbeitsausfall 48
5.3 Weitere interessante Relationen 48
5.3.1 Zusammenhang zwischen Tätigkeitsbereich
und erlernter bzw. nicht erlernter Tätigkeit 48
5.4 Auswertung der standardisierten Faktoren 48
5.4.1 Kategoriale Darstellung der Befragungsergebnisse 48
5.4.2 Mittelwerte für Unfallursache-Kategorien
für Frauen und Männer getrennt (RMZ-Bewertung) 49
5.5 Befragungsergebnisse hinsichtlich der standardisierten Faktoren
im Zusammenhang mit den persönlichen Lebensumständen 51
5.5.1 Technische Ursachen (RMZ=1,08) 52
5.5.2 Störfall (RMZ=0,18) 53
5.5.3 Ungewohnte Arbeitssituation (RMZ=0,26) 53
5.5.4 Wissensmangel (RMZ=0,16) 54
5.5.5 Zeitdruck (RMZ=0,67) 54
5.5.6 Risiko eingegangen (RMZ=0,85) 55
5.5.7 Unaufmerksamkeit (RMZ= 1,39) 56
5.5.8 Physische Belastung (RMZ=0,55) 57
5.5.9 Schlechte Stimmung (RMZ=0,19) 58
5.5.10 Stress (RMZ=0,7) 59
5.5.11 Fehlende Motivation (RMZ=0,22) 60
5.5.12 Fehlendes Sicherheitsbewusstsein (RMZ=0,2) 60
5.5.13 Alkohol (RMZ=0,01) 61
5.6 Übersicht über die Befragungsergebnisse
bezüglich der standardisierten Faktoren 61
5.6.1 Tabellenübersicht mit RMZ-Werten 61
5.6.2 Tabelle mit ± 5% / ± 30% -Wertabstufungen 64
5.7 Zusammenfassung der Auswertung 66
5.7.1 Allgemeines 66
5.7.2 Weitere bemerkenswerte Relationen 67
6 Praktikabilität des Erhebungsbogens
- Kritik und Verbesserungsvorschläge 68
6.1 Teil 1: Allgemeines 68
6.2 Teil 2: Unfallanalyse 68
6.2.1 Unfallbeschreibung 68
6.2.2 Abgrenzung Stress - Zeitdruck 69
6.3 Teil 3: Beurteilung 69
6.3.1 Kategoriezuordnung 69
6.3.2 Eingrenzung der Faktoren
im Erhebungsbogen, 3. Teil 70
7 Anhang 73
7.1 Abkürzungsverzeichnis 73
7.2 Literaturverzeichnis 73
7.3 Begriffsbestimmungen (aus /1/) 74
7.4 Index wichtiger Begriffe 77
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Belastungs- und Beanspruchungsmodell
von Schmittke, /2/, S.116 Seite 12
Abbildung 2 Erhebungsbogen, /1/ Seite 17
Abbildung 33a, 3b Tabelle der standardisierten
Faktoren mit RMZ-Werten Seite 66
Abbildung 4 Tabelle der standardisierten
Faktoren mit Piktogrammen Seite 69
Zusammenfassung
Die vorliegende Untersuchung zeigt in der Ursachenforschung von Arbeitsunfällen einige neue Richtungen auf. Während sie keinesfalls den Anspruch erhebt, in irgendeiner Weise repräsentativ zu sein, soll sie sich doch als Teil einer ganzen Untersuchungsreihe mit ihren teils erwarteten, teils aber auch überraschenden Ergebnissen als fundierte wissenschaftliche Arbeit etablieren. Die von C. Schönberger (/1/) geschaffene Voraussetzung für die Untersuchung psychosozialer und anderer Faktoren als Unfallursachefaktoren lieferte nicht nur ein Instrument zu einer fundierten wissenschaftlichen Befragung, sondern bot auch Anlass, die zu hinterfragenden Faktoren grundlegend zu definieren und die vorgegebene Beurteilungsmatrix in ein bewertbares System zu überführen, welches einen schnellen und übersichtlichen Vergleich der gewonnenen Daten einer weiteren Auswertung zugänglich macht.
Die meisten Unfälle, die Eingang in die Befragung fanden, passierten in "sonstigen Betrieben", welche auch Dienstleistungsbetriebe aller Art einschlossen. Dies zeigt, dass im Gegensatz zur Industrie hier noch ein Bedarf an Sicherheitsoptimierung vorliegen könnte, während die Industrie und die althergebrachten Handwerksbetriebe ihre "Hausaufgaben" weitgehend gemacht zu haben scheinen.
Die am häufigsten genannten Faktoren waren "Unaufmerksamkeit" und "Technische Ursachen", gefolgt von dem bewusst "eingegangenen Risiko". Interessanterweise spielen bei der Entstehung von Arbeitsunfällen vermutete Einflussfaktoren wie "Ungewohnte Arbeitssituation", "Fehlende Motivation", "Fehlendes Sicherheitsbewusstsein" nur untergeordnete Rollen. Die Tatsache, dass in der Befragung "Störfälle" nur in vernachlässigbarer Größenordnung auftraten, ist wohl eher den hohen deutschen Sicherheitsstandards zuzuschreiben, während der Faktor "Alkohol" als Unfallursache nicht erfragbar war. In diesem Punkt wird auch die zukünftige Sicherheitstechnik auf die Nachweisbarkeit durch andersartige Untersuchungen setzen müssen.
