Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Der Settings-Ansatz der Gesundheitsförderung am Beispiel Kindergarten close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Der Settings-Ansatz der Gesundheitsförderung am Beispiel Kindergarten

Termpaper, 2002, 29 Pages
Author: Thomas Hering
Subject: Health Science

Details

Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 29
Language: German
Archive No.: V107215
ISBN (E-book): 978-3-640-05489-3

File size: 157 KB


Fulltext (computer-generated)

Der Settings ­ Ansatz am Beispiel Kindergarten

© Thomas Hering, 2002

Inhaltsverzeichnis

ZUSAMMENFASSUNG. 2

1.

DER SETTINGANSATZ IN DER GESUNDHEITSFÖRDERUNG 3

1.1 EINLEITUNG/ BEGRIFFSBESTIMMUNG 3

1.2 ENTWICKLUNG DES SETTINGS - ANSATZES 4

1.2.1

Einfluss von Organisationen und Organisationsentwicklung 4

1.2.2

Bis zur Ottawa Charter zur Gesundheitsförderung ­ Kerndokument für

des Settings ­ Ansatz der Gesundheitsförderung 7

2.

GESUNDHEITSFÖRDERNDES SETTING. 9

2.1 ENTWICKLUNG EINES GESUNDHEITSFÖRDERNDEN SETTINGS 9

2.1.1

Phasen der Schaffung eines gesundheitsfördernden Settings 10

2.2 BEDEUTUNG DER PROJEKTARBEIT FÜR DEN SETTINGS ­ ANSATZ DER

GESUNDHEITSFÖRDERUNG 12

3.

PROJEKTE NACH DEM SETTINGS ­ ANSATZ DER

GESUNDHEITSFÖRDERUNGIN KINDERGÄRTEN. 15

3.1 EINFLUSSFAKTOREN AUF DIE GESUNDHEIT VON KINDERN 15

3.1.1

Sozialer Status des Kindes. 16

3.1.2

Einflüsse der Familie 17

3.1.3

Bedeutung des Kindergartens für die Gesundheit von Kindern. 18

3.2 PROJEKTE IM SETTING KINDERGARTEN 19

3.2.1

Kinder in Bewegung ­ Ein Projekt in Kindergärten des Landkreises

Schaumburg (Niedersachsen) 20

3.2.2

Hüpfdötzchen ­ Kindergarten in Bewegung. Ein Projekt des

Kreisgesundheitsamt Neuss 21

3.2.3

Gesunde Kindertagestätte ­ erleben und gestalten. Ein Projekt der

Landesvereinigung für Gesundheit Thüringen e.V 22

3.2.4

Chancen für zukünftige Projekte im Rahmen des Settings ­ Ansatzes in

Kindergärten. 22

4.

ZUSAMMENFASSUNG 24

LITERATUR. 26


Der Settings ­ Ansatz am Beispiel Kindergarten

© Thomas Hering, 2002

Zusammenfassung.

Der Settingsansatz der Gesundheitsförderung ist eine Methode der Gesundheitsför-

derung, nach der sämtliche Interventionen nicht nur auf Einzelindividuen abzielen,

sondern auf Individuen in Settings. Mit der Definition von einzelnen Settings wird die

alleinige Fokussierung auf ,,die Kinder", die Jugendlichen", ,,alte Menschen", ,,Rau-

cher" als Zielgruppe verlassen und ein Raum definiert, in der sich Menschen übli-

cherweise aufhalten. Das können entsprechend der WHO ­ Konzeption Schulen,

Betriebe, Städte usw. sein, aber auch kleinräumige Bereiche wie ,,die Familie", ,,der

Verein" usw. Der Vorteil liegt dabei insbesondere darin, dass Menschen über die I-

dentifikation mit den Werten ihres Settings leichter erreichbar sind, wenn bestimmte

Strategien der Gesundheitsförderung in die ,,Philosophie" des Settings integriert wer-

den. Als gutes Mittel, Gesundheitsförderung in Settings durchzuführen, stellte sich

Projektarbeit heraus.

Auch Kindertagesstätten werden auch in Deutschland zunehmend Handlungsfelder

der Gesundheitsförderung. Nach dem Settingsansatz sind davon Kinder, Mitarbeiter

und Eltern direkte Adressaten und im Rahmen der Netzwerkbildung im nächsten

Schritt auch der Stadtteil usw. Im Rahmen dieser Arbeit wird eine theoretische Ein-

führung in den Settingsansatz der Gesundheitsförderung gegeben, über die Metho-

dik seiner Durchführung im Rahmen von Projekten und es werden Projekte vorge-

stellt, die nach dem Settingsansatz der Gesundheitsförderung durchgeführt wurden

und werden.


Der Settingsansatz

© Thomas Hering, 2002

1. Der Settingansatz in der Gesundheitsförderung

1.1 Einleitung/

Begriffsbestimmung

Unter dem Begriff Setting wird ein soziales System verstanden, in dem verschiedene

relevante Umwelteinflüsse auf eine bestimmte Personengruppe (die Mitglieder des

Settings) wirken. Ergänzend beinhaltet die Betrachtung von Umwelten als Settings

die Chance, Einfluss auf die relevanten Umwelten nehmen zu können, sie im Fokus

Gesundheit, so zu gestalten, dass sie den Mitgliedern des Settings Gesundheit er-

möglichen (Grossmann, Scala, 1999). Eine weitere Möglichkeit den Begriff des Set-

ting zu definieren, leitet sich aus seiner wörtlichen Übersetzung ab. Danach ist ein

Setting ein Rahmen oder Schauplatz. Gesundheitsfördernde Maßnahmen nach dem

Settings ­ Ansatz sind danach auf Lebensbereiche, auf die Schauplätze des Zu-

sammenlebens ausgerichtet, in denen Menschen die meiste Zeit verbringen und die

durch ihre Struktur die Gesundheit von Menschen am meisten beeinflussen (WHO,

1997). Der Fokus des Settings ­ Ansatzes liegt auf den Rahmenbedingungen unter

denen Menschen leben, lernen, arbeiten und konsumieren. Maßnahmen und Inter-

ventionen richten sich damit nicht allein an homogene Zielgruppen (,,alte Menschen",

,,Kinder", ,,Jugendliche") und ihre spezifischen (Gesundheits)Probleme, vielmehr wir-

ken sie auf die jeweiligen Lebensräume (Settings) in denen unterschiedliche soziale

Gruppen leben können.

Im Rahmen der Gesundheitsförderung wird der Begriff ,,Setting" jedoch nicht allein

zur räumlichen Abgrenzung gebraucht, mit ihm wird vielmehr eine soziale Einheit

bezeichnet, die sich besonders gut für Interventionen eignet (Grossmann, Scala,

1994). Solche Settings sind in erster Linie Kommunen, Schulen, Betriebe und Kran-

kenhäuser, also Settings in denen ein großer Querschnitt der Bevölkerung erreicht

wird. Bei der Planung und Gestaltung gesundheitsfördernder Interventionen im Rah-

men des Settingsansatzes, werden solche Settings stärker differenziert, so dass im

Rahmen eines ,,Gesunde Stadt" ­ Projekts weitere Settings definiert werden können.

Das können z.B. Stadtteile, kommunale Einrichtungen (Eigenbetriebe, Dezernate)

oder Kindergärten, in denen Maßnahmen nach dem Settings ­ Ansatz der Gesund-

heitsförderung geplant werden können.


Der Settingsansatz

© Thomas Hering, 2002

1.2

Entwicklung des Settings - Ansatzes

Methoden und Maßnahmen wie Gesundheitsförderung, Gesundheitsbildung oder

Gesundheitserziehung in Settings haben bereits eine längere Tradition. So wurden

Krankenhäuser, Schulen oder Betriebe schon lange als Einzugsbereiche gesehen

um auf bestimmte Zielgruppen mit einem spezifischen Problembesatz einzuwirken.

Im Unterschied zum Settings ­ Ansatz konnten hier allenfalls Verhaltensmodifikatio-

nen der einzelnen Zielgruppenmitglieder erhofft werden. Jedoch waren die durch

Gesundheitsbildung oder Gesundheitserziehung erreichten Änderungen des Ge-

sundheitsverhaltens oft nicht weitreichend genug, zu wenig nachhaltig und es konn-

ten nicht alle Mitglieder der Zielgruppe dauerhaft erreicht werden. (Baric, Conrad,

1999, Brösskamp ­ Stone u.a. 1998). Mit dem Konzept "Settings" als einem Organi-

sationssystem ergeben sich neue Möglichkeiten gesundheitsfördernder Aktivitäten.

Theoretische Grundlage dieses Konzepts bildet die Organisationsentwicklung, in de-

ren Rahmen Gesundheitsförderung geplant, durchgeführt und evaluiert werden

muss.

