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Lesson Plan, 2005, 17 Pages
Author: Jochen Schiffer
Subject: Politics - Didactics, Political Education
Details
Tags: Staat, Cannabiskonsum
Year: 2005
Pages: 17
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-08470-8
File size: 136 KB
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Fulltext (computer-generated)
Berufskolleg Ehrenfeld, Köln
Studienseminar füt Lehrämter, Köln II
Unterrichtsentwurf im Fach Politik
Thema der Stunde:
„Wie sollte der Staat auf den steigenden Cannabiskonsum reagieren?“
Thema der Reihe:
„Drogenpolitik – Ein Auseinandersetzung ohne einfache Lösungen“
Name: Jochen Schiffer
Studienseminar: Studienseminar für Lehrämter an Schulen, Köln II
..............................................
Schule: Berufskolleg Ehrenfeld (BKE)
...............................................
...............................................
Klasse: 6 S 25
Fachoberschule für Sozial- und Gesundheitswesen
Unterrichtsfach: Politik (PLK) (Bildungsbereich)
Datum: 28.10.2005
Zeit / Raum: 5. Stunde, 11:30 – 12:15 Uhr, Raum A-104 (A-Gebäude, 1. OG rechts)
Schulleiter: ........................................................
AKO: .................................................................
Hauptseminarleiter: .............................................
Fachseminarleiter: ..............................................
Inhaltsverzeichnis
1. Lernausgangslage
1.1 Lerngruppe / Lernvoraussetzungen / Lernklima
1.2 Vorkenntnisse / Vorwissen / Erfahrungen
2. Didaktische Überlegungen
2.1 Fachliche Einordnung in die Reihe
2.2 Formale Legitimation
2.3 Begründungszusammenhang
3. Kompetenzen und Lernziele
3.1 Angestrebte Kernkompetenzen der Reihe
3.2 Lernziel der heutigen Stunde
4. Überlegungen zum Lehr-Lern-Prozess
4.1 Methodische Überlegungen
4.2 Besondere Berücksichtigung einzelner SchülerInnen
4.3 Störungen
5. Verlaufsplanung/Synopse
1. Lernausgangslage
1.1 Lerngruppe / Lernvoraussetzungen / Lernklima
- Die Lerngruppe befindet sich in der Jahrgangsstufe 11 der Fachoberschule für Sozial- und Gesundheitswesen. Formales Bildungsziel ist das Erlangen der Fachhochschulreife mit Abschluss der Klasse 12. Die SchülerInnen besuchen das BKE montags und freitags in Teilzeit, an den übrigen Wochentagen absolvieren sie in spezifischen Einrichtungen ihre Pflichtpraktika (vornehmlich in Kindergärten, Jugendzentren und anderen Sozialeinrichtungen).
- Die 25 SchülerInnen kenne ich seit Beginn des Schuljahres 2005, als ich die Klasse in den Fächern PLK und SOZ übernommen habe. Das Fach PLK wird als Doppelstunde im zweiwöchigen Wechsel unterricht. Die heutige Doppelstunde ist die fünfte insgesamt. Keine/r der SchülerInnen ist nach meinem Kenntnisstand Mitglied einer Partei oder politischen Organisation.
- Wenngleich die Zugangsvoraussetzung für die FOS die Fachoberschulreife ist, so müssen lebensweltlicher Erfahrungsreichtum sowie politische Interessen als heterogen eingeschätzt werden. Ebenso unterschiedlich erleben die SchülerInnen die psychischen und physischen Belastungen, die mit ihren Praktika einhergehen.
- Arbeitsbereitschaft, Disziplin und Leistungsvermögen der Lerngruppe können als gut eingeschätzt werden. Hier stechen vor allem Alessa, Samira, Nadine und Eva positiv hervor aber auch Dalahoo und Jennifer. Maximilian und Nurhan kenne ich bereits aus dem vergangenen Jahr. Obwohl ich mit meiner Benotung ihr „Sitzenbleiben“ mitzuver-antworten habe, ist unser Verhältnis konstruktiv. Gleichwohl ist die Mitarbeit von Nurhan nach wie vor kaum ausreichend und die zwar häufigen Beiträge von Maximilian sind inhaltlich wenig ergiebig geblieben. Christian wiederholt ebenfalls. Die weinigen Male, die ich ihn bislang im Unterricht erlebt habe, waren seinerseits von leicht aggressiven Untertönen beherrscht, deren Grund mir noch nicht klar ist. Besonders ruhig sind Lena, Julia, Patricia und vor allem Mierweis. Mierweis scheint zudem wenig Interesse zu haben, mit anderen SchülerInnen zu kooperieren.
