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Das Kommunikationsnetzwerk der deutschen Entwicklungszusammenarbeit - eine Netzw... close

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Das Kommunikationsnetzwerk der deutschen Entwicklungszusammenarbeit - eine Netzwerkanalyse der kommunikativen Beziehungen deutscher EZ-Organisationen

Thesis (M.A.), 2002, 173 Pages
Author: M.A. Jörg Rech
Subject: Sociology - Communication

Details

Category: Thesis (M.A.)
Year: 2002
Pages: 173
Grade: 1,1
Language: German
Archive No.: V109820
ISBN (E-book): 978-3-640-07998-8

File size: 1041 KB


Fulltext (computer-generated)

U n i v e r s i t ä t d e s S a a r l a n d e s

Philosophische Fakultät ­ Fachrichtung 5.2 / Soziologie

Magisterarbeit:

Das Kommunikationsnetzwerk der

deutschen Entwicklungszusammenarbeit ­

Eine Netzwerkanalyse der kommunikativen

Beziehungen deutscher EZ-Organisationen

Lehrstuhl für Soziologie und Methoden der

empirischen Sozialforschung

im Wintersemester 2002/2003

von:

Jörg Rech


Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

V

Abbildungsverzeichnis

VI

Tabellenverzeichnis

VII

Anhangsverzeichnis

VIII

0 Einleitung

1

1 Die deutschen Entwicklungshilfeorganisationen

4

1.1 Staatliche EZ-Organisationen

5

1.1.1 Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und

Entwicklung (BMZ)

5

1.1.2 Durchführende staatliche Organisationen

7

1.2 NROs der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

13

2 Theoretischer Bezugsrahmen

19

2.1 Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit als System von Organisationen 19

2.2 Horizontales Lernen durch Kommunikation

20

2.3 Kommunikation als Mittel des Informationsaustauschs zwischen

Organisationen

22

2.4 Theoretische Erklärungsmodelle für kommunikative Beziehungen

26

2.4.1 Kommunikationsbeziehungen als Ausdruck von Macht und Einfluss 26

2.4.2 Kommunikationsbeziehungen aufgrund von Zielübereinstimmung

27

2.4.3 Strukturelle Zwänge als Entscheidungslimiter für die Wahl des

Kommunikationspartners

28

2.5 Zentrale Fragestellung und hypothetische Annahmen

29

II


3 Methodisches Verfahren

33

3.1 Die Operationalisierung der zentralen Fragestellungen

33

3.1.1 Information bzw. Informationsaustausch

33

3.1.2 Relevanz der horizontalen Lernfunktion

34

3.1.3 Bereitstellung von Informationen via Internet

35

3.1.4 Weitergabe schriftlicher Informationen

35

3.1.5 Empfangen schriftlicher Information

36

3.1.6 Erhalt von Informationen via Internet

37

3.1.7 Institutionalisierungsgrad der Organisation bezüglich der

Generierung und Verbreitung von Evaluationen

37

3.2 Die Stichprobe

38

3.3 Verlauf der Untersuchung

42

4 Ergebnisse der Untersuchung

46

4.1 Die Relevanz der horizontalen Lernfunktion

46

4.2 Das Informationsangebot der deutschen EZ-Organisationen im Internet

49

4.2.1 Die Angaben der Organisationen

49

4.2.2 Die Internetrecherche

51

4.2.3 Unterschied zwischen den Angaben der Organisationen und der

Dokumentenanalyse

60

4.3 Der Versand schriftlicher Informationen ­ Welche Organisationen erhalten

die größte Menge an schriftlichen Informationen von den anderen EZ-

Organisationen

62

4.4 Das Sender-Empfänger-Netzwerk deutscher EZ-Organisationen

66

4.4.1 Die Netzwerkdichte

66

4.4.2 Zentralität von Akteuren

70

4.4.3 Prestige von Akteuren

72

4.4.4 Cutpoint-Positionen

74

4.4.5 Cliquen

75

4.4.6 Strukturelle Äquivalenz und Blockmodelle

75

4.4.7 Zentralisierung des Netzwerks

77

4.4.8 Die Struktur des Sender-Empfänger-Netzwerks

77

III


4.5 Das Empfänger-Sender-Netzwerk deutscher EZ-Organisationen

79

4.5.1 Die Netzwerkdichte

79

4.5.2 Zentralität von Akteuren

81

4.5.3 Das Prestige von Akteuren

83

4.5.4 Cutpoint-Positionen

85

4.5.5 Cliquen

85

4.5.6 Strukturelle Äquivalenz und Blockmodelle

86

4.5.7 Zentralisierung des Netzwerks

87

4.5.8 Die Struktur des Empfänger-Sender-Netzwerks

88

4.6 Bestätigtes Senden ­ Das Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-

Organisationen

89

4.6.1 Die Netzwerkdichte

89

4.6.2 Zentralität von Akteuren

92

4.6.3 Prestige von Akteuren

94

4.6.4 Cutpoint-Positionen

95

4.6.5 Cliquen

95

4.6.6 Strukturelle Äquivalenz und Blockmodelle

96

4.6.7 Zentralisierung des Netzwerks

97

4.6.8 Die Struktur des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-

Organisationen

98

4.7 Die Nutzung des Internets zur Informationsgewinnung ­ ein User-Server-

Modell

99

4.8 Der Institutionalisierungsgrad der Organisationen bezüglich der

Generierung und Verbreitung ihrer Informationen.

104

5 Diskussion und Ausblick

106

Literatur

116

Anhang

120

IV


Abkürzungsverzeichnis

AWO

Arbeiterwohlfahrt

BfdW

Brot für die Welt

BGR

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

BMZ

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

CDG

Carl Duisberg Gesellschaft e.V.

DAC

Development Assistance Commitee

DCV

Deutscher Caritasverband

DED

Deutscher Entwicklungsdienst

DEG

Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH

DeGEval

Deutsche Gesellschaft für Evaluation e.V.

DESWOS Deutsche Entwicklungshilfe für soziales Wohnungs- und Siedlungswesen e.V.

DSE

Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung

DWHH

Deutsche Welthungerhilfe e.V.

EED

Evangelischer Entwicklungsdienst

EEU

Europäische Union

EZ

Entwicklungszusammenarbeit

EZE

Evangelische Zentralstelle für Entwicklungshilfe e.V.

FES

Friedrich-Ebert-Stiftung

FNSt

Friedrich-Naumann-Stiftung

FZ

Finanzielle Zusammenarbeit

GKKE

Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung

GTZ

Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH

hbs

Heinrich-Böll-Stiftung

HSS

Hanns-Seidel-Stiftung

HWWA

Hamburgisches Welt-Wirtschafts-Archiv

Ki

Kirchliche Organisation i

KAS

Konrad-Adenauer-Stiftung

KfW

Kreditanstalt für Wiederaufbau

KZE

Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe e.V.

m.i.

medico international

MNPQ

Mess-, Normen-, Prüf- und Qualitätswesen

MSF

Ärzte ohne Grenzen

Ni

sonstige NRO i

NGO

Non-Governmental-Organization

NRO

Nichtregierungsorganisation

OECD

Organization for Economic Cooperation and Development

Pi

Politische Stiftung i

PTB

Physikalisch-Technische Bundesanstalt

Si

Staatliche Organisation i

SODI

Solidaritätsdienst-International

TZ

Technische Zusammenarbeit

VENRO

Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V.

ZA

Zentralstelle für Auslandskunde

ZGB

Zentralstelle für gewerbliche Berufsförderung

V


Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Elemente im Kommunikationsprozess

22

Abbildung 2: Das Verfahren der Stichprobenziehung

40

Abbildung 3: Bewertungen der Relevanz der verschiedenen Zielgruppen anhand des

Mittelwertes für die verschiedenen Organisationsarten

47

Abbildung 4: Clusteranalyse zur Bereitschaft der Informationsverbreitung im

Internet

51

Abbildung 5: Bereitstellung von Informationen im Internet insgesamt

53

Abbildung 6: Art der im Internet zur Verfügung gestellten Daten nach

Organisationstyp (Mittelwerte)

54

Abbildung 7: Internetangebot ,Jahresberichte` der verschiedene n Organisationen

55

Abbildung 8: Internetangebot ,Projektberichte` der verschiedenen Organisationen

58

Abbildung 9: Internetangebot ,Sonstige Studien zu entwicklungspolitischen

Themen` der verschiedenen Organisationen

59

Abbildung 10: Bereitschaft, der Organisationen Informationen im Internet zur

Verfügung zu stellen

61

Abbildung 11: Netzwerkzentraliserungsmaße des Sender-Empfänger-Netzwerks

77

Abbildung 12: Modell des Sender-Empfänger-Netzwerks

78

Abbildung 13: Netzwerkzentraliserungsmaße des Empfänger-Sender-Netzwerks

87

Abbildung 14: Netzwerkzentraliserungsmaße des Kommunikationsnetzwerks

deutscher EZ-Organisationen

98

Abbildung 15: Modell des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-Organisationen

99

Abbildung 16: Internetnutzung verschiedener Organisationstypen

103

VI


Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zuwendungen des Bundes an NROs von 1962 bis 1994 in Mio. DM

13

Tabelle 2: Stichprobe nach Organisationstyp (alphabetisch geordnet)

42

Tabelle 3: Rücklaufquote des Fragebogens

44

Tabelle 4: Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsanteil im Internet

bezüglich ihrer gesamten Informationsmenge

50

Tabelle 5: Kreuztabelle: Organisationsart und deren Angabe über das Senden von

Informationen an andere EZ-Organisationen

62

Tabelle 6: Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger

bezüglich der größten Informationsmenge

64

Tabelle 7: Kommunikationsdichten ,Sender ­ Empfänger` des Kommunikations-

netzwerks deutscher EZ-Organisationen

67

Tabelle 8: Kommunikationsdichten ,Sender ­ Empfänger` des Kommunikations-

netzwerks deutscher EZ-Organisationen (Katholische und evangelische

EZ-Organisationen)

69

Tabelle 9: Zentralitätsmaße der einzelnen Netzwerkakteure des Sender-Empfänger-

Netzwerks

71

Tabelle 10: Kommunikationsdichten ,Empfänger ­ Sender` des Kommunikations-

netzwerks deutscher EZ-Organisationen (Katholische und evangelische

EZ-Organisationen)

79

Tabelle 11: Kommunikationsdichten ,Empfänger ­ Sender` des Kommunikations-

netzwerks deutscher EZ-Organisationen

80

Tabelle 12: Zentralitätsmaße der einzelnen Netzwerkakteure des Empfänger-Sender-

Netzwerks

82

Tabelle 13: Kommunikationsdichten des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-

Organisationen (Katholische und evangelische EZ-Organisationen)

89

Tabelle 14: Kommunikationsdichten des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-

Organisationen

91

Tabelle 15: Zentralitätsmaße der einzelnen Netzwerkakteure des Kommunikations-

netzwerks deutscher EZ-Organisationen

93

Tabelle 16: Kommunikationsdichten des User-Server-Modells

100

Tabelle 17: Besuchte Internetseiten und Nutzung des Internetangebots der

Organisationen

102

Tabelle 18: Kreuztabelle: Organisationen und deren Zuständigkeitsbereich für die

Informationsverbreitung

105

VII


Anhangsverzeichnis

Anhang 1: Anschreiben und Fragebogen

121

Abbildung 1.1: Das Anschreiben

121

Abbildung 1.2: Der Fragebogen

122

Anhang 2: Berechnung von Unterschieden und Ähnlichkeiten zwischen den

Organisationsarten in der Beurteilung der Relevanz der Zielgruppen 127

Tabelle 2.1:

U-Test: Unterschied Staatliche Organisationen ­ Sonstige NROs

127

Abbildung 2.1: Clusteranalyse zur Identifikation von Organisationen mit ähnlichen

Beurteilungen hinsichtlich der Relevanz ihrer Informationen für die

vorgegebenen Zielgruppen

127

Anhang 3: Schaubilder und Tabellen über die Nutzung des Internets zur

Informationsverbreitung

128

Tabelle 3.1:

Kreuztabelle: Bereitstellung von Informationen im Internet durch die

verschiedenen Organisationsarten

128

Abbildung 3.1: Angebot der Informationsart ,,Statistiken und Zahlen" durch die ver-

schiedenen Organisationen im Internet nach Benutzerfreundlichkeit 129

Abbildung. 3.2: Angebot der Informationsart ,,Länderevaluation im Bereich eines

Sektors" durch die verschiedenen Organisationen im Internet nach

Benutzerfreundlichkeit

129

Abbildung 3.3: Angebot der Informationsart ,,Länderevaluation (Zusammenfas-

sung)" durch die verschiedenen Organisationen im Internet nach

Benutzerfreundlichkeit

130

Abbildung 3.4: Angebot der Informationsart ,,Hand- und Fachbücher" im Internet

durch die verschiedenen Organisationen im Internet nach Benutzer-

freundlichkeit

130

Tabelle 3.2:

U-Test: Unterschied von staatlichen Organisationen zu politische

Stiftungen hinsichtlich des Internetangebots von ,,Statistiken und

Zahlen"

131

Tabelle 3.3:

U-Test: Unterschied von staatlichen Organisationen zu sonstige

NROs hinsichtlich des Internetangebots von ,,Jahresbericht"

131

VIII


Tabelle 3.4:

U-Test: Unterschied von staatlichen Organisationen zu sonstige

NROs hinsichtlich des Internetangebots von ,,Statistiken und

Zahlen"

131

Tabelle 3.5:

U-Test: Unterschied von staatlichen zu kirchlichen Organisationen

hinsichtlich des Internetangebots von ,,Länderevaluationen im

Sektorbereich (Zusammenfassung)"

132

Tabelle 3.6:

U-Test: Unterschied von politischen Stiftungen zu kirchlichen

Organisationen hinsichtlich des Internetangebots von ,,Länder-

evaluationen im Sektorbereich (Zusammenfassung)"

132

Tabelle 3.7:

U-Test: Unterschied von sonstigen NROs zu kirchlichen

Organisationen hinsichtlich des Internetangebots von ,,Länder-

evaluationen im Sektorbereich (Zusammenfassung)"

132

Tabelle 3.8:

Varianzanalyse zur Überprüfung des Einflusses der Variablen

Organisationsart auf das Internetangebot der verschiedenen

Informationsarten

133

Anhang 4: Tabellen über das Verhalten der Organisationen beim Senden von

Informationen

134

Tabelle 4.1:

Kreuztabelle: Angaben der Organisationen, wieviel % ihrer Gesamt-

information sie weitergeben

134

Tabelle 4.2:

U-Test: Unterschied politische Stiftungen - staatliche Organisationen

hinsichtlich ihrer Angaben über den Anteil der Gesamtinformation,

den sie weitergeben

134

Tabelle 4.3:

U-Test: Unterschied staatliche Organisationen ­ kirchliche Organisa-

tionen hinsichtlich ihrem Antwortverhalten, welche Organisationen

die meisten Informationen erhalten

134

Tabelle 4.4:

Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger

bezüglich der zweitgrößten Informationsmenge

135

Tabelle 4.5:

Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger

bezüglich der drittgrößten Informationsmenge

135

Tabelle 4.6:

Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger

bezüglich der viertgrößten Informationsmenge

135

Tabelle 4.7:

Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger

bezüglich der fünftgrößten Informationsmenge

136

Tabelle 4.8:

Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger

bezüglich der sechstgrößten Informationsmenge

136

IX


Anhang 5: Schaubilder und Tabellen über das Sender-Empfänger-Netzwerk

der deutschen EZ-Organisationen

137

Abbildung 5.1 Komponenten des Sender-Empfänger-Netzwerks (Komponenten mit

einem oder mehr Mitgliedern)

137

Tabelle 5.1:

Prestigemaße des Sender-Empfänger-Netzwerks

137

Abbildung 5.2: Cutpoinpositionen im Sender-Empfänger-Netzwerk

139

Abbildung 5.3: 2-Clans des Sender-Empfänger-Netzwerks

140

Abbildung 5.4: k-Plexe des Sender-Empfänger-Netzwerks

141

Abbildung 5.5: k-Core des Sender-Empfänger-Netzwerks

142

Abbildung 5.6: Strukturell äquivalente Positionen des Sender-Empfänger-Netzwerks

nach der CONCOR-Methode

143

Abbildung 5.7: Strukturell äquivalente Positionen des Sender-Empfänger-Netzwerks

nach der Burt-Methode

144

Anhang 6: Schaubilder und Tabellen über das Empfänger-Sender-Netzwerk

der deutschen EZ-Organisationen

145

Abbildung 6.1: Komponentenanalyse des Empfänger-Sender-Netzwerks (Kompo-

nenten mit einem oder mehr Mitgliedern)

145

Tabelle 6.1:

Prestigemaße des Empfänger-Sender-Netzwerks

145

Abbildung 6.2: Cutpoinakteure im Empfänger-Sender-Netzwerk

147

Abbildung 6.3: k-Plexe des Empfänger-Sender-Netzwerks

148

Abbildung 6.4: k-core des Empfänger-Sender-Netzwerks

149

Abbildung 6.5: Strukturell äquivalente Positionen des Empfänger-Sender-Netzwerks

nach der CONCOR-Methode

150

Abbildung 6.6: Strukturell äquivalente Positionen des Empfänger-Sender-Netzwerks

nach der Burt- Methode

151

Anhang 7: Schaubilder und Tabellen über das Kommunikationsnetzwerk der

deutschen EZ-Organisationen

152

Abbildung 7.1: Komponentenanalyse des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-

Organisationen (Komponenten mit einem oder mehr Mitgliedern)

152

Tabelle 7.1:

Prestigemaße der einzelnen Netzwerkakteure des Kommunikations-

netzwerks deutscher EZ-Organisationen

152

Abbildung 7.2: Cutpoinakteure im Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organi-

sationen

154

X


Abbildung 7.3: k-plexe des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-Organi-

sationen

155

Abbildung 7.4: k-cores des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-Organi-

sationen

156

Abbildung 7.5: Strukturell äquivalente Positionen des Kommunikationsnetzwerks

deutscher EZ-Organisationen nach der CONCOR-Methode

157

Abbildung 7.6: Strukturell äquivalente Positionen des Kommunikationsnetzwerks

deutscher EZ-Organisationen nach der Burt-Methode

158

Anhang 8: Schaubilder über die Nutzung des Internets zur

Informationsgewinnung durch die Organisationen

159

Abbildung 8.1: Einzelkomponentenanalyse des User-Server-Modells (Komponenten

mit einem oder mehr Mitgliedern)

159

Abbildung 8.2: Cutpointakteure des User-Server-Modells

160

Anhang 9: Tabelle zum Institutionalisierungsgrad der Organisationen bezüglich

der Generierung und Verbreitung ihrer Informationen

161

Tabelle 9.1:

Kreuztabelle: Angaben der Organisationen über den Besitz einer

eigenen Evaluationsabteilung bzw. eigenem Evaluationspersonal

161

XI


0

Einleitung

,Wir leben in einem Informationszeitalter` ­ diese Aussage gehört wohl zu den wenigen

unumstösslichen Tatsachen der heutigen Zeit. Es besteht sowohl ein riesiges Informations-

angebot, als auch eine dazugehörige Nachfrage, z.B. um in der Wirtschaftswelt

konkurrenzfähig zu bleiben. Dies gilt für Menschen ­ aber auch für Organisationen. Denn

gerade Organisationen sind mithilfe von Informationen im Stande zu

lernen

und sich

weiterzuentwickeln, um dadurch ihre Effizienz zu steigern. Daher sind Organisationen also

ständig bemüht, den eigenen Informationsfluß zu optimieren um hinzu zu lernen, was nicht

nur Organisationen aus dem Bereich der Wirtschaft auszeichnet, sondern auch Non-Profit-

Organisationen. Demzufolge wurde auch im Bereich der Entwicklungs zusammenarbeit

(EZ) erkannt, dass

organisationales Lernen

unumgänglich ist. Zu diesem Zweck werden

heute gerade Eva luationen von der Mehrzahl der Entwicklungshilfe organisationen als

Chance gesehen, Fehler zu entdecken, daraus zu lernen und sich entsprechend dadurch zu

verbessern. Denn Evaluationen besitzen ­ auch im Bereich der Entwicklungs-

zusammenarbeit ­ neben Erkenntnis-, Kontroll-, Dialog,- und Legitimitätsfunktion vor

allem auch eine Lernfunktion, welche natürlich eng mit der Dialogfunktion verbunden ist

(vgl. STOCKMANN, 2000: 5ff). Kennzeichnend für eine Evaluation ist nämlich, dass sie

,,one of the feedback mechanisms capable of stimulating (...) learning" ist (LEEUW u.a.,

2000: 4). So hält auch die Deutsche Gesellschaft für Evaluation e.V. in ihren ,Standards

für Evaluation` fest, dass gerade ,,Lern- und Reflexionsprozesse Zwecksetzungen [sind,]

die Evaluation verfolgen soll." (DeGEval, 2002: 15) Ebenfalls eine im Auftrag des

Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) vom

Hamburger Weltwirtschaftsarchiv (HWWA) durchgeführte Studie zum Thema ,Reform

der Erfolgskontrolle in der deutschen Entwicklungs zusammenarbeit` verzeichnet, dass

,,Evaluation[en] als Quelle individuellen und institutionellen Lernens" (BORRMANN

u.a. 2001: 19) von den EZ-Organisationen verstanden werden. Weiterhin wird vermerkt,

dass ,,durch die bereits realisierten und geplanten Verbesserungen der Erfolgs-

kontrollsysteme [wozu Evaluationen gehören] (...) sich die Voraussetzungen für

evaluierungsbasierte Lernprozesse verbessern" dürften (BORRMANN u.a. 2001: 19). Dies

gilt zumindest für

interne

Lernprozesse, was bedeutet: Organisationen wissen um die

Bedeutung, welche Informationen aus Evaluationen für sie selbst haben. Zudem kennen sie

die daraus resultierende Möglichkeit zu lernen, um ihre eigene Effizienz zu erhöhen.

Darüber hinaus zeigt diese HWWA-Studie auch, dass der

horizontale

Austausch von

Information, d.h. die Transferierung von Information zwischen den Organisationen und

somit das

horizontale Lernen

­ das ,Voneinander Lernen` der Organisationen unter-

einander durch horizontalen Austausch von Informationen ­ noch als defizitär betrachtet

wird (vgl. BORRMANN u.a. 2001: 22f). Zwar konnte durch die Gründung der Deutschen

Gesellschaft für Evaluation e.V. (DeGEval) im Jahre 1997 ein Forum geschaffen werden,

welches Wissenschaft und Praxis zusammenführt und somit eine Plattform für horizontales

1


Lernen bildet, dennoch fehlt es an der ,,Institutionalisierung und Intensität des horizontalen

Austausches" (BORRMANN u.a. 2001: 23). Es kann also festgestellt werden, dass in der

deutschen EZ durchaus die Nachfrage nach größerem Informationsaustausch zum Zweck

des horizontalen organisationalen Lernens besteht als bisher stattfindet. Das bedeutet aber

ebenfalls, dass es bereits kommunikative Wege zwischen den EZ-Organisationen gibt, auf

denen Informationen ausgetauscht werden. Es existiert also eine Art kommunikative

Struktur oder ein

Netzwerk kommunikativer Beziehungen

zwischen den deutschen EZ-

Organisationen, innerhalb dessen Informationen ausgetauscht werden. Dieser Informa-

tionsaustausch wird zur Zeit, wie bereits gesagt, als defizitär ,empfunden`. Jedoch ist es

schwer, Verbesserungen an diesem Informationsaustausch vorzunehmen, ohne dessen

genaue Problematik zu kennen, denn bisher gibt es keinerlei Informa tionen darüber, wie

der Informationsaustausch zwischen den deutschen EZ-Organisatio nen an sich geregelt ist

und wie das Netzwerk des Informationsaustauschs aussieht.

Die vorliegende Arbeit nimmt dieses Defizit zum Anlass, erstmals detailliert die Gestalt

des

Kommunikationsnetzwerkes

der deutschen EZ-Organisationen

deskriptiv

zu erfassen,

d.h. zu beschreiben, wie sich der horizontale Informationsaustausch zwischen den

deutschen EZ-Organisationen gestaltet. Schließlich kann aus der ermittelten Kommunika-

tionsstruktur die Möglichkeiten des horizontalen organisationalen Lernens der deutschen

EZ-Organisationen herausgestellt werden.

Zur Gliederung der Arbeit:

In einem ersten Teil (Kapitel 1) wird der Untersuchungsgegenstand ­ die deutschen Orga-

nisationen der Entwicklungszusammenarbeit ­ beschrieben. In diesem Punkt werden

insbesondere die vier Organisationsarten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit her-

vorgehoben, welche auch später für die Stichprobe der Untersuchung relevant sind: Staat-

liche Organisationen, politische Stiftungen, kirchliche Organisationen und sonstige Nicht-

regierungsorganisationen (NROs). Anschließend wird in einem zweiten Teil (Kapitel 2)

das theoretische Konstrukt der Arbeit vorgestellt: Aus der Organisationssoziologie heraus

wird ein Weg aufgezeigt, die Vielzahl der unterschiedlichen Organisationen als

ein

Gebilde zusammenzufassen, und jede einzelne Organisation als ein Element dieses

Gesamtkomplexes darzustellen (Kapitel 2.1). Hierbei sind aber nicht die Elemente selbst,

sondern ihre Beziehungen ­ oder genauer ihr horizontaler Informations austausch, ihre

Kommunikation ­ untereinander von Interesse. Schließlich stellt diese Kommunikation die

Grundlage für gegenseitiges organisationales Lernen dar und wird somit zum zentralen

Thema dieser Arbeit. Im folgenden Abschnitt (Kapitel 2.2) wird der Begriff des

horizontalen organisationalen Lernens

näher erläutert. Dies erfolgt nur, wenn das Wissen

der einzelnen Organisationen zwischen den Orga nisationen ausgetauscht wird, so dass sich

jede Organisation das Wissen der anderen Organisation aneignen kann und dadurch im

2


Stande ist, zu lernen. Hierfür wird anschließend (Kapitel 2.3) der Begriff der

Kommunikation näher beleuchtet. Erstens wird die Funktionsweise von Kommunikation

an sich aufgezeigt, damit der Prozess, welcher bei der Kommunikation abläuft,

verständlich wird. Zweitens sind die Besonderheiten der Kommunikation von

Organisationen untereinander von Interesse, um deren charakteristische Abläufe in Ab-

grenzung zum allgemeinen Kommunikationsprozess hervorzuheben. Drittens werden die

verschiedenen erdenklichen Entwicklungsstufen der Kommunikation, in denen der Infor-

mationsaustausch zwischen den Organisationen stattfindet, vorgestellt, da diese Aufschluss

über den möglichen Institutionalisierungsgrad von horizontalem Informationsaustausch

geben. Nachfolgend (Kapitel 2.4) werden mit

Macht und Einfluss

,

Zielübereinstimmung

und

strukturellen Zwängen

im System

Gründe für ein Zustandekommen von Kommu-

nikation zwischen Organisationen geschildert. Abschließend (Kapitel 2.5) wird ausgehend

von der Tatsache, dass es sich um einen noch unerforschten Forschungsbereich handelt,

dem sich diese Arbeit widmet, zum einen aufgezeigt, nach welchen Kriterien das

Kommunikationsnetzwerk der deutschen EZ-Organisationen

deskriptiv

erfasst werden soll.

Die Methode, die dafür genutzt wird, ist die

Netzwerkanalyse

. Zum anderen werden

zusätzlich

hypothetische Annahmen

über die Gestalt des Kommunikations netzwerks

formuliert, welche aus den Theorien der Kommunikationsforschung abgeleitet werden.

Im dritten Teil der Arbeit (Kapitel 3) werden die methodischen Probleme dieser Unter-

suchung umfassend erörtert und dazugehörige Lösungsansätze vorgestellt. Um das

Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen vollständig beschreiben und die

Hypothesen dieser Arbeit prüfen zu können, war es notwendig einen

standardisierten
Fragebogen

mit teilweise offenen Antwortkategorien zu entwickeln, dessen

Operationalisierung als erstes geschildert wird. Um den Fragebogen verschicken zu

können, musste zunächst geklärt werden, welche Organisatione n der Entwicklungs-

zusammenarbeit den Fragebogen erhalten. Da eine Vollerhebung sowie eine probabi-

listische Stichprobe für diese Arbeit nicht angemessen und nicht sinnvoll war, wurde in

einem zweiten Schritt des Methodenteils ein mehrstufiges Auswahlverfahren entwickelt,

dessen Ergebnis eine

disproportional geschichtete Stichprobe

mit 37 EZ-Organisationen

darstellte, welche die Grundgesamtheit angemessen repräsentierten. Nach dem Verfahren

der Stichprobenziehung wird schließlich noch der Verlauf der Unt ersuchung sowie der

Rücklauf des Fragebogens geschildert.

Im empirischen Teil (Kapitel 4) erfolgt dann ausgehend von den Daten aus der eigenen

Erhebung und einer Dokumentenanalyse eine detaillierte

Beschreibung

des Kommunika-

tionsnetzwerks deutscher EZ-Organisationen, sowie eine

Überprüfung

sämtlicher dazu

vorgestellter

Hypothesen

.

Kapitel 5 beinhaltet letzten Endes die Zusammenfassung der empirischen Ergebnisse,

sowie eine daraus resultierende Diskussion und Beurteilung der Resultate. Eine Erörterung

3


der Ergebnisse für eine mögliche weiterführende Untersuchung bilden den Schluss der

Arbeit.

1

Die deutschen Entwicklungshilfeorganisationen

Um einen Einblick in den Untersuchungsgegenstand

deutsche Entwicklungshilfeorganisa-
tionen

zu erhalten, werden diese nun im folgenden kurz skizziert. Dabei werden allerdings

nicht alle Organisationstypen bzw. alle Organisationen innerhalb der verschiedenen

Organisationstypen erläutert, sondern nur diejenigen, welche für die spätere Stichprobe (s.

dazu Kapitel 3.2) rele vant sind. Weiterhin werden die Organisationen nicht detailliert

beschrieben, da das Ziel der Arbeit nicht in der Beschreibung der Funktions weise der

Organisationen, sondern in der Beschreibung der kommunikativen Beziehungen der

Organisationen untereinander liegt. Die hier untersuchten deutschen Entwicklungs-

hilfeorganisationen werden unterteilt in staatliche und nichtstaatliche Orga nisationen

(NROs).

An der Spitze der staatlichen EZ-Organisationen steht das Bundesministerium für

wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Das BMZ führt selbst jedoch

keine Projekte durch - dafür gibt es im staatlichen EZ-Bereich Organisationen, die im

Auftrag des BMZ eigens für die Durchführung dieser Projekte zuständig sind. Die

wichtigsten durchführenden staatlichen EZ-Organisationen sowie das BMZ werden an

dieser Stelle vorgestellt. Auch die nichtstaatlichen Organisationen lassen sich weiter

unterteilen, und zwar in politische Stiftungen, kirchliche EZ-Organisationen und sonstige

NROs. Auch diese drei Organisationstypen werden kurz erläutert, jedoch nicht die

einzelnen Organisationen selbst.

4


1.1 Staatliche EZ-Organisationen

1.1.1 Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

(BMZ)

Die staatlichen Entwicklungshilfeorganisatio nen werden vom Bundesministerium für

wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) angeführt, welches zuständig ist

für Planung und Umsetzung der Entwicklungspolitik der Bundesregierung. Seine

Aufgaben konzentrieren sich auf folgende Bereiche:

· Mitgestaltung globaler Rahmenbedingungen,

· Entwicklung bilateraler und multilateraler Förderstrategien und Unterstützung von

Entwicklungsprogrammen und -projekten der Partnerländer,

· Förderung der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit nichtstaatlicher Organisatio-

nen,

· Erfolgskontrolle und Kontrolle der Mittelverwendung (vgl. BMZ, 2002a).

Das BMZ hat zwei Dienstsitze ­ der erste ist in Bonn, der zweite in Berlin. Etwa 90% der

rund 570 MitarbeiterInnen sind in Bonn tätig. Seit April 2000 wird das Ministerium auf-

grund einer Organisationsreform umgestaltet, die auch Stellenkürzungen beinhaltet. In

Berlin existieren sechs Referate zur Unterstützung der Leitung des BMZ bei der Wahr-

nehmung politischer Aufgaben (Parlament, Kabinett, Presse, politische Bildung, sowie

Arbeitsbereiche, die eine enge Zusammenarbeit mit anderen in Berlin ansässigen

Ministerien erfordern (vgl. BMZ, 2002a).

In Bonn gibt es vier Abteilungen mit dazugehörigen Referaten. In Abteilung 1 (mit elf

Referaten) werden in erster Linie Aufgaben der allgemeinen Verwaltung sowie der ent-

wicklungspolitischen Inlandsarbeit und der Statistik wahrgenommen. Der Abteilungs-

leitung unmittelbar zugeordnet ist die Gruppe ,Qualitätsentwicklung und ­management`.

Darüber hinaus ist diese Abteilung verantwortlich für die Verwaltung der Dienststelle

Berlin einschließlich der am 2. Dienstsitz angesiedelten Fachaufgaben.

Der Zuständigkeitsbereich von Abteilung 2 (15 Referate) liegt in der Entwicklungspolitik

mit Ländern und Regionen. Entwicklungszusammenarbeit wird zunehmend funktional

verstanden, daher ist hier auch die Kooperation mit Staaten Mittel-, Ost- und Südeuropas

angesiedelt. Das Aufgabenspektrum reicht von länderbezogener Grundsatzarbeit, Politik-

dialog und Programmierung der bilateralen Zusammenarbeit über die Koordinierung und

Integration aller entwicklungspolitischen Maßnahmen (,Entwicklungspolitik aus einem

Guss`) bis hin zur Steuerung und Kontrolle der Projekte und Programme der bilateralen

Finanziellen und Technischen Zusammenarbeit.

In Abteilung 3 (acht Referate) ist das Instrumentarium der bilateralen EZ zusammenge-

fasst. Dies umfasst neben der Verantwortung für die Grundsätze der bilateralen Finan-

ziellen und Technischen Zusammenarbeit und den übrigen staatlichen EZ-Maßnahmen

(Aus- und Fortbildung, Entsendung von Entwicklungshe lfern etc.) auch die Unterstützung

5


von nicht-staatlichen Trägern (Kirchen, politische Stiftungen, Nicht regierungsorganisa-

tionen), sowie die Nahrungsmittel-, Not- und Flüchtlingshilfe. Diese Abteilung ist ferner

zuständig für die Koordinierung der EZ im Bereich von Friedenspolitik und Krisen-

prävention sowie für die Sicherstellung von Kohärenz mit der Außen-, Sicherheits- und

Menschenrechtspolitik.

Abteilung 4 (14 Referate in sieben Arbeitsbereichen) ist zum einen zuständig für die mul-

tilaterale Zusammenarbeit, die Entwicklungspolitik der Europäischen Union und die

Geberkoordinierung. Zum anderen obliegt es ihr, Grundsätze und Förderungskonzepte für

wichtige sektorale und übersektorale Bereiche der entwicklungspolitischen Zusammenar-

beit zu erarbeiten (Demokratisierung und Gleichberechtigung; Wirtschaft und Finanz-

systeme; Umwelt und nachhaltige Ressourcennutzung; Armutsbekämpfung und soziale

Entwicklung). Außerdem wirkt sie mit bei der Gestaltung einer komplementären und ko-

härenten Nord/Süd-Politik sowie bei Fragen der globalen Strukturpolitik (vgl. BMZ,

2002a).

Das BMZ führt die konkreten Projekte und Programme der Entwicklungszusammenarbeit

nicht selbst durch. Dies geschieht stets im Auftrag des BMZ durch eigens tändige Organi-

sationen. Die wichtigsten ­ aus Sicht des BMZ - sind hierbei:

· Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW),

· Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH (GTZ),

· Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR),

· Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB),

· Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG),

· Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung (DSE),

· Carl-Duisberg-Gesellschaft (CDG),

· Deutscher Entwicklungsdienst (DED) (vgl. BMZ, 2002a).

Diese Organisationen arbeiten entweder in den Bereichen Finanzielle Zusammenarbeit

(FZ) oder Technische Zusammenarbeit (TZ). Die FZ dient dazu, den Entwicklungsländern

Finanzierungsmittel mit günstigen Bedingungen zur Verfügung zu stellen, um ihre wirt-

schaftlichen und sozialen Entwicklungen zu fördern. Sie ist dem Volumen nach das be-

deutendste Instrument der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit der BRD (vgl.

NOHLEN, 1998: 263). Die TZ will den Entwicklungsländern technische, wir tschaftliche

und organisatorische Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln und die Voraussetzungen ihrer

Anwendungen verbessern (vgl. NOHLEN, 1998: 727).

Für die durchführenden Organisationen erfolgt an dieser Stelle wie bereits erwähnt ledig-

lich eine Kurzcharakteristik.

6


1.1.2 Durchführende staatliche Organisationen

Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gehört zum Bereich der Finanziellen Zusam-

menarbeit. Seit Anfang der 60er Jahre finanziert die KfW im Auftrag der Regierung der

Bundesrepublik Deutschland Investitionen der Entwicklungsländer mit vergünstigten Kre-

diten und Zuschüssen, berät ihre Partner bei Fragen der Projektdurchführung und unter-

stützt wirtschaftspolitische Reformen (vgl. KfW, 2001). Ihre Investitionen finden sich vor

allem im Ausbau der wirtschaftlichen und sozialen Infrastruktur, im Agrarsektor, in der ge-

werblichen Wirtschaft und im Umwelt- und Ressourcenschutz. Darüber hinaus fördert sie

projektbezogene Beratungsleistungen und unterstützt gesamtwirtschaftliche und sektorale

Strukturreforme n (vgl. KfW, 2001; vgl. auch KfW, 2002). Bei ihrer Arbeit orientiert sich

die KfW an den Förderkonzepten des BMZ bzw. am Hauptziel der deutschen

Entwicklungszusammenarbeit, die ,,wirtschaftliche und soziale Lage der Menschen in den

Entwicklungsländern zu verbessern und sie bei der Ent faltung ihrer schöpferischen

Fähigkeiten zu unterstützen. Nicht zuletzt aus diesem Grund achtet die KfW [dabei]auf

eine möglichst hohe Breitenwirkung der Vorhaben" (KfW, 2001; vgl. auch KfW, 2002).

Die FZ-Finanzierungszusagen machen etwa ein Drittel der gesamten deutschen Entwick-

lungshilfe aus (vgl. KfW, 2001). Zur Zeit arbeitet die KfW mit über 100 Ländern in rund

1.700 Entwicklungsvorhaben zusammen. Mehr als 2.600 Projekte wurden bereits abge-

schlossen.

Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ)

Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH wurde 1975

gegründet. Ihr Hauptauftraggeber, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammen-

arbeit und Entwicklung (BMZ), hat ihr in einem Generalvertrag die Durchführung der

Technischen Zusammenarbeit übertragen. Gleichzeitig leistet die GTZ Beiträge zu Ent-

wicklungs- und Reformprozessen auch für andere Bundesressorts, für Regierungen anderer

Länder, für internationale Organisationen und Institutionen, z.B. EU, UN, Weltbank. Die

GTZ ist ein weltweit tätiges Dienstleistungsunternehmen für Entwicklungszusammen-

arbeit. Sie arbeitet als privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen des Bundes für das

entwicklungspolitische Ziel, die Lebensbedingungen der Menschen in den Ländern des

Südens und Ostens nachhaltig zu verbessern und die natürlichen Lebensgrundlagen zu er-

halten. Dabei nimmt die GTZ ihre Aufgaben gemeinnützig wahr, d.h. Überschüsse werden

ausschließlich wieder für eigene Projekte der Ent wicklungszusammenarbeit verwendet.

Die Eschborner Zentrale der GTZ bildet eine wichtige Schnittstelle zwischen der

politischen Steuerung des BMZ und der Durchführung der Projekte in den Partnerländern.

Strategisch wichtige Funktionen erfüllen die Länderbereiche in der länderbezogenen Zu-

sammenarbeit mit dem BMZ sowie der Bereich Planung und Entwicklung in der

fachlichen und sektorbezogenen Beratung und Steuerung (vgl. GTZ, 2002).

7


Technische Zusammenarbeit (TZ) soll das Leistungsvermögen von Menschen und Orga-

nisationen erhöhen. Sie trägt dazu bei, die politischen und institutionellen Bedingungen für

nachhaltige Entwicklung in den Partnerländern zu verbessern. Mit der TZ werden hierfür

Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt. Außerdem werden gemeinsam mit den Partnern

Voraussetzungen für deren Anwendung geschaffen und optimiert. TZ zielt darauf ab, die

Eigeninitiative der Menschen in den Partnerlä ndern zu stärken, damit sie ihre Lebens-

bedingungen aus eigener Kraft verbessern können. Die Bandbreite der vielen Arbeitsfelder,

in denen die GTZ berät, reicht von Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung über

Gesundheit und Grundbildung bis zum Umwelt- und Ressourcenschutz und zur ländlichen

Regionalentwicklung. In den letzten Jahren hat die Re gierungsberatung einen immer

größeren Stellenwert erlangt. Dort, wo akute Not das Überleben gefährdet, führt die GTZ

auch Nothilfe- und Flüchtlingsprogramme durch. Sie konzipiert aber auch solche kurzfr i-

stigen Hilfsmaßnahmen so, dass die Kraft der Menschen zur Selbsthilfe gestärkt wird (vgl.

GTZ, 2002).

Zu den Dienstleistungen der GTZ gehören:

- die Beratung von Organisationen in den Partnerländern bei der Planung, Durchführung

und Bewertung ihrer Projekte und Programme,

- die Auswahl von Fachkräften, ihre Vorbereitung sowie ihre fachliche und personelle Be-

treuung während ihres Einsatzes,

- die Planung und Durchführung projektbezogener Aus- und Fortbildung,

- die technische Planung und der Einkauf von Sachausrüstungen für die Projekte sowie

- die Vergabe und die Abwicklung nichtrückzahlbarer Finanzierungsbeiträge aus Mitteln

der

Technischen Zusammenarbeit

(vgl. GTZ, 2002).

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) wurde 1958 gegründet und

vom BMZ zur Planung und Durchführung von Projekten und Programmen der TZ im

Sektor Geologie und Bergbau direkt beauftragt. Schwerpunkte sind die Bereiche Wasser,

Boden, Umwelt, mineralische Rohstoffe, Energierohstoffe, Bergbau/Altlasten sowie

Georisiken. Zielsetzung ist dabei die Befriedigung von Grundbedürfnissen, die nachhaltige

Wirtschaftsentwicklung, der Schutz der natürlichen Umwelt, Ressourcenmanagement und

Katastrophenschutz sowie eine sektorbezogene Raum- und Regionalplanung. Zuständig

dafür sind fünf verschiedene Referate (vgl. BGR 2002).

Seit ihrer Gründung hat die BGR bis Ende 1998 in 74 Ländern insgesamt etwa 300

Entwicklungshilfeprojekte im Auftrag des BMZ durchgeführt. Das BMZ beauftragte die

BGR in den letzten 10 Jahren mit der Durchführung von Vorhaben mit einem

durchschnittlichen Finanzvolumen (Nettobewilligungen = Projektkosten) von ca. 9 Mio.

Euro bzw. 18 Mio. DM jährlich. Derzeit führt die BGR mehr als 40 TZ-Projekte durch, an

8


denen über 30 Partnerländer beteiligt sind. Dabei sind in nur 25% der Projekte Langzeit-

fachkräfte mit Einsatzzeiten von mehr als 12 Monaten tätig (vgl. BGR 2002).

Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) ist im Bereich der Technischen

Zusammenarbeit tätig. Auftraggeber der PTB sind dabei das BMZ mit im Jahr 2001 35

Projekten, aber auch die Europäische Union, die Weltbank und andere Organisationen. Bei

den Projekten geht es darum, den Entwicklungs- und Schwellenländern beim Aufbau eines

funktionsfähigen MNPQ-Systems zu helfen mit dem Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung

zu fördern und den Umwelt-, Gesundheits- und Verbraucherschutz zu stärken, um damit

Voraussetzungen für nachhaltige Entwicklungen zu schaffen (vgl. PTB 2002a). Die

Abkürzung MNPQ steht für Messen, Normen, Prüfen und Qualitätsmanagement, die vier

Säulen des Messwesens. Diese vier Säulen sind laut PTB das solide Fundament, auf dem

ein Industriestaat ­ metrologisch betrachtet ­ ruht. Die meisten Projektpartner der PTB

sind Staaten, die sich bereits auf dem Weg in die Industrialisierung befinden. Die

Physikalisch-Technische Bundesanstalt hat in über 20 Ländern auf der ganzen Welt

Projekte. Eine große Rolle spielen dabei China und die Staaten des ehemaligen Rates für

gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Um die mittel- und osteuropäischen Staaten beim

Aufbau einer funktionierenden Marktwirtschaft zu unterstützen, hilft die PTB beim Aufbau

und der Reorganisation metrologischer Infrastrukturen (vgl. PTB 2002b).

Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG)

Die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) existiert seit fast 40

Jahren und arbeitet für das BMZ im Bereich der Finanziellen Zusammenarbeit. Sie hat sich

spezialisiert auf langfristige Finanzierungen privater unternehmerischer Initiative in

Entwicklungs- und Reformländern, um zu deren nachhaltigem Wachstum beizutragen (vgl.

DEG 2002b). Sie beteiligt sich ausschließlich an Projekten, die entwicklungspolitisch

sinnvoll, umweltverträglich und sozialen Grund sätzen verpflichtet sind (vgl. DEG 2001).

Deshalb investiert sie in rentable, ökologisch und sozial tragfähige Projekte in allen

Wirtschaftssektoren: von der Agrarwirtschaft über Dienstleistungen bis hin zur

verarbeitenden Industrie und Infrastruktur (vgl. DEG, 2002b). In diesem Rahmen will sie

das wirtschaftliche Wachstum und die Lebensbedingungen der Menschen in den

Partnerländern verbessern. Dies erreicht die DEG, indem sie aussichtsreiche

unternehmerische Initiativen unterstützt. Ihre Philosophie ist dabei, dass nur erfolgreiche

und nachhaltig lebensfähige, das heisst rentable private Unternehmen wirtschaftliches

Wachstum generieren können. Diese schaffen Arbeit und Einkommen, tragen durch die

Produktion wettbewerbsfähiger Produkte zur Verbesserung der Devisenbilanz ihrer Länder

bei und erhöhen durch die Verarbeitung lokal verfügbarer Ressourcen die Wertschöpfung

im Lande. Direkt erfüllt die DEG diesen Auftrag, indem sie leistungsfähige private Investi-

9


tionen begleitet ­ indirekt, indem sie die Leistungs fähigkeit der jeweiligen Kapitalmärkte

weiterentwickelt und so besonders kleinere und mittlere lokale Unterne hmen unterstützt.

Um die entwicklungspolitische Effizienz zu erhöhen, mobilisiert sie außerdem weitere

Partner für Projekte und zusätzliches Kapital für Investitionen. So trägt sie auch ­ laut

eigener Aussage - mit geringem Kapitaleinsatz zu maximalen Wachstumseffekten bei (vgl.

DEG, 2002a).

Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung (DSE)

Seit ihrer Gründung im Jahr 1959 leistet die Deutsche Stiftung für internationale

Entwicklung (DSE) ihren Beitrag zur Entwicklungszusammenarbeit im Rahmen der

Grundlinien der Entwicklungspolitik der Bundesregierung. Träger sind sowohl Bund als

auch Länder, was in ihrer dezentralen Struktur zum Ausdruck kommt. Sitz der Stiftung ist

Bonn. Weitere Standorte sind Berlin, Bad Honnef, Feldafing, Magdeburg, Mannheim und

Zschortau. Zuwendungsgeber ist das BMZ. Einige der DSE-Programme werden jedoch

von anderer Seite finanziert (z.B. von anderen Bundesressorts, Bundesländern, der

Europäischen Union) (vgl. DSE, 2002).

Die DSE ist eine Institution des entwicklungspolitischen Dialogs und der Aus- und Fort-

bildung für Fach- und Führungskräfte sowohl aus Entwicklungs- als auch aus Transforma-

tionsländern. Darüber hinaus bereiten sich in der DSE Fachkräfte der deutschen techni-

schen und kulturellen Zusammenarbeit sowie deren Familien auf ihren Aufenthalt in einem

Entwicklungsland vor. Daneben unterhält sie die größte Dokumentations- und Informa-

tionsstelle zu Fragen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Konferenzen,

Tagungen, Seminare und Trainingskurse unterstützen Vorhaben, die der wirtschaftlichen,

sozialen und ökologisch verträglichen Entwicklung dienen. Sie tragen zu einem

wirkungsvollen, nachhaltigen und breitenwirksamen Entwicklungprozess bei. Insgesamt

arbeitet die DSE in den Bereichen ,Erziehung, Wissenschaft und Dokumentation`,

,Wirtschafts- und Sozialentwicklung`, ,öffentliche Verwaltung`, ,gewerbliche Be-

rufsförderung`, ,Ernährung und Landwirtschaft`, ,Gesundheit` sowie ,Jour nalismus`(vgl.

DSE, 2002).

Seit 1960 hat die DSE über 170.000 Entscheidungsträger und Fach- und Führungskräfte

aus mehr als 150 Ländern fortgebildet. Gegenwärtig erreicht die DSE jährlich etwa 9.000

Teilnehmer/innen durch Dialog und Training (vgl. DSE 2002).

Carl-Duisberg-Gesellschaft (CDG)

Im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gestaltet die Carl Duisberg Ge-

sellschaft praxisorientierte internationale Weiterbildungsprogramme für Nachwuchs-

führungskräfte und Multiplikatoren aus Afrika, Asien und Lateinamerika sowie Dialogpro-

gramme mit Entscheidungsträgern aus allen Teilen der Welt. Ihr wichtigster Auftraggeber

ist BMZ. Zudem kooperiert sie mit den Bundesländern, der Europäische n Union, der

10


Weltbank und verschiedenen UN-Organisationen. Die deutsche Wirtschaft leistet wichtige,

überwiegend unentgeltliche Beiträge durch die Bereitstellung von Praktikumsplätzen,

Dozenten und Informationen. Die CDG sieht soziale Verantwortung und internationale

Dialogfähigkeit als wesentliche Qualifikationsmerkmale moderner Führungskräfte in einer

Weltgesellschaft an, die immer tiefgreifender durch Globalisierung geprägt ist. Deshalb

trägt sie mit über 200 entwicklungspolitischen Programmen unter dem Motto ,Training für

eine nachhaltige Entwicklung` zur Qualifizierung von Führungs- und Nach-

wuchsführungskräfte aus Entwicklungsländern dazu bei, sich aktiv an der Gestaltung einer

zukunftsfähigen Welt zu beteiligen. Damit unterstützt sie ökonomisch-ökologisch

nachhaltige Entwicklungs prozesse mit dem Ziel, die internationale Leistungsfähigkeit der

Entwicklungsländer zu steigern und die Lebensbedingungen breiter Bevölkerungsgruppen

zu verbessern (vgl. CDG, 2002b).

Das umfangreiche Trainingsangebot ermöglicht eine Qualifizierung in den Themenfeldern

· Umwelt- und Ressourcenschutz,

· Infrastruktur und Kommunikation,

· Produktion und Technologie,

· Gewerbeförderung und Internationales Marketing,

· Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialstatistik (vgl. CDG, 2002a).

