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Der politische Witz

Seminararbeit, 2001, 12 Seiten
Autor: Alain Bieber
Fach: Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft

Details

Veranstaltung: Proseminar Politische Rede in der Weimarer Republik
Institution/Hochschule: Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Institut für Allgemeine Rhetorik)
Tags: Witz, Proseminar, Politische, Rede, Weimarer, Republik
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2001
Seiten: 12
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V1101
ISBN (E-Book): 978-3-638-10685-6

Dateigröße: 64 KB


Textauszug (computergeneriert)

Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Seminar für Allgemeine Rhetorik
PS: Politische Rede in der Weimarer Republik
WS: 2000/2001

Der politische Witz

Alain Bieber

Allgemeine Rhetorik (3); NDL (3); Soziologie (3)

Inhaltsverzeichnis

I. Thematische Einleitung  ... S. 03
II. Zur Definition des Witzes  ... S. 04
III. Entstehung, Merkmal und Funktion politischer Witze  ... S. 05
IV. Kleiner Exkurs in die antike Welt der Witze ... S. 09
V. Witz als Waffe und Resümee  ... S. 10
VI. Literaturverzeichnis  ... S. 12

Ohne Witz kann man nicht auf die Menschheit wirken.
Ludwig Börne

 

I. Thematische Einleitung

Dieter Hildebrandt, die letzte Ikone des politischen Kabaretts, stellte am 12. April des letzten Jahres in seiner Sendung Scheibenwischer die Frage, ob die Mitarbeiter der Wiesbadener Ausländerbehörde vielleicht nachträglich noch in die SS eintreten wollen. Prompt wurde er durch den regierenden CDU-Oberbürgermeister Diel wegen Beleidigung verklagt, aber letztendlich doch freigesprochen. An solchen Beispielen merkt man, dass die politische Elite immer noch sehr empfindlich ist, wenn es um kritische Witze geht.
,,Die herrschende Macht schützt sich nicht nur durch Gesetze und exekutive Organe (Polizei, Geheimpolizei, Militär), sondern auch durch Tabus, die solange Geltung haben wie die betreffende Macht."1
Zu diesen Tabus zählt man auch das ungeschriebene Gebot keine lächerlichen Meinungsäußerungen, in Form von Witzen, über die politische Staatsführung zu verbreiten. Zwar sind anspruchsvolle, politische Witze in unserer ,,Klamauk- und Konsum-Demokratie" und der zunehmenden ,,McDonaldisierung" der Gesellschaft, wie es der amerikanische Soziologe George Ritzer nennt, seltener geworden, doch wirklich verschwunden sind sie nie. Auch wenn Hermann Schäfer, der Direktor des Bonner ,,Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland" bereits um den politischen Witz in Deutschland bangt, weil häufig nur noch 08/15 Manta-, Ostfriesen- und Blondinenwitze ihre Verbreitung finden. Oder wie er abfällig bemerkte, ,,das Humorniveau in Deutschland nur noch aus schlechten Gags und platter Sprechblasenkultur" bestehe, und es deshalb auch einfach zu wenig Nachwuchs unter den Karikaturisten und Kabarettisten gäbe. Seine Sorge ist, dass der politische Witz zu einer Kunstrichtung verkomme, die niemand mehr versteht. Und genau das ist der problematische Punkt:
Der politische Witz kann nur wirken, wenn er auch verstanden wird.
Aber immerhin sind diese Phänomene ein eindeutiges Indiz dafür, dass es uns und der deutschen Gesellschaft sehr gut geht. Denn gute Zeiten sind schlechte Zeiten für den politischen Witz. Deshalb stammen die meisten politischen Witze auch aus den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte, so waren z.B. die anti-nationalsozialistischen Flüsterwitze und die Anti-SED-Witze der DDR die am meisten verbreitetsten. Der Grund für die geringe Anzahl an politischen Witzen in Demokratien liegt in dem zu niedrigen Spannungsverhältnis zwischen Herrschenden und Beherrschten begründet. Aber auch wenn die Spannung zu groß wird, können keine Witze entstehen. So geht man z.B. davon aus, dass direkt im KZ keine Witze entstanden sind, da in dieser tödlichen Situation die Distanz und Perspektive fehlte, um Witze zu erzählen.

[...]


1 Broer, Wolfgang: Wort als Waffe. Politischer Witz und politische Satire in der Republik Österreich (1918-1927). Wien 1973. S. 51 ff


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