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'Normative Vorstellungen' zur Arbeitsteilung in der Erwerbsarbeit, Hausarbeit und Kindererziehung

Internship Report, 2006, 33 Pages
Author: Ellen Ziegler
Subject: Sociology - Gender Studies

Details

Category: Internship Report
Year: 2006
Pages: 33
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V110297
ISBN (E-book): 978-3-640-08472-2
ISBN (Book): 978-3-640-32001-1
File size: 277 KB

Abstract

In Zeiten von Individualisierung, Pluralisierung der Lebensformen und Globalisierung brechen die gesellschaftlichen Veränderungen auch die Geschlechterrollen und das Geschlechterverständnis auf. In der bisherigen Forschung wurden in diesem Zusammenhang vorwiegend Veränderungen für Frauen beachtet, obwohl solche tiefgreifenden Umbrüche auch Auswirkungen auf Männer haben und deren Rolle und -verständnis neu interpretiert und reflektiert werden muss. Helen Franks schrieb noch 1985 in ihrem Werk ,,Goodbye Tarzan. Der endgültige Abschied vom Macho-Mann“ ,,Es ist eine Ironie, aber vielleicht keine Überraschung, daß ich bei den Nachforschungen zu diesem Buch gezwungen war, unter dem Stichwort ,Frauenforschung` nachzuschlagen, um etwas über die heutigen Männer zu erfahren." [1] Das Thema Männlichkeiten und Mannsein war in den 70ern ein noch so gut wie unbekanntes Thema. Jedoch änderte sich dieses in den letzten 20 Jahren, denn seit Anfang der 90er boomt die Männerbewegung, die akademische Forschung sowie die Zahl der Veröffentlichungen.[2] Der feministische bzw. akademische Blick allgemein wurde seitdem auf die Männer ausgeweitet, auf deren Rolle innerhalb des Prozesses der Gleichberechtigung, auf die Konzeption eines neuen Geschlechterverhältnisses sowie auf ihre spezifischen Lebenszusammenhänge und -umstände. Denn heute scheint nicht länger eindeutig zu sein, was ein ,,richtiger" Mann ist oder zu sein hat, oder was Männer überhaupt auszeichnet. Was sich in den letzten Jahren entwickelte, war ein kritischer Blick auf den Mann. Gerade die Emanzipation und ihre Konsequenzen betreffen unmittelbar die Männer. Das Verständnis der Geschlechts- und Elternrollen heute ist ein anderes als noch vor 20 Jahren. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Frauen heute über eine bessere Bildung verfügen und ihren Beruf genauso so gerne ausüben wie ihre männlichen Kollegen. Der Anteil erwerbstätiger Frauen ist im Steigen begriffen. Selbst wenn sie eine Familie gründen, steigen sie nicht mehr automatisch aus dem Erwerbsleben aus. Manche von ihnen wollen mit der Arbeitswelt in Verbindung bleiben und arbeiten (zumindest auf Teilzeitbasis) in ihrem Beruf weiter. Im Zuge dieser Entwicklung wird auch die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern neu definiert.


Excerpt (computer-generated)

 

Forschungspraktikumsbericht 2005/ 2006

 

„Normative Vorstellungen“

zur Arbeitsteilung in der Erwerbsarbeit,

Hausbarbeit und Kindererziehung

   

Ellen Ziegler

3. Semester Dipl. Soziologie

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

 

 

 

  Inhaltsverzeichnis

 

1. Einleitung

2. Die abhängigen Variablen

2.1 Die abhängigen Variable: Normative Vorstellung und Arbeitsteilung

2.2. Die abhängigen Variablen: Erwerbsarbeit-Hausarbeit-Kindererziehung

3. Die unabhänige Variable

3.1. Die unabhänige Variable: Erwerbsstatus

3.2. Die unabhänige Variable: Einkommen

3.3. Die Dritt-Variablen-Kontrolle

4. Hypothesen

5. Methoden

6. Grundgesamtheit und Strichprobe

7. Validitätsmaßnahmen

8. Literaturverzeichnis

 

 

1. Einleitung

 


„Das starke Bewußtsein der Tradition ist ein modernes Phänomen, das ein Bedürfnis nach Sitten und Gebräuchen in einer durch ständige Veränderungen und Innovationen gekennzeichneten Welt reflektiert. Die Hochachtung vor der Vergangenheit ist so groß geworden, das Traditionen, falls sie noch nicht existieren, einfach erfunden werden. „

Witold Rybczynski

 

In Zeiten von Individualisierung, Pluralisierung der Lebensformen und Globalisierung brechen die gesellschaftlichen Veränderungen auch die Geschlechterrollen und das Geschlechterverständnis auf. In der bisherigen Forschung wurden in diesem Zusammenhang vorwiegend Veränderungen für Frauen beachtet, obwohl solche tiefgreifenden Umbrüche auch Auswirkungen auf Männer haben und deren Rolle und -verständnis neu interpretiert und reflektiert werden muss.

Helen Franks schrieb noch 1985 in ihrem Werk ,,Goodbye Tarzan. Der endgültige Abschied vom Macho-Mann“ ,,Es ist eine Ironie, aber vielleicht keine Überraschung, daß ich bei den Nachforschungen zu diesem Buch gezwungen war, unter dem Stichwort ,Frauenforschung` nachzuschlagen, um etwas über die heutigen Männer zu erfahren." [1] Das Thema Männlichkeiten und Mannsein war in den 70ern ein noch so gut wie unbekanntes Thema. Jedoch änderte sich dieses in den letzten 20 Jahren, denn seit Anfang der 90er boomt die Männerbewegung, die akademische Forschung sowie die Zahl der Veröffentlichungen.[2] Der feministische bzw. akademische Blick allgemein wurde seitdem auf die Männer ausgeweitet, auf deren Rolle innerhalb des Prozesses der Gleichberechtigung, auf die Konzeption eines neuen Geschlechterverhältnisses sowie auf ihre spezifischen Lebenszusammenhänge und -umstände.

Denn heute scheint nicht länger eindeutig zu sein, was ein ,,richtiger" Mann ist oder zu sein hat, oder was Männer überhaupt auszeichnet. Was sich in den letzten Jahren entwickelte, war ein kritischer Blick auf den Mann. Gerade die Emanzipation und ihre Konsequenzen betreffen unmittelbar die Männer. Das Verständnis der Geschlechts- und Elternrollen heute ist ein anderes als noch vor 20 Jahren.

Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Frauen heute über eine bessere Bildung verfügen und ihren Beruf genauso so gerne ausüben wie ihre männlichen Kollegen. Der Anteil erwerbstätiger Frauen ist im Steigen begriffen. Selbst wenn sie eine Familie gründen, steigen sie nicht mehr automatisch aus dem Erwerbsleben aus. Manche von ihnen wollen mit der Arbeitswelt in Verbindung bleiben und arbeiten (zumindest auf Teilzeitbasis) in ihrem Beruf weiter. Im Zuge dieser Entwicklung wird auch die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern neu definiert. Die in vielen Familien traditionell vorherrschende Rollenteilung - der Mann als Ernährer, die Frau als Hausfrau und Mutter - wird von jungen Frauen in Frage gestellt. Sie verlangen eine gerechtere Aufteilung der bezahlten und der unbezahlten Arbeit und einen stärkeren Einbezug der Männer in die Familienarbeit.

Männer müssen sich von der Vorstellung verabschieden, sicher eine Frau zu finden, die das traditionelle Rollenverständnis teilt. Dies hat empfindliche Auswirkungen auf alle Lebensbereiche, in denen Männer und Frauen interagieren und darüber hinaus auch auf das Selbstverständnis und die Identität der Männer, da ihnen mit dem klassischen Rollenverständnis auch die Identifikation ausschließlich über die Ernährerrolle und die damit verbundene starke Position innerhalb der Familie abhanden kommt.

Ausgehend von diesen Überlegungen wechseln wir in unserem Forschungsprojekt, Bild des Mannes in der Gesellschaft, die Perspektive und beleuchten das „Mannsein“ näher. Um dieses weite Feld greifbar zu machen, wurden einzelne Aspekte in verschiedenen Gruppen bearbeitet. Im Rahmen dieser Arbeit beziehe ich mich daher schwerpunktmäßig auf die normativen Vorstellungen in Bezug auf die Arbeitsteilung mit den Dimensionen Erwerbsarbeit, Hausarbeit und Kindererziehung.

Beginnen möchte ich mit der Definition der abhänigen Varbiablen gefolgt von den unabhänigen Variablen. Ich habe mich für diese Reihenfolge entschieden, da meines Erachtens die normativen Vorstellungen zu den einzelnen Lebensbereichen zu einer verdeutlichung des Themas unabdingbar sind.

