Bei GRIN registrieren oder einloggen

Your e-mail-address or password is wrong
Jetzt registrieren
Für neue Autoren: kostenlos, einfach und schnell
Dies wird Ihr Benutzername, bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse an

Passwort vergessen

Your e-mail-address or password is wrong

Neues Passwort anfordern
Das Modell der EnergieAgentur Alexander-von-Humboldt Schule e. V. close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

Das Modell der EnergieAgentur Alexander-von-Humboldt Schule e. V.

Anderes, 2002, 38 Seiten
Autor: Maximilian Plenert
Fach: Umweltwissenschaften

Details

Veranstaltung: Besondere Lernleistung als fünftes Abiturfach
Institution/Hochschule: Real Centro Universitario Maria Cristina
Tags: Modell, EnergieAgentur, Alexander-von-Humboldt, Schule, Besondere, Lernleistung, Abiturfach
Kategorie: Anderes
Jahr: 2002
Seiten: 38
Note: 15 Punkte
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V107905
ISBN (E-Book): 978-3-640-06118-1

Dateigröße: 148 KB


Volltext (computergeneriert)

Das Modell der EnergieAgentur

Alexander-von-Humboldt Schule e. V.

Eine lokale Umsetzung der globalen Agenda - Idee

Zusätzliche Lernleistung von Max Plenert

"Erkläre mir, und ich werde vergessen.

Zeige mir, und ich werde mich erinnern.

Beteilige mich, und ich werde verstehen."

- Konfuzius


Inhaltsverzeichnis

:

1. Einleitung

1.1 Aufgabenstellung

1.2 Kurzvorstellung der Energieagentur

1.3 Geschichte der Energieagentur

1.4 Bisherige Bilanz der Energieagentur

2. Strukturen und Arbeitsmethoden der Energieagentur

2.1 Wirtschaftliche Aspekte

2.2 Juristische Aspekte der schuleigenen Energieagentur

2.3 Verwaltung und Energieagenturen

2.4 Anreizmodelle

2.5 Die Energieagentur an der Schule

3. Projekt ,,Heizen"

3.1 Heizen und damit verbundene Probleme

3.2 Vorstellung der Technik

3.3 Nutzung und Umsetzung an der Schule

3.4 Datenanalyse

4. Soziale Einbindung in das System Schule

4.1 Die Bedeutung von Nutzerverhalten

4.2 Energieagenten

4.3 Wissen der Energieagentur

4.4 Weitergabe von Wissen

4.5 Imageprobleme der Energieagentur

5. Diskussion / Ausblick

6. Literaturverzeichnis


7. Anhang

7.1 Daten zur Schule

7.2 Glossar

7.3 Übersicht über verschiedene Anreizmodelle zum Energiesparen

7.4 Informationszettel ,,Just for Energy"


1. Einleitung

1.1 Aufgabenstellung

Aufgabe dieser Arbeit ist es, die wichtigsten Aspekte der Energieagentur Alexander-von-

Humboldt Schule e. V. und meine Aktivität als Mitglied seit 1995 vorzustellen. Sie soll

Außenstehenden einen Einblick in die Strukturen und Arbeitsmethoden der Energieagentur

ermöglichen, die eingesetzten Techniken vorstellen und die soziale Einbindung in das

System der Schule aufzeigen. Hierbei werden eine Vielzahl sehr unterschiedlicher und auch

sehr komplexer Themen angesprochen. Im Rahmen dieser Arbeit können dabei nur die

wichtigsten Inhalte angesprochen werden.

Auch meine persönlichen Leistungen werden in dieser Arbeit nicht umfassend, sondern

exemplarisch behandelt. Um die Verständlichkeit für Außenstehende zu erhöhen und den

Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen wurden einige Bereiche nicht erwähnt.

Auf den Aspekt der Ökologie und den Nutzen für Klima und Umwelt durch die Arbeit der

Energieagentur wird hier nicht eingegangen. Die Idee der Energieagentur soll unabhängig

von solchen Betrachtungsweisen präsentiert werden.

1.2 Kurzvorstellung der Energieagentur

Die Energieagentur Alexander-von-Humboldt Schule e. V. ist eine von Schülern betriebene

Firma, die energiesparende Maßnahmen an ihrer Schule durchführt. Dazu zählen sowohl

Anleitung zur Änderung von Nutzerverhalten

als auch Investitionen im technischen Bereich.

Sie finanziert ihre Projekte über Kredite und Eigenkapital und refinanziert sich durch die

eingesparten Energiekosten. Dieses Modell kommt aus der Wirtschaft. Beispielsweise wird

es auch von hessenENERGIE, der Energieagentur des Landes Hessen und damit der

großen Schwester der Energieagentur Alexander-von-Humboldt Schule e. V. verwendet. Das

Modell ist besonders erfolgreich, weil es technische Kompetenz an der Schule schafft,

Gelder flexibilisiert und Verwaltungshindernisse überwinden kann.

Weitere Informationen zur Energieagentur finden sich in Dokumentation Energieagentur [3].

Seite 1


1.3 Geschichte der Energieagentur

1992 Gründung der Arbeitsgruppe ,,Ökologischer Umbau der Alexander von Humboldt

Schule"

-

Erfassung der Energie- und Wasserverbräuche der Schule

-

Analyse der gewonnenen Daten

-

Diskussion der Einsparpotentiale

1993

Projekt ,,Tageslichtabhängige Treppenhausbeleuchtung"

1994

Projekt ,,Sonnenkollektor"

Gründung der Energieagentur Alexander-von-Humboldt Schule e.V.

1995

Projekt ,,Thermostatventile"

Schulung von Energieagenten

1996

Projekt ,,Galeriebeleuchtung / Ausstellungsräume"

1997

Projekt ,,Steuerungsanlage der Heizung und drehzahlgeregelte Pumpen"

1999

Projekt ,,Wassersparen"

2000

Projekt ,,Beleuchtungsanlage der Schule"

2001

Projekt ,,Photovoltaik"

Seite 2


1.4 Bisherige Bilanz der Energieagentur

Bilanz seit 1993

Investitionen

des Schulträgers auf Anregung

der Schüler und Schülerinnen

3.200 DEM

Investitionen

der Energieagentur AvH

104.500 DEM

Zuschüsse

12.000 DEM

119.700DEM

Einsparungen

Strom

72.000 kWh

Erdgas

102.500 m3

Wasser

400 m³

Kosten

82.200 DEM

Rückflüsse

an Energieagentur

(Contracting-Raten)

48.200 DEM

Rückflüsse

an Schulleitung

28.000 DEM

Rückflüsse

an Schulträger

6.000 DEM

82.200 DEM

[3]

Abbildung 1: Bilanz der Energieagentur, Stand Ende 2001

Seite 3


2. Strukturen und Arbeitsmethoden der Energieagentur

Dieses Kapitel soll die Idee der Energieagentur und deren Verhältnis zu äußeren

Rahmenbedingungen vorstellen.

2.1 Wirtschaftliche Aspekte

Das Modell der Energieagentur wurde in der Wirtschaft entwickelt. Steigende Energiepreise

innerhalb der letzten Jahrzehnte haben dazu geführt, dass Einsparpotentiale erkannt werden

und als wirtschaftlich rentabel gelten. Da nicht in der jeder Firma das nötige Know-how

vorhanden ist, bieten Energieagenturen als Dienstleister ihre Kompetenz an. Eine andere

Alternative, welche von einer Vielzahl Unternehmen genutzt wird, ist die Gründung interner

Energieagenturen als eigene Unterabteilungen, um so die Energieeffizienz und

Wirtschaftlichkeit zu erhöhen.

Auch die einzelnen Bundesländer haben Energieagenturen gegründet, mit dem Ziel die

Energiekosten ihrer Kreise und Kommunen zu senken. Die Ideen einer Energieagentur

beschrieb Dr. Horst Meixner in seiner Rede zum zehnjährigem Bestehen von

hessenENERGIE über deren Selbstverständnis folgendermaßen:

,,Die hessenENERGIE GmbH versteht sich als Energieagentur, die sich mit ihren Partnern

durch

Investitionsvorhaben

und

Beratungsleistungen

für

eine

effiziente

und

umweltschonende Energienutzung engagiert" [1].

