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Thesis (M.A.), 2002, 173 Pages
Author: M.A. Jörg Rech
Subject: Sociology - Communication
Details
Tags: Kommunikationsnetzwerk, Entwicklungszusammenarbeit, Netzwerkanalyse, Beziehungen, EZ-Organisationen
Year: 2002
Pages: 173
Grade: 1,1
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-07998-8
File size: 1041 KB
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U n i v e r s i t ä t d e s S a a r l a n d e s
Philosophische Fakultät Fachrichtung 5.2 / Soziologie
Magisterarbeit:
Das Kommunikationsnetzwerk der
deutschen Entwicklungszusammenarbeit
Eine Netzwerkanalyse der kommunikativen
Beziehungen deutscher EZ-Organisationen
Lehrstuhl für Soziologie und Methoden der
empirischen Sozialforschung
im Wintersemester 2002/2003
von:
Jörg Rech
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
V
Abbildungsverzeichnis
VI
Tabellenverzeichnis
VII
Anhangsverzeichnis
VIII
0 Einleitung
1
1 Die deutschen Entwicklungshilfeorganisationen
4
1.1 Staatliche EZ-Organisationen
5
1.1.1 Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ)
5
1.1.2 Durchführende staatliche Organisationen
7
1.2 NROs der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
13
2 Theoretischer Bezugsrahmen
19
2.1 Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit als System von Organisationen 19
2.2 Horizontales Lernen durch Kommunikation
20
2.3 Kommunikation als Mittel des Informationsaustauschs zwischen
Organisationen
22
2.4 Theoretische Erklärungsmodelle für kommunikative Beziehungen
26
2.4.1 Kommunikationsbeziehungen als Ausdruck von Macht und Einfluss 26
2.4.2 Kommunikationsbeziehungen aufgrund von Zielübereinstimmung
27
2.4.3 Strukturelle Zwänge als Entscheidungslimiter für die Wahl des
Kommunikationspartners
28
2.5 Zentrale Fragestellung und hypothetische Annahmen
29
II
3 Methodisches Verfahren
33
3.1 Die Operationalisierung der zentralen Fragestellungen
33
3.1.1 Information bzw. Informationsaustausch
33
3.1.2 Relevanz der horizontalen Lernfunktion
34
3.1.3 Bereitstellung von Informationen via Internet
35
3.1.4 Weitergabe schriftlicher Informationen
35
3.1.5 Empfangen schriftlicher Information
36
3.1.6 Erhalt von Informationen via Internet
37
3.1.7 Institutionalisierungsgrad der Organisation bezüglich der
Generierung und Verbreitung von Evaluationen
37
3.2 Die Stichprobe
38
3.3 Verlauf der Untersuchung
42
4 Ergebnisse der Untersuchung
46
4.1 Die Relevanz der horizontalen Lernfunktion
46
4.2 Das Informationsangebot der deutschen EZ-Organisationen im Internet
49
4.2.1 Die Angaben der Organisationen
49
4.2.2 Die Internetrecherche
51
4.2.3 Unterschied zwischen den Angaben der Organisationen und der
Dokumentenanalyse
60
4.3 Der Versand schriftlicher Informationen Welche Organisationen erhalten
die größte Menge an schriftlichen Informationen von den anderen EZ-
Organisationen
62
4.4 Das Sender-Empfänger-Netzwerk deutscher EZ-Organisationen
66
4.4.1 Die Netzwerkdichte
66
4.4.2 Zentralität von Akteuren
70
4.4.3 Prestige von Akteuren
72
4.4.4 Cutpoint-Positionen
74
4.4.5 Cliquen
75
4.4.6 Strukturelle Äquivalenz und Blockmodelle
75
4.4.7 Zentralisierung des Netzwerks
77
4.4.8 Die Struktur des Sender-Empfänger-Netzwerks
77
III
4.5 Das Empfänger-Sender-Netzwerk deutscher EZ-Organisationen
79
4.5.1 Die Netzwerkdichte
79
4.5.2 Zentralität von Akteuren
81
4.5.3 Das Prestige von Akteuren
83
4.5.4 Cutpoint-Positionen
85
4.5.5 Cliquen
85
4.5.6 Strukturelle Äquivalenz und Blockmodelle
86
4.5.7 Zentralisierung des Netzwerks
87
4.5.8 Die Struktur des Empfänger-Sender-Netzwerks
88
4.6 Bestätigtes Senden Das Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-
Organisationen
89
4.6.1 Die Netzwerkdichte
89
4.6.2 Zentralität von Akteuren
92
4.6.3 Prestige von Akteuren
94
4.6.4 Cutpoint-Positionen
95
4.6.5 Cliquen
95
4.6.6 Strukturelle Äquivalenz und Blockmodelle
96
4.6.7 Zentralisierung des Netzwerks
97
4.6.8 Die Struktur des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-
Organisationen
98
4.7 Die Nutzung des Internets zur Informationsgewinnung ein User-Server-
Modell
99
4.8 Der Institutionalisierungsgrad der Organisationen bezüglich der
Generierung und Verbreitung ihrer Informationen.
104
5 Diskussion und Ausblick
106
Literatur
116
Anhang
120
IV
Abkürzungsverzeichnis
AWO
Arbeiterwohlfahrt
BfdW
Brot für die Welt
BGR
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
BMZ
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
CDG
Carl Duisberg Gesellschaft e.V.
DAC
Development Assistance Commitee
DCV
Deutscher Caritasverband
DED
Deutscher Entwicklungsdienst
DEG
Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH
DeGEval
Deutsche Gesellschaft für Evaluation e.V.
DESWOS Deutsche Entwicklungshilfe für soziales Wohnungs- und Siedlungswesen e.V.
DSE
Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung
DWHH
Deutsche Welthungerhilfe e.V.
EED
Evangelischer Entwicklungsdienst
EEU
Europäische Union
EZ
Entwicklungszusammenarbeit
EZE
Evangelische Zentralstelle für Entwicklungshilfe e.V.
FES
Friedrich-Ebert-Stiftung
FNSt
Friedrich-Naumann-Stiftung
FZ
Finanzielle Zusammenarbeit
GKKE
Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung
GTZ
Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH
hbs
Heinrich-Böll-Stiftung
HSS
Hanns-Seidel-Stiftung
HWWA
Hamburgisches Welt-Wirtschafts-Archiv
Ki
Kirchliche Organisation i
KAS
Konrad-Adenauer-Stiftung
KfW
Kreditanstalt für Wiederaufbau
KZE
Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe e.V.
m.i.
medico international
MNPQ
Mess-, Normen-, Prüf- und Qualitätswesen
MSF
Ärzte ohne Grenzen
Ni
sonstige NRO i
NGO
Non-Governmental-Organization
NRO
Nichtregierungsorganisation
OECD
Organization for Economic Cooperation and Development
Pi
Politische Stiftung i
PTB
Physikalisch-Technische Bundesanstalt
Si
Staatliche Organisation i
SODI
Solidaritätsdienst-International
TZ
Technische Zusammenarbeit
VENRO
Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V.
ZA
Zentralstelle für Auslandskunde
ZGB
Zentralstelle für gewerbliche Berufsförderung
V
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Elemente im Kommunikationsprozess
22
Abbildung 2: Das Verfahren der Stichprobenziehung
40
Abbildung 3: Bewertungen der Relevanz der verschiedenen Zielgruppen anhand des
Mittelwertes für die verschiedenen Organisationsarten
47
Abbildung 4: Clusteranalyse zur Bereitschaft der Informationsverbreitung im
Internet
51
Abbildung 5: Bereitstellung von Informationen im Internet insgesamt
53
Abbildung 6: Art der im Internet zur Verfügung gestellten Daten nach
Organisationstyp (Mittelwerte)
54
Abbildung 7: Internetangebot ,Jahresberichte` der verschiedene n Organisationen
55
Abbildung 8: Internetangebot ,Projektberichte` der verschiedenen Organisationen
58
Abbildung 9: Internetangebot ,Sonstige Studien zu entwicklungspolitischen
Themen` der verschiedenen Organisationen
59
Abbildung 10: Bereitschaft, der Organisationen Informationen im Internet zur
Verfügung zu stellen
61
Abbildung 11: Netzwerkzentraliserungsmaße des Sender-Empfänger-Netzwerks
77
Abbildung 12: Modell des Sender-Empfänger-Netzwerks
78
Abbildung 13: Netzwerkzentraliserungsmaße des Empfänger-Sender-Netzwerks
87
Abbildung 14: Netzwerkzentraliserungsmaße des Kommunikationsnetzwerks
deutscher EZ-Organisationen
98
Abbildung 15: Modell des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-Organisationen
99
Abbildung 16: Internetnutzung verschiedener Organisationstypen
103
VI
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Zuwendungen des Bundes an NROs von 1962 bis 1994 in Mio. DM
13
Tabelle 2: Stichprobe nach Organisationstyp (alphabetisch geordnet)
42
Tabelle 3: Rücklaufquote des Fragebogens
44
Tabelle 4: Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsanteil im Internet
bezüglich ihrer gesamten Informationsmenge
50
Tabelle 5: Kreuztabelle: Organisationsart und deren Angabe über das Senden von
Informationen an andere EZ-Organisationen
62
Tabelle 6: Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger
bezüglich der größten Informationsmenge
64
Tabelle 7: Kommunikationsdichten ,Sender Empfänger` des Kommunikations-
netzwerks deutscher EZ-Organisationen
67
Tabelle 8: Kommunikationsdichten ,Sender Empfänger` des Kommunikations-
netzwerks deutscher EZ-Organisationen (Katholische und evangelische
EZ-Organisationen)
69
Tabelle 9: Zentralitätsmaße der einzelnen Netzwerkakteure des Sender-Empfänger-
Netzwerks
71
Tabelle 10: Kommunikationsdichten ,Empfänger Sender` des Kommunikations-
netzwerks deutscher EZ-Organisationen (Katholische und evangelische
EZ-Organisationen)
79
Tabelle 11: Kommunikationsdichten ,Empfänger Sender` des Kommunikations-
netzwerks deutscher EZ-Organisationen
80
Tabelle 12: Zentralitätsmaße der einzelnen Netzwerkakteure des Empfänger-Sender-
Netzwerks
82
Tabelle 13: Kommunikationsdichten des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-
Organisationen (Katholische und evangelische EZ-Organisationen)
89
Tabelle 14: Kommunikationsdichten des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-
Organisationen
91
Tabelle 15: Zentralitätsmaße der einzelnen Netzwerkakteure des Kommunikations-
netzwerks deutscher EZ-Organisationen
93
Tabelle 16: Kommunikationsdichten des User-Server-Modells
100
Tabelle 17: Besuchte Internetseiten und Nutzung des Internetangebots der
Organisationen
102
Tabelle 18: Kreuztabelle: Organisationen und deren Zuständigkeitsbereich für die
Informationsverbreitung
105
VII
Anhangsverzeichnis
Anhang 1: Anschreiben und Fragebogen
121
Abbildung 1.1: Das Anschreiben
121
Abbildung 1.2: Der Fragebogen
122
Anhang 2: Berechnung von Unterschieden und Ähnlichkeiten zwischen den
Organisationsarten in der Beurteilung der Relevanz der Zielgruppen 127
Tabelle 2.1:
U-Test: Unterschied Staatliche Organisationen Sonstige NROs
127
Abbildung 2.1: Clusteranalyse zur Identifikation von Organisationen mit ähnlichen
Beurteilungen hinsichtlich der Relevanz ihrer Informationen für die
vorgegebenen Zielgruppen
127
Anhang 3: Schaubilder und Tabellen über die Nutzung des Internets zur
Informationsverbreitung
128
Tabelle 3.1:
Kreuztabelle: Bereitstellung von Informationen im Internet durch die
verschiedenen Organisationsarten
128
Abbildung 3.1: Angebot der Informationsart ,,Statistiken und Zahlen" durch die ver-
schiedenen Organisationen im Internet nach Benutzerfreundlichkeit 129
Abbildung. 3.2: Angebot der Informationsart ,,Länderevaluation im Bereich eines
Sektors" durch die verschiedenen Organisationen im Internet nach
Benutzerfreundlichkeit
129
Abbildung 3.3: Angebot der Informationsart ,,Länderevaluation (Zusammenfas-
sung)" durch die verschiedenen Organisationen im Internet nach
Benutzerfreundlichkeit
130
Abbildung 3.4: Angebot der Informationsart ,,Hand- und Fachbücher" im Internet
durch die verschiedenen Organisationen im Internet nach Benutzer-
freundlichkeit
130
Tabelle 3.2:
U-Test: Unterschied von staatlichen Organisationen zu politische
Stiftungen hinsichtlich des Internetangebots von ,,Statistiken und
Zahlen"
131
Tabelle 3.3:
U-Test: Unterschied von staatlichen Organisationen zu sonstige
NROs hinsichtlich des Internetangebots von ,,Jahresbericht"
131
VIII
Tabelle 3.4:
U-Test: Unterschied von staatlichen Organisationen zu sonstige
NROs hinsichtlich des Internetangebots von ,,Statistiken und
Zahlen"
131
Tabelle 3.5:
U-Test: Unterschied von staatlichen zu kirchlichen Organisationen
hinsichtlich des Internetangebots von ,,Länderevaluationen im
Sektorbereich (Zusammenfassung)"
132
Tabelle 3.6:
U-Test: Unterschied von politischen Stiftungen zu kirchlichen
Organisationen hinsichtlich des Internetangebots von ,,Länder-
evaluationen im Sektorbereich (Zusammenfassung)"
132
Tabelle 3.7:
U-Test: Unterschied von sonstigen NROs zu kirchlichen
Organisationen hinsichtlich des Internetangebots von ,,Länder-
evaluationen im Sektorbereich (Zusammenfassung)"
132
Tabelle 3.8:
Varianzanalyse zur Überprüfung des Einflusses der Variablen
Organisationsart auf das Internetangebot der verschiedenen
Informationsarten
133
Anhang 4: Tabellen über das Verhalten der Organisationen beim Senden von
Informationen
134
Tabelle 4.1:
Kreuztabelle: Angaben der Organisationen, wieviel % ihrer Gesamt-
information sie weitergeben
134
Tabelle 4.2:
U-Test: Unterschied politische Stiftungen - staatliche Organisationen
hinsichtlich ihrer Angaben über den Anteil der Gesamtinformation,
den sie weitergeben
134
Tabelle 4.3:
U-Test: Unterschied staatliche Organisationen kirchliche Organisa-
tionen hinsichtlich ihrem Antwortverhalten, welche Organisationen
die meisten Informationen erhalten
134
Tabelle 4.4:
Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger
bezüglich der zweitgrößten Informationsmenge
135
Tabelle 4.5:
Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger
bezüglich der drittgrößten Informationsmenge
135
Tabelle 4.6:
Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger
bezüglich der viertgrößten Informationsmenge
135
Tabelle 4.7:
Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger
bezüglich der fünftgrößten Informationsmenge
136
Tabelle 4.8:
Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger
bezüglich der sechstgrößten Informationsmenge
136
IX
Anhang 5: Schaubilder und Tabellen über das Sender-Empfänger-Netzwerk
der deutschen EZ-Organisationen
137
Abbildung 5.1 Komponenten des Sender-Empfänger-Netzwerks (Komponenten mit
einem oder mehr Mitgliedern)
137
Tabelle 5.1:
Prestigemaße des Sender-Empfänger-Netzwerks
137
Abbildung 5.2: Cutpoinpositionen im Sender-Empfänger-Netzwerk
139
Abbildung 5.3: 2-Clans des Sender-Empfänger-Netzwerks
140
Abbildung 5.4: k-Plexe des Sender-Empfänger-Netzwerks
141
Abbildung 5.5: k-Core des Sender-Empfänger-Netzwerks
142
Abbildung 5.6: Strukturell äquivalente Positionen des Sender-Empfänger-Netzwerks
nach der CONCOR-Methode
143
Abbildung 5.7: Strukturell äquivalente Positionen des Sender-Empfänger-Netzwerks
nach der Burt-Methode
144
Anhang 6: Schaubilder und Tabellen über das Empfänger-Sender-Netzwerk
der deutschen EZ-Organisationen
145
Abbildung 6.1: Komponentenanalyse des Empfänger-Sender-Netzwerks (Kompo-
nenten mit einem oder mehr Mitgliedern)
145
Tabelle 6.1:
Prestigemaße des Empfänger-Sender-Netzwerks
145
Abbildung 6.2: Cutpoinakteure im Empfänger-Sender-Netzwerk
147
Abbildung 6.3: k-Plexe des Empfänger-Sender-Netzwerks
148
Abbildung 6.4: k-core des Empfänger-Sender-Netzwerks
149
Abbildung 6.5: Strukturell äquivalente Positionen des Empfänger-Sender-Netzwerks
nach der CONCOR-Methode
150
Abbildung 6.6: Strukturell äquivalente Positionen des Empfänger-Sender-Netzwerks
nach der Burt- Methode
151
Anhang 7: Schaubilder und Tabellen über das Kommunikationsnetzwerk der
deutschen EZ-Organisationen
152
Abbildung 7.1: Komponentenanalyse des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-
Organisationen (Komponenten mit einem oder mehr Mitgliedern)
152
Tabelle 7.1:
Prestigemaße der einzelnen Netzwerkakteure des Kommunikations-
netzwerks deutscher EZ-Organisationen
152
Abbildung 7.2: Cutpoinakteure im Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organi-
sationen
154
X
Abbildung 7.3: k-plexe des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-Organi-
sationen
155
Abbildung 7.4: k-cores des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-Organi-
sationen
156
Abbildung 7.5: Strukturell äquivalente Positionen des Kommunikationsnetzwerks
deutscher EZ-Organisationen nach der CONCOR-Methode
157
Abbildung 7.6: Strukturell äquivalente Positionen des Kommunikationsnetzwerks
deutscher EZ-Organisationen nach der Burt-Methode
158
Anhang 8: Schaubilder über die Nutzung des Internets zur
Informationsgewinnung durch die Organisationen
159
Abbildung 8.1: Einzelkomponentenanalyse des User-Server-Modells (Komponenten
mit einem oder mehr Mitgliedern)
159
Abbildung 8.2: Cutpointakteure des User-Server-Modells
160
Anhang 9: Tabelle zum Institutionalisierungsgrad der Organisationen bezüglich
der Generierung und Verbreitung ihrer Informationen
161
Tabelle 9.1:
Kreuztabelle: Angaben der Organisationen über den Besitz einer
eigenen Evaluationsabteilung bzw. eigenem Evaluationspersonal
161
XI
0
Einleitung
,Wir leben in einem Informationszeitalter` diese Aussage gehört wohl zu den wenigen
unumstösslichen Tatsachen der heutigen Zeit. Es besteht sowohl ein riesiges Informations-
angebot, als auch eine dazugehörige Nachfrage, z.B. um in der Wirtschaftswelt
konkurrenzfähig zu bleiben. Dies gilt für Menschen aber auch für Organisationen. Denn
gerade Organisationen sind mithilfe von Informationen im Stande zu
lernen
und sich
weiterzuentwickeln, um dadurch ihre Effizienz zu steigern. Daher sind Organisationen also
ständig bemüht, den eigenen Informationsfluß zu optimieren um hinzu zu lernen, was nicht
nur Organisationen aus dem Bereich der Wirtschaft auszeichnet, sondern auch Non-Profit-
Organisationen. Demzufolge wurde auch im Bereich der Entwicklungs zusammenarbeit
(EZ) erkannt, dass
organisationales Lernen
unumgänglich ist. Zu diesem Zweck werden
heute gerade Eva luationen von der Mehrzahl der Entwicklungshilfe organisationen als
Chance gesehen, Fehler zu entdecken, daraus zu lernen und sich entsprechend dadurch zu
verbessern. Denn Evaluationen besitzen auch im Bereich der Entwicklungs-
zusammenarbeit neben Erkenntnis-, Kontroll-, Dialog,- und Legitimitätsfunktion vor
allem auch eine Lernfunktion, welche natürlich eng mit der Dialogfunktion verbunden ist
(vgl. STOCKMANN, 2000: 5ff). Kennzeichnend für eine Evaluation ist nämlich, dass sie
,,one of the feedback mechanisms capable of stimulating (...) learning" ist (LEEUW u.a.,
2000: 4). So hält auch die Deutsche Gesellschaft für Evaluation e.V. in ihren ,Standards
für Evaluation` fest, dass gerade ,,Lern- und Reflexionsprozesse Zwecksetzungen [sind,]
die Evaluation verfolgen soll." (DeGEval, 2002: 15) Ebenfalls eine im Auftrag des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) vom
Hamburger Weltwirtschaftsarchiv (HWWA) durchgeführte Studie zum Thema ,Reform
der Erfolgskontrolle in der deutschen Entwicklungs zusammenarbeit` verzeichnet, dass
,,Evaluation[en] als Quelle individuellen und institutionellen Lernens" (BORRMANN
u.a. 2001: 19) von den EZ-Organisationen verstanden werden. Weiterhin wird vermerkt,
dass ,,durch die bereits realisierten und geplanten Verbesserungen der Erfolgs-
kontrollsysteme [wozu Evaluationen gehören] (...) sich die Voraussetzungen für
evaluierungsbasierte Lernprozesse verbessern" dürften (BORRMANN u.a. 2001: 19). Dies
gilt zumindest für
interne
Lernprozesse, was bedeutet: Organisationen wissen um die
Bedeutung, welche Informationen aus Evaluationen für sie selbst haben. Zudem kennen sie
die daraus resultierende Möglichkeit zu lernen, um ihre eigene Effizienz zu erhöhen.
Darüber hinaus zeigt diese HWWA-Studie auch, dass der
horizontale
Austausch von
Information, d.h. die Transferierung von Information zwischen den Organisationen und
somit das
horizontale Lernen
das ,Voneinander Lernen` der Organisationen unter-
einander durch horizontalen Austausch von Informationen noch als defizitär betrachtet
wird (vgl. BORRMANN u.a. 2001: 22f). Zwar konnte durch die Gründung der Deutschen
Gesellschaft für Evaluation e.V. (DeGEval) im Jahre 1997 ein Forum geschaffen werden,
welches Wissenschaft und Praxis zusammenführt und somit eine Plattform für horizontales
1
Lernen bildet, dennoch fehlt es an der ,,Institutionalisierung und Intensität des horizontalen
Austausches" (BORRMANN u.a. 2001: 23). Es kann also festgestellt werden, dass in der
deutschen EZ durchaus die Nachfrage nach größerem Informationsaustausch zum Zweck
des horizontalen organisationalen Lernens besteht als bisher stattfindet. Das bedeutet aber
ebenfalls, dass es bereits kommunikative Wege zwischen den EZ-Organisationen gibt, auf
denen Informationen ausgetauscht werden. Es existiert also eine Art kommunikative
Struktur oder ein
Netzwerk kommunikativer Beziehungen
zwischen den deutschen EZ-
Organisationen, innerhalb dessen Informationen ausgetauscht werden. Dieser Informa-
tionsaustausch wird zur Zeit, wie bereits gesagt, als defizitär ,empfunden`. Jedoch ist es
schwer, Verbesserungen an diesem Informationsaustausch vorzunehmen, ohne dessen
genaue Problematik zu kennen, denn bisher gibt es keinerlei Informa tionen darüber, wie
der Informationsaustausch zwischen den deutschen EZ-Organisatio nen an sich geregelt ist
und wie das Netzwerk des Informationsaustauschs aussieht.
Die vorliegende Arbeit nimmt dieses Defizit zum Anlass, erstmals detailliert die Gestalt
des
Kommunikationsnetzwerkes
der deutschen EZ-Organisationen
deskriptiv
zu erfassen,
d.h. zu beschreiben, wie sich der horizontale Informationsaustausch zwischen den
deutschen EZ-Organisationen gestaltet. Schließlich kann aus der ermittelten Kommunika-
tionsstruktur die Möglichkeiten des horizontalen organisationalen Lernens der deutschen
EZ-Organisationen herausgestellt werden.
Zur Gliederung der Arbeit:
In einem ersten Teil (Kapitel 1) wird der Untersuchungsgegenstand die deutschen Orga-
nisationen der Entwicklungszusammenarbeit beschrieben. In diesem Punkt werden
insbesondere die vier Organisationsarten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit her-
vorgehoben, welche auch später für die Stichprobe der Untersuchung relevant sind: Staat-
liche Organisationen, politische Stiftungen, kirchliche Organisationen und sonstige Nicht-
regierungsorganisationen (NROs). Anschließend wird in einem zweiten Teil (Kapitel 2)
das theoretische Konstrukt der Arbeit vorgestellt: Aus der Organisationssoziologie heraus
wird ein Weg aufgezeigt, die Vielzahl der unterschiedlichen Organisationen als
ein
Gebilde zusammenzufassen, und jede einzelne Organisation als ein Element dieses
Gesamtkomplexes darzustellen (Kapitel 2.1). Hierbei sind aber nicht die Elemente selbst,
sondern ihre Beziehungen oder genauer ihr horizontaler Informations austausch, ihre
Kommunikation untereinander von Interesse. Schließlich stellt diese Kommunikation die
Grundlage für gegenseitiges organisationales Lernen dar und wird somit zum zentralen
Thema dieser Arbeit. Im folgenden Abschnitt (Kapitel 2.2) wird der Begriff des
horizontalen organisationalen Lernens
näher erläutert. Dies erfolgt nur, wenn das Wissen
der einzelnen Organisationen zwischen den Orga nisationen ausgetauscht wird, so dass sich
jede Organisation das Wissen der anderen Organisation aneignen kann und dadurch im
2
Stande ist, zu lernen. Hierfür wird anschließend (Kapitel 2.3) der Begriff der
Kommunikation näher beleuchtet. Erstens wird die Funktionsweise von Kommunikation
an sich aufgezeigt, damit der Prozess, welcher bei der Kommunikation abläuft,
verständlich wird. Zweitens sind die Besonderheiten der Kommunikation von
Organisationen untereinander von Interesse, um deren charakteristische Abläufe in Ab-
grenzung zum allgemeinen Kommunikationsprozess hervorzuheben. Drittens werden die
verschiedenen erdenklichen Entwicklungsstufen der Kommunikation, in denen der Infor-
mationsaustausch zwischen den Organisationen stattfindet, vorgestellt, da diese Aufschluss
über den möglichen Institutionalisierungsgrad von horizontalem Informationsaustausch
geben. Nachfolgend (Kapitel 2.4) werden mit
Macht und Einfluss
,
Zielübereinstimmung
und
strukturellen Zwängen
im System
Gründe für ein Zustandekommen von Kommu-
nikation zwischen Organisationen geschildert. Abschließend (Kapitel 2.5) wird ausgehend
von der Tatsache, dass es sich um einen noch unerforschten Forschungsbereich handelt,
dem sich diese Arbeit widmet, zum einen aufgezeigt, nach welchen Kriterien das
Kommunikationsnetzwerk der deutschen EZ-Organisationen
deskriptiv
erfasst werden soll.
Die Methode, die dafür genutzt wird, ist die
Netzwerkanalyse
. Zum anderen werden
zusätzlich
hypothetische Annahmen
über die Gestalt des Kommunikations netzwerks
formuliert, welche aus den Theorien der Kommunikationsforschung abgeleitet werden.
Im dritten Teil der Arbeit (Kapitel 3) werden die methodischen Probleme dieser Unter-
suchung umfassend erörtert und dazugehörige Lösungsansätze vorgestellt. Um das
Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen vollständig beschreiben und die
Hypothesen dieser Arbeit prüfen zu können, war es notwendig einen
standardisierten
Fragebogen
mit teilweise offenen Antwortkategorien zu entwickeln, dessen
Operationalisierung als erstes geschildert wird. Um den Fragebogen verschicken zu
können, musste zunächst geklärt werden, welche Organisatione n der Entwicklungs-
zusammenarbeit den Fragebogen erhalten. Da eine Vollerhebung sowie eine probabi-
listische Stichprobe für diese Arbeit nicht angemessen und nicht sinnvoll war, wurde in
einem zweiten Schritt des Methodenteils ein mehrstufiges Auswahlverfahren entwickelt,
dessen Ergebnis eine
disproportional geschichtete Stichprobe
mit 37 EZ-Organisationen
darstellte, welche die Grundgesamtheit angemessen repräsentierten. Nach dem Verfahren
der Stichprobenziehung wird schließlich noch der Verlauf der Unt ersuchung sowie der
Rücklauf des Fragebogens geschildert.
Im empirischen Teil (Kapitel 4) erfolgt dann ausgehend von den Daten aus der eigenen
Erhebung und einer Dokumentenanalyse eine detaillierte
Beschreibung
des Kommunika-
tionsnetzwerks deutscher EZ-Organisationen, sowie eine
Überprüfung
sämtlicher dazu
vorgestellter
Hypothesen
.
Kapitel 5 beinhaltet letzten Endes die Zusammenfassung der empirischen Ergebnisse,
sowie eine daraus resultierende Diskussion und Beurteilung der Resultate. Eine Erörterung
3
der Ergebnisse für eine mögliche weiterführende Untersuchung bilden den Schluss der
Arbeit.
1
Die deutschen Entwicklungshilfeorganisationen
Um einen Einblick in den Untersuchungsgegenstand
deutsche Entwicklungshilfeorganisa-
tionen
zu erhalten, werden diese nun im folgenden kurz skizziert. Dabei werden allerdings
nicht alle Organisationstypen bzw. alle Organisationen innerhalb der verschiedenen
Organisationstypen erläutert, sondern nur diejenigen, welche für die spätere Stichprobe (s.
dazu Kapitel 3.2) rele vant sind. Weiterhin werden die Organisationen nicht detailliert
beschrieben, da das Ziel der Arbeit nicht in der Beschreibung der Funktions weise der
Organisationen, sondern in der Beschreibung der kommunikativen Beziehungen der
Organisationen untereinander liegt. Die hier untersuchten deutschen Entwicklungs-
hilfeorganisationen werden unterteilt in staatliche und nichtstaatliche Orga nisationen
(NROs).
An der Spitze der staatlichen EZ-Organisationen steht das Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Das BMZ führt selbst jedoch
keine Projekte durch - dafür gibt es im staatlichen EZ-Bereich Organisationen, die im
Auftrag des BMZ eigens für die Durchführung dieser Projekte zuständig sind. Die
wichtigsten durchführenden staatlichen EZ-Organisationen sowie das BMZ werden an
dieser Stelle vorgestellt. Auch die nichtstaatlichen Organisationen lassen sich weiter
unterteilen, und zwar in politische Stiftungen, kirchliche EZ-Organisationen und sonstige
NROs. Auch diese drei Organisationstypen werden kurz erläutert, jedoch nicht die
einzelnen Organisationen selbst.
4
1.1 Staatliche EZ-Organisationen
1.1.1 Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ)
Die staatlichen Entwicklungshilfeorganisatio nen werden vom Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) angeführt, welches zuständig ist
für Planung und Umsetzung der Entwicklungspolitik der Bundesregierung. Seine
Aufgaben konzentrieren sich auf folgende Bereiche:
· Mitgestaltung globaler Rahmenbedingungen,
· Entwicklung bilateraler und multilateraler Förderstrategien und Unterstützung von
Entwicklungsprogrammen und -projekten der Partnerländer,
· Förderung der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit nichtstaatlicher Organisatio-
nen,
· Erfolgskontrolle und Kontrolle der Mittelverwendung (vgl. BMZ, 2002a).
Das BMZ hat zwei Dienstsitze der erste ist in Bonn, der zweite in Berlin. Etwa 90% der
rund 570 MitarbeiterInnen sind in Bonn tätig. Seit April 2000 wird das Ministerium auf-
grund einer Organisationsreform umgestaltet, die auch Stellenkürzungen beinhaltet. In
Berlin existieren sechs Referate zur Unterstützung der Leitung des BMZ bei der Wahr-
nehmung politischer Aufgaben (Parlament, Kabinett, Presse, politische Bildung, sowie
Arbeitsbereiche, die eine enge Zusammenarbeit mit anderen in Berlin ansässigen
Ministerien erfordern (vgl. BMZ, 2002a).
In Bonn gibt es vier Abteilungen mit dazugehörigen Referaten. In Abteilung 1 (mit elf
Referaten) werden in erster Linie Aufgaben der allgemeinen Verwaltung sowie der ent-
wicklungspolitischen Inlandsarbeit und der Statistik wahrgenommen. Der Abteilungs-
leitung unmittelbar zugeordnet ist die Gruppe ,Qualitätsentwicklung und management`.
Darüber hinaus ist diese Abteilung verantwortlich für die Verwaltung der Dienststelle
Berlin einschließlich der am 2. Dienstsitz angesiedelten Fachaufgaben.
Der Zuständigkeitsbereich von Abteilung 2 (15 Referate) liegt in der Entwicklungspolitik
mit Ländern und Regionen. Entwicklungszusammenarbeit wird zunehmend funktional
verstanden, daher ist hier auch die Kooperation mit Staaten Mittel-, Ost- und Südeuropas
angesiedelt. Das Aufgabenspektrum reicht von länderbezogener Grundsatzarbeit, Politik-
dialog und Programmierung der bilateralen Zusammenarbeit über die Koordinierung und
Integration aller entwicklungspolitischen Maßnahmen (,Entwicklungspolitik aus einem
Guss`) bis hin zur Steuerung und Kontrolle der Projekte und Programme der bilateralen
Finanziellen und Technischen Zusammenarbeit.
In Abteilung 3 (acht Referate) ist das Instrumentarium der bilateralen EZ zusammenge-
fasst. Dies umfasst neben der Verantwortung für die Grundsätze der bilateralen Finan-
ziellen und Technischen Zusammenarbeit und den übrigen staatlichen EZ-Maßnahmen
(Aus- und Fortbildung, Entsendung von Entwicklungshe lfern etc.) auch die Unterstützung
5
von nicht-staatlichen Trägern (Kirchen, politische Stiftungen, Nicht regierungsorganisa-
tionen), sowie die Nahrungsmittel-, Not- und Flüchtlingshilfe. Diese Abteilung ist ferner
zuständig für die Koordinierung der EZ im Bereich von Friedenspolitik und Krisen-
prävention sowie für die Sicherstellung von Kohärenz mit der Außen-, Sicherheits- und
Menschenrechtspolitik.
Abteilung 4 (14 Referate in sieben Arbeitsbereichen) ist zum einen zuständig für die mul-
tilaterale Zusammenarbeit, die Entwicklungspolitik der Europäischen Union und die
Geberkoordinierung. Zum anderen obliegt es ihr, Grundsätze und Förderungskonzepte für
wichtige sektorale und übersektorale Bereiche der entwicklungspolitischen Zusammenar-
beit zu erarbeiten (Demokratisierung und Gleichberechtigung; Wirtschaft und Finanz-
systeme; Umwelt und nachhaltige Ressourcennutzung; Armutsbekämpfung und soziale
Entwicklung). Außerdem wirkt sie mit bei der Gestaltung einer komplementären und ko-
härenten Nord/Süd-Politik sowie bei Fragen der globalen Strukturpolitik (vgl. BMZ,
2002a).
Das BMZ führt die konkreten Projekte und Programme der Entwicklungszusammenarbeit
nicht selbst durch. Dies geschieht stets im Auftrag des BMZ durch eigens tändige Organi-
sationen. Die wichtigsten aus Sicht des BMZ - sind hierbei:
· Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW),
· Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH (GTZ),
· Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR),
· Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB),
· Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG),
· Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung (DSE),
· Carl-Duisberg-Gesellschaft (CDG),
· Deutscher Entwicklungsdienst (DED) (vgl. BMZ, 2002a).
Diese Organisationen arbeiten entweder in den Bereichen Finanzielle Zusammenarbeit
(FZ) oder Technische Zusammenarbeit (TZ). Die FZ dient dazu, den Entwicklungsländern
Finanzierungsmittel mit günstigen Bedingungen zur Verfügung zu stellen, um ihre wirt-
schaftlichen und sozialen Entwicklungen zu fördern. Sie ist dem Volumen nach das be-
deutendste Instrument der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit der BRD (vgl.
NOHLEN, 1998: 263). Die TZ will den Entwicklungsländern technische, wir tschaftliche
und organisatorische Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln und die Voraussetzungen ihrer
Anwendungen verbessern (vgl. NOHLEN, 1998: 727).
Für die durchführenden Organisationen erfolgt an dieser Stelle wie bereits erwähnt ledig-
lich eine Kurzcharakteristik.
6
1.1.2 Durchführende staatliche Organisationen
Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gehört zum Bereich der Finanziellen Zusam-
menarbeit. Seit Anfang der 60er Jahre finanziert die KfW im Auftrag der Regierung der
Bundesrepublik Deutschland Investitionen der Entwicklungsländer mit vergünstigten Kre-
diten und Zuschüssen, berät ihre Partner bei Fragen der Projektdurchführung und unter-
stützt wirtschaftspolitische Reformen (vgl. KfW, 2001). Ihre Investitionen finden sich vor
allem im Ausbau der wirtschaftlichen und sozialen Infrastruktur, im Agrarsektor, in der ge-
werblichen Wirtschaft und im Umwelt- und Ressourcenschutz. Darüber hinaus fördert sie
projektbezogene Beratungsleistungen und unterstützt gesamtwirtschaftliche und sektorale
Strukturreforme n (vgl. KfW, 2001; vgl. auch KfW, 2002). Bei ihrer Arbeit orientiert sich
die KfW an den Förderkonzepten des BMZ bzw. am Hauptziel der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit, die ,,wirtschaftliche und soziale Lage der Menschen in den
Entwicklungsländern zu verbessern und sie bei der Ent faltung ihrer schöpferischen
Fähigkeiten zu unterstützen. Nicht zuletzt aus diesem Grund achtet die KfW [dabei]auf
eine möglichst hohe Breitenwirkung der Vorhaben" (KfW, 2001; vgl. auch KfW, 2002).
Die FZ-Finanzierungszusagen machen etwa ein Drittel der gesamten deutschen Entwick-
lungshilfe aus (vgl. KfW, 2001). Zur Zeit arbeitet die KfW mit über 100 Ländern in rund
1.700 Entwicklungsvorhaben zusammen. Mehr als 2.600 Projekte wurden bereits abge-
schlossen.
Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ)
Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH wurde 1975
gegründet. Ihr Hauptauftraggeber, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammen-
arbeit und Entwicklung (BMZ), hat ihr in einem Generalvertrag die Durchführung der
Technischen Zusammenarbeit übertragen. Gleichzeitig leistet die GTZ Beiträge zu Ent-
wicklungs- und Reformprozessen auch für andere Bundesressorts, für Regierungen anderer
Länder, für internationale Organisationen und Institutionen, z.B. EU, UN, Weltbank. Die
GTZ ist ein weltweit tätiges Dienstleistungsunternehmen für Entwicklungszusammen-
arbeit. Sie arbeitet als privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen des Bundes für das
entwicklungspolitische Ziel, die Lebensbedingungen der Menschen in den Ländern des
Südens und Ostens nachhaltig zu verbessern und die natürlichen Lebensgrundlagen zu er-
halten. Dabei nimmt die GTZ ihre Aufgaben gemeinnützig wahr, d.h. Überschüsse werden
ausschließlich wieder für eigene Projekte der Ent wicklungszusammenarbeit verwendet.
Die Eschborner Zentrale der GTZ bildet eine wichtige Schnittstelle zwischen der
politischen Steuerung des BMZ und der Durchführung der Projekte in den Partnerländern.
Strategisch wichtige Funktionen erfüllen die Länderbereiche in der länderbezogenen Zu-
sammenarbeit mit dem BMZ sowie der Bereich Planung und Entwicklung in der
fachlichen und sektorbezogenen Beratung und Steuerung (vgl. GTZ, 2002).
7
Technische Zusammenarbeit (TZ) soll das Leistungsvermögen von Menschen und Orga-
nisationen erhöhen. Sie trägt dazu bei, die politischen und institutionellen Bedingungen für
nachhaltige Entwicklung in den Partnerländern zu verbessern. Mit der TZ werden hierfür
Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt. Außerdem werden gemeinsam mit den Partnern
Voraussetzungen für deren Anwendung geschaffen und optimiert. TZ zielt darauf ab, die
Eigeninitiative der Menschen in den Partnerlä ndern zu stärken, damit sie ihre Lebens-
bedingungen aus eigener Kraft verbessern können. Die Bandbreite der vielen Arbeitsfelder,
in denen die GTZ berät, reicht von Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung über
Gesundheit und Grundbildung bis zum Umwelt- und Ressourcenschutz und zur ländlichen
Regionalentwicklung. In den letzten Jahren hat die Re gierungsberatung einen immer
größeren Stellenwert erlangt. Dort, wo akute Not das Überleben gefährdet, führt die GTZ
auch Nothilfe- und Flüchtlingsprogramme durch. Sie konzipiert aber auch solche kurzfr i-
stigen Hilfsmaßnahmen so, dass die Kraft der Menschen zur Selbsthilfe gestärkt wird (vgl.
GTZ, 2002).
Zu den Dienstleistungen der GTZ gehören:
- die Beratung von Organisationen in den Partnerländern bei der Planung, Durchführung
und Bewertung ihrer Projekte und Programme,
- die Auswahl von Fachkräften, ihre Vorbereitung sowie ihre fachliche und personelle Be-
treuung während ihres Einsatzes,
- die Planung und Durchführung projektbezogener Aus- und Fortbildung,
- die technische Planung und der Einkauf von Sachausrüstungen für die Projekte sowie
- die Vergabe und die Abwicklung nichtrückzahlbarer Finanzierungsbeiträge aus Mitteln
der
Technischen Zusammenarbeit
(vgl. GTZ, 2002).
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) wurde 1958 gegründet und
vom BMZ zur Planung und Durchführung von Projekten und Programmen der TZ im
Sektor Geologie und Bergbau direkt beauftragt. Schwerpunkte sind die Bereiche Wasser,
Boden, Umwelt, mineralische Rohstoffe, Energierohstoffe, Bergbau/Altlasten sowie
Georisiken. Zielsetzung ist dabei die Befriedigung von Grundbedürfnissen, die nachhaltige
Wirtschaftsentwicklung, der Schutz der natürlichen Umwelt, Ressourcenmanagement und
Katastrophenschutz sowie eine sektorbezogene Raum- und Regionalplanung. Zuständig
dafür sind fünf verschiedene Referate (vgl. BGR 2002).
Seit ihrer Gründung hat die BGR bis Ende 1998 in 74 Ländern insgesamt etwa 300
Entwicklungshilfeprojekte im Auftrag des BMZ durchgeführt. Das BMZ beauftragte die
BGR in den letzten 10 Jahren mit der Durchführung von Vorhaben mit einem
durchschnittlichen Finanzvolumen (Nettobewilligungen = Projektkosten) von ca. 9 Mio.
Euro bzw. 18 Mio. DM jährlich. Derzeit führt die BGR mehr als 40 TZ-Projekte durch, an
8
denen über 30 Partnerländer beteiligt sind. Dabei sind in nur 25% der Projekte Langzeit-
fachkräfte mit Einsatzzeiten von mehr als 12 Monaten tätig (vgl. BGR 2002).
Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) ist im Bereich der Technischen
Zusammenarbeit tätig. Auftraggeber der PTB sind dabei das BMZ mit im Jahr 2001 35
Projekten, aber auch die Europäische Union, die Weltbank und andere Organisationen. Bei
den Projekten geht es darum, den Entwicklungs- und Schwellenländern beim Aufbau eines
funktionsfähigen MNPQ-Systems zu helfen mit dem Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung
zu fördern und den Umwelt-, Gesundheits- und Verbraucherschutz zu stärken, um damit
Voraussetzungen für nachhaltige Entwicklungen zu schaffen (vgl. PTB 2002a). Die
Abkürzung MNPQ steht für Messen, Normen, Prüfen und Qualitätsmanagement, die vier
Säulen des Messwesens. Diese vier Säulen sind laut PTB das solide Fundament, auf dem
ein Industriestaat metrologisch betrachtet ruht. Die meisten Projektpartner der PTB
sind Staaten, die sich bereits auf dem Weg in die Industrialisierung befinden. Die
Physikalisch-Technische Bundesanstalt hat in über 20 Ländern auf der ganzen Welt
Projekte. Eine große Rolle spielen dabei China und die Staaten des ehemaligen Rates für
gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Um die mittel- und osteuropäischen Staaten beim
Aufbau einer funktionierenden Marktwirtschaft zu unterstützen, hilft die PTB beim Aufbau
und der Reorganisation metrologischer Infrastrukturen (vgl. PTB 2002b).
Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG)
Die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) existiert seit fast 40
Jahren und arbeitet für das BMZ im Bereich der Finanziellen Zusammenarbeit. Sie hat sich
spezialisiert auf langfristige Finanzierungen privater unternehmerischer Initiative in
Entwicklungs- und Reformländern, um zu deren nachhaltigem Wachstum beizutragen (vgl.
DEG 2002b). Sie beteiligt sich ausschließlich an Projekten, die entwicklungspolitisch
sinnvoll, umweltverträglich und sozialen Grund sätzen verpflichtet sind (vgl. DEG 2001).
Deshalb investiert sie in rentable, ökologisch und sozial tragfähige Projekte in allen
Wirtschaftssektoren: von der Agrarwirtschaft über Dienstleistungen bis hin zur
verarbeitenden Industrie und Infrastruktur (vgl. DEG, 2002b). In diesem Rahmen will sie
das wirtschaftliche Wachstum und die Lebensbedingungen der Menschen in den
Partnerländern verbessern. Dies erreicht die DEG, indem sie aussichtsreiche
unternehmerische Initiativen unterstützt. Ihre Philosophie ist dabei, dass nur erfolgreiche
und nachhaltig lebensfähige, das heisst rentable private Unternehmen wirtschaftliches
Wachstum generieren können. Diese schaffen Arbeit und Einkommen, tragen durch die
Produktion wettbewerbsfähiger Produkte zur Verbesserung der Devisenbilanz ihrer Länder
bei und erhöhen durch die Verarbeitung lokal verfügbarer Ressourcen die Wertschöpfung
im Lande. Direkt erfüllt die DEG diesen Auftrag, indem sie leistungsfähige private Investi-
9
tionen begleitet indirekt, indem sie die Leistungs fähigkeit der jeweiligen Kapitalmärkte
weiterentwickelt und so besonders kleinere und mittlere lokale Unterne hmen unterstützt.
Um die entwicklungspolitische Effizienz zu erhöhen, mobilisiert sie außerdem weitere
Partner für Projekte und zusätzliches Kapital für Investitionen. So trägt sie auch laut
eigener Aussage - mit geringem Kapitaleinsatz zu maximalen Wachstumseffekten bei (vgl.
DEG, 2002a).
Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung (DSE)
Seit ihrer Gründung im Jahr 1959 leistet die Deutsche Stiftung für internationale
Entwicklung (DSE) ihren Beitrag zur Entwicklungszusammenarbeit im Rahmen der
Grundlinien der Entwicklungspolitik der Bundesregierung. Träger sind sowohl Bund als
auch Länder, was in ihrer dezentralen Struktur zum Ausdruck kommt. Sitz der Stiftung ist
Bonn. Weitere Standorte sind Berlin, Bad Honnef, Feldafing, Magdeburg, Mannheim und
Zschortau. Zuwendungsgeber ist das BMZ. Einige der DSE-Programme werden jedoch
von anderer Seite finanziert (z.B. von anderen Bundesressorts, Bundesländern, der
Europäischen Union) (vgl. DSE, 2002).
Die DSE ist eine Institution des entwicklungspolitischen Dialogs und der Aus- und Fort-
bildung für Fach- und Führungskräfte sowohl aus Entwicklungs- als auch aus Transforma-
tionsländern. Darüber hinaus bereiten sich in der DSE Fachkräfte der deutschen techni-
schen und kulturellen Zusammenarbeit sowie deren Familien auf ihren Aufenthalt in einem
Entwicklungsland vor. Daneben unterhält sie die größte Dokumentations- und Informa-
tionsstelle zu Fragen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Konferenzen,
Tagungen, Seminare und Trainingskurse unterstützen Vorhaben, die der wirtschaftlichen,
sozialen und ökologisch verträglichen Entwicklung dienen. Sie tragen zu einem
wirkungsvollen, nachhaltigen und breitenwirksamen Entwicklungprozess bei. Insgesamt
arbeitet die DSE in den Bereichen ,Erziehung, Wissenschaft und Dokumentation`,
,Wirtschafts- und Sozialentwicklung`, ,öffentliche Verwaltung`, ,gewerbliche Be-
rufsförderung`, ,Ernährung und Landwirtschaft`, ,Gesundheit` sowie ,Jour nalismus`(vgl.
DSE, 2002).
Seit 1960 hat die DSE über 170.000 Entscheidungsträger und Fach- und Führungskräfte
aus mehr als 150 Ländern fortgebildet. Gegenwärtig erreicht die DSE jährlich etwa 9.000
Teilnehmer/innen durch Dialog und Training (vgl. DSE 2002).
Carl-Duisberg-Gesellschaft (CDG)
Im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gestaltet die Carl Duisberg Ge-
sellschaft praxisorientierte internationale Weiterbildungsprogramme für Nachwuchs-
führungskräfte und Multiplikatoren aus Afrika, Asien und Lateinamerika sowie Dialogpro-
gramme mit Entscheidungsträgern aus allen Teilen der Welt. Ihr wichtigster Auftraggeber
ist BMZ. Zudem kooperiert sie mit den Bundesländern, der Europäische n Union, der
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Weltbank und verschiedenen UN-Organisationen. Die deutsche Wirtschaft leistet wichtige,
überwiegend unentgeltliche Beiträge durch die Bereitstellung von Praktikumsplätzen,
Dozenten und Informationen. Die CDG sieht soziale Verantwortung und internationale
Dialogfähigkeit als wesentliche Qualifikationsmerkmale moderner Führungskräfte in einer
Weltgesellschaft an, die immer tiefgreifender durch Globalisierung geprägt ist. Deshalb
trägt sie mit über 200 entwicklungspolitischen Programmen unter dem Motto ,Training für
eine nachhaltige Entwicklung` zur Qualifizierung von Führungs- und Nach-
wuchsführungskräfte aus Entwicklungsländern dazu bei, sich aktiv an der Gestaltung einer
zukunftsfähigen Welt zu beteiligen. Damit unterstützt sie ökonomisch-ökologisch
nachhaltige Entwicklungs prozesse mit dem Ziel, die internationale Leistungsfähigkeit der
Entwicklungsländer zu steigern und die Lebensbedingungen breiter Bevölkerungsgruppen
zu verbessern (vgl. CDG, 2002b).
Das umfangreiche Trainingsangebot ermöglicht eine Qualifizierung in den Themenfeldern
· Umwelt- und Ressourcenschutz,
· Infrastruktur und Kommunikation,
· Produktion und Technologie,
· Gewerbeförderung und Internationales Marketing,
· Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialstatistik (vgl. CDG, 2002a).
In Kooperation mit dem BMZ konnte die CDG im Jahr 2000 7.647 Teilnehmer in ihren
Fortbildungsangeboten zählen, rund 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Dieses Ergebnis
konnte sie trotz eines Rückgangs der Haushaltsmittel durch kürzere Programme und vor
allem durch die Verlagerung vieler Programme ins Ausland erreichen. Diese Teilnehmer-
zahl verteilt sich auf 1.165 Fortbildungsgäste an Langzeitprogrammen in Deutschland, 321
an Fortbildungsprogrammen vor Ort in Entwicklungsländern selbst und 6.161 Teilnehmer
an Seminaren, Konferenzen und Workshops in Deutschland und weltweit. Für diese Arbeit
stand ein Gesamtbudget von 58,5 Mio. DM (47,9 Mio. DM Fördermittel, 6,9 Mio. DM
Mietzuschüsse sowie Finanzierungs beiträge anderer Geldgeber in Höhe von 3,7 Mio. DM)
zur Verfügung (vgl. CDG, 2002b).