Den Abschluss meines Forschungspraktikumsberichts bildet der Methodenteil, beginnend mit den Hypothesen, gefolgt von der Methodenentscheidung – und Begründung. Die Grundgesamtheit und Stichprobe stellt einen weiteren Schwerpunkt in meiner Ausarbeitung da. Den Abschluss soll dann die Validität und die Verbesserung deren sein. 

 

2. Die abhänigen Variablen 

2.1 Die abhängigen Variablen: Normative Vorstellungen und Arbeitsteilung

Soziale Normen definieren mögliche Verhaltensweisen in einer sozialen Situation und geben Verhaltensregelmäßigkeiten an. Sie sind gesellschaftlich und kulturell bedingt und daher in den Kulturen verschieden und auch mit der gesellschaftlichen Entwicklung wandelbar. Normen beeinflussen die Vorstellungen dessen, was „männlich“ ist bzw. wie der ideale Mann beschaffen sein sollte.

Man sollte allerdings zwischen Einstellungungen und manifesten, normativen Vorstellungen auf der anderen Seite unterscheiden. Meist schlagen sich jedoch die persönlichen Einstelllungen in den normativen Vorstellungen wieder. Diese Vorstellungen fließen dann in die gewünschte, weil normativ richtige, Arbeitsteilung ein. Somit sind die Einstellungen der wohl zuverlässigste Indikator für die normativen Vorstellungen.

Auf  Grund der (zumindest früheren) höheren Position des Mannes[3] (Simmel, 1985, S. 200ff) hatte er die Möglichkeit, Normen zu prägen und diese über Generationen hinweg aufrecht zu  erhalten. Durch die normativen Vorstellungen, die die gesellschaftliche Bewertung eines Handelns beeinflussen, werden die Normen tradiert. Sie lassen sich  durch die persönliche Einstellung und die Einstellung des Umfelds messen.

Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung ist ein implizites oder ausgehandeltes Reglement, das die Zuständigkeiten der Personen für bestimmte Aufgaben in einer Beziehung bzw. einer Familie festsetzt. Die reale Arbeitsteilung kann sich davon unterscheiden, wenn sie von äußeren Umständen überlagert werden, also wenn der Mann der Partnerin zuliebe oder durch ökonomische Zwänge in seinem Handeln von seinen normativen Vorstellungen abrückt.

Die Arbeitsteilung ist in drei Unterdimensionen gegliedert, und zwar die Erwerbsarbeit, der Hausarbeit und der Kindererziehung. Wie der einzelne Mann anhand seiner normativen Vorstellungen die Arbeitsteilung bewertet, hängt von der individuellen Gewichtung der jeweiligen Unterdimensionen  ab. Den Zusammenhang der Dimensionen  zeigt die Abbildung 1.

Aus den Normen leiten sich die normativen Vorstellungen über die Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau ab, die vorwiegend patriachaler Natur sind. Die Arbeitsteilung teilt sich zwischen Erwerbsarbeit, Kindererziehung und Hausarbeit auf. Wobei die Kindererziehung sowohl die Erwerbsarbeit als auch die Hausarbeit beeinflusst, und somit als nicht vollkommen unabhängig zu sehen ist.


Abb. 1:  Zusammenhang der abhängigen Variablen

2.2. Die abhängigen Variablen: Erwerbsarbeit – Hausarbeit – Kindererziehung 

Durch den Wandel der Arbeitswelt und die Pluralisierung der Lebensformen verliert die traditionelle geschlechtsspezifische Rollenverteilung im Erwerbsbereich ebenso an Selbstverständlichkeit wie das Normalarbeitsverhältnis. So werden die als atypisch bezeichneten Erwerbsbiographien von Frauen zu mehr oder weniger typischen Arbeitsverhältnissen für Männer, und immer mehr Frauen ziehen eine berufliche Karriere einer rein familienzentrierten Lebensweise vor.

Beide Geschlechter identifizieren sich somit verstärkt über Erwerbstätigkeit und berufliches Engagement.

Dadurch bekommt auch die bislang klare Trennung von Familie und Arbeitswelt, sowie die damit verbundenen stereotypen Aufgabenzuschreibungen und Verhaltensweisen, neue Konturen. Fragen, wie nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die bisher vor allem Frauen betroffen haben, geraten in die gesamtgesellschaftliche Diskussion, da zunehmend auch Männer die Wechselwirkung dieser Bereiche unmittelbar erfahren.

Die Erwerbsarbeit ist die entlohnte, meist vertraglich geregelte Arbeit. Zu den Erwerbstätigen zählen demnach alle Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, die in einem Arbeitsverhältnis stehen oder selbstständig ein Gewerbe einen freien Beruf oder eine Landwirtschaft betreiben. Als Indikatoren wären zu nennen: die Regelmäßigkeit der Arbeit, also der Erwerbsstatus, die Berufsbezeichnung, der Arbeitsumfang (Vollzeit/ Teilzeit/ geringfügig beschäftigt, etc.) und die  Externalität der Arbeitsstelle. Die Externalität der Arbeitsstelle erscheint uns wichtig, da jemand, der zu  Hause arbeitet, die Hausarbeit besser in die Erwerbsarbeit integrieren kann und somit andere Formen der Arbeitsteilung zu erwarten sind.

Die Erwerbsarbeit hat für Männlichkeit eine zentrale Bedeutung, deshalb stellt sich die  Frage, ob die Erwerbsarbeit Männer in ihrem Dominanzgefühl bestätigt, oder ob Männer durch die Erwerbsarbeit der Frau (und eventuell der Abhängigkeit dieser) erniedrigt werden. Ist für einen Mann der Beruf das Wichtigste in seinem Leben und verwendet er den Beruf um Abstand von seiner Familie zu bekommen?

Neben der Erwerbsarbeit, stellt die Hausarbeit einen zweiten wichtigen Teil des Arbeitsteilungsprozeses zwischen Männern und Frauen da. Hausarbeit, oder auch Familienarbeit oder Reproduktionsarbeit, ist ein Oberbegriff für alle häuslichen Arbeiten; Arbeiten zur Erhaltung des Haushalts (Aufräumen, Putzen) und des zur Lebensführung benötigten Inventars z.B. Wäsche waschen, Geschirr spülen; die Zubereitung von Mahlzeiten (Einkaufen, Kochen, Backen); regelmäßig wird zur Hausarbeit auch die Beaufsichtigung, Versorgung und Erziehung von Kindern sowie die Pflege von Angehörigen gezählt. Die häusliche Arbeitsteilung ist dabei stark geschlechtsspezifisch; dies betrifft sowohl die Frage der Aufteilung zwischen Hausarbeit und Erwerbstätigkeit als auch - bei partnerschaftlicheren Arrangements der Hausarbeit - die Teilung zwischen verschiedenen Tätigkeitsfeldern innerhalb der Hausarbeit.

So wird etwa " Putzen" oft als typisch weibliche Tätigkeit angesehen, während Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten, Rasen Mähen und Getränkeeinkauf männlich konnotiert sind.

Für die Aufteilung der Aufgabenfelder im Haushalt ergeben sich folgende Indikatoren: die Art der partnerschaftlichen Aufteilung von Textilpflege, Kochen, Putzen, Reparieren, Haushaltsorganisation und Autopflege. Aus Zeitgründen beschränken wir uns auf die Kernbereiche Wäsche Waschen, Staubsaugen und Aufräumen. Auch die Gründe für die individuelle Arbeitsteilung (z.B. auf Grund einer Krankheit) können wir nicht messen.

Aufgabe unserer Studie ist es, aufzuzeigen, ob, ausgehend von ihren normativen Vorstellungen, Männer die Hausarbeit als demütigend empfinden; Oder sind sie einfach nur zu faul? Glauben sie, die Hausarbeit nicht verrichten zu können, oder wollen ihre Partnerinnen nicht, dass sie ihnen helfen, weil die Frauen Angst haben, die Männer könnten etwas falsch machen und dadurch Mehrarbeit erzeugen? Sollten die Frauen die Hauptverantwortung für den Haushalt tragen, oder können Männer genausogut wie Frauen die anfallenden häuslichen Tätigkeiten verrichten?

Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung scheint sich allmählich zu verändern, denn moderne Männer verbringen mehr Zeit mit Hausarbeit und moderne Väter beschäftigen sich inzwischen mehr mit ihren Kindern.

