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Autor: Christian Caspari
Fach: Chemie
Details
Institut: Fachschule für Technik (Chemotechniker-Ausbildung
Tags: Chemie, Organischer, Peroxide, Berücksichtigung, Sicherheitsaspekten, Unterrichtsfach
Jahr: 1998
Seiten: 31
Note: gut
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 355 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-05490-9
Relativ ausführliche Darstellung des Themas, auch für ChemiestudentInnen im Grundstudium sehr hilfreich !
Volltext (computergeneriert)
Name:
Caspari, Christian
Datum: 26. April 1998
Klasse: ChT
2
Sicherheits- und Umwelttechnik:
Hausarbeit Nr. 1
Abgabedatum:
30. April 1998
Seite 1
Die Chemie Organischer Peroxide
unter besonderer Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten
Gliederung
1 Einführung Seite 1
1.1 Allgemeine
Stoffeigenschaften Seite
2
1.1.1 Chemische
Klassifizierung Seite
2
1.1.2 Physikalische
Eigenschaften Seite
3
1.1.3 Chemische
Eigenschaften Seite
6
1.1.3.1 Säure-Base-Verhalten Seite 7
1.1.3.2 Organisch-chemische Reaktionen Seite 7
1.1.3.3 Herstellung Seite 12
1.1.3.4 Verwendung Seite 16
2 Gefährlichkeit
organischer Peroxide Seite 18
2.1 Sicherheitstechnische
Prüfmethoden Seite 19
2.1.1
Detonations- und Deflagrationsfähigkeit Seite 19
2.1.2 Stoßempfindlichkeit Seite
20
2.1.3 Reibungsempfindlichkeit Seite
20
2.1.4 Explosionsenergie Seite 21
2.1.5 Wärmeempfindlichkeit Seite
21
2.2 Sicherheitstechnische Kennzahlen Seite 22
2.2.1 SADT Seite 22
2.2.2 Halbwertszeit Seite 22
2.2.3 Aktivsauerstoff
(AO) Seite
23
2.3 Zusammenfassung
(Tabelle) Seite
24
2.4 Toxikologie Seite 24
3
Sicherheit im Umgang mit organischen Peroxiden Seite 25
3.1
Herstellung organ. Peroxide und Versuchsarbeiten Seite 25
3.2 Verarbeitung
organischer Peroxide Seite 26
3.3
Lagerung organischer Peroxide Seite 27
3.4
Entsorgung und Vernichtung organischer Peroxide Seite 27
3.5
Peroxide in organischen Lösemitteln Seite 28
4 Literatur Seite 28
1. Einführung
Die vorliegende Ausarbeitung hat den sicheren Umgang bei der Herstellung, der Verarbeitung
und der Entsorgung bzw. Vernichtung organischer Peroxide zum Thema. Dabei wird ausgehend
von den chemisch-physikalischen Stoffeigenschaften und der Reaktivität die Gefährlichkeit or-
ganischer Peroxide herausgearbeitet. Die Schlußfolgerungen daraus münden schließlich in die
Erörterung der zu treffenden Sicherheitsmaßnahmen.
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 2
1.1 Allgemeine
Stoffeigenschaften
1.1.1 Chemische
Klassifizierung
Organische Peroxide sind Verbindungen, die eine an organische Reste gebundene Peroxo-
Gruppe (-O-O-Gruppe) enthalten. Sie lassen sich deshalb auch formal als Derivate
(= Abkömmlinge) des Wasserstoffperoxids H2O2 (Dihydrogenperoxid) beschreiben, in denen ein
oder auch beide Wasserstoff-Atome durch organische Reste ersetzt (substituiert) sind. Je nach
Art und Anzahl des oder der Substituenten an der -O-O-Gruppierung kann man das umfang-
reiche Gebiet der organischen Peroxyverbindungen in folgende Stoffklassen unterteilen [1]:
Alkykhydroperoxide
O
H
(Hydroperoxide)
R
O
Dialkylperoxide (Peroxide)
O
R2
R
R
O
1
1 = R2: ,,symmetrische P."
R1 R2: ,,unsymmetrische P."
Peroxycarbonsäuren
O
(Persäuren)
C
OH
R
O
Diacylperoxide
O
R1 = R2: ,,symmetrische P."
C
O
R2
R
O
C
1 R2: ,,unsymmetrische P."
R1
O
Peroxycarbonsäureester (Persäureester)
O
R1 = R2: ,,symmetrische P."
C
O
R
R
O
R
1 R2: ,,unsymmetrische P."
1
2
-Oxyperoxide
R
R (H)
3
1
O
(Ketonperoxide und Ozonide)
O
C
R
X
2
X = -OH, -OR4, -O-O-
-Aminoperoxide
R
R (H)
3
1
O
O
C
R
X
2
X = -NH2, -NHR5, -NR5R6
Epidioxide
C H
9 17
(Epiperoxide, Endoperoxide)
O O
HO
Ergosterinperoxid (Beispiel)
Tabelle 1
Die Benennung der acyclischen organischen Peroxide erfolgt nach IUPAC-Regel C-218.2
durch die Präfixe ,,Dioxy..." oder ,,Dioxydi...", die der cyclischen durch ,,Epidioxy..." oder als
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 3
heterocyclische Verbindungen mittels ,,Oxa...-Nomenklatur. Das Präfix ,,Peroxy..." ist der Be-
zeichnung der organischen Persäuren vorbehalten. In der Natur treten lediglich cyclische Per-
oxide wie Ascaridol, Ergosterinperoxid und einige andere mit z.T. höhergliedrigen Ringen
auf [2].
1.1.2 Physikalische
Eigenschaften
Alkylhydroperoxide sind flüssig oder fest und lassen sich in reinem Zustand bei Temperatu-
ren unterhalb etwa 80°C destillieren oder schmelzen. Höhere Temperaturen bewirken eine starke
Zersetzung, die unter Umständen explosionsartig verlaufen kann. Die Temperaturbeständigkeit
der Hydroperoxide wird vor allem durch die Dissoziationsenergie der O-O-Bindung bestimmt,
wobei für die unimolekulare Zerfallsreaktion R-OOH R-O· + ·OH ein Richtwert von 180
bis 184 kJ/mol angegeben wird.
Dialkylperoxide sind flüssig oder fest. Tertiäre Dialkylperoxide sind so stabil, daß sie bei
Normaldruck (Di-tert.-butylperoxid) oder im Vakuum (Dicumylperoxid) destilliert werden kön-
nen. Die Dissoziationsenergie für die O-O-Bindung wurde mit 170 bis 180 kJ/mol bestimmt.
Die primären Dialkylperoxide sind hingegen instabil. Die niederen Glieder wie z.B. Dimethyl-
peroxid sind schlagempfindlich und explosiv.
Die kurzkettigen Glieder der aliphatischen Peroxycarbonsäuren sind mit Wasser unbegrenzt
mischbare Flüssigkeiten von unangenehmem, stechendem Geruch. In reiner oder hochkonzen-
trierter Form sind sie explosiv. Mit steigender Kettenlänge geht die Explosionsfähigkeit zu-
rück [3]. Längerkettige Peroxysäuren (> C6) sind zunehmend wasserunlösliche Feststoffe. Aro-
matische Peroxycarbonsäuren sind in Wasser nur begrenzt, in einer Vielzahl organischer Lö-
sungsmittel hingegen gut löslich. Alle Peroxycarbonsäuren zersetzen sich beim Erhitzen und
durch Schlageinwirkung, unter Umständen explosionsartig. Die Dissoziationsenergie für die
O-O-Bindung ist mit 80 bis 90 kJ/mol beträchtlich kleiner als die der Hydroperoxide und
Dialkylperoxide.
Die meisten Diacylperoxide sind niedrigschmelzende Feststoffe, die sich bereits bei leichter
Temperaturerhöhung, z.T. sogar explosionsartig, zersetzen. Der Zersetzungspunkt ist dabei stark
von der Aufheizgeschwindigkeit abhängig. Bei der Handhabung unphlegmatisierter Diacylper-
oxide ist größte Vorsicht geboten, da sie sehr empfindlich gegen Reibung, Schlag und Stoß
sind ! Die Energie für die Dissoziation der O-O-Bindung beträgt 120 bis 130 kJ/mol.
Peroxycarbonsäureester sind flüssig oder fest. Aufgrund ihrer thermischen Instabilität können
sie nur unter sehr schonenden Bedingungen durch Destillation, Umkristallisation oder Chroma-
tographie gereinigt werden. Für die Labilität ist die Dissoziationsenergie der O-O-Bindung, die
zwischen 147 und 164 kJ/mol liegt, verantwortlich.
Die thermische Stabilität von -Oxyperoxiden variiert sehr stark in Abhängigkeit des jeweili-
gen Strukturtyps sowie innerhalb der einzelnen Gruppen. Bei den cyclischen geminalen Di- und
Triperoxiden sind z.B. die niederen Glieder sehr explosiv, während die Arylalkyliden-Derivate
bis in die Nähe ihres Schmelzpunktes stabil sind. Ähnliches gilt auch für die anderen -Oxyper-
oxide.
Die thermische Stabilität von -Aminoperoxiden variiert ebenfalls sehr stark. Die niedermo-
lekularen Peroxide sind sehr schlag- und stoßempfindlich, während die höheren Glieder bis hin
zum Schmelzpunkt stabil sind.