2001 wurde eine ,,Grundsatzvereinbarung zwischen den Leitungen von BMZ, CDG und
DSE über eine Fusion von CDG und DSE zum 01.01.2002" (CDG, 2002b) beschlossen.
Deutscher Entwicklungsdienst (DED)
Der Deutsche Entwicklungsdienst (DED) ist der personelle Entwicklungsdienst der BRD.
Seit seiner Gründung 1963 haben sich über 10.000 Entwicklungshelfer dafür eingesetzt,
die Lebensumstände von Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika zu verbessern.
11
Zur Zeit sind rund 1.000 Mitarbeiter in ca. 40 Ländern tätig. Die Aufgaben des DED sind
vor allem:
· Bereitstellung berufserfahrener und sozial engagierter Fachkräfte für Entwicklungslän-
der.
· Unterstützung einheimischer Organisationen und Selbsthilfeinitiativen durch fachliche
Beratung, Finanzierung kleinerer Programme und Förderung von einheimischen Fach-
kräften.
· Vermittlung deutscher Entwicklungshelfer in das Freiwilligenprogramm der Vereinten
Nationen: United Nations Volunteers (UNV).
· Werben für ein besseres Verständnis der Situation der Menschen in Entwicklungslän-
dern innerhalb der deutschen Öffentlichkeit (vgl. DED, 2002a).
Der DED hat keine eigenen Projekte, sondern reagiert auf Anfragen der Partne rorganisa-
tionen in den Gastländern, wo meist in deren Hauptstadt ein Büro unterhalten wird, das
von einem Beauftragten geleitet wird. Der Büroleiter vertritt die Organisation des DED
gegenüber den einheimischen Partnern und steuert das Landesprogramm. Die jeweiligen
Projekte sind nach Sektoren ge ordnet: technisch-handwerkliche Berufsausbildung, Land-
und Forstwirtschaft sowie Ressourcensicherung, Gesundheit, allgemeine Bildung, Bau und
Siedlungswesen, Gemeinwesenentwicklung sowie Kleingewerbe, Management und Ver-
waltung (vgl. DED, 2002a). Regionaler Schwerpunkt ist zur Zeit Afrika, sektoraler
Schwerpunkt ist Land- und Forstwirtschaft und Ressourcensicherung. In den letzten Jahren
hat der DED die Kooperation mit staatlichen Organisationen verringert. Trotzdem sind sie
durch ihre Möglichkeiten, weitreichende entwicklungsfördernde Entscheidungen zu fällen
immer noch ein sehr wichtiger Partner. Die Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen Orga-
nisationen wurde laut DED systematisch ausgebaut. NROs bieten dem DED die ge-
wünschte Nähe zu jenen benachteiligten Menschen, deren Chancen er verbessern will.
Diese Zusammenarbeit wird, dem DED zufolge, erschwert durch unge festigte Organisa-
tionsstrukturen und mangelnde finanzielle und personelle Kapazitäten (vgl. DED, 2002b).
Die wichtigsten Kooperationspartner des DED staatliche wie auch nichtstaatliche
Organisationen sind:
· Brot für die Welt,
· Carl-Duisberg-Gesellschaft,
· Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ),
· Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW),
· Deutsche Stiftung für Internationale Entwicklung (DSE),
· Deutsche Welthungerhilfe,
· Misereor,
· Helvetas (vgl. DED, 2002b).
12
1.2 NROs der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
Zu den nichtstaatlichen Entwicklungshilfeorganisationen oder Nichtregierungsorgani-
sationen (NROs)1 gehören Kirchen, politische Stiftungen und sonstige private Träger von
Entwicklungshilfe (vgl. NOHLEN, 1998: 559), wobei den politischen Organisationen eine
gewisse Sonderrolle zugeschrieben wird. Dies äußert sich darin, dass sich alle ,wichtigen`
NROs außer den politischen Stiftungen, also kirchliche und sonstige private Organisa-
tionen in dem Verband Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V.
(VENRO) zusammengeschlossen haben. Dazu gehören rund 100 bundesweit tätige Orga-
nisationen, von denen einige Repräsentanten von NRO-Landesnetzwerken sind. Hierdurch
sind also insgesamt etwa 2000 große, mittlere und kleinere NROs in VENRO vertreten
(vgl. VENRO 2002). Bei ihrer Arbeit werden die nichtstaatlichen Organisationen mit
finanziellen Mitteln des Bundesministeriums unterstützt, die sogenannten ,Bilateralen
öffentlichen Zuschüsse (Nettoauszahlungen) an Nichtregierungsorganisationen aus dem
Einzelplan 23 (BMZ)`. Darin sind die Zuschüsse für die Kirchen als Einzelposten auf-
geführt und die Zuschüsse für andere Organisationen nach Sektoren aufgeteilt, wie z.B.
Förderung gesellschaftspolitischer Bildung, Förderung der Sozialstruktur, Förderung von
Ernährungssicherungsprogrammen (ESP)/Nahrungsmittelhilfe (NMH) und ab 1996
Not und Flüchtlingshilfe (NFH) (vgl. BMZ, 2002b). Eine Aufschlüsselung der Zu-
wendungen für die verschiedenen Organisationstypen existiert nur bis 1994 (vgl. Tab. 1),
d.h.: 1994 betrug der Zuschuß für alle NROs aus dem gesamten Entwicklungshilfehaushalt
des Bundes 10%, wobei die eigenen Leistungen der NROs die öffentlichen Zuschüsse um
etwa das 2½fache übertrafen. Von dieser Summe brachten allein die kirchlichen
Organisationen mehr als zwei Drittel auf (vgl. NOHLEN, 1998: 560).
Tabelle 1: Zuwendungen des Bundes an NROs von 1962 bis 1994 in Mio. DM
1962
1970
1975
1980
1985
1990
1994
1999*
Kirchen
34,3
68,20
110,00
148,00
210,60
273,4
294,00
Pol. Stiftungen
0,13
44,05
92,45
159,80
225,10
304,00
347,60
Andere
8,08
14,68
21,99
43,60
55,86
140,40
Insgesamt**
34,43
120,33
217,13
329,79
479,30
633,26
782,00
805.83
*
Für 1999 lag nur der Betrag der Gesamtzuwendungen vor.
**
Die Zahlen dieser Zeile weisen bis auf das Jahr ,1999` Abweichungen zur Quelle der offiziellen
BMZ-Homepage auf. Dort gibt das BMZ größere Summen an. Die Auswirkungen dieser
Abweichung kann für die anderen Zeilen nicht ermittelt werden.
Quelle: BMZ. In: NOHLEN, 1998: 559 und BMZ, 2002b
Die finanzielle Unterstützung durch das BMZ resultiert aus der Tatsache, dass die
Bundesregierung die NROs als wesentliches Element der bundesdeutschen Entwicklungs-
1 International wird meist der Begriff NGOs (Non Governmental Organizations) benutzt.
13
hilfepolitik ansieht. Gerade nichtstaatliche Träger sind dementsprechend geeignet, gesell-
schaftliche Zielgruppen in den Entwicklungsländern direkt anzusprechen und mit ihnen
zusammenzuarbeiten, wobei sie den Selbsthilfewillen der Bevölkerung besser mobilisieren
und mit gesellschaftlichen Gruppen, welche zu den Unterprivilegierten gehören, zu-
sammenarbeiten können. Weiterhin geht die Bundesregierung wohl davon aus, dass sich
diese Arbeit auf das politische Bewußtsein in der BRD zurückwirken könne (vgl.
NOHLEN, 1998: 560).
Auch das Development Assistance Commitee (DAC) gibt Kriterien für die Arbeit von
NROs vor. Diese sind:
· Unabhängigkeit vom Staat,
· demokratische und transparente Organisationsstruktur,
· breite Basis in der Bevölkerung,
· offene Mitgliedschaft,
· verantwortliches und leistungsfähiges Management,
· klare und konkrete Ziele,
· Bereitschaft zur Zusammenarbeit und zur Mitwirkung an Reformen.
Dabei wird das strategische Ziel für die Arbeit der NROs in der Überwindung der struk-
turellen Ursachen der Armut gesehen (vgl. NOHLEN, 1998: 560).
Grob unterteilen lassen sich NROs in politische Stiftungen, kirchliche Organisationen und
sonstige Stiftungen privater Träger bzw. sonstige NROs. Für Letztere wird hier auf eine
detaillierte Beschreib ung aufgrund der Diversität der einzelnen Organisationen verzichtet.
Politische Stiftungen
Die politischen Stiftungen nehmen innerhalb der durchführenden Organisationen der
deutschen Entwicklungshilfe eine Sonderstellung ein, die sich aus ihrer Organisations-
struktur und ihrem gesellschaftspolitischen Grundauftrag ergibt (vgl. BORRMANN u.a.,
1999: 236). Sie sind strukturell wie personell mit den ent sprechenden, im Bundestag ver-
tretenen politischen Parteien verbunden. Diese sind:
· Friedrich-Ebert-Stiftung (FES),
· Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS),
· Friedrich Naumann Stiftung (FNS),
· Hanns-Seidel-Stiftung (HSS),
· Heinrich-Böll-Stiftung (HBS),
· bis 1995 Stiftungsverband Regenbogen (SVR) (vgl. NOHLEN, 1998: 636).
Daneben prägen ihre gesellschaftspolitischen Aktivitäten im In- wie auch im Ausland,
sowie ihre Rolle als Plattform für die politische Diskussion, ihre Tätigkeiten auch dort, wo
sie im Auftrag des BMZ als Träger von Maßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit
aktiv werden (vgl. BORRMANN u.a., 1999: 236). Obwohl sie von staatlicher Seite
14
beträchtliche Unterstützung erhalten, zählen sie dennoch zu den nichtstaatlichen Organisa-
tionen. Sie erha lten dabei Zuwendungen für
,,Vorhaben der Gesellschafts- und Strukturpolitik, die im Einklang stehen mit den
entwicklungspolitischen Grundlinien der Bundesregierung und darauf ausgerichtet sind, im
Rahmen der durch die Menschenrechtserklärung der VN festgelegten Ziele in den Partnerländern
einen nachhaltigen Beitrag zu leisten zur Festigung demokratischer Strukturen, zur Förderung
einer eigenständigen, ökologisch nachhaltigen und sozial gerechten wirtschaftlichen
Entwicklung und zur Intensivierung der regionalen und internationalen Verständigung und
friedlichen Zusammenarbeit" (BMZ, 1998. In: BORRMANN u.a., 1999: 236).
Es wird also bei den Zuwendungen unterschieden in Maßnahmen der
Sozialstrukturpolitik
und Maßnahmen der
Gesellschaftspolitik
.
Bei den Maßnahmen zur Verbesserung der
Sozialstruktur
in Entwicklungsländern handelt
es sich dabei größtenteils um TZ-Vorhaben, wie sie z.B. auch von der GTZ durchge führt
werden. Diese sind:
· Verbesserung der politischen, rechtlichen und administrativen Rahmenbedingungen für
die wirtschaftliche und soziale Entwicklung breiter Bevölkerungsschichten,
· Unterstützung von Selbsthilfeaktivitäten, vor allem benachteiligter Bevölkerungs-
gruppen,
· Unterstützung von Maßnahmen der Gemeindeentwicklung,
· Aufbau von Einrichtungen zur wirtschaftlichen und sozialen Sicherung von Rand-
gruppen,
· Schaffung von Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten, einschließlich beruflicher Bil-
dung,
· Förderung von Handwerk und Kleinindustrie im formellen und informellen Bereich,
· Bereitstellung von Finanzierungsinstrumenten für benachteiligte Bevölkerungsgruppen
(vgl. BORRMANN u.a., 1999: 237).
Im Gegensatz dazu decken die Maßnahmen der
Gesellschaftspolitik
ein breites Spektrum
von Bildungs-, Beratungs- und sonstigen Unterstützungsprogrammen auf der Makro- und
Mesoebene der politischen und sozialen Entwicklung und auf der Basis einer freiheitlichen
Demokratie und sozialen Gerechtigkeit ab. Diese Programme werden dabei in der Regel
von den politischen Stiftungen selbst und den von ihnen in einigen Entwicklungsländern
ins Leben gerufenen Forschungseinrichtungen und Begegnungsstätten durchgeführt und
unterscheiden sich damit von den projektgebundenen Maßnahmen der Sozialstrukturhilfe
(vgl. BORRMANN u.a., 1999: 237).
Insgesamt gesehen arbeiten die politischen Stiftungen eng mit gesellschaftlichen und poli-
tischen Gruppen, wie z.B. politische Parteien, Gewerkschaften, Genossenschaften, Selbst-
hilfeorganisationen, Jugend- und Frauenverbände etc. in den Entwicklungsländern zu-
sammen. Die Stiftungen selbst betonen grundlegende Übereinstimmungen in den poli-
tischen Zielsetzungen, wobei sie nicht miteinander konkurrieren, aber auch nicht in ge-
meinsamen Projekten kooperieren. Ihr informeller Erfahrungsaustausch beschränkt sich
eher auf das BMZ und ihre Auslandsmitarbeiter an den verschiedenen Einsatzorten. Die
15
Arbeit der politischen Stiftungen wird durch Wahlen und Regierungswechsel nicht
beeinträchtigt, da sie in den Konsensbereich der Parteien in der BRD fällt. Politische
Stiftungen haben bisweilen einen größeren Handlungsspielraum als staatliche Organisa-
tionen, da sie in eigener Verantwortung auch mit gesellschaftlichen Gruppen der
Entwicklungsländer zusammenarbeiten können, die nicht Teil der bestehenden
Herrschaftsstruktur sind. Dennoch bedürfen ihre Projekte der Abstimmung mit dem
Auswärtigen Amt, so dass letztlich doch von einem Primat der Außenpolitik gegenüber der
Entwicklungshilfepolitik der Stiftungen ge sprochen werden kann (vgl. NOHLEN, 1998:
636f.).
Kirchliche Organisationen
Ziele und Grundsätze der kirchlichen Organisationen im Allgemeinen zu formulieren ist
sehr schwierig, da es in der BRD zwei grob zu unterteilende Glaubensrichtungen gibt,
nachdem sich auch die kirchlichen Entwicklungshilfeorganisationen einteilen lassen in
evangelische und katholische Organisationen. Wichtig in diesem Zusammenhang sind die
zentralen Stellen der Entwicklungshilfe der jeweiligen Kirchen, nämlich die evangelische
Zentralstelle für Entwicklungshilfe e. V. (EZE) und die katholische Zentralstelle für
Entwicklungshilfe e. V. (KZE). Die EZE und KZE wurden beide 1962 als Folge der
Vereinbarung der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit zwischen der Römisch-
Katholischen Kirche, der Evangelischen Kirche sowie der Bundesregierung als ,einge-
tragene Vereine` (e. V.) ge gründet (vgl., BORRMANN u.a. 1999: 289). Beide Zentral-
stellen arbeiten eng zusammen, mit dem Ziel, ,,die Not der Menschen in den Entwicklungs-
ländern zu lindern und an der Schaffung gerechter sozialer Ordnungen mitzuwirken"
(BMZ u.a., 1997: 4. In: BORRMANN u.a., 1999: 290). Ebenso arbeiten beide mit dem
BMZ zusammen, wofür man sich auf drei Grundsätze geeinigt hat:
1. Die Zentralstellen treffen die Auswahl der zu fördernden Projekte und sind in ihrer
Programmgestaltung unabhängig.
2. Mit der Gewährung der Bundesmittel sind keine politischen Auflagen verbunden.
3. Projekte mit missionarischem Charakter scheiden aus der Förderung aus (vgl.
NOHLEN, 1998: 426).
Darüber hinaus existieren dennoch Richtlinien, die dem BMZ zwei Kontrollmöglichkeiten
über die kirchlichen Entwicklungshilfe einräumen: erstens prüft es, ob die von den
Zentralstellen geplanten Vorhaben den gemeinsamen vereinbarten entwicklungspolitischen
Zielsetzungen entsprechen; zweitens, ob gegen die Projekte außenpolitische Bedenken be-
stehen. Das BMZ hat zudem noch das Recht, Evaluierungen der geförderten Projekte
durchzuführen. Die Genehmigung von Projektanträge n ist seit 1991 jedoch vereinfacht
worden, was aus dem wachsenden Vertrauen in die kirchlichen Organisationen resultiert
(vgl. NOHLEN, 1998: 426). Demnach treffen die Zentralstellen die Aus wahl der Projekte
überwiegend allein. Das bedeutet, dass bei über 70% aller staatlich geförderten Vorhaben
16
dies im Rahmen sogenannter Globalbewilligungen erfolgt, d.h. es werden Kompetenzen
eingeräumt, selber über einzelne Vorhaben zu entscheiden. Übersteigt die Fördersumme
des BMZ die 5 Mio. DM-Grenze, oder sind die Projekte entwicklungspolitisch besonders
bedeutsam oder schwierig, sind Einzelbewilligungen vorgesehen (vgl. BORRMANN u.a.,
1999: 290).
Evangelische Entwicklungshilfe
Die evangelische Entwicklungszusammenarbeit begann mit der Gründung der Welthunger-
hilfe 1959, die zunächst nur eine einmalige Aktion darstellen sollte, aber sich aufgrund des
großen Erfolges dauerhaft etablierte. 1960 kam der Personaldienst Dienste in Übersee
(DÜ) sowie 1962 die EZE als Organisation der Entwicklungsarbeit hinzu. Zunächst war
das vorrangige Ziel das Beschaffen möglichst großer Geldsummen, um möglichst viele
Projekte unterstützen zu können, welche das Leid in der Welt lindern sollten. Erst 1973
wurde von der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) die Denk schrift ,Der Ent-
wicklungsdienst der Kirche ein Beitrag für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt′ her-
ausgegeben, welche das erste umfassende, noch heute gültige und 1986 von der EKD-
Synode bestätigte Grund lagendokument der EKD zur Entwicklungsarbeit darstellt.
Entwicklungsarbeit ist demnach Folge und zugleich Realisierung des Glaubens. Der
Entwicklungsdienst ist also eine ent scheidende Bewährungsprobe für den Glauben. Er ist
ebenfalls Teil des Gesamtauftrages, den die Kirche in der Nachfolge Jesu Christi vom
Neuen Testament ableitet. Aber auch ökume nische Solidarität ist ein wesentliches
Merkmal des kirchlichen Ent wicklungsdienstes. Die Nord-Süd Beziehungen werden als
internationale Frage verstanden. Der Ent wicklungsdienst der evangelischen Kirche ist ein-
gebunden in die entwicklungspolitische Diskussion der weltweiten Ökumene, wo folgende
Themen besonders wichtig sind:
· Diakonia (Liebesdienst),
· Ökumenische Solidarität im Kampf für Frieden und Gerechtigkeit für die Armen (vgl.
NOHLEN, 1998: 424).
Demgegenüber größeres Gewicht haben die politischen Motive der Entwicklungsarbeit: es
ist das Konzept der gerechten, partizipatorischen Gesellschaft und die ,Bewahrung der
Schöpfung`. Im Zuge des Demokratisierungsprozesses in Entwicklungsländern neu hinzu-
gekommen sind aber auch Wahrung der Menschenrechte und Stärkung der Zivilgesell-
schaft, sowie beeinflusst von der UN die Förderung der Stellung der Frauen in der
Gesellschaft. Gleichermaßen ist die Überzeugung gewachsen, die strukturellen Rahmen-
bedingungen auf nationaler wie internationaler Ebene zu verändern, statt nur Armut
mithilfe der Projektförderung zu beseitigen. Ein letzter, noch zu nennender wesentlicher
Bestandteil der Entwicklungsarbeit evange lischer Kirchen ist der Dialog mit den
Partnerorganisationen und die Respektierung ihrer Autonomie, wozu auch die
Bemühungen gehören, Entsche idungskompetenzen auf die Partner im Sinne des Abbaus
17
der Dominanz des Geldgebers (transfer of power) zu verlangen. Daher sehen sich die
kirchlichen Institutionen als Anwalt der Armen gegenüber multilateralen Institutionen wie
z.B. EU und Weltbank (vgl. NOHLEN, 1998: 424f.).
Katholische Entwicklungshilfe
Die katholische Entwicklungshilfe begann 1958, als die bereits bestehenden Einzel-
initiativen zur Bekämpfung des weltweiten Hungers in einer umfassenden, bischöflich
geleiteten, ,Aktion der deutschen Katholiken gegen Hunger und Krankheit in der Welt`
unter dem Namen ,Misereor` zusammengeführt wurden. In den folgenden Jahren wurden
die Arbeitsge meinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH), der Katholische Akademische
Auslandsdienst (KAAD), sowie die katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe e.V.
(KZE) gegründet. Die Entwicklungsarbeit der katholischen Kirche basiert auf der
katholischen Soziallehre. So wird die soziale Frage als eine weltweite Frage gesehen, die
sich auf die strukturellen Ursachen der Verarmung konzentriert, worin sich Entwicklung
als Humanisierung begreift und nicht nur als Wachstum (vgl. NOHLEN, 1998: 425).
Im Bereich der Fachdiskussion der kirchlichen Entwicklungsorganisationen bilden sich
drei Handlungsbereiche heraus:
1. Die ,Direkte Hilfe`: Vor allem der Einfluss lateinamerikanischer Theologien mit ihrer
Option für die Armen kommt hier zum Ausdruck. Die solidarische Sorge soll aber
keine Fürsorge sondern eine Unterstützung sein, für sich selbst sorgen zu können.
Daraus ergibt sich eine dreigliedrige Struktur der Entwicklungsarbeit: Hilfswerke in
den Industrieländern; (kirchliche und nichtkirchliche) Partnerorganisationen in den
Entwicklungsländern sowie deren Zielgruppen.
2. Strukturveränderungsarbeit: Hauptsächlich sollen hier die Ursachen der Verarmung
beseitigt werden. Dafür bedarf es organisatorischer Selbsthilfe, aber auch politischer
Einflussnahme im eigenen Land, in den Entwicklungsländern sowie bei inter-
nationalen Organisationen.
3. Inlandsarbeit: Wichtige Schwerpunkte sind dabei Information über die Situation in den
Entwicklungsländern und entwicklungspolitische Themen zu bieten, solidarisches
Handeln motivieren und inspirieren, die Interessen der Armen der Entwicklungsländer
anwaltschaftlich vertreten, ökologisch-politische Veränderungen im eigenen Land zu-
gunsten dieser Armen in den Entwicklungslä ndern diskutieren, etc. (vgl. NOHLEN,
1998: 425f.).
18
2
Theoretischer Bezugsrahmen
2.1 Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit als System von
Organisationen
,,Organisationen sind hochkomplexe soziale Gebilde. Es ist unmöglich, alle ihre Eigen-
schaften und alle Beziehungen zwischen ihren Elementen in einer Theorie zu erfassen"
(KIESER, 1993: 1). Trotz Aussagen dieser Art sind in der Fachliteratur durchaus allgemein
gültige Merkmale von Organisationen zu finden. Organisationen zeichnen sich demnach
dadurch aus, dass in ihnen eine ,,Mehrzahl von Menschen zu einem spezifischen Zweck
bewußt zusammenwirken" (BERNSDORF, 1975: 588). Sie weisen des weiteren ge plante
als auch ungeplante Prozesse und Strukturmerkmale auf (vgl. BERNSDORF, 1975: 588).
Diese sehr einfache manche würden auch ,,ungenaue Definition" sagen ist für die
vorliegende Arbeit durchaus zweckmäßig, da nicht die
einzelnen Organisationen
an sich
untersucht werden sollen, sondern ihre soziale Beziehung untereinander (vgl. WEBER,
1972: 13). Es kommt hier also nicht darauf an zu bestimmen, welche Entscheidungs-
struktur z.B. in Organisation X zu finden ist, sondern ob und wie Organisation X mit
Organisation Y interagiert.
Dazu werden in der Arbeit alle Organisationen insgesamt, in Anlehnung an HILL u.a.
(1989), als eine Art ,Supersystem` angesehen, innerhalb dessen jede einzelne Organisation
ein Element darstellt (HILL u.a., 1989: 21). Im Unterschied zu HILL u.a., welche den
Begriff ,Supersystem` auf
eine
einzelne Organisation anwenden, in der z.B. Individuen die
Elemente darstellen, aus denen sich das ,Supersystem` zusammensetzt, wird hier der
Begriff verwandt, um das Objekt der Untersuchung, d.h.
alle
deutschen Organisationen der
Entwicklungszusammenarbeit, zu erfassen. ,,Unter einem
System
kann ganz allgemein eine
(...) Gesamtheit von Elementen mit Beziehungen zwischen diesen Elementen verstanden
werden" (HILL u.a., 1989: 21). Das bedeutet für diese Untersuchung, dass die einzelnen
Organisationen also die Elemente im Gesamtsystem aller Organisationen darstellen.
Darüber hinaus werden auch nicht die einzelnen Elemente genauer untersucht, sondern die
Interaktion, die zwischen ihnen besteht. Somit ist die Verwendung des Begriffs
,Supersystem` für alle deutschen EZ-Organisationen durchaus hilfreich. Auch HILL u.a.
sind der Ansicht, dass die Beziehungen zwischen den Elementen im Fokus der Betrachtung
stehen und nicht die Elemente selbst, denn das Ganze kann nicht erfasst werden, indem
einfach die Kenntnisse über die einzelnen Elemente aufsummiert werden (vgl. HILL u.a.,
1989: 21). Auch in der Gestaltpsychologie stellten VON EHRENFELS und
WERTHEIMER fest, dass das komplexe Ganze Eigenschaften besitzt, die allein aus der
Kenntnis der Elemente heraus nicht zu erwarten sind (vgl. RECHTIEN, 1984: 89 und
METZGER, 1986: 102). Oder anders ausgedrückt: ,Das Ganze ist mehr als die Summe
seiner Teile`.
19
Das Supersys tem ,deutsche EZ-Organisationen` stellt also eine soziale Struktur dar,
welche hier unter dem Gesichtspunkt des Kommunikationsaspektes untersucht wird. Es
gibt
nicht die
eine
soziale Struktur es lassen sich vielmehr nur bestimmte Aspekte der
sozialen Struktur erfassen, was in diesem Fall der Kommunikationsaspekt ist (vgl.
MELBECK, 1987: 12). LUHMANN (1988) sieht Kommunikation sogar als die
grundlegende Bedingung für soziale Systeme. ,,Der elementare, Soziales als besondere
Realität konstituierende Prozeß ist ein Kommunikationsprozeß" (LUHMANN, 1988: 193).
Zu beachten ist hier allerdings, dass nicht ihre kommunikativen Beziehungen, sondern ihre
Eigenschaft als EZ-Organisation diese Organisationen zu Elementen des ,Supersystems`
werden lässt. Insgesamt wird hier also ein ausschließlich systemzentrierter Ansatz benutzt,
in dem die Organisationen als eigenständige Ak teure mit eigenen Interessen und
kommunikativen Beziehungen untereinander aufgefasst werden (vgl. MELBECK, 1987:
12). Dabei stehen diese kommunikativen Beziehungen im Fokus des Untersuchungs-
interesses.
Wichtige Systemeigenschaften für das Supersystem ,deutsche EZ-Organisationen` sind
Offenheit, Komplexität
und
Dynamik
(vgl. HILL u.a., 1989: 22f.).
Offenheit
bedeutet, dass
ein organisiertes System, auch von äußeren Gegebenheiten beeinflusst werden kann hier
z.B.: die deutschen Entwicklungshilfeorganisationen werden durch die Weltbank beein-
flusst.
Komplexität
ist der Reichtum an Be ziehungen innerhalb des Systems sowie
zwischen dem System und seiner Umwelt, was sich vor allem in der Intensität der
Kommunikationsbeziehungen ausdrückt. ,,Dynamik bezieht sich auf die Änderung des
Systemzustands in der Zeitdimension" (HILL u.a., 1989: 23), d.h. Systeme können sich im
Laufe der Zeit durchaus auch verändern - sie sind keine starren Gebilde.
2.2 Horizontales Lernen durch Kommunikation
Bevor Kommunikation und der damit verbundene Prozess genauer erörtert wird, wird an
dieser Stelle zunächst dem Ergebnis der Kommunikation zwischen den Organisationen
dem
horizontalen Lernen
nachgegangen. Für diesen Zweck genügt es vorerst, wenn
Kommunikation als Informationsaustausch zwischen einem Sender und einem Empfänger
definiert wird.
Es besteht die grundlegende Annahme, dass Organisationen gerade durch den bewussten
Austausch von Informationen dies beinhaltet sowohl die Weitergabe von eigenem, wie
auch die Annahme von anderem Wissen lernen können. Ausgehend von der Definition
von DUNCAN und WEISS (1979), ist organisationales Lernen die ,,Erweiterung und
Veränderung (growth and change) der organisationellen Wissensbasis" (DUNCAN und
WEISS, 1979: 87). Die organisationelle Wissensbasis ist in diesem Fall das Wissen aller
Einzelorganisationen des ,Supersystems` der deutschen Entwicklungshilfeorganisationen.
20
Ein Merkmal dieser Wissensbasis ist, dass sie über Kommunikation zugänglich sein muss.
Mit anderen Worten: Es gibt eine Wissensbasis der deutschen Entwicklungshilfe-
organisationen, die nur erweitert und verändert werden kann, wenn Zugriff auf diese
Wissensbasis durch Kommunikation zwischen den einzelnen Organisationen besteht.
Organisationen können also nur durch Austausch von Informationen auf kommunikativem
Wege voneinander lernen. Dieses ,voneinander Lernen` der Organisationen wird auch als
horizontales
organisationales Lernen
bezeichnet. Die
Unterscheidung
von
organisationalem
Lernen und
horizontalem organisationalen
Lernen ist wichtig, da es in
den meisten Theorien des Organisationslernens nur um den Informationsaustausch
innerhalb einer Organisation geht. Die Untersuchungsobjekte beim organisationalen
Lernen sind nämlich meist wirtschaftliche Organisationen, die einen Wettbewerbsnachteil
hätten, würden sie all ihr Wissen an andere Organisationen weitergeben. Sicherlich gibt es
auch dort Kooperationen, aber dabei sind Informationen meist Waren, mit denen die Orga-
nisationen handeln. Weiterhin versprechen sich diese Organisationen durch den Handel mit
Informationen Wettbewerbsvorteile. Da es sich hier aber um Non-Profit-Organisationen
handelt, die Informationen nicht aus wirtschaftlichen Gründen zurückhalten müssen, gibt
es nur wenige Gründe für das Zurückhalten von Informationen, wie beispielsweise den
Partnerschutz.
GEIßLER (1994) drückt das Organisationslernen wie folgt aus: Ein ,,noch unverbundenes
Einzelwissen muss ausgetauscht und bearbeitet werden. [...]. Mit Bezug auf eine Gruppe
können wir ihn [den Lernprozeß] als interpersonelle Kommunikation im Sinne eines Aus-
tausches von Wissen und Argumenten und ihrer gemeinsamen Bedeutung ausweisen und
ihn in diesem Sinne als Gruppenlernen bezeichnen" (GEIßLER, 1994: 221). Auch wenn es
verschiedene Interessen zwischen den einzelnen Organisationen gibt, wird die Funktions-
fähigkeit aller Organisationen als Ganzes dadurch bewahrt, dass sie sich durch die Weiter-
gabe organisationsrelevanten Wissens, den ständig verändernden Bedingungen, die z.B.
aus der Offe nheit des Systems resultieren, lernend anpasst. (vgl. GEIßLER, 1994: 221).
Der tatsächliche Lernerfolg kann in dieser Arbeit allerdings nicht gemessen werden. Da
Organisationen aber durch den Austausch von Informationen voneinander lernen können,
liegt es nahe, anzunehmen, in einem gut ausgebauten Kommunikationsnetzwerk ist die
potentielle Lernmöglichkeit
größer, als in einem Netzwerk, in dem nur wenig Kommu-
nikation stattfindet. Sind die kommunikativen Beziehungen also stark vernetzt und gut aus-
geprägt, ist auch der Informationsaustausch sehr hoch. Infolgedessen ist die Möglichkeit
des Voneinander-Lernens und somit der Verbesserung bzw. der Bewahrung der
Funktionsfähigkeit der deutschen Entwicklungshilfe potentiell gegeben so die Annahme.
Demzufolge wird in dieser Arbeit aufgezeigt, ob und wie eine Grundlage für gege nseitiges
organisationales Lernen ein horizontales Lernen der Organisationen besteht, nämlich
ob ein gut ausgebautes Kommunikationsnetzwerk der deutschen EZ-Organisationen
existiert. Somit wird das Aussehen des Netzwerks zur zentralen Fragestellung, um daraus
21
die potentielle Lernmöglichkeit im Netzwerk deutscher EZ-Organisationen ableiten zu
können. Ziel ist es also, die Grundlage des horizontalen organisationalen Lernens das
Kommunikationsnetzwerk der deutschen EZ-Organisationen zu untersuchen.
2.3 Kommunikation als Mittel des Informationsaustauschs zwischen
Organisationen
Der Begriff der Kommunikation
Bevor die Frage, wie Kommunikation zwischen Organisationen funktioniert, beantwortet
werden kann, muss zunächst der Begriff der Kommunikation geklärt werden.
Kommunikation wird meist definiert als Prozess des Austausches von Informationen
zwischen einem Sender und einem oder mehreren Empfängern (vgl. TERLUTTER, 1999:
180). Oder anders ausgedrückt: ,,Wer sagt was, wie, zu wem?" (FISHBEIN und AJZEN,
1975: 451f.. In: NEWMAN und andere, 1987: 199). Auch für LASWELL (1948) gestaltet
sich der Sachve rhalt der Kommunikation ähnlich. Ihmzufolge sollte ein Kommuni-
kationsprozess folgende Frage beantworten. ,, (1) Wer (2) sagt was (3) über welchen Kanal
(4) zu wem (5) mit welcher Auswirkung?" (vgl. LASWELL, 1948: 37-51. In:
TERLUTTER, 1999: 183).
Abbildung 1: Elemente im Kommunikationsprozess
Ver-
Medien
Ent-
Em-
Sender
schlüsse-
schlüsse-
Botschaft
pfänger
lung
lung
Störsignale
Rückmeldung
Wirkung
Quelle: TERLUTTER, 1999: 183
22
Es gibt demnach zwei Hauptbeteiligte in jedem Kommunikationsprozess: den Sender und
den Empfänger. Träger der Kommunikation sind Botschaft und Medien. Die
Teilfunktionen des Kommunikationsprozesses beinhalten Codierung der Botschaft durch
den Sender und Decodierung durch den Empfänger. Des Weiteren beinhaltet der
Kommunikationsprozess noch Störsignale, Rückmeldungen ein sogenanntes Feedback
und die Wirkung der Kommunikation2 (vgl. Abb. 1). Neben der Informationsübermittlung
besitzt Kommunikation auch den Nebeneffekt der Entisolierung (vgl. McCALL und
COUSINS, 1990: 3), und zwar dadurch, dass eine Reaktion erwartet wird, und so der
Sender zum Empfänger wird.
LUHMANN (1988) wehrt sich allerdings gegen einen Kommunikationsbegriff, in dem
Kommunikation eine Metapher für Übertragung darstellt (vgl. LUHMANN, 1988: 193).
Für ihn würde Übertragung bedeuten, dass man etwas weggibt, etwas verliert. Da dies aber
nicht geschieht, sieht er Kommunikation nicht bloß als Übertragung an. Für ihn ist sie
vielmehr ein selektives Geschehen, und zwar ausgehend vom Sinnbegriff (vgl.
LUHMANN, 1988: 194).
,,Die Selektion, die in der Kommunikation aktualisiert wird, konstituiert ihren eigenen Horizont;
sie konstituiert das, was sie wählt, schon als Selektion, nämlich als Information. Das, was sie
mitteilt, wird nicht nur ausgewählt, es ist selbst schon Auswahl und wird deshalb mitgeteilt.
Kommunikation muß deshalb nicht als zweistelliger, sondern als dreistelliger Selektionsprozeß
gesehen werden" (LUHMANN, 1988: 194),
in dem es nicht nur um Absenden und Empfangen mit selektiver Aufmerksamkeit geht,
sondern auch um die
Selektivität der Information
. Man muss ein
Verhalten
wählen,
absichtlich oder unabsichtlich, dass die Information
mitteilt
. Weiterhin muss
Information
vom Mitteilungsverhalten unterschieden werden, und zum Dritten gibt es noch eine
Erfolgserwartung, bzw. das
Verstehen
(vgl. LUHMANN, 1988: 194ff.). Die Zusammen-
fassung von Information, Mitteilung und Verstehen muss gewährleistet sein, damit
Kommunikation funktioniert, und zwar in einem Akt der Aufmerksamkeit. ,,Begreift man
Kommunikation als Synthese dreier Selektionen, als Einheit aus Information, Mitteilung
und Verstehen, so ist Kommunikation realisiert, wenn und soweit das Verstehen zustande
kommt" (LUHMANN, 1988: 203). Dies setzt auch bei LUHMANN Codierung voraus.
,,Die Codierung muß als operative Vereinheitlichung von Information und Mitteilung
durch Alter [Empfänger] und Ego [Sender] gleichsinnig gehandhabt werden"
(LUHMANN, 1988: 197).3 Der wichtigste Unterschied des LUHMANNschen Kommuni-
kationsbegriff zu den meisten anderen liegt darin, dass er den Teil, der übertragen wird
nämlich die Information als ebenso bedeutsam ansieht, wie die Teile im Kommuni-
kationsprozess, die die Information mitteilen und empfangen. Daher wird gerade dieser
Kommunikationsbegriff in den Lerntheorien, die den Austausch von Informationen als
2 Auf eine Erläuterung von Codierung bzw. Decodierung, Störsignalen während des Kommunikations-
prozesses sowie von möglichen Wirkungen soll im Folgenden nicht weiter eingegangen werden, da es für
diese Arbeit nicht als relevant erscheint.
3 Auch eine nähere Erläuterung der Codierung bei LUHMANN stellt sich für die vorliegende Arbeit als
nicht relevant dar und wird daher nicht weiter ausgeführt.
23
Grundvoraussetzung für ein Voneinander-Lernen annehmen, besonders entscheidend. So
kann nur voneinander gelernt werden, wenn die Information von den an der Kommuni-
kation Beteiligten als zum Lernen relevant angesehen, und damit für den Kommunikations-
prozess selektiert wird. Aus irrelevanten Informationen kann auch bei verstärktem
Informationsaustausch nicht gelernt werden, d.h. nicht nur der Informationsaustausch an
sich, sondern auch die Qualität der Information und die Erkenntnis, das eine bestimmte
Information für andere relevant ist und daher selektiert wird, ist für den Lernerfolg von
Bedeutung.
Kommunikationsbeziehungen zwischen Organisationen
Bei der Kommunikation müssen Sender und Empfänger nicht unbedingt natürliche Per-
sonen sein. Sie können, wie in dieser Untersuchung, auch Organisationen darstellen. Da
die Kommunikation zwischen Organisationen jedoch gewissen Besonderheiten im Gegen-
satz zur Kommunikation zwischen Individuen unterliegt, werden diese im Folgenden
thematisiert.
Zum gezielten Informationsaustausch mit anderen Organisationen wird eine Kommunika-
tionsstelle innerhalb jeder Organisation benötigt, die speziell im Bereich des Austauschs
von Informationen mit anderen Organisationen arbeitet. ,,Ausgerüstet mit Akteuren, die auf
Interaktionen mit anderen Organisationen spezialisiert sind, können sie [die
Organisationen] weitumfassende Informationsnetzwerke aufbauen" (vgl. LAUMANN und
KNOKE, 1987: 208. in: KÖNIG, 1992: 100). Diese
Informationsnetzwerke
dienen in erster
Linie zum Sammeln von Information und zur Koordination von Handlungen. Dabei
werden im Idealfall mehr Daten ge sammelt als überhaupt effektiv verarbeitet werden
können (vgl. KÖNIG, 1992: 99). Die Koordina tion von Handlungen setzt eine gezielte
Kommunikation voraus (vgl. GRANOVETTER, 1985: 481-510. in: KÖNIG, 1992: 100).
Es werden also sehr viele Daten gesammelt mehr als überhaupt benötigt. Mit Hilfe dafür
zuständiger Personen wird dann kommuniziert, um Handlungen zu koordinieren. Dies
geschieht schließlich in einem dafür vorgesehenen Informationsnetzwerk. Darin existieren
zwischen den Organisationen nicht ausschließlich direkte Beziehungen. Manche
Organisationen kommunizieren mit anderen nur durch sogenannte Mittler also indirekt ,
um ihre Ziele zu erreichen (vgl. McCALL und COUSÌNS, 1990: 179). So sind die Or-
ganisationen zum einen durch direkte, zum anderen durch indirekte Kommunikations-
beziehungen miteinander verknüpft, wobei diese Organisationen, je nach Stellung, einen
mehr oder weniger von anderen Organisationen abhängigen Charakter aufweisen (vgl.
McCALL und COUSÌNS, 1990: 179) (s. auch Kapitel 2.4.1). Ebenso gibt es
Organisationen, die, obwohl sie Teil eines Informationsnetzwerks sind, weder direkt noch
indirekt mit anderen Organisationen kommunizieren. Sie sind
unverbundene
Bestandteile
des Netzwerks (vgl. JANSEN, 1999: 88f.). Dies resultiert aus der Tatsache, dass alle
24
Organisationen, selbst wenn sie nicht miteinander kommunizieren, Teil eines Systems sind
(s. dazu auch Kapitel 2.1).
Da der Informationsaustausch zwischen Organisationen durch gewisse interne Abteilungen
geregelt ist, wird das am häufigsten genutzte Mittel zum Informationstransport wohl der
Austausch von Schriftstücken sein. Medien dafür können sein: Brief, Fax und e-mail.
Wege der persönlichen Kommunikation zwischen Mitarbeitern dieser Abteilungen
bestehen in der Nutzung des Telefons oder dem persönlichen Austausch auf Meetings wie
Kongressen, Seminaren, Arbeitsgruppen etc..
Entwicklungsstufen der Kommunikation zwischen Organisationen
Ein weiteres Prinzip, welches für Kommunikation zwischen Organisationen im Allge-
meinen Gültigkeit besitzt, ist, dass die kommunikativen Beziehungen der Organisationen
unterschiedlich stark ausgeprägt sind. McCALL und COUSINS unterscheiden fünf Stufen
der Kommunikation zwischen Organisationen. Diese sind hierarchisch aufgebaut und
Organisationen können zwischen den verschiedenen Kommunikationsstufen wechseln
(vgl. McCALL und COUSINS, 1990: 186ff.)4. Basis der Unterteilung ist der Grad der
Institutionalisierung des Kommunikatons apparates, sowie die zeitliche Dauer der
bestehenden kommunikativen Beziehung.
1.
Die ,Pre-relationship` Stufe
: Sie ist gekennzeichnet durch das Bemühen, Kontakt mit
anderen Organisationen herzustellen. Es herrscht noch soziale, kulturelle, techno-
logische und geographische Distanz zwischen den Organisationen.
2.
Die ,frühe Stufe`
: Hier werden erste Kommunikationswege aufgebaut, wobei die
Unerfahrenheit und die Unsicherheit im Umgang mit den anderen Organisationen sehr
hoch ist. Die Distanzen zwischen den einzelnen Organisationen sind daher auch noch
sehr groß. Es wird hierbei zwischen tatsächlichen und wahrgenommenen Ver-
pflichtungen unterschieden. Die tatsächlichen Verpflichtungen, sowie die wahrge-
nommenen gegenüber den anderen Organisatio nen sind in dieser Stufe noch gering.
Für Bearbeitungen, die der Entwicklung von Kommunikation dienen, werden keine
Kosten gescheut.
3.
Die ,entwickelte Stufe`
: Die Kommunikationswege sind z.B. durch ausgebaute Netze,
Verträge o.ä. bereits verankert. Die Erfahrung im Umgang miteinander verfestigt sich
zusehens, wohingegen Uns icherheit und Distanz allmählich nachlassen. Die tatsäch-
lichen Verpflichtungen gegenüber den anderen Organisationen steigen; die wahrge-
nommenen werden informell bearbeitet. Weitere Merkmale dieser Stufe sind
aufkommende formale und informelle Bearbeitung sowie Kosteneinsparung.
4 McCALL und COUSINS beschreiben eigentlich wirtschaftliche Betriebe, wie so oft in der Organisations-
lehre. Werden jedoch die ökonomischen Eigenschaften der beschriebenen Organisationen vernachlässigt und
eine eher allgemeine Betrachtungsweise benutzt, stellt sich die hier vorliegende Klassifizierung heraus.
25
4.
Die ,Langzeitstufe`
: Nach mehreren Kooperationen sind Kommunikationswege
etabliert. Es besteht schon große Erfahrung der Organisationen im Umgang
miteinander. Uns icherheiten sind durch bereits bestehende, aber noch minimale
Institutionalisierung reduziert. Die Distanz ist bereits sehr gering. Die tatsächlichen
Verpflichtungen an den anderen sind jetzt maximal, wobei die wahrgenommenen
Verpflichtungen sich mehr und mehr verringern. Daneben sind extensive
Bearbeitungen der Fälle und höhere Kosteneinsparung durch immer stärker
aufkommende Institutionalisierung weitere Kennzeichen dieser Stufe.
5.
Die ,finale Stufe`
: Auf dieser Stufe bestehen lang etablierte Beziehungen zwischen den
Organisationen sowie extensive Institutionalisierung.
2.4 Theoretische Erklärungsmodelle für kommunikative Beziehungen
Bisher wurden die allgemeinen Merkmale kommunikativer Beziehungen zwischen Organi-
sationen innerhalb eines Netzwerks dargestellt. Im Folgenden werden nun mögliche
Gründe für das Zustandekommen von Kommunikation zwischen Organisationen erläutert
werden. Diese sind: Macht und Einfluss, gemeinsame Interessen der Organisationen sowie
strukturelle Zwänge im System deutscher EZ-Organisationen.
2.4.1 Kommunikationsbeziehungen als Ausdruck von Macht und Einfluss
Im interindividuellen, verhaltenstheoretischen Ansatz von HOMANS zu Autorität und
Einfluss innerhalb von Gruppen, haben manche Personen mehr Einfluss als andere (vgl.
HALLER, 1999: 172ff.). Wird dieses Modell auf das ,Supersystem` deutscher EZ-
Organisationen übertragen, so sind innerhalb dieses Systems einige Organisationen zu
finden, die mehr Einfluss als die anderen besitzen. Die Fähigkeit andere zu beeinflussen,
wird dann Autorität genannt. Die Beeinflussung an sich beruht auf der Fähigkeit weniger
Gruppenmitglieder, mehrere andere belohnen oder bestrafen zu können (vgl. HALLER,
1999: 174). Diese Definition von Autorität (vgl. HALLER, 1999: 173) steht nicht im
Widerspruch zu Max WEBERS Definition von Macht, in der es heisst: ,,Macht bedeutet
jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen
Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht." (WEBER, 1972: 28)
Macht ergibt sich also durch den Einfluss, und Einfluss ergibt sich aus der Fähigkeit zu
belohnen. Be lohnungen können laut HALLER materieller Natur sein, auf Anerkennung
beruhen, sowie in einem Nichtausführen von Bestrafung, welche potentiell möglich wäre,
bestehen (vgl. HALLER, 1999: 173f.). Belohnungen können aber auch die Weitergabe von
Information und Wissen sein. Die Einflusschancen eines Akteurs liegen also, wie auch bei
WEBER, auf den Ressourcen des Akteurs, wobei diese Ressourcen durchaus auch
26
Informationen sein können (vgl. COLEMAN, 1991: 41). Durch den WEBERschen Ansatz
,,innerhalb einer sozialen Be ziehung" wird die Veränderbarkeit, die Dynamik von
Machtbeziehungen mit eingeschlossen (vgl. MELBECK, 1987: 8f. in: KÖNIG, 1992: 119).
Machtbeziehungen zwischen den Organisationen beruhen also auf Ressourcen und sind
veränderbar. Die Veränderbarkeit ist eine Chance, wenn die Machtverhältnisse zu Un-
gunsten des Funktionierens des ,Supersystems` liegen.
Sobald nun einige wenige Organisationen die Fähigkeit besitzen, andere zu beeinflussen
und alle Organisationen über Kommunikation miteinander vernetzt sind, äußert sich ihr
Einfluss darin, dass die anderen Akteure kommunikativen Kontakt zu diesen
einflussreichen Akteuren suchen. Dadurch weisen in einem Kommunikationsnetzwerk die
beeinflussenden Akteure eine höhere Vernetzung als andere auf. Aus der höheren
Dichte
der Kommunikation leitet sich schließlich eine sowohl
zentrale
als auch
prestigereiche
Position der Kommunikanten im Netzwerk ab. Diese Position gibt nun ihrerseits wieder
Aufschluss darüber, wieviel Kontrolle bzw. Einfluss eine einzelne Organisation besitzt.
Das bedeutet, dass Macht und Einfluss einer Organisation aus deren Position innerhalb
eines Kommunikationsnetzwerks ermittelt werden kann, da diese Position ein Abbild der
tatsächlichen Machtverhältnisse darstellt (vgl. JANSEN, 1999: 123ff. u. 155ff.).
Organisationen, die sich dagegen dem Kommunikationsnetzwerk entziehen, werden dann
kaum von anderen Organisationen beeinflusst, können aber auch keinen Einfluss auf an-
dere ausüben.
2.4.2 Kommunikationsbeziehungen aufgrund von Zielübereinstimmung
Macht und Einfluss müssen nicht der einzige Grund für Kommunikationsbeziehungen sein.
Ein weiterer, sehr wichtiger Grund für Kommunikation zwischen Organisationen ist die
Zielübereinstimmung (vgl. McCALL und COUSINS, 1990: 101), bzw. die Überein-
stimmung von Einstellungen zu einem Objekt. FISHBEIN und AJZEN beschreiben Ein-
stellung (attitude) folgendermaßen5: Einstellung ist ,,a [...] predisposition to respond in a
consistently favorable or unfavorable manner with respect to a given object" (FISHBEIN
und AJZEN, 1975: 6)6. Das bedeutet, dass Einstellungen immer gegenüber einem be-
stimmten Objekt bestehen, die entweder positiv oder negativ sind. Dabei kann das Objekt,
auf das sich die Einstellung bezieht, vielerlei Gesichter haben es kann eine Person sein,
5 Ihre eigentliche Definition lautet: Einstellung ist ,, a learned predisposition to respond in a consistently
favorable or unfavorable manner with respect to a given object" (FISHBEIN und AJZEN, 1975: 6). Diese
Definition ist hier aber nicht zweckmäßig, da andernfalls noch auf den Aspekt des Erlernens der Einstellung
eingegangen werden müsste. Wie sich die Einstellungen gebildet haben, ist hier aber nicht Fokus der
Untersuchung, sondern es geht um die Beschreibung des Kommunikationsnetzwerks. Daher ist die Bildung
der Einstellung hier nicht relevant.
6 In der Definition von FISHBEIN und AJZEN geht es um individuelle Einstellungen, die sich aber
durchaus auch auf Einstellungen von Organisationen übertragen lässt. Denn auch Organisationen besitzen
ebenso wie Gruppen oder Individuen vorgegebene Ziele und Einstellungen zu gewissen Themen, die sie
beispielsweise in ihre Satzung mit aufnehmen, und nach denen sie handeln..