1.2.1 Einfluss von Organisationen und Organisationsentwicklung

Im Alltag der Menschen bilden Organisationen sehr relevante, einflussreiche Umwel-

ten. Sämtliche Aktivitäten von Menschen finden in der heutigen Realität in komplexen

Konstrukten statt. Durch unsere täglichen Aktivitäten gestalten wir unsere Lebens-

welten, Verhältnisse unserer Lebenswelten beeinflussen uns, stellen Ressourcen

und Gefahren dar, fördern die Gesundheit oder machen krank, verdienen unseren

Schutz und können unseren Erfordernissen entsprechend verändert werden. Interak-

tionen in und zwischen Staaten, Kommunen, Betrieben, Krankenhäusern, ebenso

wie Familien und weiteren Anteilen unseres sozialen, personalen und gesellschaftli-

chen Umfelds unterliegen einem mehr oder weniger starkem Organisationsgrad. Für

die verschiedenen Problemlagen haben sich spezialisierte Organisationen heraus-

gebildet, für die Lösung komplexer Probleme bilden sich Netzwerke verschiedener

Organisationen. Als Organisation wird ,,...

eine bewusst koordinierte soziale Einheit,

mit relativ klar abgrenzbaren Zugehörigkeiten, die auf einer relativ kontinuierlichen

Basis zur Erreichung eines order mehrerer Ziele arbeitet

" bezeichnet (Robbins,

1990). Es haben sich für die unterschiedlichen Anforderungen unserer komplexen

Welt, ,,Leistungserbringer" also spezielle Organisationen für die bestimmte Aufgaben


Der Settingsansatz

© Thomas Hering, 2002

entwickelt. Eine Organisation ist dabei ein Gefüge sozialer Stellungen und Rollen.

Organisationen nehmen entsprechend ihres Leistungsspektrums und ihrer Aufgaben

einen bestimmten Ausschnitt der Wirklichkeit war. Die Realität außerhalb ihres Leis-

tungsspektrums existiert grob gesagt für eine Organisation nicht (Grossmann, Scala,

1994). Für die Gesundheit von Menschen haben Organisationen insofern eine große

Bedeutung, in dem sie durch ihre Struktur und interne Kommunikation den Interakti-

onsrahmen von Menschen (Organisationsmitgliedern) bilden also Einfluss auf sie

haben.

Eine bedeutungsvoller Aspekt, für die Intervention in Organisationen, betrifft die

Kommunikation in Organisationen als soziale Systeme. Innerhalb von sozialen Sys-

temen interagieren oft schwer durchschaubare soziale Strukturen, die untereinander

ähnlich einem Netz verflochten sind mit den physischen Gegebenheiten der Organi-

sation. Berührungspunkte sozialer Strukturen sind die Knotenpunkte dieses Netzes.

Veränderungen in einem Knoten haben Auswirkungen auf das gesamte Netzwerk.

Verändert sich das Verhalten eines Mitglieds dieses Netzes, hat das Auswirkungen

auf die gesamte Organisation, Veränderungen des natürlichen Umfeldes wirken sich

auf die einzelnen Mitglieder aus. Neuere soziologische Erkenntnisse stellen heraus,

dass wenn sie von Mitgliedern eines sozialen Systems reden, nicht die Menschen als

solche, sondern Kommunikationsmuster die von Organisationsmitgliedern ausgehen

meinen (u.a. Luhmann, 1984). Jedes System hat spezifische Muster, bestimmte Re-

geln, nach denen Kommunikation stattfindet. Familien kommunizieren direkt, Face to

Face, die Kommunikation in höheren Organisationsgraden findet nicht mehr unbe-

dingt direkt zwischen Sender und Empfängerstatt, sondern folgt einem entsprechen-

den ,,Dienstweg" jedoch noch verbal. Kommunikation in der Wirtschaft erfolgt über

Geldtransfers, Rechnungen, also nonverbal. Systeminterne Regeln legen fest, für

welche Inputs ein System offen ist, zum Schutz und zur Sicherstellung ihrer Aufga-

ben werden von solchen Regeln abweichende Inputs ignoriert (Grossmann, Scala,

1994).

Organisationen sind zwar autonome Einheiten, die relativ unabhängig voneinander

agieren, gleichzeitig sind sie mit anderen durch enge sehr sensible Anschlusspunkte

verknüpft (Abb. 1).


Der Settingsansatz

© Thomas Hering, 2002

Politik

Gesundheits-

Wissen-

wesen

schaft

Familie

Erziehung

Wirtschaft

Abb.1:

Abhängigkeit zwischen Organisati-

onen (aus Grossmann, Scala, 1994)

Ausgehend von diesen Überlegungen werden Veränderungen in Organisationen

nicht nur über Verhaltensmodifikationen ihrer Mitglieder sondern in bedeutendem

Maß über die Veränderung der Kommunikationsstrukturen innerhalb der Organisati-

on erreicht, die natürlich Verhaltensänderungen bewirken und diese voraussetzen.

Gesundheitsförderung durch Organisationsentwicklung ­ Organisationsentwicklung

durch Gesundheitsförderung?

Der Einfluss von Organisationen auf ihre Mitglieder wurde in den vorangegangenen

Ausführungen deutlich. Gesundheitsbezogene Interventionen in Organisationen

durch Organisationsentwicklung müssen jedoch berücksichtigen, dass die meisten

Organisationen Gesundheit nicht thematisieren. Gesundheit ist nicht ihr Aufgaben-

gebiet, der Gesundheitszustand ihrer Mitglieder wirkt sich jedoch stark auf das Funk-

tionieren einer Organisation aus. Auch über diese Erkenntnis hält Gesundheitsförde-

rung Einzug in viele Organisationen. Ziel von Gesundheitsförderung durch Organisa-

tionsentwicklung ist, Organisationen um die Dimension Gesundheit zu erweitern. Er-

folge im Rahmen betrieblicher Gesundheitsförderung zeigen, wie günstig sich diese

Dimension auf die Organisationskultur und den Organisationserfolg auswirken. Pro-

jekte im Rahmen der Gesundheitsförderung durch Organisationsentwicklung und

nach dem Settings ­ Ansatz der Gesundheitsförderung (z.B. Betriebliche Gesund-

heitsförderung, Gesunde Städte ­ Projekte) sind seit Mitte der 80er Jahre Kernstra-

tegien der WHO. Grundlagendokument wurde die Ottawa Charter zur Gesundheits-

förderung (WHO - Euro, 1986). Die meisten Organisationen Für eine Organisation

Aufbauend auf den Erfahrungen im Bereich Organisationsentwicklung, ist der Set-


Der Settingsansatz

© Thomas Hering, 2002

tings ­ Ansatz seit 1985 eine Kernstrategie verschiedener WHO ­ Programme zur

Gesundheitsförderung.

1.2.2 Bis zur Ottawa Charter zur Gesundheitsförderung ­ Kerndokument für des

Settings ­ Ansatz der Gesundheitsförderung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten

Nationen, die sich in erster Linie mit internationalen Gesundheitsfragen und der öf-

fentlichen Gesundheit befasst. Über diese 1948 gegründete Organisation tauschen

Vertreter der Gesundheitsberufe aus über 180 Ländern ihr Wissen und ihre Erfah-

rungen aus. Ihr Bestreben zielt darauf ab, allen Menschen der Welt ein Gesundheits-

niveau zu ermöglichen, das es ihnen erlaubt, ein sozial und wirtschaftlich produktives

Leben zu führen (WHO-Euro, 2002).

Mit den WHO ­ Gesundheitskonferenzen wurden und werden Antworten auf die

wachsenden Erwartungen an eine neue öffentliche Gesundheitsbewegung gesucht.

Beginnend mit der Deklaration von Alma Ata (UdSSR) 1978, ,,Gesundheit für alle bis

zum Jahr 2000", beschäftigen sich die in unregelmäßigen Abständen stattfindenden

Konferenzen vorrangig mit Erfordernissen in den Industrieländern, darüber hinaus

werden Probleme aller anderen Regionen erörtert. Die Alma Ata nachfolgenden Kon-

ferenzen beschäftigen sich in immer stärker werdendem Maße mit den Möglichkeiten

der Gesundheitsförderung und dem Public Health ­ Ansatz. Die Ottawa ­ Charter zur

Gesundheitsförderung betont die Bedeutung der Rahmenbedingungen unter denen

Menschen leben, lernen und arbeiten. In diesem Zusammenhang wurde die Verlage-

rung der Betonung von ,,medizinischen Problemen der Gesundheit" hin zu ,,Men-

schen mit Gesundheitsproblemen in Settings" als künftige Praxis der Gesundheits-

förderung geprägt (Bari, Conrad, 1999, WHO ­ Euro, 1986).

Die in der Ottawa Charter zur Gesundheitsförderung festgeschriebenen Strategien

und Handlungsfelder der Gesundheitsförderung, erweitern den damals schon be-

kannten Ansatz der Verhältnisprävention (Franzkowiak, Sabo, 1998, Grossmann,

Scala, 1994, WHO ­ Euro, 1986):

1.

Entwickeln einer gesundheitsförderlichen Gesamtpolitik

. Mit der Umorientie-

rung von einer öffentlichen Gesundheitspolitik zu einer gesundheitsförderlichen

Gesamtpolitik, wird die Bedeutung politischer Entscheidungen für die Gesundheit

von Menschen in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Obwohl die Gesund-

heit nicht Zentrale Aufgabe aller staatlichen und Regierungsgremien ist, wird mit


Der Settingsansatz

© Thomas Hering, 2002

dieser Strategie gefordert, staatliche Entscheidungen auf ihre Gesundheitsrele-

vanz zu überprüfen mit dem Ziel so den Gesundheitszustand der Bevölkerung zu

verbessern.