Das noch immer starke Auftreten technischer Ursachen kann nicht zu dem Schluss führen, dass primär die Technik im Vordergrund des Zusammenspiels aller Ursachen liegt. Vielmehr zeigen die weiteren Ergebnisse dieser Arbeit, dass in der Untersuchung psychosozialer Einflussfaktoren verstärkt auf das Vorhandensein menschlicher Fehlhandlungen eingegangen werden muss. Dies schüfe die Konformität mit der Aussage von C. Schönberger und der allgemeinen sicherheitstechnischen Literatur, wonach bei allen Arbeitsunfällen letztlich menschliche Fehlhandlungen die wahre Ursache sind, deren Einfluss auf verschiedenen Ebenen der grundsätzlichen menschlichen Verantwortung für eine Handlung zu suchen sind. In der vorliegenden Untersuchung wurde die Frage nach dieser Verantwortung der einzelnen Handlung bzw. Fehlhandlung nicht gestellt. Dieses hätte den Rahmen dieser Studienarbeit gesprengt. Jedoch könnte genau dieser Aspekt die Grundlage für weitere Untersuchungen in dieser Richtung bilden.
1 Einleitung
Die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle ist seit Jahren rückläufig. Die Gründe hierfür sind u.a. (/1/) in der Industrie die zunehmende Technisierung, die den Menschen durch überwiegende Überwachungstätigkeiten von der Gefährdung fernhält, des weiteren aber auch ein erhöhtes Sicherheitsbewusstsein in Betrieben. Weiterhin wird durch Maßnahmen des Arbeitsschutzes die Schnittstelle Mensch-Arbeit für Gefährdungen undurchlässiger. Auch Qualitätsmanagementsysteme im Vorfeld sicherheitsrelevanter Ereignisse tragen zu einer wesentlichen Senkung von Unfallzahlen bei.
Mit sinkender Relevanz technischer Ursachen gewinnt der Einfluss des psychosozialen Umfeldes am Arbeitsplatz auf den Menschen eine immer größere Bedeutung. Fragestellungen haben sich in den letzten Jahren dahingehend verändert, dass sie nun nicht mehr ausschließlich das technische Umfeld als solches beleuchten, sondern den psychosozialen Hintergrund des einzelnen Vorfalls intensiver hinterfragen. Die menschlichen Fehlhandlungen mit all ihren Ursachen treten immer stärker hervor. Diese Einflussfaktoren, welche viel umfangreicher sind als vergleichbare Fragestellungen zu technischen Ursachen mit messbaren physikalischen Größen, machen eine Analyse äußerst diffizil. Dies wurde schon im Vorfeld der Erstellung dieser Arbeit deutlich und bestätigte sich im weiteren Verlauf.
Als allgemeines Ziel ist die Ursachenerforschung bei Arbeitsunfällen ein probates Mittel, um zukünftig Unfällen entgegen wirken zu können. Die Untersuchung des psychosozialen Umfeldes eines Arbeitsunfalls ist ein aufgrund seiner Komplexität und seiner erst in jüngerer Zeit entstandenen größeren Bedeutung ein weitgehend unbekanntes Feld in der Ursachenforschung. Doch da die menschliche Fehlhandlung immer mehr in den Vordergrund tritt, ist genau hier die Ursachenforschung zum Schwerpunkt geworden. Die Ursachen menschlicher Fehlhandlungen sind zumeist vor dem psychosozialen Hintergrund zu sehen (/1/). Deshalb konzentriert sich die vorliegende Arbeit im Rahmen einer Forschungsreihe an der Bergischen Universität - Gesamthochschule Wuppertal auf dieses Themengebiet.
1.1 GEGENSTAND UND ZIEL DER ARBEIT
In dieser Arbeit sollten neben den in gängigen Erfassungsbögen berücksichtigten Ursachen für Arbeitsunfälle insbesondere die psychosozialen Größen untersucht werden, die möglicherweise zur Entstehung von Arbeitsunfällen beitragen. Die untersuchten Größen sind:
- Technische Ursachen
- Störfälle
- Ungewohnte Arbeitssituation
- Wissensmangel
- Zeitdruck
- Risiko eingegangen
- Unaufmerksamkeit
- Physische Belastung
- Schlechte Stimmung
- Stress
- Fehlende Motivation
- Fehlendes Sicherheitsbewusstsein
- Alkohol.
Sie umfassen die Gründe, die zur Entstehung eines Arbeitsunfalls beitragen können, in einer faktorisierten, bewertbaren Form.
Ziel dieser Arbeit war einerseits eine unter definierten Voraussetzungen gewonnene Übersicht über die Einflussnahme psychosozialer Faktoren bei Arbeitsunfällen; andererseits sollen die gewonnenen Daten auch eine Analyse darüber erlauben, inwiefern die Erhebung der fraglichen Daten überhaupt möglich ist. Damit ermöglicht meine Arbeit auch die Einsicht in die Praktikabilität dieses Erhebungsinstrumentes. Dazu war es zusätzlich notwendig, eine Bewertungsmatrix zu schaffen, die eine direkte Vergleichbarkeit der einzelnen Daten auch über die Eintragungen einer Nominalskala hinaus ermöglichten.
Eine weiterführende Analyse bezüglich zu treffender Präventionsmaßnahmen wird durch diese Arbeit nicht abgehandelt. Eine kurze Diskussion der Ergebnisse und ein Hinweis auf geeignete Präventivmaßnahmen soll als Anknüpfmöglichkeit für weitere Untersuchungen verstanden werden.
1.2 GRUNDLAGEN DER UNTERSUCHUNG
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