Die Kindererziehung unterteilt sich konkret in die indirekten (Kind muss nicht anwesend sein) und direkten (Versorgen und Spielen) kindbezogenen Aufgaben. Bei den indirekten  Aufgaben muss das Kind nicht anwesend sein, z.B. Besorgungen für das Kind erledigen, während sich die direkten um Versorgung und spielerische Aufgaben drehen.

Forschungsrelevant wäre an dieser Stelle, ob Männer oder Frauen oder beide nicht glauben, dass Männer gut ein Kind versorgen können. Erst einmal sollte man allerdings feststellen, wie Männer und Frauen allgemein zu Kindern in ihrer Beziehung stehen. Glauben diese, das Kinder die Partner einander näher bringen oder vielleicht auch eher das Gegenteil, das Kinder die Partnerschaft belasten und man somit keine Freizeit mehr hat. Kinder stellen eine große finanzielle Belastung da, auch dieser Aspekt sollte in Zeiten von Massenarbeitslosigkeit und Harzt IV nicht aus den Augen gelassen werden. Nachdem die Gründe für und gegen Kinder abgewogen sind, stellt sich die Frage wie Kindererziehung und Beruf vereinbar sind und wie diese untereinander aufgeteilt werden. Ist die wichtigste Aufgabe für eine Frau die Kindererziehung, sollte der Mann seine berufliche Karriere vor die seiner Famile schieben, drückt sich ein Mann vor der Arbeit wenn er den Erziehungsurlaub in Anspruch nimmt oder können Männer und Frauen gleich gut ein Kind versorgen?

Ein weiter Aspekt welcher zur Betrachtung herangezogen werden sollte, ist die Frage wer bei der Kindererziehung die verschiedenen Aufgaben übernehmen soll. Sollte dies eher die Mutter oder der Vater, beide oder gar eine Drittperson mit dem Kind spielen, es loben, Hausaufgaben machen, kuscheln und schmusen oder es bestrafen? Als Indikatoren sollte man die Zahl der Kinder verwenden, oder ob sich die Befragten Kinder wünschen, das Auswirken der Kinder auf die verschiedenen Lebensbereiche, welche Beziehung zwischen Kinderziehung und Beruf herrscht und wer welche Aufgaben bei der Kindererziehung erledigen sollte.

 

3. Die unabhänigen Variablen

3.1. Die Unabhänige Variable: Erwerbsstatus

Der Erwerbsstatus gliedert sich in erwerbstätige und erwerbslose Personen. Erwerbstätige Personen haben eine wöchentliche Arbeitszeit von mindestens 15 Stunden, besitzen entweder eine Anstellung (z.B. in einer Firma, einem Betrieb oder einer Staatsbehörde) oder sind selbstständig. Sie haben ein geregeltes Einkommen. Erwerbslose Personen sind Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger sowie sonstige Nichterwerbstätige, wie Hausfrauen, -männer, Rentner und Studenten. Unter Arbeitslosigkeit wird ein Mangel an Erwerbsgelegenheit für arbeitswillige und arbeitsfähige Personen verstanden. Die Gruppe der Arbeitslosen muss noch in kurzzeitig Arbeitslose und Langzeitarbeitslose unterteilt werden. Eine kurzzeitig arbeitslose Person ist hiernach jemand, der in den letzten drei Jahren maximal ein Jahr arbeitslos war und während dessen Arbeitslosenunterstützung bezogen hat. Als Langzeitarbeitslos bezeichnen wir eine Person, die in die letzten 3 Jahren keiner geregelten Arbeit nachging, vom Arbeitsamt als Langzeitarbeitsloser gemeldet ist, und somit länger als ein Jahr arbeitslos ist. Daraus leiten sich folgende Indikatoren ab: zum einen die Frage nach der Erwerbstätigkeit, zum anderen die Frage nach der Dauer der Arbeitslosigkeit.

Desweiteren sollte die Art der Arbeit, die Art der Nichtarbeit z.B. Schüler oder Rentner und der Beruf genauer klassifiziert werden z.B. einfacher Arbeiter.  

Anbei die aktuelle Arbeitsmarktstatistik der Bundesargentur für Arbeit im Überblick[4]   in 1000

>
 
Insgesamt
Männer
Frauen
Jugendl. unter
20 Jahren
Langzeit-
arbeitslose

2006

Feb

5 047

2 778

2 269

114

1 668

Jan

5 012

2 735

2 277

110

1 607

Arbeitslosigkeit, also der Verlust des Erwerbsstatus, führt fast immer zu einer Verschlechterung der materiellen Situation einer Familie. Viele Familien fürchten durch Harzt IV einen starken sozialen Abstieg.

Das verminderte Haushaltseinkommen führt zu Einschränkungen im Familienbudget. So kommt es häufig zu einer Verschlechterung von Kleidung und Ernährung, sind viele Freizeitaktivitäten nicht mehr finanzierbar, oft muss auf eine Urlaubsreise verzichtet werden. Ich vermute, dass vor allem Männer Arbeitslosigkeit als Zerstörung ihrer Identität als Ernährer ihrer Familie empfinden. Sie erleben oft einen Autoritäts- und Bedeutungsverlust als Ehepartner und Elternteil. So werden sie aus gewohnten Zeitstrukturen herausgerissen, wobei es zu einer Entrhythmisierung des Tages und der Woche kommen kann. Da sie ihr weiteres Leben nicht mehr planen können, fühlen sie sich hilflos und ihrem Schicksal ausgeliefert. Mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit wird ihre Grundstimmung immer negativer, sie verlieren die Hoffnung auf Besserung ihrer Situation, sie werden immer passiver, unzufriedener und verbitterter. Daraus könnte man nun schließen, dass Männer mit einen Beruf sich ausgeglichener und zufriedener füllen. Leider ist die Literatur zu diesem Punkt der männlichen Lebensführung nur sehr spärlich, was ihn für mich umso interessanter macht.

3.2.Die unabhängige Variable: Einkommen

Das Erwerbseinkommen ist für Haushalte mit Personen unter 60 Jahren die Haupteinkommensquelle. Es spielt also für die Sicherung des Lebensunterhaltes vieler Personen eine herausragende Rolle. Es existieren 6 verschiedene Arten von Einkommen. Erstens das Erwerbseinkommen, also das Einkommen, das ein Mensch aufgrund einer Erwerbstätigkeit bezieht. Zweitens das Besitzeinkommen, das Einkommen, das ein Mensch aus Vermietung, Verpachtung, Aktien -oder Unternehmensbesitz, Sparguthaben etc. bezieht. Das Transfereinkommen stellt eine weitere Einkommensart da, es ist das Einkommen, das ein Mensch aus staatlichen Umverteilungen erhält (Kindergeld, Wohngeld, Hartz IV etc.) Das persönliches Einkommen ist  das Einkommen, das einer bestimmten Person zufließt nicht zu verwechseln ist dies mit dem Haushaltseinkommen, also dem Geld welches einem Haushalt zufließt. Das Nettoäquivalenzeinkommen ist für unsere Studie das relevante Einkommen, da hier die  Zahl der Personen in einem Haushalt und ihr Alter  mit einbezogen werden. Dieses Einkommen werden wir mit der letzten Frage in unserer Studie befragen, in dem wir den Befragten bitten, uns sein monatlichen Nettoeinkommen zu verraten.

Ein eigenes Existenz sicherndes Erwerbseinkommen ermöglicht unabhängige biografische Entscheidungen. „ In modernen Gesellschaften sind fast alle materiellen Güter durch Geld käuflich.“[5] Eigenes Geld kann in Paarbeziehungen als Tauschmedium gegen Dienstleistungen eingebracht werden. So funktioniert das männliche Familienernährermodell. Da dieses Modell in traditionellen Geschlechterstereotypen verankert ist, können Frauen als Haupteinkommensbezieherinnen nicht ohne weiteres mit entsprechenden Gegenleistungen rechnen. Ist für Männer ein höheres Einkommen wichtiger als für Frauen? Brauchen sie dieses gar um sich als richtiger Mann zu fühlen?

Die nächsten beiden Tabellen des Statistischen Bundesamtes zeigen das jährliche Nettoeinkommen von 2002 je Haushalt (Tabelle 1) und je Haushaltsmitglied (Tabelle 2) in der Bundesrepublik Deutschland.