2.

Schaffung gesundheitsförderlicher Lebenswelten

. Die Schaffung gesund-

heitsförderlicher Lebenswelten ist Aufgabe aller Institutionen und Organisationen

eines Staates. Bei dem Begriff ,

Lebenswelten′

werden neben der Umwelt und der

Gemeinde bzw. Kommune, das gesamte physische und soziale Umfeld der Men-

schen betrachtet. Gesundheitsförderliche Lebenswelten werden durch politische

Entscheidungen und durch Managemententscheidungen der Wirtschaft und öf-

fentlicher Einrichtungen erreicht. Die Verantwortung dafür ist eine gesamtgesell-

schaftliche und liegt nicht in der Hand nur eines Sektors.

3.

Unterstützung gesundheitsbezogener Gemeinschaftsaktionen

. Neben Politik

und Lebensumwelt wird hier die Bedeutung der Beteiligung Betroffener dokumen-

tiert. Es wird das Ziel verfolgt, Bürger zu ermutigen, auf die Bedingungen ihrer

Gesundheit Einfluss zu nehmen. Durch die Erweiterung der Kenntnis über Ver-

flechtungen und Strukturen von Entscheidungsträgern, der Bedingungen, wie Ge-

sundheit erreicht werden kann, hat Bürgerbeteiligung an sich einen gesundheits-

fördernden Charakter. Ein weiteres Ziel ist, soziale Netzwerke zur gegenseitigen

Hilfe und Unterstützung auszubauen. Aufgabe der Regierung im Sinne der Ent-

wicklung einer gesundheitsförderlichen Gesamtpolitik ist rechtliche und politische

Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine aktive Bürgerbeteiligung ermöglichen

(Hart, 2000).

4.

Persönliche Kompetenzen entwickeln

. Durch Gesundheitsförderung soll die

Entwicklung von Persönlichkeit, sozialer Fähigkeiten, sozialer Kompetenzen und

lebenspraktischer Fertigkeiten jedes Einzelnen unterstützt und gefördert werden.

Durch Information und Gesundheitsbildung will sie den Menschen befähigen ihren

Einfluss auf ihre eigene Gesundheit und ihre Lebenswelt zu vergrößern.

5.

Neuorientierung der Gesundheitsdienste

. Neben ihrer Hauptaufgabe, der The-

rapie von Krankheiten, müssen sich die Gesundheitsdienste stärker bei der Ent-

wicklung von Gesundheitsförderung beteiligen. Durch die Akkumulation von Ex-

perten auf dem Sektor des Gesundheitswesens, stellt es eine nützliche Ressour-

ce dar. Die Politik hat die Aufgabe entsprechende rechtliche Rahmenbedingun-

gen für das Gesundheitswesen zu schaffen, damit die Ressourcen dieses Sektors

für die Gesundheit genutzt werden können.


Gesundheitsförderndes Setting

© Thomas Hering, 2002

2. Gesundheitsförderndes

Setting.

Durch Gesundheitsförderung in Settings wurde Planern und Praktikern der Gesund-

heitsförderung ein konzeptioneller Rahmen geliefert, der es ermöglichte (Bari, Con-

rad, 1999):

2 Bei der Planung und Umsetzung von gesundheitsfördernden, gesundheitsbilden-

den Maßnahmen die Charakteristika und Potentiale eines Settings einzubezie-

hen, die regelmäßig größer sind als die einer Problempopulation.

3 Ein Setting in ein gesundheitsförderndes Setting zu überführen, das die Bedürf-

nisse seiner Mitglieder in Bezug auf den Gesundheitsgewinn widerspiegelt.

Nach Bari, Conrad (1999) operiert Gesundheitsförderung innerhalb eines gesund-

heitsfördernden Settings auf zwei Ebenen:

1. Der institutionellen Ebene, also der der Entscheidungsträger und direkt an der

Gestaltung eines Settings beteiligten (das sind u.a. Mitarbeiter, Projektkoordinato-

ren, leitende Mitarbeiter, Aktionäre, Vorstände, Aufsichtsräte usw.).

2. Der Ebene der Konsumenten, also die der unmittelbaren Nutzer von Leistungen

eines Settings sowie diejenigen, die unmittelbar von Entscheidungen dieses Set-

tings betroffen sind (Kunden, Anwohner, Patienten, Kinder in Kindergärten usw.).

Obwohl der Settings ­ Ansatz der Gesundheitsförderung die alleinige Problemorien-

tiertheit älterer Konzepte aufgegeben hat, kombinieren erfolgreiche Projekte den Set-

tings - Ansatz mit der Problemorientierung. So hat ein Bewegungsprojekt in einem

Kindergarten einerseits den problemorientierten Fokus Bewegung, andererseits das

Setting Kindergarten als soziale Einheit, die sich für eine Intervention eignet (Gross-

mann, Scala, 1994).

2.1 Entwicklung eines gesundheitsfördernden Settings

Dass ein Setting nicht nur ein abgestecktes räumliches Gebiet ist, wurde bereits dar-

gestellt. Es ist ein soziales System, das sich besonders gut für Interventionen eignet.

Bei der Festlegung dieses Rahmens, steht der Koordinator vor der teilweise schwie-

rigen Entscheidung, für die geplante Intervention geeignete Grenzen zu ziehen. Ar-

beiten im Rahmen des Settings ­ Ansatz bedeutet arbeiten in einer Organisation.


Gesundheitsförderndes Setting

© Thomas Hering, 2002

Soll über den Handlungsspielraum entschieden werden, dürfen die Grenzen des Set-

tings (also des Interventionsraums) nicht zu eng gesteckt werden. Es muss entschie-

den werden, ob die gesamte Organisation (z.B. Kommune) oder nur eine Abteilung

einbezogen werden soll und ob mit der Grenzziehung die Zielpopulation angemes-

sen berücksichtigt wird (Assessment-1, Strukturevaluation2). Bei Planung eines Pro-

jekts nach dem Settings ­ Ansatz z.B. in Kindergärten wären geplante Interventionen

weniger wirkungsvoll, wenn nicht auch die Eltern in die Arbeit einbezogen werden

würden. Andererseits kann die Einbeziehung eines Stadtteils in ein Projekt zur Be-

wegungsförderung in Kindergärten zwar das grundsätzlich wichtige Ziel haben, alle

Bürger zu einer gesünderen Lebensweise zu befähigen, jedoch werden die dazu nö-

tigen Maßnahmen schnell die vorhandenen Mittel des Projekts aufbrauchen. Im

Rahmen der Prozessevaluation muss der Interventionsrahmen, also die Definition

des Settings, ständig überprüft werden (Grossmann, Scala, 1994).

2.1.1 Phasen der Schaffung eines gesundheitsfördernden Settings

Ausgehend davon, dass ein Rahmen für ein Projekt, also ein Setting, festgelegt wur-

de, wird ein gesundheitsförderndes Setting nach Bari, Conrad (1999) in drei Phasen

umgesetzt:

1. Grundlagenarbeit

2. Umsetzung auf der institutionellen Ebene (Siehe auch 2)

3. Umsetzung auf der ebene der Konsumenten.

Die Grundlagenarbeit wird von der Verwaltung und Leitung eines Settings durchge-

führt. Sie trifft die Entscheidung, ob ein Setting zu einem gesundheitsfördernden Set-

ting umgewandelt werden soll. Der Anreiz, ein Setting in ein gesundheitsförderndes

1 Vor der Intervention in komplexe soziale Systeme, sollten möglichst alle Facetten dieses Sys-

tems bekannt sein. Das Fundament stellt ein Assessment dar. Auf ihm wird eine Intervention

aufgebaut und es gibt die weiteren Elemente vor: Ziele, Strategien und Maßnahmen. Assess-

mentqualität enthält Parameter wie: Bedarf un Bedürfnis, theoretische Grundlagen und Erfah-

rungswerte aus anderen Projekten (Rockstuhl u.a., 2001).

2 Aufgrund der Vielzahl beteiligter Akteure in Settings ­ Projekten, die zu losen Netzwerken zu-

sammengeschlossen sind, müssen die Rahmenbedingungen für die künftigen Kooperations-

strukturen festgelegt werden. Das umfasst sowohl den formelle Rahmen, als auch Kommuni-

kationskanäle und verfügbare Ressourcen personeller und materieller Natur (Trojan, 2001).


Gesundheitsförderndes Setting

© Thomas Hering, 2002

Setting umzuwandeln kann, muss aber nicht auf Initiative interner Kräfte des Settings

kommen, vielversprechend ist auch, ein solches Engagement von externen Sachver-

ständigen zu initiieren, die von der Leitung zur Lösung wahrgenommener Probleme

im Setting bestellt wurden. In folgende Stadien kann die Phase der Grundlagenarbeit

eingeteilt werden:

1.