- Die Lerngruppe insgesamt wirkt auf mich leistungsorientiert, aufgeschlossen und interessiert. Die Zusammenarbeit bereitet mir Freude. Ich habe bereits bei der Bereichsleitung nachgefragt, ob ich diese Lerngruppe auch in der Jahrgangsstufe 12 unterrichten kann. Ich könnte mit vorstellen, ggf. dort meine UPP durchzuführen.
1.2 Vorkenntnisse / Vorwissen / Erfahrungen
- Vor dem Hintergrund der Bundestagswahlen als Thema im Unterricht wurde deutlich, dass die Lerngruppe Defizite in der Institutionenkunde hat. Diese Erkenntnis erstaunt mich mittlerweile kaum mehr; verblüfft war ich allerdings doch, als einige SchülerInnen im Rahmen der Themenwahl für das Halbjahr den Wunsch an mich heran trugen, genau diese Defizite auszugleichen. Daraufhin habe ich in einer Doppelstunde die konstituierenden Elemente des demokratischen Rechtsstaates am Beispiel der Gewaltenteilung bearbeitet.
- Bezogen auf das aktuelle Thema ist zu sagen, dass nur 2 SchülerInnen angaben, noch keine persönlichen Erfahrungen mit Cannabis gemacht zu haben. Auf Erfahrungen aus Konsumentensicht kann demnach, dies hat auch die vorangegangene Doppelstunde gezeigt, aufgebaut werden. Kaum bekannt sind hingegen Ursachen und Folgen der drogenpolitischen Richtlinien und mithin der uneinheitlichen Rechtssprechung.
- Meine Annahme bei der Planung der Reihe, dass die große Mehrzahl der SchülerInnen eine positive oder zumindest wenig reflektierte Haltung zum Cannabiskonsum haben wird, hat sich nur in Teilen bestätigt. Eine kritische Einstellung war festzustellen. Die konträren Meinungen zu Risiko und Nutzen führten im Vorfeld zu angeregten Diskussionen.
2. Didaktische Überlegungen
2.1 Fachliche Einordnung in die Reihe
Die aktuelle Unterrichtsreihe ist auf 3 bis 4 Doppelstunden ausgerichtet und umfasst die Themen:
- „Risikoeinschätzung des Cannabiskonsums - Eine Bestandaufnahme“,
- „Wie sollte der Staat auf den Cannabiskonsum reagieren?““,
- „Was kann Prävention leisten und wo soll sie ansetzten?“
Das aktuelle Reihenthema hat sich im Rahmen der Besprechung der Bundestagswahl und dort im Zusammengang mit der Nutzung des ‚Wahl-O-Mat’ ergeben. Hier wurde unter anderem gefragt, ob man der Legalisierung von Cannabis zustimmen würde. Einige der im Wahl-O-Mat angerissenen Themenfelder habe ich der Lerngruppe zur Auswahl gestellt: das Votum der Klasse ging eindeutig zugunsten des Problemfeldes Drogenpolitik aus.
Das Thema „Risikoeinschätzung des Cannabiskonsums - Eine Bestandaufnahme“ wurde von der Lerngruppe in der letzten Doppelstunde bearbeitet. Zentraler Inhalt war neben den Erfahrungsberichten der SchülerInnen die Analyse der Verbreitung, der Risikofaktoren und des medizinischen Einsatzes von Cannabis.
Zum einen soll das heutige Thema am Beispiel der uneindeutigen gesetzlichen Lage einen praktischen Zugang zu den konstituierenden Gremien der Bundesrepublik ermöglichen. Zum anderen soll es innerhalb der Reihe zu einer weiteren Versachlichung der zum Teil doch emotional aufgeladenen Debatte führen.
