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Freiarbeit in der Sekundarstufe I: Chancen und Probleme

Scholary Paper (Seminar), 2001, 34 Pages
Author: Manuela Wolf
Subject: Pedagogy: Common Didactics, Educational Objectives

Details

Event: Erziehungswissenschaftliche Zwischenprüfung
Institution/College: University of Potsdam (Pädagogik)
Tags: Freiarbeit, Sekundarstufe, Chancen, Probleme, Erziehungswissenschaftliche, Zwischenprüfung
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2001
Pages: 34
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V10769
ISBN (E-book): 978-3-638-17109-0
ISBN (Book): 978-3-638-64162-3
File size: 199 KB

Abstract

„Mir ist alles verhasst, was mich bloß belehrt, ohne meine Tätigkeit zu vermehren oder unmittelbar zu beleben.“ J. W. v. Goethe Dieses Zitat des großen deutschen Dichters und Denkers Johann Wolfgang von Goethe beschreibt sehr treffend die Motivation, die hinter dieser Arbeit steht. Im Rahmen meines Studiums der Grundschulpädagogik stieß ich erstmals auf eine Unterrichtsform, die sich „Freiarbeit“ nennt und mir aus meiner eigenen Schulzeit unbekannt war. Angeregt durch viele positive Erfahrungsberichte und meine eigenen Beobachtungen während des Orientierungspraktikums beschäftigte ich mich weiter mit diesem Thema und fragte mich, ob ein Konzept, dass in der Grundschule mittlerweile erfolgreich praktiziert wird, nicht auch in der Sekundarstufe I anwendbar wäre. In nachfolgenden praktischen Studien in einem Kindergarten, einer Grundschule und einem Gymansium musste ich feststellen, dass die meisten Lehrer zwar den Begriff „Freiarbeit“ schon einmal gehört hatten, h werde im Folgenden versuchen, diese Fragen mit Hilfe der umfangreichen Literatur zum Thema zu beantworten. Die Begriffe „Freiarbeit“ und „Freie Arbeit“ werden hierbei synonym verwendet. Im Rahmen dieser Arbeit möchteaber noch weit von einer Anwendung in ihrem eigenen Unterricht entfernt waren. Intensive Gespräche mit diesen Lehrern brachten jedoch das Ergebnis, dass sie mit ihrem eigenen, meist frontal geführtem Unterricht selbst unzufrieden waren. Also versuchte ich in ersten zaghaften Lehrversuchen einen offeneren Unterrichtsstil, der die Schüler zu mehr Eigentätigkeit anregen sollte. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase brachte dieser Unterricht zufrieden stellende Ergebnisse, vor allem auf der Seite der Schüler-Lehrer-Beziehung und der Zusammenarbeit zwischen den Schülern, aber auch auf der Seite der Ergebnissicherung. Nicht zuletzt fühlte ich mich in der Rolle des Beratenden wohler als in der des Dozierenden. Dies alles bestärkte mich darin, mich weiter mit alternativen Unterrichtsformen zu beschäftigen, die die Schüler nicht bloß „belehrt“, sondern zu eigenem Handeln veranlasst, um sie später in meinem eigenen Unterricht praktizieren zu können.


Excerpt (computer-generated)

Erziehungswissenschaftliche Seminararbeit im Fach Pädagogik

Freiarbeit in der Sekundarstufe I: Chancen und Probleme

von Manuela Wolf

25.09.2001

Inhalt

1. Einleitung 3
2. Was ist ,,Freiarbeit"? 4
3. Die Altersspezifik der Schüler in der Sekundarstufe I 7
4. Aktuelle Herausforderungen an Schule und Unterricht in der Sekundarstufe I 8
5. Rahmenbedingungen für Freiarbeit in der Sekundarstufe I 11
6. Chancen, die Freiarbeit in der Sekundarstufe I bieten kann 17
7. Probleme, die in der Freiarbeit auftreten können 25
8. Zusammenfassung 30
9. Verwendete Literatur: 34

 

1. Einleitung


,,Mir ist alles verhasst, was
mich bloß belehrt, ohne
meine Tätigkeit zu
vermehren oder unmittelbar
zu beleben."


J. W. v. Goethe

Dieses Zitat des großen deutschen Dichters und Denkers Johann Wolfgang von Goethe beschreibt sehr treffend die Motivation, die hinter dieser Arbeit steht.
Im Rahmen meines Studiums der Grundschulpädagogik stieß ich erstmals auf eine Unterrichtsform, die sich ,,Freiarbeit" nennt und mir aus meiner eigenen Schulzeit unbekannt war. Angeregt durch viele positive Erfahrungsberichte und meine eigenen Beobachtungen während des Orientierungspraktikums beschäftigte ich mich weiter mit diesem Thema und fragte mich, ob ein Konzept, dass in der Grundschule mittlerweile erfolgreich praktiziert wird, nicht auch in der Sekundarstufe I anwendbar wäre.