Einen Überblick über die wichtigsten physikalischen Eigenschaften einiger ausgewählter or-
ganischer Peroxoverbindungen [4] gibt Tabelle 2:
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 4
Tabelle 2
Physikalische Eigenschaften wichtiger organ. Peroxoverbindungen:
Name Formel
M
in g/mol
Fp
in °C
Kp
in °C
(mbar)
tert.-Butylhydroperoxid
CH3
90,12
35
H C
C
O O H
(23)
3
CH3
Cumolhydroperoxid
CH3
152,19
53
C
O O H
(0,13)
CH3
Di-tert.-butylperoxid
CH
CH
3
3
146,23
-40
111
H C
C
O O
C
CH
(1010)
3
3
CH3
CH3
Dicumylperoxid
CH
CH
3
3
270,37 39
C
O O C
CH
CH
3
3
2,5-Dimethyl-2,5-bis-(tert.-
O
290,44 8 42
O
C(CH )
butylperoxy)hexan
3 3
(0,08)
H C
CH
CH
3
2
3
H C
CH
3
2
CH3
O
(H C) C
3
3
O
Peroxyameisensäure
O
62,02
-18
50
C
OH
(90%ig)
(133)
H
O
Peroxyessigsäure
O
76,05 0 25
C
OH
(16)
H C
O
3
Peroxypropionsäure
O
90,08
-13
25
H C
C
OH
(27)
3
CH
O
2
Peroxybuttersäure
O
104,11
-10 26
- 29
(Per-n-buttersäure)
H C
(CH )
C
OH
(16)
3
2 2
O
Peroxylaurinsäure
O
216,32 50
H C
(CH )
C
OH
3
2 10
O
Peroxybenzoesäure
O
138,12
41 - 42
C
OH
O
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 5
Name Formel
M
in g/mol
Fp
in °C
Kp
in °C
(mbar)
m-Chlorperoxybenzoesäure
O
172,61 88
C
OH
O
Cl
p-Nitroperoxybenzoesäure
O
183,12 138
(Z)
C
OH
O
O
+
N
O
Dibenzoylperoxid
242,32 106
O
-107
C
O
O
C
110 (Z)
O
Diisopropylperoxy-
CH
O
3
206,19
8 - 10
dicarbonat
O
O
CH3
H C
O
O
35 -38
(Isopropylpercarbonat)
3
(Z)
O
CH3
Acetylcyclohexan-
O
O
222,26
35 - 36
sulfonylperoxid
C
O
S
36 (Z)
H C
O
3
O
Peroxyessigsäure-
O
132,16
50 - 51
tert.-butylester
CH
C
O
3
(20)
(tert.-Butylperacetat)
H C
O
C
3
CH3
H C
3
Peroxypivalinsäure-
O
174,2
-18
tert.-butylester [5]
H C
CH
3
C
O
3
bis -25
(tert.-Butylperpivalat)
C
O
C
H C
CH3
3
CH
H C
3
3
Peroxybenzoesäure-
O
194,23 8,5
75 - 77
tert.-butylester
CH
C
O
3
(2,7)
(tert.-Butylperbenzoat)
O
C CH3
H C
3
-Hydroxyperoxy-´-hy-
246,30 78
droxydicyclohexylperoxid
OH
O
O
O
O
H
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 6
Name Formel
M
in g/mol
Fp
in °C
Kp
in °C
(mbar)
3,6-Dicyclohexyliden-
O
O
228,29 127-129
1,2,4,5-tetroxan =
Dicyclohexylidendiperoxid
O
O
3,6-Dicyclopentyliden-
O
O
200,23
95 - 98
1,2,4,5-tetroxan =
Dicyclopentylidendiperoxid
O
O
2,2-Bis(tert.-butylperoxy)-
H C
O
O
3
234,34
69 - 70
C(CH )
butan
C
3 3
(20)
H C
3
C(CH )
CH O
O
3 3
2
1,1-Bis(tert.-butylperoxy)-
O
O
260,37
52 - 54
C(CH )
cyclohexan
3 3
(0,2)
C(CH )
3 3
O
O
1,2,4-Trioxolan
O
O
76,05
18
(Ethylenozonid)
H C
CH
(21)
2
2
O
3,3,5,5-Tetramethyl-
O
O
132,16 133-134
CH
1,2,4-trioxolan =
H C
3
3
C
C
Tetramethylethylen-ozonid
O
H C
3
CH3
1,1´-Peroxydicyclohexyl-
NH
211,30
40 - 42
94 - 97
amin
(0,5)
O
O
130-140
(20)
1-Amino-1-tert.-butyl-
NH2
187,28
36 - 38
peroxycyclohexan
O
(0,7)
O
C(CH )
3 3
1.1.3 Chemische
Eigenschaften
Die Reaktivität organischer Peroxyverbindungen ist in starkem Maße von ihrer Molekülstruk-
tur abhängig. Das Oxidationspotential nimmt in der Reihenfolge Peroxycarbonsäuren > Alkyl-
hydroperoxide > Diacylperoxide > Peroxycarbonsäureester > Dialkylperoxide ab, wobei die Sta-
bilität innerhalb einer Stoffklasse mit steigender Anzahl der Kohlenstoffatome zunimmt. Die
Temperaturbeständigkeit eines Peroxides wird durch seine Halbwertszeit charakterisiert (siehe
Kap. 2.2.2). Dies ist die Zeit, in der die Hälfte der ursprünglichen Menge an Peroxid zerfallen
ist.
Bei allen Arbeiten mit organischen Peroxiden sind erhöhte Sicherheitsmaßnahmen erforder-
lich (vgl. Kap. 3). Viele Peroxyverbindungen sind nicht nur wärme-, sondern auch schlag-, stoß-
sowie lichtempfindlich und detonieren unter Umständen recht heftig (vgl. Kap. 2); Verunreini-
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 7
gungen durch z.B. Schwermetallspuren können ebenfalls explosionsartige Zersetzungen hervor-
rufen. Daher werden die meisten Peroxyverbindungen nicht in reiner Form, sondern mit stabili-
sierenden Zusätzen versehen hergestellt und gehandhabt. Man bezeichnet diese Substanzen da-
her als
phlegmatisierte
Peroxyverbindungen.
1.1.3.1 Säure-Base-Verhalten
Ein ausgeprägtes Säure-Base-Verhalten zeigen nur Alkylhydroperoxide und
Peroxycarbonsäuren, die besonders in wäßriger Lösung sauer reagieren. Alkylhydroperoxide
sind stärkere Säuren als die korrespondierenden Alkohole und daher bis auf wenige Ausnahmen
zur Salzbildung befähigt. Diese Eigenschaft wird auch zur Isolierung und Reinigung der
Verbindungen herangezogen. Die Peroxycarbonsäuren reagieren schwächer sauer als die
entsprechenden Carbonsäuren, da zum einen die Peroxygruppe durch eine intramolekulare
Wasserstoffbrückenbindung stabilisiert wird (Chelatbildung) und zum anderen das
Peroxycarboxylatanion keine Mesomeriestabilisierung erfährt, was die Abspaltung des Protons
erleichtern könnte. Die
pK
a-Werte einiger Peroxide sind in Tabelle 3 zusammengefaßt [6]:
Alkylhydroperoxide
pK
a (20°C)
Peroxycarbonsäuren
pK
a (20°C)
Methylhydroperoxid 11,5
Peroxyameisensäure 7,1
Ethylhydroperoxid 11,8
Peroxyessigsäure 8,2
Isopropylhydroperoxid 12,1
Peroxypropionsäure
8,1
Cumolhydroperoxid 12,6
Peroxybuttersäure 8,2
tert.-Butylhydroperoxid 12,8
Peroxylaurinsäure
10,8
Peroxybenzoesäure
7,8
m-Chlorperoxybenzoesäure
7,7
p-Nitroperoxybenzoesäure
7,4
Tabelle 3
Säurestärken einiger ausgewählter organ. Peroxyverbindungen
1.1.3.2 Organisch-chemische Reaktionen
Alkylhydroperoxide
reagieren unter Erhalt der OO-Bindung mit vielen organischen Ver-
bindungen unter Bildung von
Dialkylperoxiden
,
Peroxycarbonsäureestern
,
Peroxyacetalen
und
Peroxyketalen
:
(1)
O
O
R
R
OH
2
H O
R
OH
2
R
O
2
1
1
Dialkylperoxid
(2)
X
O
C
C
C
C
R
OH
X
OOR
H
-substituiertes Dialkylperoxid
(3)
O
O
O
R
C
R
C
R
OH
HCl
2
2
1
Cl
OOR1
Peroxycarbonsäureester
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 8
(4)
OH
OOR
O
+ ROOH
R
OH
C
O
C
C
-H
OOR
2O
OOR
Peroxyacetal oder -ketal
Unter basischen Bedingungen zersetzen sich manche primäre und sekundäre Alkylhydroper-
oxide zu Carbonylverbindungen:
(5)
OOH
O
+ OH-
CH
C
H O
2
H C
CH
H C
CH
3
3
3
3
Isopropylhydroperoxid Aceton
Obwohl tertiäre Hydroperoxide im allgemeinen stabiler gegen Alkalien sind, können sie sich
doch unter bestimmten Bedingungen in Alkohol und Sauerstoff zersetzen:
(6)
CH
CH
3
3
+ OH-
2 H C C OOH
H C
C
OH
3
2
3
O2
CH
CH
3
3
tert.-Butylhydroperoxid tert.-Butanol
In Gegenwart von Säuren zersetzen sie sich ebenfalls, wobei häufig umgelagerte Produkte
entstehen. Ein Beispiel dafür ist die großtechnische Herstellung von Phenol und Aceton aus Cu-
molhydroperoxid nach dem Verfahren von HOCK-LANG (vgl. Seite 16 f.).
Dialkylperoxide
zerfallen beim Erhitzen oder unter Lichteinwirkung homolytisch unter Bil-
dung von Alkoxyradikalen, die je nach der Struktur des Alkylrests, der Temperatur und der Um-
gebung weiterreagieren:
(7)
O
R
oder h
2
R
O*
*O
R
R
O
1
2
1
Peroxycarbonsäuren
sind von allen organischen Peroxiden die stärksten Oxidationsmittel,
wobei unter Abgabe des Sauerstoffs die entsprechenden Carbonsäuren entstehen. Im sauren Mi-
lieu stellt sich nach kurzer Zeit bereits ein Gleichgewicht ein:
(8)
O
O
+ H+
R
C
+ H O
R
C
+ H O
2
2
2
OOH
OH
In Anwesenheit starker Basen jedoch zersetzen sich Peroxycarbonsäuren unter Sauerstoffver-
lust. Die thermische Zersetzung kann auf zwei verschiedenen Wegen erfolgen: Unter Ausschluß
von Sauerstoff dominiert die radikalische Decarboxylierung, wobei die O-O-Bindung homoly-
tisch gespalten wird (9). Schwermetallionen beschleunigen den radikalischen Zerfall bereits bei
tiefen Temperaturen ! Bei Anwesenheit von Radikalinhibitoren überwiegt dagegen die sehr viel
schnellere ionische Reaktion unter Abspaltung von molekularem Sauerstoff (10):
(9)
O
R
C
R
OH
CO2
OOH
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 9
(10)
O
O
2 R C
2 R C
O2
OOH
OH
Peroxycarbonsäuren reagieren mit Carbonsäurechloriden und -anhydriden zu
Diacylperoxi-
den
(30).
Die thermische und photochemische Zersetzung der
Diacylperoxide
liefert unter Homolyse
der O-O-Bindung zwei Radikale, deren weiterer Zerfall folgende Produkte ergeben kann:
(11)
O
O
R
Diacylperoxid
R
O
O
O
R
O*
- CO
- 2 CO
2
2
O
R*
+ R*
R
O*
R R
Folgereaktionen
Kohlen-
mit R-H
Folgereaktionen
O
wasserstoffe
mit R-H
R
R
O
Rekombination zu
Carbonsäureestern
Die zwischenzeitlich entstehenden Radikale induzieren den Zerfall weiterer Moleküle, so daß
sich die Zersetzung autokatalytisch beschleunigt. Polare und reaktive Lösungsmittel erhöhen
ebenfalls die Zersetzungsgeschwindigkeit. Die ionische Zersetzung von Diacylperoxiden wird
durch starke LEWIS-Säuren, wie z.B. AlCl3, SbCl5, FeCl3 oder BF3 sowie durch polare Lö-
sungsmittel und starke Säuren katalysiert, wobei intramolekulare Umlagerungen stattfinden.