Haushalte nach sozialer
Stellung der Bezugsperson
Nominaleinkommen
Realeinkommen in
Preisen von 2000
1991
2002
Verände-
rung in %
1991
2002
Verände-
rung in %
Euro je Haushalt
Euro je Haushalt

Privathaushalte insgesamt

25 700

32 100

25

31 300

31 000

– 1

Haushalte von

  Selbstständigen

71 900

88 400

23

87 800

85 500

– 3

  Arbeitnehmern

27 200

34 800

28

33 300

33 600

1

  Beamten

33 900

41 500

23

41 400

40 100

– 3

  Angestellten

29 000

37 000

28

35 400

35 800

1

  Arbeitern

24 100

30 000

24

29 400

29 000

– 1

  Nichterwerbstätigen

16 400

21 300

30

20 100

20 600

3

  darunter:

  Arbeitslosengeld/
  -hilfeempfängern



15 900



19 000



20



19 400



18 400



– 5


  Rentnern

16 700

21 600

29

20 400

20 900

2

  Pensionären

23 000

29 000

26

28 100

28 100

0

  Sozialhilfeempfängern

10 700

13 900

29

13 100

13 400

2

Nach dem Statistischen Bundesamtes erzielten die privaten Haushalte in Deutschland im Jahr 2002 durchschnittlich ein Nettoeinkommen von 32  100 Euro. Gegenüber 1991 (25 700 Euro) waren 25% mehr an Einkommen in der Haushaltskasse. Real, d.h. nach Abzug der Preissteigerungen für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte, stand den Haushalten im Jahr 2002 im Durchschnitt allerdings etwas weniger Geld zur Verfügung als 1991 (– 1%).[6]

Haushalte nach sozialer
Stellung der Bezugsperson
Nominaleinkommen
Realeinkommen in
Preisen von 2000
1991
2002
Verände-
rung in %
1991
2002
Verände-
rung in %
Euro je
Haushaltsmitglied
Euro je
Haushaltsmitglied

Privathaushalte insgesamt

11 300

15 000

32

13 800

14 500

5

Haushalte von

  Selbständigen

24 700

32 900

33

30 200

31 800

5

  Arbeitnehmern

10 400

14 100

36

12 700

13 600

7

  Beamten

12 300

16 200

32

15 000

15 700

4

  Angestellten

11 900

16 000

35

14 500

15 500

7

  Arbeitern

8 700

11 200

29

10 600

10 800

2

  Nichterwerbstätigen

9 600

12 200

27

11 700

11 800

0

  darunter:

  Arbeitslosengeld/
  -hilfeempfängern



6 700



8 600



29



8 200



8 300



2


  Rentnern

10 300

13 100

27

12 600

12 700

1

  Pensionären

14 100

17 400

23

17 200

16 800

– 2

  Sozialhilfeempfängern

4 700

6 100

30

5 800

5 900

3

Auf Grund des ungebrochenen Trends zu kleineren Haushalten erhöhte sich das Nettoeinkommen je Haushaltsmitglied stärker (+ 32%). Pro Kopf standen im Jahr 2002 15  000 Euro für Konsum und Sparen zur Verfügung (1991: 11 300 Euro). Das reale Durchschnittseinkommen je Haushaltsmitglied hat sich zwischen 1991 und dem Jahr 2002 um 5% erhöht. Durch die Betrachtung des Nettoeinkommens je Haushaltsmitglied wird den Unterschieden in der Haushaltsgröße Rechnung getragen. [7]

3.3.Die Drittvariablenkontrolle

Als Drittvariable bezeichnet man die übrigen potenziellen Ursachfaktoren von Y.  Die Eliminierung des Einflusses der Drittvariablen auf die abhänige Variable wird das Problem der Drittvariablenkontrolle sein. Zeil soll es sein, den von der Drittvariablen bewirkten Effekt in der Kontrollgruppe und in der Experimentalgruppe so gering wie möglichst zu halten. Durch folgende drei Verfahren kann das Problem gelöst werden: Parallelisierte Paare (matched pairs), parallelisierte Gruppen ( matched groups) und durch Zuweisung durch Zufall ( random assignment). [8]In unsere Gruppe kann ein Beispiel für die Drittvariablenkontrolle folgendes sein. Wählt man einen verheirateten, berufstätigen  Mann  aus, und befragt diesem zum Thema häusliche Abreitsteilung ohne etwas über seine Frau zu erfahren, so ist diese Aussage zwar interessant, aber die Kontrollgruppe fehlt. Fügt man nun hier die Ehrfrau des Partners ein und fragt den Befragten welchen Beruf seine Ehefrau ausübt, so ist die abhänige Variable Hausarbeit kontrolliert. Die Ehefrau kann so als Effekt des Dual-Earner oder auch des Male- Breadwinner- Models zur  Einschätzung der Aufteilung der häuslichen Arbeiten genuztz, bewertet und interpretiert werden.

 

4.Die Hypothesen

Die erste Hypothese lässt sich aus dem Konflikt zwischen dem Erwerbstatus und der häuslichen Einbindung des Mannes in die Arbeitsteilung ableiten. Männer die beruflich eingespannt sind, überlassen die Hausarbeit oftmals ihren Partnerinnen/ Ehefrauen, da sie es als selbstverständlich ansehen, dass die Frau sich um den Haushalt kümmert. In der Erwerbsarbeit gilt allzu oft noch die Präsenzzeit als wichtigstes Leistungsmerkmal, so dass Männern bei einer Reduktion der Erwerbsarbeitszeit zugunsten der Hausarbeit das Karriereende droht.

H1: Männer verwenden nicht so viel Zeit im Haushalt, weil sie Angst haben, durch die häusliche Mehraufwendung ihren Beruf zu vernachlässigen.

Die unabhängige Variable wären bei der H1 der Erwerbsstatus, und als Indikatoren der Erwerbsstatus und die Berufsbezeichnung zu nennen. Die abhänige Variable wäre die häusliche Arbeitsteilung.

Zur Überprüfung dieser Hypothese lassen sich in unserem Fragebogen folgende Items heranziehen: job_1, job_2, job_5, job_10, home_1, home_5, home_6., ziel2, ziel3, ziel4.

Die nächsten Hypothesen befassen sich mit Arbeitslosigkeit von Personen und in wie weit diese die Arbeitsteilung beeinflussen kann. Hierbei sollte man allerdings zwischen einer kurzfristigen und einer langfristigen Arbeitslosigkeit unterscheiden. Dieses wird durch die unabhänige Variable bdauer gemessen. Langzeitarbeitslos, sind erwerbsfähige Personen die länger als ein Jahr arbeitslos gemeldet sind. Arbeit ist für viele Menschen ein psychosozialer Stabilisierungsfaktor und regelt die Tagesstruktur und das soziale Umfeld. Wenn dieser plötzlich wegfällt müssen sich die betroffenen Personen neu orientieren. Männer benötigen, wie auch Frauen, das Gefühl gebraucht zu werden. Da nun ihr Beruf als Identitifikationspunkt wegfällt suchen sie nach einem Nneuen. Kann es dazu kommen, dass Männer ihrer Frau/ Partnerin die häusliche Arbeit „wegnehmen“ um das nicht-teilhaben am Berufsleben zu kompensieren?

H2: Männer die Langzeitarbeitslos gemeldet sind,  sind eher bereit die Hauptverantwortung für den gemeinsamen Haushalt zu tragen.

Die unabhänige Variable ist bstatus und bdauer. Als  abhängige Variable wäre die häusliche Arbeitsteilung zu nennen. Zur Überprüfung der Hypothese könnte man folgende Items aus unserem Fragebogen verwenden: home_1, home_2, home_3, home_4.

Eine weitere Hypothese könnte versuchen herauszufinden, ob Männer diese Hauptverantwortung auch für die Kinder übernehmen würden?

H2a: Männer die Langzeitarbeitslos gemeldet sind,  sind eher bereit die Hauptverantwortung für die gemeinstamen Kinder zu tragen.

Um diese Hypothese zu überprüfen, muss man zusätzlich zu den Items von H2 folgende Fragen heranziehen: care_3, care_4, care_6, ziel_1, ziel_2, ziel_3

Die Thematik der nächsten Hypothese soll das Einkommen sein. Ratsam wäre es hier, das Einkommen, in Einkommenskategorien aufzuteilen:

0-1500 Euro Nettoeinkommen im Monat = Untere Schicht

1500-3500 Euro Nettoeinkommen im Monat = Mittelschicht.

Über 3500  Euro Nettoeinkommen im Monat  = gehobene Mittelschicht/ Oberschicht

Wie bereits im obrigen Abschnitt erwähnt, sichert ein eigenes Erwerbseinkommen die Existenz und  ermöglicht unabhängige biografische Entscheidungen. Für einem Mann könnte diese unabhänige Entscheidung diese sein, dass auf Grund seines hohen Gehalts die Frau nicht mehr arbeiten muss. Da der Mann für den Unterhalt der Familie aufkommt, muss die Frau als Gegenleistung sich um den Haushalt und die Kindererziehung kümmern. Daraus lässt sich nun folgende Hypothesen entwickeln:

H3 Mit einem Nettoeinkommen von über 3500 Euro im Monat bleibt die Frau zu Hause.

