Schillers 'Verbrecher aus verlorener Ehre' - Beschäftigung mit der Psychologie von Verbrechern

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Details
Autor: Tobias Bumm
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Institution/Hochschule: Universität Stuttgart (Institut für Neuere Deutsche Literatur)
Jahr: 2002
Seiten: 14
Note: 2,7
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 205 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-17154-0
Textauszug (computergeneriert)
Wintersemester 2001-02
Germanistik
Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit
Erzählungen des 18. Jahrhunderts
Schillers
"Der Verbrecher aus verlorener Ehre" -
Beschäftigung mit der Psychologie vonVerbrechern
Tobias Bumm
Einführung
Viele der im Zeitalter der Aufklärung, also um 1780, entstandenen Werke bekannter, aber auch unbekannter Autoren, beschäftigen sich mit dem Thema Verbrechen. Was in den Jahrzehnten zuvor mehr als Bericht konzipiert war und lediglich die Geschehnisse von Mord, Totschlag und anderen Gräueltaten widerspiegeln sollte, entwickelte mit der Zeit und den Bemühungen verschiedener Autoren eine Eigendynamik. Das Genre des Pitaval-Romans entstand. Wo man vorher detailgetreu das Verbrechen beschrieb und alle blutigen Details in den Vordergrund stellte, wurde in der Aufklärung plötzlich die Psychologie des Verbrechers in den Mittelpunkt gerückt.
Das sich verändernde, freiere Menschenbild und die politischen sowie gesellschaftlichen Umwälzungen der Epoche in ganz Europa (vgl. Französische Revolution) waren wohl die Grundlage für das Verlangen, den geistigen Zustand und die Motive des Verbrechers besser zu durchleuchten. Die Befreiung von der jahrhundertelang währenden Unterdrückung des Bürgers durch Kirche, Staat und Regenten, wirkte sich also auch auf die Literatur und deren Grundmotive aus. Es war von nun an nicht länger im Sinne der Literaten sich lediglich mit der Wirkung des Verbrechens auseinanderzusetzen, sondern vielmehr mit der Ursache dessen. Die Schwarzweißmalerei von Gut auf der einen und Böse auf der anderen Seite war ihnen nicht mehr ausreichend. Die Beweggründe von Verbrechern bekamen einen noch nie dagewesenen Stellenwert zuerkannt. Man wollte erforschen, was einen Menschen dazu treibt, kriminell zu werden und sogar das schlimmste aller Verbrechen, den Mord, zu begehen.
Vieles was die wackeren Autoren der Aufklärung heraus gearbeitet haben ist heute wichtiger Bestandteil der Gerichtsbarkeit in der sogenannten westlichen, zivilisierten Welt. Es wird nicht einfach undifferenziert davon ausgegangen, dass ein Mord ein Mord ist, und deshalb jeder die gleiche Strafe zu erwarten habe, sondern man gibt dem Verbrecher und dessen Verteidigung die Chance sich zu rechtfertigen und aufzuzeigen, welche Faktoren dafür verantwortlich waren, dass Verbrechen der größten Kategorie, wie Mord, Totschlag, Körperverletzung und Raubüberfälle zustande kommen konnten.
Dies bedeutet sicherlich nicht, dass man Kapitalverbrecher vorschnell entlässt und ihnen die Chance gibt, sich als Helden zu stilisieren. Im Gegenteil. Es zeigt der Gesellschaft oftmals auch ihre Verfehlungen auf und gibt ihr somit die Chance, Strukturen dahingehen zu verändern, dass Fehlschlüsse wie die von Verbrechern nicht so oft provoziert werden und sehr oft durch im Vorfeld gezeigtes Verständnis für die Psyche eines potentiellen Straftäters sogar verhindert werden können.
All dies haben wir unter anderem den oben schon erwähnten Autoren zu verdanken, die sich die Mühe gemacht haben, unter Zuhilfenahme der aufkeimenden Psychologie, ein Gespür dafür zu entwickeln, wie, um es bildlich auszudrücken, ein Schaf von der Herde abkommen kann.
Einer dieser Autoren ist auch der gerade in unseren Gefilden, Mittlerer Neckarraum, so hochverehrte Sohn der Stadt Marbach, Friedrich Schiller. Er hat sich neben "Die Räuber", wahrscheinlich seinem Hauptwerk in Sachen Psychologie des Verbrechens, auch in "Verbrecher aus verlorener Ehre" eines Stoffes angenommen, der von einem Mörder handelt.
Dem Werk zugrunde liegt der wahre Fall des Fridrich Schwan aus Ebersbach, nähe Göppingen, der, obwohl er mit Verstand gesegnet war, sich seines Jähzorns nicht erwehren konnte und durch ihn sowie weitere unglückliche Umstände schließlich auf die falsche Bahn geriet und zum Wilddieb, Mörder und Anführer einer Räuberbande wurde.
In dieser Hausarbeit ist es nun mein erklärtes Ziel, aufzuzeigen, wie Friedrich Schiller mit dem Stoff umgeht und ihn in eine Erzählung verwandelt, in der es primär um die Psyche des Verbrechers geht und erst in zweiter Linie um das Verbrechen selber.
Schillers Quellen sind meist mündlicher Natur. Da mündliche Quellen aber oftmals unterschiedliche Dinge zum gleichen Sachverhalt aussagen und auch meistens nicht gerade umfangreich sind, blieb dem Meister aller Spielraum, um fiktive Begebenheiten hinzuzufügen und andere, nicht detailgetreu geschilderte, auszuschmücken.
Seine Intention soll deutlich dargestellt werden, um aufzuzeigen, was er sozialpsychologisch seinem Leser vermitteln wollte.
Der Vergleich des Originalfalles des Fridrich Schwan, wie ihn Jacob Friedrich Abel behandelt hat, und somit näher an der Originalvorlage der Protokolle aus Göppingen blieb, wird in meiner Ausführung nur eine untergeordnete Rolle spielen. Es geht lediglich um Schillers Werk und dessen Bedeutung im Kontext der damaligen Zeit, sowie der Intention, die der Marbacher verfolgte, als er dieses "Pamphlet der Menschlichkeit" entwarf.
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