Die saure Hydrolyse eines Diacylperoxids führt zu je einem Äquivalent der entsprechenden
Säure und
Peroxysäure
:
(12)
O
O
O
H
C
O
R
2O / H+
R
C
R
C
R
O
C
OH
OOH
O
Dialkylperoxydicarbonate zersetzen sich schon bei tieferen Temperaturen als die Diacylper-
oxide. Die niedermolekularen Verbindungen dieses Typs sind wärme-, schlag- sowie stoßem-
pfindlich und unterliegen bereits bei Raumtemperatur einer starken, oft explosionsartigen Selbst-
zersetzung; dabei können die entstehenden Alkoxyradikale mit jeder verfügbaren Substanz
weiterreagieren, so z.B. auch mit reaktionsträgen Kohlenwasserstoffen unter Bildung von Ethern
und Alkoholen:
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 10
(13)
O
O
O
C
R1
2 R
O*
2 CO
1
R
C
O
O
2
1
O
2 R1-O
·
+ R2-H R1-O-R2 + R1-OH
Die Zersetzungsneigung kann durch den Zusatz von Inhibitoren, wie z.B. Iod, Sauerstoff oder
substituierte Aromaten, herabgesetzt werden.
Die wichtigste Reaktion von
Peroxycarbonsäureestern
ist der thermisch induzierte, homoly-
tische Zerfall zu freien Radikalen, der nach zwei Mechanismen verlaufen kann. Der einfachen
Homolyse der O-O-Bindung folgt häufig eine Decarboxylierung:
(14)
O
O
C
O
O*
C(CH )
R
C
3 3
R
O
C(CH )
3 3
O*Homolyse
O
R
C
R*
CO2
O*
Decarboxylierung (= Abspaltung von Kohlendioxid)
Es ist auch ein simultaner Bruch der O-O-Bindung und der C-R-Bindung möglich:
(15)
O
R*
CO
O*
C
O
C(CH )
2
3 3
R
O
C(CH )
3 3
Die Hydrolyse von tertiären Peroxyestern führt zur Bildung von Carbonsäuren und
Hydroper-
oxiden
:
(16)
O
O
O
H
H O
C
O
R
C
2
O
C(CH )
R
O
C(CH )
3 3
3 3
OH
Die chemischen Eigenschaften von -
Oxyperoxiden
sind ebenso unterschiedlich wie ihre
physikalischen Eigenschaften So liefert die Thermolyse neben dem Ausgangsketon eine Vielzahl
von Produkten, was am Beispiel des Dicyclohexylidendiperoxids gezeigt werden soll, da hierbei
makrocyclische Verbindungen entstehen, die ansonsten nur schwer zugänglich sind:
(17)
O
O
O
O
O
O
O
Dicyclohexylidendiperoxid
bis 44%
bis 23%
bis 21%
Die Zersetzung der dimeren Cyclopentanon- und Cyclohexanonperoxide (Dicyclopentyliden-
diperoxid, Dicyclohexylidendiperoxid) und ihrer Derivate durch Kupfer(I)-chlorid in Salzsäure
bei Temperaturen zwischen -20°C und +50°C liefert in hohen Ausbeuten die entsprechenden
-Chlorcarbonsäuren:
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 11
(18)
O
O
O
CuCl / HCl / H
O
2O
O
O
Cl
OH
Dicyclopentylidendiperoxid 5-Chlorpentansäure Cyclopentanon
-
Aminoperoxide
sind ebenfalls zu vielen Reaktionen befähigt. So liefert z.B. die thermi-
sche Zersetzung des 1-Amino-1-tert.-butyl-peroxycyclohexans gleich mehrere Produkte:
(19)
NH2
O
O
O
450 - 500°C
O
C(CH )
C -Amid
C -Amid
3 3
6
7
NH
H C
CH
2
3
3
Das 1,1´-Peroxy-dicyclohexylamin kann thermisch oder photochemisch zum Decan-1,10-di-
carbonsäureimid umgelagert werden. Als Nebenprodukte entstehen hierbei -Caprolactam und
Cyclohexanon:
(20)
O
O
NH
O
350 - 400°C
C
NH
oder h
NH
O
O
C
O
Höhere Temperaturen führen hauptsächlich zur -Cyanundecansäure:
(21)
O
O
NH
O
> 400°C
C
OH
NH
O
O
C
N
Bei der radikalischen Zersetzung mit Eisen(II)- oder Kupfer(I)-salzen entstehen neben Cyclo-
hexanon das Capronsäureamid (Pentancarbonsäureamid) bzw. das -Chlorcapronsäureamid:
(22)
O
O
+
FeSO
NH2
4
NH
O
O
CuCl
O
O
Cl
+
NH2
Die Umsetzung mit Natriummethylat in Methanol führt zu -Caprolactam in hohen Ausbeu-
ten:
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 12
(23)
O
NH
O
NaOCH3
CH
NH
O
3OH
O
1,1´-Peroxy-dicyclohexylamin
-Caprolactam Cyclohexanon
1.1.3.3 Herstellung
Organische Peroxyverbindungen lassen sich allgemein nach zwei Methoden darstellen:
1. aus Wasserstoffperoxid und seinen Derivaten und
2. durch Autooxidation organischer Verbindungen.
Wasserstoffperoxid ist ein stark nucleophiles Agens und läßt sich daher durch Alkylhaloge-
nide, Alkohole, Alkene, Ester, Ether u.a. alkylieren. Diese Umsetzungen verlaufen teilweise
stark exotherm, weshalb eine gute Kühlung erforderlich ist. Technische Bedeutung haben nur die
Peroxidierungen zu den beständigeren tertiären
Alkylhydroperoxiden
aus z.B. tert.-Butanol
erlangt:
(24)
CH
CH
3
3
H2SO4 / 30°C
H C
C
OH
H C
C
OOH
3
H O
2
2
3
- H2O
CH
CH
3
3
tert.-Butanol tert.-Butylhydroperoxid
Durch Umsetzung von Alkenen mit Wasserstoffperoxid und freiem Halogen erhält man
-substituierte Alkylhydroperoxide in guten Ausbeuten:
(25) H C
Br
CH
3
3
5 - 10°C
C
CH
H O
Br
H C
C
OOH
2
2
2
2
HBr
2
H C
3
CH3
Isobuten 1-Brom-2-hydroperoxy-2-methylpropan
Als
Autooxidation
bezeichnet man die Reaktion organischer Verbindungen mit molekularem
Sauerstoff bei Temperaturen bis etwa 120°C. Sie verläuft nach einem Radikalmechanismus, wo-
durch sich letztendlich eine O-O-Gruppierung in eine C-C-Bindung oder C-H-Bindung ein-
schiebt (Insertion). Sie hat für die Darstellung der Alkylhydroperoxide geringere Bedeutung.
Von den
Dialkylperoxiden
läßt sich z.B. Di-tert.-butylperoxid durch Autooxidation von Iso-
butan herstellen. Die Autooxidation von konjugierten Dienen unter Lichteinwirkung
(Photooxygenierung) führt zu 1,4-Epiperoxiden, die auf anderem Wege kaum zugänglich sind.
Ein Beispiel ist die Synthese des pharmazeutisch interessanten Ascaridols (4-Isopropyl-1-me-
thyl-2,3-dioxabicyclo[2.2.2]oct-5-en) durch Autooxidation von -Terpinen (4-Isopropyl-1-me-
thyl-cyclohexa-1,3-dien):
(26)
CH
CH
3
3
+ O2 / h
O O
O
=
O
CH
CH
H C
CH
H C
CH
3
3
3
3
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 13
Dialkylperoxide lassen sich am besten durch Alkylierung von Hydroperoxiden mit Alkoholen
(1), Alkenen (2), Estern, Ethern und Halogenalkanen darstellen. So führt die Reaktion von tert.-
Butylhydroperoxid mit tert.-Butylchlorid im Vakuum unter starker Gasentwicklung nahezu
quantitativ zum Di-tert.-Butylperoxid:
(27)
CH
CH
CH
CH
3
3
3
3
60 - 70 mbar
H C
C
OOH
Cl
C
CH
H C
C
O
O
C
CH
HCl
3
3
3
3
CH
CH
CH
CH
3
3
3
3
Zur Darstellung von
Peroxycarbonsäuren
gibt es eine Vielzahl von Verfahren, von denen
hier nur vier skizziert werden sollen, die technische Bedeutung erlagt haben. Die klassische
Synthese von Peroxycarbonsäuren ist die direkte, säurekatalysierte Gleichgewichtsreaktion zwi-
schen Carbonsäuren und Wasserstoffperoxid (8). Eine der ältesten Methoden zur Herstellung
wasserfreier Peroxysäuren ist die Acylierung von H2O2 mit Carbonsäureanhydriden:
(28)
O
O
C
C
+ NH
OOH
O
+
3 / 30°C
+ H+
H O
2
2
in 1,2-Dichlorethan
20°C
OH
C
C
O
O
Phthalsäureanhydrid
Monoperoxyphthalsäure
Die Monoacylierung von H2O2 mit Carbonsäurechloriden in Gegenwart von Basen hat für die
Herstellung aromatischer Peroxycarbonsäuren größte Bedeutung, da diese auf anderen Wegen
nur schlecht oder gar nicht synthetisiert werden können:
(29)
O
O
C
C
Cl
OOH
+
+ H+
+ OH- / t.-BuOH
H O
2
2
- HCl
Cl
Cl
m-Chlorbenzoylchlorid
m-Chlorperoxybenzoesäure
Die saure Hydrolyse von Diacylperoxiden (12) ist nur für die Herstellung von Peroxybenzoe-
säure von Bedeutung.
Diacylperoxide
lassen sich durch Umsetzung von Peroxycarbonsäuren mit Carbonsäurechlo-
riden gewinnen. Dieses Verfahren wird vor allem zur Darstellung unsymmetrischer Diacylper-
oxide angewandt, wie z.B. des 3-Chlorbenzoyl-2-chlorbutyrylperoxids:
(30)
O
O
Cl
O
O
OOH
Na2CO3/H2O ; -2°C
O
NaCl
Cl
in CHCl3
O
Cl
Cl
Cl
Symmetrische Diacylperoxide lassen sich durch Acylierung von Wasserstoffperoxid oder Na-
triumperoxid herstellen. Dies ist auch das technisch bedeutendste Verfahren, bei dem man Car-
bonsäurechloride oder -anhydride mit H2O2 bzw. Na2O2 in Gegenwart einer Base umsetzt. So
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 14
erhält man z.B. Dibenzoylperoxid durch Oxidation von Benzoesäureanhydrid mit einem Alkali-
metallperborat:
(31)
O
O
O
+ [O] ; 55°C
O
O
O
O
Dialkyl-peroxydicarbonate, in hochkonzentrierter Form explosiv, lassen sich aus Chlorkoh-
lensäureestern und alkalischem Wasserstoffperoxid gewinnen. Darauf basiert ein Verfahren zur
Herstellung von freifließendem Diisopropyl-peroxydicarbonat, bei dem Chlorkohlensäure-iso-
propylester mit alkalischem H2O2 umgesetzt wird und anschließend die Reaktionsmischung in
flüssigen Stickstoff eingegossen wird. Dadurch erhält man ein granuliertes Peroxid, das unter-
halb von -10°C gut lagerfähig ist:
(32)
CH
O
3
CH
O
O
CH
3
3
+ 2 NaOH
H O
O
O
CH3
2
2
- 2 NaCl;
H C
O
O
3
H C
O
Cl
Cl
O
CH
3
3
- 2 H2O
O
CH3
Peroxycarbonsäureester
sind nicht durch direkte Veresterung von Peroxycarbonsäuren mit
Alkoholen oder Diazomethan zugänglich. Ebenso spielen Autooxidationsreaktionen keine Rolle
für die Herstellung von Peroxyestern. Zu den wichtigsten Herstellverfahren zählen die Umset-
zungen von Alkylhydroperoxiden mit Carbonsäuren, Carbonsäurechloriden (3) und -anhydriden.