Beratungen

betreffen die schon angesprochene Entscheidung der Settingslei-

tung, ein Setting in ein gesundheitsförderndes Setting umzuwandeln. Dazu muss

die Settingleitung davon überzeugt werden (und anschließend auch sein), dass

eine Umwandlung nötig, machbar und vielversprechend im Hinblick auf den Ge-

sundheitsgewinn seiner Kunden, Konsumenten, Mitarbeiter ist und das Setting

(die Organisation) einen finanziellen Nutzen davon hat.

2.

Basisarbeit

umfasst die Erfassung der zu lösenden Probleme. Daten über mögli-

che Gesundheitsprobleme werden über Fallstudien und anschließender Daten-

analyse ermittelt.

3. Über

öffentliche Bekanntmachung

der Entscheidung der Leitung, werden Set-

tingsmitglieder über die Entscheidung informiert (ebenso ist die Einbeziehung von

Settingsmitgliedern bei der Entscheidungsfindung notwendig).

4. Mit der

Rekrutierung

geeigneter ,,Gesundheitsberater" wird die Grundlagenarbeit

abgeschlossen und die Umsetzung eingeleitet.

Selten kann die Umwandlung in ein gesundheitsförderndes Setting aus einem Set-

ting selbst heraus erfolgen. Bei der Erläuterung von Organisationen und Organisati-

onsentwicklung wurde bereits darauf eingegangen, dass sich die meisten Organisa-

tionen aufgrund ihrer Profession nicht mit Gesundheit beschäftigen. Das Thematisie-

ren von Gesundheit zum Nutzen der Organisation kann im Rahmen der Umsetzung

auf der institutionellen Ebene durch die o.g. Berater3 eingeleitet werden. Für die Pha-

se der Umsetzung auf institutioneller Ebene sind folgende Stadien sinnvoll (ebd.):

1. Der Settingsleitung wird das geplante Programm und die mit ihm eingegangenen

Verpflichtungen erläutert.

3 Wenn in der folgenden Abhandlung von ,,Beratern" oder Gesundheitsberatern gesprochen

wird, sind damit die im Rahmen eines Projekts eingesetzten sachverständigen Projektmitar-

beiter gemeint. Zu Projektmanagement Siehe 2.2.


Gesundheitsförderndes Setting

© Thomas Hering, 2002

2. Im Stadium der

Rollenverteilung

sollen die Bedürfnisse der Settingsmitglieder

festgestellt werden und die Rollen der Mitglieder einzurichtender Gesundheitszir-

kel werden verteilt. Weiterhin werden weitere Schritte chronologisch geplant und

über Parameter der Qualitätsbewertung und Qualitätssicherung entschieden.

3. Im Rahmen eines

Workshops

für die Mitarbeiter kann eine Expertise über Ein-

stellungen und Vorstellungen möglicher weiterer Umsetzungsschritte erfolgen.

Das ist ein wichtiger Schritt im Rahmen der Beteiligung und Einbeziehung Betrof-

fener.

Eigentliche Intervention im Sinne von Gesundheitsförderung findet in der dritten Pha-

se, der Umsetzung auf der Ebene der Konsumenten statt. Im Rahmen der drei Sta-

dien dieses Umsetzungsschritts: Aktionsplan, Umsetzung und Feedback sowie Eva-

luation, werden die in vorangegangenen Schritten vorgestellten Probleme bearbeitet

und der Output evaluiert.

2.2 Bedeutung der Projektarbeit für den Settings ­ Ansatz der gesundheits-

förderung

Für die Intervention in Organisationen und bei der Implementierung neuer Organisa-

tionsthemen haben sich Projekte bewährt, Projektmanagement ist ein immer häufiger

verwendetes Instrument bei der Bewältigung neuer Probleme (Grossmann, Scala,

1994).

Warum Projekte Organisationen ändern können

Es wurde bereits herausgestellt, dass Organisationen je einen bestimmten Ausschnitt

der Realität bearbeiten, für spezifische Probleme haben sich Professionen heraus-

gebildet, die in Organisationen agieren. Über diese funktionale Differenzierung in ge-

sellschaftliche Subsysteme werden Aufgaben bestimmter gesellschaftlicher Bereiche

(das sind u.a. Politik, Ökonomie, Wissenschaft, Erziehung u.a.) bearbeitet. Trotz ihrer

Abgrenzung gibt es eine Reihe von Bezugspunkten unter den Organisationen (Wilke,

1993). Organisationen nehmen jedoch nur den Ausschnitt der Wirklichkeit wahr, der

für die Bearbeitung der spezifischen Probleme notwendig ist. Das bedeutet auch,

dass Probleme, für die es keine Profession gibt, auch nur schwer organisiert werden

und gesellschaftlich bearbeitet werden können. Oft werden solche Probleme von ein-

zelnen Individuen oder auch von vielen Menschen als Problem wahrgenommen,


Gesundheitsförderndes Setting

© Thomas Hering, 2002

nicht jedoch von relevanten Organisationen. Ein Beispiel sind Problemlagen und

Aufgaben der Gesundheitsförderung, die von Interessengruppen oder einzelnen Ex-

perten bearbeitet werden, bis heute jedoch in Deutschland nicht in die gesellschaftli-

che Aufgabenhierarchie aufgenommen wurden (Grossmann, 1993). Werden, auch in

diesem Zusammenhang, strategische Änderung bestehender Organisationen nötig

und werden gewünscht, mit dem Ziel ein verändertes Aufgaben- und Problemspekt-

rum zu bearbeiten, wird das als eine sich neu herausgebildete Rolle bezeichnet. Um

die Organisationsstrategie zu verändern (also Elemente der Gesundheitsförderung in

der Organisation zu etablieren), müssen sich entsprechende professionelle Rollen

entwickeln. Eine professionelle Rolle braucht eine organisatorische Subeinheit in der

Organisation um ihre Einstellungen und Normen an die Organisation zu übergeben,

das gelingt mit der Planung von Programmen innerhalb der Organisation. Wird diese

Rolle von der Organisation akzeptiert und trägt sie mit ihren Maßnahmen zur Lösung

der vorhandenen Probleme bei, das heißt: Durch die Implementierung einer neuen

Rolle in die Organisationen ergeben sich mehr Vorteile, kann die strategische Aus-

richtung der Organisation so geändert werden, dass ein neues Problem dauerhaft

sinnvoll bearbeitet werden kann (Grossmann, Scala, 1994). Der Prozess der sich

besonders für die Implementierung einer neuen Rolle, im Sinne der Gesundheitsför-

derung, in die Organisationskultur/ -strategie eignet, ist die Projektarbeit.

Grundlagen Projekte

In der Praxis wird die Implementierung neuer Rollen in Organisationen erfolgreich mit

der Einrichtung von Projektgruppen in oder zwischen Organisationen erreicht (neuen

,,organisatorischen Subeinheiten"). Projekte haben hier den Vorteil, dass sie zeitlich

befristet sind, sich außerhalb der hierarchischen Struktur der Organisation selber

bewegen und dass für die Zeit des Projekts eine bestimmte Anzahl interner und/ oder

externer Experten ausschließlich mit der Bearbeitung eines spezifischen Problems

beschäftigt sind. Im Rahmen von Gesundheitsförderung nach dem Settings ­ Ansatz

und der Organisationsentwicklung sind Projekte Organisationsformen, die ,,...

kom-

plexe, neuartige, bereichsübergreifende Aufgaben in einer Organisation oder auch

zwischen mehreren Organisationen (...) bewältigen

" (Grossmann, 1993: 49). Zwei

Funktionen können Projekte dadurch erfüllen (Grossmann, Scala, 1994):

1. Problemlösung

2. Entwicklung der Organisation.


Gesundheitsförderndes Setting

© Thomas Hering, 2002

Der Charakter eines Projekts ist, dass es innerhalb einer Organisation oder zwischen

mehreren Organisationen eine eigenständige organisatorische Subeinheit darstellt.

Es agiert außerhalb der hierarchischen Strukturen jedoch innerhalb der Organisati-

on(s) -kooperationen. Dazu wird ein abgegrenzter Arbeits- und Aufgabenbereich so-

wie weitgehende Freiheiten was die Planung von Schritten angeht benötigt. In diese

Entscheidungsfindung können (und sollten) Vertreter der Leitungsebene der Auf-

tragsorganisation eingebunden werden, mit dem Ziel kooperative Entscheidungspro-

zesse zu managen, nicht hierarchischer Entscheidungsprozesse fortzusetzen. Die

routinemäßige Einbeziehung von Vertretern der Auftraggeberorganisation ist auch

deshalb notwendig, weil Veränderungen in Organisationen nur dauerhaft wirken,

wenn die Organisation an den Veränderungen beteiligt ist. In solchen Projektgruppen

werden Entscheidungen getroffen, die in den Organisationsablauf eingebaut werden.

Die Ergebnisse, die diese Handlung hatte, sind auszuwerten, und in die weitere Pla-

nung einzubeziehen. Die ständige Evaluation der Maßnahmen und die darauf fol-

gende Anpassung der Planungsschritte wird als zirkuläre Zielplanung bezeichnet

(Grossmann, Scala, 1994).

Die Praxis einen Unternehmensberater mit einer organisatorischen Änderung zu be-

auftragen, die dann wortwörtlich in eine Organisation ,,eingebaut" wird, funktioniert in

modernen Organisation mit flachen Hierarchien und ,,emanzipierten" Beschäftigten

nicht mehr. Eine Änderung kann erfolgreich nur unter Respektierung der Autonomie

des intervenierten Systems erreicht werden.