In Kooperation mit dem BMZ konnte die CDG im Jahr 2000 7.647 Teilnehmer in ihren

Fortbildungsangeboten zählen, rund 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Dieses Ergebnis

konnte sie trotz eines Rückgangs der Haushaltsmittel durch kürzere Programme und vor

allem durch die Verlagerung vieler Programme ins Ausland erreichen. Diese Teilnehmer-

zahl verteilt sich auf 1.165 Fortbildungsgäste an Langzeitprogrammen in Deutschland, 321

an Fortbildungsprogrammen vor Ort in Entwicklungsländern selbst und 6.161 Teilnehmer

an Seminaren, Konferenzen und Workshops in Deutschland und weltweit. Für diese Arbeit

stand ein Gesamtbudget von 58,5 Mio. DM (47,9 Mio. DM Fördermittel, 6,9 Mio. DM

Mietzuschüsse sowie Finanzierungs beiträge anderer Geldgeber in Höhe von 3,7 Mio. DM)

zur Verfügung (vgl. CDG, 2002b).

2001 wurde eine ,,Grundsatzvereinbarung zwischen den Leitungen von BMZ, CDG und

DSE über eine Fusion von CDG und DSE zum 01.01.2002" (CDG, 2002b) beschlossen.

Deutscher Entwicklungsdienst (DED)

Der Deutsche Entwicklungsdienst (DED) ist der personelle Entwicklungsdienst der BRD.

Seit seiner Gründung 1963 haben sich über 10.000 Entwicklungshelfer dafür eingesetzt,

die Lebensumstände von Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika zu verbessern.

11


Zur Zeit sind rund 1.000 Mitarbeiter in ca. 40 Ländern tätig. Die Aufgaben des DED sind

vor allem:

· Bereitstellung berufserfahrener und sozial engagierter Fachkräfte für Entwicklungslän-

der.

· Unterstützung einheimischer Organisationen und Selbsthilfeinitiativen durch fachliche

Beratung, Finanzierung kleinerer Programme und Förderung von einheimischen Fach-

kräften.

· Vermittlung deutscher Entwicklungshelfer in das Freiwilligenprogramm der Vereinten

Nationen: United Nations Volunteers (UNV).

· Werben für ein besseres Verständnis der Situation der Menschen in Entwicklungslän-

dern innerhalb der deutschen Öffentlichkeit (vgl. DED, 2002a).

Der DED hat keine eigenen Projekte, sondern reagiert auf Anfragen der Partne rorganisa-

tionen in den Gastländern, wo ­ meist in deren Hauptstadt ­ ein Büro unterhalten wird, das

von einem Beauftragten geleitet wird. Der Büroleiter vertritt die Organisation des DED

gegenüber den einheimischen Partnern und steuert das Landesprogramm. Die jeweiligen

Projekte sind nach Sektoren ge ordnet: technisch-handwerkliche Berufsausbildung, Land-

und Forstwirtschaft sowie Ressourcensicherung, Gesundheit, allgemeine Bildung, Bau und

Siedlungswesen, Gemeinwesenentwicklung sowie Kleingewerbe, Management und Ver-

waltung (vgl. DED, 2002a). Regionaler Schwerpunkt ist zur Zeit Afrika, sektoraler

Schwerpunkt ist Land- und Forstwirtschaft und Ressourcensicherung. In den letzten Jahren

hat der DED die Kooperation mit staatlichen Organisationen verringert. Trotzdem sind sie

durch ihre Möglichkeiten, weitreichende entwicklungsfördernde Entscheidungen zu fällen

immer noch ein sehr wichtiger Partner. Die Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen Orga-

nisationen wurde laut DED systematisch ausgebaut. NROs bieten dem DED die ge-

wünschte Nähe zu jenen benachteiligten Menschen, deren Chancen er verbessern will.

Diese Zusammenarbeit wird, dem DED zufolge, erschwert durch unge festigte Organisa-

tionsstrukturen und mangelnde finanzielle und personelle Kapazitäten (vgl. DED, 2002b).

Die wichtigsten Kooperationspartner des DED ­ staatliche wie auch nichtstaatliche

Organisationen ­ sind:

· Brot für die Welt,

· Carl-Duisberg-Gesellschaft,

· Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ),

· Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW),

· Deutsche Stiftung für Internationale Entwicklung (DSE),

· Deutsche Welthungerhilfe,

· Misereor,

· Helvetas (vgl. DED, 2002b).

12


1.2 NROs der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Zu den nichtstaatlichen Entwicklungshilfeorganisationen oder Nichtregierungsorgani-

sationen (NROs)1 gehören Kirchen, politische Stiftungen und sonstige private Träger von

Entwicklungshilfe (vgl. NOHLEN, 1998: 559), wobei den politischen Organisationen eine

gewisse Sonderrolle zugeschrieben wird. Dies äußert sich darin, dass sich alle ,wichtigen`

NROs außer den politischen Stiftungen, also kirchliche und sonstige private Organisa-

tionen in dem Verband Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V.

(VENRO) zusammengeschlossen haben. Dazu gehören rund 100 bundesweit tätige Orga-

nisationen, von denen einige Repräsentanten von NRO-Landesnetzwerken sind. Hierdurch

sind also insgesamt etwa 2000 große, mittlere und kleinere NROs in VENRO vertreten

(vgl. VENRO 2002). Bei ihrer Arbeit werden die nichtstaatlichen Organisationen mit

finanziellen Mitteln des Bundesministeriums unterstützt, die sogenannten ,Bilateralen

öffentlichen Zuschüsse (Nettoauszahlungen) an Nichtregierungsorganisationen aus dem

Einzelplan 23 (BMZ)`. Darin sind die Zuschüsse für die Kirchen als Einzelposten auf-

geführt und die Zuschüsse für andere Organisationen nach Sektoren aufgeteilt, wie z.B.

Förderung gesellschaftspolitischer Bildung, Förderung der Sozialstruktur, Förderung von

Ernährungssicherungsprogrammen (ESP)/Nahrungsmittelhilfe (NMH) und ­ ab 1996 ­

Not und Flüchtlingshilfe (NFH) (vgl. BMZ, 2002b). Eine Aufschlüsselung der Zu-

wendungen für die verschiedenen Organisationstypen existiert nur bis 1994 (vgl. Tab. 1),

d.h.: 1994 betrug der Zuschuß für alle NROs aus dem gesamten Entwicklungshilfehaushalt

des Bundes 10%, wobei die eigenen Leistungen der NROs die öffentlichen Zuschüsse um

etwa das 2½fache übertrafen. Von dieser Summe brachten allein die kirchlichen

Organisationen mehr als zwei Drittel auf (vgl. NOHLEN, 1998: 560).

Tabelle 1: Zuwendungen des Bundes an NROs von 1962 bis 1994 in Mio. DM

1962

1970

1975

1980

1985

1990

1994

1999*

Kirchen

34,3

68,20

110,00

148,00

210,60

273,4

294,00

Pol. Stiftungen

0,13

44,05

92,45

159,80

225,10

304,00

347,60

Andere

8,08

14,68

21,99

43,60

55,86

140,40

Insgesamt**

34,43

120,33

217,13

329,79

479,30

633,26

782,00

805.83

*

Für 1999 lag nur der Betrag der Gesamtzuwendungen vor.

**

Die Zahlen dieser Zeile weisen bis auf das Jahr ,1999` Abweichungen zur Quelle der offiziellen

BMZ-Homepage auf. Dort gibt das BMZ größere Summen an. Die Auswirkungen dieser

Abweichung kann für die anderen Zeilen nicht ermittelt werden.

Quelle: BMZ. In: NOHLEN, 1998: 559 und BMZ, 2002b

Die finanzielle Unterstützung durch das BMZ resultiert aus der Tatsache, dass die

Bundesregierung die NROs als wesentliches Element der bundesdeutschen Entwicklungs-

1 International wird meist der Begriff NGOs (Non Governmental Organizations) benutzt.

13


hilfepolitik ansieht. Gerade nichtstaatliche Träger sind dementsprechend geeignet, gesell-

schaftliche Zielgruppen in den Entwicklungsländern direkt anzusprechen und mit ihnen

zusammenzuarbeiten, wobei sie den Selbsthilfewillen der Bevölkerung besser mobilisieren

und mit gesellschaftlichen Gruppen, welche zu den Unterprivilegierten gehören, zu-

sammenarbeiten können. Weiterhin geht die Bundesregierung wohl davon aus, dass sich

diese Arbeit auf das politische Bewußtsein in der BRD zurückwirken könne (vgl.

NOHLEN, 1998: 560).

Auch das Development Assistance Commitee (DAC) gibt Kriterien für die Arbeit von

NROs vor. Diese sind:

· Unabhängigkeit vom Staat,

· demokratische und transparente Organisationsstruktur,

· breite Basis in der Bevölkerung,

· offene Mitgliedschaft,

· verantwortliches und leistungsfähiges Management,

· klare und konkrete Ziele,

· Bereitschaft zur Zusammenarbeit und zur Mitwirkung an Reformen.

Dabei wird das strategische Ziel für die Arbeit der NROs in der Überwindung der struk-

turellen Ursachen der Armut gesehen (vgl. NOHLEN, 1998: 560).

Grob unterteilen lassen sich NROs in politische Stiftungen, kirchliche Organisationen und

sonstige Stiftungen privater Träger bzw. sonstige NROs. Für Letztere wird hier auf eine

detaillierte Beschreib ung aufgrund der Diversität der einzelnen Organisationen verzichtet.

Politische Stiftungen

Die politischen Stiftungen nehmen innerhalb der durchführenden Organisationen der

deutschen Entwicklungshilfe eine Sonderstellung ein, die sich aus ihrer Organisations-

struktur und ihrem gesellschaftspolitischen Grundauftrag ergibt (vgl. BORRMANN u.a.,

1999: 236). Sie sind strukturell wie personell mit den ent sprechenden, im Bundestag ver-

tretenen politischen Parteien verbunden. Diese sind:

· Friedrich-Ebert-Stiftung (FES),

· Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS),

· Friedrich Naumann Stiftung (FNS),

· Hanns-Seidel-Stiftung (HSS),

· Heinrich-Böll-Stiftung (HBS),

· bis 1995 Stiftungsverband Regenbogen (SVR) (vgl. NOHLEN, 1998: 636).

Daneben prägen ihre gesellschaftspolitischen Aktivitäten im In- wie auch im Ausland,

sowie ihre Rolle als Plattform für die politische Diskussion, ihre Tätigkeiten auch dort, wo

sie im Auftrag des BMZ als Träger von Maßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit

aktiv werden (vgl. BORRMANN u.a., 1999: 236). Obwohl sie von staatlicher Seite

14


beträchtliche Unterstützung erhalten, zählen sie dennoch zu den nichtstaatlichen Organisa-

tionen. Sie erha lten dabei Zuwendungen für

,,Vorhaben der Gesellschafts- und Strukturpolitik, die im Einklang stehen mit den

entwicklungspolitischen Grundlinien der Bundesregierung und darauf ausgerichtet sind, im

Rahmen der durch die Menschenrechtserklärung der VN festgelegten Ziele in den Partnerländern

einen nachhaltigen Beitrag zu leisten zur Festigung demokratischer Strukturen, zur Förderung

einer eigenständigen, ökologisch nachhaltigen und sozial gerechten wirtschaftlichen

Entwicklung und zur Intensivierung der regionalen und internationalen Verständigung und

friedlichen Zusammenarbeit" (BMZ, 1998. In: BORRMANN u.a., 1999: 236).

Es wird also bei den Zuwendungen unterschieden in Maßnahmen der

Sozialstrukturpolitik

und Maßnahmen der

Gesellschaftspolitik

.

Bei den Maßnahmen zur Verbesserung der

Sozialstruktur

in Entwicklungsländern handelt

es sich dabei größtenteils um TZ-Vorhaben, wie sie z.B. auch von der GTZ durchge führt

werden. Diese sind:

· Verbesserung der politischen, rechtlichen und administrativen Rahmenbedingungen für

die wirtschaftliche und soziale Entwicklung breiter Bevölkerungsschichten,

· Unterstützung von Selbsthilfeaktivitäten, vor allem benachteiligter Bevölkerungs-

gruppen,

· Unterstützung von Maßnahmen der Gemeindeentwicklung,

· Aufbau von Einrichtungen zur wirtschaftlichen und sozialen Sicherung von Rand-

gruppen,

· Schaffung von Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten, einschließlich beruflicher Bil-

dung,

· Förderung von Handwerk und Kleinindustrie im formellen und informellen Bereich,

· Bereitstellung von Finanzierungsinstrumenten für benachteiligte Bevölkerungsgruppen

(vgl. BORRMANN u.a., 1999: 237).

Im Gegensatz dazu decken die Maßnahmen der

Gesellschaftspolitik

ein breites Spektrum

von Bildungs-, Beratungs- und sonstigen Unterstützungsprogrammen auf der Makro- und

Mesoebene der politischen und sozialen Entwicklung und auf der Basis einer freiheitlichen

Demokratie und sozialen Gerechtigkeit ab. Diese Programme werden dabei in der Regel

von den politischen Stiftungen selbst und den von ihnen in einigen Entwicklungsländern

ins Leben gerufenen Forschungseinrichtungen und Begegnungsstätten durchgeführt und

unterscheiden sich damit von den projektgebundenen Maßnahmen der Sozialstrukturhilfe

(vgl. BORRMANN u.a., 1999: 237).

Insgesamt gesehen arbeiten die politischen Stiftungen eng mit gesellschaftlichen und poli-

tischen Gruppen, wie z.B. politische Parteien, Gewerkschaften, Genossenschaften, Selbst-

hilfeorganisationen, Jugend- und Frauenverbände etc. in den Entwicklungsländern zu-

sammen. Die Stiftungen selbst betonen grundlegende Übereinstimmungen in den poli-

tischen Zielsetzungen, wobei sie nicht miteinander konkurrieren, aber auch nicht in ge-

meinsamen Projekten kooperieren. Ihr informeller Erfahrungsaustausch beschränkt sich

eher auf das BMZ und ihre Auslandsmitarbeiter an den verschiedenen Einsatzorten. Die

15


Arbeit der politischen Stiftungen wird durch Wahlen und Regierungswechsel nicht

beeinträchtigt, da sie in den Konsensbereich der Parteien in der BRD fällt. Politische

Stiftungen haben bisweilen einen größeren Handlungsspielraum als staatliche Organisa-

tionen, da sie in eigener Verantwortung auch mit gesellschaftlichen Gruppen der

Entwicklungsländer zusammenarbeiten können, die nicht Teil der bestehenden

Herrschaftsstruktur sind. Dennoch bedürfen ihre Projekte der Abstimmung mit dem

Auswärtigen Amt, so dass letztlich doch von einem Primat der Außenpolitik gegenüber der

Entwicklungshilfepolitik der Stiftungen ge sprochen werden kann (vgl. NOHLEN, 1998:

636f.).

Kirchliche Organisationen

Ziele und Grundsätze der kirchlichen Organisationen im Allgemeinen zu formulieren ist

sehr schwierig, da es in der BRD zwei grob zu unterteilende Glaubensrichtungen gibt,

nachdem sich auch die kirchlichen Entwicklungshilfeorganisationen einteilen lassen ­ in

evangelische und katholische Organisationen. Wichtig in diesem Zusammenhang sind die

zentralen Stellen der Entwicklungshilfe der jeweiligen Kirchen, nämlich die evangelische

Zentralstelle für Entwicklungshilfe e. V. (EZE) und die katholische Zentralstelle für

Entwicklungshilfe e. V. (KZE). Die EZE und KZE wurden beide 1962 als Folge der

Vereinbarung der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit zwischen der Römisch-

Katholischen Kirche, der Evangelischen Kirche sowie der Bundesregierung als ,einge-

tragene Vereine` (e. V.) ge gründet (vgl., BORRMANN u.a. 1999: 289). Beide Zentral-

stellen arbeiten eng zusammen, mit dem Ziel, ,,die Not der Menschen in den Entwicklungs-

ländern zu lindern und an der Schaffung gerechter sozialer Ordnungen mitzuwirken"

(BMZ u.a., 1997: 4. In: BORRMANN u.a., 1999: 290). Ebenso arbeiten beide mit dem

BMZ zusammen, wofür man sich auf drei Grundsätze geeinigt hat:

1. Die Zentralstellen treffen die Auswahl der zu fördernden Projekte und sind in ihrer

Programmgestaltung unabhängig.

2. Mit der Gewährung der Bundesmittel sind keine politischen Auflagen verbunden.

3. Projekte mit missionarischem Charakter scheiden aus der Förderung aus (vgl.

NOHLEN, 1998: 426).

Darüber hinaus existieren dennoch Richtlinien, die dem BMZ zwei Kontrollmöglichkeiten

über die kirchlichen Entwicklungshilfe einräumen: erstens prüft es, ob die von den

Zentralstellen geplanten Vorhaben den gemeinsamen vereinbarten entwicklungspolitischen

Zielsetzungen entsprechen; zweitens, ob gegen die Projekte außenpolitische Bedenken be-

stehen. Das BMZ hat zudem noch das Recht, Evaluierungen der geförderten Projekte

durchzuführen. Die Genehmigung von Projektanträge n ist seit 1991 jedoch vereinfacht

worden, was aus dem wachsenden Vertrauen in die kirchlichen Organisationen resultiert

(vgl. NOHLEN, 1998: 426). Demnach treffen die Zentralstellen die Aus wahl der Projekte

überwiegend allein. Das bedeutet, dass bei über 70% aller staatlich geförderten Vorhaben

16


dies im Rahmen sogenannter Globalbewilligungen erfolgt, d.h. es werden Kompetenzen

eingeräumt, selber über einzelne Vorhaben zu entscheiden. Übersteigt die Fördersumme

des BMZ die 5 Mio. DM-Grenze, oder sind die Projekte entwicklungspolitisch besonders

bedeutsam oder schwierig, sind Einzelbewilligungen vorgesehen (vgl. BORRMANN u.a.,

1999: 290).

Evangelische Entwicklungshilfe

Die evangelische Entwicklungszusammenarbeit begann mit der Gründung der Welthunger-

hilfe 1959, die zunächst nur eine einmalige Aktion darstellen sollte, aber sich aufgrund des

großen Erfolges dauerhaft etablierte. 1960 kam der Personaldienst Dienste in Übersee

(DÜ) sowie 1962 die EZE als Organisation der Entwicklungsarbeit hinzu. Zunächst war

das vorrangige Ziel das Beschaffen möglichst großer Geldsummen, um möglichst viele

Projekte unterstützen zu können, welche das Leid in der Welt lindern sollten. Erst 1973

wurde von der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) die Denk schrift ,Der Ent-

wicklungsdienst der Kirche ­ ein Beitrag für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt′ her-

ausgegeben, welche das erste umfassende, noch heute gültige und 1986 von der EKD-

Synode bestätigte Grund lagendokument der EKD zur Entwicklungsarbeit darstellt.

Entwicklungsarbeit ist demnach Folge und zugleich Realisierung des Glaubens. Der

Entwicklungsdienst ist also eine ent scheidende Bewährungsprobe für den Glauben. Er ist

ebenfalls Teil des Gesamtauftrages, den die Kirche in der Nachfolge Jesu Christi vom

Neuen Testament ableitet. Aber auch ökume nische Solidarität ist ein wesentliches

Merkmal des kirchlichen Ent wicklungsdienstes. Die Nord-Süd Beziehungen werden als

internationale Frage verstanden. Der Ent wicklungsdienst der evangelischen Kirche ist ein-

gebunden in die entwicklungspolitische Diskussion der weltweiten Ökumene, wo folgende

Themen besonders wichtig sind:

· Diakonia (Liebesdienst),

· Ökumenische Solidarität im Kampf für Frieden und Gerechtigkeit für die Armen (vgl.

NOHLEN, 1998: 424).

Demgegenüber größeres Gewicht haben die politischen Motive der Entwicklungsarbeit: es

ist das Konzept der gerechten, partizipatorischen Gesellschaft und die ,Bewahrung der

Schöpfung`. Im Zuge des Demokratisierungsprozesses in Entwicklungsländern neu hinzu-

gekommen sind aber auch Wahrung der Menschenrechte und Stärkung der Zivilgesell-

schaft, sowie ­ beeinflusst von der UN ­ die Förderung der Stellung der Frauen in der

Gesellschaft. Gleichermaßen ist die Überzeugung gewachsen, die strukturellen Rahmen-

bedingungen auf nationaler wie internationaler Ebene zu verändern, statt nur Armut

mithilfe der Projektförderung zu beseitigen. Ein letzter, noch zu nennender wesentlicher

Bestandteil der Entwicklungsarbeit evange lischer Kirchen ist der Dialog mit den

Partnerorganisationen und die Respektierung ihrer Autonomie, wozu auch die

Bemühungen gehören, Entsche idungskompetenzen auf die Partner im Sinne des Abbaus

17


der Dominanz des Geldgebers (transfer of power) zu verlangen. Daher sehen sich die

kirchlichen Institutionen als Anwalt der Armen gegenüber multilateralen Institutionen wie

z.B. EU und Weltbank (vgl. NOHLEN, 1998: 424f.).

Katholische Entwicklungshilfe

Die katholische Entwicklungshilfe begann 1958, als die bereits bestehenden Einzel-

initiativen zur Bekämpfung des weltweiten Hungers in einer umfassenden, bischöflich

geleiteten, ,Aktion der deutschen Katholiken gegen Hunger und Krankheit in der Welt`

unter dem Namen ,Misereor` zusammengeführt wurden. In den folgenden Jahren wurden

die Arbeitsge meinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH), der Katholische Akademische

Auslandsdienst (KAAD), sowie die katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe e.V.

(KZE) gegründet. Die Entwicklungsarbeit der katholischen Kirche basiert auf der

katholischen Soziallehre. So wird die soziale Frage als eine weltweite Frage gesehen, die

sich auf die strukturellen Ursachen der Verarmung konzentriert, worin sich Entwicklung

als Humanisierung begreift und nicht nur als Wachstum (vgl. NOHLEN, 1998: 425).

Im Bereich der Fachdiskussion der kirchlichen Entwicklungsorganisationen bilden sich

drei Handlungsbereiche heraus:

1. Die ,Direkte Hilfe`: Vor allem der Einfluss lateinamerikanischer Theologien mit ihrer

Option für die Armen kommt hier zum Ausdruck. Die solidarische Sorge soll aber

keine Fürsorge sondern eine Unterstützung sein, für sich selbst sorgen zu können.

Daraus ergibt sich eine dreigliedrige Struktur der Entwicklungsarbeit: Hilfswerke in

den Industrieländern; (kirchliche und nichtkirchliche) Partnerorganisationen in den

Entwicklungsländern sowie deren Zielgruppen.

2. Strukturveränderungsarbeit: Hauptsächlich sollen hier die Ursachen der Verarmung

beseitigt werden. Dafür bedarf es organisatorischer Selbsthilfe, aber auch politischer

Einflussnahme ­ im eigenen Land, in den Entwicklungsländern sowie bei inter-

nationalen Organisationen.

3. Inlandsarbeit: Wichtige Schwerpunkte sind dabei Information über die Situation in den

Entwicklungsländern und entwicklungspolitische Themen zu bieten, solidarisches

Handeln motivieren und inspirieren, die Interessen der Armen der Entwicklungsländer

anwaltschaftlich vertreten, ökologisch-politische Veränderungen im eigenen Land zu-

gunsten dieser Armen in den Entwicklungslä ndern diskutieren, etc. (vgl. NOHLEN,

1998: 425f.).

18


2

Theoretischer Bezugsrahmen

2.1 Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit als System von

Organisationen

,,Organisationen sind hochkomplexe soziale Gebilde. Es ist unmöglich, alle ihre Eigen-

schaften und alle Beziehungen zwischen ihren Elementen in einer Theorie zu erfassen"

(KIESER, 1993: 1). Trotz Aussagen dieser Art sind in der Fachliteratur durchaus allgemein

gültige Merkmale von Organisationen zu finden. Organisationen zeichnen sich demnach

dadurch aus, dass in ihnen eine ,,Mehrzahl von Menschen zu einem spezifischen Zweck

bewußt zusammenwirken" (BERNSDORF, 1975: 588). Sie weisen des weiteren ge plante

als auch ungeplante Prozesse und Strukturmerkmale auf (vgl. BERNSDORF, 1975: 588).

Diese sehr einfache ­ manche würden auch ,,ungenaue Definition" sagen ­ ist für die

vorliegende Arbeit durchaus zweckmäßig, da nicht die

einzelnen Organisationen

an sich

untersucht werden sollen, sondern ihre soziale Beziehung untereinander (vgl. WEBER,

1972: 13). Es kommt hier also nicht darauf an zu bestimmen, welche Entscheidungs-

struktur z.B. in Organisation X zu finden ist, sondern ob und wie Organisation X mit

Organisation Y interagiert.

Dazu werden in der Arbeit alle Organisationen insgesamt, in Anlehnung an HILL u.a.

(1989), als eine Art ,Supersystem` angesehen, innerhalb dessen jede einzelne Organisation

ein Element darstellt (HILL u.a., 1989: 21). Im Unterschied zu HILL u.a., welche den

Begriff ,Supersystem` auf

eine

einzelne Organisation anwenden, in der z.B. Individuen die

Elemente darstellen, aus denen sich das ,Supersystem` zusammensetzt, wird hier der

Begriff verwandt, um das Objekt der Untersuchung, d.h.

alle

deutschen Organisationen der

Entwicklungszusammenarbeit, zu erfassen. ,,Unter einem

System

kann ganz allgemein eine

(...) Gesamtheit von Elementen mit Beziehungen zwischen diesen Elementen verstanden

werden" (HILL u.a., 1989: 21). Das bedeutet für diese Untersuchung, dass die einzelnen

Organisationen also die Elemente im Gesamtsystem aller Organisationen darstellen.

Darüber hinaus werden auch nicht die einzelnen Elemente genauer untersucht, sondern die

Interaktion, die zwischen ihnen besteht. Somit ist die Verwendung des Begriffs

,Supersystem` für alle deutschen EZ-Organisationen durchaus hilfreich. Auch HILL u.a.

sind der Ansicht, dass die Beziehungen zwischen den Elementen im Fokus der Betrachtung

stehen und nicht die Elemente selbst, denn das Ganze kann nicht erfasst werden, indem

einfach die Kenntnisse über die einzelnen Elemente aufsummiert werden (vgl. HILL u.a.,

1989: 21). Auch in der Gestaltpsychologie stellten VON EHRENFELS und

WERTHEIMER fest, dass das komplexe Ganze Eigenschaften besitzt, die allein aus der

Kenntnis der Elemente heraus nicht zu erwarten sind (vgl. RECHTIEN, 1984: 89 und

METZGER, 1986: 102). Oder anders ausgedrückt: ,Das Ganze ist mehr als die Summe

seiner Teile`.

19


Das Supersys tem ,deutsche EZ-Organisationen` stellt also eine soziale Struktur dar,

welche hier unter dem Gesichtspunkt des Kommunikationsaspektes untersucht wird. Es

gibt

nicht die

eine

soziale Struktur ­ es lassen sich vielmehr nur bestimmte Aspekte der

sozialen Struktur erfassen, was in diesem Fall der Kommunikationsaspekt ist (vgl.

MELBECK, 1987: 12). LUHMANN (1988) sieht Kommunikation sogar als die

grundlegende Bedingung für soziale Systeme. ,,Der elementare, Soziales als besondere

Realität konstituierende Prozeß ist ein Kommunikationsprozeß" (LUHMANN, 1988: 193).

Zu beachten ist hier allerdings, dass nicht ihre kommunikativen Beziehungen, sondern ihre

Eigenschaft als EZ-Organisation diese Organisationen zu Elementen des ,Supersystems`

werden lässt. Insgesamt wird hier also ein ausschließlich systemzentrierter Ansatz benutzt,

in dem die Organisationen als eigenständige Ak teure mit eigenen Interessen und

kommunikativen Beziehungen untereinander aufgefasst werden (vgl. MELBECK, 1987:

12). Dabei stehen diese kommunikativen Beziehungen im Fokus des Untersuchungs-

interesses.

Wichtige Systemeigenschaften für das Supersystem ,deutsche EZ-Organisationen` sind

Offenheit, Komplexität

und

Dynamik

(vgl. HILL u.a., 1989: 22f.).

Offenheit

bedeutet, dass

ein organisiertes System, auch von äußeren Gegebenheiten beeinflusst werden kann ­ hier

z.B.: die deutschen Entwicklungshilfeorganisationen werden durch die Weltbank beein-

flusst.

Komplexität

ist der Reichtum an Be ziehungen innerhalb des Systems sowie

zwischen dem System und seiner Umwelt, was sich vor allem in der Intensität der

Kommunikationsbeziehungen ausdrückt. ,,Dynamik bezieht sich auf die Änderung des

Systemzustands in der Zeitdimension" (HILL u.a., 1989: 23), d.h. Systeme können sich im

Laufe der Zeit durchaus auch verändern - sie sind keine starren Gebilde.

2.2 Horizontales Lernen durch Kommunikation

Bevor Kommunikation und der damit verbundene Prozess genauer erörtert wird, wird an

dieser Stelle zunächst dem Ergebnis der Kommunikation zwischen den Organisationen ­

dem

horizontalen Lernen

­ nachgegangen. Für diesen Zweck genügt es vorerst, wenn

Kommunikation als Informationsaustausch zwischen einem Sender und einem Empfänger

definiert wird.

Es besteht die grundlegende Annahme, dass Organisationen gerade durch den bewussten

Austausch von Informationen ­ dies beinhaltet sowohl die Weitergabe von eigenem, wie

auch die Annahme von anderem Wissen ­ lernen können. Ausgehend von der Definition

von DUNCAN und WEISS (1979), ist organisationales Lernen die ,,Erweiterung und

Veränderung (growth and change) der organisationellen Wissensbasis" (DUNCAN und

WEISS, 1979: 87). Die organisationelle Wissensbasis ist in diesem Fall das Wissen aller

Einzelorganisationen des ,Supersystems` der deutschen Entwicklungshilfeorganisationen.

20


Ein Merkmal dieser Wissensbasis ist, dass sie über Kommunikation zugänglich sein muss.

Mit anderen Worten: Es gibt eine Wissensbasis der deutschen Entwicklungshilfe-

organisationen, die nur erweitert und verändert werden kann, wenn Zugriff auf diese

Wissensbasis durch Kommunikation zwischen den einzelnen Organisationen besteht.

Organisationen können also nur durch Austausch von Informationen auf kommunikativem

Wege voneinander lernen. Dieses ,voneinander Lernen` der Organisationen wird auch als

horizontales

organisationales Lernen

bezeichnet. Die

Unterscheidung

von

organisationalem

Lernen und

horizontalem organisationalen

Lernen ist wichtig, da es in

den meisten Theorien des Organisationslernens nur um den Informationsaustausch

innerhalb einer Organisation geht. Die Untersuchungsobjekte beim organisationalen

Lernen sind nämlich meist wirtschaftliche Organisationen, die einen Wettbewerbsnachteil

hätten, würden sie all ihr Wissen an andere Organisationen weitergeben. Sicherlich gibt es

auch dort Kooperationen, aber dabei sind Informationen meist Waren, mit denen die Orga-

nisationen handeln. Weiterhin versprechen sich diese Organisationen durch den Handel mit

Informationen Wettbewerbsvorteile. Da es sich hier aber um Non-Profit-Organisationen

handelt, die Informationen nicht aus wirtschaftlichen Gründen zurückhalten müssen, gibt

es nur wenige Gründe für das Zurückhalten von Informationen, wie beispielsweise den

Partnerschutz.

GEIßLER (1994) drückt das Organisationslernen wie folgt aus: Ein ,,noch unverbundenes

Einzelwissen muss ausgetauscht und bearbeitet werden. [...]. Mit Bezug auf eine Gruppe

können wir ihn [den Lernprozeß] als interpersonelle Kommunikation im Sinne eines Aus-

tausches von Wissen und Argumenten und ihrer gemeinsamen Bedeutung ausweisen und

ihn in diesem Sinne als Gruppenlernen bezeichnen" (GEIßLER, 1994: 221). Auch wenn es

verschiedene Interessen zwischen den einzelnen Organisationen gibt, wird die Funktions-

fähigkeit aller Organisationen als Ganzes dadurch bewahrt, dass sie sich durch die Weiter-

gabe organisationsrelevanten Wissens, den ständig verändernden Bedingungen, die z.B.

aus der Offe nheit des Systems resultieren, lernend anpasst. (vgl. GEIßLER, 1994: 221).

Der tatsächliche Lernerfolg kann in dieser Arbeit allerdings nicht gemessen werden. Da

Organisationen aber durch den Austausch von Informationen voneinander lernen können,

liegt es nahe, anzunehmen, in einem gut ausgebauten Kommunikationsnetzwerk ist die

potentielle Lernmöglichkeit

größer, als in einem Netzwerk, in dem nur wenig Kommu-

nikation stattfindet. Sind die kommunikativen Beziehungen also stark vernetzt und gut aus-

geprägt, ist auch der Informationsaustausch sehr hoch. Infolgedessen ist die Möglichkeit

des Voneinander-Lernens und somit der Verbesserung bzw. der Bewahrung der

Funktionsfähigkeit der deutschen Entwicklungshilfe potentiell gegeben ­ so die Annahme.

Demzufolge wird in dieser Arbeit aufgezeigt, ob und wie eine Grundlage für gege nseitiges

organisationales Lernen ­ ein horizontales Lernen der Organisationen ­ besteht, nämlich

ob ein gut ausgebautes Kommunikationsnetzwerk der deutschen EZ-Organisationen

existiert. Somit wird das Aussehen des Netzwerks zur zentralen Fragestellung, um daraus

21


die potentielle Lernmöglichkeit im Netzwerk deutscher EZ-Organisationen ableiten zu

können. Ziel ist es also, die Grundlage des horizontalen organisationalen Lernens ­ das

Kommunikationsnetzwerk der deutschen EZ-Organisationen ­ zu untersuchen.


2.3 Kommunikation als Mittel des Informationsaustauschs zwischen

Organisationen

Der Begriff der Kommunikation

Bevor die Frage, wie Kommunikation zwischen Organisationen funktioniert, beantwortet

werden kann, muss zunächst der Begriff der Kommunikation geklärt werden.

Kommunikation wird meist definiert als Prozess des Austausches von Informationen

zwischen einem Sender und einem oder mehreren Empfängern (vgl. TERLUTTER, 1999:

180). Oder anders ausgedrückt: ,,Wer sagt was, wie, zu wem?" (FISHBEIN und AJZEN,

1975: 451f.. In: NEWMAN und andere, 1987: 199). Auch für LASWELL (1948) gestaltet

sich der Sachve rhalt der Kommunikation ähnlich. Ihmzufolge sollte ein Kommuni-

kationsprozess folgende Frage beantworten. ,, (1) Wer (2) sagt was (3) über welchen Kanal

(4) zu wem (5) mit welcher Auswirkung?" (vgl. LASWELL, 1948: 37-51. In:

TERLUTTER, 1999: 183).

Abbildung 1: Elemente im Kommunikationsprozess

Ver-

Medien

Ent-

Em-

Sender

schlüsse-

schlüsse-

Botschaft

pfänger

lung

lung

Störsignale

Rückmeldung

Wirkung

Quelle: TERLUTTER, 1999: 183

22


Es gibt demnach zwei Hauptbeteiligte in jedem Kommunikationsprozess: den Sender und

den Empfänger. Träger der Kommunikation sind Botschaft und Medien. Die

Teilfunktionen des Kommunikationsprozesses beinhalten Codierung der Botschaft durch

den Sender und Decodierung durch den Empfänger. Des Weiteren beinhaltet der

Kommunikationsprozess noch Störsignale, Rückmeldungen ­ ein sogenanntes Feedback ­

und die Wirkung der Kommunikation2 (vgl. Abb. 1). Neben der Informationsübermittlung

besitzt Kommunikation auch den Nebeneffekt der Entisolierung (vgl. McCALL und

COUSINS, 1990: 3), und zwar dadurch, dass eine Reaktion erwartet wird, und so der

Sender zum Empfänger wird.

LUHMANN (1988) wehrt sich allerdings gegen einen Kommunikationsbegriff, in dem

Kommunikation eine Metapher für Übertragung darstellt (vgl. LUHMANN, 1988: 193).

Für ihn würde Übertragung bedeuten, dass man etwas weggibt, etwas verliert. Da dies aber

nicht geschieht, sieht er Kommunikation nicht bloß als Übertragung an. Für ihn ist sie

vielmehr ein selektives Geschehen, und zwar ausgehend vom Sinnbegriff (vgl.

LUHMANN, 1988: 194).

,,Die Selektion, die in der Kommunikation aktualisiert wird, konstituiert ihren eigenen Horizont;

sie konstituiert das, was sie wählt, schon als Selektion, nämlich als Information. Das, was sie

mitteilt, wird nicht nur ausgewählt, es ist selbst schon Auswahl und wird deshalb mitgeteilt.

Kommunikation muß deshalb nicht als zweistelliger, sondern als dreistelliger Selektionsprozeß

gesehen werden" (LUHMANN, 1988: 194),

in dem es nicht nur um Absenden und Empfangen mit selektiver Aufmerksamkeit geht,

sondern auch um die

Selektivität der Information

. Man muss ein

Verhalten

wählen,

absichtlich oder unabsichtlich, dass die Information

mitteilt

. Weiterhin muss

Information

vom Mitteilungsverhalten unterschieden werden, und zum Dritten gibt es noch eine

Erfolgserwartung, bzw. das

Verstehen

(vgl. LUHMANN, 1988: 194ff.). Die Zusammen-

fassung von Information, Mitteilung und Verstehen muss gewährleistet sein, damit

Kommunikation funktioniert, und zwar in einem Akt der Aufmerksamkeit. ,,Begreift man

Kommunikation als Synthese dreier Selektionen, als Einheit aus Information, Mitteilung

und Verstehen, so ist Kommunikation realisiert, wenn und soweit das Verstehen zustande

kommt" (LUHMANN, 1988: 203). Dies setzt auch bei LUHMANN Codierung voraus.

,,Die Codierung muß als operative Vereinheitlichung von Information und Mitteilung

durch Alter [Empfänger] und Ego [Sender] gleichsinnig gehandhabt werden"

(LUHMANN, 1988: 197).3 Der wichtigste Unterschied des LUHMANNschen Kommuni-

kationsbegriff zu den meisten anderen liegt darin, dass er den Teil, der übertragen wird ­

nämlich die Information ­ als ebenso bedeutsam ansieht, wie die Teile im Kommuni-

kationsprozess, die die Information mitteilen und empfangen. Daher wird gerade dieser

Kommunikationsbegriff in den Lerntheorien, die den Austausch von Informationen als

2 Auf eine Erläuterung von Codierung bzw. Decodierung, Störsignalen während des Kommunikations-

prozesses sowie von möglichen Wirkungen soll im Folgenden nicht weiter eingegangen werden, da es für

diese Arbeit nicht als relevant erscheint.

3 Auch eine nähere Erläuterung der Codierung bei LUHMANN stellt sich für die vorliegende Arbeit als

nicht relevant dar und wird daher nicht weiter ausgeführt.

23


Grundvoraussetzung für ein Voneinander-Lernen annehmen, besonders entscheidend. So

kann nur voneinander gelernt werden, wenn die Information von den an der Kommuni-

kation Beteiligten als zum Lernen relevant angesehen, und damit für den Kommunikations-

prozess selektiert wird. Aus irrelevanten Informationen kann auch bei verstärktem

Informationsaustausch nicht gelernt werden, d.h. nicht nur der Informationsaustausch an

sich, sondern auch die Qualität der Information und die Erkenntnis, das eine bestimmte

Information für andere relevant ist und daher selektiert wird, ist für den Lernerfolg von

Bedeutung.

Kommunikationsbeziehungen zwischen Organisationen

Bei der Kommunikation müssen Sender und Empfänger nicht unbedingt natürliche Per-

sonen sein. Sie können, wie in dieser Untersuchung, auch Organisationen darstellen. Da

die Kommunikation zwischen Organisationen jedoch gewissen Besonderheiten im Gegen-

satz zur Kommunikation zwischen Individuen unterliegt, werden diese im Folgenden

thematisiert.

Zum gezielten Informationsaustausch mit anderen Organisationen wird eine Kommunika-

tionsstelle innerhalb jeder Organisation benötigt, die speziell im Bereich des Austauschs

von Informationen mit anderen Organisationen arbeitet. ,,Ausgerüstet mit Akteuren, die auf

Interaktionen mit anderen Organisationen spezialisiert sind, können sie [die

Organisationen] weitumfassende Informationsnetzwerke aufbauen" (vgl. LAUMANN und

KNOKE, 1987: 208. in: KÖNIG, 1992: 100). Diese

Informationsnetzwerke

dienen in erster

Linie zum Sammeln von Information und zur Koordination von Handlungen. Dabei

werden im Idealfall mehr Daten ge sammelt als überhaupt effektiv verarbeitet werden

können (vgl. KÖNIG, 1992: 99). Die Koordina tion von Handlungen setzt eine gezielte

Kommunikation voraus (vgl. GRANOVETTER, 1985: 481-510. in: KÖNIG, 1992: 100).

Es werden also sehr viele Daten gesammelt ­ mehr als überhaupt benötigt. Mit Hilfe dafür

zuständiger Personen wird dann kommuniziert, um Handlungen zu koordinieren. Dies

geschieht schließlich in einem dafür vorgesehenen Informationsnetzwerk. Darin existieren

zwischen den Organisationen nicht ausschließlich direkte Beziehungen. Manche

Organisationen kommunizieren mit anderen nur durch sogenannte Mittler ­ also indirekt ­,

um ihre Ziele zu erreichen (vgl. McCALL und COUSÌNS, 1990: 179). So sind die Or-

ganisationen zum einen durch direkte, zum anderen durch indirekte Kommunikations-

beziehungen miteinander verknüpft, wobei diese Organisationen, je nach Stellung, einen

mehr oder weniger von anderen Organisationen abhängigen Charakter aufweisen (vgl.

McCALL und COUSÌNS, 1990: 179) (s. auch Kapitel 2.4.1). Ebenso gibt es

Organisationen, die, obwohl sie Teil eines Informationsnetzwerks sind, weder direkt noch

indirekt mit anderen Organisationen kommunizieren. Sie sind

unverbundene

Bestandteile

des Netzwerks (vgl. JANSEN, 1999: 88f.). Dies resultiert aus der Tatsache, dass alle

24


Organisationen, selbst wenn sie nicht miteinander kommunizieren, Teil eines Systems sind

(s. dazu auch Kapitel 2.1).

Da der Informationsaustausch zwischen Organisationen durch gewisse interne Abteilungen

geregelt ist, wird das am häufigsten genutzte Mittel zum Informationstransport wohl der

Austausch von Schriftstücken sein. Medien dafür können sein: Brief, Fax und e-mail.

Wege der persönlichen Kommunikation zwischen Mitarbeitern dieser Abteilungen

bestehen in der Nutzung des Telefons oder dem persönlichen Austausch auf Meetings wie

Kongressen, Seminaren, Arbeitsgruppen etc..

Entwicklungsstufen der Kommunikation zwischen Organisationen

Ein weiteres Prinzip, welches für Kommunikation zwischen Organisationen im Allge-

meinen Gültigkeit besitzt, ist, dass die kommunikativen Beziehungen der Organisationen

unterschiedlich stark ausgeprägt sind. McCALL und COUSINS unterscheiden fünf Stufen

der Kommunikation zwischen Organisationen. Diese sind hierarchisch aufgebaut und

Organisationen können zwischen den verschiedenen Kommunikationsstufen wechseln

(vgl. McCALL und COUSINS, 1990: 186ff.)4. Basis der Unterteilung ist der Grad der

Institutionalisierung des Kommunikatons apparates, sowie die zeitliche Dauer der

bestehenden kommunikativen Beziehung.

1.

Die ,Pre-relationship` Stufe

: Sie ist gekennzeichnet durch das Bemühen, Kontakt mit

anderen Organisationen herzustellen. Es herrscht noch soziale, kulturelle, techno-

logische und geographische Distanz zwischen den Organisationen.

2.

Die ,frühe Stufe`

: Hier werden erste Kommunikationswege aufgebaut, wobei die

Unerfahrenheit und die Unsicherheit im Umgang mit den anderen Organisationen sehr

hoch ist. Die Distanzen zwischen den einzelnen Organisationen sind daher auch noch

sehr groß. Es wird hierbei zwischen tatsächlichen und wahrgenommenen Ver-

pflichtungen unterschieden. Die tatsächlichen Verpflichtungen, sowie die wahrge-

nommenen gegenüber den anderen Organisatio nen sind in dieser Stufe noch gering.

Für Bearbeitungen, die der Entwicklung von Kommunikation dienen, werden keine

Kosten gescheut.

3.

Die ,entwickelte Stufe`

: Die Kommunikationswege sind z.B. durch ausgebaute Netze,

Verträge o.ä. bereits verankert. Die Erfahrung im Umgang miteinander verfestigt sich

zusehens, wohingegen Uns icherheit und Distanz allmählich nachlassen. Die tatsäch-

lichen Verpflichtungen gegenüber den anderen Organisationen steigen; die wahrge-

nommenen werden informell bearbeitet. Weitere Merkmale dieser Stufe sind

aufkommende formale und informelle Bearbeitung sowie Kosteneinsparung.

4 McCALL und COUSINS beschreiben eigentlich wirtschaftliche Betriebe, wie so oft in der Organisations-

lehre. Werden jedoch die ökonomischen Eigenschaften der beschriebenen Organisationen vernachlässigt und

eine eher allgemeine Betrachtungsweise benutzt, stellt sich die hier vorliegende Klassifizierung heraus.

25


4.

Die ,Langzeitstufe`

: Nach mehreren Kooperationen sind Kommunikationswege

etabliert. Es besteht schon große Erfahrung der Organisationen im Umgang

miteinander. Uns icherheiten sind durch bereits bestehende, aber noch minimale

Institutionalisierung reduziert. Die Distanz ist bereits sehr gering. Die tatsächlichen

Verpflichtungen an den anderen sind jetzt maximal, wobei die wahrgenommenen

Verpflichtungen sich mehr und mehr verringern. Daneben sind extensive

Bearbeitungen der Fälle und höhere Kosteneinsparung durch immer stärker

aufkommende Institutionalisierung weitere Kennzeichen dieser Stufe.

5.

Die ,finale Stufe`

: Auf dieser Stufe bestehen lang etablierte Beziehungen zwischen den

Organisationen sowie extensive Institutionalisierung.

2.4 Theoretische Erklärungsmodelle für kommunikative Beziehungen

Bisher wurden die allgemeinen Merkmale kommunikativer Beziehungen zwischen Organi-

sationen innerhalb eines Netzwerks dargestellt. Im Folgenden werden nun mögliche

Gründe für das Zustandekommen von Kommunikation zwischen Organisationen erläutert

werden. Diese sind: Macht und Einfluss, gemeinsame Interessen der Organisationen sowie

strukturelle Zwänge im System deutscher EZ-Organisationen.

2.4.1 Kommunikationsbeziehungen als Ausdruck von Macht und Einfluss

Im interindividuellen, verhaltenstheoretischen Ansatz von HOMANS zu Autorität und

Einfluss innerhalb von Gruppen, haben manche Personen mehr Einfluss als andere (vgl.

HALLER, 1999: 172ff.). Wird dieses Modell auf das ,Supersystem` deutscher EZ-

Organisationen übertragen, so sind innerhalb dieses Systems einige Organisationen zu

finden, die mehr Einfluss als die anderen besitzen. Die Fähigkeit andere zu beeinflussen,

wird dann Autorität genannt. Die Beeinflussung an sich beruht auf der Fähigkeit weniger

Gruppenmitglieder, mehrere andere belohnen oder bestrafen zu können (vgl. HALLER,

1999: 174). Diese Definition von Autorität (vgl. HALLER, 1999: 173) steht nicht im

Widerspruch zu Max WEBERS Definition von Macht, in der es heisst: ,,Macht bedeutet

jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen

Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht." (WEBER, 1972: 28)

Macht ergibt sich also durch den Einfluss, und Einfluss ergibt sich aus der Fähigkeit zu

belohnen. Be lohnungen können laut HALLER materieller Natur sein, auf Anerkennung

beruhen, sowie in einem Nichtausführen von Bestrafung, welche potentiell möglich wäre,

bestehen (vgl. HALLER, 1999: 173f.). Belohnungen können aber auch die Weitergabe von

Information und Wissen sein. Die Einflusschancen eines Akteurs liegen also, wie auch bei

WEBER, auf den Ressourcen des Akteurs, wobei diese Ressourcen durchaus auch

26


Informationen sein können (vgl. COLEMAN, 1991: 41). Durch den WEBERschen Ansatz

,,innerhalb einer sozialen Be ziehung" wird die Veränderbarkeit, die Dynamik von

Machtbeziehungen mit eingeschlossen (vgl. MELBECK, 1987: 8f. in: KÖNIG, 1992: 119).

Machtbeziehungen zwischen den Organisationen beruhen also auf Ressourcen und sind

veränderbar. Die Veränderbarkeit ist eine Chance, wenn die Machtverhältnisse zu Un-

gunsten des Funktionierens des ,Supersystems` liegen.

Sobald nun einige wenige Organisationen die Fähigkeit besitzen, andere zu beeinflussen

und alle Organisationen über Kommunikation miteinander vernetzt sind, äußert sich ihr

Einfluss darin, dass die anderen Akteure kommunikativen Kontakt zu diesen

einflussreichen Akteuren suchen. Dadurch weisen in einem Kommunikationsnetzwerk die

beeinflussenden Akteure eine höhere Vernetzung als andere auf. Aus der höheren

Dichte

der Kommunikation leitet sich schließlich eine sowohl

zentrale

als auch

prestigereiche

Position der Kommunikanten im Netzwerk ab. Diese Position gibt nun ihrerseits wieder

Aufschluss darüber, wieviel Kontrolle bzw. Einfluss eine einzelne Organisation besitzt.

Das bedeutet, dass Macht und Einfluss einer Organisation aus deren Position innerhalb

eines Kommunikationsnetzwerks ermittelt werden kann, da diese Position ein Abbild der

tatsächlichen Machtverhältnisse darstellt (vgl. JANSEN, 1999: 123ff. u. 155ff.).

Organisationen, die sich dagegen dem Kommunikationsnetzwerk entziehen, werden dann

kaum von anderen Organisationen beeinflusst, können aber auch keinen Einfluss auf an-

dere ausüben.

2.4.2 Kommunikationsbeziehungen aufgrund von Zielübereinstimmung

Macht und Einfluss müssen nicht der einzige Grund für Kommunikationsbeziehungen sein.

Ein weiterer, sehr wichtiger Grund für Kommunikation zwischen Organisationen ist die

Zielübereinstimmung (vgl. McCALL und COUSINS, 1990: 101), bzw. die Überein-

stimmung von Einstellungen zu einem Objekt. FISHBEIN und AJZEN beschreiben Ein-

stellung (attitude) folgendermaßen5: Einstellung ist ,,a [...] predisposition to respond in a

consistently favorable or unfavorable manner with respect to a given object" (FISHBEIN

und AJZEN, 1975: 6)6. Das bedeutet, dass Einstellungen immer gegenüber einem be-

stimmten Objekt bestehen, die entweder positiv oder negativ sind. Dabei kann das Objekt,

auf das sich die Einstellung bezieht, vielerlei Gesichter haben ­ es kann eine Person sein,

5 Ihre eigentliche Definition lautet: Einstellung ist ,, a learned predisposition to respond in a consistently

favorable or unfavorable manner with respect to a given object" (FISHBEIN und AJZEN, 1975: 6). Diese

Definition ist hier aber nicht zweckmäßig, da andernfalls noch auf den Aspekt des Erlernens der Einstellung

eingegangen werden müsste. Wie sich die Einstellungen gebildet haben, ist hier aber nicht Fokus der

Untersuchung, sondern es geht um die Beschreibung des Kommunikationsnetzwerks. Daher ist die Bildung

der Einstellung hier nicht relevant.