Weiter beschreibt Dr. Hermann Zinn den Nutzen von Energieagenturen unter folgenden

energiepolitischen Hintergründen. Sinngemäß führt er dabei an: ,,

Auch wenn Energiesparen

über weite Strecken wirtschaftlich ist, scheitert die Nutzung von effizienter Technik oft an

Hemmnissen. Diese seien beispielsweise Informationsmängel und Motivationsdefizite,

fehlende Finanzierungskonzepte, institutionelle und organisatorische Rigiditäten (z.B. durch

Recht der öffentlichen Haushalte)" [2].

Auf einige dieser Punkt wird im Folgenden eingegangen, da sie die Arbeit der

Energieagentur AvH betreffen.

Die Einsatzgebiete einer Energieagentur in der freien Wirtschaft werden an folgendem

Beispiel aufgezeigt:

Seite 4


Gegeben sei ein einfaches Geschäft mit einem hohen Energieverbrauch, welches an einen

Betreiber vermietet wird. Der Mieter zahlt die gesamten Energiekosten und die Miete, die in

Abhängigkeit

zum

Gebäudewert

steht.

Der

Besitzer

hat

keinen

Anreiz

für

Energiesparmaßnahmen, da er die Energiekosten nicht zu zahlen hat und die Maßnahmen

sich nicht über die erhöhte Miete amortisieren würden. Der Mieter darf keine baulichen

Maßnahmen tätigen und in den meisten Fällen ist auch das Know-how für etwaige

Maßnahmen nicht vorhanden.

In einem solchen Fall kann eine externe Energieagentur aktiv werden. Sie hat die

Fertigkeiten für eine Analyse des Gebäudes bezüglich des Sparpotentials und der

Umsetzung

der

gewonnen

Erkenntnisse

in

tatsächliche

Projekte.

Um

die

Projektdurchführung muss sich der Mieter nicht kümmern. Die Wahl der Technik, den

Einkauf und die Finanzierung übernimmt komplett die Energieagentur.

-

Dem Mieter entstehen keine zusätzliche Kosten, er überweist während der

Laufzeit des Vertrages (Contracting) die eingesparten Energiekosten an die

Energieagentur. Die Zahlungen heißen Contracting-Raten. Nach dem Ende der

Laufzeit sind seine Energiekosten deutlich reduziert.

-

Die Energieagentur refinanziert ihre Investitionsmittel ausschließlich über die

Contractingrate (eingesparten Energiekosten des Vermieters). Die Laufzeit ist

darüber hinaus so bemessen, dass ihr dabei ein Gewinn entsteht.

-

Der Gebäudebesitzer hat keine Kosten oder Risiken, er muss lediglich sein

Erlaubnis für die Baumaßnahmen erteilen. Am Ende bekommt er sein Gebäude

auf den neusten Energiestand gebracht, was gleichzeitig eine massive

Wertsteigerung darstellt.

2.2 Juristische Aspekte der schuleigenen Energieagentur

Die Energieagentur hat die rechtliche Form eines eingetragenen Vereins. Die Gründung des

Vereins war notwendig geworden nachdem erkannt wurde, dass weder Kreis als Schulträger

noch die Schule in der Lage sind selbst als Energieagentur aufzutreten. Auf dieses Problem

wird in den folgenden Kapiteln eingegangen.

Die Form des Vereins wurde aus mehreren Gründen anderen Gesellschaftsformen wie

beispielsweise einer GmbH, KG oder GbR vorgezogen. Zum einen ist ein Verein eine

juristische Person und hat nur einen minimalen Verwaltungsaufwand. Die Energieagentur

Alexander-von-Humboldt Schule e. V. darf nach § 3 der Satzung keinerlei Gewinne erzielen.

Außerdem ist sie als gemeinnützig anerkannt. Alle eingenommenen Gelder müssen an der

Schule für weitere Energiesparmaßnahmen genutzt werden.

Seite 5


Ein Auszug aus dem Mustervertrag, Abschnitt Kapitalrückfluss gibt diesen wichtigen Punkt

wieder.

Die Energieagentur verpflichtet sich ihrerseits den Teil, welcher ihre

Aufwendungen für die realisierte Maßnahme übersteigt, in Abstimmung mit dem

Kreis zur Durchführung weiterer Energiesparmaßnahmen an der Schule

einzusetzen.

[3]

Abbildung 2: Auszug aus dem Mustervertrag der Energieagentur, Absatz Kapitalrückfluss

Wenngleich die rechtliche Form Grundlage für die Arbeit der Energieagentur ist, so hat sie

für die alltägliche Arbeit kaum Bedeutung.

Der Verein ist lediglich die Rechtsgrundlage für die Aufnahme von Krediten und den

Abschluß von Verträgen. Diese Fähigkeit ermöglicht es Fremdkapital an die Schule zu holen

und selbständig mit Fachfirmen zu verhandeln. Bei Projekten mit einer Beteiligung der

Energieagentur von mehr als 50 Prozent ist diese Auftraggeber.

Das ausführende Organ des Vereins ist die Schülergruppe unter Anleitung des Lehrers

Martin Beickler. Die Mitglieder dieser Gruppe sind in der Regel keine Mitglieder des

Vereines.

Durch Personalunion von Martin Beickler als Leiter der Arbeitsgruppe und Vorsitzender des

Vereins ist eine gute Kommunikation der Arbeitsgruppe und des Vereins gewährleistet.

Weitere Mitglieder des Vereins sind die Stadt Viernheim, hessenENERGIE und einige

Privatpersonen (Lehrer der Schule, Mitbegründer).

2.3 Verwaltung und Energieagenturen

Der Kreis ist rechtlich und verwaltungstechnisch nur sehr bedingt in der Lage, die Aufgaben

im ausführenden Bereich allein wahrzunehmen. Eines der Grundprobleme sind die starren

Haushaltssysteme. So wären ,,technische Maßnahmen zur Energieeinsparung" ein Posten

für den Investitionshaushalt, während die Einsparungen im Verwaltungshaushalt auftauchen

würden. Dem Versuch, in diesem Bereich innerhalb der Verwaltung aktiv zu werden, sind

hohe bürokratische Hürden gesetzt.

Auch die Schule ist nicht in der Lage die Aufgaben einer Energieagentur wahrzunehmen, da

sie keine eigenständige juristische Person ist. Zudem ist die Finanzverwaltung der Schule

Seite 6


nicht flexibel genug. Der Kauf einiger Energiesparlampen wäre im Haushaltposten 5200

¢¡¤£¦¥¨§¦©¢

¥¦©¢!

©"#"%$

©

(Geräteaussattung und ­ersatz für Geräte unter 450

Stromkosten im Etat 5400 (Gas, Wasser, Strom, Müll, Reinigung) zu finden sind. Die interne

Verrechnung für geringe Beträge ist möglich, größere Investitionen sind allerdings nicht

möglich. Außerdem wäre die Schule allein nicht ermächtigt größere Umbaumaßnahmen an

der Schule durchzuführen. Auch die Budgetierung der Alexander-von-Humboldt Schule seit

1.1.1997 hat kaum Vorteile in diesem Bereich gebracht.

2.4 Anreizmodelle

Mehrere Verwaltungen habe die Vorteile von schuleigenen Energieagenturen erkannt. Um

etwaige Projekte zu fördern, wurden unterschiedliche Anreizmodelle geschaffen. Einige

Beispiele sind im Anhang aufgeführt, weitere Informationen zu dem Thema sind in der

besonderen Lernleistung von Florian Miedniak zu finden [6].

2.5 Die Energieagentur an der Schule

Durch die Bindung der Gelder an die Schule wird eine fortlaufende Aktivität gewährleistest.

Die Energiesparpotentiale können mittels Fremdkapital erschlossen werden und über die

eingesparten Kosten refinanziert werden. Da durch den Rückfluß meist ein Überschuß erzielt

wird, können weitere Sparinvestitionen teilweise selbst vorfinanziert werden. Der Überschuß

ergibt sich aus einer vorsichtigen Finanzkalkulation, wie sie auch in der Wirtschaft üblich ist.

