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Die Grundlegung der Idee der Staatsräson im politischen Denken Machiavellis

Diplomarbeit, 2002, 119 Seiten
Autor: Nicolas Stockhammer
Fach: Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Details

Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 119
Note: Sehr Gut
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V10897
ISBN (E-Book): 978-3-638-17202-8

Dateigröße: 331 KB
Anmerkungen :
Der Versuch eines über jeden Zweifel erhabenen Nachweises der direkten Urheberschaft der Idee der Staatsräson im politischen Denken Machiavellis im Lichte der Methodologie der Cambridge School.



Textauszug (computergeneriert)

 

Die Grundlegung der Idee der Staatsräson im politischen Denken Machiavellis

Diplomarabeit

zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie
an der Human- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät
der Universität Wien

eingereicht von

Nicolas Stockhammer

Wien, Mai 2002

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis ... 1

1 Einleitung ... 3

2. Der Begriff der Staatsräson ... 7

3. Wesen und Zweck der Staatsräson ... 19
3.1. Das Wesen der Staatsräson ... 18
3.2. Der Zweck der Staatsräson oder weshalb Staatsräson? ... 28
3.3. Staatsräson als Ideologie ... 30

4. Der historische Hintergrund ... 35
4.1. Die ökonomische und politische Krise von Florenz ... 35
4.2. Die historische Bedingtheit der Staatsräson ... 48

5. Der unscharfe Staatsbegriff bei Machiavelli ... 52

6. Machiavellis "Ethik der Selbsterhaltung des Staates" ... 63
6.1. Die Ethik der Selbsterhaltung des Staates ... 63
Exkurs: Die These von der Schlechtigkeit des Menschen ... 67
6.2. Mantenere lo stato ... 71
6.3. Fine als Staatszweck beziehungsweise Staatsräson bei Machiavelli ... 75
6.4. Staat und Staatsräson als necessità ordinata dalle leggi im Sinne Kluxens ... 79

7. Der Begriff der virtù im Rahmen der politischen Handlungslehre Machiavellis ... 81
7.1. Begriff und Bedeutung ... 81
7.2. Das Kräftespiel zwischen virtù und fortuna ... 91
7.3. Virtù als charismatische Herrschaftsform nach Max Weber ... 99
7.4. Die Anthropologie der virtù ... 103
7.5. Virtù als Instrument für die Selbsterhaltung des Staates ... 108

8. Schlusswort ... 111

9. Literaturverzeichnis ... 114


1. Einleitung
Mit dem Thema Machiavelli verhält es sich so wie mit der Politik, jedermann scheint über ihn und seine Ideen Bescheid zu wissen. Es eilt ihm ein Ruf als Protagonist kaltschnäuziger Machtpolitik voraus, hartnäckig hält sich auch das Vorurteil, Machiavelli habe die Moral sowohl aus dem politischen Denken, als auch aus der Realpolitik verbannt. Dies sei nicht zuletzt auf seine Implementierung der Prämisse der staatlichen Selbsterhaltung zurückzuführen, die sich wie ein roter Faden durch seine Werke zieht. Dass Machiavelli zu unrecht auf einen skrupellosen Analytiker der Macht reduziert wurde und oftmals heute noch wird, hängt vor allem damit zusammen, dass er in seinem Principe dem Fürsten Handlungsanweisungen gibt, beziehungsweise politische Klugheitsregeln aufstellt, die als Handeln nach Staatsräson zu klassifizieren sind.

Ich tendiere dazu, den Florentiner als einen Vordenker der Staatsräson avant la lettre auszulegen, ja ihn sogar als deren Vordenker im frühneuzeitlichen politischen Denken anzuerkennen.

Das primäre Ziel dieser Abhandlung besteht deshalb darin, die These, Machiavelli sei als Begründer der Idee der Staatsräson in der modernen abendländischen politischen Theorie anzusehen, argumentativ zu untermauern.

Auf dem Weg zu einer schlüssigen Argumentationsfolge bedarf es zuvor jedoch einer Klärung der Unterscheidung von Idee und Begriff der Staatsräson, als auch eines kurzen, wenngleich auch abrissartigen, Querschnittes der Geschichte, sowohl der Idee (insbesondere der Antike), als auch des Begriffs der Staatsräson.

