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Scholarly Essay, 2005, 42 Pages
Authors: Josef Hoffmann, Robert Kessler
Subject: Engineering
Details
Tags: MATLAB, Simulink, Unwucht-Experimente
Year: 2005
Pages: 42
Bibliography: ~ 7 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-07996-4
ISBN (Book): 978-3-640-13417-5
File size: 5386 KB
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Abstract
In der Technik gibt es viele Anwendungen in denen die Effekte der Unwucht gewünscht sind und ebenso viele oder mehr bei denen die Effekte der Unwucht zu vermeiden sind. Die Unwucht wird z.B. bei Förderbändern eingesetzt, um das Material zu rütteln und zu bewegen. Nicht erwünscht sind die Effekte der Unwucht in vielen Maschinen mit Kreisbewegungen wie Turbinen, Pumpen etc. Auch im alltäglichen Leben will man z.B. unerwünschte Schwingungen wegen der Unwuchtmassen der Räder eines PKWs vermeiden, oder das Rütteln der Waschmaschine beim Schleudern so weit wie möglich unterdrücken. Die mathematischen Modelle dieser Systeme sind alle nichtlineare Differentialgleichungen, die analytisch nicht lösbar sind. Bei veränderlicher Drehfrequenz des Motors mit Unwucht beim Anlauf oder Auslauf, entstehen Effekte die ebenfalls analytisch nicht ermittelt werden können. Man kann somit solche sehr wichtige Anwendungen nur durch Simulation untersuchen und dafür bietet sich die in der Industrie und Lehre sehr verbreitete MATLAB/Simulink Softwarefamilie. Der vorliegende Text beschreibt Simulationen mit diesem Werkzeug für zwei Un- wuchtsysteme, die man leicht auf konkrete Anwendungen übertragen kann. Im ersten einführenden, didaktischen, einfachen Fall wird der Synchronisationseffekt einer oszillierenden Platte auf einem Gleichstrom-Motor mit Unwuchtmasse, der auf der Platte befestigt ist und hochgefahren (Anlaufzustand) oder runtergefahren (Auslaufzustand) wird, untersucht. Im zweiten Fall wird ein ähnlicher Effekt untersucht, der auftreten kann, wenn auf einem Feder-Masse-System ein Motor oder zwei Motoren mit Unwucht angebracht sind. Zwar regen erwartungsgemäß die rotierenden Fliehkräfte das Feder-Masse-System zu Schwingungen an, aber überaschender weise kommt ein Motor oder beide Motoren unter ungünstigen Bedingungen nicht über die Resonanzfrequenz des Feder-Masse-Systems hinaus. Die Drehfrequenz synchronisiert sich mit der Schwingungsfrequenz bei Resonanz und die Fliehkraft bewirkt riesige Schwingungsamplituden. Bei den früheren Haushalt-Wäscheschleudern trat dieser Synchronisationseffekt eigentlich jedes mal auf, wenn die nasse Wäsche geschleudert werden sollte. Erst nach Umordnen der Wäschestücke (und damit Verringerung der Unwucht) konnte der Motor über die Resonanzfrequenz hinaus laufen und den eigentlichen Schleudereffekt bewirken.
Fulltext (computer-generated)
MATLAB/Simulink Unwucht-Experimente
Josef Hoffmann, Robert Kessler
August 2005
Inhaltsverzeichnis
1
Einführung
1
2
Unwucht-Motor auf oszillierender Platte
3
2.1
Modell eines Gleichstrom-Motors .
3
2.2
Unwucht-Motor auf oszillierender Platte 10
3
Zwei Unwucht-Motoren auf Feder-Masse-System
14
3.1
Mathematisches Modell des Systems 14
3.2
Untersuchung des Systems mit Simulink-Modell 15
3.3
Vorschläge für weitere Simulationsexperimente 24
3.3.1
Simulink-Modell mit Untermodellen der Hauptkomponenten . . . 24
4
Physikalisches Experiment
28
4.1
Spannungsversorgung der Motoren 29
4.2
Der Ladungsverstärker 30
4.3
Physikalisches Experiment: Gleichstrom-Motor auf oszillierender Platte . 32
Index
36
Index der Abbildungen
38
Kapitel 1
Einführung
In der Technik gibt es viele Anwendungen in denen die Effekte der Unwucht gewünscht
sind und ebenso viele oder mehr bei denen die Effekte der Unwucht zu vermeiden sind.
Die Unwucht wird z.B. bei Förderbändern eingesetzt, um das Material zu rütteln und
zu bewegen. Nicht erwünscht sind die Effekte der Unwucht in vielen Maschinen mit
Kreisbewegungen wie Turbinen, Pumpen etc. [1], [2], [3], [4].
Auch im alltäglichen Leben will man z.B. unerwünschte Schwingungen wegen der
Unwuchtmassen der Räder eines PKWs vermeiden, oder das Rütteln der Waschmaschi-
ne beim Schleudern so weit wie möglich unterdrücken.
Die mathematischen Modelle dieser Systeme sind alle nichtlineare Differentialglei-
chungen, die analytisch nicht lösbar sind. Bei veränderlicher Drehfrequenz des Mo-
tors mit Unwucht beim Anlauf oder Auslauf, entstehen Effekte die ebenfalls analytisch
nicht ermittelt werden können. Man kann somit solche sehr wichtige Anwendungen
nur durch Simulation untersuchen und dafür bietet sich die in der Industrie und Lehre
sehr verbreitete Softwarefamilie MATLAB/Simulink an [5].
Der vorliegende Text beschreibt Simulationen mit diesem Werkzeug für zwei Un-
wuchtsysteme, die man leicht auf konkrete Anwendungen übertragen kann. Im ersten
einführenden, didaktischen, einfachen Fall wird der Synchronisationseffekt einer oszil-
lierenden Platte auf einem Gleichstrom-Motor mit Unwuchtmasse, der auf der Platte
befestigt ist und hochgefahren (Anlaufzustand) oder runtergefahren (Auslaufzustand)
wird, untersucht. Unter bestimmten Bedingungen kann der Motor nicht die Drehzahl
erreichen, die er auf der ruhenden Platte erreichen würde und seine Drehfrequenz bleibt
bei der Frequenz der Schwingung der Platte hängen oder überschreitet diese und wird
ein Generator.
Im zweiten Fall wird ein ähnlicher Effekt untersucht, der auftreten kann, wenn auf
einem Feder-Masse-System ein Motor oder zwei Motoren mit Unwucht angebracht
sind. Zwar regen erwartungsgemäß die rotierenden Fliehkräfte das Feder-Masse-System
zu Schwingungen an, aber überaschenderweise kommt ein Motor oder beide Motoren
unter ungünstigen Bedingungen nicht über die Resonanzfrequenz des Feder-Masse-
Systems hinaus. Die Drehfrequenz synchronisiert sich mit der Schwingungsfrequenz
bei Resonanz und die Fliehkraft bewirkt riesige Schwingungsamplituden [6].
Ist die Unwucht klein genug, sind die Schwingungen genügend gedämpft oder sind
die Motoren stark genug, dann ergeben sich ebenfalls Schwingungen, die Motoren schaf-
fen es aber, über die Schwingungsfrequenz hinauszulaufen und diejenige Drehfrequen-
zen zu erreichen, die sie auch bei fest eingespannten Motoren erreichen würden.
2
Bei den früheren Haushalt-Wäscheschleudern trat dieser Synchronisationseffekt ei-
gentlich jedes mal auf, wenn die nasse Wäsche geschleudert werden sollte. Die Schwin-
gungsamplituden waren so groß, dass die Schleuder-Trommel an die Gehäusewand
anschlug. Erst nach Umordnen der Wäschestücke (und damit Verringerung der Un-
wucht) konnte der Motor über die Resonanzfrequenz hinaus laufen und den eigentli-
chen Schleudereffekt bewirken.
Kapitel 2
Unwucht-Motor auf
oszillierender Platte
In diesem Kapitel wird der erste Fall des Unwucht-Motors auf oszillierender Platte un-
tersucht. Zuerst wird das Modell des Gleichstrom-Motors ermittelt und mit einigen Si-
mulationen wird sein Verhalten erläutert [6]. Danach wird das Modell des Unwucht-
Motors auf oszillierender Platte aufgebaut und untersucht.
2.1
Modell eines Gleichstrom-Motors
In den Untersuchungen werden Gleichstrom-Motoren eingesetzt, weil sie relativ ein-
fach und verständlich zu beschreiben sind. Nach der Erfahrung mit diesen Motoren
kann man auch für andere Motortypen ähnliche Modelle bilden.
S
i(t) R
L
w(t)
Abb. 2.1: Modell eines
M (t)
u (t)
l
m
u (t)
Gleichstrom-Motors
g
w
d (t)
J dt
M (t)
a
Abb. 2.1 zeigt das Modell eines Gleichstrom-Motors, wobei durch um(t), ug(t) die
angelegte und die interne induzierte Spannung bezeichnet wird. Der Strom i(t) ist somit
durch folgende Differentialgleichung mit den Spannungen verbunden:
di(t)
um(t) = i(t)R + L
+ ug(t)
(2.1)
dt
In vielen Fällen kann man die Induktivität vernachlässigen, was im Weiteren auch
hier angenommen wird (L
= 0). Die induzierte Spannung ug(t) wegen der Kreisbewe-
gung ist durch
ug(t) = kg(t)
(2.2)
gegeben, wobei kg die Generator-Konstante ist.
2.1 Modell eines Gleichstrom-Motors
4
Der Motor erzeugt ein aktives Drehmoment Ma(t), das proportional zum Strom i(t)
ist:
Ma(t) = kmi(t)
(2.3)
Die Motor-Konstante km ist gleich der Generator-Konstante kg und das ergibt sich aus
dem Energie- oder Leistungserhaltungssatz im stationären Zustand. Die mechanische
Energie tMa() muss gleich der elektrischen Energie tug()i() sein:
tMa()() = tkmi()() = tug()i() = tkg()i()
(2.4)
Daraus folgt die Gleichheit der Konstanten km und kg (km = kg).
Dem aktiven Drehmoment widersetzt sich das Trägheitsdrehmoment J d(t) und
dt
das Belastungsmoment Ml(t). Das letztere kann von einer gegebenen Belastung her-
vorgehen oder wie hier weiter angenommen wird, besteht es aus Reibungsmomente:
Ml(t) = rglsig((t)) + rv(t) + rt(t)abs((t))
(2.5)
Der erste Term stellt das Drehmoment wegen der Gleitreibung dar, der zweite Term
ist das Drehmoment wegen der viskose Reibung und schließlich stellt der dritte Term
das Drehmoment wegen der turbulenten Reibung dar, wie sie z.B. von einem Lüfter
hervorgeht. Das Gleichgewicht der Drehmomente führt zu folgender Differentialglei-
chung:
d(t)
J
= Ma(t) - Ml(t) = kgi(t) - [rglsig((t)) + rv(t) + rt(t)abs((t))]
(2.6)
dt
Diese Differentialgleichung zusammen mit der Differentialgleichung, die von der
elektrischen Seite hervorgeht (Gl. (2.1)), bilden das mathematische Modell des Gleich-
strom-Motors. Das Simulink-Modell (dc_motor1.mdl) ist relativ leicht aufzubauen
(Abb. 2.2). Es wird angenommen, dass die Kreisbeschleunigung d(t)/dt bekannt ist.