Auf diese Weise wird auch Peroxybenzoesäure-tert.-butylester aus tert.-Butylhydroperoxid und
Benzoylchlorid hergestellt:
(33)
O
CH3
CH3
C
+ NaOH
H C
C
OOH
3
Cl
H C
C
O
- NaCl
3
CH
O
C
3
CH3
O
-
Oxyperoxide
können nach drei verschiedenen Methoden hergestellt werden:
1. Autooxidation von Ethern, Acetalen, Aldehyden und Alkoholen
2. Anlagerung von H2O2, Alkylhydroperoxiden oder Peroxycarbonsäuren an Carbonylverbin-
dungen
3. Ozonolyse von ungesättigten Verbindungen
Nur in Ausnahmefällen sind Autooxidationsreaktionen zur Herstellung von -Oxyperoxiden
von präparativer Bedeutung. Ether, vor allem Diethylether und Tetrahydrofuran (THF), werden
durch Luftsauerstoff und unter Lichteinwirkung leicht zu Etherhydroperoxiden (-Alkoxyhy-
droperoxiden) nach einem radikalischen Mechanismus oxidiert:
(34)
CH
OO*
H C
CH
2
2
2
h
+ O
H C C* O
CH
3
3
2
H C
O
CH
HC
CH
3
3
2
H
H C
O
CH
3
3
Diethylether
Alkylperoxyl-Radikal
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 15
OO*
OOH
CH
H C
CH
2
2
2
H C C* O
CH
HC
CH
H C
O
CH
HC
CH
3
3
2
3
3
2
H C
O
CH
H C
O
CH
3
3
3
3
H
1-Ethoxyethylhydroperoxid
1-Ethoxyethylhydroperoxid kondensiert sich unter Abspaltung von Ethanol zum hochexplosi-
ven polymeren ,,Etherperoxid" [7]:
(35)
CH3
OOH
n
CH
O
OO
HC
CH
O
CH
+ n C
2
2H5OH
H C
O
CH
3
3
CH3
n/2
THF reagiert auf die gleiche Weise zum Tetrahydrofuranhydroperoxid [8]:
(36) H C CH
H C
CH
2
2
+ O2 ; h
2
2 H
H C
CH
H C
C
2
2
2
O
O
OOH
Tetrahydrofuran Tetrahydrofuranhydroperoxid
Die Autooxidation von Diisopropylether (,,Isoäther") führt zu hochexplosiven dimeren und
trimeren Acetonperoxyden (3,3,6,6,9,9-Hexamethyl-1,2,4,5,7,8-hexaoxacyclononanen) 8:
(37)
O
O
H C
CH
3
3
C
C
H C
CH
3
O
O
3
CH
CH
CH
CH
3
3
3
3
+ 2 O2 ; h
dimeres Acetonperoxid
H C
O
CH
3
3
CH
H C
O
CH
3
3
3
OOH
OOH
O
H C
C
O
3
CH
Diisopropylether
3
O
C
CH
O
O
3
C
O
H C
3
CH3
trimeres Acetonperoxid
Aldehyde addieren Wasserstoffperoxid unter Bildung von -Hydroxyhydroperoxiden und
,´-Dihydroperoxiden, wobei das Mengenverhältnis der beiden Produkte von den gewählten
Reaktionsbedingungen abhängt:
(38)
O
R
OOH
O
O
R
R
+ H2O2
R
C
C
+
C
C
H
H
OH
H
OH
O
H
H
Cyclische geminale Alkylidendi- und -triperoxyde (1,2,4,5-Tetroxane und 1,2,4,5,7,8-
Hexaoxacyclononane) bilden sich auch bei der Einwirkung von H2O2 auf Aldehyde in Gegen-
wart konzentrierter Schwefelsäure:
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 16
(39)
R
O
H
C
O
O
O
O
R
+ H
R
H
2O2 / H2SO4
O
C
R
C
+
H
H
H
O
O
O
O
R
C
O
R
H
Die säurekatalysierte Reaktion von Aldehyden mit Alkylhydroperoxiden führt bevorzugt zu
den -Hydroxyperoxiden, die sich mit überschüssigen Hydroperoxid zu Peroxyacetalen
(geminale Diperoxide) umsetzen (4).
Mit Peroxycarbonsäuren bilden Aldehyde und Ketone -Hydroxyalkyl-peroxycarbonsäure-
ester, die auch durch Acylierung von -Hydroxyhydroperoxiden zugänglich sind:
(40)
O
O
O
O
R1
R
C
R
C
C
C
R
1
2
2
H
H
OOH
OH O
-
Aminoperoxide
können grundsätzlich nach den gleichen Methoden wie die -Oxyper-
oxide hergestellt werden, jedoch ist die gebräuchlichste Synthesemethode die Umsetzung von
Carbonylverbindungen mit H2O2 in Gegenwart von Ammoniak oder primären Aminen. Dabei
sind die zunächst entstehenden -Aminohydroperoxide nicht immer isolierbar, sondern nur die
1,2,4-Dioxazolidine durch Weiterreaktion des -Aminohydroperoxids mit Carbonylverbindun-
gen:
(41)
C
O
+ H
NH
NH
2O2; NH3
2
C
O
C
C
C
OOH
O
O
Carbonylverbindung
-Aminohydroperoxid 1,2,4-Dioxazolidin
Werden statt H2O2 Alkylhydroperoxide verwendet, so entstehen die 1-Aminoperoxide, die
sich wie normale Amine verhalten:
(42)
NH2
O
NH
R
OOH
H O
3
O
2
O
R
1.1.3.4 Verwendung
tert.-Butylhydroperoxid findet Verwendung beim HALCON-Verfahren zur Herstellung von
Propylenoxid (2-Methyloxiran), wo es als oxidierendes Zwischenprodukt auftritt. Außerdem
setzt man es zur Härtung ungesättigter Polyesterharze sowie zur Emulsionspolymerisation von
Styrol-Butadien-Kautschuk bei 5-20°C (Cold Rubber) ein. Handelsübliches tert.-Butylhydroper-
oxid hat einen Massenanteil von 80%, da es mit Wasser und Phosphorsäureestern stabilisiert ist.
Cumolhydroperoxid dient zur großtechnischen Herstellung von Phenol und Aceton nach dem
Verfahren von HOCK-LANG, bei dem eine Umlagerung am Sauerstoffatom stattfindet [9] (43).
Handelsüblich ist eine 80%ige Lösung von Cumolhydroperoxid in Cumol.
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 17
(43)
CH3
H C
3
CH
O
CH
CH
+ O
3
+ H+
3
2
C
C+
CH3
OOH
-H2O
CH3
Cumol Cumolhydroperoxid
Carbenium-Oxonium-Ion
CH
OH
+ H
3
O
2O
O
C OH
+
C
- H+
H C
3
H C
CH
3
3
Phenol
Aceton
Dialkylperoxide finden aufgrund ihrer relativ guten Temperaturbeständigkeit Anwendung als
sog. Hochtemperaturkatalysatoren für die Suspensions- und Massepolymerisation.
Handelsüblich sind die Dialkylperoxide in technisch reiner Form und als 40- bis 50%ige
Verschnitte mit Lösungsmitteln oder inerten Füllstoffen.
Peroxycarbonsäuren verwendet man hauptsächlich zur Überführung von Alkenen (Olefinen)
in die entsprechenden Epoxide, die als Synthesebausteine von großer Bedeutung sind. Isolierte
Doppelbindungen lassen sich mit Peroxycarbonsäuren glatt und stereospezifisch oxidieren, wie
das Beispiel der
trans
-Hydroxylierung von Cyclohexen mit Perameisensäure zeigt [10]:
(44)
O
O
C
OH
O
C
H
O
H
OH
Cyclohexenoxid (ein Epoxid)
OH
H+
O
+ H O
2
OH
trans
-Cyclohexan-1,2-diol
Aufgrund ihrer Instabilität wird die Perameisensäure hierbei erst während der Reaktion aus
H2O2 und Ameisensäure hergestellt, d.h.
in situ
erzeugt. Diese Methode wird bei vielen Synthe-
sen mit Peroxycarbonsäuren angewendet, wenn sie nicht in phlegmatisierter Form eingesetzt
werden (können) [11]. Eine wichtige Ausnahme ist hier die m-Chlorperoxybenzoesäure; sie ist
eine äußerst stabile, kristalline und daher handelsübliche Verbindung [12].
Diacylperoxide setzt man aufgrund ihres leichten thermischen Zerfalls als Katalysatoren
(Radikalkettenstarter) bei den radikalisch verlaufenden Polymerisationsreaktionen sowie bei der
Vernetzung und Härtung von Polyesterharzen ein. Darüber hinaus findet Dibenzoylperoxid in
Salben und Tinkturen als Mittel gegen Akne vulgaris Anwendung. Dialkyl-peroxidicarbonate
(z.B. Diisopropylperoxy-dicarbonat) und Acyl-alkyl-sulfonylperoxide dienen als sog. Tieftempe-
raturkatalysatoren bei der Vinylpolymerisation. Diacylperoxide kommen aufgrund ihrer Explo-
sivität nur in phlegmatisiertem Zustand , z.B. als Pasten oder gelöst in Chlorkohlenwasserstoffen
in den Handel.
Peroxycarbonsäurester finden ihre Hauptanwendungen bei der Vinyl-, Ethylen- und Styrol-
Polymerisation sowie als Härter für Harze. Die wichtigsten Vertreter sind Peroxybenzoesäure-
tert.-butylester, Peroxypivalinsäure-tert.-butylester und Peroxyessigsäure-tert.-butylester. Han-
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 18
delsüblich sind technisch reine oder durch Alkane oder Carbonsäureester stabilisierte Produkte.
Eingefrorene Persäureester-Emulsionen können sicher und stabil gelagert werden.
-Oxyperoxide werden hauptsächlich in der Polymerindustrie als Vulkanisationsbeschleuni-
ger, Vernetzer und Härter verwendet. Die wichtigsten Vertreter sind die Methylethyl-, Methyl-
isbutyl-ketonperoxide, Cyclohexanonperoxide und Peroxyketale. Sie kommen wegen ihrer ex-
plosiven Eigenschaften stets phlegmatisiert in den Handel. Üblich sind Mischungen mit Phos-
phat, Phthalsäure-dibutylester oder Alkanen.