H3a Mit einem Nettoeinkommen von über 3500 Euro im Monat verrichtet die Frau die meisten häuslichen Pflichten ( inklusive der Kinderversorgung)

Als unabhänige Variable wäre hier das Nettoeinkommen der Befragten zu nennen, also die Variable income. Die abhänige Variable wäre bei H3 die Hausarbeit und bei H3a die Kindererziehung.  Zur Überprüfung dieser Hypothese lassen sich folgende Items heranziehen: home_1 bis home_7, job_6, job_9, job_10

Für die Hypothese 3a muss man noch die Zahl der eventuell vorhanden Kinder mit einbeziehen, also kindzahl. Folgende Items wären hierbei noch denkbar: care_2, care_3, care_5, kind_8.

Die letzte Hypothese soll sich nun mit dem Verhältnis zwischen Einkommen, Erwerbsstatus und der Kindererziehung befassen. Männer mit einem gehoben Einkommen, also mit einem Nettoeinkommen von über 3500 Euro pro Monat haben auf Grund ihrer beruflichen Einbindung nicht die Zeit und die Ambition für das Kind die gleiche Stellung wie die leibliche Mutter einzunehmen. Diese Hypothese zielt vorallem auf das Male-Breadwinner-Modell ab.

H4: Männer mit einen gut bezahlten Beruf verspüren nicht dem Wunsch ihrem Kind ein ebensowichtiger Teil wie die Mutter zu sein.

Als unabhängige Variable wäre der Erwerbsstatus des Mannes und dessen Partnerin/Frau relevant, die Erwerbstätigkeit,  das monatliche Einkommen und  die Anzahl der Kinder. Die abhängige Variable wäre die Kindererziehung. Folgende Items kämen für H4 in Frage: care, kind_5, kind_7, kind_8, ziel3.

 

5. Methoden

Um ein Forschungsprojekt korrekt durchführen zu können, sind zahlreiche Schritte notwendig. Der erste Schritt ist das Forschungsdesign, hierbei sollte ein Plan entwickelt werden, welcher vorgibt wie man im Einzelnen forschen möchte. Dieser Plan, das Forschungsdesign, muss im Wesentlichen die Art der Daten, die Beziehung der Daten zueinander, die Datenerhebung und die Datenauswertung enthalten.

Wir entschieden uns für das ex post facto Design. Um das ex post facto-Design zu charakterisieren, werde ich  zunächst noch einmal die wichtigsten Merkmale des experimentellen Vorgehens dargestellen. Die Grundstruktur des experimentellen Ansatzes basiert auf dem Modell: wenn X, dann Y. Der Forscher legt ein der Problemstellung angemessenes, praktisch realisierbares Design fest, das eine Methode zur systematischen Veränderung von X beinhaltet.

Dann beobachtet er Y um festzustellen, ob die Variation auftritt, die er aufgrund der Veränderung von X erwartet. Wenn das der Fall ist, ist das ein Hinweis für die Gültigkeit der Behauptung: Wenn X dann Y. Beim experimentellen Ansatz macht man von einem kontrollierten X eine Vorhersage auf Y. Der Stimulus, also die Ausprägung der unabhänigen Variable, in diesem Fall wäre dies das Einkommen under der Erwerbsstatus, wird ex ante der vorhandenen Gruppe zugefügt.

Bei der ex post facto-Forschung wird dagegen nur Y systematisch beobachtet. Dann folgt rückblickend eine Suche nach X. Der wichtigste Unterschied zwischen experimenteller und ex post facto-Forschung liegt also in der Möglichkeit der Kontrolle. Bei einem Experiment verfügt man über die Möglichkeit der gezielten Variation der Versuchsbedingungen. Bei einem ex post facto-Design muß man die Dinge so hinnehmen, wie sie vorliegen. Ursache und Wikrung können nur noch aus theoretischen Überlegungen hergeleitet werden. Ex post facto-Forschung hat also aus der Sicht der experimentellen Vorgehensweise eine prinzipielle Schwäche: mangelhafte Kontrolle der unabhängigen Variablen, d.h. der Stimulus kann nur die Ursache eines Effekts sein, und nicht umgekehrt. Kein später auftretendes Ereignis kann die Ursache eines früher aufgetretenes Ereignisses sein.[9] Zeitlich muss die Ursache vor der Wirkung sein. Für unser Projekt bedeutet dies, nicht weil die Männer früher so dominant waren sind sie es heute noch, sondern Männer besitzen z.B. durch ihr höheres Einkommen eine dominante Stellung in der Gesellschaft. Eng mit dem ex post facto design ist auch das Problem der Scheinkorrelation bzw. Scheinkausalität verbunden, dass heißt  das zwischen zwei Variablen keine kausale Beziehung besteht.  Es ist die übertriebene Anwendung eines logischen Denkschemas. Die beiden Variablen können durch einen dritten Faktor kausal verursacht wurden sein, sodass sich ihre Korrelation nur indirket als Folge daraus ergibt.

Um meine Forschungsfrage formulieren zu können, kann ich mich entweder auf schon bestehende Theorien berufen oder versuchen mittels Ad-Hoc Hypothesen den Gegenstandsbereich meine Forschungsfrage zu untersuchen. Zwar nimmt der akademische Blick auf die Männer und deren Rolle innerhalb des Prozesses der Gleichberechtigung zu, aber diese Literatur war keinesfalls befriedigend.

Ich habe mich für die Ad-Hoc Hypothesen entschieden, aufgrund des Mangels an Thesen und Literatur. Auch können meine Untersuchungen neue Ergebnisse liefern, und der Forschung hinsichtlich des Männerbildes des 21. Jahrhunderts neue Impulse und Wendungen geben. Ad-Hoc Hypothsen bärgen allerdings auch die Gefahr, dass es zu einer Verzerrung durch Alltagswissen kommen kann, oder das man sich zu fest an vorhandenen Stereotypen klammert. Ein weiteres Manko der Ad hoc Hypothesen  stellt die mangelnde Reichweite meines eigenen Wissens da. Dennoch wurden diese Fragen so noch nicht beleuchtet, von daher sind die möglichen Störfaktoren meinerseits zu verkraften und vielleicht werden sie Ausgangspunkt neuer Diskussionen.

Als Methode der zeitlichen Dimension haben wir uns für eine Querschnittsanalyse entschieden. Diese cross sectional designs sind in den empirischen Sozialwissenschaften die wohl verbreitetste Arte Analysen zu erheben. Bei ihnen erhebt man an einer größeren Anzahl von Fällen gleichzeitig mehrere Variablen. Die Korrellation der unabhänigen und abhänigen Variablen, falls diese nominalskaliert sind, werden dann in der Form von Kontingenztabellen dargestellt.

Neben der Querschnittsstudie existiert noch die Panel-Erhebungen. Hier erfolgen Messungen an zwei oder mehreren Zeitpunkten zu einem Phänomen. 

Die Haupterhebung der Studie findet vom 22.03.2006 – 07.04.2006 statt, bei Bedarf soll es zu einer einwöchigen Verlängerung der Studie Kommen. Leider ist dieser Erhebungszeitraum sehr stark begrenzt. Zu dem Forschungsthema liegen im Moment nur sehr wenige Vergleichswerte vor, von daher wird es schwierig sein Veränderungen in den Einstellungen der Männer zu messen. Die Meinungen von und über dem Bild des Mannes werden sich auch in den nächsten 3 Wochen, während der Datenerhebung, nicht signifikant ändern.

Die nächste methodische Entscheidung ist die Verfahrensart zur Datenerhebung. Zum einen gäbe es dazu das qualitative Verfahren. Hier könnte man als Befragungsart offene Interviews auswählen, und so Einstellungen und Meinungen der befragten Personen im Detail erfassen.

Der große Nachteil wäre, dass Interviews sehr zeitaufwändig werden, und dadurch auch die Kosten der Studie extrem steigen würden. Deswegen könnten bei unserem geringen Budget nur sehr wenige Interviews durchgeführt werden, wodurch der Bezug und das Zutreffen der Studie auf die allgemeine Bevölkerung nicht möglich ist. Ebenso ist die Auswertung offener Interviews sehr zeit- und personalaufwändig, was wieder zu erhöhten Kosten führt.