Durch eine Integration mit Block Integrator wird die Kreisgeschwindigkeit (t) erhal-
ten. Jetzt stehen viele Variablen zu Verfügung mit deren Hilfe die zuvor als bekannt
angenommene Kreisbeschleunigung d(t)/dt gebildet werden kann.
Mit dem Block Fcn wird das Belastungsdrehmoment Ml laut Gl. (2.5) gebildet. Wenn
die Induktivität L des Motors vernachlässigt wird, dann ergibt sich aus Gl. (2.1) der
Strom aus einer algebraischen Gleichung statt Differentialgleichung:
um(t) - ug(t)
i(t) =
(2.7)
R
Als Quelle für die Eingangsspannung des Motors um(t) wird eine konstante Span-
nung u0 angenommen, die zu einem bestimmten Zeitmoment angelegt wird und da-
nach durch öffnen des Eingangskreises mit i(t) = 0 entfernt wird. Das geschieht mit
Hilfe des Blocks Fcn1 und des Product-Blocks. Die wichtigsten Signale werden in der
Senke Out1 eingefangen und man kann sie auch auf dem Scope-Block sichten.
Die Gleitreibung, hier über das Gleitreibungsmoment rglsign((t) eigeführt, bringt
immer Schwierigkeiten in der numerischen Integration, die in den Simulink-Modellen
für den Solver benutzt wird. Abb. 2.3 zeigt die Signale der Senke Out1. Zuletzt, wenn
(t) sehr klein ist, dann entstehen die Fehler, die im Bild schwarz gezeigt sind. Hier
müsste (t) gleich null sein.
In diesem Modell wird die Simulation mit Typ: Variable-step und Solver:ode23 (Bogacki-
Shampine) initialisiert. Eine Lösung dieses Problems ist im Modell dc_moto2.mdl ge-
zeigt (Abb. 2.4). In dem Fcn2-Funktionsblock wird ermittelt, ob die Kreisgeschwindig-
keit (t) unter den sehr kleinen Wert 1e-16 gelangt und wenn dieser Fall eintritt, wird
2.1 Modell eines Gleichstrom-Motors
5
(u>t1)*(t2>u)
Clock
Fcn1
i(t)
um(t)
Ma(t)
domega/dt
omega
u0
kg
1
1/J
s
Constant
Product
Subtract1
Gain1
Subtract
Gain
Integrator
Ml(t)
Fcn
rgl*sgn(u)+rv*u+rt*u*abs(u)
Gain2
ug(t)
kg
1
Scope
Out1
Abb. 2.2: Simulink-Modell des Gleichstrom-Motors mit Gleitreibung
(dc_motor1.mdl, dc_motor_1.m)
sie auf null gesetzt, weil die Abfrage so gestaltet ist ((u>1e-16)*u). Abb. 2.5 zeigt jetzt
den korrekten Verlauf von (t) nachdem die Kreisgeschwindigkeit abgeklungen ist. Ei-
ne andere Lösung besteht darin, mit einem Solver mit fester Integrationsschrittweite zu
arbeiten.
Das Vorhandensein der Gleitreibung (mit allen anderen Reibungsarten auf null ge-
setzt) ist durch die lineare Abnahme von (t) bzw. der induzierten Spannung ug(t) zu
erkennen. Der Motor arbeitet jetzt als Generator im Leerlauf (i(t) = 0). So lange (t) > 0
und der Zeitursprung an dem Ausschaltmoment angenommen wird, gilt die Differen-
tialgleichung:
d(t)
J
= -rgl
(2.8)
dt
Sie hat eine einfache Lösung
rgl
(t) = (0) -
t,
(2.9)
J
die man in der Praxis zum Messen des Faktors rgl benutzen kann.
Das Modell dc_motor1 wird im Programm dc_motor_1.m initialisiert und auf-
gerufen. Das Programm ist relativ einfach gehalten, um es leichter zu verstehen. Es be-
ginnt mit der Initialisierung der Parameter des Modells t1, t2,tmax, kg, R, ...
etc. Danach wird mit der Variablen my_options festgelegt, dass nur die Variablen der
Senke Out1 und die Zeit t und nicht die Zustandsvariablen x gespeichert werden.
Der Aufruf der Simulation geschieht mit der Funktion sim. Nach der Simulation
stehen in dem Feld y die gewünschten Größen i(t), ug(t), (t) und Ml(t) und zusätz-
lich ist in der MATLAB-Umgebung (im Kommando-Fenster) die Zeit in der Variablen t
gegeben.
2.1 Modell eines Gleichstrom-Motors
6
Strom*4 und induzierte Spannung
10
R = 5;
Strom
8
Induz. Spannung
kg = 0.01;
6
rgl = 0.002;
Strom*4
4
Induzierte Spannung
rv = 0;
2
Abb. 2.3: Strom,
rt = 0;
0
induzierte
Span-
nung,
Kreisge-
-20
5
10
15
20
25
30
schwindigkeit und
s
Belastungsdreh-
Winkelgeschwindigkeit und Belastungsdrehmoment*2e5
moment
wegen
1000
Gleitreibung
Omega
Drehmoment Ml
(dc_motor1.mdl,
dc_motor_1.m)
500
Winkelgeschwindigkeit
0
Belatungsdrehmoment Numerische Fehler wegen
wegen der Gleitreibung
der Gleitreibung
-5000
5
10
15
20
25
30
s
(u>t1)*(t2>u)
Clock
Fcn1
i(t)
um(t)
Gain1
Ma(t)
domega/dt
omega
u0
kg
1/R
1
1/J
s
Constant
Product
Subtract1
Gain3
Subtract
Gain
Integrator
Ml(t)
Fcn2
Fcn
rgl*sgn(u)+rv*u+rt*u*abs(u)
(u>1e-16)*u
ug(t)
kg
Gain2
1
Scope
Out1
Abb. 2.4: Simulink-Modell des Gleichstrom-Motors mit Gleitreibung und Vermeidung der Feh-
ler (dc_motor2.mdl, dc_motor_2.m)
% Programm dc_motor_1 zur Initialisierung des Modells
% dc_motor1.mdl und zur Durchführung der Simulation
2.1 Modell eines Gleichstrom-Motors
7
Strom*4 und induzierte Spannung
10
R = 5;
Strom
8
Induz. Spannung
kg = 0.01;
6
rgl = 0.002;
4
rv = 0;
Abb. 2.5: Strom,
2
rt = 0;
induzierte
Span-
0
nung,
Kreisge-
-2
schwindigkeit und
0
5
10
15
20
25
30
Belastungsdreh-
s
moment
wegen
Winkelgeschwindigkeit und Belastungsdrehmoment*2e5
1000
Gleitreibung
Omega
(ohne
Fehler)
800
Drehmoment Ml
(dc_motor2.mdl,
600
dc_motor_2.m)
400
200
0
-2000
5
10
15
20
25
30
s
clear
;
format
compact;
% -------- Parameter des Modells
Bild = 1;
t1 = 1;
t2 = 10;
tmax = 30;
kg = 0.01;
R = 10;
rgl = 0.002;
rv = 0;
rt = 0;
u0 = 10;
J = 2.4e-5;
% -------- Aufruf der Simulation
my_options =
simset
(′OutputVariables′,′ty′);
[t,x,y] =
sim
(′dc_motor1′,[0,tmax]);
% -------- Die Variablen aus dem Feld y
% y(:,1) = i(t) Strom
% y(:,2) = ug(t) Induzierte Spannung
% y(:,3) = omega(t) Winkelgeschwindigkeit
% y(:,4) = Ml(t) Belastungsdrehmoment
figure
(Bild);
subplot
(211),
plot
(t,[y(:,1), y(:,2)]);
title
(′Strom und induzierte Spannung′);
xlabel
(′s′);
grid
;
%legend(′Strom′,′Induz. Spannung′);
subplot
(212),
plot
(t,[y(:,3), y(:,4)*2e5]);
title
(′Winkelgeschwindigkeit und Belastungsdrehmoment′);
xlabel
(′s′);
grid
;
%legend(′Omega′,′Drehmoment Ml′);
% ------- Parameter im Bild eintragen
2.1 Modell eines Gleichstrom-Motors
8
SR = [′R = ′,
num2str
(R),′;
′];
% Zahlenwert von R etc
Skg = [′kg = ′,
num2str
(kg),′;
′];
Srgl = [′rgl = ′,
num2str
(rgl),′;
′];
Srv = [′rv = ′,
num2str
(rv),′;
′];
Srt = [′rt = ′,
num2str
(rt),′;
′];
gtext
({SR,′ ′, Skg,′ ′ ,Srgl,′ ′ ,Srv,′ ′ ,Srt});
% Platziert die
% Parameter im Bild mit der Maus
Über den Befehl
gtext
werden die Werte der Parameter in den graphischen Darstel-
lungen an die Stelle, die man mit dem Fadenkreuz der Maus wählt, platziert. Das Pro-
gramm wartet, dass man mit der Maus im graphischen Fenster klickt und somit die
Parameter wie in den gezeigten Abbildungen einträgt.
Das Modell dc_motor2.mdl wird aus einem ähnlichen Programm (dc_moto_2.m
initialisiert und aufgerufen.
Strom*4 und induzierte Spannung
8
Strom
R = 10;
Induz. Spannung
6
kg = 0.01;
4
rgl = 0;
rv = 5e-06;
Abb. 2.6: Strom,
2
induzierte
Span-
rt = 0;
nung,
Kreisge-
00
5
10
15
20
25
30
schwindigkeit und
s
Belastungsdreh-
Winkelgeschwindigkeit und Belastungsdrehmoment*1e5
moment
wegen
800
Omega
viskose
Reibung
Drehmoment Ml
(dc_motor3.mdl,
600
dc_motor_3.m)
400
200
00
5
10
15
20
25
30
s
Wenn nur die viskose Reibung angenommen wird, dann erhält man die Ergebnisse
aus Abb. 2.6. Der Auslauf, eingeleitet durch das Unterbrechen des Stroms, z.B. bei t =
10 s, ist durch folgende Differentialgleichung beschrieben:
d(t)
J
= -rv(t),
(2.10)
dt
die eine Lösung der Form
(t) = (0)e-trv/J
(2.11)
ergibt. Der Zeitursprung wurde wieder an die Stelle des Abschaltens versetzt und die
Anfangskreisgeschwindigkeit mit (0) bezeichnet. Dieser Auslauf in Form einer Expo-
nentialfunktion kann für die praktische Bestimmung des Faktors rv eingesetzt werden.