-Aminoperoxide haben vor allem Bedeutung als Zwischenstufen für die Herstellung von
-Caprolactam, aus dem man durch Polymerisation die Polyamidfaser
Nylon 6
herstellt.
2
Gefährlichkeit organischer Peroxide
Um sich einmal ein Bild von der Explosionsgefährlichkeit organischer Peroxide zu machen,
sei hier eine beeindruckende Schilderung aus einem renommierten Lehrbuch der Organischen
Chemie [13] wörtlich wiedergegeben:
,,Vor einigen Jahren erlebte einer der Autoren eine eindrucksvolle De-
monstration der Heftigkeit solcher Peroxidexplosionen. In einem an das
Büro angrenzenden Laboratorium war ein Laborant mit der Reinigung von
2 Litern alten Tetrahydrofurans beschäftigt, der, wie man später fand, mit
größeren Mengen von Peroxiden verunreinigt war. Das Material ex-
plodierte, beschädigte das Laboratorium schwer und verschob die Wand
um einige Zentimeter zum Schreibtisch des Autors. Mehrere große Bü-
cherregale wurden umgeworfen. Nur durch einen glücklichen Zufall wurde
niemand verletzt."
Nicht weniger beindruckend ist eine tabellarische Übersicht über das Explosionsverhalten, die
R. CRIEGEE - ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der organischen Peroxide - nach Aus-
wertung von Forschungsberichten zusammengestellt hat [14]:
Tabelle 4:
Explosionsverhalten einiger ausgewählter org. Peroxide
Peroxid
Angaben über Explosionen
Methylhydroperoxid
Explodiert heftig; stoßempfindlich, beson-
ders in der Wärme; größte Vorsicht beim Ar-
beiten. Bariumsalz in trockenem Zustand von
ungeheurer Explosivität
tert.-Butylhydroperoxid Bei
Destillation unter Normaldruck kann Ex-
plosion erfolgen. Sonst relativ harmlos
Dimethylperoxid
Äußerst explosiv beim Erhitzen und bei
Stoß. Selbst der Dampf ist stoßempfindlich
Di-tert.-butylperoxid Sehr
beständig. Unter Atmosphärendruck un-
zersetzt destillierbar
Ascaridol
Zersetzt sich beim Erhitzen auf 130 bis
= 4-Isopropyl-1-methyl-2,3-dioxabi-
150°C explosionsartig
cyclo[2.2.2]oct-5-en
Peroxyameisensäure Äußerst
explosiv
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Organische Peroxide
Seite 19
Peroxid
Angaben über Explosionen
Peroxyessigsäure Äußerst
explosiv
Peroxybenzoesäure
Verpufft beim Erhitzen nur schwach
Dibenzoylperoxid
In der Hitze explosiv. Umkristallisieren grös-
serer Mengen ohne Erhitzen durchführen
Polymeres Ethylidenperoxid
Äußerst explosiv, schon unter 100°C. Größte
= ,,Etherperoxid"
Vorsicht !
Dimeres Acetonperoxid
Explodiert heftig bei Schlag und Reiben
Trimeres Acetonperoxid
Sehr explosiv. Kann beim Erhitzen auf einem
Eisenblech dieses durchschlagen
Dicyclohexylidendiperoxid
Detoniert beim Schlag
= 3,6-Dicyclohexyliden-1,2,4,5-tetroxan
(dimeres
Cyclohexanonperoxid)
2,2-Bis(tert.-butylperoxy)-butan
über 86°C explosiv
Ethylenozonid
Explodiert äußerst heftig bei Erhitzen, Rei-
= 1,2,4-Trioxolan
ben und Stoß
2.1 Sicherheitstechnische
Prüfmethoden
Zur Ermittlung der Gefährlichkeit organischer Peroxide werden eine Vielzahl von Prüfverfah-
ren angewendet, die ein Urteil über die Empfindlichkeit dieser Verbindungen gegen bestimmte
Arten äußerer Beanspruchung erlauben. Mit Hilfe dieser Prüfverfahren untersucht man die be-
treffende Substanz unter genau definierten Bedingungen mit dem Ziel, möglichst reproduzier-
bare Ergebnisse zu erhalten, aufgrund derer eindeutige Aussagen getroffen werden können. In
der Bundesrepublik Deutschland ist für die Durchführung und Auswertung die Bundesanstalt für
Materialprüfung (BAM) zuständig; in anderen Ländern existieren ähnliche Institutionen, die
auch international zusammenarbeiten. Im folgenden soll auf die wichtigsten Prüfverfahren kurz
eingegangen werden.
2.1.1
Detonations- und Deflagrationsfähigkeit
Unter einer Detonation versteht man eine stoßartig erfolgende, extrem schnelle chemische
Reaktion von explosiven Gas- bzw. Dampfgemischen oder brisanten Sprengstoffen mit starker
Gasentwicklung (schnelle Volumenvergrößerung)
15. Unter einer Deflagration hingegen
versteht man eine relativ langsam verlaufende Explosion, was auch als Verpuffung bezeichnet
wird.
Die Prüfung der organischen Peroxide auf Detonations- oder Deflagrationsfähigkeit erfolgt
mit Hilfe des 2"-Stahlrohr-Tests der BAM. Die Prüfsubstanz wird dabei in einem 500 mm lan-
gen Stahlrohr mit einem Durchmesser von 2" (= 50,8 mm) eingeschlossen. Nach der Zündung
einer Hexogen*-Verstärkungsladung wird beurteilt, ob bzw. in welchem Umfang das organische
Peroxid die Detonation weiterleitet [16].
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 20
* Hexogen ist der Trivialname für einen
H
NO
C2
NO
2
2
hochbrisanten Sprengstoff, dessen
N
N
Struktur rechts wiedergegeben ist:
H C
CH
2
2
1,3,5-Trinitro-hexahydro-1,3,5-triazin
N
NO2
Mit einer ähnlichen Apparatur, die aus einem in einem Wasserbad aufgestellten Stahlrohr be-
stand, so daß die Temperatur variiert werden konnte, haben B. PHILLIPS, P. STARCHER und B.
ASH Lösungen von Peroxyessigsäure unterschiedlicher Konzentration in Essigsäure und Essig-
säureethylester bei verschiedenen Temperaturen auf ihre Detonationsfähigkeit untersucht. Dabei
wurde als Maß für die Stärke der Detonation die Vergrößerung des Stahlrohrdurchmessers ge-
nommen. Bei detonationsfähigen Gemischen waren die Explosionen oftmals so stark, daß das
Stahlrohr dabei zerrissen wurde [17]. Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind in dem untenste-
henden Diagramm zu sehen:
120,0
110,0
100,0
90,0
80,0
70,0
in °C 60,0
50,0
40,0
30,0
20,0
10,0
20,0
30,0
40,0
50,0
60,0
w
(Peressigsäure) in %
Detonationsgrenzen von Peroxyessigsäure in Essigsäure (ausgezogene Linie) und Ethylacetat (gestrichelte Linie).
Oberhalb der beiden Graphen liegen detonationsfähige Gemische vor. (nach B. PHILLIPS, P. STARCHER und B. ASH,
J. Org. Chem.
23
, 1825 [1959] )
2.1.2 Stoßempfindlichkeit
Die Prüfung der Empfindlichkeit auf Stoß erfolgt mit Hilfe des sog. Fallhammer-Tests der
BAM: In einer definierten Apparatur wird die Probe dem Stoß von 1 kg-, 5 kg- und 10 kg-Ge-
wichten durch Fall aus Höhen bis zu 50 cm ausgesetzt. Dabei wird beurteilt, ob und bei welcher
Schlagenergie (in J) ,,keine Reaktion", ,,Zersetzung" oder ,,Explosion" eintritt.
,,Explosionsgefährlich" im Sinne des Sprengstoffgesetzes sind Stoffe, wenn eine Reaktion bei
40 J eintritt. Ebenso gilt ein Stoff als ,,explosiv" im Sinne der Gefahrgutverordnung Straße
(GGVS), wenn er gleichzeitig nach dem 2"-Stahlrohr-Test der BAM eine Detonation weiterlei-
tet. Eine ,,hohe" Schlagempfindlichkeit ist nach UNO-Empfehlungen bei 2 J gegeben, als
,,unempfindlich" gelten Peroxide bei > 50 J 16.
2.1.3 Reibungsempfindlichkeit
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 21
Die Prüfung der Empfindlichkeit auf Reibung erfolgt im Reibapparat der BAM: In einer defi-
nierten Apparatur werden feste Stoffe auf einem sich bewegenden Porzellanplättchen einer rei-
benden Beanspruchung durch einen aufgepreßten Porzellanstift ausgesetzt. Als relatives Maß für
die Reibempfindlichkeit gilt die Stiftbelastung, bei der ,,Entflammung", ,,Knistern" oder
,,Explosion" (also ,,positive", d.h. gefährliche Reaktionen) auftreten.
Nach dem Sprengstoffgesetz gilt eine Substanz als ,,explosionsgefährlich", wenn eine positive
Reaktion bei einer Stiftbelastung von 360 N erfolgt. Laut GGVS ist das Kriterium ,,explosiv"
bei 360 N erfüllt, wenn die Substanz gleichzeitig ,,detonationsfähig" ist (siehe oben). Nach
UNO-Empfehlung gilt die Reibempfindlichkeit als ,,hoch", wenn der Grenzwert für eine positive
Reaktion bei 80 N liegt. Bei hochempfindlichen Peroxiden kann schon schwache Reibung mit
einem Spatel oder einer Schaufel zur Zersetzung führen. Als Vorversuch kann auch die Reibung
kleiner Substanzmengen in einem nicht glasierten Porzellanmörser dienen, wobei die Tempera-
tur des Mörsers bei ca. 30 bis 35°C liegen sollte 16.
2.1.4 Explosionsenergie
Die Prüfung der Explosionsenergie erfolgt im Bleiblock nach TRAUZL: In die Höhlung eines
standardisierten zylindrischen Bleiblocks mit Höhe und Durchmesser von je 200 mm werden
10 ml der Probe zusammen mit einer Initialladung eingebracht. Nach Zündung der Initialladung
wird die Explosionsenergie der Probe als Bleiblock-Ausdehnung in ml/10g Probe angegeben
(gemessen wird die Volumenzunahme der Höhlung). Nach Uno-Empfehlung gilt ein Wert von
35 ml/10g als ,,nicht niedrig", von 35 ml/10g als ,,niedrig"; bei 10 ml/10g wird die Explo-
sionsenergie als recht gering angesehen 18.
2.1.5 Wärmeempfindlichkeit
Die Prüfung der Wärmeempfindlichkeit organischer Peroxide erfolgt im sog. Stahlhülsen-
Verfahren (KOENEN-Test): Eine Stahlhülse (Länge 75 mm, innerer Durchmesser 24 mm) wird
mit der zu prüfenden Substanz befüllt und durch eine Düsenplatte mit zentrischem Loch
(Durchmesser 1,2, ..20 mm) verschlossen. In einer definierten Brenneranordnung wird dann die
gefüllte Stahlhülse erhitzt. Beurteilt wird, ob bzw. bei welchem größten Lochdurchmesser
(Grenzdurchmesser) einer Explosion eintritt; weiterhin ist das Splitterbild von Bedeutung. Die
Wärmeempfindlichkeit ist um so höher, je größer der Grenzdurchmesser ist.
