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Scholary Paper (Seminar), 2004, 9 Pages
Author: Martin Gschwandtner
Subject: Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Details
Institution/College: University of Salzburg 'Paris Lodron'
Tags: Kaplanturbine, Seminar, Doktoratsstudenten
Year: 2004
Pages: 9
Grade: sehr gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-07277-4
ISBN (Book): 978-3-640-18243-5
File size: 73 KB
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Abstract
Abstract Ein Zweig der Philosophie ist die "Allgemeine Wissenschaftstheorie". Sie befasst sich u.a. mit der Bereinigung wissenschaftlicher Normalsprachen(= natürliche Sprache, angereichert mit "termini technici"),indem die Normalsprache in einer wissenschaftlichen Idealsprache, die "künstlich" gefertigt ist, repräsentiert wird. Das bedeutet, dass ein Satz der Normalsprache durch einen Satz einer Idealsprache ersetzt wird. Der Zweck ist die Beseitigung von Ungenauigkeiten, Mehrdeutigkeiten, Redundanzen und Irrtümern. In der vorliegenden Arbeit wurden zu Übung verschiedene Normalsätze aus dem Themenbereich der Dissertation durch eine wissenschaftliche Idealsprache repräsentiert.
Fulltext (computer-generated)
1
28. Juni 2004
SS 2004, VO Einführung in die Wissenschaftstheorie,
LV 296502, Gruppe Doktoratsstudenten, Studienkennzahl 092
Hausaufgabe aus dem Dissertationsthema zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte
Viktor Kaplan (1876-1934). Eine Biographie
Was ist eine Kaplanturbine ?
Generat
Gene
o
rato r
r
Kaplanturbine mit
vier drehbaren
Schaufeln
Kaplanturbine in einem Flusskraftwerk
Bild entnommen aus: Oberösterreichische Kraftwerke AG: Viktor Kaplan, Energie aus Wasser.
Linz 1984. (Ergänzung der Beschriftung d. Verf.)
Martin Gschwandtner
2
A. Turbinentypen
1. Zur Ausnutzung der Wasserkraft haben sich drei Haupttypen von Turbinen herausgebildet:
° Die
Francis-Turbine,
erfunden 1855 von James Bicheno
Francis (
1815-1892
,
geb. in England,
in die USA (Massachusetts) ausgewandert.
Verwendung: Mittlere Gefälle (ca. 50-300m) und mittlere bis große Wassermengen
° Die
Pelton-Turbine,
erfunden 1880 von Lester Allen
Pelton
(1829-1908, geb. im US-
Bundesstaat Ohio)
Verwendung: Große Gefälle (bis 2000 m) und rel. kleinere Wassermengen
° Die
Kaplan-Turbine,
erfunden 1912 durch Viktor
Kaplan
(1876-1934, geb. in Mürzzuschlag)
° Verwendung: Kleine Gefälle (bis 20 m) und sehr großen Wassermengen
B. Viktor Kaplan
Geboren am: 27. November 1876 in Mürzzuschlag, Herzogtum Steiermark
Eltern:
Karl Viktor Kaplan, Beamter der k.k. Staatsbahnen, geb. in Wiener Neustadt und
Johanna, geb. Wust, geb. in Pettau, Südsteiermark (heute Slowenien)
Geschwister. Karl und Anna Luise (Mädchen bald nach* gest.)
1883-1887: Volksschule in Neuberg an der Mürz, Steiermark
1887-1895: Realschule in Wien IV, Waltergasse
1895-1900: Studium des Maschinenbaues an der Technischen Hochschule Wien
1901-1903:
Maschinenfabrik GANZ in Leobersdorf, Niederösterreich
1903-1931: Konstrukteur, O. Professor für Wasserkraftmaschinen an der Deutschen
Technischen Hochschule in Brünn:
1903: Arbeit über neuartigen Einspritzmotor als Dissertation an der TH Wien eingereicht.
Arbeit wurde zurückgestellt. Aufforderung, die theoretischen Erkenntnisse durch Versuche zu
belegen. Dazu kam es wegen seines Umzuges nach Brünn nicht mehr.
1908: Erstes größeres Werk über Turbinen: ,,Bau rationeller Francisturbinenlaufräder"
1909: Promotion an der TH Wien zum Doktor techn, Habilitation an der TH Brünn, Heirat mit
Margarete Strasser, Tochter eins wohlhabenden Wiener Tuchhändlers
1909-1912 :Entwicklung der Propellerturbine mit drehbaren Schaufeln
1912,1913: grundlegende Patente für seine Turbine.
1912: Berufung an die TH Aachen abgelehnt.