Ein Gewinn darf die Energieagentur AvH nicht erzielen. Durch das zusätzliche Geld ergibt

sich eine positive Rückkopplung für weitere Projekte. Der Sparprozess wird dynamisiert.

Seite 7


3. Projekt ,,Heizen"

Eines der Haupteinsparpotentiale liegt im Gasverbrauch. Während meiner Mitarbeit wurde

der Gesamtgasverbrauch um ein Fünftel gesenkt. Das hier beschriebene Projekt ist ein

typisches Beispiel für die Arbeit einer Energieagentur.

3.1 Heizen und damit verbundene Probleme

Optimales Heizen setzt mehrere Dinge voraus: ein regelbarer Heizungkörper, ein rationales

Lüftungsverhalten, hinreichende Lüftungsmöglichkeiten und einen geschulten Nutzer. Bevor

die Energieagentur in diesem Bereich tätig wurde, waren alle diese Faktoren nicht gegeben.

An den Heizungen waren in den meisten Fällen keine Ventile vorhanden, die über den

Fenstern installierten Lüftungsklappen transportierten große Mengen Wärme in die Umwelt,

und die Temperatur wurde von den Schülern mangels Alternativen über das geöffnete

Fenster geregelt. In allen Bereichen wurde die Energieagentur während meiner Teilnahme

tätig.

Problem Lüften

Eine der wichtigsten Kenntnisse beim Lüften ist, dass ein geringer, aber kontinuierlicher

Luftaustausch zwar für eine gute Luftqualität, aber auch für einen hohen Energieverlust

sorgt. Die beschriebenen Klappen oberhalb der Fenster oder ein spaltbreit geöffnetes

Fenster transportieren warme Luft aus dem Raum und lassen die gewünschte Frischluft in

den Raum strömen. Eine kurze, aber dafür intensive Lüftung durch das Öffnen aller Fenster

führt zu einer schlechteren, aber ausreichenden Verbesserung der Luftqualität, während die

Gesamtwärmebilanz deutlich besser ist. Die Energieagentur verschloß in Zusammenarbeit

mit dem Hausmeister die Lüftungsklappen. Die Energieagenten in den Klassen wurden in

richtigem Nutzverhalten geschult. Über den Nutzen des Stoßlüftens gibt es an der AvH eine

Studienarbeit von den Schülern Sandra Philipp, Ariane Roth und Andrea Keipert unter

Anleitung von Helmut Träger und Martin Beickler.

Problem Heizkörper

Die Heizkörper in der AvH waren ursprünglich mit Thermostatventilen ausgestattet worden.

Allerdings reduzierte sich deren Anzahl im Lauf der Zeit durch Verschleiß und Vandalismus

immer weiter. Ein Austausch durch neue Thermostatventile wurde nicht vorgenommen.

Seite 8


Problem Nutzer

Den Nutzer als bewußten Bediener der Heizung gab es vor den Aktivitäten der

Energieagentur an der Schule kaum. Gründe hierfür können sein der Mangel an

Informationen, Möglichkeiten oder Bewußtsein. Die nachhaltige Veränderung des

Nutzerverhaltens ist ein schwieriges und auch sehr langwieriges Thema. Wenngleich die

Schüler,

wie

es

beispielsweise

ein

Energiesparwettbewerb

zeigte,

durchaus

begeisterungsfähig sind, ist es sehr schwierig alle Schüler und speziell auch die Lehrer von

den Vorteilen von einem richtigem Verhalten zu überzeugen. Dieses Thema wird im Kapitel 5

speziell unter "Soziale Probleme" weiter behandelt.

3.2

Vorstellung der Technik

Thermostatventile

Ein Thermostatventil ist ein kombiniertes Meß- und Regelungsgerät. Es öffnet in

Abhängigkeit zur Raumtemperatur, das Durchflußventil. Damit wird die Raumtemperatur

ohne weitere Bedienung durch den Nutzer auf einem konstanten Wert gehalten. Bei

Ventilen, mit welchen lediglich der Durchlaß bestimmt werden kann, ist die Einstellung einer

Wunschtemperatur nicht möglich. Dies ist der Hauptvorteil von Thermostatventilen

gegenüber manuell zu bedienenden Ventilen.

Auch auf äußere Einflüsse (zusätzliche Heizeffekte durch Sonneneinstrahlung oder

Personen im Raum oder einen Abfall der Außentemperatur) reagiert ein Thermostatventil

selbsttätig.

Ein Beispiel für die Vorteile eines Thermostatventils ist ein ausgekühlter Raum. Der Nutzer

eines konventionellen Ventils kann dieses nur variabel einstellen und muß dann nach Bedarf

nachregulieren. Ein Thermostatventil wird auf die Wunschtemperatur eingestellt; die weitere

Regelung wird durch das Thermostatventil selbsttätig vorgenommen.

Ein häufiger Irrtum ist die Annahme einer Analogie von Thermostatventilen und manuellen

Ventilen bezüglich der Aufheizleistung und der Einstellung des Ventils. Während ein simpler

Durchflußregler je nach Einstellung einen Raum schnell oder langsam aufheizt, trifft dies bei

Thermostatventilen nicht zu. Ein Thermostatventil heizt einen Raum unabhängig von dessen

Einstellung gleich schnell auf, die Einstellung gibt lediglich die gewünschte Endtemperatur

wieder.

Seite 9


Letztlich ist noch zu beachten, dass der Begriff Wunschtemperatur mit Vorsicht zu genießen

ist. Der Ort der Messung ist das Thermostatventil. Wird dieses beispielsweise einem

andauernden Kaltluftstrom unter einem spaltbreit geöffneten Fenster ausgesetzt, so reagiert

das Thermostatventil genauso als wäre der gesamte Raum ausgekühlt.

Die folgende Tabelle 1 gibt eine beispielhafte Übersicht über den Zusammenhang zwischen

Temperatur und der Einstellung des Thermostatventils.

Tabelle 1:

Wunschtemperatur in Abhängigkeit zur Thermostatventilstellung.

Stellung

Temperatur

*

6 ° C

1

12 ° C

2

16 ° C

3

20 ° C

4

24 ° C

5

27 ° C

Heizungsanlage

Zur Erzeugung von Heizenergie wird in der AvH ein System, bestehend aus zwei

Heizkesseln und einem Blockheizkraftwerk genutzt. Als Energieträger wird Erdgas

verwendet.

Hier gibt es typische Probleme, die alle Zentralheizungen betreffen und einige Probleme, die

durch die Bauweise bedingt sind.

Ein allgemeines Problem sind beispielsweise Luftblasen im Heizkreislauf, weswegen es

unvermeidbar ist, die Heizkörper gelegentlich zu entlüften, um einen optimalen Wirkungsgrad

sicherzustellen. Ein Problem, welches durch die Bauweise der Heizung bedingt wird, ist die

schlechte Versorgung des naturwissenschaftliches Traktes mit Warmwasser. Dieser Trakt

liegt am Ende des Heizstrangs und speziell im Winter ist das dort angekommende Wasser

schon stark abgekühlt. Besonders problematisch ist dieser Punkt beim morgendlichen

Aufheizen der Schule, da hierbei die Heizung an ihre Leistungsgrenzen stößt und die

Versorgung des naturwissenschaftliches Traktes nicht gewährleistet ist. Eine Folge dieses

Problems war der Hinweise für die Energieagenten, die Heizung bei Verlassen des

Schulsaales nur bis auf 1 bis 1,5 herab zu drehen. Dies verhindert eine zu starke

Seite 10


Auskühlung des Raumes und hilft, die Säle am Ende des Heizstranges morgens besser mit

Heizwasser zu versorgen.