In weiterer Folge möchte ich die Kernthesen meiner Diplomarbeit in kurzen Worten überblicksartig vorstellen, um dadurch einen direkten Einstieg in eine meines Erachtens hochkomplexe Materie, der politischen Theorie zu ermöglichen.

Den Abschluss dieser Einleitung soll eine Darstellung des methodischen Ansatzes dieser Arbeit, im Sinne der von mir angewandten Methodologie der Cambridge School bilden.

Beginnen möchte ich, wie angekündigt, mit einer grundsätzlichen Unterscheidung zwischen Idee und Begriff der Staatsräson.

  • Was ist eine Idee?

Eine Idee (von gr. eidos) ist eine abbildartige Darstellung eines Phänomens. Sie stellt einen Grundbegriff der platonischen Philosophie dar, wonach es um das „Aussehen“, den „Anblick“ oder die „Form“ einer Instanz geht. Eine Auslegung im klassisch-philosophischen Sinn, die mir im Zusammenhang mit der Staatsräson am Besten erscheint, wird mittels der Annahme, die Idee entspräche einer „Charakteristik des Seienden“, eben einem Anblick der darzustellenden Kategorie, wohl am ehesten zielführend sein. 1

  • Was versteht man demgegenüber unter einem Begriff?

Erkenntnistheoretisch werden Begriffe als „Allgemeinvorstellungen, unter die konkrete Anschauungen oder Einzelvorstellungen subsumiert sind“ definiert. 2 Erkannte Platon in diesem noch „reale Wesenheiten“, sehen Locke und Descartes darin „mentale Gegenstände“ und schließlich Kant „allgemeine Vorstellungen“. 3 Im Sinne einer Definition der Staatsräson bedeutet „Begriff“ soviel, wie eine namentliche Erfassung, Benennung einer Vorstellung, um die Abgrenzung Kants zu übernehmen.

  • Worin unterscheiden sich konkret Idee und Begriff der Staatsräson?

Die Idee der Staatsräson ist Denken nach Klugheitsregeln, der absoluten Norm der Selbsterhaltung des Staates verpflichtet, verbunden mit einer dementsprechenden Handlungsweise einer politischen Führungselite, ebenfalls an den Primat der staatlichen Selbstbehauptung und einer ebensolchen Fortbestandsgarantie angelehnt.

Der Begriff der Staatsräson ist die definitorische Erfassung des im Sinne der Idee der Staatsräson beschriebenen Phänomens, wonach sich staatspolitisches Handeln stets am höchsten Grundsatz der Selbsterhaltung des Staatswesens orientieren muss.

Die Hauptthese dieser Diplomarbeit besagt, dass Niccolò Machiavelli als Urheber der Idee der Staatsräson anzusehen ist. Im Zuge dieser Abhandlung möchte ich zweifelsfrei nachweisen, dass der Primat der Selbsterhaltung des Staates ganz eindeutig aus den Werken des Florentiners hervorgeht.

Anhand der Ansätze Herfried Münklers, das „mantenere lo stato“ entspreche der staatlichen Selbstbehauptung, Hans-Joachim Diesners, der Staatsräson im Sinne Machiavellis im Begriff „fine“ wiederzuerkennen glaubt, als auch jener Kurt Kluxens, der das Konzept der Staatsräson in der „necessità ordinata dalle leggi“ verwirklicht sieht, möchte ich versuchen, die Grundlegung der Idee der Staatsräson, sozusagen avant la lettre, im Werk Machiavellis, vor allem im Principe, festzumachen.

Darüber hinaus erkenne ich in der machiavellischen virtù die Triebfeder, ja sogar den Motor der Staatsräson, was ich anhand einer textkritischen Analyse zu untermauern beabsichtige.

Ein ganzes Kapitel werde ich dem vermeintlich unscharfen Staatsbegriff Machiavellis widmen, womit ich dem Umstand Rechnung tragen möchte, dass in den letzten Jahrzehnten eine regelrechte Grundsatzdiskussion um die Auslegung des Begriffes „stato“ bei Machiavelli entstanden ist.

[...]


1 Vgl.: Prechtl, Peter / Burkard, Franz-Peter (Hrsg.): Metzler Philosophie Lexikon. Begriffe und Definitionen, Stuttgart 1996, S. 226f

2 Ebenda, S. 61

3 Ebenda, S. 61


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