Da quer durch die Parteien der Bereich der Prävention die deutlichste Schnittmenge hinsichtlich der insgesamt konträren politischen Diskussion zum Umgang mit Cannabis(-produkten) bildet, soll hierauf in der letzten Unterrichtseinheit gesondert eingegangen werden (vgl. auch 2.3).
2.2 Formale Legitimation
Der „Lehrplan zur Erprobung für das Berufskolleg in NRW – Fachoberschule Klasse 11, 12, 13“ vom 24.06.2004 versteht sich als beispielhafte Konkretisierung der „Rahmenvorgabe Politische Bildung“ (2001). Bezogen auf den Unterricht in der Jahrgangsstufe 11 beschränkten sich die Vorschläge des Lehrplanes im Wesentlichen auf die Bereiche Institu-tionenkunde und ArbeitnehmerInnenrechte.
Der Bereich Institutionenkunde wurde – wenngleich sicherlich nicht erschöpfend – im Zusammenhang der Bearbeitung der Gewaltenteilung bereits angegangen (vgl. 1.2). Weitere Unterrichtseinheiten zu diesem Themenbereich werden folgen. ArbeitnehmerInnenrechte halte ich für diese Zielgruppe und zu diesem Zeitpunkt für wenig zielführend, da die Lerngruppe (noch) keinen sozialversicherungspflichtigen Tätigkeiten nachgeht. (vgl. dazu auch 2.3) Im Folgenden wird das Stundenthema in Bezug zur „Rahmenvorgabe Politische Bildung“ gesetzt werden.
Laut Rahmenvorgabe soll der Politikunterricht in erster Linie auf die Mündigkeit junger Menschen abzielen, sie sollen lernen, „[...] die politische, soziale und ökonomische Realität im Hinblick auf zugrunde liegende Strukturen und Legitimation hin zu analysieren“ (s. ebd. S. 14). Es ist gut belegt, dass Cannabisgebrauch trotz gesetzlichen Verbotes zur gesellschaftlichen Realität gehört (Tendenz steigend!) und sowohl Politik als auch Strafverfolgungsbehörden vor nicht unerhebliche Probleme stellt.
Gerade die diesbezügliche Bundesgesetzgebung ist uneindeutig und bedingt dadurch uneinheitliche Ansätze und Zielrichtungen der Drogenpolitik in den Bundesländern.
Hier wird zusätzlich eine weitere Leitidee Politscher Bildung berührt, nämlich die Auseinadersetzung mit Normen und Wertvorstellungen sowie die Entwicklung eigener Wertvorstellungen (vgl. ebd. S.14). Gerade mit der aktuellen drogenpolitischen Debatte ist eine Diskussion über Werte sowie die ‚normative Kraft des Faktischen" eng verzahnt.
Außerdem bleibt, wie oben geschildert, die Interessenlage der Zielgruppe berücksichtigt, denn gemäß der Rahmenvorgabe ist es notwendig, die Inhalte „[...] an aktuelle Situationen, Probleme und Konflikte aus Wirtschaft, Gesellschaft und politischer Öffentlichkeit sowie an aktuelle Interessen von Schülerinnen und Schülern [...]“ anzuschließen. Das gewählte Thema erfüllt zudem eine weitere Voraussetzung, nämlich, dass für „[…] die Politische Bildung […] in erster Linie solche Problemlagen von Interesse [sind], von denen nach heutigem Kenntnisstand erwartet werden kann, dass sie auf mittlere und längere Sicht politisch bedeutsam bleiben werden“. (s. ebd. S. 19). Davon ist nach dem aktuellen Stand der Diskussion zweifelsohne auszugehen.
Es zeigt sich bis hierhin, dass die U-Reihe zentrale Anforderungen berücksichtigt, die an Inhalte der Politischen Bildung seitens der Rahmenvorgabe gestellt werden. Die Themen der U-Reihe können mehrheitlich dem Problemfeld 6 der Rahmenvorgabe und dort den Inhalts- und Problemaspekt „Personale Identität und persönliche Lebensgestaltung“ sowie „Stabilität und Wandel von Werten, Wertesystemen und normativen Orientierungen“ zugeordnet werden (vgl. ebd. S. 22).