6 In der Definition von FISHBEIN und AJZEN geht es um individuelle Einstellungen, die sich aber

durchaus auch auf Einstellungen von Organisationen übertragen lässt. Denn auch Organisationen besitzen

ebenso wie Gruppen oder Individuen vorgegebene Ziele und Einstellungen zu gewissen Themen, die sie

beispielsweise in ihre Satzung mit aufnehmen, und nach denen sie handeln..

27


ein Thema, eine politische Wertvorstellung etc.. Manche Organisationen verfolgen nun die

gleichen Ziele, haben gleiche Einstellungen zu einem Thema wie andere Organisationen.

Aus diesem Grund tauschen sie verstärkt Informationen untereinander aus ­ es kommt zu

einem einstellungskongruenten Verhalten (vgl. STROEBE u.a., 1996: 621). Verfolgen

verschiedene Orga nisationen nicht die gleichen Ziele und besitzen daher unterschiedliche

Einstellungen, wird ihr Informations austausch dementsprechend geringer sein. Die

Zielübereinstimmung ist also ein weiterer Grund dafür, warum im Informationsnetzwerk

Verbindungen zwischen Organisationen bestehen bzw. nicht bestehen. Der WEBERsche

Begriff des sozialen Handelns liefert eine Begründung dafür. ,,Soziales Handeln aber soll

ein solches Handeln heißen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten

Sinn nach auf das Verhalten a n d e r e r bezogen wird und daran in seinem Ablauf

orientiert ist." (WEBER, 1972: 1) Kommunikation ist soziales Handeln, und daher auch

auf das Verhalten anderer ­ also auf die gleichen Ziele ­ abgestimmt. Organisationen

kommunizieren also eher mit gleich gesinnten anderen Organisationen. Somit entsteht

durch das gemeinsame soziale Handeln ­ hier die Kommunikation ­ eine soziale Bezieh-

ung (vgl. WEBER, 1972: 13) zwischen den Organisationen. Diese sozialen Beziehungen

drücken sich dann unter anderem im Kommunikationsnetzwerk aus, d.h. Organisationen

mit gleichen Einstellungen werden stärker untereinander vernetzt sein, als Organisationen

mit konträren Einstellungen.

2.4.3 Strukturelle Zwänge als Entscheidungslimiter für die Wahl des Kommunika-

tionspartners

Die beiden oben angegebenen Gründe für Kommunikation ­ Macht und Einfluss, sowie

Zielübereinstimmung ­ können letzten Endes im Kommunikationssystem deutscher Ent-

wicklungshilfeorganisationen zu strukturellen Zwängen führen (vgl. GIDDENS, 1988:

364f). Das bedeutet, dass durch Macht wie auch durch Zielübereinstimmung Zwänge aus-

gelöst werden können, die die Menge der möglichen Handlungsalternativen für einen Ak-

teur auf eine Option oder einen Optionstyp beschränken (vgl. GIDDENS, 1988: 365).

Demnach erachtet ein Akteur es nicht als wertvoll, irgend etwas anderes zu tun, als sich zu

unterwerfen. ,,Die dabei getroffene Wahl ist eine negative, insofern man die Folgen der

Nicht-Unterwerfung zu vermeiden sucht" (GIDDENS, 1988: 265). In dem Kommunika-

tionsmodell, dass hier aufgezeigt werden soll, bedeutet dies, dass nicht nur durch Einfluss

und Macht Kommunikation mit den Einflussreichen und Mächtigen gesucht wird, sondern,

dass die Entscheidung dafür in strukturellen Zwängen des Systems liegt. Das gleiche gilt

für die Zielübereinstimmung. Durch diese beiden Möglichkeiten - entweder im einzelnen

oder in Wechselwirkung miteinander ­ werden die Optionen einer Orga nisation für die

Wahl des Kommunik ationspartners stark eingeschränkt. Man entscheidet sich für den

einen Kommunikationspartner nun aufgrund von Machtge fügen und/oder einer gleichen

Einstellung, aber nicht aus anderen Gründen. Denn andere Gründe für die Wahl eines

28


Kommunikationspartners besitzen im System der deutschen EZ-Organisationen nicht die

gleichen notwendigen argumentativen Stärken für eine Entscheidung aufgrund dieser

Beweggründe und damit auch nicht die gleichen Möglichkeiten zur Ausübung eines

strukturellen Zwangs wie die hier beschriebenen. Dabei darf der struk turelle Zwang nicht

mit dem ,nicht anders handeln können` verwechselt werden. Letzteres markiert die

konzeptuelle Handlungsgrenze (vgl. GIDDENS, 1988: 365). Hier soll jedoch betont

werden, dass, obwohl eine Organisation bestimmt mit allen anderen Organisationen

kommunizieren könnte, im Grunde nur eine oder wenige Optionen für eine Organisation in

der Wahl ihrer Kommunikationspartner vorliegen. Dies wird bestimmt durch die im

System deutscher Entwicklungshilfeorganisationen vorliegenden strukturellen Zwänge.

2.5 Zentrale Fragestellung und hypothetische Annahmen

Da bisher keine vergleichbare oder ähnliche Studie existiert, die das Kommunikations-

netzwerk deutscher EZ-Organisationen als Grundlage des horizontalen Lernens zum Ge-

genstand hat, besitzt die vorliegende Arbeit einen eher explorativen Charakter. Dies

bedeutet, dass die zentrale Frage ,, Wie gestaltet sich das Kommunikationsnetzwerk der

deutschen EZ-Organisationen?" zum größten Teil deskriptiv zu beantworten ist. Trotzdem

können in Anlehnung an die Theorien aus der Kommunikationsforschung wissenschaft-

liche Hypothesen formuliert werden. Sowohl für die Beschreibung des Kommunikations-

netzwerks als auch für die Überprüfung der Hypothesen wurde ein standardisierter Frage-

bogen mit teilweise offenen Antwortkategorien entwickelt, mit dessen Hilfe diese

Leistung, wie in Kapitel 3. 1 dargestellt, erbracht wird.

In einem ersten Schritt wird die

Kommunikationsstruktur

des Supersystems ,deutsche EZ-

Organisationen` in allen Details beschrieben. Über den Informationsaustausch werden

dabei die kommunikativen Beziehungen der einzelnen Akteure dargestellt. Dabei können

die Organisationen auf direktem Wege, über Kommunikationsmittler oder überhaupt nicht

miteinander kommunizieren. Die kommunikativen Wege auf denen die Information

ausgetauscht wird, können sowohl einseitig ­ asymmetrisch ­ oder beidseitig ­ sym-

metrisch ­ sein. Oder anders ausgedrückt: Manche kommunikative Beziehungen bestehen

dadurch, dass einige Organisationen ausschließlich an andere Organisationen Informa-

tionen senden, ohne selbst von diesen Informationen zu bekommen. Ebenso der

umgekehrte Fall ist denkbar. Organisationen empfangen ständig von anderen Organisa-

tionen Informationen ohne je selbst Informationen an diese zu verschicken. Durch ihr

kommunikatives Verhalten können sich die Organisationen z.B. zu verschiedenen Gruppen

anordnen, innerhalb derer die Kommunikationshäufigkeit besonders hoch ist. Aus ihrer

Aktivität des Informationsaustauschs können innerhalb des Kommunikationsnetzwerks

aber unter anderem auch Machtstrukturen aufgedeckt werden. Die Methode, welcher sich

29


dafür bedient wird, ist die Netzwerkanalyse. Damit ist es möglich, die kommunikativen

Strukturen des Supersystems ,deutsche EZ-Organisationen` vollständig zu veranschau-

lichen. Aber nicht nur der ausschließlich bewusste Austausch von Information soll in

dieser Phase beschrieben werden. Informationen werden in der heutigen Zeit auch der

breiten Öffentlichkeit angeboten, ohne dass der Informationsanbieter Einfluss darauf hat,

welche Organisationen seine Informationen nutzen. Dies ist im Internet der Fall. Dort

stellen EZ-Organisationen Informationen zur Verfügung ohne zu wissen, wer ihre

Informationen erhält. Doch da diesem Thema im Fragebogen und in einer

Dokumentenanalyse nachgegangen wurde, ist es hier nun möglich zu beschreiben, ob die

deutschen EZ-Organisationen Informationen im Interne t verbreiten und ob andere EZ-

Organisationen dieses Angebot nutzen. Denn dieses beschriebene Verhalten über die

Nutzung des Internets

zur Verbreitung und Erhalt von Informationen durch die deutschen

EZ-Organisationen stellt ebenso ein kommunikatives Verhalten dar, und ist somit in dieser

Arbeit von Bedeutung. Ebenso wichtig ist es aber auch zu beschreiben, für welche

Zielgruppen, neben den anderen deutschen EZ-Organisationen, die Informationen der EZ-

Organisationen noch relevant sind. Es soll aber nicht nur beschrieben werden, ob die zur

Verfügung stehenden Informationen auch für andere Zielgruppen von Bedeutung sind,

sondern ob diese Informationen ­ aus der Sicht der informationsanbietenden Organisation

­ für die anderen Zielgruppen eventuell sogar relevanter sind als für die anderen deutschen

EZ-Organisationen. Aus der Beschreibung dieser Einschätzung lässt sich schließlich die

Bedeutung des horizontalen Lernens für die EZ-Organisationen ableiten. Denn unter der

Annahme, dass horizontales Lernen zwischen Organisationen auf deren Informations-

austausch beruht, können die Organisationen dennoch nur aus für sie relevanter Informa-

tion lernen (vgl. dazu auch Kapitel 2.2 und 2.3). Sind die vorhandenen Informationen nun

für andere EZ-Organisationen im Vergleich zu anderen Zielgruppen sehr relevant,

verdeutlicht dies eine Bedeutungszumessung des horizontalen Lernens aus Sicht der

informationsanbietenden Organisation. Weiterhin beinhaltet der deskriptive Teil eine

Beschreibung des Institutionalisierungsgrads bezüglich Generierung und Verbreitung von

Evaluationen der EZ-Organisationen, d.h. es soll erstens beschrieben werden, ob die

deutschen EZ-Organisationen Evaluationsabteilungen oder eigenes Evaluationspersonal

besitzen, die für die Organisationen Evaluationen generieren. Zweitens wird erläutert, ob ­

falls vorhanden ­ diese Evaluationsabteilungen bzw. dieses Evaluationspersonal auch für

die Verbreitung ihrer generierten Information verantwortlich sind, und wenn nicht, in

wessen Aufgabenbereich dies ansonsten fällt.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich hier um eine explorative Untersuchung, d.h. um einen

noch neuen, unerforschten Untersuchungsbereich, in dem es möglich ist, ,,neue

Hypothesen zu entwickeln oder theoretische bzw. begriffliche Voraussetzungen zu

schaffen, um erste Hypothesen formulieren zu können." (BORTZ u.a. 1995: 50). Neben

dem deskriptiven Teil über das Aussehen des Kommunikationsnetzwerks stehen zu Be ginn

30


einer solchen Studie ­ wie auch in der vorliegenden Arbeit ­ meistens unspezifischen

Hypothesen, d.h. Hypothesen, die noch keine genaue Angabe über die Größe des

hypothesengemäßen Zusammenhangs, Unterschieds oder der Veränderung zulassen, mit

denen aber dennoch Behauptungen über den Zusammenhang zwischen zwei oder mehreren

Merkmalen, den Unterschied innerhalb einer oder mehrerer Populationen in Bezug auf

bestimmte Merkmale, unterschiedliche Wirkungen durch zwei oder mehrere Treatments

oder die Veränderung eines oder mehrerer Merkmale innerhalb einer Population aufgestellt

werden können (vgl. BORTZ u.a. 1995: 51). Die Hypothesen oder Forschungsannahmen

leiten sich aus dem theoretischen Teil dieser Arbeit ab. Sie beschreiben keine

Kausalbeziehungen, sind aber die zugrunde liegenden Forschungsfragen dieser

Untersuchung, auf welche die Operationalisierung des Fragebogens aufbaut. Sie lauten wie

folgt:

1. Unter der Annahme, dass Machtverhältnisse bzw. Einflussbereiche in einem System

die Gestalt des Kommunikationsnetzwerk bestimmen, kann folgendes festgehalten

werden: Je mächtiger oder einflussreicher eine Organisation innerhalb eines Systems

ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass andere Organisationen

kommunikativen Kontakt zu dieser Organisation suchen bzw. dass die mächtige oder

einflussreiche Organisation kommunikativen Kontakt zu ihnen hat.

Es wird erwartet, dass im System deutscher EZ-Organisationen vor allem zwei

Organisationen bestimmte Macht- bzw. Einflusspositionen besitzen ­ das BMZ und

VENRO. Das BMZ als das übergeordnete Ministerium der staatlichen EZ mit vertrag-

lichen Beziehungen zu ausführenden Organisationen und als Geber von finanziellen

Mitteln ist wohl die einflussreichste Organisation im staatlichen deutschen EZ-Bereich.

VENRO ­ so wird hier angenommen ­ erhält seinen Einfluss im nichtstaatlichen EZ-

Bereich vor allem durch seine Stellung als Dachverband aller NROs. Es wird demnach

die Hypothese (H) aufgestellt, dass BMZ und VENRO mächtige und einflussreiche

Akteure im Supersystem deutsche ,EZ-Organisationen` sind.

H1.1:

BMZ ist ein mächtiger Akteur.

H1.2:

VENRO ist ein mächtiger Akteur.

2. Es besteht die Annahme, dass die gleiche Einstellung zu einem Objekt eine Bedingung

für die Kommunikation zwischen mindestens zwei Organisationen ist, d.h. wenn

zwischen zwei oder mehreren Organisationen eine gleiche Einstellung zu einem Objekt

besteht, ist die Wahrscheinlichkeit der Kommunikation zwischen ihnen groß. Anderer-

seits bedeutet dies auch, dass wenn

unterschiedliche Einstellungen

zum Gegenstand

,Deutsche Entwicklungszusammenarbeit` auftreten, eine Gruppenbildung innerhalb des

Systems der Organisationen der deutschen EZ zu erwarten ist.

31


Es wird hier eine unterschiedliche Einstellung zwischen staatlichen und nichtstaat-

lichen EZ-Organisationen erwartet. Grundlage hierfür ist die Tatsache, dass alle

staatlichen Organisationen die vom BMZ vorgegebenen Grundsätze für die deutsche

Entwicklungshilfe erfüllen müssen und die nichtstaatlichen Organisationen diesem

Reglement nicht so streng unterworfen sind und deshalb auch andere, selbst gesteckte

Ziele verwirklichen können.

H2:

Herausbildung von zwei Gruppen staatliche Organisationen und NROs

aufgrund unterschiedlicher Einstellungen von Regierungsorganisationen

und NROs.

3. Wenn zwischen zwei oder mehreren Organisationen

keine

gleiche Einstellung zu einem

Objekt besteht, ist die Wahrscheinlichkeit der Kommunikation zwischen ihnen gering.

Aufgrund der Tatsache, dass politische Stiftungen

nicht

in gemeinsamen Projekten

kooperieren und der Vielschichtigkeit ihrer politischen Grundeinstellungen wird hier

für die politischen Stiftungen

keine

Kleingruppenbildung erwartet. Weiterhin wird

anstatt einer größeren kommunikativen Nähe zu den NROs, zu denen sie eigentlich

gezählt werden, ein stärkerer Kontakt zu den staatlichen Organisationen für

wahrscheinlich gehalten, da sie oft im Auftrag des BMZ als Träger von Maßnahmen

der Entwicklungszusammenarbeit aktiv werden (vgl. BORRMANN u.a., 1999: 236).

Ferner werden sie von staatlicher Seite auch beträchtlich unterstützt, um ,,Vorhaben der

Gesellschafts- und Struktur politik, die im Einklang stehen mit den ent wicklungspoli-

tischen Grundlinien der Bundesregierung (...)", zu erfüllen. (BMZ, 1998. In:

BORRMANN u.a., 1999: 236).

H3:

Politische Stiftungen bilden aufgrund ihrer unterschiedlichen

Einstellungen

keine

einheitliche Gruppe. Aufgrund gleiche r

Einstellungen mit den staatlichen Organisationen suchen sie deren

kommunikative Nähe.

4. Bei den kirchlichen Entwicklungshilfeorganisationen sind

gleiche

Einstellungen zu

erwarten, was darauf schließen lässt, dass es zu

keiner

Gruppenbildung katholische vs.

evangelische EZ-Organisationen kommt, sondern dass beide Organisationsarten stark

miteinander kommunizieren. Grundlage hierfür ist die Tatsache, dass beide

Zentralstellen der kirchlichen Entwicklungshilfe ­ katholische, wie auch evangelische

­ eng im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel zusammenarbeiten, nämlich ,,die Not der

Menschen in den Entwicklungsländern zu lindern und an der Schaffung gerechter

32


sozialer Ordnungen mitzuwirken" (BMZ u.a., 1997: 4. In: BORRMANN u.a., 1999:

290).

H4:

Keine Gruppenbildung katholischer und evangelischer EZ-

Organisationen aufgrund gleicher Einstellungen der kirchlichen

Organisationen.

3

Methodisches Verfahren

Nachdem nun geklärt wurde, welchen Nutzen der kommunikative Austausch von Infor-

mation zwischen den deutschen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit für diese

Organisationen selbst hat, welche Hauptgründe für die Wahl des Kommunikationspartners

bestehen und wie die einzelnen und gesamten Kommunikationsbeziehungen des Netz-

werks theoretisch aussehen können, wird im Folgenden nun die Untersuchungsplanung be-

schrieben ­ im Hinblick darauf, dass es sich hierbei um eine explorative und deskriptive

Forschungsarbeit handelt. Dies beinhaltet die Beschreibung der Operationalisierung des

Fragebogens, der untersuchten Stichprobe sowie des Untersuchungsverlaufs.

3.1 Die Operationalisierung der zentralen Fragestellungen

Um den zu beschreibenden Teil der explorativen Studie erfassen und die angenommen

Hypothesen über die mögliche Gestalt des Kommunikationsnetzwerks prüfe n zu können,

wurde ein standardisierter Fragebogen mit teilweise offenen Antwortkategorien entwickelt

(vgl. Abb.1.2 in Anhang 1). Hierfür wurden folgende Begriffe für die Untersuchung

operationalisiert.

3.1.1 Information bzw. Informationsaustausch

Neben der hier untersuchten formellen Ebene werden Informationen sowohl auf infor-

meller als auch auf persönlicher Ebene z.B. auf Tagungen, Workshops und Seminaren

ausgetauscht. Letzteres führt aber eher zu persönlichem als zu organisationalem Lernen.

Daher liegt das Interesse dieser Untersuchung auf der formellen Ebene des Informations-

austauschs zwischen den EZ-Organisationen. Um den Begriff der Information in einem

standardisierten Fragebogen verwenden zu können, wurde bei der Operationalisierung

berücksichtigt, wie Information weitergegeben werden kann, d.h. mit welchem Medium sie

übertragen wird. Die schriftliche Form von Information ist dabei die sinnvollste Lösung, da

33


schriftliche Informationen zählbar und greifbar und damit auch eine überprüfbare Größe

sind. Da es viele Arten der schriftlichen Information von Werbebroschüren bishin zu

Evaluationen gibt, wurde eine Art der Information ausgewählt, welche eine potentiell

höhere Lernmöglichkeit als andere Informationen gewährleistet. Diese Informa tionen sind

­ so die Annahme ­ ,Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc.` (vgl. Abb. 1.2 in

Anhang 1), also schriftliche Berichte mit inhaltlich stichhaltigen Fakten, da a priori

vorausgesetzt wird, dass ausgehend von diesen Berichtsarten, die Möglichkeit des Lerne ns

für die Organisationen höher ist, als von anderen schriftlichen Informationen, die

ausgetauscht werden können. Die Ergänzung ,etc.` wurde absichtlich in den Ausdruck

,Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc.` eingefügt, um Organisationen, die an der

Untersuchung teilnehmen, aber keine dieser Berichtsarten generieren bzw. besitzen, die

Möglichkeit zur Beantwortung der Frage lässt. Dennoch ist die Richtung der Qualität der

Information durch den Terminus ,Evaluationen, Studien, Untersuchungen` vorgegeben.

3.1.2 Relevanz der horizontalen Lernfunktion

Die erste Frage im Fragebogen dient dazu, herauszufinden, für welche Zielgruppen die

organisationseigenen Informationen (,,Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc."; s.

auch Kapitel 3.1.1) von Bedeutung sind. Dazu wurde die Frage B2 aus einem DAC-

Fragebogen als Vorbild genommen und modifiziert (vgl. DAC, 2001: 96). Neben den vor-

gegebenen Kategorien aus dem DAC-Fragebogen wurde die Kategorie ,,Deutsche EZ-Or-

ganisationen" als weitere Zielgruppe hinzugefügt. Die Zielgruppe ,policy makers and

senior management` (vgl. DAC, 2001: 96) wird weiterhin aufgespalten in zwei verschie-

dene Zielgruppen: ,,Leitung ihrer Organisation" und ,,Politische Institutionen/Entschei-

dungsträger in Deutschland" (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1). Die Zielgruppen, die im DAC-

Fragebogen noch relativ ungeordnet vorliegen, wurden weiterhin geordnet, und zwar von

innerorganisatorischen Zielgruppen bis hin zu ,,Medien und allgemeine Öffent lichkeit"

(vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1). Diese verschiedenen Zielgruppen, für die die Informationen

der Organisationen relevant sein können, repräsentieren dabei das Interesse der

Organisationen, in interne bzw. externe Lernprozesse zu investieren. Oder anders

formuliert: Ist eine Information für eine eher externe Zielgruppe relevant, bedeutet dies ein

Interesse am Austausch von Information mit externen Stellen und somit ein Interesse am

horizontalen Lernen. Dagegen wird eine eigene Information, die hauptsächlich für eine

organisationsinterne Stelle von Bedeutung ist, auch überwiegend intern verbreitet, woraus

ein interner Lernprozess resultiert. Sind die Informationen nun z.B. für andere EZ-

Organisationen relevant, bedeutet dies ein Interesse an externem, horizontalem Lernen der

Organisation. Statt den Begriff ,important` aus dem DAC-Fragebogen beizubehalten,

wurde hier ,relevant` als Bewertungseinheit für die Zielgruppen verwendet (vgl. DAC,

2001: 96 und Abb. 1.2 in Anhang 1). Die Antwortkategorien bezüglich der Wichtigkeit der

34


Zielgruppen reichen von ,sehr grosse Re levanz` bis zu , keine Relevanz` (vgl. Abb. 1.2 in

Anhang 1). Es liegt also eine Antwortskala von 0 bis 3 vor.

3.1.3 Bereitstellung von Informationen via Internet

Um herauszufinden,

ob

die befragte Organisation Informationen im Internet anbietet und

wenn ja, wie groß dieser Anteil im Vergleich zur insgesamt vorhandenen

Informationsmenge der Organisation ist, wurde Frage zwei des Fragebogens entwickelt.

Damit der Anteil der Information im Vergleich zur Gesamtmenge angeben werden kann,

wurde eine offene Antwortkategorie vorgegeben. Falls die befragte Organisation keine

Information im Internet anbot, bestand noch die Möglichkeit anzugeben, ob sie sich zur

Zeit noch in der Vorbereitungsphase befände, Informationen im Internet bereitzustellen,

oder ob sie es ehe r nicht plane ­ aus welchen Gründen auch immer ­ ihre Informationen

via Internet einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1).

Zusätzlich zu Frage zwei des Fragebogens wurde eine

Internetrecherche

durchgeführt,

welche dazu dient, die Angaben der Organisationen, ob sie Informationen im Internet

anbieten noch einem Cross Check zu unterziehen. Die Internetrecherche bewertete das

Vorhandensein

verschiedener Informationsarten und die

Darstellung

dieser Informa-

tionen7.

Die Frage nach Zugriffen auf die Internetinformationen der Organisationshomepage wäre

sicher auch eine interessante Frage gewesen, doch wäre die Beantwortung einer solchen

Frage nur von einer technischen Abteilung innerhalb der Organisation zu leisten, die den

Rest der Fragen nicht hätte beantworten können. Somit würde eine solche Frage nicht mit

dem restlichen Themenkontext des Fragebogens harmonieren, woraus folgt, dass die

verschiedenen Fragen nicht von

einem

zuständigen Ansprechpartner innerhalb der

Organisation hätten beantwortet werden können, was eine praktische Restriktion für den

Rücklauf bedeutet hätte. Außerdem hätte die

Zugriffshäufigkeit

keine

Auskunft über den

Zugriff der EZ-Organisationen

auf die Homepage bieten können. Damit wird die Frage

nicht nur aus praktischen Gründen für diese Arbeit irrelevant.

3.1.4 Weitergabe schriftlicher Informationen

Die dritte Frage überprüft, ob die befragte Organisation Informationen in schriftlicher

Form an andere EZ-Organisationen weitergibt. Wird die Frage bejaht, wird, wie in Frage

zwei, nach einer Einschätzung über den Anteil der weiterge gebenen Informationen in

Bezug zur Gesamtmenge an Information gebeten. Weiterhin wird nach den sechs Organi-

sationen der Entwicklungszusammenarbeit gefragt, die wohl insgesamt die meisten Infor-

7 Diese beiden Variablen ,Existenz einer Informationsart` und ,Darstellung einer Informationsart` besitzen

verschiedene Ausprägungen, die aber erst im Ergebnisteil genannt werden, um die Ergebnisse besser erklären

zu können.

35


mationen der befragten Organisation erhalten. Die beiden Unterfragen zum Anteil der

Information an der Gesamtmenge, wie auch die Frage nach den sechs Organisationen, die

die meiste Information erhalten, sind Schätzfragen mit offenen Kategorien (vgl. Abb. 1.2

in Anhang 1). In dieser Frage soll also insgesamt eine Einschätzung über die Menge

abgegebener Information in Relation zur Gesamtmenge abgegeben werden. Die subjektive

Wahrnehmung, welche der Organisationen die wohl größte Menge an Informatio n

erhalten, soll am Ende mit den Organisationen korrelieren, denen auch am Häufigsten

Informationen zugesandt werden.

In der folgenden Frage wird nach der Häufigkeit der Weitergabe schriftlicher Informa-

tionen an andere EZ-Organisationen gefragt. Anhand der Antworten, welchen

Organisationen Informationen weitergegeben werden, soll das Kommunikationsnetzwerk

deutscher EZ-Organisationen hinsichtlich des

Sendens

von Information beleuchtet werden.

Hierfür werden zunächst die Organisationen der Stichprobe sowie drei offene

Antwortkategorien für die Organisationen, die nicht durch die Stichprobe abgedeckt

werden, als mögliche Antworten vorgegeben. Die befragte Person ist nun angehalten,

anzugeben, ob die eigene Organisation den anderen Organisationen aus der Stichprobe

bzw. den selbst eingetragenen ,sehr oft`, ,oft`, ,selten` oder ,nie` Informationen zusendet.

Falls die befragte Person nicht über die Informa tion verfügt, ob an eine Organisation aus

der Stichprobe ,Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc.` gesandt wurde, sollte sie die

Antwortkategorie ,weiss nicht` verwenden (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1). Die Abstufungen

in der Häufigkeit der zugesandten Information fließt in die Netzwerkanalyse mit ein. Frage

vier kann nur beantwortet werden, sollte die Einga ngsfrage nach der generellen

Bereitschaft, Informationen zu senden in Frage drei mit ,ja` beantwortet sein (vgl. Abb. 1.2

in Anhang 1).

3.1.5 Empfangen schriftlicher Information

Das Empfangen bzw. das ,bestätigte Senden` schriftlicher Information wird durch Frage

fünf abgedeckt. Zunächst wird erfragt, ob die Organisation von anderen EZ-Organisationen

Informationen erhält. Wenn diese Frage mit ,ja` beantwortet wurde, wird anschließend

danach gefragt, von welchen Organisationen der Stichprobe (zusätzlich zu drei offenen

Kategorien) die eigene Organisation mit welcher Häufigkeit (,sehr oft`, ,oft`, ,selten` oder

,nie`) Informa tionen erhält. Sollte die befragte Person nicht über die Information verfügen,

ob an eine Organisation aus der Stichprobe ,Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc.`

gesandt werden, so müsste sie auch hier die Antwortkategorie ,weiss nicht` verwenden.

Die Frage ist also im Grunde vergleichbar mit Frage vier, nur dass nicht das ,

Senden an

`

sondern das ,

Empfangen von

` den Organisationen der Stichprobe überprüft wird (vgl. Abb.

1.2 in Anhang 1).

36


3.1.6 Erhalt von Informationen via Internet

Die Frage sechs des Fragebogens ist dem Aufbau nach der Frage fünf ähnlich, behandelt

aber nicht das Empfangen schriftlicher Information von anderen EZ-Organisationen,

sondern überprüft, ob EZ-Organisationen das Internet nutzen, um Informationen von

Homepages anderer EZ-Organisationen zu beziehen (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1). Ins-

gesamt dient diese Frage zur Ergänzung der Beschreibung des Kommunikationsne tzwerks.

Dadurch kann z.B. überprüft werden, ob die Internetnutzungsbereitschaft vom

Organisationstyp abhängig ist, welche Organisationen besonders oft das Internet als

Datenquelle nutzen, etc.. Ferner können mit den Ergebnissen die Resultate aus den

Angaben der Organisationen aus Frage zwei mittels Cross Check überprüft werden.

3.1.7 Institutionalisierungsgrad der Organisation bezüglich der Generierung und

Verbreitung von Evaluationen

Die letzte Frage des Fragebogens besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil befragt die Orga-

nisation, ob sie eine Evaluationsabteilung bzw. für Evaluationen zuständiges Personal be-

sitzen. Kann die befragte Organisation bei einer der beiden Antwortkategorien die Frage

bejahen, gibt dies Auskunft über den Institutionalisierungsgrad für die Generierung von

Evaluationen. Evaluationen bieten die Möglichkeit, Lernprozesse welcher Art auch immer

in Gang zu setzen und bringen Organisationen dazu, etwas zu lernen (vgl. LEEUW u.a.,

2000: 4). Da gerade Evaluationen solche Lernprozesse auslösen, und Lernprozesse vom

Informationsgehalt abhängig sind, wird angenommen, dass Evaluationen den größten

Informationsgehalt besitzen. Ist für die Generierung dieser Informationsart noch eine

innerorganisatorische Institution ­ im Idealfall eine Evaluationsabteilung ­ in letzter

Instanz zuständig, erhöht man den Informationsgehalt durch die Kontrolle des Evaluations-

prozesses. In der Organisation vorhandene

Evaluationsabteilungen

und für Evaluationen

zuständiges

Personal

sind für die Sicherung der Qualität der Evaluationen besser geeignet,

als Evaluationen durch externes oder sogar fachunkundiges Personal, da so die

Evaluationen vom Entscheidungsträger besser koordiniert und die daraus gewonnenen

Daten auch dort auf direktem Wege zusammenlaufen können. Und ohne Zweifel sind

Evaluationsabteilungen besser organisiert als für Evaluationen zuständiges Personal und

somit für die Erstellung von Evaluationen besser befähigt.

Der zweite Teil der Frage beschäftigt sich dann wieder mit der

Verbreitung

von Infor-

mation. Besitzt die befragte Organisation eine Evaluationsabteilung/fachkundiges Perso-

nal, wird hier nun gefragt, ob diese/s auch für die Verbreitung von Evaluationsberichten

zuständig ist. Sollte dies der Fall sein, besitzt die Organisation einen

hohen

Insti-
tutionalisierungsgrad

bezüglich der Generierung und Verbreitung von Information, da-

durch, dass

beides

von

einem

Ort innerhalb der Organisation aus

gesteuert

wird. Eine Ab-

stufung wird durch eine weitere offene Antwortkategorie vorgenommen: die Verbreitung

37


von Evaluationsberichten kann auch mit anderen Abteilungen geteilt werden. Kreuzt die

befragte Person diese Antwortkategorie an, wurde sie angehalten anzugeben, mit welcher

Abteilung diese Aufgabe geteilt wird. Weitere Abstufungen im Institutio nalisierungsgrad

bezüglich der Generierung und Verbreitung von Information gibt es dann, wenn die

Organisation eine Evaluationsabteilung bzw. fachkundiges Personal für die Generierung

von Evaluationsberichten besitzt, diese aber auch durch andere verantwortliche

Abteilungen weitergegeben werden (offene Antwortkategorie zum Aus füllen) oder wenn

für die Verbreitung überhaupt keine Struktur innerhalb der Organisation vorliegt

(vorgegebene Antwortkategorie). Die Organisationen wurden also mit Frage sieben nach

ihrem Status der Institutionalisierung im Bezug auf die Generierung und Verbreitung ihrer

Information gefragt. (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1).

3.2 Die Stichprobe

Bei der Vielzahl der Entwicklungshilfeorganisationen ­ allein das Institutionenverzeichnis

der DSE beinhaltet schon ca. 300 Organisationen (vgl. DSE, 2000) ­ war die Berück-

sichtigung aller EZ-Organisationen im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich. Daher war es

notwendig aus der Grundgesamtheit eine für die Überprüfung der Fragestellung

hinreichend große Stichprobe zu definieren. Laut BORTZ u.a. ist es zwar für eine

explorative Studie ,,weitgehend unerheblich, wie die Untersuchungsteilnehmer aus der

interessierenden Population ausgewählt werden" (BORTZ u.a., 1995: 70), dennoch soll

hier aber eine Stichprobe festgelegt werden, die ,,ein verkleinertes Abbild der Grund-

gesamtheit (...) hinsichtlich der Repräsentativität der für die Hypothesenprüfung relevanten

Variablen" (FRIEDRICHS, 1990: 125) darstellt. Die Grundgesamtheit (N) besteht aus

staatlichen Organisationen und NROs, wobei die genaue Anzahl nur sehr schwer zu

erfassen ist. Die DSE zählt, wie gesagt, ca. 300 deutsche Organisationen (vgl. DSE, 2000),

VENRO dagegen nennt ­ nur bezüglich der NROs ­ eine Zahl von fast 2000 (vgl. VENRO

2002). Eine reine per Zufallsauswahl gezogene Stichprobe ist auszuschließen, da die

Möglichkeit bestände, vermutete zentrale Spieler im Kommunikationsnetzwerk dadurch zu

verlieren. Eine mehrstufige Auswahl ­ eine Kombination aus bewusster Auswahl und

Zufallsstichprobe ­ erscheint bei den verschiedenen Merkmalsausprägungen der Grund-

gesamtheit als die wohl sinnvollste Lösung (vgl. Abb. 2).

Da die Grundgesamtheit aus relativ homogenen Subpopulationen (Schichten) besteht,

wurde in einem ersten Schritt festgelegt, aus welchen Subpopulationen eine einfache

Stichprobe gezogen wurde. Dies waren staatliche, kirchliche ­ katholische wie evan-

gelische ­, sonstige nichtstaatliche EZ-Organisationen und politische Stiftungen. Es liegt

also eine geschichtete (stratifizierte) Stichprobe vor (vgl. BORTZ, 2000: 26).

38


Die ,Schicht` der sonstigen NROs gestaltet sich insgesamt sehr heterogen, da einige der

Organisationen in ihrer entwicklungspolitischen Zusammenarbeit eine doch sehr spezielle

Arbeit leisten. Um nun die Schicht der NROs homogener zu gestalten bzw. um für die

Stichprobe aus dieser Schicht repräsentative Organisationen festlegen zu können, wurden

in einem zweiten Schritt folgende Organisationsarten bewusst aus der Stichprobe

ausgeschlossen:

· Organisationen, die sich ausschließlich der Pflege wirtschaftlicher Beziehungen

deutscher Unternehmen in bestimmten Regionen der Welt widmen, wie z.B. der

Australien-Neuseeland Verein e.V.,

· Forschungsinstitute, die sich alleine der Informationssammlung und Dokumentation

von entwicklungspolitischen Schr iften und Forschungsarbeiten über bestimmte Re-

gionen der Welt widmen, wie beispielsweise die deutsche Gesellschaft für Osteuropa-

kunde,

· Institute und Fachrichtungen deutscher Universitäten für Forschung und Lehre im Be-

reich EZ,

· Organisationen, die sich ausschließlich der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit in

Deutschland verschrieben haben,

· Jugendorganisationen im Bereich EZ und

· Umweltorganisationen im Bereich EZ.

Die verbleibenden NROs zeichnen sich durch ihren praktischen Einsatz mittels EZ-

Projekten aus.8

Im dritten Schritt wurde dann festgelegt, wie groß die Stichprobe, die aus den jeweiligen

Schichten gezogen wurde, sein sollte. Dies ergab sich teilweise aus dem nächsten Schritt ­

der bewussten Auswahl von Organisationen aus den verschiedenen ,Schichten` in die

Stichprobe. So wurden aus der ,Schicht` der staatlichen EZ-Organisationen neben dem

BMZ die

wichtigsten

Vertreter der staatlichen Entwicklungshilfe in Anlehnung an

BORRMANN (2001), aber auch aus

Sicht des BMZ

(s. dazu auch Kapitel 1.1.1), nä mlich

GTZ, KfW, BGR, PTB, CDG, DED, DEG und DSE, bewusst ausgewählt. Dies ergibt eine

Stichprobengröße aus der ,Schicht` der staatlichen Organisationen von n=9. Aus der

Subpopulation der politischen Stiftungen wurden

alle

Organisationen ­ KAS, FES, FNS,

HSS, HBS ­ bewusst berücksichtigt, da politische Stiftungen nicht so zahlreich sind und

eine Stichprobenziehung daher einen Repräsentativitätsverlust zur Folge haben könnte. Die

Stichprobengröße aus der Subpopulation der politischen Stiftungen beträgt also n=5. Die

Anzahl der ausgewählten Organisationen aus der ,Schicht` der kirchlichen Organisationen

wurde doppelt so hoch angesetzt wie die Anzahl der politischen Stiftungen, da

entsprechend der Anzahl der politischen Stiftungen in der Stichprobe je fünf katholische

8 Es wird a priori angenommen, dass gerade Organisationen aus der Praxis sehr viele Erfahrungen

sammeln, und diese Erfahrungen an andere weitergeben können. Die Möglichkeit von diesen Organisationen

zu lernen, ist also höher, ebenso wie das Bestreben dieser Organisationen selbst etwas zu lernen, um ihre

praktische Arbeit zu verbessern.

39


und evangelische Organisationen in die Stichprobe einbezogen werden sollten.

Entsprechend der Anzahl der kirchlichen Organisationen wurden aus der Subpopulation

der sonstigen NROs zehn Organisationen, sowie zusätzlich VENRO als bewusste Auswahl

berücksichtigt. Die Stichprobengröße aus der ,Schicht` der sonstigen NROs beträgt also

n=11.

Abbildung 2: Das Verfahren der Stichprobenziehung

Grundgesamtheit (N): staatl . Org . und NROs

ja

Zufällige Auswahl

nein

nein

Bildung von Schichten

Staatl .

Polit.

Kirchl.

Sonst.

ja

Org .

Stift.

Org.

NROs

Schichten

nein

nein

nein

ja

homogenisieren?

Staatl .

Polit.

Kirchl.

Sonst.

Org .

Stift.

Org.

NROs

Festlegung der

n=9

n=5

n=10

n=11

Stichproben-

größe (n)

b

: BMZ,

b

:

b

: GKKE,

b

: VENRO,

GTZ,

KAS,

EIRENE,

z

: Andheri,

K f W ,

FES,

EED,

A. Medeor,

Bewußte

BGR,

FNS,

D W H H ,

AWO,

Auswahl (b)

PTB,

HSS,

BfdW

MSF,

CDG,

HBS

z

: DCV,

CARE,

DED,

Adveniat,

DESWOS,

Zufallsaus-

DEG,

Misereor,

Help, Kübel

wahl (z)

DSE

Malteser,

Stift., m.i.,

Kolping

SODI

+ n=2

Bewußtes

ZGB, ZA

Nachziehen

Quelle: eigene Darstellung

Der vierte Schritt der Stichprobenziehung umfasste, wie bereits erwähnt, eine bewusste

Auswahl von Organisationen aus den verschiedenen ,Schichten` in die Stichprobe. Neben

den neun staatlichen Organisationen und den fünf politischen Stiftungen wurde zudem ­

40


wie bereits erwähnt ­ auch VENRO aus der ,Schicht` der sonstigen NROs bewusst

ausgewählt. Aus der Subpopulation der kirchlichen Organisationen sollten eigentlich je

fünf katholische und evangelische Organisationen per Zufallsauswahl gezogen werden. Da

die Anzahl der evangelischen Organisationen durch einen erst kürzlich vollzogenen

Zusammenschluss mehrerer Organisationen mit dem EED und der Absage einer

evangelischen EZ-Organisation jedoch sehr gering war, konnten nur noch Brot für die

Welt, DWHH9 und EED als evange lische EZ-Organisationen einbezogen werden, die

demzufolge als bewusst berücksichtigte Organisationen für die Stichprobe vorgesehen

wurden. Der Anspruch von fünf evangelischen EZ-Organisationen konnte somit nicht

realisiert werden. Dafür wurden die ökumenische Organisation EIRENE sowie die GKKE

als gemeinsames Organ der katholischen und evangelischen EZ bewusst in die Stichprobe

aufgenommen.

Der Rest der kirchlichen EZ-Organisationen wurde von katholischen Organisationen

gedeckt, die im fünften Schritt zufällig per Losverfahren ausgewählt wurden. Diese waren

Adveniat, DCV, Kolpingwerk, Malteser Hilfsdienst und Misereor. Ebenfalls im fünften

Schritt wurden die zehn sonstigen NROs ­ neben VENRO ­ zufällig per Losverfahren in

die Stichprobe gewählt. Das Ergebnis war Action Medeor, Andheri-Hilfe, AWO, MSF,

Care Deutschland, DESWOS, Help, Karl Kübel Stiftung, medico international und SODI.

Die Entscheidung für ein Losverfahren zur Stichprobenziehung aus diesen ,Schichten` ist

in der großen Anzahl der Organisationen sowie in ihrer relativ gleich großen Bedeutung

innerhalb des EZ-Bereichs begründet.

Nach diesem fünfstufigen Auswahlverfahren existiert nun eine disproportional

geschichtete Stichprobe (vgl. FRIEDRICHS, 1990: 140) mit insgesamt 35 Ent-

wicklungshilfeorganisationen, von denen 20 bewusst und 15 per Zufallsauswahl bestimmt

wurden.

Während der Rücklaufphase des Fragebogens wurden noch zwei staatliche EZ-Organisa-

tionen, ZGB und ZA ­ Unterorganisationen der DSE ­ für die Stichprobe nachnominiert,

da die DSE aufgrund ihrer Dezentralität und Vielzahl von Unterorganisationen sich nicht

in der Lage sah, den Fragebogen zu beantworten. Diese beiden Organisationen wurden

dann also stellvertretend für die DSE befragt 10.

9 Die DWHH wurde trotz anderer eigener Vermutung aufgrund einer Auskunft einer relevanten Stelle den

evangelischen Organisationen zugeordnet. Wenn diese Organisation sich trotzdem eher ihrem Selbstver-

ständnis nach den sonstigen NROs zuordnet, ändert dies nichts Wesentliches an den Hauptergebnissen dieser

Arbeit- Die einzige Einschränkung läge lediglich darin, dass dann H4 nicht mehr zu überprüfen wäre.

10 Der Fragebogen wurde nicht mehr geändert, da die Rücklaufphase des Fragebogens schon fast abge-

schlossen war. Die Antworten für die DSE wurden für ihre zwei Unterorganistionen analog übernommen,

bzw. wurden die Antworten von ZA und ZGB als Antwort der DSE umkodiert, da die Unterorganistionen

stellvertretend für die DSE befragt wurden. Die Antworten wurden also angepasst, damit man für die DSE

doch noch Informationen bezüglich ihrer Stellung im Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ -Organisa-

tionen erhielt.

41


Letzten Endes umfasst die Stichprobe also 37 EZ-Organisationen, wobei 22 bewusst und

15 per Zufallsauswahl gezogen worden waren (s. dazu auch Tab. 2).11

Tabelle 2: Stichprobe nach Organisationstyp (alphabetisch geordnet)

Staatliche

Politische

Kirchliche

Sonstige NROs

Organisationen

Stiftungen

Organisationen

BGR

FES

Adveniat

action medeor

Organisationstyp

BMZ

FNSt

BfdW

Andheri-Hilfe

CDG

hbs

DWHH

AWO

GTZ

HSS

DCV

MSF

DSE

KAS

EIRENE

CARE

DED

EED

DESWOS

DEG

GKKE

Help

KfW

Kolpingwerk

Karl Kübel Stiftung

PTB

Malteser Hilfsdienst

m.i.

ZA

Misereor

SODI

ZGB

VENRO

Quelle: eigene Darstellung

3.3 Verlauf der Untersuchung

Der Zeitraum der Datenerhebung begann am 28. Januar 2002 und endete am 19. Juni 2002.

Während dieser Zeit wurden in den Organisationen der Stichprobe telefonisch Ansprech-

partner zur Beantwortung des Fragebogens ausfindig gemacht, welche anschließend über

den Zweck der Untersuchung und den Inhalt des Fragebogens aufgeklärt wurden. Des

weiteren erfolgte eine ständige telefonische ,Betreuung` der Organisationen, deren Frage-

bogen sich noch nicht im Rücklauf befand, um eventuelle Probleme beseitigen und Fragen

bezüglich des Fragebogens und der Untersuchung beantworten zu können. Dadurch sollte

11 Der Fragebogen (vgl. Abbildung 1.2 in Anhang 1), beinhaltet als Antwortkategorie noch die Organisation

KZE. Die KZE war also ursprünglich für die Stichprobe vorgesehen. Diese Trennung von MISEREOR und

KZE wurde aus BORRMANN u.a. 1999 und 2001 abgeleitet. Während des Untersuchungsverlaufs

verdeutlichte die Organisation MISEREOR in einem Telefongespräch vom 21.02.02, dass sie diese Trennung

als sehr ,unglücklich′ betrachtet. Da der Fragebogen zu diesem Zeitpunkt aber schon im Umlauf war, konnte

er diesbezüglich nicht mehr geändert werden. Die Informationen bezüglich KZE wurden umkodiert, die

Organisation selbst fällt aber somit aus der eigentlichen Stichprobe heraus und ist deshalb hier nicht mehr

erfasst. Auch bei der GKKE wurden die zwei konfessionell getrennte Geschäftsstellen im Fragebogen

aufgeführt. Dies wurde in einem Begleitschreiben ebenfalls bemängelt. Deshalb erscheint die GKKE hier in

der Stichprobenbeschreibung auch nur einmal aufgeführt.

42


die Rücklaufquote erhöht werden. Probleme, die beim Untersuchungsverlauf auftraten

sowie der tatsächliche Rücklauf sollen im folgenden dargestellt werden.

Befragung von Organisationen

Organisationen können nicht direkt befragt werden. Um Organisationen befragen zu

können, muss eine Person, die im Namen der Organisation den Fragebogen beantwortet,

ermittelt werden. Dies darf natürlich nicht irgendeine Person innerhalb der Organisation

sein, sondern es muss jemand sein, dessen Position innerhalb der Organisation es ihm

erlaubt, die Fragen des Fragebogens mit dem größtmöglichen Wissen stellvertretend für

die Organisation beantwo rten zu können. Denn nur die Beantwortung durch eine

kompetente Person bezüglich der Fragen des Fragebogens kann die externe Validität der

Ergebnisse garantieren. Somit war es vor dem Verschicken der Fragebögen zunächst

einmal wichtig, den richtigen Ansprechpartner für diese Untersuchung zu finden.

Die kompetentesten Personen für die Beantwortung des Fragebogens sind im Idealfall Per-

sonen aus Evaluationsabteilungen bzw. falls eine derartige Abteilung nicht existiert die für

Evaluationen verantwortliche Person. Diese Personen wurden teils mit Aktenanalyse und

anschließenden telefonischen Erkundigungen oder nur durch telefo nische Nachforschung

ermittelt. Zweifellos besitzt aber nicht jede Organisation eine Evaluationsabteilung und

auch nicht jede Evaluatio nsabteilung sah sich automatisch in der Lage, den Fragebogen

beantworten zu können. So wurde oft der Geschäftsführer oder die Presseabteilung der

Organisation als erstes angesprochen, Personen innerhalb der Organisation zu benennen,

die aus deren Sicht als kompetent für diese Aufgabe zu sein schienen. Manchmal fühlten

sich auch die Geschäftsführer selbst berufen, den Fragebogen auszufüllen, da sie ­

zumindest in kleineren Organisationen ­ den größten Überblick über die Aktivitäten der

Organisation besitzen. Alle Telefongesprächspartner sowie die Personen, die letztenendes

den Fragebogen erhielten, wurden vorab telefonisch darüber informiert, welchen Zweck

die Untersuchung verfolgt und welche Anforderungen der Fragebogen an das Wissen der

befragten Person richtet. Erst nachdem diese Anforderungen mit den Zielpersonen geklärt

waren, sie die Kenntnis der ihnen zugetragenen Aufgaben besaßen und sich zur Befragung

bereit erklärten, wurde ihnen der Fragebogen postalisch zugesandt. Zur letzten

Absicherung, dass der Fragebogen bzw. einzelne zentrale Fragen daraus nur von der

kompetentesten Person bezüglich der Beantwortung des Fragebogens bearbeitet wird,

wurde im Anschreiben noch einmal Ziel und Zweck der Untersuchung genannt, sowie

folgende Bitte formuliert: ,,Wenn Sie bzw. Ihre Abteilung zur Beantwortung des

Fragebogens (oder einzelner Fragen) eventuell der falsche Adressat sein sollten, bitten wir

Sie, den Fragebogen (bzw. die entsprechenden Fragen) an die dafür zuständige Person

bzw. Abteilung weiterzuleiten." (vgl. Abb. 1.1 in Anhang 1) Diese Möglichkeit wurde

auch bei einigen Organisationen genutzt, woraus sich schließen lässt, dass ­ zumindest aus

Sicht der jeweiligen Organisation ­ der/die richtige AnsprechpartnerIn zur Beantwortung

43


der Fragen gefunden wurde. Ob dies bedeutet, dass der Ansprechpartner kompetent genug

war, um valide Ergebnisse für die Untersuchung zu erhalten wird in Kapitel 6 diskutiert.

Der Anspruch an die Rücklaufphase des Fragebogens

Die vorhandene Stichprobe der Untersuchung birgt das Problem, dass aus jeder einzelnen

,Schicht` nicht sehr viele Organisationen in die Stichprobe aufgenommen wurden.

Weiterhin beinhaltet die Stichprobe sehr viele bewusst ausgewählte Organisationen, deren

Angaben für die Prüfung der Hypothesen wichtig sind. Infolgedessen ist die Untersuchung

darauf angewiesen, dass vor allem die bewusst definierten Organisationen der Stichprobe

den Fragebogen beantworten, und dass aus jeder ,Schicht` mindestens 50% der Frage-

bögen quantitativ verwertbare Daten beinhalten. Denn wenn z.B. aus der Subpopulation

der politischen Stiftungen nur eine oder zwei Organisationen geant wortet hätten, können

daraus kaum Rückschlüsse auf die Grundgesamtheit gezogen werden. Daher wurden die

AnsprechpartnerInnen persönlich telefonisch auf den Fragebogen vorbereitet. Es wurden

zudem Fristen für das Ausfüllen des Fragebogens von ca. 2-3 Wochen nach Erhalt gesetzt.

Nach Ablauf der Frist ohne Rücklauf des Fragebogens wurde der/die AnsprechpartnerIn

wiederholt telefonisch kontaktiert. Dabei wurden z.B. inhaltliche Probleme des

Fragebogens besprochen und gelöst. Von Fall zu Fall lag auch nur ein Verlust des

Fragebogens vor, so dass ein neuer nachgesandt werden konnte, usw.. Diese telefonische

,Betreuung` erfolgte so lange, bis der Rücklauf der Fragebögen den Zielvorgaben

entsprach.