Aus den oben genannten Gründen haben wir uns für eine quantitative Studie entschieden. Der  Fragebogen bei einer quantitativen Studie  ist standardisiert, somit sind die Ergebnisse relativ einfach statistisch aufzubereiten. Ein weiterer Vorteil einer quantitativen Studie ist, dass sie sehr gut vergleichbar  ist und die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Variablen gut erfasst werden können. Somit können die Ergebnisse unserer Stichprobe leicht auf die Gesamtbevölkerung übertragen werden. Ein weiterer Vorteil ist die Schnelligkeit im Abschluß und in der Durchführung der Interviews. Dieses führt dazu, dass mehr befragte Personen in unsere Stichprobe gelangen können, als bei qualitativen Interviews. Leider kann man aber dadurch den Fragebogen spontan nicht mehr verändern, wenn man Fehler entdeckt oder es die Situation erfordern würde, da die Fragen schon vorher festgelegt wurden. Wobei man hier auch einfügen muss, dass Fehler im Fragebogen sofort korrigiert werden könnten, da der Projektleiter unmittelbar in der Foschungsstätte anwesend ist.

Als Datenquelle werden wir Primärdaten erhalten, was dazu führt, das wir bei der Wahl unserer Hypothesen und der Bildung unseres Fragebogens fast völlig freie Hand hatten, und somit jeder die Möglichkeit hatte, sein Interessengebiet im Bereich des neuen Männerbildes zu formulieren. Als Nachteil ist anzuführen, dass diese Form zu einem erhöhtem Zeitaufwand führt, was aber durch den Vorteil der Gestaltungsfreiheit mehr als ausgeglichen wird.

Als Form der Datenerhebung haben wir, wie schon vorher erwähnt, eine Befragung ausgewählt. Dadurch können wir nähmlich am leichtesten die Meinungen, Einstellungen und Vorstellungen  der Befragten ermitteln.

Bei einem CATI-System (Computer Aided Telephone Interview), also einer bevölkerungsbezogenen, telefonischen Umfrage,  wird das Interview mit Hilfe eines Computerterminals duchgeführt, wobei der Interviewer die Anworten unmittelbar in den Computer eingibt. Das Interview wird dabei durch vorprogrammierte Computerprozesse, die beispielsweise Frage und Frageablauf auf dem Bildschirm erscheinen lassen, unmittelbar kontrolliert. Auf eine gewissen Weise " spricht" der Untersuchungsteilnehmer also mit dem Computer über den Interviewer. CATI dirigiert den Fluß jedes Interviews und übermittelt dem Interviewer sofort im Anschluß an eine Frage die nächste. Vorprogrammierte Instruktionen  gewährleisten, daß die Antworten gültig und konsistent mit den Antworten auf vorangegangenen Fragen sind.

Falls ein Interviewer eine falsche Antwort protokolliert, die nicht in den Antwortkategorien vorgesehen ist, dann erscheint sofort eine Fehleranzeige auf dem Bildschirm. Korrekturen können umgehend eingeleitet werden. Wenn die richtige Antwort protokolliert worden ist, entscheidet der Computer aufgrund der Vorgaben im Programm (Filterführungen), welche Frage als nächste gestellt wird. Neben der einfachen Durchführbarkeit, bietet CATI noch weitere Vorteile, so können erste Auswertungen während der Befragung duchgeführt werden und die Konsistenzüberprüfungen können im Laufe des Interviews automatisch erledigt werden, da Antwortmuster oder Widersprüche in den Antworten festgehalten werden.

Die Nachteile einer CATI-Befragung wären, dass bei einem Ausfall der Hardware eine vollständige Unterbrechung der Umfrage von nöten sein würde. Darüber hinaus können jederzeit Daten auf der Festplatte zerstört werden und somit auch verloren gehen. 

Interviewern können Fehler beim Eintippen der Daten unterlaufen, die vom Programm nicht unmittelbar erfaßt werden, aber später erhebliche Probleme beim Coden und bei der Überprüfung hervorrufen. Um das zu vermeiden, muß die Interviewerschulung beim Einsatz von CATI intensiver sein, was höhere Kosten als die Schulung bei manuellen Umfragen nach sich zieht. Außerdem sind visuelle Daten nicht erfragbar.

Oftmals triit auch ein beschönigendes Antwortverhalten (soziale Erwünschtheit) ein, es kommt zu einer leichteren Ablenkung des Interviewten als bei Face-to-Face-Interviews. Auch ist es für die interviewte Person leichter, gezielt falsche Angaben zu seiner Person zu machen und das Interview durch einfaches Auflegen des Telefons zu beenden.

Die Telefonnummern, die wir für unsere Umfrage benötigen, erhalten wir durch eine Einwohnermeldeamtsstrichprobe aus 19 deutschen Gemeinden. Aus jeder Gemeinde soll eine Zufallsstichprobe aus deutschen Staatsbürgern gezogen werden. Wobei es zu einer Auswahl von 109 Adressen pro Gemeinde kommt. Mehr zu den detailierten Auswahlprozess folgt in dem Abschnitt zum Thema Grundgesamtheit und Stichprobenumfang.

Die benötigten Geldmittel für die Studie bekommen wir von der Universität und dem Lehrstuhl für Sozilogie II.  Sie sollen unsere entstehenden Telefon-, Material- und Interviewerkosten decken. Weitere benötigte Ressourcen für das Gelingen der Studie sind eine hohe Teilnahmebereitschaft und ein großer Arbeitsaufwand durch der Forschungspraktikumsteilnehmer sowie der Dozentin, damit die Ein- und Ausarbeitung des Themas, die Gestaltung des Fragebogens und Erhebung der Daten reibungslos funktioniert.

 

6. Grundgesamtheit und Stichprobe

Die Grundgesamtheit ist die Menge aller Objekte, über die man eine Aussage machen will. Sie muss inhaltlich, räumlich und zeitlich abgegrenzt werden. Dies entspricht in unserem Fall der Meinung und Einstellung in der Bevölkerung zum Bild des Mannes in der Gesellschaft . Wir werden jedoch unter 18-Jährige, da Erlaubnis der Eltern/ Erziehungsberechtigten erforderlich,  und Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft nicht in unserer Stichprobe berücksichtigen.

Aus dieser Grundgesamtheit müssen wir nun eine Stichprobe ziehen welche diese repräsentiert. Wir haben uns für eine Einwohnermeldeamtsstichprobe entschieden.

Der erste Schritt war die bewusste Auswahl der Bundesländer. Auf Grund des Arbeitsmarktes und der Institutionsgeschiede fiel die Entscheidung auf Baden-Württemberg, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt.

Der nächste Schritt war die Auswahl der Landkreise, das erste Auswahlprinzip war es die Regionen nach Familienfreundlichkeit, diese fanden wir im Familienatlas von 2005 zu gliedern. Hierbei wurden folgende acht Gruppen identifiziert: Familienfreundliche Region, Klassische Mittelstandsregion, Region mit verdeckten Problemen, Unauffällige Region, Singlestadt, Ostdeutsche Refugien,  Perspektivlosigkeit und Stadt im Strukturwandel.

Das zweite Auswahlprinzip stellte die Unterschiede der Landkreise nach nach Stadt-Land-Unterschieden  laut INKAR da.

Nun folgte die Auswahl der Gemeinden, hier zielten wir vor allem auf das Kontrastgebiet städtisch und ländlich ab. Informationen dazu erhielten wir von den Webseiten der Landkreise und die  Einwohnerzahl bekammen wir von http://www.destatis.de/. Auf die genaue Aufschlüsslung der Kriterien für die Auswahl der Bundesländer durch die Datenquellen wird hier verzichtet. Genauere Informationen dazu erhielten wir durch eine detailierte Email.

Den nächsten Schritt stellt nun die eigentliche  Einwohnermeldeamtstichproben da. Der vorherige Schritt unterscheidet sich nicht mit dem von anderen Studien. Bei einer Einwohnermeldeamtsstichprobe stellt die Bestätigungen der Einhaltung der Datenschutzbestimmungen und die Unbedenklichkeitserklärung durch die Regierung von Oberbayern den ersten Schritt da. Als nächstes wurden die Gemeinen kontaktiert, diese ziehen eine geschichtete Zufallsstichprobe nach Alter und Geschlecht. Nun schicken die Gemeinden die Adressen an uns zurück.

Der dritte Schritt stellt die Vorbereitung der Stichprobe da. Frau Silber sucht mit Hilfe des Telefonbuches Telefonnummern heraus, wobei das Problem der Geheimnummern besteht, da fast 1/3 aller Nummern Geheimnummern sind. Dann wurden die Anschreiben, an die ausgesuchten Haushalte verschickt. Nun folgt der letzte Schritt die Telefoninterviews. Um aussagekräftige Interviews zu führen ist eine Interviewerschulung unabdingbar. Der zweite Schritt ist das Screening gefolgt von Konvertieren. Nun heißt es so viele Kontaktversuche und Terminvereinbarung wie möglich herzustellen, damit so viele Befragungen wie möglich durchgeführt werden können.