Durch einen verhältnismäßig geringfügigen Umbau des Rohrsystems wurde es möglich, das

Ober- und das Erdgeschoss getrennt mit Warmwasser zu versorgen. Das Hauptanliegen

dieser Maßnahme ist das frühzeitige Herabsetzen der Vorlauftemperatur für das

Obergeschoß. Die sog. Nachtabsenkung reduziert die Temperatur des Heizwassers, so dass

das Obergeschoss nachmittag kaum noch beheizt wird. Durch eine entsprechende

Anpassung des Stundenplanes, die aus der Verlegung des Nachmittagsunterrichtes in das

Erdgeschoß besteht, ist es nun möglich, das gesamte Obergeschoss schon um 13 Uhr

abkühlen zu lassen.

In den Ferien wird die Anlage auf Frostschutz geschaltet, was zu einer noch stärker

reduzierten Beheizung der Schule führt.

3.3

Nutzung und Umsetzung an der Schule

Eines der Hauptprojekte der Energieagentur während meiner Mitarbeit war die schulweite

Installation von Thermostatventilen und der Etablierung des Amtes des Energieagenten.

Die Schritte des Projektes

·

Entwicklung der Idee

Durch die Thermostatventile sollte die technische Möglichkeit eines rationellen Heizens

geschaffen werden. Die Energieagenten in den einzelnen Klassen setzten diese

Möglichkeiten in den Klassen- und Fachräumen um. Zudem wurden sie über die Vorteile des

Stoßlüftens unterrichtet.

Diese Kombination von technischen Maßnahmen und Nutzerverhaltensänderungen zeichnet

sich durch einen hohen Einspareffekt aus. Das gleichzeitige Durchführen beider Maßnahmen

optimiert die Einsparung. Eine schuleigene Energieagentur kann diese Synergieeffekte im

Gegensatz zu einer externen Energieagentur nutzen, indem sie das Nutzerverhalten der

Schüler nachhaltig ändert.

·

Planung

Nachdem die Idee entwickelt worden war, wurde bei mehreren Fachfirmen ein

Kostenvoranschlag

eingeholt.

Aufgrund

dieser

Angebote

ergab

sich

ein

Gesamkostenumfang für das angestrebte Projekt in Höhe von 7740 DEM. Dieser beinhaltet

Seite 11


die Ausstattung des Schulhauses mit insgesamt 129 Thermostatventilen zum Preis von 60

DEM pro Stück. Weitere 38 Heizkörper wurden schon in den vorhergehenden Jahren mit

modernere Thermostatventilen nachgerüstet, die bei unserer deshalb nicht zu

berücksichtigen waren.

·

Finanzierung

Nach der Abgabe der Angebote wurde ein Geamtfinanzierungskonzept erstellt. Das optimale

Einsparpotential wurde von den Experten von hessenENERGIE auf zehn bis fünfzehn

Prozent geschätzt. Aufgrund von Unsicherheiten bezüglich eines richtigen Nutzerverhaltens

wurde mit zehn Prozent kalkuliert. Da schon zuvor bereits circa 40% der Heizkörper mit

Thermostatventilen ausgestattet waren, reduzierte sich das Einsparpotential auf sechs

Prozent.

Für die eingesetzten Geldmittel wurde ein Zinssatz von acht Prozent eingerechnet.

Allerdings konnte die Energieagentur circa 50% der Kosten über Preisgelder (Jugend

forscht, Umweltpreis des Kreises Bergstrasse) und Spenden finanzieren. Der Restbetrag

wurde über einen Bankkredit finanziert. Der Gasgesamtverbrauch lag 1993 bei circa 90.000

m3. Der Gaspreis wurde mit 0,60 DEM pro m3 veranschlagt. Aus diesen Zahlen wurde eine

Amortisationszeit von 4 Jahren errechnet. Während dieser Laufzeit sollte die Energieagentur

80% der eingesparten Energiekosten erhalten. Tabelle 2 zeigt eine Übersicht über die

Finanzkalkulation und Tabelle 3 über die geschätzte Finanzentwicklung.

Tabelle 2:

Übersicht über die Finanzkalkulation Projekt ,,Thermostatventile"

Gesamtgasverbrauch der Schule 1993

90.000 m3

Preis pro m3 Gas

0,60 DEM

Einsparung pro Jahr

Formel: 90000 x 0,06 x 0,60

3.240 DEM

Rückfluß an die Energieagentur

Formel: 3240 x 0,8

2.600 DEM

Gesamtkosten der Maßnahme

7.740 DEM

Zinssatz für Bankkredit

8 %

Einsparung

5 %

Seite 12


Tabelle 3:

Geschätzte Finanzentwicklung Projekt ,,Thermostatventile"

Jahr

Kredit in DEM

Überschuß in DEM

1

5760

0

2

3620

0

3

1310

0

4

0

1190

·

Durchführung

Die Thermostatventile wurden in den Herbstferien 1995 von der Firma SUT Solar- und

Umwelttechnik GmbH installiert. Zu Beginn der Heizperiode ließ die Energieagentur in allen

Klassen Energieagenten wählen.

Dank der Etablierung der Energieagenten und dem dadurch entstehenden Synergieeffekt

aus Technik und Nutzerverhaltensänderung, belief sich die tatsächliche Energieeinsparung

auf mehr als das Doppelte des geschätzten Wertes. Der Anteil des tatsächlich eingesparten

Gases am Gesamtverbrauch lag bei 19.3%. Durch die Installation der Thermostatventile

wurden über 12% der Kosten einsparten. Die übrigen 7% erbrachte die Installation eines

Warmwasserkollektors auf dem Dach der Turnhalle (ein früheres Projekt der

Energieagentur).

·

Verbrauchserfassung

Um die Einsparungen aus den Projekten zu errechnen, erfasst die Energieagentur die

Energie- und Wasserverbräuche der Schule. Der Hausmeister liest im Auftrag des Kreises

die monatlichen Zählerstände ab und die Energieagentur trägt diese Daten in eine Excel-

Tabellenkalkulation ein. Hiermit lassen sich Verbräuche schnell auswerten und graphisch

darstellen. Auf die Bedeutung dieser Arbeit zusätzlich zu den Abrechnungen wird im

nächsten Kapitel eingegangen.

·

Abrechnung für eine Heizperiode

Die Abrechnung der eingesparten Energiekosten ist hier exemplarisch für Heizperiode 1995 /

1996 gezeigt (vlg. Abb. 3).

Seite 13


Als Bezugsgröße für den Gasverbrauch wurde das Jahr 1993 gewählt. Zu diesem Zeitpunkt

war die Energieagentur noch nicht aktiv geworden.

Um eine Vergleichbarkeit von Gasverbräuchen zwischen einzelnen, unterschiedlich warmen

Jahren zu gewährleisten, werden die Verbräuche klimabereinigt. Die Grundlagen der

Berechnung sind in Abb. 3 wiedergegeben. Das Ergebnis resultiert die effektiv

Gasverbraucheinsparung des Abrechnungsjahres.

VB = Heizenergieverbrauch im Bezugsjahr 1993 = 97637 m3 Erdgas

V95/96 = Heizenergieverbrauch in der Heizperiode 95/96 =

85400 m3

Erdgas

GTZB = Gradtagszahl im Bezugsjahr 1993 = 3174,1

GTZ95/96 = Gradtagszahl in der Heizperiode 95/96 =3507,6

SB = Sockelbetrag im Bezugsjahr in m3 Erdgas = 20000 m3 Erdgas

GTZ

97/98

Eingesparte Heizenergie

= (

V

-

S

)

+

S

-

V

=

20394 m3

Erdgas

B

B

GTZ

B

97/ 98

B

Der Anteil des eingesparten Gases am Gesamtverbrauch liegt bei 19.3%.

Der Preis pro m3 Erdgas lag im Jahr 1995 bei 0,57 DEM incl. MwSt.. Damit beliefen sich die

eingesparten Heizkosten in der Heizperiode 95/96 auf 11624,58 DEM. Der Anteil der

Energieagentur an den Einsparungen wurde per Vertrag auf 80% festgelegt, was hier

9299,66 DEM sind.