27
ein Thema, eine politische Wertvorstellung etc.. Manche Organisationen verfolgen nun die
gleichen Ziele, haben gleiche Einstellungen zu einem Thema wie andere Organisationen.
Aus diesem Grund tauschen sie verstärkt Informationen untereinander aus es kommt zu
einem einstellungskongruenten Verhalten (vgl. STROEBE u.a., 1996: 621). Verfolgen
verschiedene Orga nisationen nicht die gleichen Ziele und besitzen daher unterschiedliche
Einstellungen, wird ihr Informations austausch dementsprechend geringer sein. Die
Zielübereinstimmung ist also ein weiterer Grund dafür, warum im Informationsnetzwerk
Verbindungen zwischen Organisationen bestehen bzw. nicht bestehen. Der WEBERsche
Begriff des sozialen Handelns liefert eine Begründung dafür. ,,Soziales Handeln aber soll
ein solches Handeln heißen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten
Sinn nach auf das Verhalten a n d e r e r bezogen wird und daran in seinem Ablauf
orientiert ist." (WEBER, 1972: 1) Kommunikation ist soziales Handeln, und daher auch
auf das Verhalten anderer also auf die gleichen Ziele abgestimmt. Organisationen
kommunizieren also eher mit gleich gesinnten anderen Organisationen. Somit entsteht
durch das gemeinsame soziale Handeln hier die Kommunikation eine soziale Bezieh-
ung (vgl. WEBER, 1972: 13) zwischen den Organisationen. Diese sozialen Beziehungen
drücken sich dann unter anderem im Kommunikationsnetzwerk aus, d.h. Organisationen
mit gleichen Einstellungen werden stärker untereinander vernetzt sein, als Organisationen
mit konträren Einstellungen.
2.4.3 Strukturelle Zwänge als Entscheidungslimiter für die Wahl des Kommunika-
tionspartners
Die beiden oben angegebenen Gründe für Kommunikation Macht und Einfluss, sowie
Zielübereinstimmung können letzten Endes im Kommunikationssystem deutscher Ent-
wicklungshilfeorganisationen zu strukturellen Zwängen führen (vgl. GIDDENS, 1988:
364f). Das bedeutet, dass durch Macht wie auch durch Zielübereinstimmung Zwänge aus-
gelöst werden können, die die Menge der möglichen Handlungsalternativen für einen Ak-
teur auf eine Option oder einen Optionstyp beschränken (vgl. GIDDENS, 1988: 365).
Demnach erachtet ein Akteur es nicht als wertvoll, irgend etwas anderes zu tun, als sich zu
unterwerfen. ,,Die dabei getroffene Wahl ist eine negative, insofern man die Folgen der
Nicht-Unterwerfung zu vermeiden sucht" (GIDDENS, 1988: 265). In dem Kommunika-
tionsmodell, dass hier aufgezeigt werden soll, bedeutet dies, dass nicht nur durch Einfluss
und Macht Kommunikation mit den Einflussreichen und Mächtigen gesucht wird, sondern,
dass die Entscheidung dafür in strukturellen Zwängen des Systems liegt. Das gleiche gilt
für die Zielübereinstimmung. Durch diese beiden Möglichkeiten - entweder im einzelnen
oder in Wechselwirkung miteinander werden die Optionen einer Orga nisation für die
Wahl des Kommunik ationspartners stark eingeschränkt. Man entscheidet sich für den
einen Kommunikationspartner nun aufgrund von Machtge fügen und/oder einer gleichen
Einstellung, aber nicht aus anderen Gründen. Denn andere Gründe für die Wahl eines
28
Kommunikationspartners besitzen im System der deutschen EZ-Organisationen nicht die
gleichen notwendigen argumentativen Stärken für eine Entscheidung aufgrund dieser
Beweggründe und damit auch nicht die gleichen Möglichkeiten zur Ausübung eines
strukturellen Zwangs wie die hier beschriebenen. Dabei darf der struk turelle Zwang nicht
mit dem ,nicht anders handeln können` verwechselt werden. Letzteres markiert die
konzeptuelle Handlungsgrenze (vgl. GIDDENS, 1988: 365). Hier soll jedoch betont
werden, dass, obwohl eine Organisation bestimmt mit allen anderen Organisationen
kommunizieren könnte, im Grunde nur eine oder wenige Optionen für eine Organisation in
der Wahl ihrer Kommunikationspartner vorliegen. Dies wird bestimmt durch die im
System deutscher Entwicklungshilfeorganisationen vorliegenden strukturellen Zwänge.
2.5 Zentrale Fragestellung und hypothetische Annahmen
Da bisher keine vergleichbare oder ähnliche Studie existiert, die das Kommunikations-
netzwerk deutscher EZ-Organisationen als Grundlage des horizontalen Lernens zum Ge-
genstand hat, besitzt die vorliegende Arbeit einen eher explorativen Charakter. Dies
bedeutet, dass die zentrale Frage ,, Wie gestaltet sich das Kommunikationsnetzwerk der
deutschen EZ-Organisationen?" zum größten Teil deskriptiv zu beantworten ist. Trotzdem
können in Anlehnung an die Theorien aus der Kommunikationsforschung wissenschaft-
liche Hypothesen formuliert werden. Sowohl für die Beschreibung des Kommunikations-
netzwerks als auch für die Überprüfung der Hypothesen wurde ein standardisierter Frage-
bogen mit teilweise offenen Antwortkategorien entwickelt, mit dessen Hilfe diese
Leistung, wie in Kapitel 3. 1 dargestellt, erbracht wird.
In einem ersten Schritt wird die
Kommunikationsstruktur
des Supersystems ,deutsche EZ-
Organisationen` in allen Details beschrieben. Über den Informationsaustausch werden
dabei die kommunikativen Beziehungen der einzelnen Akteure dargestellt. Dabei können
die Organisationen auf direktem Wege, über Kommunikationsmittler oder überhaupt nicht
miteinander kommunizieren. Die kommunikativen Wege auf denen die Information
ausgetauscht wird, können sowohl einseitig asymmetrisch oder beidseitig sym-
metrisch sein. Oder anders ausgedrückt: Manche kommunikative Beziehungen bestehen
dadurch, dass einige Organisationen ausschließlich an andere Organisationen Informa-
tionen senden, ohne selbst von diesen Informationen zu bekommen. Ebenso der
umgekehrte Fall ist denkbar. Organisationen empfangen ständig von anderen Organisa-
tionen Informationen ohne je selbst Informationen an diese zu verschicken. Durch ihr
kommunikatives Verhalten können sich die Organisationen z.B. zu verschiedenen Gruppen
anordnen, innerhalb derer die Kommunikationshäufigkeit besonders hoch ist. Aus ihrer
Aktivität des Informationsaustauschs können innerhalb des Kommunikationsnetzwerks
aber unter anderem auch Machtstrukturen aufgedeckt werden. Die Methode, welcher sich
29
dafür bedient wird, ist die Netzwerkanalyse. Damit ist es möglich, die kommunikativen
Strukturen des Supersystems ,deutsche EZ-Organisationen` vollständig zu veranschau-
lichen. Aber nicht nur der ausschließlich bewusste Austausch von Information soll in
dieser Phase beschrieben werden. Informationen werden in der heutigen Zeit auch der
breiten Öffentlichkeit angeboten, ohne dass der Informationsanbieter Einfluss darauf hat,
welche Organisationen seine Informationen nutzen. Dies ist im Internet der Fall. Dort
stellen EZ-Organisationen Informationen zur Verfügung ohne zu wissen, wer ihre
Informationen erhält. Doch da diesem Thema im Fragebogen und in einer
Dokumentenanalyse nachgegangen wurde, ist es hier nun möglich zu beschreiben, ob die
deutschen EZ-Organisationen Informationen im Interne t verbreiten und ob andere EZ-
Organisationen dieses Angebot nutzen. Denn dieses beschriebene Verhalten über die
Nutzung des Internets
zur Verbreitung und Erhalt von Informationen durch die deutschen
EZ-Organisationen stellt ebenso ein kommunikatives Verhalten dar, und ist somit in dieser
Arbeit von Bedeutung. Ebenso wichtig ist es aber auch zu beschreiben, für welche
Zielgruppen, neben den anderen deutschen EZ-Organisationen, die Informationen der EZ-
Organisationen noch relevant sind. Es soll aber nicht nur beschrieben werden, ob die zur
Verfügung stehenden Informationen auch für andere Zielgruppen von Bedeutung sind,
sondern ob diese Informationen aus der Sicht der informationsanbietenden Organisation
für die anderen Zielgruppen eventuell sogar relevanter sind als für die anderen deutschen
EZ-Organisationen. Aus der Beschreibung dieser Einschätzung lässt sich schließlich die
Bedeutung des horizontalen Lernens für die EZ-Organisationen ableiten. Denn unter der
Annahme, dass horizontales Lernen zwischen Organisationen auf deren Informations-
austausch beruht, können die Organisationen dennoch nur aus für sie relevanter Informa-
tion lernen (vgl. dazu auch Kapitel 2.2 und 2.3). Sind die vorhandenen Informationen nun
für andere EZ-Organisationen im Vergleich zu anderen Zielgruppen sehr relevant,
verdeutlicht dies eine Bedeutungszumessung des horizontalen Lernens aus Sicht der
informationsanbietenden Organisation. Weiterhin beinhaltet der deskriptive Teil eine
Beschreibung des Institutionalisierungsgrads bezüglich Generierung und Verbreitung von
Evaluationen der EZ-Organisationen, d.h. es soll erstens beschrieben werden, ob die
deutschen EZ-Organisationen Evaluationsabteilungen oder eigenes Evaluationspersonal
besitzen, die für die Organisationen Evaluationen generieren. Zweitens wird erläutert, ob
falls vorhanden diese Evaluationsabteilungen bzw. dieses Evaluationspersonal auch für
die Verbreitung ihrer generierten Information verantwortlich sind, und wenn nicht, in
wessen Aufgabenbereich dies ansonsten fällt.
Wie bereits erwähnt, handelt es sich hier um eine explorative Untersuchung, d.h. um einen
noch neuen, unerforschten Untersuchungsbereich, in dem es möglich ist, ,,neue
Hypothesen zu entwickeln oder theoretische bzw. begriffliche Voraussetzungen zu
schaffen, um erste Hypothesen formulieren zu können." (BORTZ u.a. 1995: 50). Neben
dem deskriptiven Teil über das Aussehen des Kommunikationsnetzwerks stehen zu Be ginn
30
einer solchen Studie wie auch in der vorliegenden Arbeit meistens unspezifischen
Hypothesen, d.h. Hypothesen, die noch keine genaue Angabe über die Größe des
hypothesengemäßen Zusammenhangs, Unterschieds oder der Veränderung zulassen, mit
denen aber dennoch Behauptungen über den Zusammenhang zwischen zwei oder mehreren
Merkmalen, den Unterschied innerhalb einer oder mehrerer Populationen in Bezug auf
bestimmte Merkmale, unterschiedliche Wirkungen durch zwei oder mehrere Treatments
oder die Veränderung eines oder mehrerer Merkmale innerhalb einer Population aufgestellt
werden können (vgl. BORTZ u.a. 1995: 51). Die Hypothesen oder Forschungsannahmen
leiten sich aus dem theoretischen Teil dieser Arbeit ab. Sie beschreiben keine
Kausalbeziehungen, sind aber die zugrunde liegenden Forschungsfragen dieser
Untersuchung, auf welche die Operationalisierung des Fragebogens aufbaut. Sie lauten wie
folgt:
1. Unter der Annahme, dass Machtverhältnisse bzw. Einflussbereiche in einem System
die Gestalt des Kommunikationsnetzwerk bestimmen, kann folgendes festgehalten
werden: Je mächtiger oder einflussreicher eine Organisation innerhalb eines Systems
ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass andere Organisationen
kommunikativen Kontakt zu dieser Organisation suchen bzw. dass die mächtige oder
einflussreiche Organisation kommunikativen Kontakt zu ihnen hat.
Es wird erwartet, dass im System deutscher EZ-Organisationen vor allem zwei
Organisationen bestimmte Macht- bzw. Einflusspositionen besitzen das BMZ und
VENRO. Das BMZ als das übergeordnete Ministerium der staatlichen EZ mit vertrag-
lichen Beziehungen zu ausführenden Organisationen und als Geber von finanziellen
Mitteln ist wohl die einflussreichste Organisation im staatlichen deutschen EZ-Bereich.
VENRO so wird hier angenommen erhält seinen Einfluss im nichtstaatlichen EZ-
Bereich vor allem durch seine Stellung als Dachverband aller NROs. Es wird demnach
die Hypothese (H) aufgestellt, dass BMZ und VENRO mächtige und einflussreiche
Akteure im Supersystem deutsche ,EZ-Organisationen` sind.
H1.1:
BMZ ist ein mächtiger Akteur.
H1.2:
VENRO ist ein mächtiger Akteur.
2. Es besteht die Annahme, dass die gleiche Einstellung zu einem Objekt eine Bedingung
für die Kommunikation zwischen mindestens zwei Organisationen ist, d.h. wenn
zwischen zwei oder mehreren Organisationen eine gleiche Einstellung zu einem Objekt
besteht, ist die Wahrscheinlichkeit der Kommunikation zwischen ihnen groß. Anderer-
seits bedeutet dies auch, dass wenn
unterschiedliche Einstellungen
zum Gegenstand
,Deutsche Entwicklungszusammenarbeit` auftreten, eine Gruppenbildung innerhalb des
Systems der Organisationen der deutschen EZ zu erwarten ist.
31
Es wird hier eine unterschiedliche Einstellung zwischen staatlichen und nichtstaat-
lichen EZ-Organisationen erwartet. Grundlage hierfür ist die Tatsache, dass alle
staatlichen Organisationen die vom BMZ vorgegebenen Grundsätze für die deutsche
Entwicklungshilfe erfüllen müssen und die nichtstaatlichen Organisationen diesem
Reglement nicht so streng unterworfen sind und deshalb auch andere, selbst gesteckte
Ziele verwirklichen können.
H2:
Herausbildung von zwei Gruppen staatliche Organisationen und NROs
aufgrund unterschiedlicher Einstellungen von Regierungsorganisationen
und NROs.
3. Wenn zwischen zwei oder mehreren Organisationen
keine
gleiche Einstellung zu einem
Objekt besteht, ist die Wahrscheinlichkeit der Kommunikation zwischen ihnen gering.
Aufgrund der Tatsache, dass politische Stiftungen
nicht
in gemeinsamen Projekten
kooperieren und der Vielschichtigkeit ihrer politischen Grundeinstellungen wird hier
für die politischen Stiftungen
keine
Kleingruppenbildung erwartet. Weiterhin wird
anstatt einer größeren kommunikativen Nähe zu den NROs, zu denen sie eigentlich
gezählt werden, ein stärkerer Kontakt zu den staatlichen Organisationen für
wahrscheinlich gehalten, da sie oft im Auftrag des BMZ als Träger von Maßnahmen
der Entwicklungszusammenarbeit aktiv werden (vgl. BORRMANN u.a., 1999: 236).
Ferner werden sie von staatlicher Seite auch beträchtlich unterstützt, um ,,Vorhaben der
Gesellschafts- und Struktur politik, die im Einklang stehen mit den ent wicklungspoli-
tischen Grundlinien der Bundesregierung (...)", zu erfüllen. (BMZ, 1998. In:
BORRMANN u.a., 1999: 236).
H3:
Politische Stiftungen bilden aufgrund ihrer unterschiedlichen
Einstellungen
keine
einheitliche Gruppe. Aufgrund gleiche r
Einstellungen mit den staatlichen Organisationen suchen sie deren
kommunikative Nähe.
4. Bei den kirchlichen Entwicklungshilfeorganisationen sind
gleiche
Einstellungen zu
erwarten, was darauf schließen lässt, dass es zu
keiner
Gruppenbildung katholische vs.
evangelische EZ-Organisationen kommt, sondern dass beide Organisationsarten stark
miteinander kommunizieren. Grundlage hierfür ist die Tatsache, dass beide
Zentralstellen der kirchlichen Entwicklungshilfe katholische, wie auch evangelische
eng im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel zusammenarbeiten, nämlich ,,die Not der
Menschen in den Entwicklungsländern zu lindern und an der Schaffung gerechter
32
sozialer Ordnungen mitzuwirken" (BMZ u.a., 1997: 4. In: BORRMANN u.a., 1999:
290).
H4:
Keine Gruppenbildung katholischer und evangelischer EZ-
Organisationen aufgrund gleicher Einstellungen der kirchlichen
Organisationen.
3
Methodisches Verfahren
Nachdem nun geklärt wurde, welchen Nutzen der kommunikative Austausch von Infor-
mation zwischen den deutschen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit für diese
Organisationen selbst hat, welche Hauptgründe für die Wahl des Kommunikationspartners
bestehen und wie die einzelnen und gesamten Kommunikationsbeziehungen des Netz-
werks theoretisch aussehen können, wird im Folgenden nun die Untersuchungsplanung be-
schrieben im Hinblick darauf, dass es sich hierbei um eine explorative und deskriptive
Forschungsarbeit handelt. Dies beinhaltet die Beschreibung der Operationalisierung des
Fragebogens, der untersuchten Stichprobe sowie des Untersuchungsverlaufs.
3.1 Die Operationalisierung der zentralen Fragestellungen
Um den zu beschreibenden Teil der explorativen Studie erfassen und die angenommen
Hypothesen über die mögliche Gestalt des Kommunikationsnetzwerks prüfe n zu können,
wurde ein standardisierter Fragebogen mit teilweise offenen Antwortkategorien entwickelt
(vgl. Abb.1.2 in Anhang 1). Hierfür wurden folgende Begriffe für die Untersuchung
operationalisiert.
3.1.1 Information bzw. Informationsaustausch
Neben der hier untersuchten formellen Ebene werden Informationen sowohl auf infor-
meller als auch auf persönlicher Ebene z.B. auf Tagungen, Workshops und Seminaren
ausgetauscht. Letzteres führt aber eher zu persönlichem als zu organisationalem Lernen.
Daher liegt das Interesse dieser Untersuchung auf der formellen Ebene des Informations-
austauschs zwischen den EZ-Organisationen. Um den Begriff der Information in einem
standardisierten Fragebogen verwenden zu können, wurde bei der Operationalisierung
berücksichtigt, wie Information weitergegeben werden kann, d.h. mit welchem Medium sie
übertragen wird. Die schriftliche Form von Information ist dabei die sinnvollste Lösung, da
33
schriftliche Informationen zählbar und greifbar und damit auch eine überprüfbare Größe
sind. Da es viele Arten der schriftlichen Information von Werbebroschüren bishin zu
Evaluationen gibt, wurde eine Art der Information ausgewählt, welche eine potentiell
höhere Lernmöglichkeit als andere Informationen gewährleistet. Diese Informa tionen sind
so die Annahme ,Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc.` (vgl. Abb. 1.2 in
Anhang 1), also schriftliche Berichte mit inhaltlich stichhaltigen Fakten, da a priori
vorausgesetzt wird, dass ausgehend von diesen Berichtsarten, die Möglichkeit des Lerne ns
für die Organisationen höher ist, als von anderen schriftlichen Informationen, die
ausgetauscht werden können. Die Ergänzung ,etc.` wurde absichtlich in den Ausdruck
,Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc.` eingefügt, um Organisationen, die an der
Untersuchung teilnehmen, aber keine dieser Berichtsarten generieren bzw. besitzen, die
Möglichkeit zur Beantwortung der Frage lässt. Dennoch ist die Richtung der Qualität der
Information durch den Terminus ,Evaluationen, Studien, Untersuchungen` vorgegeben.
3.1.2 Relevanz der horizontalen Lernfunktion
Die erste Frage im Fragebogen dient dazu, herauszufinden, für welche Zielgruppen die
organisationseigenen Informationen (,,Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc."; s.
auch Kapitel 3.1.1) von Bedeutung sind. Dazu wurde die Frage B2 aus einem DAC-
Fragebogen als Vorbild genommen und modifiziert (vgl. DAC, 2001: 96). Neben den vor-
gegebenen Kategorien aus dem DAC-Fragebogen wurde die Kategorie ,,Deutsche EZ-Or-
ganisationen" als weitere Zielgruppe hinzugefügt. Die Zielgruppe ,policy makers and
senior management` (vgl. DAC, 2001: 96) wird weiterhin aufgespalten in zwei verschie-
dene Zielgruppen: ,,Leitung ihrer Organisation" und ,,Politische Institutionen/Entschei-
dungsträger in Deutschland" (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1). Die Zielgruppen, die im DAC-
Fragebogen noch relativ ungeordnet vorliegen, wurden weiterhin geordnet, und zwar von
innerorganisatorischen Zielgruppen bis hin zu ,,Medien und allgemeine Öffent lichkeit"
(vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1). Diese verschiedenen Zielgruppen, für die die Informationen
der Organisationen relevant sein können, repräsentieren dabei das Interesse der
Organisationen, in interne bzw. externe Lernprozesse zu investieren. Oder anders
formuliert: Ist eine Information für eine eher externe Zielgruppe relevant, bedeutet dies ein
Interesse am Austausch von Information mit externen Stellen und somit ein Interesse am
horizontalen Lernen. Dagegen wird eine eigene Information, die hauptsächlich für eine
organisationsinterne Stelle von Bedeutung ist, auch überwiegend intern verbreitet, woraus
ein interner Lernprozess resultiert. Sind die Informationen nun z.B. für andere EZ-
Organisationen relevant, bedeutet dies ein Interesse an externem, horizontalem Lernen der
Organisation. Statt den Begriff ,important` aus dem DAC-Fragebogen beizubehalten,
wurde hier ,relevant` als Bewertungseinheit für die Zielgruppen verwendet (vgl. DAC,
2001: 96 und Abb. 1.2 in Anhang 1). Die Antwortkategorien bezüglich der Wichtigkeit der
34
Zielgruppen reichen von ,sehr grosse Re levanz` bis zu , keine Relevanz` (vgl. Abb. 1.2 in
Anhang 1). Es liegt also eine Antwortskala von 0 bis 3 vor.
3.1.3 Bereitstellung von Informationen via Internet
Um herauszufinden,
ob
die befragte Organisation Informationen im Internet anbietet und
wenn ja, wie groß dieser Anteil im Vergleich zur insgesamt vorhandenen
Informationsmenge der Organisation ist, wurde Frage zwei des Fragebogens entwickelt.
Damit der Anteil der Information im Vergleich zur Gesamtmenge angeben werden kann,
wurde eine offene Antwortkategorie vorgegeben. Falls die befragte Organisation keine
Information im Internet anbot, bestand noch die Möglichkeit anzugeben, ob sie sich zur
Zeit noch in der Vorbereitungsphase befände, Informationen im Internet bereitzustellen,
oder ob sie es ehe r nicht plane aus welchen Gründen auch immer ihre Informationen
via Internet einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1).
Zusätzlich zu Frage zwei des Fragebogens wurde eine
Internetrecherche
durchgeführt,
welche dazu dient, die Angaben der Organisationen, ob sie Informationen im Internet
anbieten noch einem Cross Check zu unterziehen. Die Internetrecherche bewertete das
Vorhandensein
verschiedener Informationsarten und die
Darstellung
dieser Informa-
tionen7.
Die Frage nach Zugriffen auf die Internetinformationen der Organisationshomepage wäre
sicher auch eine interessante Frage gewesen, doch wäre die Beantwortung einer solchen
Frage nur von einer technischen Abteilung innerhalb der Organisation zu leisten, die den
Rest der Fragen nicht hätte beantworten können. Somit würde eine solche Frage nicht mit
dem restlichen Themenkontext des Fragebogens harmonieren, woraus folgt, dass die
verschiedenen Fragen nicht von
einem
zuständigen Ansprechpartner innerhalb der
Organisation hätten beantwortet werden können, was eine praktische Restriktion für den
Rücklauf bedeutet hätte. Außerdem hätte die
Zugriffshäufigkeit
keine
Auskunft über den
Zugriff der EZ-Organisationen
auf die Homepage bieten können. Damit wird die Frage
nicht nur aus praktischen Gründen für diese Arbeit irrelevant.
3.1.4 Weitergabe schriftlicher Informationen
Die dritte Frage überprüft, ob die befragte Organisation Informationen in schriftlicher
Form an andere EZ-Organisationen weitergibt. Wird die Frage bejaht, wird, wie in Frage
zwei, nach einer Einschätzung über den Anteil der weiterge gebenen Informationen in
Bezug zur Gesamtmenge an Information gebeten. Weiterhin wird nach den sechs Organi-
sationen der Entwicklungszusammenarbeit gefragt, die wohl insgesamt die meisten Infor-
7 Diese beiden Variablen ,Existenz einer Informationsart` und ,Darstellung einer Informationsart` besitzen
verschiedene Ausprägungen, die aber erst im Ergebnisteil genannt werden, um die Ergebnisse besser erklären
zu können.
35
mationen der befragten Organisation erhalten. Die beiden Unterfragen zum Anteil der
Information an der Gesamtmenge, wie auch die Frage nach den sechs Organisationen, die
die meiste Information erhalten, sind Schätzfragen mit offenen Kategorien (vgl. Abb. 1.2
in Anhang 1). In dieser Frage soll also insgesamt eine Einschätzung über die Menge
abgegebener Information in Relation zur Gesamtmenge abgegeben werden. Die subjektive
Wahrnehmung, welche der Organisationen die wohl größte Menge an Informatio n
erhalten, soll am Ende mit den Organisationen korrelieren, denen auch am Häufigsten
Informationen zugesandt werden.
In der folgenden Frage wird nach der Häufigkeit der Weitergabe schriftlicher Informa-
tionen an andere EZ-Organisationen gefragt. Anhand der Antworten, welchen
Organisationen Informationen weitergegeben werden, soll das Kommunikationsnetzwerk
deutscher EZ-Organisationen hinsichtlich des
Sendens
von Information beleuchtet werden.
Hierfür werden zunächst die Organisationen der Stichprobe sowie drei offene
Antwortkategorien für die Organisationen, die nicht durch die Stichprobe abgedeckt
werden, als mögliche Antworten vorgegeben. Die befragte Person ist nun angehalten,
anzugeben, ob die eigene Organisation den anderen Organisationen aus der Stichprobe
bzw. den selbst eingetragenen ,sehr oft`, ,oft`, ,selten` oder ,nie` Informationen zusendet.
Falls die befragte Person nicht über die Informa tion verfügt, ob an eine Organisation aus
der Stichprobe ,Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc.` gesandt wurde, sollte sie die
Antwortkategorie ,weiss nicht` verwenden (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1). Die Abstufungen
in der Häufigkeit der zugesandten Information fließt in die Netzwerkanalyse mit ein. Frage
vier kann nur beantwortet werden, sollte die Einga ngsfrage nach der generellen
Bereitschaft, Informationen zu senden in Frage drei mit ,ja` beantwortet sein (vgl. Abb. 1.2
in Anhang 1).
3.1.5 Empfangen schriftlicher Information
Das Empfangen bzw. das ,bestätigte Senden` schriftlicher Information wird durch Frage
fünf abgedeckt. Zunächst wird erfragt, ob die Organisation von anderen EZ-Organisationen
Informationen erhält. Wenn diese Frage mit ,ja` beantwortet wurde, wird anschließend
danach gefragt, von welchen Organisationen der Stichprobe (zusätzlich zu drei offenen
Kategorien) die eigene Organisation mit welcher Häufigkeit (,sehr oft`, ,oft`, ,selten` oder
,nie`) Informa tionen erhält. Sollte die befragte Person nicht über die Information verfügen,
ob an eine Organisation aus der Stichprobe ,Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc.`
gesandt werden, so müsste sie auch hier die Antwortkategorie ,weiss nicht` verwenden.
Die Frage ist also im Grunde vergleichbar mit Frage vier, nur dass nicht das ,
Senden an
`
sondern das ,
Empfangen von
` den Organisationen der Stichprobe überprüft wird (vgl. Abb.
1.2 in Anhang 1).
36
3.1.6 Erhalt von Informationen via Internet
Die Frage sechs des Fragebogens ist dem Aufbau nach der Frage fünf ähnlich, behandelt
aber nicht das Empfangen schriftlicher Information von anderen EZ-Organisationen,
sondern überprüft, ob EZ-Organisationen das Internet nutzen, um Informationen von
Homepages anderer EZ-Organisationen zu beziehen (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1). Ins-
gesamt dient diese Frage zur Ergänzung der Beschreibung des Kommunikationsne tzwerks.
Dadurch kann z.B. überprüft werden, ob die Internetnutzungsbereitschaft vom
Organisationstyp abhängig ist, welche Organisationen besonders oft das Internet als
Datenquelle nutzen, etc.. Ferner können mit den Ergebnissen die Resultate aus den
Angaben der Organisationen aus Frage zwei mittels Cross Check überprüft werden.
3.1.7 Institutionalisierungsgrad der Organisation bezüglich der Generierung und
Verbreitung von Evaluationen
Die letzte Frage des Fragebogens besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil befragt die Orga-
nisation, ob sie eine Evaluationsabteilung bzw. für Evaluationen zuständiges Personal be-
sitzen. Kann die befragte Organisation bei einer der beiden Antwortkategorien die Frage
bejahen, gibt dies Auskunft über den Institutionalisierungsgrad für die Generierung von
Evaluationen. Evaluationen bieten die Möglichkeit, Lernprozesse welcher Art auch immer
in Gang zu setzen und bringen Organisationen dazu, etwas zu lernen (vgl. LEEUW u.a.,
2000: 4). Da gerade Evaluationen solche Lernprozesse auslösen, und Lernprozesse vom
Informationsgehalt abhängig sind, wird angenommen, dass Evaluationen den größten
Informationsgehalt besitzen. Ist für die Generierung dieser Informationsart noch eine
innerorganisatorische Institution im Idealfall eine Evaluationsabteilung in letzter
Instanz zuständig, erhöht man den Informationsgehalt durch die Kontrolle des Evaluations-
prozesses. In der Organisation vorhandene
Evaluationsabteilungen
und für Evaluationen
zuständiges
Personal
sind für die Sicherung der Qualität der Evaluationen besser geeignet,
als Evaluationen durch externes oder sogar fachunkundiges Personal, da so die
Evaluationen vom Entscheidungsträger besser koordiniert und die daraus gewonnenen
Daten auch dort auf direktem Wege zusammenlaufen können. Und ohne Zweifel sind
Evaluationsabteilungen besser organisiert als für Evaluationen zuständiges Personal und
somit für die Erstellung von Evaluationen besser befähigt.
Der zweite Teil der Frage beschäftigt sich dann wieder mit der
Verbreitung
von Infor-
mation. Besitzt die befragte Organisation eine Evaluationsabteilung/fachkundiges Perso-
nal, wird hier nun gefragt, ob diese/s auch für die Verbreitung von Evaluationsberichten
zuständig ist. Sollte dies der Fall sein, besitzt die Organisation einen
hohen
Insti-
tutionalisierungsgrad
bezüglich der Generierung und Verbreitung von Information, da-
durch, dass
beides
von
einem
Ort innerhalb der Organisation aus
gesteuert
wird. Eine Ab-
stufung wird durch eine weitere offene Antwortkategorie vorgenommen: die Verbreitung
37
von Evaluationsberichten kann auch mit anderen Abteilungen geteilt werden. Kreuzt die
befragte Person diese Antwortkategorie an, wurde sie angehalten anzugeben, mit welcher
Abteilung diese Aufgabe geteilt wird. Weitere Abstufungen im Institutio nalisierungsgrad
bezüglich der Generierung und Verbreitung von Information gibt es dann, wenn die
Organisation eine Evaluationsabteilung bzw. fachkundiges Personal für die Generierung
von Evaluationsberichten besitzt, diese aber auch durch andere verantwortliche
Abteilungen weitergegeben werden (offene Antwortkategorie zum Aus füllen) oder wenn
für die Verbreitung überhaupt keine Struktur innerhalb der Organisation vorliegt
(vorgegebene Antwortkategorie). Die Organisationen wurden also mit Frage sieben nach
ihrem Status der Institutionalisierung im Bezug auf die Generierung und Verbreitung ihrer
Information gefragt. (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1).
3.2 Die Stichprobe
Bei der Vielzahl der Entwicklungshilfeorganisationen allein das Institutionenverzeichnis
der DSE beinhaltet schon ca. 300 Organisationen (vgl. DSE, 2000) war die Berück-
sichtigung aller EZ-Organisationen im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich. Daher war es
notwendig aus der Grundgesamtheit eine für die Überprüfung der Fragestellung
hinreichend große Stichprobe zu definieren. Laut BORTZ u.a. ist es zwar für eine
explorative Studie ,,weitgehend unerheblich, wie die Untersuchungsteilnehmer aus der
interessierenden Population ausgewählt werden" (BORTZ u.a., 1995: 70), dennoch soll
hier aber eine Stichprobe festgelegt werden, die ,,ein verkleinertes Abbild der Grund-
gesamtheit (...) hinsichtlich der Repräsentativität der für die Hypothesenprüfung relevanten
Variablen" (FRIEDRICHS, 1990: 125) darstellt. Die Grundgesamtheit (N) besteht aus
staatlichen Organisationen und NROs, wobei die genaue Anzahl nur sehr schwer zu
erfassen ist. Die DSE zählt, wie gesagt, ca. 300 deutsche Organisationen (vgl. DSE, 2000),
VENRO dagegen nennt nur bezüglich der NROs eine Zahl von fast 2000 (vgl. VENRO
2002). Eine reine per Zufallsauswahl gezogene Stichprobe ist auszuschließen, da die
Möglichkeit bestände, vermutete zentrale Spieler im Kommunikationsnetzwerk dadurch zu
verlieren. Eine mehrstufige Auswahl eine Kombination aus bewusster Auswahl und
Zufallsstichprobe erscheint bei den verschiedenen Merkmalsausprägungen der Grund-
gesamtheit als die wohl sinnvollste Lösung (vgl. Abb. 2).
Da die Grundgesamtheit aus relativ homogenen Subpopulationen (Schichten) besteht,
wurde in einem ersten Schritt festgelegt, aus welchen Subpopulationen eine einfache
Stichprobe gezogen wurde. Dies waren staatliche, kirchliche katholische wie evan-
gelische , sonstige nichtstaatliche EZ-Organisationen und politische Stiftungen. Es liegt
also eine geschichtete (stratifizierte) Stichprobe vor (vgl. BORTZ, 2000: 26).
38
Die ,Schicht` der sonstigen NROs gestaltet sich insgesamt sehr heterogen, da einige der
Organisationen in ihrer entwicklungspolitischen Zusammenarbeit eine doch sehr spezielle
Arbeit leisten. Um nun die Schicht der NROs homogener zu gestalten bzw. um für die
Stichprobe aus dieser Schicht repräsentative Organisationen festlegen zu können, wurden
in einem zweiten Schritt folgende Organisationsarten bewusst aus der Stichprobe
ausgeschlossen:
· Organisationen, die sich ausschließlich der Pflege wirtschaftlicher Beziehungen
deutscher Unternehmen in bestimmten Regionen der Welt widmen, wie z.B. der
Australien-Neuseeland Verein e.V.,
· Forschungsinstitute, die sich alleine der Informationssammlung und Dokumentation
von entwicklungspolitischen Schr iften und Forschungsarbeiten über bestimmte Re-
gionen der Welt widmen, wie beispielsweise die deutsche Gesellschaft für Osteuropa-
kunde,
· Institute und Fachrichtungen deutscher Universitäten für Forschung und Lehre im Be-
reich EZ,
· Organisationen, die sich ausschließlich der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit in
Deutschland verschrieben haben,
· Jugendorganisationen im Bereich EZ und
· Umweltorganisationen im Bereich EZ.
Die verbleibenden NROs zeichnen sich durch ihren praktischen Einsatz mittels EZ-
Projekten aus.8
Im dritten Schritt wurde dann festgelegt, wie groß die Stichprobe, die aus den jeweiligen
Schichten gezogen wurde, sein sollte. Dies ergab sich teilweise aus dem nächsten Schritt
der bewussten Auswahl von Organisationen aus den verschiedenen ,Schichten` in die
Stichprobe. So wurden aus der ,Schicht` der staatlichen EZ-Organisationen neben dem
BMZ die
wichtigsten
Vertreter der staatlichen Entwicklungshilfe in Anlehnung an
BORRMANN (2001), aber auch aus
Sicht des BMZ
(s. dazu auch Kapitel 1.1.1), nä mlich
GTZ, KfW, BGR, PTB, CDG, DED, DEG und DSE, bewusst ausgewählt. Dies ergibt eine
Stichprobengröße aus der ,Schicht` der staatlichen Organisationen von n=9. Aus der
Subpopulation der politischen Stiftungen wurden
alle
Organisationen KAS, FES, FNS,
HSS, HBS bewusst berücksichtigt, da politische Stiftungen nicht so zahlreich sind und
eine Stichprobenziehung daher einen Repräsentativitätsverlust zur Folge haben könnte. Die
Stichprobengröße aus der Subpopulation der politischen Stiftungen beträgt also n=5. Die
Anzahl der ausgewählten Organisationen aus der ,Schicht` der kirchlichen Organisationen
wurde doppelt so hoch angesetzt wie die Anzahl der politischen Stiftungen, da
entsprechend der Anzahl der politischen Stiftungen in der Stichprobe je fünf katholische
8 Es wird a priori angenommen, dass gerade Organisationen aus der Praxis sehr viele Erfahrungen
sammeln, und diese Erfahrungen an andere weitergeben können. Die Möglichkeit von diesen Organisationen
zu lernen, ist also höher, ebenso wie das Bestreben dieser Organisationen selbst etwas zu lernen, um ihre
praktische Arbeit zu verbessern.
39
und evangelische Organisationen in die Stichprobe einbezogen werden sollten.
Entsprechend der Anzahl der kirchlichen Organisationen wurden aus der Subpopulation
der sonstigen NROs zehn Organisationen, sowie zusätzlich VENRO als bewusste Auswahl
berücksichtigt. Die Stichprobengröße aus der ,Schicht` der sonstigen NROs beträgt also
n=11.
Abbildung 2: Das Verfahren der Stichprobenziehung
Grundgesamtheit (N): staatl . Org . und NROs
ja
Zufällige Auswahl
nein
nein
Bildung von Schichten
Staatl .
Polit.
Kirchl.
Sonst.
ja
Org .
Stift.
Org.
NROs
Schichten
nein
nein
nein
ja
homogenisieren?
Staatl .
Polit.
Kirchl.
Sonst.
Org .
Stift.
Org.
NROs
Festlegung der
n=9
n=5
n=10
n=11
Stichproben-
größe (n)
b
: BMZ,
b
:
b
: GKKE,
b
: VENRO,
GTZ,
KAS,
EIRENE,
z
: Andheri,
K f W ,
FES,
EED,
A. Medeor,
Bewußte
BGR,
FNS,
D W H H ,
AWO,
Auswahl (b)
PTB,
HSS,
BfdW
MSF,
CDG,
HBS
z
: DCV,
CARE,
DED,
Adveniat,
DESWOS,
Zufallsaus-
DEG,
Misereor,
Help, Kübel
wahl (z)
DSE
Malteser,
Stift., m.i.,
Kolping
SODI
+ n=2
Bewußtes
ZGB, ZA
Nachziehen
Quelle: eigene Darstellung
Der vierte Schritt der Stichprobenziehung umfasste, wie bereits erwähnt, eine bewusste
Auswahl von Organisationen aus den verschiedenen ,Schichten` in die Stichprobe. Neben
den neun staatlichen Organisationen und den fünf politischen Stiftungen wurde zudem
40
wie bereits erwähnt auch VENRO aus der ,Schicht` der sonstigen NROs bewusst
ausgewählt. Aus der Subpopulation der kirchlichen Organisationen sollten eigentlich je
fünf katholische und evangelische Organisationen per Zufallsauswahl gezogen werden. Da
die Anzahl der evangelischen Organisationen durch einen erst kürzlich vollzogenen
Zusammenschluss mehrerer Organisationen mit dem EED und der Absage einer
evangelischen EZ-Organisation jedoch sehr gering war, konnten nur noch Brot für die
Welt, DWHH9 und EED als evange lische EZ-Organisationen einbezogen werden, die
demzufolge als bewusst berücksichtigte Organisationen für die Stichprobe vorgesehen
wurden. Der Anspruch von fünf evangelischen EZ-Organisationen konnte somit nicht
realisiert werden. Dafür wurden die ökumenische Organisation EIRENE sowie die GKKE
als gemeinsames Organ der katholischen und evangelischen EZ bewusst in die Stichprobe
aufgenommen.
Der Rest der kirchlichen EZ-Organisationen wurde von katholischen Organisationen
gedeckt, die im fünften Schritt zufällig per Losverfahren ausgewählt wurden. Diese waren
Adveniat, DCV, Kolpingwerk, Malteser Hilfsdienst und Misereor. Ebenfalls im fünften
Schritt wurden die zehn sonstigen NROs neben VENRO zufällig per Losverfahren in
die Stichprobe gewählt. Das Ergebnis war Action Medeor, Andheri-Hilfe, AWO, MSF,
Care Deutschland, DESWOS, Help, Karl Kübel Stiftung, medico international und SODI.
Die Entscheidung für ein Losverfahren zur Stichprobenziehung aus diesen ,Schichten` ist
in der großen Anzahl der Organisationen sowie in ihrer relativ gleich großen Bedeutung
innerhalb des EZ-Bereichs begründet.
Nach diesem fünfstufigen Auswahlverfahren existiert nun eine disproportional
geschichtete Stichprobe (vgl. FRIEDRICHS, 1990: 140) mit insgesamt 35 Ent-
wicklungshilfeorganisationen, von denen 20 bewusst und 15 per Zufallsauswahl bestimmt
wurden.
Während der Rücklaufphase des Fragebogens wurden noch zwei staatliche EZ-Organisa-
tionen, ZGB und ZA Unterorganisationen der DSE für die Stichprobe nachnominiert,
da die DSE aufgrund ihrer Dezentralität und Vielzahl von Unterorganisationen sich nicht
in der Lage sah, den Fragebogen zu beantworten. Diese beiden Organisationen wurden
dann also stellvertretend für die DSE befragt 10.
9 Die DWHH wurde trotz anderer eigener Vermutung aufgrund einer Auskunft einer relevanten Stelle den
evangelischen Organisationen zugeordnet. Wenn diese Organisation sich trotzdem eher ihrem Selbstver-
ständnis nach den sonstigen NROs zuordnet, ändert dies nichts Wesentliches an den Hauptergebnissen dieser
Arbeit- Die einzige Einschränkung läge lediglich darin, dass dann H4 nicht mehr zu überprüfen wäre.
10 Der Fragebogen wurde nicht mehr geändert, da die Rücklaufphase des Fragebogens schon fast abge-
schlossen war. Die Antworten für die DSE wurden für ihre zwei Unterorganistionen analog übernommen,
bzw. wurden die Antworten von ZA und ZGB als Antwort der DSE umkodiert, da die Unterorganistionen
stellvertretend für die DSE befragt wurden. Die Antworten wurden also angepasst, damit man für die DSE
doch noch Informationen bezüglich ihrer Stellung im Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ -Organisa-
tionen erhielt.
41
Letzten Endes umfasst die Stichprobe also 37 EZ-Organisationen, wobei 22 bewusst und
15 per Zufallsauswahl gezogen worden waren (s. dazu auch Tab. 2).11
Tabelle 2: Stichprobe nach Organisationstyp (alphabetisch geordnet)
Staatliche
Politische
Kirchliche
Sonstige NROs
Organisationen
Stiftungen
Organisationen
BGR
FES
Adveniat
action medeor
Organisationstyp
BMZ
FNSt
BfdW
Andheri-Hilfe
CDG
hbs
DWHH
AWO
GTZ
HSS
DCV
MSF
DSE
KAS
EIRENE
CARE
DED
EED
DESWOS
DEG
GKKE
Help
KfW
Kolpingwerk
Karl Kübel Stiftung
PTB
Malteser Hilfsdienst
m.i.
ZA
Misereor
SODI
ZGB
VENRO
Quelle: eigene Darstellung
3.3 Verlauf der Untersuchung
Der Zeitraum der Datenerhebung begann am 28. Januar 2002 und endete am 19. Juni 2002.
Während dieser Zeit wurden in den Organisationen der Stichprobe telefonisch Ansprech-
partner zur Beantwortung des Fragebogens ausfindig gemacht, welche anschließend über
den Zweck der Untersuchung und den Inhalt des Fragebogens aufgeklärt wurden. Des
weiteren erfolgte eine ständige telefonische ,Betreuung` der Organisationen, deren Frage-
bogen sich noch nicht im Rücklauf befand, um eventuelle Probleme beseitigen und Fragen
bezüglich des Fragebogens und der Untersuchung beantworten zu können. Dadurch sollte
11 Der Fragebogen (vgl. Abbildung 1.2 in Anhang 1), beinhaltet als Antwortkategorie noch die Organisation
KZE. Die KZE war also ursprünglich für die Stichprobe vorgesehen. Diese Trennung von MISEREOR und
KZE wurde aus BORRMANN u.a. 1999 und 2001 abgeleitet. Während des Untersuchungsverlaufs
verdeutlichte die Organisation MISEREOR in einem Telefongespräch vom 21.02.02, dass sie diese Trennung
als sehr ,unglücklich′ betrachtet. Da der Fragebogen zu diesem Zeitpunkt aber schon im Umlauf war, konnte
er diesbezüglich nicht mehr geändert werden. Die Informationen bezüglich KZE wurden umkodiert, die
Organisation selbst fällt aber somit aus der eigentlichen Stichprobe heraus und ist deshalb hier nicht mehr
erfasst. Auch bei der GKKE wurden die zwei konfessionell getrennte Geschäftsstellen im Fragebogen
aufgeführt. Dies wurde in einem Begleitschreiben ebenfalls bemängelt. Deshalb erscheint die GKKE hier in
der Stichprobenbeschreibung auch nur einmal aufgeführt.
42
die Rücklaufquote erhöht werden. Probleme, die beim Untersuchungsverlauf auftraten
sowie der tatsächliche Rücklauf sollen im folgenden dargestellt werden.
Befragung von Organisationen
Organisationen können nicht direkt befragt werden. Um Organisationen befragen zu
können, muss eine Person, die im Namen der Organisation den Fragebogen beantwortet,
ermittelt werden. Dies darf natürlich nicht irgendeine Person innerhalb der Organisation
sein, sondern es muss jemand sein, dessen Position innerhalb der Organisation es ihm
erlaubt, die Fragen des Fragebogens mit dem größtmöglichen Wissen stellvertretend für
die Organisation beantwo rten zu können. Denn nur die Beantwortung durch eine
kompetente Person bezüglich der Fragen des Fragebogens kann die externe Validität der
Ergebnisse garantieren. Somit war es vor dem Verschicken der Fragebögen zunächst
einmal wichtig, den richtigen Ansprechpartner für diese Untersuchung zu finden.
Die kompetentesten Personen für die Beantwortung des Fragebogens sind im Idealfall Per-
sonen aus Evaluationsabteilungen bzw. falls eine derartige Abteilung nicht existiert die für
Evaluationen verantwortliche Person. Diese Personen wurden teils mit Aktenanalyse und
anschließenden telefonischen Erkundigungen oder nur durch telefo nische Nachforschung
ermittelt. Zweifellos besitzt aber nicht jede Organisation eine Evaluationsabteilung und
auch nicht jede Evaluatio nsabteilung sah sich automatisch in der Lage, den Fragebogen
beantworten zu können. So wurde oft der Geschäftsführer oder die Presseabteilung der
Organisation als erstes angesprochen, Personen innerhalb der Organisation zu benennen,
die aus deren Sicht als kompetent für diese Aufgabe zu sein schienen. Manchmal fühlten
sich auch die Geschäftsführer selbst berufen, den Fragebogen auszufüllen, da sie
zumindest in kleineren Organisationen den größten Überblick über die Aktivitäten der
Organisation besitzen. Alle Telefongesprächspartner sowie die Personen, die letztenendes
den Fragebogen erhielten, wurden vorab telefonisch darüber informiert, welchen Zweck
die Untersuchung verfolgt und welche Anforderungen der Fragebogen an das Wissen der
befragten Person richtet. Erst nachdem diese Anforderungen mit den Zielpersonen geklärt
waren, sie die Kenntnis der ihnen zugetragenen Aufgaben besaßen und sich zur Befragung
bereit erklärten, wurde ihnen der Fragebogen postalisch zugesandt. Zur letzten
Absicherung, dass der Fragebogen bzw. einzelne zentrale Fragen daraus nur von der
kompetentesten Person bezüglich der Beantwortung des Fragebogens bearbeitet wird,
wurde im Anschreiben noch einmal Ziel und Zweck der Untersuchung genannt, sowie
folgende Bitte formuliert: ,,Wenn Sie bzw. Ihre Abteilung zur Beantwortung des
Fragebogens (oder einzelner Fragen) eventuell der falsche Adressat sein sollten, bitten wir
Sie, den Fragebogen (bzw. die entsprechenden Fragen) an die dafür zuständige Person
bzw. Abteilung weiterzuleiten." (vgl. Abb. 1.1 in Anhang 1) Diese Möglichkeit wurde
auch bei einigen Organisationen genutzt, woraus sich schließen lässt, dass zumindest aus
Sicht der jeweiligen Organisation der/die richtige AnsprechpartnerIn zur Beantwortung
43
der Fragen gefunden wurde. Ob dies bedeutet, dass der Ansprechpartner kompetent genug
war, um valide Ergebnisse für die Untersuchung zu erhalten wird in Kapitel 6 diskutiert.
Der Anspruch an die Rücklaufphase des Fragebogens
Die vorhandene Stichprobe der Untersuchung birgt das Problem, dass aus jeder einzelnen
,Schicht` nicht sehr viele Organisationen in die Stichprobe aufgenommen wurden.
Weiterhin beinhaltet die Stichprobe sehr viele bewusst ausgewählte Organisationen, deren
Angaben für die Prüfung der Hypothesen wichtig sind. Infolgedessen ist die Untersuchung
darauf angewiesen, dass vor allem die bewusst definierten Organisationen der Stichprobe
den Fragebogen beantworten, und dass aus jeder ,Schicht` mindestens 50% der Frage-
bögen quantitativ verwertbare Daten beinhalten. Denn wenn z.B. aus der Subpopulation
der politischen Stiftungen nur eine oder zwei Organisationen geant wortet hätten, können
daraus kaum Rückschlüsse auf die Grundgesamtheit gezogen werden. Daher wurden die
AnsprechpartnerInnen persönlich telefonisch auf den Fragebogen vorbereitet. Es wurden
zudem Fristen für das Ausfüllen des Fragebogens von ca. 2-3 Wochen nach Erhalt gesetzt.
Nach Ablauf der Frist ohne Rücklauf des Fragebogens wurde der/die AnsprechpartnerIn
wiederholt telefonisch kontaktiert. Dabei wurden z.B. inhaltliche Probleme des
Fragebogens besprochen und gelöst. Von Fall zu Fall lag auch nur ein Verlust des
Fragebogens vor, so dass ein neuer nachgesandt werden konnte, usw.. Diese telefonische
,Betreuung` erfolgte so lange, bis der Rücklauf der Fragebögen den Zielvorgaben
entsprach.