Die Probe ist im Sinne des Sprengstoffgesetzes ,,explosionsgefährlich", wenn die Hülse in
drei Versuchen bei einem Grenzdurchmesser von 2 mm mindestens einmal in drei oder mehr
Teile zerlegt wird. Dasselbe Kriterium gilt für ,,explosive" Stoffe laut GGVS 16.
Die
Hitzeempfindlichkeit
kann geprüft werden, indem in eine rotglühende Eisenschale mit ei-
nem Durchmesser von 120 mm nacheinander Substanzproben von 0,5-10 g (zunehmend) hin-
eingeworfen werden. Die Versuchsergebnisse werden gegenüber einer Verbindung mit bekann-
ten Eigenschaften verglichen. Sie können über ,,langsame" und ,,schnelle" Verbrennung bis zur
,,Detonation" reichen [18].
Die
Entzündbarkeit
kann nach Maßgabe der Ergebnisse zur Hitzeempfindlichkeit in kleinen
Mengen von anfangs 0,5 g bis maximal 100 g zunehmend geprüft werden: Dazu wird die Probe
in einer flachen Eisenschale zu einem Haufen aufgeschüttet und mit der Flamme eines Streich-
holzes in Berührung gebracht. Der Stoff kann sich entzünden und langsam abbrennen oder ver-
puffen oder explodieren. Zu beobachten ist außerdem, ob er nach Wegnahme des Streichholzes
weiterbrennt. Tritt keine Entzündung ein, wird der Versuch mit einer Gasflamme wiederholt. Die
Versuche sind ebenso im Vergleich zu anderen, bekannten Stoffen durchzuführen 18.
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 22
Zur Festlegung der höchstzulässigen
Umgebungstemperatur
bei Versand und Lagerung orga-
nischer Peroxide ist die Prüfung auf chemische Beständigkeit bei wärmeisolierender Warenlage-
rung (Wärmestaulagerung) von erheblicher Bedeutung. Dazu wird die Probe in einem definierten
Dewar-Gefäß (Kalorimeter) bei verschiedenen Temperaturen für maximal sieben Tage adiaba-
tisch gelagert 18.
2.2 Sicherheitstechnische
Kennzahlen
2.2.1 SADT
Mit Hilfe der Prüfverfahren zur Wärme- und Hitzeempfindlichkeit, zur Entzündbarkeit sowie
bei der adiabatischen Lagerung wird diejenige niedrigste Temperatur ermittelt, bei der eine exo-
therme Zersetzung unter Selbstbeschleunigung abläuft (
SADT
= self accelerating decomposition
temperature). Einzelne SADT-Werte kann man der folgenden Tabelle entnehmen [19].
Tabelle 5
SADT-Werte für einige handelsübliche Peroxide (in Lieferform)
Peroxid
Gehalt / Bemerkungen
SADT in °C
tert.-Butylhydroperoxid
70%ig in Wasser
88
Lösung in Phosphat
65
Cumolhydroperoxid
80%ig in Wasser
80
Di-tert.-butylperoxid
techn. rein, flüssig
79-80
Dicumylperoxid
techn. rein, Pulver
88
40%ig, Pulver mit Kreide
> 70
2,5-Dimethyl-2,5-bis-(tert.-butylperoxy)hexan flüssig
82
Dibenzoylperoxid
techn. rein, Schuppen
50
wäßrig, techn. rein
68
50%ig in Weichmacher
52
50%ig in Silikonöl
63
Diisopropylperoxydicarbonat
40%ige Lösung in Phthalat
5
Acetylcyclohexansulfonylperoxid wasserfeuchtes
Granulat 15
28%ige Lösung in Phthalat
5
Peroxybenzoesäure-tert.-butylester techn.
rein
60
2,2-Bis(tert.-butylperoxy)butan
50%ige Lösung in Phthalat
63
2.2.2 Halbwertszeit
Unter der Halbwertszeit versteht man diejenige Zeitspanne, in der die Hälfte der ursprüngli-
chen Menge an Peroxid zerfallen ist. Obwohl sie keine sicherheitstechnische Kennzahl im enge-
ren Sinne ist, kann man sie durchaus für die Beurteilung eines Peroxids heranziehen, da sie auch
eine Aussage über die Beständigkeit bei verschiedenen Temperaturen erlaubt. Die Halbwertszei-
ten einiger organischer Peroxide kann man der folgenden Tabelle entnehmen [20]:
Tabelle 6
Halbwertszeiten einiger organ. Peroxide (in h)
Peroxid
°C 30 40 50 60 70 80 90 100 110 120 130 145
tert.-Butylhydroperoxid
80%
165
11
3,2
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 23
Cumolhydroperoxid
80%
13,3
4,7
1,3
Di-tert.-butylperoxid
218
22
6,4
Dicumylperoxid
6,7
1,8
0,3
Dibenzoylperoxid
13 4
1,2
0,4
Peroxid
°C 30 40 50 60 70 80 90 100 110 120 130 145
Diisopropylperoxydicarbonat
180
30 6
1,2
0,3
0,1
Acetylcyclohexansulfonyl-
15
2,5
0,4
peroxid
tert.-Butylperpivalat
84
19,5
1,6
0,5
tert.-Butylperbenzoat
30,3
7,1
2,3
0,7
2.2.3 Aktivsauerstoff
(AO)
Voraussagen über die Gefährlichkeit eines Peroxids lassen sich, unabhängig von seiner Kon-
stitution, auf Grund des Gehalts an aktivem Sauerstoff machen. Es gilt innerhalb einer homolo-
gen Reihe, daß mit zunehmender Molmasse, d.h. mit abnehmendem Gehalt an aktivem Sauer-
stoff, die Stabilität zunimmt. Nach grober Abschätzung sind zumindest Peroxide, die mehr als
5% AO enthalten, potentiell explosionsgefährlich. Konstitutionseinflüsse sind [21]
die Art der Substituenten an der Peroxy-Gruppe,
eine unterschiedliche Symmetrie der O-O-Bindung bei verschiedenen Substituenten an der
Peroxy-Gruppe
die sterische Spannung.
Unter Aktivsauerstoff (AO) versteht man den für Oxidationsreaktionen verfügbaren und
leicht abspaltbaren Sauerstoff der Peroxygruppe, und zwar rechnet man pro Peroxygruppe mit
jeweils
einem
Sauerstoffatom [22]:
AO × Anzahl der Peroxygruppen im Molekül
AO - Gehalt % =
× 100
Molmasse der Verbindung
Tabelle 7
AO-Gehalt einiger ausgewählter organ. Peroxide
Peroxid AO-Gehalt
Peroxid AO-Gehalt
in %
in %
tert.-Butylhydroperoxid 17,7
Diisopropylperoxydicarbonat
7,8
Cumolhydroperoxid 10,5
Acetylcyclohexansulfonyl-
7,2
peroxid
Di-tert.-butylperoxid 10,9
tert.-Butylacetat
12,1
Dicumylperoxid 5,9
tert.-Butylperpivalat
9,2
2,5-Dimethyl-2,5-bis-(tert.-
5,5 Peroxybenzoesäure-tert.-
8,2
butylperoxy)hexan
butylester
Peroxyameisensäure 25,8
-Hydroxyperoxy-´-hy-
13,0
droxydicyclohexylperoxid
Peroxyessigsäure 21,1
Dicyclohexylidendiperoxid
14,0
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 24
Peroxypropionsäure 17,8
Dicyclopentylidendiperoxid
16,0
Peroxybuttersäure 15,4
2,2-Bis(tert.-butylperoxy)butan
13,7
Peroxylaurinsäure 7,4
1,1-Bis(tert.-butylperoxy)-
12,3
cyclohexan
Peroxid AO-Gehalt
Peroxid AO-Gehalt
in %
in %
Peroxybenzoesäure 11,6
1,2,4-Trioxolan
21,0
m-Chlorperoxybenzoesäure 9,3
Tetramethylethylen-ozonid 12,1
p-Nitroperoxybenzoesäure 8,7
1,1´-Peroxydicyclohexylamin
7,6
Dibenzoylperoxid 6,6
1-Amino-1-tert.-butylperoxy-
8,5
cyclohexan
2.3 Zusammenfassung
Tabelle 8
Sicherheitstechnische Kennzahlen einiger ausgewählter organ. Peroxide [23]
Peroxid Gehalt
/
Weiterleitung Fallhammer
Reibung
Explosions-
Wärmeem-
Bemerkungen
Detonation
-Methode
(2.1.3)
energie
pfindlichkeit
2"-Stahlrohr-
(2.1.2)
[N]
Bleiblock-
Stahlhülsen-
Methode
[J]
Methode
Methode
(2.1.1)
(2.1.4)
(2.1.5)
[ml/10g]
[mm]
tert.-Butylhydroper- 100%ig
nein
2
-
25
< 1
oxid
69%ig in W.
nein
> 40
-
17
< 1
Cumolhydroperoxid 84%ig
nein
>
50
-
0
1,0
Di-tert.-
techn. rein
nein
> 50
-
33
< 1
Butylperoxid
Dicumylperoxid
98,7%ig
nein
> 40
> 360
12
< 1
Peroxyessigsäure 48%ig
nein
>
50
-
25
1
m-Chlorperoxy-
82%ig ja
25
>360
42
3
benzoesäure
Dibenzoylperoxid 98,3%ig
ja
5
240
31
10
75%ig in W.
nein
> 50
> 360
21
2,5
Acetylcyclohexan-
82%ig
ja 15
20 28 6
sulfonylperoxid
tert.-
partiell
2
-
32
3,5
Butylperbenzoat
-Hydroxyperoxy- techn. rein
ja
5
-
50
2,5
´-hydroxydicyclo-
hexylperoxid
2.4 Toxikologie
Die physikalischen und chemischen Eigenschaften der organischen Peroxide haben auch Ein-
fluß auf deren Toxizität. Der Zerfall organ. Peroxide in Radikale, ihre geringe Wasserlöslichkeit
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 25
und die weitgehende Löslichkeit in organischen Lösungsmitteln ( Lipidlöslichkeit) führen
auch biologisch zu teilweise erheblichen Wirkungen. Im Vordergrund stehen dabei die lokalen
Gewebeveränderungen an Haut und Schleimhäuten (Augen, Atemwege, ggf. Magen-Darm-
Kanal) infolge ihrer Resorptionsfähigkeit. Reaktionen organ. Peroxide mit dem Kontaktorgan
führen je nach Konzentration und Einwirkungszeit zu schweren, unter Umständen irreversiblen
Gewebeschädigungen. So ist am Auge Erblindung infolge dichter Hornhauttrübung oder sogar
die Zerstörung des Augapfels möglich Dies gilt insbesondere für tert.-Butylhydroperoxid,
Cyclohexanonperoxid und Peroxyessigsäure. Es können bereits Dämpfe der Peroxide wirksam
sein [24]. Infolge ihrer Lipidlöslichkeit können einige organ. Peroxide (z.B. tert.-Butylhydroper-
oxid, Di.-tert.-butylperoxid,), bzw. die daraus im Organismus entstehenden Radikale im Gehirn
zu funktionellen Störungen des Zentralnervensystems führen. Bei den nach Hautkontakt beob-
achteten Sensibilisierungserscheinungen ist eine Beeinflussung bestimmter Immunreaktionen
des menschlichen Körpers denkbar 19.