Der Rücklauf

Tabelle 3: Rücklaufquote des Fragebogens

Staatliche

Politische

Kirchliche

Sonstige

Organisationstyp

Gesamt

Organisationen

Stiftungen

Organisationen

NROs

Anzahl

11

5

10

11

37

insgesamt (n)

Rücklauf

11

5

8

6

30

absolut

Rücklauf in

100

100

80

55

81

% von n

Davon quantitativ

9

5

6

6

26

verwertbar (absolut)

quantitativ verwertbar

81

100

60

55

70

in % von n

Quelle: eigene Berechnung

Aufgrund der ständigen telefonischen ,Betreuung` der AnsprechpartnerInne n in den Orga-

nisationen und einer langen Laufzeit der Untersuchung von fast fünf Monaten konnte

schließlich eine Rücklaufquote von insgesamt 81% erreicht werden. Darunter befinden

44


sich ­ bis auf eine Ausnahme ­ auch alle bewusst definierten Stichprobenmitglieder. Die

schlechteste Rücklaufquote liegt bei der ,Schicht` der sonstigen NROs mit 55% (vgl. Tab.

3). Die quantitative Verwertbarkeit der Fragebögen für die Untersuchung liegt insgesamt

bei 70% von allen befragten Organisationen. Die geringste quantitative Verwertbarkeit der

Fragebögen innerhalb einer Subpopulation ist ebenfalls bei den sonstigen NROs zu finden

(vgl. Tab. 3).

Kritische Anmerkungen der Organisationen zur Untersuchung während des Rücklaufs

Der erste Kritikpunkt richtet sich an die Auswahl der sonstigen NROs für die Stichprobe.

Dabei bemängelte VENRO, dass die ausgewählten sonstigen NROs der Stichprobe nicht

repräsentativ gewählt wurden. Es gäbe andere Organisationen, welche ,wichtiger` und

,größer` seien, als die hier vorhandenen. Der Vorwurf, dass hier viele ,unwichtige`

Organisationen befragt wurden, muss allerdings zurückgewiesen werden, da nicht die

entwicklungspolitische Arbeit der Organisationen an sich und eine sich daraus ableitende

Bedeutung der Organisation im Fokus des Interesses steht. Zudem bestehen neben der

unterschiedlichen Größe doch strukturelle Ähnlichkeiten zwischen den Organisationen.

Aufgrund der kleinen ­ bezüglich Personalbestand und Budget ­ sonstigen NROs in der

Stichprobe kam es also nicht zum Problem der

Repräsentativität

der Stichprobe für die

Grundgesamtheit, sondern zu einem schlechteren

Rücklauf

bei der ,Schicht` der sonstigen

NROs gegenüber den anderen ,Schichten` der Stichprobe, was vor allem aus der Personal-

situation der Organisationen resultiert. So wiesen gerade Vertreter der sonstigen NROs bei

Telefongesprächen darauf hin, dass sie personell sehr knapp besetzt seien und deshalb

keine Ressourcen für die Beantwortung der Fragen freistellen könnten. Der Rücklauf der

sonstigen NROs ist zwar schlechter als der aus den anderen ,Schichten`, dennoch ist er mit

50% nicht so bedenklich, als dass die Validität der Ergebnisse gefährdet wäre.

Ein weiterer Kritikpunkt, der von einigen Organisationen angeführt wurde, ist der des

evaluationsbasierten Lernens. So lehnt eine kirchliche Organisation evaluationsbasiertes

Lernen als primäre Form organisationalen Lernens ab. Andere Aussagen, wie die einer

sonstigen NRO ,,als Hilfeorganisation investieren wir in Projekte, nicht in Papier", geben

ebenfalls Aufschluss über einen geringen Stellenwert evaluationsbasierten Lernens.

Andere Organisationen wiederum weisen auf geplante Neuerungen in diesem Bereich hin,

was auf ein Interesse an Institutionalisierung des horizontalen Austauschs, selbst wenn er

noch nicht vorhanden ist, schließen lässt.

Außerdem stieß die Beschränkung des Informationsaustauschs auf ausschließlich schrift-

liche Dokumente bei einigen Organisationen auf Unmut und Kritik. Die Vernachlässigung

der informellen Ebene wie auch der persönlichen Kontakte wurde vor allem von zwei

staatlichen und einer sonstigen NRO bemängelt12. Bei einer anderen sonstigen NRO lag

12 Auch eine kirchliche Organisation bemängelt die Auslassung von Informationsgewinnung auf der

informellen Ebene, jedoch im Zusammenhang mit einer Kritik an der organisationalen Lerntheorie basierend

auf Evaluationen. Diese Organisation scheint laut Aussage des Telefongesprächspartners eher individuelle

45


der Fall vor, dass diese Organisation keine Evaluationen anfertigt, daher auch keine

weitergibt und auch keine besonderen Informationen von anderen Organisationen erhält.

Diese Organisation lernt ­ laut deren Angaben ­ zur Zeit nur in persönlichem Austausch

von Informationen auf z.B. Konferenzen und sah daher keinen Sinn darin, den Fragebogen

zu beantworten. Dieser Gesichtspunkt wird zwar für die Informations gewinnung auch als

wichtig erachtet, dennoch sollte man sich bewusst machen, dass auf der persönlichen

Ebene in erster Linie auch nur persönlich und nicht organisational gelernt werden kann.

4

Ergebnisse der Untersuchung

Für die Auswertung werden die EZ-Organisationen der Stichprobe anonymisiert behandelt,

um einen gewissen Datenschutz, der zwar nicht versprochen wurde (vgl. Abb. 1.1 in

Anhang 1.), aber aus ethischen Gründen für sinnvoll erachtet wird, zu gewährleisten. Unter

der durchaus berechtigten Annahme, dass Hypothese H1 zutrifft, ist eine Anonymisierung

für die Organisationen BMZ und VENRO allerdings nicht möglich, da sonst bei der

Datenauswertung Rückschlüsse auf die Organisation zu ihrer Identifizierung möglich

wären. Umgekehrt wäre bei einer korrekten Anonymisierung die Überprüfung von H1

nicht möglich; da H1 von zentraler Bedeutung ist, muss also auf die Anonymisierung von

BMZ und VENRO verzichtet werden. In der Auswertung werden die verbleibenden

staatlichen Organisationen mit S2 bis S11, die politischen Stiftungen mit P1 bis P5, die

kirchlichen EZ-Organisationen mit K1 bis K10 und die sonstigen NROs mit N2 bis N11

betitelt. Organisationen, die in den offenen Antwortkategorien der Fragebögen genannt

wurden, also außerhalb der Stichprobe liegen, wurden numeriert von 39 bis 68. Bei der

Auswertung der Daten werden sowohl die quantitativen Daten aus den Fragebögen, aber

auch qualitative Daten aus den Anmerkungen auf den Fragebögen, sowie aus den

Telefongesprächsprotokollen benutzt. 26 Fragebögen ­ also fast 70% der Stichprobe ­ sind

quantitativ verwertbar (vgl. Tab. 3).

4.1 Die Relevanz der horizontalen Lernfunktion

Die Zielgruppen, für die die EZ-Organisationen eine Bewertung hinsichtlich der Relevanz

für ihre Informationen abgeben sollten, lauten:

,,pädagogische Lernansätze" zu verfolgen, die in der ,,Tradition von Rousseau und Pestalozzi" stehen. Das

bedeutet im Klartext, dass vorwiegend Seminare bzw. die dabei stattfindenden persönlichen Kontakte, aber

kaum Evaluationen oder sogar deren Austausch als Basis für organisationales Lernen angesehen werden ­

eine doch nicht sehr zeitgemäße Sichtweise. (Aus einem Telefongesprächprotokoll vom 12.04.02).

Außerdem ist es sehr problema tisch die Ebene des organisationalen Lernens mit dem des individuellen

Lernens von z.B. Rousseau zu vergleichen.

46


Z 1: für Projektplanung und ­management zuständiges Personal der Organisation

Z 2: Leitung der Organisation

Z 3: Partnerländer und Partnerorganisationen

Z 4: Politische Institutionen/ Entscheidungsträger in Deutschland

Z 5: andere Deutsche EZ-Organisationen

Z 6: Medien und allgemeine Öffentlichkeit (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1).

Abbildung 3: Bewertungen der Relevanz der verschiedenen Zielgruppen anhand des

Mittelwertes für die verschiedenen Organisationsarten

3

2,5

2

Staatlich

Politisch

1,5

Kirchlich

Mittelwert

NRO

1

0,5

0

Z 1

Z 2

Z 3

Z 4

Z 5

Z 6

Zielgruppe

Die Bewertungen sind eigentlich punktuelle Werte. Zur Verdeutlichung, dass die Zielgruppen von Z1 bis Z6

aber immer schlechter ,,beurteilt" werden, wurden die Werte mit einer Linie verbunden.

Quelle: eigene Berechnung

Zu sehen ist in Abb. 3 eine allgemeine Tendenz vo n einer als relevanter empfundenen

Zielgruppe ,für Projektplanung und ­management zuständiges Personal der Organisation`

bis hin zu einer als eher nicht relevant empfundenen Zielgruppe ,Medien und allgemeine

Öffentlichkeit`, und zwar bei allen Organisationsarten der deutschen EZ. Im Verlauf der

Wertelinien für die staatlichen Organisationen, politischen Stiftungen, kirchlichen Organi-

sationen und sonstigen NROs ergeben sich nur zwei Ausnahmen, die die Tendenz nach

unten aber nicht beeinträchtigen. Für die sonstigen NROs ist die Zielgruppe der ,Partner-

47


länder und Partnerorganisationen` wichtiger als die erste und zweite Zielgruppe und bei

den staatlichen EZ-Organisationen wird die Zielgruppe der ,Deutschen EZ-Organisationen′

im Schnitt als relevanter eingestuft als die Zielgruppe ,Politische Institutionen/

Entscheidungsträger in Deutschland`. Trotz dieser abweichenden Werte geht die Tendenz,

wie gesagt, von sehr relevant bei Z1 bis zu kaum relevant bei Z 6.

Die deutschen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit beurteilen die inneror-

ganisatorische Zielgruppe ,für Projektplanung und ­management zuständiges Personal der

Organisation` hinsichtlich der aus ihren Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. ge-

wonnenen Ergebnisse als bedeutungsvoller als die Medien und die allgemeine Öffentlich-

keit oder die anderen deutschen EZ-Organisationen. Es kann also festgehalten werden,

dass die Informationen für die eigene Organisation aus der Sicht der Organisationen

wichtiger sind als Transparenz nach Außen. Infolgedessen ist ein verstärkter inner-

organisatorischer und ein schwacher horizontaler Informationsaustausch zwischen den

Organisationen zu erwarten ­ internes Lernen wird also dem externen vorgezogen (s. dazu

auch Kapitel 3.1.2).

U-Tests zeigen, dass sich die Organisationstypen hinsicht lich der Art und Weise, wie sie

die Relevanz der Zielgruppen bewerten, statistisch nicht signifikant unterscheiden. Hebt

man jedoch das Standardsignifikanzniveau von fünf auf zehn Prozent an, dann unter-

scheiden sich staatliche Organisationen zu den NROs hinsichtlich der Bewertung der

Wichtigkeit von ,für Projektplanung und ­management zuständiges Personal der Orga-

nisation` und zwar dahingehend, dass die staatlichen Orga nisationen diese Zielgruppe als

relevanter einschätzen als die sonstigen NROs (vgl. Tab. 2.1 in Anhang 2). Ansonsten gibt

es keine weiteren Unterschiede zu vermerken. Der Tenor, dass sich die Organisationstypen

hinsichtlich der Art und Weise, wie sie die Bedeutung der Zielgruppen für ihre Information

bewerten, nicht unterscheiden, wird auch durch eine Clusteranalyse gestützt. Es finden sich

zwar einzelne Organisationen zu Clustern zusammen, diese gehören aber immer zu

anderen Organisationsarten (vgl. Abb. 2.1 in Anhang 2).

48


4.2 Das Informationsangebot der deutschen EZ-Organisationen im

Internet

Dieser Teil unterscheidet sich von den anderen Bereichen der Auswertung des Frage-

bogens dahingehend, dass die Auswertung der Angaben der Organisationen für die

Nutzung des Internets zur Verbreitung von Information, eine r Auswertung des Angebots

an Informationen, die im Internet zu finden sind, gegenübergestellt wird. Der erste Teil

bezieht sich also auf die Angaben der Organisationen im Fragebogen und der zweite Teil

auf eine Do kumentenanalyse der Internetseiten der befragten Organisationen. In einem

dritten Teil werden die Ergebnisse gegenübergestellt.

4.2.1 Die Angaben der Organisationen

26 Organisationen aus der Stichprobe haben diese Frage beantwortet, d.h. bei einer Nicht-

teilnahme von sieben Organisationen haben insgesamt vier Organisationen die Frage nicht

beantwortet. Letztere vier sind diejenigen, deren Fragebogen keine quantitativ verwert-

baren Ergebnisse liefert. Von den 26 Organisationen nutzen etwas mehr als ein Fünftel das

Internet zur Verbreitung ihrer Informationen und fast 80 Prozent nutzen es nicht. Genauer

betrachtet teilt sich diese Zahl auf in 23%, die nicht vorhaben das Internet zur

Informationsverbreitung zu nutzen und 54%, die noch in der Planung sind, ihre

Informationen per Internet anzubieten (vgl. Tab. 3.1 in Anhang 3).

Bei den staatlichen EZ-Organisationen nutzen laut Angabe nur zwei Organisationen die

Möglichkeit ihre Informationen über das Internet zu verbreiten ­ das sind fast acht Prozent

aller Organisationen und 22 Prozent aller staatlichen Organisationen. Gut ein Drittel der

staatlichen Organisationen und ca. ein Zehntel aller Organisationen nutzen das Internet zur

Informationsverbreitung nicht und haben es auch nicht vor zu tun. Die restlichen 45% der

staatlichen bzw. 15% aller Organisationen sind noch in der Planung, ihre Informationen

internetgerecht anzubieten (vgl. Tab. 3.1 in Anhang 3).

Von den politischen Stiftungen haben alle diese Frage beantwortet. Keine der politischen

Stiftungen gibt an, Informationen im Internet bereitzustellen. Ein Fünftel davon, bzw. vier

Prozent aller Organisationen wollen ihre Informationen überhaupt nicht im Internet anbie-

ten. Vier Fünftel der politischen Stiftungen oder 15% aller Organisationen sind noch in der

Planungsphase für ein Informationsangebot im Internet. (vgl. Tab. 3.1 in Anhang 3).

Zwei der sechs kirchlichen Organisationen, die diese Frage beantwortet haben, stellen ihre

Informationen im Internet zur Verfügung ­ das sind ein Drittel aller kirchlichen und sieben

Prozent aller Organisationen. Die Hälfte der kirchlichen Organisationen ­ das sind gut

zehn Prozent aller Organisationen - ist zur Zeit noch in der Planung ein Informationsan-

gebot im Internet aufzubauen. Nur eine Organisation gibt an, dass es keine Überlegungen

gäbe, im Internet ihre Informationen bereitzustellen (vgl. Tab. 3.1 in Anhang 3).

49


Bei den sonstigen NROs sind die Ergebnisse mit denen der kirchlichen EZ-Organisationen

identisch (vgl. Tab. 3.1 in Anhang 3).

Tabelle 4:

Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsanteil im Internet

bezüglich ihrer gesamten Informationsmenge

10%

20%

40%

100%

Total

BMZ

X

1

K 2

X

1

K 7

X

1

Organisation

N 9

X

1

Total

1

1

1

1

4

Quelle: eigene Berechnung.

Von den insgesamt sechs Organisationen der Entwicklungshilfe, die angaben, ihre Infor-

mationen im Internet bereitzustellen, machten davon vier eine Aussage über die Menge der

Informationen im Internet im Verhältnis zur Gesamtmenge der Informationen der Organi-

sation. Das sind das BMZ mit einer Angabe von 100% ihrer Informationen, die kirchlichen

Organisationen K2 und K7 mit einem Wert von 40 bzw. zehn Prozent aller Informationen

und eine nichtstaatliche Organisation N9 mit einer Angabe von einem Fünftel ihrer

Informationen, die sie im Internet bereitstelle (vgl. Tab. 4).

Weiterhin zeigt eine Clusteranalyse (vgl. Abb. 4), dass die Bereitschaft, Informationen im

Internet bereitzustellen, nicht vom Organisationstyp abhängig ist, da sich die Gruppen-

mitglieder aus Organisationen der staatlichen, kirchlichen, sonstigen Nichtregierungsorga-

nisationen und politischen Stiftungen zusammensetzen. Es existieren vier Gruppen, die

sich aufgrund der unterschiedlichen Bereitschaft zur Be reitstellung von Informationen im

Internet bilden. Die erste Gruppe besteht aus den Orga nisationen BMZ, K2, K7 und N9,

die sich dadurch auszeichnen, dass sie Informationen im Internet anbieten und sogar noch

eine Aussage darüber treffen, wie groß diese Menge im Verhältnis zur Gesamtmenge ist.

Die zweite Gruppe beinhaltet nur zwei Organisationen ­ S2 und N4 ­, die zwar Informa-

tionen im Internet bereitstellen, aber keine Aussage über die Relation dieser Menge zur

Gesamtmenge an Information der Organisation treffen. K1, N2, P2, S8, S7 und S5 bilden

die dritte Gruppe, und zwar dadurch, dass sie die jenigen sind, die überhaupt nicht vorhaben

ihre Informationen im Internet zur Verfügung zu stellen. In der letzten Gruppe finden sich

diejenigen Organisationen, welche noch in der Planungsphase für ein Informationsangebot

via Internet sind. Dazu gehören die Organisationen N3, N5, VENRO 13, K9, K8, K3, P5,

P4, P3, P1, S9, S6, S4 und S3.

13 VENRO führt selbst keine Projekte durch und hat somit auch keine Möglichkeit eigene Evaluationen,

Studien etc. herzustellen. Dennoch ist diese Organisation bereit über ein Informationsangebot ihrer sonstigen

Informationen im Internet nachzudenken.

50


Ein Zusammenhang zwischen der Art der Organisation und der Darbietung von Informa-

tionen im Internet ist hier also nicht anzunehmen und wird auch durch einen Test auf Kor-

relation nicht bestätigt. Ein festgestellter mittlerer Zusammenhangswert von 0,4 kommt

laut Signifikanztest zu 80% nur zufällig zustande und ist daher zu verwerfen.

Abbildung 4: Clusteranalyse zur Bereitschaft der Informationsverbreitung im Internet

C A S E 0 5 10 15 20 25

Label Num +---------+---------+---------+---------+---------+

K7 òø

N9 òú

K2 òôòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòø

BMZ ò÷ ó

S2 òûòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòú

N4 ò÷ ó

K1 òø ó

N2 òú ó

P2 òú ó

S8 òú ó

S7 òôòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòú

S5 ò÷ ó

N3 òø ó

N5 òú ó

VENRO òú ó

K9 òú ó

K8 òú ó

K3 òú ó

P5 òú ó

P4 òú ó

P3 òú ó

P1 òú ó

S9 òú ó

S6 òú ó

S4 òôòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòò÷

S3 ò÷

Quelle: eigene Berechnung

4.2.2 Die Internetrecherche

An dieser Stelle soll nun die Auswertung über das tatsächliche Informationsangebot der

Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit auf ihren Internetseiten dargestellt wer-

den14. Es sollen nur Informationen aus dem EZ-Bereich gewertet werden. Dazu wurden

zehn Kategorien für die Variable ,Informationsart` und neun Kategorien für die Variable

14 Stand: 12.07.2002

51


,Darbietung der Information` gebildet. Die neun Informationsarten, die die Organisationen

auf ihren Internetseiten anbieten können, sind:

1. Jahresbericht,

2. Statistiken und Zahlen,

3. Länderevaluationen als Vollversion,

4. Länderteilevaluationen,

5. Länderevaluationen als Zusammenfassung speziell im Bereich eines Sektors,

6. Länderevaluationen als Zusammenfassung,

7. Projektberichte,

8. Sonstige Studien zu entwicklungspolitischen Themen,

9. Hand- und Fachbücher zu entwicklungspolitischen Themen.

Gleiche Informationsarten wurden von unterschiedlichen Organisationen unterschiedlich

betitelt. Wenn sie sich aber inhaltlich ähnelten oder gleich waren, wurden sie trotzdem in

eine Kategorie eingeordnet. Kriterien sind dafür klassische Definitionen in Überein-

stimmung mit einem mehrheitlichen Begriffsgebrauch durch die Organisationen der Stich-

probe. Eine Ausnahme bilden die Länderteilevaluationen. Dieser Begriff wurde auf nur

einer Internetseite gefunden und die Informationsart wurde inhaltlich auch von keiner an-

deren Organisation angeboten.

Die Art der Darbietung besteht aus den folgenden Möglichkeiten; die in Klammer ange-

gebene Zahl entspricht der Zahl der Bewertungsskala (ein hoher Wert entspricht einer

hohen Benutzerfreundlichkeit):

1. Download-Möglichkeit im pdf-Format (10),

2. Download-Möglichkeit als Word- oder rtf-Datei (9),

3. Druckversion des Dokuments (8),

4. HTML-Datei (7),

5. HTML-Datei, aber inhaltlich schlecht15 (6),

6. Download-Möglichkeit im pdf-Format, die nicht von der Organisationsseite stammt,

sondern von einem anderen Server, auf den aber per Link verwiesen wird (5),

7. HTML-Datei, die nicht von der Organisationsseite stammt, sondern von einem anderen

Server, auf den aber per Link verwiesen wird (4),

8. Möglichkeit, die Information Online zu bestellen (3),

9. Möglichkeit, die Information Online zu bestellen in Planung (2)

10. Informationsart nicht vorhanden (0)16.

Es wird also gezeigt, für welche Informationsarten, welche Zugriffsmöglichkeit zu der be-

treffenden Information besteht, bzw. welche Organisationen welche Informationsarten mit

15 Diese Bewertung wurde dann vergeben, wenn die angepriesene Information hauptsächlich aus ein paar

unspezifischen Bildern und der Textinhalt kaum inhaltlichen Bezug zum Thema hatte. Die Informationen

sollten schon einige wenige Fakten aufweisen, um dieser Bewertung zu entgehen.

16 Aus Visualisierungsgründen in den Diagrammen wurde hier der Wert ,,0" und nicht ,,1" gewählt, da sonst

der Eindruck entstünde, dass auf irgendeine Art und Weise Informationen im Internet angeboten werden.

52


welcher Zugriffsmöglichkeit zu der betreffenden Information anbieten. Dabei sind die Ka-

tegorien eins bis sechs als eher benutzerfreundlich und die Kategorien sieben bis 9 als nicht

sehr benutzerfreundlich einzuschätzen. Die Kategorie fünf (inhaltlich schlechte HTML-

Dokumente), ist die einzige Kategorie bei den Darbietungsarten, die sich konkret auf den

Inhalt bezieht. Sie schien aber notwendig, da einige Organisationen unter Zuhilfenahme

von z.B. ,schönen Bildchen` wirkliche Informationen und Fakten vernachlässigten. Den

Inhalt der angebotenen Dokumente im Internet tiefergehend zu untersuchen z.B. durch eine

inhaltliche Bewertung aller Dokumente ist für diese Untersuchung, bei der es um das

Kommunikationsnetzwerk der deutschen EZ-Organisationen geht, zu aufwendig und daher

unangebracht. Es soll hier keine Inhaltsanalyse erfolgen, sondern nur eine Überprüfung der

Angaben der Organisationen aus den Fragebögen. Dafür wurden von jeder angebotenen

Informationsart auf den Internetseiten mindestens ein Stück exemplarisch quer gelesen. Es

ging hier eher um ein benutzerfreundliches Dateiformat, mit dem man schnell und gut zu

der Information gelangt.

Insgesamt betrachtet (s. Abb. 5) fällt sofort auf, dass nur

drei

von 37 Organisationen

überhaupt keine Information im Internet anbieten ­ ein doch deutlicher Gegensatz zu den

Angaben der Organisationen. Mögliche Erklärungen folgen in Kapitel 4.2.3.

Abbildung 5: Bereitstellung von Informationen im Internet insgesamt

90

80

70

60

50

40

30

20

Summe der Benutzerfreundlichkeit*Informationsart

10

0

S2 S3 S4 S5 S6 S7 S8 S9

BMZ

S10 S11

P1 P2 P3 P4 P5 K1 K2 K3 K4 K5 K6 K7 K8 K9 K10

VENRO

N2 N3 N4 N5 N6 N7 N8 N9 N10 N11

Organisation

Quelle: eigene Berechnung

53


Betrachtet man das Informationsangebot im Internet hinsichtlich den verschiedenen Orga-

nisationstypen und Organisationsarten, zeigt sich, dass die staatlichen Organisationen bei

der Bereitstellung jeder Informationsart mindestens einmal vertreten sind (vgl. Abb. 6).

Die politischen Stiftungen bieten alle keine Informationen der Art ,Statistiken und Zahlen`,

,Länderevaluationen als Vollversion`, ,Länderteilevaluationen`, ,Hand- und Fachbücher zu

entwicklungspolitischen Themen` im Internet an. Die kirchlichen Organisationen sind in

fast jeder Sparte der verschiedenen Informationen vertreten, außer bei ,Länderevalua tionen

als Vollversion`, ,Länderteilevaluationen` und ,Hand- und Fachbücher zu entwick-

lungspolitischen Themen` im Internet. Die sonstigen NROs bieten keine ,Länderevalua-

tionen als Vollversion` und ,Länderteilevaluationen` an (vgl. Abb. 6).

Die häufigsten Informationsarten, die im Internet auf den Seiten der EZ-Organisationen

gefunden wurden, sind ,Jahresbericht`, ,Länderevaluationen als Zusammenfassung speziell

im Bereich eines Sektors`, ,Projektberichte` und ,sonstige Studien zu entwick-

lungspolitischen Themen` (vgl. Abb. 6). An dieser Stelle soll nun aber das Angebot der

verschiedenen Informationsarten durch die EZ-Organisationen und die Darbietungsform

genauer beleuchtet werden.

Abbildung 6

Arten, der im Internet zur Verfügung gestellten Daten nach Organisa-

tionstyp (Mittelwerte)

7

6

5

4

Staatliche Org.

Politische Stiftungen

Kirchliche Org.

3

Sonst. NROs

Benutzerfreundlichkeit

2

1

0

PB

Jahresbericht

Sonst. Stud.

Eval/Land/Voll

Eval/Land/teil

Hand/Fachbuch

Statistiken/Zahlen

Eval/Land/zfss/Sektor /Eval/Land/zsfs/Land

Informationsart

Eval/Land/Voll

Ländervollevaluation

Eval/Land/Teil

Länderteilevaluation

Eval/Land/Zfss/Sektor

Länderevaluation als Zusammenfassung im Sektorbereich

Eval/Land/Zsfs/Land

Länderevaluation als Zusammenfassung

Quelle: eigene Berechnung

54


Jahresberichte

18 von 37 Organisationen der Stichprobe bieten Jahresberichte auf ihren Internetseiten an.

Von den staatlichen EZ-Organisationen bieten sieben von elf Organisationen - das BMZ,

S2, S3, S4, S5, S7 und S11 - diese Berichtsart im Internet an und zwar alle im pdf-Format.

Die politischen Stiftungen P2 und P3 bieten diese Informationsart einmal im pdf-Format

(P3) und einmal durch die Möglichkeit diese Online zu bestellen (P2) an. Kirchliche Or-

ganisationen sind beim Angebot von Jahresberichten mit sechs von elf Organisationen

vertreten, und zwar durch K4, K5 und K7, die den Bericht im pdf-Format anbie ten, durch

K9, die den Jahresbericht als Druckversion anbietet, weiterhin durch K8, die den Jahresbe-

richt im HTML-Format zur Verfügung stellt und schließlich durch K6, welche die Mög-

lichkeit bietet, ihren Jahresbericht Online zu bestellen. Drei sonstige NROs von elf bieten

Jahresberichte im Internet an: N2 im pdf-Format, N5 im HTML-Format und N8 durch die

Möglichkeit, den Bericht zu bestellen (vgl. Abb. 7).

Abbildung 7: Internetangebot ,Jahresberichte` der verschiedenen Organisationen

12

10

8

6

Benutzerfreundlichkeit

4

2

0

S2 S3 S4 S5 S6 S7 S8 S9

BMZ

S10 S11

P1 P2 P3 P4 P5 K1 K2 K3 K4 K5 K6 K7 K8 K9 K10

VENRO

N2 N3 N4 N5 N6 N7 N8 N9 N10 N11

Organisationen

Quelle: eigene Berechnung

Statistiken und Zahlen

Zehn Organisationen der Stichprobe stellen lediglich die Information ,Statistiken und

Zahlen` zur Verfügung. Das sind 27 Prozent. Statistiken und Zahlen werden angeboten

durch die staatlichen Organisatione n BMZ, S2, S4, S5, S7 und S11, von den kirchlichen

Organisationen K8 und K9, sowie durch die sonstigen NROs N4 und N6. Sechs von elf

55


staatlichen, zwei von zehn kirchlichen und zwei von elf sonstigen NROs stellen diese In-

formationen ins Netz. Von den politischen Stiftungen gibt es diese Information im Internet

nicht. Alle die Organisationen, die diese Informationsart anbieten, stellen ihre Statistiken

und Zahlen im HTML-Format zur Verfügung, außer dem BMZ, welches seine Statistiken

auch im pdf-Format anbietet (vgl. Abb. 3.1 in Anhang 3).

Länderevaluationen als Vollversion

,Länderevaluationen als Vollversion` bieten nur drei Organisationen an. Das sind S2, S3

als pdf-Datei und K8 als Möglichkeit, diese zu bestellen.

Länderteilevaluationen

,Länderteileva luationen` werden ausschließlich auf der Internetseite des BMZ zur Ver-

fügung gestellt, und zwar als Druckversion.

Länderevaluationen als Zusammenfassung speziell im Bereich eines Sektors

Diese Informationsart ist schwer gegen die Informationsart ,Projektberichte` abzugrenzen.

Beide Informationsarten entsprechen in ihrer Darstellung im Internet eigentlich kaum dem

klassischen Bild von Evaluationen oder Projektberichten. Manche Organisationen bezeich-

neten auf ihrer Homepage diese Informationsart auch nicht unbedingt mit diesem Namen.

Trotzdem wurden manche Formen der Information unter dieser Informationsart eingeord-

net, wenn sie denen entsprachen, die von anderen Organisationen als Länderevaluation

bezeichnetet wurden. Das Unterscheidungsmerkmal zu den Projektberichten wurde dann

darin gefunden, dass in den Länderevaluationen zum Bereich eines Sektors ­ z.B. Wasser-

versorgung ­ versucht wurde, ein Bild über die Gesamtsituation dieses Sektors in diesem

Land zu zeichnen. In den Projektberichten ging es dann meistens spezieller nur um ein

bestimmtes Projekt ohne viel Hintergrunddarstellung.

Diese Informationsart wird von mindestens einer Organisation aus den vier Organisations-

arten und insgesamt von 12 von 37 Organisationen angeboten. Bei den staatlichen Organi-

sationen sind dies das BMZ, S2, S3, S7 und S8, also fünf von elf ­ weniger als die Hälfte.

Die beiden letzen Organisationen bieten die Länderevaluationen als HTML-Dokument an.

S2 und S3 stellen ihre Dokumente im pdf-Format ins Netz und das BMZ bietet Druckver-

sionen von ihren Länderevaluationen an. Bei den politischen Stiftungen gibt es diese In-

formationsart als pdf-Datei bei P1 und als HTML-Dokument bei P5. Das sind zwei von

fünf politischen Stiftungen. Als einzige kirchliche Organisation bietet K8 ihre Ländereva-

luation auch als HTML-Dokument an. Ansonsten stellt keine kirchliche Organisation diese

Informationsart zur Verfügung. Bei den sonstigen NROs wird die Informationsart ,Län-

derevaluationen als Zusammenfassung speziell im Bereich eines Sektors` vo n vier Organi-

sationen, nämlich von N7, N8, N9 und N10 auf deren Internetseiten zur Verfügung ge-

56


stellt, und zwar als HTML-Dokument, wobei bei der Organisation N7 der inhaltliche Infor-

mationswert nicht sehr hoch ist.

Insgesamt wird diese Informationsart mindestens von allen anbietenden Organisationen im

HTML-Format angeboten, was doch relativ benutzerfreundlich ist (vgl. Abb. 3.2 in An-

hang 3).

Länderevaluationen als Zusammenfassung

Nur 19% der Organisationen veröffentlichen auf ihren Internetseiten Länderevaluationen

als Zusammenfassung. Drei staatliche Organisationen (BMZ, S2 und S3) bieten die Mög-

lichkeit, Länderevaluationen als Zusammenfassung aus dem Internet zu beziehen. S2 und

S3 stellen Länderevaluationen im pdf-Format und das BMZ als Druckversion ins Netz.

Ansonsten stellen eine von fünf politischen Stiftungen, eine von zehn kirchlichen und eine

von elf der sonstigen NROs diese Berichte ins Netz. Die politische Stiftung P5, die kirch-

liche Organisation K6, sowie die zu den sonstigen NROs gehörenden N2 und N10 bieten

also Länderevaluationen als Zusammenfassung auf ihren Internetseiten an, und zwar im

HTML-Format, außer die Organisation N2 die ihre Länderevaluation im pdf-Format zur

Verfügung stellt (vgl. Abb. 3.3 in Anhang 3). Damit ist auch bei dieser Informationsart von

jedem Organisationstyp mindestens eine Organisation vertreten (vgl. auch Abb. 6). Mit

dem HTML-Format als schlechtestes Datenformat wird diese Informationsart insgesamt

gesehen auch sehr benutzerfreundlich angeboten.

Projektberichte

Die staatlichen Organisationen S2, S3, S4, S6, S7 und S8 bieten Projektberichte an. S3 ist

dabei die einzige Organisation, die diese Berichte als pdf-Datei anbietet. Alle anderen

staatlichen Organisationen zeigen ihre Projektberichte im HTML-Format, wobei die Inter-

netseiten der Organisationen S4 und S6 die inhaltlich schlechtere Qualität besitzen. Von

den politischen Stiftungen bieten die Organisationen P3 und P4 Projektberichte im HTML-

Format im Internet an. Auch nur als HTML-Dokument bieten die kirchlichen Organisa-

tionen K5, K6, K7 und K8 ihre Projektberichte an, wobei bei K5 die inhaltliche Qualität

schlechter ist als bei den anderen kirchlichen Organisationen. N2 und N3 stellen von den

sonstigen NROs ihre Projektberichte im pdf-Format zur Verfügung, N4 bietet die Mög-

lichkeit Projektbericht als Word- oder rtf-Datei herunterzuladen und bei den Organisa-

tionen N5, N7, N9, N10 und N11 sind die Projektberichte im HTML-Format zu finden,

wobei bei Organisation N7 die Projektberichte inhaltlich etwas schlechter vorstellt (vgl.

Abb. 8).

57


Abbildung 8: Internetangebot ,Projektberichte` der verschiedenen Organisationen

12

10

8

6

Benutzerfreundlichkeit

4

2

0

BMZ

S2

S3

S4

S5

S6

S7

S8

S9 S10 S11 P1 P2 P3 P4 P5 K1 K2 K3 K4 K5 K6 K7 K8 K9 K10

VENRO

N2

N3

N4

N5

N6

N7

N8

N9 N10 N11

Organisation

Quelle: eigene Berechnung


Sonstige Studien zu entwicklungspolitischen Themen

Sonstige Studien zu entwicklungspolitischen The men werden von 21 Organisationen an-

geboten ­ das sind 57% aller Organisationen. Davon können bei acht Organisationen diese

Informationen Online bestellt werden, bei fünf Organisationen kann man diese Berichte im

HTML-Format lesen und bei den restlichen acht Organisationen kann man dies Informa-

tion als pdf-Datei abrufen.

Fünf staatliche Organisationen ­ BMZ, S2, S7, S8 und S11 ­ bieten sonstige Studien im

Internet an. BMZ, S2 und S11 bieten ihre diesbezüglichen Informationen im pdf-Format

an. S8 nutzt dazu das HTML-Format und die Organisation S7 bietet immerhin die Mög-

lichkeit, solche Studien Online zu bestellen. P1 und P5 stellen sonstige Studien als pdf-

Datei ins Netz ­ also zwei von fünf politischen Stiftungen. Insgesamt 50% aller kirchlichen

Organisationen bieten diese Informationsart an. K3 und K9 stellen ihre Studien im pdf-

Format zur Verfügung. K6 offeriert ihre sonstigen Studien im HTML-Format und K5 und

K10 geben den Besuchern ihrer Homepage die Möglichkeit, diese Berichte Online zu be-

stellen. Bei VENRO, N3, N4, N5 und N10 können deren sonstigen Studien ebenfalls auf

deren Internetseite bestellt werden. N6, N7 und N11 stellen diese Berichte im HTML-

Format ins Internet und auf der Homepage von N2 können sonstige Studien im pdf-Format

bezogen werden. Das sind insgesamt neun von elf sonstigen NROs, die sonstige Studien zu

entwicklungs politischen Themen im Internet anbieten (vgl. Abb. 9).

58


Abbildung 9: Internetangebot ,Sonstige Studien zu entwicklungs politischen Themen′ der

verschiedenen Organisationen

12

10

8

6

Benutzerfreundlichkeit

4

2

0

S2 S3 S4 S5 S6 S7 S8 S9 S10 S11 P1 P2 P3 P4 P5 K1 K2 K3 K4 K5 K6 K7 K8 K9 K10

N2 N3 N4 N5 N6 N7 N8 N9 N10 N11

BMZ

VENRO

Organisation

Quelle: eigene Berechnung

Hand- und Fachbücher zu entwicklungspolitischen Themen

Hand und Fachbücher werden von neun EZ-Organisationen via Internet angeboten ­ das

sind 24%. Darunter sind fünf staatliche Organisationen, zwei kirchliche Organisationen

und zwei sonstige NROs. Politische Stiftungen bieten diese Informationsart nicht an. Ins-

gesamt werden Hand- und Fachbücher zweimal zum Bestellen, dreimal im HTML-Format

und viermal als pdf-Datei angeboten.

BMZ, S 2 und S 3 nutzen für die Bereitstellung dieser Informationsart das pdf-Format, S 6

das HTML-Format und S 9 die Möglichkeit diese Information Online zu bestellen. K 4 und

K 6 berichten im HTML-Format. Die Organisation N 4 stellt ihre Hand- und Fachbücher

als pdf-Datei ins Netz und bei N 10 können diese Berichte via Internet bestellt werden.

(vgl. Abb. 3.4 in Anhang 3).

Unterschiede zwischen den Organisationen

Die staatlichen Organisationen unterscheiden sich zu den politischen Stiftungen statistisch

signifikant hinsichtlich ihrem Angebot der Informationsart ,Statistiken und Zahlen` (vgl.

Tab. 3.2 in Anhang 3) mit einer Fehlerwahrscheinlichkeit von 4,6%. Dementsprechend

präsentieren die staatlichen Organisationen die Rubrik ,Statistiken und Zahlen` öfter im

59


Internet und in einem besseren Datenformat als die politischen Stiftungen. Zu den

sonstigen NROs unterscheiden sich die staatlichen Organisationen im Angebot der Infor-

mationsarten ,Jahresbericht` und ,Statistiken und Zahlen`. Beide Informationsarten werden

von den staatlichen Organisationen (mit einer 97 prozentigen Wahrscheinlichkeit beim

Angebot der Informationsart ,Jahresbericht` und mit 95% Wahrscheinlichkeit bei ,Sta-

tistiken und Zahlen`) öfter und besser im Internet angeboten (vgl. Tab. 3.3 und Tab. 3.4 in

Anhang 3). Der Unterschied zwischen staatlichen und kirchlichen Organisationen liegt im

Angebot der Informationsart ,Länderevaluationen speziell im Bereich eines Sektors als

Zusammenfassung`. Mit einer Signifikanz von zwei Prozent Fehlerwahrscheinlichkeit

stellen die kirchlichen Organisationen mehr davon und in besserem Darbietungsformat im

Internet zur Verfügung (vgl. Tab. 3.5 in Anhang 3). Die politischen Stiftungen bieten die

Informationsart ,Länderevaluationen speziell im Bereich eines Sektors als Zusammen-

fassung` mit einer Wahrscheinlichkeit von 96% besser an, als die kirchlichen Organisa-

tionen (vgl. Tab. 3.6 in Anhang 3). Beim Angebot dieser Informationsart sind auch die

sonstigen NROs statistisch signifikant besser als die kirchlichen Organisationen, und zwar

ebenfalls mit einer Wahrscheinlichkeit von 96% (vgl. Tab. 3.7 in Anhang 3).

Eine Varianzanalyse zeigt, dass die Zugehörigkeit einer Organisation zu einer der ver-

schiedenen Organisationsarten keinen unmittelbaren Einfluss auf ihr Informationsangebot

im Internet hat (vgl. Tab. 3.8 in Anhang 3).


4.2.3 Unterschied zwischen den Angaben der Organisationen und der Dokumenten-

analyse

Von 26 Organisationen der Stichprobe ist der Fragebogen hinsichtlich der Frage nach der

Bereitschaft Informationen ins Internet zu stellen, so beantwortet worden, dass er quantita-

tiv auswertbar ist. Davon geben ­ wird Abb. 10 betrachtet - nur sechs Organisationen an,

Informationen im Internet zur Verfügung zu stellen. Das sind 23%. Wird nun Abb. 5 damit

verglichen, fällt sofort auf, dass laut Internetrecherche dagegen nur drei Organisationen,

keine Informationen anbieten. Danach bieten also 92% der Organisationen der Stichprobe

irgendeine Information zum EZ-Bereich in irgendeinem Format im Internet an.

Die Diskrepanz zwischen Antwortverhalten und tatsächlich gefundenen Daten wird noch

größer, wird der Fokus auf die Organisation K2 gerichtet. Diese gibt an, auf ihrer Internet-

seite Informationen anzubieten und sagt sogar, dass die Informationen im Internet 40%

ihrer Gesamtinformation darstellen. Auf der Homepage dieser Organisation konnte aber

überhaupt keine Information zum EZ-Bereich in irgendeinem Datenformat gefunden wer-

den. Im Falle des Widerspruchs zwischen Antwortverhalten und tatsächlich gefundenen

Internetinformationen sticht auch Organisation S3 heraus. Diese Organisation gehört mit

ihrem Internetangebot an Informationen zur EZ eigentlich zu den ,Vorbildern` im

Kommunikations netzwerk. Als Anmerkung auf dem Fragebogen wird sogar die

Operationalisierung des Informationsaustauschs ­ der Austausch schriftlicher Dokumente

60


­ hinsichtlich ,,zunehmender Publizität [von Informationen] im Internet" kritisiert.

Merkwürdig scheint aufgrund dieser Aussage die Tatsache, dass dann sowohl eine

Bereitstellung von Informa tionen durch die eigene Organisation im Internet, als auch eine

Nutzung des Internets zur Informationsgewinnung verneint wurde.17

Abbildung. 10: Bereitschaft der Organisationen, Informationen im Internet zur Verfügung

zu stellen

3,5

3

2,5

2

1,5

1

0,5

0

BMZ S2 S3 S4 S5 S6 S7 S8 S9 S10 S11 P1 P2 P3 P4 P5 K1 K2 K3 K4 K5 K6 K7 K8 K9 K10

VENRO

N2 N3 N4 N5 N6 N7 N8 N9 N10 N11

Organisationen

0 = Organisation, hat nicht vor, Informationen im Internet anzubieten

1 = Organisation ist noch in Planung, Informationen im Internet anzubieten

2 und 3 = Organisation stellt Informationen ins Internet

missing value = 0,25; missing value durch nicht beantwortete Frage oder nicht beantworteten Fragebogen

Quelle: eigene Berechnung

Für den Kontrast zwischen diesen beiden Phänomenen kann es eigentlich nur folgende

Erklärungen geben:

1. In der Dokumentenanalyse wurden die Internetseiten hinsichtlich des Bestands an In-

formation nicht so kritisch beurteilt, wie durch die Personen, die den Fragebogen be-

antwortet haben.

2. Die befragte Person kennt die Internetseite ihrer Organisation nicht genau genug, um

eine richtige Antwort zu geben.

17 Die befragte Person von S3 beantwortete die Frage nach Internetnutzung zur Informationsverbreitung

ihrer Organisation mit ,nein`. Die Dokumentenanalyse und die Aussagen der anderen Organisationen, dass

sie von der Internetseite von S3 Informationen beziehen (s. dazu Kapitel 4.8), widerlegen diese Antwort und

bilden eine Tatsache!

61


3. Es herrscht eine unterschiedliche Auffassung über die Interpretation der Frage ,,Stellt

Ihre Organisation Evaluationen, Studien, Untersuchungen etc. im Internet zur Ver-

fügung?"18, bzw. über die darin vorkommenden Begrifflichkeiten.

Insgesamt stellt dieser Kontrast sowohl die Validität der Ergebnisse bezüglich der

Internetnutzung zur Verbreitung von Informationen, als auch die interne Validität des

Fragebogens insgesamt in Frage. Eine Antwort darauf kann nach der Präsentation der

Ergebnisse zur Internetnutzung der Organisationen zum Informationserhalt gegeben

werden, die die hier vorliegenden Ergebnisse noch einmal aufgreift (vgl. Kapitel 4.7).

4.3 Der Versand schriftlicher Informationen ­ Welche Organisationen

erhalten die größte Menge an schriftlichen Informationen von den
anderen EZ-Organisationen

85% der Organisationen, deren Fragebögen quantitativ auswertbar sind, geben an, Infor-

mationen an andere EZ-Organisationen in Form von schriftlichen Exemplaren weiterzuge-

ben.

Tabelle 5:

Kreuztabelle: Organisationsart und deren Angabe über das Senden von

Informationen an andere EZ-Organisationen

Senden von Information

Organisationsart

nein

ja

Total

Staatliche

Anzahl

1

8

9

Organisationen

% der staatlichen Organisationen

11,1

88,9

100

% der Org., die Infos verschicken

25

36,4

34,6

% aller Organisationen

3,8

30,8

34,6

Politische

Anzahl

5

5

Stiftungen

% der politischen Stiftungen

100

100

% der Org., die Infos verschicken

22,7

19,2

% aller Organisationen

19,2

19,2

Kirchliche

Anzahl

1

5

6

Organisationen

% der kirchlichen Organisationen

16,7

83,3

100

% der Org., die Infos verschicken

25

22,7

23,1

% aller Organisationen

3,8

19,2

23,1

Sonstige NROs

Anzahl

2

4

6

% der sonstigen NROs

33,3

66,7

100

% der Org., die Infos verschicken

50

18,2

23,1

% aller Organisationen

7,7

15,4

23,1

Total

Anzahl

4

22

26

% aller Organisationen

15,4

84,6

100

Quelle: eigene Berechnung

Acht von neun staatlichen Organisationen, alle politischen Stiftungen, 83% der kirchlichen

Organisationen und zwei Drittel der sonstigen NROs verschicken schriftliche Dokumente

18 Dass z.B. auch Zusammenfassungen damit gemeint sein könnten, wurde in der Einleitung der Frage

erwähnt (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1).

62


an andere Organisationen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die vier Organisa-

tionen, die keine Evaluationen, Untersuchungen, Studien, etc. an andere EZ-Organisa-

tionen weitergeben, sind S9, K1, N2 und N3.

Von den acht staatlichen Organisationen, die sagen, sie geben schriftliche Informationen

an andere EZ-Organisationen weiter, machen drei Viertel der Organisationen eine Angabe

darüber wieviel Prozent ihrer Gesamtinformation diese Informationsmenge entspricht.

Beim BMZ entspricht die Menge der versendeten Information der Menge der insgesamt

zur Verfügung stehenden Information. S3 und S8 versenden 20%, S4 versendet 30%, S7

zehn von Hundert und S5 lediglich fünf Prozent der Gesamtinformationen.

Drei von fünf politischen Stiftungen geben den prozentualen Anteil der Gesamtinforma-

tion, den sie an andere EZ-Organisationen verschicken, an. Die weitergegebene Informa-

tion von P1 entspricht der Menge aller Evaluationen, Studien, Untersuchungen etc.. P2

schickt anderen Organisationen 80% und P4 40% seiner zur Verfügung stehenden Infor-

mation.

Von den kirchlichen Organisationen nennen 80% der Organisationen, die ihre Informa-

tionen an andere EZ-Organisationen weitergeben, wieviel diese Menge im Verhältnis zur

Gesamtmenge an Information ist. Bei K3 entspricht diese Menge drei Viertel aller Infor-

mationen, bei K7 sind es die Hälfte, bei K8 35% und bei K2 lediglich zehn Prozent.

Gerade noch zwei von vier NROs, welche anderen EZ-Organisationen ihre Informationen

weitergeben, erwähnen, wieviel Prozent die se Informationsmenge in Relation zur insge-

samt zur Verfügung stehenden Menge ist. Bei VENRO entspricht die Menge versendeter

Informationen der Menge aller Informationen, und bei N4 ist es die Hälfte aller Informa-

tionen (vgl. Tab. 4.1 in Anhang 4).

Erhöht man die Irrtumswahrscheinlichkeit auf 10%, so geben die politischen Stiftungen

statistisch signifikant insgesamt mehr Prozent ihrer Gesamtinformationen weiter als die

staatlichen Organisationen (vgl. Tab. 4.2 in Anhang 4).

Im Folgenden werden nun die Orga nisationen vorgestellt, die von den befragten Organi-

sationen der Entwicklungszusammenarbeit die meisten Informationen erhalten. An

erster

Stelle

stehen dort die Organisationen BMZ, S2, S7, K6, K7 und K9, also keine politischen

Stiftungen und keine sonstigen NROs. Von den staatlichen Organisationen nennen dabei

zwei Organisationen (S4, S6) an erster Stelle das BMZ als die Organisation, der sie die

meiste Information zusenden. Weiter sagen BMZ, S3, S5 und S7, dass die Organisation S2

die meisten ihrer Informationen erhält. Die staatlichen Organisationen bleiben also unter

sich, bei der Frage, an wen sie die meisten ihrer Information weitergeben. Von den

politischen Stiftungen nennen drei Organisationen (P1, P2 und P5) das BMZ als die

Organisation, die von ihnen die meisten ,Evaluationen, Studien, Untersuchungen etc.`

erhalten. Andere Organisationen außer dem BMZ werden dabei von den politischen

Stiftungen nicht genannt. Fünf kirchliche Organisationen geben an, welchen

Organisationen sie die meiste Information zukommen lassen. K 2 nennt dafür K6, K3 und

63


K7 nennen K9, K9 sagt, dass K7 die meiste ihrer Informationen erhält und nur K8 nennt

S7 als staatliche Organisation, welcher sie die meisten ihrer Informationen gibt. Die

kirchlichen Organisationen bleiben also auch weitestgehend unter sich, betrachtet man,

wem sie die meisten Informationen zur Verfügung stellen. Die sonstigen NROs machen

keine Angaben diesbezüglich (vgl. Tab. 6). Bei der Aussage, welche Organisationen die

größte Menge an Informationen erha lten, unterscheiden sich die staatlichen und

kirchlichen Organisationen signifikant in ihrem Antwortverhalten und zwar mit einer

Fehlerwahrscheinlichkeit von 3,5% (vgl. Tab. 4.3 in Anhang 4).