Der letzte Fall der hier noch gezeigt ist, beinhaltet ein Belastungsdrehmoment wegen
turbulenter Reibung. Abb. 2.7 zeigt die Verläufe der Variablen. Beim Auslauf mit Strom
2.1 Modell eines Gleichstrom-Motors
9
Strom*4 und induzierte Spannung
8
Strom
R = 10;
Induz. Spannung
6
kg = 0.01;
4
rgl = 0;
Abb. 2.7: Strom,
rv = 0;
induzierte
Span-
2
rt = 1e-08;
nung,
Kreisge-
0
schwindigkeit
0
5
10
15
20
25
30
und
Belastungs-
s
drehmoment
Winkelgeschwindigkeit und Belastungsdrehmoment*2e5
800
wegen
turbu-
Omega
lenter
Reibung
Drehmoment Ml
600
(dc_motor3.mdl,
dc_motor_3.m)
400
200
00
5
10
15
20
25
30
s
Strom*4 und induzierte Spannung
5
R = 10;
Strom
4
Induz. Spannung
kg = 0.01;
3
rgl = 0.002;
2
rv = 5e-06;
1
Abb. 2.8: Strom,
rt = 1e-08;
induzierte
Span-
0
nung,
Kreisge-
-10
5
10
15
20
25
30
schwindigkeit und
s
Belastungsdreh-
Winkelgeschwindigkeit und Belastungsdrehmoment*2e5
moment wegen alle
1500
Omega
Typen Reibungen
Belastungs-
Drehmoment Ml
drehmoment*2e5
(dc_motor3.mdl,
1000
dc_motor_3.m)
Winkelgeschwindigkeit
500
0
-5000
5
10
15
20
25
30
s
2.2 Unwucht-Motor auf oszillierender Platte
10
null klingt am Anfang (t) sehr stark ab und bei niedrigere Kreisgeschwindigkeit geht
der Verlauf praktisch in eine lineare Funktion über.
Die Differentialgleichung dieses Auslaufs ist:
d(t)
J
= -rt(t)abs((t))
(2.12)
dt
Sie ist eine nichtlineare Differentialgleichung, die analytisch relativ einfach zu lösen
ist. Für den Bereich (t) > 0 erhält man:
1
(t) =
,
für
t > 0
(2.13)
rt
1
t +
J
(0)
Jeder zusätzliche Term z.B. durch eine zusätzliche Reibung, erschwert erheblich die
analytische Lösung. In der Simulation gibt es keine Probleme und man kann die nor-
malen, numerischen Integrationsverfahren (wie Runge-Kutta, etc.) einsetzen.
Abb. 2.8 zeigt die Verläufe der Variablen für den Fall, dass alle Typen von Reibungen
vorhanden sind. Der Sprung in dem Belastungsdrehmoment (Abb. 2.8 unten) entsteht
wegen der Gleitreibung.
2.2
Unwucht-Motor auf oszillierender Platte
Es wird am Anfang ein einfaches Modell eines Unwuchtsystems untersucht, das aus
einem Gleichstrom-Motor mit Unwucht besteht, der auf einer oszillierenden Platte an-
gebracht ist. Abb. 2.9 zeigt eine Skizze des Unwuchtsystems.
..
m e j(t)
2
. 2
j(t)
m e j (t)
2
..
e
m x(t)
Abb. 2.9: Skizze
2
eines
einfachen
Unwuchtsystems
x(t)
Es wird angenommen, die Platte oszilliert und die relative Lage zum statischen
Gleichgewicht x(t) ist durch
x(t) = xasin(2f t)
(2.14)
gegeben, wobei f die Frequenz ist und xa stellt die Amplitude dar. Daraus resultiert die
Beschleunigung der Platte:
¨
x(t) = -4(f )2xasin(2f t)
(2.15)
Wenn die Winkelbeschleunigung ¨
(t) vernachlässigt wird, erhält man folgende Dif-
ferentialgleichung für die Drehbewegung des Motors:
d(t)
J
= kg i(t) + m2e ¨
x(t)sin((t)) - [rv(t) + rglsign((t))]
(2.16)
dt
2.2 Unwucht-Motor auf oszillierender Platte
11
Mit un = m2e wurde die Unwucht des Motors bezeichnet und die letzten Termen
stellen die Drehmomente wegen der viskosen und turbulenten Reibung dar.
Einfluss der Platte
-un*((2*pi*f)^2)*xa*sin(2*pi*f*u(1))*sin(u(2))
Clock
Fcn1
Integrator2
phi(t)
1
s
Gain1
i(t)
u0
domega/dt
1/R
kg
omega(t)
Ma(t)
Constant
1
Subtract1
Gain3
1/J
s
Gain
Integrator
Subtract
Ml(t)
Fcn2
Fcn
rgl*sgn(u)+rv*u
(u>1e-16)*u
Gain2
ug(t)
kg
1
Scope
Out1
Modell fuer feste Platte
i(t)
Gain4
u0
Ma(t)
domega0/dt
omega0
1/R
kg
1
Constant1
1/J
Subtract2
Ma(t)
s
Gain5
Gain6
Integrator1
Subtract3
Fcn4
Fcn3
Ml(t)
rgl*sgn(u)+rv*u
(u>1e-16)*u
Gain7
kg
Abb. 2.10: Simulink-Modell des Unwucht-Motors mit oszillierender Platte (unwucht_platte1.mdl,
unwucht_platte_1.m)
Das Simulink-Modell (Abb. 2.10) ist ähnlich, wie das Modell des einfachen Gleichstrom-
Motors aus Abb. 2.4 aufgebaut. Es kommt noch die Beeinflussung wegen der oszillieren-
den Platte hinzu, die im Fcn1-Block ganz oben nachgebildet ist und stellt den zweiten
Term auf der rechten Seite der Gl. 2.16 dar:
m2e ¨
x(t)sin((t)) = -un(2f )2xa sin(2f t)sin((t))
(2.17)
Um die Kreisgeschwindigkeit des Motors auf der oszillierenden Platte mit der Kreis-
geschwindigkeit desselben Motors, der auf einer fixen (ruhenden) Platte befestigt ist, zu
vergleichen, wird im unteren Teil das Modell des Motors auf der fixen Platte ebenfalls
aufgebaut.
2.2 Unwucht-Motor auf oszillierender Platte
12
Strom*4 und induzierte Spannung
2.5
R = 10;
Strom
2
Induz. Spannung
kg = 0.032;
1.5
rgl = 0.0001;
1
rv = 5e-06;
u0 = 2.5;
0.5
00
0.5
1
1.5
2
2.5
3
3.5
4
4.5
5
s
Winkelgeschwindigkeiten und Belastungsdrehmoment*2e5
100
Omega
80
Omega0
Drehmoment Ml
60
40
Drehzahl
Erreichte Drehzahl
mit fester Platte
20
00
0.5
1
1.5
2
2.5
3
3.5
4
4.5
5
s
Abb. 2.11: Strom, induzierte Spannung, ideale und erreichte Kreisgeschwindigkeit und Be-
lastungsdrehmoment für f = 10 Hz, J =1,99e-5, un = 2.5e-4
(unwucht_platte1.mdl, un-
wucht_platte_1.m)
Das Modell wird im Programm unwucht_platte_1.m initialisiert und aufgeru-
fen. Im erzeugten Bild werden einige Parameter der Simulation mit der Maus über den
Befehl
gtext
eingetragen, was man nicht vergessen soll, weil das Programm das er-
wartet.
Abb. 2.11 zeigt die Variablen, für eine relativ kleine Spannung u0 = 2, 5 V des Mo-
tors. Der Motor synchronisiert sich mit der oszillierenden Platte und erreicht nicht die
Kreisgeschwindigkeit des Motors von der fixen Platte. Mit u0 = 4 V sind die zwei Kreis-
geschwindigkeiten im Mittel gleich und die des Motors auf der oszillierenden Platte
schwankt stark.
Unter bestimmten Bedingungen (Parameter) wird der Motor beschleunigt und er-
reicht eine größere Kreisgeschwindigkeit als der Motor auf der fixen Platte. Die indu-
zierte Spannung ist größer als die angelegte Spannung und der Motor wird ein Gene-
rator. Man sieht das deutlich im Stromverlauf, der negativ wird (Abb. 2.12). Die Platte
oszilliert mit einer Frequenz f = 32 Hz, und die gewünschte Kreisgeschwindigkeit ist
0 = 150 rad/s, was einer Frequenz von f0 = 24 Hz entspricht.
Die Situation ist noch interessanter, wenn angenommen wird, dass die angelegte
Spannung des Motors langsam ansteigt, z.B. nach einer Differentialgleichung erster
Ordnung der Form
dum(t)
Tm
+ um(t) = u0,
(2.18)
dt
die leicht zu simulieren ist.
Die Gefahr einer Synchronisierung steigt wenn die Zeitkonstante Tm groß wird und
der Anlauf langsam ist.
Abb. 2.13 stellt das Simulink-Modell für die oben gezeigte Differentialgleichung dar.
Die Spannung um(t) steigt exponentiell zum Endwert u0 mit einer Zeitkonstante Tm.
2.2 Unwucht-Motor auf oszillierender Platte
13
Strom*4 und induzierte Spannung
10
R = 10;
Strom
8
Induz. Spannung
kg = 0.032;
6
rgl = 0.001;
4
rv = 5e-06;
Strom
2
u0 = 5;
0
-20
0.5
1
1.5
2
2.5
3
3.5
4
4.5
5
s
Winkelgeschwindigkeiten und Belastungsdrehmoment*2e5
500
Omega
400
Omega0
Drehmoment Ml
Erreichte
300
Drehzahl
200
100
Gewuenschte Drehzahl
00
0.5
1
1.5
2
2.5
3
3.5
4
4.5
5
s
Abb. 2.12: Strom, induzierte Spannung, ideale und erreichte Kreisgeschwindigkeit und Be-
lastungsdrehmoment für f = 32 Hz, J =1,99e-5, un = 2.5e-4
(unwucht_platte1.mdl, un-
wucht_platte_1.m)
dum(t)/dt
Gain1
um(t)
u0
1
Abb. 2.13: Simulink-Modell
1/Tm
s
für eine Anlaufspannung
Constant
Subtract1
Integrator2
(spannung_anl.mdl)
um(t)
Es wird dem Leser überlassen die gezeigten Modelle zu erweitern und neue Experi-
mente durchzuführen. Man könnte z.B. die Spitzenwerte des Stroms begrenzen in der
Annahme, dass die Quelle für die Eingangsspannung diese Begrenzung einführt. Dafür
ist der Block Saturation aus der Simulink-Unterbibliothek Library:simulink/Discontinuities
geeignet und muss im Modell im Strompfad eingeführt werden.
Das gezeigte Modell kann einfach für den Auslaufzustand, wie im Modell für den
Gleichstrom-Motor, erweitert werden.
Die physikalische Simulation mit einem Aufbau, das im letzten Kapitel beschrieben
wird, bestätigt das gezeigte Verhalten, das über die Simulation ermittelt wurde. Die
überlagerte Schwingung mit relativ hoher Frequenz, wie sie z.B. in Abb. 2.11 zu sehen
ist, kommt von der Unwuchtkraft m2e¨
x(t)sin() aus Gl. (2.16) bzw. Gl. (2.17). Der Anteil
sin((t)) stellt eine Schwingung der Frequenz f1 dar und ¨
x(t) bildet eine Schwingung
der Frequenz f2. Das Produkt führt zu einer Schwebung der Frequenz f1 - f2 und zu
einer Schwingung der Frequenz f1+f2, die den Anteil mit relativ hoher Frequenz ergibt.