Projekte nach dem Settings - Ansatz

© Thomas Hering, 2002

3. Projekte nach dem Settings ­ Ansatz der Gesundheitsförderungin Kinder-

gärten.

Trotz eines weit entwickelten Sozialsystems in Deutschland und eines Erziehungs-

systems, das fast alle Kinder und Jugendlichen erreicht und das zusätzlich Kindern

ein Recht auf Betreuung in Kindergärten einräumt, zeigen Forschungsergebnisse

dennoch gravierende Gesundheitsprobleme bei Kindern. Im Rahmen einer Tagung

der BZgA im Juni 2000 wurden folgende zentrale Gesundheitsprobleme im Kindesal-

ter genannt (Pott, 2002):

1. Defizite in der motorischen Entwicklung, Koordinationsstörungen

2. Verzögerter Spracherwerb, Hörstörungen, Sehstörungen

3. Adipositas und problematisches Ernährungsverhalten

4. Konzentrationsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, Aggressivität

5. Unfälle

6. Vergleichsweise geringe Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen im Kin-

desalter

7. Nicht ausreichende Impfbereitschaft.

Aus den Gesundheitsprobleme im Kindesalter lassen sich Themenfelder für die Ge-

sundheitsförderung im Kindesalter ableiten, sie machen deutlich, dass in verschiede-

nen Bereichen der Kinderbetreuung noch große Anstrengungen unternommen wer-

den müssen. Die Verteilung von Gesundheitsproblemen ist jedoch nicht gleichverteilt

auf alle Schichten und Herkunften der Kinder. Es gibt also Prädiktoren, die Rück-

schlüsse auf den Gesundheitszustand von Kindern zulassen.

3.1 Einflussfaktoren auf die Gesundheit von Kindern

Ob ein Kind gesund aufwächst oder Gesundheitsprobleme bekommen wird, hängt

von verschiedenen Rahmenbedingungen, in denen das Kind lebt, ab. Unter diesem

Punkt stelle ich für Kinder im Kindesalter wichtige Rahmenbedingungen zusammen:

1. Sozialer Status, von dem folgende die Gesundheit von Kindern beeinflussende

Umstände abhängen: Wohnumfeld, Ernährung, Gesundheitsverhalten


Projekte nach dem Settings - Ansatz

© Thomas Hering, 2002

2. Intrafamiliäre Bedingungen

3. Einflüsse aus dem außerfamiliären Umfeld (insbesondere Kindergarten).

3.1.1 Sozialer Status des Kindes.

Welch großen Einfluss die soziale Lage auf die Gesundheit von Kindern hat, zeigte

die enorme Diskrepanz der Kindersterblichkeit zwischen Kindern der Arbeiterklasse

und Kindern der privilegierten Schicht im 19. Jahrhundert. Auch heute zeigen Zahlen

aus der Kinder- und Jugendgesundheitsberichterstattung erhebliche Unterschiede im

Gesundheitszustand zwischen Kindern unterschiedlicher sozialer Schichten zu un-

gunsten von Kindern unterer sozialer Schichten, auch wenn das Vorsorgesystem gut

funktioniert und für alle Bevölkerungsschichten eine ausreichende gesundheitliche

Versorgung gesichert ist (u.a.: MfASGF Brandenburg, 1999, 2001). Schlack (1998)

stellte Faktoren sozialer Benachteiligung heraus, die er in Kriterien der äußeren Le-

bensumstände (niedriger Sozialstatus, Armut, Unvollständigkeit der Familie, schlech-

te Wohnverhältnisse, Zugehörigkeit zu Minderheiten und Ausgrenzung und einge-

schränkte Bildungschancen) und Kriterien der sozialen Interaktion (Unerwünschtheit

des Kindes, Vernachlässigung, wenig oder einseitige Anregung, psychische Erkran-

kung der Bezugsperson, Gewalt in der Familie und Überforderung des Kindes) unter-

teilte. Folge des Einflusses dieser Kriterien sind verschiedene Gesundheitsprobleme

und ein qualitativ anderes Inanspruchnahmeverhalten medizinischer Dienste durch

sozial benachteiligter Kinder (Mersmann, 1998). Unterschiede sind ebenso bei der

Säuglingssterblichkeit und in der Morbidität und Mortalität zu ungunsten sozial be-

nachteiligter Kinder festzustellen (Mielck, 1998). In der Gruppe der sozial benachtei-

ligten Kinder sind dabei Adipositas, Koordinationsstörungen der Grobmotorik, Stö-

rungen der Fein- und Visuomotorik und Sprach- und Verhaltensauffälligkeiten zu be-

obachten. Kinder dieser Gruppe nehmen seltener an Vorsorgeuntersuchungen im

Rahmen der U ­ Untersuchungen teil und ihre Durchimpfungsrate bei den empfohle-

nen Schutzimpfungen ist geringer (Tetanus, Diphterie, Poliomyelitis, Masern, Röteln,

Tuberkulose, Hepatitis B und Keuchhusten) (Mersmann, 1998).

Die gesundheitliche Lage von Kindern begründet sich jedoch nicht nur auf beschrie-

bene Umgebungsbedingungen und Lebenswelten, gleichzeitig wirken gesundheitsre-

levante Verhaltensweisen auf den Gesundheitszustand von Kindern. Problematisch

in diesem Zusammenhang, ist die Schwierigkeit, oft als angenehm empfundene ge-


Projekte nach dem Settings - Ansatz

© Thomas Hering, 2002

festigte gesundheitsschädliche Verhaltensweisen, zu ändern. Einflüsse des sozialen

Umfelds von Kinder, also Familie und Kindergärten als familienbegleitende Einrich-

tungen, spielen als Modelle für kindliche Verhaltensweisen eine große Rolle (Trosch-

ke, 1989 zitiert in Palentien u.a., 1998). Zu relevanten Verhaltensweisen mit bedeu-

tenden Auswirkungen auf den Gesundheitszustand von Kindern, in deren Folge

nachhaltige Auswirkungen auf das Erwachsenenalter zu erwarten sind, gehören u.a.

(Mellerowicz, Dürrwächter, 1985 zitiert in Palentien u.a., 1989):

1. Ernährung. Folgen von ernährungsfehlverhalten sind neben Herz- Kreislaufer-

krankungen, Diabetes mellitus und Hypertonie auch verschiedene Krebsarten,

Übergewicht mit Auswirkungen auf das Skelettsystem und Erkrankungen des

Verdauungsapparats.

2. Bewegung. Auf einem Mangel von Bewegung können verschiedene der soge-

nannten Zivilisationskrankheiten zurückgeführt werden.

3. Zahnhygiene.

Es zeigt sich teilweise recht deutlich, dass Kinder die unteren sozialen Schichten an-

gehören, ein ungünstigeres Gesundheitsverhalten in den o.g. Bereichen zeigen (RKI,

2001)

3.1.2 Einflüsse der Familie

In der Familie werden maßgeblich gesundheitsrelevantes Verhalten, Einstellungen

und Gesundheitskonzepte entwickelt und geprägt. Welche Kompetenzen die Kinder

in der Familie erwerben können hängt vom Kriterien wie: Bildungsstand der Eltern

(insbesondere der Mutter), Anwesenheit der Bezugsperson und Gesundheit und Ge-

sundheitskonzepte der Eltern ab. Auch Faktoren wie Scheidung und daraus folgende

Einelternschaft beeinflussen die Entwicklung von Kindern, lassen Rückschlüsse auf

die soziale Lage und der sich aus ihr ergebenden Lebensbedingungen zu. Die

Schwierigkeiten von Alleinerziehenden, die sich auf die Kinder auswirken sind be-

sonders bei jungen Alleinerziehenden und zu Beginn der Einelternschaft besonders

groß (Schneider, 2001). Zentrales Ziel der Entwicklung im Kindesalter unter dem Ge-

sundheitsaspekt ist die Vermittlung von Gesundheitskompetenz, die ihrerseits Wis-

sen, Motivation und handeln umfasst (BZgA, 2001).

Einflussfaktoren innerhalb der Familie sind (zusammengefasst in: Stadt Wien, 2000):


Projekte nach dem Settings - Ansatz

© Thomas Hering, 2002

1. Art und Intensität der Beziehung und Bindung von Kindern und Elternteil(en)

2. Qualität der Interaktion zwischen Elternteil(en) und Kindern (Gleichgültigkeit, Ver-

ständnislosigkeit, Inkonsequenz aber auch Überbehütung und Überbesorgtheit

der Eltern)

3. Erziehungsstil der Eltern (nach Bender und Lösel (1998), zitiert in Stadt Wien,

2000) erfüllt eine emotional positive, zugewandte und akzeptierende, angemes-

sen fordernde und kontrollierende Erziehung eine grundlegende Funktion für eine

psychisch gesunde Entwicklung von Kindern)

Als familienbegleitende Einrichtungen müssen Kindergärten mit den Familien zu-

sammenarbeiten, Erzieherinnen sollten, aufgrund ihrer Ausbildung befähigt werden,

rechtzeitig auf offensichtliche Entwicklungsdefizite zu reagieren, in gleicher Weise

muss ein Netz von Hilfen geknüpft werden um den Kindern eine gelingende Entwick-

lung zu ermöglichen sowie die Kompetenzen der Eltern im Hinblick auf die Gesund-

heit ihrer Kinder zu erweitern.