Zehn Organisationen machen eine Aussage, welchen Organisationen sie die

zweitgrößte

Menge an Informationen geben. Diese teilen sich jeweils zur Hälfte auf in staatliche und

kirchliche Organisationen. Politische Stiftungen und sonstige NROs geben dazu keine

Stellungnahme ab. BMZ und S4 nennen S3 als die Organisation, die von ihnen die zweit-

meiste Menge an Informationen erhält. Bei S5 ist dies S6 und S6 wiederum nennt S2 als

den zweitgrößten Empfänger ihrer Informationen. Als einzige staatliche Organisation

nennt S7 die kirchliche Organisation K8, wenn es um die Frage geht, wer an zweiter Stelle

bei der Verteilung von Informationen steht. Von den fünf kirchlichen Organisationen, die

diese Frage beantworteten, sind es K7 und K9, welche K5 als die Organisation nennen, die

von ihnen die zweitgrößte Informationsmenge zur Verfügung gestellt bekommt. In diesem

Kontext nennt K3 K7 und K2 VENRO. K8 ist dabei die einzige Organisation, die eine Or-

ganisation erwähnt, die nicht in der Stichprobe vorkommt, nämlich Organisation 51 (vgl.

Tab. 4.4 in Anhang 4).

Tabelle 6:

Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger bezüglich

der größten Informationsmenge

Organisation, welche die größte Informationsmenge erhält

Organisation

BMZ

S 2

S 7

K 6

K 7

K 9

Total

BMZ

1

S 3

1

S 4

1

S 5

1

S 6

1

S 7

1

P 1

1

P 2

1

P 5

1

K 2

1

K 3

1

K 7

1

K 8

1

K 9

1

Total

5

4

1

1

1

2

14

Quelle: eigene Berechnung

Eine Aussage darüber, welche die Organisation ist, welche die

drittgrößte

Menge an Eva-

luationen, Studien, Untersuchungen etc. erhält, machen wiederum zehn Organisationen ­

64


fünf staatliche und fünf kirchliche Organisationen. S6 und S7 benennen S3 als die Orga-

nisation die von ihnen die drittgrößte Informationsmenge erhält. S5 gibt dem BMZ, S4 S2

und das BMZ S4 die drittgrößte Menge aller Informationen, die sie versendet. Die staat-

lichen Organisationen bleiben also unter sich bei der Frage, wem sie die drittmeiste Menge

an Information zur Verfügung stellen. An dritter Stelle bei der Verteilung von Information

nennt K7 die andere kirchliche Organisation K6. K8 gibt dem BMZ die drittgrößte Infor-

mationsmenge. K2, K3 und K9 benennen in diesem Kontext Organisationen, die nicht aus

der Stichprobe stammen. Organisation 40 erhält von K2, 61 von K9 und 65 von K3 die

drittgrößte Informationsmenge (vgl. Tab. 4.5 in Anhang 4).

Die

vierte

Stelle, wenn es um die mengenmäßige Verteilung von Information geht, be-

nennen noch sieben Organisationen ­ drei staatliche und vier kirchliche Organisationen.

An der vierten Position stehen beim BMZ S11, bei S6 S5 und S7 eine kirchliche Organi-

sation, nämlich K7. K7 wird auch von K8 an vierter Stelle angeführt, wenn es um die

Verteilung ihrer Informationsmenge geht. Des weiteren nennt K2 das BMZ als Organisa-

tion aus der Stichprobe. Als Organisationen, die nicht aus der Stichprobe stammen, werden

an vierter Position bei der Verteilung von ,Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc.`

die Organisation 39 von K3 und 62 von K9 genannt. Eine Gruppenbildung ist hier nicht zu

erkennen (vgl. Tab. 4.6 in Anhang 4).

Welche Organisationen die

fünftgrößte

Menge an Informationen erhalten, konnten noch

sechs Organisationen beantworten. Organisation 67 wird vom BMZ an dieser Stelle ge-

nannt. S6 sagt, dass S10 und S7 sagt, dass das BMZ die fünfte Stelle bei der Verteilung

ihrer Information einnehmen. Die staatlichen Organisationen nennen also an fünfter Po-

sition auch nur staatliche Organisationen, wobei 67 eine Organisation außerhalb der

Stichprobenmenge ist. Die kirchliche Organisation K3 vergibt die fünfte Stelle an K5. K8

und K9 nennen mit 53 und 63 an fünfter Position zwei nicht-deutsche Organisationen, die

ebenfalls wie 67 nicht in der Stichprobe vorkommen (vgl. Tab. 4.7 in Anhang 4).

Nur noch vier Organisationen nennen die Organisationen, welche bei ihnen an

sechster

Stelle bei der Verteilung ihrer Information stehen. Die genannten Organisationen kommen

nicht in der Stichprobe vor. S7 nennt in diesem Kontext 68. 54, 64 und 66 werden von K8,

K9 und K3 an sechster Stelle aufgeführt, wenn es um die Verteilung ihrer Information geht

(vgl. Tab. 4.8 in Anhang 4).

Am insgesamt häufigsten werden die staatlichen Organisationen BMZ (neunmal), S2

(sechsmal) und S3 (viermal) von allen Organisationen bei der Verteilung ihrer Informa-

tionsmenge genannt. Dreimal werden insgesamt die kirchlichen Organisationen K5 und K7

aufgeführt. K6 erhält noch zwei Nennungen und alle anderen Organisationen erhalten

insgesamt eine Nennung. Das BMZ erhält also von den anderen EZ-Organisationen die

meisten Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc.. Dies könnte ein Indikator dafür sein,

dass das BMZ einen prestigereichen Akteur im Netzwerk verkörpert, denn das Prestige

eines Akteurs ergibt sich aus der Zahl der Kontakte anderer Akteure zu ihm (vgl. JANSEN,

65


1999: 136). Da das BMZ hier die meisten Kontakte aufweisen kann, ist dieser Rückschluss

möglich, wird aber noch in Kapitel 4.6.3 erörtert.

4.4 Das Sender-Empfänger-Netzwerk deutscher EZ-Organisationen

Den zentralen Bestandteil der Auswertung wird ­ wie bereits erwähnt ­ die Gestalt des

Kommunikations netzwerks deutscher EZ-Organisationen darstellen, welche mithilfe der

Netzwerkanalyse im Folgenden vorgenommen wird. Dies beinhaltet die deskriptive

Darstellung von drei verschiedenen Einzel-Kommunikationsnetzwerken: ein Sender-

Empfänger-Netzwerk (Kapitel 4.4), ein Empfänger-Sender-Netzwerk (Kapitel 4.5) und

schließlich ein Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen, bei dem ein

,Bestätigtes Senden` untersucht wird (Kapitel 4.6). Beim Sender-Empfänger-Netzwerk

wird ausschließlich das Senden von Informationen an andere EZ-Organisationen

beschrieben. Das Empfänger-Sender-Netzwerk wird nur mithilfe der Aussage, von

welchen Organisationen Informationen empfangen werden, skizziert. Für das abschließend

zu betrachtende Kommunikations netzwerk deutscher EZ-Organisationen wird schließlich

das oben genannte ,Bestätigte Senden` untersucht, d.h. es wird nicht nur die Aussage, dass

eine Organisation an die andere Organisation Informationen gesendet hat, sondern auch die

Aussage der anderen Organisation, dass etwas empfangen wurde, mit bewertet. Um das

Kommunikationsnetzwerk und seine Ak teure zu beschreiben, werden alle notwendigen

netzwerkanalytischen Maßzahlen herangezogen. Diese sind Kommunikationsdichte bzw.

Netzwerkdichte, Zentralität, Prestige, Cutpoint positionen, Netzwerkkomponentenanalyse,

Macht von Akteuren sowie verschiedene Cliquen- und Blockmodellanalysen zur Identi-

fikation von Gruppen im Netzwerk.

Die nun folgenden Darstellungen beziehen sich auf das Sender-Empfänger-Netzwerk.

4.4.1 Die Netzwerkdichte

Die Netzwerkdichte19 gibt Aufschluss darüber, wie viele von den möglichen Wahlen

innerhalb eines Netzwerks tatsächlich realisiert wurden. 20 Die Netzwerkdichte zeigt also

19 Hier und im nächsten Kapitel werden zunächst zwei asymmetrische Matrizen verwendet, nämlich eine

Sender ­ Empfänger ­ Matrix (Matrix A) und eine Empfänger ­ Sender ­ Matrix (Matrix B). Beide werden

in Kapitel 4.6 zusammengefasst betrachtet. Ein bestätigtes Senden, sowie ein einseitiges Senden und

Empfangen kann dann festgestellt werden Dazu wird Matrix B transponiert über Matrix A gelegt. Die zu-

sammengefasste Matrix enthält also alle Werte von Matrix A und B. Deshalb, und weil bei Soziomatrizen die

Zeilenanzahl der Spaltenanzahl entsprechen muss (xij = xji), haben alle drei Matrizen (Matrix A, Matrix B

und deren Zusammenfassung) die gleiche Spalten- und Zeilenanzahl. Dadurch werden die Kommunikations-

dichten zwischen den befragten Organisationen und denen außerhalb der Stichprobe geringer als sie viel-

leicht wirklich sind, denn nicht alle bei Matrix A genannten Organisationen aus den offenen Kategorien wür-

den in Matrix B vorkommen und umgekehrt. Insgesamt umfassen alle drei Matrizen jeweils 68 Akteure.

66


an, ob die Kommunikationshäufigkeit zwischen den Akteuren in einem Netzwerk hoch

oder niedrig ist. Somit dient sie der Überprüfung der Hypothesen H2, H3 und H4: Liegen

gleiche Einstellungen bei Organisationen vor, wird die Kommunikation zwischen ihnen

hoch sein, und somit besteht zwischen den Organisationen mit gleicher Einstellung eine

hohe Kommunikationsdichte und zwischen Organisationen mit ungleicher Einstellung eine

niedrige Kommunikationsdichte. Dabei ist zu beachten, dass bei grossen Netzwerken wie

dem hier vorliegenden, die Dichte geringer ist als bei kleinen Netzwerken, da es

beispielsweise in einem grossen Netzwerk für einen Akteur kaum möglich ist, die Zeit zur

Kommunikation mit allen anderen Akteuren zu finden ­ in einem kleinen Netzwerk ist dies

eher möglich (vgl. JANSEN, 1999: 89).

Tabelle 7:

Kommunikationsdichten ,,Sender ­ Empfänger" des Kommunikations-

netzwerks deutscher EZ-Organisationen

Informationsempfänger

Organisationen

Informations-

Staatliche

Politische

Kirchliche

Sonstige

außerhalb der

sender

Organisationen

Stiftungen

Organisationen

NROs

Stichprobe

Staatliche

0,7182

0,3455

0,1545

0,0331

0,0152

Organisationen

Politische

0,7636

1,0500

0,2200

0,1091

0

Stiftungen

Kirchliche

0,2636

0,1800

0,4667

0,2000

0,0500

Organisationen

Sonstige

0,1074

0,0182

0,1455

0,0636

0,0455

NROs

Organisationen

außerhalb der

0

0

0

0

0

Stichprobe*

Bei der Dichteberechnung bei gleichen Organisationstypen wurden die Angaben zur eigenen Organisation ­

die Diagonale in der Matrix ­ nicht berücksichtigt.

*

Die Netzwerkdichte in dieser Zeile muss immer Null sein, da diese Organisationen nicht befragt wurden

und daher keine Angaben bezüglich ihres Verhaltens als Informationsempfänger vorliegen

Gesamtdichte: Gesamt

= 0,0844

= 0,1505 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als Sender)

= 0,2538 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als Sender

und Empfänger)

Quelle: eigene Berechnung

20 Die größte anzunehmende Dichte () ist im Normalfall = 1. Da hier aber die Wahlen noch nach

Häufigkeit gewichtet wurden, wobei der häufigste Kontakt den Wert ,,3" erhielt, beträgt die höchste

anzunehmende Dichte 3* = 3.

67


Im Folgenden wurden die Kommunikationsdichten zwischen und innerhalb den einzelnen

Organisationstypen ermittelt, um vergleic hen zu können, bei welchen Organisationstypen

die Kommunikationsdichte bezüglich des Sendens von Informationen hoch bzw. niedrig

ist21.

Die Gesamtdichte von Gesamt = 0,0844 zwar sehr gering, lässt aber den Rückschluss auf

ein weak-tie-Netzwerk zu. Weak-ties sind in der Lage, im Netzwerk große Entfernungen

zu überbrücken. Weiterhin vermitteln sie verschiedenartige und oft auch neue

Informationen und sind daher für alle Mobilitäts-, Modernisierungs-, Innovations- und

Diffusionsprozesse im Netzwerk von Be deutung. Des Weiteren können sie

Ausschließungsprozesse von verschiedenen stark integrierten Gruppen im Netzwerk

aufhalten oder verhindern (vgl. JANSEN, 1999: 101). Dagegen dauert es in weak-tie-

Netzwerken oft länger bis sich Neuigkeiten, wie etwa eine Inno vation, von den zentralen

Akteuren bis in die Ränder des Netzwerks verbreiten (vgl. JANSEN, 1999: 88).

Tab. 7 zeigt, dass die staatlichen Organisationen öfter an andere staatliche Organisationen

Informationen senden als an alle anderen Organisationstypen. Die Kommunikationsdichte

ist doppelt so hoch wie die zwischen staatlichen Organisationen und politischen Stiftungen

und viermal so hoch wie zwischen staatlichen und kirchlichen Organisationen. Staatliche

Organisationen senden sogar 22mal öfter Informationen an andere staatliche Organi-

sationen als an sonstige NROs.

Bei den politischen Stiftungen wurde in Hypothese 3 erwartet, dass sie sich untereinander

nicht so viele Informationen senden, wie sie das z.B. an staatliche Organisationen tun.

Diese Annahme wird hier widerlegt. Die Kommunikationsdichte zwischen den politischen

Stiftungen ist mit 1,05 deutlich höher als zu den staatlichen Organisationen mit 0,76.

Dennoch ist in Tab. 7 zu erkennen, dass die Dichte der Kommunikation zwischen

politischen Stiftungen und staatlichen Organisationen höher ist als zu den sonstigen NROs,

was auch im Vorfeld angenommen wurde. Die politischen Stiftungen scheinen also doch

gleiche Einstellungen zu besitzen, sonst wäre ihr gegenseitiger Informationsaustausch nicht

so hoch.

Die kirchlichen Organisationen unterscheiden sich in ihren Kommunikationsdichten wie in

H4 angenommen nicht bzw. nur kaum nach katholischen und evangelischen Organisa-

tionen (s. Tab. 8). Katholische Organisationen senden z.B. häufiger an evangelische Or-

ganisationen als zu anderen katholischen Organisationen. Evangelische Organisationen

versenden untereinander aber öfter Informationen als katholische Organisationen. Dennoch

ist die Kommunikationsdichte mit 0,9444 sehr hoch ­ z.B. höher als die staatlichen Orga-

nisationen untereinander. Es kann also nicht behauptet werden, dass sich die kirchlichen

Organisationen untereinander bezüglich der Wahl ihres Kommunikationspartners

21 Die Kommunikationsdichten werden mit mn = Dichte zwischen Organisationsarten m und n

bezeichnet. S steht für staatliche, P für politische, K für kirchliche und N für Nichtregierungs-

organisationen

68


unterscheiden. Sie teilen dementsprechend doch gleiche Einstellungen. Deshalb werden die

kirchlichen Organisationen insgesamt als eine Organisationsart betrachtet (s. Tab. 7). Die

kirchlichen Organisationen besitzen untereinander mit 0,4667 eine zwei- bis dreimal

höhere Kommunikationsdichte als zu anderen Organisationstypen.

Tabelle 8:

Kommunikationsdichten ,,Sender ­ Empfänger" des Kommunikations-

netzwerks deutscher EZ-Organisationen (Katholische und evangelische

EZ-Organisationen)

Informationsempfänger

Katholische

Evangelische

Informationssender

Organisationen

Organisationen

Katholische

0,2000

0,4444

Organisationen

Evangelische

0,9444

1,5000

Organisationen

Quelle: eigene Berechnung

Aus Tab. 7 lässt sich erkennen, dass die sonstigen NROs zu dem einzigen Organisationstyp

gehören, wo die Kommunikationsdichte untereinander geringer ist als bei den anderen

Organisationstypen. Am häufigsten versenden die sonstigen NROs Informationen an

kirchliche Organisationen (NK = 0,1455) und an staatliche Organisationen (NS = 0,1074).

Untereinander beträgt die Kommunikationsdichte nur 0,0636. Die Kommunikationsdichte

zwischen den sonstigen NROs zu sich selbst und den kirchlichen Organisationen ist mit

NN+NK = 0,0996 fast so hoch wie zu den staatlichen Organisationen. An dieser Stelle ist

nun nicht zu erkennen, dass sich die sonstigen NROs sehr von den staatlichen

Organisationen ­ was die Wahl des Kommunikationspartners betrifft ­ entfernen. Die

Nähe zu den kirchlichen und den staatlichen Organisationen ist deutlich höher als

untereinander. Die Annahme H2, dass sich die staatlichen und die sonstigen NROs

aufgrund der Wahl ihrer Kommunikationspartner in zwei Gruppen aufteilen, wäre nur

aufgrund dieser Tatsache Stelle schwer zu bestätigen. Andererseits kann die niedrige

Dichte z.B. auch durch den Ausfall vieler sonstigen NROs beim Fragebogenrücklauf her-

rühren.22 Weiterhin kann, wenn die Gruppe der Nichtregierungsorganisationen an dieser

Stelle etwas weiter gefasst wird und die Kommunikation der sonstigen NROs zu den

kirchlichen Organisationen mit betrachtet wird, die Kommunikation zwischen den NROs

als doch intensiver als zu den staatlichen Organisationen gewertet werden. Da die staat-

22 ,Keine Angaben` müssen ebenfalls wie eine nicht existente Verbindung beim Rechnen mit Soziomatrizen

mit 0 codiert werden. Dadurch kann die Netzwerkdichte bei den Angaben der sonstigen NROs sinken.

69


lichen Organisationen untereinander ebenfalls eine höhere Kommunikationsdichte besitzen

als zu den sonstigen NROs, ist die Annahme wohl eher zu bestätigen als zu verwerfen.

Die größten Kommunikationsdichten zu Organisationen außerhalb der Stichprobe besitzen

die kirchlichen Organisationen und die sonstigen NROs mit jeweils ca. 0,05. Politische

Stiftungen versenden gar keine Informationen an Organisationen außerhalb der Stichprobe.

Das bedeutet, dass hauptsächlich die NROs an andere Organisationen Informationen

versenden. Die Streuweite ist bei den sonstigen NROs und den kirchlichen Orga nisationen

­ was den Organisationstyp betrifft ­ sehr weit. Die Kommunikationsdichten zu den

einzelnen Organisationstypen sind zwar insgesamt nicht sehr hoch, dafür ist aber die

Streuweite relativ konstant. Die staatlichen Organisationen und politischen Stiftungen

beschränken ihre Kommunikation dagegen eher auf die Organisationen die in der

Stichprobe vorkommen, und dabei bevorzugen sie vor allem den Informationsaustausch

mit Organisationen des gleichen Organisationstypus.

4.4.2 Zentralität von Akteuren

Bestimmte Werte, die für die Zentralitäts- und Prestigemessung von Ak teuren

verantwortlich sind, sind bei den mächtigen und einflussreichen Organisationen höher als

bei anderen. Umgekehrt bedeutet dies: Je höher die

Zentralitäts

- und

Prestige

werte sind,

die sich bei einer Organisation zeigen, desto

mächtiger

ist sie und desto mehr Einfluss hat

sie (vgl. JANSEN 1999: 155 und vgl. SCHENK, 1984: 75). Um also die Hypothese H1 zu

überprüfen, sind die Zentralitätswerte und die im folgenden Kapitel dargestellten Prestige-

werte von Bedeutung.

Die Zentralität ist zunächst ein Maß für die Position von einzelnen Akteuren in einem

Netzwerk. Zur Bestimmung der Zentralität von Akteuren in einem Netzwerk gibt es drei

Maße, die unterschiedlich interpretiert werden ­ nähebasierte, Betweenness-basierte und

Outdegree-basierte Zentralität. Dadurch soll hier das Augenmerk nur auf einige wenige

herausragende Akteure gerichtet werden und nicht auf die Zentralitätswerte aller Akteure.

Die nähebasierte Zentralität der Sender-Empfänger-Matrix kann hier vernachlässigt wer-

den, da es Akteure gibt, die nicht erreichbar sind ­ es gibt unverbundene Akteure. Somit ist

auch das Sender-Empfänger-Netzwerk in seiner Gesamtheit unverbunden. Das bedeutet

wiederum, dass dieses Netzwerk in verschiedene Komponenten zerfällt ­ um genau zu sein

17. Darin lassen sich 16 unverbundene Einzelakteure (N3, 43, 44, 45, 57, 58, 59, 60, 61,

62, 63, 64, 65, 66, 67und 68) feststellen, die keine kommunikative Verbindung zum Rest

des Netzwerks (Komponente 17) aufweisen können (vgl. Abb. 5.1 in Anhang 5). Aufgrund

der unverbundenen Einzelakteure, ist eine nähebasierte Zentralität nicht mehr möglich

(vgl. JANSEN, 1999: 127).

70


Tabelle 9:

Zentralitätsmaße der einzelnen Netzwerkakteure des Sender-Empfänger-

Netzwerks

Organisation Betweenness nBetweenness OutDegree NrmOutDeg

BMZ

501.903

11.699

50.000

75.758

K9

200.021

4.662

44.000

66.667

VENRO

137.301

3.200

18.000

27.273

K8

135.369

3.155

26.000

39.394

P5

35.161

0.820

18.000

27.273

S7

30.916

0.721

26.000

39.394

P4

29.084

0.678

31.000

46.970

S8

24.786

0.578

12.000

18.182

K7

14.111

0.329

11.000

16.667

K3

12.148

0.283

26.000

39.394

P2

6.118

0.143

19.000

28.788

S3

4.283

0.100

6.000

9.091

S11

2.786

0.065

7.000

10.606

K2

2.000

0.047

10.000

15.152

P1

1.718

0.040

3.000

4.545

P3

1.643

0.038

9.000

13.636

N4

1.368

0.032

22.000

33.333

S2

0.683

0.016

5.000

7.576

S6

0.500

0.012

7.000

10.606

S4

0.100

0.002

6.000

9.091

N9

0.000

0.000

8.000

12.121

S5

0.000

0.000

5.000

7.576

N5

0.000

0.000

4.000

6.061

Alle hier nicht aufgeführten Akteure haben Betweeness- und Outdegreemaße von 0.

Quelle: eigene Berechnung

Weitere Zentralitätsmaße sind Betweenness und Outdegree. Da die Betweenness etwas

über die Möglichkeiten der Kommunikationskontrolle des Akteurs aussagen, wurden die

Akteure in Tab. 9 nach dem höchsten absoluten Betweenness-Wert und dann absteigend

angeordnet. Die Outdegreemaße stehen daneben. Für beide Werte wurden jeweils noch

standardisierte Werte angegeben (nBetweenness sowie NrmOutDeg). Die Betweenness

besagt, dass ein Akteur ,,zwischen" zwei anderen steht, wenn er diese über die kür zeste

Pfaddistanz miteinander verbindet. Aus dieser Position leitet sich eine Kontrollposition ab,

welche es ihm ermöglicht, die Kommunikation zwischen den beiden Endpunkten

71


aufrechtzuerhalten oder aber deren Kommunikationsfluss zu unterbrechen (vgl. König,

1992: 110). Je höher der Wert, desto höher diese Kontrollmöglichkeit. Die Outdegrees

oder abgegebenen Wahlen erfassen die Anzahl der direkten Verbindungen des Akteurs zu

anderen Punkten im Netzwerk. Es gilt somit als Maß für die Kommunikationsaktivität des

Akteurs (vgl. JANSEN, 1999: 131).

Aus Tab. 9 lässt sich erkennen, dass das BMZ der Akteur ist, der mit Abstand die höchsten

Zentralitätsmaße besitzt. Das BMZ steht im Mittelpunkt des Kommunikationsnetzwerks

deutscher EZ-Organisationen ­ wird die Sender-Empfänger-Matrix betrachtet. Es kon-

trolliert sowohl die Kommunikation zwischen den anderen Organisationen (Betweenness),

hat aber auch selbst die höchste Kommunikationsaktivität (Outdegree). Weitere zentrale

Positionen im Sender-Empfänger-Netzwerk nehmen die Organisationen K9, VENRO und

K8 ein, jedoch mit weitem Ab stand hinter dem BMZ. K9 hat von diesen Organisationen in

seiner Kommunikation noch die größte Aktivität mit odK9 = 44 (Outdegreewert von K9)

und besitzt davon auch die größte Kontrollmöglichkeit mit einem Wert von bjk(nK9) =

200.021 (Betweennesswert von K9). Obwohl VENRO nicht so viele direkte Be ziehungen

wie K8 besitzt, scheint dieser Akteur im Sender-Empfänger-Netzwerk besser eingebettet

zu sein, denn er hat mehr Kontrollmöglichkeiten als K8. Auch andere Organisationen wie

S7, P4, K3, P2 oder N4 haben höhere Outdegree-Werte als VENRO. Dennoch besitzen

diese nicht annähernd die gleichen Kontrollmöglichkeiten wie VENRO. Was dagegen

nicht zu erwarten war, ist die Tatsache, dass zwei kirchliche Organisationen (K9 und K8)

zwei sehr zentrale Akteure im Sender-Empfänger-Netzwerk darstellen. Von den

politischen Stiftungen nimmt P5 mit einem Betweennessmaß von bjk(nP5) = 35 den fünften

Platz in der Zentralitätsreihenfolge ein, vor S7. Auch hier besitzt der zentralere Akteur P5

eine geringere Kommunikationsaktivität als Organisation S7. Organisation P4 soll hier

noch genannt werden, welche die drittgrößte Anzahl an direkten Beziehungen in diesem

Netzwerk besitzt, was die Zentralität betrifft, aber nur den siebthöchsten Wert besitzt.

Auch N4 hat mit einem Outdegree von odN4 = 22 noch eine mittlere Kommunikationsakti-

vität, kommt aber durch seine geringen Einfluss auf die Kommunikation zwischen den

anderen Akteuren in der Zentralität nur auf den 17. Rang.

Werden also die Zentralitätsmaße aus Tab. 9 betrachtet, bestätigt sich die Annahme H1,

dass BMZ und VENRO mächtige Akteure im Sender-Empfänger-Netzwerk sind. Hinzu

kommen noch K9 und K8 als sehr zentrale und damit eventuell mächtige Akteure im

System.

Weitere Indikatoren für die Machtposition eines Akteurs sind die Prestigemaße.

4.4.3 Prestige von Akteuren

Mit Prestigekonzepten wird erfasst ,,inwiefern sie [die Akteure] knappe Wertschätzung,

Autorität und Achtung im Netzwerk genießen" (JANSEN, 1999: 136). Prestigemaße sind

72


also auch Indikatoren für Machtpositionen. Wie bei den Zentralitätsmaßen gibt es auch bei

den Prestigemaßen verschiedene Größen. Das ist zum einen das Indegree-basierte Prestige

und zum anderen das Rangprestige. Das Indegree-basierte Prestige ist das einfachste, aber

auch das stärkste Prestigemaß, da es die unmittelbaren Beziehungen des Akteurs misst

bzw. genauer, wie oft er von anderen Organisationen kontaktiert wird. Ist sein Prestige

niedrig, ist auch die Zahl seiner Wahlen niedrig. Tab. 5.1 in Anhang 5 ist demnach in erster

Linie nach dem Indegreemaß geordnet (s. Tab. 5.1 in Anhang 5, Spalte InDegree). Als

weiteres Maß gilt das Rangprestige, welches sich durch den Eigenvektor ausdrückt. Für die

korrekte Berechnung des Eigenvektors wurde die Sender-Empfänger-Matrix zunächst

symmetrisiert23 (s. Tab. 5.1 in Anhang 5, Spalte Eigvec). Zusätzlich wurde aber auch

,inkorrekt′, mit der asymmetrischen, die Häufigkeit der Beziehung bewertenden Matrix,

der Eigenvektor ermittelt, um ihn mit dem eigentlichen Eigenvektor vergleichen zu können

(s. Tab. 5.1 in Anhang 5, Spalte Easym). Neben diesen Maßzahlen sind auch noch jeweils

die standardisierten Werte in der Tabelle neben den absoluten Maßen zu finden

(NrmInDeg, nEigvec, nEasym). Das Rangprestige berücksichtigt neben direkten auch

indirekte Wähler, sowohl die Qualität ­ den Rang ­ des Wählers selbst. Es ist also ein eher

qualitatives Maß.

Aus Tab. 5.1 in Anhang 5 lässt sich gut erkennen, dass das BMZ bei allen Prestigemaßen

mit Abstand die höchs ten Werte besitzt. Sowohl sein Indegree (49) als auch der Eigen-

vektor (0.518) sind fast doppelt so hoch wie der jeweilige zweithöchste Wert. Damit be-

sitzt das BMZ im Sender-Empfänger-Netzwerk nicht nur die höchste Zentralität, sondern

auch das höchste Prestige aller Akteure. Die Annahme aus H1.1, dass das BMZ im Netz-

werk deutscher EZ-Organisationen ein mächtiger Akteur ist, bestätigt sich an dieser Stelle,

da Zentralität wie auch Prestige Indikatoren für eine Machtposition im Kommunikations-

netzwerk sind (vgl. JANSEN, 1999: 155). Ebenfalls hohe Indegreewerte besitzen S2, S3

und VENRO (vgl. Tab. 5.1 in Anhang 5). Die Prestigerangordnung auf den Plätzen zwei

bis vier spiegelt also nicht die Rangordnung der Zentralität wieder. Wo K8 und K9 noch

hohe Zentralität besaßen, beläuft sich ihre Prestigerangordnung im Sender-Empfänger-

Netzwerk auf die Plätze 12 und 13, wobei K9 aber noch den viert höchsten Eigenvektor

und den zweitgrößten asymmetrischen Eigenvektor besitzt. K9 wird also nicht sehr oft

kontaktiert. Wenn dies aber geschieht, dann von Akteuren, die selbst ein hohes Prestige

besitzen. Da K8 und K9 nur hohe Zentralitätswerte, aber geringe Prestigewerte besitzen

(vgl. Tab. 9 und Tab. 5.1 in Anhang 5), kann nicht davon ausgegangen werden, dass ihre

Machtposition vergleichbar mit dem des BMZ wäre. Anders bei VENRO. Diese

Organisation besitzt die drittgrößte Zentralität und das vierthöchste Prestige aller Akteure

(vgl. Tab. 9 und Tab. 5.1 in Anhang 5). Der niedrige Eigenvektorwert von 0.098 deutet

jedoch darauf hin, dass die Akteure, die VENRO wählen, selbst kein hohes Prestige

23 Die Wahlen in der Zeile müssen mit denen der Spalte identisch sein. Identische Wahlen erhalten eine 1,

alle anderen eine 0. Dabei ging die Asymmetrie und die Wertung der Häufigkeit des Kontakts verloren.

73


innerhalb des Netzwerks haben. Da gerade die sonstigen NROs in der Prestigewertung in

den unteren Rängen zu finden sind (vgl. Tab. 5.1 in Anhang 5), könnte angenommen

werden, dass VENRO gerade von diesen Akteuren besonders häufig als Kommuni-

kationspartner gewählt wird. Aufgrund seiner Zentralität würde VENRO also vor allem im

Mittelpunkt der sonstigen NROs stehen. Wegen seiner Zentralität und seines Prestiges

kann also festgehalten werden, dass diese Indikatoren darauf hinweisen, dass VENRO der

Akteur mit der zweithöchsten Machtfülle im Sender-Empfänger-Netzwerk ist. Das

bedeutet, dass sich auch die Annahme H1.2 ­ zumindest für das Sender-Empfänger-

Netzwerk ­ bestätigt.

Angesichts der Eigenvektorwerte, erkennt man, dass gerade die politischen Stiftungen,

außer P1, sehr hohe Werte erreichen. Dies kann durch die hohe Kommunikationsdichte

innerhalb der politischen Stiftungen erklärt werden. Da der Eigenvektorwert auch vom

Prestige des Wählenden mit beeinflusst wird, heben die politischen Stiftungen ihr

Rangprestige gegenseitig an. Dagegen sind die politischen Stiftungen aufgrund des

Indegree-basierten Prestiges eher im mittleren Bereich zu finden (vgl. Tab. 5.1 in Anhang

5).

Zu erwähnen ist noch, dass mit K7 und K5 an fünfter und sechster Stelle auch noch zwei

kirchliche Organisationen mit an der Spitze des Rangprestiges stehen. Da beide jedoch

sehr geringe Eigenvektorwerte haben, werden diese Akteure wohl hauptsächlich von Ak-

teuren mit niedrigem Rangprestige gewählt (vgl. Tab. 5.1 in Anhang 5).

4.4.4 Cutpoint-Positionen

S8, K8, K9 und VENRO besitzen im Sender-Empfänger-Netzwerk Cutpointpositionen

(vgl. Abb. 5.2 in Anhang 5). Cutpointakteure sind die letzte Verbindung zu einzelnen Ak-

teuren, die ohne diesen Brückenakteur zu einer einzelnen Netzwerkkomponente werden

würden. Sie entziehen sich daher der starken Vernetzung mit nur einer Clique im Netz-

werk. Sie bilden also Schnittpunkte im Netzwerk und stellen die letzte Verbindung von

mindestens einer Komponente zum restlichen Netzwerk dar. Durch diese Position können

sie z.B. Informationen aus voneinander getrennten Kontexten zusammenfügen und somit

zu einem innovativen Motor im Netzwerk werden. VENRO bildet hier den Brückenkopf

zu den Organisationen 42, 46, 47, 48, 49, 50. Ohne K9 wären K4, N11, 55 und 56 nicht zu

erreichen. K8 ist die letzte Verbindung zu den Organisationen 53 und 54 und S8 verbindet

noch die Organisation 41 (vgl. Abb. 5.2 in Anhang 5). Andererseits können sie aus ihrer

Position aber auch für sich selbst Profite herausschlagen, indem sie verschiedene Gruppen

gegeneinander ausspielen, um ihre Vorstellungen von einer Sache durchzusetzen24 (vgl.

JANSEN, 1999: 100).

24 Welche Charakterzüge von den Cutpointakteuren hier vertreten sind, können allerdings nur die Organisa-

tionen selbst wissen.

74


4.4.5 Cliquen

Bei der Cliquenanalyse werden innerhalb des Netzwerks verschiedene kohäsive Sub-

gruppen ausfindig gemacht. Dafür gibt es verschiedene Ansätze. Die soziometrische n-

Clique bzw. der n-Clan, den k-Plex und den k-Core. Die k-Plex-Methode liefert 876 ver-

schiedene 2-Plexe im Sender-Empfänger-Netzwerk mit überlappenden Mitgliedern (vgl.

Abb. 5.4 in Anhang 5). Dies ist eindeutig eine viel zu hohe Anzahl von möglichen Sub-

gruppen, um weiter darauf einzugehen. Die n-Clan Methode liefert zehn 2-Clans, also zehn

Subgruppen, die einen bestimmten Grad an Verbundenheit besitzen. Hier liegt zwischen

den einzelnen Akteuren der Subgruppe eine maximal erlaubte Pfaddistanz von zwei. Das

Problem ist jedoch, dass diese Methode viele Cliquen identifiziert, in denen teilweise

gleiche Akteure vorkommen (vgl. Abb. 5.3 in Anhang 5). Die k-Core Methode liefert nicht

notwendigerweise kohäsive Subgruppen, kann aber dichte Regionen im Netzwerk

ausfindig machen. Die dichteste Region im Netzwerk beinhaltet die Akteure BMZ, S2, S3,

S7, S8, S10, S11, P1, P2, P3, P4, P5, K3, K5, K7, K8, K9 und N4. Diese Organisationen

können in ihrem Teilgraphen mindestens zehn andere Akteure auf direktem Wege er-

reichen. Nimmt man noch die Organisationen S9 und VENRO (vgl. Abb. 5.5 in Anhang 5)

in den Teilgraphen auf, so beträgt die Anzahl der Akteure die vo n den Teilgraphenmit-

gliedern erreicht werden können immer noch sieben andere Organisationen. Es verwundert

jedoch nicht, dass in dieser Gruppe von Organisationen, die zueinander eine hohe

Kommunikations dichte besitzen, die politischen Stiftungen und viele staatliche

Organisationen zu finden sind, denn diese Organisationsarten tauschen jeweils unter-

einander schon viele Informa tionen aus (vgl. Kapitel 4.4.1).

Insgesamt gesehen liefert die Cliquenanalyse keine eindeutigen Werte, um Subgruppen

innerhalb des Sender-Empfänger-Netzwerk ausfindig zu machen. Die k-Core Methode

zeigt nur, zwischen welchen Organisation besonders viel direkte Verbindungen bestehen.

Eine Außenabgrenzung der Organisationen im Teilgraphen zu anderen Akteuren bietet sie

jedoch nicht.

4.4.6 Strukturelle Äquivalenz und Blockmodelle

Auch die Blockmodellanalyse bietet die Möglichkeit Subgruppen innerhalb des Netzwerks

ausfindig zu machen. Dabei wird nach strukturell ähnlichen Positionen der Akteure in

ihren Netzwerk- und Sozialstrukturen gesucht und alle strukturell ähnlichen Akteure zu

einem Block bzw. zu strukturell äquivalenten Positionen gehörig zussammengefasst. Dabei

gehen vor allem im Gegensatz zur Cliquenanalyse alle Außenbeziehungen der Akteure mit

in die Berechnung ein (vgl. JANSEN, 1999: 203 und SCHENK, 1984: 83f; 93).

Für die Identifikation von Akteuren mit strukturell äquivalenten Positionen bieten sich

zwei Verfahren an. Das CONCOR-Verfahren vergleicht die Ähnlichkeit von zwei Ak-

teuren mithilfe von Korrelationsmaßen, das Burt-Verfahren mithilfe von euklidischen

75


Distanzen. Das Burt-Verfahren hat den Nachteil gegenüber dem CONCOR-Verfahren, das

Restpersonen übrig bleiben können, die keiner Gruppe zugeordnet werden können. Beide

Verfahren sollen hier ergänzend angewandt werden (vgl. JANSEN, 1999: 217f).

Beide Verfahren führen zuerst die Organisationen zu Blöcken zusammen, die aufgrund der

Komponentenanalyse alle eine einzelne Komponente des Sender-Empfänger-Netzwerks

darstellen, und zwar: N3, 43, 44, 45, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 66, 67 und 68. Die

Akteure 42, 46, 47, 48, 49, 50 werden ebenfalls von beiden Verfahren als Subgruppe

identifiziert. Deren gemeinsame Position ergibt sich daraus, dass sie als einzige von

VENRO gewählt werden, die eine zentrale Position im Netzwerk besitzt. Überein-

stimmungen in den Bildungen von Subgruppen sind noch bei den Organisationen N11, K4,

52, 55 und 56 zu finden. Im Burt-Verfahren werden diese fünf Akteure aufgrund ihrer

strukturellen Ähnlichkeit im Netzwerk zu einer Gruppe zusammengefasst. Im CONCOR-

Verfahren kommen zu diesen noch die Akteure 39, N2 und N10 zur Gruppe hinzu (Gruppe

6, vgl. Abb. 5.6 in Anhang 5). Worauf die Ähnlichkeit hier beruht, ist aber schwer zu

sagen. Ein gemeinsames Merkmal, dass alle diese Organisationen teilen, ist, dass sie alle

nur sehr selten als Kommunikationspartner gewählt werden, aber alle auf jeden Fall von

K9 ­ ebenfalls wie VENRO ein sehr zentraler Akteur - Informationen zugesandt be-

kommen. In der weiteren Subgruppenunterteilung unterscheiden sich die Ergebnisse beider

Verfahren (vgl. Abb. 5.6 und Abb. 5.7 in Anhang 5).

Mithilfe des CONCOR-Verfahrens werden weitere sieben Gruppen identifiziert. Die erste

Gruppe besteht aus den Organisationen BMZ, S2, S11, S8, S7, P5 und 41 (vgl. Abb. 5.6 in

Anhang 5). Erstaunlich ist dabei die Zuordnung von Organisation 41, die eigentlich außer-

halb der Stichprobe liegt, aber trotzdem eine strukturell ähnliche Position im Netzwerk

aufweist, wie das BMZ und andere staatliche Organisationen, von der aus S8 sogar eine

Cutpointposition einnimmt. Nach dem Burt-Verfahren ist Organisation 41 ein Restakteur,

der erst in späteren Rechenschritten N9 und K1 zugeordnet wird. Auch die anderen

Organisationen dieser Gruppe sind laut Burt-Methode Restakteure, die erst sehr spät

während des Verfahrens mit anderen Akteuren zusammengeführt werden (vgl. Abb. 5.7 in

Anhang 5). Am schwersten davon ist das BMZ zuzuordnen. Seine Position ist im

Netzwerk wohl so einzigartig, dass es erst als allerletzte Organisation mit den anderen

Akteuren zu einer Gruppe zusammengeführt werden könnte. Insgesamt divergieren die

Aufteilung der restlichen Akteure in beiden Verfahren so stark, dass weitere konkrete

Aussagen über äquiva lente Rollenpositionen im Sender-Empfänger-Netzwerk kaum

möglich sind. Die Akteure aus den mithilfe der CONCOR-Berechnung identifizierten

sieben Gruppen (vgl. Abb. 5.6 in Anhang 5) wären insgesamt laut Burt-Verfahren also

mehr oder weniger schwer zuzuordnende Restakteure (vgl. Abb. 5.7 in Anhang 5).

76


4.4.7 Zentralisierung des Netzwerks

Die Zentralisierungsmaße des Netzwerks beruhen auf den Zentralitätsmaßen des zen-

tralsten Akteurs. Sie beschreiben unterschiedliche Eigenschaften des Gesamtnetzwerks.

Der relativ geringe Wert der Betweenness-basierten Zentralisierung von ca. 23% (vgl.

Abb. 11), lässt darauf schließen, dass im Sender-Empfänger-Netzwerk die Kommunikation

zwar von einem sehr zentralen Akteur wie dem BMZ weitgehend kontrolliert wird, jedoch

wird Information nicht von ihm monopolisiert. Er lässt andere Akteure in starkem Maße an

seinen Informationen teilhaben.

Die Degree-basierte Zentralisierung erfasst, in wie weit der zentrale Akteur an den direkten

Beziehungen der anderen Akteure beteiligt ist. Ein Wert von 1 bzw. 100% würde somit

eine Sternform des Netzwerks mit dem zentralen Akteur in der Mitte bedeuten, eine 0 eine

Kreisstruktur (vgl. JANSEN, 1999: 132)25. Da der Wert dazwischen liegt, scheint das

Netzwerkgebilde keine einfache Struktur zu besitzen. Dennoch ist das BMZ laut der

Degree-basierten Zentralisierung mit ca. 67% an allen direkten Beziehungen der anderen

Akteure beteiligt. Es kann dies so interpretiert werden, als dass die anderen Akteure das

BMZ als einen sehr zentralen Akteur im Netzwerk wahrnehmen, denn immerhin bestimmt

er 67% ihrer direkten Beziehungen (vgl. Abb. 11).

Abbildung 11: Netzwerkzentraliserungsmaße des Sender-Empfänger-Netzwerks

Network Centralization Index

(Betweenness)

= 22.95%

Network Centralization

(Outdegree)

= 68.343%

Network Centralization

(Indegree)

= 66.804%

Quelle: eigene Berechnung

4.4.8 Die Struktur des Sender-Empfänger-Netzwerks

Fasst man die bisherigen Ergebnisse kurz zusammen, ergeben sich folgende Befunde:

Zwischen den staatlichen und den politischen Stiftungen herrschen hohe Kommunika-

tionsdichten. Ansonsten liegt ein weak-tie-Netzwerk vor, in dem es viele einseitige

Beziehungen gibt. Darin sind BMZ und VENRO die mächtigen Akteure. Gerade staatliche

Organisationen sind prestigereiche Akteure in diesem Netzwerk. Zu den zentralen

Akteuren im Netzwerk gehören zwei kirchliche Organisationen. Die Degree-basierten

Zentralisierungs werte besagen, dass das Aussehen des Netzwerks zwischen einer Stern-

und einer Kreisstruktur liegt, mit Tendenz zu einer Sternstruktur. Des weiteren gibt es 16

unverbundene Einzelakteure, d.h. die Erreichbarkeit aller Akteure im Netzwerk ist nicht

25 Da gewertete Beziehungen nach ihrer Häufigkeit vorliegen, kann der Maximalwert über 100% liegen.

Betrachtet man aber das tatsächliche Aussehen, welches sich durch Berechnungen mithilfe spezieller

Software ergibt, sind die hier vorliegenden Werte doch so zu interpretieren, wie im Regelfall. Dies gilt auch

für Kapitel 4.5.7 und 4.6.7.

77


gegeben. Deshalb gehen auch manche Pfaddistanzen bis ins unendliche. Es gibt vier Cut-

pointakteure, die den letzten Kontakt zu 13 weiteren Akteuren sicherstellen.

Abbildung 12: Modell des Sender-Empfänger-Netzwerks

A

G

B

H

L

C

M

I

Akteure mit großer

Kommunikationsdichte,

zentrale, angesehene &

D

Cutpointakteure

N

J

O

E

K

F

Vereinfachtes, zweidimensionales Modell des Sender-Empfänger-Netzwerks. Hier wurde nur die Form des

Netzwerks, sowie die möglichen Beziehungsarten der einzelnen Akteure zum Zentrum des Netzwerks darge-

stellt. Im Modell musste auf die konkrete Nennung der einzelnen Organisationen zugunsten der Übersicht-

lichkeit verzichtet werden. Die Akteure außerhalb des Zentrums sind mit A bis O gekennzeichnet.

Quelle: eigene Berechnung

Aus diesen Fakten zusammengenommen kann abgeleitet werden, dass das Netzwerk eine

Halbkugelform besitzt: In der Mitte des Kreises sind die zentralen und angesehenen, sowie

auch die Cutpointakteure angeordnet. Des weiteren sind dort die Akteure zu finden, die

eine große Kommunikationsdichte zueinander besitzen. Von diesem sehr überfüllten

Zentrum gehen dann sternförmig, aber nur in Richtung der Halbkugelhemisphäre die

Verbindungen zu den schlechter zu erreichenden Akteuren hin. Diese sind also in der

Hemisphäre der Halb kugel angeordnet und sind nur noch selten untereinander verbunden,

d.h. die Kommunikation zwischen ihnen läuft weitestgehend über mindestens einen Akteur

78


des Zentrums. Dadurch besteht eine gewisse Abhängigkeit von den Akteuren im Zentrum

(vgl. Abb. 12).

4.5 Das Empfänger-Sender-Netzwerk deutscher EZ-Organisationen

4.5.1 Die Netzwerkdichte

Wie in Tab. 10 zu erkennen ist, sind die Kommunikationsdichten zwischen den kirchlichen

Organisationstypen im Empfänger-Sender-Netzwerk relativ kongruent zu denen aus dem

Sender-Empfänger-Netzwerk (vgl. Tab. 8). Hier sind die Kommunikationsdichten insge-

samt nur etwas geringer. Aber auch hier erhalten die evangelischen Organisationen von

anderen evangelischen Organisationen öfter Informationen als von den katholischen. Die

katholischen Organisationen sagen dagegen, dass sie öfter Informationen von den

evangelischen als von katholischen Organisationen bekommen. Die kirchlichen Organisa-

tionen unterscheiden sich in ihren Kommunikationsdichten wie in H4 angenommen nicht

bzw. nur kaum nach katholischen und evangelischen Organisationen. Denn dafür müssten

auch die katholischen Organisationen mehr Informationen von anderen katholischen als

von evangelischen Organisationen erhalten. Die Behauptung, dass sich evangelische und

katholische Organisationen hinsichtlich der Wahl ihres Kommunikationspartners unter-

scheiden, ist also nicht möglich. Deshalb betrachtet man die kirchlichen Organisationen als

Ganzes (s. Tab. 11).

Tabelle 10:

Kommunikationsdichten ,,Empfänger - Sender" des Kommunikations-

netzwerks deutscher EZ-Organisationen (Katholische und evangelische

EZ-Organisationen)

Informationssender

Katholische

Evangelische

Informationsempfänger

Organisationen

Organisationen

Katholische

0.3095

0.6667

Organisationen

Evangelische

0,2857

0,6667

Organisationen

Quelle: eigene Berechnung

Die Gesamtdichte ist mit Gesamt = 0,1011 größer als beim Sender-Empfänger-Netzwerk.

Trotzdem bestätigt sich die Annahme, dass das Kommunikationsnetzwerk der deutschen

EZ-Organisationen ein weak-tie-Netzwerk ist (s. dazu Kapitel 4.4.1). Informationen ge-

79


langen erst nach einer gewissen Zeit von den zentralen Akteuren in die Randlagen des

Netzwerks, werden dafür aber sicher transportiert. Verschiedenartige und neue Informa-

tionen sind in solchen schwach verbundenen Netzwerken oft erkennbar (vgl. JANSEN,

1999: 88; 101).

Tabelle 11:

Kommunikationsdichten ,,Empfänger - Sender" des Kommunikations-

netzwerks deutscher EZ-Organisationen

Informationssender

Staatliche

Kirchliche

Organisationen

Informations-

Organisa-

Politische

Organis a-

außerhalb der

empfänger

Sonstige NROs

tionen

Stiftungen

tionen

Stichprobe

Staatliche

Organisationen

0,7727

0,3818

0,1455

0,0413

0,0121

Politische

Stiftungen

0,5636

0,8000

0,2000

0,0727

0,0067

Kirchliche

Organisationen

0,3182

0,2800

0,4111

0,2364

0,0300

Sonstige NROs

0,4050

0,1636

0,3636

0,2636

0,0182

Organisationen

außerhalb der

0

0

0

0

0

Stichprobe*

Bei der Dichteberechnung bei gleichen Organisationstypen wurden die Angaben zur eigenen Organisation ­

die Diagonale in der Matrix - nicht berücksichtigt.

*

Die Netzwerkdichte in dieser Zeile muss immer Null sein, da diese Organisationen nicht befragt

wurden und daher keine Angaben bezüglich ihres Verhaltens als Informationsempfänger vorliegen

Gesamtdichte: Gesamt

= 0,1011

= 0,1803 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als

Empfänger)

= 0,3206 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als Sender

und Empfänger)

Quelle: eigene Berechnung

Auch beim Empfänger-Sender-Netzwerk liegen die Kommunikationsdichten zwischen den

gleichen Organisationstypen höher als zwischen verschiedenen Organisationstypen. Die

einzige Ausnahme bilden, wie auch beim Sender-Empfänger-Netzwerk, die sonstigen

NROs. Sie erhalten sowohl von den staatlichen Organisationen (NS = 0,4050), als auch

von den kirchlichen Organisationen (NK = 0,3636) häufiger Informationen als von den

anderen sonstigen NROs (NN = 0,2636). Die kommunikative Nähe zu den kirchlichen und

den staatlichen Organisationen ist größer als zwischen den sonstigen NROs untereinander.

Die niedrige Dichte kann aber auch durch den Ausfall vieler sonstiger NROs beim Frage-

bogenrücklauf entstanden sein. Trotzdem ist die Annahme H2, dass sich die staatlichen

80


und die sonstigen NROs aufgrund der Wahl ihrer Kommunikationspartner in zwei

Gruppen aufteilen, an dieser Stelle wohl eher zu verwerfen.

Auch die Annahme H3, dass die politischen Stiftungen aufgrund unterschiedlicher Ein-

stellungen untereinander eine geringere Kommunikationsdichte aufweisen, als zu den

staatlichen Organisationen, muss verworfen werden. Diese ist mit PP = 0,8 zu den anderen

politischen Stiftungen deutlich höher als mit PS = 0,5636 zu den staatlichen Organisa-

tionen. Was sich jedoch bestätigt, ist, dass sie öfter Informationen von staatlichen Organi-

sationen als von Nic htregierungsorganisationen wie kirchliche Organisationen und sonstige

NROs bekommen (vgl. Tab. 11).