Nun möchte ich kurz die Ausgewählten Bundesländer vorstellen.

In unserer Studie repräsentiert Baden-Württemberg den Süden Deutschlands am besten. Mit fast 11 Millionen Einwohnern und 36,000 km² Fläche gehört Baden-Württemberg zu den Größten aber auch relativ schwach besiedeltsten Bundesländern der Bundesrepublik. Hier ist die Arbeitslosigkeit  ist mit ca. 7 % relativ niedrig, die Langzeitarbeitslosenquote und Sozialhilfequote bewegt sich ebenfalls in niedrigen Bereichen. In Baden-Würtemberg ist  die allgemeine Lage des Arbeitsmarktes gut einzuschätzen, die Erwerbstätigen haben ein relativ hohes Einkommen. Die Situation der Frauen auf dem Arbeitsmarkt wurde in den letzten Jahren stark verbessert und so herrscht nur noch eine geringe Lohndifferenz zwischen Männer und Frauen, die der gleichen Arbeit nachgehen. Trotzdem gibt es immer noch eine unterdurchschnittliche Frauenerwerbsquote, eine mittlere Frauenarbeitslosigkeit und einen hohen Anteil weiblicher Sozialhilfeempfänger. Die politische Kultur ist traditionell konservativ einzuschätzen, und die Landesregierungen ist mit fast 43% fest in CDU/CSU-Hand. Die dominierende Familienform mit 18% ist die Doppelverdienderfamilie, wobei die Frau Teilzeit arbeitet. Gefolgt von dem Einverdienerhaushalt mit der Hausfrau und der Doppelverdienerfamilie, wo die Frau Vollzeit arbeitet.

Sachsen-Anhalt stellt mit einer Fläche von 20.000 km² und fast 2,5 Millionen Einwohner den Repräsentant für den Osten Deutschlands. Die Arbeitslosigkeit ist dort mit durchschnittlich 18,8% auf Gesamtdeutschland gesehen sehr hoch. Auch die Langzeitarbeitslosigkeit ist im nationalen Vergleich sehr hoch, was durch die schlechte Arbeitsmarktlage nicht gerade begünstigt wird. Nur wenig zukunftsorientierte Bereiche und relativ viele Landwirtschaftliche Betriebe tragen ebenfalls zur schlechten Lage bei. Das Einkommen der Erwerbstätigen ist relativ niedrig, aber die Sozialhilfequote bewegt sich nur in niedrigen bis mittleren Bereichen. Die Situation der Frauen auf dem Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren verschlechtert, trotz sehr geringer Lohndifferenzen und einer hohen Frauenerwerbsquote. Deshalb befindet sich unter den Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern ein sehr hoher Frauenanteil.

Aufgrund der sozialistischen Vergangenheit ist die politische Kultur sehr links einzuordnen, und es wird erheblich mehr PDS gewählt, als in den alten Bundesländern. Auch ist in der letzten Jahren ein Erstarken sowie eine gesteigerte Akzeptanz rechten Parteien zu bemerken. Die stärkste Partei mit 43% ist die SPD.

Hier dominiert mit 26% die Doppelverdienerfamilie, wobei die Frau Vollzeit arbeitet. Knapp gefolgt von der Famile wo mindestenz eine Person Arbeitslos ist, welches auf Grund der hohen Arbeitslosenquote auch nicht verwunderlich zu sein scheint.

Die Stadtstaaten werden von Bremen vertreten. Dort ist die Arbeitslosigkeit mit durchschnittlich 13,7% mittel bis höher ausgeprägt als in der Bundesrepublik. Bürger sind in Bremen eher mittelmäßig von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen, trotz einer sehr hohen Sozialhilfequote. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist nicht schlecht, denn es werden hohe Beschäftigungsquoten erreicht. Die Frauenerwerbsquote ist durchschnittlich und es herrscht ein relativ hoher Lohnunterschied. Trotz einer geringen Frauenarbeitslosigkeit hat sich die Situation der Frauen auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert. Die politische Kultur ist durchzogen von einer starken Arbeitertradition, was sich in einer Parteipräferenz für die SPD und die Grünen äußert. Bremen besitzt das höchste Einkommen der Länder. Die meiten Menschen in Bremen leben in Singleverdienerhaushalten zusammen, was für eine Großstadt mit 1,6 Millionen Einwohner nicht verwunderlich ist.

Der Westen wird durch das Bevölkerungsreichste Bundesland, mit 18 Millionen Einwohnern,  Nordrhein-Westfalen repräsentiert. Hier befindet sich der größte deutsche Ballungsraum: das Rhein-Ruhr-Gebiet. Die allgemeine Lage auf den Arbeitsmarkt ist durchschnittlich und die Beschäftigungsquote von fast 50% bewegt sich Nordrhein-Westfalen im mittleren Bereich. Das Einkommen ist hoch, und die Arbeitslosenquote mit 13,6% im niedrigen bis mittlerem Bereich. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen liegt mit 31,8% im Durchschnitt. Mit nicht mal 10% liegt der Anteil der Frauen welche  Arbeit suchen unter dem Durchschnitt. Jedoch ist die Frauenerwerbsquote gering. Die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern sind hoch, wobei die Entwicklung der Arbeitsmarktsituation von Frauen sich in Nordrhein-Westfalen verbessern werden. Die Politische Kultur ist wechselnd, wobei die CDU und SPD sich stets einen engen Kampf lieferten. 20% der Haushalte sind Singleverdienerhaushalte, knapp gefolgt mit 19% von den Doppelverdienerhaushalten, wobei die Frau Teilzeit arbeitet.

Auf eine Auflistung der Gemeinden wird verzichtet.

Für die Berechnung der erforderlichen Stichprobengröße müssen mögliche Ausfallgründe eines Interviews berücksichtigen werden. Dazu haben wir Erfahrungswerte und Ergebnisse aus vergangenen Studien gesammelt.

Alle Ausfälle gehen mit einem gewissen Prozentsatz in die Rechnung ein. Wobei diese Ausfälle relativ gering sein werden, da wir eine Einwohnermeldeamtstichprobe durchführen.

  • kein Anschluss unter dieser Nummer (Nummer existiert nicht, deshalb neutral)
  • Geschäftsanschluss (wollen wir nicht befragen, deshalb neutral)
  • Anrufbeantworter (kein Interview zustande gekommen, beeinflusst nicht Stichprobe, da kein Kontakt)
  • keine Erreichbarkeit (kein Interview zustande gekommen, beeinflusst nicht Stichprobe, da kein Kontakt)
  • bei 10 Kontaktversuchen nicht erreichbar (kein Interview zustande gekommen, beeinflusst nicht Stichprobe, da kein Kontakt)
  • Freizeichen (kein Interview zustande gekommen, beeinflusst nicht Stichprobe, da kein Kontakt)
  • Fax/Modemkarte (Nummer existiert nicht, deshalb neutral)
  • Rufnummer geändert (Nummer existiert nicht, deshalb neutral)
  • falsches Bundesland (wollen wir nicht befragen, deshalb neutral)

Im Gegensatz dazu können stichprobenverzerrende Ausfälle sich auf die Qualität der Studie Auswirken. Mögliche verzerrende Ausfälle:

  • keine Zeit/mangelndes Interesse (Meinung und Einstellung der Person sind nicht erfragbar gewesen, trotz Kontaktmöglichkeit -> Stichprobenverzerrend)
  • keine Lust/Misstrauen (Meinung und Einstellung der Person sind nicht erfragbar gewesen, trotz Kontaktmöglichkeit -> Stichprobenverzerrend)
  • wortloses Auflegen (Meinung und Einstellung der Person sind nicht erfragbar gewesen, trotz Kontaktmöglichkeit -> Stichprobenverzerrend)
  • Interviewperson zu alt, zu jung (Meinung und Einstellung der Person sind nicht erfragbar gewesen, trotz Kontaktmöglichkeit -> Stichprobenverzerrend)
  • mangelnde Deutschkenntnisse (Meinung und Einstellung der Person sind nicht erfragbar gewesen, trotz Kontaktmöglichkeit -> Stichprobenverzerrend)
  • Interview Abbruch (Meinung und Einstellung der Person sind nicht rechtzeitig erfragbar gewesen, trotz Kontaktmöglichkeit -> Stichprobenverzerrend)
  • Gatekeeper verweigert Zugang (Meinung und Einstellung der Zielperson sind nicht erfragbar gewesen, trotz Kontaktmöglichkeit -> Stichprobenverzerrend)

 

7. Validitätsmaßnahmen

Die Reliabilität, also die Zuverlässigkeit eines Messinstruments, ist die notwendige Vorraussetung für die Validität. Bei der Reliablilität soll unter sonst gleichbleibenden Bedingungen immer die gleichen Resultate geliefert werden. Wir standen nun vor dem Problem die Gültigkeit (Validität) unseres Forschungsprozesses zu steigern. Hierzu war zu beachten, dass bei der Fragebogenkonstruktion die Gütekriterien möglichst erfüllt werden sollten. Es soll nämlich nur das durch das Messinstrument in unserem Fragebogen gemessen werden, was wir erforschen wollen.