Beleuchtet man beispielsweise die formale Seite des didaktischen Zugriffes mit dem problemorientierten Ansatz nach Hilligen (vgl. Hilligen 1985, 1995), so wird deutlich, dass die von mir gewählte Thematik eindeutig einem zentralen Schlüsselprobleme zuzuordnen ist – hier: „Interdependenzen/Notwendigkeit umfassender Regelungen“. Konkret hieße dies, eine Bearbeitung von gesellschaftspolitischen Chancen und Gefahren im Spannungsfeld zwischen einem „Individualrecht auf Rausch“ auf der einen und einem „staatlichen Totalverbot von Drogen“ auf der anderen Seite.
2.3 Begründungszusammenhang
Es konnte gezeigt werden, dass die Problematik des Cannabiskonsums ein Thema ist, dass zweifelsohne ein politisches ist und der Interessenlage der Lerngruppe entspricht. Nachfolgend möchte ich auf meine Beweggründe eingehen, warum ich dieses Thema gerade für diese Lerngruppe und zu diesem Zeitpunkt für geeignet halte.
Zur Zeit bearbeite ich mit dieser Lerngruppe in meinem zweiten Fach, Soziologie, Entstehung, Bedeutung und Wandel von sozialen Normen und Werten.
Hier bleibt die Diskussion häufig auf einer fachtheoretischen Ebene und die Erkenntnismöglichkeiten der Lerngruppe von Phänomenen sozialer Wirklichkeit sind begrenzt. Im Zuge einer fächer-verbindenden Kooperation will ich im Politikunterricht die Chance nutzen, anhand von politischen Realitäten Teile der (Werte-)Diskussion aus einem anderen, eher praktischen Blickwinkel zu beleuchten.
Die Lerngruppe besucht die Fachoberschule für Sozial- und Gesundheitswesen; Praktika werden in sozialen Einrichtungen absolviert (vgl. 1.1) und die Berufs- und Studienperspektiven der SchülerInnen liegen ebenfalls mehrheitlich im sozialen Bereich. Vor diesem Hintergrund halte ich eine intensive Auseinadersetzung mit Aspekten der drogenpolitischen Diskussion für geboten. Denn viele der SchülerInnen sind zur Zeit als PraktikantInnen oder werden zukünftig als ArbeitnehmerInnen mit Fragen aus diesem Themenbereich konfrontiert.
Trotz der SchülerInnen, die eine deutlich kritische und reflektierte Einstellung zum Umgang mit Cannabis haben, hat sich im Unterricht gezeigt, dass ein guter Teil der Lerngruppe „kiffen“ zu sehr verharmlost - ja schon idealisiert. Im Rahmen des erzieherischen Auftrages von Schule ist meines Erachtens hier Aufklärungsarbeit von Nöten, der ich mit dieser Unterrichtsreihe auch gerecht werden möchte.
Schlussendlich bin ich der Meinung, dass, wie schon unter 2.1 angerissen, gerade das Thema der heutigen Stunde einen Teilausschnitt politischer Realität zeigt, der die theoretische Funktionsweise und Problemzusammenhänge von Exekutive, Legislative und Judikative sowie Aspekte des Föderalismus in einen praktischen und für die Lerngruppe gut nachvollziehbaren Bezugsrahmen setzt. Ich erhoffe mir, dass ich bei zukünftigen Unterrichtseinheiten zur Institutionenkunde auf die Lernergebnisse dieser Reihe zurück-greifen kann.
3. Kompetenzen und Lernziele
3.1 Angestrebte Kernkompetenzen der Reihe
- Urteilskompetenz: Die SchülerInnen sind bereit, ihre Vorerfahrungen und Einstellungen zum Cannabiskonsum kritisch zu überprüfen und ggf. zu verändern. Sie können unterschiedliche Argumente und Positionen der aktuellen dogenpolitischen Debatte analysieren und bewerten. Sie sind in der Lage, das Zusammenwirken von Parteien und staatlicher Organe zu beurteilen. Die SchülerInnen erkennen am Beispiel der Drogenpolitik, dass das Ringen um Lösungen und „den richtigen Weg“ im demokratischen Rechtsstaat schwierig sein kann. Sie lernen, dass politischen Entscheidungen immer Werte zu Grunde liegen und dass auch diese kontrovers beurteilt werden können.