[4]

Abbildung 3: Berechnung eingesparten Energiekosten für die Heizperiode 95/96

Die Formel für die eingesparte Heizenergie wurde von den Mitgliedern der Energieagentur

M. Beickler, F. Plenert, D. Meisel u. a. entwickelt.

Normalerweise ist es üblich, auch Gasverbräuche in kWh anzugeben; aus Gründen der

Vereinfachung wurde von der Energieagentur darauf verzichtet. Als Umrechnungsfaktor von

1 m3 Erdgas zu dessen Energiegehalt in kWh ist der Faktor 10 zu wählen [5].

Seite 14


· Vertragliche Rahmenbedingungen

Die Rückflüsse an die Energieagentur sind nicht durch die Höhe der Aufwendungen durch

die Energieagentur begrenzt. Dies wird im Vertrag mit dem Kreis Bergstrasse im Absatz

Kapitalrückfluss klar geregelt (s. Abb. 4).

Dabei sind die Anteile an den eingesparten Energiekosten, welche der

EnergieAgentur während der Laufzeit dieser Vereinbarung zustehen, nicht durch die

Höhe ihrer Aufwendungen begrenzt. Die der EnergieAgentur zustehenden Beträge

sind an die EnergieAgentur auszuzahlen.

[3]

Abbildung 4: Auszug aus dem Mustervertrag der Energieagentur, Absatz Kapitalrückfluss

Diese Regelung ist essentiell für die Idee der Energieagentur, da nur so zusätzliche Gelder

erwirtschaft werden können und zum Anschub von größeren Projekten benutzt werden

können. Diese Regelung war zu Beginn der Energieagentur von seiten des Kreises heftigst

umstritten. Dies führte fast zu rechtlichen Auseinandersetzungen. In Verhandlungen konnte

der Kreis jedoch von den Vorteilen der Energieagentur und dem Wert der geleisteten Arbeit

überzeugt werden.

Seit 1.1.1997 ist die AvH budgetiert. Dies bedeutet für die Energieagentur, dass sie nicht

mehr nur einen Vertragspartner hat, sondern zwei. Es sind der Kreis Bergstrasse als

Bauträger und die Schule selbst als Verwalter der Energiekosten.

Die Einsparungen wurden im Energiehaushalt der Schule verbucht und die Contractingraten

werden aus diesem Topf bezahlt. Der Kreis darf diesen Etatposten nicht kürzen. Hierfür ist

aber alleine die spezielle Situation an der AvH verantwortlich aufgrund der bestehenden

Verträge der Energieagentur mit dem Kreis Bergstrasse veranwortlich. Wenn derzeit andere

budgetierte Schulen im Kreis Bergstrasse Energie sparen, erhalten sie im darauf folgenden

Jahr 75% der eingesparten Kosten. Hierbei sollte nicht vergessen werden, daß die

Budgetierung ein Instrument zur Kosteneinsparung für den Kreis ist.

Ein Problem der Bugdetierung von Energiekosten besteht darin, dass dem festen

Haushaltsposten Energie ein klimaabhängiger Realverbrauch gegenüber steht. Somit ist die

Schulleitung gezwungen, in kalten Jahren Geldmittel aus anderem Bereichen für die

Bezahlung der Gasrechnung heranzuziehen. Eine mögliche Lösung wäre die Aufname

Seite 15


klimabereinigter Energieverbräuche anstatt der bisherigen festen DEM Beträte in den

Energieetat.

Da die eingesparten Gelder während der Vertragslaufzeit zu 20 Prozent und danach zu 100

Prozent der Schule zur Verfügung stehen, stehen der Schulleitung der AvH derzeit mehr als

10.000 DEM jährlich zusätzlich zur Verfügung. Die Verwendung dieser Gelder sollte von der

Schulleitung veröffentlicht werden, um den Schülerß, denen ein großer Teil der

Einsparungen zu verdanken ist, die Vorteile ihres Nutzerverhalten sichtbar zu machen.

Der Kreis bzw. die Schule als Energiekostenträger hat nie Gelder durch die Energieagentur

verloren. Sie profitieren dagegen von den Einsparungen, die sinnvoll im Haushalb eingesetzt

werden können (vgl. Abb. 5).

100%

80%

Rückfluß an die

60%

Energieagentur

40%

Einsparungen für

die Schule

20%

0%

Jahr 1Jahr 2Jahr 3Jahr 4Jahr 5Jahr 6Jahr 7

Abbildung 5: Verteilung der eingesparten Mittel bei dem Projekt ,,Thermostatventile"

3.4

Datenanalyse

Die Untersuchung der Energie- und Wasserverbräuche der Schule ist eine der wichtigsten

Aufgaben der Energieagentur. Sie ist Grundlage für die Diskussion der Einsparpotentiale seit

Einführung der Energieagentur.

Das zweite Projekt der Energieagentur, die Installation zweier Warmwasserkollektoren, war

ein Resultat dieser Analyse. Eines der wichtigsten Ziele der Betrachtung der Daten ist es, die

Verbräuche nicht nur zu sehen, sondern auch zu verstehen. Das Projekt ,,Sonnenkollektoren"

ist ein typisches Beispiel dafür, wie selbstverständlich Verbräuche hingenommen werden,

Seite 16


ohne dass überlegt wird, wo die Energie verbraucht wird. Bei unserer Analyse des

Gasverbrauches des Jahres 1993 (siehe Abb. 6) zeigte sich, dass ausserhalb der

eigentlichen Heizperiode große Mengen Gas verbraucht wurden und selbst während der

Sommerferien 6500 m³ Gas im Gesamtwert von 3500 DM verbraucht wurde. Aufgrund

unserer Nachforschungen fanden wir die Ursache dieses Verbrauches. Das Gas wurde für

die Bereitstellung von Duschwasser in der Turnhalle genutzt. Eine Untersuchung ergab, dass

dabei nur etwa 3 Prozent der Energie des verbrannten Gases genutzt wurden, der Rest

wurde als Wärmeverlust ,,verschwendet". Nachdem dieses Problem erkannt wurde, war der

Grundstein des Sonnenkollektor - Projektes gelegt. Weitere Informationen zu diesem sehr

erfolgreichen Projekt finden sich in der Dokumentation der Energieagentur [3].

Seite 17


Gasverbrauch 1993

m3 Gas

20000

18000

16000

14000

12000

10000

8000

6000

4000

2000

0

Zeit

Jan

Juli

Feb

Mai

Okt

Juni

Aug

Sep

Nov

Dez

März April

[3]

Abbildung 6: Gasverbrauch der Alexander-von-Humboldt Schule 1993, absolut

Ein weiteres Beispiel für die Bedeutsamkeit von Verbrauchskontrolle zeigte sich zu Beginn

des Jahres 1997. Als die Verbräuche vom Januar 1997 eingegeben wurden, zeigte sich beim

Gasverbrauch eine enorme Steigerung gegenüber dem der Vorjahre. Waren es im Januar

1995 noch 18591 m3 und im Januar 1996 16813 m3, belief sich der Gasverbrauch für den

Januar 1997 auf 25700 m3. Sofort eingeleitete Untersuchungen zeigten, dass bei

Umbaumaßnahmen an der Heizungsanlage vergessen wurde, die Nachtabsenkung wieder

zu aktivieren. Durch den kalten Winter 96/97 wurden dadurch 7000 m3 Erdgas zusätzlich

Seite 18


verbraucht. Wäre das Problem nicht von der Energieagentur erkannt worden, wäre der

Zusatzverbrauch erst viel später entdeckt worden und dadurch noch höher gewesen.

Die Präsentation der Verbräuche wird sich in Zukunft schwieriger gestalten, da es durch den

Einbau eines BHKW zu einem erhöhten Gasverbrauch und einen verminderten

Stromverbrauch

kommt und

zudem

ein

weiteres benachbartes

Gebäude

der

Stadtjugendpflege mit Heizenergie versorgt wird. Beide Faktoren lassen sich nur schwer in

die Verbrauchsanalyse einberechnen und verzerren die Gesamtbilanz erheblich.