1914: Nachfolger von Prof. Musil (Vater von Robert Musil) auf dem Lehrstuhl für
Wasserkraftmaschinen der DTH Brünn
1914 1925 Patentstreitigkeiten, Kaplan behielt die Oberhand, endgültige Abweisung aller
Einsprüche durch das Reichspatentgericht Leipzig 1925. Insgesamt hatte Kaplan rund 260 Patente.
Kinder: Margarete, geb.1910, Gertrude geb.1913, sowie insgesamt 13 Enkelkinder
Erste Kaplanturbine: Durch Fa. Storek in Brünn gebaut, 1919 in Velm (Gemeinde
Grammatneusiedl) in Niederösterreich aufgestellt.
Ab 1923:
Große Turbinen für Kraftwerke in Österreich
Schweden, Deutschland,
Russland und Irland. Die Kaplanturbine trat ihren Siegeszug um die Welt an.
1926:
Ehrendoktor der TH Prag
1927:
Berufung an die TH Wien aus Gesundheitsgründen abgelehnt
3
1930:
Ehrenbürger der Gemeinde Unterach, Bürgermeisterstelle abgelehnt.
1931:
Beurlaubung von der TH Brünn bis zur erhofften Genesung, Rückzug auf sein
Landgut Rochuspoint in der Ortschaft Au, Gemeinde Unterach.
1934:
Ehrendoktor der Deutschen Technischen Hochschule Brünn.
Gestorben:
23. August 1934 im 58. Lebensjahr an einem Schlaganfall auf Rochuspoint. In
Unterach beerdigt und ein Jahr später, seinem testamentarischen Wunsch
entsprechend, auf eine eigene Grabstätte auf seinem Landgut in der Ortschaft Au
umgebettet.
1936:
Weltkraftkonferenz in Berlin: Erklärung, dass die Kaplanturbine zu den größten
Fortschritten gehört, die auf dem Gebiet des Wasserturbinenbaues je gemacht
wurden.
1961:
1000-Schilling-Note mit dem Bildnis Kaplans
1974: Tschechische
100-Kronenmünze mit dem Bildnis Kaplans
1984:
Österr. 2,50 Schilling-Briefmarke mit dem Bildnis Kaplans
Gedenkstätten bzw. Gedenktafeln: Mürzzuschlag, Velm, Wien, Brünn, Unterach.
C. Was ist eine Kaplanturbine?
1. Kaplanturbinen sind Turbinen mit drehbaren Laufschaufeln
2. Kaplanturbinen haben meist vier Schaufeln
3. Kaplanturbinen eignen sich besonders für Flusskraftwerke.
4. Sie eignen sich besonders deshalb für Flusskraftwerke, weil sie auch bei niedrigem
Wasserangebot (Teilbeaufschlagung) einen hohen Wirkungsgrad aufweisen.
5. Viele Flüsse haben im Laufe eines Jahres starke Wassermengenschwankungen.
6. Kaplanturbinen erreichen höhere Drehzahlen als Francis-Turbinen
7. Für den Antrieb von Drehstromgeneratoren sind hohe Drehzahlen von Vorteil
8. Wenn man keine Kaplanturbinen zur Verfügung hätte, dann müsste man bei Flusskraftwerken
Francisturbinen verwenden.
9. Francisturbinen haben bei Teilbeaufschlagung einen schlechteren Wirkungsgrad als
Kaplanturbinen
10. Bei Verwendung von Francisturbinen braucht man für eine bestimmte Leistung eine
größere Anzahl von Turbinen als bei Verwendung von Kaplanturbinen.
11. Kraftwerke mit Kaplanturbinen sind daher kleiner und billiger.
12. Kaplanturbinen können vertikal oder horizontal (Rohrturbine) eingebaut werden.
13. Kaplanturbinen werden auf der ganzen Welt verwendet.
4
D. Repräsentierung verschiedener Aussagesätze
Ö1(a)
T1(a)
E3 (a, b, c)
Victor Kaplan, ein österreichischer
Konjunktionssatz
Techniker, erhielt 1912 das Hauptpatent
Nr. 82798 auf seine Turbine.