Die Validität gliedert sich zum einen in die empirische und in die(sprach)logische oder semantische Gültigkeit.  Bei der empirische Gültigkeit oder der Konstruktvalidität untersuchen wir „die Validität eimes Messinstruments, indem wir feststellen, ob die durch das Messinstrument gebildete Variable in einer Art und Weise mit anderen Variablen zusammmenhängt, die durch eine Theorie vorrausgesagt wird.“[10] Empirische Gültigkeitsprobleme sind somit unter anderem missverständliche Frageformulierungen, bewusste Falschaussagen der Befragten, soziale Erwünschtheit der Antworten und falsche Erinnerungen an vergangene Tatsachen.

Die sprachlogische Gültigkeit ist dann erreicht, wenn die operationale Definition, also die empirische Interpretation durch Indikatoren, den selben Inhaltsbereich beschreibt, wie die nominelle Definition eines Begriffs. Dies bedeutet in unserem Fall, dass ein Oberbegriff in Bedeutungsdimensionen eingeteilt wird, und zu jeder dieser Unterdimensionen präzise Fragen gestellt werden. Natürlich ist es nicht immer unproblematisch, die sprachlogische Gültigkeit sicherzustellen. Denn manchmal umfassen die Fragen zusätzlich noch andere Aspekte, nur Teilbereiche oder zu wenig Aspekte des Begriffs.

Präzision und Objektivität gelten als Vorraussetzung für die Zuverlässigkeit, was durch die Standardisierung der Forschungsinstrumente erreicht werden soll. Die Präzision und die Objektivität sind dann erreicht, wenn ein Verfahren bei wiederholter Anwendung durch den selben Forscher die gleichen Ergebnisse liefert. Dies bedeutet in unserem Fall, dass die Antwortkategorien der Fragen von jedem Befragten gleich verstanden werden müssen, und somit trennscharf und exakt formuliert sein sollen. Probleme treten hier bei sich überschneidenden Kategorien auf.

Objektivität ist in unserem Fall damit gegeben, wenn die Antworten der Befragten nicht durch den Interviewer oder sonstige Situationen abhängen, sondern von dem zumessenden Merkmal. Es existieren drei Arten der Objektivität, die Durchführungsobjektivität (Konstanz der Untersuchungsbedingungen), die Auswertungsobjektivität und die Interpretationsobjektivität (gleiche Beurteilung der Ergebnisse durch Personen mit gleichem Wissenstand).

Nun versuchten wir alle Störfaktoren auszuschließen, und somit jeden Befragten unter den gleichen Bedingungen zu interviewen. Mögliche Störfaktoren sind unter anderem Interviewereffekte, Itemreihenfolgeeffekte, Stimmungsschwankungen des Befragten und Unterbrechung der Fragebogenbearbeitung. Durch maximale Standardisierung und genaue Intervieweranweisungen sind diese zu kontrollieren.

Um den fertigen Fragebogen auf noch mögliche Fehler zu testen, wird ein Pretest durchgeführt. In einem Pretest werden unter normalen Interviewbedingungen (Realbedingungen) eine bestimmte Anzahl Interviews durchgeführt. Hier werden die Fragen auf abnormale Antwortverteilungen hin getestet, und auch mögliche provozierende Fragen gestellt. Jeder Forschungspraktikumsteilnehmer sollte nun fünf Interviews durchführen. Diese Phase war besonders interessant, da zum ersten mal der Fragebogen getestet werden konnte. Hilfreich war hier der Verständnispretest, dieser dauerte etwa 45 Minuten pro Befragten. Hierebei wurden wir auf schwer- oder missverständliche Fragen aufmerksam gemacht. Auch Fragen welche langatmig, anmaßend oder negative Gefühle bei dem Befragten hervorrufen sollten, ja mussten wir aus den Fragebogen streichen. Des weiteren wurde unser Fragebogen durch die Analyse von Experten, unter anderem Professor Dr. Siegfried Lamneck, Dr. Nina Baur, Dr. Manuela Boatca und PD Dr. Jens Luedtke, noch weiter validiert.

Nach Vollendung des Pretests unter Realbedingungen wurde unser Fragebogen noch überarbeitet. Es stellte sich nämlich heraus, dass der Fragebogen noch viel zu lang war, und deshalb weniger wichtige Fragen, dieses waren meist Fragen welche zur Aufarbeitung auf Grund ihrer Eindeutigkeit unzureichend waren, gekürzt werden mussten. Dies wurde in Gruppenarbeit unter den FOP-Teilnehmern und Dr. Nina Baur übernommen. Auch schilderten die Pretester ihre Erfahrungen aus den Interviews, und gaben weitere wichtige Hinweise, bis schließlich die Arbeiten am Fragebogen zu einem Ende kamen. Dieser Prozess war sehr zeitaufwendig.

Manchmal war es ein Wort oder auch ein Überleitungssatz, welche diskutiert werden mussten. Auf eine detailierte Aufschlüsslung der Änderungen des Pretest wird hier verzichtet.

Ein weiterer Punkt welcher zu Verbesserung der Validität führen kann, ist eine Interviewerschulung und die Verwendung von Supervisoren. Gut-geschulte Interviewer führen Fragebögen besser aus als schlecht-geschulte Interviewer. Die Supervisoren haben die Aufgabe den korrekten verlauf der Interviews sicherzustellen, und bei Fragen, den Interviewern zur Seite zu stehen.

Festzuhalten ist, dass durch einem Pretest (mit Verständnispretest) und ein Funktionierendes CATI-Labor mit geschulten Interviewen und Supervisoren die Validität gesteigert werden kann.

 

8.Literaturverzeichnis

Joachim Behnke/Nina Baur/Natalie Behnke: Empirische Methoden der Politikwissenschaft. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn, 2005.

Diekmann, Andreas: Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. Rowohlts Enyklopädie. Reinbek bei Hamburg, 2004.

Franks, Helen Goodbye Tarzan. Der endgültige Abschied vom Macho-Mann.

Econ Verlag GmbH: Düsseldorf und Wien, 1985

Hradil, Stefan Soziale Ungleichheit, soziale Schichtung und Mobilität

In: Korte/ Schäfers (Hrsg.): Einführung in die Hauptbegriffe der Sozologie. Leske + Budrich: Opladen, 2000.

Hillmann, Karl-Heinz: Wörterbuch der Soziologie. Alfred Kröner Verlag. Stuttgart, 2004.

Möller, Kurt Männlichkeit und männliche Sozialisation. Empirische Befunde und theoretische Erklärungsansätze.

In: Möller, Kurt (Hrsg.): Nur Macher und Macho? Geschlechtsreflektierende Jungen- und Männerarbeit. Juventa Verlag: Weinheim und München, 1997

http://www.destatis.de/indicators/d/arb410ad.htm Rechenzentrum der Kathlischen Universität Eichstätt-Ingolstadt am 27.02.2006

http://www.destatis.de/presse/deutsch Rechenzentrum der Kathlischen Universität Eichstätt-Ingolstadt am 03.03.2006

http://www.arbeitsagentur.de/ Rechenzentrum der Kathlischen Universität Eichstätt-Ingolstadt am 03.03.2006

Ausgewählte Texte aus dem Sozilogischen Forschungspraktikum 2005/2006 an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt: Basistexte Woche 1-4, Methodentexte M01-M13


[1] Franks, H. 1985, S. 13

[2] Möller, K. 1997, S. 23

[3] Simmel,  1985, S 200ff

[4] http://www.destatis.de/indicators/d/arb410ad.htm

[5] Hradil, 2000, S.202.

[6] http://www.destatis.de/presse/deutsch

[7] http://www.destatis.de/presse/deutsch

[8] Behnke, Baur, Behnke, 47ff, 2006

[9] Behnke, Baur, Behnke, 66, 2006

[10] Behnke, Baur, Behnke, 121f, 2006


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