Der Rücklauf
Tabelle 3: Rücklaufquote des Fragebogens
Staatliche
Politische
Kirchliche
Sonstige
Organisationstyp
Gesamt
Organisationen
Stiftungen
Organisationen
NROs
Anzahl
11
5
10
11
37
insgesamt (n)
Rücklauf
11
5
8
6
30
absolut
Rücklauf in
100
100
80
55
81
% von n
Davon quantitativ
9
5
6
6
26
verwertbar (absolut)
quantitativ verwertbar
81
100
60
55
70
in % von n
Quelle: eigene Berechnung
Aufgrund der ständigen telefonischen ,Betreuung` der AnsprechpartnerInne n in den Orga-
nisationen und einer langen Laufzeit der Untersuchung von fast fünf Monaten konnte
schließlich eine Rücklaufquote von insgesamt 81% erreicht werden. Darunter befinden
44
sich bis auf eine Ausnahme auch alle bewusst definierten Stichprobenmitglieder. Die
schlechteste Rücklaufquote liegt bei der ,Schicht` der sonstigen NROs mit 55% (vgl. Tab.
3). Die quantitative Verwertbarkeit der Fragebögen für die Untersuchung liegt insgesamt
bei 70% von allen befragten Organisationen. Die geringste quantitative Verwertbarkeit der
Fragebögen innerhalb einer Subpopulation ist ebenfalls bei den sonstigen NROs zu finden
(vgl. Tab. 3).
Kritische Anmerkungen der Organisationen zur Untersuchung während des Rücklaufs
Der erste Kritikpunkt richtet sich an die Auswahl der sonstigen NROs für die Stichprobe.
Dabei bemängelte VENRO, dass die ausgewählten sonstigen NROs der Stichprobe nicht
repräsentativ gewählt wurden. Es gäbe andere Organisationen, welche ,wichtiger` und
,größer` seien, als die hier vorhandenen. Der Vorwurf, dass hier viele ,unwichtige`
Organisationen befragt wurden, muss allerdings zurückgewiesen werden, da nicht die
entwicklungspolitische Arbeit der Organisationen an sich und eine sich daraus ableitende
Bedeutung der Organisation im Fokus des Interesses steht. Zudem bestehen neben der
unterschiedlichen Größe doch strukturelle Ähnlichkeiten zwischen den Organisationen.
Aufgrund der kleinen bezüglich Personalbestand und Budget sonstigen NROs in der
Stichprobe kam es also nicht zum Problem der
Repräsentativität
der Stichprobe für die
Grundgesamtheit, sondern zu einem schlechteren
Rücklauf
bei der ,Schicht` der sonstigen
NROs gegenüber den anderen ,Schichten` der Stichprobe, was vor allem aus der Personal-
situation der Organisationen resultiert. So wiesen gerade Vertreter der sonstigen NROs bei
Telefongesprächen darauf hin, dass sie personell sehr knapp besetzt seien und deshalb
keine Ressourcen für die Beantwortung der Fragen freistellen könnten. Der Rücklauf der
sonstigen NROs ist zwar schlechter als der aus den anderen ,Schichten`, dennoch ist er mit
50% nicht so bedenklich, als dass die Validität der Ergebnisse gefährdet wäre.
Ein weiterer Kritikpunkt, der von einigen Organisationen angeführt wurde, ist der des
evaluationsbasierten Lernens. So lehnt eine kirchliche Organisation evaluationsbasiertes
Lernen als primäre Form organisationalen Lernens ab. Andere Aussagen, wie die einer
sonstigen NRO ,,als Hilfeorganisation investieren wir in Projekte, nicht in Papier", geben
ebenfalls Aufschluss über einen geringen Stellenwert evaluationsbasierten Lernens.
Andere Organisationen wiederum weisen auf geplante Neuerungen in diesem Bereich hin,
was auf ein Interesse an Institutionalisierung des horizontalen Austauschs, selbst wenn er
noch nicht vorhanden ist, schließen lässt.
Außerdem stieß die Beschränkung des Informationsaustauschs auf ausschließlich schrift-
liche Dokumente bei einigen Organisationen auf Unmut und Kritik. Die Vernachlässigung
der informellen Ebene wie auch der persönlichen Kontakte wurde vor allem von zwei
staatlichen und einer sonstigen NRO bemängelt12. Bei einer anderen sonstigen NRO lag
12 Auch eine kirchliche Organisation bemängelt die Auslassung von Informationsgewinnung auf der
informellen Ebene, jedoch im Zusammenhang mit einer Kritik an der organisationalen Lerntheorie basierend
auf Evaluationen. Diese Organisation scheint laut Aussage des Telefongesprächspartners eher individuelle
45
der Fall vor, dass diese Organisation keine Evaluationen anfertigt, daher auch keine
weitergibt und auch keine besonderen Informationen von anderen Organisationen erhält.
Diese Organisation lernt laut deren Angaben zur Zeit nur in persönlichem Austausch
von Informationen auf z.B. Konferenzen und sah daher keinen Sinn darin, den Fragebogen
zu beantworten. Dieser Gesichtspunkt wird zwar für die Informations gewinnung auch als
wichtig erachtet, dennoch sollte man sich bewusst machen, dass auf der persönlichen
Ebene in erster Linie auch nur persönlich und nicht organisational gelernt werden kann.
4
Ergebnisse der Untersuchung
Für die Auswertung werden die EZ-Organisationen der Stichprobe anonymisiert behandelt,
um einen gewissen Datenschutz, der zwar nicht versprochen wurde (vgl. Abb. 1.1 in
Anhang 1.), aber aus ethischen Gründen für sinnvoll erachtet wird, zu gewährleisten. Unter
der durchaus berechtigten Annahme, dass Hypothese H1 zutrifft, ist eine Anonymisierung
für die Organisationen BMZ und VENRO allerdings nicht möglich, da sonst bei der
Datenauswertung Rückschlüsse auf die Organisation zu ihrer Identifizierung möglich
wären. Umgekehrt wäre bei einer korrekten Anonymisierung die Überprüfung von H1
nicht möglich; da H1 von zentraler Bedeutung ist, muss also auf die Anonymisierung von
BMZ und VENRO verzichtet werden. In der Auswertung werden die verbleibenden
staatlichen Organisationen mit S2 bis S11, die politischen Stiftungen mit P1 bis P5, die
kirchlichen EZ-Organisationen mit K1 bis K10 und die sonstigen NROs mit N2 bis N11
betitelt. Organisationen, die in den offenen Antwortkategorien der Fragebögen genannt
wurden, also außerhalb der Stichprobe liegen, wurden numeriert von 39 bis 68. Bei der
Auswertung der Daten werden sowohl die quantitativen Daten aus den Fragebögen, aber
auch qualitative Daten aus den Anmerkungen auf den Fragebögen, sowie aus den
Telefongesprächsprotokollen benutzt. 26 Fragebögen also fast 70% der Stichprobe sind
quantitativ verwertbar (vgl. Tab. 3).
4.1 Die Relevanz der horizontalen Lernfunktion
Die Zielgruppen, für die die EZ-Organisationen eine Bewertung hinsichtlich der Relevanz
für ihre Informationen abgeben sollten, lauten:
,,pädagogische Lernansätze" zu verfolgen, die in der ,,Tradition von Rousseau und Pestalozzi" stehen. Das
bedeutet im Klartext, dass vorwiegend Seminare bzw. die dabei stattfindenden persönlichen Kontakte, aber
kaum Evaluationen oder sogar deren Austausch als Basis für organisationales Lernen angesehen werden
eine doch nicht sehr zeitgemäße Sichtweise. (Aus einem Telefongesprächprotokoll vom 12.04.02).
Außerdem ist es sehr problema tisch die Ebene des organisationalen Lernens mit dem des individuellen
Lernens von z.B. Rousseau zu vergleichen.
46
Z 1: für Projektplanung und management zuständiges Personal der Organisation
Z 2: Leitung der Organisation
Z 3: Partnerländer und Partnerorganisationen
Z 4: Politische Institutionen/ Entscheidungsträger in Deutschland
Z 5: andere Deutsche EZ-Organisationen
Z 6: Medien und allgemeine Öffentlichkeit (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1).
Abbildung 3: Bewertungen der Relevanz der verschiedenen Zielgruppen anhand des
Mittelwertes für die verschiedenen Organisationsarten
3
2,5
2
Staatlich
Politisch
1,5
Kirchlich
Mittelwert
NRO
1
0,5
0
Z 1
Z 2
Z 3
Z 4
Z 5
Z 6
Zielgruppe
Die Bewertungen sind eigentlich punktuelle Werte. Zur Verdeutlichung, dass die Zielgruppen von Z1 bis Z6
aber immer schlechter ,,beurteilt" werden, wurden die Werte mit einer Linie verbunden.
Quelle: eigene Berechnung
Zu sehen ist in Abb. 3 eine allgemeine Tendenz vo n einer als relevanter empfundenen
Zielgruppe ,für Projektplanung und management zuständiges Personal der Organisation`
bis hin zu einer als eher nicht relevant empfundenen Zielgruppe ,Medien und allgemeine
Öffentlichkeit`, und zwar bei allen Organisationsarten der deutschen EZ. Im Verlauf der
Wertelinien für die staatlichen Organisationen, politischen Stiftungen, kirchlichen Organi-
sationen und sonstigen NROs ergeben sich nur zwei Ausnahmen, die die Tendenz nach
unten aber nicht beeinträchtigen. Für die sonstigen NROs ist die Zielgruppe der ,Partner-
47
länder und Partnerorganisationen` wichtiger als die erste und zweite Zielgruppe und bei
den staatlichen EZ-Organisationen wird die Zielgruppe der ,Deutschen EZ-Organisationen′
im Schnitt als relevanter eingestuft als die Zielgruppe ,Politische Institutionen/
Entscheidungsträger in Deutschland`. Trotz dieser abweichenden Werte geht die Tendenz,
wie gesagt, von sehr relevant bei Z1 bis zu kaum relevant bei Z 6.
Die deutschen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit beurteilen die inneror-
ganisatorische Zielgruppe ,für Projektplanung und management zuständiges Personal der
Organisation` hinsichtlich der aus ihren Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. ge-
wonnenen Ergebnisse als bedeutungsvoller als die Medien und die allgemeine Öffentlich-
keit oder die anderen deutschen EZ-Organisationen. Es kann also festgehalten werden,
dass die Informationen für die eigene Organisation aus der Sicht der Organisationen
wichtiger sind als Transparenz nach Außen. Infolgedessen ist ein verstärkter inner-
organisatorischer und ein schwacher horizontaler Informationsaustausch zwischen den
Organisationen zu erwarten internes Lernen wird also dem externen vorgezogen (s. dazu
auch Kapitel 3.1.2).
U-Tests zeigen, dass sich die Organisationstypen hinsicht lich der Art und Weise, wie sie
die Relevanz der Zielgruppen bewerten, statistisch nicht signifikant unterscheiden. Hebt
man jedoch das Standardsignifikanzniveau von fünf auf zehn Prozent an, dann unter-
scheiden sich staatliche Organisationen zu den NROs hinsichtlich der Bewertung der
Wichtigkeit von ,für Projektplanung und management zuständiges Personal der Orga-
nisation` und zwar dahingehend, dass die staatlichen Orga nisationen diese Zielgruppe als
relevanter einschätzen als die sonstigen NROs (vgl. Tab. 2.1 in Anhang 2). Ansonsten gibt
es keine weiteren Unterschiede zu vermerken. Der Tenor, dass sich die Organisationstypen
hinsichtlich der Art und Weise, wie sie die Bedeutung der Zielgruppen für ihre Information
bewerten, nicht unterscheiden, wird auch durch eine Clusteranalyse gestützt. Es finden sich
zwar einzelne Organisationen zu Clustern zusammen, diese gehören aber immer zu
anderen Organisationsarten (vgl. Abb. 2.1 in Anhang 2).
48
4.2 Das Informationsangebot der deutschen EZ-Organisationen im
Internet
Dieser Teil unterscheidet sich von den anderen Bereichen der Auswertung des Frage-
bogens dahingehend, dass die Auswertung der Angaben der Organisationen für die
Nutzung des Internets zur Verbreitung von Information, eine r Auswertung des Angebots
an Informationen, die im Internet zu finden sind, gegenübergestellt wird. Der erste Teil
bezieht sich also auf die Angaben der Organisationen im Fragebogen und der zweite Teil
auf eine Do kumentenanalyse der Internetseiten der befragten Organisationen. In einem
dritten Teil werden die Ergebnisse gegenübergestellt.
4.2.1 Die Angaben der Organisationen
26 Organisationen aus der Stichprobe haben diese Frage beantwortet, d.h. bei einer Nicht-
teilnahme von sieben Organisationen haben insgesamt vier Organisationen die Frage nicht
beantwortet. Letztere vier sind diejenigen, deren Fragebogen keine quantitativ verwert-
baren Ergebnisse liefert. Von den 26 Organisationen nutzen etwas mehr als ein Fünftel das
Internet zur Verbreitung ihrer Informationen und fast 80 Prozent nutzen es nicht. Genauer
betrachtet teilt sich diese Zahl auf in 23%, die nicht vorhaben das Internet zur
Informationsverbreitung zu nutzen und 54%, die noch in der Planung sind, ihre
Informationen per Internet anzubieten (vgl. Tab. 3.1 in Anhang 3).
Bei den staatlichen EZ-Organisationen nutzen laut Angabe nur zwei Organisationen die
Möglichkeit ihre Informationen über das Internet zu verbreiten das sind fast acht Prozent
aller Organisationen und 22 Prozent aller staatlichen Organisationen. Gut ein Drittel der
staatlichen Organisationen und ca. ein Zehntel aller Organisationen nutzen das Internet zur
Informationsverbreitung nicht und haben es auch nicht vor zu tun. Die restlichen 45% der
staatlichen bzw. 15% aller Organisationen sind noch in der Planung, ihre Informationen
internetgerecht anzubieten (vgl. Tab. 3.1 in Anhang 3).
Von den politischen Stiftungen haben alle diese Frage beantwortet. Keine der politischen
Stiftungen gibt an, Informationen im Internet bereitzustellen. Ein Fünftel davon, bzw. vier
Prozent aller Organisationen wollen ihre Informationen überhaupt nicht im Internet anbie-
ten. Vier Fünftel der politischen Stiftungen oder 15% aller Organisationen sind noch in der
Planungsphase für ein Informationsangebot im Internet. (vgl. Tab. 3.1 in Anhang 3).
Zwei der sechs kirchlichen Organisationen, die diese Frage beantwortet haben, stellen ihre
Informationen im Internet zur Verfügung das sind ein Drittel aller kirchlichen und sieben
Prozent aller Organisationen. Die Hälfte der kirchlichen Organisationen das sind gut
zehn Prozent aller Organisationen - ist zur Zeit noch in der Planung ein Informationsan-
gebot im Internet aufzubauen. Nur eine Organisation gibt an, dass es keine Überlegungen
gäbe, im Internet ihre Informationen bereitzustellen (vgl. Tab. 3.1 in Anhang 3).
49
Bei den sonstigen NROs sind die Ergebnisse mit denen der kirchlichen EZ-Organisationen
identisch (vgl. Tab. 3.1 in Anhang 3).
Tabelle 4:
Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsanteil im Internet
bezüglich ihrer gesamten Informationsmenge
10%
20%
40%
100%
Total
BMZ
X
1
K 2
X
1
K 7
X
1
Organisation
N 9
X
1
Total
1
1
1
1
4
Quelle: eigene Berechnung.
Von den insgesamt sechs Organisationen der Entwicklungshilfe, die angaben, ihre Infor-
mationen im Internet bereitzustellen, machten davon vier eine Aussage über die Menge der
Informationen im Internet im Verhältnis zur Gesamtmenge der Informationen der Organi-
sation. Das sind das BMZ mit einer Angabe von 100% ihrer Informationen, die kirchlichen
Organisationen K2 und K7 mit einem Wert von 40 bzw. zehn Prozent aller Informationen
und eine nichtstaatliche Organisation N9 mit einer Angabe von einem Fünftel ihrer
Informationen, die sie im Internet bereitstelle (vgl. Tab. 4).
Weiterhin zeigt eine Clusteranalyse (vgl. Abb. 4), dass die Bereitschaft, Informationen im
Internet bereitzustellen, nicht vom Organisationstyp abhängig ist, da sich die Gruppen-
mitglieder aus Organisationen der staatlichen, kirchlichen, sonstigen Nichtregierungsorga-
nisationen und politischen Stiftungen zusammensetzen. Es existieren vier Gruppen, die
sich aufgrund der unterschiedlichen Bereitschaft zur Be reitstellung von Informationen im
Internet bilden. Die erste Gruppe besteht aus den Orga nisationen BMZ, K2, K7 und N9,
die sich dadurch auszeichnen, dass sie Informationen im Internet anbieten und sogar noch
eine Aussage darüber treffen, wie groß diese Menge im Verhältnis zur Gesamtmenge ist.
Die zweite Gruppe beinhaltet nur zwei Organisationen S2 und N4 , die zwar Informa-
tionen im Internet bereitstellen, aber keine Aussage über die Relation dieser Menge zur
Gesamtmenge an Information der Organisation treffen. K1, N2, P2, S8, S7 und S5 bilden
die dritte Gruppe, und zwar dadurch, dass sie die jenigen sind, die überhaupt nicht vorhaben
ihre Informationen im Internet zur Verfügung zu stellen. In der letzten Gruppe finden sich
diejenigen Organisationen, welche noch in der Planungsphase für ein Informationsangebot
via Internet sind. Dazu gehören die Organisationen N3, N5, VENRO 13, K9, K8, K3, P5,
P4, P3, P1, S9, S6, S4 und S3.
13 VENRO führt selbst keine Projekte durch und hat somit auch keine Möglichkeit eigene Evaluationen,
Studien etc. herzustellen. Dennoch ist diese Organisation bereit über ein Informationsangebot ihrer sonstigen
Informationen im Internet nachzudenken.
50
Ein Zusammenhang zwischen der Art der Organisation und der Darbietung von Informa-
tionen im Internet ist hier also nicht anzunehmen und wird auch durch einen Test auf Kor-
relation nicht bestätigt. Ein festgestellter mittlerer Zusammenhangswert von 0,4 kommt
laut Signifikanztest zu 80% nur zufällig zustande und ist daher zu verwerfen.
Abbildung 4: Clusteranalyse zur Bereitschaft der Informationsverbreitung im Internet
C A S E 0 5 10 15 20 25
Label Num +---------+---------+---------+---------+---------+
K7 òø
N9 òú
K2 òôòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòø
BMZ ò÷ ó
S2 òûòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòú
N4 ò÷ ó
K1 òø ó
N2 òú ó
P2 òú ó
S8 òú ó
S7 òôòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòú
S5 ò÷ ó
N3 òø ó
N5 òú ó
VENRO òú ó
K9 òú ó
K8 òú ó
K3 òú ó
P5 òú ó
P4 òú ó
P3 òú ó
P1 òú ó
S9 òú ó
S6 òú ó
S4 òôòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòò÷
S3 ò÷
Quelle: eigene Berechnung
4.2.2 Die Internetrecherche
An dieser Stelle soll nun die Auswertung über das tatsächliche Informationsangebot der
Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit auf ihren Internetseiten dargestellt wer-
den14. Es sollen nur Informationen aus dem EZ-Bereich gewertet werden. Dazu wurden
zehn Kategorien für die Variable ,Informationsart` und neun Kategorien für die Variable
14 Stand: 12.07.2002
51
,Darbietung der Information` gebildet. Die neun Informationsarten, die die Organisationen
auf ihren Internetseiten anbieten können, sind:
1. Jahresbericht,
2. Statistiken und Zahlen,
3. Länderevaluationen als Vollversion,
4. Länderteilevaluationen,
5. Länderevaluationen als Zusammenfassung speziell im Bereich eines Sektors,
6. Länderevaluationen als Zusammenfassung,
7. Projektberichte,
8. Sonstige Studien zu entwicklungspolitischen Themen,
9. Hand- und Fachbücher zu entwicklungspolitischen Themen.
Gleiche Informationsarten wurden von unterschiedlichen Organisationen unterschiedlich
betitelt. Wenn sie sich aber inhaltlich ähnelten oder gleich waren, wurden sie trotzdem in
eine Kategorie eingeordnet. Kriterien sind dafür klassische Definitionen in Überein-
stimmung mit einem mehrheitlichen Begriffsgebrauch durch die Organisationen der Stich-
probe. Eine Ausnahme bilden die Länderteilevaluationen. Dieser Begriff wurde auf nur
einer Internetseite gefunden und die Informationsart wurde inhaltlich auch von keiner an-
deren Organisation angeboten.
Die Art der Darbietung besteht aus den folgenden Möglichkeiten; die in Klammer ange-
gebene Zahl entspricht der Zahl der Bewertungsskala (ein hoher Wert entspricht einer
hohen Benutzerfreundlichkeit):
1. Download-Möglichkeit im pdf-Format (10),
2. Download-Möglichkeit als Word- oder rtf-Datei (9),
3. Druckversion des Dokuments (8),
4. HTML-Datei (7),
5. HTML-Datei, aber inhaltlich schlecht15 (6),
6. Download-Möglichkeit im pdf-Format, die nicht von der Organisationsseite stammt,
sondern von einem anderen Server, auf den aber per Link verwiesen wird (5),
7. HTML-Datei, die nicht von der Organisationsseite stammt, sondern von einem anderen
Server, auf den aber per Link verwiesen wird (4),
8. Möglichkeit, die Information Online zu bestellen (3),
9. Möglichkeit, die Information Online zu bestellen in Planung (2)
10. Informationsart nicht vorhanden (0)16.
Es wird also gezeigt, für welche Informationsarten, welche Zugriffsmöglichkeit zu der be-
treffenden Information besteht, bzw. welche Organisationen welche Informationsarten mit
15 Diese Bewertung wurde dann vergeben, wenn die angepriesene Information hauptsächlich aus ein paar
unspezifischen Bildern und der Textinhalt kaum inhaltlichen Bezug zum Thema hatte. Die Informationen
sollten schon einige wenige Fakten aufweisen, um dieser Bewertung zu entgehen.
16 Aus Visualisierungsgründen in den Diagrammen wurde hier der Wert ,,0" und nicht ,,1" gewählt, da sonst
der Eindruck entstünde, dass auf irgendeine Art und Weise Informationen im Internet angeboten werden.
52
welcher Zugriffsmöglichkeit zu der betreffenden Information anbieten. Dabei sind die Ka-
tegorien eins bis sechs als eher benutzerfreundlich und die Kategorien sieben bis 9 als nicht
sehr benutzerfreundlich einzuschätzen. Die Kategorie fünf (inhaltlich schlechte HTML-
Dokumente), ist die einzige Kategorie bei den Darbietungsarten, die sich konkret auf den
Inhalt bezieht. Sie schien aber notwendig, da einige Organisationen unter Zuhilfenahme
von z.B. ,schönen Bildchen` wirkliche Informationen und Fakten vernachlässigten. Den
Inhalt der angebotenen Dokumente im Internet tiefergehend zu untersuchen z.B. durch eine
inhaltliche Bewertung aller Dokumente ist für diese Untersuchung, bei der es um das
Kommunikationsnetzwerk der deutschen EZ-Organisationen geht, zu aufwendig und daher
unangebracht. Es soll hier keine Inhaltsanalyse erfolgen, sondern nur eine Überprüfung der
Angaben der Organisationen aus den Fragebögen. Dafür wurden von jeder angebotenen
Informationsart auf den Internetseiten mindestens ein Stück exemplarisch quer gelesen. Es
ging hier eher um ein benutzerfreundliches Dateiformat, mit dem man schnell und gut zu
der Information gelangt.
Insgesamt betrachtet (s. Abb. 5) fällt sofort auf, dass nur
drei
von 37 Organisationen
überhaupt keine Information im Internet anbieten ein doch deutlicher Gegensatz zu den
Angaben der Organisationen. Mögliche Erklärungen folgen in Kapitel 4.2.3.
Abbildung 5: Bereitstellung von Informationen im Internet insgesamt
90
80
70
60
50
40
30
20
Summe der Benutzerfreundlichkeit*Informationsart
10
0
S2 S3 S4 S5 S6 S7 S8 S9
BMZ
S10 S11
P1 P2 P3 P4 P5 K1 K2 K3 K4 K5 K6 K7 K8 K9 K10
VENRO
N2 N3 N4 N5 N6 N7 N8 N9 N10 N11
Organisation
Quelle: eigene Berechnung
53
Betrachtet man das Informationsangebot im Internet hinsichtlich den verschiedenen Orga-
nisationstypen und Organisationsarten, zeigt sich, dass die staatlichen Organisationen bei
der Bereitstellung jeder Informationsart mindestens einmal vertreten sind (vgl. Abb. 6).
Die politischen Stiftungen bieten alle keine Informationen der Art ,Statistiken und Zahlen`,
,Länderevaluationen als Vollversion`, ,Länderteilevaluationen`, ,Hand- und Fachbücher zu
entwicklungspolitischen Themen` im Internet an. Die kirchlichen Organisationen sind in
fast jeder Sparte der verschiedenen Informationen vertreten, außer bei ,Länderevalua tionen
als Vollversion`, ,Länderteilevaluationen` und ,Hand- und Fachbücher zu entwick-
lungspolitischen Themen` im Internet. Die sonstigen NROs bieten keine ,Länderevalua-
tionen als Vollversion` und ,Länderteilevaluationen` an (vgl. Abb. 6).
Die häufigsten Informationsarten, die im Internet auf den Seiten der EZ-Organisationen
gefunden wurden, sind ,Jahresbericht`, ,Länderevaluationen als Zusammenfassung speziell
im Bereich eines Sektors`, ,Projektberichte` und ,sonstige Studien zu entwick-
lungspolitischen Themen` (vgl. Abb. 6). An dieser Stelle soll nun aber das Angebot der
verschiedenen Informationsarten durch die EZ-Organisationen und die Darbietungsform
genauer beleuchtet werden.
Abbildung 6
Arten, der im Internet zur Verfügung gestellten Daten nach Organisa-
tionstyp (Mittelwerte)
7
6
5
4
Staatliche Org.
Politische Stiftungen
Kirchliche Org.
3
Sonst. NROs
Benutzerfreundlichkeit
2
1
0
PB
Jahresbericht
Sonst. Stud.
Eval/Land/Voll
Eval/Land/teil
Hand/Fachbuch
Statistiken/Zahlen
Eval/Land/zfss/Sektor /Eval/Land/zsfs/Land
Informationsart
Eval/Land/Voll
Ländervollevaluation
Eval/Land/Teil
Länderteilevaluation
Eval/Land/Zfss/Sektor
Länderevaluation als Zusammenfassung im Sektorbereich
Eval/Land/Zsfs/Land
Länderevaluation als Zusammenfassung
Quelle: eigene Berechnung
54
Jahresberichte
18 von 37 Organisationen der Stichprobe bieten Jahresberichte auf ihren Internetseiten an.
Von den staatlichen EZ-Organisationen bieten sieben von elf Organisationen - das BMZ,
S2, S3, S4, S5, S7 und S11 - diese Berichtsart im Internet an und zwar alle im pdf-Format.
Die politischen Stiftungen P2 und P3 bieten diese Informationsart einmal im pdf-Format
(P3) und einmal durch die Möglichkeit diese Online zu bestellen (P2) an. Kirchliche Or-
ganisationen sind beim Angebot von Jahresberichten mit sechs von elf Organisationen
vertreten, und zwar durch K4, K5 und K7, die den Bericht im pdf-Format anbie ten, durch
K9, die den Jahresbericht als Druckversion anbietet, weiterhin durch K8, die den Jahresbe-
richt im HTML-Format zur Verfügung stellt und schließlich durch K6, welche die Mög-
lichkeit bietet, ihren Jahresbericht Online zu bestellen. Drei sonstige NROs von elf bieten
Jahresberichte im Internet an: N2 im pdf-Format, N5 im HTML-Format und N8 durch die
Möglichkeit, den Bericht zu bestellen (vgl. Abb. 7).
Abbildung 7: Internetangebot ,Jahresberichte` der verschiedenen Organisationen
12
10
8
6
Benutzerfreundlichkeit
4
2
0
S2 S3 S4 S5 S6 S7 S8 S9
BMZ
S10 S11
P1 P2 P3 P4 P5 K1 K2 K3 K4 K5 K6 K7 K8 K9 K10
VENRO
N2 N3 N4 N5 N6 N7 N8 N9 N10 N11
Organisationen
Quelle: eigene Berechnung
Statistiken und Zahlen
Zehn Organisationen der Stichprobe stellen lediglich die Information ,Statistiken und
Zahlen` zur Verfügung. Das sind 27 Prozent. Statistiken und Zahlen werden angeboten
durch die staatlichen Organisatione n BMZ, S2, S4, S5, S7 und S11, von den kirchlichen
Organisationen K8 und K9, sowie durch die sonstigen NROs N4 und N6. Sechs von elf
55
staatlichen, zwei von zehn kirchlichen und zwei von elf sonstigen NROs stellen diese In-
formationen ins Netz. Von den politischen Stiftungen gibt es diese Information im Internet
nicht. Alle die Organisationen, die diese Informationsart anbieten, stellen ihre Statistiken
und Zahlen im HTML-Format zur Verfügung, außer dem BMZ, welches seine Statistiken
auch im pdf-Format anbietet (vgl. Abb. 3.1 in Anhang 3).
Länderevaluationen als Vollversion
,Länderevaluationen als Vollversion` bieten nur drei Organisationen an. Das sind S2, S3
als pdf-Datei und K8 als Möglichkeit, diese zu bestellen.
Länderteilevaluationen
,Länderteileva luationen` werden ausschließlich auf der Internetseite des BMZ zur Ver-
fügung gestellt, und zwar als Druckversion.
Länderevaluationen als Zusammenfassung speziell im Bereich eines Sektors
Diese Informationsart ist schwer gegen die Informationsart ,Projektberichte` abzugrenzen.
Beide Informationsarten entsprechen in ihrer Darstellung im Internet eigentlich kaum dem
klassischen Bild von Evaluationen oder Projektberichten. Manche Organisationen bezeich-
neten auf ihrer Homepage diese Informationsart auch nicht unbedingt mit diesem Namen.
Trotzdem wurden manche Formen der Information unter dieser Informationsart eingeord-
net, wenn sie denen entsprachen, die von anderen Organisationen als Länderevaluation
bezeichnetet wurden. Das Unterscheidungsmerkmal zu den Projektberichten wurde dann
darin gefunden, dass in den Länderevaluationen zum Bereich eines Sektors z.B. Wasser-
versorgung versucht wurde, ein Bild über die Gesamtsituation dieses Sektors in diesem
Land zu zeichnen. In den Projektberichten ging es dann meistens spezieller nur um ein
bestimmtes Projekt ohne viel Hintergrunddarstellung.
Diese Informationsart wird von mindestens einer Organisation aus den vier Organisations-
arten und insgesamt von 12 von 37 Organisationen angeboten. Bei den staatlichen Organi-
sationen sind dies das BMZ, S2, S3, S7 und S8, also fünf von elf weniger als die Hälfte.
Die beiden letzen Organisationen bieten die Länderevaluationen als HTML-Dokument an.
S2 und S3 stellen ihre Dokumente im pdf-Format ins Netz und das BMZ bietet Druckver-
sionen von ihren Länderevaluationen an. Bei den politischen Stiftungen gibt es diese In-
formationsart als pdf-Datei bei P1 und als HTML-Dokument bei P5. Das sind zwei von
fünf politischen Stiftungen. Als einzige kirchliche Organisation bietet K8 ihre Ländereva-
luation auch als HTML-Dokument an. Ansonsten stellt keine kirchliche Organisation diese
Informationsart zur Verfügung. Bei den sonstigen NROs wird die Informationsart ,Län-
derevaluationen als Zusammenfassung speziell im Bereich eines Sektors` vo n vier Organi-
sationen, nämlich von N7, N8, N9 und N10 auf deren Internetseiten zur Verfügung ge-
56
stellt, und zwar als HTML-Dokument, wobei bei der Organisation N7 der inhaltliche Infor-
mationswert nicht sehr hoch ist.
Insgesamt wird diese Informationsart mindestens von allen anbietenden Organisationen im
HTML-Format angeboten, was doch relativ benutzerfreundlich ist (vgl. Abb. 3.2 in An-
hang 3).
Länderevaluationen als Zusammenfassung
Nur 19% der Organisationen veröffentlichen auf ihren Internetseiten Länderevaluationen
als Zusammenfassung. Drei staatliche Organisationen (BMZ, S2 und S3) bieten die Mög-
lichkeit, Länderevaluationen als Zusammenfassung aus dem Internet zu beziehen. S2 und
S3 stellen Länderevaluationen im pdf-Format und das BMZ als Druckversion ins Netz.
Ansonsten stellen eine von fünf politischen Stiftungen, eine von zehn kirchlichen und eine
von elf der sonstigen NROs diese Berichte ins Netz. Die politische Stiftung P5, die kirch-
liche Organisation K6, sowie die zu den sonstigen NROs gehörenden N2 und N10 bieten
also Länderevaluationen als Zusammenfassung auf ihren Internetseiten an, und zwar im
HTML-Format, außer die Organisation N2 die ihre Länderevaluation im pdf-Format zur
Verfügung stellt (vgl. Abb. 3.3 in Anhang 3). Damit ist auch bei dieser Informationsart von
jedem Organisationstyp mindestens eine Organisation vertreten (vgl. auch Abb. 6). Mit
dem HTML-Format als schlechtestes Datenformat wird diese Informationsart insgesamt
gesehen auch sehr benutzerfreundlich angeboten.
Projektberichte
Die staatlichen Organisationen S2, S3, S4, S6, S7 und S8 bieten Projektberichte an. S3 ist
dabei die einzige Organisation, die diese Berichte als pdf-Datei anbietet. Alle anderen
staatlichen Organisationen zeigen ihre Projektberichte im HTML-Format, wobei die Inter-
netseiten der Organisationen S4 und S6 die inhaltlich schlechtere Qualität besitzen. Von
den politischen Stiftungen bieten die Organisationen P3 und P4 Projektberichte im HTML-
Format im Internet an. Auch nur als HTML-Dokument bieten die kirchlichen Organisa-
tionen K5, K6, K7 und K8 ihre Projektberichte an, wobei bei K5 die inhaltliche Qualität
schlechter ist als bei den anderen kirchlichen Organisationen. N2 und N3 stellen von den
sonstigen NROs ihre Projektberichte im pdf-Format zur Verfügung, N4 bietet die Mög-
lichkeit Projektbericht als Word- oder rtf-Datei herunterzuladen und bei den Organisa-
tionen N5, N7, N9, N10 und N11 sind die Projektberichte im HTML-Format zu finden,
wobei bei Organisation N7 die Projektberichte inhaltlich etwas schlechter vorstellt (vgl.
Abb. 8).
57
Abbildung 8: Internetangebot ,Projektberichte` der verschiedenen Organisationen
12
10
8
6
Benutzerfreundlichkeit
4
2
0
BMZ
S2
S3
S4
S5
S6
S7
S8
S9 S10 S11 P1 P2 P3 P4 P5 K1 K2 K3 K4 K5 K6 K7 K8 K9 K10
VENRO
N2
N3
N4
N5
N6
N7
N8
N9 N10 N11
Organisation
Quelle: eigene Berechnung
Sonstige Studien zu entwicklungspolitischen Themen
Sonstige Studien zu entwicklungspolitischen The men werden von 21 Organisationen an-
geboten das sind 57% aller Organisationen. Davon können bei acht Organisationen diese
Informationen Online bestellt werden, bei fünf Organisationen kann man diese Berichte im
HTML-Format lesen und bei den restlichen acht Organisationen kann man dies Informa-
tion als pdf-Datei abrufen.
Fünf staatliche Organisationen BMZ, S2, S7, S8 und S11 bieten sonstige Studien im
Internet an. BMZ, S2 und S11 bieten ihre diesbezüglichen Informationen im pdf-Format
an. S8 nutzt dazu das HTML-Format und die Organisation S7 bietet immerhin die Mög-
lichkeit, solche Studien Online zu bestellen. P1 und P5 stellen sonstige Studien als pdf-
Datei ins Netz also zwei von fünf politischen Stiftungen. Insgesamt 50% aller kirchlichen
Organisationen bieten diese Informationsart an. K3 und K9 stellen ihre Studien im pdf-
Format zur Verfügung. K6 offeriert ihre sonstigen Studien im HTML-Format und K5 und
K10 geben den Besuchern ihrer Homepage die Möglichkeit, diese Berichte Online zu be-
stellen. Bei VENRO, N3, N4, N5 und N10 können deren sonstigen Studien ebenfalls auf
deren Internetseite bestellt werden. N6, N7 und N11 stellen diese Berichte im HTML-
Format ins Internet und auf der Homepage von N2 können sonstige Studien im pdf-Format
bezogen werden. Das sind insgesamt neun von elf sonstigen NROs, die sonstige Studien zu
entwicklungs politischen Themen im Internet anbieten (vgl. Abb. 9).
58
Abbildung 9: Internetangebot ,Sonstige Studien zu entwicklungs politischen Themen′ der
verschiedenen Organisationen
12
10
8
6
Benutzerfreundlichkeit
4
2
0
S2 S3 S4 S5 S6 S7 S8 S9 S10 S11 P1 P2 P3 P4 P5 K1 K2 K3 K4 K5 K6 K7 K8 K9 K10
N2 N3 N4 N5 N6 N7 N8 N9 N10 N11
BMZ
VENRO
Organisation
Quelle: eigene Berechnung
Hand- und Fachbücher zu entwicklungspolitischen Themen
Hand und Fachbücher werden von neun EZ-Organisationen via Internet angeboten das
sind 24%. Darunter sind fünf staatliche Organisationen, zwei kirchliche Organisationen
und zwei sonstige NROs. Politische Stiftungen bieten diese Informationsart nicht an. Ins-
gesamt werden Hand- und Fachbücher zweimal zum Bestellen, dreimal im HTML-Format
und viermal als pdf-Datei angeboten.
BMZ, S 2 und S 3 nutzen für die Bereitstellung dieser Informationsart das pdf-Format, S 6
das HTML-Format und S 9 die Möglichkeit diese Information Online zu bestellen. K 4 und
K 6 berichten im HTML-Format. Die Organisation N 4 stellt ihre Hand- und Fachbücher
als pdf-Datei ins Netz und bei N 10 können diese Berichte via Internet bestellt werden.
(vgl. Abb. 3.4 in Anhang 3).
Unterschiede zwischen den Organisationen
Die staatlichen Organisationen unterscheiden sich zu den politischen Stiftungen statistisch
signifikant hinsichtlich ihrem Angebot der Informationsart ,Statistiken und Zahlen` (vgl.
Tab. 3.2 in Anhang 3) mit einer Fehlerwahrscheinlichkeit von 4,6%. Dementsprechend
präsentieren die staatlichen Organisationen die Rubrik ,Statistiken und Zahlen` öfter im
59
Internet und in einem besseren Datenformat als die politischen Stiftungen. Zu den
sonstigen NROs unterscheiden sich die staatlichen Organisationen im Angebot der Infor-
mationsarten ,Jahresbericht` und ,Statistiken und Zahlen`. Beide Informationsarten werden
von den staatlichen Organisationen (mit einer 97 prozentigen Wahrscheinlichkeit beim
Angebot der Informationsart ,Jahresbericht` und mit 95% Wahrscheinlichkeit bei ,Sta-
tistiken und Zahlen`) öfter und besser im Internet angeboten (vgl. Tab. 3.3 und Tab. 3.4 in
Anhang 3). Der Unterschied zwischen staatlichen und kirchlichen Organisationen liegt im
Angebot der Informationsart ,Länderevaluationen speziell im Bereich eines Sektors als
Zusammenfassung`. Mit einer Signifikanz von zwei Prozent Fehlerwahrscheinlichkeit
stellen die kirchlichen Organisationen mehr davon und in besserem Darbietungsformat im
Internet zur Verfügung (vgl. Tab. 3.5 in Anhang 3). Die politischen Stiftungen bieten die
Informationsart ,Länderevaluationen speziell im Bereich eines Sektors als Zusammen-
fassung` mit einer Wahrscheinlichkeit von 96% besser an, als die kirchlichen Organisa-
tionen (vgl. Tab. 3.6 in Anhang 3). Beim Angebot dieser Informationsart sind auch die
sonstigen NROs statistisch signifikant besser als die kirchlichen Organisationen, und zwar
ebenfalls mit einer Wahrscheinlichkeit von 96% (vgl. Tab. 3.7 in Anhang 3).
Eine Varianzanalyse zeigt, dass die Zugehörigkeit einer Organisation zu einer der ver-
schiedenen Organisationsarten keinen unmittelbaren Einfluss auf ihr Informationsangebot
im Internet hat (vgl. Tab. 3.8 in Anhang 3).
4.2.3 Unterschied zwischen den Angaben der Organisationen und der Dokumenten-
analyse
Von 26 Organisationen der Stichprobe ist der Fragebogen hinsichtlich der Frage nach der
Bereitschaft Informationen ins Internet zu stellen, so beantwortet worden, dass er quantita-
tiv auswertbar ist. Davon geben wird Abb. 10 betrachtet - nur sechs Organisationen an,
Informationen im Internet zur Verfügung zu stellen. Das sind 23%. Wird nun Abb. 5 damit
verglichen, fällt sofort auf, dass laut Internetrecherche dagegen nur drei Organisationen,
keine Informationen anbieten. Danach bieten also 92% der Organisationen der Stichprobe
irgendeine Information zum EZ-Bereich in irgendeinem Format im Internet an.
Die Diskrepanz zwischen Antwortverhalten und tatsächlich gefundenen Daten wird noch
größer, wird der Fokus auf die Organisation K2 gerichtet. Diese gibt an, auf ihrer Internet-
seite Informationen anzubieten und sagt sogar, dass die Informationen im Internet 40%
ihrer Gesamtinformation darstellen. Auf der Homepage dieser Organisation konnte aber
überhaupt keine Information zum EZ-Bereich in irgendeinem Datenformat gefunden wer-
den. Im Falle des Widerspruchs zwischen Antwortverhalten und tatsächlich gefundenen
Internetinformationen sticht auch Organisation S3 heraus. Diese Organisation gehört mit
ihrem Internetangebot an Informationen zur EZ eigentlich zu den ,Vorbildern` im
Kommunikations netzwerk. Als Anmerkung auf dem Fragebogen wird sogar die
Operationalisierung des Informationsaustauschs der Austausch schriftlicher Dokumente
60
hinsichtlich ,,zunehmender Publizität [von Informationen] im Internet" kritisiert.
Merkwürdig scheint aufgrund dieser Aussage die Tatsache, dass dann sowohl eine
Bereitstellung von Informa tionen durch die eigene Organisation im Internet, als auch eine
Nutzung des Internets zur Informationsgewinnung verneint wurde.17
Abbildung. 10: Bereitschaft der Organisationen, Informationen im Internet zur Verfügung
zu stellen
3,5
3
2,5
2
1,5
1
0,5
0
BMZ S2 S3 S4 S5 S6 S7 S8 S9 S10 S11 P1 P2 P3 P4 P5 K1 K2 K3 K4 K5 K6 K7 K8 K9 K10
VENRO
N2 N3 N4 N5 N6 N7 N8 N9 N10 N11
Organisationen
0 = Organisation, hat nicht vor, Informationen im Internet anzubieten
1 = Organisation ist noch in Planung, Informationen im Internet anzubieten
2 und 3 = Organisation stellt Informationen ins Internet
missing value = 0,25; missing value durch nicht beantwortete Frage oder nicht beantworteten Fragebogen
Quelle: eigene Berechnung
Für den Kontrast zwischen diesen beiden Phänomenen kann es eigentlich nur folgende
Erklärungen geben:
1. In der Dokumentenanalyse wurden die Internetseiten hinsichtlich des Bestands an In-
formation nicht so kritisch beurteilt, wie durch die Personen, die den Fragebogen be-
antwortet haben.
2. Die befragte Person kennt die Internetseite ihrer Organisation nicht genau genug, um
eine richtige Antwort zu geben.
17 Die befragte Person von S3 beantwortete die Frage nach Internetnutzung zur Informationsverbreitung
ihrer Organisation mit ,nein`. Die Dokumentenanalyse und die Aussagen der anderen Organisationen, dass
sie von der Internetseite von S3 Informationen beziehen (s. dazu Kapitel 4.8), widerlegen diese Antwort und
bilden eine Tatsache!
61
3. Es herrscht eine unterschiedliche Auffassung über die Interpretation der Frage ,,Stellt
Ihre Organisation Evaluationen, Studien, Untersuchungen etc. im Internet zur Ver-
fügung?"18, bzw. über die darin vorkommenden Begrifflichkeiten.
Insgesamt stellt dieser Kontrast sowohl die Validität der Ergebnisse bezüglich der
Internetnutzung zur Verbreitung von Informationen, als auch die interne Validität des
Fragebogens insgesamt in Frage. Eine Antwort darauf kann nach der Präsentation der
Ergebnisse zur Internetnutzung der Organisationen zum Informationserhalt gegeben
werden, die die hier vorliegenden Ergebnisse noch einmal aufgreift (vgl. Kapitel 4.7).
4.3 Der Versand schriftlicher Informationen Welche Organisationen
erhalten die größte Menge an schriftlichen Informationen von den
anderen EZ-Organisationen
85% der Organisationen, deren Fragebögen quantitativ auswertbar sind, geben an, Infor-
mationen an andere EZ-Organisationen in Form von schriftlichen Exemplaren weiterzuge-
ben.
Tabelle 5:
Kreuztabelle: Organisationsart und deren Angabe über das Senden von
Informationen an andere EZ-Organisationen
Senden von Information
Organisationsart
nein
ja
Total
Staatliche
Anzahl
1
8
9
Organisationen
% der staatlichen Organisationen
11,1
88,9
100
% der Org., die Infos verschicken
25
36,4
34,6
% aller Organisationen
3,8
30,8
34,6
Politische
Anzahl
5
5
Stiftungen
% der politischen Stiftungen
100
100
% der Org., die Infos verschicken
22,7
19,2
% aller Organisationen
19,2
19,2
Kirchliche
Anzahl
1
5
6
Organisationen
% der kirchlichen Organisationen
16,7
83,3
100
% der Org., die Infos verschicken
25
22,7
23,1
% aller Organisationen
3,8
19,2
23,1
Sonstige NROs
Anzahl
2
4
6
% der sonstigen NROs
33,3
66,7
100
% der Org., die Infos verschicken
50
18,2
23,1
% aller Organisationen
7,7
15,4
23,1
Total
Anzahl
4
22
26
% aller Organisationen
15,4
84,6
100
Quelle: eigene Berechnung
Acht von neun staatlichen Organisationen, alle politischen Stiftungen, 83% der kirchlichen
Organisationen und zwei Drittel der sonstigen NROs verschicken schriftliche Dokumente
18 Dass z.B. auch Zusammenfassungen damit gemeint sein könnten, wurde in der Einleitung der Frage
erwähnt (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1).
62
an andere Organisationen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die vier Organisa-
tionen, die keine Evaluationen, Untersuchungen, Studien, etc. an andere EZ-Organisa-
tionen weitergeben, sind S9, K1, N2 und N3.
Von den acht staatlichen Organisationen, die sagen, sie geben schriftliche Informationen
an andere EZ-Organisationen weiter, machen drei Viertel der Organisationen eine Angabe
darüber wieviel Prozent ihrer Gesamtinformation diese Informationsmenge entspricht.
Beim BMZ entspricht die Menge der versendeten Information der Menge der insgesamt
zur Verfügung stehenden Information. S3 und S8 versenden 20%, S4 versendet 30%, S7
zehn von Hundert und S5 lediglich fünf Prozent der Gesamtinformationen.
Drei von fünf politischen Stiftungen geben den prozentualen Anteil der Gesamtinforma-
tion, den sie an andere EZ-Organisationen verschicken, an. Die weitergegebene Informa-
tion von P1 entspricht der Menge aller Evaluationen, Studien, Untersuchungen etc.. P2
schickt anderen Organisationen 80% und P4 40% seiner zur Verfügung stehenden Infor-
mation.
Von den kirchlichen Organisationen nennen 80% der Organisationen, die ihre Informa-
tionen an andere EZ-Organisationen weitergeben, wieviel diese Menge im Verhältnis zur
Gesamtmenge an Information ist. Bei K3 entspricht diese Menge drei Viertel aller Infor-
mationen, bei K7 sind es die Hälfte, bei K8 35% und bei K2 lediglich zehn Prozent.
Gerade noch zwei von vier NROs, welche anderen EZ-Organisationen ihre Informationen
weitergeben, erwähnen, wieviel Prozent die se Informationsmenge in Relation zur insge-
samt zur Verfügung stehenden Menge ist. Bei VENRO entspricht die Menge versendeter
Informationen der Menge aller Informationen, und bei N4 ist es die Hälfte aller Informa-
tionen (vgl. Tab. 4.1 in Anhang 4).
Erhöht man die Irrtumswahrscheinlichkeit auf 10%, so geben die politischen Stiftungen
statistisch signifikant insgesamt mehr Prozent ihrer Gesamtinformationen weiter als die
staatlichen Organisationen (vgl. Tab. 4.2 in Anhang 4).
Im Folgenden werden nun die Orga nisationen vorgestellt, die von den befragten Organi-
sationen der Entwicklungszusammenarbeit die meisten Informationen erhalten. An
erster
Stelle
stehen dort die Organisationen BMZ, S2, S7, K6, K7 und K9, also keine politischen
Stiftungen und keine sonstigen NROs. Von den staatlichen Organisationen nennen dabei
zwei Organisationen (S4, S6) an erster Stelle das BMZ als die Organisation, der sie die
meiste Information zusenden. Weiter sagen BMZ, S3, S5 und S7, dass die Organisation S2
die meisten ihrer Informationen erhält. Die staatlichen Organisationen bleiben also unter
sich, bei der Frage, an wen sie die meisten ihrer Information weitergeben. Von den
politischen Stiftungen nennen drei Organisationen (P1, P2 und P5) das BMZ als die
Organisation, die von ihnen die meisten ,Evaluationen, Studien, Untersuchungen etc.`
erhalten. Andere Organisationen außer dem BMZ werden dabei von den politischen
Stiftungen nicht genannt. Fünf kirchliche Organisationen geben an, welchen
Organisationen sie die meiste Information zukommen lassen. K 2 nennt dafür K6, K3 und
63
K7 nennen K9, K9 sagt, dass K7 die meiste ihrer Informationen erhält und nur K8 nennt
S7 als staatliche Organisation, welcher sie die meisten ihrer Informationen gibt. Die
kirchlichen Organisationen bleiben also auch weitestgehend unter sich, betrachtet man,
wem sie die meisten Informationen zur Verfügung stellen. Die sonstigen NROs machen
keine Angaben diesbezüglich (vgl. Tab. 6). Bei der Aussage, welche Organisationen die
größte Menge an Informationen erha lten, unterscheiden sich die staatlichen und
kirchlichen Organisationen signifikant in ihrem Antwortverhalten und zwar mit einer
Fehlerwahrscheinlichkeit von 3,5% (vgl. Tab. 4.3 in Anhang 4).
Zehn Organisationen machen eine Aussage, welchen Organisationen sie die
zweitgrößte
Menge an Informationen geben. Diese teilen sich jeweils zur Hälfte auf in staatliche und
kirchliche Organisationen. Politische Stiftungen und sonstige NROs geben dazu keine
Stellungnahme ab. BMZ und S4 nennen S3 als die Organisation, die von ihnen die zweit-
meiste Menge an Informationen erhält. Bei S5 ist dies S6 und S6 wiederum nennt S2 als
den zweitgrößten Empfänger ihrer Informationen. Als einzige staatliche Organisation
nennt S7 die kirchliche Organisation K8, wenn es um die Frage geht, wer an zweiter Stelle
bei der Verteilung von Informationen steht. Von den fünf kirchlichen Organisationen, die
diese Frage beantworteten, sind es K7 und K9, welche K5 als die Organisation nennen, die
von ihnen die zweitgrößte Informationsmenge zur Verfügung gestellt bekommt. In diesem
Kontext nennt K3 K7 und K2 VENRO. K8 ist dabei die einzige Organisation, die eine Or-
ganisation erwähnt, die nicht in der Stichprobe vorkommt, nämlich Organisation 51 (vgl.