Die staatlichen Organisationen erhalten von den anderen staatlichen Organisationen sehr

oft Informationen (SS = 0,7727) ­ doppelt so oft wie von den politischen Stiftungen (SP =

0,3818), fünfmal so oft wie von kirchlichen Organisationen (SK = 0,1455) und mehr als

60mal so oft wie von den sonstigen NROs (SN = 0,0121). Die staatlichen Organisationen

bleiben also, was die Wahl ihres Kommunikationspartners angeht, erst mal unter

ihresgleichen, bevor mit anderen Organisationen Informationen ausgetauscht werden.

Gerade bei den Nichtregierungsorganisationen wie den kirchlichen Organisationen und den

sonstigen NROs sind diese Unterschiede in der Wahl des Kommunikationspartners nicht

so deutlich ausgeprägt (vgl. Tab. 11).

Von den Organisationen außerhalb der Stichprobe erhalten die kirchlichen Organisationen

am häufigsten von allen anderen Organisationstypen Informationen. An zweiter Stelle

stehen dabei die sonstigen NROs. Die beiden Organisationstypen der NROs bekommen

also öfter von den Organisationen außerhalb der Stichprobe Informationen als staatliche

Organisationen und politische Stiftungen (vgl. Tab. 11).

Die staatlichen Organisationen und politischen Stiftungen beschränken ihre Kommunika-

tion also eher auf die Organisationen die in der Stichprobe vorkommen, und dabei bevor-

zugen sie vor allem den Informationsaustausch mit Organisationen des gleichen Organisa-

tionstypus. Die kirchlichen Organisationen und sonstigen NROs haben dagegen insgesamt

zu allen anderen Organisationstypen nur mittlere bis niedrige Kommunikationsdichten, sie

streuen ihre Information aber weiter durch mehr oder weniger konstante Beziehungsdich-

ten (vgl. Tab. 11).

4.5.2 Zentralität von Akteuren

Die nähebasierte Zentralität der Empfänger-Sender-Matrix kann hier ebenfalls, wie auch

im Sender-Empfänger-Netzwerk, vernachlässigt werden, da es auch hier unverbundene

Akteure gibt. Kommen unverbunden Akteure vor, ist eine nähebasierte Zentralität nicht

mehr möglich (vgl. JANSEN, 1999: 127). Somit ist auch das Empfänger-Sender-Netzwerk

in seiner Gesamtheit unverbunden. Das bedeutet wiederum, dass dieses Netzwerk in 22

verschiedene Komponenten zerfällt ­ 21 unverbundene Einzelakteure (40, 41, 47, 48, 49,

81


50, 51, 53, 54, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 66, 67und 68) und der Rest des Netzwerks

(vgl. Abb. 6.1 in Anhang 6). Die unverbundenen Akteure kommen hier ausnahmslos aus

dem Bereich der Akteure außerhalb der Stichprobe. N 3 ist diesmal nicht unverbunden,

sondern gehört zu den verbundenen Akteuren des Netzwerks.

Tabelle 12:

Zentralitätsmaße der einzelnen Netzwerkakteure des Empfänger-Sender-

Netzwerks

Organisation Betweenness nBetweenness OutDegree NrmOutDeg

BMZ

437.473

10.198

41.000

62.121

K9

182.140

4.246

41.000

62.121

VENRO

119.151

2.777

53.000

80.303

P3

32.651

0.761

17.000

25.758

K7

27.557

0.642

8.000

12.121

K2

26.908

0.627

31.000

46.970

P1

26.516

0.618

14.000

21.212

K1

25.000

0.583

1.000

1.515

K3

16.457

0.384

31.000

46.970

S7

16.100

0.375

22.000

33.333

N4

14.362

0.335

36.000

54.545

S11

13.943

0.325

13.000

19.697

S8

13.201

0.308

13.000

19.697

P2

12.059

0.281

26.000

39.394

S4

8.910

0.208

16.000

24.242

S3

7.419

0.173

6.000

9.091

K8

3.592

0.084

9.000

13.636

S9

2.430

0.057

4.000

6.061

P5

1.464

0.034

5.000

7.576

S2

1.312

0.031

5.000

7.576

N2

1.269

0.030

6.000

9.091

N9

0.586

0.014

20.000

30.303

S6

0.500

0.012

6.000

9.091

N3

0

0

14.000

21.212

S5

0

0

5.000

7.576

N5

0

0

4.000

6.061

Alle hier nicht aufgeführten Akteure haben Betweeness- und Outdegreemaße von 0.

Die Outdegrees sind hier die Angaben der Befragten, von wem sie Informationen bekommen.

Quelle: eigene Berechnung

82


Ebenso wie im Sender-Empfänger-Netzwerk nehmen im Empfänger-Sender-Netzwerk das

BMZ, K9 und VENRO die drei zentralsten Positionen im Netzwerk ein. Alle drei sind am

stärksten in das Kommunikationsnetzwerk eingebunden und besitzen so die höchste

Kommunikationskontrolle. Daneben sind sie auch die Akteure mit der höchsten Kommu-

nikationsaktivität. VENRO hat dabei die größte Anzahl direkter Verbindungen (odVENRO =

53) - diese Organisation erhält auf direktem Wege die meiste Information ­ dennoch sind

das BMZ und K 9 besser in das Kommunikationsnetzwerk eingebettet und können somit

die Kommunikation im Empfänger-Sender-Netzwerk besser kontrollieren als VENRO. Der

zentralste Akteur dabei ist, mit weitem Abstand, das BMZ mit einem Betweennessmaß von

437.473. Dieser Einbindungswert liegt ca. doppelt so hoch wie der von K9 (bjk(nK9) =

182.140) und fast viermal so hoch wie das Betweennessmaß von VENRO (bjk(nVENRO) =

119.151) (vgl. Tab. 12).

Mit einem Betweennessmaß von ca. 32 positioniert sich P3 von allen politischen Stift-

ungen am zentralsten und nimmt insgesamt im Empfänger-Sender-Kommunikations-

netzwerk die vierte Position ein. K8 ­ im Sender-Empfänger-Netzwerk noch auf Position

vier ­ ist hier erst an 17. Stelle zu finden (vgl. Tab. 12). Diese Organisation ist hier also

eher als peripher zu betrachten, was aber auch bedeutet, dass sich die Angaben aus dem

Sender-Empfänger-Netzwerk in diesem Fall nicht zu bestätigen scheinen (vgl. Tab. 9).

Die zentralste sonstige NRO neben VENRO ist hier N4 mit einem elften Platz, was die

Zentralität bezüglich der Kommunikationskontrolle betrifft. Auch im Sender-Empfänger-

Netzwerk war N4 die zentralste sonstige NRO neben VENRO (vgl. Tab. 9).

Eine große Kommunikationsaktivität besitzen im Empfänger-Sender-Netzwerk noch die

Organisationen K2, K3, N4 und P2 (vgl. Tab. 12). Dennoch können sie aus dieser Tatsache

keine wirklich zentrale Position im Netzwerk ableiten. Denn aufgrund ihrer kommunika-

tiven Einbettung belegen diese Akteure eher mittlere Ränge.

Da Zentralität ein Indikator für Macht in Netzwerken ist, kann für das Empfänger-Sender-

Netzwerk die Annahme H1, dass BMZ und VENRO mächtige Akteure im Empfänger-Sen-

der-Netzwerk sind, bestätigt werden. Was nicht erwartet wurde, was sich hier aber auch

feststellen lässt, ist, dass K9 aufgrund seiner zentralen Position in beiden bis jetzt

vorgestellten Netzwerken auch einen Macht faktor im Kommunikationsnetzwerk deutscher

EZ-Organisationen darstellt.

4.5.3 Das Prestige von Akteuren

Ebenso wie im Sender-Empfänger-Netzwerk verteilen sich die ersten vier Positionen der

Prestigewerte auf die Organisationen BMZ, S2, S3 und VENRO.

Das größte Prestige aufgrund der Indegrees als auch des Eigenvektors besitzt hier ebenfalls

das BMZ (vgl. Tab. 6.1 in Anhang 6). Die Annahme H1.1 bestätigt sich also, dass das

BMZ ein mächtiger Akteur im Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen

83


darstellt, da die beiden Indikatoren für Macht ­ Zentralität und Prestige ­ bei dieser Orga-

nisation am höchsten sind. Die Annahme H1.2, dass VENRO ein mächtiger Akteur ist,

bestätigt sich ebenfalls zusehens. Zwar haben S2 und S3 höhere Prestigewerte als VENRO,

dafür besitzt dieser Akteur in beiden Indikatoren für Macht insgesamt die höchsten Werte.

Beispielsweise haben auch die sehr zentralen Akteure K9 und K8 nur mittlere

Prestigewerte und stehen damit auf der Prestigerangliste auf Platz dreizehn bzw. Platz acht

(vgl. Tab. 6.1 in Anhang 6).

Die ersten sieben Plätze der Prestigereihenfolge belegen außer VENRO nur staatliche Or-

ganisationen mit relativ hohen Indegreewerten von mindestens idi = 20. Viele Organisa-

tionen geben also an, dass sie gerade von diesen Organisationen oft Informationen be-

kommen.

Aufgrund der Indegreewerte ist die prestigereichste politische Stiftung ­ Platz neun in der

Rangskala ­ P1 mit einem Wert von idP1 = 17. Aufgrund der Tatsache, dass viele Organi-

sationen sagen, dass sie eher selten Informationen von politischen Stiftungen bekommen,

liegen diese insgesamt im Prestigebereich auf den mittleren bis hinteren Plätzen (vgl. Tab.

6.1 in Anhang 6). Werden jedoch die Eigenvektorwerte der Akteure betrachtet, so ist zu

erkennen, dass P3 und P2 das zweit- bzw. vierthöchste Prestige besitzen (vgl. Tab. 6.1 in

Anhang 6). Diese Organisationen werden also von anderen prestigereichen Akteuren im

Netzwerk als besonders prestigereich beurteilt. Dies ist wahrscheinlich auf eine Wahl

durch staatliche Organisationen, als auch durch andere politische Stiftungen

zurückzuführen, die beide ebenfalls relativ hohe Eigenvektorwerte besitzen und somit die

Eigenvektorwerte von P3 und P2 erhöhen. Jedoch besitzen im Gegensatz zum Sender-

Empfänger-Netzwerk nicht mehr alle politischen Stiftungen hohe Einschätzungen anderer

Akteure. P4 besitzt hier einen Eigenvektorwert von Null (vgl. Tab. 6.1 in Anhang 6).

Die sonstigen NROs besitzen insgesamt im Netzwerk kein hohes Prestige. Neben VENRO

belegt N2 erst den 18. Platz in der Prestigereihenfolge bezüglich der Häufigkeit der

Weitergabe von Informationen (vgl. Tab. 6.1 in Anhang 6). Diese Organisation besitzt

neben VENRO zusätzlich den höchsten Eigenvektorwert von 0.032, was im Vergleich zu

den anderen Akteuren natürlich sehr niedrig ist, d.h. diese und auch die nachfolgenden

sonstigen NROs in der Prestigerangskala werden von den anderen Organisationen im

Netzwerk als nicht besonders einflussreich empfunden.

Die kirchlichen Stiftungen nehmen, was das Ansehen betrifft, auch eher mittlere bis untere

Positionen im Netzwerk ein (vgl. Tab. 6.1 in Anhang 6).

Zusammenfassend betrachtet sind die angesehensten Akteure bei den staatlichen

Organisationen zu finden. Das BMZ ist dabei mit Abstand der einflussreichste Akteur.

BMZ und VENRO sind beide aufgrund ihrer zentralen und einflussreichen Positionen im

Netzwerk mächtige Akteure ­ Hypothese 1 bestätigt sich also für das Empfänger-Sender-

Netzwerk.

84


4.5.4 Cutpoint-Positionen

Im Empfänger-Sender-Netzwerk stellen BMZ, K1, K9 und N3 Cutpoinakteure dar. N3 ist

dabei die letzte Verbindung zu Akteur 46. Ohne K1 wäre Organisation 42 eine Einzel-

komponente des Netzwerks. K9 ist der Brückenkopf zu den Akteuren 52, 55 und 56 und

ohne das BMZ wären die Organisationen 43, 44 und 45 nicht zu erreichen (vgl. Abb. 6.2 in

Anhang 6). BMZ, K1, K9 und N3 bilden also Schnittpunkte zwischen dem eigentlichen

Netzwerk und den oben genannten Akteuren, die ohne diese Schnittpunkte nicht zu er-

reichen wären. Dadurch können sie Informationen aus eigentlich voneinander getrennten

Kontexten zusammenfügen, d.h. durch diese Punkte im Netzwerk verlaufen

unterschiedliche Informationen aller Art. Somit können in diesen Punkten auch die

unterschiedlichsten Innovationen zusammenfließen.

Vergleicht man diese Cutpointakteure mit denen des Sender-Empfänger-Netzwerks (vgl.

Abb. 5.2 in Anhang 5), fällt auf, dass außer K9 hier andere Cutpointakteure vorliegen als

dort. Wer nun im gesamten Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen die

Cutpointakteure darstellt, wird erst in Kapitel 4.6.4 festzustellen sein.

4.5.5 Cliquen

Im Empfänger-Sender-Netzwerk gibt es 1249 2-Plexe mit sich überschneidenden

Gruppenmitgliedern. BMZ und VENRO sind beispielsweise in 542 dieser 2-Plexe

anzutreffen (vgl. Abb. 6.3 in Anhang 6). Die Anzahl dieser Subgruppen und die nicht

eindeutige Differenzierbarkeit der Gruppenmitglieder macht die Analyse mithilfe der k-

Plex-Methode nicht sinnvoll. Die n-Clan-Methode liefert 8 2-Clans. Bei diesen kohäsiven

Subgruppen liegt die maximale Pfaddistanz bei zwei. Diese Methode liefert aber ebenfalls,

wie die k-Plex-Methode, nur Subgruppen, die aus überlappenden Gruppenmitgliedern

bestehen, und somit kaum aussagekräftig sind (s. dazu auch Kapitel 4.4.5). Eine besonders

dichte Region im Netzwerk konnte durch die k-Core-Methode ausfindig gemacht werden.

Ihr gehören die Organisationen BMZ, S2, S3, S7, S8, S11, P1, P2, P3, P5, K2, K3, K8, K9

und VENRO an (vgl. Abb. 6.4 in Anhang 6). Diese Organisationen bilden nicht

notwendigerweise eine Subgruppe im Empfänger-Sender-Netzwerk, können aber in ihrem

Teilgraphen mindestens elf andere Akteure auf direktem Wege erreichen. In dieser dichten

Region sind vor allem die zentralen und angesehenen Akteure des Netzwerks, sowie die

politischen Stiftungen (außer P4), welche sowieso zueinander eine besonders hohe

Kommunikations dichte besitzen, vertreten. Im Sender-Empfänger-Netzwerk gehörten zu

der besonders dichten Region noch S10, P4, K5, K7, N4. Dagegen fehlten dort K2 und

VENRO.

Auch beim Empfänger-Sender-Netzwerk liefert die Cliquenanalyse keine eindeutigen

Werte, um Subgruppen innerhalb des Netzwerks ausfindig zu machen. Die k-Core

Methode zeigt nur, zwischen welchen Organisation besonders viele direkte Verbindungen

85


bestehen. Eine Außenabgrenzung der Organisationen im Teilgraphen zu anderen Akteuren

bietet sie jedoch nicht.

4.5.6 Strukturelle Äquivalenz und Blockmodelle

Mithilfe der Blockmodellanalyse ­ CONCOR- und Burt-Verfahren ­ können Sub gruppen

aufgrund äquivalenter struktureller Positionen im Netzwerk ausfindig gemacht werden. Die

erste Gruppe, die mithilfe des CONCOR-Verfahrens identifiziert wird, ist die mit den

Akteuren 40, 41, 47, 48, 49, 50, 51, 53, 54, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 66, 67 und 68

(vgl. Abb. 6.5 in Anhang 6). Diese Subgruppe existiert aufgrund der Ähnlichkeit der

Akteure, eine Einzelkomponente im Netzwerk darzustellen (vgl. Abb. 6.1 in Anhang 6).

Das Burt-Verfahren bestätigt die Existenz dieser Subgruppe (vgl. Abb. 6.6 in Anhang 6).

Zu der nächsten Gruppe, die mithilfe des CONCOR-Verfahrens ausfindig gemacht werden

kann, gehören die Akteure, von denen die sehr zentrale Organisation K9 sagt, sie würde

von diesen Akteuren Informationen erhalten. Das sind K7, N11, 39, 52, 55, und 56. Das

bedeutet nicht, dass diese Organisationen sonst keinem Informationen zukommen lassen

und K9 somit einen Cutpoint für alle sechs Organisationen darstellt. Dennoch werden sie

aufgrund ihrer Gemeinsamkeit gerade dieser zentralen Organisation Informationen zu-

kommen zu lassen, vom CONCOR-Verfahren als Subgruppe zusammengefasst (vgl. Abb.

6.5 in Anhang 6). Aufgrund der euklidischen Distanzen zueinander wird eine solche

Gruppe ebenfalls identifiziert, mit der Ausnahme, dass die Akteure K7 und 39 anderen

Subgruppen angehören (vgl. Abb. 6.6 in Anhang 6).

N6, N7, N8, 43, 44 und 45 sind Akteure, von denen das BMZ behauptet, Informationen zu

bekommen. Natürlich sind das nicht die einzigen Organisationen, von denen das BMZ

Informationen erhält, doch diese Akteure werden von sonst keinen bzw. sehr wenigen

anderen Organisationen als Informationslieferant genannt. Darin liegt also ihre strukturelle

Ähnlichkeit (vgl. Abb. 6.5 in Anhang 6). Das Burt-Verfahren bestätigt ebenfalls diese

kohäsive Subgruppe, wobei N8 und N7 erst auf einer späteren Stufe zuge ordnet werden

(vgl. Abb. 6.6 in Anhang 6) ­ wahrscheinlich deswegen, weil sie die Ak teure innerhalb der

Subgruppe sind, die noch am häufigsten Informationen an andere Organisationen außer an

das BMZ liefern.

Das CONCOR-Verfahren führt auch die Akteure P4, P5, K1, K4, K5, K6, K8, K10, N2

und N10 zu Subgruppen zusammen. Worauf diese Ähnlichkeit beruhen soll, ist allerdings

schwer zu sagen (vgl. Abb. 6.5 in Anhang 6, Gruppe 6). Das Burt-Verfahren ordnet diese

Akteure nur relativ schwer anderen Akteuren zu, wobei meistens aber nur Gruppen von

zwei bis drei Akteuren entstehen. Auch die restlichen Akteure des Empfänger-Sender-

Netzwerks sind mithilfe des Burt-Verfahrens nur sehr schwer irgendwelchen anderen Ak-

teuren zuzuordnen, was bedeutet, dass die restlichen Akteure kaum strukturell ähnliche

Positionen im Netzwerk inne haben. Dabei sind die mächtigsten Akteure des Empfänger-

86


Sender-Netzwerks ­ BMZ und VENRO ­ die Akteure, denen andere Organisation auf-

grund ihrer Position im Netzwerk so gut wie nicht ähneln (vgl. Abb. 6.6 in Anhang 6).

Trotzdem gehen auch diese Ergebnisse der Verfahren an diesem Punkt auseinander. Laut

CONCOR-Verfahren gehören BMZ und VENRO verschiedenen Subgruppen an (vgl. Abb.

6.5 in Anhang 6, Gruppe 1 und Gruppe 4). Die Ergebnisse in beiden Verfahren divergieren

also ab einem bestimmten Punkt zu stark, um weitere Aussagen über das Vorhandensein

von Subgruppen im Empfänger-Sender-Netzwerk machen zu können. Das CONCOR-

Verfahren bietet nämlich neben den oben genannten noch weitere fünf Gruppen an, deren

Akteure sich laut Burt-Verfahren nur gering in ihren strukturellen Positionen ähneln (vgl.

Abb. 6.5 und Abb. 6.6 in Anhang 6).

Festzuhalten ist die sichere Existenz der ,Einzelkomponentengruppe`, der ,K9-Gruppe`

und der ,BMZ-Gruppe` als kohäsive Subgruppen mit strukturell ähnlichen Positionen im

Empfänger-Sender-Netzwerk. Wichtig ist auch, dass es ebenfalls wie im Sender-

Empfänger-Netzwerk eine ,Einzelkomponentengruppe` und eine ,K9-Gruppe` gibt, wenn

auch nicht immer mit den gleichen Akteuren (vgl. auch Kapitel 4.4.6).

4.5.7 Zentralisierung des Netzwerks

Die Betweenness-basierte Zentralisierung des Empfänger-Sender-Netzwerks ist mit 20 %

minimal niedriger als die des Sender-Empfänger-Netzwerks (vgl. Abb. 11). Das bedeutet,

dass die Kommunikation von einem sehr zentralen Akteur wie dem BMZ weitgehend kon-

trolliert wird, welches seine Informationen allerdings nicht als zu schützendes Monopol

ansieht. Das BMZ lässt andere Akteure daher laut der niedrigen Betweenness-Zentrali-

sierung in starkem Maße an seinen Informationen teilhaben.

Abbildung 13: Netzwerkzentraliserungsmaße des Empfänger-Sender-Netzwerks

Network Centralization Index

(Betweenness)

= 20.00%

Network Centralization

(Outdegree)

= 71.258%

Network Centralization

(Indegree)

= 58.953%

Quelle: eigene Berechnung

Die Outdegree-basierte Zentralisierung ist hier mit ca. 71% leicht höher als im Sender-

Empfänger-Netzwerk, wohingegen die Indegree-basierte Zentralisierung hier fast um zehn

Prozentpunkte niedriger sind. Das heisst, dass das BMZ durchschnittlich an 65% aller di-

rekten Beziehungen der anderen Akteure beteiligt ist. Dabei nehmen die anderen Akteure

das BMZ als einen sehr zentralen Akteur im Netzwerk wahr, denn immerhin werden 65%

ihrer direkten Beziehungen von ihm bestimmt (vgl. Abb. 13). Dennoch scheint das

Netzwerkgebilde wie beim Sender-Empfänger-Netzwerk keine einfache Struktur zu

87


besitzen. Das Aussehen liegt zwischen einer Stern- und einer Kreisstruktur mit Tendenz

zur Kreisstruktur.

4.5.8 Die Struktur des Empfänger-Sender-Netzwerks

Auch das Empfänger-Sender-Netzwerk ist sich, ebenso wie das Sender-Empfänger-Netz-

werk, halbkugelförmig vorzustellen (vgl. Abb. 12). Die Unterschiede liegen darin, dass

sowohl eine höhere Anzahl unverbundener Akteure vorliegt als auch verschiedene

Cutpoinakteure zu finden sind. Aber auch hier herrschen zwischen den staatlichen und den

politischen Stiftungen hohe Kommunikationsdichten, wohingegen das Gesamtnetzwerk

eher ein weak-tie-Netzwerk ist, in dem sich viele einseitige Beziehungen ermitteln lassen.

Darin sind BMZ und VENRO die mächtigsten Akteure. Es sind gerade die staatlichen

Organisationen, die die prestigereichsten Akteure im Netzwerk darstellen. Neben den

mächtigsten Organisationen gehören jedoch auch zwei kirchliche Organisationen und eine

politische Stiftung zu den zentralen Akteuren dieses Netzwerks. Die Degree-basierten

Zentralisierungswerte besagen, dass das Aussehen des Netzwerks zwischen einer Stern-

und einer Kreisstruktur liegt, jedoch mit Tendenz zur Kreisstruktur. Durch die 21

unverbundenen Einzelakteure ist die Erreichbarkeit aller Ak teure im Netzwerk nicht

gegeben. Deshalb gehen auch einige Pfaddistanzen bis ins Unend liche. Es gibt vier

Cutpointakteure, die den letzten Kontakt zu acht weiteren Akteuren ga rantieren, was

weniger ist als im Sender-Empfänger-Netzwerk.

Sowohl die zentralsten und angesehensten Akteure, als auch die Cutpointakteure und auch

die Akteure mit der größten Kommunikationsdichte zueinander, sind im Zentrum des

Halbkugelbodens zu finden. In der Hemisphäre sind dann die schlechter zu erreichenden

Akteure angeordnet, die, außer den unverbundenen Akteuren, mit dem sehr überfüllten

Zentrum verbunden sind. Von diesem sehr überfüllten Zentrum gehen also sternförmig,

aber nur in Richtung der Halbkugelhemisphäre die Verbindungen zu den schlechter zu

erreichenden Akteuren hin. Jedoch existiert der Kontakt unter diesen Akteuren in der

Hemisphäre nur noch selten und läuft weitestgehend über mindestens einen Akteur des

Zentrums. Das Gesamtnetzwerk ist also von den sehr aktiven Akteuren im Zentrum mehr

oder weniger abhängig.

88


4.6 Bestätigtes Senden ­ Das Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-

Organisationen

Um ein bestätigtes Senden untersuchen zu können wurde eine Kommunikationsmultiplex-

matrix aus der Sender-Empfänger-Matrix und der transponierten Empfänger-Sender-

Matrix hergestellt26.

4.6.1 Die Netzwerkdichte

Die evangelischen Organisationen besitzen mit evev = 1 eine höhere Kommunikations-

dichte untereinander als zu den katholischen Organisationen (evkath = 0,6667). Bei den

katholischen Organisationen liegt der umgekehrte Fall vor. Dort ist die Dichte der

kommunikativen Beziehungen zu den evangelischen Organisationen höher als zu Organi-

sationen des gleichen Typs (vgl. Tab. 13). Um einen deutlichen Unterschied zwischen

katholischen und evangelischen Organisationen aufgrund ihrer Einstellungen feststellen zu

können, müssten die katholischen Organisationen untereinander auch eine höhere

Kommunikationsdichte besitzen als zu den evangelischen Organisationen. Es ist also

schwer zu entscheiden, ob die Annahme H4, dass sich die kirchlichen Organisationen auf-

grund ihrer Einstellung nicht unterscheiden, bestätigt werden kann. Sie ist zumindest nicht

einfach zu verwerfen. Deshalb werden die kirchlichen Organisationen wie auch in den

vorherigen Netzwerkmodellen für die weitere Untersuchung zusammengefasst betrachtet.

Tabelle 13:

Kommunikationsdichten des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-

Organisationen (Katholische und evangelische EZ-Organisationen)

Informationsempfänger

Katholische

Evangelische

Informationssender

Organisationen

Organisationen

Katholische

0.3571

0.5714

Organisationen

Evangelische

0.6667

1.0000

Organisationen

Quelle: eigene Berechnung

26 Diese Matrix ist ebenso wie die Sender-Empfänger-Matrix und die Empfänger-Sender-Matrix

asymmetrisch. D.h. es wird untersucht, ob die Aussage, dass Information gesendet wurde durch die Aussagen

der anderen Akteure, dass Information empfangen wurde, bestätigt wird. Für manche Rechenoperationen

musste diese Multiplexmatrix noch symmetrisiert werden. Die Häufigkeit der Kommunikation konnte bei der

Multiplexmatrix aufgrund von Operationalisierungsproblemen nicht mehr berücksichtigt werden. Hingegen

wird ein bestätigtes Senden mit einem Wert von ,,2" gewichtet. Ein einseitiges Senden bzw. Empfangen er-

hält den Wert ,,1". Alle anderen Verhältnisse sind mit ,,0" codiert. Das bedeutet, dass die maximale Dichte

bei *2 = 2 liegt.

89


Mit einer Gesamtnetzwerkdichte von Gesamt = 0.1248 kann insgesamt von einem weak-tie-

Netzwerk gesprochen werden, wodurch Informationen auch über große Entfernungen ohne

Probleme geliefert werden können. Weiterhin steht ein solch schwach verbundenes Netz-

werk dafür, verschiedenartige und oft auch neue Informationen innerhalb des Netzwerks

besser zu verbreiten, um dadurch Modernisierungs-, Innovations- und Diffusions prozesse

im Netzwerk auszulösen. Ein Schwachpunkt dagegen ist, dass es in weak-tie-Netzwerken

oft länger dauert, bis sich die Neuigkeiten, wie etwa eine Innovation, von den zentralen

Akteuren bis in die Ränder des Netzwerks verbreiten (vgl. JANSEN, 1999: 88). Da eine

sehr geringe Gesamtnetzwerkdichte vorliegt, wird der Diffusionsprozess von

Informationen innerhalb des Netzwerks vermutlich sehr lange Dauern. Genaue

Zeitangaben können hier jedoch nicht gemacht werden.

Wenn die Organisationen außerhalb der Stichprobe für die Berechnung der Gesamt-

netzwerkdichte vernachlässigt werden, steigt die Kommunikationsdichte fast um das

vierfache auf Gesamt2 = 0.3904. Zwischen den untersuchten Organisationen im Speziellen

herrscht also eine höhere Kommunikationsdichte als innerhalb des Gesamtnetzwerks.

Entweder resultiert dies aus der Tatsache, dass die Organisationen außerhalb der

Stichprobe keine Aussage über ihre Kommunikationsverbindungen treffen konnten oder

die Stichprobe repräsentiert einen besonders dichten Pool des Informationsaustauschs und

innovativer Ideen.

Wie im Sender-Empfänger-Netzwerk und im Empfänger-Sender-Netzwerk sind beim

,bestätigten Senden` die Netzwerkdichten zwischen Organisationen des gleichen Typs

größer als zu anderen Organisationen ­ außer bei den sonstigen NROs. Diese haben den

häufigsten Informationsaustausch mit den kirchlichen Organisationen (NK = 0.2636).

Untereinander besitzen sie nur die zweitgrößte kommunikative Vernetzung. Dies könnte

auf die geringe Teilnahme der sonstigen NROs zurückgeführt werden. Es ist jedoch zu

erkennen, dass die Präferenzen bei der Ausbildung kommunikativer Strukturen stärker bei

den Nichtregierungsorganisationen liegen, als z.B. bei den staatlichen Organisationen mit

einer Dichte von NS = 0.1240 (vgl. Tab. 14). Aufgrund der ebenfalls höheren Kommuni-

kationsdichte zwischen den staatlichen Organisationen untereinander als zwischen staat-

lichen Organisationen und sonstigen NROs ist die Annahme H2, dass sich die staatlichen

und nichtstaatlichen Organisationen in der Wahl ihres Kommunikations partners wegen

unterschiedlicher Einstellungen unterscheiden, zu bestätigen. Weiterhin ist in Tab. 14 zu

erkennen, dass die Kommunikationsdichte zwischen den staatlichen Organisationen mehr

als dreimal so hoch ist, als die zwischen staatlichen Organisationen und sonstigen NROs.

Die höchste Kommunikations dichte zwischen Organisationen des gleichen Typs besitzen

jedoch die politischen Stiftungen (vgl. Tab. 14). Die Annahme H3, dass die politischen

Stiftungen zu den staatlichen Organisationen eine höhere Kommunikationsdichte als

untereinander besitzen, muss also insgesamt widerlegt werden, obwohl ein Teil der

Annahme, der eine höhere Kommunikationsdichte zu den staatlichen Organisationen als zu

90


den sonstigen NROs prognostizierte, durchaus zutrifft. Die politischen Stiftungen zählen

sich aufgrund ihrer Einstellungen also nicht so stark mit den sonstigen NROs verbunden.

Tabelle 14:

Kommunikationsdichten des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-

Organisationen

Informationsempfänger

Informations-

Staatliche

Politische

Kirchliche

Organisationen

sender

Organisa-

Stiftungen

Organisa-

Sonstige NROs außerhalb der

tionen

tionen

Stichprobe

Staatliche

Organisationen

0.8636

0.6545

0.3545

0.2479

0.0061

Politische

Stiftungen

0.8727

1.4000

0.4400

0.2000

0

Kirchliche

Organisationen

0.3364

0.3200

0.5222

0.3727

0.0367

Sonstige NROs

0.1240

0.0727

0.2636

0.2000

0.0242

Organisationen

außerhalb der

0.0030

0.0067

0.0200

0.0091

0

Stichprobe

Bei der Dichteberechnung bei gleichen Organisationstypen wurden die Angaben zur eigenen Organisation ­

die Diagonale in der Matrix - nicht berücksichtigt.

Gesamtdichte: Gesamt

= 0.1248

= 0.2182 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als Sender)

= 0.2142 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als

Empfänger)

Gesamt2 = 0.3904 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als Sender

und Empfänger)

Quelle: eigene Berechnung

Zu den Organisationen außerhalb der Stichprobe besitzen die kirchlichen Organisationen

und die sonstigen NROs die höchsten Kommunikationsdichten (vgl. Tab. 14). Insgesamt

sind bei diesen beiden Organisationstypen die Unterschiede in den Kommunikationsdich-

ten zu den jeweils anderen Organisationstypen nicht so hoch wie bei den politischen Stif-

tungen und staatlichen Organisationen. Bei diesen beiden Organisationstypen konzentriert

sich der Informationsaustausch also stärker auf Organisationen des gleichen Typs, bevor

andere Organisationen Informationen erhalten. Dagegen ist bei den kirchlichen Organisa-

tionen und den sonstigen NROs die Informationsverteilung insgesamt nicht so häufig, da-

für jedoch regelmäßiger verteilt ­ sogar an die Organisationen außerhalb der Stichprobe

(vgl. Tab. 14).

91


4.6.2 Zentralität von Akteuren

Auch bei der Untersuchung von bestätigtem Senden im Kommunikationsnetzwerk

deutscher EZ-Organisationen wurden einige unverbundene Akteure im Netzwerk ausfindig

gemacht, sodass eine nähebasierte Zentralitätsberechnung nicht möglich ist. Das Netzwerk

ist also insgesamt unverbunden und zerfällt in 16 Komponenten. Diese bestehen aus 15

unverbundenen Einzelakteuren ­ 43, 44, 45, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 66, 67 und

68 ­ die keine kommunikative Verbindung zum Rest des Netzwerks (Komponente 16)

aufweisen können (vgl. Abb. 7.1 in Anhang 7). Der Betweenness-Wert als Maß für die

Kommunikationskontrolle soll also auch hier das erste Ordnungskriterium für die

Zentralität der Einzelakteure bilden.

Laut Tab. 15 ist K9 mit einem Betweenness-Wert von bjk(nK9) = 495.501 der Akteur im

Netzwerk, welcher die höchste Kommunikationskontrolle besitzt und somit auch die

zentralste Organisation im Netzwerk darstellt. Das BMZ ist zwar mit odBMZ = 48 der

Akteur mit der größten Kommunikationsaktivität, dennoch ist sein Betweenness-Wert

geringer als der von K9. K9 ist somit stärker im Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-

Organisationen eingebettet als das BMZ. Den zweiten, dritten und vierten Platz in der

Zentralitätsreihenfolge stellen laut ihres Betweennessmaßes BMZ, VENRO und K8 dar.

Im Gegensatz zum Sender- Empfänger-Netzwerk und zum Empfänger-Sender-Netzwerk

haben also das BMZ und K9 lediglich die Plätze im Kommunikationsnetzwerk bezüglich

ihres Einflusses auf die Kommunikationskontrolle getauscht. BMZ und VENRO sind also

sehr stark in das Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen eingebunden.

In Bezug auf die Zentralität sind die kirchlichen Organisationen auf den oberen Plätzen

sehr stark vertreten. Fünf der ersten zehn Plätze belegen K9, K8, K3, K2 und K1. Die

staatlichen Organisationen nehmen davon nur drei Plätze ein. Erstaunlich ist, dass neben

VENRO mit N4 noch eine weitere sonstige NRO eine sehr zentrale Rolle im Netzwerk

spielt. Die sonstigen NROs sind ansonsten eher auf den unteren Rängen, bezüglich ihrer

Zentralität im Netzwerk, anzutreffen. Die politischen Stiftungen sind nur mittelmäßig stark

im Kommunikationsnetzwerk eingebunden (vgl. Tab. 15).

Wird jedoch die Kommunikationsaktivität im Netzwerk betrachtet, so nehmen die staat-

lichen Organisationen mit einem durchschnittlichen Outdegree von 18,41 und politischen

Stiftungen mit einem durchschnittlichen Outdegree von 21,8 doch eine andere Stellung ein.

Sie sind die Organisationen, die im Schnit t am häufigsten Informationen - im Vergleich zu

kirchlichen Organisationen und sonstigen NROs mit durchschnittlichen Outdegrees von

15,2 bzw. 7,1 - an andere Organisationen versenden. Würde die Zentralität von Ak teuren

im Netzwerk nach ihrem Outdegree geordnet werden, so würden K1 und K2 eher unbe-

deutende Positionen im Netzwerk einnehmen, und VENRO und N4 wären auf mittleren

Rängen anzutreffen (vgl. Tab. 15). Dennoch besitzen z.B. die politischen Stiftungen nicht

die gleichen Möglichkeiten wie beispielsweise VENRO, die Kommunikation zwischen

manchen Netzwerkakteuren zu kontrollieren.

92


Tabelle 15:

Zentralitätsmaße der einzelnen Netzwerkakteure des

Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-Organisationen

Organisation Betweenness nBetweenness OutDegree NrmOutDeg

K9

495.501

11.550

37

56.061

BMZ

368.099

8.580

48

72.727

VENRO

301.745

7.034

21

31.818

K8

178.023

4.150

33

50.000

N4

89.781

2.093

21

31.818

S2

64.661

1.507

23

34.848

K3

63.986

1.492

25

37.879

K2

61.715

1.439

9

13.636

S8

58.633

1.367

20

30.303

K1

50.062

1.167

5

7.576

S3

43.866

1.023

21

31.818

S7

34.157

0.796

28

42.424

P2

30.751

0.717

21

31.818

N9

18.484

0.431

10

15.152

S11

17.429

0.406

18

27.273

P5

14.487

0.338

28

42.424

S10

10.998

0.256

10

15.152

P4

10.630

0.248

29

43.939

P3

9.945

0.232

16

24.242

P1

9.112

0.212

15

22.727

S9

8.025

0.187

12

18.182

K7

6.249

0.146

16

24.242

N5

5.815

0.136

3

4.545

K6

3.350

0.078

10

15.152

S4

2.107

0.049

7

10.606

N2

2.085

0.049

5

7.576

S6

1.583

0.037

8

12.121

N10

1.475

0.034

7

10.606

K5

1.344

0.031

9

13.636

39

0.446

0.010

6

9.091

N7

0.383

0.009

4

6.061

K10

0.071

0.002

5

7.576

Alle hier nicht aufgeführten Akteure haben Betweennessmaße von 0.

Quelle: eigene Berechnung

93


Die vier zentralsten Akteure aufgrund ihrer Einbettung in das Kommunikationsnetzwerk

sind also K9, BMZ, VENRO und K8. Von BMZ und VENRO wurde dies vermutet. Nicht

erwartet wurde dies von K8 und dass K9 der zentralste Akteur im System überhaupt ist.

Haben diese Organisationen jetzt auch noch hohe Prestigewerte im Netzwerk, so würde

sich eine Machtkonzentration auf diese Akteure bestätigen.

4.6.3 Prestige von Akteuren

Das BMZ besitzt im Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen mit einem

Indegree von idBMZ = 47 und einem Eigenvektor von 0,442 die höchsten Prestigewerte.

Somit ist das BMZ der Akteur im Netzwerk, der am häufigsten von anderen Organisa-

tionen Informationen erhält, er ist aber auch gerade von den anderen angesehen Ak teuren

im Netzwerk als Akteur mit großem Einfluss bekannt. Somit bestätigt sich die Annahme

H1.1, das BMZ sei ein mächtiger Akteur im Netzwerk. Sein großes Ansehen innerhalb des

Netzwerks, der zweite Rang in der Zentralitätsreihenfolge, aber mit der größten Kommuni-

kationsaktivität ­ dies sind die Indikatoren für mächtige Netzwerkakteure und treffen beim

BMZ zu (vgl. Tab. 7.1 in Anhang 7).

Auch die Annahme H1.2 lässt sich verifizieren. VENRO ist mit einem Indegree von

idVENRO = 36 (vgl. Tab. 7.1 in Anhang 7) der Akteur mit dem zweithöchsten Prestige, er ist

aber auch sehr gut ins Netzwerk eingebunden und nimmt somit den dritten Platz in der

Zentralitätsreihenfolge ein.

Überraschenderweise nimmt aber auch

K9

eine mächtige Position im Netzwerk ein. Mit

einem Indegreewert von idK 9 = 34 ist sie die drittangesehenste Organisation im Netzwerk.

Daneben ist sie am stärksten von allen anderen Organisationen ins Netzwerk eingebunden

und stellt somit die zentralste Organisation im Netzwerk dar (vgl. Tab. 7.1 in Anhang 7).

Das BMZ ist von diesen drei Organisationen aber der mächtigste Akteur im Netzwerk. Er

ist am zweitstärksten ins Netzwerk eingebettet, besitzt die höchste Kommuni-

kationsaktivität und auch das höchste Prestige von allen anderen Organisationen. K9 und

VENRO sind in etwa gleichwertig, wenn es um die Frage geht, welcher der mächtigere

Akteur im Netzwerk ist.

Hatten S2 und S3 im Sender-Empfänger-Netzwerk und im Empfänger-Sender-Netzwerk

noch hohe Prestigewerte, so sind diese im Vergleich zum gesamten Kommunikations-

netzwerk doch sehr niedrig. In der Prestigereihenfolge nehmen diesen beiden Akteure nun

die Plätze 12 und 15 ein (vgl. Tab. 7.1 in Anhang 7). Dafür sind nun die politischen Stif-

tungen P2 und P3 und die kirchlichen Organisationen K2 und K3 sehr angesehene Akteure

im Netzwerk. Außer VENRO und N4 gelten keine sonstigen NROs im Netzwerk als

besonders prestigereich. Sie nehmen zumeist untere Ränge ein (vgl. Tab. 7.1 in Anhang 7).

Die staatlichen Organisationen sind neben dem BMZ eher im Mittelfeld zu finden.

94


Aufgrund ihres Eigenvektors wären die staatlichen Organisationen und politischen Stif-

tungen viel weiter oben in der Prestigerangskala vertreten. Diese Organisationen werden

also, vor allem von anderen angesehenen Organisationen, als prestigereich betrachtet. Die

hohen Eigenvektorwerte könnten aber auch durch die hohe Kommunikationsdichte, die

jeweils innerhalb der staatlichen Organisationen und politischen Stiftungen herrscht, her-

vorgerufen werden. So können diese Organisationen sich gegenseitig hohe Eigenvektor-

werte geben, ohne dass sie im gesamten Netzwerk als angesehen gelten müssen. Daher

sollte doch eher darauf geachtet werden, wie oft Organisationen von anderen Organisa-

tionen als Empfänger ihrer Informationen in Betracht gezogen werden. Die Indegreewerte

sind also die ausschlaggebenden Werte für das Prestige eines Akteurs.

4.6.4 Cutpoint-Positionen

Die Position eines Cutpointakteurs im Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-

Organisationen begleiten die Akteure S8, K8, K9 und VENRO und sind somit identisch

mit denen des Sender-Empfänger-Netzwerks (vgl. Abb. 5.2 in Anhang 5 und Abb. 7.2 in

Anhang 7). S8 unterhält dabei die einzige Verbindung im Netzwerk zu Organisation 41.

K8 hält die Verbindung zu 53 und 54 aufrecht und K9 verbindet 55 und 56 mit dem Rest

des Netzwerks. VENRO ist der größte der Cutpointakteure und stellt den kommunikativen

Brückenkopf zu 47, 48, 49 und 50 dar (vgl. Abb. 7.2 in Anhang 7). Ohne diese Cutpoint-

akteure würden die oben ge nannten Akteure zu unerreichbaren Einzelkomponenten im

Netzwerk werden. Diese vier Organisationen stellen sich also gegen einen Zerfall des

Netzwerks und gegen eine Isolierung von einerseits vielen einzelnen Ak teuren und

andererseits der Hauptkomponente des Netzwerks, sodass diese nicht von der Außenwelt

kommunikativ abgetrennt wird. Diese Position begleitet immer auch ein Zusammenfließen

verschiedener Informationen und Meinungen. Durch ihre Position können die

Cutpointakteure nun entweder zum Schmelztiegel oder aber zum Moderator verschiedener

Meinungen, Einflüsse und Informationen werden (vgl. JANSEN, 1999: 92 und 100).

4.6.5 Cliquen

Im Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen gibt es 1258 verschiedene 2-

Plexe mit sich teilweise überlappenden Gruppenmitgliedern. In ca. 480 dieser 2-Plexe sind

die Akteure BMZ und/oder VENRO vertreten. In 340 ist die Organisation K9 zu finden

(vgl. Abb. 7.3 in Anhang 7). Dies sind die zentralen und angesehenen Akteure im Netz-

werk. Jedoch ist durch die hohe Anzahl der verschiedenen Subgruppen und die nicht vor-

handene Möglichkeit, Ak teure eindeutig nur einer Gruppe zuzuordnen, diese Methode für

weitere Untersuchungen nicht sinnvoll.

95


Die n-Clan-Methode liefert elf 2-Clans. Bei diesen kohäsiven Subgruppen liegt die maxi-

male Pfaddistanz bei zwei. Diese Methode liefert aber ebenfalls wie die k-Plex-Methode

nur sich überlappende Subgruppen, die aus teilweise gleichen Gruppenmit gliedern be-

stehen ­ sie ist also auch kaum aussagekräftig (s. dazu auch Kapitel 4.4.5).

Eine Region im Netzwerk mit besonders dichter Kommunikation bilden die Organisa-

tionen BMZ, S2, S3, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P2, P3, P4, P5, K2, K3, K7, K8, K9,

VENRO und N4. Mithilfe der k-Core-Methode konnte festgestellt werden, dass diese Or-

ganisationen in ihrem Teilgraphen mindesten 13 andere Akteure auf direktem Wege er-

reichen können. Würden S4 und K5 zu dieser Subgruppe hinzugenommen werden,

könnten diese jeweils zwölf andere Akteure auf direktem Weg erreichen (vgl. Abb. 7.4 in

Anhang 7). Es verwundert jedoch nicht, diese Akteure in diesem Teilgraphen ausfindig zu

machen, da schließlich schon vorher festgestellt werden konnte, dass die staatlichen Orga-

nisationen wie auch die politischen Stiftungen untereinander sehr hohe

Kommunikationsdichten besitzen; zudem verwundert auch das Auftreten der zentralen und

angesehenen Akteure in einer solchen Gruppe nicht. Was sich allerdings daraus erkennen

lässt, ist, welche von den staatlichen Organisationen im Vergleich zu den oben genannten

eher ,kommunikationsfaul` sind. Die Cliquenanalyse konnte ebenso wie im Sender-

Empfänger-Netzwerk und im Empfänger-Sender-Netzwerk keine eindeutig zu

identifizierenden kohäsiven Sub gruppen ausfindig machen, welche sich auch nach außen

abgrenzen lassen würden. Die k-Core-Methode zeigt nur, zwischen welchen Organisa-

tionen besonders viel direkte Verbindungen bestehen. Eine Außenabgrenzung der Orga-

nisationen im Teilgraphen zu anderen Akteuren bietet sie jedoch nicht.

4.6.6 Strukturelle Äquivalenz und Blockmodelle

Die Blockmodellanalyse ­ CONCOR- und Burt-Verfahren ­ liefert Subgruppen, die sich

aus Akteuren mit äquivalenten strukturellen Positionen im Netzwerk zusammensetzen. Die

Akteure 43, 44, 45, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 66, 67 und 68 sind sich laut

CONCOR-Verfahren in ihren strukturellen Netzwerkpositionen ähnlich (vgl. Abb. 7.5 in

Anhang 7). Die Existenz dieser Subgruppe wird auch mithilfe des Burt-Verfahrens be-

stätigt (vgl. Abb. 7.6 in Anhang 7). Die Ähnlichkeit zwischen diesen Akteuren beruht auf

der Tatsache, dass sie alle Einzelkomponenten im Netzwerk darstellen.

Die nächste Subgruppe laut CONCOR- und Burt-Methode besteht aus den Akteuren 42,

46, 47, 48, 49 und 50, wobei die Akteure 42 und 46 laut Burt-Verfahren erst auf der

nächsten Zuordnungsstufe dieser Gruppe angehören (vgl. Abb. 7.5 und Abb. 7.6 in Anhang

7). Die Ähnlichkeit von 47, 48, 49 und 50 besteht in der Tatsache, dass sie diejenigen

Akteure sind, die nur noch über den Cutpoint VENRO Zugang zum Netzwerk besitzen. 42

und 46 besitzen ebenfalls nur Kontakt mit diesem Akteur.

96


Als weitere kohäsive Subgruppe werden aufgrund struktureller Ähnlichkeit die Ak teure 40,

51, 53 und 54 zusammengefasst (vgl. Abb. 7.5 und Abb. 7.6 in Anhang 7). Dies sind alles

Organisationen die hauptsächlich mit K8 kommunikativen Kontakt haben. 53 und 54 sind

sogar von K8 als Cutpoint abhängig, um den Anschluss ans Netzwerk nicht zu verlieren.

Laut CONCOR-Verfahren ordnen sich die Akteure K4, N6, N11, 52, 55 und 56 ebenfalls

in einer Subgruppe an (vgl. Abb. 7.5 in Anhang 7). Laut Burt-Methode würden sich K4

und vor allem N6 erst sehr spät in einem Ähnlichkeitsvergleich der Hauptakteure dieser

Gruppe (N11, 52, 55 und 56) zuordnen lassen (vgl. Abb. 7.6 in Anhang 7). Alle diese Ak-

teure begleiten in der Netzwerkstruktur eine ähnliche Position, bei deren Ausübung sie fast

ausschließlich mit K9 kommunikativen Kontakt haben. 55 und 56 benötigen K9 sogar als

Brückenkopf zum restlichen Netzwerk.

Ab diesem Punkt divergieren die Ergebnisse beider Verfahren zu stark, um gültige Aus-

sagen über das Vorhandensein weiterer Subgruppen zu machen. Das CONCOR-Verfahren

bildet noch eine Gruppe bestehend aus den Akteuren BMZ, S2, S3, S7, S8, S9, S10, S11,

P1, P2, P3, P4, P5, K8 und N8. Auf einem niedrigeren Level des Trennungsverfahrens

gehören dieser Gruppe noch die Organisationen K2, K3, K5, K9, VENRO und N7 an (vgl.

Abb. 7.5 in Anhang 7). Diese Gruppe ähnelt sehr stark der Gruppe, die mithilfe der k-

Core-Methode als Region besonders dichter Kommunikation ausfindig ge macht wurde.

Die Burt-Methode kann diese Akteure nur schwer anderen zuordnen und daraus kohäsive

Subgruppen formen. Die am schwersten zuzuordnenden Akteure sind dabei BMZ, VENRO

und danach K8 und K9 (vgl. Abb. 7.6 in Anhang 7). Dies sind die zentralen Akteure in

diesem Netzwerk und daher von ihrer jeweiligen strukturellen Position so verschieden,

dass sie kaum anderen Akteuren ähneln ­ jedenfalls nach Burt-Verfahren.

In diesem Netzwerk existieren also aufgrund ähnlicher struktureller Positionen vier kohä-

sive Subgruppen, die sich auch nach außen abgrenzen lassen: die Einzelkomponenten-, die

K8-, die K9- und die VENRO-Gruppe.