- Handlungskompetenz: Die SchülerInnen lernen sich in die Position anderer zu versetzen und abweichende Positionen zu verstehen und zu tolerieren, z.B. anhand unterschiedlicher Zielvorstellungen der Drogenpolitik der Länder. Sie können ihre Meinung und Urteile in der kontrovers geführten Diskussion sachlich und begründet vertreten. Die SchülerInnen sind in der Lage, sinnvolle Lösungsvorschläge und Präventionsmaßnahmen zu formulieren.
- Methodenkompetenz: Die SchülerInnen können (Gesetzes-)Texte, Tabellen, Statistiken lesen und auswerten. Sie lernen den Umgang mit und den richtigen Einsatz von Fachbegriffen. Die SchülerInnen können sich mit Hilfe verschiedener Medien gezielt und selbsttätig informieren.
3.2 Lernziel der heutigen Stunde
Die SchülerInnen kennen divergierende politische Positionen zum Cannabiskonsum, sie verstehen die Ursachen unterschiedlicher drogenpolitischer Ansätze auf Länderebene und sie sind in der Lage, eine begründete Empfehlung zum zukünftigen Umgang des Staates mit Cannabiskonsumenten zu formulieren.
4. Überlegungen zum Lehr-Lern-Prozess
Da ich die Lerngruppe in der Doppelstunde zuvor in Soziologie unterrichten werde, habe ich zu Beginn des Unterrichtsbesuches bereits einen Eindruck von aktuellen Stimmungen innerhalb der Lerngruppe und ggf. Gelegenheit, auf Störungen etc. einzugehen. Dadurch kann die Warming-Up-Phase nun deutlich verkürzt werden.
4.1 Methodische Überlegungen
Die Einleitung der Stunde ist als instruierender Dialog geplant. Zielsetzung ist es, dass die SchülerInnen ihr Vorwissen aktivieren und ggf. überprüfen sowie im Gespräch die Problematik des § 31a BtMG erkennen. Lehrer und SchülerInnen sind in dieser Phase aufgefordert, „laut zu denken“, wobei die Lehrkraft die Möglichkeit hat, unterschiedlich stark zu steuern. Dies ist an dieser Stelle wichtig, da ohne ein gutes Verständnis der Problematik in der Folge der Stunde wirksames Lernen gefährdet wäre. (vgl. dazu auch Dubs, S. 141ff)
Bei der Methodenauswahl insgesamt habe ich auch heute versucht, meine „Vorliebe“ für frontalen Unterricht, der für die SchülerInnen wie für den Lehrer sehr anstrenget sein kann, einzuschränken und durch kooperatives Lernen für mehr „Lehrer- und Lernfreiheit“ im Unterricht zu sorgen.
Neben den hinreichend bekannten Vorteilen in Bezug auf gruppendynamische Aspekte sprechen für Kleingruppen- bzw. Triadenarbeit angesichts des Themas vor allem die folgenden Punkte:
- Viele der SchülerInnen haben bereits einschlägige Erfahrungen mit Cannabis bzw. sind auch zur Zeit Konsumenten. Sie befinden sich damit – auch wenn dies nicht allen klar ist – im Bereich der Illegalität. (Klein-)Gruppenarbeit bietet hier den Vorteil, dass persönliche Meinungen ggf. anonymisiert vorgetragen werden können.
- Die Einstellung und die Erfahrungen zum Cannabiskonsum sind innerhalb der Lerngruppe heterogen. Durch die Arbeit in Kleingruppen kann das (private) Vorwissen der Gruppenmitglieder besser mobilisiert und genutzt werden.
- Das Unterrichtsthema beinhaltet kontroverse Positionen und fordert geradezu zur Hypothesenbildung sowie zur Suche nach Lösungen heraus; Gruppenarbeit bietet sich dazu besonders an.