Kapitel 3
Zwei Unwucht-Motoren auf
Feder-Masse-System
3.1
Mathematisches Modell des Systems
Abb. 3.1 zeigt die Skizze des Feder-Masse-Systems mit zwei Unwucht-Motoren. Die
Masse m1 der Plattform kann sich nur rauf und runter bewegen und es kann somit
angenommen werden, dass nur eine äquivalente Feder mit Federkonstante D und eine
viskose Dämpfung mit Konstante r vorhanden sind.
..
j1
.
..
m e
(t)
21
1
2
m e j (t)
22
2
2
.
m e j (t)
21
1
1
m e
2
j (t)
j (t)
22
2
2
2
j (t)
1
..
m x(t)
21
..
e2
e
m x(t)
22
1
m1
x(t)
D/2
r
D/2
Abb. 3.1: Skizze der Unwucht-Motoren auf Feder-Masse-System
Für die zum Gleichgewichtzustand relative Bewegung der Plattform mit einer Ge-
samtmasse
m = m1 + m21 + m22,
(3.1)
ergibt sich eine Differentialgleichung der Form:
dx(t)
v(t) = dt
(3.2)
dv(t)
m
=Fz(t) - Dx(t) - rv(t)
dt
3.2 Untersuchung des Systems mit Simulink-Modell
15
Mit Fz(t) = Fz1 + Fz2 wird die Fliehkraft bezeichnet, die von den zwei Unwucht-
Motoren hervorgeht und durch
Fz(t) =m21e1(1(t))2cos(1) + m22e2(2(t))2cos(2)
(3.3)
un1(1(t))2cos(1) + un2(2(t))2cos(2)
gegeben ist. Mit un1, un2 wurden die Unwuchten der Motoren bezeichnet. Wie man sieht
wurden die Winkelbeschleunigungen ¨
1(t), ¨
2(t) vernachlässigt.
Für die Drehbewegung der Motoren ergeben sich folgende Differentialgleichungen:
d1(t)
1(t) =
dt
d2(t)
2(t) =
dt
(3.4)
d1(t)
dv(t)
J1
= kg1i1(t) +
un1sin(1(t)) - rglsign(1(t))
dt
dt
d2(t)
dv(t)
J2
= kg2i2(t) +
un2sin(2(t)) - rglsign(2(t))
dt
dt
Die Ströme der Motoren in der Annahme, dass man ihre Induktivitäten vernachläs-
sigen kann, sind durch
i1(t) = (um(t) - kg11(t))/R1
(3.5)
i2(t) = (um(t) - kg21(t))/R2
gegeben, wobei durch um(t) die angelegte Spannung bezeichnet ist. Um einen langsa-
men Anlauf und Auslauf nachzubilden, wird angenommen, dass die angelegte Span-
nung um(t) durch eine Differentialgleichung der Form
um(t)
Tm
+ um(t) = u0
(3.6)
dt
gegeben ist, wobei über die Zeitkonstante Tm die Steilheit der Änderung der Spannung
um(t) gesteuert wird. Sie kann relativ einfach in einem physikalischen Experiment über
die Zeitkonstante der Ladung eines Kondensators realisiert werden.
3.2
Untersuchung des Systems mit Simulink-Modell
Die gezeigten Differentialgleichungen bilden das mathematische Modell des Systems,
das jetzt in ein Simulink-Modell zu implementieren ist. Es gibt hier mehrere Möglich-
keiten. Eine davon wäre über die Zustandsvariablen des Systems, deren Ableitungen
durch einmal Integrieren, die Variablen ergeben, die notwendig sind, um diese Ablei-
tungen zu bilden.
Eine zweite Form, die gewählt wurde, basiert auf die Beschleunigungen die als be-
kannt angenommen werden. Durch zweimal Integrieren erhält man ähnlich alle Varia-
blen, die notwendig sind um diese Beschleunigungen zu bilden.
Die Simulink-Integratoren sind Blöcke die Vektoren (Variablen in Vektoren zusam-
mengefasst) auch bearbeiten können. In diesem System erscheinen drei Beschleunigun-
gen:
d1(t)/dt, d2(t)/dt und dv(t)/dt
3.2 Untersuchung des Systems mit Simulink-Modell
16
Man muss somit diese drei Beschleunigungen als Funktionen aller Variablen des
Systems ausdrücken:
d1(t)
dv(t)
= [kg1i1(t) +
un1sin(1(t)) - rglsign(1(t))]/J
dt
dt
dv(t)
= [kg1(um(t) - kg11(t))/R1 +
un1sin(1(t)) - rglsign(1(t))]/J]
dt
dv(t)
= F1(um(t), 1(t),
, 1(t))
dt
d2(t)
dv(t)
= [kg2i2(t) +
un2sin(2(t)) - rglsign(2(t))]/J
dt
dt
(3.7)
dv(t)
= [kg2(um(t) - kg22(t))/R2 +
un2sin(2(t)) - rglsign(2(t))]/J]
dt
dv(t)
= F2(um(t), 2(t),
, 2(t))
dt
dv(t) =[Fz(t) - Dx(t) - rv(t)]/m
dt
= F3(1(t), 1(t), 2(t), 2(t), x(t), v(t))
Die Funktionen F1(...), F2(...), F3(...) werden in Fcn-Blöcken implementiert, nach-
dem die Beschleunigungen zweimal integriert werden. Abb. 3.2 zeigt das Simulink-
Modell, das auf dieser Möglichkeit aufgebaut wurde.
Die Blöcke, die das Modell nachbilden sind mit Schatten hervorgehoben, es sind die
zwei Integratoren und die Funktionsblöcke Fcn1, Fcn2 und Fcn3. Die Eingangssignale
dieser Blöcke immer mit u(i), i=1,2,... bezeichnet, entsprechen den Variablen,
die in den Mux-Blöcken zusammengefasst sind. So z.B. ist für den Block Fcn1 die Span-
nung um(t) die Variable u(1), 1(t) ist u(2) etc. Die Funktionen der ersten zwei Funk-
tionsblöcke laut der ersten zwei Gleichungen (3.7) werden somit als
(kg1*(u(1)-kg1*u(2))/R1+u(3)*un1*
sin
(u(4))-rgl*sgn(u(2)))/J
bzw.
(kg2*(u(1)-kg2*u(2))/R2+u(3)*un2*
sin
(u(4))-rgl*sgn(u(2)))/J
geschrieben. Die Ströme wurden hier explizit laut Gl. (3.5) ausgedrückt.
Der letzte Funktionsblock (Fcn3) hat am Eingang einen Vektor mit folgenden varia-
blen: u(1) für 1(t); u(2) für 1(t); u(3) für 2(t); u(4) für 2(t); u(5) für x(t) und
schließlich u(6) für v(t). Der Ausdruck dieses Blocks lautet somit:
(un1*(u(1)^2)*
cos
(u(2))+un2*(u(3)^2)*
cos
(u(4))-...
D*u(5)-rgl*sgn(u(6))/m
Auch hier wurden die Fliehkräfte Fz(t) = Fz1(t) + Fz2(t) explizit laut Gl. (3.3) aus-
gedrückt.
Oben links im Modell ist die Differentialgleichung für die Spannung des Motors
um(t) dargestellt, die der Gl. (3.6) entspricht.
Die Signale an diversen Stellen im Modell werden in drei Senken vom Typ Outport
(Out1, Out2, Out3) eingefangen und mit den Scope-Blöcken auch laufend gesichtet.
Die Anfangswerte der Zustandsvariablen 1(0), 2(0) und v(0) können im ersten In-
tegrator des Modells eingegeben werden, während die Zustandsvariablen 1(0), 2(0) und x(0)
im zweiten Integrator eingegeben werden.
3.2 Untersuchung des Systems mit Simulink-Modell
17
omega1
omega2
u0
uM
v
1
1/Tmot
2
s
Step
Add1
Gain
Integrator
Scope1
3
2
v
Scope4
2
-u0
domega1/dt
omega1
domega2/dt
4
omega2
uM
Step1
f(u)
dv/dt
v
phi1
phi2
Fcn1
phi1
x
phi2
4
3
1
3
1
3
f(u)
x
s
3
s
3
x
Fcn2
Scope
Integrator1
Integrator2
Zero-Order
Hold
dv/dt
6
f(u)
B-FFT
Scope2
Fcn3
Spectrum
Scope
1
omega1
3
Out1
omega2
3
2
3
v
Out2
phi1
3
2
phi2
3
Out3
x
2
f(u)
Fcn4
2
2
2
f(u)
Scope3
Fcn5
Fiehkraefte
Add2
Abb. 3.2: Simulink-Modell der Unwucht-Motoren auf Feder-Masse-System (unwucht_2.mdl, un-
wucht_ini2.m)
Die Fliehkräfte werden in den unteren Funktionsblöcken Fcn4, Fcn5 auch gebildet,
um sie in der Senke Out3 einzufangen für eine Darstellung über ein Programm. Mit
Hilfe eines Spectrum Scope wird auch die Leistungsspektraldichte der Lage der Platt-
form ermittelt und dargestellt. Man kann so die wichtigsten Frequenzen der Lage x(t)
sichten.
Das Simulink-Modell wird über das Programm unwucht_ini2.m initialisiert und
aufgerufen. Abb. 3.3 zeigt eines der Bilder (figure) die erzeugt werden. Die Parameter
der Simulationen werden ebenfalls in diesem Bild aufgelistet. Für den konkreten Satz
der Parameter aus diesem Bild, erreicht nur einer der Motoren die Endkreisgeschwin-
digkeit. Nach 5 Sekunden wird der Auslauf eingeleitet und die angelegte Spannung
um(t) klingt exponentiell ab.
In diesem Modell wird keine Gleitreibung für die Motoren angenommen und die
Simulation wird mit variablen Integrationsschritte durchgeführt. Der Aufruf der Simu-
lation geschieht über folgende Befehle:
% ------- Aufruf der Simulation
dt = 1/100;
my_options =
simset
(′OutputVariables′,′ty′,′Solver′,′ode45′);
3.2 Untersuchung des Systems mit Simulink-Modell
18
Lage*10 und Geschwindigkeit der Masse
1
un1 = 0.00022; un2 = 0.00023
D = 500; r = 0.5
Omega-Res. = 39.5285 rad/s
0.5
f0 = 6.2912 Hz
0
m = 0.32; J = 1.9e-05
kg1 = 0.021; kg2 = 0.02
Tmot = 0.2; u0 = 1.5
-0.5
R1 = 10; R2 = 10
omega-v0 = [0 0 0]
-1
phi-x0 = [0 1.0472 0]
0
2
4
6
8
10
Zeit in s
Winkelgeschwindigkeiten der Motoren
80
60
40
20
0
-200
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Zeit in s (Abschalten bei 5 s)
Abb. 3.3: Variablen und Parameter des Modells (unwucht_2.mdl, unwucht_ini2.m)
[t,x,ym] =
sim
(′unwucht_2′,[0:dt:10],my_options);
% Ergebnisse
% mit fixer Schrittweite dt
für die FFT liefern
Mit my_options werden einige Optionen für das numerische Integrationsverfah-
ren gesetzt. Als Ausgangsvariablen werden nur die Zeit t und die Variablen der Senken
Outport Out1, Out2 und Out3 im Feld y ohne die Zustandsvariablen x gespeichert.