Die allgemeinen toxischen Wirkungen der organischen Peroxide durch Resorption sind in der
Praxis gering. Untersuchungen zur Toxizität wurden bislang nur an wenigen Verbindungen
durchgeführt. Maximale Arbeitsplatz-Konzentrationen (MAK) sind lediglich für zwei Peroxide
festgelegt worden [24; 25].
3
Sicherheit im Umgang mit organischen Peroxiden
Bei allen Arbeiten mit organischen Peroxiden müssen dicht schließende Schutzbrillen,
Schutzhandschuhe sowie ggf. Gesichts- und Kopfschutz getragen werden. Weiterhin ist das
Tragen einer Schürze aus Gummi oder geeignetem Kunststoff zweckmäßig. Empfehlenswert ist
außerdem das vorbeugende Einreiben evtl. gefährdeter Körperstellen mit einer
Hautschutzsalbe [26].
3.1
Herstellung organischer Peroxide und Versuchsarbeiten
Bei der Herstellung von organische Peroxiden muß stets mit einer Zersetzung gerechnet wer-
den, wobei es zu erheblichen Drucksteigerungen und zu Explosionen kommen kann. Die
Herstellung organischer Peroxide muß stets unter sachkundiger Leitung vorgenommen
werden [27]. Jedoch sollte sich auch derjenige (Laborant / Chemikant), der die praktischen
Arbeiten durchführt, vorher sachkundig gemacht haben !
Alle Arbeiten, bei denen nicht mit absoluter Sicherheit ein harmloser Ablauf der Reaktion
feststeht, müssen in besonderen Gebäuden ,,unter Sicherheit", d.h. in Räumen, in denen die
Bedienung und Beobachtung der Apparatur von Außen erfolgt, ausgeführt werden. Der
Reaktionsraum soll von drei festen Wänden und einer leichten Ausblasewand umgeben sein [27].
Man kann auch in einem sog. Freiluftlabor arbeiten, welches nur von drei Wänden umgeben ist.
Das Reaktionsgefäß soll ein offener, möglichst wenig abgedeckter Behälter sein, damit gas-
förmige Zersetzungsprodukte ungehindert entweichen können.
In Räumen, in denen mit organischen Peroxiden gearbeitet wird, ist die Lagerung und Aufbe-
wahrung dieser Verbindungen verboten [28].
Für Produktions- und Technikumsanlagen gelten folgende Sicherheitsbestimmungen [27; 28]:
- Unterbringung der Vorratsbehälter außerhalb des Reaktionsraumes
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 26
- Die Zuflußleitungen von den Edukt-Vorlagen müssen mit Absperrorganen und Dosierventilen
versehen sein, die jederzeit ein leichtes Dosieren bzw. ein schnelles Unterbrechen der Zugabe
erlauben.
- Die Reaktionsbehälter müssen mit geeigneten Temperaturmeßfühlern mit Warn- und Alarm-
einrichtungen ausgestattet sein, um den Reaktionsverlauf lückenlos überwachen zu können.
Ferner müssen sie durch genügend stark bemessene Schutzwände abgeschirmt sein.
- Die Reaktionsbehälter müssen im Gefahr- und Störungsfall schnell und ausreichend gekühlt
werden können (Notkühlung).
- Momentablaßventile (Notablaßventile) müssen an der tiefsten Stelle des Reaktionsbehälters
angebracht und so dimensioniert sein, daß im Gefahrfalle das Reaktionsgemisch schnell
genug in ein mit Wasser gefülltes Auffanggefäß ablaufen kann. Das Auffanggefäß muß so
groß bemessen sein, daß nach Aufnahme der Reaktionsmischung das Wasser noch im
Überschuß vorliegt, also eine ausreichende Verdünnung sichergestellt ist.
- Elektrische Anlagen (Maschinen, Beleuchtung und MSR-Einrichtungen) müssen Ex-
geschützt sein.
- Die Bedienung und Überwachung der Apparaturen muß von sicherer Stelle (Meßwarte, Leit-
stand) aus erfolgen. Der Bedienungsstand muß auch nach oben gegen eine evtl.
Überschüttung abgedeckt sein.
Die Herstellung und Entwicklung von gefährlichen organischen Peroxiden im Laboratorium
darf nur in dafür geeigneten Arbeitsräumen geschehen. Der Arbeitsplatz soll frei von nicht benö-
tigten Apparaturen, Geräten und besonders Chemikalien gehalten werden. Zum Personenschutz
sind ausreichende und geeignete Schutzschilder gegen Splitterwirkung bei eventuellen Explosio-
nen bzw. gegen Verätzungen durch spritzendes Reaktionsgemisch aufzustellen. Für hinreichende
Be- und Entlüftung (Abzug) ist Sorge zu tragen.
Die Herstellung organischer Peroxide wird häufig mit Wasserstoffperoxid (Dihydrogenper-
oxid) durchgeführt (vgl. Seite 12 ff.). Über die Eigenschaften und die Handhabung der
handelsüblichen, bis zu 85%igen reinen wäßrigen Lösungen informiere man sich vor Gebrauch
ausführlich in der einschlägigen Literatur ! Besonders gefährliche Eigenschaften können
Gemische konzentrierter wäßriger Lösungen von Wasserstoffperoxid mit organischen
Verbindungen oder dessen Lösungen in organischen Solventien aufweisen. In Kombination mit
organischen Stoffen sind zumindest solche Mischungen detonationsfähig, die mehr als 30%
H2O2 enthalten [29; 30]. Man sollte daher stets anstreben, die Wasserstoffperoxid-Konzentration
in Gegenwart organischer Verbindungen so gering wie möglich zu halten !
3.2
Verarbeitung organischer Peroxide
Zur Verarbeitung dürfen nur organische Peroxide verwendet werden, deren Explosionsgefähr-
lichkeit entweder von sich aus ganz gering ist oder durch Zusatz von Phlegmatisierungsmitteln,
wie Wasser, inerte Feststoffe (Sulfate, Phosphate, Silikate) oder inerte Lösemittel (halogenierte
Kohlenwasserstoffe, Phthalsäure- und Phosphorsäureester), minimiert worden ist [28]. Diese
Phlegmatisierungsmittel wirken vermutlich auf physikalischem Wege (im Gegensatz zu Inhibito-
ren) als Wärmeübertragungsisolatoren; sie verhindern die Wärmeleitung (Übertragung
kinetischer Energie) von einem Kristall bzw. Molekül zum anderen [31] (vgl. auch Seite 16 ff.).
Da schon geringste Spuren von Verunreinigungen, wie z.B. tert. Amine, Polyamine, Schwer-
metall-Salze (des Eisens, Mangans, Cobalts und Vanadins) sowie starke Säuren und Alkalien
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 27
(vgl. Kap 1.1.3.2) erhebliche Zersetzungen auslösen können, ist penible Sauberkeit an
Arbeitsplatz unerläßliche Voraussetzung für sicheres Arbeiten 26; 28.
Beim Wägen und Umfüllen ist besonders vorsichtig zu hantieren: Schon schwache Reibung
oder Schlagbeanspruchung durch Berührung mit einem Spatel oder einer Schaufel können bei
empfindlichen Peroxiden zu einer Explosion führen. Keinesfalls sollte man aus einem
Aufbewahrungsgefäß entnommenes und übriggebliebenes Peroxid wieder in den Vorratsbehälter
zurückgeben 26; 28.
Bei Umsetzungen organischer Peroxide sollte man diese nur in kleinen Portionen zugeben,
um hohe Peroxid-Konzentrationen zu vermeiden. Flüssige Reaktionsprodukte dürfen erst dann
destilliert werden, wenn kein Peroxid mehr nachweisbar ist. Zum Beispiel darf eine Probe aus
einer Kaliumiodidlösung kein Iod mehr ausscheiden [32].
3.3
Lagerung organischer Peroxide
Für das Aufbewahren organischer Peroxide gelten folgende Bestimmungen [33]:
- Größere Mengen ( 100 kg) organischer Peroxide sollen in besonderen, mindestens in feuer-
hemmender Bauweise errichteten Gebäuden gelagert werden. Diese Läger müssen einen aus-
reichenden Sicherheitsabstand zu anderen Gebäuden haben. Organische Peroxide sollten stets
getrennt von anderen brennbaren Stoffen, insbesondere von katalytisch wirkenden
Substanzen, aufbewahrt werden.
- Die Lagerräume sind kühl zu halten und gut zu lüften. Sollen die Räume beheizt werden
(können), so ist durch installationstechnische Maßnahmen sicherzustellen, daß die
Raumtemperatur einen Höchstwert von 25°C (in der Raummitte gemessen) nicht
überschreitet. Elektrische Anlagen (Beleuchtung, Be- und Entlüftung sowie ggf. Heizung)
sind in Ex-geschützter Bauweise zu errichten.
- Organische Peroxide dürfen nur in geeigneter vorschriftsmäßiger Verpackung, am besten in
Originalgebinden, und unter Verschluß aufbewahrt werden. Mit ihrer Verwaltung und
Ausgabe sind nur sachkundige Personen zu beauftragen.
- Es muß durch entsprechende bau- und installationstechnische Maßnahmen gewährleistet sein,
daß die höchstzulässigen Lagertemperaturen organischer Peroxide (SADT) nicht
überschritten werden (vgl. Seite 22).
- Für alle Lagerräume sind geeignete Feuerlöscheinrichtungen bereitzustellen, die außerhalb
der Lagerräume anzubringen sind. Das Betriebspersonal ist an diesen Einrichtungen zu
schulen.
3.4
Entsorgung und Vernichtung organischer Peroxide
Für die Entsorgung bzw. Vernichtung organischer Peroxide gelten folgende Regelungen 33:
- Verschüttete organische Peroxide können mit Wasser nur dann wirkungsvoll beseitigt
werden, wenn sie wasserlöslich sind. Ansonsten müssen sie durch Verdünnen mit genügend
großen Mengen geeigneter Lösungsmittel phlegmatisiert und mit Bindemitteln aufgenommen
und sofort vernichtet werden.
- Bei wasserfeuchten organischen Peroxiden führt eine Austrocknung in der Regel zu einer er-
höhten Gefährlichkeit. Daher müssen sie vor dem Aufnehmen gut befeuchtet werden.
- Kleine Mengen fester organischer Peroxide lassen sich ungefährlich im Holzfeuer
verbrennen. Dabei muß die Zündung aus sicherer Entfernung mit Hilfe einer Lunte erfolgen.
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 28
Kleinere Mengen flüssiger Peroxide werden in einer mit Holzwolle gefüllten Blechwanne
verbrannt.