- Das Lernen und Arbeit in Triaden wurde bewusst gewählt, da davon auszugehen ist, dass – verglichen mit größeren Gruppen - Ergebnisse schneller erzielt werden können und die Mitarbeit Aller wahrscheinlicher ist. (vgl. dazu auch Dubs 1995, S. 288, 302ff)
- Die Arbeit mit und an ausgesuchten Texten im Vorfeld der Triadenarbeit ist ein weiterer methodischer Schwerpunkt der Stunde. Hierbei sind folgende Überlegungen zielführend gewesen:
- Der sichere Umgang mit Texten und das zügige Erfassen zentraler Informationen ist eine Kompetenz, die gerade in der FOS gefordert wird. Leider ist immer wieder festzustellen, dass Lesegeschwindigkeit und Textverständnis häufig unzureichend ausgeprägt sind.
- Textarbeit bietet dem Lehrer Möglichkeiten zur Binnendifferenzierung. SchülerInnen, die bereits gut mit Texten arbeiten können, werden von mir bei Bedarf eine dritte Koalitionsvereinbarung erhalten, die sie zusätzlich bearbeiten können (vgl. AB 1a der Anlage).
- Die stille Arbeit an Texten soll zur Versachlichung der Auseinandersetzung mit einem Thema beitragen, das unter Umständen emotional aufgeladen ist. Plastischere Methoden (z.B. Plenumsdiskussionen, Einsatz von Filmen oder Karikaturen) könnten die Auseinandersetzung unnötig aufheizen. Mir ist bewusst, dass hier ist auch der Inhalt der Texte von entscheidender Bedeutung ist.
- Im Rahmen des Methodentrainings für FOS-Klassen am BKE habe ich in dieser Lerngruppe Teile des Bausteins „Methoden der Informationsbeschaffung und –erfassung“ (vgl. Klippert 2004, S. 87ff) eingeführt. Die SchülerInnen könn(t)en nun diese Methoden wiederholend anwenden.
Es ist geplant, den SchülerInnen zur Bearbeitung des 2. Arbeitsblattes ggf. einen Info-Tisch mit diversen Materialien zum Thema zur Verfügung zu stellen. Leider ist zur Zeit noch nicht klar, ob die bestellten Materialien rechtzeitig eintreffen werden. Zudem denke ich noch darüber nach, ob ein solches zusätzliches Informationsangebot den Zeitrahmen sprengen könnte. Auch wenn das Material pünktlich verfügbar sein sollte, möchte ich in der Unterrichtssituation entscheiden, ob und inwieweit ich es einsetzten werde.
4.2 Besondere Berücksichtigung einzelner SchülerInnen
Während des Gruppenarbeitsprozesses plane ich, die Lerngruppen aufzusuchen. Damit ist - neben einer Kontrolle des Arbeitsfortschrittes - beabsichtigt, ggf. Hilfestellung zu geben, um stillere oder problematischere SchülerInnen wieder in den Gruppenprozess einzubinden. Dieses Vorgehen soll aber auch dazu beitragen, folgende Idee umzusetzen: Ich möchte, dass in der Phase „Bewertung“ zum Ende der Stunde vor allem die stilleren und/oder problematischern SchülerInnen (und nicht die „üblichen Verdächtigen“) die Gruppenresultate präsentieren (vgl. 1.1).
Dazu plane ich, vor allem Nurhan, Mirweis und Christian (sofern anwesend) frühzeitig einzuladen und zu ermuntern. Vor diesem Hintergrund soll die Präsentation der „Empfehlungen“ auch nicht frontal an der Tafel etc. sondern von den Sitzpositionen der Kleingruppen aus geschehen.
Es ist zu erwarten, dass Maximilian seinem ungebremsten und häufig wenig überlegten Kommentarbedürfnis auch in dieser Stunde nachkommen wird. Dies ist vor allem deswegen wahrscheinlich, weil Max in der letzten Stunde gefehlt hat und ihm damit wichtige (Sach-) Informationen fehlen werden. Ich nehme mir vor, ihn im Auge zu behalten und ihn bei Bedarf freundlich aber bestimmt zu bitten, bei der Sache zu bleiben oder seine Gedanken auf den Punkt zu bringen.