(a ersetzt `Kaplan`, b ersetzt 1912, c das Hauptpatent Nr. 82798;
Ö1(x): x ist österreichisch; T1(x): x ist Techniker; E3 (x,y,z):
x erhielt im Jahre y das Patent z)
E1 (a)
Kaplan hat die Eigenschaft, ein Erfinder zu sein
Einfacher Satz
¬
x (T1(x)
E1(x))
Nicht alle Techniker sind Erfinder
Negationssatz
x (E1(x)
Ö1(x))
Einige Erfinder stammen aus
Existenzsatz
Österreich
x (E1 (x)
Z1 (x))
Alle Erfinder sind zielstrebig
Allsatz
x (T1(x)
P1(x) v F1(x) v K1 (x))
Für alle Turbinen gilt, dass jede von ihnen
Allsatz
einer der drei Turbinentypen, Pelton-, Francis-,
oder Kaplanturbinen angehört.
x
y (K1(x)
F1(y)
L2 (x, y))
Kaplanturbinen (x) sind leistungsfähiger als
Allsatz Francisturbinen
(y)
E2 (a, b)
Die Kaplanturbine nach Hauptpatent 82798 wurde
einfacher Satz
in Brünn erfunden.
x (B1(x)
E1(x)
M1(x))
Einige
bedeutende
Erfindungen stammen aus
Konjunktionssatz Mähren
x (T1 (x)
E2 (x, a)
H1(x))
Alle Turbinen, die Kaplan erfunden hat, haben
Allsatz drehbare
Schaufeln
x (K1(x)
D1 (x))
Alle
Kaplanturbinen
haben die Eigenschaft, dass
Allsatz
ihre Schaufeln drehbar sind.
(Für alle x, die die Eigenschaft haben
Kaplanturbinen zu sein, gilt: die Schaufeln an
den Turbinen x sind drehbar)
5
x (T1(x)
K1(x)
H1 (x ))
Für alle x gilt: wenn x eine Turbine ist und die
Allsatz Eigenschaft
besitzt,
eine Kaplanturbine zu sein,
dann hat sie drehbare Schaufeln.
x (K1(x)
E1 (x))
Kaplanturbinen eignen sich für Flusskraftwerke
Allsatz
a)
x
y (E1(x)
F2 (x, a)
E1(y)
F2 (y, a)
¬
(x = y))
Mehrfacherfindung
Existenzsatz
a ersetzt ´Propellerturbine`; M1(z): z ist Mehrfacherfindung;
E1(x): x ist Erfinder;
F2 (x, z): x erfand z
b)
M1 (a)
x
y (E1(x)
F2 (x, a)
E1 (y)
F2 (y, a)
¬
(x = y))
Implikationssatz
Ist der folgender Satz wahr bei der gegebenen Interpretation ? :
¬
T1 (c) v T1 (a)
¬
S2 (a, b) v
¬
T1 (a)
c ersetzt ´das Mühlrad am Ort...`;
Implikationssatz
a
ersetzt
`Kaplanturbine´;
b ersetzt ´Francisturbine´; T1 (x): x ist Turbine;
S2 (x, y): x dreht sich schneller als y;
T1 (c) T1 (a) S2 (a, b)
¬
T1 (c) v T1 (a)
¬
( S2 (a, b) v
¬
T1 (a))
f w w
w f w w f f w w f w
A
B =
¬
(A
¬
B) =
¬
A v B
Ergebnis:
Der Satz ist falsch bei der gegebenen Interpretation
E. Ist die Kaplanturbine eine Einzelerfindung?
E. 1
Aus dem Aufsatz: Felzmann, Fritz: Wirkstoff Wasser. Wien 1964, S.16. geht hervor, dass ein
Wiener Hauslehrer namens Eugen Banauch (geb. 1865 in Wischnau in Mähren, gest. 1946 in Wien)
bereits 1904 eine Wasserkraftmaschine mit beweglichen Schaufeln erfunden hat. Wären die
beweglichen Schaufeln als drehbare Schaufeln ausgeführt, dann wäre Banauch früher als Kaplan
der Erfinder einer Propellerturbine.
Aus der österr. Patentschrift Nr. 20515 vom 25. Juni 1905 geht hervor, dass die Schaufeln der
Banauch-Turbine einfahrbar, aber nicht drehbar sind und diese Turbine keine Ähnlichkeit mit der
von Kaplan erfundenen Turbine hat.
6
Andere Patente, die ebenfalls Turbinen mit drehbaren Schaufeln zum Erfindungsgegenstand haben,
sind nicht bekannt. Alle Einsprüche gegen Kaplans Patentansprüche wurden vom
Reichspatentgericht Leipzig 1925 endgültig abgewiesen. Im Gegensatz zu einer Mehrfacherfindung,
bei der mehrere Erfinder unabhängig voneinander ungefähr zur gleichen Zeit zu ähnlichen
Ergebnissen kommen bzw. die gleiche Erfindung machen, ist die Propellerturbine mit drehbaren
Schaufeln (Kaplanturbine) nach dem Stand der heutigen Kenntnisse die Einzelerfindung von Viktor
Kaplan.