- Bei Mengen über 1
kg informiere man sich beim Hersteller über die optimale
Vernichtungsmethode.
- Sollen größere Mengen organischer Peroxide regelmäßig verbrannt werden, so muß die Ver-
brennungsstelle einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu Gebäuden, Anlagen und
Verkehrswegen haben. Sie ist von den zuständigen Behörden sowie der Berufsgenossenschaft
genehmigen zu lassen.
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 29
3.5
Peroxide in organischen Lösemitteln
Einige organische Lösungsmittel, insbesondere die Ether wie Diethylether, Diisopropylether,
Tetrahydrofuran (THF) und Dioxan neigen beim Stehen an der Luft zur Bildung sehr
gefährlicher Etherperoxide (vgl. Seite 14 f.). Sie sind weniger flüchtig als die Ether und reichern
sich deshalb beim Abdestillieren dieser Lösungsmittel im Destillationsrückstand (Sumpf) an.
Aber auch ungesättigte Kohlenwasserstoffe, Ketone, Isopropanol und Tetralin neigen zur
Peroxidbildung.
Man prüfe Ether daher stets vor ihrer Verwendung auf Peroxidfreiheit, indem man eine Probe
mit einer wäßrigen schwefelsauren Titan(IV)-sulfat- oder essigsauren Kaliumiodidlösung schüt-
telt. Eine Gelbfärbung zeigt Peroxide an [34] und der betreffende Ether sollte sachgerecht ver-
nichtet werden. Es wird in der Literatur oft berichtet, man könne peroxidhaltige Lösemittel durch
Schütteln mit wäßrigen Lösungen von Eisen(II)-sulfat, Natriumsulfit (Na2SO3) sowie mit
Zinn(II)-chlorid (als Feststoff) von den Peroxiden reduktiv befreien [35]. Da jedoch die explo-
sionsartige Zersetzung von Peroxiden durch (Schwer)metallspuren initiiert werden kann, er-
scheint mir diese Methode nicht empfehlenswert.
Die bei der Autooxidation von Ethern zunächst entstehenden Hydroperoxide bilden als saure
Verbindungen (vgl. Seite 7) mit Alkalien Salze, die in Ethern unlöslich sind. Aus diesem Grunde
bewahrt man die genannten Lösungsmittel stets über Kaliumhydroxid-Plätzchen lichtgeschützt
in braunen Flaschen auf [34].
4 Literatur
[1] STOBER, Reinhard und KLEEMANN, Axel: Peroxide und Peroxysäuren, organische. In:
Ullmanns
Encyklopädie der technischen Chemie
. Bd. 17 / 4. Auflage Weinheim: Verlag Chemie, 1979, Seite 662
[2] FALBE, Jürgen; REGITZ, Manfred (Hrsg.):
Römpp Chemie-Lexikon
. Band 4 / 9. Auflage Stuttgart: Thieme,
1991, Seite 3297 f.
[3] WINTER, Heinz: Organische Peroxide. In:
Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie
. Ergänzungsband
zur 3. Auflage München: Urban & Schwarzenberg, 1970, Seite 182
[4] STOBER, Reinhard und KLEEMANN, Axel: Peroxide und Peroxysäuren, organische. In:
Ullmanns
Encyklopädie der technischen Chemie
. Bd. 17 / 4. Auflage Weinheim: Verlag Chemie, 1979, Seite 663 ff.
[5] WINTER, Heinz: Organische Peroxide. In:
Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie
. Ergänzungsband
zur 3. Auflage München: Urban & Schwarzenberg, 1970, Seite 181
[6] STOBER, Reinhard und KLEEMANN, Axel: Peroxide und Peroxysäuren, organische. In:
Ullmanns
Encyklopädie der technischen Chemie
. Bd. 17 / 4. Auflage Weinheim: Verlag Chemie, 1979, Seite 663 ff.
[7] BEYER, Hans; WALTER, Wolfgang:
Lehrbuch der Organischen Chemie
. 20. Auflage Stuttgart: Hirzel-Verlag,
1984, Seite 141
[8] RIECHE, A: ,,Über Peroxide der Äther, der Carbonyl-Verbindungen und die Ozonide". In:
Angewandte
Chemie
. 70. Jhrg. (1958), Seite261 f.
[9] AUTORENKOLLEKTIV:
ORGANIKUM - Organisch-chemisches Grundpraktikum
. 16. Auflage Berlin: VEB
Deutscher Verlag der Wissenschaften 1986; Seite 577 f.
[10] AUTORENKOLLEKTIV:
ORGANIKUM - Organisch-chemisches Grundpraktikum
. 16. Auflage Berlin: VEB
Deutscher Verlag der Wissenschaften 1986; Seite 257 f.
[11] KROPF, H.; WEICKMANN, A. u. ZELLER, K.: Peroxo-Verbindungen als Oxidationsmittel. In:
,,Houben-Weyl"
Methoden der Organischen Chemie
. Band IV/1a, 4. Auflage Stuttgart: Thieme, 1981; Seite 173
[12] STREITWIESER, Andrew; HEATHCOCK, Clayton:
Organische Chemie
. 1. Auflage Weinheim: Verlag Chemie
1980, Seite 772
[13] STREITWIESER, Andrew; HEATHCOCK, Clayton:
Organische Chemie
. 1. Auflage Weinheim: Verlag Chemie
1980, Seite 293
Christian Caspari Klasse: ChT 2
Organische Peroxide
Seite 30
[14] CRIEGEE, Rudolf: Systematik und Gefährlichkeit der Peroxyde. In:
,,Houben-Weyl" Methoden der
Organischen Chemie
. Band VIII, 4. Auflage Stuttgart: Thieme, 1952; Seite 6
[15]
Gesetz über exposionsgefährliche Stoffe
(Sprengstoffgesetz) vom 13.09.1976; Bundesgesetzblatt I (1976), S.
2737 - 2787; Anlage III.
[16] DANKOWSKI, Manfred; PRESCHER, Günter: Sicherheitsmaßnahmen beim Umgang mit organischen Peroxo-
Verbindungen sowie bei der Lagerung und beim Transport; sicherheitstechnische Kennzahlen. In:
,,Houben-
Weyl" Methoden der Organischen Chemie
. Band E 13, 4. Auflage Stuttgart: Thieme, 1988; Seite 53
[17] PHILLIPS, Benjamin; STARCHER, Paul u. ASH, Bertrand: Preparation of Aliphatic Peroxyacids. In:
Journal Of
Organic Chemistry
. 23. Jhrg. (1959), Seite 1826
[18] DANKOWSKI, Manfred; PRESCHER, Günter: Sicherheitsmaßnahmen beim Umgang mit organischen Peroxo-
Verbindungen sowie bei der Lagerung und beim Transport; sicherheitstechnische Kennzahlen. In:
,,Houben-
Weyl" Methoden der Organischen Chemie
. Band E 13, 4. Auflage Stuttgart: Thieme, 1988; Seite 57
[19] STOBER, Reinhard und KLEEMANN, Axel: Peroxide und Peroxysäuren, organische. In:
Ullmanns
Encyklopädie der technischen Chemie
. Bd. 17 / 4. Auflage Weinheim: Verlag Chemie, 1979, Seite 685.
[20] WINTER, Heinz: Organische Peroxide. In:
Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie
. Ergänzungsband
zur 3. Auflage München: Urban & Schwarzenberg, 1970, Seite 178
[21] DANKOWSKI, Manfred; PRESCHER, Günter: Sicherheitsmaßnahmen beim Umgang mit organischen Peroxo-
Verbindungen sowie bei der Lagerung und beim Transport; sicherheitstechnische Kennzahlen. In:
,,Houben-
Weyl" Methoden der Organischen Chemie
. Band E 13, 4. Auflage Stuttgart: Thieme, 1988; Seite 48 f.
[22] STOBER, Reinhard und KLEEMANN, Axel: Peroxide und Peroxysäuren, organische. In:
Ullmanns
Encyklopädie der technischen Chemie
. Bd. 17 / 4. Auflage Weinheim: Verlag Chemie, 1979, Seite 663
[23] DANKOWSKI, Manfred; PRESCHER, Günter: Sicherheitsmaßnahmen beim Umgang mit organischen Peroxo-
Verbindungen sowie bei der Lagerung und beim Transport; sicherheitstechnische Kennzahlen. In:
,,Houben-
Weyl" Methoden der Organischen Chemie
. Band E 13, 4. Auflage Stuttgart: Thieme, 1988; Seite 54 f.
[24] WEIBERG, Otto: Toxikologie von Peroxo-Verbindungen. In:
,,Houben-Weyl" Methoden der Organischen
Chemie
. Band E 13, 4. Auflage Stuttgart: Thieme, 1988; Seite 57 f.
[25] KÜHN, R.; BIRETT, K.:
Merkblätter Gefährliche Arbeitsstoffe
. München-Landsberg: ecomed
Verlagsgesellschaft
[26] DANKOWSKI, Manfred; PRESCHER, Günter: Sicherheitsmaßnahmen beim Umgang mit organischen Peroxo-
Verbindungen sowie bei der Lagerung und beim Transport; sicherheitstechnische Kennzahlen. In:
,,Houben-
Weyl" Methoden der Organischen Chemie
. Band E 13, 4. Auflage Stuttgart: Thieme, 1988; Seite 50
[27]
Organische Peroxide
: Merkblatt M 001 4/80 der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie, Jedermann-
Verlag, Heidelberg 1980; Seite 4
[28]
Organische Peroxide
: Merkblatt M 001 4/80 der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie, Jedermann-
Verlag, Heidelberg 1980; Seite 5
[29] KROPF, H.; WEICKMANN, A. u. ZELLER, K.: Peroxo-Verbindungen als Oxidationsmittel. In:
,,Houben-Weyl"
Methoden der Organischen Chemie
. Band IV/1a, 4. Auflage Stuttgart: Thieme, 1981; Seite 172
[30]
Dihydrogenperoxid
: Merkblatt M 009 7/84 der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie, Jedermann-
Verlag, Heidelberg 1984
[31] FALBE, Jürgen; REGITZ, Manfred (Hrsg.):
Römpp Chemie-Lexikon
. Band 4 / 9. Auflage Stuttgart: Thieme,
1991, Seite 3370
[32] AUTORENKOLLEKTIV:
ORGANIKUM - Organisch-chemisches Grundpraktikum
. 16. Auflage Berlin: VEB
Deutscher Verlag der Wissenschaften 1986; Seite 258 f.
[33]
Organische Peroxide
: Merkblatt M 001 4/80 der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie, Jedermann-
Verlag, Heidelberg 1980; Seite 6 f.
[34] AUTORENKOLLEKTIV:
ORGANIKUM - Organisch-chemisches Grundpraktikum
. 16. Auflage Berlin: VEB
Deutscher Verlag der Wissenschaften 1986; Seite 169
[35] VOGEL, Arthur:
A Text Book Of Practical Organic Chemistry
. 4th edition London: Longman Group Ltd.
1986; Seite 272
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