Teile der Lerngruppe stehen in der Gefahr, durch Samira und Nadine „abgehängt“ zu werden, denn vor allem diese beiden SchülerInnen verfügen über ein sehr gutes Abstraktions- und Durchsetzungsvermögen. Hier möchte ich darauf achten, dass sich beide ggf. etwas zurückhalten ohne ihre wertevolle Mitarbeit einzuschränken oder zu blockieren.
4.3 Störungen
Weitere noch nicht angedachte Störungen erwarte ich derzeit nicht. Es bleibt allerdings abzuwarten, inwieweit sich die Lerngruppe ob des Themas durch den Besuch beobachtet oder einschränkt fühlt. Da es die Räumlichkeiten zulassen, möchte ich präventiv den Raum so organisieren, dass die BesucherInnen heute in einem etwas größeren Abstand zur Lerngruppe Platz finden. Ich gehe davon aus, dass dadurch die Beobachterfunktion der Gäste nicht eingeschränkt wird.
5. Verlaufsplanung/Synopse
| | | | Material | Lernprozess |
| | Rechtlicher Hintergrund | | | |
| Einleitung/ Information 6’ | S. werden über den Inhalt des § 31a BtMG informiert und auf die Problematik der „geringen Menge“ hingewiesen L. informiert, fragt nach, beantwortet Fragen | Lehrer-Schüler-Gespräch S. sitzen an Tischen | Folie 1, Over-Head | S. verstehen, dass der Umgang mit Cannabis – trotz gegenläufiger Meinung - illegal ist, sie erkennen die Problematik der „geringen Menge“ und die damit verbundene unterschiedliche Ausrichtung der Drogenpolitik auf Länderebene |
| | Koalitions vereinbarungen | | | |
| Erarbeitung 9’ | S. erarbeiten Aussagen und Argumente zur Drogenpolitik am Beispiel von Koalitions- vereinbarungen weier Bundesländer L. beobachtet, unterstützt, klärt, kontrolliert | Triadenarbeit S. arbeiten in Dreiergruppen mit Texten (AB 1) , sie sitzen an Tischen | AB 1, Matrix | S. lernen unterschiedliche politische Argumentationen und Zielsetzungen kennen und können wesentliche Aspekte extrahieren S., die schnell fertig sind, erhalten eine dritte Koalitionsvereinbarung zur Bearbeitung |
| | | | | |
| Sicherung 5’ | L. bespricht mit S. die in einer Übersicht dokumentieren Argumente | Lehrer-Schüler-Gespräch S. sitzen an Tischen | S. können Ergebnisse abgleichen und Aufzeich-nungen ggf. ergänzen |
| | Suchtreport | | | |
| Erarbeitung/ Transfer 11’ | S. erarbeiten eine begründete Empfehlung zum zukünftigen Umgang mit Cannabis-konsumenten u.a. auf der Grundlage eines Auszuges aus dem Drogenreport der Bundes- regierung und mithilfe ihre Vorwissens L. beobachtet unterstützt, klärt, kontrolliert | Triadenarbeit S. arbeiten in Dreiergruppen mit AB 2 und ggf. Materialen des Info-Tisches, sie sitzen an Tischen | AB 2, ggf. Info-Tisch | S. sind transferieren Ihr Wissen in eine begründete politische Empfehlung |
| | | | | |
| Bewertung 7’ | L. fordert einige S. auf, ihre Empfehlungen zu präsentieren, die Lerngruppe wird aufgefordert, die Ergebnisse zu hinterfragen und zu bewerten | Schüler-Schüler-Gespräch S. bleiben in Ihren Kleingruppen an Tischen | Präsentierende S. stellen sich den Fragen der Lerngruppe und können ihre Empfehlung begründen | |
| | Blitzlicht | | | |
| Abschluss 2’ | L. stellt die Frage: „Was nehmen Sie persönlich heute als das Wichtigste mit nach Hause?“ | Hinweise für L. was ggf. wiederholt oder zukünftig anders gemacht werden sollte |
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