E. 2 Formulierungen für ein Argument:
(P1) Alle Wasserkraftmaschinen mit drehbaren Schaufeln sind Propellerturbinen
(P2) Alle Wasserkraftmaschinen mit einfahrbaren Schaufeln sind keine Propellerturbinen
(P3) Die Wasserkraftmaschine mit einfahrbaren Schaufeln wurde von Eugen Banauch erfunden
P(4) Die Wasserkraftmaschine mit drehbaren Schaufeln wurde von Viktor Kaplan erfunden
P(5) Wenn ein Erfinder die Kaplanturbine erfunden hat und er nicht identisch ist mit Viktor
Kaplan, dann heißt der Erfinder Eugen Banauch und die Banauchturbine ist identisch mit der
Kaplanturbine.
(K) Es gibt keinen Erfinder der Kaplanturbine, der nicht identisch ist mit Viktor Kaplan.
E. 3 Formalisiertes Argument:
(P1)
x (W1 (x)
D1(x)
P1(x))
(P2)
x (W1 (x)
E1(x)
¬
P1(x))
(P3)
W1 (a)
E1(a)
E2 (c, a)
(P4)
W1 (b)
D1 (b)
E2 (d, b)
(P5)
x ((E2 (x, b)
¬
x = d)
(x = c
a = b))
(K)
¬
x (E2 (x, b)
¬
x = d)
7
°
Interpretation:
(a ersetzt ´der Prototyp der Banauchturbine` ("die Banauchturbine")
(b ersetzt ´der Prototyp der Kaplanturbine` ("die Kaplanturbine")
(c ersetzt ´Eugen Banauch`)
(d ersetzt ´Viktor Kaplan`)
W1(x): x ist Wasserkraftmaschine
D1(x): x hat drehbare Schaufeln
P1 (x): x ist Propellerturbine
E1 (x): x hat einfahrbare Schaufeln
E2 (x, y): x hat y erfunden
Es handelt sich um ein logisch gültiges Argument.
Warum? Logisch gültig bedeutet, dass die
Konklusion dieses Argumentes begründet ist, falls seine Prämissen wahr sind. Oder anders:
Gegeben alle Prämissen wären wahr, würde auch die Konklusion wahr sein. Die angegebenen
Prämissen sind wahr.
° Die Konklusion sagt aus:
Die Propellerturbine mit drehbaren Schaufeln ist eine Einzelerfindung.
Der Erfinder heißt Viktor Kaplan. Er nannte diese Turbine ,,Kaplanturbine".
F. Zur Herkunft des Familiennamens ´Kaplan`
° Argument:
(P1)
x (V2 (x, a)
S2 (x, b))
Es gibt Vorfahren von Kaplan, die aus dem
Banat stammen
(
P2) T2 (b,
c)
Das Banat war bis 1718 türkisch
(P3)
x (B2 (x, d)
H2 (x, e))
es gibt Bürger in der Türkei, die den
Namen ´Kaplan´ tragen.
(K )
K2 (e, d)
Der Name ´Kaplan` kommt aus der Türkei
° Interpretation:
a ersetzt Kaplan; b ersetzt ´das Banat`; c ersetzt ´bis 1718´; d ersetzt `in der Türkei`; e ersetzt den
Namen ´Kaplan`. V2 (x, y): x ist Vorfahre von y; S1 (x, z): x stammt aus z;
T2 ( z, z1): z war türkisch bis z1; B2 (x, z2): x ist Bürger in z2; H2 (x, z3): x trägt z3.
K2 ( z3, z2): z3 kommt aus z2.
Das vorstehende Argument ist nicht logisch gültig ! Warum?: Logisch ungültig bedeutet, dass die
Konklusion dieses Argumentes nicht begründet ist, falls seine Prämissen wahr sind. Die Konklusion
dieses Argumentes ist nicht begründet. K2 (e, d) folgt nicht logisch aus den Prämissen. Es fehlen
Prämissen, die den logischen Zusammenhang zwischen P1 P3 und K herstellen. Würde man in der
8
Prämisse 3 den Namen `Maier` einsetzen, käme als Konklusion heraus: ,,Der Name `Maier` kommt
aus der Türkei", was keinesfalls stimmen kann.
.
Literatur:
°
Leitgeb,
Hannes: Einführung in die Wissenschaftstheorie. Skriptum zur Vorlesung. UNI Salzburg, SS 2004.
°
Beckermann,
Ansgar: Einführung in die Logik. 2.Auflg. Berlin, New York 2003.
° Felzmann,
Fritz: Wirkstoff Wasser. Wien 1964, S.16, Wien 1964,
°
Lechner,
Alfred: Viktor Kaplan. In: Österreichisches Forschungsinstitut für Geschichte der Technik,
Blätter für Geschichte der Technik. (1936), Heft 3, S. 15 - 73.
° Meerwarth,
Karl: Wasserkraftmaschinen. 11. Aufl. Berlin 1974.
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