Der Solver mit ode45 initialisiert entspricht dem Runge-Kutta-Verfahren 4,5 Ordnung
und variabler Schrittweite.
Für diesen Solver möchte man die Variablen (Ergebnisse) aber an fixen Zeitmomen-
ten (feste Schrittweite) geliefert haben, um z.B. eine spektrale Analyse mit Hilfe der FFT
durchzuführen. Das wird durch die Form der Angabe für die Simulationszeit [0:dt:10]
statt [0,10] im Befehl
sim
erzwungen.
Das bedeutet, die numerische Integration wird mit variabler Schrittweite, um die To-
leranz zu sichern, durchgeführt, die Ergebnisse werden aber für die gewünschte Schritt-
weite (durch Interpolation) geliefert.
Wenn man auch Gleitreibung für die Motoren einbringt, bleibt diese numerische In-
tegration beim Versuch den genauen Nulldurchgang der Variablen zu bestimmen, hän-
gen. Als Lösung funktioniert hier nur eine Integration mit fixer Schrittweite. Das Mo-
dell unwucht_21.mdl erlaubt auch Gleitreibung und wird über unwucht_ini21.m
initialisiert und aufgerufen.
Der Aufruf geschieht über folgende Programmsequenz:
% ------- Aufruf der Simulation
dt = 1/1000;
% Schrittweite für fixed-step Solver
my_options =
simset
(′OutputVariables′,′ty′,′FixedStep′,dt,...
′Solver′,′ode3);
3.2 Untersuchung des Systems mit Simulink-Modell
19
Lage*10 und Geschwindigkeit der Masse
0.4
un1 = 0.00022; un2 = 0.00023
D = 500; r = 0.5
Omega-Res. = 39.5285 rad/s
0.2
f0 = 6.2912 Hz
0
m = 0.32; J = 1.9e-05
kg1 = 0.021; kg2 = 0.02
Tmot = 0.2; u0 = 2
-0.2
R1 = 10; R2 = 10.2
omega-v0 = [0 0 0]
-0.4
phi-x0 = [0 1.0472 0]
0
2
4
6
8
10
Zeit in s
Winkelgeschwindigkeiten der Motoren
100
80
60
40
20
0
-200
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Zeit in s (Abschalten bei 5 s)
Abb. 3.4: Variablen und Parameter des Modells mit Gleitreibung (unwucht_21.mdl, un-
wucht_ini21.m)
[t,x,ym] = sim(′unwucht_21′,[0,10],my_options);
% Ergebnisse mit
% fixer Schrittweite dt geliefert
Die Ergebnisse werden mit der fixen Schrittweite dt geliefert, die jetzt viel kleiner als
vorher gewählt wurde.
Wenn Gleitreibung vorhanden ist, dann ist die ideale zu erreichende Kreisgeschwin-
digkeit, z.B. für den ersten Motor, aus der Gl. (3.7) mit d1(t)/dt = 0, dvt/dt = 0 zu
erhalten. Aus
kg1i1() - rgl = 0
(3.8)
ergibt sich der stationäre Wert 1():
kg1u0 - rglR1
1() =
(3.9)
k2g1
und ähnlich auch für 2(). Ohne Gleitreibung (rgl = 0) ist die ideale, erreichbare
Kreisgeschwindigkeit einfach durch
u0
1() =
(3.10)
kg1
gegeben. Für die Parameter des Falls, der in Abb. 3.3 gezeigt ist, ohne Gleitreibung sind
die zwei Grenzwerte:
1() = u0/kgg1 = 1, 5/0, 021
= 71 rad/s
2() = u0/kgg2 = 1, 5/0, 02
= 75 rad/s
3.2 Untersuchung des Systems mit Simulink-Modell
20
Der zweite Motor erreicht nur
= 40 rad/s, was in der Nähe der Resonanzfrequenz
des Feder-Masse-Systems liegt, die man aus
D
500
res =
=
= 39, 52 rad/s
(3.11)
m
0, 32
erhält. Der zweite Motor ist mit dem Feder-Masse-System synchronisiert und kann den
gezeigten Grenzwert nicht erreichen.
Lage*10 und Geschwindigkeit der Masse
1
un1 = 0.00022; un2 = 0.00023
D = 500; r = 0.5
Omega-Res. = 39.5285 rad/s
0.5
f0 = 6.2912 Hz
0
m = 0.32; J = 1.9e-05
kg1 = 0.021; kg2 = 0.02
Tmot = 0.8; u0 = 2
-0.5
R1 = 10; R2 = 10.2
omega-v0 = [0 0 0]
-1
phi-x0 = [0 1.0472 0]
0
2
4
6
8
10
Zeit in s
Winkelgeschwindigkeiten der Motoren
50
40
30
20
10
00
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Zeit in s (Abschalten bei 5 s)
Abb. 3.5: Variablen und Parameter des Modells ohne Gleitreibung und mit langsamen Anlauf
(unwucht_21.mdl, unwucht_ini21.m)
Abb. 3.4 zeigt die Ergebnisse bei einer Gleitreibung mit rgl = 0, 0001. Beide Motoren
erreichen die Grenzkreisgeschwindigkeit laut Gl. (3.9) von
= 92, 9 rad/s. Ohne Gleitrei-
bung mit gleichen, restlichen Parametern, außer Tm der größer gewählt wird, synchro-
nisieren sich die Motoren mit der Eigenfrequenz (Resonanzfrequenz) des Feder-Masse-
Systems (Abb. 3.5) und bleiben bei einem Wert von
= 40 rad/s hängen. Mit steilerem
Anlauf, bedingt durch Tm = 0, 2, erreichen die Motoren wieder die idealen Endwerte
der Kreisgeschwindigkeiten.
Der Vergleich des Verlaufs der Lage x(t) des Feder-Masse-Systems aus Abb. 3.4 und
Abb. 3.5 zeigt, dass im Falle der Synchronisierung das System mit relativ großer Ampli-
tude schwingt.
In den Modellen (z.B. aus Abb. 3.2) sind auch Spectrum Scope-Blöcke am Signal x(t),
das die Lage des Feder-Masse-Systems darstellt, angeschlossen. Dieses Signal ist nur
für einen relativen, kurzen Zeitintervall im stationären Zustand, so dass es schwer ist,
zu sagen, welche Leistungsspektraldichte angezeigt wird.
Auch in den entsprechenden Programmen (unwucht_ini2.m, unwucht_ini21.m)
wird aus dem Signal x(t) die Leistungspektraldichte mit der Funktion
pwelch
berech-
3.2 Untersuchung des Systems mit Simulink-Modell
21
net und dargestellt. Als Beispiel wird die Programmsequenz aus unwucht_ini21.m
gezeigt:
% ------- Spektrum der Lage
ysp = ym(1:10:
end
,6);
% Dezimierung Faktor 10
% von dt = 1/1000 auf dtsp = 1/100=fs
fs = 100;
[Pxx,f] =
pwelch
(ysp,[],[0],[256],fs);
%[Pxx,f] = pwelch(ysp(:,3),[],[],[],fs); % default
figure
(3);
clf
;
plot
(f, 10*
log10
(Pxx));
xlabel
(′Hz′);
grid
;
ylabel
(′dB′);
title
(′Leistungsdichte der Lage x′);
La =
axis
;
if
La(4) < 0
posy = 1.2*La(4);
elseif
La(4) == 0
posy = -10;
else
posy = La(4)*0.8;
end
;
text
(20, posy, [′fres = ′,
num2str
(f0), ′ Hz′]);
frot1 = (kg1*u0-rgl*R1)/(2*
pi
*kg1^2);
% Ideale Drehfrequenz
text
(20, posy - 10, [′frot1 = ′,
num2str
(frot1), ′ Hz′]);
Leistungsdichte der Lage x
0
-10
fres = 6.2912 Hz
-20
frot1 = 15.1215 Hz
-30
-40
dB
-50
-60
-70
-800
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
Hz
Abb. 3.6: Leistungsspektraldichte der Lage bei synchronisierten Motoren (unwucht_21.mdl, un-
wucht_ini21.m)
3.2 Untersuchung des Systems mit Simulink-Modell
22
Da hier die Simulation mit einer sehr kleinen fixen Schrittweite von dt = 1/1000 (we-
gen der Gleitreibung) durchgeführt wird, werden die Daten mit Faktor 10 dezimiert, so
dass man eine Abtastfrequenz von fs = 100 Hz erhält. Für einen verlängerten statio-
nären Zustand (z.B. bis 10 s und eine Gesamtzeit von 15 Sekunden) ist die berechnete
Leistungsspektraldichte stabil und zeigt für den Fall, dass die Motoren sich mit der Ei-
genfrequenz des Feder-Masse-Systems synchronisieren, diese Frequenz (Abb. 3.6). Sie
ist 6,2912 Hz und die ideale Drehfrequenz, die nicht erreicht wurde ist 15,1215 Hz.
50
-40
45
-60
40
fres = 6.2912 Hz
35
-80
30
frot1 = 22.2348 Hz
25
-100
20
Frequency (Hz)
15
-120
10
-140
5
0
2
4
6
8
10
12
14
Time
Abb. 3.7: Spektrogramm der Lage wenn die Motoren hochfahren können (unwucht_22.mdl, un-
wucht_ini22.m)
Das nicht stationäre Verhalten während des An- und Auslaufs könnte man mit ei-
nem Spektrogramm [7], das für kurze Abschnitte des Signals die FFT ermittelt, um die
so genannte Short-Time-Fourier-Transfomation anzunähern. Im Programm unwucht_ini22.m
wird das Modell unwucht_22.mdl initialisiert und aufgerufen, um aus den Lagewer-
ten x(t) das Spektrogramm zu ermitteln und darzustellen. Die entsprechende Sequenz
des Programms ist:
figure
(3);
clf
;
spectrogram
(ysp,128,64,256,fs,′yaxis′);
colorbar
;
posy = 40;
% Textposition in y-Richting
text
(2, posy, [′fres = ′,
num2str
(f0), ′ Hz′]);
frot1 = (kg1*u0-rgl*R1)/(2*
pi
*kg1^2);
text
(2, posy - 10, [′frot1 = ′,
num2str
(frot1), ′ Hz′]);
Abb. 3.7 zeigt das Spektrogramm für die Simulation mit Parametern, die zum Ver-
halten geführt haben, das in Abb. 3.8 gezeigt ist. Die Motoren synchronisieren sich am
Anfang mit der Eigenfrequenz der Plattform und danach erreichen sie die ideale Dreh-
frequenz. Im Spektrogramm ist die Eigenfrequenz von 6,2912 Hz praktisch durchge-
hend erkennbar mit höheren Werten am Anfang. Danach sieht man kleinere Anteile der
idealen Drehfrequenz, in diesem Fall von 22,2348 Hz. Die Motoren synchronisieren sich
3.2 Untersuchung des Systems mit Simulink-Modell
23
Winkelgeschwindigkeiten der Motoren
150
un1 = 0.00022; un2 = 0.00023
D = 500; r = 0.5
Omega-Res. = 39.5285 rad/s
100
f0 = 6.2912 Hz
50
m = 0.32; J = 1.9e-05
kg1 = 0.021; kg2 = 0.02
Tmot = 1.8; u0 = 3.41
0
R1 = 10; R2 = 10.2
omega-v0 = [0 0 0]
-50
phi-x0 = [0 1.0472 0]
0
5
10
15
Zeit in s (Abschalten bei 5 s)
Lage*10 und Geschwindigkeit der Masse
1
0.5
0
-0.5
-10
5
10
15
Zeit in s
Abb. 3.8: Winkelgeschwindigkeiten der Motoren und Lage bzw. Geschwindigkeit des Feder-
Masse-Systems (unwucht_22.mdl, unwucht_ini22.m)
Fliehkraefte
5
0
Abb.