4.6.7 Zentralisierung des Netzwerks

Die Zentralitätsmaße des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-Organisationen ähneln

denen des Sender-Empfänger-Netzwerks (vgl. Abb. 11 und 13). Der geringe Betweenness-

Wert von 22% besagt, dass der zentrale Akteur K9 trotz seiner hohen Kommunikations-

kontrolle im Netzwerk keinen Monopolanspruch an die Information, die er weitergeben

kann, ausübt. Jedem Akteur, der seine Informationen erhalten möchte, wird diese

Information zugänglich gemacht. Die beiden Degree-Werte bedeuten, dass K9 zu 60% an

den direkten Beziehungen der anderen Akteure beteiligt ist (vgl. Abb. 14). Die anderen

Akteure nehmen diese Organisation also als zentralen Akteur wahr. Die Höhe der Degree-

Werte ist auch ein Indikator für die Form des Netzwerks. Sie liegt aufgrund des Degree-

97


basierten Zentralisationswertes von 60% wahrscheinlich zwischen Kreis und Sternform mit

Tendenz zur Sternform, ist aber insgesamt nicht auf eine einfache Struktur zu reduzieren.

Abbildung 14: Netzwerkzentraliserungsmaße des Kommunikationsnetzwerks deutscher

EZ-Organisationen

Network Centralization Index

(Betweenness)

= 22.06%

Network Centralization

(Outdegree)

= 61.157%

Network Centralization

(Indegree)

= 59.619%

Quelle: eigene Berechnung

4.6.8 Die Struktur des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-Organisationen

Die Form des Kommunikationsnetzwerks kann grob als Kegel kategorisiert werden. In der

Spitze des Kegels sind die zentralen und angesehenen Akteure angesiedelt. Daneben sind

auf diesem engen Raum auch die Organisationen zu finden, die Cutpointakteure darstellen

und die alle eine besonders hohe Kommunikationsdichte aufweisen, wie z.B. die poli-

tischen Stiftungen oder die staatlichen Organisationen, die durch die k-Core Methode als

Akteure mit besonders hoher Kommunikationsdichte ermittelt wurden.

Der Boden des Kegels ist aber nicht flach, sondern abgerundet. In dieser Hemisphäre sind

nun die unverbundenen Akteure, die Akteure die einen Cutpoint zum Restnetzwerk benöti-

gen sowie die Akteure mit niedriger Kommunikationsdichte zu finden. Bei den Ak teuren

in der Hemisphäre ist lediglich noch zwischen N3 und 46 eine asymmetrische Be ziehung

vorhanden. Alle anderen Akteure sind entweder unverbunden ­ mehr als in den beiden

anderen Netzwerken ­ oder benötigen die Akteure in der Kegelspitze, um miteinander

kommunizieren zu können. Das bedeutet, dass die Kommunikation zwischen ihnen über

mindestens einen Akteur der Kegelspitze laufen muss. Dabei ist der Kommunikationsweg

von der Hemisphäre zur Kegelspitze deutlich länger als beispielsweise im Sender-

Empfänger-Netzwerk von der Hemisphäre der Halbkugel in das Kommunikationszentrum.

Die Kegelspitze stellt also das Kommunikationszentrum dar. Die anderen Akteure sind in

gewisser Weise von diesem Zentrum abhängig.

98


Abbildung 15:

Modell des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-Organisationen

A

G

L

B

H

C

M

I

D

N

Akteure mit großer

J

Kommunikationsdichte,zentrale,

angesehene & Cutpointakteure

O

E

K

F

Vereinfachtes, zweidimensionales Modell des Sender-Empfänger-Netzwerks. Hier wurde nur die Form des

Netzwerks, sowie die möglichen Beziehungsarten der einzelnen Akteure zum Zentrum des Netzwerks darge-

stellt. Im Modell musste auf die konkrete Nennung der einzelnen Organisationen zugunsten der Übersicht-

lichkeit verzichtet werden. Die Akteure außerhalb des Zentrums sind mit A bis O gekennzeichnet.

Quelle: eigene Berechnung

4.7 Die Nutzung des Internets zur Informationsgewinnung ­ ein User-

Server-Modell

Werden die Kommunikationsdichten in Tab. 16 betrachtet, so lässt sich eindeutig er-

kennen, dass die Internetnutzung mit einer Gesamtdichte von Gesamt = 0,0276 doch sehr

gering ist. Dabei heben sich vor allem die politischen Stiftungen hervor, welche das

Internetangebot der anderen Organisationen ­ außer das von wenigen staatlichen

Organisationen ­ überhaupt nicht nutzen. Auch bei den anderen Organisationstypen ist die

Internetnutzung insgesamt nicht besonders stark ausgeprägt. Das deutet darauf hin, dass

die Vernetzung sehr schwach ist. Aus Abb.8.1 und Abb. 8.2 in Anhang 8 wird ersichtlich,

dass 26 unverbundene Einzelakteure existieren und dass weitere 19 Akteure nur über

Cutpointakteure zu erreichen sind. Das sind schon fast zwei Drittel des gesamten

Netzwerks, welches nicht oder nur ungenügend verbunden ist. Closeness- und

99


Betweennessberechnungen bestätigen die insgesamt schwache Nutzung des Internetange-

bots.

Tabelle 16: Kommunikationsdichten des User-Server-Modells

Informationsanbieter

Staatliche

Kirchliche

Organisationen

Informations-

Politische

Sonstige

Organisa-

Stiftungen

Organisa-

NROs

außerhalb der

nutzer

tionen

tionen

Stichprobe

Staatliche

Organisationen

0.3727

0.0727

0.0182

0

0

Politische

Stiftungen

0.0727

0

0

0

0

Kirchliche

Organisationen

0.1000

0.0600

0.1778

0.0727

0.0267

Sonstige NROs

0.0992

0

0.0364

0.0455

0.0121

Organisationen

außerhalb der

0

0

0

0

0

Stichprobe*

Bei der Dichteberechnung bei gleichen Organisationstypen wurden die Angaben zur eigenen Organisation ­

die Diagonale in der Matrix - nicht berücksichtigt.

*

Die Netzwerkdichte in dieser Zeile muss immer Null sein, da diese Organisationen nicht befragt

wurden und daher keine Angaben bezüglich ihres Verhaltens als Informationsempfänger vorliegen

Gesamtdichte: Gesamt

= 0,0276

= 0.0492 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als Nutzer)

= 0.0444 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als

Anbieter)

= 0.0826 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als Nutzer

und Anbieter)

Quelle: eigene Berechnung

Deshalb ist es sinnvoller bei den einzelnen Organisationen anzusetzen. Mithilfe der

Degreemaße kann man herausgefunden werden, wie oft welche Organisation das Internet

zur Informations gewinnung nutzt (Outdegree) und wie oft von welchen Internetseiten der

Organisationen Informationen bezogen werden (Indegree). Die einzelnen Werte sind in

Tab. 17 zu finden. Die Organisationen sind dabei nach der Besuchshäufigkeit ihrer

Internetseiten (Indegree) geordnet.

In Tab. 17 ist gut zu erkennen, was bereits durch die Internetrecherche ermittelt wurde.

Offensichtlich bieten wirklich mehr Organisationen Informationen im Internet an, als sie

selbst angeben. Von 37 Organisationen wird hier behauptet, dass von ihren Internetseiten

mindestens einmal Informationen bezogen wurden. Somit besteht auch die Möglichkeit,

von diesen Internetseiten Informationen zu erhalten. Aber nur sechs von 26 Organisationen

behaupteten, das Internet zur Verbreitung ihrer Informationen zu nutzen (s. dazu auch

100


Kapitel 4.2.1). Die eigene Internetrecherche mit dem Ergebnis, dass 34 von 37

Organisationen irgendeine Art von Information im Internet anbieten, wird durch die

Aussage über die Internetnutzung der Organisationen zur Informationsgewinnung,

bestätigt. Durch diesen Cross Check der Ergebnisse konnte also die Validität ermittelt

werden. Offensichtlich erfüllt Frage zwei des Fragebogens (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1) das

Validitätskriterium nicht, denn die Angaben der Organisationen bezüglich der Internet-

nutzung zur Informationsverbreitung stehen sowohl konträr zur Dokumentenanalyse, als

auch konträr zur Einschätzung durch die anderen Organisationen bezüglich ihres Internet-

angebots aus Frage sechs des Fragebogens (vgl. dazu Kapitel 4.2.2, Tab. 17 sowie Abb.

1.2. in Anhang 1). Da die Fragen drei, vier und fünf des Fragebogens, ebenso wie die

Frage sechs, direkte Fragen zum kommunikativen Austausch von Dokumenten im

Netzwerk darstellen ­ sich also vom Inhalt her ähnlich sind (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1) ­,

und die Frage sechs so beantwortet wurde, dass daraus valide Ergebnisse abgeleitet werden

können, kann also schon davon ausgegangen werden, dass die Ergebnisse aus den

Antworten der Fragen drei bis fünf ebenso gültig sind. Ein weiteres Indiz dafür, dass die

Ungültigkeit der Ergebnisse aus Frage zwei einen Einzelfall in dieser Untersuchung

darstellt, ist die Tatsache, dass die Ergebnisse aus den Fragen eins und sieben mit den

Ergebnissen aus der HWWA-Studie übereinstimmen, wobei sowohl in der vorliegenden

Untersuchung, als auch in der HWWA-Studie der DAC-Fragebogen zugrunde lag. Die

Untersuchungskonzepte haben also hier und in der HWWA-Studie die gleichen Vorlagen

zu bestimmten Themengebieten (s. dazu auch Kapitel 3.1.2 und 3.1.7) und kommen zu

ähnlichen Ergebnissen (s. dazu Kapitel 4.1 und 4.8). Zusammenfassend kann also festge-

halten werden, dass der hier verwendete Fragebogen ­ bis auf Frage zwei ­ das Validitäts-

kriterium erfüllte. Dadurch, dass Cross Checks benutzt wurden, ist die Ungültigkeit der

Ergebnisse aus Frage zwei nicht von Bedeutung. Daraus folgt, dass die vorliegenden

Ergebnisse der Untersuchung externe Validität besitzen.

Von der BMZ-Internetseite werden laut dem Indegreewert von idBMZ = 25 am häufigsten

Informationen bezogen (vgl. Tab. 17). Diese Aussage deckt sich auch damit, dass auf der

BMZ-Homepage die meisten Informationen gefunden wurden. Das BMZ sagt sogar, dass

100% seiner Informationen im Internet angeboten werden (s. dazu auch Kapitel 4.2.1). Auf

den zweiten und dritten Platz der Häufigkeit der besuchten Internetseiten befinden sich S2

und S3 (vgl. Tab. 17). Davon behauptet S3 allerdings, die Organisation sei noch in

Planung, Informationen im Internet bereitzustellen. Eine Diskrepanz zwischen der

gegebenen Antwort und der Internetrecherche aufgrund einer Messung zu verschiedenen

Zeitpunkten kann jedoch ausgeschlossen werden, da die Internetrecherche auch schon

einmal zur Zeit der Befragung durchgeführt wurde und für S3 die gleichen Ergebnisse wie

jetzt vorlagen. Bei den anderen Organisationen ist der Besuch deren Internetseiten jedoch

101


dürftig. Insgesamt gesehen, wird das tatsächliche Informationsangebot von den meisten

Organisationen so gut wie nicht genutzt.

Tabelle 17:

Besuchte Internetseiten und Nutzung des Internetangebots der

Organisationen

Org.

InDegree

OutDegree

Org.

InDegree

OutDegree

BMZ

25

k.A.

57

2

0

S2

15

3

58

2

0

S3

7

0

60

2

0

S10

5

k.A.

S4

1

10

VENRO

5

0

P2

1

0

K8

4

6

P4

1

k.A.

S7

4

k.A.

P5

1

0

K2

4

0

K1

1

0

K7

4

0

K4

1

k.A.

S8

3

9

K6

1

k.A.

S11

3

7

K10

1

0

S9

3

4

N4

1

0

K3

3

0

N6

1

k.A.

K5

3

k.A.

N7

1

k.A.

39

3

0

N11

1

k.A.

N2

2

5

59

1

0

S5

2

3

K9

0

40

P1

2

2

N9

0

17

P3

2

2

S6

0

11

N10

2

k.A.

N5

0

3

49

2

0

Da gewichtete Bewertungen über die Häufigkeit der Internetnutzung vorliegen, entsprechen die Werte der

Häufigkeit der Internetnutzung und nicht der Anzahl der Organisationen, die diese Wahl vergeben bzw. er-

halten.

Quelle: eigene Berechnung

Eine Ausnahme stellt die Organisation K9 dar. Mit einem Outdegreewert von odK 9 = 40 ist

sie die Organisation im Kommunikationsnetzwerk, die das Internetangebot der anderen

Organisationen am häufigsten nutzt. Am zweithäufigsten nutzt das Internetinformations-

angebot N9 und an dritter Stelle steht S6 (vgl. Tab. 17). Dies sind alles Organisationen,

deren Internetseite überhaupt nicht besucht wird. Somit werden deren Internet-

informationen überhaupt nicht genutzt. Bei K9 und S6 ist das laut eigener Angabe auch

noch nicht möglich, was allerdings der eigenen Recherche widerspricht. Auf deren

102


Homepages ist es durchaus möglich, Informationen zu verschiedenen Themen zu erhalten

(s. dazu auch Kapitel 4.2.2).

Abbildung 16: Internetnutzung verschiedener Organisationstypen

8

7

6

5

4

Anzahl

3

2

1

0

Staatl. Org.

Pol. Org.

Kirchl. Org. insg.

sonst. NROs

Ja

7

4

2

3

Nein

1

1

4

3

k.A.

3

0

4

5

Organisationstyp

Quelle: eigene Berechnung

Abb. 16 zeigt einen Überblick ­ über die Organisationstypen verteilt ­ wie viel Orga-

nisationen angaben, Informationen der anderen Organisationen von deren Internetseite zu

beziehen. Bei den staatlichen Organisationen und den politischen Stiftungen nutzen ca.

60% bzw. ca. 80% der Organisationen das Internetangebot. Bei den kirchlichen Organisa-

tionen und sonstigen NROs ist dagegen kein positives Ergebnis zu finden, vor allem aber,

weil dort oft keine Angaben zur Internetnutzung vorlagen (vgl. Abb. 16). Obwohl ins-

gesamt mehr Organisationen sagten, sie würden sich Informationen von den Internetseiten

der anderen Organisationen nehmen, als dies nicht zu tun, bleibt die

Kommunikationsdichte doch sehr gering. Denn oft greifen die Organisationen nur auf die

Internetinformationen von ein, zwei ,ausgewählten` Organisationen zu.

103


4.8 Der Institutionalisierungsgrad der Organisationen bezüglich der

Generierung und Verbreitung ihrer Informationen.

Von 26 bisher quantitativ auswertbaren Fragebögen beantworteten 25 Orga nisationen die

Fragen nach dem Institutionalisierungsgrad bezüglich der Generierung und Verbreitung

ihrer Information.

Sechs Organisationen besitzen keine Evaluationsabteilung bzw. kein ­personal; dies sind

die Organisationen S5, K1, K3, N3, N5 und N9. 36% der Organisationen besitzen eigenes

Evaluationspersonal ­ die Organisationen S4, S9, P2, P3, K2, K7, K9, VENRO und N4.

Von 25 Organisationen der Stichprobe besitzen BMZ, S2, S3, S6, S7, S8, P1, P4, P5 und

N2 eine eigene Evaluationsabteilung. Das sind 40% (vgl. Tab. 9.1 in Anhang 9).

Von den 25 Organisationen, die die Frage über das Vorhandensein von eigenem Evalua-

tionspersonal bzw. einer eigenen Evaluationsabteilung beantworteten, waren noch 23

Organisationen bereit, Auskunft über die Frage nach dem Zuständigkeitsbereich der

Informationsverbreitung zu erteilen. K7 und N4, zwei Organisationen, die eigenes Evalua-

tionspersonal besitzen, beantworteten diese Frage also nicht.

Von den Organisationen, die eigenes Evaluationspersonal besitzen, liegt nur bei drei Or-

ganisationen, nämlich P2, K2 und VENRO, die Zuständigkeit für die Verbreitung von In-

formationen aus Evaluationen auch bei diesem Evaluationspersonal. Bei S4 und K9 teilt

das eigene Evaluationspersonal die Zuständigkeit der Informationsverbreitung mit anderen

Abteilungen. S9 und P3 sagen, dass es bei der Informationsverbreitung keine festgelegte

Struktur innerhalb der Organisationen gibt (vgl. Tab. 18).

Von den Organisationen, die eine eigene Evaluationsabteilung besitzen, sind bei S3, S7, P5

und N2 diese Evaluationsabteilungen auch für die Informationsverbreitung zuständig. In

den Organisationen BMZ, S6, S8 und P1 teilen sich die Evaluationsabteilungen die Verant-

wortlichkeit der Informationsverbreitung mit anderen Abteilungen. S2 und P4 geben an,

dass der Informationsaustausch mit anderen Organisationen nicht durch eine festgelegte

Struktur geregelt ist (vgl. Tab. 18).

Bei den Organisationen, deren Evaluationsabteilung bzw. ­personal die Informationsver-

breitung mit anderen Abteilungen teilt, sind diese anderen Abteilungen meist zuständige

andere Arbeitseinheiten oder Abteilungen wie z.B. die Kontinentreferate.

Damit besitzen S3, S7, P5 und N2 den höchsten Institutionalisierungsgrad der Informa-

tionsgenerierung und ­verbreitung. Diese Organisationen besitzen eine eigene Evalua-

tionsabteilung, die ihre Projekte evaluiert und damit Informationen erzeugt, die schließlich

durch diese Abteilung auch verbreitet werden. Informationserzeugung und Vernetzung mit

anderen Organisationen zum Informationsaustausch sind in einer Stelle der Organisation

institutionalisiert, was die Koordinierung einfacher macht. P2, K2 und VENRO besitzen

den zweithöchsten Institutionalisierungsgrad, da sie keine Evaluationsabteilung, sondern

,nur` eigenes Evaluationspersonal besitze n. Dafür ist dieses Personal aber auch gleichzeitig

für den Informationsaustausch mit anderen Organisationen zuständig.

104


Tabelle 18:

Kreuztabelle: Organisationen und deren Zuständigkeitsbereich für die

Informationsverbreitung

Zuständigkeit der Informationsverbreitung

Nein, keine

Nein, keine

Ja, Zuständigkeit

Ja, Zuständigkeit

Abteilung/

festgelegte

liegt bei Evalua-

Organisation Personal

Struktur

wird mit anderen

Total

tionsabteilung/

vorhanden

vorhanden

Abteilungen geteilt -personal

BMZ

1

S2

1

S3

1

S4

1

S5

1

S6

1

S7

1

S8

1

S9

1

P1

1

P2

1

P3

1

P4

1

P5

1

K1

1

K2

1

K3

1

K9

1

VENRO

1

N2

1

N3

1

N5

1

N9

1

Total

6

4

6

7

23

Quelle: eigene Berechnung

Insgesamt gesehen kommt ein Zusammenhang zwischen dem Organisationstyp der Orga-

nisationen und dem Vorhandensein einer eigenen Evaluationsabteilung bzw. von eigenem

Evaluationspersonal mit einem Signifikanzwert von 0.394 nur zufällig zustande. Zufällig

sind auch gefundene Zusammenhangswerte zwischen der Art der Organisation und der

Tatsache, wer in der Organisation für den Versand von Informationen zuständig ist, und

zwar mit einem Signifikanzwert von 0.376.

105


5

Diskussion und Ausblick

In der vorliegenden Untersuchung wurde davon ausgegangen, dass von den Kommunika-

tionsstrukturen des Systems ,Deutsche EZ-Organisationen` auf die potentiellen hori-

zontalen Lernmöglichkeiten der Organisationen geschlossen werden kann. Dazu sollen

zuerst die Ergebnisse der Untersuchung noch einmal zusammengefasst und dabei erörtert

werden, bevor eine weiterführende Schlussfolgerung gezogen wird.

Diskussion der Ergebnisse

Zunächst werden die herausragenden Akteuren des Kommunikationsnetzwerks deutscher

EZ-Organisationen vorgestellt. Wie in Hypothese H1 angenommen stellen BMZ und

VENRO mächtige Akteure im Kommunikationsnetzwerk dar. Dies folgt für beide Organi-

sationen aus deren besonders hohen Zentralitäts- und Prestigewerten: Sie sind beide sehr

stark in das Kommunikationsne tzwerk eingebunden und besitzen daher eine hohe

Kommunikations kontrolle und empfangen weiterhin von den anderen Organisationen am

häufigsten Informationen. Der Prestigewert des BMZ ­ also die Aussage, dass das BMZ

von den anderen Organisationen

am häufigsten

Informationen erhält ­ korreliert mit der

Ausführung, dass das BMZ auch die

größte Menge

an Informationen bekommt. Was vor

der Untersuchung nicht vermutet wurde, sich aber aus dem Kommunikationsverhalten im

Netzwerk bestätigt, ist, dass

eine kirchliche Organisation (K9)

neben BMZ und VENRO

ein mächtiger Akteur im Netzwerk und somit auch im System ,deutsche EZ-

Organisationen` darstellt. Diese kirchliche NRO ist mit Abstand auch der zentralste Akteur

im gesamten Kommunikationsnetzwerk, d.h. er ist am stärksten von allen Organisationen

im Netzwerk kommunikativ eingebunden, womit er die höchste Kommunikationskontrolle

im Netzwerk erlangt. Weiterhin besitzt er neben seiner hohen Kommunikationskontrolle

auch die zweithöchste Kommunikationsaktivität im Netzwerk, was ihn ebenfalls in seiner

Zentralität bestärkt. Doch stellt sich hier die Frage: Warum wurde diese Organisation aus

theoretischer Sicht nicht als gleichwertig mächtig im Vergleich zu BMZ und VENRO

erachtet, um sie in den Hypothesen zu berücksichtigen? Oder anders ausgedrückt: Warum

wurde K9 nicht als wichtig in den realen Machtverhältnissen des Systems ,deutscher EZ-

Organisationen` betrachtet? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, muss der Begriff

der Macht in Netzwerken sowie die Tatsache, dass das vorliegende Netzwerk wohl, neben

BMZ und VENRO, noch einen dritten mächtigen Akteur benötigt, erörtert werden. Der

Begriff der Macht ist innerhalb eines Kommunikationsnetzwerks nicht unbedingt negativ

behaftet. Die Macht, die die Akteure in einem Netzwerk besitzen, ergibt sich schließlich

daraus, dass viele andere Akteure zu ihnen kommunikativen Kontakt suchen, dass sie

selbst eine hohe Kommunikationsaktivität besitzen und dadurch als Kommunikations-

mittler zwischen anderen Akteuren eine Rolle spielen. Damit werden diese Organisationen

zu Kommunikationsmotoren im Kommunikationsnetzwerk. Der Zentralitätsindex der

mächtigen Akteure im Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen zeigt

106


ebenfalls, dass sie keine Akteure sind, die ihre Informationen monopolisieren, d.h. den

anderen vorenthalten. Die Tatsache, dass von allen Organisationstypen, außer den

politischen Stiftungen, jeweils eine Organisation in diesem Netzwerk eine Machtposition

inne hat, lässt allerdings zwei Schlussfolgerungen zu. Zunächst einmal wurde festgestellt,

dass sich diese drei Organisationen ­ BMZ, VENRO sowie die kirchliche Organisation

(K9) ­ aufgrund ihrer strukturellen Positionen kaum ähneln. Es könnte daher vermutet

werden, dass jede Organisationsart einen solchen Kommunikationsmotor braucht, da sie

alle in ihrem Verhalten zu unterschiedlich sind, um einen mächtigen Akteur einer anderen

Organisationsart als Kommunikationsmittler im Netzwerk ,benutzen` zu können. Diese

These ist jedoch schwer zu bestätigen. Einerseits kommunizieren die staatlichen wie auch

die kirchlichen Organisationen untereinander jeweils stärker als mit anderen Organisa-

tionsarten. Diese weisen also untereinander eine höhere Kommunikationsdichte auf, unter-

scheiden sich somit von den anderen Organisationen in ihrem Kommunikationsverhalten

und grenzen sich so voneinander ab. Andererseits gehören viele dieser Organisationen laut

k-Core-Methode, welche die Region der dichtesten Kommunikation im Netzwerk ermittelt,

dennoch zu einem Akteurkreis, in dem die Akteure zueinander besonders viele Kontakte

aufweisen. Sie verfolgen deswegen zwar nicht zwingend die gleichen Einstellungen, sie

sind aber auch nicht so verschieden, da sie miteinander kommunizieren und sich nicht

kommunikativ meiden. Auch bei den sonstigen NROs ist diese These schwer zu bestätigen.

Von ihnen gehören die meisten Organisationen nicht zu dem Akteurkreis mit besonders

hoher Kommunikationsdichte, sie unterscheiden sich also dahingehend von den anderen

Organisationsarten. Da ihre Netzwerkdichte untereinander aber nicht höher ist, als zu

anderen Organisationsarten, deutet dies doch darauf hin, dass sie sich in ihrem

Kommunikationsverhalten nicht von anderen Organisationsarten abgrenzen wollen. Infolge

dieser Widersprüchlichkeit ist die These, dass jede Organisationsart einen eigenen mäch-

tigen Akteur aufgrund unterschiedlichem Verhalten und einer daraus resultierenden

Tatsache, dass die mächtigen Akteure anderer Organisationsarten nicht als Kommuni-

kationsmittler ,benutzt` werden können, zu verwerfen. Sollte diese These trotz der

widersprüchlichen Ergebnisse bestätigt werden, so wäre allerdings noch die Frage offen,

warum die politischen Stiftungen mit der höchsten Kommunikationsdichte untereinander

von allen Orga nisationsarten keinen mächtigen Akteur in ihren Reihen brauchen. Die wohl

plausibelste These aber wäre die, dass gerade die Organisationsarten mit einer sehr großen

Anzahl von Akteuren, wie die staatlichen und kirchlichen Organisationen, sowie die

sonstigen NROs auf jeweils einen zentralen und mächtigen Akteur angewiesen sind, der

die Kommunikation antreiben, steuern und leiten kann ­ innerhalb der Organisations art

und zwischen den anderen Organisationsarten. Diese These wird zumindest dadurch

gestützt, dass die Gruppe der politischen Stiftungen, die nur aus fünf Organisationen

bestehen, keinen solchen mächtigen Akteur im Netzwerk und in ihren Reihen aufweisen

können und wahrscheinlich auch nicht benötigen. Diese These scheint aber auch deshalb

107


plausibel, da bei einer Vielzahl von fast 300 EZ-Organisationen insgesamt in Deutschland

(vgl. DSE 2000) nur schwer ein Kommunikationsnetzwerk mit nur einem mächtigen

Akteur etabliert werden könnte, der alleine den kommunikativen Kontakt auch zwischen

den anderen Organisationen mitbeeinflussen könnte ­ vor allem im positiven Sinne.

Deshalb scheint eine Verteilung dieser Aufgabe auf mehrere Organisationen aus diesem

pragmatischen Grund sinnvoll.

Was sich sowohl im Sender-Empfänger-Netzwerk als auch im Empfänger-Sender-

Netzwerk nur andeutete, sich aber im Gesamtkommunikationsnetzwerk, welches das

,bestätigte Senden` untersuchte, bestätigte, ist, dass die Annahme H2 verifiziert werden

kann. Staatliche Organisationen und sonstige NROs bilden aufgrund ihres kommunikativen

Verhaltens, was auf unterschiedlichen Einstellungen beruht, zwei Gruppen im Netzwerk.

Das bedeutet: Staatliche Organisationen kommunizieren verstärkt mit anderen staatlichen

Organisationen ­ sie besitzen zueinander eine hohe Kommunikationsdichte ­ und sonstige

NROs mit anderen Organisationen aus dem nichtstaatlichen Bereich. Zwar besteht die

größte Kommunikationsdichte der sonstigen NROs zu den kirchlichen Organisationen,

dennoch ist die Kommunikationsdichte unter den sonstigen NROs größer als zu den

staatlichen Organisatione n. Außerdem zeigt die große Kommunikationsdichte zu den

kirchlichen Organisationen, die auch im nichtstaatlichen Bereich angesiedelt sind, dass die

kommunikative Nähe der sonstigen NROs eher zu anderen NROs besteht. Eine Erklärung

für die schlechtere Kommunikationsdichte innerhalb der sonstigen NROs ist in der

niedrigeren Teilnahme der sonstigen NROs an der Untersuchung begründet. So mussten

diesen nichtteilnehmenden Organisationen aus Gründen der Rechenbarkeit von Matrizen

ein kommunikativer Wert von Null zugeordnet werden, was die Kommunikationsdichte

absinken lässt. Eine noch eindeutigere Bestätigung dieses Ergebnisses könnte also nur eine

Folgestudie, bei der deutlich mehr als 50% der Stichprobe der sonstigen NROs an der

Untersuchung teilnehmen, erbringen.

Die dritte hypothetische Annahme H3 muss in ihrer Gesamtheit verworfen werden, denn

trotz der großen kommunikativen Nähe der politischen Stiftungen zu den staatlichen

Organisationen, bilden die politischen Stiftungen durch ihre hohe Kommunikationsdichte

innerhalb der Organisationsart, eine einheitliche Gruppe, was vorher nicht erwartet wurde.

Die Tatsache, dass politische Stiftungen

nicht

in gemeinsamen Projekten kooperieren und

vielschichtige politische Grundeinstellungen besitzen, führt laut den Ergebnissen der

Analyse also nicht automatisch zu verschiedenen grundlegenden Einstellungen im EZ-

Bereich. Die theoretischen Vorüberlegungen zu diesem Teil der Hypothese waren also

falsch und sind somit falsifiziert. Der Teil der Hypothese, welcher die kommunikative

Nähe der politischen Stiftungen zu den staatlichen und nicht zu den nichtstaatlichen

Organisationen prognostizierte, konnte jedoch verifiziert werden. Der Grund für die hohe

Kommunikationsdichte zu den staatlichen Organisationen besteht in der Tatsache, dass die

staatlichen Organisationen mit dem BMZ einen mächtigen Akteur im Netzwerk besitzen,

108


welcher die politischen Organisationen beträchtlich unterstützt und sie für EZ-Maßnahmen

beauftragt (vgl. BORRMANN u.a., 1999: 236). Aufgrund dieser Unterstützung des BMZ

suchen die politischen Stiftungen also eher die kommunikative Nähe zum mächtigen

Akteur BMZ als z.B. zu VENRO. Dadurch erhöht sich die Kommunikationsdichte zu den

staatlichem Organisationen. Sicherlich wäre eine Folgestudie, die diese Nähe der poli-

tischen Stiftungen zu den staatlichen Organisationen genauer erörtert von wissenschaft-

lichem Reiz. Genauere Erklärungen als die hier vorliegende könnten für dieses Phänomen

gefunden werden. Außerdem könnten die kommunikativen Beziehungen der politischen

Stiftungen untereinander genauer analysiert werden. Weiterführende Hypothesen für eine

nachfolgende Studie könnten folgende sein: Erstens besitzen politische Stiftungen trotz der

Tatsache, dass sie

nicht

in gemeinsamen Projekten kooperieren und viels chichtige

politische Grund einstellungen einnehmen, doch gleiche Einstellungen zum EZ-Bereich,

wodurch eine Gruppenbildung innerhalb der Organisationsart aufgrund einer hohen

Kommunikationsdichte entsteht. Zweitens haben die politischen Stiftungen zu den

staatlichen Organisationen eine höhere kommunikative Affinität als zu den nichtstaatlichen

Organisationen ­ obwohl sie eher zu letzteren gezählt werden ­ aufgrund der Unter-

stützung und der Auftragssituation seitens der staatlichen Organisationen.

Hypothese H4, dass sich katholische und evangelische Organisationen aufgrund ihrer

Einstellung

nicht

unterscheiden und dies sich dementsprechend in ihrem kommunikativen

Verhalten äußert ­ es kommt zu keiner Gruppenbildung evangelische und katholische

Organisatione n ­ kann aufgrund der Ergebnisse bestätigt werden. Zum einen kommuni-

zieren die katholischen stärker mit den evangelischen EZ-Organisationen als unter-

einander. Zum anderen gibt es Indizien aus der Literatur, wobei beide Zentralstellen ­

evangelische wie katholische ­ eng zusammenarbeiten und gemeinsame Ziele verfolgen

(vgl. BORRMANN u.a., 1999: 290). Ein Gegenargument zur Bestätigung der Hypothese

wäre die höhere Kommunikationsdichte der evangelischen Organisationen untereinander

gegenüber der zu den katholischen Organisationen, was auf eine Gruppenbildung

hindeuten könnte. Diese Kommunikationsdichte ist zwar höher, aber eigentlich auch kein

Grund zur Falsifizierung, wenn ihr Zustandekommen näher betrachtet wird: Bei nur drei

evangelischen Organisationen in der Stichprobe ist die Wahrscheinlichkeit einer hohen

Kommunikations dichte untereinander sehr groß. Die hier vorliegende Kommunikations-

dichte zwischen den evangelischen EZ-Organisationen ist aber nicht so deutlich größer wie

ihre Kommunikationsdichte zu den katholischen Organisationen, als dass der Umstand von

nur drei evangelischen Organisationen in der Stichprobe vernachlässigt werden könnte. Bis

zu einer Folgestudie, die sich diesem Thema der Gruppenbildung von katholischen und

evangelischen EZ-Organisationen widmet, in der mehr kirchliche Organisationen beider

Konfessionen insgesamt befragt werden, und an der auch ausreichend viele Organisationen

für extern valide Ergebnisse teilnehmen, soll die Hypothese H4 also als bestätigt gelten.

109


Weitere wichtige Ergebnisse zur Struktur des Kommunikationsnetzwerks:

Im gesamten Kommunikationsnetzwerk sind die einzelnen Akteure nur schwach durch

kommunikativen Austausch von Information verbunden, d.h. es liegt ein sogenanntes

weak-tie-Netzwerk vor. Dies bedeutet, dass sich z.B. Neuerungen in diesem System nur

sehr langsam verbreiten, dafür aber doch stabil transportiert werden (vgl. JANSEN, 1999:

100f). Wird die Kommunikationsdichte aber differenzierter bezüglich der verschiedenen

Organisationsarten betrachtet, ist ein weak-tie-Netzwerk nur noch bei den Beziehungen

von kirchlichen und sonstigen Nichtregierungsorga nisationen gegeben. Diese haben ins-

gesamt sehr geringe, dafür aber gleichmäßige Beziehungen zu Organisationen anderen

Typs. Bei den politischen Stiftungen und staatlichen Organisationen ist dies umgekehrt.

Deren Kommunikations dichten sind jeweils untereinander höher ­ und das mit deutlichem

Abstand ­ als zu den Organisationen anderer Organisationsart. Untereinander sind diese

Organisationen also stark verbunden ­ hier liegt ein sogenanntes strong-tie-Netzwerk vor.

Die Kommunikationsdichten dieser Organisationen sind, wie gesagt, nur untereinander

stark ausgeprägt; zu Organisationen anderen Typs werden die kommunikativen Be-

ziehungen schwächer. Nun könnte behauptet werden, dass es gut wäre, dass wenigstens

zwischen einigen wenigen Organisationen, auch wenn sie dem gleichen Typ angehören,

starke Vernetzungen vorliegen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Die strong ties, die gerade

in nur wenigen Regionen des Netzwerks vorkommen, verleiten die Akteure oft zu einer

Cliquenbildung mit einer internen sozialen Schließung. Das bedeutet, dass Akteure mit

abweichenden und neuen Meinungen sehr schnell ausgeschlossen werden, was dann

letztenendes mit einem Informationsdefizit bezahlt wird, da oft nur dieselben Neuigkeiten

ausgetauscht und keine Innovationen mehr erzeugt werden (vgl. JANSEN, 1999: 100f).

Dieser Verlauf, wie in der Theorie beschrieben, kann hier im vorliegenden Netzwerk

jedoch nicht aufgezeigt werden. Zum einen stellt ein staatlicher Akteur (S8) ein Brücken-

kopf innerhalb der kommunikativen Strukturen und somit ein Informations mittler aus

verschiedenen Regionen des Netzwerks ­ ein sogenannter Cutpointakteur ­ dar. Er

verbindet durch seine Rolle als Cutpointakteur mehrere Regionen im Netzwerk, wobei

ohne ihn diese Regionen nicht mehr miteinander kommunizieren würden. Zum anderen

beinhaltet der Akteurkreis mit der höchsten Dichte neben politischen Stiftungen und

staatlichen Organisationen auch kirchliche Organisationen, sowie VENRO als sonstige

NRO, welche als mächtige Organisation einen kommunikativen, informations verbreiten-

den Akteur und als Cut pointakteur einen informationskatalysierenden Akteur darstellt. Aus

der Cliquenanalyse ergeben sich ebenfalls keine eindeutig nach Außen abgegrenzten

Gruppen. Nur mithilfe der Blockmodellanalyse wurden Orga nisationen identifiziert, die

sich durch ihre strukturelle Position ähnlich sind und sich somit von den anderen

Organisationen unterscheiden, also Gruppen bilden. Diese bestehen aber nicht ausschließ-

lich aus staatlichen Organisationen oder politischen Stiftungen. Zusammenfassend besteht

110


also die Gefahr einer Isolierung und einem damit verbundenen Rückschritt hinsichtlich des

organisationalen Lernens, wenn es den staatlichen Organisationen und den politischen

Stiftungen nicht gelingt, ihre Informationen besser zu streuen. Diese Gefahr ist aber zur

Zeit nicht akut und darf auch nicht heraufbeschworen werden, da ein großer Teil des

strong-tie-Netzwerks z.B. auch durch vertragliche Verpflichtungen zum Informations-

austausch ­ was bei den staatlichen Organisationen oft der Fall ist ­ zustande kommt.

Doch zurück zum Sachverhalt, dass das Kommunikationsnetzwerk in seiner Gesamtheit

ein weak-tie-Netzwerk darstellt. Die positiven Eigenschaften eines weak-tie-Netzwerks

wurden bereits beschrieben. Doch entsteht dieses Ergebnis nicht nur durch eine relativ

geringe Kommunikation zwischen den Akteuren, sondern auch durch die Tatsache, dass

innerhalb des Netzwerks sehr viele unverbundene Akteure existieren, die

keine

kommuni-

kativen Beziehungen zu den anderen Organisationen besitzen. Das insgesamt schwach

verbundene Kommunikationsnetzwerk besteht also aus einer Region mit besonders hoher

Kommunikationsdichte, welche sich fast nur auf zwei Organisationsarten beschränkt ­

staatliche Organisationen und politische Stiftungen ­ zwei weiteren Organisationsarten,

welche ihre Informationen im Netzwerk sehr gleichmäßig streuen ­ kirchliche und sonstige

NROs ­ sowie sehr vielen unverbundenen Akteuren. Andererseits ist diese Struktur des

Netzwerks sowie seine Eigenschaft schwach verbunden zu sein, für ein Netzwerk dieser

Größenordnung ­ immerhin umfasst es insgesamt 68 Akteure ­ doch ,üblich`. Denn einen

kommunikativen Kontakt zu pflegen bedarf sehr viel Arbeit, die

nicht

in alle möglichen

Kontakte, sondern nur in

wenige ausgesuchte

investiert werden kann. Bei einer Größe von

insgesamt 68 Akteuren kann also nicht jeder Akteur mit allen anderen kommunikativen

Kontakt pfle gen ­ woraus ein weak-tie-Netzwerk resultiert.

Zur Kommunikationsstruktur des Netzwerks gehört auch die Internetnutzung der Organisa-

tionen. Fast alle Organisationen der Stichprobe bieten Informationen auf ihrer Homepage

an, doch meist nur in geringen Mengen und nicht immer sehr benutzerfreundlich in der

Handhabung. Die größte Menge an Informationen wird von drei staatlichen Organisationen

(BMZ, S2 und S3) im Internet zur Verfügung gestellt. Die Vermutung liegt nahe, dass

diese Organisationen das Medium Internet nicht nur sehr häufig zur Informa tionsver-

breitung, sondern auch zur Informationsgewinnung nutzen. Dem ist aber nicht so ­ die

Organisationen, die das Internet am häufigsten zur Informations gewinnung nutzen, sind

eine kirchliche Organisation (K9), eine NRO (N9) und eine andere staatliche Organisation

(S4). Das Gros der Organisationen nutzt das sowieso schon ge ringe Angebot in

minimalistischer Art und Weise. Würden insgesamt mehr und qualitativ bessere

Informationen wie z.B. bei den beiden staatlichen Organisationen (BMZ und S2) von den

anderen Organisationen der Stichprobe angeboten, und wären diese schnell und

benutzerfreundlich zu handhaben, so könnte auch mit einem höheren Zugriff auf deren

Internetseiten gerechnet werden.

111


Weiterhin konnte festgestellt werden, dass im Kommunikationsnetzwerk die internen den

externen Lernprozessen vorgezogen werden. Eine Trendwende, wie sie in der HWWA-

Studie prognostiziert wird, ist aus dieser Arbeit heraus nicht zu erkennen (vgl.

BORRMANN u.a., 2001: 11)27. Dies hat sich eindeutig aus der Bewertung der Relevanz

verschiedener Zielgruppen für die eigene Information ergeben. Darin unterscheiden sich

die Organisationsarten nicht in ihren Bewertungen. Für organisationsinterne Zielgruppen

sind die Informationen relevanter als für andere EZ-Organisationen oder ,Medien und

Allgemeine Öffentlichkeit`. Ausnahmen kommen so gut wie nicht vor. Ein Grund dafür ist

sicherlich, dass das angefertigte Wissen (Evaluationen, Projektberichte, Studien etc.) schon

bei der Erstellung nicht berücksichtigt, dass die Information auch für Außenstehende von

Nutzen sein könnte. Somit wurde die Information wahrscheinlich so produziert, dass sie in

erster Linie für organisationsinterne Stellen relevant und damit für z.B. andere EZ-

Organisationen nicht relevant ist. Ist eine Information nicht relevant, wird sie nicht für die

Kommunikation selektiert (vgl. LUHMANN, 1988: 194). Würden jedoch z.B.

Evaluationen so geschrieben, dass sie auch den Informa tionsaustausch mit außenstehenden

Organisationen berücksichtigten ­ der externe Lernprozess also schon implementiert wäre

­ so wäre sowohl der horizontale Informationsaustausch an sich, als auch das Interesse

daran sicher höher.

Die internen Lernprozesse werden von vermehrt aufkommenden ,Evaluierungseinheiten`

gestützt, was schon in der HWWA-Studie festgestellt werden konnte und sicherlich als

positiv zu bewerten ist (vgl. BORRMANN u.a., 2001: 10). Je nach Definition von

,Evaluierungseinheit` existieren hier 19 dieser Evaluierungseinheiten ­ neun Organi-

sationen besitzen eigenes Evaluationspersonal, zehn sogar eine eigene Evaluationsab-

teilung. Durch die Tatsache, dass von diesen 19 Evaluierungseinheiten aber nur sieben für

die Verbreitung ihrer generierten Information ­ also für die externen Lernprozesse ­ selbst

zuständig sind, kann abgeleitet werden, dass der Institutionalisierungsgrad bezüglich des

horizontalen Austauschs von Evaluationen nicht besonders hoch ist. Da diese

Koordinierung von Informationsherstellung und Verbreitung kaum im Netzwerk zu finden

ist, kann geschlossen werden, dass dies auch für andere Informationsarten zutrifft. Bereits

in der HWWA-Studie wurde der Institutiona lisierungsgrad des horizontalen Informations-

austauschs als defizitär empfunden (vgl. BORRMANN u.a., 2001: 23) und hat sich seit

demher nicht verbessert. Ist der Informationsaustausch also kaum institutionalisiert, so ist

auch das horizontale Lernen nicht institutionalisiert, denn zwischenorganisationales Lernen

bedarf des Informations- und Wissensaustauschs ­ daher ist der Institutionalisierungsgrad

27 In der HWWA-Studie wurde wie auch hier der DAC-Fragebogen als Grundlage genommen, um aufzuzei-

gen, für welche Zielgruppen die Informationen der Organisationen relevant sind. Hier wurde von der Rele-

vanz der Zielgruppe auf das Interesse der Organisation an externem bzw. internem Lernen geschlossen, in

der HWWA-Studie wurde lediglich das Interesse an Öffentlichkeitsarbeit daraus abgeleitet. Wenn nun die

Ergebnisse der HWWA-Studie mit diesen hier verglichen werden, so ergibt sich daraus, dass die zusammen-

gehörenden Begriffspaare

verstärkte Öffentlichkeitsarbeit ­ externe Lernprozesse

und

geringe Öffentlich-
keitsarbeit ­ interne Lernprozesse

sind (s. dazu auch Kapitel 3.1.2).

112


des horizontalen Lernens vom Institutionalisierungsgrad des Kommunikationskanals, auf

dem die Informationen ausgetauscht werden, abhängig. Da bereits die Kommunika-

tionsstrukturen des Netzwerks erörtert wurden, kann hier festgestellt werden, dass diese

Strukturen innerhalb des Netzwerks zwar vorhanden, insgesamt aber sehr wenig, und nur

zwischen einigen wenigen Organisationen stärker institutionalisiert sind. Eine Einordnung

des Netzwerks in eine Stufe der kommunikativen Beziehungen nach McCALL und

COUSINS (1990) ergibt, dass sich einige wenige Organisationen schon in einer

,entwickelten Stufe`, in der Kommunikationswege durch ausgebaute Netze, Verträge o.ä.

bereits verankert sind, befinden. Dagegen ist das Gros der Organisationen noch damit

beschäftigt, Kontakte herzustellen oder daraus fest verankerte Kommunikationswege zu

manifestieren. Dieser Hauptteil der Organisationen siedelt sich also in der ,Pre-

Relationship-Stufe` oder der ,frühen Stufe` kommunikativer Beziehungen an. Wird nun

auf den Stufen kommunikativer Beziehungen beruhend der Entwicklungsstand des

horizontalen Lernens abgeleitet, kann festgestellt werden: Das horizontale Lernen

innerhalb des Netzwerks ist kaum institutionalisiert und somit ebenfalls noch in einer

frühen Phase seiner Entwicklung.

Ableitbare Handlungsalternativen

Aus dem bisher vorliegenden Resultat lassen sich konkrete Handlungsalternativen für die

EZ-Organisationen ableiten, um ihre horizontalen Lernmöglichkeiten zu verbessern:

1. Die deutschen EZ-Organisationen sollten ihre Informationen so generieren, dass sie

auch für andere EZ-Organisationen nutzbar sind und dadurch für diese relevant und als

wissenswert empfunden werden. Dies ist die erste Voraussetzung für horizontales

Lernen: Die Informationen müssen auch den anderen Organisationen auch als

Lerngrund lage dienen können, nicht nur der eigenen.

2. Der Informationsaustausch zwischen den deutschen EZ-Organisationen muss stärker

institutionalisiert werden. Dies kann innerhalb der Orga nisationen erfolgen, indem eine

Abteilung in der Organisation gegründet wird, welche nicht nur den Zuständigkeits-

bereich der Informationsgenerierung, sondern auch den der Informa tionsverbreitung

inne hat ­ denn eine gezielte Informationsverbreitung wird erst dann möglich, wenn

auch das nötige Know-how zum Informationsinhalt vorliegt. So kann ebenfalls bei

gezielten Anfragen, das relevante Wissen den Ansprüchen gerecht weitergegeben

werden. Dazu nicht im Widerspruch steht die Schaffung eines Netzwerks als eine

eigenständige Institution innerhalb der EZ, welche ausschließlich das horizontale

Lernen zum Ziel hat. Dabei könnte jede EZ-Organisation ihr Wissens material mit

einfließen lassen, wodurch eine Art Bibliothek der Entwicklungszusammenarbeit

angelegt würde, auf die jeder Zugriff haben könnte. Dadurch würde das Anliegen des

,Voneinander Lernens` ins öffentliche Interesse gerückt, wodurch z.B. auch andere

nützliche Inputs außer denen der EZ-Organisationen, Zufluss finden würden.

113


Außerdem wäre das horizontale Lernen nicht mehr ,Nebenprodukt` der

Kommunikation, sondern die erste zu erfüllende Prämisse, welche durch die

Kommunikation in dieser Institution ,Netzwerk` sicher gestellt wird. Somit könnte jede

Organisation, die Informationen anzubieten hat oder Informationen sucht, sich an diese

Institution wenden. Durch eine dieser Methoden oder durch beide in Kombination

würde die Qualität des Informationsaustauschs ansteigen. Dies hätte zur Folge, dass

auch die Intensität des Austauschs von Information zwischen den Organisationen

zunehmen würde. Außerdem würden dadurch nicht mehr nur Informationen, sondern

Wissen, welches anderen Organisationen zum Lernen dient, ausgetauscht.

3. Die Organisationen haben die potentiellen Möglichkeiten, die das Internet zum

horizontalen Informationsaustausch bieten kann, nicht voll ausgenutzt. Das

Informationsangebot auf den Internetseiten der EZ-Organisationen ist insgesamt sehr

gering. Daneben könnte auch die Benutzerfreundlichkeit im Umgang mit den

Informationen besser sein. Das bedeutet, dass das Informationsangebot an sich in

größerer Menge zur Verfügung stehen sollte ­ selbstverständlich nur relevante

Informationen zur EZ ­ und dass es in einem benutzerfreundlicherem Datenformat ­

vorzugsweise als pdf-Datei ­ angeboten werden sollte. Dieser Punkt ist wohl am

ehesten umzusetzen, da er nur ein etwas größeres Engagement als bisher benötigt ­

schließlich sind erste Anfänge schon gemacht.


Resultierendes Fazit

Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, aus der Kommunikationsstruktur des Systems

,deutscher EZ-Organisationen` die potentiellen horizontalen Lernmöglichkeiten der Orga-

nisationen ableiten zu können. Aus den oben diskutierten Ergebnissen kann nun folgendes

resümiert werden: Das untersuchte Kommunikationsnetzwerk ist zur Zeit nicht mehr, aber

auch nicht weniger als ein Netzwerk zum Informationsaustausch. Das bedeutet, dass

horizontales Lernen durch die kommunikative Vernetzung zwar ermöglicht wird, aber von

den einzelnen Netzwerkakteuren noch erhebliche Anstrengungen abverlangt, da gewisse

Automatismen und Institutionalisierungen, welche das horizontale Lernen als selbst-

verständlich erscheinen lassen, noch nicht etabliert sind. Oder um es mit FAßLER (2001)

zu sagen: Das Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen stellt zur Zeit eine

Infrastruktur für den Informationsaustausch zwischen den EZ-Organisationen und somit

auch eine Grund voraussetzung für organisationales Lernen dar. Von einer ,

Netzkultur

`, in

der Informationen nicht nur Informationen repräsentieren, sondern schon als

Wissen

erkannt werden, in dem ein ,Voneinander Lernen` stets im Bewußtsein und

antreibendes
Moment

des Wissensaustauschs der Orga nisationen ist (vgl. FAßLER 2001: 68ff.), kann

hier allerdings noch nicht gesprochen werden.

114


Schlussfolgerung für die Übertragbarkeit der Ergebnisse

Diese Untersuchung stellt natürlich nur eine Momentaufnahme dar. Da sich Systeme

ändern können, würde diese Arbeit eine weiterführende Untersuchung benötigen, um die

Entwicklung des Systems ,deutscher EZ-Organisationen` bezüglich des horizontalen

Lernens weiter verfolgen zu können. Dabei wird vor allem in der Literatur einige Hoffnung

in den Arbeitskreis ,Evaluation von Entwicklungspolitik′ der DeGEval gesetzt. So kommt

die HWWA-Studie zu dem Schluss, dass mit der Gründung der DeGEval, wozu auch der

Arbeitskreis ,Evaluation von Entwicklungspolitik` gehört, das horizontale Lernen

zwischen den deutschen EZ-Organisationen einen deutlichen Auftrieb erhalten hätte (vgl.