Tab. 4.4 in Anhang 4).
Tabelle 6:
Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger bezüglich
der größten Informationsmenge
Organisation, welche die größte Informationsmenge erhält
Organisation
BMZ
S 2
S 7
K 6
K 7
K 9
Total
BMZ
1
S 3
1
S 4
1
S 5
1
S 6
1
S 7
1
P 1
1
P 2
1
P 5
1
K 2
1
K 3
1
K 7
1
K 8
1
K 9
1
Total
5
4
1
1
1
2
14
Quelle: eigene Berechnung
Eine Aussage darüber, welche die Organisation ist, welche die
drittgrößte
Menge an Eva-
luationen, Studien, Untersuchungen etc. erhält, machen wiederum zehn Organisationen
64
fünf staatliche und fünf kirchliche Organisationen. S6 und S7 benennen S3 als die Orga-
nisation die von ihnen die drittgrößte Informationsmenge erhält. S5 gibt dem BMZ, S4 S2
und das BMZ S4 die drittgrößte Menge aller Informationen, die sie versendet. Die staat-
lichen Organisationen bleiben also unter sich bei der Frage, wem sie die drittmeiste Menge
an Information zur Verfügung stellen. An dritter Stelle bei der Verteilung von Information
nennt K7 die andere kirchliche Organisation K6. K8 gibt dem BMZ die drittgrößte Infor-
mationsmenge. K2, K3 und K9 benennen in diesem Kontext Organisationen, die nicht aus
der Stichprobe stammen. Organisation 40 erhält von K2, 61 von K9 und 65 von K3 die
drittgrößte Informationsmenge (vgl. Tab. 4.5 in Anhang 4).
Die
vierte
Stelle, wenn es um die mengenmäßige Verteilung von Information geht, be-
nennen noch sieben Organisationen drei staatliche und vier kirchliche Organisationen.
An der vierten Position stehen beim BMZ S11, bei S6 S5 und S7 eine kirchliche Organi-
sation, nämlich K7. K7 wird auch von K8 an vierter Stelle angeführt, wenn es um die
Verteilung ihrer Informationsmenge geht. Des weiteren nennt K2 das BMZ als Organisa-
tion aus der Stichprobe. Als Organisationen, die nicht aus der Stichprobe stammen, werden
an vierter Position bei der Verteilung von ,Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc.`
die Organisation 39 von K3 und 62 von K9 genannt. Eine Gruppenbildung ist hier nicht zu
erkennen (vgl. Tab. 4.6 in Anhang 4).
Welche Organisationen die
fünftgrößte
Menge an Informationen erhalten, konnten noch
sechs Organisationen beantworten. Organisation 67 wird vom BMZ an dieser Stelle ge-
nannt. S6 sagt, dass S10 und S7 sagt, dass das BMZ die fünfte Stelle bei der Verteilung
ihrer Information einnehmen. Die staatlichen Organisationen nennen also an fünfter Po-
sition auch nur staatliche Organisationen, wobei 67 eine Organisation außerhalb der
Stichprobenmenge ist. Die kirchliche Organisation K3 vergibt die fünfte Stelle an K5. K8
und K9 nennen mit 53 und 63 an fünfter Position zwei nicht-deutsche Organisationen, die
ebenfalls wie 67 nicht in der Stichprobe vorkommen (vgl. Tab. 4.7 in Anhang 4).
Nur noch vier Organisationen nennen die Organisationen, welche bei ihnen an
sechster
Stelle bei der Verteilung ihrer Information stehen. Die genannten Organisationen kommen
nicht in der Stichprobe vor. S7 nennt in diesem Kontext 68. 54, 64 und 66 werden von K8,
K9 und K3 an sechster Stelle aufgeführt, wenn es um die Verteilung ihrer Information geht
(vgl. Tab. 4.8 in Anhang 4).
Am insgesamt häufigsten werden die staatlichen Organisationen BMZ (neunmal), S2
(sechsmal) und S3 (viermal) von allen Organisationen bei der Verteilung ihrer Informa-
tionsmenge genannt. Dreimal werden insgesamt die kirchlichen Organisationen K5 und K7
aufgeführt. K6 erhält noch zwei Nennungen und alle anderen Organisationen erhalten
insgesamt eine Nennung. Das BMZ erhält also von den anderen EZ-Organisationen die
meisten Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc.. Dies könnte ein Indikator dafür sein,
dass das BMZ einen prestigereichen Akteur im Netzwerk verkörpert, denn das Prestige
eines Akteurs ergibt sich aus der Zahl der Kontakte anderer Akteure zu ihm (vgl. JANSEN,
65
1999: 136). Da das BMZ hier die meisten Kontakte aufweisen kann, ist dieser Rückschluss
möglich, wird aber noch in Kapitel 4.6.3 erörtert.
4.4 Das Sender-Empfänger-Netzwerk deutscher EZ-Organisationen
Den zentralen Bestandteil der Auswertung wird wie bereits erwähnt die Gestalt des
Kommunikations netzwerks deutscher EZ-Organisationen darstellen, welche mithilfe der
Netzwerkanalyse im Folgenden vorgenommen wird. Dies beinhaltet die deskriptive
Darstellung von drei verschiedenen Einzel-Kommunikationsnetzwerken: ein Sender-
Empfänger-Netzwerk (Kapitel 4.4), ein Empfänger-Sender-Netzwerk (Kapitel 4.5) und
schließlich ein Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen, bei dem ein
,Bestätigtes Senden` untersucht wird (Kapitel 4.6). Beim Sender-Empfänger-Netzwerk
wird ausschließlich das Senden von Informationen an andere EZ-Organisationen
beschrieben. Das Empfänger-Sender-Netzwerk wird nur mithilfe der Aussage, von
welchen Organisationen Informationen empfangen werden, skizziert. Für das abschließend
zu betrachtende Kommunikations netzwerk deutscher EZ-Organisationen wird schließlich
das oben genannte ,Bestätigte Senden` untersucht, d.h. es wird nicht nur die Aussage, dass
eine Organisation an die andere Organisation Informationen gesendet hat, sondern auch die
Aussage der anderen Organisation, dass etwas empfangen wurde, mit bewertet. Um das
Kommunikationsnetzwerk und seine Ak teure zu beschreiben, werden alle notwendigen
netzwerkanalytischen Maßzahlen herangezogen. Diese sind Kommunikationsdichte bzw.
Netzwerkdichte, Zentralität, Prestige, Cutpoint positionen, Netzwerkkomponentenanalyse,
Macht von Akteuren sowie verschiedene Cliquen- und Blockmodellanalysen zur Identi-
fikation von Gruppen im Netzwerk.
Die nun folgenden Darstellungen beziehen sich auf das Sender-Empfänger-Netzwerk.
4.4.1 Die Netzwerkdichte
Die Netzwerkdichte19 gibt Aufschluss darüber, wie viele von den möglichen Wahlen
innerhalb eines Netzwerks tatsächlich realisiert wurden. 20 Die Netzwerkdichte zeigt also
19 Hier und im nächsten Kapitel werden zunächst zwei asymmetrische Matrizen verwendet, nämlich eine
Sender Empfänger Matrix (Matrix A) und eine Empfänger Sender Matrix (Matrix B). Beide werden
in Kapitel 4.6 zusammengefasst betrachtet. Ein bestätigtes Senden, sowie ein einseitiges Senden und
Empfangen kann dann festgestellt werden Dazu wird Matrix B transponiert über Matrix A gelegt. Die zu-
sammengefasste Matrix enthält also alle Werte von Matrix A und B. Deshalb, und weil bei Soziomatrizen die
Zeilenanzahl der Spaltenanzahl entsprechen muss (xij = xji), haben alle drei Matrizen (Matrix A, Matrix B
und deren Zusammenfassung) die gleiche Spalten- und Zeilenanzahl. Dadurch werden die Kommunikations-
dichten zwischen den befragten Organisationen und denen außerhalb der Stichprobe geringer als sie viel-
leicht wirklich sind, denn nicht alle bei Matrix A genannten Organisationen aus den offenen Kategorien wür-
den in Matrix B vorkommen und umgekehrt. Insgesamt umfassen alle drei Matrizen jeweils 68 Akteure.
66
an, ob die Kommunikationshäufigkeit zwischen den Akteuren in einem Netzwerk hoch
oder niedrig ist. Somit dient sie der Überprüfung der Hypothesen H2, H3 und H4: Liegen
gleiche Einstellungen bei Organisationen vor, wird die Kommunikation zwischen ihnen
hoch sein, und somit besteht zwischen den Organisationen mit gleicher Einstellung eine
hohe Kommunikationsdichte und zwischen Organisationen mit ungleicher Einstellung eine
niedrige Kommunikationsdichte. Dabei ist zu beachten, dass bei grossen Netzwerken wie
dem hier vorliegenden, die Dichte geringer ist als bei kleinen Netzwerken, da es
beispielsweise in einem grossen Netzwerk für einen Akteur kaum möglich ist, die Zeit zur
Kommunikation mit allen anderen Akteuren zu finden in einem kleinen Netzwerk ist dies
eher möglich (vgl. JANSEN, 1999: 89).
Tabelle 7:
Kommunikationsdichten ,,Sender Empfänger" des Kommunikations-
netzwerks deutscher EZ-Organisationen
Informationsempfänger
Organisationen
Informations-
Staatliche
Politische
Kirchliche
Sonstige
außerhalb der
sender
Organisationen
Stiftungen
Organisationen
NROs
Stichprobe
Staatliche
0,7182
0,3455
0,1545
0,0331
0,0152
Organisationen
Politische
0,7636
1,0500
0,2200
0,1091
0
Stiftungen
Kirchliche
0,2636
0,1800
0,4667
0,2000
0,0500
Organisationen
Sonstige
0,1074
0,0182
0,1455
0,0636
0,0455
NROs
Organisationen
außerhalb der
0
0
0
0
0
Stichprobe*
Bei der Dichteberechnung bei gleichen Organisationstypen wurden die Angaben zur eigenen Organisation
die Diagonale in der Matrix nicht berücksichtigt.
*
Die Netzwerkdichte in dieser Zeile muss immer Null sein, da diese Organisationen nicht befragt wurden
und daher keine Angaben bezüglich ihres Verhaltens als Informationsempfänger vorliegen
Gesamtdichte: Gesamt
= 0,0844
= 0,1505 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als Sender)
= 0,2538 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als Sender
und Empfänger)
Quelle: eigene Berechnung
20 Die größte anzunehmende Dichte () ist im Normalfall = 1. Da hier aber die Wahlen noch nach
Häufigkeit gewichtet wurden, wobei der häufigste Kontakt den Wert ,,3" erhielt, beträgt die höchste
anzunehmende Dichte 3* = 3.
67
Im Folgenden wurden die Kommunikationsdichten zwischen und innerhalb den einzelnen
Organisationstypen ermittelt, um vergleic hen zu können, bei welchen Organisationstypen
die Kommunikationsdichte bezüglich des Sendens von Informationen hoch bzw. niedrig
ist21.
Die Gesamtdichte von Gesamt = 0,0844 zwar sehr gering, lässt aber den Rückschluss auf
ein weak-tie-Netzwerk zu. Weak-ties sind in der Lage, im Netzwerk große Entfernungen
zu überbrücken. Weiterhin vermitteln sie verschiedenartige und oft auch neue
Informationen und sind daher für alle Mobilitäts-, Modernisierungs-, Innovations- und
Diffusionsprozesse im Netzwerk von Be deutung. Des Weiteren können sie
Ausschließungsprozesse von verschiedenen stark integrierten Gruppen im Netzwerk
aufhalten oder verhindern (vgl. JANSEN, 1999: 101). Dagegen dauert es in weak-tie-
Netzwerken oft länger bis sich Neuigkeiten, wie etwa eine Inno vation, von den zentralen
Akteuren bis in die Ränder des Netzwerks verbreiten (vgl. JANSEN, 1999: 88).
Tab. 7 zeigt, dass die staatlichen Organisationen öfter an andere staatliche Organisationen
Informationen senden als an alle anderen Organisationstypen. Die Kommunikationsdichte
ist doppelt so hoch wie die zwischen staatlichen Organisationen und politischen Stiftungen
und viermal so hoch wie zwischen staatlichen und kirchlichen Organisationen. Staatliche
Organisationen senden sogar 22mal öfter Informationen an andere staatliche Organi-
sationen als an sonstige NROs.
Bei den politischen Stiftungen wurde in Hypothese 3 erwartet, dass sie sich untereinander
nicht so viele Informationen senden, wie sie das z.B. an staatliche Organisationen tun.
Diese Annahme wird hier widerlegt. Die Kommunikationsdichte zwischen den politischen
Stiftungen ist mit 1,05 deutlich höher als zu den staatlichen Organisationen mit 0,76.
Dennoch ist in Tab. 7 zu erkennen, dass die Dichte der Kommunikation zwischen
politischen Stiftungen und staatlichen Organisationen höher ist als zu den sonstigen NROs,
was auch im Vorfeld angenommen wurde. Die politischen Stiftungen scheinen also doch
gleiche Einstellungen zu besitzen, sonst wäre ihr gegenseitiger Informationsaustausch nicht
so hoch.
Die kirchlichen Organisationen unterscheiden sich in ihren Kommunikationsdichten wie in
H4 angenommen nicht bzw. nur kaum nach katholischen und evangelischen Organisa-
tionen (s. Tab. 8). Katholische Organisationen senden z.B. häufiger an evangelische Or-
ganisationen als zu anderen katholischen Organisationen. Evangelische Organisationen
versenden untereinander aber öfter Informationen als katholische Organisationen. Dennoch
ist die Kommunikationsdichte mit 0,9444 sehr hoch z.B. höher als die staatlichen Orga-
nisationen untereinander. Es kann also nicht behauptet werden, dass sich die kirchlichen
Organisationen untereinander bezüglich der Wahl ihres Kommunikationspartners
21 Die Kommunikationsdichten werden mit mn = Dichte zwischen Organisationsarten m und n
bezeichnet. S steht für staatliche, P für politische, K für kirchliche und N für Nichtregierungs-
organisationen
68
unterscheiden. Sie teilen dementsprechend doch gleiche Einstellungen. Deshalb werden die
kirchlichen Organisationen insgesamt als eine Organisationsart betrachtet (s. Tab. 7). Die
kirchlichen Organisationen besitzen untereinander mit 0,4667 eine zwei- bis dreimal
höhere Kommunikationsdichte als zu anderen Organisationstypen.
Tabelle 8:
Kommunikationsdichten ,,Sender Empfänger" des Kommunikations-
netzwerks deutscher EZ-Organisationen (Katholische und evangelische
EZ-Organisationen)
Informationsempfänger
Katholische
Evangelische
Informationssender
Organisationen
Organisationen
Katholische
0,2000
0,4444
Organisationen
Evangelische
0,9444
1,5000
Organisationen
Quelle: eigene Berechnung
Aus Tab. 7 lässt sich erkennen, dass die sonstigen NROs zu dem einzigen Organisationstyp
gehören, wo die Kommunikationsdichte untereinander geringer ist als bei den anderen
Organisationstypen. Am häufigsten versenden die sonstigen NROs Informationen an
kirchliche Organisationen (NK = 0,1455) und an staatliche Organisationen (NS = 0,1074).
Untereinander beträgt die Kommunikationsdichte nur 0,0636. Die Kommunikationsdichte
zwischen den sonstigen NROs zu sich selbst und den kirchlichen Organisationen ist mit
NN+NK = 0,0996 fast so hoch wie zu den staatlichen Organisationen. An dieser Stelle ist
nun nicht zu erkennen, dass sich die sonstigen NROs sehr von den staatlichen
Organisationen was die Wahl des Kommunikationspartners betrifft entfernen. Die
Nähe zu den kirchlichen und den staatlichen Organisationen ist deutlich höher als
untereinander. Die Annahme H2, dass sich die staatlichen und die sonstigen NROs
aufgrund der Wahl ihrer Kommunikationspartner in zwei Gruppen aufteilen, wäre nur
aufgrund dieser Tatsache Stelle schwer zu bestätigen. Andererseits kann die niedrige
Dichte z.B. auch durch den Ausfall vieler sonstigen NROs beim Fragebogenrücklauf her-
rühren.22 Weiterhin kann, wenn die Gruppe der Nichtregierungsorganisationen an dieser
Stelle etwas weiter gefasst wird und die Kommunikation der sonstigen NROs zu den
kirchlichen Organisationen mit betrachtet wird, die Kommunikation zwischen den NROs
als doch intensiver als zu den staatlichen Organisationen gewertet werden. Da die staat-
22 ,Keine Angaben` müssen ebenfalls wie eine nicht existente Verbindung beim Rechnen mit Soziomatrizen
mit 0 codiert werden. Dadurch kann die Netzwerkdichte bei den Angaben der sonstigen NROs sinken.
69
lichen Organisationen untereinander ebenfalls eine höhere Kommunikationsdichte besitzen
als zu den sonstigen NROs, ist die Annahme wohl eher zu bestätigen als zu verwerfen.
Die größten Kommunikationsdichten zu Organisationen außerhalb der Stichprobe besitzen
die kirchlichen Organisationen und die sonstigen NROs mit jeweils ca. 0,05. Politische
Stiftungen versenden gar keine Informationen an Organisationen außerhalb der Stichprobe.
Das bedeutet, dass hauptsächlich die NROs an andere Organisationen Informationen
versenden. Die Streuweite ist bei den sonstigen NROs und den kirchlichen Orga nisationen
was den Organisationstyp betrifft sehr weit. Die Kommunikationsdichten zu den
einzelnen Organisationstypen sind zwar insgesamt nicht sehr hoch, dafür ist aber die
Streuweite relativ konstant. Die staatlichen Organisationen und politischen Stiftungen
beschränken ihre Kommunikation dagegen eher auf die Organisationen die in der
Stichprobe vorkommen, und dabei bevorzugen sie vor allem den Informationsaustausch
mit Organisationen des gleichen Organisationstypus.
4.4.2 Zentralität von Akteuren
Bestimmte Werte, die für die Zentralitäts- und Prestigemessung von Ak teuren
verantwortlich sind, sind bei den mächtigen und einflussreichen Organisationen höher als
bei anderen. Umgekehrt bedeutet dies: Je höher die
Zentralitäts
- und
Prestige
werte sind,
die sich bei einer Organisation zeigen, desto
mächtiger
ist sie und desto mehr Einfluss hat
sie (vgl. JANSEN 1999: 155 und vgl. SCHENK, 1984: 75). Um also die Hypothese H1 zu
überprüfen, sind die Zentralitätswerte und die im folgenden Kapitel dargestellten Prestige-
werte von Bedeutung.
Die Zentralität ist zunächst ein Maß für die Position von einzelnen Akteuren in einem
Netzwerk. Zur Bestimmung der Zentralität von Akteuren in einem Netzwerk gibt es drei
Maße, die unterschiedlich interpretiert werden nähebasierte, Betweenness-basierte und
Outdegree-basierte Zentralität. Dadurch soll hier das Augenmerk nur auf einige wenige
herausragende Akteure gerichtet werden und nicht auf die Zentralitätswerte aller Akteure.
Die nähebasierte Zentralität der Sender-Empfänger-Matrix kann hier vernachlässigt wer-
den, da es Akteure gibt, die nicht erreichbar sind es gibt unverbundene Akteure. Somit ist
auch das Sender-Empfänger-Netzwerk in seiner Gesamtheit unverbunden. Das bedeutet
wiederum, dass dieses Netzwerk in verschiedene Komponenten zerfällt um genau zu sein
17. Darin lassen sich 16 unverbundene Einzelakteure (N3, 43, 44, 45, 57, 58, 59, 60, 61,
62, 63, 64, 65, 66, 67und 68) feststellen, die keine kommunikative Verbindung zum Rest
des Netzwerks (Komponente 17) aufweisen können (vgl. Abb. 5.1 in Anhang 5). Aufgrund
der unverbundenen Einzelakteure, ist eine nähebasierte Zentralität nicht mehr möglich
(vgl. JANSEN, 1999: 127).
70
Tabelle 9:
Zentralitätsmaße der einzelnen Netzwerkakteure des Sender-Empfänger-
Netzwerks
Organisation Betweenness nBetweenness OutDegree NrmOutDeg
BMZ
501.903
11.699
50.000
75.758
K9
200.021
4.662
44.000
66.667
VENRO
137.301
3.200
18.000
27.273
K8
135.369
3.155
26.000
39.394
P5
35.161
0.820
18.000
27.273
S7
30.916
0.721
26.000
39.394
P4
29.084
0.678
31.000
46.970
S8
24.786
0.578
12.000
18.182
K7
14.111
0.329
11.000
16.667
K3
12.148
0.283
26.000
39.394
P2
6.118
0.143
19.000
28.788
S3
4.283
0.100
6.000
9.091
S11
2.786
0.065
7.000
10.606
K2
2.000
0.047
10.000
15.152
P1
1.718
0.040
3.000
4.545
P3
1.643
0.038
9.000
13.636
N4
1.368
0.032
22.000
33.333
S2
0.683
0.016
5.000
7.576
S6
0.500
0.012
7.000
10.606
S4
0.100
0.002
6.000
9.091
N9
0.000
0.000
8.000
12.121
S5
0.000
0.000
5.000
7.576
N5
0.000
0.000
4.000
6.061
Alle hier nicht aufgeführten Akteure haben Betweeness- und Outdegreemaße von 0.
Quelle: eigene Berechnung
Weitere Zentralitätsmaße sind Betweenness und Outdegree. Da die Betweenness etwas
über die Möglichkeiten der Kommunikationskontrolle des Akteurs aussagen, wurden die
Akteure in Tab. 9 nach dem höchsten absoluten Betweenness-Wert und dann absteigend
angeordnet. Die Outdegreemaße stehen daneben. Für beide Werte wurden jeweils noch
standardisierte Werte angegeben (nBetweenness sowie NrmOutDeg). Die Betweenness
besagt, dass ein Akteur ,,zwischen" zwei anderen steht, wenn er diese über die kür zeste
Pfaddistanz miteinander verbindet. Aus dieser Position leitet sich eine Kontrollposition ab,
welche es ihm ermöglicht, die Kommunikation zwischen den beiden Endpunkten
71
aufrechtzuerhalten oder aber deren Kommunikationsfluss zu unterbrechen (vgl. König,
1992: 110). Je höher der Wert, desto höher diese Kontrollmöglichkeit. Die Outdegrees
oder abgegebenen Wahlen erfassen die Anzahl der direkten Verbindungen des Akteurs zu
anderen Punkten im Netzwerk. Es gilt somit als Maß für die Kommunikationsaktivität des
Akteurs (vgl. JANSEN, 1999: 131).
Aus Tab. 9 lässt sich erkennen, dass das BMZ der Akteur ist, der mit Abstand die höchsten
Zentralitätsmaße besitzt. Das BMZ steht im Mittelpunkt des Kommunikationsnetzwerks
deutscher EZ-Organisationen wird die Sender-Empfänger-Matrix betrachtet. Es kon-
trolliert sowohl die Kommunikation zwischen den anderen Organisationen (Betweenness),
hat aber auch selbst die höchste Kommunikationsaktivität (Outdegree). Weitere zentrale
Positionen im Sender-Empfänger-Netzwerk nehmen die Organisationen K9, VENRO und
K8 ein, jedoch mit weitem Ab stand hinter dem BMZ. K9 hat von diesen Organisationen in
seiner Kommunikation noch die größte Aktivität mit odK9 = 44 (Outdegreewert von K9)
und besitzt davon auch die größte Kontrollmöglichkeit mit einem Wert von bjk(nK9) =
200.021 (Betweennesswert von K9). Obwohl VENRO nicht so viele direkte Be ziehungen
wie K8 besitzt, scheint dieser Akteur im Sender-Empfänger-Netzwerk besser eingebettet
zu sein, denn er hat mehr Kontrollmöglichkeiten als K8. Auch andere Organisationen wie
S7, P4, K3, P2 oder N4 haben höhere Outdegree-Werte als VENRO. Dennoch besitzen
diese nicht annähernd die gleichen Kontrollmöglichkeiten wie VENRO. Was dagegen
nicht zu erwarten war, ist die Tatsache, dass zwei kirchliche Organisationen (K9 und K8)
zwei sehr zentrale Akteure im Sender-Empfänger-Netzwerk darstellen. Von den
politischen Stiftungen nimmt P5 mit einem Betweennessmaß von bjk(nP5) = 35 den fünften
Platz in der Zentralitätsreihenfolge ein, vor S7. Auch hier besitzt der zentralere Akteur P5
eine geringere Kommunikationsaktivität als Organisation S7. Organisation P4 soll hier
noch genannt werden, welche die drittgrößte Anzahl an direkten Beziehungen in diesem
Netzwerk besitzt, was die Zentralität betrifft, aber nur den siebthöchsten Wert besitzt.
Auch N4 hat mit einem Outdegree von odN4 = 22 noch eine mittlere Kommunikationsakti-
vität, kommt aber durch seine geringen Einfluss auf die Kommunikation zwischen den
anderen Akteuren in der Zentralität nur auf den 17. Rang.
Werden also die Zentralitätsmaße aus Tab. 9 betrachtet, bestätigt sich die Annahme H1,
dass BMZ und VENRO mächtige Akteure im Sender-Empfänger-Netzwerk sind. Hinzu
kommen noch K9 und K8 als sehr zentrale und damit eventuell mächtige Akteure im
System.
Weitere Indikatoren für die Machtposition eines Akteurs sind die Prestigemaße.
4.4.3 Prestige von Akteuren
Mit Prestigekonzepten wird erfasst ,,inwiefern sie [die Akteure] knappe Wertschätzung,
Autorität und Achtung im Netzwerk genießen" (JANSEN, 1999: 136). Prestigemaße sind
72
also auch Indikatoren für Machtpositionen. Wie bei den Zentralitätsmaßen gibt es auch bei
den Prestigemaßen verschiedene Größen. Das ist zum einen das Indegree-basierte Prestige
und zum anderen das Rangprestige. Das Indegree-basierte Prestige ist das einfachste, aber
auch das stärkste Prestigemaß, da es die unmittelbaren Beziehungen des Akteurs misst
bzw. genauer, wie oft er von anderen Organisationen kontaktiert wird. Ist sein Prestige
niedrig, ist auch die Zahl seiner Wahlen niedrig. Tab. 5.1 in Anhang 5 ist demnach in erster
Linie nach dem Indegreemaß geordnet (s. Tab. 5.1 in Anhang 5, Spalte InDegree). Als
weiteres Maß gilt das Rangprestige, welches sich durch den Eigenvektor ausdrückt. Für die
korrekte Berechnung des Eigenvektors wurde die Sender-Empfänger-Matrix zunächst
symmetrisiert23 (s. Tab. 5.1 in Anhang 5, Spalte Eigvec). Zusätzlich wurde aber auch
,inkorrekt′, mit der asymmetrischen, die Häufigkeit der Beziehung bewertenden Matrix,
der Eigenvektor ermittelt, um ihn mit dem eigentlichen Eigenvektor vergleichen zu können
(s. Tab. 5.1 in Anhang 5, Spalte Easym). Neben diesen Maßzahlen sind auch noch jeweils
die standardisierten Werte in der Tabelle neben den absoluten Maßen zu finden
(NrmInDeg, nEigvec, nEasym). Das Rangprestige berücksichtigt neben direkten auch
indirekte Wähler, sowohl die Qualität den Rang des Wählers selbst. Es ist also ein eher
qualitatives Maß.
Aus Tab. 5.1 in Anhang 5 lässt sich gut erkennen, dass das BMZ bei allen Prestigemaßen
mit Abstand die höchs ten Werte besitzt. Sowohl sein Indegree (49) als auch der Eigen-
vektor (0.518) sind fast doppelt so hoch wie der jeweilige zweithöchste Wert. Damit be-
sitzt das BMZ im Sender-Empfänger-Netzwerk nicht nur die höchste Zentralität, sondern
auch das höchste Prestige aller Akteure. Die Annahme aus H1.1, dass das BMZ im Netz-
werk deutscher EZ-Organisationen ein mächtiger Akteur ist, bestätigt sich an dieser Stelle,
da Zentralität wie auch Prestige Indikatoren für eine Machtposition im Kommunikations-
netzwerk sind (vgl. JANSEN, 1999: 155). Ebenfalls hohe Indegreewerte besitzen S2, S3
und VENRO (vgl. Tab. 5.1 in Anhang 5). Die Prestigerangordnung auf den Plätzen zwei
bis vier spiegelt also nicht die Rangordnung der Zentralität wieder. Wo K8 und K9 noch
hohe Zentralität besaßen, beläuft sich ihre Prestigerangordnung im Sender-Empfänger-
Netzwerk auf die Plätze 12 und 13, wobei K9 aber noch den viert höchsten Eigenvektor
und den zweitgrößten asymmetrischen Eigenvektor besitzt. K9 wird also nicht sehr oft
kontaktiert. Wenn dies aber geschieht, dann von Akteuren, die selbst ein hohes Prestige
besitzen. Da K8 und K9 nur hohe Zentralitätswerte, aber geringe Prestigewerte besitzen
(vgl. Tab. 9 und Tab. 5.1 in Anhang 5), kann nicht davon ausgegangen werden, dass ihre
Machtposition vergleichbar mit dem des BMZ wäre. Anders bei VENRO. Diese
Organisation besitzt die drittgrößte Zentralität und das vierthöchste Prestige aller Akteure
(vgl. Tab. 9 und Tab. 5.1 in Anhang 5). Der niedrige Eigenvektorwert von 0.098 deutet
jedoch darauf hin, dass die Akteure, die VENRO wählen, selbst kein hohes Prestige
23 Die Wahlen in der Zeile müssen mit denen der Spalte identisch sein. Identische Wahlen erhalten eine 1,
alle anderen eine 0. Dabei ging die Asymmetrie und die Wertung der Häufigkeit des Kontakts verloren.
73
innerhalb des Netzwerks haben. Da gerade die sonstigen NROs in der Prestigewertung in
den unteren Rängen zu finden sind (vgl. Tab. 5.1 in Anhang 5), könnte angenommen
werden, dass VENRO gerade von diesen Akteuren besonders häufig als Kommuni-
kationspartner gewählt wird. Aufgrund seiner Zentralität würde VENRO also vor allem im
Mittelpunkt der sonstigen NROs stehen. Wegen seiner Zentralität und seines Prestiges
kann also festgehalten werden, dass diese Indikatoren darauf hinweisen, dass VENRO der
Akteur mit der zweithöchsten Machtfülle im Sender-Empfänger-Netzwerk ist. Das
bedeutet, dass sich auch die Annahme H1.2 zumindest für das Sender-Empfänger-
Netzwerk bestätigt.
Angesichts der Eigenvektorwerte, erkennt man, dass gerade die politischen Stiftungen,
außer P1, sehr hohe Werte erreichen. Dies kann durch die hohe Kommunikationsdichte
innerhalb der politischen Stiftungen erklärt werden. Da der Eigenvektorwert auch vom
Prestige des Wählenden mit beeinflusst wird, heben die politischen Stiftungen ihr
Rangprestige gegenseitig an. Dagegen sind die politischen Stiftungen aufgrund des
Indegree-basierten Prestiges eher im mittleren Bereich zu finden (vgl. Tab. 5.1 in Anhang
5).
Zu erwähnen ist noch, dass mit K7 und K5 an fünfter und sechster Stelle auch noch zwei
kirchliche Organisationen mit an der Spitze des Rangprestiges stehen. Da beide jedoch
sehr geringe Eigenvektorwerte haben, werden diese Akteure wohl hauptsächlich von Ak-
teuren mit niedrigem Rangprestige gewählt (vgl. Tab. 5.1 in Anhang 5).
4.4.4 Cutpoint-Positionen
S8, K8, K9 und VENRO besitzen im Sender-Empfänger-Netzwerk Cutpointpositionen
(vgl. Abb. 5.2 in Anhang 5). Cutpointakteure sind die letzte Verbindung zu einzelnen Ak-
teuren, die ohne diesen Brückenakteur zu einer einzelnen Netzwerkkomponente werden
würden. Sie entziehen sich daher der starken Vernetzung mit nur einer Clique im Netz-
werk. Sie bilden also Schnittpunkte im Netzwerk und stellen die letzte Verbindung von
mindestens einer Komponente zum restlichen Netzwerk dar. Durch diese Position können
sie z.B. Informationen aus voneinander getrennten Kontexten zusammenfügen und somit
zu einem innovativen Motor im Netzwerk werden. VENRO bildet hier den Brückenkopf
zu den Organisationen 42, 46, 47, 48, 49, 50. Ohne K9 wären K4, N11, 55 und 56 nicht zu
erreichen. K8 ist die letzte Verbindung zu den Organisationen 53 und 54 und S8 verbindet
noch die Organisation 41 (vgl. Abb. 5.2 in Anhang 5). Andererseits können sie aus ihrer
Position aber auch für sich selbst Profite herausschlagen, indem sie verschiedene Gruppen
gegeneinander ausspielen, um ihre Vorstellungen von einer Sache durchzusetzen24 (vgl.
JANSEN, 1999: 100).
24 Welche Charakterzüge von den Cutpointakteuren hier vertreten sind, können allerdings nur die Organisa-
tionen selbst wissen.
74
4.4.5 Cliquen
Bei der Cliquenanalyse werden innerhalb des Netzwerks verschiedene kohäsive Sub-
gruppen ausfindig gemacht. Dafür gibt es verschiedene Ansätze. Die soziometrische n-
Clique bzw. der n-Clan, den k-Plex und den k-Core. Die k-Plex-Methode liefert 876 ver-
schiedene 2-Plexe im Sender-Empfänger-Netzwerk mit überlappenden Mitgliedern (vgl.
Abb. 5.4 in Anhang 5). Dies ist eindeutig eine viel zu hohe Anzahl von möglichen Sub-
gruppen, um weiter darauf einzugehen. Die n-Clan Methode liefert zehn 2-Clans, also zehn
Subgruppen, die einen bestimmten Grad an Verbundenheit besitzen. Hier liegt zwischen
den einzelnen Akteuren der Subgruppe eine maximal erlaubte Pfaddistanz von zwei. Das
Problem ist jedoch, dass diese Methode viele Cliquen identifiziert, in denen teilweise
gleiche Akteure vorkommen (vgl. Abb. 5.3 in Anhang 5). Die k-Core Methode liefert nicht
notwendigerweise kohäsive Subgruppen, kann aber dichte Regionen im Netzwerk
ausfindig machen. Die dichteste Region im Netzwerk beinhaltet die Akteure BMZ, S2, S3,
S7, S8, S10, S11, P1, P2, P3, P4, P5, K3, K5, K7, K8, K9 und N4. Diese Organisationen
können in ihrem Teilgraphen mindestens zehn andere Akteure auf direktem Wege er-
reichen. Nimmt man noch die Organisationen S9 und VENRO (vgl. Abb. 5.5 in Anhang 5)
in den Teilgraphen auf, so beträgt die Anzahl der Akteure die vo n den Teilgraphenmit-
gliedern erreicht werden können immer noch sieben andere Organisationen. Es verwundert
jedoch nicht, dass in dieser Gruppe von Organisationen, die zueinander eine hohe
Kommunikations dichte besitzen, die politischen Stiftungen und viele staatliche
Organisationen zu finden sind, denn diese Organisationsarten tauschen jeweils unter-
einander schon viele Informa tionen aus (vgl. Kapitel 4.4.1).
Insgesamt gesehen liefert die Cliquenanalyse keine eindeutigen Werte, um Subgruppen
innerhalb des Sender-Empfänger-Netzwerk ausfindig zu machen. Die k-Core Methode
zeigt nur, zwischen welchen Organisation besonders viel direkte Verbindungen bestehen.
Eine Außenabgrenzung der Organisationen im Teilgraphen zu anderen Akteuren bietet sie
jedoch nicht.
4.4.6 Strukturelle Äquivalenz und Blockmodelle
Auch die Blockmodellanalyse bietet die Möglichkeit Subgruppen innerhalb des Netzwerks
ausfindig zu machen. Dabei wird nach strukturell ähnlichen Positionen der Akteure in
ihren Netzwerk- und Sozialstrukturen gesucht und alle strukturell ähnlichen Akteure zu
einem Block bzw. zu strukturell äquivalenten Positionen gehörig zussammengefasst. Dabei
gehen vor allem im Gegensatz zur Cliquenanalyse alle Außenbeziehungen der Akteure mit
in die Berechnung ein (vgl. JANSEN, 1999: 203 und SCHENK, 1984: 83f; 93).
Für die Identifikation von Akteuren mit strukturell äquivalenten Positionen bieten sich
zwei Verfahren an. Das CONCOR-Verfahren vergleicht die Ähnlichkeit von zwei Ak-
teuren mithilfe von Korrelationsmaßen, das Burt-Verfahren mithilfe von euklidischen
75
Distanzen. Das Burt-Verfahren hat den Nachteil gegenüber dem CONCOR-Verfahren, das
Restpersonen übrig bleiben können, die keiner Gruppe zugeordnet werden können. Beide
Verfahren sollen hier ergänzend angewandt werden (vgl. JANSEN, 1999: 217f).
Beide Verfahren führen zuerst die Organisationen zu Blöcken zusammen, die aufgrund der
Komponentenanalyse alle eine einzelne Komponente des Sender-Empfänger-Netzwerks
darstellen, und zwar: N3, 43, 44, 45, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 66, 67 und 68. Die
Akteure 42, 46, 47, 48, 49, 50 werden ebenfalls von beiden Verfahren als Subgruppe
identifiziert. Deren gemeinsame Position ergibt sich daraus, dass sie als einzige von
VENRO gewählt werden, die eine zentrale Position im Netzwerk besitzt. Überein-
stimmungen in den Bildungen von Subgruppen sind noch bei den Organisationen N11, K4,
52, 55 und 56 zu finden. Im Burt-Verfahren werden diese fünf Akteure aufgrund ihrer
strukturellen Ähnlichkeit im Netzwerk zu einer Gruppe zusammengefasst. Im CONCOR-
Verfahren kommen zu diesen noch die Akteure 39, N2 und N10 zur Gruppe hinzu (Gruppe
6, vgl. Abb. 5.6 in Anhang 5). Worauf die Ähnlichkeit hier beruht, ist aber schwer zu
sagen. Ein gemeinsames Merkmal, dass alle diese Organisationen teilen, ist, dass sie alle
nur sehr selten als Kommunikationspartner gewählt werden, aber alle auf jeden Fall von
K9 ebenfalls wie VENRO ein sehr zentraler Akteur - Informationen zugesandt be-
kommen. In der weiteren Subgruppenunterteilung unterscheiden sich die Ergebnisse beider
Verfahren (vgl. Abb. 5.6 und Abb. 5.7 in Anhang 5).
Mithilfe des CONCOR-Verfahrens werden weitere sieben Gruppen identifiziert. Die erste
Gruppe besteht aus den Organisationen BMZ, S2, S11, S8, S7, P5 und 41 (vgl. Abb. 5.6 in
Anhang 5). Erstaunlich ist dabei die Zuordnung von Organisation 41, die eigentlich außer-
halb der Stichprobe liegt, aber trotzdem eine strukturell ähnliche Position im Netzwerk
aufweist, wie das BMZ und andere staatliche Organisationen, von der aus S8 sogar eine
Cutpointposition einnimmt. Nach dem Burt-Verfahren ist Organisation 41 ein Restakteur,
der erst in späteren Rechenschritten N9 und K1 zugeordnet wird. Auch die anderen
Organisationen dieser Gruppe sind laut Burt-Methode Restakteure, die erst sehr spät
während des Verfahrens mit anderen Akteuren zusammengeführt werden (vgl. Abb. 5.7 in
Anhang 5). Am schwersten davon ist das BMZ zuzuordnen. Seine Position ist im
Netzwerk wohl so einzigartig, dass es erst als allerletzte Organisation mit den anderen
Akteuren zu einer Gruppe zusammengeführt werden könnte. Insgesamt divergieren die
Aufteilung der restlichen Akteure in beiden Verfahren so stark, dass weitere konkrete
Aussagen über äquiva lente Rollenpositionen im Sender-Empfänger-Netzwerk kaum
möglich sind. Die Akteure aus den mithilfe der CONCOR-Berechnung identifizierten
sieben Gruppen (vgl. Abb. 5.6 in Anhang 5) wären insgesamt laut Burt-Verfahren also
mehr oder weniger schwer zuzuordnende Restakteure (vgl. Abb. 5.7 in Anhang 5).
76
4.4.7 Zentralisierung des Netzwerks
Die Zentralisierungsmaße des Netzwerks beruhen auf den Zentralitätsmaßen des zen-
tralsten Akteurs. Sie beschreiben unterschiedliche Eigenschaften des Gesamtnetzwerks.
Der relativ geringe Wert der Betweenness-basierten Zentralisierung von ca. 23% (vgl.
Abb. 11), lässt darauf schließen, dass im Sender-Empfänger-Netzwerk die Kommunikation
zwar von einem sehr zentralen Akteur wie dem BMZ weitgehend kontrolliert wird, jedoch
wird Information nicht von ihm monopolisiert. Er lässt andere Akteure in starkem Maße an
seinen Informationen teilhaben.
Die Degree-basierte Zentralisierung erfasst, in wie weit der zentrale Akteur an den direkten
Beziehungen der anderen Akteure beteiligt ist. Ein Wert von 1 bzw. 100% würde somit
eine Sternform des Netzwerks mit dem zentralen Akteur in der Mitte bedeuten, eine 0 eine
Kreisstruktur (vgl. JANSEN, 1999: 132)25. Da der Wert dazwischen liegt, scheint das
Netzwerkgebilde keine einfache Struktur zu besitzen. Dennoch ist das BMZ laut der
Degree-basierten Zentralisierung mit ca. 67% an allen direkten Beziehungen der anderen
Akteure beteiligt. Es kann dies so interpretiert werden, als dass die anderen Akteure das
BMZ als einen sehr zentralen Akteur im Netzwerk wahrnehmen, denn immerhin bestimmt
er 67% ihrer direkten Beziehungen (vgl. Abb. 11).
Abbildung 11: Netzwerkzentraliserungsmaße des Sender-Empfänger-Netzwerks
Network Centralization Index
(Betweenness)
= 22.95%
Network Centralization
(Outdegree)
= 68.343%
Network Centralization
(Indegree)
= 66.804%
Quelle: eigene Berechnung
4.4.8 Die Struktur des Sender-Empfänger-Netzwerks
Fasst man die bisherigen Ergebnisse kurz zusammen, ergeben sich folgende Befunde:
Zwischen den staatlichen und den politischen Stiftungen herrschen hohe Kommunika-
tionsdichten. Ansonsten liegt ein weak-tie-Netzwerk vor, in dem es viele einseitige
Beziehungen gibt. Darin sind BMZ und VENRO die mächtigen Akteure. Gerade staatliche
Organisationen sind prestigereiche Akteure in diesem Netzwerk. Zu den zentralen
Akteuren im Netzwerk gehören zwei kirchliche Organisationen. Die Degree-basierten
Zentralisierungs werte besagen, dass das Aussehen des Netzwerks zwischen einer Stern-
und einer Kreisstruktur liegt, mit Tendenz zu einer Sternstruktur. Des weiteren gibt es 16
unverbundene Einzelakteure, d.h. die Erreichbarkeit aller Akteure im Netzwerk ist nicht
25 Da gewertete Beziehungen nach ihrer Häufigkeit vorliegen, kann der Maximalwert über 100% liegen.
Betrachtet man aber das tatsächliche Aussehen, welches sich durch Berechnungen mithilfe spezieller
Software ergibt, sind die hier vorliegenden Werte doch so zu interpretieren, wie im Regelfall. Dies gilt auch
für Kapitel 4.5.7 und 4.6.7.
77
gegeben. Deshalb gehen auch manche Pfaddistanzen bis ins unendliche. Es gibt vier Cut-
pointakteure, die den letzten Kontakt zu 13 weiteren Akteuren sicherstellen.
Abbildung 12: Modell des Sender-Empfänger-Netzwerks
A
G
B
H
L
C
M
I
Akteure mit großer
Kommunikationsdichte,
zentrale, angesehene &
D
Cutpointakteure
N
J
O
E
K
F
Vereinfachtes, zweidimensionales Modell des Sender-Empfänger-Netzwerks. Hier wurde nur die Form des
Netzwerks, sowie die möglichen Beziehungsarten der einzelnen Akteure zum Zentrum des Netzwerks darge-
stellt. Im Modell musste auf die konkrete Nennung der einzelnen Organisationen zugunsten der Übersicht-
lichkeit verzichtet werden. Die Akteure außerhalb des Zentrums sind mit A bis O gekennzeichnet.
Quelle: eigene Berechnung
Aus diesen Fakten zusammengenommen kann abgeleitet werden, dass das Netzwerk eine
Halbkugelform besitzt: In der Mitte des Kreises sind die zentralen und angesehenen, sowie
auch die Cutpointakteure angeordnet. Des weiteren sind dort die Akteure zu finden, die
eine große Kommunikationsdichte zueinander besitzen. Von diesem sehr überfüllten
Zentrum gehen dann sternförmig, aber nur in Richtung der Halbkugelhemisphäre die
Verbindungen zu den schlechter zu erreichenden Akteuren hin. Diese sind also in der
Hemisphäre der Halb kugel angeordnet und sind nur noch selten untereinander verbunden,
d.h. die Kommunikation zwischen ihnen läuft weitestgehend über mindestens einen Akteur
78
des Zentrums. Dadurch besteht eine gewisse Abhängigkeit von den Akteuren im Zentrum
(vgl. Abb. 12).
4.5 Das Empfänger-Sender-Netzwerk deutscher EZ-Organisationen
4.5.1 Die Netzwerkdichte
Wie in Tab. 10 zu erkennen ist, sind die Kommunikationsdichten zwischen den kirchlichen
Organisationstypen im Empfänger-Sender-Netzwerk relativ kongruent zu denen aus dem
Sender-Empfänger-Netzwerk (vgl. Tab. 8). Hier sind die Kommunikationsdichten insge-
samt nur etwas geringer. Aber auch hier erhalten die evangelischen Organisationen von
anderen evangelischen Organisationen öfter Informationen als von den katholischen. Die
katholischen Organisationen sagen dagegen, dass sie öfter Informationen von den
evangelischen als von katholischen Organisationen bekommen. Die kirchlichen Organisa-
tionen unterscheiden sich in ihren Kommunikationsdichten wie in H4 angenommen nicht
bzw. nur kaum nach katholischen und evangelischen Organisationen. Denn dafür müssten
auch die katholischen Organisationen mehr Informationen von anderen katholischen als
von evangelischen Organisationen erhalten. Die Behauptung, dass sich evangelische und
katholische Organisationen hinsichtlich der Wahl ihres Kommunikationspartners unter-
scheiden, ist also nicht möglich. Deshalb betrachtet man die kirchlichen Organisationen als
Ganzes (s. Tab. 11).
Tabelle 10:
Kommunikationsdichten ,,Empfänger - Sender" des Kommunikations-
netzwerks deutscher EZ-Organisationen (Katholische und evangelische
EZ-Organisationen)
Informationssender
Katholische
Evangelische
Informationsempfänger
Organisationen
Organisationen
Katholische
0.3095
0.6667
Organisationen
Evangelische
0,2857
0,6667
Organisationen
Quelle: eigene Berechnung
Die Gesamtdichte ist mit Gesamt = 0,1011 größer als beim Sender-Empfänger-Netzwerk.
Trotzdem bestätigt sich die Annahme, dass das Kommunikationsnetzwerk der deutschen
EZ-Organisationen ein weak-tie-Netzwerk ist (s. dazu Kapitel 4.4.1). Informationen ge-
79
langen erst nach einer gewissen Zeit von den zentralen Akteuren in die Randlagen des
Netzwerks, werden dafür aber sicher transportiert. Verschiedenartige und neue Informa-
tionen sind in solchen schwach verbundenen Netzwerken oft erkennbar (vgl. JANSEN,
1999: 88; 101).
Tabelle 11:
Kommunikationsdichten ,,Empfänger - Sender" des Kommunikations-
netzwerks deutscher EZ-Organisationen
Informationssender
Staatliche
Kirchliche
Organisationen
Informations-
Organisa-
Politische
Organis a-
außerhalb der
empfänger
Sonstige NROs
tionen
Stiftungen
tionen
Stichprobe
Staatliche
Organisationen
0,7727
0,3818
0,1455
0,0413
0,0121
Politische
Stiftungen
0,5636
0,8000
0,2000
0,0727
0,0067
Kirchliche
Organisationen
0,3182
0,2800
0,4111
0,2364
0,0300
Sonstige NROs
0,4050
0,1636
0,3636
0,2636
0,0182
Organisationen
außerhalb der
0
0
0
0
0
Stichprobe*
Bei der Dichteberechnung bei gleichen Organisationstypen wurden die Angaben zur eigenen Organisation
die Diagonale in der Matrix - nicht berücksichtigt.
*
Die Netzwerkdichte in dieser Zeile muss immer Null sein, da diese Organisationen nicht befragt
wurden und daher keine Angaben bezüglich ihres Verhaltens als Informationsempfänger vorliegen
Gesamtdichte: Gesamt
= 0,1011
= 0,1803 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als
Empfänger)
= 0,3206 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als Sender
und Empfänger)
Quelle: eigene Berechnung
Auch beim Empfänger-Sender-Netzwerk liegen die Kommunikationsdichten zwischen den
gleichen Organisationstypen höher als zwischen verschiedenen Organisationstypen. Die
einzige Ausnahme bilden, wie auch beim Sender-Empfänger-Netzwerk, die sonstigen
NROs. Sie erhalten sowohl von den staatlichen Organisationen (NS = 0,4050), als auch
von den kirchlichen Organisationen (NK = 0,3636) häufiger Informationen als von den
anderen sonstigen NROs (NN = 0,2636). Die kommunikative Nähe zu den kirchlichen und
den staatlichen Organisationen ist größer als zwischen den sonstigen NROs untereinander.
Die niedrige Dichte kann aber auch durch den Ausfall vieler sonstiger NROs beim Frage-
bogenrücklauf entstanden sein. Trotzdem ist die Annahme H2, dass sich die staatlichen
80
und die sonstigen NROs aufgrund der Wahl ihrer Kommunikationspartner in zwei
Gruppen aufteilen, an dieser Stelle wohl eher zu verwerfen.
Auch die Annahme H3, dass die politischen Stiftungen aufgrund unterschiedlicher Ein-
stellungen untereinander eine geringere Kommunikationsdichte aufweisen, als zu den
staatlichen Organisationen, muss verworfen werden. Diese ist mit PP = 0,8 zu den anderen
politischen Stiftungen deutlich höher als mit PS = 0,5636 zu den staatlichen Organisa-
tionen. Was sich jedoch bestätigt, ist, dass sie öfter Informationen von staatlichen Organi-
sationen als von Nic htregierungsorganisationen wie kirchliche Organisationen und sonstige
NROs bekommen (vgl. Tab. 11).