In nachfolgenden praktischen Studien in einem Kindergarten, einer Grundschule und einem Gymansium musste ich feststellen, dass die meisten Lehrer zwar den Begriff ,,Freiarbeit" schon einmal gehört hatten, aber noch weit von einer Anwendung in ihrem eigenen Unterricht entfernt waren. Intensive Gespräche mit diesen Lehrern brachten jedoch das Ergebnis, dass sie mit ihrem eigenen, meist frontal geführtem Unterricht selbst unzufrieden waren. Also versuchte ich in ersten zaghaften Lehrversuchen einen offeneren Unterrichtsstil, der die Schüler zu mehr Eigentätigkeit anregen sollte. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase brachte dieser Unterricht zufrieden stellende Ergebnisse, vor allem auf der Seite der Schüler-Lehrer-Beziehung und der Zusammenarbeit zwischen den Schülern, aber auch auf der Seite der Ergebnissicherung. Nicht zuletzt fühlte ich mich in der Rolle des Beratenden wohler als in der des Dozierenden. Dies alles bestärkte mich darin, mich weiter mit alternativen Unterrichtsformen zu beschäftigen, die die Schüler nicht bloß ,,belehrt", sondern zu eigenem Handeln veranlasst, um sie später in meinem eigenen Unterricht praktizieren zu können.

Dabei bin ich nicht der Meinung, dass man theoretische Erkenntnisse, die der Freiarbeit in der Grundschule zu Grunde liegen, nicht einfach auf die Sekundarstufe I übertragen kann. Deshalb soll der Schwerpunkt dieser Arbeit auf dem Zusammentragen der Chancen liegen, die ,,Freiarbeit" besonders in dieser Klassenstufe bietet, aber auch der besonderen Probleme, die u. U. durch die Altersspezifik der Schüler gegeben sind.

Während der Vorbereitung der vorliegenden Arbeit stellte ich mir folgende Fragen:


- Was genau versteht man unter Freier Arbeit?
- Wie lässt sich auf der Grundlage aktueller Herausforderungen an Schule und Unterricht die Freie Arbeit begründen?
- Welche Rahmenbedingungen müssen herrschen bzw. geschaffen werden, damit Freie Arbeit gelingen kann?
- Welche Chancen eröffnet die Freiarbeit speziell in der Sekundarstufe I?
- Welche Probleme/Grenzen treten auf?

Ich werde im Folgenden versuchen, diese Fragen mit Hilfe der umfangreichen Literatur zum Thema zu beantworten. Die Begriffe ,,Freiarbeit" und ,,Freie Arbeit" werden hierbei synonym verwendet. Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich jedoch nicht auf die Entstehung bzw. Entwicklung der ,,Freiarbeit" und ihren Reformpädagogischen Hintergrund eingehen, obwohl dieser zweifelsohne von Bedeutung ist.

2. Was ist ,,Freiarbeit"?

Die Begriffe Freie Arbeit, Offener Unterricht, Projektunterricht, Handelnder Unterricht, Praktisches Lernen u. a. ,,haben ihre Wurzeln zumeist in reformpädagogischen Traditionen (z. B. Dewey, Freinet, Montessori)"1 und werden in der Literatur sehr unterschiedlich interpretiert. Lutz van Dicks Titel ,,Versuch einer Synopse" (gr. Synopsis: zusammenfassende Übersicht über ein Ganzes) ,,kennzeichnet die Schwierigkeit von eindeutigen Definitionen bei gleichzeitigen inhaltlichen Überschneidungen"2.
Nähert man sich zunächst einmal dem Begriff ,,Freie Arbeit", so stellt man fest, dass ein wesentliches Merkmal ,Arbeit′ ist, d.h. für die Schule, dass ,,hier ernsthaft gearbeitet, also gezielt gelernt wird"3.
Worin besteht nun die Freiheit? Einerseits kann dies die ,,Freiheit vom Erledigungszwang, vom Konkurrenzzwang, vom Benotungszwang"4 sein oder die ,,Freiheit auch von der Fixierung auf eine einzige Art, sich auf die Welt und ihre Vielgestaltigkeit und Unbekanntheit einzulassen"5. Andererseits kann ,,frei" auch ,,selbständig" sein, ,,was deutlich macht, dass dies nicht nur durch Ablösung von Zwang erreicht wird"6, sondern auch durch das ,,Hinführen der Schülerinnen und Schüler zu eigenen Entscheidungsprozessen"7. C. G. Krieger führt in einer Charakterisierung von Freiarbeit den Begriff der Freiheit noch weiter aus, in dem er sagt, dass der Schüler ,,aus eigenem Antrieb und aus eigener Zielvorstellung"8 tätig wird, d. h. er ist ,,frei von direkter Beeinflussung durch den Lehrer"9 und ,,frei zu eigeninitiativem Handeln und Denken und zu individueller Entwicklung. Freie Arbeit ist identisch mit Selbsttätigkeit."10

In welcher Form kann diese ,,Selbsttätigkeit" nun organisiert werden?

[...]


1 Lutz van Dick, Freie Arbeit-Offener Unterricht-Projektunterricht-Handelnder Unterricht-Praktisches Lernen. Versuch einer Synopse. PÄDAGOGIK, Jg. 43, 6/91, S. 31

2 Ebenda

3 Friedrich Gervé: Freie Arbeit. Grundkurs für die Aus- und Fortbildung. Beltz Verlag, Weinheim und Basel, 1998, S. 24

4 Horst Rumpf, Was ist frei an der freien Arbeit? PÄDAGOGIK, Jg. 43, 6/91, S. 8

5 Ebenda

6 Silke Traub: Freiarbeit in der Realschule. Analyse eines Unterrichtsversuchs (Erziehungswissenschaft Bd. 2). Verlag Empirische Pädagogik, Landau, 1997, S. 20

7 Ebenda

8 Siehe 6, S. 9

9 Ebenda

10 Ebenda


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