3.1.3 Bedeutung des Kindergartens für die Gesundheit von Kindern.

An den Kindergarten werden heute sehr hohe Anforderungen gestellt. Kinder sollen

in ihm eine allseitige Förderung der Persönlichkeitsentwicklung erfahren, soziale Be-

nachteiligungen soll er ausgleichen, Entwicklungsunterschiede erkennen und ent-

sprechende Maßnahmen einleiten und Partner und wenn nötig Berater von Eltern

sein (Zimmer, 2002). Was jedoch steht dem gegenüber? Kommunen haben sich ei-

nen engen Finanzrahmen gesteckt, müssen sparen. Zuschüsse an frei- gemeinnützi-

ge Träger werden regelmäßig gekürzt bzw. sind teilweise schon einige Jahre nicht

mehr erhöht worden. Die daraus folgenden Auswirkungen sind Personalmangel,

Vergrößerung von Gruppen oder Verkürzung der Öffnungszeiten. Obwohl nach dem

Gesetz, jedes Kind einen Rechtsanspruch auf Betreuung in einer Kindertageseinrich-

tung hat, sind bundesweit lange Wartezeiten auf einen Kindergartenplatz festzustel-

len. Trotzdem ist die Bereitschaft in keiner anderen pädagogischen Einrichtung, sich

auf die ändernden Lebenssituationen einzustellen, so groß wie in Kindergärten. Eine

weitere Ressource des Kindergartens ist ein relativ großer Handlungsspielraum bei

der Gestaltung der Kinderbetreuung, es besteht kein Beurteilungszwang und leis-

tungsbedingter Konkurrenzdruck wie in der Schule.


Projekte nach dem Settings - Ansatz

© Thomas Hering, 2002

Das Aufgabenspektrum des Kindergartens wird in Zukunft noch erweitert, bedenkt

man, dass Kinder bei Eintritt in den Kindergarten weniger sensomotorische Erfahrun-

gen erworben haben, mehr Konzentrations- und Verhaltensaufälligkeiten deutlich

werden und kommunikative Fähigkeiten der Kinder sinken, alles Symptome die u.a.

auf die sich veränderten Lebensbedingungen zurückzuführen sind (ebd.). Auf diese

veränderten Bedingungen muss sich der Kindergarten in Zukunft einstellen, dazu

muss bei den Entscheidungsträgern ein Umdenken erfolgen.

Welche große Bedeutung der Kindergarten für gesundheitsfördernde Interventionen

hat wird nach Pott (2002) deutlich weil:

1. Er einen schichtübergreifenden, pädagogisch orientierten Zugangsweg darstellt

2. Er eine zentrale familienergänzende Rolle hat

3. Sich im Rahmen der pädagogischen Arbeit mit Kindern gute Anknüpfungspunkte

für den Einsatz gesundheitserzieherischer Aspekte in den Kindergartenalltag fin-

den

4. Sich die pädagogische Aufgabe der Förderung der Entwicklung des Kindes zu

eigenverantwortlichen, gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten gut mit konkreten

Elementen der Gesundheitsförderung verbinden lässt

5. Der Kindergarten eine zentrale Schnittstelle zwischen professioneller pädagogi-

scher Arbeit von entsprechend qualifizierten Fachkräften und der Erziehungsar-

beit im häuslichen Umfeld darstellt und somit auch als mögliches Interventionsfeld

auf die Eltern dienen kann.

Die Ausbildung der Erzieherinnen muss an diese komplexe Situation angepasst wer-

den (Wissenschaftler sind sich einig, dass das Kindesalter ein für die Entwicklung

eines Menschen fundamentale Periode ist), an Kindergärten darf nicht weiter gespart

werden, eine Vernetzung von Kindergärten mit Bildungs- und wissenschaftlichen Ein-

richtung sollte gefördert werden und die Stellung des Kindergartens im Deutschen

Bildungssystem gestärkt werden.

3.2 Projekte im Setting Kindergarten

Das Thema Gesundheitsförderung wurde mittlerweile von vielen Einrichtungen und

Trägern von Kindergärten aufgegriffen und gestaltet. Berücksichtigt werden bei sol-


Projekte nach dem Settings - Ansatz

© Thomas Hering, 2002

chen Aktivitäten einige der unter 3. genannten Gesundheitsproblemen und Störun-

gen. Diese Aktivitäten haben teilweise Projektcharakter, teilweise sind es einmalige

Maßnahmen und Aktivitäten (Ernährung, Sinneserfahrung und Sinnesstrecken usw.).

In diesem Zusammenhang stelle ich Projekte im Rahmen des Settings ­ Ansatzes in

Kindergärten vor, die einerseits unter 3. genannte Gesundheitsprobleme berücksich-

tigen bzw. als Settings ­ Projekte auch das Umfeld des Kindergartens einbezogen.

3.2.1 Kinder in Bewegung ­ Ein Projekt in Kindergärten des Landkreises Schaum-

burg (Niedersachsen)

Im Landkreis Schaumburg (Niedersachsen) wurde von 1999 ­ 2001 das Modellpro-

jekt ,,Bewegung als Motor kindlicher Entwicklung ­ eine kinderpolitische Maßnahme"

durchgeführt. Es versteht sich als eine Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhil-

fe. Kooperationspartner für dieses Projekt waren der Gemeinde ­ Unfallversiche-

rungsverband Hannover und die Landesunfallkasse Niedersachsen. Das Projekt

wurde von der Universität Hannover, Fachbereich Erziehungswissenschaft/ Soziolo-

gie wissenschaftlich begleitet. Für das Projekt wurden die folgenden Ziele formuliert

(Landkreis Schaumburg, 2001):

1. Verbesserung bei der Verknüpfung von Theorie und Praxis

2. Altersgerechte Beteiligung der Mädchen und Jungen bei der Umsetzung der

Grundbedürfnisse und Grundrechte

3. Förderung der Persönlichkeitsentwicklung, der Selbst- und Sozialkompetenz

4. Verbesserung der quantitativen und qualitativen Bewegungsräume

5. Gesundheitsförderung im Sinne einer gesunden Persönlichkeit

6. Gewaltprävention zur Verminderung von Gewalt und Gewaltbereitschaft

7. Förderung der Zusammenarbeit durch bewusstes wohnortnahes Öffnen des Kin-

dergartens.

Neben den Mitarbeitern der Kindergärten waren Kinder und Eltern an der Gestaltung

beteiligt, thematische Schwerpunkte für das Projekt waren (ebd.):

1. Gesundheit

2. Bewegung

3. Ganzheitliches Lernen


Projekte nach dem Settings - Ansatz

© Thomas Hering, 2002

4. Kooperation

5. Gewaltprävention

6. Partizipation.

Zur Prozess- und Ergebnisevaluation wurden Interviews mit zwölf Leiterinnen von

Kindergärten und schriftliche standardisierte Befragung von 69 Erzieherinnen sowie

von 725 Eltern durchgeführt. Einige Ergebnisse dieser Methoden (ebd.):

· Erziehung im Kindergarten erfolgt weniger theoriegeleitet, eher situationsbedingt,

paradigmatisch und kindorientiert

· Es gibt kaum Männer im Kindergarten, mit denen sich Jungen und Mädchen iden-

tifizieren und auseinandersetzen können

· Probleme in der Praxis werden kaum bei den Kindern, eher im Mangel an Zeit

und Räumen, bei den Eltern und der Schule gesehen usw.

3.2.2 Hüpfdötzchen ­ Kindergarten in Bewegung. Ein Projekt des Kreisgesund-

heitsamt Neuss

Vom Arbeitskreis ,,Prävention im Kindes- und Jugendalter" des Kreises Neuss wurde

in einer Pilotphase von Oktober 1996 bis September 1997 ein Projekt für Kindergär-

ten durchgeführt. Seit der Pilotphase wird dieses Projekt jährlich durchgeführt. Ziel-

gruppe des Projekts waren Kinder, Eltern und Erzieherinnen. Auch bei diesem Set-

tingsprojekt war der Hauptinterventionsbereich Bewegung. Dazu wurden folgende

Projektziele verfolgt:

1. Schaffung täglicher Bewegungsanlässe im Kindergartenalltag sowie im Eltern-

haus zur langfristigen Reduzierung von Koordinationsstörungen und motorischen

Auffälligkeiten

2. Schaffung von Transparenz durch Fortbildungsangebote, Beratungen, praktische

Hilfen und weiterführende Angebote, z.B. Bewegungswerkstatt im Kreis Neuss

3. Förderung der interinstitutionellen Kooperation

4. Orientierung an der Lebenswelt von Kindern unter Einbezug der Settings ,,Eltern-

haus" und ,,Kindergarten" im Sinne der Ottawa Charter zur Gesundheitsförderung


Projekte nach dem Settings - Ansatz

© Thomas Hering, 2002

Das Projekt wurde von der Deutschen Sporthochschule wissenschaftlich begleitet. Im

Ergebnis dieses Projekts konnte festgestellt werden, dass sich das Bewegungsver-

halten der Kinder, die Sichtweise von Bewegung und Bewegungserziehung der Er-

zieherinnen verändert hat, sich die Fachkompetenz der Erzieherinnen erweitert hat

und ein interinstitutionelles Netzwerk aufgebaut wurde (Präsentation des Projekts

Hüpfdötzchen in BZgA, 2002).