Seite 19


4. Soziale Einbindung in das System Schule

4.1 Die Bedeutung von Nutzerverhalten

Nutzerverhaltensänderungen tragen bei Energieagenturen, welche innerhalb einer Schule

oder Firma arbeiten, entscheidend zum Erfolg bei. Bei vielen Energiesparmaßnahmen

lassen sich in Zusammenarbeit mit technischen Maßnahmen hohe Synergieeffekte erzielen.

Auch können unabhängig von professionellen Energieagenturen und investiven

Maßnahmen, Schulen versuchen allein mit Nutzverhaltensänderungen Energie zu sparen.

Wenngleich die Effekte sicherlich nicht so hoch sein werden, kann als Richtwert zehn

Prozent angenommen werden. Zudem ist es auch sehr wichtig, Bewußtsein für

Energieverbrauch im Allgemeinen zu schaffen.

4.2 Energieagenten

Die Energieagentur AvH hat unmittelbar nach der Installation der Thermostatventile in den

Herbstferien des Jahres 1995 in allen Klassen Energieagenten wählen lassen. Dieses Amt

wird ähnlich wie das des Klassensprechers einmal pro Jahr von der Klasse gewählt. Es gibt

auch hier jeweils einen Stellvertreter.

Die Energieagenten werden von der Energieagentur speziell geschult. Dies geschieht in zwei

Veranstaltungen pro Jahr. Die erste findet meist im Oktober, zu Beginn der Heizperiode statt

und die zweite im zweiten Halbjahr nach Ostern. Ursprünglich wurden zwei gleiche Treffen

mit den Energieagenten in zwei getrennten Gruppen (5. bis 8. Klasse und 9. bis 13. Klasse)

hintereinander durchgeführt. Da die Fünftklässler auf die konventionellen Treffen nicht so gut

ansprachen, wurde inzwischen diese Gruppeneinteilung und die Organisation geändert. Für

die Klassen 6 bis 8 und Klassen 9 bis 13 wurden wie zuvor zwei herkömmliche Treffen

durchgeführt. Bei den Energieagenten der Jahrganges 5 werden die Aufgaben eines

Energieagenten interaktiv erarbeitet. Die Dauer der jeweiligen Treffen beträgt immer eine

Schulstunde.

Seite 20


Die Zielsetzung für die klassischen Treffen der Jahrgangsstufen 6 bis 13 ist der beidseitige

Austausch von Informationen:

-

Kurze Einführung in die Aufgaben eines Energieagenten

-

Präsentation der erzielten Einsparungen

-

Vorstellung geplanter oder vor kurzem durchgeführter Projekte

-

Kurzer Vortrag zu einem Umwelt oder Energie Thema

-

Rückmeldung der Energieagenten zur Energieagentur

-

Besprechung der Verhaltensregeln

Bisher wurden beispielsweise folgende Themen vorgestellt:

-

CO2 als Treibhausgas in Form mit einem Demonstrationsversuch ( Dr. Lang, Lehrer der

AvH )

-

Anwendung von Photovoltaik ( Energieagentur )

-

Umweltpolitik der Stadt Viernheim ( Herr Vondung, Energieberatungsbüro der Stadtwerke

Viernheim)

-

Das südhessiche 3 - Städte Klimaschutzprojekt Viernheim - Lampertheim - Lorsch (Herr

Tampe, Klimaschutzbeauftragter der 3 Städte)

-

Klimaproblematik ( Energieagentur )

Selbstverständlich kann in der kurzen Zeit jedes dieser Themen nur sehr oberflächlich

angesprochen werden. Trotzdem betrachtet die Energieagentur Umweltbildung als ein sehr

wichtiges Thema, das im Rahmen einer solchen Veranstaltung nicht fehlen darf.

Die Treffen mit den Fünftklässlern weichen von diesem Modell stark ab. Bei diesen Schülern,

die erst kurz an unserer Schule sind und bei denen auch das Amt des Energieagenten nicht

bekannt ist, war es uns wichtig, sie auf einem alternativen Weg auf die Möglichkeit des

Energiesparens hinzuführen. Die Schulungen beginnen mit dem Besuch zweier

Klassenräume, bei denen offensichtliche Fehler im Nutzerverhalten vorliegen (Beispiel

Heizungsventil auf 5 eingestellt, offenes Fenster oder brennendes Licht). Hier sollen die

Schüler selbst erkennen, welches die Fehler sind. Danach werden in kleinen Gruppen die

richtigen Verhaltensregeln diskutiert und auf Plakaten fixiert. Diese Plakate werden danach

im Schulhaus aufgehängt. Für die beteiligten Schüler erhoffen wir uns durch diese

Vorgehensweise eine frühe Entwicklung für ein kritisches Verbraucherbewußtsein. Das

Thema Ökologie spielt hier zunächst weniger eine Rolle, wird aber später auf den Treffen der

älteren Schüler behandelt.

Seite 21


Die grundsätzliche Aufgabe der Energieagenten ist es, die Verhaltensregeln an ihre Klassen

weiterzugeben und deren Anwendung zu kontrollieren. Es ist nicht ihre Aufgabe, die Regeln

alleine zu verwirklichen.

Bei der Motivierung der Schüler spielt neben dem ökologischen Hintergrund auch der

indirekte Eigennutzen eine wichtige Rolle. Da die einsparten Gelder der Schule zugute

kommen, haben wir das das Motto: ,,Ihr verschafft euch selbst einen Vorteil" etabliert. Der

Ansporn der Energieagenten ist durch diesen direkten Bezug auf ,,ihre" Schule

erfahrungsgemäß höher als bei dem abstrakten Ziel des Klimaschutzes.

Selbstverständlich laufen solchen Schulungen nicht immer problemlos. Die Wahl der

Energieagenten und die Rückmeldung durch die verantwortlichen Klassenlehrer, dauert viele

Wochen. Es kommt auch vor, dass Sitzungen durch unmotivierte Schüler massiv gestört

werden.

Bilanzierend lässt sich sagen, daß ein Großteil der beteiligen Schüler und Lehrer durchaus

motiviert sind. Einschränkend muss allerdings bemerkt werden, dass einige wenige

Unwillige, welche es immer geben wird, die Arbeit der Energieagentur in diesem Bereich um

ein Vielfaches schwieriger machen.

Um einen zusätzlichen Zugang zu den Klassen zu erhalten, präsentiert die Energieagentur

die Grundzüge ihrer Arbeit und die Verhaltensregeln auf den Seminaren der

Schülervertretung. Diese Veranstaltungen sind in Regel nicht so umfassend wie die

Schulung der Energieagenten. Die Erfahrung zeigt, dass die zusätzliche Information der auf

den Seminaren vertretenen Klassensprecher, den Mehraufwand mehr als rechtfertigen. Es

ist ein weiterer Schritt die Energieagenten, intelligentes Nutzerverhalten und allgemein das

Thema Energiesparen fest in dem System Schule und in den Köpfen der Schüler zu

etablieren.

Außerdem hofft die Energieagentur, dass die Schüler ihr in der Schule erworbenes Wissen

außerhalb der Schule anwenden. Das Beispiel einer ,,häuslichen" Energieagentur mit einer

Taschengelderhöhung für den Schüler als Energiesparer zu Hause wird bei den Treffen

gerne präsentiert. Ausserdem ist es auch sehr wichtig die kommende Generation möglichst

früh mit dem Thema vertraut zu machen; denn sie sind Hausbesitzer, Mieter und Autofahrer

und damit die Energiekonsumenten der Zukunft.

Seite 22


4.3 Arbeit der Energieagentur

Die Arbeit der Energieagentur wird von Schülern unter Aufsicht des Lehrers Martin Beickler

erledigt. Hierbei ist zu betonen dass die Schüler selbstverantwortlich einzelne Aufgaben

wahrnehmen. Die alltäglich Arbeit wie die Pflege der Daten, das Abrufen von

Contractingraten oder der Verwaltung der Finanzen werden fast alleine von den Schülern

durchgeführt.