3.9:
Die
-50
5
10
15
zwei
Fliehkräfte
Zeit in s
und ihre Summe
Summe der Fliehkraefte
(unwucht_22.mdl,
6
unwucht_ini22.m)
4
2
0
-2
-4
-60
5
10
15
Zeit in s
jetzt auf diese Drehfrequenz und bilden Fliehkräfte die entgegengesetzt wirken und die
Plattform des Feder-Masse-Systems nur wenig rütteln. Das ist deutlich in Abb. 3.8 unten
im Intervall t > 5 zu erkennen. Der Auslauf beginnt hier bei t = 10 Sekunden.
Abb. 3.9 zeigt oben die zwei Fliehkräfte und unten deren Summe. Am Anfang ist
die Summe relativ groß, weil die Motoren unterschiedliche Anfangswinkel für die Un-
wuchten besitzen (1 = 0, 2 = /3 = 1, 0472 rad).
3.3 Vorschläge für weitere Simulationsexperimente
24
Leider ist das Spektrogramm hier nicht in Farbe dargestellt und die hohen und tiefen
Werte erhalte gleiche dunkle Grauwerte.
3.3
Vorschläge für weitere Simulationsexperimente
Die gezeigten Modelle können im Hinblick auf konkrete Anwendungen für weitere Ex-
perimente erweitert werden.
So z.B. kann das Modell der zwei Unwuchtmotoren auf Feder-Masse-System für
den Fall eines einzigen Motors leicht umgewandelt werden. Mit geschickt gewählten
Parametern kann das Modell direkt diesen Fall nachbilden. Wenn der Widerstand R2
des zweiten Motors sehr groß gewählt wird (R2 = 10000) erhält er praktisch keinen
Strom und wird sich nicht bewegen und am Verhalten des Systems nicht beteiligen.
Eine andere interessante Untersuchung wäre den Auslauf nicht mit unterbrochenen
Eingangskreis einzuleiten, sondern durch das Kurzschliessen der Motorklemmen oder
das Schließen eines Wiederstandes. Der Motor wird Generator und ihm ist sehr schnell
die akkumulierte, kinetische Energie entzogen.
Eine realistische Annahme, dass der Strom begrenzt ist, kann auch relativ leicht
nachgebildet werden. Man müsste allerdings das Modell neu aufbauen, so dass der
Strom der Motoren zugänglich ist. Mit ein bisschen Mühe, können alle Teile separat
modelliert werden, was zu zusätzliche Erweiterungsmöglichkeiten führen kann.
uM
Feder-Masse-System (m,D,rv) mit 2 Unwucht-Motoren
i1
i1
uM
uM1
fralf1
fralf1
Spannungs-
Fz1
Fz1
t
Versorgung
dv/dt
w1
w1
Motor 1
Fz1
x
x
i2
i2
Fz2
dv/dtl
uM
fralf2
fralf2
Feder-Masse-
Fz2
System
dv/dt
w2
w2
Fz2
Datei syn30.mdl
Motor 2
Abb. 3.10: Simulink-Modell aus getrennten Teilen aufgebaut (unwucht_4.mdl, unwucht_ini4.m)
3.3.1
Simulink-Modell mit Untermodellen der Hauptkomponenten
Abb. 3.10 zeigt das Simulink-Modell, in dem mit vier Untermodellen das System auf-
gebaut ist. Sie sind in den Blöcken, die mit Schatten hervorgehoben sind, enthalte. Das
erste ganz links oben enthält das Modell für die Erzeugung der Motorspannung, wie in
Abb. 2.13 gezeigt.
In zwei zusammengefassten Modellen werden die Motore simuliert. Wenn man mit
der Maus drauf klickt erhält man z.B. für den Motor 1 das Modell aus Abb. 3.11. Als
3.3 Vorschläge für weitere Simulationsexperimente
25
Eingänge sind hier die Spannung uM1 und die Beschleunigung dv/dt vorgesehen. Das
Untermodell liefert als Ausgänge die Variablen fralf1, w1 und Fz1. Die erste von
diesen stellt den Winkel 1(t) vom Ausgang des zweiten Integrators (Winkel des Motors
1) in Form von Modulo(1) dar. Mit w1 wird die Kreisgeschwindigkeit 1(t) bezeichnet
und Fz1 stellt die Fliehkraft des Motors 1 dar. In den Funktionsblöcken sieht man die
nachgebildeten Beziehungen, wobei u(1),u(2) die Eingänge dieser Blöcke sind, die
über Mux-Blöcke zusammengefasst wurden.
Für den Motor 2 gilt ein ähnliches Modell, das hier nicht mehr gezeigt wird.
Motor 1
1
1
uM1
Formel für Strom i1und Diffgln. für w1 und Winkel alf1 :
i1
i1= (uM-kg1*w1)/R1
1/R1
kg1
J1* dw1/dt = kg1* i1 - rGL1*sign(w1) +dv/dt * un1 * sin(alf1)
dalf1/dt = w1
kg1
Fliehkraft Fz1:
Fz1= un1* w1* w1 * cos(alf1)
1
1
1/J1
u /(2*pi) - floor (u /(2*pi) )
2
s
s
fralf1
w1st
rGL1*sgn(u)
4
w1
un1* sin( u[1] )* u[2]
un1 * u[2] *u[2] * cos (u[1] )
3
Fz1
Mux
2
dv/dt
Abb. 3.11: Modell des Motors 1 (unwucht_4.mdl, unwucht_ini4.m)
Fz2
Feder-Masse-System
2
dv/dt
v
1
1
Diffgln:
1
1/m
s
s
m*dv/dt = Fz1 + Fz2 - D*x - rv*v
Fz1
dx/dt = v
rv
rvH
(u > tH)* ( tH+dtH > u)
2
dv/dtl
0
D
1
x
Abb. 3.12: Modell des Feder-Masse-Systems (unwucht_4.mdl, unwucht_ini4.m)
Das letzte Untermodell aus Abb. 3.10 ganz rechts ist das Feder-Masse-System,
das die Dynamik des Feder-Masse-Systems mit dem Modell aus Abb. 3.12 nachbildet.
Als Eingangsvariablen sind hier die Fliehkräfte der Motoren und als Ausgangsvariablen
werden die Beschleunigung dv/dt (unten links) und die Lage x geliefert.
3.3 Vorschläge für weitere Simulationsexperimente
26
Hier wird auch mit einem kleinen Trick die Möglichkeit simuliert, zu einem be-
stimmten Zeitmoment die Plattform des Feder-Masse-Systems nahezu zu blockieren
und somit die Schwingungen zu stoppen bzw. so den Motoren die Möglichkeit hochzu-
fahren einräumen.
Winkelgeschwindigkeiten der Motoren
100
un1 = 0.00022; un2 = 0.00023
D = 500; rv = 0.5
Omega-Res. = 39.5285 rad/s
50
f0 = 6.2912 Hz
Motoren
m = 0.32; J = 1.9e-05
hochgefahren
kg1 = 0.021; kg2 = 0.02
0
Tmot = 1.8; u0 = 2
Motoren
R1 = 10; R2 = 10.2
hängen
-500
5
10
15
Zeit in s (Grosse Reibung bei 8 bis 13 s)
Lage der Masse
0.4
0.2
0
-0.2
-0.40
5
10
15
Zeit in s
Abb. 3.13: Winkelgeschwindigkeiten der Motoren und Lage des Feder-Masse-Systems (un-
wucht_4.mdl, unwucht_ini4.m)
Strom des Motors 1
0.2
0.15
0.1
0.05
00
5
10
15
Zeit in s
Modulo(1) des Winkels fuer Motor 1
1
0.8
0.6
0.4
0.2
00
5
10
15
Zeit in s
Abb. 3.14: Strom und Modulo(1) des Winkels für Motor 1 (unwucht_4.mdl, unwucht_ini4.m)
Die Zeit, geliefert durch den Clock-Block (ganz rechts), dient der Bildung des Signals
zum Umschalten auf eine sehr große viskose Reibung rvH im Zeitintervall definiert
durch tH bis tH+dtH, die als Parameter definiert sein müssen.
3.3 Vorschläge für weitere Simulationsexperimente
27
Abb. 3.13 zeigt oben die Winkelgeschwindigkeiten der Motoren, die am Anfang sich
mit der Eigenfrequenz des Feder-Masse-Systems synchronisieren und nicht ihre korrek-
te Drehzahl erreichen. Zum Zeitpunkt tH hier bei 8 Sekunden wird die große Reibung
zugeschaltet und die Plattform bleibt praktisch stehen, sie schwingt nicht mehr, wie
man aus der Darstellung der Lage der Masse feststellen kann. Die Motoren, von der
Synchronisation befreit, können beschleunigen und erreichen die ideale Drehgeschwin-
digkeit.
Die große Reibung dauert dtH 5 Sekunden und danach wird die Plattform sozu-
sagen freigelassen. Die Motoren sind jetzt so synchronisiert, dass die annähernd glei-
che Unwuchten entgegengesetzte Fliehkräfte bilden und die Plattform weiterhin ruhig
bleibt.
Diese Form des Modells hat den Vorteil, dass alle Variablen explizit verfügbar sind
und es ist sehr einfach z.B. eine Strombegrenzung im Modell einzubauen. Auch für die
Darstellungen sind alle Variablen i1(t), i2(t), 1(t), 2(t), 1(t) = d1(t)/dt, . . . etc. und
die Zeit t verfügbar, weil sie in To Workspace-Senken eingefangen wurden. Das sind die
viereckigen Blöcke, die den Namen der entsprechenden Variablen enthalten. Abb. 3.14
ist z.B. einfach mit folgender Programmsequenz erzeugt:
figure
(3);
clf
;
subplot
(211),
plot
(t, i1);
title
(′Strom des Motors 1′);
xlabel
(′Zeit in s′);
grid
subplot
(212),
plot
(t, fralf1);
title
(′Modulo(1) des Winkels fuer Motor 1′);
xlabel
(′Zeit in s′);
grid
Interessant zu bemerken ist, dass im Zustand der Synchronisation mit der Eigen-
frequenz der Strom relativ hohe Werte einnimmt, weil die induzierte Spannung wegen
der Begrenzung der Drehgeschwindigkeit relativ klein ist. Nacher im hochgefahrenen
Zustand ist die induzierte Spannung größer (t > 10 s) und der Strom ist wesentlich
kleiner.
