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Autor: Magistra Artium Katharina Kirsch
Fach: Germanistik - Linguistik
Details
Institution/Hochschule: Otto-Friedrich-Universität Bamberg (Sprachwissenschaften)
Tags: Sprachanalyse Transkription Umschrift Verschriftung HIAT GAT Lautschrift Konversationsanalyse
Jahr: 2003
Seiten: 18
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 544 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-17064-2
Inkl. dreiseitigem Handout. 765 KB
Textauszug (computergeneriert)
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Proseminar: Analyse gesprochener Sprache - Möglichkeiten und Grenzen
Wintersemester 2002/2003
Transkriptionssysteme
zur Übertragung von Laut und Gespräch in Schrift
– Entstehung und Verwendung
Katharina Kirsch
Inhalt
1. Einführung
1.1 Enstehung und Gegenstand der Sprachtranskription S. 1
1.2 Lautliche Phänomene gesprochener Sprache S. 4
2. Transkriptionssysteme zur Übertragung von Laut und Gespräch in Schrift – Entstehung und Verwendung
2.1 Transkriptionssysteme für lautliche Authentizität S. 5
2.1.1 Literarische Transkription (LT) S. 5
2.1.2 Phonetische Transkription (IPA) S. 6
2.1.3 Speech Assessment Methods Phonetic Alphabet (SAMPA) S. 7
2.1.4 Die Heidelberger Umschrift oder Pidgin-Deutsch-Lautschrift (PDL) S. 7
2.2 Transkriptionssysteme für pragmatische Authentizität S. 7
2.2.1 Formale Konversationsanalyse (KA) S. 8
2.2.2 Halbinterpretative Arbeitstranskriptionen (HIAT) S. 9
2.2.3 Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem (GAT) S. 10
3. Abschließende Betrachtung und Ausblick S. 11
Literaturverzeichnis S. 13
1. Einführung
1.1 Enstehung und Gegenstand der Sprachtranskription
„Eine wirkliche Zerlegung des Wortes in seine Elemente ist nicht bloß sehr schwierig, sie ist geradezu unmöglich. Das Wort ist nicht eine Aneinanderreihung einer bestimmten Anzahl selbständiger Laute, von denen jeder durch ein Zeichen des Alphabets ausgedrückt werden könnte, sondern es ist im Grunde immer eine kontinuierliche Reihe von unendlich vielen Lauten, und durch die Buchstaben werden immer nur einzelne charakteristische Punkte dieser Reihe in unvollkommener Weise angedeutet.“ (Hermann Paul: Prinzipien der Sprachgeschichte 1880)
Der Terminus „Transkription“ (lat. transcribere – (hin)überschreiben, umschreiben, schriftlich übertragen)1 bezieht sich auf die Wiedergabe eines gesprochenen Diskurses in einem situativen Kontext mit Hilfe alphabetischer Schriftsätze und anderer, auf kommunikatives Verhalten verweisender Symbole.2 „Aufgrund der altbekannten Tatsache verba volant, scripta manent besteht die bleibende Verdauerung der flüchtigen Rede in ihrer schriftlichen Repräsentation.“3
Man kann den Übergang von der Oralität zur Literalität als einen entscheidendern Entwicklungsschritt in der Kulturgeschichte des Menschen betrachten, insofern als Erfahrungen, Wissen, Traditionen und auch Dichtungen nun raum- und zeitunabhängig konserviert und zur ständigen Verfügung gehalten werden konnten.4 Für die mit Sprache befasste Gesellschaftswissenschaft ist eine Theorie sozialen Handelns unter Einschluss sämtlicher hierfür nutzbarer Zeichensysteme der kommunikativen Kompetenz ein zentrales theoretisches und empirisches Anliegen.5 Transkriptionen sind die Voraussetzung jeglicher wissenschaftlicher Untersuchung mündlicher Kommunikationsprozesse. Sie stellen die auf dem Medium Papier fixierte bzw. heutzutage auch binär im PC dauerhaft gespeicherte Dokumentation gesprochener Sprache in ihren vielfachen Existenzformen dar. Unsere Alphabetschrift entspricht nicht – und noch weniger Bilder-, Wort- oder Silbenschriften – einer direkten Verschriftung der Kommunikation6 und Konversation. Vielmehr sind Verschriftungssysteme wie die Alphabetschriften – so auch das deutsche System – zwar in der Lage, mit einem kleinen Inventar graphischer Zeichen sämtliche Wörter der Sprache darzustellen, dennoch sind sie keine phonetischen Umschriften der Sprache, sondern phonemisch orientiert. Die gleichen Grapheme repräsentieren nicht immer den gleichen phonetischen Wert, es herrscht keine eindeutige Relation. Je nach Interesse am authentisch Geäußerten genügt diese Form der Transkription, z. B. bei starkem Interesse an der Inhaltsseite des Gesprochenen, etwa für Speicherung von Wissen oder als materielle Grundlage des Erinnerns. Auch für das Protokoll als Erinnerungsform des öffentlichen Rechts genügt die uneindeutige Repräsentation des Phonems durch das Graphem.
Will jedoch beispielsweise die naturimitierende Literatur evozierte Personen lebendig darstellen, kann eine starre und konventionalisierte Verschriftung die Lebendigkeit und den Farbklang der Stimmen nicht ausreichend wiedergeben. Jedoch ist die Stimme ist die Erkennungsmarke für den sozialen Status, die athmosphärische Stimmungslage und so für die unverwechselbare Identität einer Person.7 Autoren versuchten daher, durch graphische Abweichungen von der Standardorthographie das Geschriebene dem Gesprochenen anzunähern. „Literarische Transkription“ oder „Literarische Umschrift“ nennt man diese graphische Wiedergabe mündlicher/umgangssprachlicher Stimmen. ologie,
[...]
1 Pertsch 1991: S.1206
2 Dittmar 2002: S.52
3 Ehlich nach Dittmar 2002: S. 50
4 Hengartner/Niederhauser 1993: S.60
5 Dittmar 2002: S.51
6 In der Literatur finden sich zwei Termini, die scheinbar auf denselben Inhalt verweisen: „Verschriftung“ und „Verschriftlichung“; ich konnte keinen Bedeutungsunterschied ausmachen. Ich bevorzuge in dieser Arbeit den Ausdruck „Verschriftung“ und werde ihn durchgängig benutzen.
7 Dittmar 2002: S.26
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