Wie in jeder Gruppe, gibt es auch in der Energieagentur unterschiedliche Generationen. Die

erste Generation bestand aus den Gründern der Energieagentur, welche die

Anfangsprojekte wie den Bau des Sonnenkollektors oder der Installation der

Thermostatventile planten und durchführten. Die zweite Generation, zu der auch ich mich

zähle, führte die begonnen Projekte weiter und war auch für die Planung weiterer Projekte

verantwortlich. Zudem wurden die drei Jugendklimakonferenzen hauptsächlich von der

zweiten Generation besucht. Die dritte Generation ist im Verlauf der letzten beiden Jahr

hinzugekommen und war an der Realisierung der letzten Projekte beteiligt, insbesondere an

der Planung und der Durchführung des Photovoltaikprojektes. Z. Zt, stossen neue Mitarbeiter

zur Energieagentur, die gewissermaßen die vierte Generation darstellen.

Der Einstieg der zweiten Generation in die Arbeit der Energieagentur zeigt exemplarisch den

hohen Grad der Selbständigkeit der von den Mitgliedern der Energieagentur vorhanden ist.

Im zweiten Halbjahr des Jahres 1998 gab es aufgrund unterschiedlicher Gründe eine

personellen Engpass innerhalb der Energieagentur. Während dieser Zeit erledigte fast

ausschließlich die zweite Generation im großen die Arbeit der Energieagentur. Diese

bestand hauptsächlich aus Schülern der 8. und 9. Klassen, die mit der Unterstützung von

seiten einige Mitglieder der Lehrerschaft beispielsweise die Energieagentenschulungen

durchführten.

Die Energieagentur ist wird an der Alexander-von-Humboldt Schule sowohl als

Arbeitsgemeinschaft

im

Rahmen

des

Nachmittagsangebotes

als

auch

als

Wahlpflichunterricht im der Mittelstufe angeboten.

4.4 Wissen der Energieagentur

Bezüglich der Fähigkeiten der Mitglieder der Energieagentur läßt sich sagen, daß hier eine

breites Band an Wissen vorhanden ist (vgl. Abb 7).

Seite 23


· Bereich Technik

Funktionsweise der eingesetzen Technik, Einsparpotentiale entdecken

· Bereich Soziales

Schulung

von

Energieagenten,

Möglichkeiten

von

Nutzerverhaltensänderungen,

Motivationsmöglichkeiten

· Bereich Wirtschaft

Kosten - Nutzen - Rechnungen, Finanzierungsmodelle, Subventionsmöglichkeiten

· Bereich Öffentlichkeitsarbeit

Präsentation der Ergebnisse und Vorstellungen, Dokumentation der Arbeit

· Bereich Arbeitsweise

Tabellenkalkulation, Aufbereitung von Verbrauchsdaten

Abbildung 7: Beispiele für die Fertigkeiten eines Mitgliedes der Energieagentur

4.5 Weitergabe von Wissen

Für die Weiterverbreitung der Idee der Energieagentur AvH ist es besonders wichtig, dass

das erworbene Wissen weitergetragen und publiziert wird. Dies ist auf mehreren Wegen

geschehen. Grundlage dieser Weitergabe des Wissens ist unsere Dokumentation. Sie ist in

der Reihe der Humboldt Skripte als Nummer 5 erschienen, inzwischen in der 5. Auflage. Sie

ist

auch

die

Grundlage

für

unsere

Aktivitäten

via

Internet

(www.energieagentur.home.pages.de).

Ausserdem wurde die Energieagentur auf mehreren Veranstaltungen zu dem Thema Umwelt

und verwandeten Themen eingeladen. Unter anderem seien hier die Veranstaltungen des

Hessischen Landesinstitut für Pädagogik (HeLP) erwähnt, daneben die drei bisherigen

Klimakonferenzen der Jugend, Beratungsgespräche an mehrerer Schulen und die Präsenz

auf Veranstaltungen der Brundtlandstadt Viernheim zum Thema Umwelt und Energie. Diese

Termine wurden von den Schülern meistens eigenständig wahrgenommen, ohne dass die

Anwesenheit des betreuenden Lehrers notwendig war.

Seite 24


4.6 Imageprobleme der Energieagentur

Die Etablierung der Energieagentur an der AvH war auch von einige Image- und

Kommunikationsproblemen begleitet. Zum einen wurde die Energieagentur in einigen Fällen

für bauliche oder technische Defekte der Heizungsanlage mitverantwortlich gemacht. Die

Idee, dass Sparen immer auch mit einem Verzicht zu tun habe müsse, brachte der

Energieagentur bei einigen Mitgliedern der Schulgemeinde einen schlechten Ruf ein. Einigen

Mitgliedern des Kollegiums beschuldigt uns, den Gasverbrauch auf Kosten friedender Lehrer

senken zu wollen. Im Fall einer defekten Steuerungsplatine der Heizung führte dies soweit

daß von verärgerten Lehrern der Personalrat eingeschaltet wurde.

Seite 25


5. Diskussion und Ausblick

Das Modell der Energieagentur AvH zeigt, dass mit Engagement und einer guten Idee vieles

erreichbar ist. Unabhängig von allen anfänglichen Problemen ist die Idee der Energieagentur

weit ausgereift und besitzt Vorbildcharakter.

Obwohl die Situation an anderen Schulen

und

auch

die

Verhältnisse

der

Rahmenbedingungen (beispielsweise die Einstellung des Schulträgers zur derartigen

Projekten), von Fall zu Fall unterschiedlich sind, ist die Übertragbarkeit des Modells auf

andere Schulen möglich und wurde bereits bei drei weiteren Schulen im Kreis Bergstrasse

erfolgreich praktiziert..

Die Projektarbeit der Energieagentur ist nicht abgeschlossen und kann auch nie

abgeschlossen sein. Obwohl bereits viele Projekte erfolgreich abgeschlossen wurden (vgl.

Kapitel 1.3), ist es für den Erhalt der Einsparungen unabdingbar das Amt des

Energieagenten und die damit verbundenen Schulungen an der Schule permanent zu

etablieren.

Als Weiterführung der Idee der Energieagentur hat sich ein Dachverband der

Energieagenturen gegründet. Er beinhaltet die Idee eines bundesweiten Netzwerkes

unterschiedlichster Energieagenturen. Dieses Netzwerk soll dazu dienen, Informationen und

Erfahrungen austauschen und als großer Interessenvertreter die Idee der Energieagentur

etablieren.

Daneben sind die drei bisher stattgefundenen Jugendklimakonferenzen zu nennen. Diese

Veranstaltungen haben gezeigt, dass die Jugend durchaus in der Lage ist sich zu

organisieren um ihre Interessen zu vertreten. Die Vision eines weltweiten ,,Bündnis der

Jugend", welches als Vertretung der Weltjugend für mehr Gerechtigkeit zwischen der

Generationen eintreten soll liegt noch in weiter Ferne, aber die ersten Ansätze sind durchaus

in den Jugendklimakonferenzen zu erkennen.

Seite 26


6. Literaturverzeichnis

[1]

Dr. Horst Meixner

Rede zum zehnjährigem Bestehen von hessenENERGIE,

Wiesbaden, 2002

[2]

Dr. Hermann Zinn

Rede zum zehnjährigem Bestehen von hessenENERGIE,

Wiesbaden, 2002

[3]

Energieagentur

Dokumentation, HumdboldtSkript der AvH Nr 5,

Viernheim, 2002

[4]

Energieagentur

Abrechnung Thermostatventile 95/96,

Viernheim, 1996

[5]

IMPULS Programm

Daten zum Thema Energieeinparung,

Institut Wohnen und Umwelt,

Darmstadt, 1992

[6]

Florian Miedniak

EnergieAgentur AvH Global denken ­ Lokal handeln ­ Global

handeln (besondere Lernleistung zum Abitur 2002),

Viernheim, 2002

Seite 27


7.

Anhang

7.1Daten zur Schule

Die Alexander-von-Humboldt Schule ist eine additive Gesamtschule mit ein additativen

gymnasialer Oberstufe. Seit 1992 ist die AvH Europaschule. Die Schülerzahl schwankte

innerhalb der letzten Jahre zwischen 1100 und 1200 und die Lehrerzahl zwischen 70 und 80.