Die staatlichen Organisationen erhalten von den anderen staatlichen Organisationen sehr
oft Informationen (SS = 0,7727) doppelt so oft wie von den politischen Stiftungen (SP =
0,3818), fünfmal so oft wie von kirchlichen Organisationen (SK = 0,1455) und mehr als
60mal so oft wie von den sonstigen NROs (SN = 0,0121). Die staatlichen Organisationen
bleiben also, was die Wahl ihres Kommunikationspartners angeht, erst mal unter
ihresgleichen, bevor mit anderen Organisationen Informationen ausgetauscht werden.
Gerade bei den Nichtregierungsorganisationen wie den kirchlichen Organisationen und den
sonstigen NROs sind diese Unterschiede in der Wahl des Kommunikationspartners nicht
so deutlich ausgeprägt (vgl. Tab. 11).
Von den Organisationen außerhalb der Stichprobe erhalten die kirchlichen Organisationen
am häufigsten von allen anderen Organisationstypen Informationen. An zweiter Stelle
stehen dabei die sonstigen NROs. Die beiden Organisationstypen der NROs bekommen
also öfter von den Organisationen außerhalb der Stichprobe Informationen als staatliche
Organisationen und politische Stiftungen (vgl. Tab. 11).
Die staatlichen Organisationen und politischen Stiftungen beschränken ihre Kommunika-
tion also eher auf die Organisationen die in der Stichprobe vorkommen, und dabei bevor-
zugen sie vor allem den Informationsaustausch mit Organisationen des gleichen Organisa-
tionstypus. Die kirchlichen Organisationen und sonstigen NROs haben dagegen insgesamt
zu allen anderen Organisationstypen nur mittlere bis niedrige Kommunikationsdichten, sie
streuen ihre Information aber weiter durch mehr oder weniger konstante Beziehungsdich-
ten (vgl. Tab. 11).
4.5.2 Zentralität von Akteuren
Die nähebasierte Zentralität der Empfänger-Sender-Matrix kann hier ebenfalls, wie auch
im Sender-Empfänger-Netzwerk, vernachlässigt werden, da es auch hier unverbundene
Akteure gibt. Kommen unverbunden Akteure vor, ist eine nähebasierte Zentralität nicht
mehr möglich (vgl. JANSEN, 1999: 127). Somit ist auch das Empfänger-Sender-Netzwerk
in seiner Gesamtheit unverbunden. Das bedeutet wiederum, dass dieses Netzwerk in 22
verschiedene Komponenten zerfällt 21 unverbundene Einzelakteure (40, 41, 47, 48, 49,
81
50, 51, 53, 54, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 66, 67und 68) und der Rest des Netzwerks
(vgl. Abb. 6.1 in Anhang 6). Die unverbundenen Akteure kommen hier ausnahmslos aus
dem Bereich der Akteure außerhalb der Stichprobe. N 3 ist diesmal nicht unverbunden,
sondern gehört zu den verbundenen Akteuren des Netzwerks.
Tabelle 12:
Zentralitätsmaße der einzelnen Netzwerkakteure des Empfänger-Sender-
Netzwerks
Organisation Betweenness nBetweenness OutDegree NrmOutDeg
BMZ
437.473
10.198
41.000
62.121
K9
182.140
4.246
41.000
62.121
VENRO
119.151
2.777
53.000
80.303
P3
32.651
0.761
17.000
25.758
K7
27.557
0.642
8.000
12.121
K2
26.908
0.627
31.000
46.970
P1
26.516
0.618
14.000
21.212
K1
25.000
0.583
1.000
1.515
K3
16.457
0.384
31.000
46.970
S7
16.100
0.375
22.000
33.333
N4
14.362
0.335
36.000
54.545
S11
13.943
0.325
13.000
19.697
S8
13.201
0.308
13.000
19.697
P2
12.059
0.281
26.000
39.394
S4
8.910
0.208
16.000
24.242
S3
7.419
0.173
6.000
9.091
K8
3.592
0.084
9.000
13.636
S9
2.430
0.057
4.000
6.061
P5
1.464
0.034
5.000
7.576
S2
1.312
0.031
5.000
7.576
N2
1.269
0.030
6.000
9.091
N9
0.586
0.014
20.000
30.303
S6
0.500
0.012
6.000
9.091
N3
0
0
14.000
21.212
S5
0
0
5.000
7.576
N5
0
0
4.000
6.061
Alle hier nicht aufgeführten Akteure haben Betweeness- und Outdegreemaße von 0.
Die Outdegrees sind hier die Angaben der Befragten, von wem sie Informationen bekommen.
Quelle: eigene Berechnung
82
Ebenso wie im Sender-Empfänger-Netzwerk nehmen im Empfänger-Sender-Netzwerk das
BMZ, K9 und VENRO die drei zentralsten Positionen im Netzwerk ein. Alle drei sind am
stärksten in das Kommunikationsnetzwerk eingebunden und besitzen so die höchste
Kommunikationskontrolle. Daneben sind sie auch die Akteure mit der höchsten Kommu-
nikationsaktivität. VENRO hat dabei die größte Anzahl direkter Verbindungen (odVENRO =
53) - diese Organisation erhält auf direktem Wege die meiste Information dennoch sind
das BMZ und K 9 besser in das Kommunikationsnetzwerk eingebettet und können somit
die Kommunikation im Empfänger-Sender-Netzwerk besser kontrollieren als VENRO. Der
zentralste Akteur dabei ist, mit weitem Abstand, das BMZ mit einem Betweennessmaß von
437.473. Dieser Einbindungswert liegt ca. doppelt so hoch wie der von K9 (bjk(nK9) =
182.140) und fast viermal so hoch wie das Betweennessmaß von VENRO (bjk(nVENRO) =
119.151) (vgl. Tab. 12).
Mit einem Betweennessmaß von ca. 32 positioniert sich P3 von allen politischen Stift-
ungen am zentralsten und nimmt insgesamt im Empfänger-Sender-Kommunikations-
netzwerk die vierte Position ein. K8 im Sender-Empfänger-Netzwerk noch auf Position
vier ist hier erst an 17. Stelle zu finden (vgl. Tab. 12). Diese Organisation ist hier also
eher als peripher zu betrachten, was aber auch bedeutet, dass sich die Angaben aus dem
Sender-Empfänger-Netzwerk in diesem Fall nicht zu bestätigen scheinen (vgl. Tab. 9).
Die zentralste sonstige NRO neben VENRO ist hier N4 mit einem elften Platz, was die
Zentralität bezüglich der Kommunikationskontrolle betrifft. Auch im Sender-Empfänger-
Netzwerk war N4 die zentralste sonstige NRO neben VENRO (vgl. Tab. 9).
Eine große Kommunikationsaktivität besitzen im Empfänger-Sender-Netzwerk noch die
Organisationen K2, K3, N4 und P2 (vgl. Tab. 12). Dennoch können sie aus dieser Tatsache
keine wirklich zentrale Position im Netzwerk ableiten. Denn aufgrund ihrer kommunika-
tiven Einbettung belegen diese Akteure eher mittlere Ränge.
Da Zentralität ein Indikator für Macht in Netzwerken ist, kann für das Empfänger-Sender-
Netzwerk die Annahme H1, dass BMZ und VENRO mächtige Akteure im Empfänger-Sen-
der-Netzwerk sind, bestätigt werden. Was nicht erwartet wurde, was sich hier aber auch
feststellen lässt, ist, dass K9 aufgrund seiner zentralen Position in beiden bis jetzt
vorgestellten Netzwerken auch einen Macht faktor im Kommunikationsnetzwerk deutscher
EZ-Organisationen darstellt.
4.5.3 Das Prestige von Akteuren
Ebenso wie im Sender-Empfänger-Netzwerk verteilen sich die ersten vier Positionen der
Prestigewerte auf die Organisationen BMZ, S2, S3 und VENRO.
Das größte Prestige aufgrund der Indegrees als auch des Eigenvektors besitzt hier ebenfalls
das BMZ (vgl. Tab. 6.1 in Anhang 6). Die Annahme H1.1 bestätigt sich also, dass das
BMZ ein mächtiger Akteur im Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen
83
darstellt, da die beiden Indikatoren für Macht Zentralität und Prestige bei dieser Orga-
nisation am höchsten sind. Die Annahme H1.2, dass VENRO ein mächtiger Akteur ist,
bestätigt sich ebenfalls zusehens. Zwar haben S2 und S3 höhere Prestigewerte als VENRO,
dafür besitzt dieser Akteur in beiden Indikatoren für Macht insgesamt die höchsten Werte.
Beispielsweise haben auch die sehr zentralen Akteure K9 und K8 nur mittlere
Prestigewerte und stehen damit auf der Prestigerangliste auf Platz dreizehn bzw. Platz acht
(vgl. Tab. 6.1 in Anhang 6).
Die ersten sieben Plätze der Prestigereihenfolge belegen außer VENRO nur staatliche Or-
ganisationen mit relativ hohen Indegreewerten von mindestens idi = 20. Viele Organisa-
tionen geben also an, dass sie gerade von diesen Organisationen oft Informationen be-
kommen.
Aufgrund der Indegreewerte ist die prestigereichste politische Stiftung Platz neun in der
Rangskala P1 mit einem Wert von idP1 = 17. Aufgrund der Tatsache, dass viele Organi-
sationen sagen, dass sie eher selten Informationen von politischen Stiftungen bekommen,
liegen diese insgesamt im Prestigebereich auf den mittleren bis hinteren Plätzen (vgl. Tab.
6.1 in Anhang 6). Werden jedoch die Eigenvektorwerte der Akteure betrachtet, so ist zu
erkennen, dass P3 und P2 das zweit- bzw. vierthöchste Prestige besitzen (vgl. Tab. 6.1 in
Anhang 6). Diese Organisationen werden also von anderen prestigereichen Akteuren im
Netzwerk als besonders prestigereich beurteilt. Dies ist wahrscheinlich auf eine Wahl
durch staatliche Organisationen, als auch durch andere politische Stiftungen
zurückzuführen, die beide ebenfalls relativ hohe Eigenvektorwerte besitzen und somit die
Eigenvektorwerte von P3 und P2 erhöhen. Jedoch besitzen im Gegensatz zum Sender-
Empfänger-Netzwerk nicht mehr alle politischen Stiftungen hohe Einschätzungen anderer
Akteure. P4 besitzt hier einen Eigenvektorwert von Null (vgl. Tab. 6.1 in Anhang 6).
Die sonstigen NROs besitzen insgesamt im Netzwerk kein hohes Prestige. Neben VENRO
belegt N2 erst den 18. Platz in der Prestigereihenfolge bezüglich der Häufigkeit der
Weitergabe von Informationen (vgl. Tab. 6.1 in Anhang 6). Diese Organisation besitzt
neben VENRO zusätzlich den höchsten Eigenvektorwert von 0.032, was im Vergleich zu
den anderen Akteuren natürlich sehr niedrig ist, d.h. diese und auch die nachfolgenden
sonstigen NROs in der Prestigerangskala werden von den anderen Organisationen im
Netzwerk als nicht besonders einflussreich empfunden.
Die kirchlichen Stiftungen nehmen, was das Ansehen betrifft, auch eher mittlere bis untere
Positionen im Netzwerk ein (vgl. Tab. 6.1 in Anhang 6).
Zusammenfassend betrachtet sind die angesehensten Akteure bei den staatlichen
Organisationen zu finden. Das BMZ ist dabei mit Abstand der einflussreichste Akteur.
BMZ und VENRO sind beide aufgrund ihrer zentralen und einflussreichen Positionen im
Netzwerk mächtige Akteure Hypothese 1 bestätigt sich also für das Empfänger-Sender-
Netzwerk.
84
4.5.4 Cutpoint-Positionen
Im Empfänger-Sender-Netzwerk stellen BMZ, K1, K9 und N3 Cutpoinakteure dar. N3 ist
dabei die letzte Verbindung zu Akteur 46. Ohne K1 wäre Organisation 42 eine Einzel-
komponente des Netzwerks. K9 ist der Brückenkopf zu den Akteuren 52, 55 und 56 und
ohne das BMZ wären die Organisationen 43, 44 und 45 nicht zu erreichen (vgl. Abb. 6.2 in
Anhang 6). BMZ, K1, K9 und N3 bilden also Schnittpunkte zwischen dem eigentlichen
Netzwerk und den oben genannten Akteuren, die ohne diese Schnittpunkte nicht zu er-
reichen wären. Dadurch können sie Informationen aus eigentlich voneinander getrennten
Kontexten zusammenfügen, d.h. durch diese Punkte im Netzwerk verlaufen
unterschiedliche Informationen aller Art. Somit können in diesen Punkten auch die
unterschiedlichsten Innovationen zusammenfließen.
Vergleicht man diese Cutpointakteure mit denen des Sender-Empfänger-Netzwerks (vgl.
Abb. 5.2 in Anhang 5), fällt auf, dass außer K9 hier andere Cutpointakteure vorliegen als
dort. Wer nun im gesamten Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen die
Cutpointakteure darstellt, wird erst in Kapitel 4.6.4 festzustellen sein.
4.5.5 Cliquen
Im Empfänger-Sender-Netzwerk gibt es 1249 2-Plexe mit sich überschneidenden
Gruppenmitgliedern. BMZ und VENRO sind beispielsweise in 542 dieser 2-Plexe
anzutreffen (vgl. Abb. 6.3 in Anhang 6). Die Anzahl dieser Subgruppen und die nicht
eindeutige Differenzierbarkeit der Gruppenmitglieder macht die Analyse mithilfe der k-
Plex-Methode nicht sinnvoll. Die n-Clan-Methode liefert 8 2-Clans. Bei diesen kohäsiven
Subgruppen liegt die maximale Pfaddistanz bei zwei. Diese Methode liefert aber ebenfalls,
wie die k-Plex-Methode, nur Subgruppen, die aus überlappenden Gruppenmitgliedern
bestehen, und somit kaum aussagekräftig sind (s. dazu auch Kapitel 4.4.5). Eine besonders
dichte Region im Netzwerk konnte durch die k-Core-Methode ausfindig gemacht werden.
Ihr gehören die Organisationen BMZ, S2, S3, S7, S8, S11, P1, P2, P3, P5, K2, K3, K8, K9
und VENRO an (vgl. Abb. 6.4 in Anhang 6). Diese Organisationen bilden nicht
notwendigerweise eine Subgruppe im Empfänger-Sender-Netzwerk, können aber in ihrem
Teilgraphen mindestens elf andere Akteure auf direktem Wege erreichen. In dieser dichten
Region sind vor allem die zentralen und angesehenen Akteure des Netzwerks, sowie die
politischen Stiftungen (außer P4), welche sowieso zueinander eine besonders hohe
Kommunikations dichte besitzen, vertreten. Im Sender-Empfänger-Netzwerk gehörten zu
der besonders dichten Region noch S10, P4, K5, K7, N4. Dagegen fehlten dort K2 und
VENRO.
Auch beim Empfänger-Sender-Netzwerk liefert die Cliquenanalyse keine eindeutigen
Werte, um Subgruppen innerhalb des Netzwerks ausfindig zu machen. Die k-Core
Methode zeigt nur, zwischen welchen Organisation besonders viele direkte Verbindungen
85
bestehen. Eine Außenabgrenzung der Organisationen im Teilgraphen zu anderen Akteuren
bietet sie jedoch nicht.
4.5.6 Strukturelle Äquivalenz und Blockmodelle
Mithilfe der Blockmodellanalyse CONCOR- und Burt-Verfahren können Sub gruppen
aufgrund äquivalenter struktureller Positionen im Netzwerk ausfindig gemacht werden. Die
erste Gruppe, die mithilfe des CONCOR-Verfahrens identifiziert wird, ist die mit den
Akteuren 40, 41, 47, 48, 49, 50, 51, 53, 54, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 66, 67 und 68
(vgl. Abb. 6.5 in Anhang 6). Diese Subgruppe existiert aufgrund der Ähnlichkeit der
Akteure, eine Einzelkomponente im Netzwerk darzustellen (vgl. Abb. 6.1 in Anhang 6).
Das Burt-Verfahren bestätigt die Existenz dieser Subgruppe (vgl. Abb. 6.6 in Anhang 6).
Zu der nächsten Gruppe, die mithilfe des CONCOR-Verfahrens ausfindig gemacht werden
kann, gehören die Akteure, von denen die sehr zentrale Organisation K9 sagt, sie würde
von diesen Akteuren Informationen erhalten. Das sind K7, N11, 39, 52, 55, und 56. Das
bedeutet nicht, dass diese Organisationen sonst keinem Informationen zukommen lassen
und K9 somit einen Cutpoint für alle sechs Organisationen darstellt. Dennoch werden sie
aufgrund ihrer Gemeinsamkeit gerade dieser zentralen Organisation Informationen zu-
kommen zu lassen, vom CONCOR-Verfahren als Subgruppe zusammengefasst (vgl. Abb.
6.5 in Anhang 6). Aufgrund der euklidischen Distanzen zueinander wird eine solche
Gruppe ebenfalls identifiziert, mit der Ausnahme, dass die Akteure K7 und 39 anderen
Subgruppen angehören (vgl. Abb. 6.6 in Anhang 6).
N6, N7, N8, 43, 44 und 45 sind Akteure, von denen das BMZ behauptet, Informationen zu
bekommen. Natürlich sind das nicht die einzigen Organisationen, von denen das BMZ
Informationen erhält, doch diese Akteure werden von sonst keinen bzw. sehr wenigen
anderen Organisationen als Informationslieferant genannt. Darin liegt also ihre strukturelle
Ähnlichkeit (vgl. Abb. 6.5 in Anhang 6). Das Burt-Verfahren bestätigt ebenfalls diese
kohäsive Subgruppe, wobei N8 und N7 erst auf einer späteren Stufe zuge ordnet werden
(vgl. Abb. 6.6 in Anhang 6) wahrscheinlich deswegen, weil sie die Ak teure innerhalb der
Subgruppe sind, die noch am häufigsten Informationen an andere Organisationen außer an
das BMZ liefern.
Das CONCOR-Verfahren führt auch die Akteure P4, P5, K1, K4, K5, K6, K8, K10, N2
und N10 zu Subgruppen zusammen. Worauf diese Ähnlichkeit beruhen soll, ist allerdings
schwer zu sagen (vgl. Abb. 6.5 in Anhang 6, Gruppe 6). Das Burt-Verfahren ordnet diese
Akteure nur relativ schwer anderen Akteuren zu, wobei meistens aber nur Gruppen von
zwei bis drei Akteuren entstehen. Auch die restlichen Akteure des Empfänger-Sender-
Netzwerks sind mithilfe des Burt-Verfahrens nur sehr schwer irgendwelchen anderen Ak-
teuren zuzuordnen, was bedeutet, dass die restlichen Akteure kaum strukturell ähnliche
Positionen im Netzwerk inne haben. Dabei sind die mächtigsten Akteure des Empfänger-
86
Sender-Netzwerks BMZ und VENRO die Akteure, denen andere Organisation auf-
grund ihrer Position im Netzwerk so gut wie nicht ähneln (vgl. Abb. 6.6 in Anhang 6).
Trotzdem gehen auch diese Ergebnisse der Verfahren an diesem Punkt auseinander. Laut
CONCOR-Verfahren gehören BMZ und VENRO verschiedenen Subgruppen an (vgl. Abb.
6.5 in Anhang 6, Gruppe 1 und Gruppe 4). Die Ergebnisse in beiden Verfahren divergieren
also ab einem bestimmten Punkt zu stark, um weitere Aussagen über das Vorhandensein
von Subgruppen im Empfänger-Sender-Netzwerk machen zu können. Das CONCOR-
Verfahren bietet nämlich neben den oben genannten noch weitere fünf Gruppen an, deren
Akteure sich laut Burt-Verfahren nur gering in ihren strukturellen Positionen ähneln (vgl.
Abb. 6.5 und Abb. 6.6 in Anhang 6).
Festzuhalten ist die sichere Existenz der ,Einzelkomponentengruppe`, der ,K9-Gruppe`
und der ,BMZ-Gruppe` als kohäsive Subgruppen mit strukturell ähnlichen Positionen im
Empfänger-Sender-Netzwerk. Wichtig ist auch, dass es ebenfalls wie im Sender-
Empfänger-Netzwerk eine ,Einzelkomponentengruppe` und eine ,K9-Gruppe` gibt, wenn
auch nicht immer mit den gleichen Akteuren (vgl. auch Kapitel 4.4.6).
4.5.7 Zentralisierung des Netzwerks
Die Betweenness-basierte Zentralisierung des Empfänger-Sender-Netzwerks ist mit 20 %
minimal niedriger als die des Sender-Empfänger-Netzwerks (vgl. Abb. 11). Das bedeutet,
dass die Kommunikation von einem sehr zentralen Akteur wie dem BMZ weitgehend kon-
trolliert wird, welches seine Informationen allerdings nicht als zu schützendes Monopol
ansieht. Das BMZ lässt andere Akteure daher laut der niedrigen Betweenness-Zentrali-
sierung in starkem Maße an seinen Informationen teilhaben.
Abbildung 13: Netzwerkzentraliserungsmaße des Empfänger-Sender-Netzwerks
Network Centralization Index
(Betweenness)
= 20.00%
Network Centralization
(Outdegree)
= 71.258%
Network Centralization
(Indegree)
= 58.953%
Quelle: eigene Berechnung
Die Outdegree-basierte Zentralisierung ist hier mit ca. 71% leicht höher als im Sender-
Empfänger-Netzwerk, wohingegen die Indegree-basierte Zentralisierung hier fast um zehn
Prozentpunkte niedriger sind. Das heisst, dass das BMZ durchschnittlich an 65% aller di-
rekten Beziehungen der anderen Akteure beteiligt ist. Dabei nehmen die anderen Akteure
das BMZ als einen sehr zentralen Akteur im Netzwerk wahr, denn immerhin werden 65%
ihrer direkten Beziehungen von ihm bestimmt (vgl. Abb. 13). Dennoch scheint das
Netzwerkgebilde wie beim Sender-Empfänger-Netzwerk keine einfache Struktur zu
87
besitzen. Das Aussehen liegt zwischen einer Stern- und einer Kreisstruktur mit Tendenz
zur Kreisstruktur.
4.5.8 Die Struktur des Empfänger-Sender-Netzwerks
Auch das Empfänger-Sender-Netzwerk ist sich, ebenso wie das Sender-Empfänger-Netz-
werk, halbkugelförmig vorzustellen (vgl. Abb. 12). Die Unterschiede liegen darin, dass
sowohl eine höhere Anzahl unverbundener Akteure vorliegt als auch verschiedene
Cutpoinakteure zu finden sind. Aber auch hier herrschen zwischen den staatlichen und den
politischen Stiftungen hohe Kommunikationsdichten, wohingegen das Gesamtnetzwerk
eher ein weak-tie-Netzwerk ist, in dem sich viele einseitige Beziehungen ermitteln lassen.
Darin sind BMZ und VENRO die mächtigsten Akteure. Es sind gerade die staatlichen
Organisationen, die die prestigereichsten Akteure im Netzwerk darstellen. Neben den
mächtigsten Organisationen gehören jedoch auch zwei kirchliche Organisationen und eine
politische Stiftung zu den zentralen Akteuren dieses Netzwerks. Die Degree-basierten
Zentralisierungswerte besagen, dass das Aussehen des Netzwerks zwischen einer Stern-
und einer Kreisstruktur liegt, jedoch mit Tendenz zur Kreisstruktur. Durch die 21
unverbundenen Einzelakteure ist die Erreichbarkeit aller Ak teure im Netzwerk nicht
gegeben. Deshalb gehen auch einige Pfaddistanzen bis ins Unend liche. Es gibt vier
Cutpointakteure, die den letzten Kontakt zu acht weiteren Akteuren ga rantieren, was
weniger ist als im Sender-Empfänger-Netzwerk.
Sowohl die zentralsten und angesehensten Akteure, als auch die Cutpointakteure und auch
die Akteure mit der größten Kommunikationsdichte zueinander, sind im Zentrum des
Halbkugelbodens zu finden. In der Hemisphäre sind dann die schlechter zu erreichenden
Akteure angeordnet, die, außer den unverbundenen Akteuren, mit dem sehr überfüllten
Zentrum verbunden sind. Von diesem sehr überfüllten Zentrum gehen also sternförmig,
aber nur in Richtung der Halbkugelhemisphäre die Verbindungen zu den schlechter zu
erreichenden Akteuren hin. Jedoch existiert der Kontakt unter diesen Akteuren in der
Hemisphäre nur noch selten und läuft weitestgehend über mindestens einen Akteur des
Zentrums. Das Gesamtnetzwerk ist also von den sehr aktiven Akteuren im Zentrum mehr
oder weniger abhängig.
88
4.6 Bestätigtes Senden Das Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-
Organisationen
Um ein bestätigtes Senden untersuchen zu können wurde eine Kommunikationsmultiplex-
matrix aus der Sender-Empfänger-Matrix und der transponierten Empfänger-Sender-
Matrix hergestellt26.
4.6.1 Die Netzwerkdichte
Die evangelischen Organisationen besitzen mit evev = 1 eine höhere Kommunikations-
dichte untereinander als zu den katholischen Organisationen (evkath = 0,6667). Bei den
katholischen Organisationen liegt der umgekehrte Fall vor. Dort ist die Dichte der
kommunikativen Beziehungen zu den evangelischen Organisationen höher als zu Organi-
sationen des gleichen Typs (vgl. Tab. 13). Um einen deutlichen Unterschied zwischen
katholischen und evangelischen Organisationen aufgrund ihrer Einstellungen feststellen zu
können, müssten die katholischen Organisationen untereinander auch eine höhere
Kommunikationsdichte besitzen als zu den evangelischen Organisationen. Es ist also
schwer zu entscheiden, ob die Annahme H4, dass sich die kirchlichen Organisationen auf-
grund ihrer Einstellung nicht unterscheiden, bestätigt werden kann. Sie ist zumindest nicht
einfach zu verwerfen. Deshalb werden die kirchlichen Organisationen wie auch in den
vorherigen Netzwerkmodellen für die weitere Untersuchung zusammengefasst betrachtet.
Tabelle 13:
Kommunikationsdichten des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-
Organisationen (Katholische und evangelische EZ-Organisationen)
Informationsempfänger
Katholische
Evangelische
Informationssender
Organisationen
Organisationen
Katholische
0.3571
0.5714
Organisationen
Evangelische
0.6667
1.0000
Organisationen
Quelle: eigene Berechnung
26 Diese Matrix ist ebenso wie die Sender-Empfänger-Matrix und die Empfänger-Sender-Matrix
asymmetrisch. D.h. es wird untersucht, ob die Aussage, dass Information gesendet wurde durch die Aussagen
der anderen Akteure, dass Information empfangen wurde, bestätigt wird. Für manche Rechenoperationen
musste diese Multiplexmatrix noch symmetrisiert werden. Die Häufigkeit der Kommunikation konnte bei der
Multiplexmatrix aufgrund von Operationalisierungsproblemen nicht mehr berücksichtigt werden. Hingegen
wird ein bestätigtes Senden mit einem Wert von ,,2" gewichtet. Ein einseitiges Senden bzw. Empfangen er-
hält den Wert ,,1". Alle anderen Verhältnisse sind mit ,,0" codiert. Das bedeutet, dass die maximale Dichte
bei *2 = 2 liegt.
89
Mit einer Gesamtnetzwerkdichte von Gesamt = 0.1248 kann insgesamt von einem weak-tie-
Netzwerk gesprochen werden, wodurch Informationen auch über große Entfernungen ohne
Probleme geliefert werden können. Weiterhin steht ein solch schwach verbundenes Netz-
werk dafür, verschiedenartige und oft auch neue Informationen innerhalb des Netzwerks
besser zu verbreiten, um dadurch Modernisierungs-, Innovations- und Diffusions prozesse
im Netzwerk auszulösen. Ein Schwachpunkt dagegen ist, dass es in weak-tie-Netzwerken
oft länger dauert, bis sich die Neuigkeiten, wie etwa eine Innovation, von den zentralen
Akteuren bis in die Ränder des Netzwerks verbreiten (vgl. JANSEN, 1999: 88). Da eine
sehr geringe Gesamtnetzwerkdichte vorliegt, wird der Diffusionsprozess von
Informationen innerhalb des Netzwerks vermutlich sehr lange Dauern. Genaue
Zeitangaben können hier jedoch nicht gemacht werden.
Wenn die Organisationen außerhalb der Stichprobe für die Berechnung der Gesamt-
netzwerkdichte vernachlässigt werden, steigt die Kommunikationsdichte fast um das
vierfache auf Gesamt2 = 0.3904. Zwischen den untersuchten Organisationen im Speziellen
herrscht also eine höhere Kommunikationsdichte als innerhalb des Gesamtnetzwerks.
Entweder resultiert dies aus der Tatsache, dass die Organisationen außerhalb der
Stichprobe keine Aussage über ihre Kommunikationsverbindungen treffen konnten oder
die Stichprobe repräsentiert einen besonders dichten Pool des Informationsaustauschs und
innovativer Ideen.
Wie im Sender-Empfänger-Netzwerk und im Empfänger-Sender-Netzwerk sind beim
,bestätigten Senden` die Netzwerkdichten zwischen Organisationen des gleichen Typs
größer als zu anderen Organisationen außer bei den sonstigen NROs. Diese haben den
häufigsten Informationsaustausch mit den kirchlichen Organisationen (NK = 0.2636).
Untereinander besitzen sie nur die zweitgrößte kommunikative Vernetzung. Dies könnte
auf die geringe Teilnahme der sonstigen NROs zurückgeführt werden. Es ist jedoch zu
erkennen, dass die Präferenzen bei der Ausbildung kommunikativer Strukturen stärker bei
den Nichtregierungsorganisationen liegen, als z.B. bei den staatlichen Organisationen mit
einer Dichte von NS = 0.1240 (vgl. Tab. 14). Aufgrund der ebenfalls höheren Kommuni-
kationsdichte zwischen den staatlichen Organisationen untereinander als zwischen staat-
lichen Organisationen und sonstigen NROs ist die Annahme H2, dass sich die staatlichen
und nichtstaatlichen Organisationen in der Wahl ihres Kommunikations partners wegen
unterschiedlicher Einstellungen unterscheiden, zu bestätigen. Weiterhin ist in Tab. 14 zu
erkennen, dass die Kommunikationsdichte zwischen den staatlichen Organisationen mehr
als dreimal so hoch ist, als die zwischen staatlichen Organisationen und sonstigen NROs.
Die höchste Kommunikations dichte zwischen Organisationen des gleichen Typs besitzen
jedoch die politischen Stiftungen (vgl. Tab. 14). Die Annahme H3, dass die politischen
Stiftungen zu den staatlichen Organisationen eine höhere Kommunikationsdichte als
untereinander besitzen, muss also insgesamt widerlegt werden, obwohl ein Teil der
Annahme, der eine höhere Kommunikationsdichte zu den staatlichen Organisationen als zu
90
den sonstigen NROs prognostizierte, durchaus zutrifft. Die politischen Stiftungen zählen
sich aufgrund ihrer Einstellungen also nicht so stark mit den sonstigen NROs verbunden.
Tabelle 14:
Kommunikationsdichten des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-
Organisationen
Informationsempfänger
Informations-
Staatliche
Politische
Kirchliche
Organisationen
sender
Organisa-
Stiftungen
Organisa-
Sonstige NROs außerhalb der
tionen
tionen
Stichprobe
Staatliche
Organisationen
0.8636
0.6545
0.3545
0.2479
0.0061
Politische
Stiftungen
0.8727
1.4000
0.4400
0.2000
0
Kirchliche
Organisationen
0.3364
0.3200
0.5222
0.3727
0.0367
Sonstige NROs
0.1240
0.0727
0.2636
0.2000
0.0242
Organisationen
außerhalb der
0.0030
0.0067
0.0200
0.0091
0
Stichprobe
Bei der Dichteberechnung bei gleichen Organisationstypen wurden die Angaben zur eigenen Organisation
die Diagonale in der Matrix - nicht berücksichtigt.
Gesamtdichte: Gesamt
= 0.1248
= 0.2182 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als Sender)
= 0.2142 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als
Empfänger)
Gesamt2 = 0.3904 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als Sender
und Empfänger)
Quelle: eigene Berechnung
Zu den Organisationen außerhalb der Stichprobe besitzen die kirchlichen Organisationen
und die sonstigen NROs die höchsten Kommunikationsdichten (vgl. Tab. 14). Insgesamt
sind bei diesen beiden Organisationstypen die Unterschiede in den Kommunikationsdich-
ten zu den jeweils anderen Organisationstypen nicht so hoch wie bei den politischen Stif-
tungen und staatlichen Organisationen. Bei diesen beiden Organisationstypen konzentriert
sich der Informationsaustausch also stärker auf Organisationen des gleichen Typs, bevor
andere Organisationen Informationen erhalten. Dagegen ist bei den kirchlichen Organisa-
tionen und den sonstigen NROs die Informationsverteilung insgesamt nicht so häufig, da-
für jedoch regelmäßiger verteilt sogar an die Organisationen außerhalb der Stichprobe
(vgl. Tab. 14).
91
4.6.2 Zentralität von Akteuren
Auch bei der Untersuchung von bestätigtem Senden im Kommunikationsnetzwerk
deutscher EZ-Organisationen wurden einige unverbundene Akteure im Netzwerk ausfindig
gemacht, sodass eine nähebasierte Zentralitätsberechnung nicht möglich ist. Das Netzwerk
ist also insgesamt unverbunden und zerfällt in 16 Komponenten. Diese bestehen aus 15
unverbundenen Einzelakteuren 43, 44, 45, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 66, 67 und
68 die keine kommunikative Verbindung zum Rest des Netzwerks (Komponente 16)
aufweisen können (vgl. Abb. 7.1 in Anhang 7). Der Betweenness-Wert als Maß für die
Kommunikationskontrolle soll also auch hier das erste Ordnungskriterium für die
Zentralität der Einzelakteure bilden.
Laut Tab. 15 ist K9 mit einem Betweenness-Wert von bjk(nK9) = 495.501 der Akteur im
Netzwerk, welcher die höchste Kommunikationskontrolle besitzt und somit auch die
zentralste Organisation im Netzwerk darstellt. Das BMZ ist zwar mit odBMZ = 48 der
Akteur mit der größten Kommunikationsaktivität, dennoch ist sein Betweenness-Wert
geringer als der von K9. K9 ist somit stärker im Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-
Organisationen eingebettet als das BMZ. Den zweiten, dritten und vierten Platz in der
Zentralitätsreihenfolge stellen laut ihres Betweennessmaßes BMZ, VENRO und K8 dar.
Im Gegensatz zum Sender- Empfänger-Netzwerk und zum Empfänger-Sender-Netzwerk
haben also das BMZ und K9 lediglich die Plätze im Kommunikationsnetzwerk bezüglich
ihres Einflusses auf die Kommunikationskontrolle getauscht. BMZ und VENRO sind also
sehr stark in das Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen eingebunden.
In Bezug auf die Zentralität sind die kirchlichen Organisationen auf den oberen Plätzen
sehr stark vertreten. Fünf der ersten zehn Plätze belegen K9, K8, K3, K2 und K1. Die
staatlichen Organisationen nehmen davon nur drei Plätze ein. Erstaunlich ist, dass neben
VENRO mit N4 noch eine weitere sonstige NRO eine sehr zentrale Rolle im Netzwerk
spielt. Die sonstigen NROs sind ansonsten eher auf den unteren Rängen, bezüglich ihrer
Zentralität im Netzwerk, anzutreffen. Die politischen Stiftungen sind nur mittelmäßig stark
im Kommunikationsnetzwerk eingebunden (vgl. Tab. 15).
Wird jedoch die Kommunikationsaktivität im Netzwerk betrachtet, so nehmen die staat-
lichen Organisationen mit einem durchschnittlichen Outdegree von 18,41 und politischen
Stiftungen mit einem durchschnittlichen Outdegree von 21,8 doch eine andere Stellung ein.
Sie sind die Organisationen, die im Schnit t am häufigsten Informationen - im Vergleich zu
kirchlichen Organisationen und sonstigen NROs mit durchschnittlichen Outdegrees von
15,2 bzw. 7,1 - an andere Organisationen versenden. Würde die Zentralität von Ak teuren
im Netzwerk nach ihrem Outdegree geordnet werden, so würden K1 und K2 eher unbe-
deutende Positionen im Netzwerk einnehmen, und VENRO und N4 wären auf mittleren
Rängen anzutreffen (vgl. Tab. 15). Dennoch besitzen z.B. die politischen Stiftungen nicht
die gleichen Möglichkeiten wie beispielsweise VENRO, die Kommunikation zwischen
manchen Netzwerkakteuren zu kontrollieren.
92
Tabelle 15:
Zentralitätsmaße der einzelnen Netzwerkakteure des
Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-Organisationen
Organisation Betweenness nBetweenness OutDegree NrmOutDeg
K9
495.501
11.550
37
56.061
BMZ
368.099
8.580
48
72.727
VENRO
301.745
7.034
21
31.818
K8
178.023
4.150
33
50.000
N4
89.781
2.093
21
31.818
S2
64.661
1.507
23
34.848
K3
63.986
1.492
25
37.879
K2
61.715
1.439
9
13.636
S8
58.633
1.367
20
30.303
K1
50.062
1.167
5
7.576
S3
43.866
1.023
21
31.818
S7
34.157
0.796
28
42.424
P2
30.751
0.717
21
31.818
N9
18.484
0.431
10
15.152
S11
17.429
0.406
18
27.273
P5
14.487
0.338
28
42.424
S10
10.998
0.256
10
15.152
P4
10.630
0.248
29
43.939
P3
9.945
0.232
16
24.242
P1
9.112
0.212
15
22.727
S9
8.025
0.187
12
18.182
K7
6.249
0.146
16
24.242
N5
5.815
0.136
3
4.545
K6
3.350
0.078
10
15.152
S4
2.107
0.049
7
10.606
N2
2.085
0.049
5
7.576
S6
1.583
0.037
8
12.121
N10
1.475
0.034
7
10.606
K5
1.344
0.031
9
13.636
39
0.446
0.010
6
9.091
N7
0.383
0.009
4
6.061
K10
0.071
0.002
5
7.576
Alle hier nicht aufgeführten Akteure haben Betweennessmaße von 0.
Quelle: eigene Berechnung
93
Die vier zentralsten Akteure aufgrund ihrer Einbettung in das Kommunikationsnetzwerk
sind also K9, BMZ, VENRO und K8. Von BMZ und VENRO wurde dies vermutet. Nicht
erwartet wurde dies von K8 und dass K9 der zentralste Akteur im System überhaupt ist.
Haben diese Organisationen jetzt auch noch hohe Prestigewerte im Netzwerk, so würde
sich eine Machtkonzentration auf diese Akteure bestätigen.
4.6.3 Prestige von Akteuren
Das BMZ besitzt im Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen mit einem
Indegree von idBMZ = 47 und einem Eigenvektor von 0,442 die höchsten Prestigewerte.
Somit ist das BMZ der Akteur im Netzwerk, der am häufigsten von anderen Organisa-
tionen Informationen erhält, er ist aber auch gerade von den anderen angesehen Ak teuren
im Netzwerk als Akteur mit großem Einfluss bekannt. Somit bestätigt sich die Annahme
H1.1, das BMZ sei ein mächtiger Akteur im Netzwerk. Sein großes Ansehen innerhalb des
Netzwerks, der zweite Rang in der Zentralitätsreihenfolge, aber mit der größten Kommuni-
kationsaktivität dies sind die Indikatoren für mächtige Netzwerkakteure und treffen beim
BMZ zu (vgl. Tab. 7.1 in Anhang 7).
Auch die Annahme H1.2 lässt sich verifizieren. VENRO ist mit einem Indegree von
idVENRO = 36 (vgl. Tab. 7.1 in Anhang 7) der Akteur mit dem zweithöchsten Prestige, er ist
aber auch sehr gut ins Netzwerk eingebunden und nimmt somit den dritten Platz in der
Zentralitätsreihenfolge ein.
Überraschenderweise nimmt aber auch
K9
eine mächtige Position im Netzwerk ein. Mit
einem Indegreewert von idK 9 = 34 ist sie die drittangesehenste Organisation im Netzwerk.
Daneben ist sie am stärksten von allen anderen Organisationen ins Netzwerk eingebunden
und stellt somit die zentralste Organisation im Netzwerk dar (vgl. Tab. 7.1 in Anhang 7).
Das BMZ ist von diesen drei Organisationen aber der mächtigste Akteur im Netzwerk. Er
ist am zweitstärksten ins Netzwerk eingebettet, besitzt die höchste Kommuni-
kationsaktivität und auch das höchste Prestige von allen anderen Organisationen. K9 und
VENRO sind in etwa gleichwertig, wenn es um die Frage geht, welcher der mächtigere
Akteur im Netzwerk ist.
Hatten S2 und S3 im Sender-Empfänger-Netzwerk und im Empfänger-Sender-Netzwerk
noch hohe Prestigewerte, so sind diese im Vergleich zum gesamten Kommunikations-
netzwerk doch sehr niedrig. In der Prestigereihenfolge nehmen diesen beiden Akteure nun
die Plätze 12 und 15 ein (vgl. Tab. 7.1 in Anhang 7). Dafür sind nun die politischen Stif-
tungen P2 und P3 und die kirchlichen Organisationen K2 und K3 sehr angesehene Akteure
im Netzwerk. Außer VENRO und N4 gelten keine sonstigen NROs im Netzwerk als
besonders prestigereich. Sie nehmen zumeist untere Ränge ein (vgl. Tab. 7.1 in Anhang 7).
Die staatlichen Organisationen sind neben dem BMZ eher im Mittelfeld zu finden.
94
Aufgrund ihres Eigenvektors wären die staatlichen Organisationen und politischen Stif-
tungen viel weiter oben in der Prestigerangskala vertreten. Diese Organisationen werden
also, vor allem von anderen angesehenen Organisationen, als prestigereich betrachtet. Die
hohen Eigenvektorwerte könnten aber auch durch die hohe Kommunikationsdichte, die
jeweils innerhalb der staatlichen Organisationen und politischen Stiftungen herrscht, her-
vorgerufen werden. So können diese Organisationen sich gegenseitig hohe Eigenvektor-
werte geben, ohne dass sie im gesamten Netzwerk als angesehen gelten müssen. Daher
sollte doch eher darauf geachtet werden, wie oft Organisationen von anderen Organisa-
tionen als Empfänger ihrer Informationen in Betracht gezogen werden. Die Indegreewerte
sind also die ausschlaggebenden Werte für das Prestige eines Akteurs.
4.6.4 Cutpoint-Positionen
Die Position eines Cutpointakteurs im Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-
Organisationen begleiten die Akteure S8, K8, K9 und VENRO und sind somit identisch
mit denen des Sender-Empfänger-Netzwerks (vgl. Abb. 5.2 in Anhang 5 und Abb. 7.2 in
Anhang 7). S8 unterhält dabei die einzige Verbindung im Netzwerk zu Organisation 41.
K8 hält die Verbindung zu 53 und 54 aufrecht und K9 verbindet 55 und 56 mit dem Rest
des Netzwerks. VENRO ist der größte der Cutpointakteure und stellt den kommunikativen
Brückenkopf zu 47, 48, 49 und 50 dar (vgl. Abb. 7.2 in Anhang 7). Ohne diese Cutpoint-
akteure würden die oben ge nannten Akteure zu unerreichbaren Einzelkomponenten im
Netzwerk werden. Diese vier Organisationen stellen sich also gegen einen Zerfall des
Netzwerks und gegen eine Isolierung von einerseits vielen einzelnen Ak teuren und
andererseits der Hauptkomponente des Netzwerks, sodass diese nicht von der Außenwelt
kommunikativ abgetrennt wird. Diese Position begleitet immer auch ein Zusammenfließen
verschiedener Informationen und Meinungen. Durch ihre Position können die
Cutpointakteure nun entweder zum Schmelztiegel oder aber zum Moderator verschiedener
Meinungen, Einflüsse und Informationen werden (vgl. JANSEN, 1999: 92 und 100).
4.6.5 Cliquen
Im Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen gibt es 1258 verschiedene 2-
Plexe mit sich teilweise überlappenden Gruppenmitgliedern. In ca. 480 dieser 2-Plexe sind
die Akteure BMZ und/oder VENRO vertreten. In 340 ist die Organisation K9 zu finden
(vgl. Abb. 7.3 in Anhang 7). Dies sind die zentralen und angesehenen Akteure im Netz-
werk. Jedoch ist durch die hohe Anzahl der verschiedenen Subgruppen und die nicht vor-
handene Möglichkeit, Ak teure eindeutig nur einer Gruppe zuzuordnen, diese Methode für
weitere Untersuchungen nicht sinnvoll.
95
Die n-Clan-Methode liefert elf 2-Clans. Bei diesen kohäsiven Subgruppen liegt die maxi-
male Pfaddistanz bei zwei. Diese Methode liefert aber ebenfalls wie die k-Plex-Methode
nur sich überlappende Subgruppen, die aus teilweise gleichen Gruppenmit gliedern be-
stehen sie ist also auch kaum aussagekräftig (s. dazu auch Kapitel 4.4.5).
Eine Region im Netzwerk mit besonders dichter Kommunikation bilden die Organisa-
tionen BMZ, S2, S3, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P2, P3, P4, P5, K2, K3, K7, K8, K9,
VENRO und N4. Mithilfe der k-Core-Methode konnte festgestellt werden, dass diese Or-
ganisationen in ihrem Teilgraphen mindesten 13 andere Akteure auf direktem Wege er-
reichen können. Würden S4 und K5 zu dieser Subgruppe hinzugenommen werden,
könnten diese jeweils zwölf andere Akteure auf direktem Weg erreichen (vgl. Abb. 7.4 in
Anhang 7). Es verwundert jedoch nicht, diese Akteure in diesem Teilgraphen ausfindig zu
machen, da schließlich schon vorher festgestellt werden konnte, dass die staatlichen Orga-
nisationen wie auch die politischen Stiftungen untereinander sehr hohe
Kommunikationsdichten besitzen; zudem verwundert auch das Auftreten der zentralen und
angesehenen Akteure in einer solchen Gruppe nicht. Was sich allerdings daraus erkennen
lässt, ist, welche von den staatlichen Organisationen im Vergleich zu den oben genannten
eher ,kommunikationsfaul` sind. Die Cliquenanalyse konnte ebenso wie im Sender-
Empfänger-Netzwerk und im Empfänger-Sender-Netzwerk keine eindeutig zu
identifizierenden kohäsiven Sub gruppen ausfindig machen, welche sich auch nach außen
abgrenzen lassen würden. Die k-Core-Methode zeigt nur, zwischen welchen Organisa-
tionen besonders viel direkte Verbindungen bestehen. Eine Außenabgrenzung der Orga-
nisationen im Teilgraphen zu anderen Akteuren bietet sie jedoch nicht.
4.6.6 Strukturelle Äquivalenz und Blockmodelle
Die Blockmodellanalyse CONCOR- und Burt-Verfahren liefert Subgruppen, die sich
aus Akteuren mit äquivalenten strukturellen Positionen im Netzwerk zusammensetzen. Die
Akteure 43, 44, 45, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 66, 67 und 68 sind sich laut
CONCOR-Verfahren in ihren strukturellen Netzwerkpositionen ähnlich (vgl. Abb. 7.5 in
Anhang 7). Die Existenz dieser Subgruppe wird auch mithilfe des Burt-Verfahrens be-
stätigt (vgl. Abb. 7.6 in Anhang 7). Die Ähnlichkeit zwischen diesen Akteuren beruht auf
der Tatsache, dass sie alle Einzelkomponenten im Netzwerk darstellen.
Die nächste Subgruppe laut CONCOR- und Burt-Methode besteht aus den Akteuren 42,
46, 47, 48, 49 und 50, wobei die Akteure 42 und 46 laut Burt-Verfahren erst auf der
nächsten Zuordnungsstufe dieser Gruppe angehören (vgl. Abb. 7.5 und Abb. 7.6 in Anhang
7). Die Ähnlichkeit von 47, 48, 49 und 50 besteht in der Tatsache, dass sie diejenigen
Akteure sind, die nur noch über den Cutpoint VENRO Zugang zum Netzwerk besitzen. 42
und 46 besitzen ebenfalls nur Kontakt mit diesem Akteur.
96
Als weitere kohäsive Subgruppe werden aufgrund struktureller Ähnlichkeit die Ak teure 40,
51, 53 und 54 zusammengefasst (vgl. Abb. 7.5 und Abb. 7.6 in Anhang 7). Dies sind alles
Organisationen die hauptsächlich mit K8 kommunikativen Kontakt haben. 53 und 54 sind
sogar von K8 als Cutpoint abhängig, um den Anschluss ans Netzwerk nicht zu verlieren.
Laut CONCOR-Verfahren ordnen sich die Akteure K4, N6, N11, 52, 55 und 56 ebenfalls
in einer Subgruppe an (vgl. Abb. 7.5 in Anhang 7). Laut Burt-Methode würden sich K4
und vor allem N6 erst sehr spät in einem Ähnlichkeitsvergleich der Hauptakteure dieser
Gruppe (N11, 52, 55 und 56) zuordnen lassen (vgl. Abb. 7.6 in Anhang 7). Alle diese Ak-
teure begleiten in der Netzwerkstruktur eine ähnliche Position, bei deren Ausübung sie fast
ausschließlich mit K9 kommunikativen Kontakt haben. 55 und 56 benötigen K9 sogar als
Brückenkopf zum restlichen Netzwerk.
Ab diesem Punkt divergieren die Ergebnisse beider Verfahren zu stark, um gültige Aus-
sagen über das Vorhandensein weiterer Subgruppen zu machen. Das CONCOR-Verfahren
bildet noch eine Gruppe bestehend aus den Akteuren BMZ, S2, S3, S7, S8, S9, S10, S11,
P1, P2, P3, P4, P5, K8 und N8. Auf einem niedrigeren Level des Trennungsverfahrens
gehören dieser Gruppe noch die Organisationen K2, K3, K5, K9, VENRO und N7 an (vgl.
Abb. 7.5 in Anhang 7). Diese Gruppe ähnelt sehr stark der Gruppe, die mithilfe der k-
Core-Methode als Region besonders dichter Kommunikation ausfindig ge macht wurde.
Die Burt-Methode kann diese Akteure nur schwer anderen zuordnen und daraus kohäsive
Subgruppen formen. Die am schwersten zuzuordnenden Akteure sind dabei BMZ, VENRO
und danach K8 und K9 (vgl. Abb. 7.6 in Anhang 7). Dies sind die zentralen Akteure in
diesem Netzwerk und daher von ihrer jeweiligen strukturellen Position so verschieden,
dass sie kaum anderen Akteuren ähneln jedenfalls nach Burt-Verfahren.
In diesem Netzwerk existieren also aufgrund ähnlicher struktureller Positionen vier kohä-
sive Subgruppen, die sich auch nach außen abgrenzen lassen: die Einzelkomponenten-, die
K8-, die K9- und die VENRO-Gruppe.
4.6.7 Zentralisierung des Netzwerks
Die Zentralitätsmaße des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-Organisationen ähneln
denen des Sender-Empfänger-Netzwerks (vgl. Abb. 11 und 13). Der geringe Betweenness-
Wert von 22% besagt, dass der zentrale Akteur K9 trotz seiner hohen Kommunikations-
kontrolle im Netzwerk keinen Monopolanspruch an die Information, die er weitergeben
kann, ausübt. Jedem Akteur, der seine Informationen erhalten möchte, wird diese
Information zugänglich gemacht. Die beiden Degree-Werte bedeuten, dass K9 zu 60% an
den direkten Beziehungen der anderen Akteure beteiligt ist (vgl. Abb. 14). Die anderen
Akteure nehmen diese Organisation also als zentralen Akteur wahr. Die Höhe der Degree-
Werte ist auch ein Indikator für die Form des Netzwerks. Sie liegt aufgrund des Degree-
97
basierten Zentralisationswertes von 60% wahrscheinlich zwischen Kreis und Sternform mit
Tendenz zur Sternform, ist aber insgesamt nicht auf eine einfache Struktur zu reduzieren.