BORRMANN u.a., 2001: 11). Diese These kann allein mit den hier vorliegenden Ergeb-

nissen nicht bestätigt werden. Zwar ergeben sich schon deutliche Übereinstimmungen,

wenn die Akteure, die innerhalb des Kommunikationsnetzwerks besonders oft miteinander

kommunizieren, mit den Organisationen der Stichprobe verglichen werden, welche auch

im Arbeitskreis der DeGEval vertreten sind (vgl. DeGEval 2002). Doch kann dieser

Befund auch nur zufälliger Natur sein. Somit wäre nur durch eine weiterführende Studie,

welche die Ergebnisse dieser explorativen Arbeit als Grund lage eines Vergleichs nimmt,

klärbar, ob sich durch die im Arbeitskreis geknüpften Beziehungen Regionen dichterer

Kommunikation im Netzwerk entwickeln. Erst dann könnte die These eruiert werden, ob

der Arbeitskreis ,Evaluation von Entwicklungspolitik` wirklich zur Verbesserung des

horizontalen Lernens der deutschen EZ-Organisationen beiträgt. Für eine solche

Folgestudie wurden mit dieser Arbeit also die Grundlagen geschaffen.

Weiterhin wurde die Struktur des Netzwerks ausführlich beschrieben und daraus das

horizontale Lernen der deutschen EZ-Organisationen abgeleitet. Ob und in welche

Richtung sich das horizontale Lernen im System ,deutsche EZ-Organisationen` verändert,

kann ebenfalls nur durch eine weiterführende Untersuchung geklärt werden. Dabei wäre es

unter anderem auch sinnvoll, nicht nur die gleiche Untersuchung noch einmal durchzu-

führen, sondern sie methodisch so zu verändern, dass z.B. die Hypothesen H2 und H4 der

Untersuchung unter den oben diskutierten Prämissen noch genauer verifiziert werden

können. Zudem könnte die Stichprobengröße erhöht, sowie die Operationalisierung des

Begriffs des Informationsaustauschs weiter als hier gefasst werden, um die Struktur des

Netzwerks noch detaillierter als in der vorliegenden Arbeit beschreiben zu können.

Letztlich konnten aber mit dieser Arbeit die kommunikativen Beziehungen der deutschen

EZ-Organisationen erörtert und davon ausgehend der Grad des horizontalen Lernens

abgeleitet werden. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie lassen insgesamt den Schluss

zu, dass die hier beschriebene Kommunikationsstruktur ihr Erklärungsziel ­ die Ermittlung

des Standes des horizontalen Lernens der deutschen EZ-Organisationen ­ nahezu erreicht

hat. Weiterführende Studien könnten somit das vorliegende Ergebnis nur noch detaillierter

behandeln und/oder die Wirklichkeit des horizontalen Lernens der deutschen EZ-

Organisationen neu feststellen.

115


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119


Anhang

120


Anhang 1: Anschreiben und Fragebogen

Abbildung 1.1: Das Anschreiben

UNIVERSITÄT

UNIVERSITÄT

Saarbrücken, den 2002

Saarbrücken, den 2002

DES

DES
SAARLANDES

SAARLANDES

Prof. Dr. R. Stockmann

Lehrstuhl für Soziologie

FR 5.2 - Soziologie

-

Soziologie

PF 151 150

Sehr geehrte Damen und Herren,

PF 151 150

Sehr geehrte Damen und Herren,

D -

D 66041 Saarbrücken

wie Sie bereits im Telefongespräch mit Herrn Rech erfah

wie Sie bereits im Telefongespräch mit Herrn Rech erfa ren haben, führen wir zur Zeit im Rahmen

h

einer Magisterarbeit an der Universität des Saarlandes eine Befragung zum Thema ,,Das

Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen

-

­ Eine Netzwerkanalyse" durch.

­

Eine Netzwerkanalyse" durch.

Hintergrund dieser Arbeit ist die aktuelle Fachdiskussion zur Verbesserung evaluationsbasierter

Lernprozesse. Im Rahmen dieser Diskussion hat sich auch gezeigt, dass von den E

Lernprozesse. Im Rahmen dieser Diskussion hat sich auch gezeigt, dass von den Z

E -

Organisationen selbst der horizontale Austausch an Wissen als verbesserungswürdig empfunden

wird. Da Kommunikation eine notwendige Voraussetzung für jeden Lernprozess ist, ist der

wird. Da Kommunikation eine notwendige Voraussetzung für jeden Lernprozess ist, ist der

Austausch von und über Evaluationsergebnisse von großer Wichtigkeit. Zentrale Frage der Arbeit

Austausch von und über Evaluationsergebnisse von großer Wichtigkeit. Zentr

von Herrn Rech ist daher, wie das Kommunikationsnetzwerk der deutschen EZ-Organisationen

-

gestaltet ist.

gestaltet ist.


Der beiliegende Fragebogen enthält eine Reihe von Fragen zum Kommunikationsnetzwerk

deutscher EZ-Organisationen. Da nur die Orga

-

nisationen selbst Antworten auf diese Fragen liefern

Organisationen. Da nur die Orga

können, sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen. Wir wären Ihnen daher sehr dankbar, wenn Sie sich

die Zeit nehmen würden, den Fragebogen auszufüllen und bis zum 22.04.2002 zurückzusenden.

Hierfür verwenden Sie den beiliegenden Rückumschlag, der selbstve

Hierfür verwende

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n Sie den beiliegenden Rückumschlag, der selbstve stän

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dlich gebührenfrei ist.

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Der Zeitaufwand zum Ausfüllen des Fragebogens liegt bei etwa 20 Minuten.

Der Zeitaufwand zum Ausfüllen des Fragebogens liegt bei etwa 20 Minuten.

Wenn Sie bzw. Ihre Abteilung zur Beantwortung des Fragebogens (oder einzelner Fragen)

eventuell der falsche Adressat sein sollten, bitten wir Sie, den Fragebogen (bzw. die

eventuell der falsc

he Adressat sein sollten, bitten wir Sie, den Fragebogen (bzw. die

entsprechenden Fragen) an die dafür zuständige Person bzw. Abteilung weiterzuleiten.

Falls Ihrerseits Interesse an den Ergebnissen besteht, vermerken Sie dies bitte auf dem

vorgesehenen Abschnitt auf der letzten Seite des Fragebogens zusammen mit Ihrer e

vorgesehenen Ab

-

schnitt auf der letzten Seite des Fragebogens zusammen mit Ihrer email

-

Adresse. Nach Abschluss der Arbeit werden wir Ihnen dann gerne eine Zusammenfassung der

Ergebnisse zukommen lassen. Es ist auch geplant, die Ergebnisse im Rahmen einer Tagung des

Arbeitskreises ,,Evaluation von Entwicklungspolitik" in der DeGEval einer breiteren Öffentlichkeit zu

Arbei

präsentieren und zur Diskussion zu stellen.

Wir danken Ihnen bereits im voraus für Ihre Unterstützung!

Mit freundlichen Grüßen

Mit freundlichen Grüßen

Natürlich können Sie sich

mit weiteren Fragen an

mit

(Prof. Dr. Reinhard Stockmann)

nn)

(Jörg Rech)

Herrn Rech wenden.

Herrn Rech wenden.

Tel.: 0681 / 853407


Abbildung 1.2: Der Fragebogen

Universität des Saarlandes

Universität des Saarlandes

ID: 01

ID: 01

Fragebogen

,,Das Kommunikationsnetzwerk der deutschen EZ-

,,Das Kommunikationsnetzwerk der deutschen EZ Organisationen"

-

1. Aus Ihrer Sicht als zuständige Person für Evaluierungsfragen: Wie gross ist die Relevanz folgender

Relevanz

Zielgruppen

bzgl.

Zielgruppen

bzgl.

der aus Ihren Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. gewonnenen Informationen und Ergebnisse?

der aus Ihren Evaluationen, Studien,

Untersuchungen, etc. gewonnenen Informationen und Ergebnisse?

sehr grosse

grosse

kaum

keine

Relevanz

Relevanz

Relevanz

Relevanz

für Projektplanung und ­

für Projektplanung und management zuständiges Personal Ihrer Organisa

management zuständiges Personal Ihrer Organis tion

q

q

q

q

q

Leitung Ihrer Organisation

Leitung Ihrer Organisation

q

q

q

q

q

Partnerländer und Partnerorganisationen

q

q

q

q

q

Politische Institutionen/Entscheidungsträger in Deutschland

Politische Institutionen/Entscheidungsträger

q

q

q

q

q

Deutsche EZ-

Deutsche EZ Organisationen

Organisationen

q

q

q

q

q

Medien und allgemeine Öffent

Medien und allgemeine Öffen lichkeit

lichkeit

q

q

q

q

q

2. Bzgl. des Themas ,,Öffentlichkeitsarbeit" befinden sich die deutschen EZ-

it" befinden sich die deutschen EZ Institutionen in einem Zwiespalt: Sie neigen

Institutionen in einem Zwiespalt: Sie neigen

einerseits dazu, zum Schutz der Interessen Dritter, insbesondere der Partner, die Verbreitung von Informationen und
Ergebnissen aus Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. in engen Grenzen zu halten. Andererseits unterliegen sie
einem stark wachsenden Druck, Einblick in ihre Arbeit und Ergebnisse zu gewähren, auch um den Erfahrungsaustausch
und somit den Lernprozess zu fördern. Daher stellen einige EZ-

und somit den Lernprozess zu fördern. Daher stellen einige EZ Organisationen ihre Evaluationen, Studien, Unters

Organisationen ihre Eva

u-

chungen etc. im Internet der interessierten (Fach-

chungen etc. im Internet der interessierten (Fach ) Öffentlichkeit zur Verfügung ­ teilweise als Vollversion, teilweise in
Form von Zusammenfassun

Form von Zusammenfassu gen.

n

Stellt Ihre Organisation Evaluationen, Studien, Untersuchungen etc. im Internet

Interne

zur Verfügung?

q

q Nein, aber unsere Organisation ist zur Zeit in der

Planung

Nein, aber unsere Organisation ist zur Zeit in der

, unsere

Planung

Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. im Internet

Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc.

zur Verfügung zu stellen.

q

q Nein, unsere Organisation hat auch nicht vor, unsere Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. im Internet zur Verfügung

rsuchungen, etc.

zu stellen.

q

q Ja

F

Wenn ja, was schätzen Sie, wie gross ist der Anteil an Ihren Evaluationen, Studien, Untersuchungen,

Wenn ja, was schätzen Sie, wie gross ist der Anteil an Ihren Evaluationen, Studien, Untersuchungen,

etc., den Ihre Organisation im Internet zur Verfügung stellt?

zur Verfügung stellt?

______ % unserer Eval

______ % unserer

uationen, Studien, Untersuchungen, etc. stehen im Internet zur Verfügung.

stehen im Internet zur Verfügung.

3. Eine andere Möglichkeit des Erfahrungsaustausches ist die Weitergabe einzelner Exemplare von Evaluationen, Studien,

Untersuchungen, etc., sei es auf Anfrage, aufgrund vertraglicher Verpflichtungen oder aus Eigenin

Untersuchungen, etc., sei es auf Anfrage, aufgrund vertrag

i

licher Verpflichtungen oder aus Eigenintiative.

tiative.

Gibt Ihre Organisation Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. an andere EZ-Organisationen weiter?

Organisationen weiter?

q

q Nein F Bitte weiter mit Frage 5.

q

q Ja

F

Wenn ja, was schätzen Sie, wie gross ist der Anteil an Ihren Evaluationen, Studien, Untersuchungen,

Wenn ja, was schätzen Sie, wie gross ist der Anteil an Ihren Evaluationen, Studien, Untersuchungen,

etc., den Ihre Organisation an andere EZ

etc., den Ihre Organisation an

-

andere EZ Organisationen

insgesamt weiter gibt?

Organisationen

insgesamt weiter gibt?

_____ % unserer

_____ %

Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. werden an andere EZ

unserer

-

Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. werden an andere EZOrganisationen versendet.

n

Nennen Sie bitte die sechs Organisationen, die von Ihrer Organisation die

Nennen Sie bitt

meisten

Exemplare von Ev

meisten

a-

Exemplare von Ev

luationen, Studien, Untersuchungen, etc. erhalten?

(An erster Stelle nennen Sie bitte die Organisation,

welche die meisten Exemplare erhält, usw.)

welche die meisten Exemplare erhält, usw.)

1.

1. _____________________________________

_____

________________________________

2. _____________________________________

3.

3. _____________________________________

_____________________________________

4. _____________________________________

5.

5. _____________________________________

_____________________________________

6. _____________________________________

___________________

122


4. Im Folgenden interessiert mich die Häufigkeit, mit der Ihre Organisation Exemplare von Evaluationen, Studien, Unter-

suchungen, etc. an andere EZ-Organisationen weiter gibt.

Bitte geben Sie für jede der folgenden EZ-Organisationen an, wie oft diese Exemplare von Evaluationen, Studien,
Untersuchungen, etc. Ihrer Organisation erhält - sei es auf Anfrage, aufgrund vertraglicher Verpflichtungen oder aus
Eigeninitiative.

sehr oft

oft

selten

nie

weiss

nicht

action medeor

q

q

q

q

q

ADVENIAT

q

q

q

q

q

Andheri-Hilfe Bonn

q

q

q

q

q

Arbeiterwohlfahrt

AWO

q

q

q

q

q

Ärzte ohne Grenzen

MSF

q

q

q

q

q

Brot für die Welt

BfdW

q

q

q

q

q

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

BGR

q

q

q

q

q

Bundesministerium f. wirt. Zusammenarbeit u. Entwicklung

BMZ

q

q

q

q

q

CARE Deutschland

q

q

q

q

q

Carl Duisberg Gesellschaft

CDG

q

q

q

q

q

Dt. Entwicklungshilfe f. soz. Wohnungs- u. Siedlungswesen

DESWOS

q

q

q

q

q

Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit

GTZ

q

q

q

q

q

Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft

DEG

q

q

q

q

q

Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung

DSE

q

q

q

q

q

Deutsche Welthungerhilfe

DWHH

q

q

q

q

q

Deutscher Caritasverband

DCV

q

q

q

q

q

Deutscher Entwicklungsdienst

DED

q

q

q

q

q

EIRENE ­ Internationaler christlicher Friedensdienst

q

q

q

q

q

Evangelischer Entwicklungsdienst

EED

q

q

q

q

q

Friedrich-Ebert-Stiftung

FES

q

q

q

q

q

Friedrich-Naumann-Stiftung

FNSt

q

q

q

q

q

Gem. Konferenz Kirche u. Entwicklung Ev. Geschäftsstelle

GKKE (ev.)

q

q

q

q

q

Gem. Konferenz Kirche u. Entwicklung Kath. Geschäftsstelle GKKE (kath.)

q

q

q

q

q

Hanns-Seidel-Stiftung

HSS

q

q

q

q

q

Heinrich-Böll-Stiftung

hbs

q

q

q

q

q

Help ­ Hilfe zur Selbsthilfe

q

q

q

q

q

Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie

q

q

q

q

q

Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe

KZE

q

q

q

q

q

Kolpingwerk

q

q

q

q

q

Konrad-Adenauer-Stiftung

KAS

q

q

q

q

q

Kreditanstalt für Wiederaufbau

KfW

q

q

q

q

q

Malteser Hilfsdienst

q

q

q

q

q

medico international

m.i.

q

q

q

q

q

MISEREOR

q

q

q

q

q

Physikalisch-Technische Bundesanstalt

PTB

q

q

q

q

q

Solidaritätsdienst-International

SODI

q

q

q

q

q

Verband Entwicklungspolitik deutscher NROs

VENRO

q

q

q

q

q

Sonstige: _____________________________

q

q

q

q

Sonstige: _____________________________

q

q

q

q

Sonstige: _____________________________

q

q

q

q

123


5. Nun umgekehrt ­ erhält Ihre Organisation Exemplare von Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. von anderen

EZ-Organisationen ­ sei es auf Anfrage, aufgrund vertraglicher Verpflichtungen oder aus Eigeninitiative dieser
EZ-Organisationen?

q Nein F Bitte weiter mit Frage 6.

q Ja

F

Wenn ja, bitte geben Sie für jede der folgenden Organisationen an, wie oft Ihre Organisation von

diesen Organisationen Exemplare von Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. erhält.

sehr oft

oft

selten

nie

weiss

nicht

action medeor

q

q

q

q

q

ADVENIAT

q

q

q

q

q

Andheri-Hilfe Bonn

q

q

q

q

q

Arbeiterwohlfahrt

AWO

q

q

q

q

q

Ärzte ohne Grenzen

MSF

q

q

q

q

q

Brot für die Welt

BfdW

q

q

q

q

q

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

BGR

q

q

q

q

q

Bundesministerium f. wirt. Zusammenarbeit u. Entwicklung

BMZ

q

q

q

q

q

CARE Deutschland

q

q

q

q

q

Carl Duisberg Gesellschaft

CDG

q

q

q

q

q

Dt. Entwicklungshilfe f. soz. Wohnungs- u. Siedlungswesen

DESWOS

q

q

q

q

q

Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit

GTZ

q

q

q

q

q

Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft

DEG

q

q

q

q

q

Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung

DSE

q

q

q

q

q

Deutsche Welthungerhilfe

DWHH

q

q

q

q

q

Deutscher Caritasverband

DCV

q

q

q

q

q

Deutscher Entwicklungsdienst

DED

q

q

q

q

q

EIRENE ­ Internationaler christlicher Friedensdienst

q

q

q

q

q

Evangelischer Entwicklungsdienst

EED

q

q

q

q

q

Friedrich-Ebert-Stiftung

FES

q

q

q

q

q

Friedrich-Naumann-Stiftung

FNSt

q

q

q

q

q

Gem. Konferenz Kirche u. Entwicklung Ev. Geschäftsstelle

GKKE (ev.)

q

q

q

q

q

Gem. Konferenz Kirche u. Entwicklung Kath. Geschäftsstelle GKKE (kath.)

q

q

q

q

q

Hanns-Seidel-Stiftung

HSS

q

q

q

q

q

Heinrich-Böll-Stiftung

hbs

q

q

q

q

q

Help ­ Hilfe zur Selbsthilfe

q

q

q

q

q

Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie

q

q

q

q

q

Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe

KZE

q

q

q

q

q

Kolpingwerk

q

q

q

q

q

Konrad-Adenauer-Stiftung

KAS

q

q

q

q

q

Kreditanstalt für Wiederaufbau

KfW

q

q

q

q

q

Malteser Hilfsdienst

q

q

q

q

q

medico international

m.i.

q

q

q

q

q

MISEREOR

q

q

q

q

q

Physikalisch-Technische Bundesanstalt

PTB

q

q

q

q

q

Solidaritätsdienst-International

SODI

q

q

q

q

q

Verband Entwicklungspolitik deutscher NROs

VENRO

q

q

q

q

q

Sonstige: _____________________________

q

q

q

q

Sonstige: _____________________________

q

q

q

q

Sonstige: _____________________________

q

q

q

q

124


6. Nutzt Ihre Organisation die Möglichkeit, Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. ­ sei es als Vollversion oder in

Form von Zusammenfassungen - anderer EZ-Organisationen aus dem Internet zu beziehen?

q Nein

F Bitte weiter mit Frage 7.

q Ja

F

Wenn ja, bitte geben Sie für jede der folgenden Organisationen an, wie oft Ihre Organisation von diesen

Organisationen Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. über das Internet beziehen?

sehr oft

oft

selten

nie

weiss

nicht

action medeor

q

q

q

q

q

ADVENIAT

q

q

q

q

q

Andheri-Hilfe Bonn

q

q

q

q

q

Arbeiterwohlfahrt

AWO

q

q

q

q

q

Ärzte ohne Grenzen

MSF

q

q

q

q

q

Brot für die Welt

BfdW

q

q

q

q

q

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

BGR

q

q

q

q

q

Bundesministerium f. wirt. Zusammenarbeit u. Entwicklung

BMZ

q

q

q

q

q

CARE Deutschland

q

q

q

q

q

Carl Duisberg Gesellschaft

CDG

q

q

q

q

q

Dt. Entwicklungshilfe f. soz. Wohnungs- u. Siedlungswesen

DESWOS

q

q

q

q

q

Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit

GTZ

q

q

q

q

q

Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft

DEG

q

q

q

q

q

Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung

DSE

q

q

q

q

q

Deutsche Welthungerhilfe

DWHH

q

q

q

q

q

Deutscher Caritasverband

DCV

q

q

q

q

q

Deutscher Entwicklungsdienst

DED

q

q

q

q

q

EIRENE ­ Internationaler christlicher Friedensdienst

q

q

q

q

q

Evangelischer Entwicklungsdienst

EED

q

q

q

q

q

Friedrich-Ebert-Stiftung

FES

q

q

q

q

q

Friedrich-Naumann-Stiftung

FNSt

q

q

q

q

q

Gem. Konferenz Kirche u. Entwicklung Ev. Geschäftsstelle

GKKE (ev.)

q

q

q

q

q

Gem. Konferenz Kirche u. Entwicklung Kath. Geschäftsstelle GKKE (kath.)

q

q

q

q

q

Hanns-Seidel-Stiftung

HSS

q

q

q

q

q

Heinrich-Böll-Stiftung

hbs

q

q

q

q

q

Help ­ Hilfe zur Selbsthilfe

q

q

q

q

q

Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie

q

q

q

q

q

Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe

KZE

q

q

q

q

q

Kolpingwerk

q

q

q

q

q

Konrad-Adenauer-Stiftung

KAS

q

q

q

q

q

Kreditanstalt für Wiederaufbau

KfW

q

q

q

q

q

Malteser Hilfsdienst

q

q

q

q

q

medico international

m.i.

q

q

q

q

q

MISEREOR

q

q

q

q

q

Physikalisch-Technische Bundesanstalt

PTB

q

q

q

q

q

Solidaritätsdienst-International

SODI

q

q

q

q

q

Verband Entwicklungspolitik deutscher NROs

VENRO

q

q

q

q

q

Sonstige: _____________________________

q

q

q

q

Sonstige: _____________________________

q

q

q

q

Sonstige: _____________________________

q

q

q

q

125


7. Besitzt Ihre Organisation eine Evaluationsabteilung oder für Evaluationen zuständiges Personal?

Evaluationen

q Nein

q Ja, unsere Organisation hat

Personal

, das für Evaluationen zuständig ist.

Personal

, das für Evaluationen zuständig ist.

q Ja, unsere Organisation besitzt eine eigene

Ev

Ja, unsere Organisation besitzt eine eigene

a

Ev luationsabteilung.

g.

F

Wenn ja, ist diese Evaluationsabteilung / dieses Personal auch zuständig für den Austausch von Eva-

F

Wenn ja, ist diese Evaluationsabteilung / dieses Personal auch zuständig für den Austausch von Eva-

luationsberichten

(ausschliesslich Austausch mit

luationsberichten

anderen

(ausschliesslich Austausch mit

EZ-

EZ Organisationen, politische Insti

Organisationen, politische Insttutionen, etc.)

?

?

q

q Ja, die Zuständigkeit liegt bei dieser Evaluationsabteilung/diesem Personal.

Ja, die Zuständigkeit liegt be

q

q Ja, aber die Zuständigkeit wird geteilt mit: __________________________________ .

q

q Nein, die Zuständigkeit liegt bei: __________________________________________ .

__________________________________________ .

q

q Nein, in unserer Organisation gibt es hierfür keine festgelegte Struktur.

Nein, in unserer Organi

sation gibt es hierfür keine festgelegte Struktur.

Ich bedanke mich für Ihre Unterstützung !

Ich bedanke mich für Ihre Unterstützung !

Falls Sie weitere Anmerkungen, Kommentare, Anregungen usw. haben oder auch Kritik äussern möchten, würde ich mich

freuen, wenn Sie mir dies hier mitteilen würden. Vermerken Sie hier auch bitte Ihre e-

s hier mitteilen würden. Vermerken Sie hier auch bitte Ihre e mail Adresse und / oder Ihre Anschrift,

wenn Sie eine Zusam

wenn Sie eine Zusa menfassung der Ergebnisse erhalten möchten:

menfassung der Ergebnisse erhalten möchten:

126


Anhang 2: Berechnung von Unterschieden und Ähnlichkeiten zwischen den

Organisationsarten in der Beurteilung der Relevanz der Zielgruppen

Tabelle 2.1:

U-Test: Unterschied Staatliche Organisationen ­ Sonstige NROs

RG 1

RG 2

RG 3

RG 4

RG 5

RG 6

Mann-Whitney U

9

11,5

18

13

14,5

14,5

Z

-1,659

-1,038

-,459

-,833

-,583

-,641

Asymp. Sig. (2-tailed)

,097

,299

,647

,405

,560

,521

Organisationsart

N

Mittlerer Rang

Rangsumme

RG 1

Staatl. Organisation

7

7,71

54

Sonstige NROs

5

4,80

24

RG = relevante Zielgruppe

Quelle: eigene Berechnung


Abbildung 2.1: Clusteranalyse zur Identifikation von Organisationen mit ähnlichen Beurteilungen

hinsichtlich der Relevanz ihrer Informationen für die vorgegebenen Zielgruppen

C A S E 0 5 10 15 20 25

Label Num +---------+---------+---------+---------+---------+

P2 òûòòòòòòòø

K9 ò÷ ó

P4 òòòòòòòòòôòòòòòòòòòòòø

N4 òòòòòòòòòú ó

S3 òûòòòòòòò÷ ó

K2 ò÷ ó

N2 òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòôòòòòòòòø

K1 òòòòòòòòòø ó ó

K7 òòòòòòòòòôòòòòòòòòòòòú ó

S7 òòòòòòòòò÷ ó ó

S5 òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòú ó

S9 òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòò÷ ó

N9 òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòôòòòòòòòòòø

P1 òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòú ùòòòòòòòòòø

S4 òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòò÷ ó ó

BMZ òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòûòòòòòòòòò÷ ó

P5 òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòò÷ ó

K3 òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòò÷

Quelle: eigene Berechnung

127


Anhang 3: Schaubilder und Tabellen über die Nutzung des Internets zur

Informationsverbreitung

Tabelle 3.1:

Kreuztabelle: Bereitstellung von Informationen im Internet durch die

verschiedenen Organisationsarten

Internetnutzungsbereitschaft

Organisa-

Nein, Org. ist

Ja (mit

tionsart

Nein

noch in Planung

Ja

Mengenangabe)

Total

Staatl.

Anzahl

3

4

1

1

9

Organisationen % der staatl.

33,3

44,4

11,1

11,1

100

Organisationen

% von Total

11,5

15,4

3,8

3,8

34,6

Polit.

Anzahl

1

4

5

Stiftungen

% der polit.

20

80

100

Stiftungen

% von Total

3,8

15,4

19,2

Kirchl.

Anzahl

1

3

2

6

Organisationen % der kirchl.

16,7

50

33,3

100

Organisationen

% von Total

3,8

11,5

7,7

23,1

Sonstige NROs Anzahl

1

3

1

1

6

% der

sonstigen

16,7

50

16,7

16,7

100

NROs

% von Total

3,8

11,5

3,8

3,8

23,1

Total

Anzahl

6

14

2

4

26

% von Total

23,1

53,8

7,7

15,4

100

Quelle: eigene Berechnung

128


Abbildung 3.1: Angebot der Informationsart ,,Statistiken und Zahlen" durch die verschiedenen

Organisationen im Internet nach Benutzerfreundlichkeit

12

10

8

6

Benutzerfreundlichkeit

4

2

0

S2

S3

S4

S5

S6

S7

S8

S9

P1

P2

P3

P4

P5

K1

K2

K3

K4

K5

K6

K7

K8

K9

N2

N3

N4

N5

N6

N7

N8

N9

BMZ

S10

S11

K10

N10

N11

VENRO

Organisation

Quelle: eigene Berechnung

Abbildung. 3.2: Angebot der Informationsart ,,Länderevaluation im Bereich eines Sektors" durch

die verschiedenen Organisationen im Internet nach Benutzerfreundlichkeit

12


10

8

6

Benutzerfreundlichkeit

4

2

0

BMZ

S2

S3

S4

S5

S6

S7

S8

S9 S10 S11

P1

P2

P3

P4

P5

K1

K2

K3

K4

K5

K6

K7

K8

K9 K10

VENRO

N2

N3

N4

N5

N6

N7

N8

N9 N10 N11

O r g a n i s a t i o n

Quelle: eigene Berechnung

129


Abbildung 3.3: Angebot der Informationsart ,,Länderevaluation (Zusammenfassung)" durch die

verschiedenen Organisationen im Internet nach Benutzerfreundlichkeit

12

10

8

6

Benutzerfreundlichkeit

4

2

0

BMZ

S2

S3

S4

S5

S6

S7

S8

S9 S10 S11

P1

P2

P3

P4

P5

K1

K2

K3

K4

K5

K6

K7

K8

K9 K10

VENRO

N2

N3

N4

N5

N6

N7

N8

N9 N10 N1

Organisation

Quelle: eigene Berechnung

Abbildung 3.4: Angebot der Informationsart ,,Hand- und Fachbücher" im Internet durch die

verschiedenen Organisationen im Internet nach Benutzerfreundlichkeit

1 2

1 0

8

6

Benutzerfreundlichkeit

4

2

0

BMZ

S2

S3

S4

S5

S6

S7

S8

S9 S10 S11 P1 P2 P3 P4 P5 K1 K2 K3 K4 K5 K6 K7 K8 K9 K10

VENRO

N2

N3

N4

N5

N6

N7

N8

N9 N10 N11

Organisation

Quelle: eigene Berechnung

130


Tabelle 3.2: U-Test: Unterschied von staatlichen Organisationen zu politische Stiftungen

hinsichtlich des Internetangebots von ,,Statistiken und Zahlen"

Organisationsart

N

Mittlerer Rang

Rangsumme

Staatliche Organisationen

11

9,86

108,5

Politische Stiftungen

5

5,5

27,5

Statistiken und Zahlen

Mann-Whitney U

12,5

Z

-1,992

Asymp. Sig. (2-tailed)

,046

Quelle: eigene Berechnung






Tabelle 3.3: U-Test: Unterschied von staatlichen Organisationen zu sonstige NROs hinsichtlich

des Internetangebots von ,,Jahresbericht"

Organisationsart

N

Mittlerer Rang

Rangsumme

Staatliche Organisationen

11

14,14

155,5

Sonstige NROs

11

8,86

97,5

Jahresbericht

Mann-Whitney U

31,5

Z

-2,141

Asymp. Sig. (2-tailed)

,032

Quelle: eigene Berechnung






Tabelle 3.4: U-Test: Unterschied von staatlichen Organisationen zu sonstige NROs hinsichtlich

des Internetangebots von ,,Statistiken und Zahlen"

Organisationsart

N

Mittlerer Rang

Rangsumme

Staatliche Organisationen

11

13,82

152

Sonstige NROs

11

9,18

101

Statistiken und Zahlen

Mann-Whitney U

35

Z

-1,969

Asymp. Sig. (2-tailed)

,049

Quelle: eigene Berechnung

131


Tabelle 3.5:

U-Test: Unterschied von staatlichen zu kirchlichen Organisationen hinsichtlich des

Internetangebots von ,,Länderevaluationen im Sektorbereich (Zusammenfassung)"

Organisationsart

N

Mittlerer Rang

Rangsumme

Staatliche Organisationen

11

13,27

146

Kirchliche Organisationen

10

8,5

85

Länderevaluation im Sektorbereich

Mann-Whitney U

30

Z

-2,359

Asymp. Sig. (2-tailed)

,018

Quelle: eigene Berechnung

Tabelle 3.6:

U-Test: Unterschied von politischen Stiftungen zu kirchlichen Organisationen

hinsichtlich des Internetangebots von ,,Länderevaluationen im Sektorbereich

(Zusammenfassung)"

Organisationsart

N

Mittlerer Rang

Rangsumme

Politische Stiftungen

5

10

50

Kirchliche Organisationen

10

7

70

Länderevaluation im Sektorbereich

Mann-Whitney U

15

Z

-2,070

Asymp. Sig. (2-tailed)

,038

Quelle: eigene Berechnung




Tabelle 3.7:

U-Test: Unterschied von sonstigen NROs zu kirchlichen Organisationen

hinsichtlich des Internetangebots von ,,Länderevaluationen im Sektorbereich

(Zusammenfassung)"

Organisationsart

N

Mittlerer Rang

Rangsumme

Sonstige NROs

11

12,82

141

Kirchliche Organisationen

10

9

90

Länderevaluation im Sektorbereich

Mann-Whitney U

35

Z

-2,060

Asymp. Sig. (2-tailed)

,039

Quelle: eigene Berechnung

132


Tabelle 3.8: Varianzanalyse zur Überprüfung des Einflusses der Variablen Organisationsart auf

das Internetangebot der verschiedenen Informationsarten

Mittel der

Quadratsumme

df

Quadrate

F

Sig.

Jahresbericht

Zwischen den Gruppen

129,775

3

43,258

2,220

,104

Innerhalb der Gruppen

642,982

33

19,484

Total

772,757

36

Statistiken und Zahlen

Zwischen den Gruppen

78,946

3

26,315

2,811

,055

Innerhalb der Gruppen

308,945

33

9,362

Total

387,892

36

Länderevaluation

Zwischen den Gruppen

22,966

3

7,655

1,471

,240

(Vollversion)

Innerhalb der Gruppen

171,736

33

5,204

Total

194,703

36

Länderteilevaluation

Zwischen den Gruppen

4,088

3

1,363

,773

,517

Innerhalb der Gruppen

58,182

33

1,763

Total

62,270

36

Sektorevaluation

Zwischen den Gruppen

84,544

3

28,181

2,271

,099

(Zusammenfassung)

Innerhalb der Gruppen

409,564

33

12,411

Total

494,108

36

Sektorevaluation im

Zwischen den Gruppen

18,164

3

6,055

,501

,684

Länderbereich

Innerhalb der Gruppen

398,755

33

12,083

Total

416,919

36

Projektbericht

Zwischen den Gruppen

56,982

3

18,994

1,328

,282

Innerhalb der Gruppen

471,991

33

14,303

Total

528,973

36

Sonstige Studien

Zwischen den Gruppen

3,743

3

1,248

,070

,975

Innerhalb der Gruppen

585,555

33

17,744

Total

589,297

36

Hand- und Fachbücher

Zwischen den Gruppen

59,094

3

19,698

1,690

,188

Innerhalb der Gruppen

384,582

33

11,654

Total

443,676

36


Quelle: eigene Berechnung

133


Anhang 4:

Tabellen über das Verhalten der Organisationen beim Senden von
Informationen

Tabelle 4.1: Kreuztabelle: Angaben der Organisationen, wieviel % ihrer Gesamtinformation sie

weitergeben

Organisation

Prozent der Gesamtinformation

5

10

20

30

35

40

50

75

80

100

Total

BMZ

1

S3

1

S4

1

S5

1

S7

1

S8

1

P1

1

P2

1

P4

1

K2

1

K3

1

K7

1

K8

1

VENRO

1

N4

1

Total

1

2

2

1

1

1

2

1

1

3

15


Quelle: eigene Berechnung

Tabelle 4.2:

U-Test: Unterschied politische Stiftungen - staatliche Organisationen hinsichtlich

ihrer Angaben über den Anteil der Gesamtinformation, den sie weitergeben

Organisationsart

N

Mittlerer Rang

Rangsumme

Staatliche Organisationen

7

4,36

30,50

Politische Stiftungen

3

8,17

24,50

% der Gesamtinformation

Mann-Whitney U

2,5

Z

-1,835

Asymp. Sig. (2-tailed)

,067

Quelle: eigene Berechnung


Tabelle 4.3: U-Test: Unterschied staatliche Organisationen ­ kirchliche Organisationen

hinsichtlich ihrem Antwortverhalten, welche Organisationen die meisten

Informationen erhalten

Organisationsart

N

Mittlerer Rang

Rangsumme

Staatliche Organisationen

7

4,93

34,50

Kirchliche Organisationen

6

9,42

56,50

Größte Informationsempfänger

Mann-Whitney U

6,5

Z

-2,109

Asymp. Sig. (2-tailed)

,035


Quelle: eigene Berechnung

134


Tabelle 4.4: Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger bezüglich der

zweitgrößten Informationsmenge

Empfänger der zweitgrößten Informationsmenge

Organisation

S2

S3

S6

K5

K7

K8

VENRO

51

Total

BMZ

1

S4

1

S5

1

S6

1

S7

1

K2

1

K3

1

K7

1

K8

1

K9

1

Total

1

2

1

2

1

1

1

1

10

Quelle: eigene Berechnung



Tabelle 4.5: Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger bezüglich der

drittgrößten Informationsmenge

Empfänger der drittgrößten Informationsmenge

Organisation

BMZ

S2

S3

S4

K6

40

61

65

Total

BMZ

1

S4

1

S5

1

S6

1

S7

1

K2

1

K3

1

K7

1

K8

1

K9

1

Total

2

1

2

1

1

1

1

1

10

Quelle: eigene Berechnung

Tabelle 4.6:

Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger bezüglich der

viertgrößten Informationsmenge

Empfänger der viertgrößten Informationsmenge

Organisation

BMZ

S5

S11

K7

39

62

Total

BMZ

1

S6

1

S7

1

K2

1

K3

1

K8

1

K9

1

Total

1

1

1

2

1

1

7

Quelle: eigene Berechnung


135


Tabelle 4.7: Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger bezüglich der

fünftgrößten Informationsmenge

Empfänger der fünftgrößten Informationsmenge

Organisation

BMZ

S10

K5

53

63

67

Total

BMZ

1

S6

1

S7

1

K3

1

K8

1

K9

1

Total

1

1

1

1

1

1

6

Quelle: eigene Berechnung




Tabelle 4.8: Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger bezüglich der

sechstgrößten Informationsmenge

Empfänger der sechstgrößten Informationsmenge

Organisation

54

64

66

68

Total

S7

1

K3

1

K8

1

K9

1

Total

1

1

1

1

4

Quelle: eigene Berechnung

136


Anhang 5: Schaubilder und Tabellen über das Sender-Empfänger-Netzwerk der

deutschen EZ-Organisationen

Abbildung 5.1 Komponenten des Sender-Empfänger-Netzwerks (Komponenten mit einem oder

mehr Mitgliedern)

45

43

57

58

44

N3

67

BMZ, S2, S3, S4, S5, S6, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P2,

P3, P4, P5, K1, K2, K3, K4, K5, K6, K7, K8, K9, K10,

59

VENRO, N2, N4, N5, N6, N7, N8, N9, N10, N11, 39,

40, 41, 42, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56

67

60

66

61

62

65

63

64

Quelle: eigene Berechnung

Tabelle 5.1: Prestigemaße des Sender-Empfänger-Netzwerks


Organisation

InDegree

NrmInDeg Eigvec

nEigvec

Easym nEasym

BMZ

49

74.242

0.518

73.230

0.439

62.149

S2

24

36.364

0.109

15.428

0.221

31.301

S3

19

28.788

0.125

17.666

0.181

25.604

VENRO

18

27.273

0.098

13.842

0.196

27.655

K7

15

22.727

0.059

8.322

0.193

27.320

K5

15

22.727

0

0

0.153

21.571

P1

14

21.212

0.088

12.429

0.161

22.801

S8

13

19.697

0.205

28.995

0.189

26.783

S11

13

19.697

0.205

28.995

0.177

25.053

S9

13

19.697

0

0

0.151

21.322

P5

12

18.182

0.371

52.480

0.199

28.196

K9

11

16.667

0.249

35.192

0.285

40.354

K8

11

16.667

0.130

18.402

0.230

32.592

S10

11

16.667

0

0

0.100

14.182

K6

10

15.152

0

0

0.083

11.707

S7

9

13.636

0.319

45.120

0.235

33.213

P4

8

12.121

0.332

46.949

0.269

38.076

P2

8

12.121

0.250

35.296

0.201

28.381

P3

8

12.121

0.250

35.296

0.128

18.161

137


Organisation

InDegree

NrmInDeg Eigvec

nEigvec

Easym

nEasym

39

8

12.121

0

0

0.096

13.586

K1

8

12.121

0

0

0.078

11.090

S4

6

9.091

0.109

15.428

0.099

14.021

K10

6

9.091

0

0

0.079

11.226

K3

5

7.576

0.108

15.322

0.199

28.124

N7

5

7.576

0

0

0.041

5.855

K2

4

6.061

0

0

0.109

15.410

N6

4

6.061

0

0

0.048

6.823

N2

4

6.061

0

0

0.031

4.361

S6

3

4.545

0.106

14.970

0.079

11.102

S5

3

4.545

0.106

14.970

0.057

8.039

N10

3

4.545

0

0

0.027

3.840

41

3

4.545

0

0

0.024

3.359

40

3

4.545

0

0

0.019

2.651

51

3

4.545

0

0

0.013

1.810

N8

2

3.030

0

0

0.028

3.961

N4

2

3.030

0.018

2.601

0.165

23.386

52

2

3.030

0

0

0.022

3.049

42

2

3.030

0

0

0.016

2.312

46

2

3.030

0

0

0.016

2.312

47

2

3.030

0

0

0.016

2.312

48

2

3.030

0

0

0.016

2.312

49

2

3.030

0

0

0.016

2.312

50

2

3.030

0

0

0.016

2.312

K4

1

1.515

0

0

0.012

1.687

N11

1

1.515

0

0

0.012

1.687

55

1

1.515

0

0

0.012

1.687

56

1

1.515

0

0

0.012

1.687

53

1

1.515

0

0

0.010

1.362

54

1

1.515

0

0

0.010

1.362

N9

0

0

0

0

0.056

7.986

N5

0

0

0

0

0.038

5.347

Quelle: eigene Berechnung

138


Abbildung 5.2: Cutpoinpositionen im Sender-Empfänger-Netzwerk


Cutpointakteure

S8

41

53

K8

54

N11

K4

K9

56

55

46

42

48

VENRO

47

50

49

Die Beziehung zwischen Akteur und Cutpointakteur kann durchaus auch gegenseitig sein. Die

asymmetrische Darstellung soll hier nur die Sonderstellung der Cutpointakteure verdeutlichen.

Quelle: eigene Berechnung

139


Abbildung 5.3: 2-Clans des Sender-Empfänger-Netzwerks


Es existieren zehn 2-clans mit folgenden Zusammensetzungen:

BMZ, S2, S3, S4, S5, S6, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P2, P3, P4, P5, K1, K2, K3, K5, K6, K7, K8, K9,

K10, VENRO, N4, N5, N6, N8, N9, 39

BMZ, S2, S3, S4, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P2, P3, P4, P5, K1, K2, K3, K5, K6, K7, K8, K9, K10,

VENRO, N4, N6, N7, N8, N9

BMZ, P2, P4, P5, K1, K2, K3, K7, K8, K9, VENRO, N4, N9, 42, 46, 47, 48, 49, 50

BMZ, S2, S3, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P4, P5, K1, K2, K3, K5, K6, K7, K8, K9, K10, VENRO, N2,

N4, N6, N8, N9, 39, 52

BMZ, S2, S3, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P4, P5, K1, K2, K3, K5, K6, K7, K8, K9, K10, VENRO,

BMZ, S2, S3, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P4, P5, K1, K2, K3, K4, K5, K6, K7, K8, K9, K10, VENRO,

N2, N4, N6, N10, N11, 39, 52, 55, 56

BMZ, S2, S3, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P2, P4, P5, K1, K2, K3, K5, K6, K7, K8, K9, K10,

BMZ, S2, S3, S7, S8, S9, S10, S11, P4, K1, K2, K3, K5, K6, K8, K9, K10, VENRO, N2, N4, N6, N7,

N8, N9, 40, 51, 52, 53, 54

BMZ, S2, S3, S7, S8, S9, S10, S11, P4, K1, K2, K3, K5, K6, K8, K9, K10, VENRO, N4, N5, N6, N8,

N9, 51

BMZ, S2, S3, S7, S8, S10, P2, P3, P4, P5, K3, K8, K9, N4, 41

Quelle: eigene Berechnung

140


Abbildung 5.4: k-Plexe des Sender-Empfänger-Netzwerks

BMZ u. K9 M itglieder von

224 k-plexen

876 k-plexe gefunden

S1 = BMZ

N1 = VENRO

Quelle: eigene Berechnung

141


Abbildung 5.5: k-Core des Sender-Empfänger-Netzwerks

Organisationen mit der höchsten

Kommunikationsdichte

S1 = BMZ

N1 = VENRO

Quelle: eigene Berechnung

142


Abbildung 5.6: Strukturell äquivalente Positionen des Sender-Empfänger-Netzwerks nach der

CONCOR-Methode

S1 = BMZ

N1 = VENRO

Quelle: eigene Berechnung

143


Abbildung 5.7: Strukturell äquivalente Positionen des Sender-Empfänger-Netzwerks nach der

Burt-Methode

S1 = BMZ

N1 = VENRO

Quelle: eigene Berechnung

144


Anhang 6: Schaubilder und Tabellen über das Empfänger-Sender-Netzwerk der

deutschen EZ-Organisationen

Abbildung 6.1: Komponentenanalyse des Empfänger-Sender-Netzwerks (Komponenten mit einem

oder mehr Mitgliedern)

51

53

50

49

54

47

48

57

58

41

40

67

BMZ, S2, S3, S4, S5, S6, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P2,

P3, P4, P5, K1, K2, K3, K4, K5, K6, K7, K8, K9, K10,

59

VENRO, N2, N3, N4, N5, N6, N7, N8, N9, N10, N11,

39, 42, 43, 44, 45, 46, 52, 55, 56,

67

60

66

61

62

65

63

64

Quelle: eigene Berechnung

Tabelle 6.1:

Prestigemaße des Empfänger-Sender-Netzwerks

Organisation InDegree NrmInDeg Eigvec nEigvec

Easym nEasym

BMZ

45

68.182

0.520

73.483

0.336

47.491

S 2

33

50.000

0.123

17.422

0.233

32.938

S3

25

37.879

0.160

22.692

0.181

25.617

VENRO

24

36.364

0.176

24.941

0.378

53.434

S8

20

30.303

0.198

27.936

0.213

30.158

S9

20

30.303

0.151

21.376

0.167

23.618

S11

20

30.303

0.255

36.000

0.201

28.487

K8

18

27.273

0.151

21.376

0.197

27.834

P1

17

25.758

0.216

30.544

0.183

25.880

K5

17

25.758

0

0

0.144

20.416

P5

15

22.727

0.166

23.418

0.141

19.928

K7

15

22.727

0.063

8.886

0.145

20.552

K9

13

19.697

0.102

14.398

0.251

35.446

S7

12

18.182

0.315

44.514

0.201

28.417

S10

12

18.182

0

0

0.097

13.713

P4

12

18.182

0

0

0.097

13.713

145


Organisation InDegree NrmInDeg Eigvec nEigvec

Easym nEasym

K6

12

18.182

0

0

0.095

13.476

N2

11

16.667

0.032

4.518

0.125

17.727

39

11

16.667

0

0

0.107

15.127

P3

10

15.152

0.394

55.788

0.137

19.343

N10

9

13.636

0

0

0.072

10.138

K3

8

12.121

0.069

9.714

0.215

30.468

P2

6

9.091

0.267

37.706

0.183

25.825

S4

6

9.091

0.243

34.359

0.110

15.487

K10

6

9.091

0

0

0.055

7.841

K2

5

7.576

0.040

5.682

0.202

28.625

K1

5

7.576

0

0

0.048

6.836

N7

5

7.576

0

0

0.039

5.526

S6

4

6.061

0.115

16.257

0.047

6.647

N4

4

6.061

0.038

5.397

0.205

29.033

K4

4

6.061

0

0

0.030

4.298

S5

3

4.545

0.115

16.257

0.044

6.181

N9

3

4.545

0.007

1.029

0.162

22.858

N8

3

4.545

0

0

0.027

3.750

N11

2

3.030

0

0

0.022

3.127

N6

2

3.030

0

0

0.021

2.918

46

2

3.030

0

0

0.007

0.965

N5

1

1.515

0

0

0.051

7.282

43

1

1.515

0

0

0.012

1.671

44

1

1.515

0

0

0.012

1.671

45

1

1.515

0

0

0.012

1.671

52

1

1.515

0

0

0.009

1.247

55

1

1.515

0

0

0.009

1.247

56

1

1.515

0

0

0.009

1.247

42

1

1.515

0

0

0.002

0.241

Quelle: eigene Berechnung

146


Abbildung 6.2: Cutpoinakteure im Empfänger-Sender-Netzwerk

Cutpointakteure

N3

46

K1

42

53

K8

54

56

52

K9

55

44

43

BMZ

45

Die Beziehung zwischen Akteur und Cutpointakteur kann durchaus auch gegenseitig sein. Die

asymmetrische Darstellung soll hier nur die Sonderstellung der Cutpointakteure verdeutlichen.

Quelle: eigene Berechnung

147


Abbildung 6.3: k-Plexe des Empfänger-Sender-Netzwerks


1249 k-plexe gefunden

BMZ und VENRO Mitglieder von 542 k-plexen

S1 = BMZ

N1 = VENRO


Quelle: eigene Berechnung

148


Abbildung 6.4: k-core des Empfänger-Sender-Netzwerks


Organisationen mit der höchsten

Kommunikationsdichte

S1 = BMZ

N1 = VENRO

Quelle: eigene Berechnung

149


Abbildung 6.5: Strukturell äquivale nte Positionen des Empfänger-Sender-Netzwerks nach der

CONCOR-Methode

S1 = BMZ

N1 = VENRO

Quelle: eigene Berechnung

150


Abbildung 6.6: Strukturell äquivalente Positionen des Empfänger-Sender-Netzwerks nach der Burt-

Methode

S1 = BMZ

N1 = VENRO

Quelle: eigene Berechnung

151


Anhang 7: Schaubilder und Tabellen über das Kommunikationsnetzwerk der

deutschen EZ-Organisationen

Abbildung 7.1: Komponentenanalyse des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-Organisationen

(Komponenten mit einem oder mehr Mitgliedern)

44

45

57

58

43

67

59

BMZ, S2, S3, S4, S5, S6, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P2, P3, P4,

P5, K1, K2, K3, K4, K5, K6, K7, K8, K9, K10, VENRO, N2,

N3, N4, N5, N6, N7, N8, N9, N10, N11, 39, 40, 41, 42, 46, 47,

48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56

60

67

66

61

62

65

63

64

Quelle: eigene Berechnung

Tabelle 7.1:

Prestigemaße der einzelnen Netzwerkakteure des Kommunikationsnetzwerks

deutscher EZ-Organisationen

Organisation

InDegree

NrmInDeg Eigvec

nEigvec

Easym nEasym

BMZ

47

71.212

0.442

62.557

0.329

46.463

VENRO

36

54.545

0.145

20.546

0.264

37.270

K 9

34

51.515

0.267

37.795

0.257

36.282

K 2

26

39.394

0.088

12.417

0.188

26.555

P 2

24

36.364

0.239

33.849

0.213

30.136

K 3

23

34.848

0.246

34.778

0.191

26.982

P 3

23

34.848

0.200

28.289

0.222

31.413

N 4

23

34.848

0.171

24.200

0.175

24.743

S 7

22

33.333

0.255

36.019

0.252

35.588

S 11

20

30.303

0.215

30.463

0.203

28.717

S 8

19

28.788

0.204

28.834

0.203

28.763

S 2

18

27.273

0.242

34.280

0.176

24.843

S 4

18

27.273

0.130

18.334

0.141

19.956

P 1

17

25.758

0.168

23.699

0.187

26.506

S 3

16

24.242

0.234

33.087

0.164

23.195

K 8

16

24.242

0.191

26.951

0.219

31.013

P 5

14

21.212

0.221

31.312

0.233

32.299

K 7

13

19.697

0.146

20.647

0.161

22.729

152


Organisation

InDegree

NrmInDeg Eigvec

nEigvec

Easym nEasym

S 9

13

19.697

0.105

14.781

0.160

22.620

N 9

12


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