3.2.3 Gesunde Kindertagestätte ­ erleben und gestalten. Ein Projekt der Landes-

vereinigung für Gesundheit Thüringen e.V.

Getragen von der Landesvereinigung für Gesundheit Thüringen e.V. (AGETHUR)

wurde im Zeitraum von 1996 ­ 1997 das Projekt ,,Gesunde Kindertagesstätte ­ erle-

ben und gestalten" durchgeführt. Zielstellung dieses Projekts war die Erweiterung

von Kompetenzen und Wissen von Kindern um einen bewussteren Umgang der Kin-

der mit sich selbst und mit der Umwelt zu fördern. Gesundheitsförderung, die mit die-

sen Aspekten in engem Zusammenhang steht, sollte in den Lern- und Erlebnisraum

von Kindertagesstätten integriert werden. In die Aktivitäten sollten sowohl die Set-

tings Kindergarten, als auch Elternhaus einbeziehen und berücksichtigen. Durch in-

terinstitutionelle Kooperation und Vernetzung sollten Ergebnisse und Erfolge des

Projekts auf angrenzende Kindergärten und Schulen übertragen werden. Die Evalua-

tion erfolgte intern durch die AGETHUR, sie brachte u.a. das folgende Ergebniss her-

vor:

1. 400 Kinder im Alter von 2 ­ 6 Jahren wurden mit Veranstaltungen in den neun am

Projekt beteiligten Kindergärten erreicht.

Eine Befragung zur Ermittlung subjektiver Gesundheitskonzepte, geänderten Um-

welt- und Gesundheitswissens zu verschiedenen Zeitpunkten dieses Projektes im

Sinne von Prozess- und Ergebnisevaluation wurde nicht dokumentiert (Präsentation

des Projekts ,,Gesunde Kindertagesstätte - erleben und gestalten" in BZgA, 2002).

3.2.4 Chancen für zukünftige Projekte im Rahmen des Settings ­ Ansatzes in Kin-

dergärten.

Die hier vorgestellten Projekte in Kindergärten sind nur ein kleiner Ausschnitt dessen,

was sonst noch in diesem Bereich für Gesundheitsförderung und Prävention getan

wird. Weitere Projekte beschäftigen sich mit der Entwicklung von Konfliktfähigkeit


Projekte nach dem Settings - Ansatz

© Thomas Hering, 2002

und Übernahme sozialer Verantwortung bei Kinder und Jugendlichen (Sturzbecher

u.a., 2000), Gewaltprävention (Caritas, Projektpräsentation in BZgA, 2002), Sucht-

vorbeugung (Landeszentrale für Gesundheitsförderung Rheinland Pfalz e.V., Pro-

jektpräsentation in BZgA, 2002) usw. Es wird also schon viel getan. Größtenteils sind

die genannten Projekte von wissenschaftlichen Einrichtungen wissenschaftlich be-

gleitet wurden und liefern gute Ergebnisse. Es wird damit deutlich, das Projekte im

Rahmen des Settings - Ansatzes besonders im Setting Kindergarten eine gute

Grundlage für eine gesunde Entwicklung von Kindern liefern und dass sie ihre Me-

thoden und Maßnahmen schichtübergreifend, also sozialkompensatorisch, einsetzen.

Träger solcher Projekte sind sowohl Träger von Einrichtungen, Kommunen und Ver-

eine der Arbeit mit Familien und Kindern, als auch explizit Institutionen der Gesund-

heitsförderung (Landesvereinigungen für Gesundheitsförderung). Vielfältige

Kooperationen wurden eingegangen und Netzwerke auch institutionsübergreifend

wurden gebildet.

Bisher wurden gesetzliche Krankenversicherungen jedoch wenig aktiv, obwohl der

Gesetzgeber mit dem § 20 SGB V je Versicherten eine bestimmte Summe (derzeit

2,56 pro Versicherten und Jahr) für Gesundheitsförderung und Prävention vorgese-

hen hat. Diese Summe wird von keiner der großen gesetzlichen Krankenversiche-

rungen ausgegeben (Strotbek, 2002). Ein weiteres Problem stellten Einwände der

Krankenkassen dar, wonach Leistungen bestimmter GKV′en im Rahmen des Set-

tings ­ Ansatzes nicht mitgliederbezogen sind und ebenso anderen, dort nicht Versi-

cherten zukommen. Überlegungen zur Bildung eines Pools zur Finanzierung von Set-

tings ­ Projekten bekamen nun Unterstützung vom Bundesversicherungsamt, wo-

nach das Bundesversicherungsamt bereit ist, zukünftig Mischfinanzierungen der

GKV′en, die nicht mitgliederbezogen errechnet werden zu tolerieren, weil mitglieds-

konforme Settingsgruppen nicht bestehen (ebd.). Für Planer und Koordinatoren von

Projekten und engagierte Mitarbeiter in Kommunen und Institutionen der Kinder-

betreuung eröffnen sich damit gute Chancen Mittel von den GKV′en für gesundheits-

fördernde Projekte im Setting Kindergarten bewilligt zu bekommen.


Zusammenfassung

© Thomas Hering, 2002

4. Zusammenfassung

Nach 1985 wurden durch die WHO zunehmend Projekte im Settings - Ansatz durch-

geführt. Gesunde Städte Projekte, Projekte wie Gesundheitsfördernde Schule, Ge-

sundheitsförderndes Krankenhaus und Betrieb orientieren sich am Settings - Ansatz

der Gesundheitsförderung. Für den Bereich Gesundheitsförderung wurde der Set-

tings ­ Ansatz mit der Ottawa Charter der WHO (1986) eingeführt. Damit wurden

Menschen nicht aufgrund ihrer Gesundheitsprobleme oder Risikofaktoren als Inter-

ventionsgruppen für die Gesundheitsförderung oder Prävention gewählt, sondern es

wurden Lebensräume, oder soziale Einheiten gewählt, die sich besonders für Inter-

ventionen eignen. Diese sozialen Einheiten, Lebensräume, Settings stellen Orte dar,

in denen sich Menschen meistens aufhalten, in denen sie leben, arbeiten, lernen,

lieben und spielen. Der Definitionsrahmen eines solchen Settings kann dabei sehr

weit gefasst werden und beinhaltet nicht nur die räumliche Grenzen. Wurde ein Be-

trieb als Interventionsraum ausgewählt sollen in das Setting nicht nur Werksangehö-

rige einbezogen werden. Vielmehr sind gesundheitsfördernde Interventionen in ei-

nem Setting dann erfolgreich, wenn sie ein möglichst breites Spektrum der Lebens-

welt eines Settingmitgliedes umfassen. Bei Werksangehörigen sollten dazu zumin-

dest die Familien gehören sowie alle betriebsinternen und ­externen Einrichtungen.

Ziel ist für Projekte im Settings ­ Ansatz einen Rahmen zu wählen, der nicht so eng

ist, dass er bedeutende Anteile von Lebenswelt ausspart, aber auch nicht so groß ist,

dass sich eigentliche Settingsmitglieder nicht mehr angesprochen fühlen, weil es kei-

ne Bezugspunkte zu Anteilen ihres Settings gibt.

Mit der Einführung der Projektarbeit in die Gesundheitsförderung, wurden neue Mög-

lichkeiten eröffnet, die den Gesetzmäßigkeiten einer immer komplexer werdenden

und sich differenzierenden (Organisations)Welt besser Rechnung tragen. Durch die

rasanten Veränderungen der Lebensbedingungen treten verstärkt Probleme auf, die

von den klassischen Organisationen nicht wahrgenommen werden, weil sie ihrem

Leistungsspektrum nicht entsprechen. Für eine Vielzahl von Menschen können sie

jedoch eine große Belastung darstellen. Mit Projekten wird ein Problem institutionali-

siert, es bekommt einen eigenen organisatorischen Rahmen in einer Organisation

bzw. zwischen Organisationen. Besonders die Thematik Gesundheit und Gesund-

heitsförderung muss von wichtigen Organisationen, nicht nur dem Gesundheits- oder


Zusammenfassung

© Thomas Hering, 2002

Krankenversorgungswesen, aufgegriffen werden und in die Organisationsstrategie

eingebaut werden. Erfolgreiche Projekte implementieren eine neue Rolle in Organi-

sationen und verändern somit (idealer Weise) die Organisationsstrategie.

Wenn es darum geht, den Settings ­ Ansatz für Kindergärten zu thematisieren, ist es

wichtig, die neuen, veränderten Gesundheitsprobleme von Kindern und deren kausa-

len Zusammenhänge, zumindest mit ihnen korrelierende Aspekte zu verdeutlichen.