Abbildung 14: Netzwerkzentraliserungsmaße des Kommunikationsnetzwerks deutscher
EZ-Organisationen
Network Centralization Index
(Betweenness)
= 22.06%
Network Centralization
(Outdegree)
= 61.157%
Network Centralization
(Indegree)
= 59.619%
Quelle: eigene Berechnung
4.6.8 Die Struktur des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-Organisationen
Die Form des Kommunikationsnetzwerks kann grob als Kegel kategorisiert werden. In der
Spitze des Kegels sind die zentralen und angesehenen Akteure angesiedelt. Daneben sind
auf diesem engen Raum auch die Organisationen zu finden, die Cutpointakteure darstellen
und die alle eine besonders hohe Kommunikationsdichte aufweisen, wie z.B. die poli-
tischen Stiftungen oder die staatlichen Organisationen, die durch die k-Core Methode als
Akteure mit besonders hoher Kommunikationsdichte ermittelt wurden.
Der Boden des Kegels ist aber nicht flach, sondern abgerundet. In dieser Hemisphäre sind
nun die unverbundenen Akteure, die Akteure die einen Cutpoint zum Restnetzwerk benöti-
gen sowie die Akteure mit niedriger Kommunikationsdichte zu finden. Bei den Ak teuren
in der Hemisphäre ist lediglich noch zwischen N3 und 46 eine asymmetrische Be ziehung
vorhanden. Alle anderen Akteure sind entweder unverbunden mehr als in den beiden
anderen Netzwerken oder benötigen die Akteure in der Kegelspitze, um miteinander
kommunizieren zu können. Das bedeutet, dass die Kommunikation zwischen ihnen über
mindestens einen Akteur der Kegelspitze laufen muss. Dabei ist der Kommunikationsweg
von der Hemisphäre zur Kegelspitze deutlich länger als beispielsweise im Sender-
Empfänger-Netzwerk von der Hemisphäre der Halbkugel in das Kommunikationszentrum.
Die Kegelspitze stellt also das Kommunikationszentrum dar. Die anderen Akteure sind in
gewisser Weise von diesem Zentrum abhängig.
98
Abbildung 15:
Modell des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-Organisationen
A
G
L
B
H
C
M
I
D
N
Akteure mit großer
J
Kommunikationsdichte,zentrale,
angesehene & Cutpointakteure
O
E
K
F
Vereinfachtes, zweidimensionales Modell des Sender-Empfänger-Netzwerks. Hier wurde nur die Form des
Netzwerks, sowie die möglichen Beziehungsarten der einzelnen Akteure zum Zentrum des Netzwerks darge-
stellt. Im Modell musste auf die konkrete Nennung der einzelnen Organisationen zugunsten der Übersicht-
lichkeit verzichtet werden. Die Akteure außerhalb des Zentrums sind mit A bis O gekennzeichnet.
Quelle: eigene Berechnung
4.7 Die Nutzung des Internets zur Informationsgewinnung ein User-
Server-Modell
Werden die Kommunikationsdichten in Tab. 16 betrachtet, so lässt sich eindeutig er-
kennen, dass die Internetnutzung mit einer Gesamtdichte von Gesamt = 0,0276 doch sehr
gering ist. Dabei heben sich vor allem die politischen Stiftungen hervor, welche das
Internetangebot der anderen Organisationen außer das von wenigen staatlichen
Organisationen überhaupt nicht nutzen. Auch bei den anderen Organisationstypen ist die
Internetnutzung insgesamt nicht besonders stark ausgeprägt. Das deutet darauf hin, dass
die Vernetzung sehr schwach ist. Aus Abb.8.1 und Abb. 8.2 in Anhang 8 wird ersichtlich,
dass 26 unverbundene Einzelakteure existieren und dass weitere 19 Akteure nur über
Cutpointakteure zu erreichen sind. Das sind schon fast zwei Drittel des gesamten
Netzwerks, welches nicht oder nur ungenügend verbunden ist. Closeness- und
99
Betweennessberechnungen bestätigen die insgesamt schwache Nutzung des Internetange-
bots.
Tabelle 16: Kommunikationsdichten des User-Server-Modells
Informationsanbieter
Staatliche
Kirchliche
Organisationen
Informations-
Politische
Sonstige
Organisa-
Stiftungen
Organisa-
NROs
außerhalb der
nutzer
tionen
tionen
Stichprobe
Staatliche
Organisationen
0.3727
0.0727
0.0182
0
0
Politische
Stiftungen
0.0727
0
0
0
0
Kirchliche
Organisationen
0.1000
0.0600
0.1778
0.0727
0.0267
Sonstige NROs
0.0992
0
0.0364
0.0455
0.0121
Organisationen
außerhalb der
0
0
0
0
0
Stichprobe*
Bei der Dichteberechnung bei gleichen Organisationstypen wurden die Angaben zur eigenen Organisation
die Diagonale in der Matrix - nicht berücksichtigt.
*
Die Netzwerkdichte in dieser Zeile muss immer Null sein, da diese Organisationen nicht befragt
wurden und daher keine Angaben bezüglich ihres Verhaltens als Informationsempfänger vorliegen
Gesamtdichte: Gesamt
= 0,0276
= 0.0492 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als Nutzer)
= 0.0444 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als
Anbieter)
= 0.0826 (Vernachlässigung der Organisationen außerhalb der Stichprobe als Nutzer
und Anbieter)
Quelle: eigene Berechnung
Deshalb ist es sinnvoller bei den einzelnen Organisationen anzusetzen. Mithilfe der
Degreemaße kann man herausgefunden werden, wie oft welche Organisation das Internet
zur Informations gewinnung nutzt (Outdegree) und wie oft von welchen Internetseiten der
Organisationen Informationen bezogen werden (Indegree). Die einzelnen Werte sind in
Tab. 17 zu finden. Die Organisationen sind dabei nach der Besuchshäufigkeit ihrer
Internetseiten (Indegree) geordnet.
In Tab. 17 ist gut zu erkennen, was bereits durch die Internetrecherche ermittelt wurde.
Offensichtlich bieten wirklich mehr Organisationen Informationen im Internet an, als sie
selbst angeben. Von 37 Organisationen wird hier behauptet, dass von ihren Internetseiten
mindestens einmal Informationen bezogen wurden. Somit besteht auch die Möglichkeit,
von diesen Internetseiten Informationen zu erhalten. Aber nur sechs von 26 Organisationen
behaupteten, das Internet zur Verbreitung ihrer Informationen zu nutzen (s. dazu auch
100
Kapitel 4.2.1). Die eigene Internetrecherche mit dem Ergebnis, dass 34 von 37
Organisationen irgendeine Art von Information im Internet anbieten, wird durch die
Aussage über die Internetnutzung der Organisationen zur Informationsgewinnung,
bestätigt. Durch diesen Cross Check der Ergebnisse konnte also die Validität ermittelt
werden. Offensichtlich erfüllt Frage zwei des Fragebogens (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1) das
Validitätskriterium nicht, denn die Angaben der Organisationen bezüglich der Internet-
nutzung zur Informationsverbreitung stehen sowohl konträr zur Dokumentenanalyse, als
auch konträr zur Einschätzung durch die anderen Organisationen bezüglich ihres Internet-
angebots aus Frage sechs des Fragebogens (vgl. dazu Kapitel 4.2.2, Tab. 17 sowie Abb.
1.2. in Anhang 1). Da die Fragen drei, vier und fünf des Fragebogens, ebenso wie die
Frage sechs, direkte Fragen zum kommunikativen Austausch von Dokumenten im
Netzwerk darstellen sich also vom Inhalt her ähnlich sind (vgl. Abb. 1.2 in Anhang 1) ,
und die Frage sechs so beantwortet wurde, dass daraus valide Ergebnisse abgeleitet werden
können, kann also schon davon ausgegangen werden, dass die Ergebnisse aus den
Antworten der Fragen drei bis fünf ebenso gültig sind. Ein weiteres Indiz dafür, dass die
Ungültigkeit der Ergebnisse aus Frage zwei einen Einzelfall in dieser Untersuchung
darstellt, ist die Tatsache, dass die Ergebnisse aus den Fragen eins und sieben mit den
Ergebnissen aus der HWWA-Studie übereinstimmen, wobei sowohl in der vorliegenden
Untersuchung, als auch in der HWWA-Studie der DAC-Fragebogen zugrunde lag. Die
Untersuchungskonzepte haben also hier und in der HWWA-Studie die gleichen Vorlagen
zu bestimmten Themengebieten (s. dazu auch Kapitel 3.1.2 und 3.1.7) und kommen zu
ähnlichen Ergebnissen (s. dazu Kapitel 4.1 und 4.8). Zusammenfassend kann also festge-
halten werden, dass der hier verwendete Fragebogen bis auf Frage zwei das Validitäts-
kriterium erfüllte. Dadurch, dass Cross Checks benutzt wurden, ist die Ungültigkeit der
Ergebnisse aus Frage zwei nicht von Bedeutung. Daraus folgt, dass die vorliegenden
Ergebnisse der Untersuchung externe Validität besitzen.
Von der BMZ-Internetseite werden laut dem Indegreewert von idBMZ = 25 am häufigsten
Informationen bezogen (vgl. Tab. 17). Diese Aussage deckt sich auch damit, dass auf der
BMZ-Homepage die meisten Informationen gefunden wurden. Das BMZ sagt sogar, dass
100% seiner Informationen im Internet angeboten werden (s. dazu auch Kapitel 4.2.1). Auf
den zweiten und dritten Platz der Häufigkeit der besuchten Internetseiten befinden sich S2
und S3 (vgl. Tab. 17). Davon behauptet S3 allerdings, die Organisation sei noch in
Planung, Informationen im Internet bereitzustellen. Eine Diskrepanz zwischen der
gegebenen Antwort und der Internetrecherche aufgrund einer Messung zu verschiedenen
Zeitpunkten kann jedoch ausgeschlossen werden, da die Internetrecherche auch schon
einmal zur Zeit der Befragung durchgeführt wurde und für S3 die gleichen Ergebnisse wie
jetzt vorlagen. Bei den anderen Organisationen ist der Besuch deren Internetseiten jedoch
101
dürftig. Insgesamt gesehen, wird das tatsächliche Informationsangebot von den meisten
Organisationen so gut wie nicht genutzt.
Tabelle 17:
Besuchte Internetseiten und Nutzung des Internetangebots der
Organisationen
Org.
InDegree
OutDegree
Org.
InDegree
OutDegree
BMZ
25
k.A.
57
2
0
S2
15
3
58
2
0
S3
7
0
60
2
0
S10
5
k.A.
S4
1
10
VENRO
5
0
P2
1
0
K8
4
6
P4
1
k.A.
S7
4
k.A.
P5
1
0
K2
4
0
K1
1
0
K7
4
0
K4
1
k.A.
S8
3
9
K6
1
k.A.
S11
3
7
K10
1
0
S9
3
4
N4
1
0
K3
3
0
N6
1
k.A.
K5
3
k.A.
N7
1
k.A.
39
3
0
N11
1
k.A.
N2
2
5
59
1
0
S5
2
3
K9
0
40
P1
2
2
N9
0
17
P3
2
2
S6
0
11
N10
2
k.A.
N5
0
3
49
2
0
Da gewichtete Bewertungen über die Häufigkeit der Internetnutzung vorliegen, entsprechen die Werte der
Häufigkeit der Internetnutzung und nicht der Anzahl der Organisationen, die diese Wahl vergeben bzw. er-
halten.
Quelle: eigene Berechnung
Eine Ausnahme stellt die Organisation K9 dar. Mit einem Outdegreewert von odK 9 = 40 ist
sie die Organisation im Kommunikationsnetzwerk, die das Internetangebot der anderen
Organisationen am häufigsten nutzt. Am zweithäufigsten nutzt das Internetinformations-
angebot N9 und an dritter Stelle steht S6 (vgl. Tab. 17). Dies sind alles Organisationen,
deren Internetseite überhaupt nicht besucht wird. Somit werden deren Internet-
informationen überhaupt nicht genutzt. Bei K9 und S6 ist das laut eigener Angabe auch
noch nicht möglich, was allerdings der eigenen Recherche widerspricht. Auf deren
102
Homepages ist es durchaus möglich, Informationen zu verschiedenen Themen zu erhalten
(s. dazu auch Kapitel 4.2.2).
Abbildung 16: Internetnutzung verschiedener Organisationstypen
8
7
6
5
4
Anzahl
3
2
1
0
Staatl. Org.
Pol. Org.
Kirchl. Org. insg.
sonst. NROs
Ja
7
4
2
3
Nein
1
1
4
3
k.A.
3
0
4
5
Organisationstyp
Quelle: eigene Berechnung
Abb. 16 zeigt einen Überblick über die Organisationstypen verteilt wie viel Orga-
nisationen angaben, Informationen der anderen Organisationen von deren Internetseite zu
beziehen. Bei den staatlichen Organisationen und den politischen Stiftungen nutzen ca.
60% bzw. ca. 80% der Organisationen das Internetangebot. Bei den kirchlichen Organisa-
tionen und sonstigen NROs ist dagegen kein positives Ergebnis zu finden, vor allem aber,
weil dort oft keine Angaben zur Internetnutzung vorlagen (vgl. Abb. 16). Obwohl ins-
gesamt mehr Organisationen sagten, sie würden sich Informationen von den Internetseiten
der anderen Organisationen nehmen, als dies nicht zu tun, bleibt die
Kommunikationsdichte doch sehr gering. Denn oft greifen die Organisationen nur auf die
Internetinformationen von ein, zwei ,ausgewählten` Organisationen zu.
103
4.8 Der Institutionalisierungsgrad der Organisationen bezüglich der
Generierung und Verbreitung ihrer Informationen.
Von 26 bisher quantitativ auswertbaren Fragebögen beantworteten 25 Orga nisationen die
Fragen nach dem Institutionalisierungsgrad bezüglich der Generierung und Verbreitung
ihrer Information.
Sechs Organisationen besitzen keine Evaluationsabteilung bzw. kein personal; dies sind
die Organisationen S5, K1, K3, N3, N5 und N9. 36% der Organisationen besitzen eigenes
Evaluationspersonal die Organisationen S4, S9, P2, P3, K2, K7, K9, VENRO und N4.
Von 25 Organisationen der Stichprobe besitzen BMZ, S2, S3, S6, S7, S8, P1, P4, P5 und
N2 eine eigene Evaluationsabteilung. Das sind 40% (vgl. Tab. 9.1 in Anhang 9).
Von den 25 Organisationen, die die Frage über das Vorhandensein von eigenem Evalua-
tionspersonal bzw. einer eigenen Evaluationsabteilung beantworteten, waren noch 23
Organisationen bereit, Auskunft über die Frage nach dem Zuständigkeitsbereich der
Informationsverbreitung zu erteilen. K7 und N4, zwei Organisationen, die eigenes Evalua-
tionspersonal besitzen, beantworteten diese Frage also nicht.
Von den Organisationen, die eigenes Evaluationspersonal besitzen, liegt nur bei drei Or-
ganisationen, nämlich P2, K2 und VENRO, die Zuständigkeit für die Verbreitung von In-
formationen aus Evaluationen auch bei diesem Evaluationspersonal. Bei S4 und K9 teilt
das eigene Evaluationspersonal die Zuständigkeit der Informationsverbreitung mit anderen
Abteilungen. S9 und P3 sagen, dass es bei der Informationsverbreitung keine festgelegte
Struktur innerhalb der Organisationen gibt (vgl. Tab. 18).
Von den Organisationen, die eine eigene Evaluationsabteilung besitzen, sind bei S3, S7, P5
und N2 diese Evaluationsabteilungen auch für die Informationsverbreitung zuständig. In
den Organisationen BMZ, S6, S8 und P1 teilen sich die Evaluationsabteilungen die Verant-
wortlichkeit der Informationsverbreitung mit anderen Abteilungen. S2 und P4 geben an,
dass der Informationsaustausch mit anderen Organisationen nicht durch eine festgelegte
Struktur geregelt ist (vgl. Tab. 18).
Bei den Organisationen, deren Evaluationsabteilung bzw. personal die Informationsver-
breitung mit anderen Abteilungen teilt, sind diese anderen Abteilungen meist zuständige
andere Arbeitseinheiten oder Abteilungen wie z.B. die Kontinentreferate.
Damit besitzen S3, S7, P5 und N2 den höchsten Institutionalisierungsgrad der Informa-
tionsgenerierung und verbreitung. Diese Organisationen besitzen eine eigene Evalua-
tionsabteilung, die ihre Projekte evaluiert und damit Informationen erzeugt, die schließlich
durch diese Abteilung auch verbreitet werden. Informationserzeugung und Vernetzung mit
anderen Organisationen zum Informationsaustausch sind in einer Stelle der Organisation
institutionalisiert, was die Koordinierung einfacher macht. P2, K2 und VENRO besitzen
den zweithöchsten Institutionalisierungsgrad, da sie keine Evaluationsabteilung, sondern
,nur` eigenes Evaluationspersonal besitze n. Dafür ist dieses Personal aber auch gleichzeitig
für den Informationsaustausch mit anderen Organisationen zuständig.
104
Tabelle 18:
Kreuztabelle: Organisationen und deren Zuständigkeitsbereich für die
Informationsverbreitung
Zuständigkeit der Informationsverbreitung
Nein, keine
Nein, keine
Ja, Zuständigkeit
Ja, Zuständigkeit
Abteilung/
festgelegte
liegt bei Evalua-
Organisation Personal
Struktur
wird mit anderen
Total
tionsabteilung/
vorhanden
vorhanden
Abteilungen geteilt -personal
BMZ
1
S2
1
S3
1
S4
1
S5
1
S6
1
S7
1
S8
1
S9
1
P1
1
P2
1
P3
1
P4
1
P5
1
K1
1
K2
1
K3
1
K9
1
VENRO
1
N2
1
N3
1
N5
1
N9
1
Total
6
4
6
7
23
Quelle: eigene Berechnung
Insgesamt gesehen kommt ein Zusammenhang zwischen dem Organisationstyp der Orga-
nisationen und dem Vorhandensein einer eigenen Evaluationsabteilung bzw. von eigenem
Evaluationspersonal mit einem Signifikanzwert von 0.394 nur zufällig zustande. Zufällig
sind auch gefundene Zusammenhangswerte zwischen der Art der Organisation und der
Tatsache, wer in der Organisation für den Versand von Informationen zuständig ist, und
zwar mit einem Signifikanzwert von 0.376.
105
5
Diskussion und Ausblick
In der vorliegenden Untersuchung wurde davon ausgegangen, dass von den Kommunika-
tionsstrukturen des Systems ,Deutsche EZ-Organisationen` auf die potentiellen hori-
zontalen Lernmöglichkeiten der Organisationen geschlossen werden kann. Dazu sollen
zuerst die Ergebnisse der Untersuchung noch einmal zusammengefasst und dabei erörtert
werden, bevor eine weiterführende Schlussfolgerung gezogen wird.
Diskussion der Ergebnisse
Zunächst werden die herausragenden Akteuren des Kommunikationsnetzwerks deutscher
EZ-Organisationen vorgestellt. Wie in Hypothese H1 angenommen stellen BMZ und
VENRO mächtige Akteure im Kommunikationsnetzwerk dar. Dies folgt für beide Organi-
sationen aus deren besonders hohen Zentralitäts- und Prestigewerten: Sie sind beide sehr
stark in das Kommunikationsne tzwerk eingebunden und besitzen daher eine hohe
Kommunikations kontrolle und empfangen weiterhin von den anderen Organisationen am
häufigsten Informationen. Der Prestigewert des BMZ also die Aussage, dass das BMZ
von den anderen Organisationen
am häufigsten
Informationen erhält korreliert mit der
Ausführung, dass das BMZ auch die
größte Menge
an Informationen bekommt. Was vor
der Untersuchung nicht vermutet wurde, sich aber aus dem Kommunikationsverhalten im
Netzwerk bestätigt, ist, dass
eine kirchliche Organisation (K9)
neben BMZ und VENRO
ein mächtiger Akteur im Netzwerk und somit auch im System ,deutsche EZ-
Organisationen` darstellt. Diese kirchliche NRO ist mit Abstand auch der zentralste Akteur
im gesamten Kommunikationsnetzwerk, d.h. er ist am stärksten von allen Organisationen
im Netzwerk kommunikativ eingebunden, womit er die höchste Kommunikationskontrolle
im Netzwerk erlangt. Weiterhin besitzt er neben seiner hohen Kommunikationskontrolle
auch die zweithöchste Kommunikationsaktivität im Netzwerk, was ihn ebenfalls in seiner
Zentralität bestärkt. Doch stellt sich hier die Frage: Warum wurde diese Organisation aus
theoretischer Sicht nicht als gleichwertig mächtig im Vergleich zu BMZ und VENRO
erachtet, um sie in den Hypothesen zu berücksichtigen? Oder anders ausgedrückt: Warum
wurde K9 nicht als wichtig in den realen Machtverhältnissen des Systems ,deutscher EZ-
Organisationen` betrachtet? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, muss der Begriff
der Macht in Netzwerken sowie die Tatsache, dass das vorliegende Netzwerk wohl, neben
BMZ und VENRO, noch einen dritten mächtigen Akteur benötigt, erörtert werden. Der
Begriff der Macht ist innerhalb eines Kommunikationsnetzwerks nicht unbedingt negativ
behaftet. Die Macht, die die Akteure in einem Netzwerk besitzen, ergibt sich schließlich
daraus, dass viele andere Akteure zu ihnen kommunikativen Kontakt suchen, dass sie
selbst eine hohe Kommunikationsaktivität besitzen und dadurch als Kommunikations-
mittler zwischen anderen Akteuren eine Rolle spielen. Damit werden diese Organisationen
zu Kommunikationsmotoren im Kommunikationsnetzwerk. Der Zentralitätsindex der
mächtigen Akteure im Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen zeigt
106
ebenfalls, dass sie keine Akteure sind, die ihre Informationen monopolisieren, d.h. den
anderen vorenthalten. Die Tatsache, dass von allen Organisationstypen, außer den
politischen Stiftungen, jeweils eine Organisation in diesem Netzwerk eine Machtposition
inne hat, lässt allerdings zwei Schlussfolgerungen zu. Zunächst einmal wurde festgestellt,
dass sich diese drei Organisationen BMZ, VENRO sowie die kirchliche Organisation
(K9) aufgrund ihrer strukturellen Positionen kaum ähneln. Es könnte daher vermutet
werden, dass jede Organisationsart einen solchen Kommunikationsmotor braucht, da sie
alle in ihrem Verhalten zu unterschiedlich sind, um einen mächtigen Akteur einer anderen
Organisationsart als Kommunikationsmittler im Netzwerk ,benutzen` zu können. Diese
These ist jedoch schwer zu bestätigen. Einerseits kommunizieren die staatlichen wie auch
die kirchlichen Organisationen untereinander jeweils stärker als mit anderen Organisa-
tionsarten. Diese weisen also untereinander eine höhere Kommunikationsdichte auf, unter-
scheiden sich somit von den anderen Organisationen in ihrem Kommunikationsverhalten
und grenzen sich so voneinander ab. Andererseits gehören viele dieser Organisationen laut
k-Core-Methode, welche die Region der dichtesten Kommunikation im Netzwerk ermittelt,
dennoch zu einem Akteurkreis, in dem die Akteure zueinander besonders viele Kontakte
aufweisen. Sie verfolgen deswegen zwar nicht zwingend die gleichen Einstellungen, sie
sind aber auch nicht so verschieden, da sie miteinander kommunizieren und sich nicht
kommunikativ meiden. Auch bei den sonstigen NROs ist diese These schwer zu bestätigen.
Von ihnen gehören die meisten Organisationen nicht zu dem Akteurkreis mit besonders
hoher Kommunikationsdichte, sie unterscheiden sich also dahingehend von den anderen
Organisationsarten. Da ihre Netzwerkdichte untereinander aber nicht höher ist, als zu
anderen Organisationsarten, deutet dies doch darauf hin, dass sie sich in ihrem
Kommunikationsverhalten nicht von anderen Organisationsarten abgrenzen wollen. Infolge
dieser Widersprüchlichkeit ist die These, dass jede Organisationsart einen eigenen mäch-
tigen Akteur aufgrund unterschiedlichem Verhalten und einer daraus resultierenden
Tatsache, dass die mächtigen Akteure anderer Organisationsarten nicht als Kommuni-
kationsmittler ,benutzt` werden können, zu verwerfen. Sollte diese These trotz der
widersprüchlichen Ergebnisse bestätigt werden, so wäre allerdings noch die Frage offen,
warum die politischen Stiftungen mit der höchsten Kommunikationsdichte untereinander
von allen Orga nisationsarten keinen mächtigen Akteur in ihren Reihen brauchen. Die wohl
plausibelste These aber wäre die, dass gerade die Organisationsarten mit einer sehr großen
Anzahl von Akteuren, wie die staatlichen und kirchlichen Organisationen, sowie die
sonstigen NROs auf jeweils einen zentralen und mächtigen Akteur angewiesen sind, der
die Kommunikation antreiben, steuern und leiten kann innerhalb der Organisations art
und zwischen den anderen Organisationsarten. Diese These wird zumindest dadurch
gestützt, dass die Gruppe der politischen Stiftungen, die nur aus fünf Organisationen
bestehen, keinen solchen mächtigen Akteur im Netzwerk und in ihren Reihen aufweisen
können und wahrscheinlich auch nicht benötigen. Diese These scheint aber auch deshalb
107
plausibel, da bei einer Vielzahl von fast 300 EZ-Organisationen insgesamt in Deutschland
(vgl. DSE 2000) nur schwer ein Kommunikationsnetzwerk mit nur einem mächtigen
Akteur etabliert werden könnte, der alleine den kommunikativen Kontakt auch zwischen
den anderen Organisationen mitbeeinflussen könnte vor allem im positiven Sinne.
Deshalb scheint eine Verteilung dieser Aufgabe auf mehrere Organisationen aus diesem
pragmatischen Grund sinnvoll.
Was sich sowohl im Sender-Empfänger-Netzwerk als auch im Empfänger-Sender-
Netzwerk nur andeutete, sich aber im Gesamtkommunikationsnetzwerk, welches das
,bestätigte Senden` untersuchte, bestätigte, ist, dass die Annahme H2 verifiziert werden
kann. Staatliche Organisationen und sonstige NROs bilden aufgrund ihres kommunikativen
Verhaltens, was auf unterschiedlichen Einstellungen beruht, zwei Gruppen im Netzwerk.
Das bedeutet: Staatliche Organisationen kommunizieren verstärkt mit anderen staatlichen
Organisationen sie besitzen zueinander eine hohe Kommunikationsdichte und sonstige
NROs mit anderen Organisationen aus dem nichtstaatlichen Bereich. Zwar besteht die
größte Kommunikationsdichte der sonstigen NROs zu den kirchlichen Organisationen,
dennoch ist die Kommunikationsdichte unter den sonstigen NROs größer als zu den
staatlichen Organisatione n. Außerdem zeigt die große Kommunikationsdichte zu den
kirchlichen Organisationen, die auch im nichtstaatlichen Bereich angesiedelt sind, dass die
kommunikative Nähe der sonstigen NROs eher zu anderen NROs besteht. Eine Erklärung
für die schlechtere Kommunikationsdichte innerhalb der sonstigen NROs ist in der
niedrigeren Teilnahme der sonstigen NROs an der Untersuchung begründet. So mussten
diesen nichtteilnehmenden Organisationen aus Gründen der Rechenbarkeit von Matrizen
ein kommunikativer Wert von Null zugeordnet werden, was die Kommunikationsdichte
absinken lässt. Eine noch eindeutigere Bestätigung dieses Ergebnisses könnte also nur eine
Folgestudie, bei der deutlich mehr als 50% der Stichprobe der sonstigen NROs an der
Untersuchung teilnehmen, erbringen.
Die dritte hypothetische Annahme H3 muss in ihrer Gesamtheit verworfen werden, denn
trotz der großen kommunikativen Nähe der politischen Stiftungen zu den staatlichen
Organisationen, bilden die politischen Stiftungen durch ihre hohe Kommunikationsdichte
innerhalb der Organisationsart, eine einheitliche Gruppe, was vorher nicht erwartet wurde.
Die Tatsache, dass politische Stiftungen
nicht
in gemeinsamen Projekten kooperieren und
vielschichtige politische Grundeinstellungen besitzen, führt laut den Ergebnissen der
Analyse also nicht automatisch zu verschiedenen grundlegenden Einstellungen im EZ-
Bereich. Die theoretischen Vorüberlegungen zu diesem Teil der Hypothese waren also
falsch und sind somit falsifiziert. Der Teil der Hypothese, welcher die kommunikative
Nähe der politischen Stiftungen zu den staatlichen und nicht zu den nichtstaatlichen
Organisationen prognostizierte, konnte jedoch verifiziert werden. Der Grund für die hohe
Kommunikationsdichte zu den staatlichen Organisationen besteht in der Tatsache, dass die
staatlichen Organisationen mit dem BMZ einen mächtigen Akteur im Netzwerk besitzen,
108
welcher die politischen Organisationen beträchtlich unterstützt und sie für EZ-Maßnahmen
beauftragt (vgl. BORRMANN u.a., 1999: 236). Aufgrund dieser Unterstützung des BMZ
suchen die politischen Stiftungen also eher die kommunikative Nähe zum mächtigen
Akteur BMZ als z.B. zu VENRO. Dadurch erhöht sich die Kommunikationsdichte zu den
staatlichem Organisationen. Sicherlich wäre eine Folgestudie, die diese Nähe der poli-
tischen Stiftungen zu den staatlichen Organisationen genauer erörtert von wissenschaft-
lichem Reiz. Genauere Erklärungen als die hier vorliegende könnten für dieses Phänomen
gefunden werden. Außerdem könnten die kommunikativen Beziehungen der politischen
Stiftungen untereinander genauer analysiert werden. Weiterführende Hypothesen für eine
nachfolgende Studie könnten folgende sein: Erstens besitzen politische Stiftungen trotz der
Tatsache, dass sie
nicht
in gemeinsamen Projekten kooperieren und viels chichtige
politische Grund einstellungen einnehmen, doch gleiche Einstellungen zum EZ-Bereich,
wodurch eine Gruppenbildung innerhalb der Organisationsart aufgrund einer hohen
Kommunikationsdichte entsteht. Zweitens haben die politischen Stiftungen zu den
staatlichen Organisationen eine höhere kommunikative Affinität als zu den nichtstaatlichen
Organisationen obwohl sie eher zu letzteren gezählt werden aufgrund der Unter-
stützung und der Auftragssituation seitens der staatlichen Organisationen.
Hypothese H4, dass sich katholische und evangelische Organisationen aufgrund ihrer
Einstellung
nicht
unterscheiden und dies sich dementsprechend in ihrem kommunikativen
Verhalten äußert es kommt zu keiner Gruppenbildung evangelische und katholische
Organisatione n kann aufgrund der Ergebnisse bestätigt werden. Zum einen kommuni-
zieren die katholischen stärker mit den evangelischen EZ-Organisationen als unter-
einander. Zum anderen gibt es Indizien aus der Literatur, wobei beide Zentralstellen
evangelische wie katholische eng zusammenarbeiten und gemeinsame Ziele verfolgen
(vgl. BORRMANN u.a., 1999: 290). Ein Gegenargument zur Bestätigung der Hypothese
wäre die höhere Kommunikationsdichte der evangelischen Organisationen untereinander
gegenüber der zu den katholischen Organisationen, was auf eine Gruppenbildung
hindeuten könnte. Diese Kommunikationsdichte ist zwar höher, aber eigentlich auch kein
Grund zur Falsifizierung, wenn ihr Zustandekommen näher betrachtet wird: Bei nur drei
evangelischen Organisationen in der Stichprobe ist die Wahrscheinlichkeit einer hohen
Kommunikations dichte untereinander sehr groß. Die hier vorliegende Kommunikations-
dichte zwischen den evangelischen EZ-Organisationen ist aber nicht so deutlich größer wie
ihre Kommunikationsdichte zu den katholischen Organisationen, als dass der Umstand von
nur drei evangelischen Organisationen in der Stichprobe vernachlässigt werden könnte. Bis
zu einer Folgestudie, die sich diesem Thema der Gruppenbildung von katholischen und
evangelischen EZ-Organisationen widmet, in der mehr kirchliche Organisationen beider
Konfessionen insgesamt befragt werden, und an der auch ausreichend viele Organisationen
für extern valide Ergebnisse teilnehmen, soll die Hypothese H4 also als bestätigt gelten.
109
Weitere wichtige Ergebnisse zur Struktur des Kommunikationsnetzwerks:
Im gesamten Kommunikationsnetzwerk sind die einzelnen Akteure nur schwach durch
kommunikativen Austausch von Information verbunden, d.h. es liegt ein sogenanntes
weak-tie-Netzwerk vor. Dies bedeutet, dass sich z.B. Neuerungen in diesem System nur
sehr langsam verbreiten, dafür aber doch stabil transportiert werden (vgl. JANSEN, 1999:
100f). Wird die Kommunikationsdichte aber differenzierter bezüglich der verschiedenen
Organisationsarten betrachtet, ist ein weak-tie-Netzwerk nur noch bei den Beziehungen
von kirchlichen und sonstigen Nichtregierungsorga nisationen gegeben. Diese haben ins-
gesamt sehr geringe, dafür aber gleichmäßige Beziehungen zu Organisationen anderen
Typs. Bei den politischen Stiftungen und staatlichen Organisationen ist dies umgekehrt.
Deren Kommunikations dichten sind jeweils untereinander höher und das mit deutlichem
Abstand als zu den Organisationen anderer Organisationsart. Untereinander sind diese
Organisationen also stark verbunden hier liegt ein sogenanntes strong-tie-Netzwerk vor.
Die Kommunikationsdichten dieser Organisationen sind, wie gesagt, nur untereinander
stark ausgeprägt; zu Organisationen anderen Typs werden die kommunikativen Be-
ziehungen schwächer. Nun könnte behauptet werden, dass es gut wäre, dass wenigstens
zwischen einigen wenigen Organisationen, auch wenn sie dem gleichen Typ angehören,
starke Vernetzungen vorliegen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Die strong ties, die gerade
in nur wenigen Regionen des Netzwerks vorkommen, verleiten die Akteure oft zu einer
Cliquenbildung mit einer internen sozialen Schließung. Das bedeutet, dass Akteure mit
abweichenden und neuen Meinungen sehr schnell ausgeschlossen werden, was dann
letztenendes mit einem Informationsdefizit bezahlt wird, da oft nur dieselben Neuigkeiten
ausgetauscht und keine Innovationen mehr erzeugt werden (vgl. JANSEN, 1999: 100f).
Dieser Verlauf, wie in der Theorie beschrieben, kann hier im vorliegenden Netzwerk
jedoch nicht aufgezeigt werden. Zum einen stellt ein staatlicher Akteur (S8) ein Brücken-
kopf innerhalb der kommunikativen Strukturen und somit ein Informations mittler aus
verschiedenen Regionen des Netzwerks ein sogenannter Cutpointakteur dar. Er
verbindet durch seine Rolle als Cutpointakteur mehrere Regionen im Netzwerk, wobei
ohne ihn diese Regionen nicht mehr miteinander kommunizieren würden. Zum anderen
beinhaltet der Akteurkreis mit der höchsten Dichte neben politischen Stiftungen und
staatlichen Organisationen auch kirchliche Organisationen, sowie VENRO als sonstige
NRO, welche als mächtige Organisation einen kommunikativen, informations verbreiten-
den Akteur und als Cut pointakteur einen informationskatalysierenden Akteur darstellt. Aus
der Cliquenanalyse ergeben sich ebenfalls keine eindeutig nach Außen abgegrenzten
Gruppen. Nur mithilfe der Blockmodellanalyse wurden Orga nisationen identifiziert, die
sich durch ihre strukturelle Position ähnlich sind und sich somit von den anderen
Organisationen unterscheiden, also Gruppen bilden. Diese bestehen aber nicht ausschließ-
lich aus staatlichen Organisationen oder politischen Stiftungen. Zusammenfassend besteht
110
also die Gefahr einer Isolierung und einem damit verbundenen Rückschritt hinsichtlich des
organisationalen Lernens, wenn es den staatlichen Organisationen und den politischen
Stiftungen nicht gelingt, ihre Informationen besser zu streuen. Diese Gefahr ist aber zur
Zeit nicht akut und darf auch nicht heraufbeschworen werden, da ein großer Teil des
strong-tie-Netzwerks z.B. auch durch vertragliche Verpflichtungen zum Informations-
austausch was bei den staatlichen Organisationen oft der Fall ist zustande kommt.
Doch zurück zum Sachverhalt, dass das Kommunikationsnetzwerk in seiner Gesamtheit
ein weak-tie-Netzwerk darstellt. Die positiven Eigenschaften eines weak-tie-Netzwerks
wurden bereits beschrieben. Doch entsteht dieses Ergebnis nicht nur durch eine relativ
geringe Kommunikation zwischen den Akteuren, sondern auch durch die Tatsache, dass
innerhalb des Netzwerks sehr viele unverbundene Akteure existieren, die
keine
kommuni-
kativen Beziehungen zu den anderen Organisationen besitzen. Das insgesamt schwach
verbundene Kommunikationsnetzwerk besteht also aus einer Region mit besonders hoher
Kommunikationsdichte, welche sich fast nur auf zwei Organisationsarten beschränkt
staatliche Organisationen und politische Stiftungen zwei weiteren Organisationsarten,
welche ihre Informationen im Netzwerk sehr gleichmäßig streuen kirchliche und sonstige
NROs sowie sehr vielen unverbundenen Akteuren. Andererseits ist diese Struktur des
Netzwerks sowie seine Eigenschaft schwach verbunden zu sein, für ein Netzwerk dieser
Größenordnung immerhin umfasst es insgesamt 68 Akteure doch ,üblich`. Denn einen
kommunikativen Kontakt zu pflegen bedarf sehr viel Arbeit, die
nicht
in alle möglichen
Kontakte, sondern nur in
wenige ausgesuchte
investiert werden kann. Bei einer Größe von
insgesamt 68 Akteuren kann also nicht jeder Akteur mit allen anderen kommunikativen
Kontakt pfle gen woraus ein weak-tie-Netzwerk resultiert.
Zur Kommunikationsstruktur des Netzwerks gehört auch die Internetnutzung der Organisa-
tionen. Fast alle Organisationen der Stichprobe bieten Informationen auf ihrer Homepage
an, doch meist nur in geringen Mengen und nicht immer sehr benutzerfreundlich in der
Handhabung. Die größte Menge an Informationen wird von drei staatlichen Organisationen
(BMZ, S2 und S3) im Internet zur Verfügung gestellt. Die Vermutung liegt nahe, dass
diese Organisationen das Medium Internet nicht nur sehr häufig zur Informa tionsver-
breitung, sondern auch zur Informationsgewinnung nutzen. Dem ist aber nicht so die
Organisationen, die das Internet am häufigsten zur Informations gewinnung nutzen, sind
eine kirchliche Organisation (K9), eine NRO (N9) und eine andere staatliche Organisation
(S4). Das Gros der Organisationen nutzt das sowieso schon ge ringe Angebot in
minimalistischer Art und Weise. Würden insgesamt mehr und qualitativ bessere
Informationen wie z.B. bei den beiden staatlichen Organisationen (BMZ und S2) von den
anderen Organisationen der Stichprobe angeboten, und wären diese schnell und
benutzerfreundlich zu handhaben, so könnte auch mit einem höheren Zugriff auf deren
Internetseiten gerechnet werden.
111
Weiterhin konnte festgestellt werden, dass im Kommunikationsnetzwerk die internen den
externen Lernprozessen vorgezogen werden. Eine Trendwende, wie sie in der HWWA-
Studie prognostiziert wird, ist aus dieser Arbeit heraus nicht zu erkennen (vgl.
BORRMANN u.a., 2001: 11)27. Dies hat sich eindeutig aus der Bewertung der Relevanz
verschiedener Zielgruppen für die eigene Information ergeben. Darin unterscheiden sich
die Organisationsarten nicht in ihren Bewertungen. Für organisationsinterne Zielgruppen
sind die Informationen relevanter als für andere EZ-Organisationen oder ,Medien und
Allgemeine Öffentlichkeit`. Ausnahmen kommen so gut wie nicht vor. Ein Grund dafür ist
sicherlich, dass das angefertigte Wissen (Evaluationen, Projektberichte, Studien etc.) schon
bei der Erstellung nicht berücksichtigt, dass die Information auch für Außenstehende von
Nutzen sein könnte. Somit wurde die Information wahrscheinlich so produziert, dass sie in
erster Linie für organisationsinterne Stellen relevant und damit für z.B. andere EZ-
Organisationen nicht relevant ist. Ist eine Information nicht relevant, wird sie nicht für die
Kommunikation selektiert (vgl. LUHMANN, 1988: 194). Würden jedoch z.B.
Evaluationen so geschrieben, dass sie auch den Informa tionsaustausch mit außenstehenden
Organisationen berücksichtigten der externe Lernprozess also schon implementiert wäre
so wäre sowohl der horizontale Informationsaustausch an sich, als auch das Interesse
daran sicher höher.
Die internen Lernprozesse werden von vermehrt aufkommenden ,Evaluierungseinheiten`
gestützt, was schon in der HWWA-Studie festgestellt werden konnte und sicherlich als
positiv zu bewerten ist (vgl. BORRMANN u.a., 2001: 10). Je nach Definition von
,Evaluierungseinheit` existieren hier 19 dieser Evaluierungseinheiten neun Organi-
sationen besitzen eigenes Evaluationspersonal, zehn sogar eine eigene Evaluationsab-
teilung. Durch die Tatsache, dass von diesen 19 Evaluierungseinheiten aber nur sieben für
die Verbreitung ihrer generierten Information also für die externen Lernprozesse selbst
zuständig sind, kann abgeleitet werden, dass der Institutionalisierungsgrad bezüglich des
horizontalen Austauschs von Evaluationen nicht besonders hoch ist. Da diese
Koordinierung von Informationsherstellung und Verbreitung kaum im Netzwerk zu finden
ist, kann geschlossen werden, dass dies auch für andere Informationsarten zutrifft. Bereits
in der HWWA-Studie wurde der Institutiona lisierungsgrad des horizontalen Informations-
austauschs als defizitär empfunden (vgl. BORRMANN u.a., 2001: 23) und hat sich seit
demher nicht verbessert. Ist der Informationsaustausch also kaum institutionalisiert, so ist
auch das horizontale Lernen nicht institutionalisiert, denn zwischenorganisationales Lernen
bedarf des Informations- und Wissensaustauschs daher ist der Institutionalisierungsgrad
27 In der HWWA-Studie wurde wie auch hier der DAC-Fragebogen als Grundlage genommen, um aufzuzei-
gen, für welche Zielgruppen die Informationen der Organisationen relevant sind. Hier wurde von der Rele-
vanz der Zielgruppe auf das Interesse der Organisation an externem bzw. internem Lernen geschlossen, in
der HWWA-Studie wurde lediglich das Interesse an Öffentlichkeitsarbeit daraus abgeleitet. Wenn nun die
Ergebnisse der HWWA-Studie mit diesen hier verglichen werden, so ergibt sich daraus, dass die zusammen-
gehörenden Begriffspaare
verstärkte Öffentlichkeitsarbeit externe Lernprozesse
und
geringe Öffentlich-
keitsarbeit interne Lernprozesse
sind (s. dazu auch Kapitel 3.1.2).
112
des horizontalen Lernens vom Institutionalisierungsgrad des Kommunikationskanals, auf
dem die Informationen ausgetauscht werden, abhängig. Da bereits die Kommunika-
tionsstrukturen des Netzwerks erörtert wurden, kann hier festgestellt werden, dass diese
Strukturen innerhalb des Netzwerks zwar vorhanden, insgesamt aber sehr wenig, und nur
zwischen einigen wenigen Organisationen stärker institutionalisiert sind. Eine Einordnung
des Netzwerks in eine Stufe der kommunikativen Beziehungen nach McCALL und
COUSINS (1990) ergibt, dass sich einige wenige Organisationen schon in einer
,entwickelten Stufe`, in der Kommunikationswege durch ausgebaute Netze, Verträge o.ä.
bereits verankert sind, befinden. Dagegen ist das Gros der Organisationen noch damit
beschäftigt, Kontakte herzustellen oder daraus fest verankerte Kommunikationswege zu
manifestieren. Dieser Hauptteil der Organisationen siedelt sich also in der ,Pre-
Relationship-Stufe` oder der ,frühen Stufe` kommunikativer Beziehungen an. Wird nun
auf den Stufen kommunikativer Beziehungen beruhend der Entwicklungsstand des
horizontalen Lernens abgeleitet, kann festgestellt werden: Das horizontale Lernen
innerhalb des Netzwerks ist kaum institutionalisiert und somit ebenfalls noch in einer
frühen Phase seiner Entwicklung.
Ableitbare Handlungsalternativen
Aus dem bisher vorliegenden Resultat lassen sich konkrete Handlungsalternativen für die
EZ-Organisationen ableiten, um ihre horizontalen Lernmöglichkeiten zu verbessern:
1. Die deutschen EZ-Organisationen sollten ihre Informationen so generieren, dass sie
auch für andere EZ-Organisationen nutzbar sind und dadurch für diese relevant und als
wissenswert empfunden werden. Dies ist die erste Voraussetzung für horizontales
Lernen: Die Informationen müssen auch den anderen Organisationen auch als
Lerngrund lage dienen können, nicht nur der eigenen.
2. Der Informationsaustausch zwischen den deutschen EZ-Organisationen muss stärker
institutionalisiert werden. Dies kann innerhalb der Orga nisationen erfolgen, indem eine
Abteilung in der Organisation gegründet wird, welche nicht nur den Zuständigkeits-
bereich der Informationsgenerierung, sondern auch den der Informa tionsverbreitung
inne hat denn eine gezielte Informationsverbreitung wird erst dann möglich, wenn
auch das nötige Know-how zum Informationsinhalt vorliegt. So kann ebenfalls bei
gezielten Anfragen, das relevante Wissen den Ansprüchen gerecht weitergegeben
werden. Dazu nicht im Widerspruch steht die Schaffung eines Netzwerks als eine
eigenständige Institution innerhalb der EZ, welche ausschließlich das horizontale
Lernen zum Ziel hat. Dabei könnte jede EZ-Organisation ihr Wissens material mit
einfließen lassen, wodurch eine Art Bibliothek der Entwicklungszusammenarbeit
angelegt würde, auf die jeder Zugriff haben könnte. Dadurch würde das Anliegen des
,Voneinander Lernens` ins öffentliche Interesse gerückt, wodurch z.B. auch andere
nützliche Inputs außer denen der EZ-Organisationen, Zufluss finden würden.
113
Außerdem wäre das horizontale Lernen nicht mehr ,Nebenprodukt` der
Kommunikation, sondern die erste zu erfüllende Prämisse, welche durch die
Kommunikation in dieser Institution ,Netzwerk` sicher gestellt wird. Somit könnte jede
Organisation, die Informationen anzubieten hat oder Informationen sucht, sich an diese
Institution wenden. Durch eine dieser Methoden oder durch beide in Kombination
würde die Qualität des Informationsaustauschs ansteigen. Dies hätte zur Folge, dass
auch die Intensität des Austauschs von Information zwischen den Organisationen
zunehmen würde. Außerdem würden dadurch nicht mehr nur Informationen, sondern
Wissen, welches anderen Organisationen zum Lernen dient, ausgetauscht.
3. Die Organisationen haben die potentiellen Möglichkeiten, die das Internet zum
horizontalen Informationsaustausch bieten kann, nicht voll ausgenutzt. Das
Informationsangebot auf den Internetseiten der EZ-Organisationen ist insgesamt sehr
gering. Daneben könnte auch die Benutzerfreundlichkeit im Umgang mit den
Informationen besser sein. Das bedeutet, dass das Informationsangebot an sich in
größerer Menge zur Verfügung stehen sollte selbstverständlich nur relevante
Informationen zur EZ und dass es in einem benutzerfreundlicherem Datenformat
vorzugsweise als pdf-Datei angeboten werden sollte. Dieser Punkt ist wohl am
ehesten umzusetzen, da er nur ein etwas größeres Engagement als bisher benötigt
schließlich sind erste Anfänge schon gemacht.
Resultierendes Fazit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, aus der Kommunikationsstruktur des Systems
,deutscher EZ-Organisationen` die potentiellen horizontalen Lernmöglichkeiten der Orga-
nisationen ableiten zu können. Aus den oben diskutierten Ergebnissen kann nun folgendes
resümiert werden: Das untersuchte Kommunikationsnetzwerk ist zur Zeit nicht mehr, aber
auch nicht weniger als ein Netzwerk zum Informationsaustausch. Das bedeutet, dass
horizontales Lernen durch die kommunikative Vernetzung zwar ermöglicht wird, aber von
den einzelnen Netzwerkakteuren noch erhebliche Anstrengungen abverlangt, da gewisse
Automatismen und Institutionalisierungen, welche das horizontale Lernen als selbst-
verständlich erscheinen lassen, noch nicht etabliert sind. Oder um es mit FAßLER (2001)
zu sagen: Das Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen stellt zur Zeit eine
Infrastruktur für den Informationsaustausch zwischen den EZ-Organisationen und somit
auch eine Grund voraussetzung für organisationales Lernen dar. Von einer ,
Netzkultur
`, in
der Informationen nicht nur Informationen repräsentieren, sondern schon als
Wissen
erkannt werden, in dem ein ,Voneinander Lernen` stets im Bewußtsein und
antreibendes
Moment
des Wissensaustauschs der Orga nisationen ist (vgl. FAßLER 2001: 68ff.), kann
hier allerdings noch nicht gesprochen werden.
114
Schlussfolgerung für die Übertragbarkeit der Ergebnisse
Diese Untersuchung stellt natürlich nur eine Momentaufnahme dar. Da sich Systeme
ändern können, würde diese Arbeit eine weiterführende Untersuchung benötigen, um die
Entwicklung des Systems ,deutscher EZ-Organisationen` bezüglich des horizontalen
Lernens weiter verfolgen zu können. Dabei wird vor allem in der Literatur einige Hoffnung
in den Arbeitskreis ,Evaluation von Entwicklungspolitik′ der DeGEval gesetzt. So kommt
die HWWA-Studie zu dem Schluss, dass mit der Gründung der DeGEval, wozu auch der
Arbeitskreis ,Evaluation von Entwicklungspolitik` gehört, das horizontale Lernen
zwischen den deutschen EZ-Organisationen einen deutlichen Auftrieb erhalten hätte (vgl.