Das Gebäude der Alexander-von-Humboldt Schule ist ein teilweise zweistöckiger Plattenbau

mit Flachdach. Erbaut in den Jahren 1972 / 1973, sind kaum bautechnische Maßnahmen zur

Wärmeisolation vorhanden. Zudem ist das gesamte Foyer im Untergeschoß überdacht und

genau wie die Gänge im Obergeschoß und dem naturwissenschaftlichen Trakt kaum mit

natürlichem Tageslicht versorgt. 1987 wurde eine Turnhalle neben er Schule errichtet.

Es folgt eine Übersicht über die Wasser- und Energieverbräuche der Schule.

Gas-Verbrauch 1993:

97637 m3

Gas-Verbrauch 1993, klimabereinigt:

102659 m3

Gas-Verbrauch 1999 / 2000:

73240 m3

Gas-Verbrauch 1999 / 2000, klimabereinigt:

83245 m3

Gaseinsparung in der Heizperiode 1999 / 2000 gegenüber 1993: 19 Prozent

Abbildung 8: Übersicht des Gasverbrauches der AvH

Strom-Verbrauch 1993:

318250 kWh

Strom-Verbrauch 2000:

204.250 kWh

Stromeinsparung im Jahr 2000 gegenüber 1993:

36 Prozent

Abbildung 9: Übersicht des Stromverbrauches der AvH

Seite 28


Wasser-Verrbauch 1993:

1614 m3

Wasser-Verbrauch 2000:

1130 m3

Wassereinsparung im Jahr 2000 gegenüber 1993: 30 Prozent

Abbildung 10: Übersicht des Stromverbrauches der AvH

Nicht alle Einsparungen sind auf Projekte der Energieagentur zurückzuführen. Es gab

innerhalb der letzten Jahren einige Maßnahmen innerhalb der Schule, welche die

Verbräuche in beide Richtungen beeinflussten (Einbau BHKW, Stillegung der Küche,

Anschaffung weiterer Computer).

Seite 29


7.2 Glossar

Energieagenten:

Schüleramt

vergleichbar

mit

dem

des

Klassensprechers.

Energieagenten werden von der Energieagentur speziell geschult.

Richtiges Lüften, die Funktion eines Thermostatventils und ein

allgemeines

Umweltbewusstsein

sind

die

Fähigkeiten

einer

Energieagenten. Ohne sie haben technische Maßnahmen, die

zusätzlich eine Nutzerverhaltensänderung erfordern, nur eine

Teilwirkung.

Zudem

sollen

Energieagenten

ihr

Wissen

als

Multiplikatoren in die Klassen tragen und so eine schulweite

Verhaltensänderung zu erzielen.

Thermostatventil:

Regelungsinstrument für Heizkörper, welches die Raumtemperatur

selbsttätig auf einem bestimmten Wert hält. Hierdurch wird eine

Sparwirkung erreicht. Die Einsparungen sind bei gleichzeitiger

Nutzerverhaltensänderung besonders hoch.

Gradtagszahl:

Richtwert für die klimatischen Verhältnisse eines Jahres. Wird genutzt,

(GTZ)

um besonders warme und kalte Jahre bei Heizenergieverbräuchen

vergleichbar zu machen. Die Gradtagszahl ist die Summe der täglichen

Differenzen zwischen der mittleren Raumtemperatur von 20 Grad C

und

der

mittleren

Aussentemperatur.

Das

Tagesmittel

der

Aussentemperatur wird errechnet aus den täglichen Messungen um

7 Uhr, 14 Uhr und 21 Uhr.

Klimabereinigung:

Normierung von Heizenergieverbräuchen wobei die klimatischen

Verhältnisse mittels Gradtagszahlen herausgerechnet werden.

Energieagentur:

Unternehmen, welches mit Investitionen im technischen Bereich,

Nutzerverhaltensänderungen

und

Beratung

eine

effizientere

Energienutzung

erreicht.

Die

Finanzierung

erfolgt

über

die

eingesparten Energien.

Photovoltaik:

Nutzung des photovoltaischen Effekts zur Stromerzeugung. Hierbei

werden spezielle Halbleiter mit Sonnenlicht bestrahlt, wodurch ein

Seite 30


Strom entsteht. Allgemein als ,,Solaranlagen" bekannt, nicht zu

verwechseln mit thermischen Warmwasserkollektoren.

Anreizmodell:

Idee, dass freigesparte Gelder ganz oder teilweise an den Verursacher

der Einsparung zurückfließen, um diesen so für weitere Einsparungen

zu

motivieren.

Beispielsweise

können

durch

Nutzerverhaltensänderungen

von

Schülern

herbeigeführte

Energiekostenverminderungen teilweise an die Schule zurückfließen,

um hier flexibel für Zusatzinvestitionen für die Schüler genutzt zu

werden.

Sockelbetrag:

Klimaunabhängiger Teil der Gasverbrauchs, er wird bei der

Klimabereinigung herrausgenommen.

Budgetierung:

Instrument

der

Finanzverwaltung

zur

Kosteneinsparung

und

Flexibilisierung von Geldern. Einzelne Untergliederungen erhalten

einen eigenen Verwaltungshaushalt, den sie eigenverantwortlich

führen dürfen. Dieses Maßnahme soll zu Kosteinsparungen motivieren,

wenngleich der Haushalt auch immer wieder entsprechend angepasst

wird.

Synergie:

Zusammenwirken. Zusätzliche gegenseitige Verstärkung zweier

Faktoren. Der Gesamtfaktor ist größer als die eigentliche Summe der

beiden Einzelfaktoren.

Blockheizkraftwerk:

Kleinkraftwerk, welches Heizwärme und Strom produziert. Durch die

(BHKW)

gekoppelte Nutzung von Heizenergie und Strom ergibt sich ein

Gesamtwirkungsgrad von bis zu 70 Prozent, was deutlich über dem

von konventionellen Kraftwerken liegt.

Thermischer Warmwasserkollektor: Nutzung von Sonnenenergie zur Erwärmung von

Brauchwasser. Hierbei wird Wasser durch feine Rohre geschickt und

durch Sonnenenergie erhitzt. Das Wasser ist zusätzlich mit

Frostschutzmittel versehen. Es können Temperaturen bis zu 100° C

erreicht werden. Allgemein als ,,Solaranlagen" oder ,,Solarkollektoren"

bekannt, nicht zu verwechseln mit Photovoltaik-Anlagen.

Seite 31


7.3 Übersicht über verschiedene Anreizmodelle zum Energiesparen

Verwendung der eingesparten Energiekosten

Anreizmodelle

Schule

Schulträger

in

Freie Ver-

E.sparinvest

E.sparinvest

Freie Ver-

wendung

an Schule

an Schulen

wendung

Hamburg (Fifty/Fifty)/

Darmstadt/ Odenwaldkreis

50%

50%

Hannover

30%

40%

30%

Darmstadt-Dieburg

30%

40%

30%

Stadt Frankfurt

25%

25%

50%

Kreis Bergstraße

100%

Energieagentur AvH Viernheim

20%

80%

Primäre Motivation

der Schüler

(Klimaschutz)

Gewinnausgleich,

Beratung vor Ort

Dynamisierung der

Energieeinsparung

Martin Beickler, Viernheim, 1998

Seite 32


7.4 Informationszettel ,,Just for Energy"

Just for Energy

1. Thermostatventile auf max. 2-3 stellen. Dies gilt

auch beim Aufheizen eines ausgekühlten Raumes.

2. Die Raumtemperatur sollte ca. 20°C betragen.

3. Man sollte nie länger als 3-5 Minuten lüften. Dabei

das Fenster ganz öffnen (Stossbelüftung).

4. Beim Lüften die Thermostatventile auf "0" stellen.

5. Bei Unterrichtsende:

- Licht aus !

- Fenster zu !

- Heizung auf "1-2" !

- Jalousien hoch !

Seite 33


Seite 34



Kommentare

Bisher keine Kommentare

Kommentar hinzufügen
Ihr Kommentar wird redaktionell geprüft und dann freigeschaltet

Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:


Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/107905/das-modell-der-energieagentur-alexander-von-humboldt-schule-e-v
please wait Bitte warten