Offensichtlich wird die Kernfamilie nicht mehr allen Anforderungen, die in Bezug auf

die Entwicklung von Kindern an sie gestellt werden gerecht. Besonders deutlich wird

das bei Kindern unterer sozialer Schichten, Kindern junger Alleinerziehender und zu

Beginn der Einelternschaft. Auf diese Probleme soll der Kindergarten eingehen, er

soll zur Förderung der Persönlichkeitsentwicklung beitragen, soziale Benachteiligun-

gen ausgleichen, Entwicklungsunterschiede erkennen und entsprechende Maßnah-

men einleiten, Partner und wenn nötig Berater von Eltern sein. Dieses neue erweiter-

te Spektrum verlangt, den Kindergarten stärker in den Mittelpunkt derzeitiger Diskus-

sionen, sei es bei Gesundheitszustand, Gesundheitsförderung oder bei der aktuellen

Bildungsdebatte zu stellen. Es verlangt weiterhin bestehende Strukturen und Koope-

rationen zu erhalten und zu unterstützen, Ergebnisse bereits erfolgreich durchgeführ-

ter Projekte stärker auf die Landschaft der Kindergärten zu übertragen und die Aktivi-

täten der Gesundheitsförderung in Kindergärten, auch mit neuen Partnern wie z.B.

den gesetzlichen Krankenversicherungen zu verstärken und vorhandene bereitge-

stellte Mittel zu nutzen, vor allem meine ich damit Mittel, die nach § 20 SGB V für

Gesundheitsförderung und Prävention vorgesehen sind.


Literaturverzeichnis

© Thomas Hering, 2002

Literatur.

Bari, L., Conrad, G. (1999): Gesundheitsförderung in Settings. Konzept, Methodik

und Rechenschaftspflichtigkeit zur Anwendung des Settingsansatzes der Ge-

sundheitsförderung. Gamburg: Verlag für Gesundheitsförderung G. Conrad

Brösskamp ­ Stone, U., Kickbusch, I., Walter, U. (1998): Gesundheitsförderung. In:

Schwartz, F.W., Badura, B., Leidl, R., Raspe, H., Siegrist, J. [Hrsg.]: Das Public

Health ­ Buch. Gesundheit und Gesundheitswesen. München u.a.: Urban &

Schwarzenberg

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) [Hrsg.] (2002): ,,Früh übt

sich..." Gesundheitsförderung im Kindergarten. Köln

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) [Hrsg.]: Gesundheitsförderung

im Kindergarten. Konzepte 3. Köln

Franzkowiak, P., Sabo, P. [Hrsg.] (1998): Dokumente der Gesundheitsförderung.

Mainz: Verlag Peter Sabo

Grossmann, R. (1993): Gesundheitsförderung durch Organisationsentwicklung ­ Or-

ganisationsentwicklung durch Projektmanagement. In: Pelikan, J. M., Demmer,

H., Hurrelmann, K. [Hrsg.]: Gesundheitsförderung durch Organisationsentwick-

lung. Konzepte, Strategien und Projekte für Betriebe, Krankenhäuser und Schu-

len. Weinheim: Juventa

Grossmann, R., Scala, K. (1994): Gesundheit durch Projekte fördern.Ein Konzept zur

Gesundheitsförderung durch Organisationsentwicklung. Weinheim: Juventa

Grossmann, R., Scala, K. (1999): Settings ­ Ansatz in der Gesundheitsförderung. In:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) [Hrsg.]: Leitbegriffe der

Gesundheitsförderung. Glossar zu Konzepten, Strategien und Methoden der Ge-

sundheitsförderung. Schwabenheim a. d. Selz: Peter Sabo

Hart, D. (2000): Bürgerbeteiligung: Zum Konzept und seinen rechtlichen Rahmenbe-

dingungen. In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) [Hrsg.]:

Bürgerbeteiligung im Gesundheitswesen ­ Eine länderübergreifende Herausfor-

derung. Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung Band 10. Köln

Landkreis Schaumburg (2001): Kinder in Bewegung. Schaumburg


Literaturverzeichnis

© Thomas Hering, 2002

Luhmann, N. (1984): Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Frankfurt

u.a. Suhrkamp

Mersmann, H. (1998): Gesundheit von Schulanfängern ­ Auswirkungen sozialer Be-

nachteiligungen. In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)

[Hrsg.]: Gesundheit von Kindern ­ Epidemiologische Grundlagen. Forschung und

Praxis der Gesundheitsförderung Band 3. Köln

Mielck, A. (1998): Armut und Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen: Ergebnisse

der sozial - epidemiologischen Forschung in Deutschland. In: Klocke, A., Hurrel-

mann, K. [Hrsg.]: Kinder und Jugendliche in Armut. Umfang, Auswirkungen und

Konsequenzen. Opladen: Westdeutscher Verlag

Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen Brandenburg (MfASGF

Brandenburg) (1999): Einschüler in Brandenburg. Soziale Lage und Gesundheit

1999. Potsdam

Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen Brandenburg (MfASGF

Brandenburg) (2001): Soziale Lage und Gesundheit von jungen Menschen im

Land Brandenburg. Potsdam

Palentien, C., Settertobulte, W., Hurrelmann, K. (1998): Gesundheitsstatus und Ge-

sundheitsverhalten von Kindern als Grundlage der Prävention. In: Bundeszentra-

le für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) [Hrsg.]: Gesundheit von Kindern ­ Epi-

demiologische Grundlagen. Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung

Band 3. Köln

Pott, E. (2002): Zentrale Gesundheitsprobleme im Kindesalter und Entwicklung von

Interventionsstrategien. In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

(BzgA) [Hrsg.]: ,,Früh übt sich..." Gesundheitsförderung im Kindergarten. Impulse,

Aspekte und Praxismodelle. Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung

Band 16. Köln

Robbins, S. P. (1990): Organization Theory: Structure, Design and Applications. 3rd

Edn. London: Prentice Hall International

Robert Koch Institut (RKI) (2001): Armut bei Kindern und Jugendlichen 03/01. Berlin

Ruckstuhl, B., Kolip, P., Gutzwiller, F. (2001): Qualitätsparameter in der Prävention.

In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) [Hrsg.]: Qualitätsma-

nagement in Gesundheitsförderung und Prävention. Grundsätze, Methoden und

Anforderungen. Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung Band 15. Köln


Literaturverzeichnis

© Thomas Hering, 2002

Schlack, H. G. (1998): Lebenswelten von Kindern als Determinanten von Gesundheit

und Entwicklung. In.: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)

[Hrsg.]: Gesundheit von Kindern ­ Epidemiologische Grundlagen. Forschung und

Praxis der Gesundheitsförderung Band 3. Köln

Schneider, N. F. (2001): Allein erziehen - Vielfalt und Dynamik einer Lebensform. In:

Theorie und Praxis der sozialen Arbeit. 2001; 52 (4): 123-128

Stadt Wien Dezernat II Gesundheitsplanung (2000): Wiener Kindergesundheitsbe-

richt 2000. Wien

Strotbek, J. (2002): Erst ein Drittel der Krankenkassen ­ Mittel. In: Info Dienst Ge-

sundheit Berlin e.V. Landesarbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung. 2002,

2: 4

Sturzbecher, D., Langner, W., Waltz, C. (2000): Wie viel Autonomie besitzen Kinder?

Ein Vergleich der Perspektiven von Kindern und ihren Erziehungspersonen. In:

Krappmann, L., Kuhn, H. P., Uhlendorff, H. [Hrsg.]: Sozialisation zur Mitbürger-

lichkeit. Opladen: Leske und Budrich

Trojan, A., (2001): Qualitätsentwicklung in der Gesundheitsförderung. In: Bundes-

zentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) [Hrsg.]: Qualitätsmanagement in

Gesundheitsförderung und Prävention. Grundsätze, Methoden und Anforderun-

gen. Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung Band 15. Köln

Willke, H. (1993): Systemtheorie entwickelter Gesellschaften: Dynamik und Riskanz

moderner gesellschaftlicher Selbstorganisation. 2. Aufl. Weinheim: Juventa

World Health Organization ­ Regionalbüro für Europa (WHO-Euro) (1986): Ottawa

Charter for Health Promotion. In:

http://www.euro.who.int/AboutWHO/Policy/20010827_2

World Health Organization ­ Regionalbüro für Europa (WHO-Euro) (2002): Die WHO/

Europa. In: http://www.euro.who.int/AboutWHO/About/20010825_3

World Health Organization (WHO) (1997): Review and Evaluation of Health

Promotion Materials for the 4th International Conference on Health Promotion,

Jakarta, July 1997. Geneva

Zimmer, R. (2002): Kindergarten als Setting der Gesundheitsförderung. In: Bundes-

zentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) [Hrsg.]: ,,Früh übt sich..." Gesund-

heitsförderung im Kindergarten. Impulse, Aspekte und Praxismodelle. Forschung

und Praxis der Gesundheitsförderung Band 16. Köln



Comments

Kathrin
15.04.2003 19:23:39
Hallo Thomas
Hey Thomas... Das hast Du aber toll gemacht :) Gruß, Kathrin...
Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/107215/der-settings-ansatz-der-gesundheitsfoerderung-am-beispiel-kindergarten
please wait Please wait