Kapitel 4
Physikalisches Experiment
Die Sachverhalte, die im Kapitel 3 mit Hilfe von mathematischen Modellen untersucht
wurden, können auch relativ einfach experimentell mit physikalischen Aufbau über-
prüft werden.
Abb. 4.1 zeigt die Anordnung mit der experimentiert wird. Das Feder-Masse-System
besteht aus zwei Blattfedern (Parallel-Feder-System) mit einer gesamten Federkonstan-
te D. Diese zwei Federn erlauben eine Bewegung nur in einer Richtung, ohne dass eine
Führung notwendig ist. Die Dämpfung des Systems wird mit einem Dämpfungsbügel
aus Teppichbodenbelag erzeugt.
Auf der oberen Platte (Plattform) ist links und rechts je ein Unwucht-Gleichstrom-
Motor angebracht. In der Ruhelage sind die Blattfedern vertikal ausgerichtet. Gezeich-
net ist eine um die Strecke (Lage) x(t) ausgelenkte obere Platte. Die schwingende Masse
m besteht aus der oberen Platte und den Motoren. Die Unwuchten der Motoren werden
mit Hilfe der Mutterschraube eingestellt.
Die Auslenkung x(t) der Schwingenden Masse wird mit der links gezeigten Piezo-
Elektronik gemessen. Die Auslenkung krümmt die Blattfeder und damit auch die auf-
geklebte Piezoscheibe. Bei dieser Krümmung erzeugt die Piezoscheibe eine elektrische
Ladung, die proportional der Auslenkung x(t) ist. Mit Hilfe eines Operationsverstär-
kers mit FET1-Eingangsstufe (TL081), der als Ladungsverstärker geschaltet ist, wird die
Ladung in eine Spannung (ux(t)) umgewandelt, die gemessen wird.
Die Motoren haben je eine mitrotierende Scheibe mit einem Schlitz. Der Schlitz hat
die gleiche Winkellage wie die Unwuchtschraube. Mit einer aus Leuchtdiode und Fo-
totransistor bestehenden Gabellichtschranke wird die Winkelposition des Schlitzes und
damit die Winkellage der Unwucht detektiert.
Der Aufbau, der in Abb. 4.1 unten gezeigt ist, enthält nicht den Dämpfungsbügel,
der aber leicht angebracht werden kann. Derselbe Aufbau kann auch für andere Expe-
rimente eingesetzt werden und von diesem ist die mittlere Säule mit einer Spule übrig
geblieben. Die Spule zusammen mit einem Permanentmagnet-Stab dient der forcierten
Anregung des Feder-Masse-Systems. Wenn die Spule über ein Leistungsverstärker si-
nusförmig angeregt wird, kann man das Experiment aus 2.2 simulieren.
1Field-Effect-Transistor
4.1 Spannungsversorgung der Motoren
29
Sraube als
rotierende Unwucht
Lichtschranke
mit Schlitz
bei Unwucht
Taster
Dämpfungsbügel
aus
Teppichboden
Motor mit vertikaler
Welle
C
-
Piezo-
Blattfeder,
Scheibe
gesamte
uX
Federkonstante D
+
FET-OP
(TL 081)
Auslenkung x(t)
Feste Unterlage
Abb. 4.1: Skizze und Aufbau des physikalischen Experiments zur Unwuchtsynchronisation
4.1
Spannungsversorgung der Motoren
In Abb. 4.2 ist die Skizze der Spannungsversorgung für die Motoren gezeigt. Mit ei-
nem Kippschalter wird der Kondensator CT (angenommen entladen) an die Spannung
u0 über den Widerstand RT angeschlossen. Die Spannung am Kondensator steigt nach
einer Exponentialfunktion mit der zeitkonstante RT CT bis zur konstanten Eingangs-
spannung.
Wenn der Schalter in Position 2 gebracht wird, entlädt sich der Kondensator eben-
falls exponentiell mit der gleichen Zeitkonstante und es wird der Auslauf durchgeführt.
4.2 Der Ladungsverstärker
30
R
u (t)
R
T
m
1
1
2
u0
Spannungs-
folger
k
w (t)
g1
1
C
Motor 1
T
R2
Kippschalter
k
w (t)
g2
2
Motor 2
Abb. 4.2: Skizze der Spannungsversorgung der Motoren
Die Spannung am Kondensator wird über eine Leistungsstufe, die als Spannungsfolger
geschaltet ist, den Motoren zugeführt.
Über den Widerstand RT wird die Zeitkonstante des Motors geändert und somit die
Geschwindigkeit mit der sich die An- und Auslaufspannung ändert.
4.2
Der Ladungsverstärker
Abb. 4.3 zeigt die Ersatzschaltung der Piezo-Scheibe, die auf der Blattfeder geklebt ist,
und von dieser verformt wird, zusammen mit dem Ladungsverstärker [5], [6]. Dieser
wird mit Hilfe eines Operationsverstärkers, der eine Eingangsstufe mit FET-Transistoren
besitzt, realisiert.
Die Ladung, die sich auf der Scheibe bildet, ist zur Verformung proportional:
q(t) = kqx(t)
(4.1)
Wobei mit kq die Proportionalitätskonstante bezeichnet wird.
C
Abb. 4.3: Ladungsverstär-
-
ker mit OP für die Piezo-
u (t)
+
a
i (t)
Scheibe
q
Ladungs-
verstärker
Ci
Aus Abb. 4.3 ist zu entnehmen, dass die Piezo-Scheibe durch einen Stromgenera-
tor ersetzt wird, der eine Kapazität in parallel geschaltet hat. Diese ist die Kapazität,
die zwischen den Elektroden der Scheibe entsteht zu der eventuell die Kapazität des
Verbindungskabels noch hinzuaddiert werden muss.
4.2 Der Ladungsverstärker
31
Da diese Kapazitäten durch die virtuelle Masse des Eingangs des OPs kurzgeschlos-
sen sind und der OP keinen Eingangsstrom benötigt, wird der ganze Strom der Piezo-
Scheibe dem Kondensator C zugeführt. Die Spannung am Ausgang des OPs ist somit:
1
t
ua(t) = -
iq(t)dt + ua(0)
(4.2)
C
0
Da der Strom der Piezo-Scheibe gleich der zeitlichen Ableitung der Ladung ist (iq(t) =
dq(t)/dt), ergibt sich schließlich eine Ausgangsspannung des OPs der Form:
q(t)
kqx(t)
ua(t) = -
+ ua(0) = -
+ ua(0)
(4.3)
C
C
Mit dem Schalter, der parallel zum Kondensator angebracht ist, kann man am An-
fang den Kondensator entladen (ua(0) = 0). Die sehr kleinen Leckströme der mit FET-
Transistoren bestückte Eingangsstufe des OPs führen über einige Minuten hinaus zu
einem sehr kleinen Drift dieser Referenzspannung.
Wenn man den Kondensator durch einen Widerstand ersetzt, ist die Ausgangsspan-
nung des OPs zur Geschwindigkeit der Verformung und somit der Auslenkung pro-
portional:
dq(t)
dx(t)
ua(t) = -iq(t)R = -R
= -Rkq
(4.4)
dt
dt
R
C
-
Abb. 4.4: Angenäherter La-
dungsverstärker mit OP
u (t)
+
a
i (t)
q
Ladungs-
verstärker
Ci
Im Ladungsverstärker kann der Kondensator mit einem großen Widerstand parallel
geschaltet werden, um den Drift zu vermeiden oder zu unterdrücken (Abb.4.4). Oh-
ne Widerstand ist die Übertragungsfunktion zwischen Iq(j) als komplexer Eingangs-
strom und Ua(j) als komplexe Ausgangsspannung durch
Ua(j)
1
= -
(4.5)
Iq(j)
jC
gegeben. Mit dem zusätzlichen Widerstand R ändert sich diese Übertragungsfunktion
und wird:
Ua(j)
R
= -
(4.6)
Iq(j)
jRC + 1
Wenn die Zeitkonstante RC so gewählt wird, dass im Frequenzbereich des Ein-
gangssignals RC >> 1 ist, verhält sich diese Übertragungsfunktion, wie die aus Gl.
(4.5). Als Beispiel, bei einem Frequenzbereich mit der minimalen Frequenz von 0.1
Hz muss die Zeitkonstante RC >> 1/(2fmin)
= 1, 6 s sein. Für C = 1µF müsste
R >> 1, 6M sein, eine Bedingung die relativ einfach einzuhalten ist.
4.3 Physikalisches Experiment: Gleichstrom-Motor auf oszillierender Platte
32
4.3
Physikalisches Experiment: Gleichstrom-Motor auf os-
zillierender Platte
Es wird mit einem physikalischen Experiment das Verhalten des Gleichstrom-Motors
auf oszillierender Platte untersucht, um zu zeigen, dass die Ergebnisse der Simulation
korrekt sind und in der Realität reproduzierbar sind.
Abb. 4.5 zeigt die Skizze der eingesetzten Anordnung. Sie entspricht der Anordnung
aus Abb. 4.1 mit kleinen Unterschieden. Es wird nur ein Motor benutzt, der auch ein
Wechselstrom-Tachogenerator beinhaltet. Jede Drehung ergibt 6 Perioden einer Wech-
selspannung, deren Amplitude zur Drehgeschwindigkeit proportional ist.
N
S
Supper-
Spule
permanentmagnet
Tacho-
generator
Eisenstab
Auslenkung x(t)
Feste Unterlage
Abb. 4.5: Skizze des Experiments "Gleichstrom-Motor auf oszillierender Platte"
Die Platte kann zum Schwingen (Oszillieren) über eine Spule und einen Eisenstab,
der von einem sehr starken Supper-Permanentmagnet angezogen ist, angeregt werden.
Abb. 4.6 zeigt den Verlauf des magnetischen Flusses (x) entlang des Eisenstabs und
den Verlauf des Radialflusses r(x), die durch den Permanentmagnet entstehen, wobei
der erste annähernd linear abfällt und der zweite annähernd konstant bleibt.
Der Radialfluss, der senkrecht aus den Stab austritt, und annähernd konstant ent-
lang des Stabes bleibt ergibt in einer sich bewegenden Spule eine induzierte Spannung.
Wenn ein Strom durch die Spule fliesst erhält man eine Kraft, die bei fixer Spule auf
dem Eisenstab einwirkt.
Daraus folgt, dass man die Spule und den Eisenstab "Tauchspulsystem") als Sensor
benutzen kann [6], und eine Bewegung des Stabs zu einer induzierten Spannung ug(t)
der Form
dx(t)
ug(t) = kg
= kgv(t)
(4.7)
dt
führt. Sie ist proportional zur Geschwindigkeit des Stabes v(t).
