Globalisierung aus historischer Perspektive

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Details
Autor: Götz Kolle
Fach: Geschichte - Sonstiges
Veranstaltung: Global History in der Forschungspraxis
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Geschichtswissenschaften)
Jahr: 2003
Seiten: 36
Note: sehr gut
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 356 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-17055-0
ISBN (Buch): 978-3-638-68394-4
Was ist dran an der Globalisierung? Oft wird Globalisierung als Prozess der Neuzeit beschrieben...doch stimmt die Neuheit der Globalisierung. Historiker sehen ähnliche Dtrukturen schon vor über 500 Jahren. Wie haben Historiker auf die Globalisierung reagiert, neue Forschungsansätze der Weltgeschichte...oder global history, und was können diese Ansätze über das Phänomen Globalisierung selbst aussagen? Mit Definitionsversuch und Begründung von Gobalisierung.312 KB
Zusammenfassung / Abstract
Schon hält man "Globalisierung" nur noch für einem Mythos, für eine zeitbedingte Interpretation der Wirklichkeit. Historiker dekonstruieren fleißig mit. Globalisierung, so ist zu hören, habe schon seit Jahrhunderten stattgefunden. Es sei ein langer Prozeß der von der Moderne zu unrecht beansprucht und nun "instrumentalisiert" und "mystifiziert" wird. Müssen wir also unsere Vorstellungen von der "Globalisierung" als einzigartigem Charakter unserer Gegenwart fallenlassen? Haben wir ein Langzeitphänomen zu einem neuzeitlichen Mythos aufgeblasen? Was soll denn eigentlich so neu sein an der "Globalisierung"? Ich möchte in meiner Arbeit untersuchen, welche Erkenntnisse die Historiker in die aktuelle Globalisierungsdebatte einbringen können. Es soll untersucht werden was Historiker unter "Globalisierung" verstehen und ob die "Globalisierung" aus historischer Perspektive zeitlich relativiert oder aber als ein neuzeitliches Phänomen bestätigt wird. Ich möchte die Einstellung der Historiker dabei weniger aus ihren wissenschaftlichen Schriften und Erzählungen zur Geschichte entnehmen (obwohl auch dies interessant ist und im letzten Teil meiner Arbeit kurz behandelt werden soll), sondern ich werde versuchen der geschichtswissenschaftliche Einstellung zur "Globalisierung" durch die Beobachtung aktueller Forschungsansätze auf die Spur zu kommen. Ich möchte zeigen welche Ansätze die Historiker nutzen, um über eine nationalstaatliche Interaktionsgeschichte hinaus auch historische Beziehungen und Interaktionen mit, bzw. zu asiatischen oder südamerikanischen Gesellschaften adäquat erzählen zu können. Die Diskussion um die Zugriffsmöglichkeiten auf das Phänomens "Globalisierung", so mein Ansatz, offenbaren äußerst viel über das Phänomen selbst. Daher werde ich, nachdem ich den Terminus "Globalisierung" und die damit verbundenen Vorstellungen und Probleme umrissen habe, darstellen, wie die Geschichtswissenschaft selbst von der ""Globalisierung" beeinflußt wurde und welche Ansätze "reanimiert" bzw. neu entwickelt wurden, um auf diese Entwicklungen zu reagieren. Zum Ende soll dann dargestellt werden, wie Historiker die Globalisierung erzählen und was uns die Geschichtswissenschaft mit ihrer Forschung, letztlich aber auch durch ihre eigene Methodik und Herangehensweise über "Globalisierung" lehrt.
Textauszug (computergeneriert)
Globalisierung aus historischer Perspektive
von Götz Kolle
Inhalt
Einleitung 3
1. Die "Globalisierung"- eine Begriffserfassung 5
2. "Globalisierung" und die Reaktion
der Geschichtswissenschaft 10
2.1 Warum die alte Weltgeschichte sterben
mußte und eine Neue geboren wurde. 11
3. Von Weltgeschichte zur "global-history" 13
3.1 Eine Aufgabe von (Welt-) historischer Größe 14
4. Wie schreibt man Geschichte
im Zeitalter der Globalisierung? 15
4.1 Interdisziplinärer Zugang 15
4.2 Weltgeschichte über den Kulturen 15
4.3 Geschichtswissenschaftliche Methoden/
Ansätze zur Weltgeschichte 17
4.3.1 Weltgeschichte in Form eines Vergleichs
von Nationen und Zivilisationen 17
4.3.2 Weltgeschichte als Geschichte der Transfers,
der Beziehungen und Begegnungen 18
4.3.3 "global-history", eine Geschichte
der Weltgesellschaft oder eines Weltsystems 20
5. Die "Globalisierung" aus historischer Perspektive 22
5.1 Globalisierung: Neuer
Wein in alten Schläuchen? 22
5.2 Das 19. Jahrhundert als Beginn
wirklich globaler Interaktionen? 25
5.3 Die neue Qualität - Globalisierung
als Phänomen des späten 20 Jahrhunderts 26
Resümee 27
Literaturverzeichnis 30
Einleitung