BORRMANN u.a., 2001: 11). Diese These kann allein mit den hier vorliegenden Ergeb-
nissen nicht bestätigt werden. Zwar ergeben sich schon deutliche Übereinstimmungen,
wenn die Akteure, die innerhalb des Kommunikationsnetzwerks besonders oft miteinander
kommunizieren, mit den Organisationen der Stichprobe verglichen werden, welche auch
im Arbeitskreis der DeGEval vertreten sind (vgl. DeGEval 2002). Doch kann dieser
Befund auch nur zufälliger Natur sein. Somit wäre nur durch eine weiterführende Studie,
welche die Ergebnisse dieser explorativen Arbeit als Grund lage eines Vergleichs nimmt,
klärbar, ob sich durch die im Arbeitskreis geknüpften Beziehungen Regionen dichterer
Kommunikation im Netzwerk entwickeln. Erst dann könnte die These eruiert werden, ob
der Arbeitskreis ,Evaluation von Entwicklungspolitik` wirklich zur Verbesserung des
horizontalen Lernens der deutschen EZ-Organisationen beiträgt. Für eine solche
Folgestudie wurden mit dieser Arbeit also die Grundlagen geschaffen.
Weiterhin wurde die Struktur des Netzwerks ausführlich beschrieben und daraus das
horizontale Lernen der deutschen EZ-Organisationen abgeleitet. Ob und in welche
Richtung sich das horizontale Lernen im System ,deutsche EZ-Organisationen` verändert,
kann ebenfalls nur durch eine weiterführende Untersuchung geklärt werden. Dabei wäre es
unter anderem auch sinnvoll, nicht nur die gleiche Untersuchung noch einmal durchzu-
führen, sondern sie methodisch so zu verändern, dass z.B. die Hypothesen H2 und H4 der
Untersuchung unter den oben diskutierten Prämissen noch genauer verifiziert werden
können. Zudem könnte die Stichprobengröße erhöht, sowie die Operationalisierung des
Begriffs des Informationsaustauschs weiter als hier gefasst werden, um die Struktur des
Netzwerks noch detaillierter als in der vorliegenden Arbeit beschreiben zu können.
Letztlich konnten aber mit dieser Arbeit die kommunikativen Beziehungen der deutschen
EZ-Organisationen erörtert und davon ausgehend der Grad des horizontalen Lernens
abgeleitet werden. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie lassen insgesamt den Schluss
zu, dass die hier beschriebene Kommunikationsstruktur ihr Erklärungsziel die Ermittlung
des Standes des horizontalen Lernens der deutschen EZ-Organisationen nahezu erreicht
hat. Weiterführende Studien könnten somit das vorliegende Ergebnis nur noch detaillierter
behandeln und/oder die Wirklichkeit des horizontalen Lernens der deutschen EZ-
Organisationen neu feststellen.
115
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119
Anhang
120
Anhang 1: Anschreiben und Fragebogen
Abbildung 1.1: Das Anschreiben
UNIVERSITÄT
UNIVERSITÄT
Saarbrücken, den 2002
Saarbrücken, den 2002
DES
DES
SAARLANDES
SAARLANDES
Prof. Dr. R. Stockmann
Lehrstuhl für Soziologie
FR 5.2 - Soziologie
-
Soziologie
PF 151 150
Sehr geehrte Damen und Herren,
PF 151 150
Sehr geehrte Damen und Herren,
D -
D 66041 Saarbrücken
wie Sie bereits im Telefongespräch mit Herrn Rech erfah
wie Sie bereits im Telefongespräch mit Herrn Rech erfa ren haben, führen wir zur Zeit im Rahmen
h
einer Magisterarbeit an der Universität des Saarlandes eine Befragung zum Thema ,,Das
Kommunikationsnetzwerk deutscher EZ-Organisationen
-
Eine Netzwerkanalyse" durch.
Eine Netzwerkanalyse" durch.
Hintergrund dieser Arbeit ist die aktuelle Fachdiskussion zur Verbesserung evaluationsbasierter
Lernprozesse. Im Rahmen dieser Diskussion hat sich auch gezeigt, dass von den E
Lernprozesse. Im Rahmen dieser Diskussion hat sich auch gezeigt, dass von den Z
E -
Organisationen selbst der horizontale Austausch an Wissen als verbesserungswürdig empfunden
wird. Da Kommunikation eine notwendige Voraussetzung für jeden Lernprozess ist, ist der
wird. Da Kommunikation eine notwendige Voraussetzung für jeden Lernprozess ist, ist der
Austausch von und über Evaluationsergebnisse von großer Wichtigkeit. Zentrale Frage der Arbeit
Austausch von und über Evaluationsergebnisse von großer Wichtigkeit. Zentr
von Herrn Rech ist daher, wie das Kommunikationsnetzwerk der deutschen EZ-Organisationen
-
gestaltet ist.
gestaltet ist.
Der beiliegende Fragebogen enthält eine Reihe von Fragen zum Kommunikationsnetzwerk
deutscher EZ-Organisationen. Da nur die Orga
-
nisationen selbst Antworten auf diese Fragen liefern
Organisationen. Da nur die Orga
können, sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen. Wir wären Ihnen daher sehr dankbar, wenn Sie sich
die Zeit nehmen würden, den Fragebogen auszufüllen und bis zum 22.04.2002 zurückzusenden.
Hierfür verwenden Sie den beiliegenden Rückumschlag, der selbstve
Hierfür verwende
r
n Sie den beiliegenden Rückumschlag, der selbstve stän
r
dlich gebührenfrei ist.
d
Der Zeitaufwand zum Ausfüllen des Fragebogens liegt bei etwa 20 Minuten.
Der Zeitaufwand zum Ausfüllen des Fragebogens liegt bei etwa 20 Minuten.
Wenn Sie bzw. Ihre Abteilung zur Beantwortung des Fragebogens (oder einzelner Fragen)
eventuell der falsche Adressat sein sollten, bitten wir Sie, den Fragebogen (bzw. die
eventuell der falsc
he Adressat sein sollten, bitten wir Sie, den Fragebogen (bzw. die
entsprechenden Fragen) an die dafür zuständige Person bzw. Abteilung weiterzuleiten.
Falls Ihrerseits Interesse an den Ergebnissen besteht, vermerken Sie dies bitte auf dem
vorgesehenen Abschnitt auf der letzten Seite des Fragebogens zusammen mit Ihrer e
vorgesehenen Ab
-
schnitt auf der letzten Seite des Fragebogens zusammen mit Ihrer email
-
Adresse. Nach Abschluss der Arbeit werden wir Ihnen dann gerne eine Zusammenfassung der
Ergebnisse zukommen lassen. Es ist auch geplant, die Ergebnisse im Rahmen einer Tagung des
Arbeitskreises ,,Evaluation von Entwicklungspolitik" in der DeGEval einer breiteren Öffentlichkeit zu
Arbei
präsentieren und zur Diskussion zu stellen.
Wir danken Ihnen bereits im voraus für Ihre Unterstützung!
Mit freundlichen Grüßen
Mit freundlichen Grüßen
Natürlich können Sie sich
mit weiteren Fragen an
mit
(Prof. Dr. Reinhard Stockmann)
nn)
(Jörg Rech)
Herrn Rech wenden.
Herrn Rech wenden.
Tel.: 0681 / 853407
Abbildung 1.2: Der Fragebogen
Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes
ID: 01
ID: 01
Fragebogen
,,Das Kommunikationsnetzwerk der deutschen EZ-
,,Das Kommunikationsnetzwerk der deutschen EZ Organisationen"
-
1. Aus Ihrer Sicht als zuständige Person für Evaluierungsfragen: Wie gross ist die Relevanz folgender
Relevanz
Zielgruppen
bzgl.
Zielgruppen
bzgl.
der aus Ihren Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. gewonnenen Informationen und Ergebnisse?
der aus Ihren Evaluationen, Studien,
Untersuchungen, etc. gewonnenen Informationen und Ergebnisse?
sehr grosse
grosse
kaum
keine
Relevanz
Relevanz
Relevanz
Relevanz
für Projektplanung und
für Projektplanung und management zuständiges Personal Ihrer Organisa
management zuständiges Personal Ihrer Organis tion
q
q
q
q
q
Leitung Ihrer Organisation
Leitung Ihrer Organisation
q
q
q
q
q
Partnerländer und Partnerorganisationen
q
q
q
q
q
Politische Institutionen/Entscheidungsträger in Deutschland
Politische Institutionen/Entscheidungsträger
q
q
q
q
q
Deutsche EZ-
Deutsche EZ Organisationen
Organisationen
q
q
q
q
q
Medien und allgemeine Öffent
Medien und allgemeine Öffen lichkeit
lichkeit
q
q
q
q
q
2. Bzgl. des Themas ,,Öffentlichkeitsarbeit" befinden sich die deutschen EZ-
it" befinden sich die deutschen EZ Institutionen in einem Zwiespalt: Sie neigen
Institutionen in einem Zwiespalt: Sie neigen
einerseits dazu, zum Schutz der Interessen Dritter, insbesondere der Partner, die Verbreitung von Informationen und
Ergebnissen aus Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. in engen Grenzen zu halten. Andererseits unterliegen sie
einem stark wachsenden Druck, Einblick in ihre Arbeit und Ergebnisse zu gewähren, auch um den Erfahrungsaustausch
und somit den Lernprozess zu fördern. Daher stellen einige EZ-
und somit den Lernprozess zu fördern. Daher stellen einige EZ Organisationen ihre Evaluationen, Studien, Unters
Organisationen ihre Eva
u-
chungen etc. im Internet der interessierten (Fach-
chungen etc. im Internet der interessierten (Fach ) Öffentlichkeit zur Verfügung teilweise als Vollversion, teilweise in
Form von Zusammenfassun
Form von Zusammenfassu gen.
n
Stellt Ihre Organisation Evaluationen, Studien, Untersuchungen etc. im Internet
Interne
zur Verfügung?
q
q Nein, aber unsere Organisation ist zur Zeit in der
Planung
Nein, aber unsere Organisation ist zur Zeit in der
, unsere
Planung
Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. im Internet
Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc.
zur Verfügung zu stellen.
q
q Nein, unsere Organisation hat auch nicht vor, unsere Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. im Internet zur Verfügung
rsuchungen, etc.
zu stellen.
q
q Ja
F
Wenn ja, was schätzen Sie, wie gross ist der Anteil an Ihren Evaluationen, Studien, Untersuchungen,
Wenn ja, was schätzen Sie, wie gross ist der Anteil an Ihren Evaluationen, Studien, Untersuchungen,
etc., den Ihre Organisation im Internet zur Verfügung stellt?
zur Verfügung stellt?
______ % unserer Eval
______ % unserer
uationen, Studien, Untersuchungen, etc. stehen im Internet zur Verfügung.
stehen im Internet zur Verfügung.
3. Eine andere Möglichkeit des Erfahrungsaustausches ist die Weitergabe einzelner Exemplare von Evaluationen, Studien,
Untersuchungen, etc., sei es auf Anfrage, aufgrund vertraglicher Verpflichtungen oder aus Eigenin
Untersuchungen, etc., sei es auf Anfrage, aufgrund vertrag
i
licher Verpflichtungen oder aus Eigenintiative.
tiative.
Gibt Ihre Organisation Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. an andere EZ-Organisationen weiter?
Organisationen weiter?
q
q Nein F Bitte weiter mit Frage 5.
q
q Ja
F
Wenn ja, was schätzen Sie, wie gross ist der Anteil an Ihren Evaluationen, Studien, Untersuchungen,
Wenn ja, was schätzen Sie, wie gross ist der Anteil an Ihren Evaluationen, Studien, Untersuchungen,
etc., den Ihre Organisation an andere EZ
etc., den Ihre Organisation an
-
andere EZ Organisationen
insgesamt weiter gibt?
Organisationen
insgesamt weiter gibt?
_____ % unserer
_____ %
Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. werden an andere EZ
unserer
-
Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. werden an andere EZOrganisationen versendet.
n
Nennen Sie bitte die sechs Organisationen, die von Ihrer Organisation die
Nennen Sie bitt
meisten
Exemplare von Ev
meisten
a-
Exemplare von Ev
luationen, Studien, Untersuchungen, etc. erhalten?
(An erster Stelle nennen Sie bitte die Organisation,
welche die meisten Exemplare erhält, usw.)
welche die meisten Exemplare erhält, usw.)
1.
1. _____________________________________
_____
________________________________
2. _____________________________________
3.
3. _____________________________________
_____________________________________
4. _____________________________________
5.
5. _____________________________________
_____________________________________
6. _____________________________________
___________________
122
4. Im Folgenden interessiert mich die Häufigkeit, mit der Ihre Organisation Exemplare von Evaluationen, Studien, Unter-
suchungen, etc. an andere EZ-Organisationen weiter gibt.
Bitte geben Sie für jede der folgenden EZ-Organisationen an, wie oft diese Exemplare von Evaluationen, Studien,
Untersuchungen, etc. Ihrer Organisation erhält - sei es auf Anfrage, aufgrund vertraglicher Verpflichtungen oder aus
Eigeninitiative.
sehr oft
oft
selten
nie
weiss
nicht
action medeor
q
q
q
q
q
ADVENIAT
q
q
q
q
q
Andheri-Hilfe Bonn
q
q
q
q
q
Arbeiterwohlfahrt
AWO
q
q
q
q
q
Ärzte ohne Grenzen
MSF
q
q
q
q
q
Brot für die Welt
BfdW
q
q
q
q
q
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
BGR
q
q
q
q
q
Bundesministerium f. wirt. Zusammenarbeit u. Entwicklung
BMZ
q
q
q
q
q
CARE Deutschland
q
q
q
q
q
Carl Duisberg Gesellschaft
CDG
q
q
q
q
q
Dt. Entwicklungshilfe f. soz. Wohnungs- u. Siedlungswesen
DESWOS
q
q
q
q
q
Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit
GTZ
q
q
q
q
q
Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft
DEG
q
q
q
q
q
Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung
DSE
q
q
q
q
q
Deutsche Welthungerhilfe
DWHH
q
q
q
q
q
Deutscher Caritasverband
DCV
q
q
q
q
q
Deutscher Entwicklungsdienst
DED
q
q
q
q
q
EIRENE Internationaler christlicher Friedensdienst
q
q
q
q
q
Evangelischer Entwicklungsdienst
EED
q
q
q
q
q
Friedrich-Ebert-Stiftung
FES
q
q
q
q
q
Friedrich-Naumann-Stiftung
FNSt
q
q
q
q
q
Gem. Konferenz Kirche u. Entwicklung Ev. Geschäftsstelle
GKKE (ev.)
q
q
q
q
q
Gem. Konferenz Kirche u. Entwicklung Kath. Geschäftsstelle GKKE (kath.)
q
q
q
q
q
Hanns-Seidel-Stiftung
HSS
q
q
q
q
q
Heinrich-Böll-Stiftung
hbs
q
q
q
q
q
Help Hilfe zur Selbsthilfe
q
q
q
q
q
Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie
q
q
q
q
q
Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe
KZE
q
q
q
q
q
Kolpingwerk
q
q
q
q
q
Konrad-Adenauer-Stiftung
KAS
q
q
q
q
q
Kreditanstalt für Wiederaufbau
KfW
q
q
q
q
q
Malteser Hilfsdienst
q
q
q
q
q
medico international
m.i.
q
q
q
q
q
MISEREOR
q
q
q
q
q
Physikalisch-Technische Bundesanstalt
PTB
q
q
q
q
q
Solidaritätsdienst-International
SODI
q
q
q
q
q
Verband Entwicklungspolitik deutscher NROs
VENRO
q
q
q
q
q
Sonstige: _____________________________
q
q
q
q
Sonstige: _____________________________
q
q
q
q
Sonstige: _____________________________
q
q
q
q
123
5. Nun umgekehrt erhält Ihre Organisation Exemplare von Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. von anderen
EZ-Organisationen sei es auf Anfrage, aufgrund vertraglicher Verpflichtungen oder aus Eigeninitiative dieser
EZ-Organisationen?
q Nein F Bitte weiter mit Frage 6.
q Ja
F
Wenn ja, bitte geben Sie für jede der folgenden Organisationen an, wie oft Ihre Organisation von
diesen Organisationen Exemplare von Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. erhält.
sehr oft
oft
selten
nie
weiss
nicht
action medeor
q
q
q
q
q
ADVENIAT
q
q
q
q
q
Andheri-Hilfe Bonn
q
q
q
q
q
Arbeiterwohlfahrt
AWO
q
q
q
q
q
Ärzte ohne Grenzen
MSF
q
q
q
q
q
Brot für die Welt
BfdW
q
q
q
q
q
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
BGR
q
q
q
q
q
Bundesministerium f. wirt. Zusammenarbeit u. Entwicklung
BMZ
q
q
q
q
q
CARE Deutschland
q
q
q
q
q
Carl Duisberg Gesellschaft
CDG
q
q
q
q
q
Dt. Entwicklungshilfe f. soz. Wohnungs- u. Siedlungswesen
DESWOS
q
q
q
q
q
Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit
GTZ
q
q
q
q
q
Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft
DEG
q
q
q
q
q
Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung
DSE
q
q
q
q
q
Deutsche Welthungerhilfe
DWHH
q
q
q
q
q
Deutscher Caritasverband
DCV
q
q
q
q
q
Deutscher Entwicklungsdienst
DED
q
q
q
q
q
EIRENE Internationaler christlicher Friedensdienst
q
q
q
q
q
Evangelischer Entwicklungsdienst
EED
q
q
q
q
q
Friedrich-Ebert-Stiftung
FES
q
q
q
q
q
Friedrich-Naumann-Stiftung
FNSt
q
q
q
q
q
Gem. Konferenz Kirche u. Entwicklung Ev. Geschäftsstelle
GKKE (ev.)
q
q
q
q
q
Gem. Konferenz Kirche u. Entwicklung Kath. Geschäftsstelle GKKE (kath.)
q
q
q
q
q
Hanns-Seidel-Stiftung
HSS
q
q
q
q
q
Heinrich-Böll-Stiftung
hbs
q
q
q
q
q
Help Hilfe zur Selbsthilfe
q
q
q
q
q
Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie
q
q
q
q
q
Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe
KZE
q
q
q
q
q
Kolpingwerk
q
q
q
q
q
Konrad-Adenauer-Stiftung
KAS
q
q
q
q
q
Kreditanstalt für Wiederaufbau
KfW
q
q
q
q
q
Malteser Hilfsdienst
q
q
q
q
q
medico international
m.i.
q
q
q
q
q
MISEREOR
q
q
q
q
q
Physikalisch-Technische Bundesanstalt
PTB
q
q
q
q
q
Solidaritätsdienst-International
SODI
q
q
q
q
q
Verband Entwicklungspolitik deutscher NROs
VENRO
q
q
q
q
q
Sonstige: _____________________________
q
q
q
q
Sonstige: _____________________________
q
q
q
q
Sonstige: _____________________________
q
q
q
q
124
6. Nutzt Ihre Organisation die Möglichkeit, Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. sei es als Vollversion oder in
Form von Zusammenfassungen - anderer EZ-Organisationen aus dem Internet zu beziehen?
q Nein
F Bitte weiter mit Frage 7.
q Ja
F
Wenn ja, bitte geben Sie für jede der folgenden Organisationen an, wie oft Ihre Organisation von diesen
Organisationen Evaluationen, Studien, Untersuchungen, etc. über das Internet beziehen?
sehr oft
oft
selten
nie
weiss
nicht
action medeor
q
q
q
q
q
ADVENIAT
q
q
q
q
q
Andheri-Hilfe Bonn
q
q
q
q
q
Arbeiterwohlfahrt
AWO
q
q
q
q
q
Ärzte ohne Grenzen
MSF
q
q
q
q
q
Brot für die Welt
BfdW
q
q
q
q
q
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
BGR
q
q
q
q
q
Bundesministerium f. wirt. Zusammenarbeit u. Entwicklung
BMZ
q
q
q
q
q
CARE Deutschland
q
q
q
q
q
Carl Duisberg Gesellschaft
CDG
q
q
q
q
q
Dt. Entwicklungshilfe f. soz. Wohnungs- u. Siedlungswesen
DESWOS
q
q
q
q
q
Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit
GTZ
q
q
q
q
q
Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft
DEG
q
q
q
q
q
Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung
DSE
q
q
q
q
q
Deutsche Welthungerhilfe
DWHH
q
q
q
q
q
Deutscher Caritasverband
DCV
q
q
q
q
q
Deutscher Entwicklungsdienst
DED
q
q
q
q
q
EIRENE Internationaler christlicher Friedensdienst
q
q
q
q
q
Evangelischer Entwicklungsdienst
EED
q
q
q
q
q
Friedrich-Ebert-Stiftung
FES
q
q
q
q
q
Friedrich-Naumann-Stiftung
FNSt
q
q
q
q
q
Gem. Konferenz Kirche u. Entwicklung Ev. Geschäftsstelle
GKKE (ev.)
q
q
q
q
q
Gem. Konferenz Kirche u. Entwicklung Kath. Geschäftsstelle GKKE (kath.)
q
q
q
q
q
Hanns-Seidel-Stiftung
HSS
q
q
q
q
q
Heinrich-Böll-Stiftung
hbs
q
q
q
q
q
Help Hilfe zur Selbsthilfe
q
q
q
q
q
Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie
q
q
q
q
q
Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe
KZE
q
q
q
q
q
Kolpingwerk
q
q
q
q
q
Konrad-Adenauer-Stiftung
KAS
q
q
q
q
q
Kreditanstalt für Wiederaufbau
KfW
q
q
q
q
q
Malteser Hilfsdienst
q
q
q
q
q
medico international
m.i.
q
q
q
q
q
MISEREOR
q
q
q
q
q
Physikalisch-Technische Bundesanstalt
PTB
q
q
q
q
q
Solidaritätsdienst-International
SODI
q
q
q
q
q
Verband Entwicklungspolitik deutscher NROs
VENRO
q
q
q
q
q
Sonstige: _____________________________
q
q
q
q
Sonstige: _____________________________
q
q
q
q
Sonstige: _____________________________
q
q
q
q
125
7. Besitzt Ihre Organisation eine Evaluationsabteilung oder für Evaluationen zuständiges Personal?
Evaluationen
q Nein
q Ja, unsere Organisation hat
Personal
, das für Evaluationen zuständig ist.
Personal
, das für Evaluationen zuständig ist.
q Ja, unsere Organisation besitzt eine eigene
Ev
Ja, unsere Organisation besitzt eine eigene
a
Ev luationsabteilung.
g.
F
Wenn ja, ist diese Evaluationsabteilung / dieses Personal auch zuständig für den Austausch von Eva-
F
Wenn ja, ist diese Evaluationsabteilung / dieses Personal auch zuständig für den Austausch von Eva-
luationsberichten
(ausschliesslich Austausch mit
luationsberichten
anderen
(ausschliesslich Austausch mit
EZ-
EZ Organisationen, politische Insti
Organisationen, politische Insttutionen, etc.)
?
?
q
q Ja, die Zuständigkeit liegt bei dieser Evaluationsabteilung/diesem Personal.
Ja, die Zuständigkeit liegt be
q
q Ja, aber die Zuständigkeit wird geteilt mit: __________________________________ .
q
q Nein, die Zuständigkeit liegt bei: __________________________________________ .
__________________________________________ .
q
q Nein, in unserer Organisation gibt es hierfür keine festgelegte Struktur.
Nein, in unserer Organi
sation gibt es hierfür keine festgelegte Struktur.
Ich bedanke mich für Ihre Unterstützung !
Ich bedanke mich für Ihre Unterstützung !
Falls Sie weitere Anmerkungen, Kommentare, Anregungen usw. haben oder auch Kritik äussern möchten, würde ich mich
freuen, wenn Sie mir dies hier mitteilen würden. Vermerken Sie hier auch bitte Ihre e-
s hier mitteilen würden. Vermerken Sie hier auch bitte Ihre e mail Adresse und / oder Ihre Anschrift,
wenn Sie eine Zusam
wenn Sie eine Zusa menfassung der Ergebnisse erhalten möchten:
menfassung der Ergebnisse erhalten möchten:
126
Anhang 2: Berechnung von Unterschieden und Ähnlichkeiten zwischen den
Organisationsarten in der Beurteilung der Relevanz der Zielgruppen
Tabelle 2.1:
U-Test: Unterschied Staatliche Organisationen Sonstige NROs
RG 1
RG 2
RG 3
RG 4
RG 5
RG 6
Mann-Whitney U
9
11,5
18
13
14,5
14,5
Z
-1,659
-1,038
-,459
-,833
-,583
-,641
Asymp. Sig. (2-tailed)
,097
,299
,647
,405
,560
,521
Organisationsart
N
Mittlerer Rang
Rangsumme
RG 1
Staatl. Organisation
7
7,71
54
Sonstige NROs
5
4,80
24
RG = relevante Zielgruppe
Quelle: eigene Berechnung
Abbildung 2.1: Clusteranalyse zur Identifikation von Organisationen mit ähnlichen Beurteilungen
hinsichtlich der Relevanz ihrer Informationen für die vorgegebenen Zielgruppen
C A S E 0 5 10 15 20 25
Label Num +---------+---------+---------+---------+---------+
P2 òûòòòòòòòø
K9 ò÷ ó
P4 òòòòòòòòòôòòòòòòòòòòòø
N4 òòòòòòòòòú ó
S3 òûòòòòòòò÷ ó
K2 ò÷ ó
N2 òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòôòòòòòòòø
K1 òòòòòòòòòø ó ó
K7 òòòòòòòòòôòòòòòòòòòòòú ó
S7 òòòòòòòòò÷ ó ó
S5 òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòú ó
S9 òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòò÷ ó
N9 òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòôòòòòòòòòòø
P1 òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòú ùòòòòòòòòòø
S4 òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòò÷ ó ó
BMZ òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòûòòòòòòòòò÷ ó
P5 òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòò÷ ó
K3 òòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòòò÷
Quelle: eigene Berechnung
127
Anhang 3: Schaubilder und Tabellen über die Nutzung des Internets zur
Informationsverbreitung
Tabelle 3.1:
Kreuztabelle: Bereitstellung von Informationen im Internet durch die
verschiedenen Organisationsarten
Internetnutzungsbereitschaft
Organisa-
Nein, Org. ist
Ja (mit
tionsart
Nein
noch in Planung
Ja
Mengenangabe)
Total
Staatl.
Anzahl
3
4
1
1
9
Organisationen % der staatl.
33,3
44,4
11,1
11,1
100
Organisationen
% von Total
11,5
15,4
3,8
3,8
34,6
Polit.
Anzahl
1
4
5
Stiftungen
% der polit.
20
80
100
Stiftungen
% von Total
3,8
15,4
19,2
Kirchl.
Anzahl
1
3
2
6
Organisationen % der kirchl.
16,7
50
33,3
100
Organisationen
% von Total
3,8
11,5
7,7
23,1
Sonstige NROs Anzahl
1
3
1
1
6
% der
sonstigen
16,7
50
16,7
16,7
100
NROs
% von Total
3,8
11,5
3,8
3,8
23,1
Total
Anzahl
6
14
2
4
26
% von Total
23,1
53,8
7,7
15,4
100
Quelle: eigene Berechnung
128
Abbildung 3.1: Angebot der Informationsart ,,Statistiken und Zahlen" durch die verschiedenen
Organisationen im Internet nach Benutzerfreundlichkeit
12
10
8
6
Benutzerfreundlichkeit
4
2
0
S2
S3
S4
S5
S6
S7
S8
S9
P1
P2
P3
P4
P5
K1
K2
K3
K4
K5
K6
K7
K8
K9
N2
N3
N4
N5
N6
N7
N8
N9
BMZ
S10
S11
K10
N10
N11
VENRO
Organisation
Quelle: eigene Berechnung
Abbildung. 3.2: Angebot der Informationsart ,,Länderevaluation im Bereich eines Sektors" durch
die verschiedenen Organisationen im Internet nach Benutzerfreundlichkeit
12
10
8
6
Benutzerfreundlichkeit
4
2
0
BMZ
S2
S3
S4
S5
S6
S7
S8
S9 S10 S11
P1
P2
P3
P4
P5
K1
K2
K3
K4
K5
K6
K7
K8
K9 K10
VENRO
N2
N3
N4
N5
N6
N7
N8
N9 N10 N11
O r g a n i s a t i o n
Quelle: eigene Berechnung
129
Abbildung 3.3: Angebot der Informationsart ,,Länderevaluation (Zusammenfassung)" durch die
verschiedenen Organisationen im Internet nach Benutzerfreundlichkeit
12
10
8
6
Benutzerfreundlichkeit
4
2
0
BMZ
S2
S3
S4
S5
S6
S7
S8
S9 S10 S11
P1
P2
P3
P4
P5
K1
K2
K3
K4
K5
K6
K7
K8
K9 K10
VENRO
N2
N3
N4
N5
N6
N7
N8
N9 N10 N1
Organisation
Quelle: eigene Berechnung
Abbildung 3.4: Angebot der Informationsart ,,Hand- und Fachbücher" im Internet durch die
verschiedenen Organisationen im Internet nach Benutzerfreundlichkeit
1 2
1 0
8
6
Benutzerfreundlichkeit
4
2
0
BMZ
S2
S3
S4
S5
S6
S7
S8
S9 S10 S11 P1 P2 P3 P4 P5 K1 K2 K3 K4 K5 K6 K7 K8 K9 K10
VENRO
N2
N3
N4
N5
N6
N7
N8
N9 N10 N11
Organisation
Quelle: eigene Berechnung
130
Tabelle 3.2: U-Test: Unterschied von staatlichen Organisationen zu politische Stiftungen
hinsichtlich des Internetangebots von ,,Statistiken und Zahlen"
Organisationsart
N
Mittlerer Rang
Rangsumme
Staatliche Organisationen
11
9,86
108,5
Politische Stiftungen
5
5,5
27,5
Statistiken und Zahlen
Mann-Whitney U
12,5
Z
-1,992
Asymp. Sig. (2-tailed)
,046
Quelle: eigene Berechnung
Tabelle 3.3: U-Test: Unterschied von staatlichen Organisationen zu sonstige NROs hinsichtlich
des Internetangebots von ,,Jahresbericht"
Organisationsart
N
Mittlerer Rang
Rangsumme
Staatliche Organisationen
11
14,14
155,5
Sonstige NROs
11
8,86
97,5
Jahresbericht
Mann-Whitney U
31,5
Z
-2,141
Asymp. Sig. (2-tailed)
,032
Quelle: eigene Berechnung
Tabelle 3.4: U-Test: Unterschied von staatlichen Organisationen zu sonstige NROs hinsichtlich
des Internetangebots von ,,Statistiken und Zahlen"
Organisationsart
N
Mittlerer Rang
Rangsumme
Staatliche Organisationen
11
13,82
152
Sonstige NROs
11
9,18
101
Statistiken und Zahlen
Mann-Whitney U
35
Z
-1,969
Asymp. Sig. (2-tailed)
,049
Quelle: eigene Berechnung
131
Tabelle 3.5:
U-Test: Unterschied von staatlichen zu kirchlichen Organisationen hinsichtlich des
Internetangebots von ,,Länderevaluationen im Sektorbereich (Zusammenfassung)"
Organisationsart
N
Mittlerer Rang
Rangsumme
Staatliche Organisationen
11
13,27
146
Kirchliche Organisationen
10
8,5
85
Länderevaluation im Sektorbereich
Mann-Whitney U
30
Z
-2,359
Asymp. Sig. (2-tailed)
,018
Quelle: eigene Berechnung
Tabelle 3.6:
U-Test: Unterschied von politischen Stiftungen zu kirchlichen Organisationen
hinsichtlich des Internetangebots von ,,Länderevaluationen im Sektorbereich
(Zusammenfassung)"
Organisationsart
N
Mittlerer Rang
Rangsumme
Politische Stiftungen
5
10
50
Kirchliche Organisationen
10
7
70
Länderevaluation im Sektorbereich
Mann-Whitney U
15
Z
-2,070
Asymp. Sig. (2-tailed)
,038
Quelle: eigene Berechnung
Tabelle 3.7:
U-Test: Unterschied von sonstigen NROs zu kirchlichen Organisationen
hinsichtlich des Internetangebots von ,,Länderevaluationen im Sektorbereich
(Zusammenfassung)"
Organisationsart
N
Mittlerer Rang
Rangsumme
Sonstige NROs
11
12,82
141
Kirchliche Organisationen
10
9
90
Länderevaluation im Sektorbereich
Mann-Whitney U
35
Z
-2,060
Asymp. Sig. (2-tailed)
,039
Quelle: eigene Berechnung
132
Tabelle 3.8: Varianzanalyse zur Überprüfung des Einflusses der Variablen Organisationsart auf
das Internetangebot der verschiedenen Informationsarten
Mittel der
Quadratsumme
df
Quadrate
F
Sig.
Jahresbericht
Zwischen den Gruppen
129,775
3
43,258
2,220
,104
Innerhalb der Gruppen
642,982
33
19,484
Total
772,757
36
Statistiken und Zahlen
Zwischen den Gruppen
78,946
3
26,315
2,811
,055
Innerhalb der Gruppen
308,945
33
9,362
Total
387,892
36
Länderevaluation
Zwischen den Gruppen
22,966
3
7,655
1,471
,240
(Vollversion)
Innerhalb der Gruppen
171,736
33
5,204
Total
194,703
36
Länderteilevaluation
Zwischen den Gruppen
4,088
3
1,363
,773
,517
Innerhalb der Gruppen
58,182
33
1,763
Total
62,270
36
Sektorevaluation
Zwischen den Gruppen
84,544
3
28,181
2,271
,099
(Zusammenfassung)
Innerhalb der Gruppen
409,564
33
12,411
Total
494,108
36
Sektorevaluation im
Zwischen den Gruppen
18,164
3
6,055
,501
,684
Länderbereich
Innerhalb der Gruppen
398,755
33
12,083
Total
416,919
36
Projektbericht
Zwischen den Gruppen
56,982
3
18,994
1,328
,282
Innerhalb der Gruppen
471,991
33
14,303
Total
528,973
36
Sonstige Studien
Zwischen den Gruppen
3,743
3
1,248
,070
,975
Innerhalb der Gruppen
585,555
33
17,744
Total
589,297
36
Hand- und Fachbücher
Zwischen den Gruppen
59,094
3
19,698
1,690
,188
Innerhalb der Gruppen
384,582
33
11,654
Total
443,676
36
Quelle: eigene Berechnung
133
Anhang 4:
Tabellen über das Verhalten der Organisationen beim Senden von
Informationen
Tabelle 4.1: Kreuztabelle: Angaben der Organisationen, wieviel % ihrer Gesamtinformation sie
weitergeben
Organisation
Prozent der Gesamtinformation
5
10
20
30
35
40
50
75
80
100
Total
BMZ
1
S3
1
S4
1
S5
1
S7
1
S8
1
P1
1
P2
1
P4
1
K2
1
K3
1
K7
1
K8
1
VENRO
1
N4
1
Total
1
2
2
1
1
1
2
1
1
3
15
Quelle: eigene Berechnung
Tabelle 4.2:
U-Test: Unterschied politische Stiftungen - staatliche Organisationen hinsichtlich
ihrer Angaben über den Anteil der Gesamtinformation, den sie weitergeben
Organisationsart
N
Mittlerer Rang
Rangsumme
Staatliche Organisationen
7
4,36
30,50
Politische Stiftungen
3
8,17
24,50
% der Gesamtinformation
Mann-Whitney U
2,5
Z
-1,835
Asymp. Sig. (2-tailed)
,067
Quelle: eigene Berechnung
Tabelle 4.3: U-Test: Unterschied staatliche Organisationen kirchliche Organisationen
hinsichtlich ihrem Antwortverhalten, welche Organisationen die meisten
Informationen erhalten
Organisationsart
N
Mittlerer Rang
Rangsumme
Staatliche Organisationen
7
4,93
34,50
Kirchliche Organisationen
6
9,42
56,50
Größte Informationsempfänger
Mann-Whitney U
6,5
Z
-2,109
Asymp. Sig. (2-tailed)
,035
Quelle: eigene Berechnung
134
Tabelle 4.4: Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger bezüglich der
zweitgrößten Informationsmenge
Empfänger der zweitgrößten Informationsmenge
Organisation
S2
S3
S6
K5
K7
K8
VENRO
51
Total
BMZ
1
S4
1
S5
1
S6
1
S7
1
K2
1
K3
1
K7
1
K8
1
K9
1
Total
1
2
1
2
1
1
1
1
10
Quelle: eigene Berechnung
Tabelle 4.5: Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger bezüglich der
drittgrößten Informationsmenge
Empfänger der drittgrößten Informationsmenge
Organisation
BMZ
S2
S3
S4
K6
40
61
65
Total
BMZ
1
S4
1
S5
1
S6
1
S7
1
K2
1
K3
1
K7
1
K8
1
K9
1
Total
2
1
2
1
1
1
1
1
10
Quelle: eigene Berechnung
Tabelle 4.6:
Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger bezüglich der
viertgrößten Informationsmenge
Empfänger der viertgrößten Informationsmenge
Organisation
BMZ
S5
S11
K7
39
62
Total
BMZ
1
S6
1
S7
1
K2
1
K3
1
K8
1
K9
1
Total
1
1
1
2
1
1
7
Quelle: eigene Berechnung
135
Tabelle 4.7: Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger bezüglich der
fünftgrößten Informationsmenge
Empfänger der fünftgrößten Informationsmenge
Organisation
BMZ
S10
K5
53
63
67
Total
BMZ
1
S6
1
S7
1
K3
1
K8
1
K9
1
Total
1
1
1
1
1
1
6
Quelle: eigene Berechnung
Tabelle 4.8: Kreuztabelle: Organisationen und deren Informationsempfänger bezüglich der
sechstgrößten Informationsmenge
Empfänger der sechstgrößten Informationsmenge
Organisation
54
64
66
68
Total
S7
1
K3
1
K8
1
K9
1
Total
1
1
1
1
4
Quelle: eigene Berechnung
136
Anhang 5: Schaubilder und Tabellen über das Sender-Empfänger-Netzwerk der
deutschen EZ-Organisationen
Abbildung 5.1 Komponenten des Sender-Empfänger-Netzwerks (Komponenten mit einem oder
mehr Mitgliedern)
45
43
57
58
44
N3
67
BMZ, S2, S3, S4, S5, S6, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P2,
P3, P4, P5, K1, K2, K3, K4, K5, K6, K7, K8, K9, K10,
59
VENRO, N2, N4, N5, N6, N7, N8, N9, N10, N11, 39,
40, 41, 42, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56
67
60
66
61
62
65
63
64
Quelle: eigene Berechnung
Tabelle 5.1: Prestigemaße des Sender-Empfänger-Netzwerks
Organisation
InDegree
NrmInDeg Eigvec
nEigvec
Easym nEasym
BMZ
49
74.242
0.518
73.230
0.439
62.149
S2
24
36.364
0.109
15.428
0.221
31.301
S3
19
28.788
0.125
17.666
0.181
25.604
VENRO
18
27.273
0.098
13.842
0.196
27.655
K7
15
22.727
0.059
8.322
0.193
27.320
K5
15
22.727
0
0
0.153
21.571
P1
14
21.212
0.088
12.429
0.161
22.801
S8
13
19.697
0.205
28.995
0.189
26.783
S11
13
19.697
0.205
28.995
0.177
25.053
S9
13
19.697
0
0
0.151
21.322
P5
12
18.182
0.371
52.480
0.199
28.196
K9
11
16.667
0.249
35.192
0.285
40.354
K8
11
16.667
0.130
18.402
0.230
32.592
S10
11
16.667
0
0
0.100
14.182
K6
10
15.152
0
0
0.083
11.707
S7
9
13.636
0.319
45.120
0.235
33.213
P4
8
12.121
0.332
46.949
0.269
38.076
P2
8
12.121
0.250
35.296
0.201
28.381
P3
8
12.121
0.250
35.296
0.128
18.161
137
Organisation
InDegree
NrmInDeg Eigvec
nEigvec
Easym
nEasym
39
8
12.121
0
0
0.096
13.586
K1
8
12.121
0
0
0.078
11.090
S4
6
9.091
0.109
15.428
0.099
14.021
K10
6
9.091
0
0
0.079
11.226
K3
5
7.576
0.108
15.322
0.199
28.124
N7
5
7.576
0
0
0.041
5.855
K2
4
6.061
0
0
0.109
15.410
N6
4
6.061
0
0
0.048
6.823
N2
4
6.061
0
0
0.031
4.361
S6
3
4.545
0.106
14.970
0.079
11.102
S5
3
4.545
0.106
14.970
0.057
8.039
N10
3
4.545
0
0
0.027
3.840
41
3
4.545
0
0
0.024
3.359
40
3
4.545
0
0
0.019
2.651
51
3
4.545
0
0
0.013
1.810
N8
2
3.030
0
0
0.028
3.961
N4
2
3.030
0.018
2.601
0.165
23.386
52
2
3.030
0
0
0.022
3.049
42
2
3.030
0
0
0.016
2.312
46
2
3.030
0
0
0.016
2.312
47
2
3.030
0
0
0.016
2.312
48
2
3.030
0
0
0.016
2.312
49
2
3.030
0
0
0.016
2.312
50
2
3.030
0
0
0.016
2.312
K4
1
1.515
0
0
0.012
1.687
N11
1
1.515
0
0
0.012
1.687
55
1
1.515
0
0
0.012
1.687
56
1
1.515
0
0
0.012
1.687
53
1
1.515
0
0
0.010
1.362
54
1
1.515
0
0
0.010
1.362
N9
0
0
0
0
0.056
7.986
N5
0
0
0
0
0.038
5.347
Quelle: eigene Berechnung
138
Abbildung 5.2: Cutpoinpositionen im Sender-Empfänger-Netzwerk
Cutpointakteure
S8
41
53
K8
54
N11
K4
K9
56
55
46
42
48
VENRO
47
50
49
Die Beziehung zwischen Akteur und Cutpointakteur kann durchaus auch gegenseitig sein. Die
asymmetrische Darstellung soll hier nur die Sonderstellung der Cutpointakteure verdeutlichen.
Quelle: eigene Berechnung
139
Abbildung 5.3: 2-Clans des Sender-Empfänger-Netzwerks
Es existieren zehn 2-clans mit folgenden Zusammensetzungen:
BMZ, S2, S3, S4, S5, S6, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P2, P3, P4, P5, K1, K2, K3, K5, K6, K7, K8, K9,
K10, VENRO, N4, N5, N6, N8, N9, 39
BMZ, S2, S3, S4, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P2, P3, P4, P5, K1, K2, K3, K5, K6, K7, K8, K9, K10,
VENRO, N4, N6, N7, N8, N9
BMZ, P2, P4, P5, K1, K2, K3, K7, K8, K9, VENRO, N4, N9, 42, 46, 47, 48, 49, 50
BMZ, S2, S3, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P4, P5, K1, K2, K3, K5, K6, K7, K8, K9, K10, VENRO, N2,
N4, N6, N8, N9, 39, 52
BMZ, S2, S3, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P4, P5, K1, K2, K3, K5, K6, K7, K8, K9, K10, VENRO,
BMZ, S2, S3, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P4, P5, K1, K2, K3, K4, K5, K6, K7, K8, K9, K10, VENRO,
N2, N4, N6, N10, N11, 39, 52, 55, 56
BMZ, S2, S3, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P2, P4, P5, K1, K2, K3, K5, K6, K7, K8, K9, K10,
BMZ, S2, S3, S7, S8, S9, S10, S11, P4, K1, K2, K3, K5, K6, K8, K9, K10, VENRO, N2, N4, N6, N7,
N8, N9, 40, 51, 52, 53, 54
BMZ, S2, S3, S7, S8, S9, S10, S11, P4, K1, K2, K3, K5, K6, K8, K9, K10, VENRO, N4, N5, N6, N8,
N9, 51
BMZ, S2, S3, S7, S8, S10, P2, P3, P4, P5, K3, K8, K9, N4, 41
Quelle: eigene Berechnung
140
Abbildung 5.4: k-Plexe des Sender-Empfänger-Netzwerks
BMZ u. K9 M itglieder von
224 k-plexen
876 k-plexe gefunden
S1 = BMZ
N1 = VENRO
Quelle: eigene Berechnung
141
Abbildung 5.5: k-Core des Sender-Empfänger-Netzwerks
Organisationen mit der höchsten
Kommunikationsdichte
S1 = BMZ
N1 = VENRO
Quelle: eigene Berechnung
142
Abbildung 5.6: Strukturell äquivalente Positionen des Sender-Empfänger-Netzwerks nach der
CONCOR-Methode
S1 = BMZ
N1 = VENRO
Quelle: eigene Berechnung
143
Abbildung 5.7: Strukturell äquivalente Positionen des Sender-Empfänger-Netzwerks nach der
Burt-Methode
S1 = BMZ
N1 = VENRO
Quelle: eigene Berechnung
144
Anhang 6: Schaubilder und Tabellen über das Empfänger-Sender-Netzwerk der
deutschen EZ-Organisationen
Abbildung 6.1: Komponentenanalyse des Empfänger-Sender-Netzwerks (Komponenten mit einem
oder mehr Mitgliedern)
51
53
50
49
54
47
48
57
58
41
40
67
BMZ, S2, S3, S4, S5, S6, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P2,
P3, P4, P5, K1, K2, K3, K4, K5, K6, K7, K8, K9, K10,
59
VENRO, N2, N3, N4, N5, N6, N7, N8, N9, N10, N11,
39, 42, 43, 44, 45, 46, 52, 55, 56,
67
60
66
61
62
65
63
64
Quelle: eigene Berechnung
Tabelle 6.1:
Prestigemaße des Empfänger-Sender-Netzwerks
Organisation InDegree NrmInDeg Eigvec nEigvec
Easym nEasym
BMZ
45
68.182
0.520
73.483
0.336
47.491
S 2
33
50.000
0.123
17.422
0.233
32.938
S3
25
37.879
0.160
22.692
0.181
25.617
VENRO
24
36.364
0.176
24.941
0.378
53.434
S8
20
30.303
0.198
27.936
0.213
30.158
S9
20
30.303
0.151
21.376
0.167
23.618
S11
20
30.303
0.255
36.000
0.201
28.487
K8
18
27.273
0.151
21.376
0.197
27.834
P1
17
25.758
0.216
30.544
0.183
25.880
K5
17
25.758
0
0
0.144
20.416
P5
15
22.727
0.166
23.418
0.141
19.928
K7
15
22.727
0.063
8.886
0.145
20.552
K9
13
19.697
0.102
14.398
0.251
35.446
S7
12
18.182
0.315
44.514
0.201
28.417
S10
12
18.182
0
0
0.097
13.713
P4
12
18.182
0
0
0.097
13.713
145
Organisation InDegree NrmInDeg Eigvec nEigvec
Easym nEasym
K6
12
18.182
0
0
0.095
13.476
N2
11
16.667
0.032
4.518
0.125
17.727
39
11
16.667
0
0
0.107
15.127
P3
10
15.152
0.394
55.788
0.137
19.343
N10
9
13.636
0
0
0.072
10.138
K3
8
12.121
0.069
9.714
0.215
30.468
P2
6
9.091
0.267
37.706
0.183
25.825
S4
6
9.091
0.243
34.359
0.110
15.487
K10
6
9.091
0
0
0.055
7.841
K2
5
7.576
0.040
5.682
0.202
28.625
K1
5
7.576
0
0
0.048
6.836
N7
5
7.576
0
0
0.039
5.526
S6
4
6.061
0.115
16.257
0.047
6.647
N4
4
6.061
0.038
5.397
0.205
29.033
K4
4
6.061
0
0
0.030
4.298
S5
3
4.545
0.115
16.257
0.044
6.181
N9
3
4.545
0.007
1.029
0.162
22.858
N8
3
4.545
0
0
0.027
3.750
N11
2
3.030
0
0
0.022
3.127
N6
2
3.030
0
0
0.021
2.918
46
2
3.030
0
0
0.007
0.965
N5
1
1.515
0
0
0.051
7.282
43
1
1.515
0
0
0.012
1.671
44
1
1.515
0
0
0.012
1.671
45
1
1.515
0
0
0.012
1.671
52
1
1.515
0
0
0.009
1.247
55
1
1.515
0
0
0.009
1.247
56
1
1.515
0
0
0.009
1.247
42
1
1.515
0
0
0.002
0.241
Quelle: eigene Berechnung
146
Abbildung 6.2: Cutpoinakteure im Empfänger-Sender-Netzwerk
Cutpointakteure
N3
46
K1
42
53
K8
54
56
52
K9
55
44
43
BMZ
45
Die Beziehung zwischen Akteur und Cutpointakteur kann durchaus auch gegenseitig sein. Die
asymmetrische Darstellung soll hier nur die Sonderstellung der Cutpointakteure verdeutlichen.
Quelle: eigene Berechnung
147
Abbildung 6.3: k-Plexe des Empfänger-Sender-Netzwerks
1249 k-plexe gefunden
BMZ und VENRO Mitglieder von 542 k-plexen
S1 = BMZ
N1 = VENRO
Quelle: eigene Berechnung
148
Abbildung 6.4: k-core des Empfänger-Sender-Netzwerks
Organisationen mit der höchsten
Kommunikationsdichte
S1 = BMZ
N1 = VENRO
Quelle: eigene Berechnung
149
Abbildung 6.5: Strukturell äquivale nte Positionen des Empfänger-Sender-Netzwerks nach der
CONCOR-Methode
S1 = BMZ
N1 = VENRO
Quelle: eigene Berechnung
150
Abbildung 6.6: Strukturell äquivalente Positionen des Empfänger-Sender-Netzwerks nach der Burt-
Methode
S1 = BMZ
N1 = VENRO
Quelle: eigene Berechnung
151
Anhang 7: Schaubilder und Tabellen über das Kommunikationsnetzwerk der
deutschen EZ-Organisationen
Abbildung 7.1: Komponentenanalyse des Kommunikationsnetzwerks deutscher EZ-Organisationen
(Komponenten mit einem oder mehr Mitgliedern)
44
45
57
58
43
67
59
BMZ, S2, S3, S4, S5, S6, S7, S8, S9, S10, S11, P1, P2, P3, P4,
P5, K1, K2, K3, K4, K5, K6, K7, K8, K9, K10, VENRO, N2,
N3, N4, N5, N6, N7, N8, N9, N10, N11, 39, 40, 41, 42, 46, 47,
48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56
60
67
66
61
62
65
63
64
Quelle: eigene Berechnung
Tabelle 7.1:
Prestigemaße der einzelnen Netzwerkakteure des Kommunikationsnetzwerks
deutscher EZ-Organisationen
Organisation
InDegree
NrmInDeg Eigvec
nEigvec
Easym nEasym
BMZ
47
71.212
0.442
62.557
0.329
46.463
VENRO
36
54.545
0.145
20.546
0.264
37.270
K 9
34
51.515
0.267
37.795
0.257
36.282
K 2
26
39.394
0.088
12.417
0.188
26.555
P 2
24
36.364
0.239
33.849
0.213
30.136
K 3
23
34.848
0.246
34.778
0.191
26.982
P 3
23
34.848
0.200
28.289
0.222
31.413
N 4
23
34.848
0.171
24.200
0.175
24.743
S 7
22
33.333
0.255
36.019
0.252
35.588
S 11
20
30.303
0.215
30.463
0.203
28.717
S 8
19
28.788
0.204
28.834
0.203
28.763
S 2
18
27.273
0.242
34.280
0.176
24.843
S 4
18
27.273
0.130
18.334
0.141
19.956
P 1
17
25.758
0.168
23.699
0.187
26.506
S 3
16
24.242
0.234
33.087
0.164
23.195
K 8
16
24.242
0.191
26.951
0.219
31.013
P 5
14
21.212
0.221
31.312
0.233
32.299
K 7
13
19.697
0.146
20.647
0.161
22.729
152
Organisation
InDegree
NrmInDeg Eigvec
nEigvec
Easym nEasym
S 9
13
19.697
0.105
14.781
0.160
22.620
N 9
12
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