Im Falle dass die Spule und der Eisenstab als Aktuator benutzt werden [6], führt ein
Strom i(t) durch die fixe Spule zu einer auf den Stab einwirkende Kraft der Größe:
F (t) = kmi(t)
(4.8)
4.3 Physikalisches Experiment: Gleichstrom-Motor auf oszillierender Platte
33
f (x)
r
N
S
Spule
f(x)
x
Supper-
permanentmagnet
f (x)
r
Eisenstab
f(x)
Abb. 4.6: Verlauf des ma-
Annähernd
gnetischen Flusses entlang
linear
des Eisenstabs
0
x
Annähernd
f (x)
konstant
r
0
x
Der Energieerhaltungssatz, der auch beim Gleichstrom-Motor angewandt wurde,
führt dazu, dass die zwei Konstanten kg und km gleich sind.
Kreisgeschwindigkeit des Motors
100
80
60
40
20
0
-200
0.5
1
1.5
2
2.5
3
3.5
4
4.5
5
Abb. 4.7: Hochfahren
Zeit in s
des Motors auf Feder-
Geschwindigkeit der Masse
Masse-System
50
0
-500
0.5
1
1.5
2
2.5
3
3.5
4
4.5
5
Zeit in s
Ein sinusförmiger Strom durch die Spule wird dann die Platte im stationären Zu-
stand zu einer sinusförmigen Bewegung anregen. Man muss allerdings die Resonanz-
frequenz anregen, um mit einer kleinen Leistung diese Bewegung zu erhalten.
Die Kreisgeschwindigkeit des Motors wird mit Hilfe des Tachogenerators gemes-
sen. Dafür wird dessen Wechselspannung mit einer OP-Präzisionsgleichrichtung und
Filterung in eine zur Kreisgeschwindigkeit propotionalen kontinuierlichen Spannung
umgewandelt.
4.3 Physikalisches Experiment: Gleichstrom-Motor auf oszillierender Platte
34
Im ersten Versuch wird einfach der Motor eingeschaltet, um ihn dadurch hochzu-
fahren, Abb. 4.7. Die Unwucht des Motors wird die Platte in Resonanz zum Schwingen
bringen und zu einer Synchronisierung des Motors führen. Der Motor kann nicht die
Endkreisgeschwindigkeit erreichen. Nach 5 Sekunden wird die Platte des Feder-Masse-
Systems mit der Hand kurz festgehalten und der Motor beschleunigt bis zur Endkreis-
geschwindigkeit. Die Platte beruhigt sich und zeigt eine relativ kleine Schwebung, die
die Eigenfrequenz moduliert (Abb. 4.7 unten).
Kreisgeschwindigkeit des Motors
80
60
40
20
0
-200
0.5
1
1.5
2
2.5
3
3.5
4
4.5
5
Abb. 4.8: Hochfahren
Zeit in s
des Motors auf Feder-
Geschwindigkeit der Masse
Masse-System
100
50
0
-50
-1000
0.5
1
1.5
2
2.5
3
3.5
4
4.5
5
Zeit in s
Kreisgeschwindigkeit des Motors
100
80
60
40
20
Abb. 4.9: Hochfahren
00
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
des Motors auf Feder-
Zeit in s
Masse-System mit kur-
Geschwindigkeit der Masse
zem Anhalten der Plat- 100
te nach 5 Sekunden
50
0
-50
-1000
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Zeit in s
Mit einem stabilen Frequenzgenerator über einen Leistungsverstärker kann man die
Platte bei Resonanz zum Schwingen bringen. Da die Dämpfung sehr klein ist und somit
4.3 Physikalisches Experiment: Gleichstrom-Motor auf oszillierender Platte
35
die Güte des Feder-Masse-Systems sehr groß ist, muss man die Einstellung der Anre-
gungsfrequenz sehr fein abstimmen.
Im nächsten Experiment wird zuerst die Platte zum Schwingen gebracht und dann
wird der Motor eingeschaltet. Abb. 4.8 oben zeigt klar, dass der Motor sich mit der
Bewegung der Platte synchronisiert und nicht die Endkreisgeschwindigkeit erreicht,
die bei einer ruhenden Platte vorkommt. Im selben Bild unten ist die Geschwindigkeit
der forcierten Schwingung der Platte dargestellt. Wie man sieht beeinflusst der Motor
mit seiner Unwucht die Amplitude der Schwingungen.
Wenn jetzt ebenfalls nach 5 Sekunden die Platte kurz festgehalten wird, steigt die
Kreisgeschwindigkeit des Motors bis zu ihrem Endwert, Abb. 4.9. Die zusätzlichen
Schwingungen der Kreisgeschwindigkeit des Motors aus diesem Experiment bei dem
synchronisierten Wert von ca. 60 und beim Endwert 80 sind auch in den Simulationen
aufgetreten (siehe Abbildungen 2.11, 2.12, 3.3).
Kreisgeschwindigkeit des Motors
85
80
75
70
650
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Abb. 4.10: Stationärer
Zeit in s
Zustand
nach
dem
Geschwindigkeit der Masse
Hochfahren
100
50
0
-50
-1000
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Zeit in s
Im stationären Zustand mit oszillierender Platte, nachdem der Motor hochgefahren
ist (Abb. 4.10), schwingt die Kreisgeschwindigkeit des Motors um den Endwert und
zeigt somit, dass auch in diesem Zustand die Platte den Motor beeinflusst.
Ähnlich kann auch der Fall der zwei Unwucht-Motoren auf Feder-Masse-System
untersucht werden. Die Ergebnisse, die man erhält, sind den Ergebnissen der Simula-
tionen ähnlich und zeigen, dass man den Simulationen vertrauen kann und mit deren
Hilfe wichtige Erkenntnisse gewinnt, die mit analytischen und theoretischen Mitteln
nicht zu erhalten sind.
Die Messungen wurden mit einem zweikanal digitalen Oszilloskop (HAMEG) durch-
geführt, der über eine RS 232-Schnittstelle mit einem PC verbunden ist. Die Daten wer-
den mit 8 Bit Auflösung erfasst.
Literaturverzeichnis
[1] S. Rao Singiresu. Mechanical Vibrations (Fourth Edition). Pearson, Prentice Hall, 2004.
[2] A. P. Filippow. E. G. Goloskokow. Instationäre Schwingungen mechanischer Systeme.
Akademie-Verlag Berlin, 1971.
[3] H. Christ. Stationärer und instationärer Betrieb eines federnd gelagerten unwuchtigen
Motors. Dissertation der technischen Hochschule Karlsruhe, 1966.
[4] Daniel J. Inman. Engineering Vibrations (2nd ed.). Prentice Hall International, 2001.
[5] J. Hoffmann. MATLAB und SIMULINK Beispielorientierte Einführung in die Simulation
dynamischer Systeme. Addison-Wesley, 2000.
[6] Robert Kessler. www.home.fh-karlsruhe.de/ kero0001/. Hochschule Karlsruhe- Technik
und Wirtschaft.
[7] J. Hoffmann. MATLAB und Simulink in Signalverarbeitung und Kommunikationstech-
nik. Addison-Wesley, 1999.
Index
Belastungsdrehmoment . . 4, 8, 10, 12, 13
Feder-Masse-System 1, 14, 20, 2228
Generator-Konstante 3
Gleichstrom-Motor1, 3, 10, 11, 13, 28, 32
Gleitreibung 46, 10, 1720, 22
Gleitreibungsmoment 4
Kreisgeschwindigkeit 11
Ladungsverstärker 30
Leistungserhaltungssatz 4
OP-Präzisionsgleichrichtung 33
Oszillierende Platte 10
RS 232-Schnittstelle 35
Synchronisation 27
Synchronisationseffekt 1, 2, 12
Synchronisierung 12, 20, 22, 27
Tachogenerator 33
Tauchspulsystem 32
Trägheitsdrehmoment 4
Turbulente Reibung 4, 8
Unwucht 1
Unwucht-Motor 3, 10, 14, 15
Viskose Reibung 4, 8, 26
Wechselstrom-Tachogenerator 32
Index der Abbildungen
Angenäherter Ladungsverstärker mit OP
Skizze und Aufbau des physikalischen
31
Experiments zur Unwuchtsyn-
chronisation 29
Die zwei Fliehkräfte und ihre Summe23
Spektrogramm der Lage wenn die Mo-
toren hochfahren können . . 22
Hochfahren des Motors auf Feder-Masse-
Stationärer Zustand nach dem Hochfah-
System 33,
ren 35
34
Strom und Modulo(1) des Winkels für
Hochfahren des Motors auf Feder-Masse-
Motor 1 26
System mit kurzem Anhalten
Strom, induzierte Spannung, ideale und
der Platte nach 5 Sekunden 34
erreichte Kreisgeschwindigkeit
und Belastungsdrehmoment12,
Ladungsverstärker mit OP für die Piezo-
13
Scheibe 30
Strom, induzierte Spannung, Kreisgeschwin-
Leistungsspektraldichte der Lage bei syn-
digkeit und Belastungsdrehmo-
chronisierten Motoren 21
ment wegen alle Typen Reibun-
Modell des Feder-Masse-Systems . . . 25
gen 9
Modell des Motors 1 25
Strom, induzierte Spannung, Kreisgeschwin-
Modell eines Gleichstrom-Motors 3
digkeit und Belastungsdrehmo-
ment wegen Gleitreibung . . . 6
Simulink-Modell aus getrennten Teilen
Strom, induzierte Spannung, Kreisgeschwin-
aufgebaut 24
digkeit und Belastungsdrehmo-
Simulink-Modell der Unwucht-Motoren
ment wegen Gleitreibung (oh-
auf Feder-Masse-System . . . 17
ne Fehler) 7
Simulink-Modell des Gleichstrom-Motors
Strom, induzierte Spannung, Kreisgeschwin-
mit Gleitreibung 5
digkeit und Belastungsdrehmo-
Simulink-Modell des Gleichstrom-Motors
ment wegen turbulenter Reibung
mit Gleitreibung und Vermei-
9
dung der Fehler 6
Strom, induzierte Spannung, Kreisgeschwin-
Simulink-Modell des Unwucht-Motors
digkeit und Belastungsdrehmo-
mit oszillierender Platte 11
ment wegen viskose Reibung8
Simulink-Modell für eine Anlaufspan-
nung 13
Variablen und Parameter des Modells18
Skizze der Spannungsversorgung der Mo-
Variablen und Parameter des Modells mit
toren 30
Gleitreibung 19
Skizze der Unwucht-Motoren auf Feder-
Variablen und Parameter des Modells oh-
Masse-System 14
ne Gleitreibung und mit lang-
Skizze eines einfachen Unwuchtsystems
samen Anlauf 20
10
Verlauf des magnetischen Flusses ent-
lang des Eisenstabs 33
INDEX DER ABBILDUNGEN
39
Winkelgeschwindigkeiten der Motoren
und Lage bzw. Geschwindig-
keit des Feder-Masse-Systems
23
Winkelgeschwindigkeiten der Motoren
und Lage des Feder-Masse-Systems
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