Globalisierung, dieser Begriff ist ebenso diffus und mehrdeutig, wie die Diskussion darüber vielschichtig und kontrovers verläuft. In den 1990er war "Globalisierung" plötzlich das moderne Schlagwort schlechthin. Bis heute ist es eine der penetrantesten Zeitgeistvokabeln geblieben, verbunden mit diversen Assoziationen und Vorstellungen. Kaum ein Ausdruck in der Moderne ist gleichzeitig so bekannt, wie unbekannt. Und weil man mittlerweile so gut wie alle Tendenzen der Gegenwart und der Zukunft auf diesem Begriff reduzieren, und damit legitimieren und erklären kann, wächst natürlich auch die Skepsis der Wissenschaft gegenüber einem solchen Megabegriff. Heute drehen Forscher sämtlicher Fachrichtungen die Augen nach oben, wenn sie den Terminus hören. Er wurde überreizt. Die Dekonstruktion des Modebegriffs hat daher längst begonnen. Schon hält man "Globalisierung" nur noch für einem Mythos, für eine zeitbedingte Interpretation der Wirklichkeit.1 Historiker dekonstruieren fleißig mit. Globalisierung, so hören wir, habe schon seit Jahrhunderten stattgefunden. Es sei ein langer Prozeß der von der Moderne zu unrecht beansprucht und nun "instrumentalisiert" und "mystifiziert" wird. Müssen wir also unsere Vorstellungen von der "Globalisierung" als einzigartigem Charakter unserer Gegenwart fallenlassen? Haben wir ein Langzeitphänomen zu einem neuzeitlichen Mythos aufgeblasen? Was soll denn eigentlich so neu sein an der "Globalisierung"? Diese und ähnliche Fragen zu klären ist die Wissenschaft aufgerufen. Da "Globalisierung" oft als ein Prozeß wahrgenommen wird kommt den Historikern dabei vielleicht eine Schlüsselrolle zu. Ich möchte in meiner Arbeit untersuchen, welche Erkenntnisse die Historiker in die aktuelle Globalisierungsdebatte einbringen können. Es soll untersucht werden was Historiker unter "Globalisierung" verstehen und ob die "Globalisierung" aus historischer Perspektive zeitlich relativiert oder aber als ein neuzeitliches Phänomen bestätigt wird. Ich möchte die Einstellung der Historiker dabei weniger aus ihren wissenschaftlichen Schriften und Erzählungen zur Geschichte entnehmen (obwohl auch dies interessant ist und im letzten Teil meiner Arbeit kurz behandelt werden soll), sondern ich werde versuchen der geschichtswissenschaftliche Einstellung zur "Globalisierung" durch die Beobachtung aktueller Forschungsansätze auf die Spur zu kommen. "Weltgeschichte und "global-history" heißen die neuen Programme, die innerhalb der Geschichtswissenschaft als zeitgemäß und zukunftsorientiert gelten. Dabei erinnern wir uns dunkel daran daß "Welt-" bzw. "Universalgeschichte" schon früher, Anfang des letzten Jahrhunderts etwa, von Max Weber, Oswald Spengler und später Arnold J. Toynbee gedacht und geschrieben wurde.2 Weltgeschichte scheint, wie auch von der "Globalisierung" behauptet, also gar nicht so neu zu sein. Warum, treten "Globalisierung" und "Weltgeschichte" aber Ende des 20. Jahrhunderts gemeinsam auf? Meine These ist, daß die Geschichtswissenschaft wesentlich inspiriert wurde von den realgeschichtlichen Entwicklungen in der Moderne, die als "Globalisierung" bezeichnet werden. Die in den letzten Jahrzehnten stattfindende "neue Qualität" von globaler Integration, hat Historiker in Erklärungszwang gebracht. Alte nationalstaatlich orientierte Konzepte die Vergangenheit zu erzählen landen in der Mottenkiste, neue Ansätze werden gefordert. Ich möchte zeigen welche Ansätze die Historiker nutzen, um über eine nationalstaatliche Interaktionsgeschichte hinaus auch historische Beziehungen und Interaktionen mit, bzw. zu asiatischen oder südamerikanischen Gesellschaften adäquat erzählen zu können. Die Diskussion um die Zugriffsmöglichkeiten auf das Phänomens "Globalisierung", so mein Ansatz, offenbaren äußerst viel über das Phänomen selbst. Daher werde ich, nachdem ich den Terminus "Globalisierung" und die damit verbundenen Vorstellungen und Probleme umrissen habe, darstellen, wie die Geschichtswissenschaft selbst von der ""Globalisierung" beeinflußt wurde und welche Ansätze "reanimiert" bzw. neu entwickelt wurden, um auf diese Entwicklungen zu reagieren. Zum Ende soll dann dargestellt werden, wie Historiker die Globalisierung erzählen und was uns die Geschichtswissenschaft mit ihrer Forschung, letztlich aber auch durch ihre eigene Methodik und Herangehensweise über "Globalisierung" lehrt.
1. Die "Globalisierung"- eine Begriffserfassung
[...]
1 Ein Mythos ist in der Definition der Mythentheorie eine symbolische Erzählung, die sich auf historische Ereignisse oder wichtige Zeitprobleme bezieht und durch ihre Art der Darstellung gleichzeitig Hinweise auf tieferliegende Sinnzusammenhänge gibt. Hellmann-Grobe, Antje, Mythos und Risiko der Globalisierung,http://www.oeko-net.de/kommune/kommune9-97/AHELLMAN.html.
2 Einen kurzen Überblick samt Kritik bietet: Galtung, Johan/ Inayatullah, Sohail, Macrohistory and Macrohistorians, London 1997.
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